Hello Tahiti

Es ist alles sehr, sehr teuer hier. Die marina saugt einem die kohle unter den fingernägeln heraus, fast vierzig euro die nacht plus strom und wasser. Dafür ist das wifi sehr langsam und nicht am schiff zu empfangen.
Meine erste aktion ist der besuch eines zahnarztes, um den backenzahn zu retten.

Damit ich ein wenig luft habe, ist die marina für eine woche meine. Es funktioniert hier fast alles, und ich habe die zeit, meine baustellen zu reduzieren. Die baustelle zahn ist für sechzig euro behoben oder aufgeschoben. Beim nächsten mal geht der zahn von bord, er ist schon gebrochen, schade.
Die nächste baustelle ist auch schon behoben, der oberwantenbeschlag, und eine neue ist dafür hinzu gekommen. Alles hatte ich so schön vorbereitet, die deckenverkleidungen innen abgeschraubt und wollte noch die isolierung entfernen. Habe ich dann doch sein gelassen, zu viel dreck und styrodur brennt nicht, schmilzt nur. Ich wollte noch ein brett im deckenbereich als abdeckung darunter stellen, habe ich aber vergessen.
Das schweißen ging unerwarteterweise sehr gut, ab und zu habe ich unten mal vorbei geschaut, alles war ok. Und dann hatte ich so einen guten run mit dem schweißen, die sticke zündeten super und das resultat war für mich sehr akzeptabel. Es fiel mir noch auf, dass nur noch vier zentimeter zum vollkreis fehlten, dann wäre die halterung ab gewesen. Dann nochmal nach unten schauen und da kam auch schon der qualm heraus. Etwas heißes war auf einen plastikdeckel getropft, dieser brannte, das styrodur ist weggeschmolzen, das küchenregal durch die strahlungshitze schwarz gekokelt und ein handtuch glimmte vor sich hin. Schön, dass ich meine schweißerhandschuhe an hatte und so das feuer löschen konnte. Dumm war nur das geschmolzene plastik auf dem handschuh. Das hätte sehr böse enden können, glück gehabt. Was beim aufräumen noch ekelig ist, brennendes styropor erzeugt kleine schwarze fäden und die sind jetzt weit verbreitet im schiff, dreck.

20180908 brandopfer

 

20180908 brandopfer isolierung

 

Unten im schiff ist alles durcheinander, die nächste baustelle habe ich eröffnet. Die motorfundamente im vorderen bereich werden erneuert, habe ich noch von den Falklands auf lager. Dafür muss aber der generator weg, die batterien darunter raus und der warmwasserboiler muss auch weg. Das alles ist schon ein akt und den boiler habe ich dann auch gleich versetzt, einen meter weiter zum bug. Das hätte ich schon in Berlin machen können, nur damals war er fast neu und heute habe ich die hülle mit dem zwei kilogramm hammer bearbeitet. Nun passt er unter das bodenbrett. Mit einem neuen macht man so etwas nicht.

20180909 boiler

 

20180909 boiler neuer platz

 

Heute habe ich das chaos zum sonnenaufgang verlassen, es ist Sonntag, markttag in der halle und auf den straßen davor. Es ist jeden tag markt, nur heute ist mehr davon. Warum ich gestern fisch im supermarkt gekauft habe, weiß ich heute auch nicht mehr, in der halle gab es davon reichlich und geruchsintensiv. In der anderen halle sind die asiaten zahlreich am zerhacken von gegarten gänsebrüsten, hühnern oder riesigen portionen vom schwein. Gern auch mal was rohes dazwischen. Vor dem frühstück meldete sich mein magen mit warnungen bei den gerüchen. Zwischen dem fleisch und dem fisch gab es backwaren, warum dort, wer weiß. Ich habe mir zwei schokocroissants gegönnt, der preis war überall gleich.
Draußen gibt es dann alles in schälchen und die haben ihren preis. Man sucht aus, es kommt in eine tüte und das geld wechselt den besitzer. Nur beim eierverkäufer lief das nicht so glatt. Dort gibt es immer nur eine große palette von fünfundzwanzig stück und ich wollte nur zwölf. Macht er nicht, obwohl er schon die dutzendpackung gefüllt hatte. Dann eben bei der nächsten eierfrau. Nach den karotten, tomaten, salat, paprika und gurken habe ich mir noch drei kleine wassermelonen gegönnt. Und wieder zurück zum chaos, kaffee mit dem gebäck zum frühstück. Die fotos sind vom wochentag, am Sonntag ist es zu eng, zu viel gedrängel und mehr diebe.

20180910 markthalle

 

20180910 markthalle

 

Eine information an die leserschaft und besonders an diejenigen, die kommentare absenden. Ich zensiere eigentlich nichts, aber ich habe einen spamfilter und da gibt es einstellungen, damit roboter mich nicht zutexten. Auch gibt es einen länderfilter und jetzt kommt der punkt: Falsches land und der kommentar ist in der quarantäne und wird automatisch nach vier tagen gelöscht, wenn ich nicht einschreite. Nur während ich auf dem meer bin, kann ich nicht handeln. Ich bekomme nur eine mail mit dem inhalt des kommentars und deshalb erfahre ich es überhaupt. Also bitte nicht böse sein, wenn das geschriebene nicht erscheint, danke zum beispiel an Hugo für seine textergänzung, du oder dein server waren im falschen land.

Die motorfundamente sind noch am Sonntag fertig geworden, die halterung vorne links ist nicht ohne richtigen aufwand lösbar. Dafür müsste die seewasserpumpe entfernt werden, um an die schrauben heranzukommen. Dann fast alles tastend in einem halben meter tiefe, gibt nur weiteren ärger. Irgendwie habe ich den motor mit den fundamentschrauben und am ende mit einem wagenheber leicht hoch bekommen. Das in sich zerlegte fundament raus, das neue angepasst, austausch und absenken. Ich bin nicht glücklich mit der lösung, der gummipuffer hat nur eine schraube zum motorwannenblech bekommen, muss halten. Beim probelauf hat sich Mr Perkins nicht so sehr bewegt und beim ausschalten nicht so gerüttelt.

Da vieles zugänglicher als sonst ist, habe ich am Montag den hauptölfilter gewechselt, ein wenig öl hinzu und fertig. Danach bin ich zum batterien suchen durch die stadt gelaufen. Die läden sind verteilt und so habe ich gegenden gesehen, die ich sonst nicht betreten hätte. Im ersten marinezubehörladen wurde die standard hundert amperestunden batterie in agm technologie für dreihundertachtzig euronen aufgerufen. Und ich brauche zwei davon. Um die ecke gab es ein autozubehörgeschäft mit einer markenware zu zweihundertzwanzig oder ohne marke für hundertfünfzig euro das stück. Geht doch und schon hatte ich sie fast gekauft.
Die temperaturen stiegen schon auf dreißig grad, der nächste marineladen machte mittagspause und ich habe mich auch irgendwo an einem stinkenden kanal im schatten ausgeruht. Auf der anderen seite war ein geschäftiges treiben, aber so nicht auszumachen. Es stellte sich als gartenbaumarkt heraus und dieser hatte als promo die batterie für neunzig euro. Kein agm, aber wartungsfrei, das reicht. Meine lichtmaschine macht sowieso nicht genügend volt für die teuren batterien, also das ist ok.
Dann noch einen letzten dealer angelaufen, der konnte aber nichts und zurück zum schiff. Die gute alte handkarre herausgekramt und wieder zum gartenmarkt. Mal sehen wie lange diese teile halten, wenn es nur ein viertel der zeit der teuren batterien ist, passt es immer noch.
Am schiff nassgeschwitzt angekommen, das blei ins schiff gewuchtet und eingebaut. Erster fehler, die pole sind vertauscht, hatte ich nicht richtig bedacht. Passt aber trotzdem und der anlassser zieht sauber durch, hurra. Wenn nach dem ausschalten nur nicht dieses plätschern wäre.
Ich hasse diese selbstverursachten mißgeschicke und schreien hilft da auch nicht so richtig. Den öleinfülldeckel habe ich nicht wieder reingeschraubt und dort ist auch der rücklauf des nebenstromfilters dran. So pisste dort das schöne motoröl heraus und sammelte sich, nachdem es über den ganzen motor gelaufen ist, in der wanne bei den motorfundamenten. Hat man keine arbeit, macht man sich welche.

Vielleicht sollte es ja so kommen, es war viel öl, zwei normale, eine sehr große küchenrolle und ein paar lappen mussten kräftig saugen, um das große blech unter dem motor zu säubern. Ich habe fünf liter wieder aufgefüllt und somit war es der erste ölwechsel nach achtzehnhundert stunden. Die eiserne motorölreserve ist jetzt in der benutzung und einen neuen kanister habe ich gestern dann auch gleich noch gekauft.
Zur mittagszeit war ich noch einmal beim zahnarzt, durch eine plötzliche gehstoppbewegung hatte ich die beiden kauleisten aufeinander gepresst, die zunge war glücklicherweise nicht dazwischen. Nur eine ecke der neuen füllung war danach im mund. Ein patient war vor mir da, also bitte warten.
Da hat man zeit zum nachdenken und so langsam kamen mir gedanken zum spannungsabfall von batterien während des startens, die scheinbar ok sind, in den kopf. Da das bei mir der fall war, konnte während dieser zeit das magnetventil auch nicht ziehen und den diesel frei geben. Am abend hatte ich es dann wieder eingebaut, funktioniert wieder. Ein guter tag für Mr Perkins, frisches öl und ein intaktes ventil.
Für mich lief es dann nicht so gut, durch den biss ist der zahn weiter gebrochen und locker. In zwei stunden, morgens um acht kommt er raus, der zweite zahn in meinem leben, ade.

Dafür, dass er gewackelt hat, war er noch sehr fest verankert. Viel betäubung hilft viel, trotzdem bleibt so ein merkwürdiges gefühl beim herausreissen. Das war der problemzahn mit der nervigen wurzel. Dass das ganze aber so blutig wurde, habe ich nicht gedacht, eine erinnerung an einen schlachthof kam auf.
Nichts heißes essen, keinen sport treiben, wenig bewegen, was kühles und keine akrobatik. Somit war kein masttag angesagt und die aufgaben müssen am Do erledigt werden. Ich bin stattdessen zur motu-uta gelaufen, namensgeberin meiner hauptbausponsorin. Luftline unter tausend meter, nur ich musste außen herum zur ehemaligen insel laufen. Dort hat sich der zoll niedergelassen und der gibt einem einen zettel für duty free diesel. Das ging super schnell und war sehr einfach. Bei der rückkehr war intensives kühlen des mundraumes angesagt.

Einen tag vor der abfahrt aus dieser marina war dann doch noch gerödel. Mehrfach war ich im mast, weil ich das richtige werkzeug nicht dabei hatten, aber am nachmittag war die liste abgearbeitet und das chaos im schiff grob beseitigt. Morgen am Fr geht es fünf meilen weiter zur anderen marina, dort kann man draußen auch ankern.

War das ein erholsamer aufenthalt in dieser marina Papeete, eher nicht. Das war mir vorher klar. Der romantische ankerplatz zur hafenmole, den tausende segler bis in die späten neunziger genutzt haben, ist der marina zum opfer gefallen. Damals lag man mit dem heck zur mauer und kostenfrei. Die vierspurige straße nahm man in kauf. Heute zahlt man viel geld für eine sechsspurige hauptstraße. Morgens um fünf fängt der verkehr an und endet spät abends. Dann gibt es auf der anderen seite ein nachtlokal mit livemusik, die gassenhauer der letzten vierzig jahre. Kein schönes erlebnis. Das einkaufen von hier ist weit, nur der markt ist nah. Auch sind die mobilen restaurants nur fünf minuten weit entfernt und so wollte ich am letzten abend dort vieles probieren. Der zahn kam dazwischen, kein streetfood.
Papeete ist recht groß, vieles ist heruntergekommen, zu vermieten oder abbruchreif. Etwas richtig altes gibt es nicht, nur der kleine park auf der anderen straßenseite. Man muss hier nicht unbedingt den hafen anlaufen.

Am vormittag habe ich mich dann davongemacht, in richtung der anderen marina. Wieder einmal vergebens den port control gerufen und das jeweils zweimal, auch vor der landebahn des flughafens. Keine antwort, also habe ich den besonderen bereich nach einem flugzeugstart schnell überquert. Ich weiß nicht, ob die böllerschüsse mir golten, ich war aus meiner sicht keine gefahr. Am anderen ende das gleiche spiel. Von oben habe ich unten im funkgerät gebrabbel gehört, vielleicht auch meinen schiffsnamen, nun denn. Heute habe ich mal die handfunke durchgemessen und zwei kabel hatten keinen durchgang, kein lautsprecher und kein was weiß ich. Also dieses kabel muss neu.
Als ich beim flughafen um die ecke bog, traute ich meinen augen nicht, über hundert schiffe liegen hier vor anker oder an einer mooring. Eine lücke zur marina habe ich gefunden, nachdem ich den zollfreien sprit getankt habe. Das ist reichlich diesel für dreiundsiebzig cent pro liter, bis neuseeland mindestens. Die marina ist römisch katholisch und ich mag das nicht, schwer einhandtauglich. Mein plan sieht es vor, am Mo wieder hier aufzubrechen, da es reichlich wind gibt und der stimmt für den weg rüber nach Moorea.

Aber der plan ging schon wieder nicht auf, zuerst kein wind, dann ein wenig, danach zehn minuten reines segeln und am ende wieder einrollen. Dazu teilweise regen bis kurz vorm pass in Moorea. Die wolken waren noch tief, aber unten konnte ich gut sehen, einen platz suchen und den anker wieder fallen lassen. Jetzt bin ich in einer der bekanntesten buchten der welt und es ist dauerregen, so ein mist. Aber irgendwann kommt auch die sonne zurück.

20180918 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Heute morgen konnte ich draußen frühstücken, der regen hatte am späten abend aufgehört. Nach dem baguette jedoch kam der niesel zurück. Die cookbay im regen, na schön. Meine vorstellung dieses platzes war vielleicht auch realitätsfern. Rings um die bucht verläuft eine straße und das ist ab und zu laut. Der fluss, der hier endet, bring viel sediment mit sich, das wasser wird sehr braun, türkis ist es sonst. Aber im großen und ganzen ist es recht nett, die schiffe hängen nicht so dicht bei einander, man hat platz.

20180918 cookbay regen

 

Das war am letzten ankerplatz nicht der fall und zum wochenende wurde es richtig nervig. Jeder der ein motorboot, jetski oder ähnliches hat musste da lang fahren, mit vollgas am ankerfeld vorbei. Ich hoffe, dass seine schraube einen schaden bekommen hat, derjenige, der meine ankerplastikflasche abgefahren hat.

Es sind nicht die bellenden und heulenden hunde in der nacht, nicht die knatternden mopeds oder die ausflugstouristen auf den gelben quads in fünfergruppen. Diese bucht hat ihre guten zeiten vor dreißig bis vierzig jahren gehabt, dann gab es einen boom mit urlaubern, die etwas besonderes haben wollten. Die ressorts und hotelanlagen entstanden und noch mehr leute kamen und noch mehr verkehr. Und schon war die küstenstrasse laut und die ersten kleinen hotels mussten schließen und verfallen langsam. Ich wiederhole mich, aber hier rottet es vor sich hin. Die defekten baumaschinen am ende der bucht stammen aus den guten zeiten, heute sind sie zugewachsen und rosten weiter. Viele der häuser sind verlassen und haben das gleiche schicksal.

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Eine bucht bin ich weiter und hier sieht es besser aus, von weitem sehr gepflegt und bewohnt. Am anfang haben sich die schiffe gehäuft, am riff so um die dreißig bötchen und am ende der bucht keins. Mich hat es dann auch in die mitte gezogen, dort war ein neueres schiff und altlasten. Das ganze vor einem magasin, was will man hier mehr. Die auswahl ist aber schlechter, als auf den atollen. Warum sich nur die menschen mit schiffen als herdentrieb auf einem fleck sammeln müssen.

20180919 cookbay nachbarbucht

 

Mein nächstes ziel wird morgen früh in hundert meilen entfernung erreicht werden. Somit habe ich gute dreißig stunden zeit, um durch den pass von Raiatea zu fahren und zu ankern, ohne verlust.

Veröffentlicht unter innenausbau, motivation, Refit, Reise_2018 | Hinterlasse einen Kommentar

Ade Marquesas, auf nach Tahiti

Meine letzte insel der Marquesas, Ua Pou, war mit die beste, vielleicht weil es die finale war. Die letzte insel auf den Kap Verden gefiel mir auch am besten, unter anderem weil sie sehr grün war. Der hauptort hier war gut ausgestattet, ich zählte vier läden, alle mit dem gleichen sortiment, immerhin kleine abweichungen waren auszumachen. Oder es gab ein erweiterungsangebot im non-food bereich. Beim zweiten landgang mit dem schlauchboot blieb ich trocken, habe viel geld gelassen und werde bis Tahiti nicht verhungern.

Der hafen war soweit ok, aber viel bewegung im schiff, und es gibt ja noch mehr plätze auf der insel.

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180814 hausberg hakahau

 

Der nächste kleine hafen von Hakahetau ist nur fünf meilen entfernt, eine stunde. Ich war das dritte schiff und es wurden fünf. Die hafenmole war neu und noch in keinem bericht erwähnt, und so kam ich am nächsten tag wieder trocken an land. Von dem einen laden gäbe es zwei, hieß es, jedoch von außen nicht sichtbar, und sie waren zur mittagszeit auch zu, schade.

Mein landausflug diente der obstbeschaffung und dem besuch des wasserfalls, den es hier geben soll. Diesen habe ich sofort gefunden, nach einer stunde bergauf laufen. Zu Manfred, einem deutschen, der hier schokolade herstellt, habe ich es nicht geschafft. Das wären noch zusätzliche drei kilometer gewesen, bergauf.

Der blick vom ort herunter war sehenswert. Das feuer, das durch den ganzen ort zieht, stammt von einer baustelle für ein neues haus. Dafür musste ein riesiger mangobaum gefällt werden und der wird jetzt jeden tag stück für stück verbrannt.

20180813 hafenblick hakahetau

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht feuer

 

Der wasserfall war vielleicht zehn meter hoch, das wasser sogar mit badetemperatur. Also für meine füße war es ok. Was mir gefiel, waren die vielen erklärungen zur entstehung des ortes, vulkanaktivitäten, erste besiedlungen und an vielen bäumen informationen zur art. Leider nur auf französisch und für mich nur mit brille.

Die zunahme an zäunen hatte ich schon erwähnt, glaube ich, hier gab es sogar stacheldraht am weg zum wasserfall. Vielleicht haben sich zu viele segler bedient, ich habe meistens nur das fallobst genommen.

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

Noch einmal vier seemeilen weiter und ich habe anderntags die absprungsbucht für den nächsten törn erreicht. Mal wieder eine für mich allein, hohe felswände und blaues wasser. Das unterwasserschiff habe ich dann noch kurz mit der bürste bearbeitet, ging noch. Nur habe ich neue bewohner am schiffsrumpf, kleine krebse. Die größeren sind schwarz und in daumennagelgröße, die kleineren sind blass. Diese habe ich auch im wasserfilter gefunden. Die eltern habe ich in Atuona im hafen gesehen und die sind handgroß. In dem leckeren hafenwasser von sehr vielen seglern und einem bach lebt es sich recht gut. Die brut reist nun mit mir, mal sehen wie lange.

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

Dann los. Zum anfang war es mühsam, aus dem windschatten der insel herauszukommen. Da half wieder einmal der motor, strom war auch noch auf der bedarfsliste. Und dann lief es, der richtige kurs, mäßige geschwindigkeit und alles nur unter segeln. Das erste mal seit über drei wochen, dass beide segel im gerefften zustand oben sind. Leider muss ich wohl bis Tahiti auf der steuerbordseite segeln. Das bedeutet, dass das angeschlagene oberwant belastet wird, also alles mit reduzierter segelbelastung.

20180816 letzte bucht

 

20180816 letzte kueste

 

20180816 letzte sicht

 

Die erste nacht war so lala, immer im kopf das want und was für ein geräusch macht eigentlich zerreißendes metall. Am morgen war noch alles vorhanden, in der nacht hatte ich vorsichtshalber die genua ein wenig eingerollt.

Der neue tag auf see bringt mehr wind und es geht sehr gut voran. Wenn das schiff mal unter fünf knoten segelt, denke ich, es steht. Alles im gerefften zustand und es läuft um sechs knoten, super segeln.

Der nächste spannende augenblick ist in dreihundert meilen entfernung. Die route geht durch ein paar motus, also riffinseln eines atolls hindurch. Wenn es passt, halte ich mal an.

Ein kleineres problem besteht seit ein paar tagen und wird durch konsum beseitigt. Mein zweiter brauansatz ging nach hinten los. Das bier schmeckt, aber es hat viel zu viel kohlensäure. Der fehler ist zum einen eine zu frühe abfüllung nach sechs tagen der ersten fermentation. Ich dachte, bei der temperatur wäre das möglich. Zum anderen habe ich den ganzen brauansatz durchgerührt und zu viel zucker hineingegeben. Früher habe ich mit einem teelöffel den zucker in jede flasche gefüllt, viel zu aufwendig. Nun aber ist so viel druck auf den flaschen, dass die erste vor fünf tagen beim umfallen zerplatzt ist. Klebriger gerstensaft in der mittelkabine, schön mit vielen kleinen glassplittern vermischt. Diese sind auf der barfußroute besonders unfreundlich. Vor vier tagen dann ein plopp und zisch, die nächste flasche in scherben, an der sollbruchstelle des bodens. Wieder ist die flüssigkeit im bodenbrettbereich versickert.

An dem abend und am folgenden habe ich alle flaschen leicht geöffnet bis der schaum kam und den druck abgelassen. Danach die flaschen gesäubert. Bisher keine weiteren explosionen, jedoch beim öffnen der flaschen kommt noch immer ein schwell heraus, also nur in der plicht trinkbar, mit anschließender wasserreinigung der eigenen person, mist.

 

Das war gestern einer der besten segeltage im Pazifik. Sonne, wind, kaum wellen und der kurs stimmte. Es wurde ein etmal von hundertdreißig meilen, eine seltenheit. Auch fährt das schiff hier besser, schneller, es muss wohl an den fehlenden wellen liegen, denn sonst hat sich nicht viel geändert. Es ging halt alles zu gut, das schiff ist heil geblieben. Aber nach meiner abendlichen zahnpflege musste noch die zahnseide für ein stück kokosnuss herangezogen werden. Und diese zog dann auch ein großes stück backenzahn heraus. Die zunge fühlt einen kilometer tiefen krater, keine schmerzen, nur sehr blöde. In der nacht habe ich von zahnarztbesuchen geträumt, nur die waren in Hamburg,nicht mal eben um die ecke. Meine lösung bis zum arzt ist eine füllung aus küchenpapier. Das hält eine gute zeit lang, wenn die zunge nicht daran rumspielt.

Auch hat sich gestern mein zwischenstop konkretisiert, es werden die atolle Ahe und Rangiroa werden. Dafür habe ich französische unterlagen, die ich nur noch übersetzen muss. Bis nach Ahe sind es jetzt noch zweihundertfünfzig seemeilen. Dann muss nur noch die zeit mit der flut kombiniert werden, damit ich unfallfrei durch den pass komme.

 

Also das war mal ein anderer tag als immer nur sonne. Es fing mit leichtem nieselregen zum frühkaffee an, dann etwas mehr mit unterbrechungen und zum mittag wieder alles trocken. Leider kam am nachmittag mehr regen und wind. Ich habe meine leichten segelklamotten angezogen und mich nach draußen ins nasse gesetzt. Damit alles unter kontrolle blieb, lief der autopilot, und ich habe je nach dunkler wolke nachjustiert. Zum abend hin war alles wieder normal und ich durchnass. Die nacht war dafür mies. Zur nacht hin lief der motor für den strom und dann war es richtig warm im schiff. Oben fing der nieselregen von achtern an, also luken dicht.

Heute morgen, nachdem ich die nachtreffung aufgehoben hatte, kamen schon wieder dunkelste wolken an, aber es blieb trocken. Dann bei der nächsten habe ich mal eine halse gefahren, weg von der wolke und zum guten kurs. Und siehe da, statt schlechter drei knoten, lief das schiff fünf und nachher bis zu sieben. Zwischendurch gab es ein paar vitamine.

20180820 zweites fruehstueck

 

Es ist gerade sonnenuntergang am vierten tag auf see und vor ein paar stunden ist die entscheidung gefallen. Als ich den kopf wieder aus der luke gesteckt hatte, habe ich den ersten segler auf see in diesem jahr gesehen. Er nimmt den kurs richtung Papeete. Ich werde Ahe ansteuern, kartenmaterial, eine pdf-beschreibung und eine buchbeschreibung sind vorhanden. Und jetzt wird es spannend, es sind noch hundertfünfundzwanzig meilen bis zum pass. Schaffe ich einen durchschnitt von über fünf knoten, komme ich im hellen da durch. Aber das gute ist, der pass hat auch eine beleuchtete tonne, wenn die stromrechnung bezahlt wurde.

Morgens um vier uhr habe ich den tagtraum erstmal eingestellt. Am abend hatte ich noch eine weitere yacht gesehen oder deren grünen lichtbereich richtung Papeete. Dann war ruhe bis um drei, das radar meldete sich. Sechs meilen entfernt kam ein weißes licht, aber nur langsam. Somit blieb ich erstmal wach, das radar war mit dem schiff nicht brauchbar. Und dann hörte der wind auf, die segel schlugen nur noch, also alles runter. Inzwischen war das andere schiff irgendwo hinter mir und bog auch in richtung der hauptinsel ab. Schön wäre ein positionslicht gewesen und kein blinkendes weiß.

Jetzt ist es neun uhr und seit einer stunde segelt mein schiff wieder, der wind ist zurück. Nur sind es noch achtzig meilen, also das ziel ist bei helligkeit nicht mehr zu erreichen. Und wenn meine alte wettervorhersage noch stimmt, kommt bald ein winddreher mit flaute. Also bis dahin will ich im atoll sein.

 

Jetzt ist es mittag und noch über sechzig meilen bis zum atoll. Wir fahren fünf bis sechs knoten, aber das reicht noch nicht, in siebeneinhalb stunden geht das große licht aus. Der mond ist zwar auch sehr groß, hilft aber bei korallen nicht so gut. Außerdem wird die schiffsdichte höher, schon wieder ist mir eines entgegen gekommen.

Noch vierzig meilen bis zum pass und das schiff läuft um sechs knoten. Warum nicht schon heute nacht. Es ist nachmittag, noch vier sonnenstunden vor mir. Bei der geschwindigkeit sollte eigentlich mal ein fisch beißen und hat er wohl auch. War aber etwas größer, als es die angelsehne aushält. Vierzig meter davon und eine tintenfischatrappe zieren nun einen gierigen fisch, der nicht in meiner pfanne gelandet ist. Da hätte auch ein vorfach nicht geholfen, danke für die tipps.

Immer noch auf dem weg nach Ahe: seit einer stunde ist eine planänderung eingetreten. Der wind hat den ganzen tag gedreht, von raumschots bis jetzt hoch am wind, leider zu hoch. Ich komme nicht über die nordseite des atolls und werde unten herum fahren. Damit ich nicht an der ersten insel auflaufe, muss Mr Perkins im standgas die nötige höhe liefern, in einer stunde bin ich von diesem atoll frei. Dann ist auch die sonne untergegangen. Meine idee ist, dass der wind noch weiter dreht und ich nachher an der westseite wieder hochsegeln kann, mal sehen.

20180820 atoll aussen

 

20180820 atoll aussen

 

Um neun uhr abends habe ich den kurs wegen eingestelltem wind wieder geändert. Entweder neunzehn seemeilen oben herum motoren oder einunddreißig seemeilen unten herum. Die entscheidung war einfach, die see recht platt und der restwind nicht hinderlich.

Um ein uhr bin ich durch den pass getuckert und am ende gab es viele strudel, die ich nicht sehen konnte. Deshalb fahre ich eigentlich gern mit dem autopilot da hindurch, hatte ihn aber nicht an. Es ist gut gegangen, der felsen rechts kam nicht so nah und danach war es ein ententeich mit abgesteckter strecke. Um zwei uhr fiel der erste anker, nicht an dem angedachten punkt in sechzehn meter, sondern ich fand einen in der nähe des riffs in zehn meter. Anker fallen lassen, dreifache kette gesteckt und ich war sehr langsam, aber zu schnell für den anker. Ein kräftiger lauter ruck, der bug tauchte ein wenig ab und ich beobachtete meine position. Nur das war sehr schwer, das wasser war schwarz und ich konnte nichts erkennen. Hat er nun gehalten oder nicht, mal nach vorn gehen. Dort war nur noch ein rest kette an der winsch, richtig große dampfende scheiße.

