In der Box Uruguay

Ich glaub es ja nicht mehr. Wir leben in einer welt des geldes, ohne geht gar nichts, ohne kreditkarte geht auch nichts, und wie soll man da noch von weg kommen. Aber von vorn.

Mein erster tag in Uruguay war mit ankommen und trocknen ausgefüllt. Danach habe ich noch ein wenig eingekauft mit meiner karte, sonnengott danke. Auf dem schiff zurück habe ich die waschmaschine angeworfen, die von den vielen motorstunden noch heiß war. Mein erstes bier seit wochen, zwei gläser rotwein aus dem tetrapack und gute nacht.

Die bilder von der ankunft an der insel vor Punta del Este will ich noch nachliefern – sie gehören noch zum ende des letzten berichtes. Und dann war noch der seltsame starkwind, gelesen habe ich von dieser erscheinung namens Pampero schon. Der soll zwanzigmal im jahr existieren, wind von links, dann von rechts und recht heftig. Glücklicherweise habe ich nicht den rekord von vor hundert jahren abbekommen mit über hundert knoten.

21070103 punta del este

 

21070103 punta del este

 

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Der zweite tag bestand darin, meine mails zu organisieren und ‘hallo, ich lebe noch’ zu morsen, denn mein handy will hier nicht leben und ich kann nur notrufe senden. Die notrufe meiner kategorie gehen natürlich nicht.
Für die immigration brauche ich geld, also erstmal zu einer bank, in diesem fall zu der bank im ort. Die schlange vor der cashmashine war zehn personen lang, genau wie gestern abend. Auf der ersten karte wollte man mir leider nichts auszahlen, so griff ich zur zweiten. Diese wurde vom automaten geschluckt, wieder einmal viele unflätige worte aus meinem mund. Also kein cash.
Danach bin ich zum übersetzer für meine haftpflichtpolice gefahren, denn die in der marina akzeptieren meine deutsche police nicht. Der herr ist aber heute in Montevideo, also morgen noch einmal. Keine übersetzung, kein aus dem wasser kranen.
Auf dem rückweg bei der prefektura vorbei und einklarieren des schiffs. Dort will man mich erst bedienen, wenn ich bei der immigration am hafen war. Die dame dort war willig und sprach sogar ein wenig englisch, wollte aber geld von mir sehen, bevor der verwaltungsakt beginnt. Somit wären wir wieder am anfang, kein geld, keine kekse.

Gegen mittag bin ich wieder zur bank und habe dort meine karte wiederbekommen, des weiteren das büro von western union gesucht und letztlich an der strandpromenade gefunden. Dort gibt es aber nur geld mit einen zahlencode, den ich noch nicht hatte. Meine homebase hatte mir geld gesendet. Also wieder zum hafen zurück, mail abrufen und wieder zur promenade, diesmal gab es pesos. Gleich danach in den größeren supermarkt und frische sachen eingekauft. Die immigration hatte schon zu, somit zum schiff zurück.
So sieht es im hafen Piriàpolis aus.

21070104 im hafen der kleine

 

21070104 hafen piriapolis

 

21070104 hafen piriapolis

 

21070104 hafen piriapolis

 

Am dritten tag bin ich zuerst zur immigration gefahren und war zu früh dort. Die halbe stunde nutzte ich, um in sachen übersetzung meiner versicherungspolice weiterzukommen. Wartezeit dort fünf minuten und dann kam ein beleibter notar und es ging los. Es wurde ein dokument erstellt, in dem meine daten eingetragen wurden, die kommunikation verlief über google-translator und meine rudimentären spanischkenntnisse. Ich glaube die machen halbehalbe, der marinachef und der notar, weil das neue dokument künstlich ist und er nicht den wahrheitsgehalt der police prüfen kann. Dann musste ich wieder zum büro von Western Union, diesmal notargebührenmarken kaufen für ungefähr zehn euro. Wieder zurück zum notar, die marken auf das papier geklebt und weitere sechzig euro für seine arbeit abgedrückt. Das ist für mich eher als beschäftigungsprogramm zu sehen.
Zwei stunden später war ich wieder in der immigration und diesmal war eine andere frau an der arbeit. Die erste, die englisch konnte, war freundlich und half dann auch gleich drei türen weiter beim zoll. Mit einen stapel an zetteln bin ich dann zur prefektura geradelt und war in fünfzehn minuten durch. Das hat mich sehr gewundert, aber schön.
Wieder im hafen angekommen und gleich den chef abgegriffen, dokument für gut befunden und das kranen vorbereitet. Scherz, natürlich erst morgen früh. Wenn das so weiter geht, bleibt mein aufenthalt hier nicht bei nur zwei wochen.

Heute ist Fr und auch ein halber feiertag, weil es der sechste januar ist. Aber heute morgen sollte ich mal schnell zum marinabüro kommen, das bedeutet fünf minuten mit dem rad einmal um den hafen. Der hafenchef wollte die dokumente vor dem kranen noch einmal checken. Also noch einmal zurück und meine unterlagen geholt.
Er wollte die bestätigte erlaubnis der prefektura sehen, die ich gar nicht hatte, weil ich nicht wusste, dass man für das auskranen so etwas braucht. Die lösung zuerst einmal auskranen, dann zur prefektura und die erlaubnis holen.
Mit der hilfe vom nachbarschiff bin ich zum travellift gefahren, gurte an der richtigen stelle positioniert und raus aus dem wasser, über land und stop. Dann zur prefektura zu fuß und nada. Heute gib es keine genehmigungen, erst wieder am Mo. Derweil hing das schiff in den seilen.
Der marinachef hat dann mit der einen prefektura telefoniert, dann mit noch einer anderen und ein mündliches ok bekommen. Sonst hätten die mich wieder ins wasser gesetzt.
Während die mitarbeiter mit dem abpallen beschäftigt waren, ausmessen, hölzer zurecht sägen, noch einmal messen, weitere baumstämme halbieren, habe ich schon fast den ganzen rumpf mit dem spachtel bearbeitet. Das sollte man tunlichst mit handschuhen machen, seepocken sind scharf und meine finger blutig.
Ich schätze den haufen an pocken und muscheln mit farbplacken auf fünfzig kilo. Das zeug ist innerhalb von drei monaten gewachsen, nach dem einsatz des tauchers wohlgemerkt, der in Guayana ja alles schonmal abgemacht hatte. Dieser bekommt auch nur noch die halbe schuld am disaster, die andere hälfte geht auf mein konto.
Das antifouling von meinen vorbesitzer hält nicht auf der grundierung und so gehen große placken farbe ab. Zweites problem, die opferanoden sind durch. Somit hat sich das schiff selbst geopfert, weil viel va im unterwasserbereich verbaut wurde. Jetzt weiß ich auch, warum es schweißstäbe für schwarzweiß verbindungen gibt und warum diese so heißen. Der rumpf ist an vielen stellen schwarz gegammelt. Alles halb so schlimm, muss nur wieder farbe rauf. Wobei meine fünf liter jotun-reserve wohl nicht reichen wird.

 

Heute am Sa fing ich um neun uhr an, mit zwei flexen bewaffnet, spachtel und einem schraubendreher für’s grobe. Damit ich die abpallung verschieben kann, kommt der große hammer zum einsatz. Jedoch hat man mir das am nachmittag untersagt, das dürfen hier nur die mitarbeiter. Also muss ich mir mal einen plan machen, wann was erfolgen kann.
Bis zum nachmittag habe ich den halben rumpf fertig, kiel und ruder kommen später. Meine schultern hängen mir jetzt an den ohren herum und die arme schleifen auf dem fußboden. Ich schlaffe ziemlich ab mit den jahren.
Das beste wäre es natürlich, den rumpf sandstrahlen zu lassen, ist hier aber nicht drin. Somit sind noch ein paar stellen mit dem alten antifouling, die ich nur unter größtem aufwand abschleifen könnte. Da sie dem kärcher und der drahtbürstenflex aber widerstehen, bleiben sie bis zum nächsten mal. Der schaden durch den taucher ist im prinzip doch nicht so groß, er hat halt nur das alte angelöste antifouling mit den muscheln abgekratzt. Der rumpf ist jetzt an den stellen, wo keine grundierung mehr drauf ist rostig, ist aber nicht wirklich schlimm. Bis fünf millineter durchrosten, das dauert.

Der muschelhaufen fängt heute schon an zu leben, ameisen und fliegen futtern da fleißig. Und schon gab es die aufforderung der marina, die muscheln in die mülltonne zu bringen. Mañana, das habe ich schon gelernt.

21070106 muschelhaufen

 

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an meine kleine aktion, die enden der unterwassereinlässe abzuschneiden. Heute bin ich froh darüber, da die beiden teile seit gestern in essig lagern. Die brühe sieht schon nicht mehr richtig gut aus, aber die pocken lösen sich auf. Wenn die enden noch dran wären, hätte ich kein wasser für den watermaker ziehen können und der impeller vom motor wäre auch hin. Die ganzen kleinen löcher waren zu, nur in der mitte ging noch wasser hindurch.

Wieder ein So, so wie fast jeder tag. Zuerst habe ich am morgen den stinkenden haufen in eine mülltonne geschaufelt, umschwirrt von hundert fliegen, und die matsche in den großen müllcontainer verfrachtet.
Für heute war gewitter und viel regen angesagt und das ist jetzt am nachmittag auch gekommen. Davor war ich zweimal im mast, um das ankerlicht zu checken und dann das leuchtmittel auszutauschen.
Draußen ist landunter mit viel wind, alle luken sind zu und muckelige dreißig grad im schiff. Dieses wetter soll bis morgen abend anhalten, also keine outdoor reparaturen für die nächste zeit. Zum unglück gibt es im schiff auch so einiges zu reparieren.
Wenigstens ist der windgenerator wieder einsatzbereit, die schellen geschweißt und verstärkt, einen bolzen am fuß eingeschweißt, um den herum ein alter silentbock die vibrationen auffangen soll. Der narbe vom rotor habe ich eine sechskantinnenschraube aufgeschweißt, was der hersteller sich bei der befestigung vorher gedacht hatte, weiß ich nicht, der vielleicht auch nicht.

Am ersten arbeitstag der neuen woche sollte es eigentlich regnen, so wie gestern abend. Doch bis zum fünfuhrtee blieb es trocken. Ich habe die zeit genutzt, um die steuerbordseite abzuschleifen. Jetzt fehlt nur noch der ganze kiel, sicherlich auch noch einen tag arbeit. Dort kann ich wenigstens im sitzen arbeiten. Unter dem kiel werde ich keine farbe aufbringen, steht doch das schiff doch auf drei dicken bohlen, wo keine farbe hinkommen kann.
Aber es fehlt die farbe zum verstreichen, denn so einen farbverlust hatte ich nun doch nicht eingeplant. Dafür war der to-stützpunktleiter heute bei mir und will sehen, wo er helfen kann, ich bin gespannt.

Der Di war wieder nicht mit regen, obwohl angesagt. Ich bin viermal auf den mast geklettert, dreimal davon zur radarantenne. Diese habe ich demontiert und hoffe noch immer auf einen günstigen fehler. Das teil habe ich jedenfalls heil an deck abgeseilt.
Mein einspritzpumpenhebel war ursprünglich für den baumaschineneinsatz gedacht, der umbau auf den marinebetrieb lief nicht so sehr gut. Die wegstrecke der baudenzüge ist zu kurz und so läuft Mr Perkins nur bis zweidrittel seiner drehzahl. Das spart diesel, wenn man in der strömung oder bei viel wind die kraft braucht, ist das aber nicht sehr hilfreich.
Ich habe einen mechanischen hack auf den alten hebel montiert und hoffe, dass ein paar mehr umdrehungen dabei herausspringen. Das teil, welches für dieses ugandaschrauben hilfreich war, ist eine halterung für küchenschränke, um diese an der wand zu regeln. Soviel zum thema schiffsgewicht, wenn ich sogar soetwas dabei habe.

Meine nächste baustelle war die motorraumbilgenpumpe. Vor zwei wochen ging da nichts mehr, ich werde in zukunft täglich die beiden pumpen laufen lassen. Sie ist im motorraum festgegammelt. So ein ausbau ist nicht geplant, ist doch der einbau im freien motorraum entstanden. Also eine vier stunden aktion, um alles herum zu entfernen. Am ende lief die ex-panzerpumpe wieder und hat sich selber gespült.

21070111 bilgenpumpenspuehlung

 

Mitten in der woche und die sonne scheint bis zu dreißig grad und ein wenig darüber. Soll ich in die tiefen des motorraumes abtauchen oder die lästigen schweren flexen in die hand nehmen, um den rumpf fertig zu schleifen? Die alternative, nach Montevideo zu fahren habe ich gleich gestrichen. Gestern habe ich mit einer weiteren geldkarte versucht, bedrucktes papier zu ziehen, aber ohne erfolg. Dies ist so eine sache, über die keiner der weltumsegler berichtet oder ich habe es nicht gelesen. Es kotzt mich an, keine kohle, keine kekse. Kein mobiltelefonroaming möglich, keine kontoführung per mobil-tan machbar, nicht einmal beschwerden oder anregungen möglich. Dagegen waren die Kap Verden noch wie zu hause.

Also habe ich heute den kiel abgeschliffen, das ruder und stellen im roten rumpfbereich. Zur teezeit war ich durch, auch armtechnisch. Dabei muckte meine lieblingsflex, ein erbstück von vor mindestens fünfundzwanzig jahren. Von jetzt auf gleich will sie nicht mehr, aufschrauben, messen, eventuell ein kabelbruch, also ein stück kürzen. Immer noch kein leben, neues kabel, erneutes messen, weiterzerlegen, die kohlebürsten sehen noch gut aus.
Nach der längeren frühstückspause fiel mir der kleine stift mit feder in der einen kohle ein. Warum nur dort und warum überhaupt. Diese flex ist in der blauen serie, von den jungs die schon alles vorher erfunden haben, für den professionellen einsatz gedacht. Und es ist ein wenig nachhaltig, denn der kleine stift wird freigeschliffen, federt heraus und isoliert, so dass das gerät vor der verschleißgrenze nicht mehr funktioniert. Den stift habe ich herausgepult und das gute teil läuft noch weitere fünf millimeter mit den restkohlebürste. Eigentlich doch sehr schön, dass es kein wegwerftool ist. Unschön bloß, ein ersatzteil zu bekommen am ende der welt.

Am Do morgen war ich schon im arbeitsdress und hatte schon alles vorbereitet, da spricht mich der marinachef an, ich solle zur prefektura kommen. Papiere eingesteckt, geld, ein frisches shirt angezogen und hingeradelt. Mit meinem broken spanish und english bin ich durch die dienstgrade weiter gereicht worden, bis jemand englisch konnte. Es ginge um das auswässern, das müsste noch beantragt werden. Eine kopie vom schiffsbrief, versicherungsschein, die übersetzung davon und den ausweis.
Also wieder zum schiff zurück, im marinaoffice nach kopien gefragt, was sie ungern machen und dann wieder zur prefektura. Dann hat die abteilung dokumentenerstellung das ganze zusammengeheftet mit einem laufzettel versehen und fertig. Der verwaltungsakt ist vollständig, und sie wollten kein geld von mir.

Danach konnte ich endlich anfangen, den rumpf zu streichen, der erste anstrich dauert länger. Wie schön, dass ich noch fünf liter silvergrey aus europa mitgenommen habe, denn sonst wäre erstmal ende im farbprozess. Ich hoffe meine farbe reicht, denn es ist schwer, diese zu bekommen. Antifouling gibt es, aber für vierzig dollar pro liter. Die spinnen echt hier.

Der tag ist noch nicht ganz gelaufen, aber ein dreizehnter Freitag könnte wesentlich schlimmer durchlebt werden. Heute morgen konnte ich in ruhe anfangen und wurde auch nicht gestört. Die zweite farbschicht habe ich appliziert und dabei einen liter verdünnung laufend eingemischt. Heute war viel wind und die temperatur höchst erfreulich, nur leider fing die farbe schon fast auf der rolle an zu trocknen. Und am ende als die zweite farbschicht drauf war, fing ein heftiges gewitter an, danke dass es nicht früher gekommen ist.
Draußen war es nass, und somit ging drinnen der wiedereinbau der bilgenpumpe voran, danach die welle abfetten und auch das kardangelenk. Danach wieder den abgassammler angeschraubt und fast fertig. Vorsichtshalber noch den motorwasserfilter reinigen, das letzte mal habe ich es Guyana gemacht. Und schon wieder ein blinder passagier an bord, gefangen im sammler und hinterher im hafenbecken abgesetzt.

21070113 krebs

 

Piriàpolis ist ein dorf in einen kleinen land, die musik spielt in Montevideo. Bei der farbe muss ich ins saure beißen, beim segel und der radaranlage habe ich die möglichkeit von Buenos Aires. Wollte ich eigentlich nicht mehr hin, aber ohne segel und radar geht es nicht nach Ushuaia. Notfalls warte ich solange, bis alles fertig ist. Bei den aufgerufenen preisen kann ich auch nach hause fliegen, das ganze zeug kaufen und wieder zurück. Das kann sogar günstiger werden, ich denke darüber nach.

Ich bin schon über eine woche an land und es bewegt sich wenig bis stillstand. Heute am Sa war die große schweißaktion in der durchführung. Zuerst die oberwantenaufnahme angefangen und festgestellt, dass man an die naht nur schlecht herankommt. Das schweißen ist auch nicht so schön gelungen, ich hoffe es hält.
Die vier genuaschinenendstücke haben jetzt eine mutter an deck und sind nicht mehr mit sika geklebt. Dabei musste ich feststellen, dass die verschraubungen der schiene gammeln, langfristig auch eine baustelle.
Und schrauben durch das schanzkleid zu bohren und zu hoffen, dass die umlenkrollen für die genuaschot halten, hat sich nicht bewahrhaltet. Also sind die heute auch angeschweißt worden. Diese ganzen kleinen baustellen haben den Sa gekostet.

Mein platz auf dem land hat vorteile und andere seiten. Ich muss nicht mehr um den hafen herum, wenn ich ins internet will. Das mit dem duschen und der wc benutzung an bord ist machbar. Alle paar tage eine tonne unter den auslauf gestellt, hahn von den tanks auf und die stinkende gülle zum hafenbecken fahren. Ich weiß auch nicht, wie oft ich in den letzten tagen meinen schiffsnamen und meine heimatstadt gehört habe. Ich bin halt auf augenhöhe mit der promenade und da laufen viele neugierige touristen lang.

21070114 promenade piriapolis

 

21070114 promenade piriapolis

 

Dann bin ich sehr sehr genervt, es geht wenig mit der unterstützung des standortleiters. Farben gibt es, schweineteuer und nur in Montevideo. Also werde ich mal den bus nehmen müssen und eine kleine weltreise unternehmen, um die farbe ans schiff zu bringen.
Die zweite entscheidung ist heute bei mir auch gefallen, ich segele rüber nach Buenos Aires in tagesetappen. Dort ist alles größer, mehr nachfrage, mehr service. Wie sich die törnverschiebung auswirkt werde ich sehen. Im spätsommer durch Patagonien zu segeln geht auch, muss gehen oder halt unten herum.

Morgen geht es weiter mit dem job.

Veröffentlicht unter Refit, Reise_2017, schiff | 4 Kommentare

Boxenstop in Uruguay

Da haben sie mich in Brasilien doch noch ein wenig über den tisch gezogen. Die gasflaschenfüllung für vierzehn euro, die marina für zweihundertfünfzig plus fünf prozent aufschlag für kartenzahlung. Das taxi sollte ein valetaxi sein, bei einem einkauf über hundert euro sollte es einen gutschein geben, den man mir nicht gegeben hat. Letzteres nicht schlimm, das taxi hat so dreifünfzig mit trinkgeld gekostet.
Der kühlschrank ist voll mit frischen sachen, für das bier ist kein platz mehr. Hochwasser ist um ein uhr und jetzt nur noch das schiff klarieren. Dabei ist mir die mumifizierte leiche meines geckos in einer plastikdose untergekommen. Vielleicht ist es ein zweiter, aber ich befürchte leider nicht.

20161122 toter gecko

 

Pünktlich zum hochwasser am dreiundzwanzigsten November habe ich ausgeparkt und bin richtung flussmündung geschippert. Nichts aufregendes, gewohnte flusslandschaft und an der vorletzten tonne habe ich die segel gehisst. Nur dann kam wieder die gleiche aktion, wie vor zwei monaten. Der kurs sollte südost sein und es ging nur nordost, da ich mich auch von der küste freihalten wollte. Im dunkeln drehte der wind dann weiter und der südkurs wäre möglich geworden. Leider waren da draußen über zwanzig verschiedene lichter, unberechenbare fischer. Nach mitternacht gab es dann eine patentwende, die ich zum kurswechsel nach süd genutzt habe. Diesmal waren es nur dreißig meilen umweg und am morgen war ich wieder auf der höhe von Jacare, aber weit draußen. Noch einen monat bis weihnachten.

