Rapa Nui here we come

Die vorbereitungen für den nächsten großen schlag liefen sehr zufriedenstellend oder sogar gut. Nach zwei tagen hatte ich die elektronik wieder am laufen, auch die logge hatte ich gezogen und gesäubert. Windanzeige, kreiselkompass und autopilot funktionieren wieder, ein wunder der technik. Ich hatte in der konfiguration noch etwas geändert und ein paar stecker vertauscht, danach lief es. Warum es vorher auch lief und dann nicht mehr, ist ein rätsel, oder es war die korrosion von salzkristallen im kompassstecker. Nur mein generator will nicht mehr anspringen, ich befürchte, es könnte der kolbentot sein.

Morgens um zehn habe ich die armada gerufen, keine antwort und als ich langsam aus der bucht gefahren bin, quatscht mich die alte auf spanisch zu. Die bitte, englisch zu sprechen, hat sie völlig ignoriert, bis der hafenkapitän ans mikro kam. Gute reise und adios.
Die ersten stunden bin ich mit motorunterstützung vorangekommen. Das war gut so, konnte ich doch einige liter wasser produzieren. Gegen mittag kam pünktlich der wind und es ging in richtung des ziels los.

20180522 an der mooring

 

20180522 geschuetz der dresden

 

20180523 hafenbucht

 

20180523 robinsoninsel

 

20180524 robinsoninsel

 

In der nacht nahm der wind wie vorhergesagt zu, alles im planbereich. Nach einem tag bin ich schon hundert meilen von der robinson insel entfernt und schippere südlich der Alejandro Selkirk insel. Ein paar stunden früher als geplant hat der wind komplett gedreht und es geht fast direkt zur Osterinsel.

20180525 alejandro selkirk insel

 

Das war gestern ziemlich blöd, um es mal positiv klingen zu lassen. Zuerst kachelte es, und als ich bei der insel war, war der wind dann sehr plötzlich weg. Die entfernung zur insel war nur vier meilen und der ankommende hauch trieb mich zu ihr. Ein paar stunden lief der motor, um distanz zu gewinnen und nach dem sonnenuntergang kam dann glücklicherweise ein segelwind. So ging es durch die nacht, langsam, aber in die richtige richtung.
Heute am dritten tag auf dem meer gibt es zwar diese tolle riesige dünung, aber wieder keinen wind. Am horizont ist noch die letzte insel auszumachen. Es sind noch eintausendvierhundertneunzig seemeilen bis zum ziel.

Gestern war das sonnendeck wieder geöffnet und kein wind bis zum abend hin. Mehrfach habe ich mal das segel ausgerollt, aber das war eine täuschung. Abends ging dann nur ein kurs nach nordost, der langsam nördlicher wurde. Die drehung nach westen blieb leider aus und so war ich am morgen über fünfzehnhundert meilen zum ziel entfernt. Dann bin ich mal auf den gegenkurs gegangen und muss die meilen wieder gut machen. Dieser kurs ist leider aber nur südwest. Die windanzeige ist auch wieder ausgefallen, und somit schätze ich den wind, um rechtzeitig zu reffen. Irgendwo ist der sturm und er wird kommen.

Heute ist der tag fünf auf see und der frust ist auch da. Seit eineinhalb tagen bin ich dem ziel nicht näher gekommen, habe aber über hundert meilen gesegelt. Der sturm ist auch schon hier, heftiger regen und kräftiger wind aus west. Mit einer kleinen genua ist da nicht viel gegenan zu machen. Dann ist noch ein kleines problem existent in achtzig meilen entfernung und das heißt Yosemite Rock. Ringsum auf dem zweiunddreißigsten breitengrad ist es dreieinhalb kilometer tief und nur dieser felsen steht dort. Den habe ich zufällig bei einer übervergrößerung entdeckt. Ein besuch sollte nicht stattfinden.

Der sechste tag fängt gut an und der gestrige war letztlich auch nicht so schlecht, wie er startete. Der wind nahm etwas ab und dann stimmte auch die richtung, so ungefähr. Am ende waren es fast achtzig meilen und noch vierzehnhundertdreißig bis zum ziel. Den felsen habe ich nun so gut wie nördlich umrundet und dazu gibt es auch sonne.

Gute laune am tag sieben, wind von achtern und sonne. Leider ist der südpazifik nicht so warm und der wind weht ins cockpit, aber erträglich. Die windrichtung ist ok, er kommt aus osten und bringt mich in den westen. Dafür muss bei den wellen der autopilot ran, die windsteueranlage hat sich letzte nacht ausgekuppelt. Bei jetzt über fünf knoten ist da auch kein einkuppeln möglich. Was mich allerdings stört, ist dass der motor bald wieder mitlaufen muss.
Mein erfolg beim angeln ist nicht sehr gut, eher null seit tagen und der letzte apfel ging auch gerade durch die kauleiste. Somit wird der speiseplan langsam karger.
In den letzten vierundzwanzig stunden ist das schiff seit langem mal wieder über hundertzehn meilen gesegelt, neunzig netto in die richtige richtung. Noch dreizehnhundertdreißig.

Der siebente tag auf see war sehr erfreulich. Seit meiner atlantiküberquerung hatte ich kein so gutes etmal von einhundertfünfundzwanzig und das in die gute richtung. Der wind hatte in der nacht ein wenig gedreht und heute morgen habe ich die segel geschiftet. Jetzt geht der kurs so direkt wie möglich. Noch zwölfhundertzwanzig meilen.
Ein paar abgänge sind in dieser schaukelei auch zu verzeichnen. Meine große keramikschüssel liegt jetzt in teilen auf dem meeresgrund oder ist auf dem weg in drei kilometer tiefe. Der magnetschalter hat gestern wieder einmal den dienst quittiert und jetzt stoppe ich die maschine wieder mit dem seil.
Mein anglerglück war gestern ein wenig vorhanden, reste von einem tintenfisch hatte sich in dem fiesen haken verfangen. Genau das richtige als köder und es hat funktioniert. Einer hat zugebissen und ist nun mit dem köder unterwegs, die leine ist gerissen. Vielleicht geht es heute besser.

Hier kommt jetzt die wochenzusammenfassung: Zuerst ging es nach südwest und dann um die Alejandro insel, dort bin ich im schwachen wind hängen geblieben. Dann kam westlicher wind und es ging nach norden mit einem ostanteil. Die nächsten tage konnte ich nach nordwesten fahren und habe den kleinen felsen Yosemite umrundet. Danach wurde die westrichtung deutlicher.
Die drei blauen linien sind die optimale route. Von oben nach unten, marquesas direkt, osterinsel und gambier inseln. Letztere werde ich wahrscheinlich nicht ansteuern. Den felsen musste ich mit einer markierung versehen, er ist zu klein. Es wird sehr langsam wärmer, zurzeit bin ich zwischen dem vierunddreißigsten und zweiunddreißigsten südlichen breitengrad. Am ende der woche habe ich den sechsundachtzigsten westlichen längengrad passiert.

woche1

 

Seit drei tagen ist der wind optimal, ich weiß nicht mehr, wann es das letzte mal der fall war. Es muss in den heranrollenden wellen und dem achterlichen wind zwar der autopilot arbeiten, aber das ergebnis sind über dreihundertzwanzig gute meilen. Davon brauche ich nur noch elfhundert bis zum etappenziel.
Gestern hat schon wieder jemand angebissen und ein kleines teil am köder gelassen. Deshalb geht die angel nur noch am tage ins wasser, wenn ich die chance auf bergung eines willigen fisches habe. Es passiert sonst nicht sehr viel, nur die windanzeige arbeitet wieder mal mit. Somit kann ich unter deck die windrichtung erkennen und den autopiloten auch von unten korrigieren, sehr hilfreich. Der nächste felsen ist auch schon so gut wie passiert, es läuft fast zu gut.

Heute ist der zehnte tag und der wind ist seit über drei tagen kontinuierlich aus nordost. So etwas habe ich hier noch nicht erlebt, die ersten reisen waren doch sehr abwechslungsreich und beschwerlich. Gestern hat es mich eine stunde gekostet, die windsteueranlage mit der genua, dem groß und dem hauptruder zu koordinieren. Aber was ist schon zeit. Am ende lief das schiff auf einem raumschot bis achterlichen kurs. Der autopilot hat nach zweieinhalb tagen dauerbetrieb mal wieder pause, auch gut für die energiebilanz. Auch gestern habe ich hundertdreißig meilen gesegelt, nicht schlecht für den eimer. Dieser wir auch zunehmend leichter, gestern ging eine angeschlagene müslischale entzwei und ist jetzt ein archäologisches fundstück im südpazifik. Auch ist mein zweiter tintenfischköder mit einem opfer unterwegs. Heute wird ein neuer angelversuch gestartet. Nur noch neunhundertneunzig meilen.

Es kann ja nicht immer so gut weiter gehen, heute mit abstrichen. Es fing nachts an, dass der wind aussetzte. Dadurch verlor das schiff total an fahrt, eine welle, ein hauch und die halse war durch. Das ganze im schneckentempo, so dass die windsteueranlage auch nicht auskuppelte. Das ganze passierte dreimal, das letzte mal beim sonnenaufgang um halbneun oder zwölfuhrdreißig utc. Danach habe ich den schlaf noch einmal nachgeholt und der tag fing um zwölf an.
Der wind ist wieder da, aus der gleichen richtung und es ist warm. Das hängt vielleicht auch mit der sonne zusammen oder er kommt vom weit entfernten warmen zonen. Alles andere ist ruhig an bord, kein bruch und der köder ist auch noch da. Somit auch kein fisch an der angel.
Ich habe gestern fast hundert meilen gemacht und dennoch sind es knapp neunhundert noch.

Der zwölfte tag ist angebrochen, wieder mit einem dreher in der nacht, nur einem. Aber es zeichnete sich das ende der schönen rauschefahrt mit sechs knoten schon seit gestern ab. Das wetter ist noch immer freundlich und sonnig trocken, leider geht es nur mit um drei knoten weiter. Dazu hat der wind ein wenig auf west gedreht, so geht es noch hoch am wind in richtung der osterinsel. Ein weiteres ergebnis sind die nur siebzig meilen für den gestrigen tag.
Die stimmung an bord ist erstaunlicherweise gut, kein streit und zank. Kein weiterer bruch, aber auch noch immer kein fisch, wäre aber schön. Achthundertdreißig seemeilen bis Rapa‑Nui.

An dieser entfernung hat sich nach siebzig meilen auch nichts verändert. Der tag gestern war kein erfolg, der wind drehte gegen mittag und ich hatte mal wieder eine entscheidung zu treffen. Entweder südsüdwest oder nordnordost, das zweite wurde dann mein wahl. Der wind war aber sehr schwach, so ging es auch in die nacht hinein. Ich hoffte, dass diese ganz lange dünung neuen frischen wind bringen würde, dem war nicht so. Am morgen dann wieder in die gegenrichtung, fast west, jedoch segelt das schiff nur, weil es hier verhältnisse wie am bodensee sind, aber mit langer dünung. Zur stromergänzung läuft gerade mal wieder der motor und es geht mit drei knoten voran.

20180605 plattes meer

 

20180605 plattes meer

 

Gestern war der dreizehnte tag auf see, hätte mir doch gleich auffallen sollen. Die bilder zeigen eine noch aufgewühlte see, was danach kam, war nur noch platter ententeich. Segel runter, lange hose runter und das erste mal seit Uruguay bin ich barfuß auf dem deck gelaufen. Die temperatur im schiff war das erste mal seit einer sehr langen zeit über fünfzehn grad. Das sonnendeck im t-shirt genießen hat auch etwas. Bloß das schiff machte nur zwanzig knoten und konnte die entfernung zum ziel halten.
Wenn man so im ozean treibt, dann kann man auch den kleinen plastikmüll erkennen. Seil- und netzreste, kleine scheiben und bruchstücke, ich glaube, er wird zusehends mehr. Ich nähere mich dem südpazifischen wirbel, in dem sich der dreck sammelt.
Heute morgen nach dem sonnenaufgang meldete sich der wind wieder zur stelle. Die segel können gerade stehen und es geht mit atemberaubenden fast drei knoten voran und in die richtige richtung. Hinter mir ziehen sich die wolken zu, vor mir und zur rechten seite sehe ich am horizont einen blauen himmel. Das hoch, in dem ich seit ein paar tagen war, zieht weiter, und es sind noch über achthundert meilen bis zur osterinsel.

Die zweite woche ist zu ende und gestern abend hörte auch der wind wieder auf zu wehen. Das hoch hat mich wieder eingeholt, nur dass der himmel durchgehend bewölkt ist. Die woche fing so gut an und nach drei schnellen tagen hörte die serie auf. Gestern waren es noch nicht einmal vierzig meilen. Auf dem bild sieht man auch die sehr nahe beieinander liegenden tage. Aber kein wind ist immer noch besser als totaler hack. Noch siebenhundertneunzig meilen bis zum eiland.

woche2

 

Gegen mittag kam dann eine idee von wind und es sah aus, als ob das ziel näher rückt. Der kurs war am anfang gut bis sehr gut, leider drehte der wind ins schlechtere. Immerhin war noch ein kurs von zweihundertundfünfzig möglich, also nur dreißig weniger als optimal. Und wie es so kommen musste, am ende der nacht war nur noch ein südsüdwest kurs machbar. Mit dem sonnenaufgang geht es jetzt in die gegenrichtung, dreihundertvierzig, nun denn. Vielleicht dreht der wind ja noch weiter.
Mein angelerfolg war nur sehr klein, oder lang. Ein tintenfisch hat einen dreißig zentimeter langen arm am haken verloren, gieriges tierchen. Nur ich kann damit auch nichts anfangen. Gestern waren es fünfzig meilen und es sind noch siebenhundertdreißig. Einen lichtblick gibt es heute noch, ein brot wandert in den ofen.