Das wasser wurde immer flacher und ich trieb fast in die korallen, mit weniger als einem meter unterm kiel. Gerade noch rückwärts raus und wieder ins tiefe. Es war erstaunlich, wie schnell ich den zweiten anker aus seinem versteck gezogen hatte, einen neuen schäkel zur kette ausgegraben hatte und in die nähe des tatorts zurückgefahren war. Diesmal vorsichtiger mit dem zweiten und um halbdrei war ende. Am morgen wird sich mehr sehen lassen.

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

Gestern hatte ich mir in gedanken noch ausgemalt, was wäre, wenn die kette reißen würde, wie den anker retten und so weiter, in zwanzig variationen. Es kam aber besser, meine trippleine mit der leeren flasche schwamm fünfzig meter neben mir. Schlauchboot fertig machen, flossen und brille, seil mit ankerkralle und los. Am himmel braute sich auch etwas zusammen und mit dem hilfsanker war mir nicht wohl.

Das schwierigste war es, den über dreißig kilo schweren anker ins schlauchboot zu ziehen, vor dem frühstück. Danach die kette war sehr einfach, sie hatte sich zum glück nicht verhakt. Zurück zum schiff und alles wieder an deck bringen, immer noch kein frühstück, nur den zweiten becher kaffee.

20180821 ankerrettung

 

Dann lief alles nach plan ab, wieder ins tiefe wasser, ankerkette mit einem notglied verbinden, anker tauschen, kette zurück in den kasten und zum richtigen ankerplatz fahren. Dort lagen schon zwei boote, ohne ankerlicht, das wäre in der nacht noch aktiger geworden. Diesmal riss die kette nicht, anker hält.

Nach der wichtigen dusche und dem dritten kaffee habe ich noch den sonnenschutz über die plicht gebunden und dann fing der heftige regen mit wind an, just in time. Das hätte auch alles nach richtig hinten losgehen können während der ankerbergung, glück gehabt. Somit haben sich die ausgaben für eine ankerkralle, notglied, zweitanker und meine trippleine schon amortisiert.

 

Ein neuer tag und dieses atoll sieht schon ganz anders aus. Die blautöne im wasser sind klasse und die graubraun töne der korallenköpfe majestätisch. Einer dieser ist am heck meines schiffes, bei niedrigwasser komme ich mit den spitzen der flossen daran. Das müsste eigentlich reichen oder das schiff muss es aushalten können.

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

Da die ganze umgebung hier zwar schön, aber trotzdem nicht so spannend ist, werde ich morgen weiter fahren und mir das nächste atoll anschauen. Diesmal ist der weg mit den uhrzeiten abgestimmt, sollte passen.

Hier auf Ahe kenne ich schon den ganzen ort, kirche, krankenhaus, schule, post, zwei läden und ein imbiss. Das war es schon, ich habe vier autos gezählt, plus zwei schrottleichen. Das wasser soll hier verdammt teuer sein, sieht man auch schon an den vielen wassertanks als auffang bei regen. Vom meer bis zum binnenwasser kann man durchblicken und viele gebäude sind abbruchwürdig, reste vom letzten taifun. Ich habe keine mangos oder pampelmusen gefunden, nur kokosnüsse. Möchte man in diesen südseetraum leben, ich noch nicht.

20180821 ahe hafen

 

20180821 atoll bruecke

 

20180821 atoll meerseite

 

20180821 atoll strasse

 

20180821 atoll zufluss

 

Das atoll hat mich ein bisschen an das Stettiner Haff erinnert. Ein binnenmeer mit betonnten wegen, untiefen und fischernetzen. Am rande bäume oder bewuchs. Hier sind es palmen, das wasser sieht besser und wärmer aus.

Die planung für den Donnerstagnachmitag war genau richtig. Ankerauf und zum pass motoren, um dort bei ruhigem wasser anzukommen. Dann nur noch hinaus, lief besser als hinein und die segel setzen, gleich für die nacht. Der kurs nach Rangiroa war fast mit der windsteuerung möglich. Nur als ich aus der atollabdeckung heraus war, kam eine eklige welle von der seite. Das schiff rollte von der einen zur anderen seite, eine schlechte nacht. Am morgen waren es dann nur noch zwanzig meilen bis zum nächsten pass. Mal sehen, was das größte atoll der gruppe so kann.

Nach einundzwanzig stunden war ich am ziel und habe den anker im grünen wasser fallen lassen. Ein schlechter ankerplatz, wie er im buch beschrieben worden ist, aber machbar. Mit dem schlauchboot ohne motor bin ich per anhalter in den kleinen hafen gezogen worden. Nur rudern wäre bei der querwelle richtig nass geworden.

Der erste ort hat einige kleine ‚magasins‘ und sieht aufgeräumt aus. Doch sind auch dort viele verfallene häuser und daneben gepflegte grundstücke. Ich habe keine mangos gesehen, nur unreife papayas auf einem verlassenen grundstück. Die zwei kirchen beherrschen die menschen. Viele autos an ihrem lebensende sind hier gestorben und verharren in den gärten. Ohne tüv laufen sie länger, jedoch zerfrisst das salzwasser die hülle. Alles im allem wirkt er ein wenig abgerockt, der ort Tiputa.

 

Ortswechsel bei der rückkehr aufs schiff auf die andere seite des passes. Hier dominiert eine große hotelanlage im inselstil, mit häusern auf stelzen, die dächer aus kokosblättergeflecht. Zwölf schiffe liegen hier vor anker, viele große hässliche kats über fünfzig fuß und icke mitten drin. Dazu kommt der viele kleinschiffsverkehr von dem hotel Kia Ora zum schnorcheln oder tauchen am riff. Und die bootseigner juckeln auch herum.

Hier ist es eine leicht andere welt und nur durch den pass getrennt. Wer hier an land wohnt, gehört zur versorgung oder technik für die tauchschulen oder fürs hotel. Weitere pensionen haben sich auch angesiedelt. Die preise vom großen magasin haben sich an den großen schiffen orientiert, teurer als sonst.

 

Das wetter wird in drei tagen ungemütlich werden auf dem weg nach Papeete, oder in vier tagen hier. Ich glaube, im letzten satz ist soeben die entscheidung getroffen worden. Kaffee trinken, anker hoch und zum anderen großen ort mit dem zweiten pass fahren. Dort schauen, wann ich raus kann, und mal schnell in die hauptstadt, es sind ja nur zweihundert meilen.

Ich habe nicht angehalten, es lief bis zum pass alles soweit ganz gut. Nach meinen informationen sollte es ablaufendes wasser sein und so war es auch. Am anfang gab es strudel, die machte der autopilot wett, und dann lief es, nur es kamen wellen hinein. Die von tausend meter tiefe auf dreißig, und das schiff ging auf und ab. Die luken waren zu, nur die beiden segelschiffwracks am anfang und am ende des passes machten das ganze sehr anstrengend. Aber nach ein paar minuten war ich draußen, die wellen nahmen ab und es ging mit der segelei los.

Das lief alles sehr gut, um das kap des atolls herum und direkter kurs auf Tahiti. Nach dem sonnenuntergang wollte die windsteueranlage immer einen kurs von zweihundert fahren, zehn mehr wären gut gewesen. Ich konnte es dem teil aber nicht ausreden, es hielt genau auf Makatea zu. So musste bis um ein uhr nachts der autopilot uns an der insel vorbeibringen. Sehen konnte ich fast nichts, nur eine warnbarke leuchtete.

Am morgen war der wind fast weg, höchstens drei knoten mit schlagenden segeln waren möglich. Dabei waren es noch über neunzig meilen bis zur hauptstadt.

 

Der nächste tag ist vorbei und ich bin noch mitten im meer. Seit heute mittag sind die segel runter, zu wenig wind, damit sie stehen. Ein paar kleinstreparaturen haben die zeit verkürzt. Der eine deckstrahler am mast ist in der halterung weggerottet, auf die liste.

Zum sonnenuntergang sind es noch siebzig meilen bis Tahiti und ich kann es schon sehen. Wenn das morgen oder übermorgen klappt, fange ich mit der insel östlich an und arbeite mich nach Papeete vor.

 

Zum sonnenaufgang war es dann wieder ein kleines stück weiter, ich bin zurückgetrieben. Aber daran kann es nicht liegen, dass ich die insel nicht mehr sehen kann. Nach dem morgendlichen frühstück ging der motor an. Nicht, dass ich das stück damit fahren will, aber es ist eine gute gelegenheit, wieder wasser zu machen. Die marina in Papeete kann natürlich wasser liefern, aber das hier ist gute trinkwasserqualität. Der wind bringt das schiff nur auf einen knoten fahrt, es kann also noch dauern.

Zum sonnenuntergang, der recht nett war, konnte ich Tahiti immernoch nicht sehen. Dort scheint alles mit wolken verhangen zu sein. Mein ziel ist siebenunddreißig meilen entfernt, das meiste habe ich heute durch das wassermachen gefahren. Wenn es morgen früh noch immer keinen wind geben sollte, geht Mr Perkins an die arbeit.

 

Neue situation, neue entscheidung nach wenig schlaf. Um mitternacht ging der motor an, der wind war fast null, sowie war die restwelle auch null. Das meer war ruhig, dazu eine fast vollmondnacht und der plan war, die nächsten sechs stunden mit fünf knoten zum pass zu fahren.

Die ersten dreiundzwanzig seemeilen liefen genau so ab: ich saß im cockpit und vor mir die angel. Wenn sich da was tun würde, bekomme ich es mit. Gerade als ich das sicherungsseil gelöst hatte und das vorhaben wieder einstellen wollte, war meine angel zur reling gezogen worden. Ein griff zur angel und ein zweiter zum gashebel. Dann nur noch aufkurbeln und die beute an bord bringen. Kein richtiger fisch, einer mit tinte und ab in den eimer. Es war jetzt nicht der zeitpunkt, sich um das tierchen zu kümmern.

Der wind kam auf und die wellen fingen langsam an, größer zu werden. Das war es mit dem plan, drei weitere stunden habe ich für die restlichen sieben seemeilen gebraucht. Der angesagte wind, also der grund, warum ich das atoll verlassen hatte, war zu früh da. Windstärke fünf voll auf die nase mit kräftiger welle.

Die sonne war pünktlich und das szenario selten. Rechts war landunter, sicht null und links war die sonne. Es gab mehrere regenbögen gleichzeitig. Der fang hatte mit letzter kraft seine tinte abgegeben, der eimer ist undicht und auf dem deck ist alles schwarz.

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 tintenfleck

 

20180829 tintenverursacher

 

Durch den pass bin ich dann mit heftigem seitenwind gefahren, und nach einer weile habe ich die marina gefunden. Doch hier gab es einen neuen wind aus den bergen und somit liege ich auf reede vor dem hafen. Den versuch, dort hinein zu fahren, habe ich abgebrochen, zu eng mit wind. Erstmal duschen, einen weiteren kaffee trinken, den regen abwarten und ein wenig schlaf nachholen.

Dann die beute zerlegen, das erste mal, dass ich so etwas unterm messer habe. Da ich mir das innenleben anschauen wollte, gibt es keine ringe. Den rest des tages im dauerregen mit viel wind verbracht.

20180829 erster tintenfisch

 

Seit vierundzwanzig stunden liege ich in zehn meter tiefe vorm hafen und zwanzig meter hinter mir das innenriff der insel. Der wind hat bis zu dreißig knoten und die wellen entstehen innerhalb des außenriffes. Dazu kommt, dass der wind durch die berge ein wenig umgelenkt wird. Also ein wenig bangen um die ankerkette, wenn es schlecht läuft, liegt das schiff am riff.

Es erstaunt mich zudem, dass diese eine woche alte wettervorhersage sich nur um sechs stunden vertan hat. Wind und luftdruck scheinen zu stimmen, also hält das ganze noch einen tag lang an. Wenigstens ist es heute von oben trocken. Jedoch ans ufer komme ich trocken wegen der wellen auf keinen fall, also mal wieder das ganze aussitzen.

20180829 tahiti

 

20180829 tahiti

 

Es ist jetzt die stunde fünfundfünfzig und ich hänge noch immer am anker. Die distanz zum riff ist stabil, so um die fünfzehn meter. Der wind war gestern abend mal am ende der dreißig, jetzt wieder mitte zwanzig. So weit, so gut. Die zwei windsurfer von gestern haben auch heute ihren spaß und das außerhalb des außenriffs. Draußen werden die wellen immer größer, das riff bremst sie glücklicherweise aus. Innerhalb haben die kleinen motorboote probleme, gegen die restwellen anzukommen, entweder gar nicht oder sehr nass.

20180831 tautira innenriff

 

20180831 tautira  marinaeinfahrt

 

Mein calamares ist aufgegessen und ich möchte in nächster zukunft keinen mehr essen. Warum sind die so beliebt, weißes gummi mit fischigem geschmack, sehr kauintensiv und das bringt mir mit meinem zahn keine laune.

Am riff beobachte ich die vögel, wie sie versuchen, fische zu fangen, und ab und zu kommt eine rückenflosse mit einer schwarzen spitze vorbei. Mein haibestimmungsbuch ist leider nicht dabei. Dafür langweilige bücher über weltumsegler, die abenteuer erfahre ich doch lieber selbst. Falsches gepäck für diese reise.

Das barometer fällt und das ist gut, deutet es doch auf ein ende der wettersituation hin. Nach meiner alten vorhersage schläft der wind heute nacht ein und dreht dann nach nord. Nur da will ich hin, blöd so etwas.

 

Jetzt ist es Samstagmittag und alles beim alten. Was nützt eine wettervorhersage, wenn sich das wetter nicht daran hält. Der wind ist immer noch um fünfundzwanzig knoten, die wellen draußen sind kleiner geworden, in der lagune ein wenig. Nur alles viel zu viel, um an land zu gehen, aber vielleicht mache ich es nachher doch. Das wochenende droht, karg zu werden, da keine frischen vorräte vorhanden sind. Den ort Tautira kenne ich noch nicht, freue mich darauf. Da die sonne schon wieder scheint, könnte es also was werden.

Den gelblichen hai sehe ich häufiger, aber er ist fotoscheu. Dafür kommt das riff bei bestimmten windkombinationen gefühlt sehr nahe, unter vier meter. Dabei habe ich noch über sechs meter unterm kiel. Der runde kreis im bild ist mein bereich, nach links ist der kleine hafen und der ort auf der halbinsel.

20180901 riffposition

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

Die kleine zukunft endet hier, meine wettervorhersage ist am ende. Es stimmt nicht mehr sehr viel, der wind kommt aus der gleichen richtung, der regen war nicht in der vorhersage. Heute beginnt der fünfte tag am riff und ich will nicht mit ihm verwachsen. Es scheint aber milder zu werden.

Nachdem der übliche morgenritus beendet war, wurde das australian blond in flaschen verfüllt, angesetzt in Ahe. Mal schmecken, ob es diesmal besser wird. Und da heute Sonntag ist, will ich auch mal in die kirche, scherz.

Um die mittagszeit herum waren die wellen kleiner, der wind weniger und das dingi willig. Also ein landgang, die erste strecke war fast trocken. Der hafen oder die marina dafür mehr als abgerockt. Ein glück, dass ich dort nicht hinein bin. Das verwaltungsgebäude eine ruine, wasser gibt es nur mit glück.

Der ort auf einer halbinsel gelegen sieht auf nsa-aufnahmen super aus, die realität ist eine andere. Heruntergekommen, mehr als auf den atollen, zwei kirchen, eine tankstelle, ein supermarkt und drei imbisse. Viele ansätze für erholung und freizeit, leider nicht in wartung. Hier besteht handlungsbedarf, der ort wäre so super für wassersportaktivitäten, er muss nur erweckt werden. Am ende habe ich ein paar bier am hafenimbiss erbeutet und mehr als auf den atollen bezahlt. Ich hoffe, dass der rest von Tahiti nicht so ist.

 

Am sechsten tag habe ich mich mal verlegt, ein halbe seemeile weit, luftlinie. Als ich anfing war es ruhig, dann kam wind auf und als ich den anker gelichtet habe waren es schon um dreißig knoten plus. Das war schon blöd, anker ist halb fest und der wind drückt einen aufs riff. Der motor lief und der autopilot hatte seinen kurs, jedoch musste erstmal der anker frei sein. Eigentlich eine situation, die man nicht macht. Abwarten auf weniger wind, nur ich war mittendrin. Dann als wir vom riff weg waren, der anker auf dem schiff, waren es schon vierzig knoten und ein heftiger regen. Gefahren bin ich nach der elektronischen karte, sicht fast null. Der windmesser fiel auch mal wieder aus und beim pass wurde es besser und trocken.

Draußen war echt pogo, wellen passend zum wind und riesige brecher am außenriff. Mit ein wenig genua und dem motor im standgas bin ich das riff entlang getuckert und habe auf der anderen seite des ortes in der flussmündung geankert. Hier ist alles ruhig, hätte ich es mal vorher gemacht, ging aber nicht, aufgrund des wetters.

Der weg zum supermarkt ist halbiert, das rudern mit dem dingi kein risiko und es soll auch nur für ein oder zwei tage sein. Das nächste ziel kann ich vor dem riff oder dahinter erreichen, in zwei stunden entfernung. Erst danach ist Papeete in fünfundzwanzig meilen entfernung anzusteuern.

 

Am siebenten tag war der morgen so, wie er sonst auch ist, abgesehen von wetterverschiebungen. Lauer wind, blauer himmel und die natur macht ihre geräusche. Das erste mal seit über einer woche, dass ich das große Tahiti sehen konnte. Dieser ankerplatz ist sehr gut, der beste seit den Marquesas in punkto ankerfestigkeit und umgebung. Wenn der ort hier nur nicht so runtergekommen wäre. Nach dem frühstück mit schinkenbaguette und viel salat ging es zum nächsten ziel. Aus den drei wasserfällen der kategorie über zwanzig meter sind auf dem weg fünf geworden.

 

Der weg durch den betonnten streifen in der lagune war sehr abwechslungsreich, draußen die brecher am riff und innen binnensee. Nur wenn das riff unterbrochen war, fing eine heftige schaukelei an. Den zielhafen nach acht meilen habe ich mir das erste mal auf meiner reise unprepariert angeschaut. Die fender und seile waren parat, aber noch nicht installiert. Und was ich dann gesehen habe, entsprach nicht in der erwartung, eine tote industriebrache. Da hat eine lange zeit lang kein größeres schiff halt gemacht, der ganze hafen war nur für mich. Nun liege ich an der intakten betonmauer zwischen gummipuffern und tiefem unkraut, super.

Auf dem weg ins zentrum musste ich mich zwischen zwei bekannten supermarktketten entscheiden. Das bier wird immer günstiger, noch immer fast zwei euro die flasche ohne pfand, und das angebot an lebensmitteln wird größer.

Dieser ort liegt genau zwischen dem kleinen und dem großen Tahiti, leider ist auch hier kein wifi.

20180904 kleinst motu

 

20180904 kleinst motu

 

20180904 tahiti

 

Dann am nächsten morgen der aufbruch. Die alternativen waren, entweder in den gartenmarkt zu gehen und ein wenig schlauch und schellen zu kaufen, oder nach Papeete abzulegen. Auch wenn ein baumarkt eine gewisse anziehungskraft hat, bin ich los.

Der motor lief und die genua hat geholfen, bei wenig wind. Außerhalb des riffs waren die wellen richtig schön lang und hoch. Zwischendrin gab es noch zwei walsichtungen, alles im allem eine gute fahrt. Wenn da nicht die letzten fünf seemeilen gewesen wären. Am letzten kap hatte sich etwas verändert, die wellen kamen nicht mehr von hinten, sondern von vorn. Die kleinen kurzen fiesen und die ursache war am horizont schon leicht zu erkennen. Dort war das wasser weiß und in einer viertelstunde war es auch bei mir. Fünfundzwanzig plus knoten direkt von vorn, da musste Mr Perkins richtig arbeiten.

Der platz am Pointe Vénus wurde umdisponiert in die bucht dahinter. Ein netter ankerplatz, der letzte vor der marina. Am wochenende hängt hier halb Papeete ab und badet. Die sicht ist auch super, Moreea ist das erste mal zu sehen.

20180906 pointe venus

 

Papeete ist schweineteuer, die marina will fast vierzig euro für den tag haben, lebensmittel sind günstiger als auf den inseln. Gleich geht es zum zahnarzt, mal sehen, ob da was zu retten ist.

Nachtrag zum aktuellen standort: dieser wird auf meiner webseite nicht mehr angezeigt, da google seine preispolitik geändert hat und mir das ganze zu aufwendig ist. Wieder einen googlemail account erstellen, ein projekt generieren, api-key anfordern, kreditkarte hinterlegen und damit fängt der ärger an. Bei vielen aufrufen geht es an das portemonnaie zuerst nur der massenaufrufer, aber sicherlich auch bald der kleinen, wie ich. Da die karte zum schiffsstandort auch nicht so aussagefähig war, bleibt sie jetzt weg. Außerdem müsste ich noch meine wordpressversion updaten, ich hasse es, funktionierende systeme mutwillig zu zerstören. Das ist also der grund für die änderung in der standortanzeige. Ihr könnt die koordinaten ja selbst abfragen.

Der google translator ist auch deaktiviert, so langsam geht mir die datenkrake auf den sack. Reicht es denn nicht schon, der nsa alle daten zugänglich zu machen?

Veröffentlicht unter Reise_2018, Route, schiff | 2 Kommentare

Marquesas

Das erste ankermanöver auf den Marquesas war im nachhinein verschärft, und die ursache habe ich auch schon gefunden. Zwei gebrochene plastikteile in der steuersäule, die den bowdenzug halten. Somit lässt sich auch mein schlechtes einparken in Buenos Aires erklären. Wenn man denkt, der gang ist auf neutral gestellt, und das schiff fährt trotzdem vorwärts – jetzt behoben.
Der windgenerator wurde wieder zum ruhigen laufen gebracht, die ruderstandsanzeige eingestellt, bodenheber getauscht und eine komplette fettwartung durchgeführt. Somit bin ich wieder reisefertig.
Das erste mal, dass ich eine punktlandung mit der gasflasche hinbekommen habe. Heute morgen dauerte es lange bis das wasser warm wurde, oder nicht. Die fünf kilogramm flasche, die ich in Puerto Montt angeschraubt habe, ist heute morgen leer geworden, nach drei monaten. Bisher hatte ich nur auf see das glück oder während ein auflauf im ofen war.
Die uhrzeit ist hier wohl doch noch eine andere als gedacht, denn wenn ich sie nach dem tidenprogramm einstelle, geht die sonne um sieben unter und morgens um elf auf. Auf der hauptinsel werde ich es erfahren. Wifi empfang ist hier gut vorhanden, leider nur prepaid. Die kosten sind etwas niedriger als auf den Falklands.
Die strecke für morgen ist auch schon abgesteckt, fünfundvierzig meilen bis in den hafen von Hiva Oa hinein. Also mal wieder vor dem sonnenaufgang aufstehen.

Ich bin zwei stunden vor dem sonnenaufgang aufgestanden, war echt früh. Also kaffee kochen, dann war noch zeit für pancakes und alles ist vorbereitet. In der dämmerung hinaus aus der bucht, und es gab wind, dann wieder keinen, dann wieder. Als ich von der insel frei war, ging es mit dem passat recht gut, bis zur nächsten insel, dann war der wind wieder weg. Damit ich nicht im dunkeln ankomme, ging der motor an und nach vierhundert metern wieder aus, weil wind wieder an. Danach kamen delfine zum schiff, einer springt und die anderen kommen von schräg hinten zum schiff, fressen, drehen wieder ab und kommen von neuem. Das bekannte imbissroutine. Am ende musste der motor doch an, weil der wind endgültig eingeschlafen war. Bei der ankerplatzauswahlrunde im hafen gab es dann noch einen springenden rochen im hafenbereich zu sehen.

20180725 atouana anfahrt

 

20180725 atouana anfahrt

 

20180725 atouana

 

20180725 atouana hausberg

 

Da das versorgungsschiff am pier war, war das ankerfeld zu, und ich habe das erste ankern draußen vor der mole durchgeführt. Während einer dusche ist dann das schiff abgedampft und ein zweites ankern im hafenbereich war somit möglich.

20180725 hafenblockierer

 

20180725  atouana ankerplatz vor der mole

 

Am folgenden tag das schlauchboot aktiviert und ans ufer gerudert. Dass jeder mit dem auto anhalte und einen mitnehme, stimmt so nicht. Jeder zehnte hält nur an, nimmt mich dann aber mit, bis zur post im ort. Hundert meter weiter ist die gendarmerie und die ist freundlich. Der polizist spricht auch englisch und ein sehr schnelles einklarieren ist möglich. Einen stempel gibt es nicht, man ist ja in europa. Danach zur bank, geld kaufen und das erste französische baguette seit über einem halben jahr im supermarkt erstanden, knackig lecker.
Der wichtige besuch bei Jacques B. und Paul G. lief sehr erfreulich ab. Mit einem ein bier und mit dem brot auf der treppe habe ich die aussicht genossen, die besuchten haben geschwiegen.

20180726 jacques grab

 

20180726 pauls grab

 

20180726 blick vom friedhof

 

Auf dem rückweg war obst einsammeln angesagt, eine mango, sternfrüchte, zwei große grapefruits und meine erste frei lebende kokosnuss habe ich aufgesammelt. Ein weiterer kurzer einkauf im supermarkt war sehr teuer und das brot war schon aus. Den ort habe ich danach mehrfach durchlaufen, zum schluss um meine verlorene brille unter dem grapefruitbaum zu finden.
Auf dem weg zurück zum schiff hat mich eine familie mitgenommen, die zur einzigen tankstelle auf der insel wollte und die ist im hafen. Fünf stunden wifi kosten sechzehn euro und die erste wifi session brachte hundert mails, hauptsächlich spam und pornohilfen. Danach folgte die blogpflege mit der beantwortung von mails.
Das erste mal, dass ich eine kokosnuss gepellt habe, harte arbeit mit der machete. Der nächste schritt war indes einfacher als gedacht, zwei schläge mit der stumpfen seite der machete auf den äquator und die nuss war offen, eine halbe davon gab es zum knabbern am nachmittag.

Every day is like Sunday, eigentlich, denn auch hier gibt es ein WE. Leute kaufen für parties ein, schiffe werden mit bier tiefer gelegt. Also noch mal schnell los, um nicht vor leeren regalen zu stehen. Ich habe noch zwei baguettes ergattern können, etwas darauf, salat, ein sixpack fürs wochenende, ein paar asiatische nudeln, eine dose tomaten und äpfel. Dann waren vierzig euronen beim händler.

Die schiffe sehen hier fast alle ein wenig mitgenommen aus, meines ist es auch. Glänzend und schön sind sie losgefahren und jetzt ist der bewuchs da, oft über der wasserlinie. Einige sind im hafen fleißig am wienern, wenn sie sonst nichts zu tun haben. Ich habe mein groß mal wieder geflickt, die lattentasche genäht und einen zweiten rutscher am segelkopf angenäht. Die kleinen löcher müssen bis zum nächsten mal warten.

Am Sa morgen habe ich das schiff seeklar gemacht, die kanister aus dem bug geräumt und mich an die kaimauer gelegt. Das machen wohl nicht viele, die einheimischen haben ziemlich geguckt, dort wo sonst das versorgungsschiff liegt. Da gerade nicht hochwasser war, lag ich also mit meiner reling daran. Mit der handkarre bin ich dann die fünfzig meter zur tankstelle gelaufen, einmal vollmachen. Vor Tahiti ist es vielleicht die letzte gelegenheit.
Das lief alles super, aus dem tankstellenshop noch ein baguette eingesteckt, man muss die gelegenheiten nutzen, und wieder raus aus dem hafen. Ziel war die kleinere nachbarinsel. Der motor sollte, nachdem alles wieder fest war, ausgeschaltet werden, doch der wind war unstetig, fünf bis fünfunddreißig knoten. Die zielbucht habe ich im vorbeifahren gesehen, habe sie aber nicht erkannt. In ihr lagen schon neun schiffe vor einem breiten sandstrand mit vielen palmen. Die küste bin ich fast bis zur südspitze abgefahren, nichts brauchbares gesehen und wieder zurück. Letztlich habe ich die bucht vor der mit den seglern genommen.
Hier gibt es auch einen sandstrand, palmen, einige lavawände und ich bin allein. Die anderen sitzen aufeinander und beäugen sich. Ich gehe hier ohne ins wasser, das letzte mal war es wohl auf den Kap Verden. Meine private südseebucht, das haus in den palmen ist zur zeit nicht in benutzung.

