Gen Süden

Dieses ablegemanöver in Puerto Sauce war wieder einmal gut, die strömung war auf null und der wind moderat. Vorher habe ich mich noch bei Kris verabschiedet, der nach norden segeln wird. Danach raus in den Rio del Plata. Der sonnenuntergang am vorabend war  wieder schön.

20170516 puerto sauce

 

20170516 puerto sauce

 

Der wind sollte für die nächsten beiden tage aus nordost kommen, daraus wurde am ersten tag leider ein südost. Das konnte ich schlecht gebrauchen, genau von vorn. Der motor war aktiv beim segeln dabei und zum sonnenuntergang war ich wieder einmal am Punto Jesus Maria. Das wäre auch ganz toll, wenn nur nicht R. Kaiser immer im ohr dabei wäre, genau wie auf der hinreise. Einfach ekelig und nicht aus dem inneren gehörgang zu säubern.

Am nächsten morgen habe ich erstmal das segel hochgezogen und das erste reff gleich hineingebunden. Danach den anker geliftet und bin weiter zu meiner bucht vom vorletzten mal gesegelt. Im tieferen wasser eine gereffte genua rausgezogen und mit über sieben knoten ging es richtung Montevideo. Nach dem kap waren es sechs und später wieder weniger knoten.
Weil ich meine route nicht verlassen wollte, lief schonmal der motor mit. Das war eine lösung, um gegen die ekligen wellen anzukommen. Diese sind so steil und kurz, dass sich das schiff einstampft und wieder von neuem geschwindigkeit erreichen muss. Der motor hilft, um die grundgeschwindigkeit zu halten und damit der autopilot nicht verwirrt wird und bremst.
Um in meine bucht zu kommen, musste ich aufkreuzen und am ende vor dem ankerplatz stellte ich fest, hier ist es großer mist. Der wind hatte gedreht und vor ort waren es dreißig knoten mit wellen, nicht gerade optimal. Ich bin dann zwei meilen weiter die küste entlang gesegelt und habe eine weniger windige bucht gefunden. Das erste mal, dass ich in einem steinigen areal geankert habe, hoffentlich geht es gut.

In der nacht wurde ich dann mal öfters wach, von drei bis vier habe ich die windanzeige beobachtet. Das schiff blieb an seiner position, auch bei fünfundvierzig plus böen. Dazu kam dann am morgen ein schwell aus der anderen richtung, alles nicht so richtig schlaftauglich. Da es am morgen noch nicht richtig besser wurde, jetzt auch mal mit regen, wartete ich einfach ab. Eine segellatte war außerdem aus ihrer tasche gerutscht und die musste erst wieder positioniert werden.

Dann war die wettervorhersage auflandiger wind, wie ich dank des offenen wlans eines restaurants in der bucht in erfahrung bringen konnte. Also los und das schnell, wieder im gerefften zustand teilweise über acht knoten. Als ich dann Montevideo passiert hatte, aus der ofen. Also mit motorunterstützung weiter bis Piriápolis. Die geplante ankunftzeit um nachts ein uhr habe ich eingehalten, somit nur einen tag überteuertes marinageld. Ich bin dann mit dreißig knoten wind in den hafen hinein und habe zum glück einen ganzen freien steg vorgefunden. Also ran da, längseits, auch wenn jemand gerufen hat. Aber so leicht gab der nicht auf, der steg ist nicht frei gegeben, ich muss sofort woanders hin. Ich habe mich für eine andere ecke entschieden, da geht weniger kaputt.
Nur habe ich die über zehn zentimeter langen schraubbolzen in dem holz übersehen, bei regen und dunkelheit. Beim ablegen habe ich diese mitgenommen bzw. sie haben das boot mit der reling gestoppt. Was für ein pfusch, mooringbojen schon alle plaziert, aber die bolzen nicht abgeflext. Die reling hat ganz schön etwas abbekommen, mist, rostiger.

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

Auch kapieren die ausgelagerten bediensteten hier nicht, dass man einhand an den  mooringbojen nicht allein ein seil einfädeln kann, zudem das bei sechs windstärken. Die ecke war groß genug für längsseits. Am morgen hat mir dann jemand geholfen, ein seil an die mooringboje anzubändseln. Nach kurzer zeit stand das schiff dann ordnungsgemäß rechtwinklig zum steg.
Danach die behördenstrecke und zum gasfritzen. Befüllung am selben tag und einen adapter hat er auch. Der supermarkt ist in der nebensaison anders angeordnet, sortimentswechsel. Das deutsche schwarzbrot war aber noch vorhanden. Morgen früh geht es weiter, das wetterfenster hält bis zum mittwoch, das muss genutzt werden. Natürlich geht hier das internet mal wieder nicht, keine empfehlenswerte marina in Piriápolis.

Vor der abfahrt habe ich mir noch einmal den gesperrten steg angeschaut. Einfach nur schlimmer pfusch, ich habe genau die stelle getroffen, wo noch zwei lange bolzen komplett und weitere zu weit heraus stehen. Leider auch in der unteren reihe und somit bin ich wieder im arbeitszustand vor der farbe.

20170520 schaden verursacher

 

20170520 schaden verursacher

 

20170520 schaden verursacher

 

Am So morgen bin ich so um zehn uhr los, vorher noch bei der immigration und der prefektura vorbei geschaut, ging schnell. Dann noch ins internet, wetterdaten abgeholt, mail abrufen auch und dann war es wieder aus. Keine möglichkeit, nachrichten zu senden.
Das ablegen mit zwanzig knoten wind aus zwei uhr ging recht gut, die beiden von der Nadine haben die leine abgeworfen. Draußen waren es dann schon fünfundzwanzig knoten wind. Mit über sieben knoten ging es nun dem ziel entgegen. Wenn das so weiter geht, wird es heute das schnellste etmal werden.
Leider musste ich dann noch durch ankernde schiffe hindurch, ich habe über dreißig stück gezählt, alle um die zweihundert meter lang. Entweder warten die auf besseres wetter oder die häfen sind gesperrt. Um drei uhr am nachmittag hatte ich dann das letzte schiff passiert. Wenn die alle in bewegung gewesen wären, hätte ich wohl einen zickzackkurs fahren müssen.
Zudem ist es bis jetzt auch meine kälteste tour. Nachts um fünf grad, die kleidung wird immer mehr. Barfuß ist schon lange nicht mehr angesagt und kurze hosen sind tabu. Jogginghose, t-shirt, sweatshirt, fleeceshirt, darüber ein leichte segelhose und eine jacke. Natürlich schuhe, eine wollmütze und handschuhe. Bei frischem wind wird es dem wärmeverwöhnten skipper schnell zu kalt. Ich wollte das so, barfußroute kann jeder.

Nach einem tag ist dann die ernüchterung wieder eingekehrt. Am anfang war es super, bis zum sonnenuntergang, einem richtig feurigen, war die geschwindigkeit nie unter fünf knoten. In der nacht brach dann das windsystem zusammen und ich schaffte gerade mal hundert seemeilen in den ersten vierundzwanzig stunden. Dabei war es am abend so heftig, dass ich das vorbereitete chickencurry nicht essen konnte, der herd war am anschlag. Also eine leichte notsuppe und danach viele, viele schlafversuche.
Am morgen dann ein super sonnenaufgang und leichter wind, die batterien mussten auch mal geladen werden. Ich hoffe nur, dass ich morgen bei tageslicht am ziel ankomme.

20170521 sonnenuntergang

 

Der ganze zweite tag war mit leichtwind und deshalb habe ich kaum ein richtiges stück geschafft. Aber die see war ruhig und das vorbereitetes curry schmeckte hervorragend.
Der dritte tag bot mir nur achterlichen wind, den ich gar nicht mag, da direkt vor dem wind das segeln durch schlagen der segel nervig ist. Somit kreuzte ich vor dem wind. Auch war der wind nicht stark genug, so dass bei unregelmäßigen wellen die genua einfiel und sich mit einem lauten knall wieder aufgebläht hat. Und dann ist mir noch der palstek der zweiten reffleine um den großbaum herum aufgegangen. Wie das passieren konnte, ist mir ein rätsel, von da an ging es nur noch mit der genua.
Mit dem motor und der genua bin ich dann um mitternacht in den hafen von Mar del Plata eingelaufen. Ich bin nach der elektronischen karte gefahren, sonst hätte ich wohl das ziel verfehlt. Im vorhafen zur marina fand ich eine freie mooringtonne und der wind war gnädig für das manöver. Jetzt habe ich den dreh heraus, jedenfalls wenn genügend platz da ist. Vor dem schlafengehen habe ich mir noch eine warme dusche gegönnt, war ein wenig angefroren.
Sechzig stunden hat die überfahrt von Piriápolis, Uruguay, nach Mar del Plata, Argentinien, gedauert für zweihundertdreiunddreißig seemeilen. Wichtiger ist, dass ich rechtzeitig angekommen bin, denn ab den nächsten tagen gibt es südwind.

Jetzt liege ich weiterhin im vorhafen am steg mit der freundlichen unterstützung eines marineros. Alles ein wenig klapprig und hoffentlich sicher. Wasser und strom sind vorhanden und kosten nichts extra. Die büroangestellte des Club Nautico sagte sofort von sich aus, dass es zwei freie tage gibt und danach kostet es zwölf dollar, klare ansage. Das wlan ist auch vom schiff aus zu empfangen, also wieder ein pluspunkt.

20170526 vorhafen

 

Dann wollte ich los zum einklarieren, aber hier tickt die masche anders. Bei einreise aus einem anderen land kommt zuerst ein arzt an bord, füllt einen zettel aus, fragt, ob ich gekotzt habe und will dann achthundert pesos, umgerechnet fünfundvierzig euro, haben. Reine geldabzocke, denn wenn ich von Uruguay nach Buenos Aires gefahren wäre, hätte es keinen arztbesuch gegeben. Außerdem: wie soll jemand das geld haben, wenn er nicht vom schiff kann? Ich hatte das geld nur vom ersten mal Argentinien noch übrig gehabt.
Danach das spiel, die immigration zu finden, zoll besuchen und dann die prefektura. Hat holprig funktioniert, und am Fr morgen habe ich einen termin, um die hirnverbrannte erlaubnis, zu den Falklandinseln zu fahren, zu beantragen. Die genehmigung soll zehn tage dauern, vielleicht.
Der ganze hafenbereich stinkt nach fisch. Wenn der wind schlecht steht, habe ich es auch im schiff. Am liegeplatz kommt noch das aroma von calamares hinzu. Der mensch ist der größte räuber des meeres, es liegen hier geschätzte hundert fischfangfabriken. Der krabbenkutter aus Büsum wäre hier nur ein beiboot.

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

Ich habe heute am Fr einen weiteren teil des hafens gesehen, da waren dann auch die kleineren schiffe, die in der werft überholt werden. Etwas gutes hat so ein fischereihafen ja doch, es gibt frischen fisch und das sehr häufig. Auch kann man sich hier mit leinen und bootszubehör eindecken. Ich habe mal vorsichtshalber ein wenig leine gekauft, zweihundertundzwanzig meter, gewicht zwanzig kilogramm, das kilo kostet unter neun euro. Auf nachfrage gab es noch einen discount und mit der karre bin ich dann zum schiff zurückgezuckelt.

20170526 fischerboote

 

20170526 fischerboote

 

20170526 seileinkauf

 

Zuvor war ich noch bei der prefektura, die frau hat sich eine stunde zeit genommen, um ein paar zettel für die Malvinas auszufüllen. Die kommunikation ging holprig gut, und nach zwei stunden war ich wieder dort. Sie hatte inzwischen die daten nach Buenos Aires gemorst und ein ok für die vollständigkeit erhalten. Es soll nun immer noch zehn tage dauern mit der genehmigung und sie melden sich dann beim club, hoffentlich.

Meine holzsammelaktion verläuft hier außerordentlich erfolgreich. Man greift ins hafenbecken und zieht sich eine platikfischkiste. Dann sammelt man das holz ein, das hier herumschwimmt oder schon am ufer liegt. Die arbeiter auf den fischtrawlern schmeißen einfach die kaputten leinen, kanister, kisten und hölzer hier im hafen über bord, dreckssäue. Da der aufenthalt auf den Falklands länger dauern kann, habe ich schon die zweite kiste holz gesammelt.

20170525 plastikmuell

 

20170526 fischkisten mit holz

 

Die versorgungslage ist doch recht gut, auch wenn zur zeit nur ein größerer supermarkt in fußnähe geöffnet hat. Um dort hinzukommen, muss ich immer über die drehbrücke, die so alt aussieht, wie der club alt ist, neunzig jahre. Ich kenne da jemanden, der hätte jeden tag enormen spaß daran, darüber zu laufen. Die brücke ist in sich schief, bis jetzt hält sie.

20170527 drehbruecke

 

20170527 drehbruecke

 

Bei dem supermarkt bin ich jetzt auch in die pfandflaschenfalle gelaufen. Es ist zum schreien, wenn ein system nicht verstanden wird. Die hier nehmen das vorschriftsmäßig ernst und kapieren es trotzdem nicht. Wenn man drei flaschen zurückgibt und nur eine neue kauft, so bekommt man nicht die anderen zwei angerechnet. Ich habe an der kasse gebockt und dann haben sie mir einen neuen zettel ausgefüllt, auf denen ich noch die anderen beiden flaschen gut habe. Somit wird der leergutbestand in den haushalten immer mehr, oder zumindest bei mir. Die steigerung ist aber noch, dass man für braune oder grüne flaschen auch nur diese wiederkaufen kann. Ich kenne da wiederum jemanden, der ist an der kasse ausgerastet, hat den ganzen einkauf dort stehen gelassen, weil sie keine zwei kisten leergut zurücknehmen wollten. Die ticken hier neben dem rythmus, ist halt Argentinien.

Alltag in Argentinien, mit der tasche über der schulter und dem fotoapparat unterwegs, um neue dinge zu sehen. Der versuch, eine flextrennscheibe für holz zu kaufen, wird noch fortgeführt. Den hafen habe ich dabei bis zu den gegenüberliegenden schwimmdocks abgelaufen. Dabei bin ich auch an der reparaturwerkstatt dieser alten mobilen kräne vorbeigekommen.

20170529 hafenkraene

 

20170529 hafenkraene

 

20170529 hafenkraene

 

20170529 fangflotte kleinschiffe

 

20170529 fangflotte mit lampen

 

20170529 hafen

 

Zu anderen stunden des tages bin ich mal wieder im netz. Dort habe ich unglaubliche geschichten zu Argentiniens diktatur, mercedes benz, nazigold und unterschiedliche personen, den eichmannfall und über geraubte kinder erfahren. Sucht einfach mal nach Gaby Weber, sie hat mehrere filme erstellt und ist für mich glaubwürdig. Seit heute sehe ich die mercedes kurzhauber auf den straßen aus einer neuen perspektive, diese drecksbande.

Gestern war ein sehr erfolgreicher tag, ich habe das schmutzigste und gefährlichste werkzeug seit langem gekauft. Das ganze in der landessprache unter einsatz von händen, ohne füße. Ich hatte eine ferretería in der oberen straße im visier, war aber gleich bei der ersten hängengeblieben. Diese eisenwarenhandlungen bieten eine enorme möglichkeit, etwas zu verändern, in meinem fall holz zu passendem brennholz. Der verkäufer war ein wenig besorgt und erklärte mir, wie herum dieses sägeblatt zu benutzen ist und wie nicht.
Das ganze machte mir auch angst, vorsichtige angst. So habe ich erstmals seit dem kauf der flex vor jahren wieder den schutz um die trennscheibe angeschraubt. Für normale kamikazearbeiten brauche ich dieses teil nicht, hier jedoch ist es angebracht. Zum glück zieht das sägeblatt, und wenn es sich verkantet, bewegt es sich von meinem körper weg. Soweit die theorie, die holzstücke, die ich dann bearbeitet habe, waren zu klein und flogen somit zum körper oder an die hand.
Aber nach unter einer stunde hatte ich zwei vollgefüllte fischkisten mit brennraumpassendem feuerholz. Und morgen wird weiter gesammelt, solange ich warte, habe ich zeit dazu.

20170601 gefaehrliche handkreissaege

 

Mal eine zusammenfassung der letzten woche und ich sage, es ist nichts passiert. Was so nicht stimmt, ich habe mir meine augen rechteckig geglotzt und insgesamt drei kisten voll mundgerechter stücke für den ofen gesammelt und versägt. Indes sind noch alle finger dran.
Das großsegel ist wieder richtig eingetütet, die reffleine hat einen neuen knoten bekommen und der wassertank ist auch wieder voll. Mein kühlschrank ist voller frischer lebensmittel, weil ich immer besser kauen kann. Das erste mal seit monaten habe ich wieder zahnseide benutzt, weil ich da jetzt mit den finger in den mund hinein komme. Also wieder weg von suppen, dünnsten schnitzeln und anderem essensflachgut.
Da ich auf der anderen seite der kugel bin, ist hier fast winter. Ist aber nicht so schlimm, habe ich doch hier eine flatrate in strom. Das schiff ist warm und ich muss nicht frieren. Das holz ist für kälteres wetter, wobei die letzte dritte kiste noch erstmal trocknen muss.

Und meine beiden päckchen, abgesendet anfang april aus Berlin, sind auch schon auf den Falklands angekommen, es fehlt also nur noch der empfänger. Nächste woche gibt es hoffentlich den zettel, dann die wettervorhersage intensiv anschauen, leinen los und gen süden.

Ich wiederhole mich schon wieder, aber hier wird es kalt, sehr gut zum angewöhnen und idealerweise langsam. In der nacht geht es bis auf null grad herunter, dabei weht ein guter wind. Am morgen sind es dann im schiff noch zehn grad. Doch mit dem heizlüfter an den füßen geht es schon besser.
Heute ist der gefühlte zehnte tag und da bin ich mal wieder bei der prefektura hineingeschneit. Aber die kollegin war nicht da und die andere erklärte mir: die zehn tage sind arbeitstage und das wochenende zählt nicht mit. Nächsten freitag sollte ich wieder kommen. So langsam geht das warten ins geld.

Mitte der woche und gestern war es eine kurze nacht. Ich habe mir mal wieder am tage segelvideos angeschaut und bin sehr genervt, was die statisten dort als abenteuer verkaufen wollen. Diese vblogs leben von spendern und dazu bieten sie frisches junges fleisch in knapper badebekleidung an, je weniger stoff, desto mehr besucher auf der seite. Sex sales, ok, da kann ich halt nicht mithalten. Nur leider ist der rest für die hohle birne, da wird ein ölwechsel zum großen projekt oder das aufhiefen in den mast zum staatsakt. Hauptsache nacktes fleisch in den vielen vblogs.

Ich hangle mich immer von einem zum nächsten video durch, um vielleicht etwas neues bei den vorschlägen zu erfahren. Ich sah mir ‘chasing bubbles’ an, eine gelungene weltumseglung, danach mit finalem ende. Nur von bubbles zu boobs ist es nur ein kleiner phonetischer schritt. Die suchmaschinen verhelfen mit dieser schlechten krückentechnologie zu grottigen ergebnissen. Und dann taucht als vorschlag immer wieder eins auf, bei dem viele zuschauer ausflippen, diesmal nichts über segeln, dafür aber über vier millionen clicks. Passte überhaupt nicht zu meinem suchthema.
Natürlich hat die frau auf dem bild ddd+ oberkörper, und im video mit knappem engen shirt, das drohte zu zerreißen. Das thema aber ist das ausprobieren eines ‘rocket stove’. Was ist das, habe ich mich gefragt?
Neue ideen begeistern mich und so habe ich mich den ganzen restlichen tag damit beschäftigt. Kurze zusammenfassung, ein sehr effizienter holzvergaserofen und einfach zu bauen. Das schlimme daran ist, ich wollte gleich anfangen, einen zu entwerfen, ging dann aber doch ins bett. In der nacht hat es so etwas von gearbeitet, dass ich nicht schlafen konnte. Die erste innovation war an meinem holzofen angedacht, betreibe ich ihn doch mit einem schnellen improvisorium.
Nach einer danach verlängerten nacht habe ich den brennraum durch ein paar bleche verändert. Bei der letzten revision des ofens habe ich ein blech weggelassen, mit folgen. Bei guter belüftung schlagen die flammen in das abgasrohr und es glüht, die wärme verpufft. Somit habe ich heute im ofen eine zwischendecke eingezogen und hoffe, auf dem richtigen weg zu sein. Der bau des rocket stove kommt aber noch, nur wann?

Morgen ist der tag des bekloppten zettels. Wenn der wisch da ist, kann ich mich auch gleich hier aus dem land abmelden, denn der wind könnte der richtige sein. Zum anfang kommt er halbachterlich und später seitlich. Der wind wird kräftig wehen, aber dass es keine gemütliche, warme entspannungsreise werden wird, ist mir klar. Wer lust hat kann den wind bei: ’https://www.windy.com/?-44.497,-57.173,5’ anschauen.

Und das habe ich ganz vergessen, vor drei jahren habe ich mit dem schiff Berlin verlassen. Die nächste standortmeldung sollte in zwei wochen aus Stanley auf den Malvinas erfolgen.

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Systemgefangener

Das ablegemanöver in Montevideo war sehr gut, kaum wind und keine strömung. Der versuch control “uka” zu rufen ging zweimal schief, keine antwort. Dann brabbelte jemand etwas auf spanisch und ich habe auf englisch gesagt, dass ich den hafen verlassen werde. Ich hoffe, dass es reicht.
Dann gab es einen entspannten motorsegeltag bis zum punto maria, wo ich schon einmal geankert hatte. Aber was ist entspannt, wenn ich dauernd ausschau halten muss, ob irgendwelche netze im wasser sind. Also ein wenig anstrengende fünfzig meilen für den ersten tag.

Der zweite war fast genau so, aber zur mitte hin war genug wind, um zu segeln. Beim reinen segeln interessieren mich die netze nicht mehr, da die schraube kein wasser saugt. Nach weiteren dreißig meilen bin ich in Puerto Sauce angekommen und habe wieder im vorhafen geankert. So weit, so gut. Danach geduscht, gegessen, wein getrunken und ab ins bett.

Nur die prefektura findet es nicht gut, dass ich ankere, und so kamen sie im dunkeln und haben mein schiff mit dem schlauchboot geentert. Ich war im tiefschlaf und bin dann doch aufgewacht. Die papiere waren in ordnung, aber ich müsse in den hafen, aber erst morgen früh.
Nur jetzt weht hier eine steife brise mit regen und da fahre ich nicht in einen hafen. Zumal es dort mooringbojen gibt, und einhand ist es bei wenig wind möglich, nur nicht jetzt. Also warte ich bis zum niedrigwasser heute nachmittag, bei hoffentlich weniger luftbewegungen.

Jetzt fünf stunden später bin ich doch im hafen, nicht schön, aber ohne schaden. Die entscheidung von heute morgen hatte ich gleich wieder verworfen, denn laut meinen gribdaten sollte der wind anhalten. Also los und eine mooring im hafen erbeuten. Bis jetzt hatte ich immer glück bei solchen aktionen, heute auch wieder. Als ich vorsichtig in den hafen eingelaufen war, gab es keine freie boje, mist. Aber es gab eine freie stelle von zwanzig metern am steg, leider mit ablandigem wind. So habe ich dort zwischen zwei schiffen gedreht und eine frau mit bauarbeiterhelm hat mir geholfen. Leinen angenommen und nach bedarf wieder gelockert. Nur bin ich nicht an die mooringbojen herangekommen, um das schiff vorn fest zu machen. Da hat sich dann der nachbar erbarmt und mit seinem schlaffen schlauchboot eine verbindung hergestellt. Das war mein glück, denn meine leinen waren zu kurz, um es selbst zu machen. Nach einer stunde war es dann vollbracht, mit dem hintern zum steg und vorne zwei leinen zu zwei moorings.
Danach noch das hafenbüro besucht, die prefektura aufgesucht und fest. Geht doch.

Ich habe schlimmes von diesem ort erwartet, jedoch mag ich ihn, bis jetzt. Ein wenig heruntergekommen ist er schon, verlassene industrieruinen und das ganze nicht über zwei stockwerke hinaus. Meistens sind es nur eingeschossige häuser mit einem flachdach. Die straßen erinnern mich an Colonia, das nur dreißig kilometer entfernt liegt. Ab und zu ist das alte kopfsteinpflaster noch vorhanden, und die reste von einer schienenanbindung habe ich auch schon gefunden.

20170417 industriehalle

 

20170417 industriehalle

 

20170417 wagenpflege

 

Hier herrscht das einfache leben, wer einen job hat ist könig und die jugend hängt ab, aber nicht wie in der brd. Dies ist ein großes dorf, jeder kennt jeden. Am wochenende wird herumgecrused, auch mehrmals an der hafenpromenade vorbei. Dabei fällt mir die mobilität der mädchen auf, viele auf dem roller oder mit dem rad unterwegs, dabei ist immer die thermosflasche für den mate.

20170418 puerto sauce strasse

 

20170418 puerto sauce strasse

 

20170418 puerto sauce strasse

 

Über ostern war es hier sehr idyllisch, die papierfabrik war zu, das zementwerk auch und viele menschen trieben sich am hafen herum. Nur gestern abend im dunkeln habe ich dann schraubengeräusche im schiff wahrgenommen. Das ergebnis ist ein tanker, recht groß für den kleinen hafen. Seitdem brummt sein generator und das schiff wird entladen. Ohne sprit läuft auch die zementfrabrik nicht so gut, seit heute morgen qualmt sie auch noch. Mal sehen, wie schnell ein krupphusten entstehen kann.

20170418 puerto sauce

 

20170418 puerto sauce

 

20170418 puerto sauce

 

So langsam bin ich hier etwas angekommen, kann mich mit der gegend anfreunden. Es ist grün hier, und die ursache ist der heutige tag, durchnässt. Dauerregen und ich habe die trockenen minuten genutzt, um zum büro zu laufen und dort ins netz zu kommen. Leider nur dort, dafür aber schnell.

Das andere grün wird hier sehr häufig konsumiert, der süßliche geruch der lodernden selbstgedrehten zigaretten gelangt bis in meine riechsynapsen. Die kids hier am hafen kommen mit dem moped an, drehen sich eine und fahren bekifft wieder weiter. Es wird hier viel, sehr viel geraucht, weiblein wie männlein, und keinen stört es, find ich gut. Vielleicht ist es doch ein ableger von Jamaika und nicht die Schweiz südamerikas.