20180608 fertiges brot

 

Wenn man ans reffen denkt, so sollte man es auch gleich machen. Habe ich gestern getan und das war auch gut so. Es ging etwas schwer zu kurbeln, doch dann gab die zweite reffleine nach und ende. Die leine hatte den block gespreizt und ist dann daraus gezogen worden. Jetzt wusste ich auch, zu welcher rolle die kleine m5 mutter gehörte, die ich am morgen gefunden hatte. Also musste das dritte reff ins groß, die genua auch verkleinert und das wetter konnte kommen. Da, wo ich hin wollte, und zu meiner rechten seite schien die sonne. Nur zu meiner linken seite und hinter mir nicht, da braute sich was zusammen. Zum anfang wollte ich noch schnell davonsegeln, aber das ist auch eine illusion. Am ende waren es dreißig plus knoten wind mit regen, überall. Somit war auch kein guter kurs zu fahren und der wind drehte immer mehr nach süd. Am ende der nacht war es schon ein südost.
Immerhin bin ich fast hundert meilen gesegelt und das erste mal südlicher als die geplante route. Jetzt läuft der autopilot, damit wenigstens ein westkurs machbar ist. Bei den riesigen wellen ist die windsteueranlage überfordert und ich habe die rolle noch nicht repariert. Noch sind es sechshundertvierzig meilen bis zur insel.
Bei der nächsten flaute muss ich auch meine sprayhood nähen. Zwei längere stücke lassen durchblicken und das muss nicht sein. Außerdem habe ich ein loch im groß gefunden und der karabinerhaken vom bullenstander schließt nicht mehr. Ein griff ins konvolut und es wird wieder gut. Wenn es bruch gibt, dann sammelt es sich.

Heute ist der achtzehnte tag und mit dem wind gestern abend war ich nicht zufrieden. Segeln ging nicht recht und so habe ich fast alles eingerollt. Es ging nicht schnell durch die nacht, aber auf dem richtigen weg. Heute morgen sah alles wieder besser aus, immer noch achterlicher wind, weniger wellen und das ganze jetzt von steuerbord. Na also. Nur noch fünfhundertachtzig meilen.

Der neunzehnte tag kommt mit sonnenschein an dem mittag. Es wird auch langsam wieder wärmer. Das thermometer zeigte die letzten beiden tage nur zehn grad, dabei hatte ich mich gerade an die muckeligen dreizehn und heißen vierzehn grad gewöhnt. Das barometer ist irgendwie konstant um die tausendfünfundzwanzig. Es sieht oft nicht nach einem hoch aus, gestern war es sehr grau, aber es ist wohl eins. Es geht heute, wie auch gestern kontinuierlich flott voran, noch vierhundertneunzig seemeilen.

Drei stunden später sieht es noch fast genau so aus. Der fischfang erweist sich als sehr schwierig, der angelhaken ist unterwegs und der köderfisch noch an der leine. Heute also kein fisch, sondern das curry von vorgestern, in dem die letzte möhre verarbeitet wurde. Das war auch das ende der frischware, außer kartoffeln, zwiebeln und fünf zitronen. Ich hoffe, das angebot auf Rapa-Nui ist ausreichend.
Dazu kommt noch der ausfall der windsteueranlage, diesmal ist der gewindeaufsatz der schubstange gebrochen. Mal etwas neues, reparabel, nur nicht bei dreißig knoten wind. Was für mich neu ist, ich bin gelassen. Der wind dreht leicht immer weiter und bald kann das schiff allein hoch am wind in richtung der insel segel, alles im gelben bereich.

Der laute kurze knall gestern ließ einiges an adrenalin frei. Draußen habe ich alle wanten befummelt, die bolzen durch gesehen und alles ok. Der sound war nur sehr kurz und konnte keine welle sein. Das curry war leider mit einem leichten flaum belegt, den ich auch ohne brille sehen konnte. Das zeug ging über bord und dabei entdeckte ich den abgerissenen zwölfer bolzen der umlenkrolle, chinaqualität.
Der zwanzigste tag bringt nichts neues, immer noch ein nicht guter direktkurs. Es fehlen vierzig grad und ich fahre nach südwest. Für den gegenkurs ist zu wenig wind, also abwarten. Noch sind es vierhundertfünfzehn meilen, und der rest wird anstrengend werden.

20180612 abgerissener bolzen

 

Ein ruhiger zwanzigster tag mit keinen weiteren ausfällen. Es wird wieder wärmer und das barometer bleibt konstant. Nur der wind wollte nicht aus einer guten richtung wehen. Gesegelt habe ich fast hundert meilen, selten war ein bisschen nord im west. Damit komme ich zwar nach westen, jedoch wird der winkel zur insel immer größer. Die hoffnung liegt auf einer winddrehung. Heute morgen am einundzwanzigsten tag geht etwas, aber ich brauche schon wieder vierzig grad mehr nord, so ist das halt. Noch dreihundertsechzig meilen, auf der passatstrecke über den nordatlantik zur karibik wären das drei tage.

Heute ist der zweiundzwanzigste tag auf see, die stimmung ist noch immer gut, sowie auch das wetter. Der wind hat heute morgen an stärke ein brikett drauf gelegt, kurz vorm ersten reffen. Leider weht der wind seit fast einer woche aus derselben richtung und ich komme nur nach westen. Die magische grenze scheint der dreißigste breitengrad zu sein, da komme ich nicht drüber hinweg.
Ansonsten war das eine erfreuliche woche, ich habe zehn längengrade gesegelt, oder fünfhundert meilen. Der bruch am material ist dann eher unerfreulich, aber reparabel. Es sind noch zweihundertneunzig seemeilen bis Rapa-Nui, dafür müsste ich aber schon einen sauberen nordwest kurs fahren. Jedoch ist nur ein westlicher machbar.
Letzte nacht bin ich schon auf risiko ungerefft in die nacht hineingefahren, das mache ich eigentlich nicht mehr. Es ging gut, so konnte ich die höhe wenigstens halten.

woche3

 

So langsam werde ich unruhig, am dreiundzwanzigsten tag. Seit gestern habe ich schon wieder hundert meilen segegelt, aber es sind noch immer zweihundertundfünfzig. Morgen muss ich scharf rechts abbiegen, dann liegt die insel direkt im norden. In der letzten nacht bin ich wieder unter dem einunddreißigsten breitengrad gekommen. Mit gerefften segeln ging nicht mehr höhe und in der nacht wurde ich zweimal geweckt. Radaralarm und fette gewitterwolken.
Das highlight gestern waren zwei treibende bewachsene ankerbojen, vorgestern war es nur eine. Somit müsste ich heute drei oder vier sehen, wenn ein system dahintersteckt. Die sonne scheint bei angenehmer temperatur und um fünfundzwanzig knoten wind. Eigentlich ideal, wenn die richtung stimmen würde.

Das mit den ankerbojen war nichts, keine regelmäßigkeit oder, um es klar zu sagen, anzahl null. Dafür zog der himmel überall zu und es fing an zu regnen. Am späten nachmittag kam dann noch einmal ein richtig dunkle wolke mit wind. Danach war mein kurs nicht mehr west, sondern südost. Nach einer halse ging es dann direkt richtung insel. Der wind kam von achtern und somit musste leider der autopilot das schiff steuern. Die wellen kamen aus drei verschiedenen richtungen und die schaukelei ist hart zu ertragen. Das ganze hielt sich nicht so gut und zur nacht hin musste es nur mit den segeln gehen. West mit nordanteil war gut möglich, aber auf den anderen bug als die woche zuvor. Jetzt am vierundzwanzigsten tag habe ich noch einmal die segel geschiftet und fahre nach norden, die insel liegt zweihundert meilen voraus.

Der fünfundzwanzigste tag hat schon einiges zu bieten. Zuerst ging gestern der letzte joghurt mit dem letzten müsli zusammen in meinen magen. Eine punktlandung in der kombination und ab jetzt gehen nur noch haferflocken. Heute wird der letzte teil vom kohl verarbeitet und dann ist es aus mit frisch, außer kartoffeln und zwiebeln wie gesagt.
Gestern hat uns der wind auch über hundert meilen weiter zur insel gebracht. Dafür musste der motor zweimal strom produzieren, der generator läuft ja immer noch nicht. Auch ist es vollbracht, über den dreißigsten breitengrad und einen mehr zu kommen. Der wind ist stabil von achtern, was die nacht nicht ruhig macht. Die autopilotpumpe läuft, und alle paar minuten kommt eine wellenkombination, die die genua schlagen lässt. Danach ist wieder ruhe für ein paar augenblicke. Zum eiland sind es nur noch fünfundneunzig und das ist super.

Für die letzten fast hundert meilen habe ich hundertsechzig benötigt. War aber kein problem, mit dem dritten reff waren noch immer fünf knoten drin. Und ich war fast noch zu früh da. Die anfahrt hatte es auch in sich, fünfunddreißig knoten plus. Dazu kamen riesige brechende wellen, da der meeresboden von drei kilometer auf hundert meter erhöht. Und dann musste es ausgerechnet jetzt passieren, gang eingelegt und keine wirkung. Nach unten gelaufen, gang rein und eine klammer ist mir entgegengeflogen. Mist verdreckter. Dann den motorraum geöffnet und per hand den gang eingelegt. Es ging, zum glück war die schiffsschraube noch an ort und stelle. Zwischendrin noch ein kurzer plausch mit der armada und in der nähe des ankerfeldes geankert. Die ganze kette ist draußen, hoffentlich bekomme ich sie wieder rauf.

20180618 rapa-nui

 

20180618 rapa-nui wellen

 

20180618 sonnenaufgang rapa-nui

 

Bleibt noch die zusammenfassung der letzten woche. Es ging immer nur nach westen und dann noch pünktlich zum abbiegen gab es eine kräftige winddrehung. Die brachte mich dann auch die restlichen drei tage zur insel und nach sechsundzwanzig tagen fiel morgens um elf der anker. Für die eintausendsechshundertdreißig meilen habe ich zweitausendeinhundertundsechzig gebraucht, eigentlich nicht schlecht. Das zeitlimit habe ich gut eingehalten.

woche4

 

Jetzt ist zuerst die reparaturliste dran, bei dem wellengang komme ich eh nicht an land. Und dann geht es weiter, die Marquesas rufen.

.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, Route | Hinterlasse einen Kommentar

Robinsons Insel

Die teile der rollgenua passten nicht richtig. Ich bekam nur fünfundzwanzig kugeln jeweils in die drei reihen hinein. Es sollte aber eine mehr sein, muss auch so gehen. Bei der montage gab es dann die nächste enttäuschung, die distanzstücke passten nicht. Und diese lösung ist rigger bedingt. In Spanien hat der rigger nicht die richtigen dimensionen der quetschverbindungen benutzt und die unteren plastikstücke um den kopf verkürzt. Dadurch sind sie auch schon mal auf dem deck gelandet. Also wurden die neuen auch geköpft bzw. einer davon, um meine selbst gebauten zusätzlich einzusetzen, passt.
Ich hätte mein rigg mal vor der order inspizieren sollen. Jetzt ist es zu spät, die beiden oberen distanzstücke am mastkopf sind flöten gegangen. Diese wurden nicht ordnungsgemäß mit loctite verschraubungen versehen und ich hatte sie nur vorsichtshalber mit tape gesichert.
Wie das leben so spielt fand ich eine hälfte der stücke auf dem lochblech meines steges. Die teile sind nicht schwimmfähig, sehr großes glück. Das zweite teil ist das neue distanzstück von unten, geht so mit kabelbinder und mehr tape. Somit ist das rigg fertig, jedenfalls brauchbar.

Vieles habe ich in der zeit hier in Puerto Montt nicht zum laufen bekommen, es muss so gehen. Am morgen habe ich noch die genua angeschlagen, natürlich zur falschen seite. Also die genuaschot noch einmal anders herum und beim nächsten ausrollen sollte es richtig sein.
Die marina hat schon ihr geld erhalten und ich will am So hier weg. Es fehlt nur noch die zarpe der armada. Diesmal stellten sie sich ein bisschen an, sie sind die größten und ich sollte zunächst noch einmal die leuchtfeuersteuer bezahlen. Aber ich hatte die in landvariante gewählt und nicht die jahresgebühr abgedrückt. Nach einer halben stunde war das dann auch überlebt und ich bin formal wieder frei.

Es fehlte nur noch der frische einkauf bei einem gemüsegroßhändler. Danach zurück zum schiff und die krummen beine vom schleppen regenerieren. Der zweite aufbruch ging durch die stadt, wieder einen neuen kurzhaarschneider kaufen und weiter zum supermarkt. Ich bin bei mcdoof vorbeigekommen und an den fritten- und hühnerläden. Es zog mich nicht direkt hinein, hatte jedoch trotzdem eine auswirkung. Am abend gab es dann gegrilltes huhn, bei mir ohne fritten, aus dem supermarkt. Somit vollverpflegt und das geld für den schlechten segelmacher noch an der cashmaschine gekauft.
Den beiden von der Ledda wollte ich meine letzten pesos überlassen, für sprit, hilfe oder die duschpumpe, aber sie wollten es nicht annehmen. Danke dafür, denn ich könnte es vielleicht noch auf der nächsten insel gebrauchen, hoffentlich.
Das schiff ist soweit seetüchtig und morgen geht es los, Sonntag ist ein guter tag.

Es war windstill im hafen, alles soweit fertig, die armada antwortet über funk nicht, so what. Motorstarten und er springt wieder einmal nicht an. Also wieder an den magnetschalter heran, noch eine weitere dichtung eingefügt und die kiste läuft. Vorsichtshalber noch einmal starten und es funktioniert.
Leinen los und auch die schwarze. War einfach, noch einmal winken und raus aus dem kühlen tal. Der himmel fing an leicht zu weinen, das hörte aber auch gleich wieder auf.

20180506 abfahrt

 

In der ersten bucht konnte ich noch die unterstützungsgenua rausziehen, alles war super. Nach drei meilen hörte der wind vollständig auf, also nur mit dem motor weiter. Wenn da nicht der extreme dieselgeruch wäre. Einen blick auf die einspritzpumpe und diese siffte erheblichst. Ich hatte den magnetschalter nicht richtig fest angezogen, nur halb. Dann zur mitte dieser bucht, motor aus und zum zweiten mal das ganze reparieren. Inzwischen kann ich es auch blind. Nach zehn minuten war es vollbracht, kein getropfe mehr und der motor ist startwillig. Um die fünf liter diesel sind in der bilge gelandet, sehr schade.
Je weiter ich mich von Puerto Montt entfernte, desto besser wurde das wetter. Nach zwanzig seemeilen habe ich nördlich von Calbuco geankert und mich auf mein sonnendeck gesetzt. Dann noch versucht, den tropfdiesel von der motorwanne aufzusaugen, und feieranbend.