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

Am Mo morgen dann ein ortswechel, die bewohner der hütte am strand sind zurückgekommen und ich will an die nordküste von Hiva Oa. Die fahrt durch die meeresenge lief sehr flott, bis zu sechs knoten, und auf der anderen seite am südlichen kap war der wind dann aus. Von da an lief der motor. Meine neue bucht ist Hanaipa, mit zitronenbäumen und wifi, allerdings nicht am schiff, so informiert mich das pdf.
Die südküste der insel hat mich zuerst an die Osterinsel erinnert, trocken mit leichtem bewuchs. Später gab es vertrocknete bäume und zwischen den lavazungen am meer viel bewuchs, durch den endenden bach aus den bergen. Ein wenig wie Gomera.

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa hanaiapa einfahrt

 

20180730 hiva oa hanaiapa einfahrt

 

Als ich in der bucht geankert hatte, wollte mein rotes käppi in einer windböe die biege machen und landete im wasser. Gleich darauf kam ein rochen dazu, einen meter im durchmesser, wollte aber von der mütze nichts. Sind das nun vegetarier oder knabbern die mich auch an? Erstmal die badeleiter installiert, ohne ist es schlecht wieder aufs schiff zu kommen. Das käppi schwamm immer noch und so wurde ich rettungsschwimmer für das noch in Spanien erworbene stück.

Der ort hat in der einfahrt zur bucht einen dicken felsen und am südlichen rand lauter kleine höhlen. Wenn die wellen dort hineinlaufen, kommt die gischt meterhoch mit getöse wieder heraus. Nach dem sonnenuntergang machen die vögel ein sehr lautes geschrei in den felswänden, und dann nach ein paar minuten ist ruhe.

Der ausflug in den ort versprach so viel und es wurde so wenig gehalten. Zitronenbäume vorhanden, ohne früchte, dito der grapefruitbaum, kein hotspot, kein wifi und der ankergrund ist mies. Ansonsten ist der ort teilweise verlassen, viele leerstände. Aber anders als im armen Chile ist es hier nicht verdreckt, sondern gepflegt. Ich habe mich mit fallobst eingedeckt, ein paar früchte direkt geerntet – frische mangos vom baum schmecken klasse.
Nur noch selten wird kopra geerntet und getrocknet, und wenn, dann sind auch hühner und tauben mit darin und picken, was das zeug hält, lecker.

20180731 hiva oa hanaiapa bucht

 

20180731 hiva oa hanaiapa kopratrocknung

 

20180731 hiva oa hanaiapa kopratrocknung

 

20180731 hiva oa hanaiapa traditionelles fenster

 

20180731 hiva oa hanaiapa verlassen

 

20180731 hiva oa hanaiapa verlassen

 

20180731 hiva oa hanaiapa wasserstrom

 

Die nächste insel ist fünfundfünfzig meilen entfernt, zu lange für einen tagestrip, und früh aufstehen mag ich gerade nicht. Mein plan war, zum sonnenuntergang loszufahren und im sonnenaufgang anzukommen. Ich bin früher losgesegelt, lief super, zu super. Früh morgens habe ich die genua verkleinert, sonst wäre ich zu schnell da gewesen. Die bucht von Hane sollte mein erstes ziel sein, frühstücken und ins netz. Das netz war zu schwach, der kaffee ging so und der anker slippte. Mit dem aufkommenden regenschauer bin ich in die nächste bucht drei meilen weiter nach Vaipaee gefahren. Diese anfahrt soll spektakulär sein, weil man die einfahrt erst spät sieht, war auch nicht so. Die bucht mit hohen felswänden, trocken und am ende das dorf. Kein wifi, dafür schwell, aber erträglich, also nicht weiter gefahren. Auch hier das müllproblem auf den inseln: es gibt keine müllabfuhr bzw. diese wird in die eigenen hände genommen. Feuer an, kokosnussschalen drauf und dann der müll. Das ganze jeder für sich privat und das tal ist giftigerweise eingenebelt.

20180801 anfahrt hane

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee einfahrt

 

20180801 vaipaee hafenmole

 

Wie ist der status meiner projekte? Mein mittelfinger lebt. Der nagel ist ca zwei millimeter kürzer als der alte, er löst sich an der ehemaligen bruchstelle vom nagelbett. Die nerven sind noch nicht wieder alle zusammengewachsen, das tasten und die empfindungen sind neu. Somit war es wohl nicht nur eine quetschung, eher ein bruch und alles verheilt von selbst.
Mein selbstgebrautes bier ist gelungen und wird konsumiert. Wenn die zweite fermentation durch ist, muss man beim öffnen der flaschen aufpassen. Der druck entweicht mit einem schwall, besser ist es gekühlt. Die flaschen mit dem bodensatz an hefe schmecken runder und das wird die verbesserung für den nächsten ansatz sein.

Einen tag war ich dann noch in Haavei, gleich um die ecke von Vaipae. Wie gehabt, sand, palmen und ein schöner ausblick.

20180802 haavei bucht

 

20180802 haavei bucht

 

20180802 haavei bucht

 

20180802 inseln vor haavei

 

Am Fr bin ich dann von Ua Huku nach Nuku Hiva, der hauptinsel, gesegelt, fünfunddreißig meilen. Das große mittelstück war reines segeln, am anfang und am ende war es ein wenig schwergängig. Zum anfang dachte ich, dass die inseln sich gleichen, die kaps trocken sind. Doch dann war die neue insel grüner als gedacht und die felsen sind andere. Der anker fiel vor Hatiheu, ein schöner platz.

20180802 westcap ua huka

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

Die felsen am ort sind sehr steil, grau und sehen atemberaubend aus. Der ort ist klein und geordnet. Es gib ausreichend mülltonnen, zwei kleine läden, eine post, wasserhähne am strand und viele palmen. Mein erster ausflug ging zum größeren laden, aber so richtig prall war das angebot nicht gerade. Ich habe genug an bord und die not ist noch nicht da. Wenigstens gab es wieder frisches baguette und im ort habe ich obst gesammelt.

20180803 nuku hiva hatiheu

 

20180803 nuku hiva hatiheu

 

Der zweite ausflug am So sollte auch wieder als startpunkt den laden haben, diesmal wurde es ein wenig feuchter. Da ich zu faul bin, den außenbordmotor jedesmal ans dingi zu schrauben, muss ich rudern. Das ist ok, wenn mich nicht gerade diese brandungswelle am strand erwischt hätte. Einmal durchgekentert, zum glück ohne laptop. Am strand danach in voller montur geduscht und festgestellt, dass der laden schon zu hat. Die kleidung ausgewrungen, die schuhe ausgekippt und klatschnass auf zur wanderung den berg hinauf. Dort habe ich einen alten steinweg gefunden und bin dem gefolgt. Auf dem weg habe ich viele dutzend mangobäume gefunden, bin nicht vom tiger angefallen worden, und oben auf dem bergkamm gab es dann eine herrliche aussicht. Die nächste bucht und der pazifik waren im blickfeld. Mit den nassen stiefeln wollte ich einen längeren abstieg vermeiden und bin somit umgekehrt. Der rucksack war gefüllt mit mangos, grapefruits und kokosnüssen.

20180805 blick auf anaho

 

20180805 blick auf anaho

 

20180805 blick auf anaho

 

20180805 hatiheu

 

20180805 hatiheu

 

20180805 hatiheu alter pfad

 

20180805 hatiheu alter pfad

 

Ortswechsel am Mo zur anderen bucht, die ich schon von oben gesehen hatte. Alles unter motor, denn es lohnte sich nicht, das segel auszurollen. Dort angekommen, den anker geworfen, er griff sofort und fünfzig meter kette rausgelassen. Das war gut so, denn in der nacht sollte es dann richtig kacheln.
Was also hier in der neuen bucht als zehntes schiff machen? Ich brauchte ein paar sachen vom kaufladen, und wo gibt es diese? Auf der anderen seite, wo ich gerade herkomme. Also den berg wieder rauf und dann runter, das dauert eine stunde und dann das ganze noch einmal zurück. Ärgerlich war nur, dass es kein baguette gab, also nur ein paar andere sachen gekauft und obst gesammelt. Das eigene brot habe ich dann bei der rückkehr angesetzt.
Heute morgen habe ich dicke waden, ein muskelkater. Die berge hochlaufen ist nicht meine spezialität. Einen tag will ich hier noch bleiben, um zu erfahren, was so wahnsinnig toll an dieser bucht sein soll. Man ankert vor einem korallenriff und das war es auch schon. Einen kleinen riffhai habe ich gesehen, das war bisher alles.

Nach gefühlten drei tagen habe ich mal wieder gewechselt und bin zurück auf die andere seite des großen berges gefahren. Im nachhinein war die bucht doch schon sehr gut, der ankergrund war sand und hielt, es gab einen sandstrand mit palmen und das panorama war echt klasse, wenn das schiff sich doch mal gedreht hätte. Der wind kam nur aus einer richtung, also war nichts mit drehen. Was war denn nicht so berauschend: zehn andere schiffe, keine müllentsorgung, kein wifi, kein laden oder nur der über den berg zum anderen ort. Auf dem weg gab es allerdings hundert mangobäume und tausende kokospalmen. Es gibt sicherlich schlimmere orte auf der welt.

Nach achtzehn meilen mit dem motor und einem hilfssegel bin ich nun wieder im süden der insel. Dort gib es eine bucht mit drei fingern und ich bin in der mitte. Nicht so aufregend wie der letzte ankerplatz. Die fahrt hierher war eine üble schaukelei und der wind kam auch nicht so richtig. An der einfahrt war es dann doch noch etwas spooky. Auf der karte war der felsen eingezeichnet, doch er war nicht sichtbar. Unten am kap wollte ich ein wenig abstand zur felswand haben und dann tauchte er doch noch auf. In einem wellental in der größe eines kleinwagens, keine markierung. Also doch hundert meter weiter richtung felswand und durch die fünfhundert meter breite lücke. Danach nur noch anker fallen lassen und das tageswerk war geschafft. Am abend kam dann noch der regen, die Marquesas sind halt grün.

20180809 drei finger bucht mitte

 

20180809 drei finger bucht west

 

Ortswechsel am morgen zur größten metropole der insel und der Marquesas insgesamt, Taiohae. In der großen bucht ist genügend platz für viele yachten, zur zeit sind es um dreißig. Je nachdem, wo man ankert, hat man mehr oder weniger schwell, mehr oder kein wifi. Ich hatte sehr wenig bewegung im schiff und kein brauchbares netz. Und die ersten zwei tage war mal etwas anderes, schmuddelwetter mit sonnenscheinunterbrechungen. Der ort hat ein paar geschäfte und das war es auch. Wenn das versorgungsschiff da ist, gibt es auch frisches gemüse und obst.
Ich habe mal einen nähtag eingelegt und meine französische gastlandflagge repariert. Das rot war nur noch in fetzen und so habe ich aus einer gedrehten polnischen und dem restblau eine neue geschneidert. So schnell komme ich nicht wieder in die ostsee zurück.
Meine sprayhood hat auch ihre überfälligen flicken bekommen und wird im nächsten sturm hoffentlich nicht zerreißen.
Das ganze hier geht mir aber ein wenig auf den senkel, die entfernung zur anlegestelle ist nur mit dem außenbordmotor machbar und der muckt mal wieder. Am ersten tag sprang er wunderbar an und lief super. Am zweiten brauchte er schon wieder eine vergaserzerlegung, am dritten tag nocheinmal. Und ich weiß nicht, warum er nicht will. Somit bin ich am So wieder weg und laufe die letzte der inseln an, Oa Pou, fünfundzwanzig meilen entfernt. Hinsehen konnte ich schon, wenn die regenwolken nicht da waren.

Ich wollte die Marquesas auch wegen fehlenden mücken empfehlen. Das kenne ich anders und blutiger, nur im hauptort haben mich viecher angeknabbert. Gemerkt habe ich nichts, nur rote quaddeln waren das resultat. Aber auch nur in Taiohae.

Der hausberg von Hakahau ist riesig, wenn man ihn sehen kann. Gestern hat er sich kurz gezeigt, aber heute nacht war hier landunter und das muss erstmal wieder trocknen. Ich versuche nachher, mal an land zu rudern, es sind unter hundert meter. Leider gibt es hier zwei arten von wellen, die zum ufer und die, die wieder von dort kommen. Also muss ich den richtigen zeitpunkt erwischen, sonst wird es nass.

Das ist meine fünfte bewohnte insel der Marquesas und die letzte. Man kann hier noch sehr viel länger bleiben, mehr sehen, landausflüge machen, sprit verfahren und tiefer ins system eintauchen. Mir reicht es so und mein nächstes ziel ist schon Tahiti. In Papete gibt es eine marina, ankern im hafen ist dort nicht mehr möglich. Je nach den kosten werde ich dort ein wenig verweilen, den supermarkt aufsuchen und meine oberwantenaufnahme provisorisch schweißen. Dann ist es schon anfang september. Ein paar inseln sind dort noch zu besuchen, danach noch Samoa und dann ist auch bald schluss in dieser gegend. Ab november sollte man hier tunlichst das weite suchen, taifunzeit. Ich werde wohl von dort aus direkt nach neuseeland segeln und mein schiff auf vordermann bringen. Das ist mein jetziger plan.

Nach meinem ersten ausflug kann ich sagen, diese insel ist wieder anders. Landschaftlich und von der besiedelung. Es gibt hier mehr zäune und verschlossene türen als auf den anderen inseln. Dummerweise ist ein stromgenerator im hafen und brummt vor sich hin. Aber ein paar früchte konnte ich auch hier finden, morgen das ganze noch einmal. Trocken bin ich an den strand gekommen, jedoch gab es beim herausrudern eine dicke welle in den rücken, da muss ich mich noch verbessern.

Die bilder vom ort gibt es im nächsten beitrag auf Tahiti. Zum schluss noch an alle obersegelbesserwisserforumsschreiber: einfach mal losfahren!

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Reise_2018 | 1 Kommentar

Von Rapa Nui zu den Marquesas

Der ankommenstag in Rapa Nui war sehr anstrengend, denn die nacht auf dem weg zur insel kurz. Nach kurzem überlegen habe ich beschlossen, nicht durch die brandung zum ufer zu fahren. Die surfer hier haben ihren spaß, und ich müsste zwischen zwei surfzonen hindurch. Fällt der motor aus, bin ich am arsch.
Zum glück gibt es hier ein freies wifi, jedoch nur für eine halbe stunde pro tag. Der wetterbericht verspricht am Fr weniger wind, somit bleiben noch drei tage für arbeiten an bord. Das gröbste habe ich schon gestern und heute erledigt, segeltechnisch bin ich abreise bereit. Fehlt nur noch der rest.

Gestern kam ein weiteres segelschiff und heute noch eins. Der franzose heute ist nach ein paar stunden wieder gefahren. Der schwell ist noch immer stark, das schlafen in der achterkabine schwankend.
Ich wollte heute so viel erledigen, aber vieles ging nach hinten los. Die kleine rote lampe zur erregung der lichtmaschine bereitete mir sorgen, sie glimmte immer leicht. Also wollte ich einen schalter dazwischensetzen. Das habe ich auch getan, nur dann habe ich die ursache gefunden. Ich hatte einen speziellen schalter versteckt eingebaut, als diebstahlsschutz und der war an. Dadurch sind wohl auch meine starterbatterien tiefenentladen worden. Die ganze zeit bin ich also nur mit den verbraucherbatterien gefahren. Auch zum starten mussten sie ran und ich habe das nicht geschnallt. Langsam werde ich alt und vergesslich, oh je.

Die Osterinsel ist grün und stellenweise mit bäumen bewachsen. Die alten vulkane sind auch grün. Interessant ist, zum sonnenuntergang den weg der touristen zu beobachten. Ich liege vor fünf aufgereihten moais, den kollossalen steinstatuen, die stehen am ufer. Erst wenn die menschen hinzukommen, kann ich sehen, wie groß die steinfiguren wirklich sind.
Vorgestern habe ich einen flieger starten sehen und dachte, es ist der wochenflieger. Aber heute kam sogar ein jumbojet angeflogen, hat seine ladung abgeworfen und die alte wieder mitgenommen. Sehr touristisch, dieses eiland. Morgen werde ich den versuch einer landung starten.

Noch immer bin ich auf dem schiff, habe schlecht geschlafen. Ein knallhartes eigentor meinerseits, denn ich habe den windgenerator wieder animiert (ihr erinnert euch…). Von den toten zu den lauten, mit teilen aus meinem konvolut. Eine wellenkupplung, eine runde aluminumscheibe aus dem ehemaligen rollbaum, ein paar schrauben und der improvisierte repeller mit holzenden, so läuft der generator wieder. Zuerst recht leise und er machte auch ein wenig strom. Meine ugandapräzisionsarbeit war aber nur so ungefähr. Nach vier stunden lauf hatte er sich eingerüttelt und macht nun viele geräusche, darunter liegt die achterkabine, super. Mal sehen wie lange er diesmal hält.

Am Sa bin ich dann zum einkaufen ans ufer gefahren, mit der handkarre. Es ist doch erstaunlich, wie schnell dreihundert euronen weg sind. Alles ist hier sehr teuer, am ende reichte es noch nicht mal mehr für ein kaltes bier, auch gut. Frische sachen sind an bord, diesmal sind die äpfel zahlreicher.
Danach noch alles verstauen, armada anfunken und anker auf. Das tagesziel war die tolle ankerbucht im norden.

20180622 rapa nui vor anker

 

20180623 rapa nui steinmauer

 

20180623 rapa nui vulkan

 

Dort in der bucht Anakena angekommen traute ich meinen augen nicht, ein sandstrand und heller meeresgrund und hunderte leute im und am wasser. Das ganze gebiet ist dazu noch von einem zaun umgeben. Die moais stehen dort auch, wie angekündigt, nur hat der platz ernormen schwell. Die nacht war daher sehr schlecht und ich mache heute hier die biege. Auf zu den Marquesas, ohne vorher die kohle abzudrücken. Die polizei oder die verwaltung will von mir über hundert dollar für die verlängerung und den aufenthalt haben, nicht mit mir. Damit scheidet Chile als reiseland für mich bis auf weiteres erstmal aus.

20180624 akanea bucht

 

20180624 akanea bucht

 

20180624 akanea bucht

 

Morgens um elf waren meine vorbereitungen abgeschlossen. Noch schnell ein kleines loch im groß genäht, den windgenerator ein wenig gerichtet und die handwäsche durchgespült. Motor an und raus aus der bucht und das schiff in den wind gedreht. Bis hier war alles gut gelaufen, alle strippen vom groß gelöst und das segel hochgezogen. Ging ein wenig schwer und dann wieder ganz leicht, nur dieses zerreißende geräusch war echt dicker mist. Ein bändsel hatte ich vergessen, und zwar eines, mit dem das tuch im gerefften zustand auf dem baum gebunden werden kann. Nun habe ich im dritten reff einen riesigen riss und das segel ist nicht zu gebrauchen. Ich muss auf eine flaute warten.

Das war gestern und jetzt sollte ich bei der inselverwaltung sein, nur ist die schon über siebzig meilen weit weg. Ich mach den Kimble und draußen hat der wind den betrieb eingestellt, vielleicht sollte ich das nähzeug holen.
Drei stunden später bin ich zufrieden, dass ich nicht anfangen habe zu nähen. Der riss ist einen halben meter lang und dafür müsste ich das ganze segel abnehmen. Der wind ist schwach, aber vorhanden und somit keine gute basis für eine reparatur.
Stattdessen habe ich mich wieder mal rasiert, eine warme dusche genommen und sitze mit einem glas rotwein in der plicht. Bei zwei bis drei knoten fahrt warte ich halt ab, die genua ist ausgebaumt, damit sie nicht all zu oft zusammenfällt. Der kurs zu den Marquesas ist dreihundert und bis jetzt sehr gut zu segeln, bis auf die windstärke.

Heute ist schon der dritte tag auf see und alles im grünen bereich, bis auf das segel. Gestern habe ich mich nicht an das großsegel getraut, eher mein leid gepflegt und elefantentränen vergossen. Heute habe ich dann doch damit angefangen. Ein schöner langer riss, zuerst einen halben meter, dann rechtwinklig zwanzig bis zur segelnaht. Diese ist dann auch noch einmal dreizig zentimeter weit aufgerissen. Eine schöne bescherung für eine kleine unachtsamkeit. Ich habe es gerade geschafft, die nähte zu fixieren und auf das lange stück einen flicken zu nähen. Für heute ist schluss, mir tun die finger weh und die lust ist auch schon über bord.
Und da wird es auch wärmer und sonniger. Im schiff sind es schon sechzehn grad, tendenz steigend. Da der wind noch immer nicht gut weht, geht es nur langsam bis zu drei knoten voran. Die Osterinsel ist schon über hundertvierzig meilen entfernt, Dr Kimble atmet langsam auf.

Es ist der vierte tag und ich habe einen dicken hals. Nicht weil der wind nicht weht, zu schwach, damit die segel stehen, und zu viel, um ihn nicht zu nutzen. Irgendwann hört das ja auch mal auf.
Gestern und heute habe ich das groß genäht und ich bin mit dem provisorium zu frieden. Ist es nicht schön, hauptsache es hält. Und ich werde beim nächsten mal vorsichtiger sein. Als ich die drei oberen segellatten wieder eingefädelt hatte und das ganze segel aufziehen wollte, ist es schon wieder passiert. Ein bändsel vom ersten reff war noch zugebunden, eine böe und ratsch der nächste riss. Mann bin ich genervt, wieder fünfzig zentimeter und meine finger schmerzen schon jetzt oder noch immer. Mal sehen, wie lange ein segel mit einem riss hält.

20180627 neuer riss

 

Einen tag nach meinem segeldesaster hörte der wind vollständig auf. Es passierte schon um mitternacht und ich habe die schlagenden segel geborgen. Am morgen dann gewissheit, platte see, die bilder kennt ihr ja. Nach dem kaffee ging dann Mr Perkins an die arbeit, nicht dass ich mit dem motor fahren will, aber ich brauche mal wieder strom und auch wasser. Das ganze hat bis zum mittag gedauert, dann noch die hundertfünfzig liter diesel aus Argentinien in den haupttank umfüllen. Das zeug hat nicht nach diesel gerochen und hatte auch schon kleine schwarze teilchen angesetzt. Alles durch den filter und noch ein wenig chemie hinzu, zum abtöten, falls da etwas leben sollte.
Jetzt treibe ich im stillen pazifik und denke über eine erneute segelreparatur nach. Aber eigentlich brauchen meine finger eine pause. Noch eintausendsiebenhundertundfünfzig meilen bis Hiva Oa.

Segeltechnisch war es gestern eine pleite, nicht einmal dreißig meilen bin ich weiter gekommen. Wenn es optimal laufen würde, sind es zweitausend meilen von der Osterinsel zu den Marquesas. Diese naivität hatte ich aber schon lange begraben, meine erfahrungen sehen anders aus. Bis heute habe ich gerade einmal zweihundertvierzig davon bewältigt, es war halt kein wind vorhanden. Heute morgen fing der windgenerator wieder an zu rappeln, meine akustische windanzeige. Wenn es so weiter geht wie gerade, dann wäre ich sehr glücklich, der kurs stimmt und der halbwind bringt das schiff auf fünf knoten. Dazu gibt es wieder blauen himmel mit schönen cumuluswolken.

Dann das ende vom einfachen segeln, in der nacht drehte der wind und es ging nach süden. Heute am tag sind nur kurse um fünfzig grad drin, ich fahre nach norden. Dazu ist zwar das wetter noch immer schön, aber der wind ist wieder schwach. Der nettowegerfolg lag gestern bei fünfzig meilen, das ganze kann also noch etwas dauern.
Reisen bei gutem wetter ist eine freude, nur nicht, wenn man krank wird. Seit vorgestern ist da etwas im anmarsch, brockig in den nebenhöhlen. Ich habe seit dem letzten juli meinen arsch in die kälte der südhalbkugel gehalten. Es war richtig kalt, und jetzt wird es warm und ich kränkel herum. Leichtes fieber, unlust und schwitzen, echter mist.

Die erste woche ist herum und auch gleichzeitig der monat juni. Neunzehnhundertzwölf meilen bin ich da gesegelt, der meilenzähler ist das gps. Die letzte woche war im nachhinein doch nicht so schlecht. Auf dem bild führt die optimale blaue obere route zu den Marquesas, es sind neunzehnhundertachtzig meilen. Die unter blaue route wäre zu den Gambierinseln, als alternative, wenn es schlecht laufen sollte. Aber bis heute habe ich brutto vierhundert und netto dreihundertundfünfzig meilen gesegelt, das ist schon mal gut. Somit fehlen nur noch sechzehnhundertdreißig meilen. An den tagen der flaute habe ich mein segel repariert und wieder zerstört, den diesel umgefüllt und mich um die windsteueranlage gekümmert, die ihren job gut macht. Keinen fisch gefangen, kein regen.

woche1

 

Dann noch der nachtrag zu Rapa-Nui, auch wenn der aufenthalt nur kurz war. Die theorie, dass es dort eine ökologische katastrophe gab, weil die menschen alle bäume für den transport der moais gebraucht hätten, halte ich für quatsch. Man fängt nicht mit einer statue an und mittendrin fällt einem auf, dass es keine bäume mehr gibt. Diese vulkanische insel bildet auch nicht gerade das biotop für einen urwald, auf den felsen soll erstmal etwas fuß fassen.
Die andere theorie halte ich für akzeptabler, es gab einen glaubenswechsel und sie haben die produktion der steinköpfe eingestellt. Dafür spricht auch, dass alle köpfe umgelegt wurden und nicht umgestoßen, denn dann wären sie zerbrochen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass eine ältere besiedlung die köpfe hergestellt hat, nur warum weiß man bis heute nicht.
Den menschen dort ist es wohl auch egal, die touristen kommen in scharen, man verdient gutes geld damit. Ein bier in der bar für sieben euro ist schon ein recht stolzer preis. Die lebensmittel sind alle sehr teuer, allein der transport kann es nicht sein. Auch lokale avocados sind preislich am oberen ende. Überall gibt es bars, restaurants oder tauchschulen. Das geschäft boomt. Das bild der tollen sandbucht in meinem kopf war jenseits der realität, eine enttäuschung für mich.

Heute ist der zehnte tag auf see, gestern fiel krankheitsbedingt aus. Nicht dass es mir heute besser ginge, abwärts geht immer. Der hustenauswurf ist jetzt grünlich, und gestern abend fing das linke ohr an sich zu melden, dann in der nacht auch das rechte. Überall kommt jetzt diese entzündung durch, unschön, um es freundlich zu formulieren. Dafür habe ich heute morgen in der bordapotheke etwas für die nebenhöhlen gefunden, eine noch geschlossene ohrentropfenpackung, etwas gegen den husten und noch nasenspray. Der chemiekrieg hat begonnen, denn aus dem einen ohr kam heute blut heraus.

Der wind ist seit tagen konstant schwach, aber freundlich zur richtung. Jetzt geht es gerade direkt zum ziel, jedoch habe ich mich auch schon neunzig meilen nördlich von der optimalen route entfernt. Die nächsten stunden werden erstmal spannend, um mich herum nur regenwolken, kann hier also auch feucht werden.
Die tierwelt hier im ozean wird spärlicher, wenn ich einen vogel am tag sehe, ist das schon viel. Vorgestern gab es ausblasungen auf dem wasser, aber zu weit, um die tierchen zu identifizieren. Und dann gibt es immer häufiger portugiesische galeeren, noch sehr klein und farblos. Keine fische an der angel und noch fünfzehnhundert meilen zum ziel.

Es ist der zwölfte tag und seit gestern hat der wind gedreht. Kaum habe ich mich auf mein linkes ohr gelegt, damit rechts die tropfen einwirken können, war die drehung da. Noch ist es kein drama, anstatt achterlichem wind geht es jetzt hoch am wind. Nur dafür müsste es auch wehen, und wenn ich mal auf drei knoten komme, ist es schon gut.
Die kranheitsabwehrschlacht ist im gange, zwei produkte sind auch auf pflanzlicher basis. Nur was ich mir da eingefangen habe, ist noch nicht klar. Gestern morgen war mein rechtes auge verklebt und jetzt ist da passende ohr dazu auch dicht. Dafür habe ich heute morgen mal geduscht, ich rieche nicht viel, schmecke auch wenig und es war an der zeit.
Gestern abend bin ich noch mit einem glas rotwein in der hand in den sonnenuntergang hinein gesegelt, das sollte ich häufiger wahrnehmen. Es ist viel besser, als die abende im hotel als beraternutte vor der glotze zu hängen, damit man am nächsten morgen wieder frisch auf der matte stehen kann. Aufhören kann sich lohnen. Noch dreizehnhundertfünfzig meilen.