Ich habe gerade die möglichkeit, im öffentlich-rechtlichen fernsehen zu surfen. Nicht alles geht und somit ist öffentlich eine farce. Es ist lange her, dass herr trimmel nach Leipzig fuhr, eintausend folgen später ist es nicht sehr viel anders geworden. Den tatort “sturm” habe ich gerade verfolgt und es sind klischees wie vor vierzig jahren. Aber es sollen nicht die rollen die geschichte erzählen, es ist bildungsfernsehen für die mittel- und unterschicht. Besser formuliert wäre bilderfernsehen angebracht. Ich bin hier im off und eine konversation über ein grundschulniveau hinaus ist selten. Die sprachen, die ich versuche zu benutzen, sind rudimentär, und so versuche ich das heimatliche sprachzentrum zu stimulieren. Was nicht funktioniert mit bildungsinformation im form eines realitätsfremden krimis zur top sendezeit, um möglichst viele graue zellen zu betäuben.

Mein thema ist, wie im blog zu lesen, einfach gewinnt. Nur ist die perspektive auf dieses thema wichtig, ich habe definitiv zu viel technik auf dem schiff. Ich kann es zwar noch kontrollieren, die beherrschung ist aber schon lange über bord gegangen, und es geht einfacher. Gestern ist hier ein zusammengebratenes dreißig jahre altes stahlschiff angekommen. Ein dschunkenrigg, kein motor, keine elektronik, kein klo und natürlich auch kein kühlschrank. Navigiert wird mit dem sextanten und papierkarten, der kompass hat abweichungen bis zu sechzig grad.
Der eigner kommt aus Australien, ist Tscheche mit russischen eltern und seit dreißig jahren mit einer deutschen frau unterwegs. Er hat sich vorgenommen, die drei größten wasserfälle der erde zu besuchen, nun ist er hier in Uruguay bei der nummer drei. Danach soll es per lkw nach Chile gehen und weiter an den pazifik. Mein respekt, wenn jemand mit einem dreißig fuß schiff so etwas macht und das nicht erst seit gestern. Ich lebe im vergleich im luxus und sorge mich um warmes wasser. Mal sehen, was ich sonst noch erfahre.

20170424 kehaar

 

Das wochenende ist wieder da und der tanker hat auch abgelegt. Der qualm vom anfang der woche war wohl nur ein brand irgendwo, vielleicht der alte skoda, den ich beim rundgang entdeckt hatte.

20170505 skoda

 

Denn die fabriken arbeiten nicht, also kein lärm, kein gestank und kein staub. Entlassen werden die menschen nicht, bekommen aber auch keinen lohn. Alles in warteposition, aber der zement kommt billiger aus China. Also ein guter ort zum warten, auf mein radar.

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

Wenn das radar fertig ist, werde ich mit dem bus nach Montevideo fahren und es abholen, das ist billiger, als einen tag im yachtclub dort zu liegen. Wenn alles so funktioniert, wie es mal war, lege ich zum richtigen wind hier ab. In vier tagen zu dreißig seemeilen könnte ich dann in Piriápolis sein, meinem ersten ort in Uruguay bei ankunft. Noch einmal dort einkaufen und ausklarieren, das ist auch leichter als in Montevideo.

Meine aufgaben beschränken sich auf die sachen, die schon lange zu machen sind. Von Grand Canaria habe ich einen radarreflektor mitgenommen. Das plastik ist an einer stelle kaputt, an der funktionalität ändert das aber nichts. Der australier hat mich auf die idee gebracht, den reflektor zu installieren, als zweiten, weil einer ist schon im rigg. Er selbst hat auf dem meer ein schiff parallel zu seinem im abstand von fünf metern gehabt, ein überholer. Und er selbst hat ein chinesisches containerschiff gerammt.
Also wollte ich eigentlich nur kurz auf den mast, das teil mit kabelbindern montieren und wieder einmal das rigg checken. Und genau dort, wo der reflektor hin sollte, war das unterwant nicht mehr so klasse.

Meine lesebrille, diesmal mit bandsicherung war dabei, sonst hätte ich den gerissenen draht nicht erkannt. Wenn man denkt, man ist fertig, kommt immer wieder etwas dazwischen. Dann habe ich noch alle anderen wanten überprüft und eine zweite stelle an der anderen unterwant auf der steuerbordseite gefunden. Wieder ist ein draht von den neunzehn gerissen. Das ist die seite, an der ich die oberwantaufnahme am deck geschweißt habe.

Ich werden an diesen stellen eine drahtsicherung anschweißen, für den fall der fälle. Fragt sich nur, warum ist da etwas gerissen und wann.

Heute ist Mo, anfang der woche, in der mein ersatzteil ankommen soll. Und es ist ein guter tag, hatte ich doch die letzten beide tage fuß, wo immer ich mir den angeschlagen hatte. Mit der sackkarre und der leeren gasflasche bin ich losgezogen, da ich gestern ganz in der nähe vom hafen einen gashändler gesehen hatte. Der hatte leider zu, so habe ich mich über fünf personen zu einem weiteren händler durchgefragt, mit erfolg. Morgen kann ich sie wieder abholen.
Dann habe ich mich durch drei elektroläden gefragt für meine kohlebürsten, und am ende vier stück käuflich erworben, der preis ist mit zwölf euro ok. Somit haben meine beiden flexen frische kohle und laufen wieder. Den schock von gestern über meine unterwanten habe ich auch schon überwunden. Repariert wird übermorgen, dann nehme ich wieder landstrom.
Nur beim hinaufsteigen der kaimauer bei der rückkehr habe ich mir die sackkarre ans linke bein geschleudert. Als der schmerz nachgelassen hatte, ging’s besser, aber nun habe ich zwei tage lang knie.

Das war nix heute mit der gasbuddel, morgen. Dafür habe ich dann noch eingekauft, den status beim radarfritzen angefragt und mich an die unterwanten gemacht. Ab heute abend gibt es wind und regen satt, also vorher fertig werden. Ich weiß nicht, ob die lösung gut ist, ich denke jedoch, dass es eine weitere sicherung ist. Die ausführung von mir könnte besser sein, hält hoffentlich. Die weitere hoffnung ist, dass ich das system nicht durch das schweißen geschwächt habe. Vor dem ersten regen war es fertig und montiert. Ein kurzer absatz für drei stunden arbeit.

20170425 unterwant2 gesichert

 

20170425 unterwant1 gesichert

 

Heute war ich schon dreimal beim gashändler, das erste mal mit der sackkarre, hängend an der schulter. Die flasche war nicht befüllt, sie haben nicht den passenden adapter. Ob ich denn einen hätte, na klar. Beim zweiten mal war ich nur mit meinen adaptern dort, keiner ist für das system Uruguay passend. Aber in ihrem schlauen buch steht ein schiff drin, das einen passenden haben soll, also wieder zurück zum hafen. Das schiff ist nicht mehr hier, ergo keine passende kupplung und wieder zurück mit der karre, diesmal an der anderen schulter. Dort angekommen war mittagspause. Also werde ich noch einmal hin müssen, um die flasche wieder abzuholen.
Das nächste problemchen ist der windgenerator, in Montevideo produzierte er noch strom. Heute kocht der hafen bei wind um fünfunddreizig plus, böen bis fünfundvierzig. Die stuka macht nur lärm und keinen output. Es kann nicht jeder tag toll sein, mist.

Gerade habe ich noch über den windgenerator gejammert und dann habe ich mal den regler gewechselt, zum originalen. Dann war es sehr leise, vielleicht mal eine windpause. Aber nach dem blick zur windmühle war alles klar. Der gesamte rotor mit der kappe und der schraube hat sich selbstständig gemacht. Ich befürchte, dass er nicht schwimmfähig ist. Zum glück habe ich auch kein blut oder abgeschlagene köpfe gefunden. Das ist heute ein scheißtag.

20170426 fluegellos

 

Am Do bin ich wieder zum gasmann gelaufen, seine anderen adapter ausprobiert und auf eine einheitliche norm für gasflaschen gebetet. Warum muss jede kleine verfurzte region seine eigenen gewindenormen haben? Somit habe ich die flasche wieder auf meinen kleinen lastkarren geschnallt und bin zurück zum schiff. Hundert meter weiter gab es dann einen radbruch. Gewollte obsolezenz schließe ich mal bei zwanzig euronen für die karre aus, einfach nur billigst. Das kugellager hat sich zerlegt, weil die distanzscheibe fehlte, aus kostengründen. Am nachmittag habe ich es wieder zusammengeflickt.

20170427 radbruch

 

20170427 radbruch

 

Redundanz hat ja auch mal was gutes, in diesen fall hatte ich alle teile für den windgenerator vorrätig. Nur die nasenkappe in der mitte fehlt, weil die neue zerbrochen ist. Es geht auch ohne. Die ursache war ein kabelbruch am mastausgang, den zu finden und auszutauschen hat einen halben tag gebraucht.
Bei der sackkarre läuft das rad wieder, da haben die Chinesen an zwei distanzscheiben gespart. Nach den letzten drei sturmtagen sind die mücken heute auch am tag aktiv, ich glaube, die haben druck. Zum frühstückskaffee habe ich mal gerade zwei dutzend geplättet.
Das würde ich auch gern mit dem radarfritzen tun, leider ein delay und diese woche ist das teil nicht angekommen, vielleicht anfang mai. So langsam wäre es doch günstiger, wenn ich nach hause geflogen wäre und mich selbst darum gekümmert hätte.

Zum ersten mai ist der ort zu, nur ein bäcker und zwei kleine läden haben für ein paar stunden geöffnet. Warum auch, die straßen sind vollgekotzt, die leute sind vom feiern halbtot. Die argentinische invasion über das lange wochenende hat gestern auch schon wieder abgelegt. Von jetzt auf gleich war der ganze hafen gefüllt. Dann gestern noch schnell in barbecue, viel wein und wieder ablegen. Die ruhe kehrte wieder ein, aber nur bis zur letzten nacht und ich war ganz in der nähe der emission. Somit war der schlaf nicht intensiv und die sonne beendete die nacht. Hoffentlich bringt diese woche ein mehr an repariertem radargerät.

Die andere aktion, die ich gerade starte, nenne ich eichhörnchen. Ich sammle holz, gehe die bucht ab und nehme brauchbare stücke mit. Dies ist die vorletzte gelegenheit, denn auf den Falklands gibt es kaum bäume.

20170503 holzarbeiten

 

20170503 holzarbeiten

 

Die tage vergehen und bald ist wieder ein wochenende. Alle vier tage nehme ich landstrom, lade die batterien auf, erwärme den boiler zum duschen und nutze den strom, um zu trocknen oder holz zu zersägen. Heute musste das hartholz aus Guayana dran glauben, ein volles jotun gebinde, ofengerecht. Mal sehen, wie lange es hält.
Zudem gibt es neues von der radarmanufaktur, die teile sind in reichweite und vielleicht am nächsten Mo im zugriff. Warten ist nicht eines meiner lieblingsbeschäftigungen, aber es geht. Das gute daran ist, dass gerade ein orkan auf den Falklands wütet, wer möchte schon gern jetzt dort sein. Ich nehme es, wie es kommt.

Heute kam die nachricht, dass die teile vielleicht am Di durch den zoll sind, vielleicht. Vorgestern habe ich eine schimmernde lache im hafenbecken neben meinem schiff gesehen. Da hat wohl wieder jemand sein schiff mit diesel versorgt. Und aus irgendwelchen gründen habe ich den benzingeruch in der backskiste ignoriert, war er doch nicht innen. Dann habe ich gestern einen fallenden tropfen aus meinem außenborder gesehen. Ein liter des teuren saftes ist stetig getropft und ich habe geschlafen. Der hauptschlauch vom tank zum absperrhahn lässt es ab. Heute habe ich den motor teilzerlegt und es repariert, so eine federklammer ist nicht stark genug, um den schlauch an den anschlüssen abzudichten.

Da ich ja zeit habe, bin ich mal den strand in richtung Montevideo abgelaufen. Die schrittweite lag bei einem meter, also sehr flott, denn wenn ich langsamer gehe, laufe ich gefahr ausgesaugt zu werden. Es sind einfach zu viele mücken und ich in kurzen hosen und mit t-shirt. Am strand sind die üblichen menschlichen plastikabfälle zu sehen, fotos davon keine. Aber es ist erschreckend, wie viele es sind. Mehr interessiert hat mich dann das gestrandete baggerschiff und die angespülten makierungstonnen, insgesamt drei stück.
Nach drei stunden wieder auf dem schiff zurück musste ich duschen, die beinmuskulatur strecken und mich auf einen muskelkater vorbereiten, der sich dann wohl morgen einstellen wird.

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

Die pinguinlauftage sind über das wochenende hinweggegangen, wieder ein normaler bewegungsablauf. Dafür gibt es heute am Mo einen regentag, der schon gestern abend angefangen hat. Nicht so schön, aber es sind zwanzig grad im schiff, mal wieder zeit, hier aufzuräumen. Außerdem ist heute wieder ein stromtag, somit kann die feuchtigkeit der nacht auch getrocknet werden. Morgen kommt hoffentlich mein teil aus dem zoll und dann geht es endlich wieder weiter.

Noch keine mail erhalten, kommt sicherlich noch. Ich habe hier mit einem skipper geschnackt und das macht mir jetzt wieder sorgen. Hier ist ein Belgier, der sein schiff verkauft hat und seit jahren in Patagonien war.
Er emfiehlt mir, nicht ohne permit von den Argentiniern zu den Falklands zu fahren. Er kennt einige, die probleme dadurch bekommen haben. Mit strafe und so. Da ich aber noch nach Ushuaïa will, entsteht das problem. Eine erlaubnis von einen verfickten land, das keine völkerrechtlichen ansprüche auf das gebiet hat, vielleicht geographische. Aber deren interesse ist eher monetär begründet.
Somit könnten sich meine reisepläne wieder leicht ändern, nach Mar del Plata und dort die absurde erlaubnis erhalten. Laut aussage soll es kostenfrei sein, nur dauert es sieben bis zehn tage, wenn ich glück habe. Also nehmen sie hintenherum liegeplatzgebühren ein, was mich wiederum nervt.
Dann ist mir gestern abend noch die handbrause von der küchenarmatur zerbröselt. Einen unglaublichen schrott habe ich vor drei jahren eingekauft, war aber billig. Zum glück habe ich noch ersatzanschlüsse. Der hauptträger macht es aber auch nicht mehr so lange.

20170509 wasserhahngammel

 

Und es kam gestern noch die mail, dass das radar funktionieren soll, hurra. Heute bin ich dann zum busschalter gelaufen und habe für morgen eine hin- und rückfahrt gebucht. Leider nehmen sie nur bargeld. Es geht voran.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt mit einem wecker aufgewacht bin, gestern war so ein tag. Um halb zehn ging der bus. Das model war aus den achtzigern und bis auf die tankanzeige gingen keine instrumente. Das abenteuer fing an und endete nach zehn haltestellen an der schnellstraße. Dort stand dann der richtige reisebus und in zweieinhalb stunden war ich in Montevideo. Vom busbahnhof habe ich dann irgendeinen bus zur altstadt genommen und stand dann vor verschlossener tür beim radar.
Also einmal wieder um die straßen gelaufen und eine neue fotoausstellung gefunden. Das letzte mal war es die stadt im aufbau, und diesmal Fitzcarraldo. Ein wachmann der bilder gab mir dann diese große postkarte, die motivation brauche ich auch für den nächsten teil der reise.

20170512 der berg

 

Danach zurück und man gewährte mir eintritt, und als die mechaniker zurückkamen auch eine vorführung der reparierten antenne. Und alles nur, weil auf der platine etwas nicht läuft, was konnten sie auch nicht sagen. Es sieht für mich nach obsolezenz aus, einen monat nach garantieende.

20170512 defekte platine

 

Nachdem ich tausend minus fünf besatzergeldeinheiten per karte abgedrückt hatte, bin ich wieder zurück zum busterminal. Leider konnte ich den bus nicht umbuchen und mußte über zwei stunden warten. Die rückfahrt war im dunkeln, also nichts mehr zu sehen, die scheiben beschlagen. Dabei habe ich auf der hinfahrt drei schrottplätze von der straße aus gesehen. Autos und lkws aus den dreißigern bis sechzigern, der rest fährt noch. Nach dem erneuten umsteigen in einen noch älteren bus als am morgen war ich nach über elf stunden wieder auf dem schiff. Man war das anstrengend.

Es wird herbst, die bäume sind gelb bis braun belaubt, einige sind auch schon kahl. Die temperaturen sind auch nicht mehr sommerlich, aber zwanzig grad reichen mir auch. Gestern war hier landunter und somit habe ich erst heute die radarantenne am mast montiert. Sie funktioniert und ich mache drei kreuze.
Dafür habe ich von der imigration der Falklandinseln per mail erfahren, dass sie meinen pass bestempeln wollen, wenn ich dort bleiben möchte. Die sollten sich mal an Cuba ein beispiel nehmen, dort wird auf einem stück papier gestempelt und danach kann man in die usa reisen, wenn man das will. Ergo werde ich definitiv nach Mar del Plata fahren, weil die jungs meinen, das ist meins. Dann kann ich dort noch lange landleinen kaufen für Patagonien.

So mittag, ich denke an nichts böses und trinke gerade meinen kaffee. Da kommt ein jüngerer mann zum schiff und fragt mich auf deutsch, ob das ein Anton Luft schiff ist. Mir sind die ohren abgefallen. Er kommt aus Uruguay und spricht ein gutes deutsch. Er wollte auch mal eins bauen, die kleinere version und hat dann doch abstand genommen, gut so. Außerdem hat er noch kein fertiges boot von Anton gesehen, nur welche im bau. Eins hatte er mal im bau vor fünfzehn jahren in Köln gesehen, von einem älteren ehepaar. Da war die welt wieder sehr klein, denn das ist jetzt mein schiff, unglaublich.

Auch habe ich eine neue sicht auf filme gewonnen. Der auslöser war wahrscheinlich in Argentinien, ein paar gespräche mit dem nachbarschiff, später fing mein gehirn an zu denken. Denn hier habe ich ein gutes internet am büro auf der bank und sauge so viel, wie möglich herunter. Gerade bin ich im großstadtrevier abgetaucht. Früher fand ich diese serie nur schrecklich. Nicht existierende straßennamen, falsche einstellungen, schlechte schnitte und spielorte mit falscher adresse. Ich kannte Hamburg ziemlich sehr gut und so war es ein graus für mich, die fehler zu sehen. Meine wandlung kam vor ein paar tagen, einfach die flache story sehen und ein bisschen vom alten Hamburg. Es ist halt kein dokumentarfilm.

Dieses Puerto Sauce ist ein guter platz, um zu warten, man kann hier auch länger verweilen. Mich hindert nun allerdings nichts mehr, also weiter in richtung süden. Heute habe ich noch einmal einen tag strom und wasser geordert. Die unsinnigkeit von flatrates wird hier recht deutlich. Es ist ein enormer aufwand, den verbrauchten strom oder das wasser zu messen, das sehe ich ein. Aber im gegenzug sauge ich in die batterien was geht, die dusche wird mit dem heizlüfter getrocknet und am morgen die kabine von der nacht.
Was nicht mehr geht, ist der wasserkocher, obsolezenz. Auch sollte man eine elektrische kochplatte oder zwei dabei haben, das senkt den gasverbrauch. Habe ich leider nicht und noch extra eine kaufen, muss nicht sein, ich bin kein marinasegler oder will es nicht sein.
Die große wäsche ist durch, die lebensmittel sind bis zu den Falklands an bord und am Mi morgen geht es hier los.

Der nächste halt ist in Piriápolis, und mit dem passenden wind geht es dann weiter nach Mar del Plata.

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Tatortrückkehrer

Die abreise aus dem irrtümlich gelobten club ging sehr schnell. Hochwasser war um zehn uhr und dann raus in den fluss mit motor. Segeln war nicht möglich, da der wind von vorn kam und bei teilweise nur achtzig zentimetern unter dem kiel keine entspannende aktion gewesen wäre. Drei stunden später war ich im legendären Yacht Club Argentino YCA. Zwei runden draußen gedreht und dann kam auch schon ein marinero und half, geht doch. Hier wird man zwischen vier pfeilern verspannt und vorn ist ein steg, noch nie so gehabt und einhand eine herausforderung. Dafür haben sie hier leider nur zwei tage cortesia, also für lau liegen. Zudem ist fünfzig meter hinter mir ein riesiges zelt für eine hochzeit aufgebaut und die boxen bringen auch mein schiff zum schwingen.
Nach dem einchecken bin ich losgelaufen zum supermarkt am busterminal. Den habe ich schon beim letzten mal besucht und diesmal habe ich mir die preise von den kompressoren angeschaut. Die kosten so viel wie meine missglückte reparatur. Eine wegstrecke würde ich mit einer meile beziffern. Zurück auf dem schiff war ich dann auch geschafft, der weitere ausflug, den ich für Sa angedacht hatte, wurde gecancelt.

Das erste mal war ich an einem So hier und empfand die straßen als überdimensioniert. Am Fr nachmittag sieht das allerdings ganz anders aus. Egal ob drei oder fünf fahrspuren für eine richtung, alles steht, stinkt und hupt. Jeder fährt bis in die kreuzung hinein und so geht nichts mehr. Dazu kommen unzählige rundhauber mit dem stern auf der selben und sie haben mehrere hunderttausend kilometer auf dem tacho. Rußfilter gibt es nicht, blauschwarze ausgehustete wolken von untermotorisierten und überladenen lkws bestimmen das straßenbild und den geruch im dauerstau. Ich war mit meinem vollen rucksack genauso schnell wie die transportierten container.

Am abend wurde es dann ruhiger, das panorama ist gewöhnungsbedürftig, das schöne alte gebäude des clubs geht in den hochhäusern leider unter.

20170317 YCA

 

20170317 YCA panorama

 

Am Sa hatte ich nur drei ziele bis zum mittag, immigration, zoll und prefektura. Die immigration liegt auf der höhe des supermarkts, und in der gegend war ich auch schon einmal, unbeabsichtigt. Das ging ganz schnell, stempel in meinen pass und auf das einreisedokument, zu schnell. Danach zum zoll und der war nicht im büro. Keiner von den zehn verfurzten leuten. Eine stunde habe ich gewartet und dann zur prefektura. Die arbeiten allerdings nur von Mo bis Fr, doch im hafen Madero ist die wochenendschicht. Einer sprach englisch und so fing das problem an. Das dokument, das die immigration gestempelt hatte, war das falsche. Ich sollte zum club zurück, die haben vordrucke und damit muss man noch einmal zur immigration. Ich habe fünf von den zetteln ausgefüllt und wieder richtung supermarkt. Unterzuckert und nahe dem verdursten dort schnell eingekauft und dann die stempel geholt.
Auf dem rückweg wieder beim zoll vorbei, ging einigermaßen schnell und einen weiteren kilometer zur prefektura. Denen gefiel die neue stempelarbeit und ich kann sogar am So ausreisen und nicht nur im gefürchteten zwei stunden fenster von gleich sofort an. Das ganze hat nur sieben stunden oder den halben tag gedauert. Die werden hier in absehbarer zeit nicht auf einen grünen zweig kommen, so nicht.
Ich hingegen habe mein laufpensum für den tag erreicht und werde keinen ausflug in das benachbarte viertel machen. Diese stadt ist nicht mein ding geworden, kultur hin oder her. Der unterschied zwischen besitzenden und dem rest ist sehr krass. Ich habe noch nie so viele menschen im wachschutz gesehen wie hier. Jedes größere gebäude oder wohnblock hat seine security. Die besitzenden werden sich noch wundern, wenn der ‘mob’, der rest der bevölkerung, wach wird.

Am frühen morgen wollte ich los, leider hört mich keiner auf kanal sechzehn, um die barre vor der einfahrt zu öffnen. Ich hatte schon die leiter wieder abgebaut und es war ein kraftakt vom schiff und wieder hinaufzukommen. Auf dem grundstück fand ich dann einen marinero, der informierte dann den mit dem boot. Als er ankam musste er wieder zum hauptgebäude zurück, weil dort der türöffner ist. Ich hatte mich aber schon losgemacht und wartete ungeduldig, dass der aufkommende wind mich nicht vertreibt. Dann endlich ging die barre auf und ich war auf dem weg nach Montevideo. Zu lange war ich in diesem land auf der ruheposition gewesen, der traveller der großschot war festgegammelt auf seiner rechtsaußen stellung. Da half nur noch der hammer, um die metallverbindung zu lösen, das nächste mal wird er ab und zu bewegt werden.

20170317 YCA ausfahrt

 

Auf dem meer ging ein guter wind und mit über sechs knoten fahrt rechnete ich schon mal die restzeit aus. Nach dem traum halbierte sich auch schon die geschwindigkeit. Ich lies Colonia links liegen und steuerte Puerto Sauce an, ein industriehafen mit der günstigsten marina in Uruguay. Bei falschem wind hat man den gestank und den dreck der papierindustrie auf dem schiff. Ich kam bei dunkelheit dort an und ankerte im vorhafen im schutze der langen mole. Auf dem weg ging meine geliebte blaue mütze von den Kap Verden über bord und ein rettungsmanöver blieb erfolglos, schade.

Früh morgens habe ich mich vom ankerplatz entfernt und bin weiter auf meiner geplanten route. Nur kam der wind fast genau von vorn und das groß bewegte mit dem motor zusammen das schiff. Der nächste geplante stopp war kaum zu erreichen bei der geschwindigkeit. Dann um die mittagszeit herum musste es das erste mal passieren, ein fischernetz in der schraube, zu spät ausgekuppelt, denn da war es schon drin.
Über hundert solcher fallen bin ich schon gefahren, wenn das netz stramm ist, geht es, hier war das nicht der fall. Und die fischer benutzen braune kanister und plastikflaschen zur markierung. Nur: bei sonneneinfall von hinten sieht man die dinger kaum, das ist eine tarnfarbe im kackbraunen wasser.