Der zweite tag auf see war sehr gut, das streckenergebnis war ok, achtzig seemeilen und alle in die richtige richtung. Ich gewöhne mich an die widrigen schrägen zustände und mache das beste daraus. Das wetter ist sonnig und trocken und in der nacht ist es schon etwas kälter.
Meine verbesserung mit der rolle am großsegels ist noch nicht akzeptabel. Das reffen vor der nacht und dem sonnenuntergang ging gründlich in die hose. Alles vorbereitet, aber als das großsegel herunter sollte, wollte es nicht. Ich ahnte es schon, schuhe anziehen und in die mastspitze. Die rolle am segelkopf hat einen wirbel, und so hat sich das fall zigmal um sich selbst gewickelt, kein auf und kein ab. Oben konnte ich die rolle drehen und schon ging es. Glücklicherweise wenig wind und kaum wellen, trotzdem eine aktion mit viel festhalten, konzentration und kein falscher griff. Also muss demnächst die rolle fixiert werden.
In der nacht hat der wind dann pünktlich gedreht und die strecke zum ersten wegpunkt ist fast gesichert.

route november 2016 23-24

 

Der dritte tag war nicht aufregender als der zuvor. Wenig wind und somit nur fünfundsechzig meilen gesegelt. Dafür gab es in der nacht häufig fehlarlarm durch das radar. Sicherlich irgendwelche größeren wellen und somit dauerte der signalton nur wenige sekunden. Aber auch zwei richtige waren dabei, die hören dann nicht auf, solange schiffe in der alarmzone sind. Einmal links vorbei und einmal rechts, im abstand von drei meilen.

Der nächste tag war ruhig mit einem etmal von fünfundsiebzig. Dabei gab es in der nacht keinen alarm und erst am morgen nach dem kaffee kamen die gewitterwolken mit wind. Währenddessen habe ich den wendepunkt abgekürzt und so ist der kurs ab jetzt mehr als süd. Soweit es geht. Die benutzung der dusche bei schräglage ist sehr anstrengend, aber musste einfach mal sein. Ein frischer neuer tag ist ein guter.
Als die regenfront durch war, gab es wieder nur wenig wind, langsame drei knoten und alles in die richtige richtung, also netto richtig gut.

Eine dauerbaustelle hat sich wieder aufgetan, die popnieten vom baumniederholer. Diese nacht war wieder ade, auch die ausführung aluniete mit kleiner schraube in der mitte hat nicht so lange gehalten. Jedoch war dies die längste zeit, immerhin seit Guayana. Ab sofort werden als test va-nieten verwendet.
Diese baumniederholerreparatur habe ich dann auch sofort in angriff genommen, gar nicht erst wieder eine liste anfangen. Die operation lief während des betriebes und wenig entspannt. Nur diese nieten sind echt an der belastungsgrenze der zange oder ich bin zu schwach. Die stifte zum abreißen zu bewegen hat schweiß gekostet.
Der rest des tages verlief wie die tage zuvor, die nacht war ruhig und wieder waren es fünfundsiebzig meilen. Mal sehen, wie es weiter geht.

Alles wird auf einmal reif und der kühlschrank machte auch schon mal pause. So gab es die avocado auf zwieback zum frühstück und zur mittagszeit mit zwei fälligen tomaten als salat. Zwischendurch noch eine banane, nachdem ich am vortage schon sechs gegessen hatte. Die letzten beiden gingen über bord, waren schon nicht mehr für meinen gaumen geeignet. Ich hätte die teile an verschiedenen orten reifen lassen sollen. Ich lerne noch dazu.
Dann lies der wind nach, zuerst war das segeln noch mit motorunterstützung machbar, aber am nachmittag gingen die segel runter. Treibend ging es durch die nacht mit dem tageserfolg von nur fünfzig meilen. Davon ein drittel in die falsche richtung getrieben.
Dann fängt meine windfahne an zu mucken, das nervt auch. Hoffentlich hält sie bis Piriàpolis durch.

Ein neues projekt habe ich mir auch ausgedacht: von der bierdose zur opferanode. Bisher hatte ich die dosen im meer versenkt und auf die langzeitrecyclingdauer gebaut. Irgendwann kommt das alu wieder zum vorschein, in der form von magna aus einem vulkan. Wenn mal wieder zeit ist, werde ich mein projekt in die testphase bringen, also das metall zu schmelzen und in passende formen zu gießen.

20161128 opferanode

 

20161128 opferanode

 

Es passiert hier nicht so viel, wetter, wind, wellen stimmen soweit, besser geht natürlich immer. Und fast hätten wir das erste mal seit Jacare die hundert tagesmeilen geschafft, wenn ich nicht nachts um drei die segel heruntergeholt hätte. Zuerst wurde ich durch das radar geweckt, konnte aber nichts sehen. Der fleck war recht groß und die regenwolke kam näher, aber ohne wind. Es ist auch mal ganz schön, gewarnt zu werden, statt nass aufzuwachen.

Heute ist der erste Dezember und die bilanz der letzten woche ist als gut zu bezeichnen. Auch wenn ich in den letzten tagen ein wenig vom kurs abgekommen bin. Das ergebnis bis jetzt sind fünfhundertsechzig seemeilen und fast alle in die richtige richtung.
Der wind ist seit gestern mist, achterlich und das mag ich nicht, wenig kontrolle der segel und das gibt bruch. So ist ein rutscher gebrochen und die untere segellatte hatte sich vorn aus der halterung gemogelt. Beim ausreffen habe ich es noch gesehen und so ist sie gleich unter deck gewandert.
Der autopilot muss jetzt das schiff steuern, die windfahne ist bei diesen kursen überfordert, zumal ich nur noch mit dem groß fahre. Und zur abwechslung mal auf dem backbordbug, da ich zur geplanten route zurück will. Die erfahrungen des ersten teil der guayanareise haben mir gereicht.

route november 2016 25-30

 

Das zurück ist nicht so einfach. Es sind südkurse oder westkurse möglich, keine südwestlichen. Der wind ist noch immer nicht brauchbar und die wellen zermürben ein wenig. Kaum steht das segel mal, kommt eine wellenreihe, das tuch flappt und bläht sich dann wieder mit einen ruck auf. Das ganze schiff zittert und ich hoffe auf ein gewisse stabilität in den materialien.

Die letzte nacht war mal wieder treiben angesagt, am abend gab es keinen wind mehr. Ich habe wieder einmal auf dem boden geschlafen, eingekeilt und nicht sehr gut. Deshalb bin ich auch sehr gereizt, die ruhe muss zurückkommen.

Dieser wind und diese wellen sind nicht meins. Mit segelknallen schaffe ich zweieinhalb bis drei knoten und materialstress. Wenn ich die genua klein mache und zwischen den wanten fahre, sind es eineinhalb knoten. Ich warte auf eine winddrehung und fahre langsam südsüdwest.

Wenn man das zweite mal in der nacht aufwacht, um fünf, und die sonne sieht, geht es doch gleich viel besser los. Denn die nacht war wieder auf dem boden, aber besser als die letzte, weil ich sogleich keili hinzugezogen hatte. Es ist kein heimischer schlaf, unruhig, auf das radar lauschend, aber es kann als schlaf bezeichnet werden. Das segel war klein und der wind trieb das schiff in richtung geplanter route.
Der wind am morgen frischte auch auf und so geht es seit fünf stunden in richtung wegpunkt. Nicht ganz darauf zu, aber ziemlich nah und das bei fünf knoten. Mein nächstes ziel liegt noch zweihundert meilen entfernt, da kann sich einiges ereignen. Zum beispiel macht der autopilot geräusche. Und er ist der einzige, der in diesem achterlichen bis raumschotskurs das schiff in richtung halten kann. Es sei denn, ich stehe stundenlang am ruder und mache es nur halb so gut.

Heute ist der vierte Dezember und es geht gerade richtig ab. Der wind und die wellen haben zugenommen, mit gerefften segeln geht es um sechs knoten voran. Leider ist auch ein klein wenig ost im südkurs. Ein wenig strecke machen tut auch mal gut.
Schon das ergebnis von gestern über hundert meilen ist angenehm, wenn auch einiges ins off ging. Den fehler in der windsteuerung hatte ich bei sonnenuntergang gefunden, leider hat sie das schiff nicht auf kurs halten können. So wachte ich in der nacht in rauschefahrt in richtung südost auf. Seitdem ist der autopilot im dauereinsatz und macht auch schon wieder geräusche.

Danach gab es kleinholz. Ich wollte die reanimation der windsteueranlage bejubeln und dann brach das pendelruder beim ins wasser lassen. Das ist schon das zweite mal, doch diesmal wurde es zum treibgut. Weil ich im moment keine weiteren termine habe, wurde ein neues geschnitzt. Im holzlager fand ich ein annähernd brauchbares brett, flex raus, bohrmaschine raus und los ging es. Es wird keine farbe bekommen, weil es nur provisorisch sein soll, und außerdem ist es zu dünn.
Die weitere technische lösung ist die schraube, um die sich die windfahne dreht. Meine alte lösung war eine schraube mit durchgehendem gewinde, jedoch entsteht dabei wohl zu viel reibung oder blockaden. Die neue schraube mit kurzgewinde wird sich beweisen müssen.

Außerdem habe ich eine segelstellung mit verkleinerter genua und einer ruderanstellung gefunden, bei der das schiff mit achterlichem wind alleine steuert. Nur wenn es eine wellenkombination mit einer kräftigen böe gibt läuft das schiff aus dem ruder und luvt extrem an. Dann hat das hauptruder der windsteuerung ein problem, den alten kurs herzustellen. Aber besser als ohne alles.

20161204 windfahne pendelruder ende

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne pendelruder

 

20161204 windfahne drehgelenk

 

20161204 windfahne schraube

 

Alles lief gut und das rekordetmal für diese reise wurde mit einhundertunddreizehn gefahren. Das wird nur sehr schwer zu übertrumpfen sein. Ich war unvorsichtig bei der halse und die windböe musste auch genau dann kommen. Hätte ich das groß mit der schot zuerst dichter geholt, wäre der baum nicht rübergerauscht und der segelkopf hätte noch verbindung zum tuch. Somit wird es erstmal nur mit der genua weitergehen. Das hätte alles nicht not getan.
Der wind frischt immer mehr auf, so um dreißig knoten, dafür geht jetzt ein super kurs, den der autopilot hoffentlich halten kann. Der wegpunkt drei liegt auf meiner höhe, nur hundert meilen entfernt.

20161205 segelkopf

 

20161205 segelkopf

 

Heute ist Nikolaus und meine schuhe in der plicht sind nur mit wasser gefüllt, schade. Seit gestern blässt der wind mit dreißig bis fünfunddreißig knoten bei sonnigem wetter. Nur einige wellen klatschen gegen die bordwand und dann kommt die gischt über. Da der wind leicht gedreht hat, habe ich den kurs auch geändert, auf mehr süd, um die gischt zu reduzieren. Der autopilot läuft sei gestern und dazu gibt auch der windgenerator strom ab, schön so.
Nur heute nacht kam ein monster vorbei, geweckt wurde ich durch das radar. Eine riesige regenwolkenfront mit bis zu fünfundfünfzig knoten, dann heftiger regen. Die wanderte so schnell durch das radarbild, es dauerte weniger als vier minuten, ein wenig unheimlich. Danach musste ich das groß neu festbinden.
Die ersten fünf tage im Dezember habe ich dreihundertneunundsechzig seemeilen gefahren, eigentlich nicht so schlecht.

route dezember 2016 01-05

 

Der riss des großsegels kann nicht nur von der halse herstammen. Ich vermute, dass schon ein schaden in der nacht zuvor entstanden war, nur sollte ich häufiger nach oben schauen. Dumm ist es trotzdem, und eine überlegung ist, einen früheren hafen in Brasilien anzulaufen. Nur dann gäbe es erklärungsbedarf bei den behörden. Mal sehen wie es weiter geht. Ich mache erstmal den kapitän Bligh.

Vier stunden später, solange läuft die windsteuerung mit dem hilfspendelruder schon, und das erstaunlicherweise zufriedenstellend. Das schiff läuft gut mit dem eingestellten kurs, obwohl das ruder nach hinten geneigt ist. Wenn es hält, gut so.
Die option nach Vitoria zu segeln, rechts ab zu biegen, habe ich fallen gelassen. Fünfhundert meilen mehr macht sechs tage, plus segelmacher und behörden. Ein zeitgewinn wäre nur gegeben, wenn der kran dort mich aus dem wasser heben kann, weiß ich aber leider nicht. So werde ich die vierzehnhundert meilen bis Piriàpolis mit gedrosselter genua segeln und hoffe, dass das eine gute idee ist.

Seit gestern abend ist der wind aus. Einfach weg, die wellen sind noch da geblieben und die dementsprechend ist es merde. Am morgen war es nicht besser und so läuft mal zur abwechslung der motor. Damit das nicht für die katz ist, fülle ich die wasserreserven auf. Das anwerfen vom wassermacher war nicht so einfach, ich vergaß, den haupthahn zu öffnen. Dann dachte ich, der impeller der förderpumpe sei gehimmelt. Nach der innerlichen persönlichen schimpfe lief das system noch immer nicht an, der schalter für die förderpumpe hat sich eingeschmolzen. Jetzt läuft ein provisorischer schalter aus einem Fiat, den ich anfang der achtziger auf einem schrottplatz habe mitgehen lassen, heute schon ein museumsstück. Der watermaker läuft endlich, riecht aber nach ampere, aber das gibt sich noch. Nur der wind bleibt zum mittag noch immer aus.

Ein weiterer tag ohne wind, nur geschaukel. Die motoraktion von gestern hatte noch etwas gutes. Am anfang der flaute vor zwei tagen bin ich nach osten getrieben worden, da war eine unschöne strömung. Nach den arbeitsreichen stunden von Mr Perkins treiben wir wieder in südwest richtung. Zwar ohne geschwindigkeit, dennoch kein stress wegen eines falschen kurses.
Das guanohotel war heute nacht auch wieder besucht worden. Diesmal keine kleinen zankenden vögel, sondern ein großer oder mehrere. Die hinterlassenschaften sind nicht klein.
Während der nacht gab es auch mal wieder ein flugopfer. Diese kleinen schwertfische sind bei mir selten, es ist erst der zweite. Und bis jetzt habe ich fünf portugische galeeren gesichtet. Die sehen wie barbies strandmuschel in pink aus, sind aber ziemlich tödlich. Deshalb verzichte ich auch aufs baden und das unterwasserschiff muss auch so bleiben.

20161128 portugisische galeere

 

20161208 flugopfer

 

Heute ist der neunte Dezember und seit gestern mittag ist der wind wieder da. Zum anfang ist es so toll, mit zwei oder drei knoten zu segeln, da es noch keine wellen gibt. Am abend habe ich trotz des schwachen windes gerefft, besser ist es ja. Und siehe da, gab es in der nacht wind um dreißig knoten. Auch die windfahne hat ihren job gut erledigt, bis heute morgen. Der wind hat mittlerweile gedreht und das schiff nach westen geschoben. Ich will SSW, also segel neu konfigurieren, den autopiloten an und seit dem sonnenaufgang gibt es wind von achtern. Ich hoffe mal, dass es so bleibt.

Einen tag später: Tapfer hat der autopilot die nacht durchgearbeitet und am morgen habe ich den kurs in richtung wegpunkt vier verschoben. Der wind hat nachgelassen, der erste tag mit trübem wetter und die windsteuerung arbeitet wieder.
In den letzten fünf tagen habe ich weitere zweihundertfünfundsiebzig seemeilen in richtung ziel gesegelt. Es geht jetzt langsamer und ruhiger als zuvor. Schnell segeln kostet material und jetzt muss ich mal ein wenig fuß vom gas nehmen.
Auch möchte ich so weit abstand von den bohrfeldern in der karte nehmen, wie möglich, sinnvollerweise doppelte entfernung.

route dezember 2016 05-10

 

Heute ist Sonntag, wie sein name schon heißt. Morgens war es noch stark bewölkt und dann klarte es auf. Gleichzeitig zog der wind ein wenig an, so um dreißig knoten, bis zu vierzig. Die wellenhöhe ist um vier meter moderat, entweder man ist im tal und sieht nur noch wasser oder man ist auf einen dieser größeren wellen und denkt an einen hügel auf einem hochplateau. Alles zusammen sind es gute bedingungen, die genua ist recht klein und der gewünschte kurs wird mit vier knoten befahren.
Der wegpunkt vier ist schon längst überholt und zur zeit sind wir auf der höhe von Rio. Wichtiger ist die route in dreihundert meilen entfernung, da muss ich drauf sein. Denn dort fängt der spaß mit der strömung wieder an.

Zwölfter zwölfter, zwölf uhr: der motor ist an und unterstützt die genua. Seit heute morgen um vier hat jemand den wind abgeschaltet und lange wellen hinterlassen. Ging gestern so gut und dann dies hier.
Der viele wind der letzten tage hat auch einiges an insekten aufs schiff gebracht, nicht nur die in den trockenen kichererbsen. Diese sind gestern über bord gegangen, sicher noch eine auswirkung aus Guayana. So um acht sorten von faltern habe ich gezählt, haben sich hierher gerettet, um dann zu sterben. Wie viel biomasse landet dabei eigentlich im meer?
Die windstille habe ich für das einpacken des großsegels genutzt, dabei ist mir noch eine aufgerissene kausch aufgefallen. Bald habe ich alle durch und somit sind dann alle stabil bis auf weiteres. Die nächsten drei gastlandflaggen sind auch schon fertig, danach muss ich improvisieren. Habe ja noch ein wenig zeit bis dahin.

20161212 flaggen

 

Nach zwei stunden kam dann eine idee von wind, besser langsam zu segeln, als diesel zu verjuckeln, wenn die batterien voll sind. Zeit ist ja vorhanden und die tage werden schon merklich länger. In den sommer hinein zu segeln hat schon was.

Heute könnte Freitag sein, der tageszahl nach. Zuerst hörte der wind kurz vor sonnenaufgang auf und die strömung treibt einen in richtung süden. Ganz langsam, also akzeptabel. Dann ein paar stunden später fing der neue wind an, aber unbrauchbar von achtern. Ich habe es dreimal versucht, und um elf uhr ging es so halbwegs und das nur mit dem autopiloten.
Ich bin genervt, das wetter ist diesig und der kurs fast west. Also zurück zur roten route. Nach einer stunde war es dann auch wieder vorbei, nun treiben wir nach fast süd mit einem knoten, mist.
Das ergebnis von zwölf stunden sind drei stunden segeln und insgesamt zwanzig meilen. Die genua ist klein und festgebunden und so geht es in die nacht hinein. Heute war das ein satz mit x.

Bald kann ich eine geschichte mit x bilden. Das segel hatte ich gestern doch noch eingerollt und die nacht war dementsprechend mies. Dafür habe ich einen neuen besucher, ein art von spatz. Mal sehen wie lange er bleibt und überlebt, denn wo kann er schon hin. Es sind über hundertfünfzig meilen bis zur küste.
Zur abwechslung des speiseplans habe ich angefangen, eine bohnensuppe zu kochen. Bohnen einweichen und etwas länger kochen, nur wie lange und ist das wasser aus dem watermaker vielleicht schon zu salzig für hülsenfrüchte? Ich habe das kochbuch aufgeschlagen, und da fiel eine kleine schabe raus, lebendig. Danach habe ich ein dutzend von denen im fach gekillt, in der grösse eines fingernagels. Wo habe ich diese denn schon wieder her, auf jeden fall sind es welche mit nachwuchs, also eine dauerbeschäftigung.
Mit dem segeln hält es sich heute auch in grenzen, null seemeilen.

Am nachmittag hörte ich einen großen bassigen schiffsdiesel, konnte aber das schiff nicht ausmachen. Also radar an und mal sehen, wo es ist. Erst als ich den radius auf zwölf seemeilen erweitert hatte, war ein objekt in elf meilen entfernung zu sehen, je nach wellenhöhe. Es war halt windstille.

Die bohnen haben zwei stunden gekocht und waren noch immer erdnuss-aldente. Danach habe ich sie für eine weitere stunde in den druckkochtopf gesperrt und siehe da, essbar weich. Als ich dann die fertige suppe essen wollte, kam etwas dazwischen.
Der spatz hat das weite gesucht und ist dabei sicherlich gestorben. Die gewitterwolken kündigten durch den windgenerator luftbewegungen an. Sollte ich mitnehmen war mein gedanke und es ging los. Dummerweise ging dabei nichts in meine richtung, entweder nordwest oder ost, denn der wind kam aus süden. Mit motorunterstützung im standgas gingen zehn grad mehr, ende, mehr war nicht drin. Der kühlschrankverschluss bekam noch eine verstärkung von seinem großen bruder.

20161215 verschlussverstaerkung

 

Mit der gerefften genua habe ich mich für den westkurs entschieden, ruder auf anschlag zum anluven und die segelstellung hoch am wind. Da waren es noch um fünfundzwanzig knoten wind. Also eine pause und die bohnensuppe auf dem fußboden sitzend gelöffelt.
Die schöne lang dünung vom nachmittag in richtung süden vermischte sich mit der windwelle aus süden. Das schiff fuhr quer zur welle, kein spaß. Ich habe dann das segel noch einmal verkleinert und es wurde dunkel zur nacht hin. Der wind nahm zu und blieb bis zum morgen bei um die fünfunddreißig knoten, auch mal mehr, dann fing beim windgenerator die stuka zum sturzflug an.
Und was habe ich gemacht? Den schlecht gemachten, geschönten film „Survive the Savage Sea“ angeschaut. Gerade das richtige, um sich auf eine schiffskatastrophe einzustimmen.
In der nacht noch ein paar mal eine kontrolle gemacht und versucht zu schlafen. Besonders nervig waren die brecher an der bordwand, die das schiff stark neigten und auch drehten. Der farbverlust im vorderen bereich erklärt sich auch so, und er hat sich verstärkt, sehr viele rote farbpartikel fand ich heute morgen an deck.