Mein zustand wird nicht schlechter, heute am dreizehnten tag. Das essen gegen den verderb hat auch schon begonnen. Die letzte avocado lag auf einer möhre, wer nun zuerst gesüppt hat, weiss ich nicht. Die möhre war wegwerffällig und die avocado nach wegschnitt gut essbar. Eine weitere tüte mit karotten hatte auch schon eigenleben entwickelt und vereinzelt schimmeln die orangen an druckstellen. Dafür sind die äpfel und kartoffeln sehr formstabil. Der kühlschrank wird in ein paar tagen abgeschaltet werden.
Das segeln ist nicht berauschend, die segel stehen, wenn es gut geht, bei drei knoten, eher ein halber weniger. Fünf wären schon etwas für den kalender, dafür alles in der richtigen richtung. Vielleicht unterschätze ich die nettomeilenanzahl, zur zeit geht es wieder zur geplanten route zurück, die neunzig meilen nach nord werden langsam aufgebraucht.

Den dreizehnten tag habe ich ohne weitere schäden überlebt. Das senken des fiebers durch medikamente halte ich für zwiespältig. Es senkt die temperatur und die gäste haben es wohl. Seit zwei tagen gibt es das nicht mehr. Die alte methode, mit dem handtuch um den kopf schlafen zu gehen, bevorzuge ich eher. So langsam wird es besser.
Zum sonnenuntergang zeichnete sich der kommende wind schon ab, ein leichtes reffen der genua sollte reichen. Dann um mitternacht ein heftiger wind und ein kurs nach südsüdwest. Der richtige zeitpunkt für einen kurswechsel, bei völliger dunkelheit nicht schön, aber machbar. Die leinen hatte ich vorher noch kontrolliert, dass sie nicht irgendwo hinterhaken. Dann eine halse, danach das groß und ein neuer kurs. Leider hatte ich die windsteuerung nicht fixiert und diese hat sich ausgekuppelt. Ein wiedereinkuppeln in der dunkelheit kann zu bösen verletzungen an den händen führen, meine müssen erst restlos wieder abgeheilt sein. Für den rest der nacht ging es dann mit dem autopiloten auf einen wieder optimalen kurs.
Vor zwanzig monaten war ich auch nahe dem zwanzigsten breitengrad und da verschwanden sie. Aber seit gestern nacht sie sind zurück und gleich drei gäste. Einer davon schwimmt schon wieder als köder. Wenn sie fliehen, müssen auch die jäger hier sein.

20180707 neue gaeste

 

Wenn der wind so bleibt, dann sind es nachher unter zwölfhundert meilen bis zum ziel. Und ich vermisse den müll im meer. Entweder er ist nicht so dramatisch oder ich habe einen anderen kurs genommen. Die henderson insel liegt fünfhundert meilen südwestlich von mir und dort soll es schlimm aussehen. Alles, was ich hier entdecke, sind bis zu handteller große rote stücke von plastik. Der verursacher ist mein rumpf, der sich von seiner farbe befreit. So soll es eigentlich nicht sein, sammele ich doch jedes plastikteil, damit es nicht in den nahrungskreislauf eingeht. Und nun das.

20180721 schiffsfarbe

 

Am nachmittag wollte ich mich einfach nur auf das bugbrett setzen, als mir unter dem schlauchboot ein rostiger ring auffiel. Ich weiß noch nicht, wohin das teil gehört, aber auf der suche bin ich auf etwas größeres gestossen. Und dabei habe ich vor ein paar tagen das starten des dieselgenerators eingestellt, weil er einfach nicht will. Ohne das teil habe ich keinen ausreichenden strom, zum beispiel fürs schweißen.
In den spalt der oberwantaufnahme passt fast mein kleiner finger hinein. Vielleicht war es doch gut mit dem schwachen wind in den letzten tagen. Das grüne im spalt ist die deckenisolierung. Wieder einmal muss ich mich mit den altlasten des vorbesitzers befassen. Unterdimenmsionierte aufnahme, einfach auf das deck gebraten. Auf der steuerbordseite hatte ich schon risse in Uruguay gefunden und zugeschweißt. Hier komme ich ein wenig zu spät. Fürs erste habe ich eine kleine entlastung zur anderen aufnahme gespannt, nicht sehr stark, sollte aber halten. Somit wird auf der steuerbordseite nicht mehr mit der vollen genua gefahren werden. Und ich bin noch nicht einmal auf der hälfte angekommen.

20180707 oberwantenaufnahme

 

20180707oberwantenentlastung

 

Zusammenfassung: Die zweite woche hatte es in sich und im ganzen war sie recht gut. Die tour begann fast auf der optimal linie und endete auch dort. Der wind war bis auf ein paar minuten ziemlich schwach, eine drei. Und dennoch bin ich irgendwie fünfhundert meilen gesegelt und fast alle in die gute richtung. Nach vierzehn tagen sind es noch elfhundertfünfzig.
Was nicht so klasse war, das fieber, der rotz und ohrenschmerzen, das geht aber auch vorbei. Am ende der woche noch das disaster mit der oberwantenaufnahme am backborddeck. Das ganze ist mit dem deck herausgerissen, warum ist nicht klar.

woche2

 

Heute ist der fünfzehnte tag und die nacht war schlecht oder kurz. Der riss im deck ließ meine gedanken nicht ruhen, und ich plane schon einen längeren aufenthalt auf Tahiti oder, wenn sein sein muss, in Neuseeland. Das strukturelle problem und ein paar weitere werden dann zu einem weiteren refit werden. Wenn der riss grösser wird, muss ein augbolzen ins schanzkleid, als neue provisorische aufnahme.
Meine erkältung ist über dem berg, auch was schönes. Nur heute ist wieder treibendes flautensegeln bei zwei windstärken. Es ist warm und das ist für meine notklebung von vorteil. Ich habe noch eine angebrochene tube scheibendichtung gefunden, von meiner volvorestauration vor fünfzehn jahren. In der mitte war das zeug noch weich und die matsche ist dick um den riss aufgetragen. Diesen hatte ich noch vorher freigelegt, er ist grösser als gedacht. In den spalt passt mein finger hinein. Über dem klebenden zeug habe ich klopapier aufgetragen, für eine schnellere hautbildung und damit sich leinen nicht mit dem zeug einsauen. Hoffe ich mal, dass es so elastisch ist, dass das wasser draußen bleibt.

20180708 oberwantendichtung

 

Der heutige sechzehnte tag ist wie gestern oder viele andere tage. Für mich ist es heute schon heiß, sonnencreme fünfzig und schatten. Der blaue wolkenlose himmel und der nicht vorhandene wind bringen wieder einmal einen zwei punkt x knoten tag zusammen. Das ergebnis ist dann um sechzig, je nach x. Heute wird es vielleicht ein wenig mehr werden, der motor lief für den watermaker. Dieser wird langsam schlechter, hat er doch schon vierhunderter salzwerte im trinkwasser. Noch nicht schlimm, ab neunhundert soll man das salz erst schmecken.
Als nebenaufgabe habe ich ein paar gedanken zum neuen deckslayout gestartet. So mal zwischendurch wird es wohl nichts, denn die genuaschinen müssen auch angefasst werden. Ein landaufenthalt steht wahrscheinlich bald an.
Und ich habe den zwanzigsten breitengrad unterschritten, diese imaginäre line war für den frust wichtig und ist bezwungen. Nur noch elfhundert meilen.

Das war gestern wieder eine pleite, das segeln habe ich mit dem sonnenuntergang eingestellt, null wind. Dafür immer sonne und kein regen. Und hier liegt ein mögliches problem, noch nicht für mich, solange der watermaker laufen kann. Aber wenn irgendjemand plant, damit den regen einzufangen, dann sollte er mehr glück haben als ich. Die haben früher doch sehr gepokert oder sind andere routen gefunden.
Meine ernährung wird sich ab heute auch wieder ändern, der letzte joghurt ist aufgebraucht, der schimmelige trockene ingwer ging ins meer, und es sind noch sechs äpfel vorhanden. Heute abend noch etwas mit einer paprika und einer möhre und dann war es mit dem frischen vorbei. Abgesehen von den kartoffeln, einem kohl und einer handvoll zwiebeln .
Auch wird es wohl wieder ein zwei punkt tag werden.

Ich bin seit zwei tagen ein daily sailor. Abends werden die segel geborgen und nur die genua bleibt ganz klein draußen, so dass sie nicht irgendwo scheuern kann. Das tagesergebnis ist sehr schlecht und heute wird das ganze noch einmal getoppt. Das meer ist öligbleiern, null wind, nur sonne. Das habe ich genutzt, um das groß zu flicken, nicht schön und hoffentlich haltbar. Danach noch zwei reffleinen miteinander getauscht und ende. Zwischendurch kamen ein paar blasende meeresbewohner zum schiff, aber das war es auch schon. Wenn das so weiter geht, dauert es noch zu den Marquesas.

Es waren sehr langsame tage, aber heute bin ich im geschwindigkeitsrausch. Heute ist wind, alles ist wind im gegensatz zu gestern. Mit bis zu vier knoten fliegt das schiff durch die wellen. Der kurs ist mäßig und in ungefährer richtung. Es hat sich gelohnt, das groß gestern zu nähen. Die letzten drei nächte waren mies, keine segel, kein wind und das schiff wiegt sich von einer seite zur anderen.
Wenn es weiterhin gut läuft, bin ich heute abend, am neunzehnten tag der reise unter tausend meilen.

Seit zwanzig tagen bin ich seit der Osterinsel auf dem meer unterwegs. Gestern war endlich mal wieder ein segeltag und das ergebnis war mäßig, wenn auch dreimal so viel wie am tage zuvor. Den optimalen kurs kann ich nicht fahren, aber dreißig grad mehr gehen. Dafür habe ich gerade den achtzehnten breitengrad überschritten, bin unter tausend seemeilen zum ziel und habe auch schon die hälfte der strecke geschafft. Täglich wird es wärmer, draußen und im schiff und mein schlafplatz ist wieder im gang.
Ich vermisse meinen lieblingsdreizehner, den ich noch vor zwei tagen benutzte. Meine befürchtung ist, dass ich ihn mit den holzspänen über bord geworfen habe. Das kann ich mir aber nicht so recht vorstellen, mein liebling auf dem pazifischen ozeangrund. Dafür ist aber der adapter zum abfüllen eines bieres in flaschen fertig, und bei der nächsten flaute geht es los, das bierbrauen.

Brauche ich eine flaute, kommt der wind und umgekehrt. Das ist der erste tag mit wind um zwanzig knoten und das schiff ist wieder munter. In der nacht luvt es dummerweise immer an, so dass ich einen nordkurs gefahren bin. Vor dem kaffee heute morgen ein wenig mit den segeln herumtüdeln, windfahne neu positionieren, das hauptruder einstellen und schon war eine deutlich bessere richtung möglich. Das ganze bei über fünf knoten, der erste mal seit sehr langer zeit.
Nur meine elektronik fängt schon wieder an auszufallen. Gestern war es der ruderstandsanzeiger, glücklicherweise war der stecker nur heraus. Aber er hat sich auch ein wenig gedreht, so dass die anzeige nicht mehr stimmt. Heute nacht nur kurz und jetzt am vormittag ist die windanzeige ausgefallen, wieder einmal. Es geht auch ohne, mit wäre besser.
Und das beste sind die neunundneunzig meilen von gestern mit einen nordanteil, aber auch ok. Somit sind es unter neunhundert zu den Marquesas am einundzwanzigsten tag.

Die dritte woche endete mit einem riesigen stück weiter, über hundertzwanzig meilen, nur wie… Wochenfazit: Der erste tag war noch anständig und dann war der wind abgeschaltet, deutlich auf dem bild zu sehen. Erst vor drei tagen, als ich beschlossen hatte, dass ich wieder gesund bin, ging es voran. Leider auch mit einigen kursabweichungen und seit gestern auch mit dem ausfall von teilen der navigationselektronik. In summe der woche kam aber fast wieder eine vierhundertfünfzig heraus. Die rote linie ist meine variable route zum ziel, und das sieht gut aus, nachher werden es unter achthundert sein. Durch die letzten drei tage bin ich aber auch hundertfünfzig meilen von der blauen linie abgegedriftet. Das muss sich jetzt ändern. Auch hat sich die erste insel geändert, ich werde wohl doch Fatu Hiva anlaufen, sechzig meilen weniger.

woche3

 

Was hat sich noch geändert, einiges. Seit einer woche laufe ich barfuß, da es schon sehr warm ist. Heute habe ich das erste mal seit über einem jahr auf dem deck mit der solardusche geduscht, was schön ist. Seit über einer woche gibt es keinen alkohol mehr, ist aus und nicht dramatisch. Tut meiner leber und dem rest auch mal gut, vermissen tue ich es nicht. Noch immer will kein fisch zu mir aufs schiff, heute ist schon wieder ein glücklicher entschwunden. Glücklich, weil er nicht in der pfanne endet, aber unglücklich, weil er jetzt einen haken mit einem gewicht und einer plastiktütentintenfischattrappe  umherschwimmen muss. In ein paar tagen ist der haken durchgerostet, sein glück. Und zu guter letzt läuft die windanzeige wieder, ein mysterium.

Heute ist der dreiundzwanzigste tag mit einer gemischten nacht. Häufiges aufstehen und den kurs korrigieren und am morgen habe ich mit den segeln herumgespielt. Mal nach links oder rechts und am ende ist es bei links geblieben. Der zielkurs ist jetzt um nordwest, alles brauchbar.
Und da der wind ein bißchen nachgelassen hat, ist es mal wieder zeit, um wasser zu machen. Heute habe ich das bier angesetzt, ein sehr dunkles, und das soll auf den Marquesas fertig sein. Wenn es mit der geschwindigkeit so bleibt, bin ich allerdings zu spät dran. Acht tage dauert die erste fermentierung, danach auf flaschen ziehen und weitere sieben tage warten, besser länger. Wenn die hefe noch gut ist und das vorgebräu, das schon seit vier jahren abgelaufen ist, dann kann es etwas werden. Auch habe ich versucht, so reinlich wie möglich zu sein. Jetzt arbeitet die brühe in der mittelkabine vor sich hin, der ruhigste platz im schiff, das ganze sechhundertsechzig meilen vorm neuen ziel. Das dunkle stout habe ich gewählt, weil man es nicht zum durstlöschen herunter stürzen kann, eher was für den geschmack.

20180716 suedseebier

 

Die nacht auf den vierundzwanzigsten tag war gut, ich konnte recht gut schlafen. Der wind hatte sich langsam gedreht, zu meinen ungunsten. Am morgen habe erstmal die segel auf die  andere seite gebracht und schon laufen wir wieder auf kurs. Dieser ändert sich auch, je weiter ich nach norden komme, desto mehr west muss ich steuern. Der gestrige tag brachte fast hundert meilen.
Auch habe ich gestern am nachmittag eine neue tintenfischattrappe an die angel geknotet. Bis zum sonnenuntergang war kein fisch dran, nur etwas, das wie ein stück angelsehne aussah. War ein wenig glitschig beim abpulen. Fünf minuten später brannte mein kleiner finger, sofort mit spühlmittel gesäubert. Das brennen dieser kleinen nessel hat eine stunde angehalten. Ich möchte nicht in so eine qualle hineinschwimmen.
Noch eine kleine liste, was es alles nicht gibt, außer einem fisch. Seit der Robinsoninsel gab es keinen regen, gestern war der letzte apfel gegessen, kein wein seit über einer woche und auch kein gemüse mehr. Der kühlschrank ist aus und am tage produzieren die solarpannels genügend strom für die navigationsinstrumente und das gps.
Heute ist der wind wieder schwach und es sind noch fünfhundertachtzig meilen bis zum ziel.

Später am nachmittag kam dann eine schwarze wolkenfront, gerade noch vom vertrocknen geschrieben und dann das. Der wind nahm spürbar zu und ich habe schon mal alle luken geschlossen. Neben der wand gab es weiter achtern noch eine fette wolke. Alle kamen näher und die ersten feinen tropfen fielen, leider auch in die treppe hinein. Also schiebeluk zu, türen zu und runter. Von dort habe ich noch ein wenig den kurs korrigiert und das schiff fuhr fast sieben knoten. Keine zehn minuten später war wieder die halbe normalgeschwindigkeit im schiff, luke wieder auf und raus. Was für eine pleite, die ersten tropfen waren die einzigen. Danach gab es noch ein paar kleine windversuche und um fünf habe ich den betrieb eingestellt, angel ohne fisch eingeholt. Die kleine genua ist von beiden seiten gespannt und so treibe ich für die nächste zeit, zum glück auf dem richtigen kurs.

Wieder ein tag später, und es ist nicht viel passiert, außer einem regenschauer in der nacht. Ich bin durch dieses neue geräusch wach geworden und musste schleunigst die türen schließen. Der niedergang war schon feucht, aber so richtig kräftig war das nass vom himmel nicht. Am abend war ich ja nur mit der genua voran getrieben. Das war super, alles auf dem richtigen kurs, wenn auch mit zwei knoten recht langsam. Jetzt am tage ist nur die genua grösser, der kurs ist fast west und das ganze mit vier knoten. Schneller würde es mit dem groß gehen, nur dann nicht da hin, wo ich hin will. Wenn nur nicht dieses durchschaukeln von links nach rechts wäre. Der wind kommt genau von achtern, also ein fetter ostwind. Ich warte auf den drehpunkt, das soll ja ein südost passat werden. Noch fünfhundertundzehn meilen.

20180626 sonnenaufgang

 

Das mit den zwei knoten ist seit heute passé. Der wind hatte gestern abend schon mehr auf süd gedreht und zugenommen. Nur mit der gerefften genua geht es vorm wind mit fünf bis sechs knoten voran. Der kurs ist noch nicht ganz genau der zielkurs, da fehlen noch zehn grad. Gestern waren es schon wieder über neunzig meilen und noch vierhundert bis zur insel.
Und wenn ich so in der plicht sitze und anfange zu denken, da kommt mir gerade ein thema besonders hoch. Zum einen: bloß nicht über bord gehen, das ist immer absolut tödlich. Ich achte immer auf einen festen griff, da ich mich nicht festbinde. Es sind ja auch erst sechs windstärken, wobei die wellen tückisch sind. Der andere gedanke dreht sich um eine rettungsinsel oder ums schlauchboot, falls man das schiff wirklich verlassen muss, weil es sinkt. Die chance auf eine rettung sehe ich sehr skeptisch. Wenn jemand bei diesem schönen wetter dreihundert meter weit weg treiben würde, ich würde ihn nicht bemerken. Er oder ich sind im wellental, ich schaue in die andere richtung oder bin unter deck. Da kann jemand draußen noch so brüllen, da höre ich nichts. Und wenn das wetter richtig mies ist, geht noch weniger. Also bloss kein schiffbruch oder hoffentlich funktioniert meine eprib.

Der siebenundzwanzigste tag brachte auch keinen fisch, wie gestern. Nur habe ich schon wieder eine nessel gefangen und bin heute etwas vorsichtiger damit. Also gibt es heute wieder ein vegetarisches curry, oder schon ein veganes.
Der wind hat noch immer nicht zur zieleinfahrt gedreht, er kommt aus ost. Heute nachmittag  habe ich dann auch mal die segelseiten gewechselt, die steuerbordseite konnte den kurs nicht mehr so gut erreichen. Auf der backbordseite habe ich kein stabiles system hinbekommen und das groß dazu genommen. Jetzt geht es mit dem richtigen kurs. Ansonsten nichts neues, die fliegenden fische werden mehr und größer. Die bier blubbert vor sich hin, keine schiffssichtung, kein treibgut und nur sonnenschein. Außer gestern nacht, da bin ich durch regentropfen auf meinen füßen wach geworden. Mit dem achterlichen wind kommt heute die luke gleich zu.
Da ich immer weiter nach westen komme, habe ich mal die uhrzeit um zwei stunden zurückgestellt. Jetzt bin ich minus acht stunden zu utc. Und schon unter dreihundert meilen bis zum ziel.

Mittlerweile bin ich schon vier wochen seit der Osterinsel auf dem meer, wie die zeit doch vergeht. Meine milchvorräte gehen glücklicherweise auch zu ende, brauch ich das weiße zeug doch nur für meine haferflocken. Und bei diesen temperaturen wird die milch innerhalb von einem tag sauer. Das schmeckt im übergang gerade noch, lecker ist etwas anderes. Diese vorräte stammen noch aus Ushuaia, als der mitsegler meinte, ohne milch geht gar nicht. Hat sich da ein wenig mit der menge verschätzt. Er hätte sich auch gern ein paar bricks mitnehmen können, wäre auch nicht aufgefallen. Aufgefallen ist mir allerdings, dass er sich den matetee still und heimlich eingesteckt hat. Das ist nicht die feine art, wenn er gefragt hätte, hätte ich es ihm sowieso gegeben. Macht auf jedenfall keinen guten eindruck und einen sauren nachgeschmack.
Mein reiseziel rückt erstaunlicherweise sehr schnell näher, gestern waren es hundertdreißig meilen und es geht mit fünf voran. Die sonne brennt schon ein wenig, der wind weht stetig, und heute mittag werden es unter zweihundert meilen sein, klasse.

Gestern waren vier wochen herum und es lief wie geschnitten brot. Kleine reparaturen, essenszubereitung und das vorspülen der leeren flaschen. Das war es und schon wieder ein abgebissener köder, ein teil vom plastik und der haken sind futsch.

20180721 tintenfischatrappe

 

Die zusammenfassung der vierten woche: Ich habe zehn längengrade und über vier breitengrade geschafft und das ganze mit sechshundertneunzig meilen. Fast alle sind nettomeilen ohne umwege. Auch wenn ich das nicht glauben mag, der südost passat fing wohl ab dem fünfzehnten breitengrad an. Denn so ein gutes wochenergebnis hatte ich sehr, sehr lange nicht mehr. Gestern habe ich auch die geplante route gekreuzt, da die bay of vergins südlicher als die hauptinsel liegt.
Das bier, das ich am anfang der woche angesetzt hatte, muss bald abgefüllt werden. Das passiert morgen, wenn ich angekommen bin, denn das sieht so danach aus. Zum schluss alles viel zu schnell, so musste ich gerade noch den wassertank über ein drittel füllen. In den buchten soll oft sediment von den flüssen sein oder hausabwasserdreck. Bis zur zielbucht sind es noch hundert meilen.

woche4

 

Am letzten tag auf see habe ich mal versucht, mit der waschmaschine meine wäsche zu waschen, mit salzwasser. Ging recht gut, zum schluss mit trinkwasser gespült, nur das schleudern ging nicht besonders gut. Zum anfang schrabbelte die trommel in der maschine, wenn sie auf touren war, ging es. Das schaukeln hat sie immer wieder aus dem takt gebracht.
Der abend verabschiedete sich mit einschlafendem wind, nicht das, was ich brauche, und so ging es mit drei knoten in die nacht. Bis zum morgen hatte es sich dann doch sehr gebessert, morgens um acht war ich weiter westlich als gewollt, aber das war gut für den weiteren kurs.
Es waren noch dreißig meilen bis zum kap der insel, und dann noch einmal sechs bis zur bucht. Am kap war ich in vier stunden, so schnell wie noch nie im pazifik. Die insel konnte ich erst zehn meilen vorher erkennen, da sie in wolken lag. Um halb drei war der anker beim zweiten versuch fest.

20180723 fatuhiva erster blick

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

20180723 fatuhiva erster eindruck2_0

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

Déja vu, warum nur. Als ich den gang einlegen wollte, ging gar nichts. Das fast gleiche spiel wie auf der Osterinsel. Gestern lief noch alles super und jetzt das. Ich habe dann den bowdenzug abgeschraubt und im motorraum von hand gesteuert. Nur ein ankermanöver mit herunterlaufen, auskuppeln und zählen ist nicht so einfach. Beim ersten mal vergaß ich, weiter zu zählen, der anker hielt nicht. Wieder einkuppeln und das ganze von vorn, bei fallwinden in der bucht um dreißig knoten zwischen den anderen sechs segelbooten. Trotzdem geschafft.
Das erste war dann, die wäsche aufzuhängen, leider keine gute idee. Mindestens ein besseres handtuch und ein shirt sind wegen böen über bord gegangen, vielleicht auch mehrere teile. Danach die abfüllung des bieres vorbereiten und durchführen. Um fünf uhr war es dann vollbracht, fünfundvierzig flaschen befüllt.
Wenn das hier die schönste, beste, aufregendste und tollste bucht sein soll, dann will ich noch gar nicht wissen, wie die anderen sind. Vielleicht waren die anderen segler nur landgeil nach den wochen blauen meeres. Ok, es ist grün, eine vulkaninsel wie die Robinson Crusoe Insel und mehr bäume und pflanzen. Das war es aber, vielleicht bin ich nur ein wenig abgestumpft und morgen sieht alles besser aus.

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

Dieser reiseabschnitt war etwas anders, als diejenigen zuvor. Es ging oft langsam, aber immer in die richtige richtung. Somit habe ich für die zweitausend meilen nur zweihundert mehr benötigt, ein spitzenwert. Es gab keinen nennenswerten regen, ich habe keinen fisch gefangen, und nichts wirklich aufregendes ist passiert. So gefallen mir diese passagen.

woche5

 

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, Route | Kommentare deaktiviert

Rapa Nui here we come

Die vorbereitungen für den nächsten großen schlag liefen sehr zufriedenstellend oder sogar gut. Nach zwei tagen hatte ich die elektronik wieder am laufen, auch die logge hatte ich gezogen und gesäubert. Windanzeige, kreiselkompass und autopilot funktionieren wieder, ein wunder der technik. Ich hatte in der konfiguration noch etwas geändert und ein paar stecker vertauscht, danach lief es. Warum es vorher auch lief und dann nicht mehr, ist ein rätsel, oder es war die korrosion von salzkristallen im kompassstecker. Nur mein generator will nicht mehr anspringen, ich befürchte, es könnte der kolbentot sein.

Morgens um zehn habe ich die armada gerufen, keine antwort und als ich langsam aus der bucht gefahren bin, quatscht mich die alte auf spanisch zu. Die bitte, englisch zu sprechen, hat sie völlig ignoriert, bis der hafenkapitän ans mikro kam. Gute reise und adios.
Die ersten stunden bin ich mit motorunterstützung vorangekommen. Das war gut so, konnte ich doch einige liter wasser produzieren. Gegen mittag kam pünktlich der wind und es ging in richtung des ziels los.

20180522 an der mooring

 

20180522 geschuetz der dresden

 

20180523 hafenbucht

 

20180523 robinsoninsel

 

20180524 robinsoninsel

 

In der nacht nahm der wind wie vorhergesagt zu, alles im planbereich. Nach einem tag bin ich schon hundert meilen von der robinson insel entfernt und schippere südlich der Alejandro Selkirk insel. Ein paar stunden früher als geplant hat der wind komplett gedreht und es geht fast direkt zur Osterinsel.

20180525 alejandro selkirk insel

 

Das war gestern ziemlich blöd, um es mal positiv klingen zu lassen. Zuerst kachelte es, und als ich bei der insel war, war der wind dann sehr plötzlich weg. Die entfernung zur insel war nur vier meilen und der ankommende hauch trieb mich zu ihr. Ein paar stunden lief der motor, um distanz zu gewinnen und nach dem sonnenuntergang kam dann glücklicherweise ein segelwind. So ging es durch die nacht, langsam, aber in die richtige richtung.
Heute am dritten tag auf dem meer gibt es zwar diese tolle riesige dünung, aber wieder keinen wind. Am horizont ist noch die letzte insel auszumachen. Es sind noch eintausendvierhundertneunzig seemeilen bis zum ziel.

Gestern war das sonnendeck wieder geöffnet und kein wind bis zum abend hin. Mehrfach habe ich mal das segel ausgerollt, aber das war eine täuschung. Abends ging dann nur ein kurs nach nordost, der langsam nördlicher wurde. Die drehung nach westen blieb leider aus und so war ich am morgen über fünfzehnhundert meilen zum ziel entfernt. Dann bin ich mal auf den gegenkurs gegangen und muss die meilen wieder gut machen. Dieser kurs ist leider aber nur südwest. Die windanzeige ist auch wieder ausgefallen, und somit schätze ich den wind, um rechtzeitig zu reffen. Irgendwo ist der sturm und er wird kommen.

Heute ist der tag fünf auf see und der frust ist auch da. Seit eineinhalb tagen bin ich dem ziel nicht näher gekommen, habe aber über hundert meilen gesegelt. Der sturm ist auch schon hier, heftiger regen und kräftiger wind aus west. Mit einer kleinen genua ist da nicht viel gegenan zu machen. Dann ist noch ein kleines problem existent in achtzig meilen entfernung und das heißt Yosemite Rock. Ringsum auf dem zweiunddreißigsten breitengrad ist es dreieinhalb kilometer tief und nur dieser felsen steht dort. Den habe ich zufällig bei einer übervergrößerung entdeckt. Ein besuch sollte nicht stattfinden.

Der sechste tag fängt gut an und der gestrige war letztlich auch nicht so schlecht, wie er startete. Der wind nahm etwas ab und dann stimmte auch die richtung, so ungefähr. Am ende waren es fast achtzig meilen und noch vierzehnhundertdreißig bis zum ziel. Den felsen habe ich nun so gut wie nördlich umrundet und dazu gibt es auch sonne.