20170320 fischernetzkanister

 

Von der stelle bin ich noch ein paar hundert meter weiter gefahren und habe den anker geworfen. Wer will schon in dieser brühe baden und tauchen. Wobei das wasser besser schmeckt, als es aussieht. Zum glück wusste ich noch den stauraum von meinem trockenanzug. Der war fünfundzwanzig jahre nicht mehr im einsatz, und ich habe wieder das ungefähre körpermaß von damals. Um es abzukürzen, ich bin über dreißig mal getaucht, da man nichts sehen kann, nur tasten. Das messer in der einen hand angebunden, die andere ertastet netz und seile. Dabei habe ich mir auch selber in die finger geschnitten, nicht schön und durch die einsetzenden wellen bekam ich das schiff auch häufiger auf den kopf. Nach jedem tauchgang zurück zur leiter und ausruhen, da die kondition von früher leider nicht mehr vorhanden ist. Und endlich war das werk nach über zwei stunden vollbracht, alles war ab.

20170320 schraubenbeute

 

20170320 schraubenbeute

 

Die wellen kündigten den wind um fünfundzwanzig plus schon an, also wohin? Ich habe mich für Punto Maria, eine kleine landspitze, entschieden und bin dort mit dem restlicht angekommen. Die landzunge schützte mich vor den wellen und der wind blies auch nicht so stark, eine gute wahl für die nacht. Die landschaft sieht wie in meckvorpomm aus. Steilküste oder abgerutscht als sandstrand mit baumbewuchs, dazwischen felder und windräder.

20170322 ankerplatzlandschaft

 

20170322 ankerplatzlandschaft

 

Das letzte stück ging bis zur hafeneinfahrt von Montevideo unter segel und das war sehr angenehm. Danach ging es nur noch mit dem motor gegen an. Im yachthafen hat mich ein marinero empfangen und mir in eine lücke geholfen. Dabei habe ich mich im seichten wasser ein wenig im schlamm abgebremst, bin aber durchgekommen. Zettel ausgefüllt, abgegeben und nach dem supermarkt gefragt. Zusätzlich gab es noch die information, wo die immigration ist und welchen bus ich nehmen soll, klang alles einfach.

Am Do morgen habe ich die radaranlage geschultert, die dokumente gepackt und hab mich in die stadt begeben. Die fahrt dauerte eine gefühlte stunde und war recht aufregend, wenn man vorn im bus sitzt. Hier geht es noch einmal heftiger ab, als in Brasilien. Die fahrt kostet einen euro, der fahrer kassiert, gibt das wechselgeld raus, schaltet dabei und biegt noch ab, während er mit seinem ohrstöpsel telefoniert. An den ampeln werden die geldscheine sortiert und gebündelt oder das kleingeld wird in die fächer sortiert zum schnellen rausgeben. Das ist ein knochenjob, den es so in der heimatlichen bananenrepublik nicht gibt.
Die erste adresse für die immigration war nicht für mich zuständig, aber sie halfen mir, die richtige zu finden. Ich bin ein segler und werde als seemann behandelt, also ab in den hafen. Auf dem weg bin ich an meiner radarschmiede vorbeigelaufen. Dort habe ich mein ganzes system auf den tresen gepackt, das problem erklärt und hoffe auf eine schnelle reparatur, sie werden sehen.
Von dort aus waren es noch zweihundert meter bis zur anlaufstelle eins. Leider war es nur der zoll und von dort aus sollte ich zum fährterminal, weitere dreihundert meter. Im terminal erklärte mir die frau die nächste lokation, wieder zurück und um den zaun herum in den hafen hinein. Nach mehrfachem fragen war ich dann im ersten stock in einem schmuddeligen kabuff.

Englisch ist auch hier ein fremdwort, aber glücklicherweise kam ein vorgesetzter, mit dem ich kommunizieren konnte. Hier in Montevideo sei das prozedere ein anderes, die prefektura muss zuerst ein formular ausfüllen und danach arbeitet die immigration. Nur die prefektura im yachtclub hat nicht die befugnisse, diesen vordruck auszufüllen. Also werde ich morgen wieder den bus nehmen, unterwegs bei einer anderen prefektura aussteigen und das dokument verfüllen lassen. Danach wieder zum fährhafen und eine weitere stadtbesichtigung. Wieder ein tag fürn arsch, typisch für Uruguay.

Tag zwei begann mit einer busfahrt um die bucht herum zur hauptprefektura. Nach einiger zeit haben sie gewusst, was zu machen ist, hatten sie doch die telefonnummer der immigration von mir. Der zettel, den ich von der immigration erhalten habe, muss erst von der prefektura abgestempelt werden, nur die haben den vordruck nicht. Da hat jemand wohl das reihenfolgeproblem nicht erkannt. Dummerweise hat die hauptprefektura keinen solchen ein- und ausreisestempel, und so wurde das dokument mit zwei marinesoldaten aufs moped gesetzt und sie sind in den yachtclub gefahren, wo ich herkomme. Der ganze spaß an dieser stelle hat mich über eine stunde gekostet und da gehen mir viele gedanken zu einer verwaltungsreform durch den kopf.

Dann wieder in den bus und noch einmal beim radar vorbeigeschaut. Der fehler ist lokalisiert, und es ist nicht das magnetron, sondern die platine dafür. Das teil ist natürlich nicht da, aber glück gehabt, keine sechshundert dollar für nichts verbrannt – das war der preis für das magnetron plus versand, das ich schon fast in Deutschland geordert hätte. Ich warte nun auf einen reparaturpreis und die prognose der dauer.

In der immigration ging es dann recht flott, konnten sie doch in ihren rhythmus arbeiten, wenn auch der umgang mit einem scanner und dem druckprogramm die ganze konzentration der mitarbeiterin erforderte. Die kosten von hundert pesos sind viel geringer, als in Piriápolis. Das ausreisen verläuft nach dem gleichen muster und kostet gleichviel. Auf dem weg zur altstadt habe ich noch einmal beim zoll angeklopft, aber da ich mit dem schiff unter segel eingereist bin, haben sie kein interesse an einer dokumentenerstellung, geht also doch.

Zurück auf dem schiff ging es dann mit zwei kanistern und der sackkarre zur tankstelle, einen kilometer bergauf. Das schiff ist hinten an zwei muringbojen festgemacht und vorn mit zwei trossen zum betonsteg. Ein drittes seil ist zum heranziehen, das sich aber unter dem anker gemogelt hatte und diesen dabei gelockert hat. Ich mit den kanistern in der hand, trete auf den anker und kann gerade noch in der drehung den steg erreichen. Auf der flugbahn hat sich meine gute sonnenbrille leider abgesetzt. Auch ein absuchen im trüben wasser mit den kescher blieb ohne erfolg, abgeschrieben.

20170330 YCU panorama

 

20170330 YCU panorama

 

20170330 YCU panorama

 

Warum sollte ein anderes teil an diesem billigradar günstiger sein? Dazu kommen noch transport und eine abstecke für den zoll für zweihundertfünfzig. Meidet diese länder, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Das westliche system unserer väter ist die ursache dieser missstände. Länder auslutschen und waffen verkaufen. Wollen sie nicht mitspielen, gibt es die Allendeversion oder wirtschaftsembargo. Da diese länder kein öl haben, sind sie von einer invasion verschont geblieben, leider haben die kopfinhalte der menschen in der diktatur darunter gelitten. Kein aufbegehren, kein widerstand und die zeit abwarten.

Warum so trüb? Weil ich gestern morgen, als es gut war mit der mundöffnung, ein wenig mit den fingern den kiefer nach unten gezogen habe. Es knackte mehrfach, ein paar millimeter mehr öffnung und leichter schmerz. Heute habe ich wieder eine dicke wange, es ist wie vor vier wochen, keine besserung. Warum ich nicht zum arzt gehe, ist leicht beantwortet. Wenn es länder nicht schaffen, sich zu organisieren, ersatzteile nicht verfügbar sind, kein service und nur die rudimentäre ärztliche notversorgung vorhanden ist, dann kann ich darauf nicht bauen – und die sprachbarriere verstärkt das ganze noch. Außer konsum können die hier unten nicht viel.
Ich werde bis zu den Falklands warten, dort gibt es ein krankenhaus und das sprechen fällt mir dort leichter.

Und für die konsumseele war ich gestern shoppen, denn ich habe ein einkaufszentrum gefunden. Als erstes in den baumarkt, der sich in auflösung befindet. Leider waren die regale schon sehr leer. Zwei stecker, einen eimer und ein absperrhahn war die ausbeute, der anfang ist schwer. Danach zum großen supermarkt und noch eine luftpumpe als backup gekauft und lebensmittel. Voll gepackt bin ich dann durch die ebenen und habe einen billigschuhladen gesucht, vergebens. Die aufgerufenen preise für leichte wanderschuhe sind jenseits meiner idee.
Auf dem schiff zurück musste ich die leinen zu den moorings ändern, indem ich sie über die beiden winschen dicht geholt habe. Der wind bläst recht frisch und soll noch in den nächsten tagen stärker werden. Die betonmauer ist wieder ein wenig weiter weg.

Heute am Mi wollte ich mal den yachtclub unterstützen und es zukünftigen besuchern, die zur immigration müssen, leichter machen. Aber die cheftusse meinte, dass sie schon solche prozeduren haben. Warum haben sie mir diese nicht gegeben, sie haben auch kein passendes formular, noch wissen sie, wo sich die immigration befindet und dass die prefektura zuerst stempeln muss. Einen auf wissende dicke hose machen und keinen schnall, schade.

Seit ein paar tagen ist der wind recht kräftig, der windgenerator läuft ständig, gut so. Denn die marina kann mir keinen adapter für mein landanschluss geben. Die hier haben ein vierpinsteckersystem, bisher gab es nur dreipinstecker in beliebiger größe, das kann ich. Also kein landstrom, ab und zu geht der motor an, dann gibt es warmes wasser zum duschen.
Und der wind zieht das wasser aus dem hafenbecken, teilweise sieht man die mooringbetonklötze. Mindestens einen meter ist raus, ich muss jetzt auf den steg hochsteigen. Außerdem komm ich hier bei dem wasserstand nicht weg.

So, ab hier stand ein anderer text, aber das ist ein nerviges thema. In den letzten zwei wochen habe ich diesen rechner viermal wieder hergestellt. Beim letzten mal habe ich nicht alle daten gesichert und den vorgang nicht überprüft. Dann habe ich das backup eingespielt, die alten daten dabei gelöscht – und weg war der text und weitere informationen. Warum ich neuerdings so oft einen blauen bildschirm erhalte, weiß ich auch nicht. Ein verursacher ist, so vermute ich vlc, da eine grafiktreiberdatei von xp zerstört wird und der rechner nicht mehr bootet. So kann man die tage auch verbringen.

Es war hier im hafen mal recht einsam und die hässliche kulisse fehlte auch. Von der sternwarte auf dem berg konnte man um die jahrhundertwende bis zum hafen sehen, alles frei. Nun ja, damals gab es auch halb soviele menschen auf der kugel. Bei solchen bildern werde ich leicht wehmütig.

20170330 YCU um 1930

 

Ein weiteres ärgernis sind hackversuche meiner webseite, jedoch ohne erfolg. So sind in den letzten beiden tagen fünfzig versuche gestartet worden und neunzig prozent der ip adressen sollen aus russland stammen. Wenn das nicht mal ein false flag angriff ist. Nur zwei kommen jeweils aus deutschland und kanada und vier aus polen. Und sie versuchen alle, sich mit den zwei gleichen usern anzumelden. Nur admin gibt es natürlich nicht und der andere ist der name der webseite, gibt es also auch nicht. Da wurde wohl ein roboter gestartet, somit stimmt da was nicht, waren die adressen doch vor ein paar jahren gleichmässig über den globus verteilt.

Nachdem ich nun schon das fünfte mal den rechner neu aufgesetzt habe, wurde er erstmal aussortiert. Vielleicht ist die festplatte kurz vor dem aus, es hörte sich jedenfalls gestern abend so an. Heute habe ich über hundert mails mit ungültigen anmeldeversuchen erhalten, zehn prozent stammen nicht aus der russischen region.

Das ersatzteil für das radar ist auch schon vor einer woche geordert, natürlich ist es teurer als das magnetron, das ich glücklicherweise nicht geordert habe. Es soll um den zwanzigsten hier ankommen, dann muss es durch den zoll und das kostet noch einmal zweihundertdreißig dollar abstecke on top. Diese länder sind nichts für reparaturen.
Als die bestellung raus war und der liefertermin genannt wurde, wollte ich hier weg. Nur war der kommende wind heftig, und ich schaffe es nicht in einem tag zum Puerto Sauce. Ich hänge hier fest und seit gestern hat auch mal der wind gedreht, so dass das cockpit das erste mal in die richtige richtung steht. Jetzt komme ich nicht vom schiff, da das hochwasser sogar die steige überspült.

Für die weiterfahrt habe ich dann auch schon mal den ofen ausprobiert, geht und qualmt nicht. Die tür schließt nicht so ganz dicht, ein roter schein ist zu sehen. Und bei zu viel luftzufuhr glüht das ofenrohr, da bin ich gerade dabei, das zu ändern, dass die flammen dort nicht hinein ragen.

Morgen am dreizehnten fahre ich in richtung Puerto Sauce, dort hatte ich ja schon einmal im vorhafen geankert. Das ersatzteil wird jetzt eine woche später eintreffen und das wetterfenster ist gut für einen ortswechsel. Da ich hier keinen landstrom habe, kann ich auch weg. Noch schnell einkaufen gehen, marina bezahlen, der prefektura bescheid sagen und bei niedrigwasser den hafen verlassen. Das niedrigwasser wird höher sein, als das normale hochwasser. Der derzeitige wind macht es möglich.
Der ofen wurde auch schon getunt, eine platte verhindert den freien abzug mit flammen. Dann habe ich noch lüftungsklappen unter dem bett in der mittelkabine eingebaut. Das roch es etwas muffig, luft sollte helfen.

Ich habe mir das alles anders vorgestellt, aber exdiktaturen ticken anders.

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Argentinien extended

Drei wochen sind ins land gegangen und ich wollte nur mal kurz hier bleiben. So ist das, wenn die brutale realität auf einen nicht existierenden service trifft. Furuno deutschland hat sendepause und antwortet nicht mehr und mein radar ist noch immer nicht am laufen. Vielleicht werde ich ohne fahren müssen.
Dafür kam gestern ein mitarbeiter von South Atlantic und hat meine windsteuerungsanlage mitgenommen. Das teil gammelt einem unter den fingern weg. Einen befestigungsbolzen musste ich durch eine schraube mit sicherungsmutter ersetzen. Bei dem kraftakt, dieses rostige teil zu entfernen, ist es abgebrochen und steckte noch in der halterung fest. Die flex kam da nicht hinein und so ging nur noch die eisensäge. Mal sehen, wann ich das system wiederbekomme.

Am Do kam dann endlich mein reparierter e-motor, und da waren es nur noch zwei probleme. Da die anschlüsse aber sehr offen waren, habe ich ein dose herum gebaut, das teil verkabelt und versucht zu starten. Er lief genauso wie der alte, er war nicht in der lage, den kompressor auf touren zu bringen. Dazu wurde er heiß. Um sicher zu gehen, habe ich noch den kompressor zerlegt, aber der läuft frei. Ohne keilriemen wollte der motor auch nicht mehr laufen, dann sprang die sicherung raus. Das war ein kurzer besuch des motors, der mittelsmann war noch auf dem nachbarschiff und hat ihn wieder mitgenommen.

20170223 motor

 

Somit habe ich schon wieder mehrere baustellen, es nimmt kein ende. Ein flug in die heimat würde ab dreizehnhundert euro möglich sein, dazu kommen noch siebenhundert pro monat für den club. Das ist zusammen zu viel. Also vielleicht doch mal zurück nach Montevideo, um das radarersatzteil zu beschaffen, nur: die melden sich auch nicht mehr.

Am Fr habe ich mal schnell zwei neue kopfdichtungen für den kompressor angefertigt und ihn wieder zusammen geschraubt. Hoffentlich verträgt er das dichtungspapier, es fehlt wieder nur der motor.

Am So war ich nun endlich in Buenos Aires, die anreise war schon ein abenteuer. Zum zug gegangen und er kam sofort, dann bis zur endstation gefahren. Dort muss man dann noch einmal dreihundert meter durch einen trödelmarkt laufen, um den zug der anderen linie zu nehmen. Diesen habe ich wieder bis zur endstation genommen, ein alter kopfbahnhof.

20170226 ba bahnhof

 

20170226 ba bahnhof

 

20170226 ba bahnhofslampe

 

Mit den ausgedruckten karten bin ich zuerst vom weg abgekommen, aber ich habe einen supermarkt gefunden und mich mit wasser eingedeckt. Das erste ziel waren die alten hafenbecken, die – wen wundert’s – aussehen wie in London, Hamburg oder anderen städten, die alles abreißen, um dann schicke wohngegenden oder firmenpaläste dort zu bauen. Alles sehr touristisch.
Die nahrungsmittelaufnahme bestand diesmal aus fritten einer burgerkette. Die haben die richtige größe für meine essspalte – die kieferattacke ist immer noch spürbar und der kiefer will sich nicht öffnen lassen. Gestärkt bin ich drei hafenbecken abgelaufen, und im letzten liegt noch ein schiffswrack.

20170226 ba alte speicher

 

20170226 ba neuer bauschrott

 

20170226 ba yachtclub

 

Danach zu den Madres de Plaza de Mayo, welche von Alexandra Lehmler ans herz gelegt wurden, aber die madres kommen aber nur am Do abend. Also ein reinfall für mich. Der rest des platzes war enttäuschend, also wieder quer durch zur großen hauptachse. Diese straße hat sechzehn fahrspuren in vier trassen plus eine doppelte busspur in der mitte. Muss das sein, sie haben das dichteste busnetz der welt, toll. Da hat die die busmafia richtig zugeschlagen, denn es gab auch mal eine straßenbahn. Und Buenos Aires hatte das dichteste straßenbahnnetz der welt, falls das jemand wissen will. Jedenfalls bis zum zeitpunkt, als ich gezeugt wurde. In dem jahr hat die regierung kurz mal beschlossen, den schienengebundenen nahverkehr einzustellen. Aus england kamen dann schnell hundert busse, und hurra. Wenn da keiner geschmiert hat, wäre es unglaublich.

20170226 ba strassenbahnreste

 

So etwas richtig tolles habe ich hier nicht gefunden, war wohl an den falschen orten. Vielleicht mache ich noch einen abstecher dorthin mit dem schiff, vor dem ersten hafenbecken ist der yacht club argentino.

Heute ist der erste märz, es ist ungewöhnlich heiß für die jahreszeit und es bewegt sich nichts. Ich klebe fest, mache kleine arbeiten und ärgere mich mit firmen, die einen solchen mistservice sich leisten, dass sie geschlossen werden sollten. Mal sehen, ob etwas bald geschieht. Dafür ist auch hier der karneval vorbei, das volk kann wieder geknechtet werden.
Etwas positives ist nun doch zu berichten, ich habe mit meinem handy ein netz gefunden und somit kann ich wieder online über mein geld verfügen, ein wunder nach zwei monaten.

Es ist schon wieder Fr und das wochenende naht. Meine liste wird mal kürzer und wieder länger. Gestern dachte ich, dass der punkt elektromotor behoben sei, hatte mich zu früh gefreut. Der motor läuft ohne riemen an, nach zehn sekunden läuft er dann deutlich schneller. Hört sich gut an, aber das ganze mit dem kompressor läuft nicht so recht. Wenn die last entsteht ab ein bar, kann er nicht mehr, zu schwach. Dummerweise hat der mittelsmann das geld schon erhalten, zu schnell von mir gehandelt. Also muss er noch einmal herkommen.

Die tage vergehen und nichts passiert, mit kleinstreparaturen vertreibe ich mir die zeit. Zur freude vieler gab es vor zwei tagen einen temperatursturz von zehn grad. Die nächte sind nun angenehm und der tag mit fünfundzwanzig grad erträglich, kleine freuden.
Auch ist aber meine überholte windsteueranlage wieder am schiff. Ein paar neue buchsen, ein paar neue schrauben mit liefer- und abholservice für fünf prozent vom kaufpreis. Für argentinien ein schnäppchen. Wieder ein großes problem weniger.
Aber dafür wird es an anderer stelle jetzt immer teurer. Für das radarersatzteil in der größe von vier gestapelten toastbrotscheiben soll der versand zweihundertsechzig euronen kosten. Ich habe mal eben bei ups hundert euro ermittelt und danach waren es von Furuno aus nur noch hundertsiebzig. Auch raffen sie nicht, dass der warenwert sehr gering sein sollte, damit ich nicht noch einmal abstecke an den zoll hier entrichten muss. Was ist das nur für eine firma, die nicht einmal das wort kulanz kennt.

Die entscheidung ist gefallen, ich mache hier den schuh. In Montevideo, wo ich schon einmal war und die prefektura mir am liebsten den arsch versohlen möchte, kann mir geholfen werden, vielleicht hoffentlich. Mit dem servicepartner war ich schon in Piriàpolis in kontakt, scheute aber die kosten für die anreise des technikers – das ist lehrgeld. Sie haben ein magnetron auf lager, der preis ist stabil hoch, aber ich werde meine ganze anlage dort auf den tresen legen. Meine hoffnung ist, dass es ein anderer fehler ist.
Deshalb war ich heute mit meiner sackkarre zum einkaufen, so um fünfzig kilogramm, und es ist heiß. Durchnässt auf dem schiff angekommen, kam auch kurz danach mein elektromotor zum dritten mal zum schiff zurück. Diesmal lief er gleich mit der vollen drehzahl an, ich hätte das gerät falsch angeschlossen. War auch so, auf dem kondensator war ein anschlussplan, leider überkopf und da vertut man sich schon mal. Also diesmal richtig konfiguriert und er lief, dummerweise in die falsche richtung. Also die brücken zwischen den kontakten geändert und er lief, hatte mehr power und brachte es auf fast drei bar, und aus. Bis zur marke von zehn ist es noch ein weiter weg. Die möglichkeit der stromunterversorgung auf meinen schiff sind wir dann noch umgangen und haben den kompletten kompressor an land geschafft. Aber auch dort ein nur wesentlich besseres ergebnis. Nun haben sie meinen kompressor, mein geld, und ich habe die hoffnung.
Sobald eine lösung gefunden wird, lege ich hier ab. Die nächste station ist der Yacht Club Argentino in Buenos Aires, dort wo mein ausflug begann. Zwei tage dort, um auszuklarieren und dann rüber ins bekannte Uruguay. Bis nach Montevideo brauche ich drei tage, wenn es gut läuft. Mit offenen armen werden sie mich dort im yacht club sicherlich nicht aufnehmen.

Die letzte nacht war hell und laut, dabei noch sehr feucht. Das nass setzte sich am tage fort und erst zum tee wurde es trocken. Das einzige, was erfreulich war, ist das internet. Ich konnte ausnahmsweise mal vom schiff aus surfen. Das netz der marina funktioniert nach einem monat erstmals.
Ich bin zwar noch lange nicht durch Patagonien durch, habe aber schon mein übernächstes ziel gefixed. Malborow Sounds auf der südinsel von neuseeland, das dauert noch bis ich dort bin, aber ziele treiben mich voran.
Mein kompressor ist noch nicht wieder auf dem schiff und von der kauleiste gibt es noch keine guten neuen nachrichten. Ich habe das gefühl, dass es besser wird, trotzdem geht der mund nicht weiter auf, als dass ein schmaler pommes durchpasst.

Wieder mal ein wochenanfang und nichts passiert. Am Di ist mein mittelsmann meistens am nachbarschiff und bastelt dort. Ich hoffe, er hat den kompressor dabei, aber je länger ich hier bin, desto weniger brauche ich das teil. Eigentlich hätte ich auf die reparatur komplett verzichten, es über bord werfen und ein neues gerät kaufen sollen. Preislich wäre es günstiger gewesen, eine woche hier liegen kostet mich hundertfünfzig dollar.

Das war alles mist, warten warten warten. Am Do vormittag ist mein kompressor zurück gekommen. Ein paar videos zeigte er mir, dass das gerät gut lief. Auf dem schiff bei normaler voltzahl von zweihundertzwanzig lief er nicht mehr so toll. Bei fünf bar war schluss. Ich bin mürbe und habe dieses kapitel abgeschlossen. Das lehrgeld habe ich bereits abgedrückt und die lernkurve bildet sich gerade. Morgen am Fr mit dem hochwasser will ich hier weg und in die große stadt zum yacht club argentino. Dann aus diesem land auschecken und zurück in das ungeliebte Uruguay.

Von dort dann mehr, hoffentlich gutes.

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Argentinien zum kennenlernen

und abgewöhnen.

Wenn jetzt jemand denkt, hier ginge es besser, glaube bitte nicht daran. Ich habe meine hoffnung schon fast begraben. Die marina ist gut, zum duschen bleibe ich an bord. Das wlan ist kaputt und keiner weiß, wann es repariert wird. Für’s internet muss ich jetzt immer auf die terrasse der bar, das funktioniert. Vor drei tagen bin ich angekommen, diese waren kostenfrei und heute ist der erste bezahltag. Nur diese zahlung heute war sehr teuer.

Am morgen habe ich die adressen von immigration, zoll und prefektura erhalten, von der Chulugi die bahnfahrkarte bekommen und mich auf den weg nach Tigre gemacht. Ich hatte diesmal vorgedacht und mein fahrrad mitgenommen. Die stadtpläne hatte ich mir vorher ausgedruckt, und so sollte nichts schief laufen, eigentlich.
Die erste frau von der adressliste brachte mich zum nächsten gebäude, zur immigration, und im kabuff nebenan war der zoll. Sie sprachen englisch und es ging recht zügig, wenn man beachtet, dass zehn dokumente erstellt wurden. Mit diesen musste ich dann zur prefektura, die aber in einem anderen stadtteil liegt, dem gleichen, wie der club.
Entweder mit der bahn eine station oder mit dem fahrrad, letzteres hat gestochen. Unterwegs noch was zum trinken und knabbern gekauft und die stadt im vorbeifahren beobachtet. Die prefektura liegt in einem heruntergekommenen hafenbereich und der kanal ist eine stinkende kloake. Aber auch hier waren sie freundlich, kannten den verwaltungsakt, haben sich über meine kopie der schiffspapiere mokiert und alle stempel gegeben. Das war doch entspannt und schnell, ich hatte schlimmeres erwarten.
Auf der anderen seite des kanals war ein schattiger baum und ich habe mich dort auf die bank gesetzt. Dann holte ich das knabberzeug raus, öffnete die kühle bierdose und schaute auf den kanal. Bis hier war alles super.