Am Montag morgen dann zum sonnenaufgang hoch, kaffee kochen, und während er zieht, anker auf. Die sonne blieb leider nur zehn minuten, aber es war trocken von oben. Die armada antwortete wieder nicht, macht nichts. Mein ziel war in zwölf meilen entfernung und ich erreichte Puerto Abtao in drei stunden, pünktlich zum niedrigwasser. Von hier aus geht es morgen durch den canal Chacao wieder in den Pazifik. Nur muss ich diese enge möglichst schon eine stunde vor hochwasser erreicht haben, dann zieht einen der strom hinaus. Wenn es schlecht kommt, gehen hier acht knoten strömung durch, also morgen mit dem wecker aufstehen.
Auf der fahrt hierher ist mir die steigende anzahl von pelikanen aufgefallen. Vor einem monat habe ich mal einen gesehen, jetzt sind es schon mehrere dutzende. Die jahreszeiten ändern sich.

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

20180507 puerto abtao

 

Die schönsten pläne funktionieren nicht, wenn das wetter nicht mitspielt. Ich bin mit dem wecker aufgestanden und es war noch dunkel. Aber es wurde auch nicht heller, die sonne kam nicht durch den nebel. Nach dem kaffee habe ich mich wieder für zwei stunden schlafen gelegt. Es wurde leicht besser, aber nicht gut und so kam es zu dem neuen plan.
Direkt am kanaleingang ist die gleichnamige ortschaft Chacao, also bis dorthin. Beinahe wäre ich noch auf grund gelaufen, aber die wellen sahen in einer reihe so anders aus, abdrehen und umfahren.
Etwas wind kam auch auf und das ziel war nah. Der nebel zog noch einmal zu und das radar ging an. Zwischen meiner zielbucht und dem festland habe ich sechs fähren gleichzeitig gezählt, da musste ich durch. Am ende war die bucht nicht so wie gehofft. Die fähren brauchen fast alles an platz und ich habe im westlichen teil geankert. Dann kamen zwei mit dem schlauchboot von dem schlepper, der in der mitte parkte. Ich möge doch den hafenmeister anrufen, was sie dann aber schon getan hatten, danke. Morgen früh geht es von hier aus weiter.

Leider ging es mit zwei stunden verspätung los, da immer noch der nebel in der luft hing. Sichtweite unter einem kilometer. Zu viel für eine sichere fahrt, aber dann klarte es doch noch ein wenig auf. Mit über acht knoten bin ich dann richtung meer gefahren, geschafft. Nur draußen gab es auch keinen wind und so lief Mr Perkins weiterhin. Ich will bis zur dunkelheit hinter der schifffahrtsroute sein und weit genug weg vom land. Nach den letzten inselchen habe ich aufs offene meer gesteuert.

20180509 letzte insel

 

20180509 letzte insel

 

Gestern abend habe ich den motor ausgemacht und die segel hochgezogen. Der kurs zu dem archipel, der Robinson Insel, war drei drei drei. Es ging langsam, aber voran. Leider war kaum in die nordwestliche richtung zu fahren, nur nach westen. Und das bisschen, das ich nach norden gekommen bin, wird gerade wieder aufgebraucht. Seit ein paar stunden fahre ich im ersten reff und es geht nach westen mit südanteil. Dafür sehr flott und morgen soll der wind auch schon wieder abgestellt werden. Somit habe ich am ersten tag über hundert meilen geschafft, die hälfte davon allerdings mit motor.

Der Do war ein guter segeltag, viel west, zum abend hin ging es mir allerdings zu weit nach süd. Also den gegenkurs angelegt und es ging zuerst nach nord ost und danach nach nord. Was will ich mehr. Vielleicht wird es durch die nacht hindurch gehen und ich nicht um mitternacht durch flappende segel geweckt. In der dunkelheit das groß zu bergen ist nicht schön, geht aber.
Seit den morgenstunden habe ich auch einen neuen mitsegler, der allerdings dahin scheißt, wo es ihm gefällt. Toastbrot, kräcker, banane und etwas apfel schmecken ihm, salat nicht. Mal sehen, wann er wieder das weite sucht.
Der wind ist heute am elften mai nicht sehr kräftig und sehr achterlich. Mit dem autopiloten kann ich aber genau zum ziel steuern, auch nicht schlecht. Die windsteueranlage kann noch nicht so gut arbeiten, da ist noch einmal eine inspektion fällig.

20180511 neuer gast

 

20180511 neuer gast

 

Am abend habe ich es zufällig hinbekommen, dass das schiff auch bei achterlichem wind selbst steuert. Eine erleichterung, wenn der wind schwach und die wellen nicht hoch sind. Das liegt aber auch daran, dass das groß im zweiten reff ist. Zuviel wind oder zu wenig wind kosten material. Heute war es zu wenig, das segel schlug ein paar mal und zwei rutscher waren gebrochen. Zum glück nicht die kauschen, denn die sind schon verstärkt.

Und da wären wir auch schon beim ersten nervthema, segelmacher. Auf einer reise ist man ihnen ausgeliefert, sie arbeiten schlecht, wollen viel geld und die kundschaft segelt eh weiter.
Ich hatte bisher vier reparatursegelmacher und der erste in Mindelo war im preis und leistung der beste. Innerhalb von einem tag repariert, geholt und gebracht.
Der zweite war gut und teurer, konnte was er sollte und lieferte pünktlich. Ein hängen gebliebener deutscher in Brasilien.
Der dritte in Uruguay kam nicht, wollte nicht. Somit folgte nach langer suche der dritte in Argentinien. Hat repariert, nicht so, wie ich es wollte, war aber ok. Der preis war hoch und es gab einen lieferservice.
Nummer vier hier in Chile war ein richtiger reinfall. Er hat vier stellen nicht repariert, eine klemme im segel vergessen, keine rutscher organisiert, nur einen halben holservice und wollte dafür noch viel geld. Dabei hatte ich sogar eine zeichnung angefertigt, was er zu reparieren hat. Auch nach herunterhandeln des preises war es für die arbeit deutlich zu viel. Konnte ich aber erst sehen, nachdem ich das segel wieder angeschlagen hatte. Also finger weg von Puerto Montt und diesem segelmacher.
Im nachhinein hätte ich eine gebrauchte segelmachernähmaschine kaufen sollen, keine Pfaff. Das hätte sich schon lange amortisiert und es wäre durch meine arbeit genauso schlecht oder besser gewesen als die zu teuren wegelagerer. Ärger ende.

In der nacht zum Sa habe ich dann die roaring fourties verlassen, wurde aber auch zeit. Und jetzt, da es nicht mehr so sehr wichtig ist, funktioniert auch endlich die wetterinfobox. Ich werde mit navtext meldungen zugeschüttet, auch gibt es eine kleine wettervorhersage.
Gestern habe ich noch den selbständigen achterlichen windkurs gelobt und zehn minuten später ist das schiff aus dem ruder gelaufen. Somit musste dann doch der autopilot ran. Der braucht strom und also muss Mr Perkins häufiger mal gestartet werden, ist aber ok für mich. Der kurs zum ziel ist jetzt drei vier eins und es sind noch dreihundertneunzig meilen. Das läuft wie geschnitten brot und die nächste windverschiebung habe ich auch in den gripfiles, die kommt sehr bald.
Durch meine neuen navtext informationen weiß ich auch, dass morgen nacht die uhren im norden und der mitte von Chile um eine stunde zurückgedreht werden. Der süden bleibt bei seiner zeit.

Die erste woche, seitdem ich die marina verlassen habe, ist vorbei. Heute ist So der dreizehnte und daher sollte ich mich auch wieder hinlegen. Wollte ich auch, aber da stieg eine riesenwelle ins cockpit und das wasser kam durch die geschlossene tür bis auf meinem schlafsack. Schöner mist und der fing gestern abend schon an. Es war schon dunkel, ich wollte mich ein wenig ausruhen und dann war der heftige regen mit wind bis zu fünfzig knoten da. Dauerte auch nicht lange und nach der winddrehung habe ich dann eine halse gefahren, kurs norden.
Wieder unten im schiff, die regengarnitur wieder abgepellt, da geht meine windanzeige nicht mehr. Schöner mist, keine richtung, keine stärke, aber muss jetzt erstmal so weitergehen. In der nacht wurde die genua noch laut, aber am morgen war es doch nicht so schlimm. Die schot hatte sich selbst auf der winsch verklemmt und war ein wenig gefiert worden. Hatte ich sie wohl im dunkeln nicht richtig belegt. Der kurs ist danach wesentlich besser und gerade geht es nach norden mit einen westanteil, was will ich mehr.

woche eins

 

Mein besucher hat sich nicht mehr blicken lassen, vielleicht auch besser so. Der vogel hat mehr hinterlassenschaften abgesondert, als er gefuttert hatte.
Dreihundertsiebzig meilen bin ich schon gefahren, hundert davon in den ersten drei tagen mit motor. Sieht bis jetzt gut aus, wären bei dem kurs von drei vier zwo noch einmal dreihundertdreißig seemeilen bis Juan Fernandes.

Dann sturm. Dieser dauerte sechunddreißig stunden, mit sieben bis acht windstärken und einer falschen welle, dann war er vorrüber. Kochen ging nicht und so verbrachte ich die zeit sitzend in der mittelkabine oder liegend auf der matratze, denn auch das sitzen am navitisch war anstrengend. Am Mo morgen war der wind sehr gut und ich konnte direkt aufs ziel zusegeln.
In dieser nacht ist einiges passiert. Zum einen konnte ich wieder besser schlafen und um mitternacht kam in fünf meilen entfernung ein größeres schiff vorbei, das radar hat es entdeckt. Dann freute ich mich über meinen windgenerator, hat er doch ein wenig, wenn auch unregelmäßig, strom geliefert. Doch dann war plötzlich ruhe in der nacht, windgenerator adé.
Was hätte man denn noch machen sollen, als die zentrale mutter des windgenerators anzuknallen und auch mit loctite zu versehen? Die türkischen modifizierten raubkopien sind absolut schlecht und gefährlich. So ein repellersatz mit aufnahmescheibe verabschiedet sich nicht im stillstand. Deshalb werde ich einen bericht über diesen fehlerhaften artikel erstellen, linkhinweis folgt, schaut unter verschrotten im menu nach.

20180514 wieder repellerlos

 

In der nacht zum Di war dann der ofen bezüglich des windes aus. Null wind und ich habe die segel eingeholt. Am morgen war es nicht besser, aber etwas wind kam schon mal. Mit dem motor zusammen ging es dann weiter in richtung des archipels.
Meine wetterinfobox platzt so langsam an meldungen, pünktlich um mitternacht gibt es auch eine wetterausschau. Diesmal sogar eine warnung für das Juan Fernandes Archipel, ups. Es bezog sich auf fünfunddreißig knoten wind und das für morgen. Danach dreht der wind von nordost über nordwest nach südwest, das ganze in drei tagen. Das passt mir ganz gut, dann müsste ich übermorgen fast dort sein und das wetter ist da durchgezogen.
Ich hatte unterdessen das gleiche problem, das andere segler auf langen strecken haben. Wenn etwas reif wird, dann alles gleichzeitig. Ich habe vergessen, die avocados in den kühlschrank zu packen. Gleichzeitig ist noch mein gekochter schinken offen und die bananen sind auch fällig. Da muss ich mir etwas einfallen lassen.

Heute morgen am sechzehnten mai sieht es so aus, wie beschrieben. Kräftiger wind aus nord und süddrehend. In der nacht bin ich immer weiter in richtung westen gefahren und nach der ersten tasse kaffee gab es dann ein manöver. Regenkleidung wieder an und nach einer kurzen halse war ich auf dem gegenkurs, nordost. Der wind soll im laufe des tages ja nach süd drehen und wird das schiff dann langsam nach nord mitziehen. Wäre schön, wenn diese taktik klappt.
Gestern habe ich versucht, mein datenleck zu finden, und jede steckerverbindung mit waterdisplacementvierzigsterversuch eingesprüht. Bisher kein durchschlagender erfolg, nur gerade gab es mal kurz eine windinfo. Ich baue wieder einmal auf die selbstheilungskräfte der elektronik.
Noch hundertvierzig meilen bis zum ziel.

Die nacht war wieder zum schlafen da, wesentlich besser als die letzte. Das lag wohl auch an dem blumenkohl-kartoffel-auflauf mit einem halben liter sahne, der packung gekochtem schinken und den zweihundert gramm käse zum überbacken. Sollte für zwei tage reichen, aber weg war er. Somit gab es in der nacht auch albträume.
Am siebzehnten mai scheint die sonne, der wind weht aus der richtigen richtung und noch achtzig meilen bis zum ziel. Könnte also morgen etwas mit ankommen sein.
Während ich unten am herd avocadotoast bereite, fährt doch draußen am horizont ein supertanker vorbei, hier weit weg von der küste. Das ist das schon das zweite schiff, das ich gesichtet habe. Und ich habe das erste mal ein problem mit meinem lavac, es kommt kein wasser, und auf die schnelle ist es auch nicht zu beheben. Hoffentlich muss ich nicht ins wasser, das ist im gegensatz zur luft noch sehr kalt.

Die nächste nacht endete eine stunde vor sonnenaufgang, drei fischerboote sind in reichweite gekommen und der watchman gab alarm. Leider bin ich auch ein wenig nach westen abgedriftet, der wind hatte sich gedreht. Nachdem die sonne über dem horizont auftauchte, schlief der wind komplett ein, segelbergung.
Dafür kam land in sicht, mein ziel in fünfunddreißig meilen entfernung. Jetzt treibe ich in die ungefähre richtung. Das wird wohl heute doch noch nichts werden. Ist nicht schlimm, habe es nicht eilig.
Gestern war dann doch noch ein guter tag, super segelwetter, warm mit sonne. Von solchen tagen brauche ich einige zu den Marquesas. Am nachmittag habe ich dann noch meine alte wurstpackung, den finger, in einer shampoolauge gebadet, riecht wieder gut und den nagel habe ich auch noch abgenommen.
Mein lavac geht auch wieder, ich hatte eine dichtung falsch herum im deckel eingesetzt. Dadurch konnte kein vakuum erzeugt werden und kein wasser gezogen, glück gehabt, kein tauchen.