Gute laune am tag sieben, wind von achtern und sonne. Leider ist der südpazifik nicht so warm und der wind weht ins cockpit, aber erträglich. Die windrichtung ist ok, er kommt aus osten und bringt mich in den westen. Dafür muss bei den wellen der autopilot ran, die windsteueranlage hat sich letzte nacht ausgekuppelt. Bei jetzt über fünf knoten ist da auch kein einkuppeln möglich. Was mich allerdings stört, ist dass der motor bald wieder mitlaufen muss.
Mein erfolg beim angeln ist nicht sehr gut, eher null seit tagen und der letzte apfel ging auch gerade durch die kauleiste. Somit wird der speiseplan langsam karger.
In den letzten vierundzwanzig stunden ist das schiff seit langem mal wieder über hundertzehn meilen gesegelt, neunzig netto in die richtige richtung. Noch dreizehnhundertdreißig.

Der siebente tag auf see war sehr erfreulich. Seit meiner atlantiküberquerung hatte ich kein so gutes etmal von einhundertfünfundzwanzig und das in die gute richtung. Der wind hatte in der nacht ein wenig gedreht und heute morgen habe ich die segel geschiftet. Jetzt geht der kurs so direkt wie möglich. Noch zwölfhundertzwanzig meilen.
Ein paar abgänge sind in dieser schaukelei auch zu verzeichnen. Meine große keramikschüssel liegt jetzt in teilen auf dem meeresgrund oder ist auf dem weg in drei kilometer tiefe. Der magnetschalter hat gestern wieder einmal den dienst quittiert und jetzt stoppe ich die maschine wieder mit dem seil.
Mein anglerglück war gestern ein wenig vorhanden, reste von einem tintenfisch hatte sich in dem fiesen haken verfangen. Genau das richtige als köder und es hat funktioniert. Einer hat zugebissen und ist nun mit dem köder unterwegs, die leine ist gerissen. Vielleicht geht es heute besser.

Hier kommt jetzt die wochenzusammenfassung: Zuerst ging es nach südwest und dann um die Alejandro insel, dort bin ich im schwachen wind hängen geblieben. Dann kam westlicher wind und es ging nach norden mit einem ostanteil. Die nächsten tage konnte ich nach nordwesten fahren und habe den kleinen felsen Yosemite umrundet. Danach wurde die westrichtung deutlicher.
Die drei blauen linien sind die optimale route. Von oben nach unten, marquesas direkt, osterinsel und gambier inseln. Letztere werde ich wahrscheinlich nicht ansteuern. Den felsen musste ich mit einer markierung versehen, er ist zu klein. Es wird sehr langsam wärmer, zurzeit bin ich zwischen dem vierunddreißigsten und zweiunddreißigsten südlichen breitengrad. Am ende der woche habe ich den sechsundachtzigsten westlichen längengrad passiert.

woche1

 

Seit drei tagen ist der wind optimal, ich weiß nicht mehr, wann es das letzte mal der fall war. Es muss in den heranrollenden wellen und dem achterlichen wind zwar der autopilot arbeiten, aber das ergebnis sind über dreihundertzwanzig gute meilen. Davon brauche ich nur noch elfhundert bis zum etappenziel.
Gestern hat schon wieder jemand angebissen und ein kleines teil am köder gelassen. Deshalb geht die angel nur noch am tage ins wasser, wenn ich die chance auf bergung eines willigen fisches habe. Es passiert sonst nicht sehr viel, nur die windanzeige arbeitet wieder mal mit. Somit kann ich unter deck die windrichtung erkennen und den autopiloten auch von unten korrigieren, sehr hilfreich. Der nächste felsen ist auch schon so gut wie passiert, es läuft fast zu gut.

Heute ist der zehnte tag und der wind ist seit über drei tagen kontinuierlich aus nordost. So etwas habe ich hier noch nicht erlebt, die ersten reisen waren doch sehr abwechslungsreich und beschwerlich. Gestern hat es mich eine stunde gekostet, die windsteueranlage mit der genua, dem groß und dem hauptruder zu koordinieren. Aber was ist schon zeit. Am ende lief das schiff auf einem raumschot bis achterlichen kurs. Der autopilot hat nach zweieinhalb tagen dauerbetrieb mal wieder pause, auch gut für die energiebilanz. Auch gestern habe ich hundertdreißig meilen gesegelt, nicht schlecht für den eimer. Dieser wir auch zunehmend leichter, gestern ging eine angeschlagene müslischale entzwei und ist jetzt ein archäologisches fundstück im südpazifik. Auch ist mein zweiter tintenfischköder mit einem opfer unterwegs. Heute wird ein neuer angelversuch gestartet. Nur noch neunhundertneunzig meilen.

Es kann ja nicht immer so gut weiter gehen, heute mit abstrichen. Es fing nachts an, dass der wind aussetzte. Dadurch verlor das schiff total an fahrt, eine welle, ein hauch und die halse war durch. Das ganze im schneckentempo, so dass die windsteueranlage auch nicht auskuppelte. Das ganze passierte dreimal, das letzte mal beim sonnenaufgang um halbneun oder zwölfuhrdreißig utc. Danach habe ich den schlaf noch einmal nachgeholt und der tag fing um zwölf an.
Der wind ist wieder da, aus der gleichen richtung und es ist warm. Das hängt vielleicht auch mit der sonne zusammen oder er kommt vom weit entfernten warmen zonen. Alles andere ist ruhig an bord, kein bruch und der köder ist auch noch da. Somit auch kein fisch an der angel.
Ich habe gestern fast hundert meilen gemacht und dennoch sind es knapp neunhundert noch.

Der zwölfte tag ist angebrochen, wieder mit einem dreher in der nacht, nur einem. Aber es zeichnete sich das ende der schönen rauschefahrt mit sechs knoten schon seit gestern ab. Das wetter ist noch immer freundlich und sonnig trocken, leider geht es nur mit um drei knoten weiter. Dazu hat der wind ein wenig auf west gedreht, so geht es noch hoch am wind in richtung der osterinsel. Ein weiteres ergebnis sind die nur siebzig meilen für den gestrigen tag.
Die stimmung an bord ist erstaunlicherweise gut, kein streit und zank. Kein weiterer bruch, aber auch noch immer kein fisch, wäre aber schön. Achthundertdreißig seemeilen bis Rapa‑Nui.

An dieser entfernung hat sich nach siebzig meilen auch nichts verändert. Der tag gestern war kein erfolg, der wind drehte gegen mittag und ich hatte mal wieder eine entscheidung zu treffen. Entweder südsüdwest oder nordnordost, das zweite wurde dann mein wahl. Der wind war aber sehr schwach, so ging es auch in die nacht hinein. Ich hoffte, dass diese ganz lange dünung neuen frischen wind bringen würde, dem war nicht so. Am morgen dann wieder in die gegenrichtung, fast west, jedoch segelt das schiff nur, weil es hier verhältnisse wie am bodensee sind, aber mit langer dünung. Zur stromergänzung läuft gerade mal wieder der motor und es geht mit drei knoten voran.

20180605 plattes meer

 

20180605 plattes meer

 

Gestern war der dreizehnte tag auf see, hätte mir doch gleich auffallen sollen. Die bilder zeigen eine noch aufgewühlte see, was danach kam, war nur noch platter ententeich. Segel runter, lange hose runter und das erste mal seit Uruguay bin ich barfuß auf dem deck gelaufen. Die temperatur im schiff war das erste mal seit einer sehr langen zeit über fünfzehn grad. Das sonnendeck im t-shirt genießen hat auch etwas. Bloß das schiff machte nur zwanzig knoten und konnte die entfernung zum ziel halten.
Wenn man so im ozean treibt, dann kann man auch den kleinen plastikmüll erkennen. Seil- und netzreste, kleine scheiben und bruchstücke, ich glaube, er wird zusehends mehr. Ich nähere mich dem südpazifischen wirbel, in dem sich der dreck sammelt.
Heute morgen nach dem sonnenaufgang meldete sich der wind wieder zur stelle. Die segel können gerade stehen und es geht mit atemberaubenden fast drei knoten voran und in die richtige richtung. Hinter mir ziehen sich die wolken zu, vor mir und zur rechten seite sehe ich am horizont einen blauen himmel. Das hoch, in dem ich seit ein paar tagen war, zieht weiter, und es sind noch über achthundert meilen bis zur osterinsel.

Die zweite woche ist zu ende und gestern abend hörte auch der wind wieder auf zu wehen. Das hoch hat mich wieder eingeholt, nur dass der himmel durchgehend bewölkt ist. Die woche fing so gut an und nach drei schnellen tagen hörte die serie auf. Gestern waren es noch nicht einmal vierzig meilen. Auf dem bild sieht man auch die sehr nahe beieinander liegenden tage. Aber kein wind ist immer noch besser als totaler hack. Noch siebenhundertneunzig meilen bis zum eiland.

woche2

 

Gegen mittag kam dann eine idee von wind und es sah aus, als ob das ziel näher rückt. Der kurs war am anfang gut bis sehr gut, leider drehte der wind ins schlechtere. Immerhin war noch ein kurs von zweihundertundfünfzig möglich, also nur dreißig weniger als optimal. Und wie es so kommen musste, am ende der nacht war nur noch ein südsüdwest kurs machbar. Mit dem sonnenaufgang geht es jetzt in die gegenrichtung, dreihundertvierzig, nun denn. Vielleicht dreht der wind ja noch weiter.
Mein angelerfolg war nur sehr klein, oder lang. Ein tintenfisch hat einen dreißig zentimeter langen arm am haken verloren, gieriges tierchen. Nur ich kann damit auch nichts anfangen. Gestern waren es fünfzig meilen und es sind noch siebenhundertdreißig. Einen lichtblick gibt es heute noch, ein brot wandert in den ofen.

20180608 fertiges brot

 

Wenn man ans reffen denkt, so sollte man es auch gleich machen. Habe ich gestern getan und das war auch gut so. Es ging etwas schwer zu kurbeln, doch dann gab die zweite reffleine nach und ende. Die leine hatte den block gespreizt und ist dann daraus gezogen worden. Jetzt wusste ich auch, zu welcher rolle die kleine m5 mutter gehörte, die ich am morgen gefunden hatte. Also musste das dritte reff ins groß, die genua auch verkleinert und das wetter konnte kommen. Da, wo ich hin wollte, und zu meiner rechten seite schien die sonne. Nur zu meiner linken seite und hinter mir nicht, da braute sich was zusammen. Zum anfang wollte ich noch schnell davonsegeln, aber das ist auch eine illusion. Am ende waren es dreißig plus knoten wind mit regen, überall. Somit war auch kein guter kurs zu fahren und der wind drehte immer mehr nach süd. Am ende der nacht war es schon ein südost.
Immerhin bin ich fast hundert meilen gesegelt und das erste mal südlicher als die geplante route. Jetzt läuft der autopilot, damit wenigstens ein westkurs machbar ist. Bei den riesigen wellen ist die windsteueranlage überfordert und ich habe die rolle noch nicht repariert. Noch sind es sechshundertvierzig meilen bis zur insel.
Bei der nächsten flaute muss ich auch meine sprayhood nähen. Zwei längere stücke lassen durchblicken und das muss nicht sein. Außerdem habe ich ein loch im groß gefunden und der karabinerhaken vom bullenstander schließt nicht mehr. Ein griff ins konvolut und es wird wieder gut. Wenn es bruch gibt, dann sammelt es sich.

Heute ist der achtzehnte tag und mit dem wind gestern abend war ich nicht zufrieden. Segeln ging nicht recht und so habe ich fast alles eingerollt. Es ging nicht schnell durch die nacht, aber auf dem richtigen weg. Heute morgen sah alles wieder besser aus, immer noch achterlicher wind, weniger wellen und das ganze jetzt von steuerbord. Na also. Nur noch fünfhundertachtzig meilen.

Der neunzehnte tag kommt mit sonnenschein an dem mittag. Es wird auch langsam wieder wärmer. Das thermometer zeigte die letzten beiden tage nur zehn grad, dabei hatte ich mich gerade an die muckeligen dreizehn und heißen vierzehn grad gewöhnt. Das barometer ist irgendwie konstant um die tausendfünfundzwanzig. Es sieht oft nicht nach einem hoch aus, gestern war es sehr grau, aber es ist wohl eins. Es geht heute, wie auch gestern kontinuierlich flott voran, noch vierhundertneunzig seemeilen.

Drei stunden später sieht es noch fast genau so aus. Der fischfang erweist sich als sehr schwierig, der angelhaken ist unterwegs und der köderfisch noch an der leine. Heute also kein fisch, sondern das curry von vorgestern, in dem die letzte möhre verarbeitet wurde. Das war auch das ende der frischware, außer kartoffeln, zwiebeln und fünf zitronen. Ich hoffe, das angebot auf Rapa-Nui ist ausreichend.
Dazu kommt noch der ausfall der windsteueranlage, diesmal ist der gewindeaufsatz der schubstange gebrochen. Mal etwas neues, reparabel, nur nicht bei dreißig knoten wind. Was für mich neu ist, ich bin gelassen. Der wind dreht leicht immer weiter und bald kann das schiff allein hoch am wind in richtung der insel segel, alles im gelben bereich.

Der laute kurze knall gestern ließ einiges an adrenalin frei. Draußen habe ich alle wanten befummelt, die bolzen durch gesehen und alles ok. Der sound war nur sehr kurz und konnte keine welle sein. Das curry war leider mit einem leichten flaum belegt, den ich auch ohne brille sehen konnte. Das zeug ging über bord und dabei entdeckte ich den abgerissenen zwölfer bolzen der umlenkrolle, chinaqualität.
Der zwanzigste tag bringt nichts neues, immer noch ein nicht guter direktkurs. Es fehlen vierzig grad und ich fahre nach südwest. Für den gegenkurs ist zu wenig wind, also abwarten. Noch sind es vierhundertfünfzehn meilen, und der rest wird anstrengend werden.

20180612 abgerissener bolzen

 

Ein ruhiger zwanzigster tag mit keinen weiteren ausfällen. Es wird wieder wärmer und das barometer bleibt konstant. Nur der wind wollte nicht aus einer guten richtung wehen. Gesegelt habe ich fast hundert meilen, selten war ein bisschen nord im west. Damit komme ich zwar nach westen, jedoch wird der winkel zur insel immer größer. Die hoffnung liegt auf einer winddrehung. Heute morgen am einundzwanzigsten tag geht etwas, aber ich brauche schon wieder vierzig grad mehr nord, so ist das halt. Noch dreihundertsechzig meilen, auf der passatstrecke über den nordatlantik zur karibik wären das drei tage.

Heute ist der zweiundzwanzigste tag auf see, die stimmung ist noch immer gut, sowie auch das wetter. Der wind hat heute morgen an stärke ein brikett drauf gelegt, kurz vorm ersten reffen. Leider weht der wind seit fast einer woche aus derselben richtung und ich komme nur nach westen. Die magische grenze scheint der dreißigste breitengrad zu sein, da komme ich nicht drüber hinweg.
Ansonsten war das eine erfreuliche woche, ich habe zehn längengrade gesegelt, oder fünfhundert meilen. Der bruch am material ist dann eher unerfreulich, aber reparabel. Es sind noch zweihundertneunzig seemeilen bis Rapa-Nui, dafür müsste ich aber schon einen sauberen nordwest kurs fahren. Jedoch ist nur ein westlicher machbar.
Letzte nacht bin ich schon auf risiko ungerefft in die nacht hineingefahren, das mache ich eigentlich nicht mehr. Es ging gut, so konnte ich die höhe wenigstens halten.

woche3

 

So langsam werde ich unruhig, am dreiundzwanzigsten tag. Seit gestern habe ich schon wieder hundert meilen segegelt, aber es sind noch immer zweihundertundfünfzig. Morgen muss ich scharf rechts abbiegen, dann liegt die insel direkt im norden. In der letzten nacht bin ich wieder unter dem einunddreißigsten breitengrad gekommen. Mit gerefften segeln ging nicht mehr höhe und in der nacht wurde ich zweimal geweckt. Radaralarm und fette gewitterwolken.
Das highlight gestern waren zwei treibende bewachsene ankerbojen, vorgestern war es nur eine. Somit müsste ich heute drei oder vier sehen, wenn ein system dahintersteckt. Die sonne scheint bei angenehmer temperatur und um fünfundzwanzig knoten wind. Eigentlich ideal, wenn die richtung stimmen würde.

Das mit den ankerbojen war nichts, keine regelmäßigkeit oder, um es klar zu sagen, anzahl null. Dafür zog der himmel überall zu und es fing an zu regnen. Am späten nachmittag kam dann noch einmal ein richtig dunkle wolke mit wind. Danach war mein kurs nicht mehr west, sondern südost. Nach einer halse ging es dann direkt richtung insel. Der wind kam von achtern und somit musste leider der autopilot das schiff steuern. Die wellen kamen aus drei verschiedenen richtungen und die schaukelei ist hart zu ertragen. Das ganze hielt sich nicht so gut und zur nacht hin musste es nur mit den segeln gehen. West mit nordanteil war gut möglich, aber auf den anderen bug als die woche zuvor. Jetzt am vierundzwanzigsten tag habe ich noch einmal die segel geschiftet und fahre nach norden, die insel liegt zweihundert meilen voraus.

Der fünfundzwanzigste tag hat schon einiges zu bieten. Zuerst ging gestern der letzte joghurt mit dem letzten müsli zusammen in meinen magen. Eine punktlandung in der kombination und ab jetzt gehen nur noch haferflocken. Heute wird der letzte teil vom kohl verarbeitet und dann ist es aus mit frisch, außer kartoffeln und zwiebeln wie gesagt.
Gestern hat uns der wind auch über hundert meilen weiter zur insel gebracht. Dafür musste der motor zweimal strom produzieren, der generator läuft ja immer noch nicht. Auch ist es vollbracht, über den dreißigsten breitengrad und einen mehr zu kommen. Der wind ist stabil von achtern, was die nacht nicht ruhig macht. Die autopilotpumpe läuft, und alle paar minuten kommt eine wellenkombination, die die genua schlagen lässt. Danach ist wieder ruhe für ein paar augenblicke. Zum eiland sind es nur noch fünfundneunzig und das ist super.

Für die letzten fast hundert meilen habe ich hundertsechzig benötigt. War aber kein problem, mit dem dritten reff waren noch immer fünf knoten drin. Und ich war fast noch zu früh da. Die anfahrt hatte es auch in sich, fünfunddreißig knoten plus. Dazu kamen riesige brechende wellen, da der meeresboden von drei kilometer auf hundert meter erhöht. Und dann musste es ausgerechnet jetzt passieren, gang eingelegt und keine wirkung. Nach unten gelaufen, gang rein und eine klammer ist mir entgegengeflogen. Mist verdreckter. Dann den motorraum geöffnet und per hand den gang eingelegt. Es ging, zum glück war die schiffsschraube noch an ort und stelle. Zwischendrin noch ein kurzer plausch mit der armada und in der nähe des ankerfeldes geankert. Die ganze kette ist draußen, hoffentlich bekomme ich sie wieder rauf.

20180618 rapa-nui

 

20180618 rapa-nui wellen

 

20180618 sonnenaufgang rapa-nui

 

Bleibt noch die zusammenfassung der letzten woche. Es ging immer nur nach westen und dann noch pünktlich zum abbiegen gab es eine kräftige winddrehung. Die brachte mich dann auch die restlichen drei tage zur insel und nach sechsundzwanzig tagen fiel morgens um elf der anker. Für die eintausendsechshundertdreißig meilen habe ich zweitausendeinhundertundsechzig gebraucht, eigentlich nicht schlecht. Das zeitlimit habe ich gut eingehalten.

woche4

 

Jetzt ist zuerst die reparaturliste dran, bei dem wellengang komme ich eh nicht an land. Und dann geht es weiter, die Marquesas rufen.

.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, Route | 3 Kommentare

Robinsons Insel

Die teile der rollgenua passten nicht richtig. Ich bekam nur fünfundzwanzig kugeln jeweils in die drei reihen hinein. Es sollte aber eine mehr sein, muss auch so gehen. Bei der montage gab es dann die nächste enttäuschung, die distanzstücke passten nicht. Und diese lösung ist rigger bedingt. In Spanien hat der rigger nicht die richtigen dimensionen der quetschverbindungen benutzt und die unteren plastikstücke um den kopf verkürzt. Dadurch sind sie auch schon mal auf dem deck gelandet. Also wurden die neuen auch geköpft bzw. einer davon, um meine selbst gebauten zusätzlich einzusetzen, passt.
Ich hätte mein rigg mal vor der order inspizieren sollen. Jetzt ist es zu spät, die beiden oberen distanzstücke am mastkopf sind flöten gegangen. Diese wurden nicht ordnungsgemäß mit loctite verschraubungen versehen und ich hatte sie nur vorsichtshalber mit tape gesichert.
Wie das leben so spielt fand ich eine hälfte der stücke auf dem lochblech meines steges. Die teile sind nicht schwimmfähig, sehr großes glück. Das zweite teil ist das neue distanzstück von unten, geht so mit kabelbinder und mehr tape. Somit ist das rigg fertig, jedenfalls brauchbar.

Vieles habe ich in der zeit hier in Puerto Montt nicht zum laufen bekommen, es muss so gehen. Am morgen habe ich noch die genua angeschlagen, natürlich zur falschen seite. Also die genuaschot noch einmal anders herum und beim nächsten ausrollen sollte es richtig sein.
Die marina hat schon ihr geld erhalten und ich will am So hier weg. Es fehlt nur noch die zarpe der armada. Diesmal stellten sie sich ein bisschen an, sie sind die größten und ich sollte zunächst noch einmal die leuchtfeuersteuer bezahlen. Aber ich hatte die in landvariante gewählt und nicht die jahresgebühr abgedrückt. Nach einer halben stunde war das dann auch überlebt und ich bin formal wieder frei.

Es fehlte nur noch der frische einkauf bei einem gemüsegroßhändler. Danach zurück zum schiff und die krummen beine vom schleppen regenerieren. Der zweite aufbruch ging durch die stadt, wieder einen neuen kurzhaarschneider kaufen und weiter zum supermarkt. Ich bin bei mcdoof vorbeigekommen und an den fritten- und hühnerläden. Es zog mich nicht direkt hinein, hatte jedoch trotzdem eine auswirkung. Am abend gab es dann gegrilltes huhn, bei mir ohne fritten, aus dem supermarkt. Somit vollverpflegt und das geld für den schlechten segelmacher noch an der cashmaschine gekauft.
Den beiden von der Ledda wollte ich meine letzten pesos überlassen, für sprit, hilfe oder die duschpumpe, aber sie wollten es nicht annehmen. Danke dafür, denn ich könnte es vielleicht noch auf der nächsten insel gebrauchen, hoffentlich.
Das schiff ist soweit seetüchtig und morgen geht es los, Sonntag ist ein guter tag.

Es war windstill im hafen, alles soweit fertig, die armada antwortet über funk nicht, so what. Motorstarten und er springt wieder einmal nicht an. Also wieder an den magnetschalter heran, noch eine weitere dichtung eingefügt und die kiste läuft. Vorsichtshalber noch einmal starten und es funktioniert.
Leinen los und auch die schwarze. War einfach, noch einmal winken und raus aus dem kühlen tal. Der himmel fing an leicht zu weinen, das hörte aber auch gleich wieder auf.

20180506 abfahrt

 

In der ersten bucht konnte ich noch die unterstützungsgenua rausziehen, alles war super. Nach drei meilen hörte der wind vollständig auf, also nur mit dem motor weiter. Wenn da nicht der extreme dieselgeruch wäre. Einen blick auf die einspritzpumpe und diese siffte erheblichst. Ich hatte den magnetschalter nicht richtig fest angezogen, nur halb. Dann zur mitte dieser bucht, motor aus und zum zweiten mal das ganze reparieren. Inzwischen kann ich es auch blind. Nach zehn minuten war es vollbracht, kein getropfe mehr und der motor ist startwillig. Um die fünf liter diesel sind in der bilge gelandet, sehr schade.
Je weiter ich mich von Puerto Montt entfernte, desto besser wurde das wetter. Nach zwanzig seemeilen habe ich nördlich von Calbuco geankert und mich auf mein sonnendeck gesetzt. Dann noch versucht, den tropfdiesel von der motorwanne aufzusaugen, und feieranbend.

Am Montag morgen dann zum sonnenaufgang hoch, kaffee kochen, und während er zieht, anker auf. Die sonne blieb leider nur zehn minuten, aber es war trocken von oben. Die armada antwortete wieder nicht, macht nichts. Mein ziel war in zwölf meilen entfernung und ich erreichte Puerto Abtao in drei stunden, pünktlich zum niedrigwasser. Von hier aus geht es morgen durch den canal Chacao wieder in den Pazifik. Nur muss ich diese enge möglichst schon eine stunde vor hochwasser erreicht haben, dann zieht einen der strom hinaus. Wenn es schlecht kommt, gehen hier acht knoten strömung durch, also morgen mit dem wecker aufstehen.
Auf der fahrt hierher ist mir die steigende anzahl von pelikanen aufgefallen. Vor einem monat habe ich mal einen gesehen, jetzt sind es schon mehrere dutzende. Die jahreszeiten ändern sich.

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

Die schönsten pläne funktionieren nicht, wenn das wetter nicht mitspielt. Ich bin mit dem wecker aufgestanden und es war noch dunkel. Aber es wurde auch nicht heller, die sonne kam nicht durch den nebel. Nach dem kaffee habe ich mich wieder für zwei stunden schlafen gelegt. Es wurde leicht besser, aber nicht gut und so kam es zu dem neuen plan.
Direkt am kanaleingang ist die gleichnamige ortschaft Chacao, also bis dorthin. Beinahe wäre ich noch auf grund gelaufen, aber die wellen sahen in einer reihe so anders aus, abdrehen und umfahren.
Etwas wind kam auch auf und das ziel war nah. Der nebel zog noch einmal zu und das radar ging an. Zwischen meiner zielbucht und dem festland habe ich sechs fähren gleichzeitig gezählt, da musste ich durch. Am ende war die bucht nicht so wie gehofft. Die fähren brauchen fast alles an platz und ich habe im westlichen teil geankert. Dann kamen zwei mit dem schlauchboot von dem schlepper, der in der mitte parkte. Ich möge doch den hafenmeister anrufen, was sie dann aber schon getan hatten, danke. Morgen früh geht es von hier aus weiter.

Leider ging es mit zwei stunden verspätung los, da immer noch der nebel in der luft hing. Sichtweite unter einem kilometer. Zu viel für eine sichere fahrt, aber dann klarte es doch noch ein wenig auf. Mit über acht knoten bin ich dann richtung meer gefahren, geschafft. Nur draußen gab es auch keinen wind und so lief Mr Perkins weiterhin. Ich will bis zur dunkelheit hinter der schifffahrtsroute sein und weit genug weg vom land. Nach den letzten inselchen habe ich aufs offene meer gesteuert.

20180509 letzte insel

 

20180509 letzte insel

 

Gestern abend habe ich den motor ausgemacht und die segel hochgezogen. Der kurs zu dem archipel, der Robinson Insel, war drei drei drei. Es ging langsam, aber voran. Leider war kaum in die nordwestliche richtung zu fahren, nur nach westen. Und das bisschen, das ich nach norden gekommen bin, wird gerade wieder aufgebraucht. Seit ein paar stunden fahre ich im ersten reff und es geht nach westen mit südanteil. Dafür sehr flott und morgen soll der wind auch schon wieder abgestellt werden. Somit habe ich am ersten tag über hundert meilen geschafft, die hälfte davon allerdings mit motor.

Der Do war ein guter segeltag, viel west, zum abend hin ging es mir allerdings zu weit nach süd. Also den gegenkurs angelegt und es ging zuerst nach nord ost und danach nach nord. Was will ich mehr. Vielleicht wird es durch die nacht hindurch gehen und ich nicht um mitternacht durch flappende segel geweckt. In der dunkelheit das groß zu bergen ist nicht schön, geht aber.
Seit den morgenstunden habe ich auch einen neuen mitsegler, der allerdings dahin scheißt, wo es ihm gefällt. Toastbrot, kräcker, banane und etwas apfel schmecken ihm, salat nicht. Mal sehen, wann er wieder das weite sucht.
Der wind ist heute am elften mai nicht sehr kräftig und sehr achterlich. Mit dem autopiloten kann ich aber genau zum ziel steuern, auch nicht schlecht. Die windsteueranlage kann noch nicht so gut arbeiten, da ist noch einmal eine inspektion fällig.

20180511 neuer gast

 

20180511 neuer gast

 

Am abend habe ich es zufällig hinbekommen, dass das schiff auch bei achterlichem wind selbst steuert. Eine erleichterung, wenn der wind schwach und die wellen nicht hoch sind. Das liegt aber auch daran, dass das groß im zweiten reff ist. Zuviel wind oder zu wenig wind kosten material. Heute war es zu wenig, das segel schlug ein paar mal und zwei rutscher waren gebrochen. Zum glück nicht die kauschen, denn die sind schon verstärkt.