Dann kamen zwei typen, alter mitte zwanzig, von hinten, schubsten mich von der bank, der eine ergriff mein fahrrad, der andere meinen rucksack. Also aufstehen und hinterher laufen, ich wusste gar nicht, wie gut ich das noch kann, hat mich überrascht. Der mit dem rad war schon weiter weg, der mit dem rucksack machte keine distanz. Und hinter der ersten ecke stand er dann da. Er war schneller, ich bekam eine heftige faust an den linken kiefer und ging zu boden.
Erstaunlich, welche selbstgespräche wieder im kopf abgehen –raff dich hoch und lauf. Zuerst taumelnd, dann breitbeinig und trotzdem hinterher. Nach weiteren hundert metern, inzwischen in einer art farvela, stand er dann in einer engen gasse und ich war außer atem, aber beim rucksack und meine hand war dran. Dann brüllte er –muerto muerto– und ich in gutem deutsch dagegen, was er denn wolle. Schön, dass mein übersetzungszentrum gerade nicht die priorität hatte. Ich habe nur auf ein mögliches messer geachtet, dann schubserei und ich war wieder am boden, aber noch mit der hand am eigentum. Und habe von unten freundlich in seinen schritt getreten und da war der rucksack wieder meiner.
Dann kam ein älterer herr und nahm mich am arm und führte mich schnell wieder aus diesen labyrinth heraus, ein weiterer brachte mich dann zur polizeistation, die fünfzig meter von dem baum, dem ausgangspunkt des geschehens, entfernt liegt.
Der polizist in diesen container war sehr nett, gab mir den einzigen stuhl und wasser zum trinken, bot mir noch gebäck und einen softdrink an, ich lehnte ab. Dann kamen zuerst der streifenwagen aus der einen gegend und dann ein weiter von der anderen seite. Das ganze spielte sich im reviergrenzbereich ab, fast niemandsland. Die zweiten nahmen mich dann wieder mit nach Tigre und wollten mich nach dem protokoll eigentlich zum club fahren, das vorhaben ging dann aber verloren.

Ich habe nicht mit so etwas gerechnet, das war deren überraschungseffekt. Sie haben aber auch nicht mit meiner hartnäckigkeit gerechnet, also amateure. Ich hatte großes glück, in einem anderen slum wäre es vielleicht blutig bis tödlich ausgegangen. Was der rucksacktyp nicht wusste, es waren alle dokumente, mein reisepass, meine kreditkarten und eine menge geld in meinem beutel. Ohne diese wäre ich richtig am arsch gewesen und damit hat er nicht kalkuliert. Das fahrrad bleibt wohl vorerst in Argentinien und ich muss meine gewohnheiten ändern. Sport ist jetzt plötzlich wieder angesagt, am liebsten hätte ich ihn eingeholt und zusammengetreten. Daran werde ich arbeiten.
Jetzt kühle ich meine dicke backe vom fast k.o. mit einen weinkühler, das schlucken tut weh und versuche, das ganze zu verarbeiten. Die schrammen von den stürzen werden in eine woche verheilt sein. Ein teurer tag.

Tag eins danach: das kauen geht noch immer nicht so gut, es tut weh. Und ein paar mehr blessuren habe ich auch, hier und da schürfwunden und mein linker beckenknochen hat eine prellung, da bin ich wohl drauf gefallen. Was mich aber am meisten wundert, wie lange man rennen kann, wenn der körper das mitmacht. Es war auf jeden fall weiter, als wenn ich aus lust und laune laufe, nach drei monaten auf see ist die muskulatur reduziert. Somit habe ich heute in den oberschenkeln einen heftigen muskelkater. Auch gehe ich nicht mehr so unbeschwert durch die gegend, was schade ist.

Dafür habe ich heute eine adresse angelaufen und der segelmacher hat mich zum schiff gefahren, das segel eingeladen, und nächste woche könnte es fertig sein. Aber das teil wird um die abrissstelle kürzer, er flickt da nichts ran, will aber den bereich noch verstärken. Mal sehen.

Der techniker von furuno sollte am Do zur mittagszeit kommen, er kam vielleicht auch, aber nicht in den club hinein. Ich sollte ihn abholen, das habe ich aber erst zwei stunden später per mail erhalten, während ich auf dem schiff wartete. Morgen ein neuer versuch.
Vorher war ich noch zu einer bank gefahren mit einem taxi, um ordentlich geld zu kaufen. Ging alles nicht, ich sollte zum geldautomaten, der funktionierte nicht. Also zurück zum geldschalter mit vorbeidrängeln an der schlange und der englischsprechende banker mit mir zum geldautomaten. Es ging nichts, und dann hatte ich mich an diesen gerät zu oft eingeloggt, ende aus, karte zurück.
Auf meinem gewaltmarsch zurück zum schiff noch einmal kurz im supermarkt vorbei, meinen leergutbon eingelöst, ein paar mehr lebensmittel gekauft und danach zum dortigen geldautomaten. Es gab bedrucktes papier, nur zu wenig und für jede transaktion werden fünf euro berechnet, echt teuer. Aber ich muss jeden tag los, um das bare zu erbeuten. Wie schon erwähnt, wird es der banker in der rettungsinsel bezahlen.

Ich war am Fr überpünktlich am tor und der mechaniker auch. Zum glück war sein englisch gut brauchbar, somit gab es keine größeren komunikationsprobleme. Er hatte natürlich kein kabel dabei und auch nicht das wahrscheinliche ersatzteil. Und noch schlimmer, diese firma macht nur im professionellen radarbereich, keine sportschiffahrt.
Also ich wieder in den mast, nachdem er soweit alles gecheckt hatte, um die antenne wieder anzuschließen. Dann ein systemtest, hier und da etwas geprüft und festgestellt, dass das magnetron sehr schwach ist. Das war ja schon die vermutung aus Deutschland gewesen. Also muss ein neues her, und er wird versuchen, eines aufzutreiben oder einfliegen lassen. Hoffentlich günstig, für den besuch hat er noch kein geld verlangt.

Die geschichte mit dem kompressormotor ging auch weiter, es wird eine reparatur werden, da der mittelsmann keine garantie auf einen identischen motor geben kann. Bei einer neuwicklung zählen sie hoffentlich richtig. Und als vorschuss möchte er schon mal die hälfte haben.

Der status meiner wange ist besser, aber noch nicht abgeschwollen. Nach anfänglichen kaubescherden geht es dann aber. Meine mordgedanken nehmen verschiedene wege und, wenn ich die zeit zurück drehen könnte, würde ich mich nicht mehr in die gegend wagen.
Ich bin nun schon seit einer woche hier, einige kleinere baustellen sind behoben, die großen sind angegangen. Auch hier kann man auf die durchführung in der art von schnell pfeifen. Der motor braucht fünf tage, das segel einen, wird aber erst etwas am Di oder Mi, und das ersatzteil für das radar muss erst bestellt werden und dann noch ankommen. Zack zack kennen die hier nicht.
Das nächste problem in diesem club ist das wlan, seit einer woche keine statusänderung, keine reparatur oder dergleichen. Dazu kommt, dass das barnetz auch schlapp macht, alles merde.

Das ist meine aussicht auf diesen club: das kleine boot macht den transfer von jedem schiff zum steg oder untereinander. Ich weiß nicht, ob es langfristig günstiger wäre mit schwimmstegen, aber hier läuft das so. Du kommst nur mit dem kleinen boot zu deinem schiff, vielleicht auch ein sicherheitsaspekt.

20170211 cvb

 

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20170211 cvb boot

 

Diesmal ein verregneter So, dauerregen, mal mehr, mal weniger. Der richtige zeitpunkt, um mal im schiff aufzuräumen. So haben die surfmasten einen neuen platz im durchgang unter der decke bekommen, die zerlegbaren bäume sind in die kabine gewandert und die segel sind jetzt sehr handhabbar und dürfen im sofabereich bleiben.
Meine lkwplane bewährt sich auch hier, ich kann nicht in der plicht sitzen, aber der eingangsbereich und die mitte bleiben trocken. Der ausflug nach Buenos Aires zentrum muss erstmal verschoben werden.

Auch der Mo war verregnet und dazu südwind, dann ist hier hochwasser. Mal wieder eine datensicherung durchführen, seekarten anschauen und mal den lebensmittelbestand ermitteln. Wenn meine drei wichtigen punkte fertig sind, könnte es gleich weitergehen.

Gleich losgehen wird hier anders definiert, ich war beim segelmacher. Dieser hat mir gestern keine mail gesendet, so bin ich heute bei ihm auf der matte gewesen. Er findet den segelkopf unterdimensioniert, es fehlten einige lagen. Mein lösungsansatz mit streifen ist akzeptabel und er will am Fr nachmittag liefern. Hoffentlich.
Der elektromotorenfritze war heute nicht bei mir, wieder keine anzahlung und die radarfraktion hat sich nicht gemeldet, so also habe ich sie angemorst.
Dafür habe ich einen neuen patienten, einen Franzosen, der kein spanisch, kein englisch und keine weiteren sprachen kann. Warum auch, als systembestandteil der ex grande nation. Ich werde ihm morgen die wege in französisch Guayana erklären, mal sehen. Er ist hier schon seit über einen monat, keiner versteht ihn, denn es ist arschteuer. Wenn man eh kein geld hat, unerschwinglich. Warum er bleibt, weiß ich noch nicht.

Das leben in einer marina ist nach einer gewissen zeit auch langweilig. Man weiß, wie vieles funktioniert, kennt die wasserstände und die sanitären einrichtungen, die ich kaum benutze. Auf das schwimmbecken habe ich keine lust und die mücken nerven mich, besonders in der nacht.
Damit ich die zeit nutze, war heute wieder ein waschtag. Zuerst ins schlauchboot und sich an den leinen an land gehangelt, um den wasserschlauch anzuschließen. Kaum war ich dort, hatten mich auch schon zehn mücken attackiert, echt gefährlich dort.
Meine to-do-liste ist so klein, weil ich punkte, wie rost aus der plicht entfernen, einfach ignoriere. Ich könnte jederzeit los, aber es fehlen meine drei teile. So langsam bin ich im filmsketch von Otto.
Der krankheitsstatus ist mal wieder anders, der schorf fällt langsam von den wunden ab. Der bluterguss, der sich bis zum ansatz vom shirt und dekolleté ausgeweitet hatte, nimmt langsam ab. Dafür habe ich seit zwei tagen ein mundöffnungsproblem. Den mund kann ich nur einen zentimeter weit öffnen, tut nicht weh, aber weiter geht nicht. Flüssige nahrung ist gut, bananen passen nicht durch den schlitz, diese kann ich an den oberen schneidezähnen in scheiben abfräsen und essen. Äpfel kann ich knabbern, aber alles nicht so richtig lustig. Gebrochen scheint nichts zu sein, alles wackelt fest, nur die beule am unterkiefer will nicht so recht weichen. Ab jetzt denke ich natürlich, dass ich dem typ gern mit springerstiefeln mal die zahnreihe polieren möchte.

Laut dem netz habe ich eine kieferprellung, da sollte man zum arzt und es dauert zwanzig tage bis zum abklingen oder halt eben drei wochen. Das passende geschäftsmodel sieht folgendermaßen aus: Eine gruppe von personen mit starken aggressionen dürfen alle drei wochen fetten säcken eins in die fresse geben, als therapiemittel. Die fetten bekommen dafür kein magenband, das ungefähr zehn kilo euro kostet, sondern nur ein schmerzmittel für ein paar cent. Diese können aufgrund der kieferprellung nichts mehr essen und nehmen ab. Ein gewinn für alle, außer der magenoperationsmafia.

Heute ist Fr und die lieferanten lassen auf sich warten. Die anzahlung für den e-motor hat schon den besitzer gewechselt und der motor soll heute kommen. Auch will der segelmacher das tuch heute liefern. Die jungs von furuno haben es innerhalb von sieben tagen nicht geschafft, ein magnetron aufzutreiben. Da muss ich wohl wieder selbst hand anlegen. Die garantie für das gerät lief ende letzten novembers aus. Ende Dezember ist das radar verreckt, sieht nach gewollter obsolezenz aus, auf jeden fall keine garantie. Danke furuno.

Am späten nachmittag war der segelmacher unangekündigt am eingang vom club. Er kam nicht hinein und man hat mich davon zu spät informiert. Als ich am tor ankam, war er schon wieder weg. Das hatte ich doch schon einmal, irgendwie ticken hier die uhren anders. So bin ich am Sa morgen losgelaufen, da der segelfritze nicht auf meine mail geantwortet hatte und um elf uhr war er auch nicht zugegen. Die ungefähren drei kilometer für eine strecke habe ich in einer rekordzeit bewältigt, das segel begutachtet und es wird mir wieder gebracht, diesmal um ein uhr. Das sportprogram ist heute erstmal vollbracht bei dreißig grad und einer hohen luftfeuchtigkeit, ich bin ziemlich nass.

Das wetter am So war noch freundlicher, kein wind und sehr warm. Mein neues altes segel ist wieder an seinem bestimmungsort und ich bin überhitzt, das shirt ist durchnässt. So langsam kommt eine ungewollte routine im auftuchen dieses segels, seit september ist es schon das dritte mal. Diesmal hat mich der spass hundertachtzig euro für den segelmacher gekostet.

Meine moral ist am ende, meine hoffnung gestorben und der glaube an etwas, sas sich  service nennt ist tot. Die mischpoke von furuno in argentinen ist nicht in der lage, innerhalb von zehn tagen ein ersatzteil zu besorgen. Jetzt sagen sie, sie würden bis zu zwanzig tage brauchen, um es aus dem ausland und durch den zoll zu bringen. Da wäre ein hoher aufwand, ergo sie scheuen die arbeit und die geringe marge. Noch gab es keine rechnung und bis jetzt will ich auch nicht zahlen, wofür.
Furuno deutschland krauelt sich auch an den eiern, der servicetechniker, der mich zunächst unterstützt hatte, ist im urlaub. Die vertretungen melden sich nicht. Große nummer.
Also habe ich schon mal die niederlassung in usa angemailt, noch keine antwort. Es sieht so aus, als wenn ich ohne radar weiter segeln muss, nur weil so ein kleines teil nicht mehr druckt. Strom geht noch durch, aber kein gutes echo kommt zurück. Was kaputt sein kann, ist nur das goldene teil in der mitte, der preis ist dem entsprechend.

20170220 magnetron

 

Währendessen steigen die temperaturen hier stündlich und ich sitze im eigenen saft. Gerade geduscht und schon wieder ist das shirt durchnässt. Außerdem ist es genau zwei wochen her seit dem überfall. Der große blaue fleck bis zum hals hat sich zurückgebildet.
Es sollte zwar erst später kommen, aber ich werde wieder zum kleinkind: Essen mit lätzchen, alles, was in einen esslöffel hineinpasst, ist brauchbar. Ein ravioli geht, einer von zweien auf dem löffel wird an der kauleiste abgeschert und fällt runter. Dieser wird nachträglich hinein gestopft. Ich hoffe, dass diese art von essen in einer woche vorbei ist.

Ich hänge hier fest.

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Ab in die nächste Box

Wer mich kennt, weiß, dass ich meine koffer schon drei tage vor der abreise packe, man weiß ja nie. So war ich auch schon am Sa mit den arbeiten fertig und der So war fürs aufräumen und die finalen vorbereitungen eingeplant. Hat soweit alles super funktioniert. Aber was da für ein dreck zusammenkommt, wenn man drei wochen auf dem trockenen steht. Am späten nachmittag war ich dann duschbereit, das schiff hatte es schon hinter sich.
Am abend habe ich wieder meinen gecko gesehen, es geht ihm also gut.

Am Mo morgen zuerst mal zur prefektura, ich will weg. Aber dafür muss man erst das ok der marina vorzeigen, zeigen, dass das geld den besitzer gewechselt hat. Das ging aber erst um acht uhr, ok. Danach wieder zur prefektura, noch einmal die ganzen papiere durchlesen, dann wieder nicht meinen namen in den schiffspapieren gefunden. Ich bin der eigentümer, aber das steht nicht im dokument, ein wenig hin und her und dann das ok.
Der travellift war auch schon am schiff und dann der erste kleine schock, die keile der abpallung klebten am schiff. Vorsichtig das ganze entfernt und ab ins wasser. Der motor sprang an, alles ok. Das erste seil war schon wieder auf dem schiff und dann bewegte sich das schiff nicht, keine gasannahme. Zum glück haben sie es verstanden und mich wieder zurück gezogen. Mein neuer gashebel funktionierte nicht mehr, dabei hatte ich ihn doch getestet. Also schnellumbau und nach zehn minuten war es ok. Aber der motor wollte nicht mehr anspringen, weil ich den strom dafür abgestellt hatte, schön blöd, wenn man das nicht rafft.
Dann das zweite mal aus der box raus, alles lief gut und vor dem hafen das segel ausgerollt. So ein neuer rumpf geht gut und mit fünf knoten in richtung Montevideo abgelaufen.

Ich habe das segel dreimal rausgeholt, denn der wind war unbeständig. Dafür ist es unter motor sehr, sehr viel besser als vor einen monat. Das schiff fährt wieder fünf knoten bei guten tausend umdrehungen und verbraucht deutlich weniger. Trotzdem schmerzt der aufenthalt in Piriapolis meinen geldbeutel sehr, der um vierzehnhundert euro beraubt wurde, plus achthundert für die farbe und dazu noch die lebensmittel.
Jetzt liege ich im yachtclub uruguay in Montevideo an einer mooring. Mein ankermanöver im vorhafen wollte der marinero nicht zulassen. Stattdessen wollte er mich zwischen zwei motorplastikschiffen legen und ich war darauf unvorbereitet. Keine seile, keine fender und alles eng. Teuer kann ich auch anders, morgen früh will ich eh weiter. Dafür habe ich schon geduscht, einen kalten weißwein im glas, dazu oliven und den abendlichen strassenlärm der stadt im hintergrund.

Was für eine nacht in Montevideo, und ich weiß nicht, ob diese besser werden wird. Sie hörte so um vier uhr auf, als ein beliebtes hobby der menschen hier seinen sound absonderte: Das fahren mit einem kaputten oder ganz ohne auspuff. Das ist erträglich, wenn das alte auto langsam durch die straßen tuckert. Nur dieser zeitgenosse schaltete alle vier gänge mit volldrehzahl durch und fuhr die ausfallstraße am hafen entlang. Das ganze war drei volle minuten hörbar.
Danach noch ein wenig hin und her gewälzt, bis zur blauen stunde am morgen. Kaffee vorbereitet, schiff seeklar gemacht und es wurde hell. In der nacht hat sich noch ein kat an die mooring neben mich gelegt, also auch scheiße eng und der wind fegte durch die gasse in der marina. Leinen los und das schiff fuhr nicht dahin, wo es immer hinfährt, mist, aber vielleicht brauchbar. Doch dann musste ich eine zweihundertneunzig grad kurve drehen und es wäre fast schief gelaufen. Wieder einmal glück gehabt und raus aus dem hafen, an den mohlenköpfen sah ich dann das wasser ablaufen, das mein schiff verwirrt bewegt hatte.

Montevideo in morgendlichem licht und so friedlich, als ich draußen war, ging die sonne auf. Mit der genua bin ich dann den hafen und die promenade entlang gesegelt, echt gut. Nur das panorama hat mir nicht so richtig gefallen.

20170131 montevideo

 

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Nach dem hafen habe ich mehrfach das segel entrollt und noch häufiger den motor angeworfen. Ein schöner tag bis zum nachmittag, dann wurde es sehr feucht. Meine pläne für einen ankerplatz hatte ich dann auch noch geändert, vielleicht eine gute entscheidung. Bis Colonia war es zu weit, den ausweghafen hätte ich nur im dunkeln erreicht. Und dann fing noch einmal der wind an, laut daten hätte er aus sein sollen. So ging es mit gerefftem segel bis zu sieben knoten weiter, zu meinen neuen ziel, der Banco Ortiz. Diese zahlt kein geld aus, und ist mit einer wassertiefe von real vier metern recht flach.
Auf dem weg gab es noch diese wunderschönen farben, ein sehr blauer himmel über ocker, wie das wasser der Elbe. Dazwischen noch streifen von frühlingsgrün, sicherlich algen, die aus einer überdüngung entstanden sind. Und dazu einen großen regenbogen.

20170131 mar del plata

 

20170131 mar del plata

 

20170131 mar del plata

 

Mal wieder eine erfahrung sammeln, ankern bei fünfundzwanzig knoten wind. Die küste ist sichtbar drei meilen entfernt und von dort kommt der wind bis morgen. Leider sind die wellen auch hier schon unangenehm. Der anker hält, nur das schiff bockt wie ein junges pferd, also bis jetzt keine gute nacht in sicht. Das gute ist, dass hier kein großes schiff hinkommt. Der sonnenuntergang war super, genau nach Argentinien schaue ich. In der riesigen wolke entladen sich dauernd ein paar tausend volt.

Und die nacht war gut, der wind nahm irgendwann ab und die wellen gleich dazu. In der mittelkabine war ein schlafen möglich. Am morgen war eine art motte innen am fenster, habe sie erstmal leben gelassen. Dann waren da noch ein paar mehr im rest des schiffes und auf deck schätze ich mal so um tausend in zehn verschiedenen arten. Die sind wohl in der nacht vom land aus verweht worden.

Dann kaffee gekocht und ziehen lassen. In der zeit habe ich den anker und die sechzig meter kette wieder raufgeholt. Nach der ersten tasse fing auch der wind an, zuerst sehr moderat und nachher ging es mit über sechs knoten zum ziel. Doch nach zwei stunden sah ich eine riesige wolkenwalze und in Uruguay erreichte sie das land. Darunter war es sehr unangenehm dunkel.
Als ich dort ankam, hörte der wind auf, und ich rollte das segel ein, so schnell es ging. Denn kurz darauf kam der wind genau von vorn, erst langsam und dann heftiger. Mit dem motor ging es langsam weiter, doch in dem tempo hätte ich noch über acht stunden gebraucht. Also das segel in taschentuchgröße wieder ausgerollt und einen kurs gefahren, der mich in die richtige richtung bringt. Doch dann wurde es motorsegeln mit fünfunddreißig plus knoten, und die wellen waren höher, da sie aus Argentinien kamen und zeit hatten. So richtig spaß machte das nicht, es ging aber und der wind drehte sogar noch zum guten. Nach drei stunden war der spuk vorbei und nur noch der motor an. Was für ein trip und im hafen war niemand zur hilfe, so habe ich mir eine mooringtonne gegriffen und es hat beim ersten mal funktioniert, wenn auch mit leichtem farbverlust. Mit strömung oder wind wäre das ein unmachbares manöver. Danach kam auch gleich einer von der prefektura, die sind wachsam.

Und wie wachsam die sind. Ich komme gerade von denen zurück und musste dort ein dokument unterzeichnen, in dem ich erkläre, nicht mehr ohne erlaubnis einen hafen zu verlassen. Es geht aus der erklärung nicht hervor, wo ich einen hafen ohne erlaubnis verlassen habe, aber es war zur uhrzeit, an der zurück geschossen wird. Laut meinem track muss es also Montevideo gewesen sein. Ich dachte, kein check-in, also auch kein check-out, aber war wohl nichts. Das nächste mal kostet es zwanzig zahlungseinheiten, das sind umgerechnet vierhundert dollar, also doch recht teuer der spaß.
Die hiesige marina hat kein wlan und ich überlege mir vorher, was ich alles mitnehmen will, denn einmal rudern reicht mir. Dafür habe ich nur beim durchgehen dieser stadt viele schätze entdeckt, und die rubrik ‘schrottplätze der welt’ bekommt ein kapitel Uruguay. Wobei die stadt schon etwas tolles hat, genau wie die letzte insel der Kap Verden, von Portugiesen entworfen und gestaltet. Breite straßen, große bäume, schöne häuser. Diese verfallen allerdings an vielen ecken, schade drum. Aber die alten straßen mit den platanen sind der hammer.

20170201 strassen colonia

 

20170201 strassen colonia

 

20170201 strassen colonia

 

Prefektura, die nächste, am morgen. Ich in unterhose, weil ich im warmen motorraum unterwegs bin. Jetzt kam einer der des englischen fähig ist. Ob ich denn auch verstanden habe, was ich da gestern abgezeichnet habe. Und er wollte meine befähigungslizenz fürs segeln sehen und dann abfotografieren. Schön diese neue technik. Alles im grünen bereich, und mein ziel ist Argentinien, nun dann interessiert er sich weniger für das problem. Mal sehen, wann sie wieder am boot anlegen, hoffentlich habe ich noch die hosen an.

Gestern abend ist meine entscheidung gefallen, nachdem ich ein bier in der hafenbar mit wlan getrunken habe. Die winddaten sehen für den Sa gut aus, denn am So geht hier die post ab. Ob genügend wasser vor Buenos Aires ist, werde ich dort sehen, sonst werde ich dort ankern und abwarten.
Somit habe ich mich heute am Fr um das ausklarieren gekümmert. Wenn das so weiter geht in diesen ländern mit verwaltungswahn und ehemals militärdiktaturen, dann bin ich jetzt soweit, dass ich die reise beende. Das kotzt mich dermaßen an, wenn einer nicht weiß, was der andere zu tun hat. Die reihenfolge ist ganz einfach, zuerst zur immigration und den stempel in den pass bekommen. Die stempeln dann auch zwei der laufzettel, die ich bei der einreise erhalten habe. Dann die marina bezahlen und mit dem zettel zur prefektura, die dann die ausreise genehmigt.
Ich bin also durch die stadt zum fährterminal und wollte dort von der immigration den stempel haben. Den wollen sie mir aber erst geben, wenn die prefektura den laufzettel gestempelt hat. Wieder zweihundert meter zurück zur prefektura. Die wollen erst stempeln, wenn die migration gearbeitet hat, autsch. Aber da die prefektura mich schon kennt, haben sie telefoniert und am ende habe ich eine adresse erhalten, wo es den stempel im pass gibt. Zum glück haben sie mir die adresse aufgeschrieben, bis ich jedoch das kabuff gefunden habe, bin ich ein paar häuserblöcke abgelaufen. Und sie wollten noch fünfundneunzig pesos von mir haben und ich hatte nur noch fünfzehn. Kein geld, keine kekse, das hatte ich schon am anfang in diesen land.
Also zu einer bank, die auf der kreditkarte geld auszahlt und zwar in dollar. Diese werde ich jemandem in Argentinien mitbringen, den ich noch nicht persönlich kennengelernt habe. Hier das problem, limit dreihundert dollar. Beim wechselbüro wollten sie nur gegen cash geld tauschen. Also ich dort noch einmal hin, habe mit einen hundert dollar schein achtzig pesos gekauft. Und wieder zurück zur immigration und den stempel erhalten. Und ab jetzt war es easy, denn die prefektura hat eine außenstelle im yachthafen, dort gab es den weiteren stempel und ende. Meinen dicken hals kühle ich gerade mit kalten weißwein.