Gestern war ich standhaft, kein wind, keine segel und nur teiben lassen. Ich habe drei meilen an dem tag gemacht. Währenddessen habe ich mal die kaputten rutscher im groß ausgetauscht und kleine wartungsarbeiten erledigt. So ging es auch in die nacht hinein.

20180519 land- in-sicht

 

Am morgen war es nicht gut, aber besser. Es ging ein leichter wind und später konnte ich mit motorunterstützung segeln. Ich hätte auch noch einen tag auf dem meer verbringen können, aber es gab da schon eine spezielle navtextmeldung:

ZCZC DA16

190430 UTC MAY 2018

PUERTO MONTT RADIO/CBP

COASTAL WARNING 0169.

SOUTHEAST PACIFIC OCEAN, CHILE.

PUERTO MONTT – ISLA JUAN FERNANDEZ.

CHART NO 550.

1.-061415 UTC STHEMROCS YACHT

DEPARTED FROM PUERTO MONTT TO ISLA

JUAN FERNANDEZ, ETA 16 MAY,

POSITION AND SITUATION UNKNOWN.

2.-VESSELS IN TRANSIT MAKE CALLS

AND REPORT SIGHTING TO

MRCCVALPARAISODGTM.CL.

NNNN

Wenn man mich schon auf dem schirm hat, sollte ich die armada besser beruhigen, bevor sie ausrücken. Habe ich mich wohl einmal wieder mit der zeit verschätzt. Abgesehen von der flaute gestern und dem nebeltag in Chacao lag ich aber fast richtig. Und viele umwege habe ich auch nicht gemacht. Statt der direkten sechshundertsechzig sind es nur hundertfünfzig mehr geworden. Das habe ich schon sehr viel schlechter erlebt.

woche zwei

 

Zum fünf-uhr-tee war ich im zielhafen und sogleich wurde ich von der armada angefunkt, mit namen, obwohl sie mich noch gar nicht sehen konnten. Der hafenmeister spricht ein gutes englisch, und nachdem ich mich nicht mehr gemeldet hatte, weil ich unter der warmen dusche stand, kam er vorbei. Nicht so wie sonst in Chile mit vollgas und dicker hose, sondern zu dritt mit dem ruderboot. Alles bestens, wo ich angehalten habe und wen ich angefunkt habe. Dann ein kurzer blick auf meine geplottete route und er war zufrieden. Morgen gehe ich dann mal vorbei.

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

20180519 juan fernandez

 

Das mit ‘dann mal’ war sehr hoch gegriffen. Der außenborder wollte mal wieder nicht, dazu wind oder regen oder beides. Nach der reanimation lief er aber wie am schnürchen, bis zur anlandung. Kurz vorher ging der motor aus, startete wieder und ich zu der ausgeschauten rampe. Nur die welle war so eklig, den motor hochgezogen und in den wellen gefangen. Die letzte hat mich stark durchnässt. Ein helfer kam auch gleich daher und wir haben das schlauchboot ins trockene geschleppt. Das war ein typ von der SAG und er hatte offensichtlich nichts zu tun, ich war sein opfer. Diese organisation soll das in umlauf bringen von fremdsaaten und planzen verhindern.

Um diese organisation hatte ich einen bogen gemacht, kontrolliert sie doch alle lebensmittel und saaten, die nicht ins land gebracht werden dürfen. Hier auf der insel hat das vielleicht einen sinn, woanders ist festland, bullshit.
Viele formulare sollte ich ausfüllen, was ist an bord, wo gekauft, welche häfen in den letzten zwei jahren angelaufen. Und das alles mit einer nassen hose und zwar durch. Eine halbe stunde später hat er mich zur armada gebracht, und er war zufrieden mit seiner arbeit, kotz.
Wieviele probleme soll ich bei euch lösen, am besten alle. Morgen wird erstmal mein abgelaufenes visum bearbeitet, gut. Woher, wohin ist auch klar, wie viele tage noch hier, keine ahnung, windabhängig. Nach einer weiteren halben stunde freigang.
Die minimarkets sind nicht für eine bevorratung geeignet, eine bar mit wifi ist nicht zu finden, vielleicht die bibliothek, aber erst in zwei tagen, morgen ist feiertag.
Zurück zum dingi, habe versucht, es in die wellen zu bringen und das ergebnis sind nasse hose, schuhe, strümpfe und mehr. Der motor sprang wenigstens an und dann durch diese kleine brandung zurück zum schiff. Mit nassen hosen herumrennen ist nicht der bringer.

Der nächste tag war ein Mo oder ein So, weil feiertag. Ich habe mich um meine datenlecks gekümmert und abgedichtet. Genau weiß ich nicht, woran es gelegen hat, einen neuen stecker gekrimmt, zuerst falsch herum, und nach stunden habe ich die drehung in der neuen kupplung gefunden. Danach laufen alle instrumente, auch wieder der pieper und die temperatur. Nur das echolot will nicht, ich glaube ja nicht, dass meine mooring in über hundert meter liegt. Da ist ein neues problem im system. Morgen geht es zur bibliothek, dort soll es ein wifi geben. Wenn ja, kommt der bericht online.

Das mit dem wifi war nichts, die menschen sind alle freundlich, aber keiner will mich in sein netz lassen. Zum schluss hat ein mitarbeiter der armada sein handy freigeschaltet und ich konnte darüber meine mails abrufen und versenden. Ausserdem gab es den letzten wetterbericht, das muss reichen.
Dann kam noch einmal die armada zum schiff und wollte fotos von meiner epirb machen, die haben sorgen oder nichts zu tun. Die zarpe ging auch recht schnell, und da ich meinen aufenthalt überzogen habe, könnte ich es auf der osterinsel regeln, mal sehen.

Was mir im nachhinein auffiel, ist die tatsache, dass es keine vergitterten fenster, kläffende hunde oder riesige mauern um die häuser gibt. Das erste mal für mich in südamerika. Auch bleiben die autos meist unverschlossen, wohin sollte auch jemand damit flüchten.

Der nächste stopp wird auf Rapa Nui oder auf den Marquesas sein. Im günstigen fall sind es dreitausendsechshundert seemeilen oder sechzig tage. Bis dahin.

Veröffentlicht unter reisevorbereitungen, Reise_2018 | Kommentare deaktiviert

Reisevorbereitungen zur Robinson Insel

Die marina Oxxean in Puerto Montt ist ok, kein richtiger bringer und nur günstig in der nebensaison. Das wlan ist schon seit längerem ausgefallen. Was gut ist, hier gibt es eine waschmaschine und einen trockner zur freien benutzung. Sonst kostet alles extra, dies hier mal nicht.
In den ersten achtundvierzig stunden habe ich schon viel erreicht. Der segelmacher war schon da und das tuch ist fort. Für die neue luke im bug waren schon mehrere hier, einige schon dreimal, das könnte was werden. Und dann habe ich die trommel des genuareffsystems demontiert. Den mast vorher abgespannt und nach kurzer zeit lang das teil auf dem seziertisch. Die kugeln, die ich an deck gefunden hatte, stammen aus der trommel, habe ich das teil in den südmeeren doch ein wenig gestresst. Es sind drei reihen kugeln und der stopfen der unteren reihe ist weg. Somit sind sie durch das loch hinaus, viele sind auch zerbrochen. Leider hat das unterstück der rollanlage auch sehr gelitten, und ich habe schon in den sauren apfel gebissen: Das teil muss neu werden. Der haken an der bestellaktion ist die zeit, drei wochen in Chile. Also werde ich wohl oder übel bei den kriegstreibern in nordamerika einkaufen, das geht schneller.

Ein weiteres mal habe ich eine neue quelle für das wasser im schiff gefunden, die ankerluke war es nicht allein. Auf der suche nach teilen bin ich auf das rostige rinnsal aus dem ruderkoker gestoßen. Habe dort das abfettungsintervall ein wenig vernachlässigt.
Ein kurzer ausflug ins stadtzentrum ist auch schon durch, zwei mal siebzig cent für den sammelbus und schon ist man in zehn minuten in der metropole. Ein wenig abgestumpft bin ich schon, es war mir noch kein motiv wert, den fotoapparat aus der tasche zu ziehen. Und alles in den ersten zwei tagen.

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

20180413 puerto montt

 

Es lief alles so gut, vielleicht zu gut. Am So war das wetter warm und leicht windig, also bin ich mit dem wasserschlauch durchs schiff. Bodenbretter hoch und das salzwasser mit dem schwamm vertrieben. Dann noch die kette gewechselt, soll es doch ins warme wasser gehen und das mag die edelstahlkette nicht so gern. Nebenbei noch die ankerbefestigung wieder hingebogen, die bei unvorsichiger benutzung der ankerwinsch schnell mal nachgibt. Das war leider in Patagonien der fall, der mitsegler war da etwas sorglos.
Dann die luken auf und ein warmer luftzug trocknete das wasser. Am abend habe ich schnell noch ein paar sachen wieder verstaut und die luken geschlossen. Die ankerluke merkte wohl, dass sie ausgetauscht werden soll, und ist mir aus rache auf den mittelfinger gefallen. Genau zwischen dem fingernagel und dem gelenk, eine blutige angelegenheit. Hoffentlich überlebt das der blau unterlaufene nagel. Ein unnötiges ereignis ist es sowieso, und es behindert sehr die tagesarbeit, an die reparaturen will ich erstmal nicht denken, mistmist.

Der nächste tag war erstmal der Sonntag für mich, obwohl es Montag war. Was soll man mit einem kaputten flunken denn auch machen. In der nacht war das küchenpapier, das um die pflaster herum gewickelt war, durchgesüpt. Das bettzeug hatte auch sein kontingent absorbiert, die nächste wäsche steht also bald an.
Am Di haben sich die aus USA gemeldet und ich habe dort die teile geordert. Über dreihundert dollar, die hälfte davon für den transport. Wenn alles klappt, ist es billiger, als zwei wochen hier in der marina zu warten. Bin ich zufrieden? Eher weniger, zwangslage mit pistolenstirnaufdruck.

Dafür habe ich mal ein paar baustellen aufgerissen, demontage geht, aber vorsichtig. Jeder kontakt des fingers löst signale ans hirn aus, aua. Mein watermaker hatte zum schluss seinen betrieb aufgegeben. Die ursache ist weniger schlimm als erwartet, salzwasser im schalter des systems und schon werden die ströme in wärme umgewandelt, und daher roch es nach ampere. Analyse fertig und die lösung auch, nur dazu brauche ich den finger. Das mit dem aufenthalt hier hatte ich mir soooo nicht vorgestellt.

20180417 kaercher pumpe

 

Gestern muckte die pumpe noch und heute nicht mehr. Somit muss nun doch kärcher nummer zwei als watermaker arbeiten. Diesmal wird er aber senkrecht arbeiten, damit das mit dem wasser im schalter nicht noch einmal passiert.

Wasser und elektrik gehen auch bei meiner zweiten pumpe schlecht, die duschsumpfpumpe. Zuerst war der schalter defekt, dann lief sie manuell und nun ist auch hier der ofen aus. Die ersatzpumpe ist irgendwo zwischen Hamburg und Stanley auf dem dhlweg verloren gegangen. Und diese firma verweigert einen schadenersatz, super service dhl.
Mit dem finger wird es besser, aber der süppt immer noch, meistens in der nacht, wenn ich mich drehe im schlaf. Wie schön, dass es hier eine waschmaschine gibt. Bettzeug und laken sehen wie nach einer hinrichtung aus.

Das ist das ende von der Patagonienreise und auch das ende des bartexperiments. Hatte ich mich doch über sechs wochen nicht rasiert und machte einen auf seebär. Es ist unpraktisch und wärmt auch nicht richtig.

Das nächste ziel ist die Robinson Crusoe insel, nur sechshundert meilen von hier entfernt. Wenn es dort internet geben sollte, gibt es wieder einen bericht. Wenn nicht, geht die reise bis zu den Marquesas weiter, von da nur noch dreitausendsechshundert meilen. Vielleicht stoppe ich auf Rapa Nui, liegt auf dem weg. Dort soll aber immer einer an bord bleiben, und wer von mir geht dann an land?

Pünktlich zum wochenende fängt der regen an, heute am Fr ist gerade landunter. Das schiff ist von oben dicht, also kein weiterer stress. Ich wollte diese tage nutzen, um dem motor mal eine größere wartung zukommen zu lassen, aber mit meinem flunken ist das schlecht möglich. Vielleicht kommt ja heute mein segel zurück und darf dann erstmal auf dem deck ruhen. Meine teile für die rollanlage haben das kriegstreiberland schon verlassen und sind irgendwo in Chile angekommen. Dreihundertfünfzig dollar kostet der spaß aktuell, was ich nicht lustig finde.

Gestern war ich noch einmal in der stadt und bin als erstes bei der armada eingekehrt. Ich muss mal meine meinung ein wenig revidieren, diese hier waren schnell und nett. Eine woche zu spät gemeldet, macht doch nichts. Auch kein wort über meine funklose reise. Im system war ich rot markiert, dann wurde meine neue position eingefügt, dazu haben sie sich noch bedankt, und nach fünf minuten war ich wieder auf freiem fuß.
Dann ein wenig shoppen, durch die stadt laufen und beinahe hätte ich das erste foto geschossen. Konnte mich dann doch nicht dazu durchringen. Die chilenischen städte sind einfach zu unschön, warum nur. Kleine geschäfte sterben, die chinesen kommen mit ramschläden und dann werden shoppingmalls errichtet. Wenigstens bringt das busfahren spaß, hält doch der fahrer genau dort, wo man aussteigen will. Besonders hilfreich ist das, wenn man wie ich bepackt ist.