Und da wären wir auch schon beim ersten nervthema, segelmacher. Auf einer reise ist man ihnen ausgeliefert, sie arbeiten schlecht, wollen viel geld und die kundschaft segelt eh weiter.
Ich hatte bisher vier reparatursegelmacher und der erste in Mindelo war im preis und leistung der beste. Innerhalb von einem tag repariert, geholt und gebracht.
Der zweite war gut und teurer, konnte was er sollte und lieferte pünktlich. Ein hängen gebliebener deutscher in Brasilien.
Der dritte in Uruguay kam nicht, wollte nicht. Somit folgte nach langer suche der dritte in Argentinien. Hat repariert, nicht so, wie ich es wollte, war aber ok. Der preis war hoch und es gab einen lieferservice.
Nummer vier hier in Chile war ein richtiger reinfall. Er hat vier stellen nicht repariert, eine klemme im segel vergessen, keine rutscher organisiert, nur einen halben holservice und wollte dafür noch viel geld. Dabei hatte ich sogar eine zeichnung angefertigt, was er zu reparieren hat. Auch nach herunterhandeln des preises war es für die arbeit deutlich zu viel. Konnte ich aber erst sehen, nachdem ich das segel wieder angeschlagen hatte. Also finger weg von Puerto Montt und diesem segelmacher.
Im nachhinein hätte ich eine gebrauchte segelmachernähmaschine kaufen sollen, keine Pfaff. Das hätte sich schon lange amortisiert und es wäre durch meine arbeit genauso schlecht oder besser gewesen als die zu teuren wegelagerer. Ärger ende.

In der nacht zum Sa habe ich dann die roaring fourties verlassen, wurde aber auch zeit. Und jetzt, da es nicht mehr so sehr wichtig ist, funktioniert auch endlich die wetterinfobox. Ich werde mit navtext meldungen zugeschüttet, auch gibt es eine kleine wettervorhersage.
Gestern habe ich noch den selbständigen achterlichen windkurs gelobt und zehn minuten später ist das schiff aus dem ruder gelaufen. Somit musste dann doch der autopilot ran. Der braucht strom und also muss Mr Perkins häufiger mal gestartet werden, ist aber ok für mich. Der kurs zum ziel ist jetzt drei vier eins und es sind noch dreihundertneunzig meilen. Das läuft wie geschnitten brot und die nächste windverschiebung habe ich auch in den gripfiles, die kommt sehr bald.
Durch meine neuen navtext informationen weiß ich auch, dass morgen nacht die uhren im norden und der mitte von Chile um eine stunde zurückgedreht werden. Der süden bleibt bei seiner zeit.

Die erste woche, seitdem ich die marina verlassen habe, ist vorbei. Heute ist So der dreizehnte und daher sollte ich mich auch wieder hinlegen. Wollte ich auch, aber da stieg eine riesenwelle ins cockpit und das wasser kam durch die geschlossene tür bis auf meinem schlafsack. Schöner mist und der fing gestern abend schon an. Es war schon dunkel, ich wollte mich ein wenig ausruhen und dann war der heftige regen mit wind bis zu fünfzig knoten da. Dauerte auch nicht lange und nach der winddrehung habe ich dann eine halse gefahren, kurs norden.
Wieder unten im schiff, die regengarnitur wieder abgepellt, da geht meine windanzeige nicht mehr. Schöner mist, keine richtung, keine stärke, aber muss jetzt erstmal so weitergehen. In der nacht wurde die genua noch laut, aber am morgen war es doch nicht so schlimm. Die schot hatte sich selbst auf der winsch verklemmt und war ein wenig gefiert worden. Hatte ich sie wohl im dunkeln nicht richtig belegt. Der kurs ist danach wesentlich besser und gerade geht es nach norden mit einen westanteil, was will ich mehr.

woche eins

 

Mein besucher hat sich nicht mehr blicken lassen, vielleicht auch besser so. Der vogel hat mehr hinterlassenschaften abgesondert, als er gefuttert hatte.
Dreihundertsiebzig meilen bin ich schon gefahren, hundert davon in den ersten drei tagen mit motor. Sieht bis jetzt gut aus, wären bei dem kurs von drei vier zwo noch einmal dreihundertdreißig seemeilen bis Juan Fernandes.

Dann sturm. Dieser dauerte sechunddreißig stunden, mit sieben bis acht windstärken und einer falschen welle, dann war er vorrüber. Kochen ging nicht und so verbrachte ich die zeit sitzend in der mittelkabine oder liegend auf der matratze, denn auch das sitzen am navitisch war anstrengend. Am Mo morgen war der wind sehr gut und ich konnte direkt aufs ziel zusegeln.
In dieser nacht ist einiges passiert. Zum einen konnte ich wieder besser schlafen und um mitternacht kam in fünf meilen entfernung ein größeres schiff vorbei, das radar hat es entdeckt. Dann freute ich mich über meinen windgenerator, hat er doch ein wenig, wenn auch unregelmäßig, strom geliefert. Doch dann war plötzlich ruhe in der nacht, windgenerator adé.
Was hätte man denn noch machen sollen, als die zentrale mutter des windgenerators anzuknallen und auch mit loctite zu versehen? Die türkischen modifizierten raubkopien sind absolut schlecht und gefährlich. So ein repellersatz mit aufnahmescheibe verabschiedet sich nicht im stillstand. Deshalb habe ich einen bericht über diesen fehlerhaften artikel erstellt, schaut unter verschrotten im menu nach.

20180514 wieder repellerlos

 

In der nacht zum Di war dann der ofen bezüglich des windes aus. Null wind und ich habe die segel eingeholt. Am morgen war es nicht besser, aber etwas wind kam schon mal. Mit dem motor zusammen ging es dann weiter in richtung des archipels.
Meine wetterinfobox platzt so langsam an meldungen, pünktlich um mitternacht gibt es auch eine wetterausschau. Diesmal sogar eine warnung für das Juan Fernandes Archipel, ups. Es bezog sich auf fünfunddreißig knoten wind und das für morgen. Danach dreht der wind von nordost über nordwest nach südwest, das ganze in drei tagen. Das passt mir ganz gut, dann müsste ich übermorgen fast dort sein und das wetter ist da durchgezogen.
Ich hatte unterdessen das gleiche problem, das andere segler auf langen strecken haben. Wenn etwas reif wird, dann alles gleichzeitig. Ich habe vergessen, die avocados in den kühlschrank zu packen. Gleichzeitig ist noch mein gekochter schinken offen und die bananen sind auch fällig. Da muss ich mir etwas einfallen lassen.

Heute morgen am sechzehnten mai sieht es so aus, wie beschrieben. Kräftiger wind aus nord und süddrehend. In der nacht bin ich immer weiter in richtung westen gefahren und nach der ersten tasse kaffee gab es dann ein manöver. Regenkleidung wieder an und nach einer kurzen halse war ich auf dem gegenkurs, nordost. Der wind soll im laufe des tages ja nach süd drehen und wird das schiff dann langsam nach nord mitziehen. Wäre schön, wenn diese taktik klappt.
Gestern habe ich versucht, mein datenleck zu finden, und jede steckerverbindung mit waterdisplacementvierzigsterversuch eingesprüht. Bisher kein durchschlagender erfolg, nur gerade gab es mal kurz eine windinfo. Ich baue wieder einmal auf die selbstheilungskräfte der elektronik.
Noch hundertvierzig meilen bis zum ziel.

Die nacht war wieder zum schlafen da, wesentlich besser als die letzte. Das lag wohl auch an dem blumenkohl-kartoffel-auflauf mit einem halben liter sahne, der packung gekochtem schinken und den zweihundert gramm käse zum überbacken. Sollte für zwei tage reichen, aber weg war er. Somit gab es in der nacht auch albträume.
Am siebzehnten mai scheint die sonne, der wind weht aus der richtigen richtung und noch achtzig meilen bis zum ziel. Könnte also morgen etwas mit ankommen sein.
Während ich unten am herd avocadotoast bereite, fährt doch draußen am horizont ein supertanker vorbei, hier weit weg von der küste. Das ist das schon das zweite schiff, das ich gesichtet habe. Und ich habe das erste mal ein problem mit meinem lavac, es kommt kein wasser, und auf die schnelle ist es auch nicht zu beheben. Hoffentlich muss ich nicht ins wasser, das ist im gegensatz zur luft noch sehr kalt.

Die nächste nacht endete eine stunde vor sonnenaufgang, drei fischerboote sind in reichweite gekommen und der watchman gab alarm. Leider bin ich auch ein wenig nach westen abgedriftet, der wind hatte sich gedreht. Nachdem die sonne über dem horizont auftauchte, schlief der wind komplett ein, segelbergung.
Dafür kam land in sicht, mein ziel in fünfunddreißig meilen entfernung. Jetzt treibe ich in die ungefähre richtung. Das wird wohl heute doch noch nichts werden. Ist nicht schlimm, habe es nicht eilig.
Gestern war dann doch noch ein guter tag, super segelwetter, warm mit sonne. Von solchen tagen brauche ich einige zu den Marquesas. Am nachmittag habe ich dann noch meine alte wurstpackung, den finger, in einer shampoolauge gebadet, riecht wieder gut und den nagel habe ich auch noch abgenommen.
Mein lavac geht auch wieder, ich hatte eine dichtung falsch herum im deckel eingesetzt. Dadurch konnte kein vakuum erzeugt werden und kein wasser gezogen, glück gehabt, kein tauchen.

Gestern war ich standhaft, kein wind, keine segel und nur teiben lassen. Ich habe drei meilen an dem tag gemacht. Währenddessen habe ich mal die kaputten rutscher im groß ausgetauscht und kleine wartungsarbeiten erledigt. So ging es auch in die nacht hinein.

20180519 land- in-sicht

 

Am morgen war es nicht gut, aber besser. Es ging ein leichter wind und später konnte ich mit motorunterstützung segeln. Ich hätte auch noch einen tag auf dem meer verbringen können, aber es gab da schon eine spezielle navtextmeldung:

ZCZC DA16

190430 UTC MAY 2018

PUERTO MONTT RADIO/CBP

COASTAL WARNING 0169.

SOUTHEAST PACIFIC OCEAN, CHILE.

PUERTO MONTT – ISLA JUAN FERNANDEZ.

CHART NO 550.

1.-061415 UTC STHEMROCS YACHT

DEPARTED FROM PUERTO MONTT TO ISLA

JUAN FERNANDEZ, ETA 16 MAY,

POSITION AND SITUATION UNKNOWN.

2.-VESSELS IN TRANSIT MAKE CALLS

AND REPORT SIGHTING TO

MRCCVALPARAISODGTM.CL.

NNNN

Wenn man mich schon auf dem schirm hat, sollte ich die armada besser beruhigen, bevor sie ausrücken. Habe ich mich wohl einmal wieder mit der zeit verschätzt. Abgesehen von der flaute gestern und dem nebeltag in Chacao lag ich aber fast richtig. Und viele umwege habe ich auch nicht gemacht. Statt der direkten sechshundertsechzig sind es nur hundertfünfzig mehr geworden. Das habe ich schon sehr viel schlechter erlebt.

woche zwei

 

Zum fünf-uhr-tee war ich im zielhafen und sogleich wurde ich von der armada angefunkt, mit namen, obwohl sie mich noch gar nicht sehen konnten. Der hafenmeister spricht ein gutes englisch, und nachdem ich mich nicht mehr gemeldet hatte, weil ich unter der warmen dusche stand, kam er vorbei. Nicht so wie sonst in Chile mit vollgas und dicker hose, sondern zu dritt mit dem ruderboot. Alles bestens, wo ich angehalten habe und wen ich angefunkt habe. Dann ein kurzer blick auf meine geplottete route und er war zufrieden. Morgen gehe ich dann mal vorbei.

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

Das mit ‘dann mal’ war sehr hoch gegriffen. Der außenborder wollte mal wieder nicht, dazu wind oder regen oder beides. Nach der reanimation lief er aber wie am schnürchen, bis zur anlandung. Kurz vorher ging der motor aus, startete wieder und ich zu der ausgeschauten rampe. Nur die welle war so eklig, den motor hochgezogen und in den wellen gefangen. Die letzte hat mich stark durchnässt. Ein helfer kam auch gleich daher und wir haben das schlauchboot ins trockene geschleppt. Das war ein typ von der SAG und er hatte offensichtlich nichts zu tun, ich war sein opfer. Diese organisation soll das in umlauf bringen von fremdsaaten und planzen verhindern.

Um diese organisation hatte ich einen bogen gemacht, kontrolliert sie doch alle lebensmittel und saaten, die nicht ins land gebracht werden dürfen. Hier auf der insel hat das vielleicht einen sinn, woanders ist festland, bullshit.
Viele formulare sollte ich ausfüllen, was ist an bord, wo gekauft, welche häfen in den letzten zwei jahren angelaufen. Und das alles mit einer nassen hose und zwar durch. Eine halbe stunde später hat er mich zur armada gebracht, und er war zufrieden mit seiner arbeit, kotz.
Wieviele probleme soll ich bei euch lösen, am besten alle. Morgen wird erstmal mein abgelaufenes visum bearbeitet, gut. Woher, wohin ist auch klar, wie viele tage noch hier, keine ahnung, windabhängig. Nach einer weiteren halben stunde freigang.
Die minimarkets sind nicht für eine bevorratung geeignet, eine bar mit wifi ist nicht zu finden, vielleicht die bibliothek, aber erst in zwei tagen, morgen ist feiertag.
Zurück zum dingi, habe versucht, es in die wellen zu bringen und das ergebnis sind nasse hose, schuhe, strümpfe und mehr. Der motor sprang wenigstens an und dann durch diese kleine brandung zurück zum schiff. Mit nassen hosen herumrennen ist nicht der bringer.

Der nächste tag war ein Mo oder ein So, weil feiertag. Ich habe mich um meine datenlecks gekümmert und abgedichtet. Genau weiß ich nicht, woran es gelegen hat, einen neuen stecker gekrimmt, zuerst falsch herum, und nach stunden habe ich die drehung in der neuen kupplung gefunden. Danach laufen alle instrumente, auch wieder der pieper und die temperatur. Nur das echolot will nicht, ich glaube ja nicht, dass meine mooring in über hundert meter liegt. Da ist ein neues problem im system. Morgen geht es zur bibliothek, dort soll es ein wifi geben. Wenn ja, kommt der bericht online.

Das mit dem wifi war nichts, die menschen sind alle freundlich, aber keiner will mich in sein netz lassen. Zum schluss hat ein mitarbeiter der armada sein handy freigeschaltet und ich konnte darüber meine mails abrufen und versenden. Ausserdem gab es den letzten wetterbericht, das muss reichen.
Dann kam noch einmal die armada zum schiff und wollte fotos von meiner epirb machen, die haben sorgen oder nichts zu tun. Die zarpe ging auch recht schnell, und da ich meinen aufenthalt überzogen habe, könnte ich es auf der osterinsel regeln, mal sehen.

Was mir im nachhinein auffiel, ist die tatsache, dass es keine vergitterten fenster, kläffende hunde oder riesige mauern um die häuser gibt. Das erste mal für mich in südamerika. Auch bleiben die autos meist unverschlossen, wohin sollte auch jemand damit flüchten.

Der nächste stopp wird auf Rapa Nui oder auf den Marquesas sein. Im günstigen fall sind es dreitausendsechshundert seemeilen oder sechzig tage. Bis dahin.

Veröffentlicht unter reisevorbereitungen, Reise_2018 | Kommentare deaktiviert

Reisevorbereitungen zur Robinson Insel

Die marina Oxxean in Puerto Montt ist ok, kein richtiger bringer und nur günstig in der nebensaison. Das wlan ist schon seit längerem ausgefallen. Was gut ist, hier gibt es eine waschmaschine und einen trockner zur freien benutzung. Sonst kostet alles extra, dies hier mal nicht.
In den ersten achtundvierzig stunden habe ich schon viel erreicht. Der segelmacher war schon da und das tuch ist fort. Für die neue luke im bug waren schon mehrere hier, einige schon dreimal, das könnte was werden. Und dann habe ich die trommel des genuareffsystems demontiert. Den mast vorher abgespannt und nach kurzer zeit lang das teil auf dem seziertisch. Die kugeln, die ich an deck gefunden hatte, stammen aus der trommel, habe ich das teil in den südmeeren doch ein wenig gestresst. Es sind drei reihen kugeln und der stopfen der unteren reihe ist weg. Somit sind sie durch das loch hinaus, viele sind auch zerbrochen. Leider hat das unterstück der rollanlage auch sehr gelitten, und ich habe schon in den sauren apfel gebissen: Das teil muss neu werden. Der haken an der bestellaktion ist die zeit, drei wochen in Chile. Also werde ich wohl oder übel bei den kriegstreibern in nordamerika einkaufen, das geht schneller.

Ein weiteres mal habe ich eine neue quelle für das wasser im schiff gefunden, die ankerluke war es nicht allein. Auf der suche nach teilen bin ich auf das rostige rinnsal aus dem ruderkoker gestoßen. Habe dort das abfettungsintervall ein wenig vernachlässigt.
Ein kurzer ausflug ins stadtzentrum ist auch schon durch, zwei mal siebzig cent für den sammelbus und schon ist man in zehn minuten in der metropole. Ein wenig abgestumpft bin ich schon, es war mir noch kein motiv wert, den fotoapparat aus der tasche zu ziehen. Und alles in den ersten zwei tagen.

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

Es lief alles so gut, vielleicht zu gut. Am So war das wetter warm und leicht windig, also bin ich mit dem wasserschlauch durchs schiff. Bodenbretter hoch und das salzwasser mit dem schwamm vertrieben. Dann noch die kette gewechselt, soll es doch ins warme wasser gehen und das mag die edelstahlkette nicht so gern. Nebenbei noch die ankerbefestigung wieder hingebogen, die bei unvorsichiger benutzung der ankerwinsch schnell mal nachgibt. Das war leider in Patagonien der fall, der mitsegler war da etwas sorglos.
Dann die luken auf und ein warmer luftzug trocknete das wasser. Am abend habe ich schnell noch ein paar sachen wieder verstaut und die luken geschlossen. Die ankerluke merkte wohl, dass sie ausgetauscht werden soll, und ist mir aus rache auf den mittelfinger gefallen. Genau zwischen dem fingernagel und dem gelenk, eine blutige angelegenheit. Hoffentlich überlebt das der blau unterlaufene nagel. Ein unnötiges ereignis ist es sowieso, und es behindert sehr die tagesarbeit, an die reparaturen will ich erstmal nicht denken, mistmist.

Der nächste tag war erstmal der Sonntag für mich, obwohl es Montag war. Was soll man mit einem kaputten flunken denn auch machen. In der nacht war das küchenpapier, das um die pflaster herum gewickelt war, durchgesüpt. Das bettzeug hatte auch sein kontingent absorbiert, die nächste wäsche steht also bald an.
Am Di haben sich die aus USA gemeldet und ich habe dort die teile geordert. Über dreihundert dollar, die hälfte davon für den transport. Wenn alles klappt, ist es billiger, als zwei wochen hier in der marina zu warten. Bin ich zufrieden? Eher weniger, zwangslage mit pistolenstirnaufdruck.

Dafür habe ich mal ein paar baustellen aufgerissen, demontage geht, aber vorsichtig. Jeder kontakt des fingers löst signale ans hirn aus, aua. Mein watermaker hatte zum schluss seinen betrieb aufgegeben. Die ursache ist weniger schlimm als erwartet, salzwasser im schalter des systems und schon werden die ströme in wärme umgewandelt, und daher roch es nach ampere. Analyse fertig und die lösung auch, nur dazu brauche ich den finger. Das mit dem aufenthalt hier hatte ich mir soooo nicht vorgestellt.

20180417 kaercher pumpe

 

Gestern muckte die pumpe noch und heute nicht mehr. Somit muss nun doch kärcher nummer zwei als watermaker arbeiten. Diesmal wird er aber senkrecht arbeiten, damit das mit dem wasser im schalter nicht noch einmal passiert.

Wasser und elektrik gehen auch bei meiner zweiten pumpe schlecht, die duschsumpfpumpe. Zuerst war der schalter defekt, dann lief sie manuell und nun ist auch hier der ofen aus. Die ersatzpumpe ist irgendwo zwischen Hamburg und Stanley auf dem dhlweg verloren gegangen. Und diese firma verweigert einen schadenersatz, super service dhl.
Mit dem finger wird es besser, aber der süppt immer noch, meistens in der nacht, wenn ich mich drehe im schlaf. Wie schön, dass es hier eine waschmaschine gibt. Bettzeug und laken sehen wie nach einer hinrichtung aus.

Das ist das ende von der Patagonienreise und auch das ende des bartexperiments. Hatte ich mich doch über sechs wochen nicht rasiert und machte einen auf seebär. Es ist unpraktisch und wärmt auch nicht richtig.

Das nächste ziel ist die Robinson Crusoe insel, nur sechshundert meilen von hier entfernt. Wenn es dort internet geben sollte, gibt es wieder einen bericht. Wenn nicht, geht die reise bis zu den Marquesas weiter, von da nur noch dreitausendsechshundert meilen. Vielleicht stoppe ich auf Rapa Nui, liegt auf dem weg. Dort soll aber immer einer an bord bleiben, und wer von mir geht dann an land?

Pünktlich zum wochenende fängt der regen an, heute am Fr ist gerade landunter. Das schiff ist von oben dicht, also kein weiterer stress. Ich wollte diese tage nutzen, um dem motor mal eine größere wartung zukommen zu lassen, aber mit meinem flunken ist das schlecht möglich. Vielleicht kommt ja heute mein segel zurück und darf dann erstmal auf dem deck ruhen. Meine teile für die rollanlage haben das kriegstreiberland schon verlassen und sind irgendwo in Chile angekommen. Dreihundertfünfzig dollar kostet der spaß aktuell, was ich nicht lustig finde.

Gestern war ich noch einmal in der stadt und bin als erstes bei der armada eingekehrt. Ich muss mal meine meinung ein wenig revidieren, diese hier waren schnell und nett. Eine woche zu spät gemeldet, macht doch nichts. Auch kein wort über meine funklose reise. Im system war ich rot markiert, dann wurde meine neue position eingefügt, dazu haben sie sich noch bedankt, und nach fünf minuten war ich wieder auf freiem fuß.
Dann ein wenig shoppen, durch die stadt laufen und beinahe hätte ich das erste foto geschossen. Konnte mich dann doch nicht dazu durchringen. Die chilenischen städte sind einfach zu unschön, warum nur. Kleine geschäfte sterben, die chinesen kommen mit ramschläden und dann werden shoppingmalls errichtet. Wenigstens bringt das busfahren spaß, hält doch der fahrer genau dort, wo man aussteigen will. Besonders hilfreich ist das, wenn man wie ich bepackt ist.

Den versuch, mal eben schnell eine passende duschsumpfpumpe hier in Puerto Montt zu kaufen, habe ich nach dem fünften geschäft eingestellt. Das schiff gegenüber hat mir unterstützung angeboten, wenn ich hilfe benötige. Also habe ich dort mal gefragt und zu meiner überraschung griff Alejandro in ein schapp und da war sie, die pumpe. Leider in zwölf volt, aber das habe ich dann auch geregelt. Das nächste mal duschen wird wieder wie gewohnt ablaufen. Ein punkt auf der liste ist abgearbeitet.
Danach rief er noch einen metallbauer an, womit der task der ankerluke auch bald abgeschlossen sein wird. Meine beiden anderen metallfritzen, die viermal am schiff waren, haben sich nicht mehr gemeldet. Vielleicht wird es diesmal etwas, sonst muss eine andere lösung her.
Seit gestern trage ich auch nur noch einen verband, keine pflaster mehr zur unterstützung. Nur wenn ich die wunde neu versorge, sieht es ekelig aus und riecht auch nicht so gut. Wenn es eine offene wurstaufschnittpackung wäre, würde sie sofort im müll landen.

Es ist schon wieder Mo, und die handwerker wachen auf oder träumen noch immer. Es ist ein angebot gekommen, und ich glaube, er hat keinen bock auf den job. Die kleine luke soll mit allem zusammen dreihundert dollar kosten, abgelehnt. Ich gehöre nicht zu den schiffbesitzern mit der dicken geldbörse. Also kommt plan b ins spiel, das teil dicht zu bekommen.

Gestern habe ich schon mal den ersten einkauf getätigt, dauerwaren für die etwas längere fahrt zu den Marquesas. Es sah so viel aus und dann war es doch schnell in den schränken verschwunden. Die frischen sachen werden einen tag vor der abfahrt gekauft, doch dafür muss erstmal wieder alles an bord sein.
Außerdem wollte ich gestern den generator laufen lassen. Dabei tat sich rein gar nichts, und ich befürchte, dass der motor fest ist. Wieder eine neue baustelle.

Nachdem ich die luke gestern im selbstgang angegangen bin, solarlüfter weg, rost weg, farbe drauf und einen tag warten, habe ich mal den lappen mit reiniger benutzt. Unglaublich wieviel dreck dieser ofen gemacht hat. Nach zwei metern verlies mich wieder die lust, muss ich doch alles mit links machen.

20180423 alter rauch

 

Danach noch mal einen blick auf den generator geworfen und diesmal mit größeren tools den motor gedreht. Geht doch, nur der anlasser will wieder einmal nicht. Wenn ich alles wieder zusammen geschraubt habe, kann ich das teil auch mit dem handstartseil anziehen. Wenn es dem finger wieder besser geht, geht es hier auch weiter.
Dann noch etwas sehr blödes, ich hatte mir einen französischkurs gekauft und die bücher dazu sind nicht im schiff. Also kein lernen auf der fahrt in den norden.

Meine ersatzteile durfte ich auch schon mal in der hand halten, das aluminumprofil für die rollanlage sogar behalten. Für die plastikteile wollten sie aber noch einmal hundert dollar extra sehen, angeblich die zollgebühren. Am nächsten tag sind sie nicht wiedergekommen wie abgesprochen, ich werde nervös. Mein visum läuft in zehn tagen aus und in einer woche will ich hier schon abgelegt haben.
Mit dem finger ist es noch immer scheiße, ich habe halt nur eine halbe rechte hand.

20180427 finger

 

20180427 finger

 

Dafür war heute mal eine große motorinspektion, keine ganz große. Den ölwechsel habe ich  vertagt, das zeug ist jetzt seit acht jahren drin und sieht noch gut aus. Dafür habe ich den feinstfilter gewechselt, aber nicht den hauptölfilter. Im dieselgrobfilter war einiges an wasser und dreck drin, der magnetschalter der einspritzpumpe arbeitet auch wieder, wie er soll. Warum, weiß ich nicht.
Und Mr Perkins hat das erste mal die ventile eingestellt bekommen, falls der vorbesitzer das nicht schon einmal getan hat. Also seit fünfzehnhundert stunden ist es das erste mal und alles war im grünen bereich. Wartung kann man ja auch übertreiben, der letzte ölwechsel ist genau so alt.

Am abend sind die beiden der Ledda, dem schiff gegenüber schnell noch einmal mit mir zum einkaufen gefahren. Die teile wurden noch immer nicht ausgeliefert und so war ein zeitfenster frei. Jetzt weiß ich nur nicht, wohin mit den ganzen sachen und die frische ware muss ja nächste woche auch noch wohin.
Es ist alles nicht so einfach, wenn man keine zwei vollständigen hände hat. Also dauern die arbeiten länger und ich gebe sehr viel aufmerksamkeit auf den finger, nur nicht irgendwo anschlagen oder hinterhaken. Ich müsste noch diesel tanken, das verschiebe ich auf Mo, denn es ist heute ein gemischter regentag. Die windsteueranlage ist wieder einsatzbereit, und wenn ich das schlauchboot schonmal im wasser habe, wird der wasserpass mit dem schrubber bearbeitet. Etwas bewuchs ist nach vierzehn monaten schon dran, aber harmlos.

Der Sa verlief mal anders als sonst, ein wenig bootfahren. Die Ledda soll an land, unterwasserschiff und dergleichen. Also habe ich den beiden angeboten, ihnen zu helfen. Die tour ging auch nur einen kilometer weiter und dann in den travelift hinein. Ich kenne das spiel, für sie war es neu. Mehrfach wurden die gurte verstellt, dann mussten noch die vorderen unterwanten gelöst werden, die beiden vorstage waren schon ab. Doch dann hat sich das schiff noch einmal in die gurte geruckt und dem chef war das zu teuer, abbruch. Das ganze wieder zurück und eine woche haben sie so geschenkt bekommen, die sie später einsetzen müssen. Das gute für mich war, dass dort mein segelmacher seine werkstatt hat und ich das segel mitnehmen konnte. Somit brauche ich nur noch die plastikteile, aber ich wiederhole mich gerade wieder.