Wie schön, dass das ereignis in der dann folgenden nacht war und nicht in der letzten. Denn am tag hatte der wind in die richtige richtung gedreht und langsam abgenommen. Das wetter war bedeckt und klarte auch auf. In der nacht hatte ich die route wiedergefunden und überschritten. Alles im grünen bereich. Aber da sieht man wochenlang kein schiff und nun sind es gleich fünf und eine riesige bohrplattform in elf seemeilen entfernung.
Anyway, es war ein guter tag und das desaster zeichnete sich erst zum sundowner ab. Am horizont in meiner richtung sah ich eine riesige fackel und weitere stabobjekte. Entfernung noch zehn meilen, ich mag das radar inzwischen sehr. Das übergroße linsencurry mit couscus habe ich noch vollständig ausgelöffelt, für die nächsten stunden eine gute basis. Danach gab es noch einen weiteren schiffsstrandungsfilm aus der konserve und dann ging es los.

Die szenerie lässt sich schwer beschreiben, in der dunkelheit sieht alles so nah und groß aus, aber es übertraf alle mir bekannten objekte. Um zehn war ich auf der höhe der ersten fackel. Diese besteht aus einem recht großen schiff, ein kleinerer kreuzfahrer, hell beleuchtet, und vorn steht ein langer schornstein drauf. Oben wird daraus gas abgefackelt. Dazu gibt es ein versorgungsschiff und ein positionsbeleuchtungsschiff, denn es gibt hier keine bojen.
Im ganzen gebiet gibt es vier von diesen kreuzfahrtschiffen und weitere vier bohrschiffe, plus diverse versorger. Und links außen war eine sehr sehr große bohrinsel, da musste ich dran vorbei.
Der wind nahm zu und ich war gezwungen zu reffen, konnte aber nicht mehr die höhe halten, dafür ging der motor an. Ob sie mich angefunkt haben, weiß ich nicht, und wenn, war es zu laut, um zu sprechen. Um mitternacht hatte ich die größte fackel passiert und ein versorgungsschiff hielt auf mich zu und drängte mich ab. Die hatten angst um ihre teuere bohrinsel. Dann folgte ich seiner position und um drei uhr morgens war die bohrinsel hinter mir. Alles ging sehr langsam gegen den wind.
Dann dauerte es nochmal sechs meilen, bis ich bei zwei weiteren bohrschiffen und einer anderen bohrinsel vorbei war, als die sonne aufging. Die länge des gebietes sind zwanzig seemeilen, fährt man nur zwei knoten, dauert das passieren ewig.
Was für ein riesiger aufwand, um die schwarze brühe aus zwei kilometer wassertiefe und danach noch tiefer zu fördern. Ist zwar besser, als in ein land einzumaschieren und es zu klauen. Ich bin für umdenken, meint auch mein Mr Perkins.

20161216 nachtlichter

 

Das war mal ein neues intro zu meinem geburtstag, ich sehe müde aus und mit roten augen. Nach dem letzten schiff habe ich ein wenig geschlafen und die segel neu ausgerichtet. Es ist segeln um die fünfundzwanzigplus, bei strahlendem sonnenschein, blauem himmel und kurzen wellen, die allerdings seitlich kommen. Ein schönes passendes geburtstagswetter.

Ich muss mich heute am siebzehnten Dezember noch immer von den letzten tagen erholen. Das geht mit schlafen ganz gut und dazu wird es kälter. Seitdem der spatz abgeflogen ist, ich glaube, er kannte die schwimmenden objekte in der gegend, habe ich die barfußroute verlassen. Es gab das erste mal seit langem kalte füsse an deck am morgen und im schiff sind es nur zweiundzwanzig grad. Die leichte wolldecke reicht gerade noch für die nacht.

Alle wichtigen frischvorräte sind aufgebraucht, einiges verdorben und die zwiebeln sind rationiert. Hätte ich mehr mitgenommen, wäre mehr über bord gegangen. Seit über drei wochen bin ich nun unterwegs und da sehe ich die frischebilanz recht positiv. Die menschen gehen in Brasilien anders mit obst und gemüse um. Im supermarkt wird alles schön aufgebaut, berge von allem werden gestapelt, nur leider wurde die ware vorher schon schlecht behandelt. Die druckstellen bei meinen kartoffeln sind ein guter beweis. Die stellen werden matschig, die schale bleibt stabil und drückt man darauf, so spritzt eine stinkende matschige gelbliche masse wie eiter heraus.
Außerdem sind die nahrungmittel fast immer mit zucker versetzt, passierte tomaten und sogar die gewürzgurken. Das können sie nicht, die kekse sind auch zu süss. Sollte man alles vorher wissen, um danach einzukaufen.

Ein nachtrag zu meiner begegnung mit der waterworld des ölbohrens: Wenn das gehirn nicht weiß, was es sehen soll, entstehen recht wilde bilder. Die indianer konnten Columbus’ schiffe nicht sehen, weil sie sie nicht kannten. Ich habe in der nacht mehrfach falsche sichten entwickelt, zumal auch die fülle des lichts mich umgehauen hat. Dagegen ist der hamburger hafen in der nacht eine dunkelkammer.
Die große fackel vom abbrennen war so hell und machte sogar löcher in den wolken darüber. Dieses szenario aus über zwanzig schwimmenden und sich bewegenden objekten war mir so nicht bekannt. Die beiden bohrschiffe am ende des feldes, sind in meinem kopf während der annäherung mehrfach mutiert. Vor der großen bohrinsel (die, die ich von Teneriffa her kannte, waren spielzeuge dagegen) sahen sie aus wie beleuchtete bojen, um eine distanz zur insel zu gewähren. Fünf meilen vor dem passieren sahen die objekte wie fußballfeldgroße tortenabschnittartige raumschiffe zur abfüllung von öl aus. Erst eine meile vorher erkannte ich den bohrturm als solchen auf dem schiff und da wurde es auch schon hell. Dies ist eine reise, um die sinne zu schärfen und neue erkenntnisse zu gewinnen.

20161216 bohrschiff

 

20161216 bohrschiff

 

20161216 kleine bohrinsel

 

Gestern war ein sonniger segeltag und der heutige soll ähnlich trocken werden. Seit heute nacht läuft der autopilot, da die windfahne es nicht nach meinem wunsch schafft. Jetzt ist nur noch wind um zwanzigplus knoten, aber mit einer großen welle und alles genau von hinten. Wenn das segel anluvt über einen gewissen punkt hinaus, so reicht die windsteuerung nicht mehr aus, lege ich das hauptruder zu sehr nach abfallen, geht es ins off und das segel schlägt um. Also läuft zweimal am tag kurz der motor, damit genügend strom vorhanden ist.
Gestern habe ich den weiteren kurs bestimmt und ein intervall der positiven strömung ermittelt. Deshalb muss ich heute mal wieder auf die andere westliche seite meiner route, passt also alles, bis jetzt.

Bis zum neunzehnten Dezember hat sich am wetter nicht viel geändert, wind, wellen, himmel sind grob gleich geblieben. Die wellen sind mal größer und höher, aber das war es schon. Wie groß sind die wellen denn, ich schätze mal, normal vier meter und die, die spaß machen, sechsplus. Dann fängt das schiff leicht an herunter zu surfen, zumindest wird es um einen knoten schneller. Das ist wie in der Biskaya, nur hatte ich zu dem zeitpunkt keine segel mehr.

20161219 see

 

20161219 see

 

Der spaß hier kostet auch, gestern war mal wieder ein bruchtag. Zuerst habe ich ein plastikdistanzstück von der genua auf dem deck gefunden. Zum glück ist es nicht über bord gegangen. Ich kenne das teil schon, denn vor einem jahr habe ich es auf den Kap Verden schon einmal wieder installiert. Damit das zweite teil davon nicht stiften geht, musste mein altes shirt als auffang um die genuaaufnahme dienen.
Das ganze muss wohl damit zusammenhängen, dass ich teile, die gut gelungen sind, als solche auch bezeichne. Kurz darauf gehen sie dann immer kaputt, großsegel, genua, windsteuerrung, kühlschrankverschluss, windgenerator.
Der mast vom windgenerator, der gut die vibration dämmt, hat sich gestern von seinem silentblock entfernt. Zuvor ist wohl die obere schelle zur reling gebrochen und jetzt ist er out of order. Der stromhauptlieferant ist nun Mr Perkins, zumal in der nacht über vierzig ampere stunden mit dem kühlschrank, radar, autopilot und den navigationsgeräten verheizt werden.

20161219 bruchgenua

 

20161219 bruchmastfuss

 

Alle paar tage geht es unter die dusche, im schiff. Das ist ziemlich heikel, da dort nichts zum festhalten vorgesehen ist. Heute war wieder so ein tag, bei dreißig knoten wind, vier meter wellen und das schiffschlingern von süllrand zu süllrand. Allmählich bin ich profi, weil es heute ohne blaue flecke abging. Bin ich so froh, die dusch eingebaut zu haben.

Am morgen des zwanzigsten wurde erstmal wieder der wind eingestellt, mit der ganzen genua komme ich nicht auf zwei knoten und die dünung lässt das segel schlagen. Somit warte ich mal wieder auf den nächsten wind bei leichtem regen.
Ich bin mit den letzten tagen sehr zufrieden, außer dass mein lieblingsküchenmesser verschwunden ist. Der letzte tag hat über neunzig meilen erbracht und ich bin oder war schon wieder auf der roten route. Die erste gefährliche position habe ich auch passiert, dort geht eine ostströmung ab und ich will da einfach nicht hin. Die letzten fünf tage haben mich dreihundertneunzig meilen in richtung süden gebracht, das ist super. Der nächste wegpunkt ist nur noch siebzig meilen entfernt und in der mitte vom strömungsintervall der nächsten vierhundert seemeilen.

Seit dem letzten absatz sind vierundzwanzig stunden vergangen. Kaum freue ich mich über das gute reiseergebnis und dann kommt gleich die totale flaute. Das segel ist eingerollt, das meer ist flach mit ein paar langen wellen und kein wind. Es ist zeit, um kleinreparaturen durchzuführen und für das entspannende nichtstun. Die schwache strömung geht genau an der route entlang, ein sehr guter trost.

Am morgen des zweiundzwanzigsten war die flaute vorbei, zwei tage reichen mir auch. Der wind ist schwach, aber das segel zieht mit zwei knoten auf den nächsten wegpunkt. Passt also.
Das meer sieht hier nicht mehr so klasse aus, sehr viel plastik in verschiedenen verfallsstufen. Gestern habe ich noch eine portugiesische galeere gesehen, es war mehr ein rettungsboot. Viele luftblasen auf dem wasser sind gar keine, sondern kleine quallen. Die bilder davon sind leider nichts geworden.

Das mit dem wind war gestern nichts, eine stunde am morgen und am abend vier. Dazwischen war er zu schwach, um das segel stabil zu halten. Heute morgen sieht es besser aus, aber ich möchte nicht schon wieder den tag vor dem abend loben.
Mal eine denkaufgabe, damit es mal spannend wird: Zwei schiffe fahren aufeinander zu. Ein kleines segelschiff mit einem knoten und ein grosser pott mit einer größeren geschwindigkeit. Das radar des kleinen schiffs hat eine alarmzone von zwei meilen breite und es schaltet sich alle zehn minuten für eine minute an. Wie schnell muss das schiff sein, um unentdeckt ohne alarm durch die zone zu fahren? Und wie bekommt man schnell das adrenalin des skippers wieder auf normal null, wenn er im halbschlaf durch das motorengeräusch von der matratze hochgerissen wird? Er ermittelte die entfernung mit dem radar auf fünfhundert meter, nautisch ist das ganz ganz nah.
Währenddessen habe ich den wegpunkt fünf passiert und brauche noch vierhundert meilen, bis ich in den Rio de la Plata rechts abbiegen kann. Vielleicht schaffe ich es noch dieses jahr, am nächsten ziel Piriàpolis anzukommen, wenn nicht, ist auch gut. Nach genau einem monat auf see ist es nicht mehr entscheidend.

Weihnachten ist heute, warten auf die geburt des sonnenkönigs. Meine bescherung gab es schon gestern, denn es wurde plötzlich warm. Das hatte zur folge, dass ungefähr fünfzig fliegen das licht der welt erblickten und auch wieder verloren. Meine sorge ist nur, wo im schiff haben die sich entwickelt?

20161223 tote fliegen

 

Segeltechnisch war es ein guter tag, leider nur fünfzig meilen, da es nur mit rückenwind und bis zu drei knoten voran ging. Am abend gab es dann mal wieder einen farbenfrohen sonnenuntergang und dann folgte ein wetterleuchten ringsum. Nach dem kurzen regen hörte der autopilot auf zu arbeiten, er konnte den kurs nicht mehr erreichen. Der wind hat sich um hundertachtzig grad gedreht und so ist es auch heute morgen. Ein segelversuch ist gescheitert, mit motorunterstützung entweder südost in die zone der negativen strömung oder nach westen mit nordanteil. Erstmal ruhe bewahren und sich langsam nach norden treiben lassen, es wird sich ja irgendwann ändern.

20161223 sonnenuntergang

 

Alle meine frischen lebensmittel sind aufgebraucht, die letzte kartoffel habe ich heute morgen gegessen. Bis auf eine dose butter muss nichts mehr gekühlt werden und daher ist der kühlschrank abgeschaltet. Das wasser schmeckt auch so, da es draußen kälter wird, so wie das auf den weg in den süden der fall ist.

Nach dem morgendlichen kaffee sah es dann doch anders aus. Bei bis zu fünfzehn knoten wind lasse ich mich nicht treiben. Also habe ich zuerst den kurs mit mehr südanteil gewählt und mich langsam hoch am wind in die richtige richtung gekämpft. Nach vier stunden die erste wende und mit motorunterstützung kurs genau west, mehr ging nicht.
Diese zeit nutzte ich fürs wassermachen, wenn schon, denn schon. Nach ein paar stunden war schon ein leichter südwest kurs machbar und zum sonnenuntergang ein richtiger. Während woanders auf der welt die tannenbäume entzündet wurden, habe ich als präsent in der nacht den wind für meine weitere fahrt bekommen. Wieder von achtern, aber genau passend für meine route. Etwas besseres hätte nicht passieren können, und zum morgen hin gab es wieder wolkenlosen sonnenschein an diesen fünfundzwanzigsten Dezember.

Die leistungsbilanz der letzten fünf tage ist eher bescheiden, nur zweihundertdreißig meilen. Dafür fast alle in die richtige richtung und bei achterlichem wind ist auch keine rauschefahrt machbar. Das ziel ist, halbwegs heil anzukommen.

route dezember 2016 20-25

 

Gestern ging es noch einmal richtig ab, zuerst wechselte das wasser von ultramarin blau zu britishracing green. Dann nahm der wind leicht zu, und ich dachte schon an einen neuen rekord, denn am späten nachmittag ist das schiff schon teilweise über sieben knoten bei achterlichem wind gesegelt. Zur dämmerung habe ich gerefft, man weiß ja nie, und um zehn uhr drehte der wind, kam aus der anderen richtung und das segel wurde eingerollt. Dann morgens um vier gab es wind um vierzig knoten und ich war auf der sicheren seite.
Der regenschirm, den ich über dem eingang verankert hatte, ist in der nacht davongeflogen. Nach dem einrollen des segels wurde es noch richtig spooky. Ein gewitter mit blitzen und sonst war es stockfinster. Das schiff in fünf meilen entfernung konnte ich an den lichtern sehen, wenn es blitzte war es unsichtbar. Da es hier keine lichtverschutzung gibt, ist es so krass, von dunkel zu mal kurz hell.

Dann war da doch noch der gecko an der tür zur plicht. Anscheinend habe ich doch zwei an bord gehabt. Der eine ist in der plastikware mumifiziert gewesen, der andere lebt noch.

20161226 gecko

 

Heute ist der siebenundzwanzigste Dezember und ich wollte schon ganz woanders sein, zumindest ein stück weiter. Das ausrechnen wie lange noch, wie viele meilen, hat keinen wert, da es sich stündlich ändert. Gestern bin ich flott zwei stunden am morgen gesegelt und dann war es wieder einmal aus. Im verschiedene richtungen bin ich getrieben und erst am abend konnte ich wieder für zwei stunden die genua ausrollen. Danach das gleiche trauerspiel noch einmal, und am morgen war ich nach insgesamt vierzig seemeilen wieder am selben ort, wie am tage zuvor.

Somit konnte ich mich nochmals dem dieselgenerator widmen, es war schon der zweite tag. Das teil ist ein jahr lang nicht gelaufen und der start war ein wenig mühsam. Er lief schon am ersten tag, doch die auspuffwasserkühlung wollte nicht so recht. Zu guter letzt ist er heute morgen angesprungen, mit seinem anlasser. Vorgestern habe ich es auch mal von hand probiert und den motor von seinen silentblöcken gerissen, chinaqualität.

Etwas neues ist heute auch passiert, und das ist nicht das regnerische kalte wetter, sondern die erste walsichtung. Mit fontäne, pusten und schwanzflosse in die höhe zum abtauchen.

Noch drei tage bis zum jahreswechsel und am morgen schon wieder kein wind. Die nacht bis um vier uhr war schlummern im stundentakt angesagt, da ich die genua nicht gerefft hatte. Kurs und geschwindigkeit waren im rahmen, aber beim ersten leichten morgenrot hörte es auf und ein längeres stückchen schlaf konnte beginnen.
Das meer hat wieder auf blau geschaltet und das liegt nicht an der sonne. Im wasser sind hunderte von den portugiesischen galeeren, in ganz klein. Ich komme deren kinderstube immer näher, nur ablichten lassen die durchsichtigen quallen vom schiff aus sich nicht. So habe ich eine mit der pütz gefischt.
Vielleicht schaffe ich es ja bis silvester in den zielhafen, es sind nur noch zweihundertfünfzig seemeilen. Allerdings bei null wind eine distanz wie bis zum mond, wo wir auch noch nie waren.

20161228 qualle

 

20161228 qualle

 

Am morgen des neunundzwanzigsten das gleiche bild wie am tag zuvor, kein wind, flache see. Als ergebnis, dass ich gestern zwei mutige braune möven mit mariakeksen gefüttert habe, ist heute die ganze verwandschaft am boot versammelt. Geschätzte hundert vögel, zum glück will nicht jeder einen keks.

20161229 seevoegel

 

Seit gestern bin ich volle fünfunddreißig seemeilen zum ziel geschippert, etwas gesegelt, etwas mit motor und den rest treibend. Heute ist Donnerstag und somit wäre es nicht schlecht, erst nach neujahr anzukommen, denn dann haben die geschäfte wieder geöffnet.
Eine weitere unnette überraschung gab es heute morgen, leichte kohlenwasserstoffaromen im schiff. Zuerst vermutete ich eine durchgerostete verdünnerdose, doch es war der halbvolle zehnliterkanister mit benzin. Aus der backskiste über den schlauch in den duschsumpf hinein. Wahrscheinlich hat der alte gartenschlauch aber nicht stand gehalten und ein grosser teil ist in der motorraumbilge gelandet. Einen liter konnte ich noch aus dem kanister umfüllen, einen weiteren mit lappen und küchenpapier aufsaugen. Jetzt sind alle luken auf, um die gase entweichen zu lassen, une grande merde. Wenn ich schnüffler wäre, dann wäre heute mein glückstag.

Die sonne kam gestern heraus, der sprit ist fast leer und heute ist der tag des rechtsabbiegens. Nachdem ich die braunen möven gefüttert hatte, kam kein wind. Erst nach dem mittag konnte ich zwei knoten segeln, später drei. Am abend waren es schon vier und nach dem sonnenuntergang sogar fünf. Das war mir aber zu schnell, segel reduziert und nach einer kleinen winddrehung eingerollt. Ich will möglichst nicht von meiner route abweichen, es strömt unschön um mich herum.
Das segelergebnis der letzten fünf tage mit der vielen flaute ist ok. Ich konnte mich im intervall zwischen den blauen linien bewegen und blieb nah an der route. Nur um den sechundzwanzigsten herum, bin ich im kreis gefahren. Aber ich bin insgesamt zweihundertneunzig meilen gesegelt und zweihundertfünfzig davon in die richtige richtung.

route dezember 2016 25-30

 

Gestern war wieder ein schöner segeltag, der wind fing langsam an und hielt sich bis zum fünfuhrtee. Das reichte aber, um den wendepunkt sechs abzukürzen und auf Uruguay zu halten. Am abend kam wieder ein idee von luftbewegung, die ich für die nacht nutzte, irgendwie mit dem verkleinerten segel in die grobe richtung. Dabei gab es am nachmittag einen druckabfall von acht hPa, der starke wind blieb aber aus.
Am silvestermorgen zeigt die windanzeige zwar drei windstärken an, aber mit der dünung geht fast nichts und die sicht ist feucht trübe. Mit einen glas schampus auf das kommende jahr anzustoßen, muss ausfallen, denn seit zehn tagen ist kein sprit mehr an bord, gut so.
Die zweite bohnensuppe habe ich gleich im drucktopf angesetzt und nach neunzig minuten ein leckeres ergebnis erzielt. Ich bin froh, mir dieses teil in Sassnitz gegönnt zu haben.
Eine weitere baustelle habe ich gestern als solche festgestellt, nicht dass ich den rost seit Guayana übersehen hätte, aber bei näherer betrachtung ist da ein kleiner riss an der oberwantaufnahme an deck. Wie schön, dass hier die schwächste stelle im system ist und keine want gerissen ist. Also muss ich die stelle aufflexen und neu verschweißen.