Mit dem sonnenaufgang habe ich mich von der moorigtonne befreit, ein paar hundert meter motort und dann das segel ausgerollt. Die nächsten drei seemeilen waren die einzigen mit segel, danach war der motor allein aktiv. Es gibt hier so viele schiffsleichen und für jede zwei tonnen und das sind sehr viele. Aber keine gerammt, und die Argentinier sind nett, haben mich gleich zweimal auf das flache wasser hingewiesen. Und am ende bin ich hier im Club de Veleros Barlovento von Bueonos Aires angekommen. Das anlegemanöver war mies, aber das schiff neben mir hat keinen schaden genommen. Mein anker ging genau in den einstiegsbereich von dessen reling, aber der draht war abgehängt, glück gehabt.

Wie finde ich nur den entspannten urlaubsrythmus? Ich versuche es, aber im hinterkopf sind die zeit, die jahreszeit und Patagonien. Beschlossen war eigentlich, heute die stadt zu erkunden, aber das muss noch warten, solange ich meine drei wichtigen punkte nicht angefangen habe: radar, segel und der elektromotor. Glücklicherweise hält mich das wetter am schiff zurück, heftige böen und nieselregen von quer. Also muss der tango warten.

Diese box kann ich erst nach abarbeitung der genannten drei punkte verlassen. Wenn das schiff nicht fertig ist, kann man nicht los, und ich mach nicht den Donald Crownhorst. Es geht hoffentlich hier in Buenos Aires schneller, besser und das mit dem geld kann ich jetzt schon mal streichen.

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Box ohne Ende

Zehn tage bin ich schon an land und sehr genervt. Dabei sollte ich im urlaubsmodus sein, mache mir aber selber den stress. Ich denke, mir läuft die zeit davon, abgesehen vom geld, das man mir hier ungeniert intensiv aus der tasche zieht.
Heute am So habe ich mal einen halben ruhetag eingelegt, nur ein wenig farbe auf die stellen von gestern, seile angetüdelt und einen ausschalter für meinen nervigen navigationsfehlerpieper eingebaut.

Die fehlenden liter benzin aus dem backskistenunfall habe ich auch gefunden, im überlauftank vom duschsumpf. Schön, wenn etwas ausgedachtes funktioniert. Nun sitze ich in der plicht im bezindunst, da ich ja alle tage mal die lenzpumpen laufen lassen wollte, und dazu gehört auch die manuelle pumpe für den überlauftank.

Der ausflug heute hat mich an beide enden des hiesigen badeorts geführt – es ist nicht mein platz. Strand an beiden enden, dazwischen felsen und eine straße der kategorie vier, also der lochanteil ist noch nicht über die hälfte. Der busterminal hat schon bessere zeiten gesehen, aber heute war er gut besucht.

Was es hier nicht zu sehen gibt, sind gleichgeschlechtliche paare, oder sie verheimlichen es sehr. Dafür sieht man viele körper in badebekleidung oder ähnlichem herumwandern in allen alterskategorien und das will ich nicht sehen. Der laufsteg ist nur fünf meter von meinem schiff entfernt, da beobachte ich viel.

Die arbeitswoche beginnt wieder und noch immer keine farbe gekauft. Ich habe das heute mal selbst in die hand genommen, kontakt mit Jotun aufgenommen, und siehe da: sie können auch englisch schreiben, das reicht. Die gebindegrößen sind hier andere als in europa, meistens zwanzig liter, außer beim antifouling. Somit werde ich mal locker siebenhundertfünfzig geldeinheiten los, nur für farbe, verdünner und antifouling. Dazu kommen noch der transport oder eine busreise mit geschätzten sechzig kilogramm gepäck auf meiner faltkarre, mal sehen.

Währenddessen habe ich heute die opferanoden mit den passenden bohrungen versehen, und einen tankdeckel für meine blechkanister mit anschlüssen, damit meine standheizung auch daraus den sprit schlürfen kann.
Nach dem zweiten regen ist das projekt ladebaum fertig geworden. Ich muss mein schlauchboot mit motor allein von und an deck bringen können. Der alte versuch hat sich ja im halbkreis verbogen. Somit wird nun das letzte stück vom ehemaligen gitterbaum verwendet.

20170116 ladebaum

 

20170116 ladebaum

 

20170116 ladebaum

 

Der zweite tag der woche und schon fast die farbe bestellt, fehlt nur noch das geld und eine überweisung an den farbdealer. Der transport ist wohl doch nicht so heftig, so dass ich mir den ausflug nach Montevideo klemme. Außerdem können die die farbe zum schiff bringen, keine weiteren schleppereien.
Somit habe ich weitere punkte bearbeitet, wie zum beispiel mein letztes teaköl verstrichen, den tisch im bugbereich nach vier jahren mit einer fixierung versehen. Ein wenig bohren, schrauben, sägen, feilen und so weiter.
So vergeht auch der tag und zwischendurch den rechner an, mails abrufen, mit dem händler kommunizieren. Dann habe ich doch beschlossen, wenn die farbe da ist, das schiff unter dem kiel zu streichen. Dafür muss das schiff angehoben und die drei bohlen versetzt werden. Da die zehn baumstämme auf neu platziert werden müssen, ist das ein abwasch, so meine denke.

Wie dick kann scheiße sein, ich bin so sehr genervt, auch von meinen fehlentscheidungen. Hier gibt es zahlungsmöglichkeiten, um den menschen schneller das geld abzugraben. Ein bargeldverbot würde zum wirtschaftlichen stillstand führen. Meine versuche, mit Abitab geld an Jotun, oder an den salesman zu übertragen, lief fast. Ich war nur der fünfzehnte in der schlange und nach einer halbe stunde ging das paypal für arme ohne konto los. Alle daten hatte ich nur keine kohle, denn die sollte von der kreditkarte kommen. Nur damit war nichts, nur cash. Und ende, dicker hals.
Wenn ich mein kleines kreditkartenmonatslimit ausnutze, kann ich nichts mehr essen. Geldüberweisungen sind limitiert und ich idiot habe meine goldene kreditkarte gekündigt. Einfach aus dem grund, sie war für die kontoeröffnung jahrelang kostenfrei und nun wollten die dreißig euro von mir. Dafür, dass sich die manager noch mit dieser neuen gebühr den pencil vergolden können.

Heute ist Mi und ein vielleicht erfolgreicher tag. Ich habe in den letzten zwei tagen meine homebase sehr gestresst, ohne wäre ich aufgeschmissen, und mich um das doppelte. Man kann mit WU nur eintausend euro im jahr überweisen oder man muss sich registrieren und das hat eine sperre von drei tagen zur folge, die die dann durchzuführende identitätsprüfung dauert!
Mein farbendealer möchte dollar sehen, das bedeutet hier, ich bekomme pesos per WU mit einer gebühr und einer umtauschgebühr, dann tausche ich die wertlosen pesos in die wertlosen dollar und bezahle noch eine gebühr. Mit diesem klopapier gehe ich zu einen Abitab schalter und überweise dieses papier zum farbdealer mit einer heftigen gebühr. Das geld ist der eine faktor, der mich ankotzt, der andere ist die zeit, die dabei drauf geht, jeden tag in der marina kostet, hier im sommer den dreifachen preis.

Nach mehrmaligem fragen habe ich nun herausgefunden, wie ich diesel ans schiff bekomme, ohne zur tanke zu laufen und die kanister füllen zu müssen. Hier muss man zur tankstelle an der promenade gehen, dummerweise eine feste menge ordern und diese wird dann zum schiff geliefert, der preis ist mit europa identisch. Zahlung erfolgt sofort, die lieferung später, morgen ungefähr um…irgendwann… Ich bin am schiff und werde warten.
Dazu noch informationen, die ich in der hitze der länder vergessen und verdrängt habe. Was ist winterdiesel – der saft, den ich in brasilien in meinen tank gefüllt habe, ist es sicherlich nicht, jedoch soll der diesel hier winter können. Sonst habe ich im süden ein heizölgelee im tank, kann nicht weiter und gerate in seenot, klasse aussichten.

Nachtrag zu den ereignissen – böser, hinweislicher natur: Uruguay war nach meiner information der letzte hafen mit einem tavellerlift. Vielleicht ist das auch veraltet. Die vorabmails vom stützpunktleiter verhießen in meiner lesart eine gewisse infrastruktur – aber vergesst es einfach. Vermeidet lieber diese korrupten länder, in dem die schattenwirtschaft versucht zu überleben mit sonderzahlungen, flucht in eine imperialwährung, um der systembedingten inflation entgegenzuwirken.

Der tankwagen kam überpünktlich am Fr morgen, eine stunde zu früh, aber ich war schon mit dem kaffee an deck. Nur habe ich mich ein wenig verrechnet mit der menge, es passten nicht alle liter hinein, die letzten gingen in einen leeren kanister.
Mein neuer ladebaum hat zwei haken an der reling erhalten und kann schnell verstaut werden, das neue pendelruder ist aus einem alten verschalungsbrett in ein paar stunden entstanden. Die liste wird kleiner.

Und kaum habe ich ein paar zeilen geschrieben, kamen die jungs vom courierservice. Die farbe ist auch da, fünfzehn euro für den transport sind akzeptabel, schleppen ist teurer. Somit geht die farbarie am wochenende weiter, vielleicht werden es auch fünf schichten grundierung. Die beiden kleinen töpfe farbe sind teurer als die beiden großen zusammen, da muss wohl gold eingemischt worden sein. Morgen ist ein weiterer farbtag.

20170120 goldfarbe

 

Ein ruhiger So mit folgen. Der wind war sehr wenig am morgen und so habe ich die trommel von der genuarollanlage demontiert. Die hoffnung, dass das fehlende plastikstück sich im rohr befindet, hat sich nicht erfüllt. Es sind zwei stücke, die sich den platz im rohr teilen und die trommel zentrieren.
Ich habe in meinem konvolut ein pom-stück gefunden, das mal für eine schlauchverbindung herhalten musste. Dieses rohrstück habe ich halbiert, ein wenig hier und da geflext und es passend für die rollanlage angepasst. Dann noch zwei löcher ins plastik gebohrt, zwei passende imbusschrauben gekürzt und eingebaut. Ging super, hält als provisorium hoffentlich erstmal, bis ich ein neues plastikteil gekauft habe.
Bei dem flexen ist mir ein kleiner unfall passiert, ich habe mir kurz unterhalb vom linken daumennagel ein paar plastikstücke tief unter die haut hinein geschleudert. Die zange, die ich hinterher benutzt habe, um die teile zu halten, hätte ich mal früher angesetzt sollen. Mal sehen, wie lange die splitter brauchen, um herauszuwachsen. Schön blöd.

Danach hat der rumpf seine fünfte farbschicht erhalten und morgen geht das vergoldete antifouling darüber. Die hoffnung ist, dass der farbanstrich diesmal sehr lange hält.
Am nachmittag habe ich noch einmal das schlauchboot mit luft verfüllt und dabei ist der kompressor gelaufen. Er läuft bei viel druck schlecht an, das höre ich aber an deck nicht. Erst der amperegeruch weckte mich auf. Der elektromotor war so heiß, dass die anschlußdose darauf zu schmelzen begann. Nicht schön und der motor hat es hoffentlich überlebt, weiß ich erst, wenn ich ihn wieder anfassen kann. Splitter und verbrannte finger kann ich mir nicht erlauben.

Ein wunderschöner Mo, am morgen waren die schultern noch ok. Bis zum abend habe ich das unterwasserschiff zweimal mit antifouling gestrichen, den kiel erstmal nur einmal. Morgen kommt dann die dritte schicht drauf und der kiel bekommt die reste von der alten giftfarbe.
Dann habe ich noch den motor vom kompressor ausgebaut und es sieht traurig aus. Der ist so heiß geworden, dass seine welle im motor blau angelaufen ist. Das lüfterrad ist dementsprechend auch geschmolzen. Der isolationslack ist geschmolzen und der rotor war dadurch mit der wicklung verklebt. Das keilriemenrad wollte ich retten, aber auch mit grober gewalt und dem zweikilohammer war da nichts zu wuppen. So fiel wenigstens das gehäuse mit der wicklung ab. Die beiden lager sind auch ausgelaufen. Das ganze ist ein fall für den schrott, aber erst wenn ich einen ersatz habe.
Somit muss ich für’s erste das schlauchboot mit der hand aufpumpen, die fender bleiben schlapp und mal kurz etwas ausblasen geht auch nicht mehr, echter mist, verdammter.

20170123 kompressermotor

 

20170123 kompressermotor

 

20170123 kompressermotor

 

20170123 kompressermotor

 

Am Mi haben sie meine abpallung erneuert, so dass ich die fehlenden stellen bepinseln kann. Dauerte keine viertelstunde und schon waren sie fertig, jedoch habe ich denen auf die finger geschaut. Denn sonst hätten sie auch die keile am rumpf reingeschlagen, mit dem erfolg, dass die noch recht frische farbe sich dort verabschiedet. Auch wollten sie gleich am anfang einen keil mit einen rostigen nagel benutzen und wunderten sich über die neuen beschädigungen am rumpf. Was nicht drin war, das schiff anzuheben, unbezahlbar für mich.
Das wetter war bis gestern sehr gnädig zu mir, die sonne war immer da, die temperaturen gut und es war trocken. All diese attribute gelten seit heute für die nächsten tage nicht mehr. Von meinen schiff aus kann ich heute das meer sehen, nachdem der hafen gestern eine motorjacht verlegt hat. Nur was dort draußen jetzt zu sehen ist, hält mich im hafen zurück: große, weiße brandungswellen. Als eine steife brise würde ich das bezeichnen, mit temperaturen aus dem hiesigen süden und teilweise schauer. Nicht gerade die richtige atmosphäre, um zu streichen. Mit meinen teuren zwanzig litern verdünner geht es. Es trocknet nun so schnell, dass ich sicherlich am Mo hier weg kann.

So ein mistiger tag, regen mit wind und das ganze von quer. Wenigstens habe ich in der trockenen phase die grundierung aufgetragen und ein wenig antifouling. Dadurch habe ich noch einen fünf-liter-topf giftfarbe gefunden und hätte nicht für viel kohle das zeug hier kaufen müssen. Mal häufiger die bestände durchgehen, spart geld.
Dann werde ich hier noch zum weichei: während die menschen auf der promenade mit kurzen hosen und shirt herum laufen, habe ich socken, eine ausgebeulte jogginghose, ein sweatshirt, ein kaputzenshirt und eine mütze auf dem kopf, an. Dabei sind es noch um zwanzig grad mit wind, aber in den letzten tagen war es um dreißig grad ohne luftbewegung. Mal sehen, wie es am ende der scheibe aussehen wird.
Der clint-eastwood-verschnitt kann noch immer im shirt hier lang laufen oder er nutzt sein weißes fahrrad. Jeden tag sehe ich den braungebrannten typ zweimal, allerdings hat er dunkle haare im gegensatz zum original. Die popcornverkäuferin kenne ich auch schon und einige andere menschen laufen hier auch häufiger vorbei. Eine promenade im urlaubsmodus und ich habe meine unterhaltung, während ich einen salat knabbere.

Am Fr nachmittag kehrt das gewohnte sommerwetter zurück, die temperaturen steigen, die kleidung wird wieder leichter. Das schiff ist inzwischen wieder rot und untenherum schwarz und braun. An deck sind ein paar stellen wieder beige und andere sind noch immer rostig. Das wird erstmal so bleiben, es stört mich nicht so sehr und es tut auch nicht weh.
Das ok der prefektura, um das schiff am Mo wieder in wasser zu setzen, habe ich schon erhalten. So muss ich mich am Mo dort nur wieder abmelden. Bürokratie wird hier sehr ernst genommen, mich nervt es nur.
Nach drei wochen ist auch endlich meine kreditkarte mit der post angekommen, sicherlich auf dem rücken einer langsamen taube. Es geht aufwärts.

20170127  schiff in goldfarbe

 

20170127  schiff in goldfarbe

 

Die nächsten stationen werden ab Mo Montivedeo und Colonia am ende der bucht sein. Dann bei richtigem wind geht es auf die andere seite nach Buenos Aires. Weht der wind aus der falschen richtung, ist für den zielort nicht genügend wasser unterm kiel.

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In der Box Uruguay

Ich glaub es ja nicht mehr. Wir leben in einer welt des geldes, ohne geht gar nichts, ohne kreditkarte geht auch nichts, und wie soll man da noch von weg kommen. Aber von vorn.

Mein erster tag in Uruguay war mit ankommen und trocknen ausgefüllt. Danach habe ich noch ein wenig eingekauft mit meiner karte, sonnengott danke. Auf dem schiff zurück habe ich die waschmaschine angeworfen, die von den vielen motorstunden noch heiß war. Mein erstes bier seit wochen, zwei gläser rotwein aus dem tetrapack und gute nacht.

Die bilder von der ankunft an der insel vor Punta del Este will ich noch nachliefern – sie gehören noch zum ende des letzten berichtes. Und dann war noch der seltsame starkwind, gelesen habe ich von dieser erscheinung namens Pampero schon. Der soll zwanzigmal im jahr existieren, wind von links, dann von rechts und recht heftig. Glücklicherweise habe ich nicht den rekord von vor hundert jahren abbekommen mit über hundert knoten.

21070103 punta del este

 

21070103 punta del este

 

21070103 punta del este

 

Der zweite tag bestand darin, meine mails zu organisieren und ‘hallo, ich lebe noch’ zu morsen, denn mein handy will hier nicht leben und ich kann nur notrufe senden. Die notrufe meiner kategorie gehen natürlich nicht.
Für die immigration brauche ich geld, also erstmal zu einer bank, in diesem fall zu der bank im ort. Die schlange vor der cashmashine war zehn personen lang, genau wie gestern abend. Auf der ersten karte wollte man mir leider nichts auszahlen, so griff ich zur zweiten. Diese wurde vom automaten geschluckt, wieder einmal viele unflätige worte aus meinem mund. Also kein cash.
Danach bin ich zum übersetzer für meine haftpflichtpolice gefahren, denn die in der marina akzeptieren meine deutsche police nicht. Der herr ist aber heute in Montevideo, also morgen noch einmal. Keine übersetzung, kein aus dem wasser kranen.
Auf dem rückweg bei der prefektura vorbei und einklarieren des schiffs. Dort will man mich erst bedienen, wenn ich bei der immigration am hafen war. Die dame dort war willig und sprach sogar ein wenig englisch, wollte aber geld von mir sehen, bevor der verwaltungsakt beginnt. Somit wären wir wieder am anfang, kein geld, keine kekse.

Gegen mittag bin ich wieder zur bank und habe dort meine karte wiederbekommen, des weiteren das büro von western union gesucht und letztlich an der strandpromenade gefunden. Dort gibt es aber nur geld mit einen zahlencode, den ich noch nicht hatte. Meine homebase hatte mir geld gesendet. Also wieder zum hafen zurück, mail abrufen und wieder zur promenade, diesmal gab es pesos. Gleich danach in den größeren supermarkt und frische sachen eingekauft. Die immigration hatte schon zu, somit zum schiff zurück.
So sieht es im hafen Piriàpolis aus.

21070104 im hafen der kleine

 

21070104 hafen piriapolis

 

21070104 hafen piriapolis

 

21070104 hafen piriapolis

 

Am dritten tag bin ich zuerst zur immigration gefahren und war zu früh dort. Die halbe stunde nutzte ich, um in sachen übersetzung meiner versicherungspolice weiterzukommen. Wartezeit dort fünf minuten und dann kam ein beleibter notar und es ging los. Es wurde ein dokument erstellt, in dem meine daten eingetragen wurden, die kommunikation verlief über google-translator und meine rudimentären spanischkenntnisse. Ich glaube die machen halbehalbe, der marinachef und der notar, weil das neue dokument künstlich ist und er nicht den wahrheitsgehalt der police prüfen kann. Dann musste ich wieder zum büro von Western Union, diesmal notargebührenmarken kaufen für ungefähr zehn euro. Wieder zurück zum notar, die marken auf das papier geklebt und weitere sechzig euro für seine arbeit abgedrückt. Das ist für mich eher als beschäftigungsprogramm zu sehen.
Zwei stunden später war ich wieder in der immigration und diesmal war eine andere frau an der arbeit. Die erste, die englisch konnte, war freundlich und half dann auch gleich drei türen weiter beim zoll. Mit einen stapel an zetteln bin ich dann zur prefektura geradelt und war in fünfzehn minuten durch. Das hat mich sehr gewundert, aber schön.
Wieder im hafen angekommen und gleich den chef abgegriffen, dokument für gut befunden und das kranen vorbereitet. Scherz, natürlich erst morgen früh. Wenn das so weiter geht, bleibt mein aufenthalt hier nicht bei nur zwei wochen.

Heute ist Fr und auch ein halber feiertag, weil es der sechste januar ist. Aber heute morgen sollte ich mal schnell zum marinabüro kommen, das bedeutet fünf minuten mit dem rad einmal um den hafen. Der hafenchef wollte die dokumente vor dem kranen noch einmal checken. Also noch einmal zurück und meine unterlagen geholt.
Er wollte die bestätigte erlaubnis der prefektura sehen, die ich gar nicht hatte, weil ich nicht wusste, dass man für das auskranen so etwas braucht. Die lösung zuerst einmal auskranen, dann zur prefektura und die erlaubnis holen.
Mit der hilfe vom nachbarschiff bin ich zum travellift gefahren, gurte an der richtigen stelle positioniert und raus aus dem wasser, über land und stop. Dann zur prefektura zu fuß und nada. Heute gib es keine genehmigungen, erst wieder am Mo. Derweil hing das schiff in den seilen.
Der marinachef hat dann mit der einen prefektura telefoniert, dann mit noch einer anderen und ein mündliches ok bekommen. Sonst hätten die mich wieder ins wasser gesetzt.
Während die mitarbeiter mit dem abpallen beschäftigt waren, ausmessen, hölzer zurecht sägen, noch einmal messen, weitere baumstämme halbieren, habe ich schon fast den ganzen rumpf mit dem spachtel bearbeitet. Das sollte man tunlichst mit handschuhen machen, seepocken sind scharf und meine finger blutig.
Ich schätze den haufen an pocken und muscheln mit farbplacken auf fünfzig kilo. Das zeug ist innerhalb von drei monaten gewachsen, nach dem einsatz des tauchers wohlgemerkt, der in Guayana ja alles schonmal abgemacht hatte. Dieser bekommt auch nur noch die halbe schuld am disaster, die andere hälfte geht auf mein konto.
Das antifouling von meinen vorbesitzer hält nicht auf der grundierung und so gehen große placken farbe ab. Zweites problem, die opferanoden sind durch. Somit hat sich das schiff selbst geopfert, weil viel va im unterwasserbereich verbaut wurde. Jetzt weiß ich auch, warum es schweißstäbe für schwarzweiß verbindungen gibt und warum diese so heißen. Der rumpf ist an vielen stellen schwarz gegammelt. Alles halb so schlimm, muss nur wieder farbe rauf. Wobei meine fünf liter jotun-reserve wohl nicht reichen wird.

 

Heute am Sa fing ich um neun uhr an, mit zwei flexen bewaffnet, spachtel und einem schraubendreher für’s grobe. Damit ich die abpallung verschieben kann, kommt der große hammer zum einsatz. Jedoch hat man mir das am nachmittag untersagt, das dürfen hier nur die mitarbeiter. Also muss ich mir mal einen plan machen, wann was erfolgen kann.
Bis zum nachmittag habe ich den halben rumpf fertig, kiel und ruder kommen später. Meine schultern hängen mir jetzt an den ohren herum und die arme schleifen auf dem fußboden. Ich schlaffe ziemlich ab mit den jahren.
Das beste wäre es natürlich, den rumpf sandstrahlen zu lassen, ist hier aber nicht drin. Somit sind noch ein paar stellen mit dem alten antifouling, die ich nur unter größtem aufwand abschleifen könnte. Da sie dem kärcher und der drahtbürstenflex aber widerstehen, bleiben sie bis zum nächsten mal. Der schaden durch den taucher ist im prinzip doch nicht so groß, er hat halt nur das alte angelöste antifouling mit den muscheln abgekratzt. Der rumpf ist jetzt an den stellen, wo keine grundierung mehr drauf ist rostig, ist aber nicht wirklich schlimm. Bis fünf millineter durchrosten, das dauert.

Der muschelhaufen fängt heute schon an zu leben, ameisen und fliegen futtern da fleißig. Und schon gab es die aufforderung der marina, die muscheln in die mülltonne zu bringen. Mañana, das habe ich schon gelernt.

21070106 muschelhaufen

 

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an meine kleine aktion, die enden der unterwassereinlässe abzuschneiden. Heute bin ich froh darüber, da die beiden teile seit gestern in essig lagern. Die brühe sieht schon nicht mehr richtig gut aus, aber die pocken lösen sich auf. Wenn die enden noch dran wären, hätte ich kein wasser für den watermaker ziehen können und der impeller vom motor wäre auch hin. Die ganzen kleinen löcher waren zu, nur in der mitte ging noch wasser hindurch.