Am Mo habe ich mal diesel gebunkert und da läuft schon wieder etwas schief. Fünfzig liter habe ich in die kanister gefüllt und insgesamt nur vierhundertundzwanzig. Dabei sollten die tanks leer sein, also müssten dort schon über vierhundert liter hinein passen. Beim tanken lief auch eine menge daneben, kein problem in Chile, eine spritze mit spühlmittel stand bereit.
Was lief noch: ich habe so ein bauchgefühl, dass Mr Perkins jetzt ein wenig runder läuft, aber ich kann mich auch täuschen.

Die andere geschichte fängt jetzt an, mein letzter mitsegler. Ich mag es nicht nachzutreten oder jemanden zu verunglimpfen. Meine freundlichkeit der letzten segler lehrt mich aber langsam, dass ich konkreter werden muss. Ihr habt die berichte gelesen, einige haben auch mehr informationen bekommen.
Diese tour durch Patagonien habe ich für dreihundert euronen pro woche verkauft. Nun mag der eine oder die andere denken, das ist ne menge holz, aber dafür geht im mittelmeer gar nichts und hier unten noch nicht einmal ein tag bei einem kommerziellen betreiber.
Es hätte die kosten gedeckt, wenn da nicht ein abbruch nach Punta Arenas gekommen wäre. Der flug, den Martin gebucht hatte, war günstig, aber nicht flexibel. Somit motorten wir zurück und ich musste wieder zum eingang der engstelle in der Magellanstraße fahren. Das ganze hat über zwei wochen gedauert und eine menge an diesel gekostet. Nachdem ich einen freien kopf hatte, schrieb ich eine mail, ob der taxitransfer nicht auch eine monetäre gegenleistung bekommen könnte, lange zeit funkstille und auch jetzt kein beitrag für die aktion.
Auf nachfrage hier in Puerto Montt habe eine antwort erhalten, die mich nicht wirklich befriedigt. Ich würde insistieren und sei mit mir nicht im einklang. So what. Da segelt oder motort jemand mit mir über zwei monate herum und dann das. Ich mache das mal kurz, ich habe jeden tag gekocht, es soll mir ja auch schmecken. Meine leistungen in der küche sind auf jeden fall akzeptabel oder besser. Von meinem mitsegler gab es nicht einmal etwas wie, es hat mir geschmeckt. Stattdessen hat er sich das essen mit sehr viel chili, pfeffer, paprika oder sambalolek abgerundet. Und das letzte gewürz mit zwei esslöffeln pro teller. Da gab es etwas auf die finger, das kleine gläschen kostete schon in Berlin über drei euronen. Hier am ende der welt gibt es so etwas nicht, oder es ist so teuer, dass man es nicht kauft. Meine vorräte an scharfen gewürzen sind ergo weggeluscht, all inclusive für dreihundert euronen.

Wer macht keine fehler, sicher keiner. Aber das kabel der ankerwinsch in der kette, das klo zweimal überflutet und salzwasser im schiff, weil das seeventil nicht geschlossen wurde, tretleisten mit dem koffer abgerissen, den anker nicht fixiert, der dann den rumpf im sturm bearbeitet hat und ich bei zehn windstärken nach vorne gerobbt bin, um ihn wieder zu fixieren, auf das deck geworfene bootshaken, oder den kelbschneider, den anker mit hauruck in seine position gebracht und die halterungen verbogen, und und und. Der rost fängt jetzt an und hat nichts mit einer kalkulierten afa zu tun, sondern es ist das ergebnis von fehlender achtsamkeit. Wenn wenigstens einmal eine entschuldigung gekommen wäre, nada.

Diese passagen waren gerade etwas für menschen, die mitsegler aufnehmen wollen. Bitte gut überlegen. Das leben auf einem schiff erfordert doch ein wenig respekt, den ich auch häufig nicht habe. Dennoch sollte man sich im klaren sein, welche personen man aufnimmt. Ich werde damit sorgsamer umgehen, ich kann es mir nicht leisten. Ende des themas.

Jetzt ist es anfang Mai, mein paket soll morgen kommen. Das callcenter von fedex war kaum zu verstehen. Somit hat es mich eine weitere woche gekostet oder halt eben hundertfünfzig dollar für die marina, alles nicht billig hier.
Der segelmacher hat sein geld auch noch nicht erhalten, ich weiß auch nicht, wie viel da abzudrücken ist. Jedenfalls hat er nicht alle arbeiten erledigt, mein seil zum transportieren fehlt noch, der musterrutscher ist nicht dabei, und eine klemme für ein seil im segel ist auch nicht montiert worden.

Natürlich kam der lieferservice heute nicht, hier läuft es anders. Zu meinem glück gibt es Alejandro und der hat mich zu tnt gefahren, in der rushour und eine minute vor sechs waren wir dort. Das päckchen wurde gefunden, ich durfte die kohle abdrücken und bin nun ein stück weiter.

20180503 ersatzteile

 

Danach sind wir wieder quer durch die stadt zum gasflaschenfüllen. Ist nicht so einfach, die machen das nicht. Aber er kennt jemanden, der einen weiß, der meine flasche aus französisch Guyana befüllt. Diese ist gerade leer geworden und eine füllung kostet hier vierzig euronen, doppelt so teuer, wie eine tauschflasche.
Auf dem rückweg noch benzin an der tankstelle geholt, ein sehr erfolgreicher abend. Die nächte werden hier schon kälter, und es ist höchste zeit zu verschwinden. Das super windfenster ist leider wieder zu, aber das ist ja auch egal.

20180429 puerto montt

 

Heute ist die rollanlage dran, dann eine zarpe holen, frisches gemüse und weg.

Ich mach hier mal schluss, der nächste bericht kommt von der Robinsoninsel oder erst in zwei monaten von den Marquesas.

 

Veröffentlicht unter reisevorbereitungen, Reise_2018, technik | 1 Kommentar

Patagonien im Selbstversuch Part 2

Wenn ich auf der warteposition bin, dann durchdenke ich so einiges. Im hinterkopf sind dann noch eine parameter offen. Die aufenthaltsgenehmigung läuft anfang mai aus, eine verlängerung ist machbar, aber ich will mich nicht in das land verliebt haben. Zum zweiten endet der sommer hier bald, die tage werden kürzer und kälter. Ich wollte das wetter und es ist nicht so schlecht mit der richtigen bekleidung, aber ich freue mich, bald wieder an deck zu schlafen. Somit ist das ziel der norden und zwar bald.

Die situation änderte sich eine stunde später im Puerto Angosto, an der felswand. Das wetter, der wind waren plötzlich schwach und draußen sah es auch friedlicher aus als sonst. Anker auf, leinen los und das nächste ziel war Puerto Tamar – ist sogar in meinem tidenprogramm enthalten. Das ganze ist natürlich kein hafen, nur eine ankerbucht mit richtigem sand.
Sieben stunden später mit dem motor und dem großsegel bin ich angekommen. Die fahrt war freundlich mit nördlichen winden, kaum regen, aber mit viel diesel ging es nur bis um vier knoten voran. Die großschifffahrt überholte mich deutlich schneller.
Nur hier in Tamar hat sich das wetter schon wieder geändert, westwind wie üblich. Also wieder auf eine änderung warten.

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

Am abend dann die änderung oder gedankliche neuorientierung. Tagsüber gab es reichlich wellen in die bucht hinein und als dann auch keine sonne mehr war, habe ich nochmals die richtungen geprüft. Es ist schon saublöd, wenn man auf etwas wartet und es nicht erkennt. Der wind kam tatsächlich den ganzen tag aus süd, genau der wind, den ich brauche. Somit hoffe ich, dass er morgen auch noch vorhanden sein wird, echt ziemlich dumm von mir.

Aber er war nicht da, nur der elendige westwind. Dafür nahm er zu und in der nacht wurde es ungemütlich. Dreißig knoten wind über die hügel und böen in der doppelten stärke. Das schiff schwoit am anker hin und her und das heftig. Ich versuche noch immer hinten in der achterkajüte zu schlafen und da rutscht man schon ein wenig hin und her. Erst am morgen wurde es weniger und ich fand den verpassten schlaf.
Am mittag habe ich mal den anker kontrolliert und er ist stabil am platz geblieben. Und dann kamen ein paar wellen in die bucht, hoffnung keimt auf. Es währe schön, wenn es heute am So mal weiter gehen würde.

Jetzt, Mo morgen kann ich sagen, es ging so weiter. Zwar war der wind nicht konstant aus süd oder südwest, aber er war brauchbar und mit motorunterstützung bin ich bis zum sonnenuntergang am cap und zum eingang der Magellanstrasse gekommen. Auf der anderen seite gibt es noch einen besetzten leuchturm und viele steine. In diese wollte ich nicht hinein und bin erstmal aufs meer hinaus. Alle instrumente an, ab und zu ein wenig schlaf und am morgen war ich dann draußen.

20180318 magelanstrasse

 

20180318 magelanstrasse

 

Dort waren die wellen wieder einmal um vier bis fünf meter hoch und leider aus verschiedenen richtungen. Der wind kam aus südwest und brachte mich nordwärts, allerdings mit dem autopiloten und der hatte kräftig zu arbeiten. Ich versuche weiterhin, dreißig meilen von der küste entfernt zu bleiben. Seebeine wachsen wieder.

Am Di morgen sah die welt hier unten schon wieder ganz anders aus, dieses mal windstille mit restwellen. Einhundertsechzig meilen habe ich schon geschafft, fehlen noch fünfhundert bis Chiloé. Und es fehlt noch der wind, der wird aber auch kommen. Laut barometer bin ich in einem hoch. Wenigstens war die nacht recht gut, keine schiffswarnungen.

Zur beruhigung und für die wasserproduktion habe ich mit segelunstützung ein ganz klein wenig nord gemacht. Gestern nachmittag fing dann der wind an und der kurs könnte richtung küste gehen oder aufs meer hinaus. Ich habe mich für den raum entschieden und das war gut so. Am abend waren es schon zwanzig und in der nacht dann über dreizig hpa druckabfall. Das war keine kaffeefahrt mehr, bei sechzig plus knoten wind und dementsprechenden wellen. Ein brecher hat nachts das schiff gedreht, guter zeitpunkt, um die genua zu shiften und nochmals zu reffen. Das groß war am abend bereits von mir herunter geholt worden.
Es war sehr laut, sehr nass und es kamen noch viele große wellen gegen und über’s schiff. Eine hat den inhalt meines herdes heraus geschleudert, die glasauflaufform hielt bis zum aufprall. Dabei hatte sie gerade eine grundreinigung hinter sich, umsonst. Es flog so einiges durch den raum. Am morgen war es dann schon besser, aber nicht gut. Mal sehen, was der tag noch bringen wird.

An einem tag fiel das barometer um zweiundvierzig hpa, das kommt in die liste der besonderheiten. Es ist schon schwer, sich im schiff zu bewegen, also besser liegen und abwarten. Dann endlich am abend gab es einen windwechsel auf west, also geht es wieder nordwärts. Bis jetzt hat mich dieser orkan über einen tag und dreißig meilen gekostet.

Das mit dem kurs nord ging bis zum morgen, der wind war moderat. Doch dann kam der alte wieder, und entweder ich segele einen kurs von maximal nordost und erreiche die felsen in vier stunden, oder einen südkurs mit westanteilen. Und segeln ist so eine sache, das taschentuch der restgenua kann das schiff nur in die richtung bringen. Sechzig bis siebzig knoten wind sind kein segelwetter. Dazu kommen noch die brecher übers schiff.
Heute morgen habe ich dann noch einen kleinen fehler in der bedienung des radars gefunden. Ich hatte einen alarmkreis eingerichtet, keine alarmzone. Somit konnte ich nur schiffe erkennen, die gerade in den kreis fahren. Beim halsen am morgen fiel mir das grosse containerschiff zwei meilen abwärts auf.
Am nachmittag habe ich dann noch ein anderes schiff gefunden. An diesen tag habe ich fünfmal das ölzeug angezogen, um eine kursänderung durchzuführen. Ich verstehe es bald nicht mehr, ich fahre teilweise achtzig bis neunzig grad zum wind. Das sag mir meine anzeige, wenn ich auf den gegenkurs gehe, geht es nicht, da kommen dann dreißig grad mehr drauf. Und so kam ich der küste immer näher bis zum abend, letzter versuch. Das groß als taschentuch mit dabei, den autopiloten an und der motor ist im standgas auch dabei. Jetzt geht es, bei vierzig knoten wind und der kleinen genua. Wenn es stabil bleibt, sehe ich morgen einen anderen küstenabschnitt oder besser gar keinen.

Der nächste morgen war gut, die nacht ok. Es hat bis jetzt funktioniert, der kurs wurde eingehalten und Mr Perkins war genügsam. Diese kleine rundreise durch den südpazifik im Golf von Trinidad hat mich drei tage gekostet und ich bin zweihundertdreißig unnütze seemeilen geschippert. Aber wenn es jetzt so weiter geht und der wind nicht noch zunimmt, dann stimmt es mit nordwärts.

20180322 23 reise

 

Der wind hat zugenommen, ist aber noch moderat. Es segelt sich mit sechs knoten richtung norden, jedoch muss der autopilot heftig arbeiten. Die wellen sind noch immer im sieben meter bereich und dazu kommt oft die sonne durch. Traue ich der situation? Nee. Das barometer ist von gestern auf heute um zwanzig gestiegen, das ergibt wind. Der erste segeltag seit sehr langer zeit.
Auch macht es wieder ein wenig spaß, habe ich doch schon gestern die neuen ziele abgesteckt, obwohl ich noch nicht einmal in Puerto Montt angekommen bin. Zur zeit ist die planung zur Robinson insel, dann zur Osterinsel, die liegt auf dem weg zu den Marquesas. Danach nach Tahiti, ist nur noch ein kurzer abstecher. Dazwischen liegen noch eine menge kleinerer inseln. Nur der einfache weg beträgt über fünftausend meilen, auf dem ozean und nicht im kanal.

Neun monate vor weihnachten um ein uhr nachts war der traum erstmal wieder passé. Der wind ist fort, die genua eingerollt und ich warte im schaukelndem schiff ab. Geschlafen habe ich schlecht bis morgens um neun, denn da blies schon wieder ein neuer wind. Das barometer fängt mit einem hoch wieder von vorn an. Diesmal ist der start bei tausendfünfunddreißig hpa.
Der kurs, den ich jetzt fahre, ist fast nach westen, nachher werde ich mal den gegenkurs checken. Wenn das wieder so anfängt wie vor ein paar tagen, wird der nächste absatz kurz werden.

Der nächste tag fing erfreulich an, so wie ein segeltag sein sollte. Den letzten tag habe ich damit verbracht, die höhe so wenig wie möglich zu verlieren. In den roaring fourties bin ich seit vorgestern abend und da wollte ich auch bleiben. Dieser vorsatz brachte mich von gestern bis heute nacht um eins sechzig meilen weiter westlich aufs meer hinaus. Am morgen war dann der richtige wind da, kurs nord, fast fünf knoten geschwindigkeit, sollte so mal vier tage anhalten. Nur noch vierhundertundacht meilen bis Chiloé.

20180325 suedpazifik

 

20180325 suedpazifik

 

Ja, wenn das immer so wäre, könnte man hier verweilen. Sonniges wetter, kühl und das hoch ist geblieben. Aber in den nächten zuvor war es so schlimm gewesen, dass ich schon mal ein paar taschen gepackt hatte. Notsignale, dokumente und rechner und eine für frische sachen, falls man aussteigen müsste. Es kam am tage hinzu, dass ich viel wasser im schiff habe oder es fühlt sich so an. Die ursache habe ich auch schon entdeckt, die kettenklüse und die tropfende ankerluke. Beides nicht sehr dicht, und wenn das wasser überkommt, geht etwas hinein. Da sehr viel über geht, ist umso mehr im schiff. Das problem muss in Puerto Montt behoben werden, eine neue luke muss her. Somit ist auch klar, woher das vermehrte wasser im motorraum stammt.

Seit einer woche bin ich nun schon auf dem meer unterwegs und habe netto dreihundertsechzig meilen geschafft. Das ist recht wenig, jedoch brutto sind es schon sechshundertunddreißig. Also theoretisch bin ich schon am ziel. Da der wind zum sonnenuntergang mehr auf nord gedreht hat, kann das erreichen des ziels noch dauern. Dazu weht es in den vierzigern und fünfzigern und der kurs geht nur nach nordost. Die nächste wende ist im Golf von Penas und dann wieder raus aufs meer, da hier doch die schiffsroute lang läuft.

Dann wurde es mal etwas neu. Nach dem reffen beider segel ging kurstechnisch nicht mehr viel. Zum anfang nach west, dann südwest und ich habe versucht ein wenig zu schlafen. Nach drei stunden fand dann kurs fast süd statt. Etwas leckeres essen, pumpernickel mit serano schinken, und dann nach oben. Jetzt hatte der wind innerhalb von drei stunden von nord auf südwest gedreht und ich konnte wieder richtung norden schippern. Jedoch machten die beiden wellensysteme das meer zur achterbahnfahrt. Noch nie ist das schiff so oft von einer welle ins tal gestürzt oder in die welle hinein. Alles brutal hart und laut.
Das ging so bis zum abend und dann kam langsam die ruhe zurück, leider. Es gab einen sonnenuntergang, der erste seit wochen für mich und dann kam die flaute. Die hielt sich bis in den nächsten tag hinein. Warum kann der wind nicht besser verteilt sein? Noch zweihundertachtzig meilen bis Chiloé.

20180326 sonnenuntergang

 

20180326_sonnenuntergang2

 

Der brauchbare wind kam erst abends um sechs, bis dahin war mehr oder weniger flaute. Streckenweise ging der motor an, damit ein wenig segeln möglich war. Es war ein tag, um die batterien wieder zu laden, auch meine. Das ganze zerrt auch an den nerven. Und da gerade alles so moderat war, gab es auch mal wieder eine dusche für mich, das hilft auch. Noch dreieinhalb breitengrade und ein paar längengrade und das tolle segelrevier soll da sein.

In vier tagen ist schon April und da will ich online sein. Zur zeit ist alles bestens oder zumindest gut. Der kurs ist nordost, die geschwindigkeit klasse und das wetter trocken. Außerdem sind die temperaturen im zweistelligen bereich, auch in der nacht. Jetzt am mittag kommt die sonne vermehrt zum vorschein und die miese stimmung ist auch weg. Noch hundertneunzig meilen bis zum etappenziel.

Gestern war ein superwind, zwar sehr achterlich, dennoch waren teilweise sieben knoten drin. Und wie oft hörte er zum abend hin auf und war segelunbrauchbar. Somit habe ich zur nacht die genua ganz klein und das groß ins kleinste reff gezogen. Treibend durch die nacht war richtungsmässig ok und zum morgen hin kam der nordwind.
Es ist der neunundzwanzigste märz und gegen mittag habe ich das erste mal seit tagen wieder land gesichtet. Es ist nur eine vorgelagerte insel, aber auch eine wendemarkierung in zwei stunden. Mit diesen wind komme ich noch nicht in den Golf Corcovado. Es wären jetzt noch hundertfünfzig meilen bis Chiloé.

Nach mehrfachem halsen am abend und in der nacht konnte ich die höhe halten. Das ist nicht viel. Am morgen dann unbrauchbarer südwestwind, weil ich nach nordost will. Das wäre ja nicht so schlimm, aber der hauch von einem wind ist zu schwach, um die genua stabil zu halten.
Da auch wieder ein strombedarf herrscht, musste der motor wieder ran, und der wollte mal wieder nicht. Das gleiche spiel, wie so oft, der magnetschalter. Zweimal ausgebaut und das letzte mal ohne innereien. Das alles vor dem morgentlichen kaffee. Mr Perkins läuft wie immer, nur meine laune ist sehr, sehr gereizt. Wenn das in einer wichtigen situation passiert, bin ich am arsch. Immernoch hundertfünfzig meilen bis Chiloé.

Der weitere tag und die nacht verliefen eher schleppend, also treibend. Die richtung stimmte, meilen kamen nicht so recht zustande, aber in der summe war es durchaus positiv. Am morgen dann das super wetter, blauer himmel und schäfchenwolken am horizont. Dazu kamen diese langgezogenen wellen, höhe um fünf meter, die man nur aus der distanz sieht. Keine schaumkronen, alles blaugrün und der leichte wind aus achterlicher richtung. Mit höchstens vier knoten geht es in richtung Chiloé und das liegt noch hundert meilen entfernt. Mit dem ankommen, morgen am ersten april wird es wohl nichts werden, keine glückwünsche, nur gedanklich.

Und dann: was war das für ein toller segeltag. Sonne, blauer himmel, achterlicher brauchbarer wind, angenehme geschwindigkeit, die sich bis auf sieben knoten gesteigert hatte. Ein leuchtender roter vollmond und erst morgens um fünf lies der wind nach. Da war ich aber schon im Golf von Corcovado und der motor musste an. Das auslaufende wasser bremmste ungemein. Auch war das wetter die letzten tage sehr freundlich mit mir, vielleicht liegt es daran, das ich nördlicher bin, gern mehr davon.
Und so habe ich es doch noch geschafft, um halb zwei fiel der anker vor Quellion auf Chiloé.

Veröffentlicht unter Reise_2018 | 2 Kommentare

Patagonien im Selbstversuch Part 1

Um es gleich zu sagen, Punta Arenas ist nicht meine stadt, kaum historie, schnell und billig gewachsen. Die armada funktioniert, und sie haben nicht gemuckt, dass ich mich nicht jeden tag per funk gemeldet habe. Das ausreiseformular gab es auch gleich mit, schön.
Jeden zweiten tag laufen hier ein oder gleich zwei kreuzfahrtschiffe an, dann ist die offizielle tür zum pier auf, sonst umwege durch andere gebäude mit sinnfreiem wachpersonal.

Dieser pier ist grobschlächtig, alles was kein arbeitsschiff ist, sollte sich fern halten. Anlegen mit dem dingi ist an einer stelle machbar, aber nicht ratsam. Das management hat sich geändert und somit sind neue regeln in kraft getreten. Kein anlegen ohne einen agenten, es gibt alles und zwar gegen divisen.
Ich wollte nur kurz zum tanken anlegen und wasser nehmen. Dafür braucht man einen agenten, der eine versicherung hat, es könnte ja das pier geschädigt werden. Eher hat mein schiff gelitten. Der agent beauftragt einen subagenten für die dieselbeschaffung, das macht es teurer, es dürfen nur chilenen diesen diesel am pier kaufen. Somit kostet der liter ein dollar zwanzig für mich. An der tanke kaufen und zum schiff bringen läuft nicht mehr. Dieser subagent wollte auch einen segelmacher finden, war aber nicht so willig, hatte er doch schon meine dieselmarge eingestrichen.
Das wassernehmen habe ich mir geklemmt, hätte hundertzwanzig dollar zusätzlich gekostet, für zweihundert liter. Meinen hauptagenten konnte ich auf vierhundert und ein paar dollar herunterhandeln, allein die zwei stunden am pier liegen kosten hier zweihundert dollar für den hafen. Eine weitere art von korruption, damit weitere personen die weihnachtsgans ausnehmen können. Und das war diesmal ich. Alles war eingefasst und dann kamen die preise. In der summe haben mich meine dreihundertsiebzig liter treibstoff achthundertachtzig dollar gekostet. Frohes fest, so teuer war es noch nie. Also diesen ort dringendst meiden.

Meine zwei stunden waren dann auch nicht wirklich entspannt, der diesellaster kam eine stunde zu spät, die wellen drückten das schiff an die reifen. Und die reifen waren von einem monstertruck. Das tanken verlief spritzend, es kümmert hier nur niemanden. Dann war ein nettes mädel vom agenten da und wollte geld, cash, vertröstung auf morgen. Noch schnell in den supermarkt, denn es ist einfacher, als mit dem beiboot.

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

Und warum bin ich hier, weil mein mitreisender hundert euro sparen wollte, indem er einen flug einen monat vorher von Puerto Natales gebucht hat. Anstatt flexibel einen flug zu nehmen, zu leicht erhöhtem preis. Dadurch sind uns weitere fünf bis sechs tage verloren gegangen, es hätte aber reichen können. Mit dem puffer wären wir auch nach Puerto Natales gekommen, nun denn. Somit habe ich hier einen hundertsechzig meilen umweg und erhebliche mehrkosten. In zukunft keine terminfracht mehr, draufzahlen für sparen geht nicht.

Am morgen zeigte die ampel am pier noch grün und am abend schon rot blinkend. Ein service des hafens, das bedeutet, dass man sich fernhalten soll und das wetter sich nicht zum vorteil ändert.
Ich war heute wieder in der stadt, um zu sehen, ob sie mir doch gefällt. Am ende war sie akzeptabel, aber nicht wirklich etwas schönes in meinen augen. Meine wanderung verlief nach osten durch die stadt bis zum anfang der bebauung für arme. Einen schwenk zum meer und zurück, dabei eine lokale brauerei gefunden, magellanbier. War nur ok, da es aus der flasche kam, obwohl im hintergrund gebraut wurde.
Dann noch schnell bei meinem luxusagenten vorbei geschaut, ein lieferant für segelrutscher und klammern will sich bei mir melden. Dies ist nur möglich, da dieser agent mir einen handapparat überlassen hat, als leihgabe, nett. Nur hat er sich noch nicht gemeldet.
Auf dem weg zurück mit dem schlauchboot war es zu beginn lau, dann frischte es auf, dann wurde ich nass, und als ich am schiff war, stellte sich das boot senkrecht in die luft. Der motor wurde festgeschraubt und der sturm fing an. Inzwischen blinkte es auch rot. Das war eine nasse fahrt.

Der erste märz sollte der letzte hier im hafen sein. Das geliehene handy habe ich zurück gegeben, die unfähigen subagenten konnten keine segelrutscher mit halterungen organisieren. Es war derselbe, der meinen diesel organisiert hat. Man hat mir weitere hilfe in Puerto Montt angeboten, haben sie auch dort ein niederlassung, mal sehen.
Danach zur armada – und nada. Der hafen ist gesperrt, kein schiff rein oder raus und somit keine zarpe für die weiterreise. Als wenn ich nicht frei vom pier wäre und vor anker liege. Kleine gehorsamspimmel und ich bin das opfer. Ja, ich bin genervt. Also morgen früh wieder das schlauchboot zu wasser lassen, hinlaufen, wieder alles an deck verstauen und los, wenn der wind will.
Dabei sind die fahrten schon jetzt recht nass, das boot tanzt und der propeller schrabt farbe vom Themroc, während ich es heraufziehe.

Meine reparaturen sind erstmal abgeschlossen, das segel ist repariert mit bordmitteln. Wenn es nicht hält, muss ich das nächste mal mehr nähen. Das segelcover hat einen neuen clip erhalten, der alte ist in sich gebrochen.
Dafür habe ich am abend einen alten bekannten gesehen, das grüne fischereischiff aus Stanley, das monatelang dort am kai lag, liegt jetzt hier.

20180228 segelreparatur

 

Am morgen wieder zur armada, der großbäckerei für trockenes toastbrot. Antrag abgeben, die bearbeitung verlief schleppend und umständlich. Am ende war dann doch alles gut und gleich wieder zurück zum schiff.
Anker auf und schon stellte sich ein wunderbarer wind ein. Mit bis zu über sieben knoten durchs wasser und am ende musste der motor wieder angeworfen werden. Genauso hatte ich mir das gedacht, so konnte auch der wassermacher wieder laufen. Auf die warme dusche hatte ich mich schon gefreut und in der schönen bucht Bouchage war kein anderes schiff. Dorthin habe ich für die zweiundvierzig meilen neun stunden gebraucht und nur vier motorstunden, weiter so.

Das großsegel ist auch wieder montiert, schon ein richtiger akt zweit, alleine ist es doppelt so schwer. Der nächste abschnitt ist auch schon abgesteckt und sollte morgen machbar sein. Das ziel die bucht, in der wir umgekehrt sind, kurz vor der engstelle in der mitte der Magellanstrasse.

Es ist schon ein kleiner luxus, wenn das wetter gut ist, nicht zu fahren. Den Sa habe ich in der schönen bucht verbracht, ein wenig aufgeräumt und mich vor den warmen ofen gesetzt. Am So soll das wetter ähnlich sein, so wäre das nächste ziel gut erreichbar.
Am morgen kaffee gekocht, anker auf und los. Lief alles zu gut, draußen auf dem meer noch einmal den watermaker angemacht, der tank ist ja noch nicht voll. Und da das system mehr strom verbraucht als die lichtmaschine produziert, ist beobachtung angesagt.
Und dann passierte es auch schon, die lichtmaschine produzierte gar keinen strom mehr, leichte panik. Vielleicht ein kabel lose oder der regler ist hin, kleine katastrophe. Mit dem dreizehner schlüssel die anschlusskabel überprüft und die schrauben nachgezogen. Dabei habe ich leider einen kurzschluss mit lichtbogen verursacht. Mit dem erfolg, dass der motor ausging. Und er sprang auch nicht mehr an. Mehr panik.
Draußen braute sich gerade ein feuchtes wetter zusammen und als ich wieder oben war, tuckerte ein größeres schiff dicht vorbei. Was tun, zurück in die bucht oder zu einer neuen und das ganze unter segel oder gleich zurück nach Punta Arenas, wenn der schaden größer ist?