20161231 riss wantenaufnahme

 

Silvester ohne geknalle, keine raketen und ohne kotzendes volk auf den straßen. Geht doch. Was nicht so recht will, ist der wind. Ich bin sehr froh, dass das abbiegen so gut funktioniert hat und dass ich danach noch ein stück in die strömungsarme zone gesegelt bin. Seitdem ist eine nicht segelbare flaute, wind bis zwei stärken. Die spitzen davon kann ich ein wenig nutzen, beim rest wird die genua verkleinert und stramm gezogen, damit sie nicht unnötig schlägt. Damit, und mit einer motorstunde für die batterien schaffe ich dreißig meilen am tag.
Das neue jahr fängt auch mit einer unliebsamen erscheinung an, nebel. Kein wind, keine sicht und das radar schaltet sich alle zehn minuten an, um nicht von einer verirrten Titanic überfahren zu werden.
Die letzten hundert meilen sind oft die schwersten, diesmal wohl auch. Bis jetzt habe ich mich nur fünfzehn meilen von meiner route entfernt, und wenn ich das richtig kalkuliert habe, wird mich der küstenstrom wieder dorthin spülen. Zur zeit sieht es so aus.

stroemung uruayg

 

Bin ich vielleicht genervt, das neue jahr fängt sicherlich gleich mit einer höheren geldausgabe an. Vor ein paar tagen habe ich noch mein radar gelobt und nun ist es hin. Ich habe vorgestern ein reset durchgeführt, da ein wichtige funktion nicht mehr anwählbar war. Es hat sich trotzdem nicht viel geändert und im diagnosesystem wird ein antennenstatus von ‚nicht gut’ angezeigt. Somit bin ich dreimal in den mast, eine lesebrille ging dabei über bord und fast auch mein schraubenschlüssel. Keine änderung, kein defekt optisch erkennbar.
Die letzten nächte bin ich also, ohne es zu ahnen, blind gefahren. Gemerkt habe ich es heute mittag als ich den riesigen tanker gehört und gesehen habe, aber nicht auf dem radarbild. Grande merde deux.

Zweiter tag im neuen jahr und für mich eine schlimme nacht. Es schläft sich kaum im stundentakt, zumal im kopf das fehlende radar permanent alarm sendet. Somit komme ich auf vielleicht vier stunden ruhe.
Dabei gab es guten wind mit der halben genua ging es richtung der zielgeraden. Am morgen hat der wind leider auf südost gedreht, jetzt ist er achterlich mit einer kreuzsee. Das segel steht nicht gut und somit läuft Mr Perkins im standgas, um eine mindestgeschwindigkeit zu halten. Noch sind es fünfzig meilen bis zum hafen, es könnte funktionieren.
Das meer ist seit tagen grün und die schmutzanteile erhöhen sich, je näher ich an die küste komme. Einen hai habe ich gestern sehr nahe beim schiff gesichtet, der muss sich noch gedulden.

Zum mittag hin ist der wind eingeschlafen, für wind von hinten ist eine schwache drei zu wenig. Deshalb habe ich umdisponiert und werde die kleine insel Gorriti vor Punta del Este ansteuern. In meinen gesammelten seeinfos habe ich einen ankerplatz an der ostseite ausfindig gemacht. Dann sind es morgen noch einmal zwanzig seemeilen und ankunft am tage.

Die insel sieht nicht so aus, wie in den beschreibungen, und so habe ich mich am norden der insel zu den ausflüglern hingelegt. Der platz ist so gewählt, dass, wenn ich mit dem wind treiben sollte, es in den Rio de la Plata gehen würde. Der wind am morgen begrüßt mich auch mit dreißigplus knoten und ein paar hundert meter vor mir hat ein kreuzfahrtschiff seinen anker geworfen. Diese stadt an der mündung sieht scheußlich aus und besteht aus über hundert hochhäusern, alle über fünfzehn stockwerke.
Jetzt noch den morgenkaffee, dann ankerauf und segel raus für das letzte stück.

Für dieses letzte stück von achtzehn meilen habe fast acht stunden gebraucht. Morgens wurde das schiff vom salz befreit, ging recht schnell. Dann ankerauf und lossegeln, zuerst bei fünfundzwanzig, dann über dreißig knoten. Alles super, nur auf der argentinischen seite braute sich ein heftiges gewitter auf.
Aber der wind stellte auf dem halben weg die arbeit ein, also motor an. Dann kam der hauptwaschgang salzentfernung, wind mit regen um fünfundvierzig knoten vom land her. Der autopilot konnte nicht mehr den kurs halten, das schiff war zu langsam. Danach nur regen und plötzlich das ganze nocheinmal, diesmal vom meer her, aber mit fünfzigplus knoten. Da kommt man schon ins schwitzen bei der legerwall situation. Die regenkleidung, die ich angezogen hatte, half nicht mehr, die war von außen und innen durch.
Als der wind sich verzogen hatte, kochte nur noch das wasser und den hafen habe ich bei trockenem wetter erreicht. Was für ein kurztrip.

route januar 2017 01-03

 

Für die geplante strecke von zweitausendzweihundertundfünfzig meilen habe ich nur zweihundert mehr gebraucht. Die planung mit der strömung war sehr hilfreich, trotzdem hat diese reiseetappe einundvierzig tage gedauert. Das lag wohl auch an dem fehlenden großsegel und daran, dass ich in einem rutsch durchfahren wollte.

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Brasilien Ahoi

Das ankommen war so einfach, aber ich war zu spät dran, es war dunkel und so habe ich mein eisen vor der marina in den fluss geworfen. Am nächsten morgen kam ein mitarbeiter der marina mit dem boot hinaus und fragte, ob ich einen platz brauche. So habe ich mich zuerst außen an den stegkopf begeben und zwei stunden später haben die mitarbeiter mein schiff per hand umgelegt und ordentlich festgebunden. Als letztes schiff am anleger habe ich freien blick auf den fluss und kann das auch in deutschen eingruppierungen als großstadt geltende häusermeer João Pessoa sehen.

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

Gestern habe ich beschlossen, nur maximal zwei wochen hier zu bleiben und die reparaturliste abzuarbeiten. Der segelmacher war schon da und hat die sprayhood mitgenommen und heute wird er das großsegel mitnehmen. Das gute ist: er ist deutscher, also keine kommunikationslücken im auftrag.
Auch werde ich nicht einklarieren, das ist mir zu aufwendig und zeitraubend. Die strafe beträgt umgerechnet zwei euro pro tag und für maximal neunzig tage. Zu drei verschiedenen behörden in der stadt zu laufen, vorher im internet ein formular auszufüllen, dann noch einen vermögensnachweis zu erbringen und danach das ganze noch einmal zum ausklarieren zu wiederholen – all das kostet, wenn es gut geht, zwei tage. Zwei tage zuviel.

Meine reiseroute hat hier eine gewisse verwunderung und staunen ausgelöst. Es passiert nicht oft, dass jemand aus Guayana angesegelt kommt. Laut dem segelmacher waren es drei wagemutige in den letzten fünfzehn jahren, ich bin der vierte. Auch würden andere skipper hier ankommen, das boot noch festmachen und dann vor erschöpfung umfallen. Solch eine segelei würde mir ja stinken, da läuft wohl etwas schief.

Am Do war ich dann mal etwas einkaufen gegangen, den lokalen supermarkt habe ich nicht gefunden und kam dann nach einer halben stunde fußmarsch im hochhausviertel auf der anderen seite der landzunge an. Und schon wieder keinen plan gehabt, was ich kaufen soll, also gemüse nach lust und qualität und verschiedene sorten bier zum testen. Bezahlen konnte ich mit karte, ich habe bis jetzt noch keine reals. Der einzige geldautomat, den ich gefunden habe, wollte umgerechnet sieben euro gebühren haben, geht’s noch?

Und dann gibt es noch den ersten eindruck von einen neuen land. Ein bisschen wie die Kapverden, die straßen und die häuser der armen bevölkerung sind heruntergekommen. Die autos sind alt, entweder volkswagen, datchia heißt hier auch renault, oder ein asiatisches fabrikat. Aber am häufigsten ist das vw-logo an den fahrzeugen und auch den lkws zu sehen.
Es ist dreckig, weggeworfener müll in form von plastikflaschen und getränkedosen. Ich habe noch keinen öffentlichen mülleimer gefunden, bin wohl die falschen wege gelaufen. Zudem verbrennen die leute den müll und der geruch von verbranntem plastik wabert durch die luft bis zum schiff, nicht gut, nicht lecker.
Dann ist dieser ort wohl auch zum ballermann der gegend geworden, von morgens bis spät abends wird man mit musik beschallt. Dreihundert meter weiter legen die sauf- und tanz-katamarane ab und schippern den fluss entlang, mit lauter musik und animateuren. Der mann mit dem saxofon auf dem kanu und der ewige bolero von Ravel, ebenfalls täglich dargeboten, gehören hier noch in eine alte zeit. Gehört habe ich ihn schon, gesehen aber noch nicht. Heute ist Freitag, mal sehen was hier am wochenende abgeht.

Die marina gefällt mir bis jetzt, da ich noch keine preise bekommen habe. Alles funktioniert, wlan ist vorhanden und das personal ist freundlich und hilfsbereit. Sie werden mich auch mit diesel versorgen, mit sauberem. Hier gibt es auch eine billige variante, versetzt mit ethanol und aufbereitetem altöl. Das würde ich ja auch fahren, der motor verträgt es, aber die einspritzpumpe vielleicht nicht. Eine weitere baustelle dieser art kann ich gerade nicht gebrauchen, denn sie geht dann bestimmt in der einöde weit weg der nächsten zivilisation kaputt.

Am abend ist es erstaunlicherweise recht ruhig, nur drei verschiedene gleichzeitige beschallungen, davon einmal livemusik. Auch den menschen in Brasilien geht es nicht mehr so gut wie noch vor ein paar jahren. Den putsch des präsidenten nehmen die leute einfach hin. So wird es einigen jetzt wohl besser gehen und die masse wird dafür bezahlen.

Mein arbeitspensum war heute, fünfmal auf den mast zu klettern. Die fallenabweiser, die ich zwischen den maststufen gespannt hatte, waren nicht ganz erfolgreich in ihrer aufgabe. Also alles wieder abgetüdelt und neu verspannt zwischen der oberwant und den stufen. Einmal das großfall in den stufen haben und schon ist ärger angesagt. Dann noch am besten bei sieben windstärken bis über der ersten saling da hochklettern, danke muss nicht mehr sein.
Auch habe ich das großfall gepimpt. Wie schön, dass ich mich in deutschland noch mit seilen eingedeckt hatte. Eine ganze fünfzigmeter rolle ging dafür drauf. Der segelkopf bekommt eine umlenkrolle, und ich hoffe, das ganze groß mit der hand hochziehen zu können, mal sehen.
Danach habe ich noch die leinen im baum optimiert und beim zweiten reff war ein schäkel gerissen. Erstaunlich, was für kräfte im gerefften zustand auftreten können.

20161115 reffschaekel

 

Es ist noch immer wochenende und die leute sind, anders als befürchtet, dann doch gemäßigt, abgesehen vom lärmterrorismus. In der ruhigen zeit habe ich weitergearbeitet, in form von wäsche waschen. Mein kleiner waschsalon baut auch ab, die abpumppumpe will nicht mehr so recht. Mindestens zwölf mal habe ich das gute stück aus der maschine gepult, auseinander geschraubt, wieder zusammengesetzt, getestet und für gut befunden. Jedoch nach dem einbau und mit wasser in der maschine will das gute stück die aufgaben nicht erledigen, für die es gebaut wurde. Die lösung ist, dass ich das gerät zukünftig in der plicht aufstelle und das abwasser nur rauslaufen lasse. Ärgerlich, da das heiße wasser unten in der kombüse ist. Also muss das zeug im eimer nach oben.

Die nächste baustelle ist nicht so banal: cash. Ich bin aus europa raus und brauche zahlungsmittel, heutzutage über kreditkarte der gängige weg. Nur zu dumm, wenn ich den pin von der einen karte nicht dabei habe und die andere gerade gekündigt ist. Da klafft eine lücke und die will gefüllt werden. Ich sehe mich schon abgerissen mit einer pappschachtel in abgelegenen orten der  welt um geld betteln, obwohl ich welches habe. Also erste erfahrungen sammeln für ein zukünftiges bargeldverbot.

Das wochenende war letztlich nicht so schlimm, wie erwartet. Nur warum müssen die jungs mit den motorbooten die nacht durchmachen und vor sonnenaufgang dann ihre musikanlage auf dem schiff aufreißen? Ansonsten viel verschiedene musik, alles gleichzeitig und noch mehr partyboote.
Ich habe mir am So eine plane für die plicht genäht. Die pfaff war am anschlag bei zweifach- oder dreifach-lagen. Immerhin ist es eine fünfhundertgramm lkw-plane gewesen, die schon während der bauphase das schiff abgedeckt hatte. Es ist nicht sehr schön geworden, aber so, wie ich es mir auf der letzten reise ausgedacht hatte.

20161115 cockpitplane

 

20161115 cockpitplane

 

Mein großsegel ist auch fertig genäht, in so ein teil fließt mit der zeit auch viel reparaturgeld hinein. Ich sollte vorsichtiger damit fahren. Das installieren ging diesmal in zwei etappen bei wenig wind. Und da die sonne hier sehr intensiv ist, musste auch der bag ums segel herum. Jetzt fehlen nur noch die gasflasche und der diesel, ein großeinkauf, dann kann es weiter gehen.

Seit einer woche bin ich nun hier und schon alles abgearbeitet, es könnte also losgehen. Gestern war ich mit dem fahrrad zum Carrefour unterwegs, ein kleines abenteuer am rande der sechspurigen bundesstraße bei viel wärme. So richtig warm uns herz ist mir in dieser region nicht geworden. Der supermarkt war auch enttäuschend, da ich die erwartung aus Guayana im kopf hatte, verwöhnter bengel. Nur die neuen autoreifen im laden haben mich umgehauen. Ich brauch nur leider keine. Die preise lagen bei sechs bis zwanzig euro das stück. Den rest bekomme ich auch hier im nächsten ort.
Als ich wieder auf dem schiff war, musste ich erstmal duschen, durchgeschwitzt und erschöpft.

Am abend habe ich meine zehn kanister, ex küchenessiggebinde, vor meinem schiff entdeckt. Also nicht so, wie gedacht, dass jemand mit dem tankwagen oder ähnlichem kommt. Der marina geht es wohl nicht mehr so gut, hatte ich doch den einen chef mit diesen kanistern schon gesehen. Na gut, alle aufs schiff gehieft und heute morgen in meinen tank gefüllt. Schlauch mit va-rohr in den kanister, mit folie das ganze zugehalten und mit der luftdruckpistole luft hinein, bis der saft raus läuft. Die gute seite an der aktion, es ging kaum etwas daneben und alles wurde durch meinen trichter gefiltert.
Und dabei dann noch einmal glück gehabt, mit dem letzten kanister habe ich die tanks geflutet und dabei den tagestankdeckel offen gehabt. Mache ich sonst nie, nur heute. Der tagestank war dann auch randvoll, über die entlüftungsschläuche wurde er verfüllt. Hätte auch mit dieselüberlauf und dauerndem gestank im schiff enden können.

20161117 betankung

 

Vor dem letzten kanister wollte ich vorsichtshalber auch ein blick in meine diesel-excel-liste werfen, wie viel denn genau in den tank hineinpasst. Hat aber nicht gefunzt, morgens noch den skypetermin mit der heimatfront vereinbart und nun will der rechner nicht mehr booten, weil eine bekloppte windowsdatei kaputt ist. Ja ich weiß, ubuntu, aber mein konzept geht auch. Nur es hat bis zum späten mittag gedauert, bis das backup auf dem rechner war, ich brauche diese aufgaben nicht wirklich.

Der Fr war wieder einmal zum einkaufen für das wochenende, danach noch ein paar bezüge für die sitzkissen in der plicht erstellt und am nachmittag socialising. Ich wurde von den beiden der ‚out of rosenheim’ zur brotzeit eingeladen. Gegenseitiger informationsaustausch bei kühlem bier und snacks. Sie stehen hier an land und haben eine sehr lange liste, meine ist dagegen ein kleiner spickzettel.
Deshalb auch ein nachtrag zu den reifen im supermarkt. Auf den angeboten steht dann ganz klein x10 oder andere größere faktoren. Verbraucherfreundlich ist das nicht, da müsste ich die brille ja ständig auf der nase tragen.

Am Sa ein ausflug in die große weite welt und das ganze mit dem zug. Auf dieser strecke wird bereits ein relativ neuer triebwagen eingesetzt, die alte diesellok mit den offenen fensterwagons läuft aber auch noch. Die auf gewinnmaximierung ausgerichteten geld-und-profit-lehren scheitern hier, man zahlt am bahnsteigeingang seine höchstens zwanzig cent und kann mit dem zug fahren. Meinen anteil an den betriebskosten inkl. klimaanlage habe ich bei den drei stationen wohl nicht gedeckt, dafür können die leute aber in die stadt fahren.

20161119 joao pessoa neuer zug

 

Die altstadt von João Pessoa habe ich mir erlaufen, wollte eigentlich nur mal schauen. Damit das ganze auch sinnbehaftet ist, wollte ich garneinfädler für nähnadeln kaufen und eine mütze mit nackenabdeckung, weil ich mir den auch schon verbrannt hatte.
Die gewerke sind lokal aufgeteilt, also keine mischung der geschäfte, gleichzeitig wettbewerb und kundenanzugmaximierung. Also für verbraucher recht freundlich, man muss nur wissen, wo gibt es was. Straßenzüge nur mit matratzen, danach welche mit bezugsstoffen, vereinzelt sattler und danach eine straße für kochtöpfe. Es folgen nach den musikinstrumenten die lautsprecherboxen, dann hundert meter frauen, die mit einer handtasche auf den bus warten. Dazwischen kleine imbisse, haufenweise handyhüllenläden, radkappenläden mit reifenverzierung. Klamotten in einem viertel, weihnachtsbaumschmuck und chinaschrott in einem anderen, aber leider keine gegend für nähmaschinen.

Den richtigen laden habe ich dann doch gefunden, ich habe eine fragephobie und irgendwie ist es so spannender. Im laden gab es größeren erklärungsbedarf, um nadel, faden und dafür einen einfädler zu bekommen. Dann habe ich auf dem tresen einen gesehen und wollte gleich mal fünf davon, meine augen werden schlechter. Der verkäufer klickte im computer, zog dann eine der vielen schubladen hinter sich heraus, gab mir fünf und einen zettel mit darauf geschriebenem preis von fünf real. Mit diesen musste ich dann zur frau an der zentralen kasse laufen und bezahlen. In diesen ganzen geschäften läuft es so, es sind viele dort beschäftigt für kleines geld. Im schuhgeschäft oder elektroladen sind locker zehn verkäufer und das bei vierhundert quradratmeter läden, kein riesiger walmart.

Danach habe ich mich in eine markthalle für unterwäsche, rucksäcke, shirts und mützen gestürzt. Bei dem ersten stand mit dem fragenden verkäuferblick habe ich versucht zu erklären, dass ich eine mütze mit nackenschutz suche. Kein problem, stange gegriffen und ein bündel von der decke gezogen. Dann noch die suche nach der passenden größe und voilà, preis ohne handeln akzeptiert, der kleine familienbetrieb auf zwei quardratmeter soll ja auch vom kaufpreis von fünfzehn real leben können, nur was bleibt da übrig.

Auf dem weg zurück zum bahnhof ist mir noch eine kirchliche sekte begegnet, die wasser in der hitze verschenkt hat, gern habe ich es angenommen. Wobei die menschen sich hier wie schweine benehmen, keine mülleimerkultur. Einen meter vor der mülltonnen wird der dreck in die gegend geworfen. Die straßenfeger haben so zwar auch einen job, aber es muss ja nicht noch gefördert werden.
Auf dem weg zum bahnhof gab es dann noch eine kuriosität, eine gasse der scherenschleifer, zehn betriebe auf hundert metern.

Die gebäude, die mich berührt haben, waren die im verfall begriffenen. Auch die hochhäuser sind meistens leer, die basis bröckelt und viele neubauten in der umgebung sind nur rohbauten. So richtig schön und bewahrt war ganz wenig.

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

Als ich am bahnhof angekommen war, zuvor noch durch die bad- und elektoabteilung der stadt hindurch, fuhr am Sa kein zug mehr. Besser ich hätte mal den fahrplan genauer gelesen.
Ein mitarbeiter der bahngesellschaft sagte mir die fünfstellige busnummer nach Jacare und ich habe, nach zwanzig minuten des wartens schon überdrüssig, den vierstelligen bus in meine richtung genommen. Die letzten zwei kilometer dann noch zu fuß.
Vielleicht noch ein kapitel zu busfahrern, hier müssen sie noch schalten, also locker zweitausend gangwechsel am tag oder mehr, das linke bein das einer winkerkrabbe, dabei noch im fahren kassieren, wenn kein ticketverkäufer im bus sitzt, und gleichzeitig auf den freilaufenden verkehr achten. Die straßen sind so schlecht, aber kein geschimpfe, kein gehupe und keine pöbeleien. Das ganze ohne klimaanlage und nur ein handtuch über dem fahrersitz. Ich vermisse Berlin nicht wirklich.