Den versuch, mal eben schnell eine passende duschsumpfpumpe hier in Puerto Montt zu kaufen, habe ich nach dem fünften geschäft eingestellt. Das schiff gegenüber hat mir unterstützung angeboten, wenn ich hilfe benötige. Also habe ich dort mal gefragt und zu meiner überraschung griff Alejandro in ein schapp und da war sie, die pumpe. Leider in zwölf volt, aber das habe ich dann auch geregelt. Das nächste mal duschen wird wieder wie gewohnt ablaufen. Ein punkt auf der liste ist abgearbeitet.
Danach rief er noch einen metallbauer an, womit der task der ankerluke auch bald abgeschlossen sein wird. Meine beiden anderen metallfritzen, die viermal am schiff waren, haben sich nicht mehr gemeldet. Vielleicht wird es diesmal etwas, sonst muss eine andere lösung her.
Seit gestern trage ich auch nur noch einen verband, keine pflaster mehr zur unterstützung. Nur wenn ich die wunde neu versorge, sieht es ekelig aus und riecht auch nicht so gut. Wenn es eine offene wurstaufschnittpackung wäre, würde sie sofort im müll landen.

Es ist schon wieder Mo, und die handwerker wachen auf oder träumen noch immer. Es ist ein angebot gekommen, und ich glaube, er hat keinen bock auf den job. Die kleine luke soll mit allem zusammen dreihundert dollar kosten, abgelehnt. Ich gehöre nicht zu den schiffbesitzern mit der dicken geldbörse. Also kommt plan b ins spiel, das teil dicht zu bekommen.

Gestern habe ich schon mal den ersten einkauf getätigt, dauerwaren für die etwas längere fahrt zu den Marquesas. Es sah so viel aus und dann war es doch schnell in den schränken verschwunden. Die frischen sachen werden einen tag vor der abfahrt gekauft, doch dafür muss erstmal wieder alles an bord sein.
Außerdem wollte ich gestern den generator laufen lassen. Dabei tat sich rein gar nichts, und ich befürchte, dass der motor fest ist. Wieder eine neue baustelle.

Nachdem ich die luke gestern im selbstgang angegangen bin, solarlüfter weg, rost weg, farbe drauf und einen tag warten, habe ich mal den lappen mit reiniger benutzt. Unglaublich wieviel dreck dieser ofen gemacht hat. Nach zwei metern verlies mich wieder die lust, muss ich doch alles mit links machen.

20180423 alter rauch

 

Danach noch mal einen blick auf den generator geworfen und diesmal mit größeren tools den motor gedreht. Geht doch, nur der anlasser will wieder einmal nicht. Wenn ich alles wieder zusammen geschraubt habe, kann ich das teil auch mit dem handstartseil anziehen. Wenn es dem finger wieder besser geht, geht es hier auch weiter.
Dann noch etwas sehr blödes, ich hatte mir einen französischkurs gekauft und die bücher dazu sind nicht im schiff. Also kein lernen auf der fahrt in den norden.

Meine ersatzteile durfte ich auch schon mal in der hand halten, das aluminumprofil für die rollanlage sogar behalten. Für die plastikteile wollten sie aber noch einmal hundert dollar extra sehen, angeblich die zollgebühren. Am nächsten tag sind sie nicht wiedergekommen wie abgesprochen, ich werde nervös. Mein visum läuft in zehn tagen aus und in einer woche will ich hier schon abgelegt haben.
Mit dem finger ist es noch immer scheiße, ich habe halt nur eine halbe rechte hand.

20180427 finger

 

20180427 finger

 

Dafür war heute mal eine große motorinspektion, keine ganz große. Den ölwechsel habe ich  vertagt, das zeug ist jetzt seit acht jahren drin und sieht noch gut aus. Dafür habe ich den feinstfilter gewechselt, aber nicht den hauptölfilter. Im dieselgrobfilter war einiges an wasser und dreck drin, der magnetschalter der einspritzpumpe arbeitet auch wieder, wie er soll. Warum, weiß ich nicht.
Und Mr Perkins hat das erste mal die ventile eingestellt bekommen, falls der vorbesitzer das nicht schon einmal getan hat. Also seit fünfzehnhundert stunden ist es das erste mal und alles war im grünen bereich. Wartung kann man ja auch übertreiben, der letzte ölwechsel ist genau so alt.

Am abend sind die beiden der Ledda, dem schiff gegenüber schnell noch einmal mit mir zum einkaufen gefahren. Die teile wurden noch immer nicht ausgeliefert und so war ein zeitfenster frei. Jetzt weiß ich nur nicht, wohin mit den ganzen sachen und die frische ware muss ja nächste woche auch noch wohin.
Es ist alles nicht so einfach, wenn man keine zwei vollständigen hände hat. Also dauern die arbeiten länger und ich gebe sehr viel aufmerksamkeit auf den finger, nur nicht irgendwo anschlagen oder hinterhaken. Ich müsste noch diesel tanken, das verschiebe ich auf Mo, denn es ist heute ein gemischter regentag. Die windsteueranlage ist wieder einsatzbereit, und wenn ich das schlauchboot schonmal im wasser habe, wird der wasserpass mit dem schrubber bearbeitet. Etwas bewuchs ist nach vierzehn monaten schon dran, aber harmlos.

Der Sa verlief mal anders als sonst, ein wenig bootfahren. Die Ledda soll an land, unterwasserschiff und dergleichen. Also habe ich den beiden angeboten, ihnen zu helfen. Die tour ging auch nur einen kilometer weiter und dann in den travelift hinein. Ich kenne das spiel, für sie war es neu. Mehrfach wurden die gurte verstellt, dann mussten noch die vorderen unterwanten gelöst werden, die beiden vorstage waren schon ab. Doch dann hat sich das schiff noch einmal in die gurte geruckt und dem chef war das zu teuer, abbruch. Das ganze wieder zurück und eine woche haben sie so geschenkt bekommen, die sie später einsetzen müssen. Das gute für mich war, dass dort mein segelmacher seine werkstatt hat und ich das segel mitnehmen konnte. Somit brauche ich nur noch die plastikteile, aber ich wiederhole mich gerade wieder.

Am Mo habe ich mal diesel gebunkert und da läuft schon wieder etwas schief. Fünfzig liter habe ich in die kanister gefüllt und insgesamt nur vierhundertundzwanzig. Dabei sollten die tanks leer sein, also müssten dort schon über vierhundert liter hinein passen. Beim tanken lief auch eine menge daneben, kein problem in Chile, eine spritze mit spühlmittel stand bereit.
Was lief noch: ich habe so ein bauchgefühl, dass Mr Perkins jetzt ein wenig runder läuft, aber ich kann mich auch täuschen.

Die andere geschichte fängt jetzt an, mein letzter mitsegler. Ich mag es nicht nachzutreten oder jemanden zu verunglimpfen. Meine freundlichkeit der letzten segler lehrt mich aber langsam, dass ich konkreter werden muss. Ihr habt die berichte gelesen, einige haben auch mehr informationen bekommen.
Diese tour durch Patagonien habe ich für dreihundert euronen pro woche verkauft. Nun mag der eine oder die andere denken, das ist ne menge holz, aber dafür geht im mittelmeer gar nichts und hier unten noch nicht einmal ein tag bei einem kommerziellen betreiber.
Es hätte die kosten gedeckt, wenn da nicht ein abbruch nach Punta Arenas gekommen wäre. Der flug, den Martin gebucht hatte, war günstig, aber nicht flexibel. Somit motorten wir zurück und ich musste wieder zum eingang der engstelle in der Magellanstraße fahren. Das ganze hat über zwei wochen gedauert und eine menge an diesel gekostet. Nachdem ich einen freien kopf hatte, schrieb ich eine mail, ob der taxitransfer nicht auch eine monetäre gegenleistung bekommen könnte, lange zeit funkstille und auch jetzt kein beitrag für die aktion.
Auf nachfrage hier in Puerto Montt habe eine antwort erhalten, die mich nicht wirklich befriedigt. Ich würde insistieren und sei mit mir nicht im einklang. So what. Da segelt oder motort jemand mit mir über zwei monate herum und dann das. Ich mache das mal kurz, ich habe jeden tag gekocht, es soll mir ja auch schmecken. Meine leistungen in der küche sind auf jeden fall akzeptabel oder besser. Von meinem mitsegler gab es nicht einmal etwas wie, es hat mir geschmeckt. Stattdessen hat er sich das essen mit sehr viel chili, pfeffer, paprika oder sambalolek abgerundet. Und das letzte gewürz mit zwei esslöffeln pro teller. Da gab es etwas auf die finger, das kleine gläschen kostete schon in Berlin über drei euronen. Hier am ende der welt gibt es so etwas nicht, oder es ist so teuer, dass man es nicht kauft. Meine vorräte an scharfen gewürzen sind ergo weggeluscht, all inclusive für dreihundert euronen.

Wer macht keine fehler, sicher keiner. Aber das kabel der ankerwinsch in der kette, das klo zweimal überflutet und salzwasser im schiff, weil das seeventil nicht geschlossen wurde, tretleisten mit dem koffer abgerissen, den anker nicht fixiert, der dann den rumpf im sturm bearbeitet hat und ich bei zehn windstärken nach vorne gerobbt bin, um ihn wieder zu fixieren, auf das deck geworfene bootshaken, oder den kelbschneider, den anker mit hauruck in seine position gebracht und die halterungen verbogen, und und und. Der rost fängt jetzt an und hat nichts mit einer kalkulierten afa zu tun, sondern es ist das ergebnis von fehlender achtsamkeit. Wenn wenigstens einmal eine entschuldigung gekommen wäre, nada.

Diese passagen waren gerade etwas für menschen, die mitsegler aufnehmen wollen. Bitte gut überlegen. Das leben auf einem schiff erfordert doch ein wenig respekt, den ich auch häufig nicht habe. Dennoch sollte man sich im klaren sein, welche personen man aufnimmt. Ich werde damit sorgsamer umgehen, ich kann es mir nicht leisten. Ende des themas.

Jetzt ist es anfang Mai, mein paket soll morgen kommen. Das callcenter von fedex war kaum zu verstehen. Somit hat es mich eine weitere woche gekostet oder halt eben hundertfünfzig dollar für die marina, alles nicht billig hier.
Der segelmacher hat sein geld auch noch nicht erhalten, ich weiß auch nicht, wie viel da abzudrücken ist. Jedenfalls hat er nicht alle arbeiten erledigt, mein seil zum transportieren fehlt noch, der musterrutscher ist nicht dabei, und eine klemme für ein seil im segel ist auch nicht montiert worden.

Natürlich kam der lieferservice heute nicht, hier läuft es anders. Zu meinem glück gibt es Alejandro und der hat mich zu tnt gefahren, in der rushour und eine minute vor sechs waren wir dort. Das päckchen wurde gefunden, ich durfte die kohle abdrücken und bin nun ein stück weiter.

20180503 ersatzteile

 

Danach sind wir wieder quer durch die stadt zum gasflaschenfüllen. Ist nicht so einfach, die machen das nicht. Aber er kennt jemanden, der einen weiß, der meine flasche aus französisch Guyana befüllt. Diese ist gerade leer geworden und eine füllung kostet hier vierzig euronen, doppelt so teuer, wie eine tauschflasche.
Auf dem rückweg noch benzin an der tankstelle geholt, ein sehr erfolgreicher abend. Die nächte werden hier schon kälter, und es ist höchste zeit zu verschwinden. Das super windfenster ist leider wieder zu, aber das ist ja auch egal.

20180429 puerto montt

 

Heute ist die rollanlage dran, dann eine zarpe holen, frisches gemüse und weg.

Ich mach hier mal schluss, der nächste bericht kommt von der Robinsoninsel oder erst in zwei monaten von den Marquesas.

 

Veröffentlicht unter reisevorbereitungen, Reise_2018, technik | 1 Kommentar

Patagonien im Selbstversuch Part 2

Wenn ich auf der warteposition bin, dann durchdenke ich so einiges. Im hinterkopf sind dann noch eine parameter offen. Die aufenthaltsgenehmigung läuft anfang mai aus, eine verlängerung ist machbar, aber ich will mich nicht in das land verliebt haben. Zum zweiten endet der sommer hier bald, die tage werden kürzer und kälter. Ich wollte das wetter und es ist nicht so schlecht mit der richtigen bekleidung, aber ich freue mich, bald wieder an deck zu schlafen. Somit ist das ziel der norden und zwar bald.

Die situation änderte sich eine stunde später im Puerto Angosto, an der felswand. Das wetter, der wind waren plötzlich schwach und draußen sah es auch friedlicher aus als sonst. Anker auf, leinen los und das nächste ziel war Puerto Tamar – ist sogar in meinem tidenprogramm enthalten. Das ganze ist natürlich kein hafen, nur eine ankerbucht mit richtigem sand.
Sieben stunden später mit dem motor und dem großsegel bin ich angekommen. Die fahrt war freundlich mit nördlichen winden, kaum regen, aber mit viel diesel ging es nur bis um vier knoten voran. Die großschifffahrt überholte mich deutlich schneller.
Nur hier in Tamar hat sich das wetter schon wieder geändert, westwind wie üblich. Also wieder auf eine änderung warten.

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

20180315 puerto tamar

 

Am abend dann die änderung oder gedankliche neuorientierung. Tagsüber gab es reichlich wellen in die bucht hinein und als dann auch keine sonne mehr war, habe ich nochmals die richtungen geprüft. Es ist schon saublöd, wenn man auf etwas wartet und es nicht erkennt. Der wind kam tatsächlich den ganzen tag aus süd, genau der wind, den ich brauche. Somit hoffe ich, dass er morgen auch noch vorhanden sein wird, echt ziemlich dumm von mir.

Aber er war nicht da, nur der elendige westwind. Dafür nahm er zu und in der nacht wurde es ungemütlich. Dreißig knoten wind über die hügel und böen in der doppelten stärke. Das schiff schwoit am anker hin und her und das heftig. Ich versuche noch immer hinten in der achterkajüte zu schlafen und da rutscht man schon ein wenig hin und her. Erst am morgen wurde es weniger und ich fand den verpassten schlaf.
Am mittag habe ich mal den anker kontrolliert und er ist stabil am platz geblieben. Und dann kamen ein paar wellen in die bucht, hoffnung keimt auf. Es währe schön, wenn es heute am So mal weiter gehen würde.