Wieder ein So, so wie fast jeder tag. Zuerst habe ich am morgen den stinkenden haufen in eine mülltonne geschaufelt, umschwirrt von hundert fliegen, und die matsche in den großen müllcontainer verfrachtet.
Für heute war gewitter und viel regen angesagt und das ist jetzt am nachmittag auch gekommen. Davor war ich zweimal im mast, um das ankerlicht zu checken und dann das leuchtmittel auszutauschen.
Draußen ist landunter mit viel wind, alle luken sind zu und muckelige dreißig grad im schiff. Dieses wetter soll bis morgen abend anhalten, also keine outdoor reparaturen für die nächste zeit. Zum unglück gibt es im schiff auch so einiges zu reparieren.
Wenigstens ist der windgenerator wieder einsatzbereit, die schellen geschweißt und verstärkt, einen bolzen am fuß eingeschweißt, um den herum ein alter silentbock die vibrationen auffangen soll. Der narbe vom rotor habe ich eine sechskantinnenschraube aufgeschweißt, was der hersteller sich bei der befestigung vorher gedacht hatte, weiß ich nicht, der vielleicht auch nicht.

Am ersten arbeitstag der neuen woche sollte es eigentlich regnen, so wie gestern abend. Doch bis zum fünfuhrtee blieb es trocken. Ich habe die zeit genutzt, um die steuerbordseite abzuschleifen. Jetzt fehlt nur noch der ganze kiel, sicherlich auch noch einen tag arbeit. Dort kann ich wenigstens im sitzen arbeiten. Unter dem kiel werde ich keine farbe aufbringen, steht doch das schiff doch auf drei dicken bohlen, wo keine farbe hinkommen kann.
Aber es fehlt die farbe zum verstreichen, denn so einen farbverlust hatte ich nun doch nicht eingeplant. Dafür war der to-stützpunktleiter heute bei mir und will sehen, wo er helfen kann, ich bin gespannt.

Der Di war wieder nicht mit regen, obwohl angesagt. Ich bin viermal auf den mast geklettert, dreimal davon zur radarantenne. Diese habe ich demontiert und hoffe noch immer auf einen günstigen fehler. Das teil habe ich jedenfalls heil an deck abgeseilt.
Mein einspritzpumpenhebel war ursprünglich für den baumaschineneinsatz gedacht, der umbau auf den marinebetrieb lief nicht so sehr gut. Die wegstrecke der baudenzüge ist zu kurz und so läuft Mr Perkins nur bis zweidrittel seiner drehzahl. Das spart diesel, wenn man in der strömung oder bei viel wind die kraft braucht, ist das aber nicht sehr hilfreich.
Ich habe einen mechanischen hack auf den alten hebel montiert und hoffe, dass ein paar mehr umdrehungen dabei herausspringen. Das teil, welches für dieses ugandaschrauben hilfreich war, ist eine halterung für küchenschränke, um diese an der wand zu regeln. Soviel zum thema schiffsgewicht, wenn ich sogar soetwas dabei habe.

Meine nächste baustelle war die motorraumbilgenpumpe. Vor zwei wochen ging da nichts mehr, ich werde in zukunft täglich die beiden pumpen laufen lassen. Sie ist im motorraum festgegammelt. So ein ausbau ist nicht geplant, ist doch der einbau im freien motorraum entstanden. Also eine vier stunden aktion, um alles herum zu entfernen. Am ende lief die ex-panzerpumpe wieder und hat sich selber gespült.

21070111 bilgenpumpenspuehlung

 

Mitten in der woche und die sonne scheint bis zu dreißig grad und ein wenig darüber. Soll ich in die tiefen des motorraumes abtauchen oder die lästigen schweren flexen in die hand nehmen, um den rumpf fertig zu schleifen? Die alternative, nach Montevideo zu fahren habe ich gleich gestrichen. Gestern habe ich mit einer weiteren geldkarte versucht, bedrucktes papier zu ziehen, aber ohne erfolg. Dies ist so eine sache, über die keiner der weltumsegler berichtet oder ich habe es nicht gelesen. Es kotzt mich an, keine kohle, keine kekse. Kein mobiltelefonroaming möglich, keine kontoführung per mobil-tan machbar, nicht einmal beschwerden oder anregungen möglich. Dagegen waren die Kap Verden noch wie zu hause.

Also habe ich heute den kiel abgeschliffen, das ruder und stellen im roten rumpfbereich. Zur teezeit war ich durch, auch armtechnisch. Dabei muckte meine lieblingsflex, ein erbstück von vor mindestens fünfundzwanzig jahren. Von jetzt auf gleich will sie nicht mehr, aufschrauben, messen, eventuell ein kabelbruch, also ein stück kürzen. Immer noch kein leben, neues kabel, erneutes messen, weiterzerlegen, die kohlebürsten sehen noch gut aus.
Nach der längeren frühstückspause fiel mir der kleine stift mit feder in der einen kohle ein. Warum nur dort und warum überhaupt. Diese flex ist in der blauen serie, von den jungs die schon alles vorher erfunden haben, für den professionellen einsatz gedacht. Und es ist ein wenig nachhaltig, denn der kleine stift wird freigeschliffen, federt heraus und isoliert, so dass das gerät vor der verschleißgrenze nicht mehr funktioniert. Den stift habe ich herausgepult und das gute teil läuft noch weitere fünf millimeter mit den restkohlebürste. Eigentlich doch sehr schön, dass es kein wegwerftool ist. Unschön bloß, ein ersatzteil zu bekommen am ende der welt.

Am Do morgen war ich schon im arbeitsdress und hatte schon alles vorbereitet, da spricht mich der marinachef an, ich solle zur prefektura kommen. Papiere eingesteckt, geld, ein frisches shirt angezogen und hingeradelt. Mit meinem broken spanish und english bin ich durch die dienstgrade weiter gereicht worden, bis jemand englisch konnte. Es ginge um das auswässern, das müsste noch beantragt werden. Eine kopie vom schiffsbrief, versicherungsschein, die übersetzung davon und den ausweis.
Also wieder zum schiff zurück, im marinaoffice nach kopien gefragt, was sie ungern machen und dann wieder zur prefektura. Dann hat die abteilung dokumentenerstellung das ganze zusammengeheftet mit einem laufzettel versehen und fertig. Der verwaltungsakt ist vollständig, und sie wollten kein geld von mir.

Danach konnte ich endlich anfangen, den rumpf zu streichen, der erste anstrich dauert länger. Wie schön, dass ich noch fünf liter silvergrey aus europa mitgenommen habe, denn sonst wäre erstmal ende im farbprozess. Ich hoffe meine farbe reicht, denn es ist schwer, diese zu bekommen. Antifouling gibt es, aber für vierzig dollar pro liter. Die spinnen echt hier.

Der tag ist noch nicht ganz gelaufen, aber ein dreizehnter Freitag könnte wesentlich schlimmer durchlebt werden. Heute morgen konnte ich in ruhe anfangen und wurde auch nicht gestört. Die zweite farbschicht habe ich appliziert und dabei einen liter verdünnung laufend eingemischt. Heute war viel wind und die temperatur höchst erfreulich, nur leider fing die farbe schon fast auf der rolle an zu trocknen. Und am ende als die zweite farbschicht drauf war, fing ein heftiges gewitter an, danke dass es nicht früher gekommen ist.
Draußen war es nass, und somit ging drinnen der wiedereinbau der bilgenpumpe voran, danach die welle abfetten und auch das kardangelenk. Danach wieder den abgassammler angeschraubt und fast fertig. Vorsichtshalber noch den motorwasserfilter reinigen, das letzte mal habe ich es Guyana gemacht. Und schon wieder ein blinder passagier an bord, gefangen im sammler und hinterher im hafenbecken abgesetzt.

21070113 krebs

 

Piriàpolis ist ein dorf in einen kleinen land, die musik spielt in Montevideo. Bei der farbe muss ich ins saure beißen, beim segel und der radaranlage habe ich die möglichkeit von Buenos Aires. Wollte ich eigentlich nicht mehr hin, aber ohne segel und radar geht es nicht nach Ushuaia. Notfalls warte ich solange, bis alles fertig ist. Bei den aufgerufenen preisen kann ich auch nach hause fliegen, das ganze zeug kaufen und wieder zurück. Das kann sogar günstiger werden, ich denke darüber nach.

Ich bin schon über eine woche an land und es bewegt sich wenig bis stillstand. Heute am Sa war die große schweißaktion in der durchführung. Zuerst die oberwantenaufnahme angefangen und festgestellt, dass man an die naht nur schlecht herankommt. Das schweißen ist auch nicht so schön gelungen, ich hoffe es hält.
Die vier genuaschinenendstücke haben jetzt eine mutter an deck und sind nicht mehr mit sika geklebt. Dabei musste ich feststellen, dass die verschraubungen der schiene gammeln, langfristig auch eine baustelle.
Und schrauben durch das schanzkleid zu bohren und zu hoffen, dass die umlenkrollen für die genuaschot halten, hat sich nicht bewahrhaltet. Also sind die heute auch angeschweißt worden. Diese ganzen kleinen baustellen haben den Sa gekostet.

Mein platz auf dem land hat vorteile und andere seiten. Ich muss nicht mehr um den hafen herum, wenn ich ins internet will. Das mit dem duschen und der wc benutzung an bord ist machbar. Alle paar tage eine tonne unter den auslauf gestellt, hahn von den tanks auf und die stinkende gülle zum hafenbecken fahren. Ich weiß auch nicht, wie oft ich in den letzten tagen meinen schiffsnamen und meine heimatstadt gehört habe. Ich bin halt auf augenhöhe mit der promenade und da laufen viele neugierige touristen lang.

21070114 promenade piriapolis

 

21070114 promenade piriapolis

 

Dann bin ich sehr sehr genervt, es geht wenig mit der unterstützung des standortleiters. Farben gibt es, schweineteuer und nur in Montevideo. Also werde ich mal den bus nehmen müssen und eine kleine weltreise unternehmen, um die farbe ans schiff zu bringen.
Die zweite entscheidung ist heute bei mir auch gefallen, ich segele rüber nach Buenos Aires in tagesetappen. Dort ist alles größer, mehr nachfrage, mehr service. Wie sich die törnverschiebung auswirkt werde ich sehen. Im spätsommer durch Patagonien zu segeln geht auch, muss gehen oder halt unten herum.

Morgen geht es weiter mit dem job.

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Boxenstop in Uruguay

Da haben sie mich in Brasilien doch noch ein wenig über den tisch gezogen. Die gasflaschenfüllung für vierzehn euro, die marina für zweihundertfünfzig plus fünf prozent aufschlag für kartenzahlung. Das taxi sollte ein valetaxi sein, bei einem einkauf über hundert euro sollte es einen gutschein geben, den man mir nicht gegeben hat. Letzteres nicht schlimm, das taxi hat so dreifünfzig mit trinkgeld gekostet.
Der kühlschrank ist voll mit frischen sachen, für das bier ist kein platz mehr. Hochwasser ist um ein uhr und jetzt nur noch das schiff klarieren. Dabei ist mir die mumifizierte leiche meines geckos in einer plastikdose untergekommen. Vielleicht ist es ein zweiter, aber ich befürchte leider nicht.

20161122 toter gecko

 

Pünktlich zum hochwasser am dreiundzwanzigsten November habe ich ausgeparkt und bin richtung flussmündung geschippert. Nichts aufregendes, gewohnte flusslandschaft und an der vorletzten tonne habe ich die segel gehisst. Nur dann kam wieder die gleiche aktion, wie vor zwei monaten. Der kurs sollte südost sein und es ging nur nordost, da ich mich auch von der küste freihalten wollte. Im dunkeln drehte der wind dann weiter und der südkurs wäre möglich geworden. Leider waren da draußen über zwanzig verschiedene lichter, unberechenbare fischer. Nach mitternacht gab es dann eine patentwende, die ich zum kurswechsel nach süd genutzt habe. Diesmal waren es nur dreißig meilen umweg und am morgen war ich wieder auf der höhe von Jacare, aber weit draußen. Noch einen monat bis weihnachten.

Der zweite tag auf see war sehr gut, das streckenergebnis war ok, achtzig seemeilen und alle in die richtige richtung. Ich gewöhne mich an die widrigen schrägen zustände und mache das beste daraus. Das wetter ist sonnig und trocken und in der nacht ist es schon etwas kälter.
Meine verbesserung mit der rolle am großsegels ist noch nicht akzeptabel. Das reffen vor der nacht und dem sonnenuntergang ging gründlich in die hose. Alles vorbereitet, aber als das großsegel herunter sollte, wollte es nicht. Ich ahnte es schon, schuhe anziehen und in die mastspitze. Die rolle am segelkopf hat einen wirbel, und so hat sich das fall zigmal um sich selbst gewickelt, kein auf und kein ab. Oben konnte ich die rolle drehen und schon ging es. Glücklicherweise wenig wind und kaum wellen, trotzdem eine aktion mit viel festhalten, konzentration und kein falscher griff. Also muss demnächst die rolle fixiert werden.
In der nacht hat der wind dann pünktlich gedreht und die strecke zum ersten wegpunkt ist fast gesichert.

route november 2016 23-24

 

Der dritte tag war nicht aufregender als der zuvor. Wenig wind und somit nur fünfundsechzig meilen gesegelt. Dafür gab es in der nacht häufig fehlarlarm durch das radar. Sicherlich irgendwelche größeren wellen und somit dauerte der signalton nur wenige sekunden. Aber auch zwei richtige waren dabei, die hören dann nicht auf, solange schiffe in der alarmzone sind. Einmal links vorbei und einmal rechts, im abstand von drei meilen.

Der nächste tag war ruhig mit einem etmal von fünfundsiebzig. Dabei gab es in der nacht keinen alarm und erst am morgen nach dem kaffee kamen die gewitterwolken mit wind. Währenddessen habe ich den wendepunkt abgekürzt und so ist der kurs ab jetzt mehr als süd. Soweit es geht. Die benutzung der dusche bei schräglage ist sehr anstrengend, aber musste einfach mal sein. Ein frischer neuer tag ist ein guter.
Als die regenfront durch war, gab es wieder nur wenig wind, langsame drei knoten und alles in die richtige richtung, also netto richtig gut.

Eine dauerbaustelle hat sich wieder aufgetan, die popnieten vom baumniederholer. Diese nacht war wieder ade, auch die ausführung aluniete mit kleiner schraube in der mitte hat nicht so lange gehalten. Jedoch war dies die längste zeit, immerhin seit Guayana. Ab sofort werden als test va-nieten verwendet.
Diese baumniederholerreparatur habe ich dann auch sofort in angriff genommen, gar nicht erst wieder eine liste anfangen. Die operation lief während des betriebes und wenig entspannt. Nur diese nieten sind echt an der belastungsgrenze der zange oder ich bin zu schwach. Die stifte zum abreißen zu bewegen hat schweiß gekostet.
Der rest des tages verlief wie die tage zuvor, die nacht war ruhig und wieder waren es fünfundsiebzig meilen. Mal sehen, wie es weiter geht.

Alles wird auf einmal reif und der kühlschrank machte auch schon mal pause. So gab es die avocado auf zwieback zum frühstück und zur mittagszeit mit zwei fälligen tomaten als salat. Zwischendurch noch eine banane, nachdem ich am vortage schon sechs gegessen hatte. Die letzten beiden gingen über bord, waren schon nicht mehr für meinen gaumen geeignet. Ich hätte die teile an verschiedenen orten reifen lassen sollen. Ich lerne noch dazu.
Dann lies der wind nach, zuerst war das segeln noch mit motorunterstützung machbar, aber am nachmittag gingen die segel runter. Treibend ging es durch die nacht mit dem tageserfolg von nur fünfzig meilen. Davon ein drittel in die falsche richtung getrieben.
Dann fängt meine windfahne an zu mucken, das nervt auch. Hoffentlich hält sie bis Piriàpolis durch.

Ein neues projekt habe ich mir auch ausgedacht: von der bierdose zur opferanode. Bisher hatte ich die dosen im meer versenkt und auf die langzeitrecyclingdauer gebaut. Irgendwann kommt das alu wieder zum vorschein, in der form von magna aus einem vulkan. Wenn mal wieder zeit ist, werde ich mein projekt in die testphase bringen, also das metall zu schmelzen und in passende formen zu gießen.

20161128 opferanode

 

20161128 opferanode

 

Es passiert hier nicht so viel, wetter, wind, wellen stimmen soweit, besser geht natürlich immer. Und fast hätten wir das erste mal seit Jacare die hundert tagesmeilen geschafft, wenn ich nicht nachts um drei die segel heruntergeholt hätte. Zuerst wurde ich durch das radar geweckt, konnte aber nichts sehen. Der fleck war recht groß und die regenwolke kam näher, aber ohne wind. Es ist auch mal ganz schön, gewarnt zu werden, statt nass aufzuwachen.

Heute ist der erste Dezember und die bilanz der letzten woche ist als gut zu bezeichnen. Auch wenn ich in den letzten tagen ein wenig vom kurs abgekommen bin. Das ergebnis bis jetzt sind fünfhundertsechzig seemeilen und fast alle in die richtige richtung.
Der wind ist seit gestern mist, achterlich und das mag ich nicht, wenig kontrolle der segel und das gibt bruch. So ist ein rutscher gebrochen und die untere segellatte hatte sich vorn aus der halterung gemogelt. Beim ausreffen habe ich es noch gesehen und so ist sie gleich unter deck gewandert.
Der autopilot muss jetzt das schiff steuern, die windfahne ist bei diesen kursen überfordert, zumal ich nur noch mit dem groß fahre. Und zur abwechslung mal auf dem backbordbug, da ich zur geplanten route zurück will. Die erfahrungen des ersten teil der guayanareise haben mir gereicht.

route november 2016 25-30

 

Das zurück ist nicht so einfach. Es sind südkurse oder westkurse möglich, keine südwestlichen. Der wind ist noch immer nicht brauchbar und die wellen zermürben ein wenig. Kaum steht das segel mal, kommt eine wellenreihe, das tuch flappt und bläht sich dann wieder mit einen ruck auf. Das ganze schiff zittert und ich hoffe auf ein gewisse stabilität in den materialien.

Die letzte nacht war mal wieder treiben angesagt, am abend gab es keinen wind mehr. Ich habe wieder einmal auf dem boden geschlafen, eingekeilt und nicht sehr gut. Deshalb bin ich auch sehr gereizt, die ruhe muss zurückkommen.

Dieser wind und diese wellen sind nicht meins. Mit segelknallen schaffe ich zweieinhalb bis drei knoten und materialstress. Wenn ich die genua klein mache und zwischen den wanten fahre, sind es eineinhalb knoten. Ich warte auf eine winddrehung und fahre langsam südsüdwest.

Wenn man das zweite mal in der nacht aufwacht, um fünf, und die sonne sieht, geht es doch gleich viel besser los. Denn die nacht war wieder auf dem boden, aber besser als die letzte, weil ich sogleich keili hinzugezogen hatte. Es ist kein heimischer schlaf, unruhig, auf das radar lauschend, aber es kann als schlaf bezeichnet werden. Das segel war klein und der wind trieb das schiff in richtung geplanter route.
Der wind am morgen frischte auch auf und so geht es seit fünf stunden in richtung wegpunkt. Nicht ganz darauf zu, aber ziemlich nah und das bei fünf knoten. Mein nächstes ziel liegt noch zweihundert meilen entfernt, da kann sich einiges ereignen. Zum beispiel macht der autopilot geräusche. Und er ist der einzige, der in diesem achterlichen bis raumschotskurs das schiff in richtung halten kann. Es sei denn, ich stehe stundenlang am ruder und mache es nur halb so gut.

Heute ist der vierte Dezember und es geht gerade richtig ab. Der wind und die wellen haben zugenommen, mit gerefften segeln geht es um sechs knoten voran. Leider ist auch ein klein wenig ost im südkurs. Ein wenig strecke machen tut auch mal gut.
Schon das ergebnis von gestern über hundert meilen ist angenehm, wenn auch einiges ins off ging. Den fehler in der windsteuerung hatte ich bei sonnenuntergang gefunden, leider hat sie das schiff nicht auf kurs halten können. So wachte ich in der nacht in rauschefahrt in richtung südost auf. Seitdem ist der autopilot im dauereinsatz und macht auch schon wieder geräusche.

Danach gab es kleinholz. Ich wollte die reanimation der windsteueranlage bejubeln und dann brach das pendelruder beim ins wasser lassen. Das ist schon das zweite mal, doch diesmal wurde es zum treibgut. Weil ich im moment keine weiteren termine habe, wurde ein neues geschnitzt. Im holzlager fand ich ein annähernd brauchbares brett, flex raus, bohrmaschine raus und los ging es. Es wird keine farbe bekommen, weil es nur provisorisch sein soll, und außerdem ist es zu dünn.
Die weitere technische lösung ist die schraube, um die sich die windfahne dreht. Meine alte lösung war eine schraube mit durchgehendem gewinde, jedoch entsteht dabei wohl zu viel reibung oder blockaden. Die neue schraube mit kurzgewinde wird sich beweisen müssen.

Außerdem habe ich eine segelstellung mit verkleinerter genua und einer ruderanstellung gefunden, bei der das schiff mit achterlichem wind alleine steuert. Nur wenn es eine wellenkombination mit einer kräftigen böe gibt läuft das schiff aus dem ruder und luvt extrem an. Dann hat das hauptruder der windsteuerung ein problem, den alten kurs herzustellen. Aber besser als ohne alles.

20161204 windfahne pendelruder ende

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne drehgelenk

 

20161204 windfahne schraube

 

Alles lief gut und das rekordetmal für diese reise wurde mit einhundertunddreizehn gefahren. Das wird nur sehr schwer zu übertrumpfen sein. Ich war unvorsichtig bei der halse und die windböe musste auch genau dann kommen. Hätte ich das groß mit der schot zuerst dichter geholt, wäre der baum nicht rübergerauscht und der segelkopf hätte noch verbindung zum tuch. Somit wird es erstmal nur mit der genua weitergehen. Das hätte alles nicht not getan.
Der wind frischt immer mehr auf, so um dreißig knoten, dafür geht jetzt ein super kurs, den der autopilot hoffentlich halten kann. Der wegpunkt drei liegt auf meiner höhe, nur hundert meilen entfernt.

20161205 segelkopf

 

20161205 segelkopf

 

Heute ist Nikolaus und meine schuhe in der plicht sind nur mit wasser gefüllt, schade. Seit gestern blässt der wind mit dreißig bis fünfunddreißig knoten bei sonnigem wetter. Nur einige wellen klatschen gegen die bordwand und dann kommt die gischt über. Da der wind leicht gedreht hat, habe ich den kurs auch geändert, auf mehr süd, um die gischt zu reduzieren. Der autopilot läuft sei gestern und dazu gibt auch der windgenerator strom ab, schön so.
Nur heute nacht kam ein monster vorbei, geweckt wurde ich durch das radar. Eine riesige regenwolkenfront mit bis zu fünfundfünfzig knoten, dann heftiger regen. Die wanderte so schnell durch das radarbild, es dauerte weniger als vier minuten, ein wenig unheimlich. Danach musste ich das groß neu festbinden.
Die ersten fünf tage im Dezember habe ich dreihundertneunundsechzig seemeilen gefahren, eigentlich nicht so schlecht.

route dezember 2016 01-05

 

Der riss des großsegels kann nicht nur von der halse herstammen. Ich vermute, dass schon ein schaden in der nacht zuvor entstanden war, nur sollte ich häufiger nach oben schauen. Dumm ist es trotzdem, und eine überlegung ist, einen früheren hafen in Brasilien anzulaufen. Nur dann gäbe es erklärungsbedarf bei den behörden. Mal sehen wie es weiter geht. Ich mache erstmal den kapitän Bligh.

Vier stunden später, solange läuft die windsteuerung mit dem hilfspendelruder schon, und das erstaunlicherweise zufriedenstellend. Das schiff läuft gut mit dem eingestellten kurs, obwohl das ruder nach hinten geneigt ist. Wenn es hält, gut so.
Die option nach Vitoria zu segeln, rechts ab zu biegen, habe ich fallen gelassen. Fünfhundert meilen mehr macht sechs tage, plus segelmacher und behörden. Ein zeitgewinn wäre nur gegeben, wenn der kran dort mich aus dem wasser heben kann, weiß ich aber leider nicht. So werde ich die vierzehnhundert meilen bis Piriàpolis mit gedrosselter genua segeln und hoffe, dass das eine gute idee ist.

Seit gestern abend ist der wind aus. Einfach weg, die wellen sind noch da geblieben und die dementsprechend ist es merde. Am morgen war es nicht besser und so läuft mal zur abwechslung der motor. Damit das nicht für die katz ist, fülle ich die wasserreserven auf. Das anwerfen vom wassermacher war nicht so einfach, ich vergaß, den haupthahn zu öffnen. Dann dachte ich, der impeller der förderpumpe sei gehimmelt. Nach der innerlichen persönlichen schimpfe lief das system noch immer nicht an, der schalter für die förderpumpe hat sich eingeschmolzen. Jetzt läuft ein provisorischer schalter aus einem Fiat, den ich anfang der achtziger auf einem schrottplatz habe mitgehen lassen, heute schon ein museumsstück. Der watermaker läuft endlich, riecht aber nach ampere, aber das gibt sich noch. Nur der wind bleibt zum mittag noch immer aus.

Ein weiterer tag ohne wind, nur geschaukel. Die motoraktion von gestern hatte noch etwas gutes. Am anfang der flaute vor zwei tagen bin ich nach osten getrieben worden, da war eine unschöne strömung. Nach den arbeitsreichen stunden von Mr Perkins treiben wir wieder in südwest richtung. Zwar ohne geschwindigkeit, dennoch kein stress wegen eines falschen kurses.
Das guanohotel war heute nacht auch wieder besucht worden. Diesmal keine kleinen zankenden vögel, sondern ein großer oder mehrere. Die hinterlassenschaften sind nicht klein.
Während der nacht gab es auch mal wieder ein flugopfer. Diese kleinen schwertfische sind bei mir selten, es ist erst der zweite. Und bis jetzt habe ich fünf portugische galeeren gesichtet. Die sehen wie barbies strandmuschel in pink aus, sind aber ziemlich tödlich. Deshalb verzichte ich auch aufs baden und das unterwasserschiff muss auch so bleiben.

20161128 portugisische galeere

 

20161208 flugopfer

 

Heute ist der neunte Dezember und seit gestern mittag ist der wind wieder da. Zum anfang ist es so toll, mit zwei oder drei knoten zu segeln, da es noch keine wellen gibt. Am abend habe ich trotz des schwachen windes gerefft, besser ist es ja. Und siehe da, gab es in der nacht wind um dreißig knoten. Auch die windfahne hat ihren job gut erledigt, bis heute morgen. Der wind hat mittlerweile gedreht und das schiff nach westen geschoben. Ich will SSW, also segel neu konfigurieren, den autopiloten an und seit dem sonnenaufgang gibt es wind von achtern. Ich hoffe mal, dass es so bleibt.