Das letzte mal, dass er motor nicht anspringen wollte, war auf den Falklands, der magnetschalter. Hoffentlich habe ich den nicht durch den kurzschluss geschrottet. Ausbauen, checken, er funktioniert, einbauen, starten und geht nicht. Somit wieder ausbauen, inzwischen stinkt alles nach diesel und den schalter ohne inhalt wieder eingebaut. Der motor sprang an, schon mal gut. Durch einen hebel an der einspritzpumpe bekomme ich Mr Perkins auch zum stehen. Und die selbstheilende elektrik gefällt mir auch, die lichtmaschine produziert wieder strom.
Alles halb so schlimm, das alte ziel kann angepeilt werden. Drei stunden habe ich durch den vorfall verloren, und leider kam der falsche wind zu früh. Die nächste bucht auf der route war zu weit und somit bin ich auf die andere seite der Magelanstrasse in die bucht Kempe gefahren. Drei stellen habe ich abgesucht und am ende fiel der anker zweimal, ende vom tag. Doch zuvor noch einmal den magnetschalter ausgebaut und wieder mit allen teilen eingebaut. Der motor springt an und lässt sich auch wieder ausschalten, da ist der wurm drin.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

Ich dachte noch über den guten halt des ankers nach, beim morgendlichen kaffee mit blick auf den wasserfall. Der wind frischte sehr auf, und somit gab es seit langem mal wieder tv aus der konserve, geschichtsnachhilfevideos bis zum nachmittag. An ein weiterfahren war nicht zu denken, kamen doch schon böen bis fünfzig hier in die bucht. Und dann musste es passieren, zur zeit läuft es nicht hundert prozentig. Der anker slippte, also anker hoch und weg. Viel matsch und noch mehr kelp waren daran. Das oberflächenwasser erhob sich grossflächig bis die berge hinauf, kein platz, um zu bleiben, war mein erster gedanke.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe fliegendes wasser

 

Wieder auf die andere seite der Magellanstrasse, vielleicht wieder zur Bahia Wood. Der erdachte platz an einer flussmündung funktionierte nicht und es waren dort auch sichtbare riffe. Nur mit dem motor ging es auch nicht, also mit segelunterstützung. Nach eineinhalb schlägen habe ich aufgegeben, keine höhe machbar und draußen waren die wellen bei fünfzig knoten schon gewaltig. Zudem wurde es schon dunkel, keine gute zeitplanung. Bei dunkelheit fahre ich nicht in unbekannte buchten ein.
Ich habe mich fürs treiben entschieden, in der mitte der straße. Alles an technik an und unter deck den nichtvorhandenen verkehr beobachtet. Ab und zu habe die ruderstellung geändert, um eine gezielte treibrichtung zu erhalten. Mit dem küchenwecker in der hand habe ich versucht, ein wenig schlaf zu finden, und um halb vier bin ich wieder hoch. Motor an und wieder zurück zur bucht Kempe. Es ging alles sehr langsam, aber es ging, um halb neun im regen war ich wieder da. Diesmal habe ich gleich die mooringleine für größere schiffe genommen und bin ins bett gefallen. Sechsundvierzig seemeilen umsonst und über dreißig liter diesel verschenkt. Ich muss vielleicht solche erfahrungen machen, damit das nur eine einzeltat bleibt. Hätte ich doch gestern gleich die mooring genommen.

Und dann wurde es doch noch ein guter tag, nach dem ausschlafen. Ein kräftiges frühstück, motorwartung und die windstille war da. Am nachmittag habe ich dann die leine über bord geworfen und bin mit höherer drehzahl als sonst zur Caleta Galant geschippert. Das wasser war flach und der einzige wind war der fahrtwind. Zum schluss zog es sich noch einmal zu, das radar musste unterstützen. Um acht uhr fiel der anker und hielt.
Hier bin ich also wieder, an dem ort, wo die teure entscheidung gefallen war, nach Punto Arenas abzulaufen. Auch hat schon herr Slocum hier gewartet, vielleicht ein gutes zeichen. Von der windstille am abend ist in der nacht wieder ein sturm geworden. Dafür mit sonnenschein und kräftigen böen, also abwarten.

20180307 bahia galant

 

So haben ich einen weiteren tag in der Caleta Galant verbracht, es liegt sich gut dort. Am späten nachmittag war dann ein leichter windwechsel. Jetzt drehte das schiff und der blick ging auf den berg zu. Die ruhe war nur kurz und das gebläse fing von vorne an.

Mein plan war, am nächsten tag weiter mit dem auflaufenden wasser den Paso Ingles zu bewältigen. Am ende habe ich es geschaft, aber das ging fast nach hinten los. In diesem engpass fließt das wasser von vielen seiten und kanälen hinein und schiffe sollten bei hochwasser am ende der durchfahrt sein. Der wind war wie immer unbrauchbar und der motor musste richtig ran. Mit der höchstdrehzahl vom oberen gashebel fahre ich sonst sechseinhalb knoten. Hier wurde ich bis unter einen knoten abgebremst, ein sehr teures stück des weges. Nach einem segelversuch hat sich noch der knoten der genuaschot gelöst, zum glück war das segel fast ganz aufgerollt gewesen. Nur mit mühe und am ende mit glück bin ich in der Caleta Tilly angekommen. Dies ist der ausgangspunkt für den nächsten engpass, der Paso Tortuoso.

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

Am nächsten morgen mit dem hochwasser sollte es dann weiter gehen, es wurden zwei stunden später. Und dann gab es eine unglaubliche Magellanstrasse. Gestern noch so sehr böse und dann der absolute ententeich, kein wind. Dazu kam die sonne und die landschaft ist grandios. An solchen tagen bringt das reisen hier ein spaß, besonders wenn es warm ist. Das tagesziel wurde immer wieder weiter vorverlegt und um halb drei war ich in der Caleta Playa Parda. Wo der strand ist, weiß ich nicht, aber das panorama ist gewaltig. Das sonnendeck war dann auch geöffnet.

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 caletas playa parda

 

20180309 caletas playa parda

 

Nach einem tag am ankerplatz im schmuddelwetter bin ich dann doch weiter. Ein fundstück hing dann noch am anker. Nieselregen hing am morgen in der luft, bedeckter himmel und die wolken zogen nicht schnell. Also eine gute vorraussetzung für das weiterziehen. Es sind noch fünfunddreißig meilen bis Puerto Tamar, dort geht es rechts ab in richtung Smith kanal. Das buch versprach einen guten platz in Puerto Angosto, so dass ich mich dorthin aufmachte. Fünf stunden und sechzehn meilen später war ich dort. Zwei segelversuche hatte ich gestartet und am zielort fing der regen an. Die beschriebenen plätze waren mist, auch wenn der beste Slocum’s Notch sein sollte. Also erstmal in der caleta ein runde gedreht und den anker abgesetzt. Er hält nicht auf dem steinigen boden und somit geht es wohl doch noch zur nummer eins.

Das festmachen war schon ein akt, das erste mal war die ankerkette zu kurz und beim zweiten mal erwischte ich eine blaue strippe. Diese sah aber haltbar aus, eine zweite leine um einen kleinen baum am hang. Dann noch ein wenig ankerkette weggenommen und fest, fürs erste.

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins bucht

 

Auch hatte ich in den letzten zwei wochen zeit zum nachdenken und das ergebnis ist die beendigung des patagonienselbstversuchs. Ich bin über zwei monate schon hier unten nahe dem ende der welt, die landschaft ist anders als gewohnt, ankerplätze sind vorhanden und doch reicht es mir. Der diesel reicht locker bis Puerto Eden, doch dort gibt es keinen neuen, oder nur teuer und umständlich. Mir geht diese motorbootfahrerei auf den sack, segeln ist fast nicht oder halt gar nicht möglich. Mr Perkins jeden tag abzufüllen gefällt mir nicht, Themroc ist ein segelschiff.

Noch dreihundert meilen kanäle zu motoren will ich nicht, vielleicht sind das gerade die noch schöneren aussichten. Am ende der Magelanstrasse werde ich in den pazifik abbiegen und die nächsten sechshundert meilen an der küste hinaufsegeln. Sicherlich werden das ein paar mehr meilen werden, das kenne ich ja schon. Der richtige zeitpunkt ist entscheidend, es muss ja nicht wieder ein orkan zu beginn sein.

Dann in der nacht passierte es, felswandkontakt. Erstmal die ankerkette wieder gekürzt. Doch dann kamen ein paar sehr heftige böen und das schiff zerrte die leinen los, noch mal die wand getroffen und nur noch geankert. Das hielt mal gerade zwei stunden und er slippte auf dem steinigen boden. Somit ging ich auf leichte drift mitten im felsental. Es war stockfinster und so musste ich bis zum sonnenaufgang warten. Das driften verlief unfallfrei und dann fiel der anker wieder am ersten platz. Nicht schön, auch steinig aber ich musste erst mal schlafen.
Was tun, das wetter ist lausig, regen, hagel und keine sicht. Einen neuen versuch für die felswand habe ich vorbereitet, landleinen parat gelegt und das schlauchboot zu wasser gelassen. Das ausbringen der leinen hat insgesamt über zwei stunden gekosten. Das ist kein einhandseglerjob, ich mag das sichere ankern. Nun warte ich mal ab, wie gut meine aktion war.

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei bucht

 

Der zweite versuch endete in der nacht mit dem großen hochwasser. Wieder gab es kontakt zur wand, zuerst dachte ich es sei bodenkontakt. Ich habe den falschen baum gewählt, beim nachziehen kam der ganze mit der leine angeschwommen. Es war mitten in der nacht, es goss aus eimern und dann mussten erstmal alle fender auf die backbordseite. Der anker hatte ein wenig geslippt, hielt aber und es war zum glück kein wind gegen mich. Trotzdem war viel grünzeug von der wand am morgen auf dem deck.
Mit dem sonnenaufgang fing der versuch drei an. Das schiff lag das erste mal so, wie es in der beschreibung liegen sollte. Wieder das schlauchboot ins wasser gelassen, die landleine um den größten baum gelegt und dicht geholt. Den baum hatte ich schon einmal gestern im griff, hatte mich dann aber unglücklicherweise umentschieden. Jetzt liege ich parallel zur wand im abstand von zwei metern. Warum den nicht gleich so. Und zur freude gab es während der aktion kein regen oder hagel.

20180313 versuchdrei

 

20180313 versuchdrei vorgabe

 

Wir haben mitte märz und das anker- und leinensystem funktioniert. Die dritte nacht war zum schlafen da. Am morgen gab es die ersten sonnenstrahlen und hoffnung auf eine passage in richtung Puerto Tamar und weiter in richtung westen. Das barometer steigt, aber leider sind es nur acht grad am morgen im schiff.

Dann die nächste nacht war auch gut, jedoch blies da ein kräftiger lauter wind. Am morgen dann die enttäuschung, es ist ein nordwind. Die temperaturen sinken immer noch, jetzt sind es nur noch sechs grad in der kajüte. Das erinnert mich doch stark an die Falklands, aber hier regnet es ständig. Seitdem ich hier angekommen bin, dauerregen. Mal eine unterbrechung von fünf minuten und die gieskanne wird weiter ausgeschüttet. Keine spaßbringsituation.
Dazu kommt noch, dass meine holzvorräte zur neige gehen, ich sollte mich in den wärmeren norden aufmachen.

Irgendwie läuft es nicht so rund, wie ich mir das erträumt habe. Na klar ist es ein wenig schwieriger allein, als zu mehreren. Auf der anderen seite muss ich auch keine rücksicht nehmen und mir das genöle anhören, also auch gut für mich. Es wird weiter gehen, mal sehen wie.

Veröffentlicht unter Reise_2018 | 2 Kommentare

Patagonien Ende vom Anfang

Dieser teil der reise ist anders, sehr viel anstrengender als das bisherige. Der wind ist immer gegen an, kein stück läuft einfach. Der motor ist immer dabei und schluckt dementsprechend. Ohne seine arbeit wären die vielen schläge nicht möglich gewesen. Wenn kein wind weht, sind es erfolgreiche strecken, die man netto zurücklegen kann.
Gegen die behauptung, hier sei es ein einfaches segelrevier, kann ich nur vom gegenteil berichten. Noch nie habe ich so viele wenden gefahren, um höhe zu gewinnen. Noch nie kamen böen mit zwanzig knoten mehr wind in sekundenschnelle. Wer nicht aufpasst, verliert das segel.

Die tagesetappen haben einen leicht repetitiven charakter, ist doch der ablauf fast immer der gleiche. Mit der sonne wach werden, wenn sie scheint, kaffee kochen, anziehen und los geht es. Dann segeln, was geht, und viel weg schaffen, doch ist die distanz am ende meist eher gering.

Tag 1: von Puerto Williams bis vor Ushuaia gesegelt. Gefahrene strecke vierunddreißig seemeilen, nur zwanzig seemeilen distanz. Der motor hat dreiundzwanzig liter verbraucht und wir sind elf wenden gefahren. Am ende war der wind so kräftig, dass wir eine bucht angesteuert hatten, die nicht in den büchern stand.
Zur freude war es wenigstens ein trockenes und sonniges wetter. Der aufregungshöhepunkt war zwischen einem kreuzfahrtschiff und einer dreimastbark zu passieren. Das problem mit dem funkgerät besteht wieder, verständigung ist gestört. Wobei ich gut hören kann.

Tag 2: von gegenüber Ushuaia bis irgendwo im Beaglekanal gesegelt, diesmal fünfzig seemeilen. Zur entäuschung nur dreiundzwanzig seemeilen distanz. Der motor hat in diesen dreizehn stunden wieder dreiundzwanzig liter verbraucht und diesmal waren es einundzwanzig wenden. Ich würde es mal als langstich bezeichnen.
Es gab einige walsichtungen bei gemischtem wetter. Wieder eine bucht besucht, die nicht in den büchern war.

tag2 langstich

 

Tag 3: vom Beaglekanal bis zur caleta Morning. Dreiundvierzig seemeilen gesegelt, wobei nicht mehr im nordwestkanal. Die distanz war nur fünfundzwanzig meilen, bei einem verbrauch von achtundzwanzig litern in dreizehn stunden. Die einundzwanzig wenden waren diesmal im kurzstich.

tag3 kurzstich

 

Auch wieder walsichtigen und define kamen in der ankerbucht dazu. Die landschaft hat sich geändert, es gab in der nacht neuschnee. Die berge hatten einen leichten weißen überzug. Auch gab es die ersten gletschersichtungen, zum anfang habe ich die ersten fotografiert, später nur noch angeschaut.

20180210 gletscher1

 

20180210 gletscher3 20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

Ein kreuzfahrtschiff war ein überholer und der anker war ohne richtigen halt. Nicht gut, musste aber gehen und ging gut. Die caleta Morning war tief und die berge recht hoch. Das wetter war von feucht zu trocken und deutlich kälter als die tage zuvor.

20180210 wasserfaelle

 

20180210 wasserfaelle mit ueberholer

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

Tag 4: nur sechzehn meilen motort in fünf stunden und dabei zehn liter verbraucht. Das segel blieb eingepackt. Kurz vorm ziel beim gletscher kamen wieder define. Zum anfang war es noch trocken, doch vorm g1etscher fing ein leichter nieselregen an, unschön.
Auch das kleine treibeis rumst kräftig gegen den rumpf. Zuerst sind wir kurz vor die abbruchkante gefahren, fotos geschossen und haben dann einen kleinen gravler eingefangen. Davon gab es dann das tausendjährige eis zum wiskey. Der gletscher war eher enttäuschend, klein und schmutzig, auch kalbte er nicht.
Der ankerplatz war zu gut beschrieben, und beim regen war auch kein aufenthalt auf dem sonnendeck möglich.

 

Tag 5: insgesamt sind wir vierzig seemeilen gesegelt und haben nur achtzehn meilen distanz geschafft. Dreiundzwanzig liter hat mr Perkins in zwölf stunden verbraucht, wir haben dreizehn wenden gefahren.
Der morgen begann mit einem schlechten anfang. Das schiff setzte beim schwojen auf einen felsen auf, ursache war der geslippte anker. Eine kleine slipstrecke hatte ich schon eingeplant, doch der gerutschte weg war länger. Keine schöne art aufzuwachen und dann schnell verschwinden.
Es gab einige seehundsichtungen, doch es war kaum höhe laufbar. Zwischendrin gab es böen bis sechzig knoten, kaum sicht bei feuchtem regenwetter. Schön, wenn das radar funktioniert. Die kleine zielbucht Sur mit zwei landleinen bot eine ruhige nacht.

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

Tag 6: am morgen habe ich erstmal eine erbsensuppe gekocht, denn bei niedrigwasser saßen wir im schlamm fest. Es gab keinen brauchbaren wind und nur mit dem großsegel sind wir siebenundzwanzig meilen weit motort. Wieder haben wir zweiundzwanzig liter verbraucht und waren in acht stunden in einer guten bucht auf der insel Londonderry.
Mit der armada hatten wir wieder funkkontakt und auch die lösung für das verständigungsproblem gefunden. Ist der motor aus, funkt er nicht dazwischen.
Ein ärgerliches thema sind fehlende detailseekarten und nicht genaue. Die karten stimmen wenig, denn wir sind viel über land gefahren. Die wegepunkte in den bücher sind dagegen gut und so nähert man sich über die aktuellen positionsdaten. Diese ankerbucht war gut, auf der karte war sie im see auf der insel.

tag6 seekarte

 

Tag 7: der erste versuch, weiter zu segeln, ist gescheitert. Vor der bucht fing der wind an und das kräftigst. Draußen gab es dann ganz schnell fünfzig bis sechzig knoten wind und hohe wellen. Das schiff ging in schräglage, ein sinnvolles vorankommen war nicht möglich, also zurück zum ankerplatz. Zudem ist das großsegel wieder einmal kaputt gegangen. Im zweiten reff sind die zwei noch nicht reparierten kauschen ausgerissen. Ein folgenschwerer teuerer tag, somit geht nur noch das taschentuch im dritten reff.

Tag 8: siebenunddreißig seemeilen in zehn stunden bei fünfundzwanzig liter verbrauch gefahren. Diesmal keine wenden gefahren. Der wind war nicht vorhanden, dann kam guter wind und dann gegenwind. Das tagesziel konnten wir nicht erreichen. Dafür gab es viel schiffsverkehr, drei fischerboote, ein segelboot und ein inselversorger.
Der nothalt wegen des starken windes war die ankerbucht spezial, die ist nicht in den büchern. Einfach mal ein testversuch und der war brauchbar.

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

Tag 9: dieser tag war einer zum vergessen – und einer für die patagonienlernkurve. Die spezialbucht war gut, der wind in der nacht oft stark und der anker mit einer landleine hielt. Am morgen sind wir gut losgekommen, wieder zurück bis zum kanal in zwei minuten entfernung. Dort war die tageszielrichtung wegen starkem gegenwind nicht machbar, wie am tage zuvor.
So kam der plan b ins spiel. Meine idee, zweihundert meilen vor der küste nach norden segeln. Dadurch sparen wir viel treibstoff, machen mehr meilen, weil wir auch nachts segeln und gewinnen zeit.

Zum anfang ging es super in richtung meer, raumer wind. Auf dem meer war dann ein westwind und sehr unbrauchbar mit bis zu orkanstärken. Die wellen haben dann schnell die zehnmetermarke überschritten und der kurs war nur nach süd oder nordnordost möglich. Ein kreuzen mit negativem ertrag. Die achterbahnfahrt war frustrierend und bis zum erbrechen anstrengend. Also alle unter deck und schlafen gehen. Erst nach mitternacht nahm der wind ab.
Da wir viele meilen nach süden gekommen waren, wurde als ziel die durchfahrt nach Londonderry angepeilt. Viele felsen auf dem weg, somit erst bei tagesanbruch sicher zu machen. Zurück auf los und keine meilen eingezogen.

Die pütz ging schon am vormittag über bord, absolut keine kaffeefahrt, vielmehr mit schwimmweste einpicken und kopfeinziehen, wenn mal wieder brecher übers schiff gehen. Da hier meistens westwind herrscht, in der ausführung kräftig, ist das keine gute alternative. Im unterbereich von Chile muss man zuerst nach west.

Tag 10: in der nacht wieder ein richtungswechsel zum land hin, um im sonnenaufgang zwischen der insel Steward und Londonderry hindurch zu fahren. Das waren sehr anstrengende motorstunden auf der alten dünung, da der wind eingeschlafen war. Um die mittagszeit waren wir am ankerplatz der insel Medio oder für was wir das gehalten haben. Die beschreibungen waren nicht klar. Durch eine kleine enge passage sind wir eingefahren und schon saßen wir fest, tiefe null komma null. Natürlich bei niedrigwasser und auf einem sand-mit-steinen gemisch. Nach einer stunde auflaufendem wasser waren wir wieder frei.
Der motor lief zwölf stunden und es wurden zweiunddreißig liter verbraucht. Das ganze für fünfundvierzig seemeilen. Gestern auf dem meer waren es fünfundsechzig für umsonst. Nur noch zwanzig meilen dazu und wir sind wieder auf los.

Tag 11: fünfundzwanzig liter in neun stunden und direkte fünfunddreißig seemeilen, selten mit segel. Das wetter war nass und es gab keinen wind. Die verteilung ist ausgesprochen ungleich, oft zuviel oder zu wenig. Und wenn, dann kommt er aus der falschen richtung, immer von vorn. Es gab auch wieder einmal pinguine zu sehen, diesmal konnte ich sie ablichten.

20180215 pinguine

 

Ab der spazialbucht gab es dann noch richtigen hack und regen. Wieder einmal musste das radar an, um zu sehen. Drei tage haben wir durch das experiment verloren. Als wir vor der neuen caleta waren, kamen viele fischer von see. Ist das vielleicht ein zeichen auf schlechtes wetter?
An deck habe ich wieder kleine halbe plastikkugeln gefunden, nicht wirklich gut. Und ich weiß noch nicht, wo diese zerbrochen werden.
Die caleta Yahgan haben wir dann nach den koordinaten gefunden. Der anker griff nur halbfest, aber hielt bis zum morgen durch.

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

Tag 12: dreißig liter verbraucht in zehn stunden. Wieder alles direkt und davon in summe zwei stunden mit segel. Insgesamt neununddreißig seemeilen bis vorm abkürzungskanal. Die motordrehzahlen werden im weiteren verlauf erhöht werden.
Das wetter reichte von regen bis starkregen, sonne mit und ohne wind. Die landschaft ändert sich ein wenig, mal neue felsarten im programm.
Einen wichtigen splint vom vorstag habe ich am abend getauscht, der alte war abgeschert. Ich ärgere mich über zu wenig bordabflüsse an deck, aber das hat auch sein gutes. Vieles, das auf deck fällt, wird bis zur plicht gespült und kann eingelesen werden, wie der kopf des splintes.
Die bahia Millicent ist gegenüber der einfahrt zum kanal. In der nebenbucht war der nachtankerplatz, tief – aber der anker hielt zwischen den vielen quallen.

Tag 13: um halb vier sind wir aufgestanden und um vier ging der anker bei stockfinsterer nieselnacht hoch. Keine sicht und langsam aus der bucht heraus. Einer am ausschau vorn, radar an, echolot und der alter track von gestern haben geholfen.
Um sechs uhr mussten wir im kanal Acwalisnan hinter der ersten engstelle zum hochwasser sein.
Dort lief das wasser aber schon ab. Mit vollgas bei zwei knoten durch das entgegenkommende wasser. Der autopilot steuerte durch die wasserwirbel und wir kamen auf einem unterwasserfelsen mit großem rums zum stehen. Dann im rückwärtsgang wieder herunter gerutscht und zwei weitere unterwassersteine gerammt. Dumm, wenn man gedacht hat, dass man noch nicht an der gefahrenstelle ist. Wer die karte richtig studiert hat, kommt hier ohne schrammen dadurch.

tag13 aufgelaufen

 

Sieben stunden und achtundzwanzig meilen bei neunzehn liter sprit später fiel der anker wieder, in der bahia Wood, auf der nordseite der Magelanstrasse. Diese ist hier fast acht meilen breit und dafür ging auch das segel mal wieder raus. Westwind mit kappeliger welle, ein vorgeschmack für die nächsten hundert meilen in richtung westen.
Diese nicht ausdrücklich erlaubte abkürzung in der zarpe hat uns achtzig meilen gespart, dazu zeit und kostbaren treibstoff.

Tag 14: Die nacht in der bahia Wood war gut und am morgen drehte der wind. Er war warm und versprach rückenwind für uns. So sind wir gegen das ablaufende wasser losgefahren. Der steile und riesige berg hat die bucht vom westwind abgeschirmt. In der Magelanstrasse ging es dann mit rückenwind in westrichtung.
Die pläne für den tag waren vielversprechend, wenn da nicht der kräftige druckabfall auf dem barometer gewesen wäre. Nach zehn minuten hörte der wind schon wieder auf, drehte um hundertachtzig grad und kam von vorn, wie fast immer. Nur diesmal gab es stellenweise fliegendes wasser, wie eine kleine windhose. Das segel schnell geborgen und dann gab es die volle ladung. von regen, sonne mit allem und scharf. Mit viel motor und segelversuchen sind wir am abend in eine große bucht eingelaufen und haben geankert. Ein weiteres segelboot kam nach uns, eine seltenheit bis jetzt. Die nacht mit heftigen böen.
In acht stunden haben wir dreiundzwanzig liter verbraucht, sind dreiundzwanzig meilen gefahren, obwohl die bucht nur fünfzehn meilen entfernt war. Kein guter tag zum voran kommen.

20180221 berg

 

20180221 berg

 

Tag 15: wir liegen noch immer in der flachen bucht, das barometer ist seit gestern um fünfundzwanzig hektopascal gestiegen. Die folge sind böen bis mitte der sechziger und kräftiger wind bei sonnigem trockenen wetter.
Auch ist eine reiseänderungsentscheidung getroffen worden. Achtzig meilen zurück nach Punta Arenas fahren, damit Martin seinen flieger erreichen kann. Die etappe bis Puerto Natales wäre sehr, sehr eng. Somit werde ich alle rohstoffe wieder auffüllen und einen neuanfang starten.
Die beste möglichkeit, hier im revier voran zu kommen, ist nach Slocum art, immer mit dem richtigen wind. Ich habe ja zeit. Zudem muss das segel wieder repariert werden, der durchgelutschte diesel muss ergänzt werden und die frischen vorräte sind auch aus.
Morgen wird es hoffentlich weiter gehen.

Tag 16: es sollte nach dem sturm gut voran gehen und es ging auch. Es wurde viel gesegelt, kein kreuzen und der motor war ab und zu auch dabei. Fünfzehn liter verbrauch und in neun stunden waren wir vierzig seemeilen weiter. Der wind war sehr abwechslungsreich, aus jeder richtung kam er am tag und dabei nicht besonders stark. Eigentlich ein guter tag, um in richtung pazifik zu kommen, aber es geht ja in die andere richtung.
Die bucht Bouchage ist sehr angenehm, der anker hält gut und ringsum sind bäume.

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

Tag 17: wir sind ein kleines stück weiter gekommen. Die angepeilte bucht war ein kleiner fischerreihafen, also habe wir die nächste genommen. Letzte möglichkeit, vor Punta Arenas zu ankern. Das klappte auch erst beim dritten versuch in der nordostecke, denn sonst war es zu tief und felsig. Für die siebzehn meilen haben wir sieben stunden gebraucht und dreizehn liter gingen auf das konto von mr Perkins.

Tag 18: Das letzte stück zum ziel wurde nur mit dem motor gefahren. Der wind war gut, nur genau von vorn. Die küste zeigte deutlich mehr änderungen der zivilisation oder von dem, was wir so nennen. Nach sieben stunden und siebenundzwanzig meilen fiel der anker in der nähe der hafenmole. Dann das schlauchboot vorbereiten, den außenborder montieren und ins wasser bringen. Nach über einem jahr pause sprang der motor sofort an, überraschung.
Armada, tourist information und supermarktbesuch in der nächsten stunde erledigt. Das ist das ende der reise zu zweit.

Meine reise geht in den nächsten tagen weiter, nachdem ich vielleicht einen segelmacher gefunden habe, diesel gebunkert und den wassertank wieder aufgefüllt habe. Der proviant muss ergänzt werden und dann folgt Patagonien im selbstversuch.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, schiff | Kommentare deaktiviert