Von den neunzig millionen barrel öl pro tag, den die menschen global täglich verbrauchen, gehen zehn prozent in die plastikindustrie. Ich bin wohl noch nicht weit genug aus der behüteten gesellschaft heraus gekommen, aber hier sehe ich, welcher mist produziert wird, versucht wird, an den konsumenten zu verticken, und wo es dann landet. Keine schöne perspektive für diesen planeten.

Einen ausflug zur landspitze nach Cabedelo wollte ich zuerst mit dem fahrrad machen, doch die bahn ist einfach zu günstig. Außerdem ist es ein reiseabenteuer, da schaut man die mitreisenden an und versucht keinen körperkontakt zu bekommen. Die läuse anderer sollen bitte dort bleiben.
Cabedelo ist ein vergitterter ferienort mit fliesen von der hauswand über die hohe mauer und bis zur strasse hin. Nicht mein ding, wie in der schlachthalle. Ich bin nach gefühl zum strand gegangen und habe ein schönes plätzchen gesucht. Vereinzelt gibt es palmen, und wenn die kokusnüsse nicht nach sofortigem abfallen aussehen, kann man sich niederlassen.
Aber man sitzt in einer müllhalde, in den resten der fliesenarbeiten, plastikflaschen und den letzten zwanzig grillabenden. Schön wäre ein ostseestrand mit diesem türkisfarbenen wasser und den palmen.

20161121 Cabedelo strandweg

 

20161121 Cabedelo meer

 

20161121 Cabedelo meer

 

Nach einer stunde bin ich dann wieder querdurch zum bahnhof zurück, vorbei am bahngelände. Die haben noch großes vor, die bahnschwellenberge sind aber schon von der natur erobert worden. Auch sehen die wagons ziemlich mitgenommen aus, kurz vor der verschrottung. Die endhaltestelle Cabedelo hatte mal eine weiche, so dass die lokomotive wieder zum anfang der zuges fahren konnte. Warum diese nun entfernt wurde, ist mir ein rätsel, so braucht man zwei lokomotiven für diesen zug auf der eingleisigen strecke. Auch war früher der hafen an die bahn angeschlossen, hier ändern sich die zeiten. In der bahnhofswartezone musste man bis zur schalteröffnung warten, ich am tisch mit einem großen kalten bier.

20161121 Cabedelo lokomotiven

 

20161121 Cabedelo bahnhof

 

20161121 Cabedelo bahnschwellenberge

 

20161121 candela alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo bahnhofwartezone

 

Ich muss jetzt nur noch den großen einkauf, diesmal mit liste, erledigen, das schiff seefest machen und dann morgen oder übermorgen ablegen. Der nächste halt ist Pirapolis in Uruguay, in der kürzesten entfernung von zweitausendzweihundert seemeilen. Hoffentlich diesmal ein wenig schneller, zum jahresende sollte ich dort sein.

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Back to the route

Für diejenigen, die keine zeit haben: ich bin in Brasilien angekommen, sonst wäre dies ja auch nicht zu lesen. Die geplante route von zweitausendreihundert meilen wollte ich mal schnell segeln, hat etwas länger gedauert, die tücke liegt im detail. Also besser das ganze elend von anfang an beschrieben.

Nachmittags um drei habe ich den ankerplatz verlassen und am ende des bojenweges die segel gesetzt. Mein geplanter weg liegt auf dem kurs von fünfzig grad, leider konnte ich nur bis zehn grad segeln. Ok, hauptsache die richtung stimmt grob. Bis morgens um halb sechs hatte der wind jedoch so gedreht und dann aufgehört, dass der motor mal an musste. Schöner mist, ich bin die ersten neunzig meilen in die falsche richtung gesegelt, an den Iles de Salut vorbei und schon fast wieder am Maroni angekommen. Hin ging superschnell und der weg zurück ist mühsam. Ab neun uhr kam dann wind und mit drei knoten geht es zurück. Mindestens einen tag verloren.

Aus den erfahrungen des ersten tages habe ich am morgen des zweiten eine plane über der plicht gespannt. Ich habe hektoliter sonnenmilch dabei und aus unachtsamkeit nicht benutzt. Krebsrot sitze ich nun im schatten und beobachte das langsame schiff. Der umweg hätte nicht sein müssen, zumal die strömung dort nicht für mich war. Ansonsten gab es gestern nur einen schauer und das meer ist freundlich zu mir. Am späten abend werde ich hoffentlich am wegepunkt nummer eins sein, wenn es weiterhin mit drei knoten voran geht. Und zu guter letzt funktioniert auch die logge seit gestern, somit sehe ich, ob ich gegen oder mit dem strom fahre, hurra.

20160930 sonnenregendach

 

Die dritte nacht war bisher die beste, der schlafrythmus stellt sich mit dem backup-eierwecker ein. Alle stunde stehe ich auf, rundumblick, richtungskontrolle, speed. Bei meiner schneckengeschwindigkeit muss es nicht öfter sein.
Und jetzt beginnt die zeit der umkehrer und abbrecher. Ich fahre hoch am wind so gut es geht. Heute morgen war ich auf der höhe meines ersten wegepunktes, nur leider vierzig seemeilen versetzt. Die wellen kommen aus der gleichen richtung wie der wind, also ekeliges gegenan. Hat das schiff ein wenig speed, so bremst es sich in der übernächsten welle ab, kursabfall und dann wieder anlaufen. Ich komme so nur auf drei meilen pro stunde.
Eigentlich hätte ich rechts abbiegen sollen, aber dort kommt genau der wind her, also weiter geradeaus, kurs nordost.

route september2016

 

Meine vier besucher heute nacht machten im anflug einen ziemlichen lärm, und auch wenn der sitzabstand stimmte, gab es gezeter. Nach meinem ernergischen aufruf war dann ruhe. Meiner bitte nachzukommen, das schiff nicht als wc zu benutzen, fanden sie überflüssig. Da waren mir doch die ersten delfine gestern abend lieber.

An diesen vierten tag auf see kommen auch die passenden beine wieder. Nicht dass ich nicht essen könnte, nur das kochen fällt mir schwer. Der herd ist kardanisch am anschlag und so gab es rohkost, kartoffeln, möhren, paprika. Geht auch mal.

Der abend der fünften nacht begann schon nicht gut, gerade den wecker nach dem sonnenuntergang gestellt und ein licht am horizont ausgemacht. Nach über einer stunde war der dampfer endlich vor meinem bug durch, zu weit, um etwas erkennen zu können.
Dann kam der erste schauer von vielen und so blieb ich unter deck auf dem fußboden. Am morgen zuerst kein wind und flatternde segel, danach ein wenig motort. Dann kam recht viel wind, kurz vor dem reffen. Das hat schon geschlaucht. Und nach fünf tagen bin ich gerade netto zweihundertfünfzig meilen von der marina entfernt. Sehr mühsam das ganze.

Doch weiter. Die letzte nacht war auch wieder eine zum vergessen. Am abend hatte der wind noch gedreht und das schiff mit, ein südkurs. Aber nur für kurze zeit und dann war windstille, alle segel runter. Dann begann das, was ich zuvor auf der ganzen reise zuvor nicht hatte, heftigste regenschauer. Da ich den sonnenschutz nicht abgenommen hatte, regnete es auch nicht ins schiff hinein. Das ging mit unterbrechungen bis in den morgen hinein. Meine vier gäste waren auch wieder mal zu besuch.
Dann ging die sonne auf und um mich herum drei aktive regengebiete. Die frage war nicht welches, sondern in welcher reihenfolge sie mich erwischen sollten. Dazu kein wind, und so wurde die strecke von gestern nachmittag durch treiben wieder vernichtet.

20161003 heftiger regen

 

20161003 heftiger regen

 

Vor genau zwei jahren ist mein mast heruntergekommen. Bis auf meinen fertigen kaffee heute morgen, der sich durch heftiges schaukeln gelöst und ins cockpit ergossen hat, ist bis jetzt noch alles ok.

Die nächste nacht war ebenfalls ohne wind und regen, ruhiges schlafen im cockpit. Die besucher waren wieder da, leider sehr lichtscheu oder nicht ablichtbar, vielleicht später. Der wind stellte sich erst am morgen ein und war schwach. Aber mit der goldader von zweieinhalb knoten strom sind bis zu fünf knoten über grund machbar. Das ganze leider nur bis zum mittag, dann der ganze flautenfrust von vorn.
Ein neuer gast hat sich wieder gezeigt, ein kleiner gecko, den ich schon in der marina beim leinenaufräumen gesehen hatte. Mal sehen, wie lange er sich von den anderen ungebetenen gästen ernähren kann.

20161004 besucher

 

Zum abend hin wurde es dann spannend, der wind war brauchbar. Das abendessen war geplant, doch dann zog es sich von hinten und seitlich zu, richtig fett dunkel. Also flucht nach vorn. Doch dann wurde die andere seite auch noch schwarz und die einzige fluchtrichtung war süden. Das essen wurde von bratfisch zu kochfisch umdisponiert, alle luken zu und regenklamotten bereitgelegt.
Kurz nach dem sonnenuntergang hat es mich dann doch erwischt, sehr nass und teilweise zu viel wind. Nach einer stunde habe ich dann die segel in einer günstigen minute gestrichen. So gut es ging festgebunden und unter deck. Haut ist wasserundurlässig, trocknen musste ich mich trotzdem.

route oktoberber2016 01-05

 

Was für eine nacht, ein schiff in fahrt mit wellen geht, naja. Aber ohne fahrt auf dem meer ergibt es eine sehr schlechte nacht.
Heute habe ich mal vor dem dunkeln werden gerefft und warte die nacht ab. Das regengebiet ist durchgezogen und auf der rückseite war heute gutes segeln, ein stück weiter zum ziel.

Da ich das gleiche spiel am nächsten abend nicht noch einmal verlieren wollte, habe ich zuerst gerefft und später das groß wieder herunter geholt. Die genua habe ich auch verkleinert, wollte ich doch schlaf finden. Meine augenringe sollten auch mal weggehen.
So um mitternacht habe ich dann die linie von der herfahrt überschritten, kam mir die gegend doch gleich so bekannt vor. Auch die wasserpflanzen von der herfahrt sind wieder da.

20161004 wasserpflanzen

 

Am morgen dann ernüchterung, schlechter kurs, wind bis fünfunddreißig und regen. Da kommt dann wieder der fragensteller, wieso, weshalb und warum. Aber dafür alles in warm.
Ein wenig experimentiert und der autopilot steuert richtung süden, mehr geht nicht. Die stuka am heck ist soundmässig auf der startbahn und macht fünf ampere. Soweit alles gut und das kaffeekochen geht gaaaaaanz vorsichtig, bewegt sich doch die küche dreidimensional.

Nur noch zweihundert meilen bis zum nächsten wegepunkt.

Was haben eine bananenstaude und ein kühlschrank gemeinsam? Nun, es wird alles zur selben zeit reif. Mein kühlschrank hat das kühlen eingestellt, obwohl meiner meinung nach genügend strom vorhanden ist. Somit ist das eisfach mit einem kilogramm bräuler und fisch aufgetaut. Jetzt muss ich alles schnell verarbeiten und essen. Nicht so, wie ich das geplant hatte. Eine kühlbox wäre wohl doch etwas praktischer gewesen.

Dafür liefen der letzte tag und die nacht recht gut, schlafen ging draußen und das schiff hat seinen eignen kurs gefahren. Ohne hilfsmittel, zuerst fast nach ost und am ende nordost. Also in der früh eine wende und das ganze in die andere richtung. Nur auf dem steuerbordbug geht es nicht so einfach, da muss die windfahne helfen. Ich zähle schon nicht mehr die tage, heute ist der achte oktober.

Und es war auch der erste tag mit fundstücken. Vier tote fische an deck und ein kleiner tintenfisch. Dafür aber auch ein abgang durch die wellen, mein rumpfreiniger, den ich noch nie gebraucht habe und seit anfang an mitschleppe, adios.

Die tage verauschen und nichts wirklich neues passiert. Mal ein schiff am horizont, der mond ist wieder da und die besucher scheißen das deck zu. Nach der windigen zeit der letzten tage kommen jetzt die gemäßigten, leichtes segeln.
Meine gedanken zu Patagonien, es wird eng, zu mindest zum jahreswechsel. Es wird sich zeigen, wie viel zeit noch für das schiff aufzuwenden sein wird. Das nächste ziel ist erstmal Jacare, vielleicht eine alternative zum nachdenken.

Heute ist der zehnte, bis gestern abend war alles gut und es kam freude auf. Der wind drehte für die richtige richtung sehr freundlich, die fahrt war geschwind und das essen war schon vorbereitet. Ein blick auf das groß und aus die maus.
Die beiden rutscher vom segelkopf waren nicht mehr verbunden. Mein versuch von vor drei wochen, das ganze mit kleinen seilen zu realisieren, ist gefloppt. Also segel runter, festzurren und nur mit der genua weiter. Repariert wird bei schwachwind.
Nur nun passte es auch nicht mehr mit dem wind und dem kurs. Die rote linie habe ich fast rechtwinklig überschritten und im morgengrauen eine wende gefahren.

Dafür habe ich den wegepunkt zwei um hundert meilen übersprungen, bis zum nächsten sind es noch vierhundert. Aber nur, wenn ich genau auf der strömungsneutralen roten linie bleibe, also zur zeit eine illusion.

route oktoberber2016 05-10

 

Kann man schlimme nächte steigern? Man kann. Die abendessenvorbereitungen für asiatische bratnudeln liefen noch ganz gut, der restliche fisch kam olfaktorisch nicht weit und musste wieder schwimmen lernen. Also vegetarisch kochen mit herd am anschlag, heiß und fettig.
Der wind frischte auf, der kurs war super und das essen gab es im cockpit, allerdings schon sitzend auf dem boden. Danach noch schnell abwaschen, denn so etwas rächt sich in der nacht oder am nächsten morgen.
Die genua verkleinert und der wind nahm weiter zu. Bei fünfundzwanzig knoten habe ich dann das groß geborgen, genua verkleinert. Das war bis jetzt alles gut und ich beglückwünschte mich zu der entscheidung. Der wind nahm weiter zu, über dreißig.
Es war dunkel und ein wenig schlaf wäre auch gut. Draußen war es meteologisch trocken, wellen schlugen an die außenhaut und spritzten. Zudem war es laut, also doch nach unten, in die dauerschaukelei. Auf dem boden zwischen schrank und motorraum, und mit keili, der blauen matratze, bekam ich ein wenig schlaf, zu wenig. Das muss besser werden.

20161011 schlafplatz mit keili

 

Am nächsten abend ist dann der wind auch eingeschlafen und ich bin in der nacht leicht zurückgetrieben. Der morgen dann mit schönstem wetter, leider ohne wind. Dieser ist durch das hochziehen des großsegels auch nicht aus der reserve zu locken. Heute ist der zwölfte und badetag, denn das schiff treibt mit einem halben knoten in die falsche richtung.
Unterwasser hat sich dann die katastrophe gezeigt: sehr viel farbe ab und roststreifen von einem falsch angesetzten spachtel. Das schiff muss definitiv aus dem wasser.

Dafür ist es auch die fahrende imbissbude, zumindest für fünf dorados, die mitschwimmen. Das andere zwei dutzend kleiner fische sucht schutz beim schiff.
Und es haben sich auch zwei dinge wieder angefunden, der rumpfreiniger hatte sich unter dem schlauchboot versteckt und der gecko ist gestern abend auch wieder an deck gesichtet worden.

Eigentore gleich ein paar mal. Der tagesmeilenzähler im gps ist am vierstelligen ende angekommen und so musste ich das teil zurücksetzen. Da ich RTFM nicht mag, habe ich im menu alles zum löschen gefunden. Nach einem neustart funktionierte das gps wieder bestens.
Und so bin ich die letzten tage schöne kurse gefahren, jedoch wich die pc-gps-mouse vom kurs des neugestarteten gps ab. Hatte ich schon einmal, fand ich nicht so schlimm. Tagsüber fahre ich nach dem gerät und alle paar stunden nehme ich eine position in die karte auf.
Nach drei tagen wurde es mir dann doch zu komisch und ich habe das alte hand-gps aktiviert, das zeigte noch andere daten. Aber es gab da einen menupunkt mit der magnetischen missweisung. So etwas gibt es auch beim haupt-gps und war nicht gesetzt, weil alles gelöscht wurde. Von den schönen kursen werden nun zwanzig grad abgezogen und schon stimmt auch die gps-mouse.
Passwörter bei einem pc können hilfreich sein, man darf sie nur nicht vergessen. Es hat mich über eine stunde gekostet um den rechner nummer drei zu reanimieren, aber ich habe ja die zeit. Nach drei versuchen schaltet sich das gerät wieder ab und der systemstart kann von vorn beginnen.

Heute ist der vierzehnte oktober und vom wind noch nichts neues. Seit tagen kommt er schwach aus südost, da will ich hin. Es sind nur nordost- oder südwestkurse möglich, letztere bedeuten zurück. Ich habe mich schon hundertfünfzig meilen von der roten linie entfernt, mit der konsequenz, dass hier andere strömungen herrschen. Wenn das schiff zu sehr anluvt und stehen bleibt, fährt es gleich rückwärts, bis es abfällt und wieder fahrt aufnimmt, das nervt. Aber ich will das ja so.
Auch habe ich aufgehört, die toten fische an deck zu zählen, auf der hinfahrt war das ja alles neu. Nur heute hatte ich einen kleinen schwertfisch auf dem schiff, zehn zentimeter schwert, rumpf genau so lang. Hatte sich wohl auch vor feinden zu retten versucht.
Dann gehen meine frischen vorräte zur neige und bald gibt es nur noch zwiebeln, die Leningrad Cowboys lassen grüßen. Außerdem ist ab heute die alkoholfreie zeit angebrochen, alles alle und noch fünfzehnhundert meilen bis Jacare. Freude von seiten der leber.

Diese nacht war wieder neu, schaukeln und kein wind, der ist nach sonnenuntergang auch gegangen. Platte see, mitten auf dem atlantik. Am morgen habe ich dann die günstige gelegenheit zur montage des watermakers benutzt. Auch diesen job hätte ich besser in der marina gemacht, da schaukelt es weniger.
Zusammengeschraubt war die membrane schnell, undichte verschraubungen sind jetzt dicht. Und ehemals dichte sind undicht. Ärgerlich, das druckrohr ist bei arbeitsdruck dicht, sonst plört es dort heraus, mal sehen.

Und da ich nicht noch weiter nach norden wie heute nacht treiben will, läuft der motor mit dem ziel, wasser zu produzieren. Das ganze auf dem richtigen kurs und für mehrere stunden.

Wie gestern ist auch der folgende tag ohne wind, ich schaffe sechs meilen in zwölf stunden und in eine gute richtung. Die motorstunden gingen letzte nacht im regen und im falschen strom wieder verloren.

20161015 atlantik

 

20161015 atlantik

 

Wenn das so weiter geht, wird es eng mit den lebensmitteln und mit dem zeitplan sowieso. Hatte mir das alles besser und schneller gedacht, jetzt wollte ich eigentlich schon rechts abbiegen. Arbeiten, die ich geplant habe, kann ich nicht ausführen, dafür müsste ich in den mast. Dort ist es ungemütlich, aufgrund der wellen, ausschlag fünf meter nach links und rechts sind zuviel. Der nächste aufenthalt muss dafür herhalten.
Das wasser ist noch immer warm und so war ich heute wieder unter dem schiff. Die neue pockengeneration hat sich schon niedergelassen, mist. Der taucher hat bei seinem job wohl auch die opferanoden vom ruder und der welle gepult, ein an-land-job. Und dann fehlt ein halber quadratmeter farbe an der backbordseite oberhalb der wasserlinie, wo das schiff fast am dicksten ist. Noch keine plausible erklärung dafür.

Die nacht war ohne wind, nur mit regen und am morgen fing es leicht an zu wehen. Zu viel, um die segel unten zu lassen, zu wenig, damit segeln möglich wäre. Also ab und an motor starten, segel runter und wieder rauf. Sehr nervig das ganze.
Mein versuch, auf die einzige dunkle regenwolke zuzufahren und dann herum gesogen zu werden, endete mit intensiver salzbeseitigung auf dem deck. Und danach: sense.

20161018 regenwolke am morgen

 

20161018 regenwolke am morgen

 

20161018 regenwolke ohne wind

 

Mit segeln geht ein kurs von hundertfünfzig, ist der motor aus, geht es gleich auf zweihundertdreizig und über einen knoten fahrt. Ich bin seit drei tagen in diesem treibloch und muss hier raus, nur wie ohne wind?
An apple a day keeps the doctor away. Seit fünf tagen esse ich schon pommes de terre, die helfen hoffentlich auch.

Der erste fluchtversuch von gestern wurde in der nacht mit minus zwölf meilen in richtung westen bestraft. Heute ist der zweite versuch dran. Nach dem sonnenaufgang sah es ja noch ganz gut aus, die wolken waren windverdächtig. Regenhose an und in drei stunden bin ich ganze fünf meilen in die richtige richtung gefahren. Ich bin jetzt schon über jeden kurs unter süd glücklich.

Wenn das schiff unter einem knoten durchs wasser fährt, drückt die strömung es weg. Das fällt aber sichtbar kaum auf, nur auf dem gps ist es ablesbar. Das gestrige schlagen des großsegels hat mindestens zwei ausgerissene kauschen verursacht und ein segelrutscher ist auch hin. Somit werde ich bis zum nächsten segelmacher im zweiten reff fahren. So etwas nimmt mich sehr mit, ich kann gar nicht so laut genug schreien, wie ich will. Bin dabei aber heiser geworden.