Einen tag später: Tapfer hat der autopilot die nacht durchgearbeitet und am morgen habe ich den kurs in richtung wegpunkt vier verschoben. Der wind hat nachgelassen, der erste tag mit trübem wetter und die windsteuerung arbeitet wieder.
In den letzten fünf tagen habe ich weitere zweihundertfünfundsiebzig seemeilen in richtung ziel gesegelt. Es geht jetzt langsamer und ruhiger als zuvor. Schnell segeln kostet material und jetzt muss ich mal ein wenig fuß vom gas nehmen.
Auch möchte ich so weit abstand von den bohrfeldern in der karte nehmen, wie möglich, sinnvollerweise doppelte entfernung.

route dezember 2016 05-10

 

Heute ist Sonntag, wie sein name schon heißt. Morgens war es noch stark bewölkt und dann klarte es auf. Gleichzeitig zog der wind ein wenig an, so um dreißig knoten, bis zu vierzig. Die wellenhöhe ist um vier meter moderat, entweder man ist im tal und sieht nur noch wasser oder man ist auf einen dieser größeren wellen und denkt an einen hügel auf einem hochplateau. Alles zusammen sind es gute bedingungen, die genua ist recht klein und der gewünschte kurs wird mit vier knoten befahren.
Der wegpunkt vier ist schon längst überholt und zur zeit sind wir auf der höhe von Rio. Wichtiger ist die route in dreihundert meilen entfernung, da muss ich drauf sein. Denn dort fängt der spaß mit der strömung wieder an.

Zwölfter zwölfter, zwölf uhr: der motor ist an und unterstützt die genua. Seit heute morgen um vier hat jemand den wind abgeschaltet und lange wellen hinterlassen. Ging gestern so gut und dann dies hier.
Der viele wind der letzten tage hat auch einiges an insekten aufs schiff gebracht, nicht nur die in den trockenen kichererbsen. Diese sind gestern über bord gegangen, sicher noch eine auswirkung aus Guayana. So um acht sorten von faltern habe ich gezählt, haben sich hierher gerettet, um dann zu sterben. Wie viel biomasse landet dabei eigentlich im meer?
Die windstille habe ich für das einpacken des großsegels genutzt, dabei ist mir noch eine aufgerissene kausch aufgefallen. Bald habe ich alle durch und somit sind dann alle stabil bis auf weiteres. Die nächsten drei gastlandflaggen sind auch schon fertig, danach muss ich improvisieren. Habe ja noch ein wenig zeit bis dahin.

20161212 flaggen

 

Nach zwei stunden kam dann eine idee von wind, besser langsam zu segeln, als diesel zu verjuckeln, wenn die batterien voll sind. Zeit ist ja vorhanden und die tage werden schon merklich länger. In den sommer hinein zu segeln hat schon was.

Heute könnte Freitag sein, der tageszahl nach. Zuerst hörte der wind kurz vor sonnenaufgang auf und die strömung treibt einen in richtung süden. Ganz langsam, also akzeptabel. Dann ein paar stunden später fing der neue wind an, aber unbrauchbar von achtern. Ich habe es dreimal versucht, und um elf uhr ging es so halbwegs und das nur mit dem autopiloten.
Ich bin genervt, das wetter ist diesig und der kurs fast west. Also zurück zur roten route. Nach einer stunde war es dann auch wieder vorbei, nun treiben wir nach fast süd mit einem knoten, mist.
Das ergebnis von zwölf stunden sind drei stunden segeln und insgesamt zwanzig meilen. Die genua ist klein und festgebunden und so geht es in die nacht hinein. Heute war das ein satz mit x.

Bald kann ich eine geschichte mit x bilden. Das segel hatte ich gestern doch noch eingerollt und die nacht war dementsprechend mies. Dafür habe ich einen neuen besucher, ein art von spatz. Mal sehen wie lange er bleibt und überlebt, denn wo kann er schon hin. Es sind über hundertfünfzig meilen bis zur küste.
Zur abwechslung des speiseplans habe ich angefangen, eine bohnensuppe zu kochen. Bohnen einweichen und etwas länger kochen, nur wie lange und ist das wasser aus dem watermaker vielleicht schon zu salzig für hülsenfrüchte? Ich habe das kochbuch aufgeschlagen, und da fiel eine kleine schabe raus, lebendig. Danach habe ich ein dutzend von denen im fach gekillt, in der grösse eines fingernagels. Wo habe ich diese denn schon wieder her, auf jeden fall sind es welche mit nachwuchs, also eine dauerbeschäftigung.
Mit dem segeln hält es sich heute auch in grenzen, null seemeilen.

Am nachmittag hörte ich einen großen bassigen schiffsdiesel, konnte aber das schiff nicht ausmachen. Also radar an und mal sehen, wo es ist. Erst als ich den radius auf zwölf seemeilen erweitert hatte, war ein objekt in elf meilen entfernung zu sehen, je nach wellenhöhe. Es war halt windstille.

Die bohnen haben zwei stunden gekocht und waren noch immer erdnuss-aldente. Danach habe ich sie für eine weitere stunde in den druckkochtopf gesperrt und siehe da, essbar weich. Als ich dann die fertige suppe essen wollte, kam etwas dazwischen.
Der spatz hat das weite gesucht und ist dabei sicherlich gestorben. Die gewitterwolken kündigten durch den windgenerator luftbewegungen an. Sollte ich mitnehmen war mein gedanke und es ging los. Dummerweise ging dabei nichts in meine richtung, entweder nordwest oder ost, denn der wind kam aus süden. Mit motorunterstützung im standgas gingen zehn grad mehr, ende, mehr war nicht drin. Der kühlschrankverschluss bekam noch eine verstärkung von seinem großen bruder.

20161215 verschlussverstaerkung

 

Mit der gerefften genua habe ich mich für den westkurs entschieden, ruder auf anschlag zum anluven und die segelstellung hoch am wind. Da waren es noch um fünfundzwanzig knoten wind. Also eine pause und die bohnensuppe auf dem fußboden sitzend gelöffelt.
Die schöne lang dünung vom nachmittag in richtung süden vermischte sich mit der windwelle aus süden. Das schiff fuhr quer zur welle, kein spaß. Ich habe dann das segel noch einmal verkleinert und es wurde dunkel zur nacht hin. Der wind nahm zu und blieb bis zum morgen bei um die fünfunddreißig knoten, auch mal mehr, dann fing beim windgenerator die stuka zum sturzflug an.
Und was habe ich gemacht? Den schlecht gemachten, geschönten film „Survive the Savage Sea“ angeschaut. Gerade das richtige, um sich auf eine schiffskatastrophe einzustimmen.
In der nacht noch ein paar mal eine kontrolle gemacht und versucht zu schlafen. Besonders nervig waren die brecher an der bordwand, die das schiff stark neigten und auch drehten. Der farbverlust im vorderen bereich erklärt sich auch so, und er hat sich verstärkt, sehr viele rote farbpartikel fand ich heute morgen an deck.

Wie schön, dass das ereignis in der dann folgenden nacht war und nicht in der letzten. Denn am tag hatte der wind in die richtige richtung gedreht und langsam abgenommen. Das wetter war bedeckt und klarte auch auf. In der nacht hatte ich die route wiedergefunden und überschritten. Alles im grünen bereich. Aber da sieht man wochenlang kein schiff und nun sind es gleich fünf und eine riesige bohrplattform in elf seemeilen entfernung.
Anyway, es war ein guter tag und das desaster zeichnete sich erst zum sundowner ab. Am horizont in meiner richtung sah ich eine riesige fackel und weitere stabobjekte. Entfernung noch zehn meilen, ich mag das radar inzwischen sehr. Das übergroße linsencurry mit couscus habe ich noch vollständig ausgelöffelt, für die nächsten stunden eine gute basis. Danach gab es noch einen weiteren schiffsstrandungsfilm aus der konserve und dann ging es los.

Die szenerie lässt sich schwer beschreiben, in der dunkelheit sieht alles so nah und groß aus, aber es übertraf alle mir bekannten objekte. Um zehn war ich auf der höhe der ersten fackel. Diese besteht aus einem recht großen schiff, ein kleinerer kreuzfahrer, hell beleuchtet, und vorn steht ein langer schornstein drauf. Oben wird daraus gas abgefackelt. Dazu gibt es ein versorgungsschiff und ein positionsbeleuchtungsschiff, denn es gibt hier keine bojen.
Im ganzen gebiet gibt es vier von diesen kreuzfahrtschiffen und weitere vier bohrschiffe, plus diverse versorger. Und links außen war eine sehr sehr große bohrinsel, da musste ich dran vorbei.
Der wind nahm zu und ich war gezwungen zu reffen, konnte aber nicht mehr die höhe halten, dafür ging der motor an. Ob sie mich angefunkt haben, weiß ich nicht, und wenn, war es zu laut, um zu sprechen. Um mitternacht hatte ich die größte fackel passiert und ein versorgungsschiff hielt auf mich zu und drängte mich ab. Die hatten angst um ihre teuere bohrinsel. Dann folgte ich seiner position und um drei uhr morgens war die bohrinsel hinter mir. Alles ging sehr langsam gegen den wind.
Dann dauerte es nochmal sechs meilen, bis ich bei zwei weiteren bohrschiffen und einer anderen bohrinsel vorbei war, als die sonne aufging. Die länge des gebietes sind zwanzig seemeilen, fährt man nur zwei knoten, dauert das passieren ewig.
Was für ein riesiger aufwand, um die schwarze brühe aus zwei kilometer wassertiefe und danach noch tiefer zu fördern. Ist zwar besser, als in ein land einzumaschieren und es zu klauen. Ich bin für umdenken, meint auch mein Mr Perkins.

20161216 nachtlichter

 

Das war mal ein neues intro zu meinem geburtstag, ich sehe müde aus und mit roten augen. Nach dem letzten schiff habe ich ein wenig geschlafen und die segel neu ausgerichtet. Es ist segeln um die fünfundzwanzigplus, bei strahlendem sonnenschein, blauem himmel und kurzen wellen, die allerdings seitlich kommen. Ein schönes passendes geburtstagswetter.

Ich muss mich heute am siebzehnten Dezember noch immer von den letzten tagen erholen. Das geht mit schlafen ganz gut und dazu wird es kälter. Seitdem der spatz abgeflogen ist, ich glaube, er kannte die schwimmenden objekte in der gegend, habe ich die barfußroute verlassen. Es gab das erste mal seit langem kalte füsse an deck am morgen und im schiff sind es nur zweiundzwanzig grad. Die leichte wolldecke reicht gerade noch für die nacht.

Alle wichtigen frischvorräte sind aufgebraucht, einiges verdorben und die zwiebeln sind rationiert. Hätte ich mehr mitgenommen, wäre mehr über bord gegangen. Seit über drei wochen bin ich nun unterwegs und da sehe ich die frischebilanz recht positiv. Die menschen gehen in Brasilien anders mit obst und gemüse um. Im supermarkt wird alles schön aufgebaut, berge von allem werden gestapelt, nur leider wurde die ware vorher schon schlecht behandelt. Die druckstellen bei meinen kartoffeln sind ein guter beweis. Die stellen werden matschig, die schale bleibt stabil und drückt man darauf, so spritzt eine stinkende matschige gelbliche masse wie eiter heraus.
Außerdem sind die nahrungmittel fast immer mit zucker versetzt, passierte tomaten und sogar die gewürzgurken. Das können sie nicht, die kekse sind auch zu süss. Sollte man alles vorher wissen, um danach einzukaufen.

Ein nachtrag zu meiner begegnung mit der waterworld des ölbohrens: Wenn das gehirn nicht weiß, was es sehen soll, entstehen recht wilde bilder. Die indianer konnten Columbus’ schiffe nicht sehen, weil sie sie nicht kannten. Ich habe in der nacht mehrfach falsche sichten entwickelt, zumal auch die fülle des lichts mich umgehauen hat. Dagegen ist der hamburger hafen in der nacht eine dunkelkammer.
Die große fackel vom abbrennen war so hell und machte sogar löcher in den wolken darüber. Dieses szenario aus über zwanzig schwimmenden und sich bewegenden objekten war mir so nicht bekannt. Die beiden bohrschiffe am ende des feldes, sind in meinem kopf während der annäherung mehrfach mutiert. Vor der großen bohrinsel (die, die ich von Teneriffa her kannte, waren spielzeuge dagegen) sahen sie aus wie beleuchtete bojen, um eine distanz zur insel zu gewähren. Fünf meilen vor dem passieren sahen die objekte wie fußballfeldgroße tortenabschnittartige raumschiffe zur abfüllung von öl aus. Erst eine meile vorher erkannte ich den bohrturm als solchen auf dem schiff und da wurde es auch schon hell. Dies ist eine reise, um die sinne zu schärfen und neue erkenntnisse zu gewinnen.

20161216 bohrschiff

 

20161216 bohrschiff

 

20161216 kleine bohrinsel

 

Gestern war ein sonniger segeltag und der heutige soll ähnlich trocken werden. Seit heute nacht läuft der autopilot, da die windfahne es nicht nach meinem wunsch schafft. Jetzt ist nur noch wind um zwanzigplus knoten, aber mit einer großen welle und alles genau von hinten. Wenn das segel anluvt über einen gewissen punkt hinaus, so reicht die windsteuerung nicht mehr aus, lege ich das hauptruder zu sehr nach abfallen, geht es ins off und das segel schlägt um. Also läuft zweimal am tag kurz der motor, damit genügend strom vorhanden ist.
Gestern habe ich den weiteren kurs bestimmt und ein intervall der positiven strömung ermittelt. Deshalb muss ich heute mal wieder auf die andere westliche seite meiner route, passt also alles, bis jetzt.

Bis zum neunzehnten Dezember hat sich am wetter nicht viel geändert, wind, wellen, himmel sind grob gleich geblieben. Die wellen sind mal größer und höher, aber das war es schon. Wie groß sind die wellen denn, ich schätze mal, normal vier meter und die, die spaß machen, sechsplus. Dann fängt das schiff leicht an herunter zu surfen, zumindest wird es um einen knoten schneller. Das ist wie in der Biskaya, nur hatte ich zu dem zeitpunkt keine segel mehr.

20161219 see

 

20161219 see

 

Der spaß hier kostet auch, gestern war mal wieder ein bruchtag. Zuerst habe ich ein plastikdistanzstück von der genua auf dem deck gefunden. Zum glück ist es nicht über bord gegangen. Ich kenne das teil schon, denn vor einem jahr habe ich es auf den Kap Verden schon einmal wieder installiert. Damit das zweite teil davon nicht stiften geht, musste mein altes shirt als auffang um die genuaaufnahme dienen.
Das ganze muss wohl damit zusammenhängen, dass ich teile, die gut gelungen sind, als solche auch bezeichne. Kurz darauf gehen sie dann immer kaputt, großsegel, genua, windsteuerrung, kühlschrankverschluss, windgenerator.
Der mast vom windgenerator, der gut die vibration dämmt, hat sich gestern von seinem silentblock entfernt. Zuvor ist wohl die obere schelle zur reling gebrochen und jetzt ist er out of order. Der stromhauptlieferant ist nun Mr Perkins, zumal in der nacht über vierzig ampere stunden mit dem kühlschrank, radar, autopilot und den navigationsgeräten verheizt werden.

20161219 bruchgenua

 

20161219 bruchmastfuss

 

Alle paar tage geht es unter die dusche, im schiff. Das ist ziemlich heikel, da dort nichts zum festhalten vorgesehen ist. Heute war wieder so ein tag, bei dreißig knoten wind, vier meter wellen und das schiffschlingern von süllrand zu süllrand. Allmählich bin ich profi, weil es heute ohne blaue flecke abging. Bin ich so froh, die dusch eingebaut zu haben.

Am morgen des zwanzigsten wurde erstmal wieder der wind eingestellt, mit der ganzen genua komme ich nicht auf zwei knoten und die dünung lässt das segel schlagen. Somit warte ich mal wieder auf den nächsten wind bei leichtem regen.
Ich bin mit den letzten tagen sehr zufrieden, außer dass mein lieblingsküchenmesser verschwunden ist. Der letzte tag hat über neunzig meilen erbracht und ich bin oder war schon wieder auf der roten route. Die erste gefährliche position habe ich auch passiert, dort geht eine ostströmung ab und ich will da einfach nicht hin. Die letzten fünf tage haben mich dreihundertneunzig meilen in richtung süden gebracht, das ist super. Der nächste wegpunkt ist nur noch siebzig meilen entfernt und in der mitte vom strömungsintervall der nächsten vierhundert seemeilen.

Seit dem letzten absatz sind vierundzwanzig stunden vergangen. Kaum freue ich mich über das gute reiseergebnis und dann kommt gleich die totale flaute. Das segel ist eingerollt, das meer ist flach mit ein paar langen wellen und kein wind. Es ist zeit, um kleinreparaturen durchzuführen und für das entspannende nichtstun. Die schwache strömung geht genau an der route entlang, ein sehr guter trost.

Am morgen des zweiundzwanzigsten war die flaute vorbei, zwei tage reichen mir auch. Der wind ist schwach, aber das segel zieht mit zwei knoten auf den nächsten wegpunkt. Passt also.
Das meer sieht hier nicht mehr so klasse aus, sehr viel plastik in verschiedenen verfallsstufen. Gestern habe ich noch eine portugiesische galeere gesehen, es war mehr ein rettungsboot. Viele luftblasen auf dem wasser sind gar keine, sondern kleine quallen. Die bilder davon sind leider nichts geworden.

Das mit dem wind war gestern nichts, eine stunde am morgen und am abend vier. Dazwischen war er zu schwach, um das segel stabil zu halten. Heute morgen sieht es besser aus, aber ich möchte nicht schon wieder den tag vor dem abend loben.
Mal eine denkaufgabe, damit es mal spannend wird: Zwei schiffe fahren aufeinander zu. Ein kleines segelschiff mit einem knoten und ein grosser pott mit einer größeren geschwindigkeit. Das radar des kleinen schiffs hat eine alarmzone von zwei meilen breite und es schaltet sich alle zehn minuten für eine minute an. Wie schnell muss das schiff sein, um unentdeckt ohne alarm durch die zone zu fahren? Und wie bekommt man schnell das adrenalin des skippers wieder auf normal null, wenn er im halbschlaf durch das motorengeräusch von der matratze hochgerissen wird? Er ermittelte die entfernung mit dem radar auf fünfhundert meter, nautisch ist das ganz ganz nah.
Währenddessen habe ich den wegpunkt fünf passiert und brauche noch vierhundert meilen, bis ich in den Rio de la Plata rechts abbiegen kann. Vielleicht schaffe ich es noch dieses jahr, am nächsten ziel Piriàpolis anzukommen, wenn nicht, ist auch gut. Nach genau einem monat auf see ist es nicht mehr entscheidend.

Weihnachten ist heute, warten auf die geburt des sonnenkönigs. Meine bescherung gab es schon gestern, denn es wurde plötzlich warm. Das hatte zur folge, dass ungefähr fünfzig fliegen das licht der welt erblickten und auch wieder verloren. Meine sorge ist nur, wo im schiff haben die sich entwickelt?

20161223 tote fliegen

 

Segeltechnisch war es ein guter tag, leider nur fünfzig meilen, da es nur mit rückenwind und bis zu drei knoten voran ging. Am abend gab es dann mal wieder einen farbenfrohen sonnenuntergang und dann folgte ein wetterleuchten ringsum. Nach dem kurzen regen hörte der autopilot auf zu arbeiten, er konnte den kurs nicht mehr erreichen. Der wind hat sich um hundertachtzig grad gedreht und so ist es auch heute morgen. Ein segelversuch ist gescheitert, mit motorunterstützung entweder südost in die zone der negativen strömung oder nach westen mit nordanteil. Erstmal ruhe bewahren und sich langsam nach norden treiben lassen, es wird sich ja irgendwann ändern.

20161223 sonnenuntergang

 

Alle meine frischen lebensmittel sind aufgebraucht, die letzte kartoffel habe ich heute morgen gegessen. Bis auf eine dose butter muss nichts mehr gekühlt werden und daher ist der kühlschrank abgeschaltet. Das wasser schmeckt auch so, da es draußen kälter wird, so wie das auf den weg in den süden der fall ist.

Nach dem morgendlichen kaffee sah es dann doch anders aus. Bei bis zu fünfzehn knoten wind lasse ich mich nicht treiben. Also habe ich zuerst den kurs mit mehr südanteil gewählt und mich langsam hoch am wind in die richtige richtung gekämpft. Nach vier stunden die erste wende und mit motorunterstützung kurs genau west, mehr ging nicht.
Diese zeit nutzte ich fürs wassermachen, wenn schon, denn schon. Nach ein paar stunden war schon ein leichter südwest kurs machbar und zum sonnenuntergang ein richtiger. Während woanders auf der welt die tannenbäume entzündet wurden, habe ich als präsent in der nacht den wind für meine weitere fahrt bekommen. Wieder von achtern, aber genau passend für meine route. Etwas besseres hätte nicht passieren können, und zum morgen hin gab es wieder wolkenlosen sonnenschein an diesen fünfundzwanzigsten Dezember.

Die leistungsbilanz der letzten fünf tage ist eher bescheiden, nur zweihundertdreißig meilen. Dafür fast alle in die richtige richtung und bei achterlichem wind ist auch keine rauschefahrt machbar. Das ziel ist, halbwegs heil anzukommen.

route dezember 2016 20-25

 

Gestern ging es noch einmal richtig ab, zuerst wechselte das wasser von ultramarin blau zu britishracing green. Dann nahm der wind leicht zu, und ich dachte schon an einen neuen rekord, denn am späten nachmittag ist das schiff schon teilweise über sieben knoten bei achterlichem wind gesegelt. Zur dämmerung habe ich gerefft, man weiß ja nie, und um zehn uhr drehte der wind, kam aus der anderen richtung und das segel wurde eingerollt. Dann morgens um vier gab es wind um vierzig knoten und ich war auf der sicheren seite.
Der regenschirm, den ich über dem eingang verankert hatte, ist in der nacht davongeflogen. Nach dem einrollen des segels wurde es noch richtig spooky. Ein gewitter mit blitzen und sonst war es stockfinster. Das schiff in fünf meilen entfernung konnte ich an den lichtern sehen, wenn es blitzte war es unsichtbar. Da es hier keine lichtverschutzung gibt, ist es so krass, von dunkel zu mal kurz hell.

Dann war da doch noch der gecko an der tür zur plicht. Anscheinend habe ich doch zwei an bord gehabt. Der eine ist in der plastikware mumifiziert gewesen, der andere lebt noch.

20161226 gecko

 

Heute ist der siebenundzwanzigste Dezember und ich wollte schon ganz woanders sein, zumindest ein stück weiter. Das ausrechnen wie lange noch, wie viele meilen, hat keinen wert, da es sich stündlich ändert. Gestern bin ich flott zwei stunden am morgen gesegelt und dann war es wieder einmal aus. Im verschiedene richtungen bin ich getrieben und erst am abend konnte ich wieder für zwei stunden die genua ausrollen. Danach das gleiche trauerspiel noch einmal, und am morgen war ich nach insgesamt vierzig seemeilen wieder am selben ort, wie am tage zuvor.

Somit konnte ich mich nochmals dem dieselgenerator widmen, es war schon der zweite tag. Das teil ist ein jahr lang nicht gelaufen und der start war ein wenig mühsam. Er lief schon am ersten tag, doch die auspuffwasserkühlung wollte nicht so recht. Zu guter letzt ist er heute morgen angesprungen, mit seinem anlasser. Vorgestern habe ich es auch mal von hand probiert und den motor von seinen silentblöcken gerissen, chinaqualität.

Etwas neues ist heute auch passiert, und das ist nicht das regnerische kalte wetter, sondern die erste walsichtung. Mit fontäne, pusten und schwanzflosse in die höhe zum abtauchen.

Noch drei tage bis zum jahreswechsel und am morgen schon wieder kein wind. Die nacht bis um vier uhr war schlummern im stundentakt angesagt, da ich die genua nicht gerefft hatte. Kurs und geschwindigkeit waren im rahmen, aber beim ersten leichten morgenrot hörte es auf und ein längeres stückchen schlaf konnte beginnen.
Das meer hat wieder auf blau geschaltet und das liegt nicht an der sonne. Im wasser sind hunderte von den portugiesischen galeeren, in ganz klein. Ich komme deren kinderstube immer näher, nur ablichten lassen die durchsichtigen quallen vom schiff aus sich nicht. So habe ich eine mit der pütz gefischt.
Vielleicht schaffe ich es ja bis silvester in den zielhafen, es sind nur noch zweihundertfünfzig seemeilen. Allerdings bei null wind eine distanz wie bis zum mond, wo wir auch noch nie waren.

20161228 qualle

 

20161228 qualle

 

Am morgen des neunundzwanzigsten das gleiche bild wie am tag zuvor, kein wind, flache see. Als ergebnis, dass ich gestern zwei mutige braune möven mit mariakeksen gefüttert habe, ist heute die ganze verwandschaft am boot versammelt. Geschätzte hundert vögel, zum glück will nicht jeder einen keks.

20161229 seevoegel

 

Seit gestern bin ich volle fünfunddreißig seemeilen zum ziel geschippert, etwas gesegelt, etwas mit motor und den rest treibend. Heute ist Donnerstag und somit wäre es nicht schlecht, erst nach neujahr anzukommen, denn dann haben die geschäfte wieder geöffnet.
Eine weitere unnette überraschung gab es heute morgen, leichte kohlenwasserstoffaromen im schiff. Zuerst vermutete ich eine durchgerostete verdünnerdose, doch es war der halbvolle zehnliterkanister mit benzin. Aus der backskiste über den schlauch in den duschsumpf hinein. Wahrscheinlich hat der alte gartenschlauch aber nicht stand gehalten und ein grosser teil ist in der motorraumbilge gelandet. Einen liter konnte ich noch aus dem kanister umfüllen, einen weiteren mit lappen und küchenpapier aufsaugen. Jetzt sind alle luken auf, um die gase entweichen zu lassen, une grande merde. Wenn ich schnüffler wäre, dann wäre heute mein glückstag.