Jetzt, Mo morgen kann ich sagen, es ging so weiter. Zwar war der wind nicht konstant aus süd oder südwest, aber er war brauchbar und mit motorunterstützung bin ich bis zum sonnenuntergang am cap und zum eingang der Magellanstrasse gekommen. Auf der anderen seite gibt es noch einen besetzten leuchturm und viele steine. In diese wollte ich nicht hinein und bin erstmal aufs meer hinaus. Alle instrumente an, ab und zu ein wenig schlaf und am morgen war ich dann draußen.

20180318 magelanstrasse

 

20180318 magelanstrasse

 

Dort waren die wellen wieder einmal um vier bis fünf meter hoch und leider aus verschiedenen richtungen. Der wind kam aus südwest und brachte mich nordwärts, allerdings mit dem autopiloten und der hatte kräftig zu arbeiten. Ich versuche weiterhin, dreißig meilen von der küste entfernt zu bleiben. Seebeine wachsen wieder.

Am Di morgen sah die welt hier unten schon wieder ganz anders aus, dieses mal windstille mit restwellen. Einhundertsechzig meilen habe ich schon geschafft, fehlen noch fünfhundert bis Chiloé. Und es fehlt noch der wind, der wird aber auch kommen. Laut barometer bin ich in einem hoch. Wenigstens war die nacht recht gut, keine schiffswarnungen.

Zur beruhigung und für die wasserproduktion habe ich mit segelunstützung ein ganz klein wenig nord gemacht. Gestern nachmittag fing dann der wind an und der kurs könnte richtung küste gehen oder aufs meer hinaus. Ich habe mich für den raum entschieden und das war gut so. Am abend waren es schon zwanzig und in der nacht dann über dreizig hpa druckabfall. Das war keine kaffeefahrt mehr, bei sechzig plus knoten wind und dementsprechenden wellen. Ein brecher hat nachts das schiff gedreht, guter zeitpunkt, um die genua zu shiften und nochmals zu reffen. Das groß war am abend bereits von mir herunter geholt worden.
Es war sehr laut, sehr nass und es kamen noch viele große wellen gegen und über’s schiff. Eine hat den inhalt meines herdes heraus geschleudert, die glasauflaufform hielt bis zum aufprall. Dabei hatte sie gerade eine grundreinigung hinter sich, umsonst. Es flog so einiges durch den raum. Am morgen war es dann schon besser, aber nicht gut. Mal sehen, was der tag noch bringen wird.

An einem tag fiel das barometer um zweiundvierzig hpa, das kommt in die liste der besonderheiten. Es ist schon schwer, sich im schiff zu bewegen, also besser liegen und abwarten. Dann endlich am abend gab es einen windwechsel auf west, also geht es wieder nordwärts. Bis jetzt hat mich dieser orkan über einen tag und dreißig meilen gekostet.

Das mit dem kurs nord ging bis zum morgen, der wind war moderat. Doch dann kam der alte wieder, und entweder ich segele einen kurs von maximal nordost und erreiche die felsen in vier stunden, oder einen südkurs mit westanteilen. Und segeln ist so eine sache, das taschentuch der restgenua kann das schiff nur in die richtung bringen. Sechzig bis siebzig knoten wind sind kein segelwetter. Dazu kommen noch die brecher übers schiff.
Heute morgen habe ich dann noch einen kleinen fehler in der bedienung des radars gefunden. Ich hatte einen alarmkreis eingerichtet, keine alarmzone. Somit konnte ich nur schiffe erkennen, die gerade in den kreis fahren. Beim halsen am morgen fiel mir das grosse containerschiff zwei meilen abwärts auf.
Am nachmittag habe ich dann noch ein anderes schiff gefunden. An diesen tag habe ich fünfmal das ölzeug angezogen, um eine kursänderung durchzuführen. Ich verstehe es bald nicht mehr, ich fahre teilweise achtzig bis neunzig grad zum wind. Das sag mir meine anzeige, wenn ich auf den gegenkurs gehe, geht es nicht, da kommen dann dreißig grad mehr drauf. Und so kam ich der küste immer näher bis zum abend, letzter versuch. Das groß als taschentuch mit dabei, den autopiloten an und der motor ist im standgas auch dabei. Jetzt geht es, bei vierzig knoten wind und der kleinen genua. Wenn es stabil bleibt, sehe ich morgen einen anderen küstenabschnitt oder besser gar keinen.

Der nächste morgen war gut, die nacht ok. Es hat bis jetzt funktioniert, der kurs wurde eingehalten und Mr Perkins war genügsam. Diese kleine rundreise durch den südpazifik im Golf von Trinidad hat mich drei tage gekostet und ich bin zweihundertdreißig unnütze seemeilen geschippert. Aber wenn es jetzt so weiter geht und der wind nicht noch zunimmt, dann stimmt es mit nordwärts.

20180322 23 reise

 

Der wind hat zugenommen, ist aber noch moderat. Es segelt sich mit sechs knoten richtung norden, jedoch muss der autopilot heftig arbeiten. Die wellen sind noch immer im sieben meter bereich und dazu kommt oft die sonne durch. Traue ich der situation? Nee. Das barometer ist von gestern auf heute um zwanzig gestiegen, das ergibt wind. Der erste segeltag seit sehr langer zeit.
Auch macht es wieder ein wenig spaß, habe ich doch schon gestern die neuen ziele abgesteckt, obwohl ich noch nicht einmal in Puerto Montt angekommen bin. Zur zeit ist die planung zur Robinson insel, dann zur Osterinsel, die liegt auf dem weg zu den Marquesas. Danach nach Tahiti, ist nur noch ein kurzer abstecher. Dazwischen liegen noch eine menge kleinerer inseln. Nur der einfache weg beträgt über fünftausend meilen, auf dem ozean und nicht im kanal.

Neun monate vor weihnachten um ein uhr nachts war der traum erstmal wieder passé. Der wind ist fort, die genua eingerollt und ich warte im schaukelndem schiff ab. Geschlafen habe ich schlecht bis morgens um neun, denn da blies schon wieder ein neuer wind. Das barometer fängt mit einem hoch wieder von vorn an. Diesmal ist der start bei tausendfünfunddreißig hpa.
Der kurs, den ich jetzt fahre, ist fast nach westen, nachher werde ich mal den gegenkurs checken. Wenn das wieder so anfängt wie vor ein paar tagen, wird der nächste absatz kurz werden.

Der nächste tag fing erfreulich an, so wie ein segeltag sein sollte. Den letzten tag habe ich damit verbracht, die höhe so wenig wie möglich zu verlieren. In den roaring fourties bin ich seit vorgestern abend und da wollte ich auch bleiben. Dieser vorsatz brachte mich von gestern bis heute nacht um eins sechzig meilen weiter westlich aufs meer hinaus. Am morgen war dann der richtige wind da, kurs nord, fast fünf knoten geschwindigkeit, sollte so mal vier tage anhalten. Nur noch vierhundertundacht meilen bis Chiloé.

20180325 suedpazifik

 

20180325 suedpazifik

 

Ja, wenn das immer so wäre, könnte man hier verweilen. Sonniges wetter, kühl und das hoch ist geblieben. Aber in den nächten zuvor war es so schlimm gewesen, dass ich schon mal ein paar taschen gepackt hatte. Notsignale, dokumente und rechner und eine für frische sachen, falls man aussteigen müsste. Es kam am tage hinzu, dass ich viel wasser im schiff habe oder es fühlt sich so an. Die ursache habe ich auch schon entdeckt, die kettenklüse und die tropfende ankerluke. Beides nicht sehr dicht, und wenn das wasser überkommt, geht etwas hinein. Da sehr viel über geht, ist umso mehr im schiff. Das problem muss in Puerto Montt behoben werden, eine neue luke muss her. Somit ist auch klar, woher das vermehrte wasser im motorraum stammt.

Seit einer woche bin ich nun schon auf dem meer unterwegs und habe netto dreihundertsechzig meilen geschafft. Das ist recht wenig, jedoch brutto sind es schon sechshundertunddreißig. Also theoretisch bin ich schon am ziel. Da der wind zum sonnenuntergang mehr auf nord gedreht hat, kann das erreichen des ziels noch dauern. Dazu weht es in den vierzigern und fünfzigern und der kurs geht nur nach nordost. Die nächste wende ist im Golf von Penas und dann wieder raus aufs meer, da hier doch die schiffsroute lang läuft.

Dann wurde es mal etwas neu. Nach dem reffen beider segel ging kurstechnisch nicht mehr viel. Zum anfang nach west, dann südwest und ich habe versucht ein wenig zu schlafen. Nach drei stunden fand dann kurs fast süd statt. Etwas leckeres essen, pumpernickel mit serano schinken, und dann nach oben. Jetzt hatte der wind innerhalb von drei stunden von nord auf südwest gedreht und ich konnte wieder richtung norden schippern. Jedoch machten die beiden wellensysteme das meer zur achterbahnfahrt. Noch nie ist das schiff so oft von einer welle ins tal gestürzt oder in die welle hinein. Alles brutal hart und laut.
Das ging so bis zum abend und dann kam langsam die ruhe zurück, leider. Es gab einen sonnenuntergang, der erste seit wochen für mich und dann kam die flaute. Die hielt sich bis in den nächsten tag hinein. Warum kann der wind nicht besser verteilt sein? Noch zweihundertachtzig meilen bis Chiloé.

20180326 sonnenuntergang

 

20180326_sonnenuntergang2

 

Der brauchbare wind kam erst abends um sechs, bis dahin war mehr oder weniger flaute. Streckenweise ging der motor an, damit ein wenig segeln möglich war. Es war ein tag, um die batterien wieder zu laden, auch meine. Das ganze zerrt auch an den nerven. Und da gerade alles so moderat war, gab es auch mal wieder eine dusche für mich, das hilft auch. Noch dreieinhalb breitengrade und ein paar längengrade und das tolle segelrevier soll da sein.

In vier tagen ist schon April und da will ich online sein. Zur zeit ist alles bestens oder zumindest gut. Der kurs ist nordost, die geschwindigkeit klasse und das wetter trocken. Außerdem sind die temperaturen im zweistelligen bereich, auch in der nacht. Jetzt am mittag kommt die sonne vermehrt zum vorschein und die miese stimmung ist auch weg. Noch hundertneunzig meilen bis zum etappenziel.

Gestern war ein superwind, zwar sehr achterlich, dennoch waren teilweise sieben knoten drin. Und wie oft hörte er zum abend hin auf und war segelunbrauchbar. Somit habe ich zur nacht die genua ganz klein und das groß ins kleinste reff gezogen. Treibend durch die nacht war richtungsmässig ok und zum morgen hin kam der nordwind.
Es ist der neunundzwanzigste märz und gegen mittag habe ich das erste mal seit tagen wieder land gesichtet. Es ist nur eine vorgelagerte insel, aber auch eine wendemarkierung in zwei stunden. Mit diesen wind komme ich noch nicht in den Golf Corcovado. Es wären jetzt noch hundertfünfzig meilen bis Chiloé.

Nach mehrfachem halsen am abend und in der nacht konnte ich die höhe halten. Das ist nicht viel. Am morgen dann unbrauchbarer südwestwind, weil ich nach nordost will. Das wäre ja nicht so schlimm, aber der hauch von einem wind ist zu schwach, um die genua stabil zu halten.
Da auch wieder ein strombedarf herrscht, musste der motor wieder ran, und der wollte mal wieder nicht. Das gleiche spiel, wie so oft, der magnetschalter. Zweimal ausgebaut und das letzte mal ohne innereien. Das alles vor dem morgentlichen kaffee. Mr Perkins läuft wie immer, nur meine laune ist sehr, sehr gereizt. Wenn das in einer wichtigen situation passiert, bin ich am arsch. Immernoch hundertfünfzig meilen bis Chiloé.

Der weitere tag und die nacht verliefen eher schleppend, also treibend. Die richtung stimmte, meilen kamen nicht so recht zustande, aber in der summe war es durchaus positiv. Am morgen dann das super wetter, blauer himmel und schäfchenwolken am horizont. Dazu kamen diese langgezogenen wellen, höhe um fünf meter, die man nur aus der distanz sieht. Keine schaumkronen, alles blaugrün und der leichte wind aus achterlicher richtung. Mit höchstens vier knoten geht es in richtung Chiloé und das liegt noch hundert meilen entfernt. Mit dem ankommen, morgen am ersten april wird es wohl nichts werden, keine glückwünsche, nur gedanklich.

Und dann: was war das für ein toller segeltag. Sonne, blauer himmel, achterlicher brauchbarer wind, angenehme geschwindigkeit, die sich bis auf sieben knoten gesteigert hatte. Ein leuchtender roter vollmond und erst morgens um fünf lies der wind nach. Da war ich aber schon im Golf von Corcovado und der motor musste an. Das auslaufende wasser bremmste ungemein. Auch war das wetter die letzten tage sehr freundlich mit mir, vielleicht liegt es daran, das ich nördlicher bin, gern mehr davon.
Und so habe ich es doch noch geschafft, um halb zwei fiel der anker vor Quellion auf Chiloé.

Veröffentlicht unter Reise_2018 | 2 Kommentare

Patagonien im Selbstversuch Part 1

Um es gleich zu sagen, Punta Arenas ist nicht meine stadt, kaum historie, schnell und billig gewachsen. Die armada funktioniert, und sie haben nicht gemuckt, dass ich mich nicht jeden tag per funk gemeldet habe. Das ausreiseformular gab es auch gleich mit, schön.
Jeden zweiten tag laufen hier ein oder gleich zwei kreuzfahrtschiffe an, dann ist die offizielle tür zum pier auf, sonst umwege durch andere gebäude mit sinnfreiem wachpersonal.