Der fortgesetzte fluchtversuch startete am nachmittag, tagestankfüllen, motor im standgas an, autopilot und in richtung roter linie. Dazu eine kleine genua und schon ging es langsam los. In der nacht nahm der wind leicht zu, dazu blitze und reichlich wasser von oben. Das radar war an, keine warnungen und ich habe am ende in der achterkabine bei leicht geöffnetem fenster geschlafen. Im schiff waren es fünfunddreißig grad, Mr. Perkins, der gerade in seiner tausendsten betriebsstunde geburtstag feierte, macht ordentlich hitze. Am morgen waren wir vierundzwanzig seemeilen weiter. Die zone der bösartigen strömung haben wir verlassen und der wind uns auch.

route oktoberber2016 10-20

 

Ich bin schon über drei wochen auf see und habe die entscheidende etappe noch nicht genommen, den wendepunkt zum abbiegen. Tagsüber versuche ich, zur roten strömungslinie zu kommen und wie gestern, mangels wind, zu treiben. Durch die motorstunden der letzten tage, treibe ich jetzt in die fast richtige richtung, zumindest nach ost.
Gestern war der letzte joghurt im müsli, die erdäpfel gehen auch zur neige. Das nächste mal werde ich mehr nach liste einkaufen gehen und weniger nach gefühl. Gestern war wohl auch der letzte auflauf im ofen. Irgendwie ist das kochen auf dem meer ein bisschen anders als an land.

Der gestrige tag war in der summe ganz ok. Achzig seemeilen gefahren, teilweise mit motor und am ende kamen sechzig meilen netto heraus. Das ist wesentlich besser als im nirvana viereck der letzten woche zu verweilen. Auch habe ich meine lernkurve angepasst, sobald das schiff unterstützung benötigt, geht Mr. Perkins an. Standgas reicht und es kann gesegelt werden, auf guten kursen. Ich möchte nicht aufgegebenderweise in Trinidad mit vollen tanks ankommen, dann habe ich am falschen ende gespart.

Die letzte kartoffel ging heute zum ersten frühstück am gaumen vorbei, jetzt muss ich nur noch auf den doktor warten. Der kann sich dann auch sich gleich meinen linken ellenbogen anschauen, der schmerzt seit heute nacht. Entweder habe ich ihn zu oft gestoßen oder, was wahrscheinlicher ist, zu viele manöver gefahren und mit links gekurbelt. Ich brauche beide hände. Heute ist schon wieder freitag, die tage vergehen wie im segeln.

Heute ist der zweiundzwanzigste oktober, und um es vorweg zu nehmen: es war ein guter tag und eine gute nacht, bis auf einen regenschauer. Mein beschluss, die richtung zum wegepunkt drei zu nehmen, war gut. Zuerst wollte ich die nacht durchmotoren, aber nach kurzer zeit konnte das schiff allein segeln. Morgens um neun habe ich gewendet und siehe da, die böse strömung war weg und gute drei knoten mit mir. Hätte ich mich mal gleich an den plan mit der roten linie gehalten. Somit sind es nur noch fünfhundert meilen zur rechtsabzweigung.

Ein anderes ereignis war gestern auch noch sehr interessant, die imbissbude wurde leergefressen. Damit meine ich nicht die letzte mohrrübe im kühlschrank.
Nach dem kaffee kamen so um zwanzig delfine, umkreisten mein schiff und waren nach kurzer zeit wieder verschwunden. Einzig mein echolot verriet die panik unter wasser. Meine vielen kleinen dauergäste drängten sich am rumpf und suchten schutz, dabei verursachten sie den tiefenalarm. Es waren noch alle da, aber die beiden zackenbarsche habe ich schon länger nicht mehr gesehen

Mittags kamen die gourmets dann zurück, so zirka hundert tiere. Weit draußen auf der hundertmeter linie waren die krachmacher, springenden und lärmverursacher. Auch voraus das gleiche schauspiel. Solch eine gruppe war auch auf der fünfzig meter linie unterwegs. Dazwischen schwammen ein dutzend, um das netz dort zu schließen.
Von dort aus schwammen dann sechser oder achtergruppen von delfinen dicht bei einander von hinten quer auf meine schiffsspitze zu. Von diesen fresseinheiten habe ich zur selben zeit fünf stück sichten können. Wenn diese beim schiff waren, drehten sie ab und schwammen wieder zurück zum anfang. Neben dem schiff waren viele paare an delfinen, sicherlich mütter mit dem nachwuchs.
Sollten es doch fische geschafft haben, auf die leeseite vom schiff zu kommen, so warteten dort die abräumer. Das ganze ging etwas um eine dreiviertel stunde, die mägen waren voll und unter meinem schiff wurde es ruhig. Heute habe ich nur noch drei kleine begleiter ausmachen können. Und komm mir da kein verklärter tierromantiker, die wollen nur mit dem schiff spielen. Ein delfin braucht sechs bis zehn kilogramm fisch täglich und der kommt nicht von käptän iglo.

Diesen sonntag war ich nicht in der kirche, also alles wie immer. Den sonnengott konnte ich heute live erleben. Und zur feier des tages gab es einen salat, den ich gestern gehobelt hatte. Das letzte stück frisch im schiff, ausser den zwiebeln. Der kohl sollte eigentlich mit den kartoffeln in einem auflauf enden, in den gleichen, wie den, der mich einst zu fall gebracht hatte. Aber der supermarkt hatte nur noch rotkohl und die kartoffeln sind in anderer art die speiseröhre hinab geglitten. Das sechzig jahre alte kochbuch meiner mutter hat ein rezept für rotkrautsalat. Und ich hatte noch kümmel für teures geld gekauft. Das ganze durfte einen tag ziehen und war gut essbar, bis auf den kümmel.
Eine sprache nur aus dem wörterbuch abzulesen ist mist, denn es ist kreuzkümmel. Werde ich anderweitig nutzen müssen.

Es war ein so schöner sonnenuntergang, am vorabend zwei monate vor weihnachten. Der ganze himmel war rosarot und keine wolken, das muss ein guter nächster tag werden. Der wind war genau richtig und ab ging es in die nacht hinein.
Nur wurde ich durch lautes segelknallen geweckt, das segel zur raison zu bitten, fiel aus, war doch der kurs nicht der angedachte. Einen blick in den zuvor sternenklaren himmel enthielt die antwort: schwarz. Also schnell die schlafutensilien unter deck gebracht, motor an für die kurskorrektur und das vorsegel eingerollt. Doch da kam auch schon der platzregen. Zuerst mit dem falschen arm gekurbelt und schmerzlich die position gewechselt. Am ende war ich unter meiner plane pitschnass geworden, ein unplanmäßiger wäschewechsel.
Unterdeck das radar angeschaltet und auf der trockenen matratze noch ein wenig schlummer gefunden. Am morgen war alles vorbei, zwar noch nass und schönstes wetter ohne wind.

route oktoberber2016 20-25

 

Es wurde dann doch noch ein sehr schöner segeltag und -nacht. Guter wind, sonne und durchgehend trocken, nur kurz vor dem sonnenuntergang ergab sich eine neue szene. Die wellen wurden ruppiger und kamen fast aus der richtung, in die wollte. Also oft ein rein-in-die welle, abstoppen und wieder fahrt aufnehmen. Aber alles halb so schlimm.
In der nacht nahm der wind leicht zu und am morgen waren dann auch die wellen höher. Im dunkeln habe ich auch das erste schiff seit zwei wochen am horizont gesehen, es drehte dann aber ab. Das war der erste tag mit einhundertzehn seemeilen und alles in die richtige richtung, geht doch.
Und heute morgen hat sich alles ein wenig verschärft, ich sitze jetzt unter deck, denn oben ist landunter. Das segeln spielt sich im bereich von dreißig knoten ab, das schiff zieht selbstständig seinen kurs. Trotz der kleineren genua geht es flott weiter, festhalten ist sehr angesagt, zumal mein arm besser, aber noch nicht wieder gut ist.

Der rest des tages war nach dem regen wieder normal oder halb so. Das erste mal, dass ich den ganzen tag keine sonne gesehen habe. Aber genug wind, um in richtung wegepunkt vier zu kommen.

Heute ist der sechsundzwanzigte Oktober, tag der entscheidung. Soll ich schon heute abbiegen, vor dem wendepunkt oder erst morgen. Ich weiß leider nicht mehr, warum ich den abbiegepunkt dorthin gesetzt habe. Habe mir hoffentlich etwas dabei gedacht. Bei meiner jetzigen geschwindigkeit brauche ich sowieso noch zwanzig stunden. Der wind ist kräftig im oberen zwanziger bereich und einigermaßen konstant, somit werde ich morgen mal auf der steuerbordseite segeln.

Heute vor genau einen monat habe ich Guayana abgelegt und wollte schon ganz woanders sein, halt eben die tückischen details. Nach dem wachwerden in der früh habe ich den ersten versuch unternommen, nach süden zu fahren. Ging gar nicht oder nur nach südwest und dann würde ich in nordbrasilien ankommen. Ich will aber nordostbrasilien als ziel. Also weiter auf dem alten kurs.
Am nachmittag dann der zweite versuch, gleiches ergebnis und der wind hat noch abgenommen. Das schiff fährt jetzt nur noch zweihundertvierzig grad oder neunzig grad selbstständig. Ich hoffe mal auf eine winddrehung, auf nord oder west wäre sehr schön. Morgen ist auch noch ein tag zum wenden.

Und die winddrehung fing schon am abend an, ich konnte einen SO kurs fahren, das war vorher nicht möglich. Das ganze endete um halbvier in der nacht mit regen, also alles nach unten. Dann klamotten runter baby, es fing an zu schütten und genua einholen. So eine dusche wirkt nicht immer. Danach noch ein paar schlummerminuten, in der das schiff dann nach norden gedriftet ist.
Dann nach dem sonnenaufgang ging es endlich richtung süden, zum anfang mit motorunterstützung und eine stunde später konnte das schiff selbst den kurs fahren. Jetzt sind es nur noch über achthundert meilen nach Jacare oder siebenhundertfünfzig zu den Kapverden.
Und das lief richtig gut, ich war schon am rechnen, drei knoten in der stunde, also gute dreihundert zum ziel, das sind rund vierzehn tage. Wenn ich vier knoten fahren würde, wären es noch um zweihundert stunden oder acht tage und bei fünf knoten wollte ich schon nicht mehr spekulieren. Denn bei seemeile neunzehn fiel der wind aus, motor half auch nicht mehr und sogar das groß habe ich herunter geholt. Dann trieb ich mit null komma zwei knoten in die ungefähre richtung, das macht in fünfzehn stunden drei meilen und in… Ende der frustrierten rechnung.
Während der guten zeit habe ich dann mein erstes no-knead-bread gebacken, für meinen herd akzeptabel und ganz lecker. Morgen geht es besser voran.

20161028 erstes brot

 

So schnell gebe ich nicht auf und so ging das vorsegel mit dem letzten licht wieder an den start. Es ging nicht schnell, aber ein stück in die richtige richtung, bis ich wieder durch den regen morgens um drei geweckt wurde. Dann bließ der wind zu kräftig, aber das segel hat es glücklicherweise überlebt. Der tag brach hell und sehr feucht an, der wind war gerade woanders aktiv.
Es ist schon wieder Samstag und mein linker arm ist noch nicht wieder ganz geheilt, für leichte arbeiten geht er aber schon wieder.

Es ist ein verregneter herbsttag, dieser neunundzwanzigste oktober, mit dauerregen. Der versuch, eine gewitterfront zum segeln zu nutzen, brauchte vier seemeilen. Der rest ist fast flaute, obwohl mir der windmesser etwas von zehn knoten erzählen will. Das liegt nur an dem hin und hergeschaukel. Mich frustriert nur, dass ich nicht weiterkomme. Ob sich die rossbreiten jetzt um mein schiff herum ausbreiten? Hoffentlich nicht.
Als therapeutische arbeit habe ich heute morgen das druckrohr vom watermaker bearbeitet und es scheint im drucklosen bereich dicht zu sein. Fehlt nur noch, dass es bei druck plört.

Es fängt schon wieder an, das was ich gestern abend unter segel noch motort habe, ging in der nacht durch zurücktreiben wieder verloren. Heute morgen wollte ich es wieder gutmachen und es endete im dicken regen ohne wind. Motor wieder aus, bringt ja nichts, und es geht wieder rückwärts. Mal sehen was der tag bringt, es ist ja erst acht uhr am dreißigsten.
Um zehn uhr hatte ich den status von gestern abend wieder und um zwölf war schluss mit lustig. Ich habe den tagestank wieder aufgefüllt und mit motor in richtung süden. Der dauerregen, der nach dem morgentlichen kaffee einsetzte, hält noch immer an und wurde für eine kalte dusche genutzt, wenigsten ist es süsswasser.

Nach dem regen kommt sonnenschein und das trockene wetter fing gestern nach dem sonnernuntergang an. Und nach der flaute kam erstmal wieder flaute, wie schon seit langem. Da ich in der nacht einen südostlichen kurs langsam gesegelt bin, muss ich zur roten route zurück. Ergo motor an, segel so gut es geht raus und das brummen ist ertragbar.
Dazu habe ich wasser produziert, wenn schon strom im überschuss anfällt. Das hurra des tages ist ein dichtes druckrohr bei druck und wieder ein normaler salzgehalt von dreihundertzehn ppm. Beim letzten mal war es über das doppelte, warum auch immer.
Die felsen Peter und Paul ohne Mary sind noch hundertdreißig meilen weit entfernt. Da will ich bei tageslicht dran vorbei. Welcher tag, das steht noch in den sternen, vielleicht morgen, dann ist schon november.

Das erste mal seit einigen tagen, dass ich segelnd meinen morgentlichen kaffee trinken kann. Die ruhe ist berauschend und der wind kommt das erste mal achterlich. Diese windrichtung ist aber mist, ineffizient und wie auf der atlantiküberquerung. Ich mach das beste daraus, irgendwie ein kurs mit süd im namen.
Auch hatte ich schon mal erwähnt, wie mies eine nacht ohne segel ist, genau wie letzte nacht. Abends um acht habe ich alle tücher herunter geholt und versucht, in der plicht zu schlafen. Eingeschlafen bin ich dann irgendwie, zwischen dem hin und her und aufgewacht, als ein regenschauer anfing. Den rest der nacht habe ich wieder auf dem fußboden verbracht, dabei wohl meinen nacken verrenkt. Dazu kommt, dass mein linker ellenbogen noch immer nicht wieder schmerzfrei ist, falsch ablegen oder benutzen wird mit einem signal der nervenbahnen beantwortet.
Auch war es für mich neu, einen ganzen monat auf dem meer zu verbringen, geht gut und tut auch nicht weh, bis auf die paar blessuren. Es kommt keine panik auf, keine langeweile und eine gewisse routine mit ruhe kehrt ein. Sollte man vielleicht einmal gemacht haben, um mit sich allein zu sein. Zweitausend meilen bin ich gesegelt und noch lange nicht am ersten ziel.
Gestern war dann noch einmal tauchen angesagt, es sieht schon wieder böse aus. Freie stellen sind mit kleinen pocken besetzt, dazwischen schon wieder entenmuscheln. Ich habe freigekratzt so gut ich konnte und am ende meinen lieblingsspachtel verlohren. So viele wände hatte er schon bearbeitet und liegt nun bald auf dreitausend meter tiefe, weil das bockende schiff ihn abgeworfen hat, als ich ihn an deck legen wollte.

route oktoberber2016 25-31

 

Und der wind am morgen hielt natürlich nicht und so bin ich das erste mal ohne segel mit dem motor übers meer geschippert. Ich weiss nicht, wie breit diese windschwache zone ist, nur ich will jetzt bald mal an land. Es gibt einiges zu reparieren, ein bier wäre auch mal wieder schön und frisches essen ist einfach nicht zu unterschätzen.

Die gastlandflagge ist fertig, obwohl es noch siebenhundert meilen bestenfalls bis zum ziel sind, an diesen zweiten november. Der wind fing gestern abend bei sonnenuntergang an und hielt durch. Wind heißt jetzt schon zehn knoten. Jetzt frischt er auf und seit langem habe ich mal fünf knoten auf dem gps gesehen, für eine sehr kurze zeit.
Während meines morgenkaffees ist querab in einer meile entfernung ein frachter vorbei gezogen, gesehen habe ich ihn vorher nicht, sollte also mal regelmässig nach vorn schauen. Aber ich habe wieder das radar angeschaltet, tagüber ist es aus, um zu sehen, ob das schiff erkannt wird. Es wird oder auch nicht. Meine alarmzone um das schiff liegt bei fünf meilen und da ist es in den wellen nicht mehr sichtbar. Also auch nicht, wenn es in die alarmzone einfährt. Somit bin ich die nächte radarvertrauend blind gefahren. Jetzt ist die zone auf drei meilen reduziert, hoffentlich druckt das.

Seit über vierundzwanzig stunden weht der wind frisch und der kurs ist südwest. Nicht ganz ideal, aber in der richtung ok. Geht eine gewitterwolke hinter dem schiff durch, ändert sich der kurs mehr zu süd, geht die wolke vor dem bug durch, ist es mehr west, unschön. Gestern waren es fast hundert meilen und in die grob richtige richtung. So wie es aussieht, wird es heute ähnlich werden. Dann fehlt nur noch eine winddrehung, so dass ich nach süden fahren kann. Direkter weg wären es noch knapp über fünfhundert meilen, aber die flugeigenschaften des schiffs sind sehr bescheiden.

Der nächste morgen, der vierte november, und noch immer der gleiche wind dazu ein wenig mehr davon. Seit gestern fahre ich schon mit gereffter genua, geschwindigkeit immer noch über vier knoten und trotzdem zu viel tuch, zuviel schräglage. Dafür luvt das schiff seit heute morgen höher an, die hoffnung auf einen reinen südkurs wächst.

20161104 wellen

 

20161104 wellen

 

20161104 wellen

 

Seit gestern abend habe ich den kühlschrank ausgeschaltet, hatte er sich doch schon vorgestern nacht vom dienst verabschiedet. Bei dem wind mache ich den motor nicht an und somit sinkt die voltzahl. Außer wasser und butter ist da ohnehin nichts mehr drin, was unbedingt gekühlt werden müsste. Dann hörte ich ein dumpfes metallisches ‘pluungg’ etwas neues und am ende war es nur ein lebender fliegender fisch, den ich wieder ins meer befördert habe.
Auch habe ich die äquatorüberquerung verpasst, für viele ein höhepunkt. Die imaginäre linie war nicht sichtbar, bin jetzt auf der südscheibe.

route november2016 01-05

 

Heute ist Sa der fünfte, aber eigentlich: every day is like Sunday. Dazu muss ich gestehen, dass ich derzeit keine musik höre. Auch ist das leben auf dem schiff sehr beschwerlich. Der wind weht bis über dreißig knoten, die wellen werden höher und das schiff fährt schief. Wenn ich das vorsegel verkleinere, können nicht diese kurse in richtung zweihundert grad gefahren werden, genau süd wäre aber noch besser. Somit ist die geschwindigkeit mit vier knoten auch nicht so berauschend, macht aber hundert am tag und das ist sehr gut für hoch am wind.
Die inselgruppe Fernando de Noronha werde ich wohl auch an der westseite passieren, anhalten dort ist mir zu teuer und verzögert die reise. Jetzt morgens um acht nach dem kaffee mache ich mir schon gedanken zum abendessen, weil das kochen in dieser lage eine tortour ist. Die arbeitsplatte reicht mir bis zur brust, will ich stabil stehen, der herd ist am anschlag, experimente sind mir zu gefährlich.

So langsam wird es langweilig, nichts neues im süden. Ich segele heute morgen bei sechs bis sieben windstärken und habe gerade ein wenig ausgerefft. Der steuerbordsüllrand ist fast im wasser und dafür fahre ich auch bei unter zweihundert grad über vier knoten. Zu meiner freude hat der wind seit heute nacht ein wenig zu meinen gunsten gedreht, die wellen ziehen mit. Heute abend werde ich an den inseln vorbeisegeln, vielleicht sehe ich sie ja.
Was mich sehr nervt, ist diese gezwungene passivität. Jede bewegung im schiff muss geplant und äusserst vorsichtig durchgeführt werden. Ich brauche null verletzungen, keine brüche oder platzwunden. Hühnere ich doch noch mit dem ellenbogen umher. Es ist besser geworden und ich benutze den arm bei leichteren aufgaben, ganz ok ist er immer noch nicht.
Auch frage ich mich, ob das schiff nicht zu groß ist, zur zeit brauche ich die letzten drei meter nicht, ich schlafe immer noch auf dem fußboden.

Am Mo morgen gab es leichte freude, der wind hat wieder ein wenig gedreht, gerade so, dass das schiff ab und zu unter kurs süd fährt. Ich bewege mich zurück zur route. Leider hat der wind aber auch leicht nachgelassen, aber die geschwindigkeit bleibt und die wellen werden flacher.
Noch sind es zweihundert meilen, also wenn es gut geht, komme ich am Mi an.