Die sonne kam gestern heraus, der sprit ist fast leer und heute ist der tag des rechtsabbiegens. Nachdem ich die braunen möven gefüttert hatte, kam kein wind. Erst nach dem mittag konnte ich zwei knoten segeln, später drei. Am abend waren es schon vier und nach dem sonnenuntergang sogar fünf. Das war mir aber zu schnell, segel reduziert und nach einer kleinen winddrehung eingerollt. Ich will möglichst nicht von meiner route abweichen, es strömt unschön um mich herum.
Das segelergebnis der letzten fünf tage mit der vielen flaute ist ok. Ich konnte mich im intervall zwischen den blauen linien bewegen und blieb nah an der route. Nur um den sechundzwanzigsten herum, bin ich im kreis gefahren. Aber ich bin insgesamt zweihundertneunzig meilen gesegelt und zweihundertfünfzig davon in die richtige richtung.

route dezember 2016 25-30

 

Gestern war wieder ein schöner segeltag, der wind fing langsam an und hielt sich bis zum fünfuhrtee. Das reichte aber, um den wendepunkt sechs abzukürzen und auf Uruguay zu halten. Am abend kam wieder ein idee von luftbewegung, die ich für die nacht nutzte, irgendwie mit dem verkleinerten segel in die grobe richtung. Dabei gab es am nachmittag einen druckabfall von acht hPa, der starke wind blieb aber aus.
Am silvestermorgen zeigt die windanzeige zwar drei windstärken an, aber mit der dünung geht fast nichts und die sicht ist feucht trübe. Mit einen glas schampus auf das kommende jahr anzustoßen, muss ausfallen, denn seit zehn tagen ist kein sprit mehr an bord, gut so.
Die zweite bohnensuppe habe ich gleich im drucktopf angesetzt und nach neunzig minuten ein leckeres ergebnis erzielt. Ich bin froh, mir dieses teil in Sassnitz gegönnt zu haben.
Eine weitere baustelle habe ich gestern als solche festgestellt, nicht dass ich den rost seit Guayana übersehen hätte, aber bei näherer betrachtung ist da ein kleiner riss an der oberwantaufnahme an deck. Wie schön, dass hier die schwächste stelle im system ist und keine want gerissen ist. Also muss ich die stelle aufflexen und neu verschweißen.

20161231 riss wantenaufnahme

 

Silvester ohne geknalle, keine raketen und ohne kotzendes volk auf den straßen. Geht doch. Was nicht so recht will, ist der wind. Ich bin sehr froh, dass das abbiegen so gut funktioniert hat und dass ich danach noch ein stück in die strömungsarme zone gesegelt bin. Seitdem ist eine nicht segelbare flaute, wind bis zwei stärken. Die spitzen davon kann ich ein wenig nutzen, beim rest wird die genua verkleinert und stramm gezogen, damit sie nicht unnötig schlägt. Damit, und mit einer motorstunde für die batterien schaffe ich dreißig meilen am tag.
Das neue jahr fängt auch mit einer unliebsamen erscheinung an, nebel. Kein wind, keine sicht und das radar schaltet sich alle zehn minuten an, um nicht von einer verirrten Titanic überfahren zu werden.
Die letzten hundert meilen sind oft die schwersten, diesmal wohl auch. Bis jetzt habe ich mich nur fünfzehn meilen von meiner route entfernt, und wenn ich das richtig kalkuliert habe, wird mich der küstenstrom wieder dorthin spülen. Zur zeit sieht es so aus.

stroemung uruayg

 

Bin ich vielleicht genervt, das neue jahr fängt sicherlich gleich mit einer höheren geldausgabe an. Vor ein paar tagen habe ich noch mein radar gelobt und nun ist es hin. Ich habe vorgestern ein reset durchgeführt, da ein wichtige funktion nicht mehr anwählbar war. Es hat sich trotzdem nicht viel geändert und im diagnosesystem wird ein antennenstatus von ‚nicht gut’ angezeigt. Somit bin ich dreimal in den mast, eine lesebrille ging dabei über bord und fast auch mein schraubenschlüssel. Keine änderung, kein defekt optisch erkennbar.
Die letzten nächte bin ich also, ohne es zu ahnen, blind gefahren. Gemerkt habe ich es heute mittag als ich den riesigen tanker gehört und gesehen habe, aber nicht auf dem radarbild. Grande merde deux.

Zweiter tag im neuen jahr und für mich eine schlimme nacht. Es schläft sich kaum im stundentakt, zumal im kopf das fehlende radar permanent alarm sendet. Somit komme ich auf vielleicht vier stunden ruhe.
Dabei gab es guten wind mit der halben genua ging es richtung der zielgeraden. Am morgen hat der wind leider auf südost gedreht, jetzt ist er achterlich mit einer kreuzsee. Das segel steht nicht gut und somit läuft Mr Perkins im standgas, um eine mindestgeschwindigkeit zu halten. Noch sind es fünfzig meilen bis zum hafen, es könnte funktionieren.
Das meer ist seit tagen grün und die schmutzanteile erhöhen sich, je näher ich an die küste komme. Einen hai habe ich gestern sehr nahe beim schiff gesichtet, der muss sich noch gedulden.

Zum mittag hin ist der wind eingeschlafen, für wind von hinten ist eine schwache drei zu wenig. Deshalb habe ich umdisponiert und werde die kleine insel Gorriti vor Punta del Este ansteuern. In meinen gesammelten seeinfos habe ich einen ankerplatz an der ostseite ausfindig gemacht. Dann sind es morgen noch einmal zwanzig seemeilen und ankunft am tage.

Die insel sieht nicht so aus, wie in den beschreibungen, und so habe ich mich am norden der insel zu den ausflüglern hingelegt. Der platz ist so gewählt, dass, wenn ich mit dem wind treiben sollte, es in den Rio de la Plata gehen würde. Der wind am morgen begrüßt mich auch mit dreißigplus knoten und ein paar hundert meter vor mir hat ein kreuzfahrtschiff seinen anker geworfen. Diese stadt an der mündung sieht scheußlich aus und besteht aus über hundert hochhäusern, alle über fünfzehn stockwerke.
Jetzt noch den morgenkaffee, dann ankerauf und segel raus für das letzte stück.

Für dieses letzte stück von achtzehn meilen habe fast acht stunden gebraucht. Morgens wurde das schiff vom salz befreit, ging recht schnell. Dann ankerauf und lossegeln, zuerst bei fünfundzwanzig, dann über dreißig knoten. Alles super, nur auf der argentinischen seite braute sich ein heftiges gewitter auf.
Aber der wind stellte auf dem halben weg die arbeit ein, also motor an. Dann kam der hauptwaschgang salzentfernung, wind mit regen um fünfundvierzig knoten vom land her. Der autopilot konnte nicht mehr den kurs halten, das schiff war zu langsam. Danach nur regen und plötzlich das ganze nocheinmal, diesmal vom meer her, aber mit fünfzigplus knoten. Da kommt man schon ins schwitzen bei der legerwall situation. Die regenkleidung, die ich angezogen hatte, half nicht mehr, die war von außen und innen durch.
Als der wind sich verzogen hatte, kochte nur noch das wasser und den hafen habe ich bei trockenem wetter erreicht. Was für ein kurztrip.

route januar 2017 01-03

 

Für die geplante strecke von zweitausendzweihundertundfünfzig meilen habe ich nur zweihundert mehr gebraucht. Die planung mit der strömung war sehr hilfreich, trotzdem hat diese reiseetappe einundvierzig tage gedauert. Das lag wohl auch an dem fehlenden großsegel und daran, dass ich in einem rutsch durchfahren wollte.

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Brasilien Ahoi

Das ankommen war so einfach, aber ich war zu spät dran, es war dunkel und so habe ich mein eisen vor der marina in den fluss geworfen. Am nächsten morgen kam ein mitarbeiter der marina mit dem boot hinaus und fragte, ob ich einen platz brauche. So habe ich mich zuerst außen an den stegkopf begeben und zwei stunden später haben die mitarbeiter mein schiff per hand umgelegt und ordentlich festgebunden. Als letztes schiff am anleger habe ich freien blick auf den fluss und kann das auch in deutschen eingruppierungen als großstadt geltende häusermeer João Pessoa sehen.

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

Gestern habe ich beschlossen, nur maximal zwei wochen hier zu bleiben und die reparaturliste abzuarbeiten. Der segelmacher war schon da und hat die sprayhood mitgenommen und heute wird er das großsegel mitnehmen. Das gute ist: er ist deutscher, also keine kommunikationslücken im auftrag.
Auch werde ich nicht einklarieren, das ist mir zu aufwendig und zeitraubend. Die strafe beträgt umgerechnet zwei euro pro tag und für maximal neunzig tage. Zu drei verschiedenen behörden in der stadt zu laufen, vorher im internet ein formular auszufüllen, dann noch einen vermögensnachweis zu erbringen und danach das ganze noch einmal zum ausklarieren zu wiederholen – all das kostet, wenn es gut geht, zwei tage. Zwei tage zuviel.

Meine reiseroute hat hier eine gewisse verwunderung und staunen ausgelöst. Es passiert nicht oft, dass jemand aus Guayana angesegelt kommt. Laut dem segelmacher waren es drei wagemutige in den letzten fünfzehn jahren, ich bin der vierte. Auch würden andere skipper hier ankommen, das boot noch festmachen und dann vor erschöpfung umfallen. Solch eine segelei würde mir ja stinken, da läuft wohl etwas schief.

Am Do war ich dann mal etwas einkaufen gegangen, den lokalen supermarkt habe ich nicht gefunden und kam dann nach einer halben stunde fußmarsch im hochhausviertel auf der anderen seite der landzunge an. Und schon wieder keinen plan gehabt, was ich kaufen soll, also gemüse nach lust und qualität und verschiedene sorten bier zum testen. Bezahlen konnte ich mit karte, ich habe bis jetzt noch keine reals. Der einzige geldautomat, den ich gefunden habe, wollte umgerechnet sieben euro gebühren haben, geht’s noch?

Und dann gibt es noch den ersten eindruck von einen neuen land. Ein bisschen wie die Kapverden, die straßen und die häuser der armen bevölkerung sind heruntergekommen. Die autos sind alt, entweder volkswagen, datchia heißt hier auch renault, oder ein asiatisches fabrikat. Aber am häufigsten ist das vw-logo an den fahrzeugen und auch den lkws zu sehen.
Es ist dreckig, weggeworfener müll in form von plastikflaschen und getränkedosen. Ich habe noch keinen öffentlichen mülleimer gefunden, bin wohl die falschen wege gelaufen. Zudem verbrennen die leute den müll und der geruch von verbranntem plastik wabert durch die luft bis zum schiff, nicht gut, nicht lecker.
Dann ist dieser ort wohl auch zum ballermann der gegend geworden, von morgens bis spät abends wird man mit musik beschallt. Dreihundert meter weiter legen die sauf- und tanz-katamarane ab und schippern den fluss entlang, mit lauter musik und animateuren. Der mann mit dem saxofon auf dem kanu und der ewige bolero von Ravel, ebenfalls täglich dargeboten, gehören hier noch in eine alte zeit. Gehört habe ich ihn schon, gesehen aber noch nicht. Heute ist Freitag, mal sehen was hier am wochenende abgeht.

Die marina gefällt mir bis jetzt, da ich noch keine preise bekommen habe. Alles funktioniert, wlan ist vorhanden und das personal ist freundlich und hilfsbereit. Sie werden mich auch mit diesel versorgen, mit sauberem. Hier gibt es auch eine billige variante, versetzt mit ethanol und aufbereitetem altöl. Das würde ich ja auch fahren, der motor verträgt es, aber die einspritzpumpe vielleicht nicht. Eine weitere baustelle dieser art kann ich gerade nicht gebrauchen, denn sie geht dann bestimmt in der einöde weit weg der nächsten zivilisation kaputt.

Am abend ist es erstaunlicherweise recht ruhig, nur drei verschiedene gleichzeitige beschallungen, davon einmal livemusik. Auch den menschen in Brasilien geht es nicht mehr so gut wie noch vor ein paar jahren. Den putsch des präsidenten nehmen die leute einfach hin. So wird es einigen jetzt wohl besser gehen und die masse wird dafür bezahlen.

Mein arbeitspensum war heute, fünfmal auf den mast zu klettern. Die fallenabweiser, die ich zwischen den maststufen gespannt hatte, waren nicht ganz erfolgreich in ihrer aufgabe. Also alles wieder abgetüdelt und neu verspannt zwischen der oberwant und den stufen. Einmal das großfall in den stufen haben und schon ist ärger angesagt. Dann noch am besten bei sieben windstärken bis über der ersten saling da hochklettern, danke muss nicht mehr sein.
Auch habe ich das großfall gepimpt. Wie schön, dass ich mich in deutschland noch mit seilen eingedeckt hatte. Eine ganze fünfzigmeter rolle ging dafür drauf. Der segelkopf bekommt eine umlenkrolle, und ich hoffe, das ganze groß mit der hand hochziehen zu können, mal sehen.
Danach habe ich noch die leinen im baum optimiert und beim zweiten reff war ein schäkel gerissen. Erstaunlich, was für kräfte im gerefften zustand auftreten können.

20161115 reffschaekel

 

Es ist noch immer wochenende und die leute sind, anders als befürchtet, dann doch gemäßigt, abgesehen vom lärmterrorismus. In der ruhigen zeit habe ich weitergearbeitet, in form von wäsche waschen. Mein kleiner waschsalon baut auch ab, die abpumppumpe will nicht mehr so recht. Mindestens zwölf mal habe ich das gute stück aus der maschine gepult, auseinander geschraubt, wieder zusammengesetzt, getestet und für gut befunden. Jedoch nach dem einbau und mit wasser in der maschine will das gute stück die aufgaben nicht erledigen, für die es gebaut wurde. Die lösung ist, dass ich das gerät zukünftig in der plicht aufstelle und das abwasser nur rauslaufen lasse. Ärgerlich, da das heiße wasser unten in der kombüse ist. Also muss das zeug im eimer nach oben.

Die nächste baustelle ist nicht so banal: cash. Ich bin aus europa raus und brauche zahlungsmittel, heutzutage über kreditkarte der gängige weg. Nur zu dumm, wenn ich den pin von der einen karte nicht dabei habe und die andere gerade gekündigt ist. Da klafft eine lücke und die will gefüllt werden. Ich sehe mich schon abgerissen mit einer pappschachtel in abgelegenen orten der  welt um geld betteln, obwohl ich welches habe. Also erste erfahrungen sammeln für ein zukünftiges bargeldverbot.

Das wochenende war letztlich nicht so schlimm, wie erwartet. Nur warum müssen die jungs mit den motorbooten die nacht durchmachen und vor sonnenaufgang dann ihre musikanlage auf dem schiff aufreißen? Ansonsten viel verschiedene musik, alles gleichzeitig und noch mehr partyboote.
Ich habe mir am So eine plane für die plicht genäht. Die pfaff war am anschlag bei zweifach- oder dreifach-lagen. Immerhin ist es eine fünfhundertgramm lkw-plane gewesen, die schon während der bauphase das schiff abgedeckt hatte. Es ist nicht sehr schön geworden, aber so, wie ich es mir auf der letzten reise ausgedacht hatte.

20161115 cockpitplane

 

20161115 cockpitplane

 

Mein großsegel ist auch fertig genäht, in so ein teil fließt mit der zeit auch viel reparaturgeld hinein. Ich sollte vorsichtiger damit fahren. Das installieren ging diesmal in zwei etappen bei wenig wind. Und da die sonne hier sehr intensiv ist, musste auch der bag ums segel herum. Jetzt fehlen nur noch die gasflasche und der diesel, ein großeinkauf, dann kann es weiter gehen.

Seit einer woche bin ich nun hier und schon alles abgearbeitet, es könnte also losgehen. Gestern war ich mit dem fahrrad zum Carrefour unterwegs, ein kleines abenteuer am rande der sechspurigen bundesstraße bei viel wärme. So richtig warm uns herz ist mir in dieser region nicht geworden. Der supermarkt war auch enttäuschend, da ich die erwartung aus Guayana im kopf hatte, verwöhnter bengel. Nur die neuen autoreifen im laden haben mich umgehauen. Ich brauch nur leider keine. Die preise lagen bei sechs bis zwanzig euro das stück. Den rest bekomme ich auch hier im nächsten ort.
Als ich wieder auf dem schiff war, musste ich erstmal duschen, durchgeschwitzt und erschöpft.

Am abend habe ich meine zehn kanister, ex küchenessiggebinde, vor meinem schiff entdeckt. Also nicht so, wie gedacht, dass jemand mit dem tankwagen oder ähnlichem kommt. Der marina geht es wohl nicht mehr so gut, hatte ich doch den einen chef mit diesen kanistern schon gesehen. Na gut, alle aufs schiff gehieft und heute morgen in meinen tank gefüllt. Schlauch mit va-rohr in den kanister, mit folie das ganze zugehalten und mit der luftdruckpistole luft hinein, bis der saft raus läuft. Die gute seite an der aktion, es ging kaum etwas daneben und alles wurde durch meinen trichter gefiltert.
Und dabei dann noch einmal glück gehabt, mit dem letzten kanister habe ich die tanks geflutet und dabei den tagestankdeckel offen gehabt. Mache ich sonst nie, nur heute. Der tagestank war dann auch randvoll, über die entlüftungsschläuche wurde er verfüllt. Hätte auch mit dieselüberlauf und dauerndem gestank im schiff enden können.

20161117 betankung

 

Vor dem letzten kanister wollte ich vorsichtshalber auch ein blick in meine diesel-excel-liste werfen, wie viel denn genau in den tank hineinpasst. Hat aber nicht gefunzt, morgens noch den skypetermin mit der heimatfront vereinbart und nun will der rechner nicht mehr booten, weil eine bekloppte windowsdatei kaputt ist. Ja ich weiß, ubuntu, aber mein konzept geht auch. Nur es hat bis zum späten mittag gedauert, bis das backup auf dem rechner war, ich brauche diese aufgaben nicht wirklich.

Der Fr war wieder einmal zum einkaufen für das wochenende, danach noch ein paar bezüge für die sitzkissen in der plicht erstellt und am nachmittag socialising. Ich wurde von den beiden der ‚out of rosenheim’ zur brotzeit eingeladen. Gegenseitiger informationsaustausch bei kühlem bier und snacks. Sie stehen hier an land und haben eine sehr lange liste, meine ist dagegen ein kleiner spickzettel.
Deshalb auch ein nachtrag zu den reifen im supermarkt. Auf den angeboten steht dann ganz klein x10 oder andere größere faktoren. Verbraucherfreundlich ist das nicht, da müsste ich die brille ja ständig auf der nase tragen.

Am Sa ein ausflug in die große weite welt und das ganze mit dem zug. Auf dieser strecke wird bereits ein relativ neuer triebwagen eingesetzt, die alte diesellok mit den offenen fensterwagons läuft aber auch noch. Die auf gewinnmaximierung ausgerichteten geld-und-profit-lehren scheitern hier, man zahlt am bahnsteigeingang seine höchstens zwanzig cent und kann mit dem zug fahren. Meinen anteil an den betriebskosten inkl. klimaanlage habe ich bei den drei stationen wohl nicht gedeckt, dafür können die leute aber in die stadt fahren.

20161119 joao pessoa neuer zug

 

Die altstadt von João Pessoa habe ich mir erlaufen, wollte eigentlich nur mal schauen. Damit das ganze auch sinnbehaftet ist, wollte ich garneinfädler für nähnadeln kaufen und eine mütze mit nackenabdeckung, weil ich mir den auch schon verbrannt hatte.
Die gewerke sind lokal aufgeteilt, also keine mischung der geschäfte, gleichzeitig wettbewerb und kundenanzugmaximierung. Also für verbraucher recht freundlich, man muss nur wissen, wo gibt es was. Straßenzüge nur mit matratzen, danach welche mit bezugsstoffen, vereinzelt sattler und danach eine straße für kochtöpfe. Es folgen nach den musikinstrumenten die lautsprecherboxen, dann hundert meter frauen, die mit einer handtasche auf den bus warten. Dazwischen kleine imbisse, haufenweise handyhüllenläden, radkappenläden mit reifenverzierung. Klamotten in einem viertel, weihnachtsbaumschmuck und chinaschrott in einem anderen, aber leider keine gegend für nähmaschinen.

Den richtigen laden habe ich dann doch gefunden, ich habe eine fragephobie und irgendwie ist es so spannender. Im laden gab es größeren erklärungsbedarf, um nadel, faden und dafür einen einfädler zu bekommen. Dann habe ich auf dem tresen einen gesehen und wollte gleich mal fünf davon, meine augen werden schlechter. Der verkäufer klickte im computer, zog dann eine der vielen schubladen hinter sich heraus, gab mir fünf und einen zettel mit darauf geschriebenem preis von fünf real. Mit diesen musste ich dann zur frau an der zentralen kasse laufen und bezahlen. In diesen ganzen geschäften läuft es so, es sind viele dort beschäftigt für kleines geld. Im schuhgeschäft oder elektroladen sind locker zehn verkäufer und das bei vierhundert quradratmeter läden, kein riesiger walmart.

Danach habe ich mich in eine markthalle für unterwäsche, rucksäcke, shirts und mützen gestürzt. Bei dem ersten stand mit dem fragenden verkäuferblick habe ich versucht zu erklären, dass ich eine mütze mit nackenschutz suche. Kein problem, stange gegriffen und ein bündel von der decke gezogen. Dann noch die suche nach der passenden größe und voilà, preis ohne handeln akzeptiert, der kleine familienbetrieb auf zwei quardratmeter soll ja auch vom kaufpreis von fünfzehn real leben können, nur was bleibt da übrig.

Auf dem weg zurück zum bahnhof ist mir noch eine kirchliche sekte begegnet, die wasser in der hitze verschenkt hat, gern habe ich es angenommen. Wobei die menschen sich hier wie schweine benehmen, keine mülleimerkultur. Einen meter vor der mülltonnen wird der dreck in die gegend geworfen. Die straßenfeger haben so zwar auch einen job, aber es muss ja nicht noch gefördert werden.
Auf dem weg zum bahnhof gab es dann noch eine kuriosität, eine gasse der scherenschleifer, zehn betriebe auf hundert metern.

Die gebäude, die mich berührt haben, waren die im verfall begriffenen. Auch die hochhäuser sind meistens leer, die basis bröckelt und viele neubauten in der umgebung sind nur rohbauten. So richtig schön und bewahrt war ganz wenig.

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

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20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

Als ich am bahnhof angekommen war, zuvor noch durch die bad- und elektoabteilung der stadt hindurch, fuhr am Sa kein zug mehr. Besser ich hätte mal den fahrplan genauer gelesen.
Ein mitarbeiter der bahngesellschaft sagte mir die fünfstellige busnummer nach Jacare und ich habe, nach zwanzig minuten des wartens schon überdrüssig, den vierstelligen bus in meine richtung genommen. Die letzten zwei kilometer dann noch zu fuß.
Vielleicht noch ein kapitel zu busfahrern, hier müssen sie noch schalten, also locker zweitausend gangwechsel am tag oder mehr, das linke bein das einer winkerkrabbe, dabei noch im fahren kassieren, wenn kein ticketverkäufer im bus sitzt, und gleichzeitig auf den freilaufenden verkehr achten. Die straßen sind so schlecht, aber kein geschimpfe, kein gehupe und keine pöbeleien. Das ganze ohne klimaanlage und nur ein handtuch über dem fahrersitz. Ich vermisse Berlin nicht wirklich.

Von den neunzig millionen barrel öl pro tag, den die menschen global täglich verbrauchen, gehen zehn prozent in die plastikindustrie. Ich bin wohl noch nicht weit genug aus der behüteten gesellschaft heraus gekommen, aber hier sehe ich, welcher mist produziert wird, versucht wird, an den konsumenten zu verticken, und wo es dann landet. Keine schöne perspektive für diesen planeten.

Einen ausflug zur landspitze nach Cabedelo wollte ich zuerst mit dem fahrrad machen, doch die bahn ist einfach zu günstig. Außerdem ist es ein reiseabenteuer, da schaut man die mitreisenden an und versucht keinen körperkontakt zu bekommen. Die läuse anderer sollen bitte dort bleiben.
Cabedelo ist ein vergitterter ferienort mit fliesen von der hauswand über die hohe mauer und bis zur strasse hin. Nicht mein ding, wie in der schlachthalle. Ich bin nach gefühl zum strand gegangen und habe ein schönes plätzchen gesucht. Vereinzelt gibt es palmen, und wenn die kokusnüsse nicht nach sofortigem abfallen aussehen, kann man sich niederlassen.
Aber man sitzt in einer müllhalde, in den resten der fliesenarbeiten, plastikflaschen und den letzten zwanzig grillabenden. Schön wäre ein ostseestrand mit diesem türkisfarbenen wasser und den palmen.

20161121 Cabedelo strandweg

 

20161121 Cabedelo meer

 

20161121 Cabedelo meer

 

Nach einer stunde bin ich dann wieder querdurch zum bahnhof zurück, vorbei am bahngelände. Die haben noch großes vor, die bahnschwellenberge sind aber schon von der natur erobert worden. Auch sehen die wagons ziemlich mitgenommen aus, kurz vor der verschrottung. Die endhaltestelle Cabedelo hatte mal eine weiche, so dass die lokomotive wieder zum anfang der zuges fahren konnte. Warum diese nun entfernt wurde, ist mir ein rätsel, so braucht man zwei lokomotiven für diesen zug auf der eingleisigen strecke. Auch war früher der hafen an die bahn angeschlossen, hier ändern sich die zeiten. In der bahnhofswartezone musste man bis zur schalteröffnung warten, ich am tisch mit einem großen kalten bier.

20161121 Cabedelo lokomotiven

 

20161121 Cabedelo bahnhof

 

20161121 Cabedelo bahnschwellenberge

 

20161121 candela alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo bahnhofwartezone

 

Ich muss jetzt nur noch den großen einkauf, diesmal mit liste, erledigen, das schiff seefest machen und dann morgen oder übermorgen ablegen. Der nächste halt ist Pirapolis in Uruguay, in der kürzesten entfernung von zweitausendzweihundert seemeilen. Hoffentlich diesmal ein wenig schneller, zum jahresende sollte ich dort sein.

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