Dieser pier ist grobschlächtig, alles was kein arbeitsschiff ist, sollte sich fern halten. Anlegen mit dem dingi ist an einer stelle machbar, aber nicht ratsam. Das management hat sich geändert und somit sind neue regeln in kraft getreten. Kein anlegen ohne einen agenten, es gibt alles und zwar gegen divisen.
Ich wollte nur kurz zum tanken anlegen und wasser nehmen. Dafür braucht man einen agenten, der eine versicherung hat, es könnte ja das pier geschädigt werden. Eher hat mein schiff gelitten. Der agent beauftragt einen subagenten für die dieselbeschaffung, das macht es teurer, es dürfen nur chilenen diesen diesel am pier kaufen. Somit kostet der liter ein dollar zwanzig für mich. An der tanke kaufen und zum schiff bringen läuft nicht mehr. Dieser subagent wollte auch einen segelmacher finden, war aber nicht so willig, hatte er doch schon meine dieselmarge eingestrichen.
Das wassernehmen habe ich mir geklemmt, hätte hundertzwanzig dollar zusätzlich gekostet, für zweihundert liter. Meinen hauptagenten konnte ich auf vierhundert und ein paar dollar herunterhandeln, allein die zwei stunden am pier liegen kosten hier zweihundert dollar für den hafen. Eine weitere art von korruption, damit weitere personen die weihnachtsgans ausnehmen können. Und das war diesmal ich. Alles war eingefasst und dann kamen die preise. In der summe haben mich meine dreihundertsiebzig liter treibstoff achthundertachtzig dollar gekostet. Frohes fest, so teuer war es noch nie. Also diesen ort dringendst meiden.

Meine zwei stunden waren dann auch nicht wirklich entspannt, der diesellaster kam eine stunde zu spät, die wellen drückten das schiff an die reifen. Und die reifen waren von einem monstertruck. Das tanken verlief spritzend, es kümmert hier nur niemanden. Dann war ein nettes mädel vom agenten da und wollte geld, cash, vertröstung auf morgen. Noch schnell in den supermarkt, denn es ist einfacher, als mit dem beiboot.

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

Und warum bin ich hier, weil mein mitreisender hundert euro sparen wollte, indem er einen flug einen monat vorher von Puerto Natales gebucht hat. Anstatt flexibel einen flug zu nehmen, zu leicht erhöhtem preis. Dadurch sind uns weitere fünf bis sechs tage verloren gegangen, es hätte aber reichen können. Mit dem puffer wären wir auch nach Puerto Natales gekommen, nun denn. Somit habe ich hier einen hundertsechzig meilen umweg und erhebliche mehrkosten. In zukunft keine terminfracht mehr, draufzahlen für sparen geht nicht.

Am morgen zeigte die ampel am pier noch grün und am abend schon rot blinkend. Ein service des hafens, das bedeutet, dass man sich fernhalten soll und das wetter sich nicht zum vorteil ändert.
Ich war heute wieder in der stadt, um zu sehen, ob sie mir doch gefällt. Am ende war sie akzeptabel, aber nicht wirklich etwas schönes in meinen augen. Meine wanderung verlief nach osten durch die stadt bis zum anfang der bebauung für arme. Einen schwenk zum meer und zurück, dabei eine lokale brauerei gefunden, magellanbier. War nur ok, da es aus der flasche kam, obwohl im hintergrund gebraut wurde.
Dann noch schnell bei meinem luxusagenten vorbei geschaut, ein lieferant für segelrutscher und klammern will sich bei mir melden. Dies ist nur möglich, da dieser agent mir einen handapparat überlassen hat, als leihgabe, nett. Nur hat er sich noch nicht gemeldet.
Auf dem weg zurück mit dem schlauchboot war es zu beginn lau, dann frischte es auf, dann wurde ich nass, und als ich am schiff war, stellte sich das boot senkrecht in die luft. Der motor wurde festgeschraubt und der sturm fing an. Inzwischen blinkte es auch rot. Das war eine nasse fahrt.

Der erste märz sollte der letzte hier im hafen sein. Das geliehene handy habe ich zurück gegeben, die unfähigen subagenten konnten keine segelrutscher mit halterungen organisieren. Es war derselbe, der meinen diesel organisiert hat. Man hat mir weitere hilfe in Puerto Montt angeboten, haben sie auch dort ein niederlassung, mal sehen.
Danach zur armada – und nada. Der hafen ist gesperrt, kein schiff rein oder raus und somit keine zarpe für die weiterreise. Als wenn ich nicht frei vom pier wäre und vor anker liege. Kleine gehorsamspimmel und ich bin das opfer. Ja, ich bin genervt. Also morgen früh wieder das schlauchboot zu wasser lassen, hinlaufen, wieder alles an deck verstauen und los, wenn der wind will.
Dabei sind die fahrten schon jetzt recht nass, das boot tanzt und der propeller schrabt farbe vom Themroc, während ich es heraufziehe.

Meine reparaturen sind erstmal abgeschlossen, das segel ist repariert mit bordmitteln. Wenn es nicht hält, muss ich das nächste mal mehr nähen. Das segelcover hat einen neuen clip erhalten, der alte ist in sich gebrochen.
Dafür habe ich am abend einen alten bekannten gesehen, das grüne fischereischiff aus Stanley, das monatelang dort am kai lag, liegt jetzt hier.

20180228 segelreparatur

 

Am morgen wieder zur armada, der großbäckerei für trockenes toastbrot. Antrag abgeben, die bearbeitung verlief schleppend und umständlich. Am ende war dann doch alles gut und gleich wieder zurück zum schiff.
Anker auf und schon stellte sich ein wunderbarer wind ein. Mit bis zu über sieben knoten durchs wasser und am ende musste der motor wieder angeworfen werden. Genauso hatte ich mir das gedacht, so konnte auch der wassermacher wieder laufen. Auf die warme dusche hatte ich mich schon gefreut und in der schönen bucht Bouchage war kein anderes schiff. Dorthin habe ich für die zweiundvierzig meilen neun stunden gebraucht und nur vier motorstunden, weiter so.

Das großsegel ist auch wieder montiert, schon ein richtiger akt zweit, alleine ist es doppelt so schwer. Der nächste abschnitt ist auch schon abgesteckt und sollte morgen machbar sein. Das ziel die bucht, in der wir umgekehrt sind, kurz vor der engstelle in der mitte der Magellanstrasse.

Es ist schon ein kleiner luxus, wenn das wetter gut ist, nicht zu fahren. Den Sa habe ich in der schönen bucht verbracht, ein wenig aufgeräumt und mich vor den warmen ofen gesetzt. Am So soll das wetter ähnlich sein, so wäre das nächste ziel gut erreichbar.
Am morgen kaffee gekocht, anker auf und los. Lief alles zu gut, draußen auf dem meer noch einmal den watermaker angemacht, der tank ist ja noch nicht voll. Und da das system mehr strom verbraucht als die lichtmaschine produziert, ist beobachtung angesagt.
Und dann passierte es auch schon, die lichtmaschine produzierte gar keinen strom mehr, leichte panik. Vielleicht ein kabel lose oder der regler ist hin, kleine katastrophe. Mit dem dreizehner schlüssel die anschlusskabel überprüft und die schrauben nachgezogen. Dabei habe ich leider einen kurzschluss mit lichtbogen verursacht. Mit dem erfolg, dass der motor ausging. Und er sprang auch nicht mehr an. Mehr panik.
Draußen braute sich gerade ein feuchtes wetter zusammen und als ich wieder oben war, tuckerte ein größeres schiff dicht vorbei. Was tun, zurück in die bucht oder zu einer neuen und das ganze unter segel oder gleich zurück nach Punta Arenas, wenn der schaden größer ist?

Das letzte mal, dass er motor nicht anspringen wollte, war auf den Falklands, der magnetschalter. Hoffentlich habe ich den nicht durch den kurzschluss geschrottet. Ausbauen, checken, er funktioniert, einbauen, starten und geht nicht. Somit wieder ausbauen, inzwischen stinkt alles nach diesel und den schalter ohne inhalt wieder eingebaut. Der motor sprang an, schon mal gut. Durch einen hebel an der einspritzpumpe bekomme ich Mr Perkins auch zum stehen. Und die selbstheilende elektrik gefällt mir auch, die lichtmaschine produziert wieder strom.
Alles halb so schlimm, das alte ziel kann angepeilt werden. Drei stunden habe ich durch den vorfall verloren, und leider kam der falsche wind zu früh. Die nächste bucht auf der route war zu weit und somit bin ich auf die andere seite der Magelanstrasse in die bucht Kempe gefahren. Drei stellen habe ich abgesucht und am ende fiel der anker zweimal, ende vom tag. Doch zuvor noch einmal den magnetschalter ausgebaut und wieder mit allen teilen eingebaut. Der motor springt an und lässt sich auch wieder ausschalten, da ist der wurm drin.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

Ich dachte noch über den guten halt des ankers nach, beim morgendlichen kaffee mit blick auf den wasserfall. Der wind frischte sehr auf, und somit gab es seit langem mal wieder tv aus der konserve, geschichtsnachhilfevideos bis zum nachmittag. An ein weiterfahren war nicht zu denken, kamen doch schon böen bis fünfzig hier in die bucht. Und dann musste es passieren, zur zeit läuft es nicht hundert prozentig. Der anker slippte, also anker hoch und weg. Viel matsch und noch mehr kelp waren daran. Das oberflächenwasser erhob sich grossflächig bis die berge hinauf, kein platz, um zu bleiben, war mein erster gedanke.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe fliegendes wasser

 

Wieder auf die andere seite der Magellanstrasse, vielleicht wieder zur Bahia Wood. Der erdachte platz an einer flussmündung funktionierte nicht und es waren dort auch sichtbare riffe. Nur mit dem motor ging es auch nicht, also mit segelunterstützung. Nach eineinhalb schlägen habe ich aufgegeben, keine höhe machbar und draußen waren die wellen bei fünfzig knoten schon gewaltig. Zudem wurde es schon dunkel, keine gute zeitplanung. Bei dunkelheit fahre ich nicht in unbekannte buchten ein.
Ich habe mich fürs treiben entschieden, in der mitte der straße. Alles an technik an und unter deck den nichtvorhandenen verkehr beobachtet. Ab und zu habe die ruderstellung geändert, um eine gezielte treibrichtung zu erhalten. Mit dem küchenwecker in der hand habe ich versucht, ein wenig schlaf zu finden, und um halb vier bin ich wieder hoch. Motor an und wieder zurück zur bucht Kempe. Es ging alles sehr langsam, aber es ging, um halb neun im regen war ich wieder da. Diesmal habe ich gleich die mooringleine für größere schiffe genommen und bin ins bett gefallen. Sechsundvierzig seemeilen umsonst und über dreißig liter diesel verschenkt. Ich muss vielleicht solche erfahrungen machen, damit das nur eine einzeltat bleibt. Hätte ich doch gestern gleich die mooring genommen.

Und dann wurde es doch noch ein guter tag, nach dem ausschlafen. Ein kräftiges frühstück, motorwartung und die windstille war da. Am nachmittag habe ich dann die leine über bord geworfen und bin mit höherer drehzahl als sonst zur Caleta Galant geschippert. Das wasser war flach und der einzige wind war der fahrtwind. Zum schluss zog es sich noch einmal zu, das radar musste unterstützen. Um acht uhr fiel der anker und hielt.
Hier bin ich also wieder, an dem ort, wo die teure entscheidung gefallen war, nach Punto Arenas abzulaufen. Auch hat schon herr Slocum hier gewartet, vielleicht ein gutes zeichen. Von der windstille am abend ist in der nacht wieder ein sturm geworden. Dafür mit sonnenschein und kräftigen böen, also abwarten.

20180307 bahia galant

 

So haben ich einen weiteren tag in der Caleta Galant verbracht, es liegt sich gut dort. Am späten nachmittag war dann ein leichter windwechsel. Jetzt drehte das schiff und der blick ging auf den berg zu. Die ruhe war nur kurz und das gebläse fing von vorne an.

Mein plan war, am nächsten tag weiter mit dem auflaufenden wasser den Paso Ingles zu bewältigen. Am ende habe ich es geschaft, aber das ging fast nach hinten los. In diesem engpass fließt das wasser von vielen seiten und kanälen hinein und schiffe sollten bei hochwasser am ende der durchfahrt sein. Der wind war wie immer unbrauchbar und der motor musste richtig ran. Mit der höchstdrehzahl vom oberen gashebel fahre ich sonst sechseinhalb knoten. Hier wurde ich bis unter einen knoten abgebremst, ein sehr teures stück des weges. Nach einem segelversuch hat sich noch der knoten der genuaschot gelöst, zum glück war das segel fast ganz aufgerollt gewesen. Nur mit mühe und am ende mit glück bin ich in der Caleta Tilly angekommen. Dies ist der ausgangspunkt für den nächsten engpass, der Paso Tortuoso.

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

Am nächsten morgen mit dem hochwasser sollte es dann weiter gehen, es wurden zwei stunden später. Und dann gab es eine unglaubliche Magellanstrasse. Gestern noch so sehr böse und dann der absolute ententeich, kein wind. Dazu kam die sonne und die landschaft ist grandios. An solchen tagen bringt das reisen hier ein spaß, besonders wenn es warm ist. Das tagesziel wurde immer wieder weiter vorverlegt und um halb drei war ich in der Caleta Playa Parda. Wo der strand ist, weiß ich nicht, aber das panorama ist gewaltig. Das sonnendeck war dann auch geöffnet.

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 caletas playa parda

 

20180309 caletas playa parda

 

Nach einem tag am ankerplatz im schmuddelwetter bin ich dann doch weiter. Ein fundstück hing dann noch am anker. Nieselregen hing am morgen in der luft, bedeckter himmel und die wolken zogen nicht schnell. Also eine gute vorraussetzung für das weiterziehen. Es sind noch fünfunddreißig meilen bis Puerto Tamar, dort geht es rechts ab in richtung Smith kanal. Das buch versprach einen guten platz in Puerto Angosto, so dass ich mich dorthin aufmachte. Fünf stunden und sechzehn meilen später war ich dort. Zwei segelversuche hatte ich gestartet und am zielort fing der regen an. Die beschriebenen plätze waren mist, auch wenn der beste Slocum’s Notch sein sollte. Also erstmal in der caleta ein runde gedreht und den anker abgesetzt. Er hält nicht auf dem steinigen boden und somit geht es wohl doch noch zur nummer eins.