Kaum hatte ich den letzten absatz geschrieben und schon hörte der wind vom nachmittag auf, den schönen kurs zu blasen. Auch nahm er ein wenig ab, also nur noch gute fünf. Heute morgen dann wieder ein rückschlag, die logge zeigt null an, so kann ich nicht abschätzen, ob ich schon im küstenstrom bin. Wenn ich das gps mit drei und ein wenig knoten betrachte, müsste es aber schon so sein. Die letzten meilen sind oft die schwersten und ich habe noch hundert davon.
Dann war noch gestern abend mein waschbecken im bad verstopft oder fast zu. Zu meiner freude war heute morgen das rohmaterial für frankenstein aus dem becken abgelaufen. Bis ich ein kleines rinsal vor der küchenspüle gefunden habe. Der schlauch von dieser ist abgerutscht und das monster ist irgendwo im schiff. Das wasser konnte ich mit dem feudel aufnehmen, alles echt lecker an diesem dienstag vor dem frühstück.

Zwei stunden später habe ich die logge aus der halterung gezogen. Das wollte ich eigentlich nie im wasser machen, aber besser als bei dem wellengang zu tauchen. Das wäre dann wie kielholen, viel zu gefährlich.
Schön, dass ich das ganze noch in Berlin mit fett eingesetzt hatte, so schmatzte es aus dem rohr heraus und mit ihm fünf liter seewasser. Ging besser als erwartet, liegen doch im operationsbereich hydraulikleitungen, batteriekabel und die ganze verkabelung, die zum schaltpanel geht.

20161108 logge

 

Dann die pocken abgekratzt, das rädchen gereinigt und zurück ins rohr. Das ganze geht natürlich besser, wenn das schiff auf dem backbordbug wäre. So sind diesmal zehn liter ins schiff geschwapt. Der nasssauger musste es dann richten.
Als ergebnis kommt heraus, dass das schiff bei hoch am wind nur maximal dreieinhalb knoten fährt und der rest ist einer strömung zu zurechnen. Somit bin ich noch im Brasilienstrom richtung süden und nicht im küstengegenstrom.

Wenn nichts schief läuft, komme ich heute abend an. Diese nacht war ruhig, das radar war die ganze zeit an, aber keine warnungen. Ich hatte mit fischern vor der küste gerechnet. Nach dem sonnenaufgang habe ich den kurs direkt auf die anfahrtstonne geändert. Der wind genau von hinten, wie ich es hasse. Die segel schlagen unter fünf windstärken, dazu die wellen, es gibt schönere kurse zu segeln.

route november2016 05-09

 

Die erste begegnung mit den fischern auf dem meer begann mit einer kursänderung, weil sie sehr nahe rangekommen sind und mich dringlichst dazu aufgefordert haben. Danach verlief es recht ruhig, segeln mit motorunterstützung, da es doch arg schaukelte und das segel sehr schlug. Zum sonnenuntergang war ich dann im fluss und als es dunkel war endlich an der marina. Zu dunkel, um etwas genaues zu erkennen, so habe ich im fluss vor der marina geankert. Was für eine ruhige nacht ohne schaukeln wie an land. Am morgen habe ich dann dort angelegt.

route guayana brasilien

 

Oben ist die gesamte etappe zu sehen. Ich bin 2941 sm gesegelt oder motort, dabei war meine geplante route nur 2280 sm lang, also ein drittel kürzer. Ein wenig zuviel am anfang und mittendrin. Es ist also machbar, von franz. Guayana nach Brasilien zu segeln, aber nicht empfehlenswert.

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Erneut ins Meer gespült

Freitage sind wie alle anderen wochentage auch hier in Französisch Guayana. Immer kurz vor sonnenaufgang lässt so ein arsch sein boot mit einem zweitaktaussenborder ins wasser und verschwindet mit lautem getöse und wellenschlag. Dann ist die nacht zu ende, warm wird es dann erst in einer viertelstunde.

Der letzte versuch die gasflasche befüllen zu lassen, ist ebenfalls gescheitert. Sie sind stur und befüllen nur ihre behälter, keinerlei servicegedanken oder hilfsbereitschaft. Und mein gasflaschenadapter nulliert die technische möglichkeit. Wie gern denke ich da an die Kapverden zurück.
Also bin ich mit Michel wieder nach Cayenne gefahren und habe erpressterweise eine neue flasche gekauft. Vorher hatte ich einen anderen adapter auf den anschluss geschraubt und nun war sie wieder deutsch, geht also. Fünfundsechzig taler für das gute stück mit zwölf kilogramm butan. Auf dem rückweg kann ich sie wieder abgeben und erhalte den flaschenpreis zurück, mal sehen, wann das sein wird.

20160923 neue gasflasche

 

20160923 neue gasflasche

 

Kaum waren wir wieder zurück, hat mich der taucher für die rumpfreinigung zur motorenwerkstatt mitgenommen. Mit im handgepäck war die ankerwinsch. Zum zweiten mal war ich in Cayenne an diesem tag, und Jo, der mit der grössten alusegelyacht hier im hafen, leitet dort die motorenfirma. Gemessen, ersatzteil gefunden, telefoniert und besseren simmerring gefunden und dann die welle aus dem gehäuse montiert. Ich habe etwas dazu gelernt, so geht also ein wellenaufbau. Noch einmal gemessen, noch einmal telefoniert und den noch passenderen ring geordert. Die welle blieb bei der drehbank und wir sind auf dem rückweg den simmerring holen gefahren. Ein Freitag kann sich auch positiv entwickeln.

Mein ins leben zurück geglaubter wlanhotspot des imbisses ist inzwischen nur noch zu geschäftszeiten unter der woche aktiv. Danach kann man ihn noch erkennen, aber keine verbindung aufbauen, sehr schade. Denn um drei machen sie zu und dann ist es erst acht uhr in europa. Somit geht die kommunikation nur per email aus der bar in Cayenne, in der ich glücklicherweise am morgen auch schon war.

Es ist So morgen, sieben uhr und noch alles ruhig, denn die slippenden motorboote kommen erst in einer stunde. Es ist so wie die schöne vorfreude auf weihnachten, auch als atheist. Der baum ist gekauft, die geschenke sind besorgt, die lichterkette vom letzten jahr ist wiedergefunden und es fängt leicht an zu schneien. Der duft aus der küche lässt einen schönen tag vermuten.
Doch dann passiert es, der alte tannenbaumständer von urgrossvater zerbröselt bei der baummontage, die lichterkette wurde von einer maus angenagt und eines der vielen lichter ist kaputt gegangen, nur welches. Draußen taut es schon wieder, leichtes geschrei aus der angebrannten küche. Das war’s. Gestern abend kam meine abgedrehte welle mit dem winschgetriebe, passte alles für vierzig euronen. Doch dann bemerkte ich, dass das distanzstück zu kurz ist, da fehlt ein zentimeter. Das alte stück war aber bestandteil des getriebes. Da ist ein wenig ugandaschrauben angesagt, damit der patient die krankenstation wieder verlassen kann.

20160925 ankerwinsch

 

20160925 ankerwinsch distanzbauteile

 

Die operation ist gelungen, der patient lebt wieder und ist am alten ort montiert. Dafür brauchte ich eine neue tube sikaflex und das war wieder nicht so gut. Noch vor kurzem hatte ich in einem forum getönt, dass auch abgelaufene ware brauchbar sei. Nur meine tuben haben sich in der wärme hier selbst verfestigt. Schade, nach der sechsten tube hatte ich eine gefunden, die noch leicht brauchbar war. Der rest landete im müll.

Die unterwasserreinigung ist auch pünktlich beendet worden, die logge hat er nicht richtig freigelegt, mist verdammter, brauche ich sie doch die nächsten wochen. Also werde ich morgen mal tauchen gehen müssen.

20160926 teil des unterwasserbewuchs

 

Heute morgen noch einmal schnell ins internet, danach zum grosseinkauf für über zweihundert zahlungseinheiten und hinterher alles verstauen. Das schiff grob aufräumen und um vier uhr am nachmittag war dann schon hektisches ablegen angesagt. Mal sehen wie es weiter geht. Entweder bin ich in vier jahren wieder hier oder in vier tagen, wenn der plan nicht funktionieren sollte. Zwanzig tage hat die vorbereitung jetzt gedauert, alles im plan.

20160927 abfahrt marina

 

20160927 michels boot

 

Mit der rumpfreinigung bin ich schon jetzt nicht zufrieden. Zum einen habe ich noch muscheln am rumpf gefunden und zum anderen hat er den spachtel zu scharf angesetzt und die farbe in grossen placken herunter geholt. So eine scheisse hätte ich auch selbst gekonnt, war er doch als ‘professionel’ deklariert worden, merde.
Ich wollte die logge heute frei machen und stand dann mit den flossen auf brusthöhe im wasser. Es ist eine ruhige nacht gewesen, abgesehen vom windgenerator, aber wozu habe ich ein kissen für die ohren. Also konnte ich die logge vorerst nicht frei legen, das muss draussen im klaren meer passieren.
Es zeigt sich wieder einmal: das qualitätsniveau von externen hätte man auch selbst hingekriegt, also finger weg von denen. Somit kommen wir zur polnischen wertarbeit vor zwei jahren, die nähte der sprayhood lösen sich, die reißverschlüsse sind dicht und nicht brauchbar, weil die zipper fest sind oder die enden. Flicken geht zur not, also die nächste baustelle vor Patagonien.

Das erste ziel, die insel La Mere, ist erreicht. Hier war ich schon oft, ruhiges ankerplätzchen. Morgen mit dem hochwasser geht es dann los gen süden.

 

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Fast wieder zuhause

Die reise zurück zum schiff war anstrengend, aber der transport mit meiner klappsackkarre ging sehr gut. Die mitnahme im flugzeug funktionierte durch das festbinden auf der tasche, in der auch meine jotunfarbe war. Der checkin ging in unter zwanzig minuten, hatte ich doch meinen impfpass dabei. Nur hat die frau mir den mittelplatz in der mittelreihe gegeben. Im flugzeug bin ich dann doch zum fenster gerutscht, glück gehabt, denn der flieger war recht voll. Auch die flugzeit war ok, mittags abheben und um siebzehn uhr wieder landen. Leider gab es eine verspätung und so musste mein abholer leider warten.
Meine hohen wanderschuhe und mein dicker pullover waren im kalten flugzeug gut zu gebrauchen, nur als ich aus dem flughafengebäude trat, kam die große keule. Sehr warm und feucht, gefühlt wie achtunddreißig grad in Europa. Dann auf dem weg zum schiff noch etwas einkaufen und im dunkeln die türen öffnen. Hatte ich doch geplant, noch im hellen wieder hier zu sein.

Wo ist zuhause, was ist heimat und für wen? Das leben ist hier machbar, aber bleiben will ich dennoch nicht. Es hat sich hier ein wenig verändert, einige schiffe sind weg, neue sind dazu gekommen und andere haben sich umgelegt. Paare haben sich getrennt, und schon deshalb bin ich zufrieden mit meinem boatkeeper, denn es hätte ja auch diese frau sein können, und mein schiff wären dann ohne keeper gewesen.

Im schiff: Fangen wir mal mit dem positiven an, die motorraumbilge ist trocken oder war es, und es ist nur wenig schimmel im schiff. Es riecht noch ein wenig muffig, aber das ändert sich jetzt mit viel lüften. Auch blieben die großen besucher aus, waren doch alle zugänge verschlossen. Dafür haben sie sich nach mehreren versuchen unter der plane angesiedelt und sind friedlich. Eine katze war auch des öfteren auf der sprayhood, fußspuren auf den fässern ist der beweis.

20160908 sprayhood

 

Jetzt die schlechten news: Alle meine nudeln, so um fünfzehn kilogramm, meine mehlsammlung und die fertigbrotmischungen, der risottoreis und alle meine asianudeln haben besucher, die sich fleißig vermehren oder vermehrt haben. Weg konnten sie nicht aus dem schiff, so war es ihr zu hause vom anfang bis zum ende. Der nutznießer ist eine spinnenpopulation, die sich von ihnen ernährt hat. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich das zeug verschenkt und nicht jetzt in den müll geworfen.

20160908 leichen

 

Das schiff hat an der wasserlinie einen dicken pflanzenbart bekommen, da muss ich wohl in die brühe steigen, bevor ich lossegeln kann. Die pflanzen haben sich an den muscheln festgekrallt, die müssen auch ab. Das ist so etwas wie ein ungeliebter schiffsklojob, nur diesmal in der großen schüssel.

20160908 wasserbewuchs

 

20160908 wasserbewuchs

 

20160908 wasserbewuchs

 

Ansonsten sieht es außen einigermaßen gut aus, wenig rost ist hinzugekommen, alles steht noch, und die plane über dem cockpit hängt auch noch. Was nicht ging, sind die plastiktüten um die vorhängeschlösser, um diese vor regen zu schützen, die sonne hat ihren job getan.

20160908 schloss mit plastikrest

 

Die ersten tage sind mit aufräumen und säubern verplant, dann kommen die reparaturen. Am zweiten tag sind dann noch zwei kilogramm müsli, der couscous, weitere lasagnenudeln und auch ein pappkarton in den müll gewandert. Es ist schon ärgerlich, ich hätte mal vor einem halben jahr ordentlich putzen sollen. Nun war dieser tag damit verbraucht. Das gesamte geschirr und die töpfe wurden gespült, die staufächer ausgeseift und die reste der besucher aufgesaugt. Dabei habe ich auch eine weitere gruppe der anwesenden entdeckt, die holzmehl produzieren. Ich hoffe nichts ernstes, solange sie nicht an den stahl gehen.

Und es war in der zeit der abwesenheit feucht im schiff. Einige grindelriegel sind festgerostet, die zangen in der werkzeugbox haben auch gelitten. Anton Luft hatte die riegel ja empfohlen und die gehen vielleicht auch in der Ostsee, nur meine verzinkten haben hier ihren geist aufgegeben. Wenn ich den vierfachen preis für edelstahl ausgegeben hätte, wäre es jetzt kein problem geworden, wieder einmal am falschen ende gespart.

20160908 rostriegel

 

Dann habe ich die vorbereitungen für den kühlschrankumbau in angriff genommen, von frontlader auf toplader. Das kühlaggregat lässt sich drehen und der test lief einigermaßen, aber nun ist der temperaturfühler im kühlschrank an der falschen stelle und dadurch kaum regelbar. Nach langem hin und her überlegen mache ich es doch nicht. Der aufwand wäre jetzt zu hoch und der nutzen unbestimmt. Einen tag umsonst vergeudet, dafür habe ich die blanke front gedreht und den kühlschrank mit dem schrank verschraubt.

20160910 kuehlschrankbox

 

Nachdem viele der nahrungsmittel in den müll gewandert sind, wollte ich mir die letzte dose ravioli gönnen. Sie war außen leicht angerostet und innen war es ekligst. Dosenfutter hält auch nicht ewig.
Meine abarbeitungsliste wird nur langsam kürzer, zwei themen weg und ein neuer task dazu. Wenn ich auf dem meer bin, kann ich anfangen, mein werkzeug zu putzen, das fängt an zu rosten an. Dieses wetter hier ist nicht vorteilhaft für eisenwaren. Die zwei blechkanister hat es arg mitgenommen.

20160912 dieselkanister

 

Das tanken geht auch voran, vierzig liter kosten fünfzig euronen, immer zwei kanister mit zum einkaufen mitnehmen. Zweihundert liter sind schon getankt, für die nächste strecke muss alles randvoll sein, die segler vor ort haben mich schon vor dem weg nach Brasilien gewarnt.

Und dann vermisse ich meine neuen wanderschuhe, die wohl noch in Lille stehen, mist. Dabei hätte ich sie brauchen können, für den ausflug nach Cayenne. Michel hat mich mitgenommen, in der bar gab es internet und so kam ein kurzer kontakt zur restwelt zustande.
Das letzte mal war ich hier mit dem schiff vor anker, wollte aber nicht herunter, weil mir das ganze suspekt war. Gestern bin ich durch die stadt gelaufen, bis ich nass war. Es ist schon morgens um neun zu heiß. Der erste eindruck war, kenn ich. Das sah aus, wie in St. Laurent, eine geplante stadt, um die jahrhundertwende auf dem schachbrett. Die gleichen holzbauten, viele davon schon sehr rottig und dann die protzverwaltungspaläste.
Die bevölkerung lebt oft von der stütze, bettelt und kauft sich davon bier, um das elend zu ertragen.

Das abwassersystem an den straßen war wohl für gröberes geplant, ein falscher tritt aus dem auto und einen halben meter tiefer kommt man an. Für mich kein städtetechnisches highlight und trotzdem eine gern genommene abwechslung.

20160915 cayenne abwassersammler

 

20160915 cayenne offiziell

 

20160915 cayenne offiziell marie

 

20160915 cayenne park

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne strand

 

20160915 cayenne strand

 

20160915 cayenne strasse

 

Es gibt jemanden, der schon seit über zehn jahren mit seinem schiff hier liegt. Und dieser jemand reinigt die schiffe unter wasser. Ein scheißjob und eine gute einnahmequelle, will er doch zweihundert geldeinheiten dafür haben. Es spart mir zeit und das kotzen in der brühe, ich muss da wohl durch. Für die nächste strecke sollte das schiff widerstandsfrei schwimmen.

Mein neues ankerwinschgetriebe passt natürlich nicht, entweder die bohrung ist zu klein oder die welle ist einen millimeter zu dick. Nach einer stunde schleifen habe ich es aufgegeben, denn es gibt hier einen professionellen mit einer drehbank, weitere kosten.
Dafür ist Mr Perkins beim ersten schlüsseldreh angesprungen, ein lichtblick.

Abfahrt ist für nächste woche geplant.

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Absprungvorbereitungen

Also Lille kann auch warm, gestern waren es fünfunddreißig im schatten davon. Die staatsverwaltung hat schon wieder panik, damit nicht so viele wie vor dreizehn jahren endgültig umkippen. Im haus bleiben, die jalousien unten lassen und abends wird gelüftet. Das bringt zehn grad weniger als draußen.
Ich suche hier noch nach schönen plätzen, werde aber nicht so recht fündig. Der alte hafen und liegeplatz der binnenschiffe gefällt mir schon. Dreihundert meter vom wohnort entfernt und gehört zu Lille. Die fotos habe ich aber von der anderen seite, von Lomme aus aufgenommen. Dies wird aber sicherlich bald eingemeindet werden, als ein weiterer stadtteil. Die eine oder andere lücke kann ich bei den dauerliegern entdecken, in die mein schiff passen würde. Aber das ist kein aktuelles problem.

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

Interessanter wird die weiterfahrt, da die wenigen willigen segler, die sich bislang bei mir gemeldet haben, in der entscheidungsphase einen rückzieher machen. Somit werde ich Patagonien wohl allein durchreisen. Letzte woche hatte ich schon angefangen, alle ankerplätze, die einhand gut möglich sind, in meine karten einzutragen, und es sind nicht wenige. Einerseits betrübt es mich und auf der anderen seite habe ich einen freiheitsgrad mehr. Jetzt müssen nur noch die chilenischen behörden mitspielen.

Eine weitere planung besteht in der weiterfahrt, nachdem ich Patagonien durchfahren habe. Links abbiegen, sage ich einfach. Aber da gibt es doch ein paar kritische faktoren, die mir erst heute klar werden, Fukushima. Ja, da war doch was, und in der presse wird das weitgehend tot geschwiegen, wer zahlt wohl dafür.
Da täglich immernoch dreihunderttausend liter reaktorbrühe ins meer fließen, verteilt sich die suppe, die der ozean bis australien umspühlt, im Pazifik. Zehn jahre nach dem unglück. Danach zieht strömung in richtung Indischer Ozean und klopft mit dem golfstrom auch an die europäische haustür. Also alles schnell noch besuchen, bevor die meere und dann die menschen sterben. Um meinen alterungsprozess extrem zu beschleunigen, muss dort nur der watermaker laufen, um anständige dosen an cäsium, strontium, plutonium und weitere isotope zu verkosten. Die fischfanggebiete im nördlichen und mittleren pazifik sind schon heute zu meiden und der fisch sollte nicht auf meinem teller landen. Abgesehen davon wurde bis in die neunziger jahre genügend atommüll in der nordsee und anreinermeeren verklappt.
Also schnell in die Südsee und da durch, aber besser wird es nicht werden.

Zehn tage vor dem rückflug wollten wir mal schnell eine aufenthaltsgenehmigung in der ausführung einfach, weil wir aus der EU sind, beantragen. Eine stunde vor toresschluss waren wir in der ausländerbehörde, leider geht so etwas nicht vor ort in der lokalen mairie, wie wir zuvor schon erfahren hatten. Eigentlich wollte ich nur meiner meldepflicht nachkommen und dann haben wir das kleine volle programm angefangen.
Nach über einer stunde stehen und warten im vollen warteraum, mit schrittweise vorwärtsgehen, wie in der flughafenschlange, fehlten lohnbescheinigungen, was auf keiner webseite erwähnt wurde. Erfolgloser abgang und ein weiterer versuch am folgenden tag in der früh.

Am nächten morgen den schlaf abgebrochen, ohne kaffee los und angestellt. Schon die schlage vor dem verwaltungsgebäude war hundert meter lang, weil taschenkontrolle. Eine viertelstunde später standen wir in der ausländerschlage wie am tag zuvor. Einige gesichter kannte ich schon. Nach einer stunde waren wir an der reihe, alles dabei und leider ist die probezeit des arbeitsvertrags aber erst in einem monat vorbei, also noch keine unbefristete arbeit, und somit gibt es den zettel noch nicht. Wieder umsonst, nur in einem monat bin ich nicht mehr hier. Vielleicht geht es auch, dass Sabine es für mich mit erledigen kann. Bürokratie und Frankreich, merde.

Ein anderer faktor erleichtert die weiterfahrt, das wetter im Nord-Pas-de-Calais. Es regnet hier sehr oft, das meer ist nicht weit entfernt. Aber dieser August war wohl eine ausnahme, sonne satt, trocken, warm und angenehm, vielleicht schon zu warm für diese gegend. Pünktlich zum ende der generalen ferien in Frankreich hat der sommer dann aufgehört. Zeit zum abreisen.

Aber vorher gab es dann noch einen ausflug in die region. Hier ist das ehemalige kohlenrevier frankreichs und viele zechen stehen unter denkmalschutz. Die abraumhalden sind kulturerbe und die bergarbeitersiedlungen werden teilweise restauriert. Das ganze bei typischen lokalen wetter, wir sind aber trocken geblieben.

20160904 abraumhalde 11/19

 

20160904 zeche 11/19

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

Das schiff soll immer noch schwimmen, alles superbestens und meinen abholer habe ich auch schon terminiert.

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Bienvenue chez les Ch’tis

Problemlose wohnungsübergabe, entspannter umzug, fähige möbelpacker, ich hatte nur einen karton zu wenig. Mittags um zwei war alles vorbei, noch schnell ein plausch bei der nachbarin und danach los. Zeit hatte ich noch genug, also einmal mit der ringbahn um Berlin herum gefahren, abschied nehmen.
Der busbahnhof war am Fr abend voll und der bus nach Paris wollte mich nicht mitnehmen. Ich war schon genervt, schnell zum fahrkartenschalter und siehe da, der bus nach London ist meiner. Erster einsteiger, fensterplatz und neben mir frei, ging es fahrplanmässig einmal durch alle Beneluxländer pünktlich zum ziel. Der umzugsunternehmer war bei ankunft auch schon da und wieder waren die jungs am mittag fertig und verschwitzt. Alle kartons auf drei ebenen verteilt, meine schränke waren auch zerlegt, weil der umzugswagen zum platzen voll war.

20160811 Lille

 

Nach fünf tagen waren die schränke wieder zusammen gebaut, die bücherregale mit der wand verdübelt, und ich habe den ersten kontakt zur bausubstanz bekommen. Die ursprünglichen wände des hauses sind mit einem gemisch aus lehm und pflanzenfasern verputzt worden. Der gleiche aufbau wie die decken, dort auch noch mit einer hauchdünnen gipsschicht. Mal eben eine lampe dort aufhängen wurde zur tagesbaustelle und einem handgroßen loch.
Die neueren senkrechten raumbegrenzungen sind oft hohlraumwände und nur mit spezialdübeln zum halten der regale zu überreden. Der dafür angesetzte baumarktbesuch war für mich enttäuschend. Der laden war riesig, ich fand mich thematisch zu recht, doch sind mir die produkte fremd. Die beschreibung in der landessprache und meine über jahrzehnte geliebten produkte gibt es hier natürlich nicht. Der vergoldungsfaktor hat mir dann noch den atem geraubt, pauschal alles um die hälfte teurer.

Der anschließende supermarktbesuch war hingegen gigantisch. Der sichtbare hauptgang war so um dreihundert meter lang. Die gemüseabteilung war so groß wie ein handballfeld, dafür die frischfischdarbietung für französiche verhältnisse nur normal, eher unterdimensioniert, aber trotzdem beeindruckend.

20160801 fischallee

 

20160801 kaesestrasse

 

Wo es in deutschland eine käsetheke gibt, sind es hier dreimal dreißig meter käsestraße plus einer zwanzig meter darbietung weiterer sorten mit bedienung, die hiesige theke. Das gleiche gibt es auch für fleisch mit angeschlossenem pastetenbereich.
Nur braucht man die riesige auswahl von zehn oder zwantig verschiedenen sorten jeglichen lebensmittels? Oftmals auch dasselbe produkt in unterschiedlicher verpackung. Ich empfinde auch fünfzig meter weinregal als entdeckungsabenteuer, zumal der großteil der flaschen aus diesen land kommt. Im gleichen verhältnis gibt es reiniger, tiernahrung, kaffee, konserven und und und…
Da wir mit dem bus und zu fuß angereist waren, war die tragekapazität beschränkt, aber ansonsten konsumiert man in der verwirrung automatisch mehr als gewollt. Die kreditkarten glühen und die zusätzlichen kalorien wandern an die hüften. Was keinen kunden findet, geht in den müll.

Ich lebe nun schon seit wochen zwischen kartons und das ende ist noch nicht in sicht. Wohin nur mit den ganzen sachen, und in der steigerung wird das neue heim auch noch gestrichen. Wenigstens gibt es wieder internet, hat nur über eine woche gedauert. Der provider musste den servicetechniker losschicken, um im verteilerkasten an der straßenecke ein paar kabel neu zu patchen. Und dann merkt man, dass sich nichts weltbewegendes ereignet hat, keine wichtigen mails, kein neuer aktiver krieg in der welt, nur weitere vorbereitungen.

Was ist hier anders als am alten standort: Zum einen kann man auch seine falsch gekauften artikel oder die zuviel gekauften im baumarkt zurückgeben. Leider spricht man/frau an der rezeption aber gar kein englisch oder deutsch, und somit habe ich die arschkarte. Sprachtechnisch ist das hier ein ignorantes volk, mit teilweisen lichtblicken. Abbuchen von der kreditkarte geht, zurückbuchen nicht. Sehr wahrscheinlich mein eigenes kartenproblem.
Das bier hier ist trinkbar und es haben sich die kronkorkendrehverschlüsse durchgesetzt, bei den hiesigenn viertelliterflaschen muss also häufiger gedreht werden. Die mülltrennung ist auch gut, zwei mülltonnen. Die eine ist für wieder verwertbar in form von plastik, glas, papier, metall und der rest in die andere tonne. Das führt dazu, dass die wiederverwertung nicht nur termisch funktioniert, sondern billiglohnkräfte den recyclingmüll trennen. Finde ich besser als trennen und alles zusammen verfeuern, das können wir selber, denn hier gibt es auch einen kamin. Werbung im postkasten, ja bitte – braucht man auch zum anfeuern.

20160811 industrieruine

 

Dann ist mein neuer wohnsitz in einer gegend, in der es nur grobe bauvorschriften gab, oft sind zwei häuser nebeneinander gleich oder es ursprünglich gewesen, der rest ist recht frei gestaltet. Das material, die dachschrägen und weitere kleinigkeiten wurden vorgegeben und bei der kleinen grundfäche der oft zweistöckigen häuschen hat sich vieles angeglichen. Das gefällt mir, alles sieht anders aus, und als krönung gibt es auf den häusern noch alte aktiv genutzte fernsehantennen. Dazu kommen die freikabel entlang der hauswände über der eingangstür, für die stromvesorgung. Für meinen geschmack besser als die briten mit ihren abwasserrohrgeflechten außen an der fassade. Als netter abschluss ist noch der wetterhahn auf der nicht nervigen kirche zu erwähnen. Hier gibt es keine aktive unnötige sektenheranlockung, nur alle halbe stunde ein pling und zur vollen die stundenzahl, aber erst morgens ab acht.

20160812 kabel antennen

 

20160812 moderate kirche

 

Ich persönlich muss meine spähenden augen in der signalaktivierung massiv unterrücken. Sollte ein pfandsystem doch für eine längere nutzung von getränkeflaschen dienen, so wurde in Deutschland das system von der getränkelobby ausgehöhlt und pervertiert. Wenn ich dosen oder flaschen am boden sehe, so bin ich willig, diese aufzusammeln – bringt doch eine dose fünfundzwanzig cent. Das sind fünfzig pfennig und das war früher mein taschengeld für eine woche. Heute wie damals kann ich doch kein wochentaschengeld auf der straße liegen lassen. Aber die dosen in Frankreich haben kein pfand, nur der pawlowsche reflex erzeugt für einen sehr kurzen augenblick ein strahlendes lächeln, ich arbeite daran.

Die anzahl der kartons reduziert sich nun rasch und bei zweidrittel stagniert die reduktion. Dafür haben wir schon sechzig stück davon, sowie einen badezimmerschrank und einen kleinen aktenschrank über das französische kleinanzeigensystem an neue besitzer gebracht. Wir haben nämlich zu wenig platz, es fehlen die stellwände und der keller ist wegen feuchtigkeit nicht zu nutzen. Das gartenhaus platzt aus allen nähten. Es ist immer leichter, wenn man sich beim umzug auf der fläche vergrößert. Doch ewiges wachstum ist eine illusion und jetzt kommt der erste einbruch im leben. Wo sollte denn hier noch der schiffsinhalt untergebracht werden, kein platz.

Mein schiff soll nach neuesten nachrichten noch schwimmen, alles bestens, und in drei wochen bin ich wieder im urwald.

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Abschied von Berlin und mein TOxit

Das waren jetzt sechs jahre Berlin. Zum anfang bin ich noch nach Hamburg zur schiffsbaustelle gependelt und dann auf dem wasserweg zum zweiten schiffsfriedhof meiner laufbahn nach Spandau geschippert. Dann den job geschmissen, das schiff fertig gestellt und losgesegelt. Wie schnell doch die zeit vergeht.

Zum monatsanfang mal etwas erfreuliches von der arztfront, die blutwerte sind sehr viel besser geworden, und die plötzliche entzündung ist weg, einfach so. Der gesündere lebenswandel zeigt also wirkung. Das ct der nebenhöhlen ist auch in ordnung, also muss ich nur noch zweimal zum zahnarzt. Der marathonmann läuft im kopf immer mit.

Das aufräumen und einpacken für den umzug soll diesmal auch zu einem ausräumen führen. Da kommen alte schellackplatten und viele überflüssige bücher zum vorschein. Letztere füllen zwei kartons und sind zum verschenken. Dabei habe ich eine unschöne art der ebaymitmenschen kennengelernt: Zusagen und nicht kommen. Erst beim dritten mal hat es dann doch funktioniert.
Viele weitere ladenhüter haben dann noch den besitzer gewechselt, auch die schellackplatten, die ich mitte der siebziger vom sperrmüll gezogen habe. Seitdem sind sie ständig mit mir mitgezogen, wurden nicht abgespielt, doch jetzt ist damit schluss.

Der zweite zahnarzttermin ging auch glimpflich ohne narkose ab, die entzündung geht zurück. Zurück hatte sich auch die provisorische füllung vom ersten termin gezogen. Glücklicherweise am abend vor der zahnstuhlsitzung.
Die zweite neue füllung hielt leider nur vier stunden, vielleicht ist die weingummimischung daran schuld. Also am nächsten tag eine weitere dritte provisorische füllung für den zahn. Ich hoffe, dass die finale dann etwas länger in der angedachten position bleibt.

Meinen TOxit habe ich dann auch gleich vollzogen. Hatte ich doch gehofft, dass der “verein zur förderung des hochseesegelns” (TO) wieder zurück ins fahrwasser gerät – ist aber so nicht gekommen. Da werden stützpunktleiter mit hilfe von konspirativen yachtzeitschriften in einem laufenden verfahren diffamiert und dadurch gleichzeitig vorstandsunschädlich ins off transferiert. Ich empfand den vom verein geduldeten und inoffiziellen stützpunktleiter auf den Kapverden als hilfsbereit und nett, zumal diese person null geld für ihre arbeit erhält. Er hat nur einen groben fehler begangen, hat er doch einen antrag auf neuwahl des vorstandes eingereicht. Eine anwesende gerontenmehrheit auf der hauptversammlung stimmte dagegen.
So läuft das im TransOcean verein ab, das hat tradition. Bei der letzten jahreshauptversamlung in Cuxhaven wurde mit einer kleinen mehrheit auch die erhöhung der mitgliedsbeiträge um fünfundzwanzig prozent beschlossen. Insgesamt waren um neunzig mitglieder vor ort, von über viertausendfünfhundert. Sieht so ein mehrheitsbeschluss aus, wenn menschen, die nicht vor ort sind, keine stimme haben. Dieser versuchte hasenzüchterverein ist in der bredouille, will er das hochseesegeln fördern, doch die aktiven mitglieder dürfen nicht mit abstimmen, keine stimmübertragung oder vollmachten an andere abgeben. Dazu noch zu viele unsinnige, kostspielige klagen, personalaufstockungen und in meinen augen misswirtschaft. Dies ist eine demokratievariante auf einer gefangenengaleere, allerdings mit ausstiegsoption einmal im jahr, auch TOxit genannt.
Transparenz gibt es nur im sauberen bootslack. Es geht auch ohne diesen verein. Die segler untereinander helfen sich meiner erfahrung nach gegenseitig, und die stützpunktleiter helfen auch nichtmitgliedern, wie ich es persönlich beansprucht habe.

Die chilebuchbestellung teil zwei ist auch nicht angekommen. Sie ist schon zwei wochen überfällig, mit dem brexit hat das wohl nicht zu tun. Der buchhändler ist diesmal mailaktiv und der oberbuchversender hat auch die mögliche rückabwicklung schon abgenickt. Nur das hilft gerade gar nicht, weil ich es schnell brauche. Mal sehen, ob das buch notfalls hier auf dem kontinent zu bekommen ist.

Tage später: Das musste ja so kommen, rückabwicklung die zweite und buchbestellung die dritte. Ich hätte es auch direkt beim RCC bestellen können, die sind aber auch auf der insel. Somit das ganze bei einem deutschen nautikbuchhändler. Über die hälfte teurer, als die letzten beide versuche.

Umzugsszenerie: Die wohnung verschwindet jetzt sehr schnell im karton, die wände sind bilderlos und die regale alle leer. Den neuen nachmietern gönne ich die wohnung, zicken sie auch nicht rum und sind freundlich. Schlimmer ist die hausverwaltung, denn da wird am Fr nachmittag nicht gearbeitet. Wir sollten doch einfach am Mo die wohnung übergeben, während der geschäftszeiten, geht’s noch? Wenn alles gut läuft, sind die umzugsmenschen verschwitzt am mittag fertig, dann folgt die wohnungsübergabe und ich sitze abends im bus in richtung Lille. Alles schon gebucht, unstornierbar. Aber da sind die grausamen realitätsgrenzen des arbeitswütigen dienstleistungsgewerbes. Weil es so warm ist, geht am Fr nach zwölf nichts mehr, was für ein unglaublicher wohnungsverwalterservice. Somit machen wir die neuen nachmieter zu bevollmächtigten der wohnungsübergabe, und damit hoffentlich nicht den bock zum gärtner.

Zurück zum buch: Beim dritten mal hat es jetzt endlich gedruckt, der revierführer für Chile in der neuen dritten auflage wurde heute von den braunen männchen abgeliefert. Wie immer freundlich, schnell und unbeschädigt. Die gelbroten versuchen das schon seit vielen jahren. Vielleicht sollte es auch so sein, die beiden ersten bestellversuche hätten nur die alte zweite auflage gebracht.

Und zum schluss noch eine gute nachricht von der farbbeschaffungsproblematik. Ein fünfliter gebinde meiner lieblingsfarbe in Berlin zu erstehen, scheiterte schon vor einem jahr. Jetzt hatte sich ein weiterer motubauer auf den weg noch Holland gemacht, um größere mengen zu kaufen. Die abwicklung für meinen topf lief schwierig und doch ist er jetzt da. Vielen dank, Richard, für deine mühe.

 

20160728 BRDdigung

 

Das war es erstmal mit diesem system. Mehr das nächste mal aus dem land des weißbrotes.

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Back to my roots

Aufregen und ausrasten vor dem rechner bringt ja rein gar nichts, nada, also lass ich das mal sein. Der buchversender von der englischen insel hat anscheinend mein geld genommen und das einiger anderer auch und hat den laden einfach dicht gemacht. Das ist ärgerlich, zumal ich den weiteren seeweg meiner reise planen wollte. Das muss also noch erfolgen.
Der internetbasierte oberbuchhändler hat mir mein geld aber erstattet und eine neue order ist schon auf dem weg. Hoffentlich kommt diese an. Alternativ habe ich viele beschreibungen aus dem netz heruntergeladen – wird auch reichen müssen, im schlimmsten fall.

Meine planungen laufen also erstmal ohne die notwendige literatur weiter. Ich habe über fünfzig ankerplätze und mögliche häfen in meine karten eingetragen. Dazu habe ich noch eine weitere wetterseite gefunden (leider nur online) mit strömungen und wellen, das ganze von jedem ort auf der welt.

Und damit fangen die überlegungen an: Es wird keine spazierfahrt bis nach Kap Hoorn. Was danach dort abgeht, kann indes entspannter gesehen werden.
Zum einen habe ich ein zeitfenster, das man einhalten sollte, da unten in Patagonien. Am besten von januar bis spätestens april sollte das revier durchfahren sein, danach kommt der südwinter. Der zweite aspekt ist die entfernung dorthin, der kürzeste weg von Franz. Guayana wären viertausendsechshundert seemeilen, die aber so nicht gesegelt werden können. Das thema richtiger wind kann erstmal vernachlässigt werden. Zum anfang muss ich zum passatwind gegenan, das bringt wenig spaß und geht langsam.
Dafür muss ich erstmal ein stück zurücksegeln, richtung Afrika, aber innerhalb eines korridors, in dem die strömung gegen mich am geringsten ist. Nach eintausendfünfhundert seemeilen kann ich dann rechts abbiegen, richtung süden.

Realistisch denke ich mal dauert das einen monat. Das sind viele tage, an denen ich mich fragen kann, warum und muss das sein und warum habe ich den masochisten in mir nicht früher entdeckt. Danach noch weitere achthundert meilen südlich bis nach Brasilien. Dort kann ich dann lebensmittel und andere vorräte auffüllen. Aber ich bin dann erst im norden des kontinents. Bis Rio de Janeiro sind es noch dreizehnhundert meilen und da ist auch schon der zweite monat verbraucht.
In Montevideo bin ich nach weiteren tausend meilen. Da ich aus Guayana nicht vor ende september wegkommen werde, wäre es jetzt schon ende november. Den rest bis Kap Hoorn von zwölfhundert meilen schaffe ich bis ende dezember. In der summe sind dies fünftausendachthundert seemeilen, im optimalen fall.
Soweit alles gut, nur ich sehe von den ländern kaum etwas und der wind muss mit mir gut sein, das ist wunschdenken. Wenn das alles einigermaßen klappt, kann ich mir drei weitere monate den arsch in Patagonien abfrieren. Das ist das ziel und meine idee. So schnell komme ich da auch nicht wieder hin, und es soll sich ja landschaftlich lohnen. Karg, öde und einsam gefällt mir, jetzt noch aus der warmen perspektive Berlin gesprochen.

Für ein paar tage bin ich nach Hamburg gefahren, um nach dem rechten zu sehen. So bald werde ich dort auch nicht mehr auflaufen, wenn alles nach plan läuft.
Diese kurze reise hat sich um einen tag verschoben, fieber, irgendeine nicht schmerzhafte entzündung. Arzttermin, besorgnis und blutabnahme, wenn es akut ist, meldet er sich.
Und das hat er auch getan, also ist das nicht lustig, aber ich bin erstmal in Hamburg und habe den arzttermin auf nächsten Montag gelegt. Positiv denken, immerhin ist es keine malaria, das wurde auch getestet.
Der zweite termin war schon besser, wieder aderlass und kein rückruf. Dafür war ich noch beim halsnasenohrenarzt, gleiches haus, gleicher stock, nur andere seite. Auch nichts konkretes, aber vielleicht bringt ein ct der chronischen nebenhöhlen eine erkenntnis. Und da altwerden auch probleme mit sich bringt, bin ich noch den kurzen schmerzen im zahnbereich nachgegangen. Jetzt habe ich eine wurzelbehandlung bekommen, bis zwei tage vor dem umzug, na klasse, hat mir noch gefehlt.

Diese roots meinte ich allerdings nicht. Vielmehr war doch über vierzig jahre Hamburg meine heimat. Während des kurzen aufenthalts konnte ich nur ein paar sehr wichtige freunde treffen, die vielen schönen plätze der stadt müssen noch warten. Und ein paar der speziellen orte, die ich in guter erinnerung habe, sind auch schon weggebaggert, leichte wehmut. Zum beispiel die damals ganz neue klinik im krankenhaus, wo ich das licht erblickt habe. Heute schon platt und durch ein neues haus ersetzt.

Das erste buch über ankerplätze im südlichen pazifik ist mittlerweile angekommen und hat sich schon bewährt. Die auf zwei blogs erwähnten inseln in der südsee habe ich sofort im buch gefunden. Jetzt fehlt nur noch das andere buch über Chile. Eigentlich läuft es sehr gut, der backupkompass ist auch eingetroffen. Und für die warmen gewässer habe ich noch ein neues tauchset geordert. Zwei tage später, im exakten zeitintervall wurde es angeliefert. Einer unterwasserreinigung des schiffsrumpfs steht nur noch die ekelige braune brühe in Guayana im sichtweg.
Dann fehlen nur noch mitsegler, aber an der front ist stille. Für eine langweilige atlantiküberquerung findet man genügend leute, für Kap Hoorn sieht es schlechter aus. Ein netter hat sich gemeldet, mal sehen, wie und ob es weiter geht.

In weniger als einen monat ist hier der umzugstermin, also nachmieter finden, packen, versorger kündigen und so weiter. In ein paar wochen gibt es neues zu berichten.

 

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