Das festmachen war schon ein akt, das erste mal war die ankerkette zu kurz und beim zweiten mal erwischte ich eine blaue strippe. Diese sah aber haltbar aus, eine zweite leine um einen kleinen baum am hang. Dann noch ein wenig ankerkette weggenommen und fest, fürs erste.

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins bucht

 

Auch hatte ich in den letzten zwei wochen zeit zum nachdenken und das ergebnis ist die beendigung des patagonienselbstversuchs. Ich bin über zwei monate schon hier unten nahe dem ende der welt, die landschaft ist anders als gewohnt, ankerplätze sind vorhanden und doch reicht es mir. Der diesel reicht locker bis Puerto Eden, doch dort gibt es keinen neuen, oder nur teuer und umständlich. Mir geht diese motorbootfahrerei auf den sack, segeln ist fast nicht oder halt gar nicht möglich. Mr Perkins jeden tag abzufüllen gefällt mir nicht, Themroc ist ein segelschiff.

Noch dreihundert meilen kanäle zu motoren will ich nicht, vielleicht sind das gerade die noch schöneren aussichten. Am ende der Magelanstrasse werde ich in den pazifik abbiegen und die nächsten sechshundert meilen an der küste hinaufsegeln. Sicherlich werden das ein paar mehr meilen werden, das kenne ich ja schon. Der richtige zeitpunkt ist entscheidend, es muss ja nicht wieder ein orkan zu beginn sein.

Dann in der nacht passierte es, felswandkontakt. Erstmal die ankerkette wieder gekürzt. Doch dann kamen ein paar sehr heftige böen und das schiff zerrte die leinen los, noch mal die wand getroffen und nur noch geankert. Das hielt mal gerade zwei stunden und er slippte auf dem steinigen boden. Somit ging ich auf leichte drift mitten im felsental. Es war stockfinster und so musste ich bis zum sonnenaufgang warten. Das driften verlief unfallfrei und dann fiel der anker wieder am ersten platz. Nicht schön, auch steinig aber ich musste erst mal schlafen.
Was tun, das wetter ist lausig, regen, hagel und keine sicht. Einen neuen versuch für die felswand habe ich vorbereitet, landleinen parat gelegt und das schlauchboot zu wasser gelassen. Das ausbringen der leinen hat insgesamt über zwei stunden gekosten. Das ist kein einhandseglerjob, ich mag das sichere ankern. Nun warte ich mal ab, wie gut meine aktion war.

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei bucht

 

Der zweite versuch endete in der nacht mit dem großen hochwasser. Wieder gab es kontakt zur wand, zuerst dachte ich es sei bodenkontakt. Ich habe den falschen baum gewählt, beim nachziehen kam der ganze mit der leine angeschwommen. Es war mitten in der nacht, es goss aus eimern und dann mussten erstmal alle fender auf die backbordseite. Der anker hatte ein wenig geslippt, hielt aber und es war zum glück kein wind gegen mich. Trotzdem war viel grünzeug von der wand am morgen auf dem deck.
Mit dem sonnenaufgang fing der versuch drei an. Das schiff lag das erste mal so, wie es in der beschreibung liegen sollte. Wieder das schlauchboot ins wasser gelassen, die landleine um den größten baum gelegt und dicht geholt. Den baum hatte ich schon einmal gestern im griff, hatte mich dann aber unglücklicherweise umentschieden. Jetzt liege ich parallel zur wand im abstand von zwei metern. Warum den nicht gleich so. Und zur freude gab es während der aktion kein regen oder hagel.

20180313 versuchdrei

 

20180313 versuchdrei vorgabe

 

Wir haben mitte märz und das anker- und leinensystem funktioniert. Die dritte nacht war zum schlafen da. Am morgen gab es die ersten sonnenstrahlen und hoffnung auf eine passage in richtung Puerto Tamar und weiter in richtung westen. Das barometer steigt, aber leider sind es nur acht grad am morgen im schiff.

Dann die nächste nacht war auch gut, jedoch blies da ein kräftiger lauter wind. Am morgen dann die enttäuschung, es ist ein nordwind. Die temperaturen sinken immer noch, jetzt sind es nur noch sechs grad in der kajüte. Das erinnert mich doch stark an die Falklands, aber hier regnet es ständig. Seitdem ich hier angekommen bin, dauerregen. Mal eine unterbrechung von fünf minuten und die gieskanne wird weiter ausgeschüttet. Keine spaßbringsituation.
Dazu kommt noch, dass meine holzvorräte zur neige gehen, ich sollte mich in den wärmeren norden aufmachen.

Irgendwie läuft es nicht so rund, wie ich mir das erträumt habe. Na klar ist es ein wenig schwieriger allein, als zu mehreren. Auf der anderen seite muss ich auch keine rücksicht nehmen und mir das genöle anhören, also auch gut für mich. Es wird weiter gehen, mal sehen wie.

Veröffentlicht unter Reise_2018 | 2 Kommentare

Patagonien Ende vom Anfang

Dieser teil der reise ist anders, sehr viel anstrengender als das bisherige. Der wind ist immer gegen an, kein stück läuft einfach. Der motor ist immer dabei und schluckt dementsprechend. Ohne seine arbeit wären die vielen schläge nicht möglich gewesen. Wenn kein wind weht, sind es erfolgreiche strecken, die man netto zurücklegen kann.
Gegen die behauptung, hier sei es ein einfaches segelrevier, kann ich nur vom gegenteil berichten. Noch nie habe ich so viele wenden gefahren, um höhe zu gewinnen. Noch nie kamen böen mit zwanzig knoten mehr wind in sekundenschnelle. Wer nicht aufpasst, verliert das segel.

Die tagesetappen haben einen leicht repetitiven charakter, ist doch der ablauf fast immer der gleiche. Mit der sonne wach werden, wenn sie scheint, kaffee kochen, anziehen und los geht es. Dann segeln, was geht, und viel weg schaffen, doch ist die distanz am ende meist eher gering.

Tag 1: von Puerto Williams bis vor Ushuaia gesegelt. Gefahrene strecke vierunddreißig seemeilen, nur zwanzig seemeilen distanz. Der motor hat dreiundzwanzig liter verbraucht und wir sind elf wenden gefahren. Am ende war der wind so kräftig, dass wir eine bucht angesteuert hatten, die nicht in den büchern stand.
Zur freude war es wenigstens ein trockenes und sonniges wetter. Der aufregungshöhepunkt war zwischen einem kreuzfahrtschiff und einer dreimastbark zu passieren. Das problem mit dem funkgerät besteht wieder, verständigung ist gestört. Wobei ich gut hören kann.

Tag 2: von gegenüber Ushuaia bis irgendwo im Beaglekanal gesegelt, diesmal fünfzig seemeilen. Zur entäuschung nur dreiundzwanzig seemeilen distanz. Der motor hat in diesen dreizehn stunden wieder dreiundzwanzig liter verbraucht und diesmal waren es einundzwanzig wenden. Ich würde es mal als langstich bezeichnen.
Es gab einige walsichtungen bei gemischtem wetter. Wieder eine bucht besucht, die nicht in den büchern war.

tag2 langstich

 

Tag 3: vom Beaglekanal bis zur caleta Morning. Dreiundvierzig seemeilen gesegelt, wobei nicht mehr im nordwestkanal. Die distanz war nur fünfundzwanzig meilen, bei einem verbrauch von achtundzwanzig litern in dreizehn stunden. Die einundzwanzig wenden waren diesmal im kurzstich.

tag3 kurzstich

 

Auch wieder walsichtigen und define kamen in der ankerbucht dazu. Die landschaft hat sich geändert, es gab in der nacht neuschnee. Die berge hatten einen leichten weißen überzug. Auch gab es die ersten gletschersichtungen, zum anfang habe ich die ersten fotografiert, später nur noch angeschaut.

20180210 gletscher1

 

20180210 gletscher3 20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

Ein kreuzfahrtschiff war ein überholer und der anker war ohne richtigen halt. Nicht gut, musste aber gehen und ging gut. Die caleta Morning war tief und die berge recht hoch. Das wetter war von feucht zu trocken und deutlich kälter als die tage zuvor.

20180210 wasserfaelle

 

20180210 wasserfaelle mit ueberholer

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

Tag 4: nur sechzehn meilen motort in fünf stunden und dabei zehn liter verbraucht. Das segel blieb eingepackt. Kurz vorm ziel beim gletscher kamen wieder define. Zum anfang war es noch trocken, doch vorm g1etscher fing ein leichter nieselregen an, unschön.
Auch das kleine treibeis rumst kräftig gegen den rumpf. Zuerst sind wir kurz vor die abbruchkante gefahren, fotos geschossen und haben dann einen kleinen gravler eingefangen. Davon gab es dann das tausendjährige eis zum wiskey. Der gletscher war eher enttäuschend, klein und schmutzig, auch kalbte er nicht.
Der ankerplatz war zu gut beschrieben, und beim regen war auch kein aufenthalt auf dem sonnendeck möglich.

 

Tag 5: insgesamt sind wir vierzig seemeilen gesegelt und haben nur achtzehn meilen distanz geschafft. Dreiundzwanzig liter hat mr Perkins in zwölf stunden verbraucht, wir haben dreizehn wenden gefahren.
Der morgen begann mit einem schlechten anfang. Das schiff setzte beim schwojen auf einen felsen auf, ursache war der geslippte anker. Eine kleine slipstrecke hatte ich schon eingeplant, doch der gerutschte weg war länger. Keine schöne art aufzuwachen und dann schnell verschwinden.
Es gab einige seehundsichtungen, doch es war kaum höhe laufbar. Zwischendrin gab es böen bis sechzig knoten, kaum sicht bei feuchtem regenwetter. Schön, wenn das radar funktioniert. Die kleine zielbucht Sur mit zwei landleinen bot eine ruhige nacht.

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

Tag 6: am morgen habe ich erstmal eine erbsensuppe gekocht, denn bei niedrigwasser saßen wir im schlamm fest. Es gab keinen brauchbaren wind und nur mit dem großsegel sind wir siebenundzwanzig meilen weit motort. Wieder haben wir zweiundzwanzig liter verbraucht und waren in acht stunden in einer guten bucht auf der insel Londonderry.
Mit der armada hatten wir wieder funkkontakt und auch die lösung für das verständigungsproblem gefunden. Ist der motor aus, funkt er nicht dazwischen.
Ein ärgerliches thema sind fehlende detailseekarten und nicht genaue. Die karten stimmen wenig, denn wir sind viel über land gefahren. Die wegepunkte in den bücher sind dagegen gut und so nähert man sich über die aktuellen positionsdaten. Diese ankerbucht war gut, auf der karte war sie im see auf der insel.

tag6 seekarte

 

Tag 7: der erste versuch, weiter zu segeln, ist gescheitert. Vor der bucht fing der wind an und das kräftigst. Draußen gab es dann ganz schnell fünfzig bis sechzig knoten wind und hohe wellen. Das schiff ging in schräglage, ein sinnvolles vorankommen war nicht möglich, also zurück zum ankerplatz. Zudem ist das großsegel wieder einmal kaputt gegangen. Im zweiten reff sind die zwei noch nicht reparierten kauschen ausgerissen. Ein folgenschwerer teuerer tag, somit geht nur noch das taschentuch im dritten reff.

Tag 8: siebenunddreißig seemeilen in zehn stunden bei fünfundzwanzig liter verbrauch gefahren. Diesmal keine wenden gefahren. Der wind war nicht vorhanden, dann kam guter wind und dann gegenwind. Das tagesziel konnten wir nicht erreichen. Dafür gab es viel schiffsverkehr, drei fischerboote, ein segelboot und ein inselversorger.
Der nothalt wegen des starken windes war die ankerbucht spezial, die ist nicht in den büchern. Einfach mal ein testversuch und der war brauchbar.

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

Tag 9: dieser tag war einer zum vergessen – und einer für die patagonienlernkurve. Die spezialbucht war gut, der wind in der nacht oft stark und der anker mit einer landleine hielt. Am morgen sind wir gut losgekommen, wieder zurück bis zum kanal in zwei minuten entfernung. Dort war die tageszielrichtung wegen starkem gegenwind nicht machbar, wie am tage zuvor.
So kam der plan b ins spiel. Meine idee, zweihundert meilen vor der küste nach norden segeln. Dadurch sparen wir viel treibstoff, machen mehr meilen, weil wir auch nachts segeln und gewinnen zeit.

Zum anfang ging es super in richtung meer, raumer wind. Auf dem meer war dann ein westwind und sehr unbrauchbar mit bis zu orkanstärken. Die wellen haben dann schnell die zehnmetermarke überschritten und der kurs war nur nach süd oder nordnordost möglich. Ein kreuzen mit negativem ertrag. Die achterbahnfahrt war frustrierend und bis zum erbrechen anstrengend. Also alle unter deck und schlafen gehen. Erst nach mitternacht nahm der wind ab.
Da wir viele meilen nach süden gekommen waren, wurde als ziel die durchfahrt nach Londonderry angepeilt. Viele felsen auf dem weg, somit erst bei tagesanbruch sicher zu machen. Zurück auf los und keine meilen eingezogen.

Die pütz ging schon am vormittag über bord, absolut keine kaffeefahrt, vielmehr mit schwimmweste einpicken und kopfeinziehen, wenn mal wieder brecher übers schiff gehen. Da hier meistens westwind herrscht, in der ausführung kräftig, ist das keine gute alternative. Im unterbereich von Chile muss man zuerst nach west.

Tag 10: in der nacht wieder ein richtungswechsel zum land hin, um im sonnenaufgang zwischen der insel Steward und Londonderry hindurch zu fahren. Das waren sehr anstrengende motorstunden auf der alten dünung, da der wind eingeschlafen war. Um die mittagszeit waren wir am ankerplatz der insel Medio oder für was wir das gehalten haben. Die beschreibungen waren nicht klar. Durch eine kleine enge passage sind wir eingefahren und schon saßen wir fest, tiefe null komma null. Natürlich bei niedrigwasser und auf einem sand-mit-steinen gemisch. Nach einer stunde auflaufendem wasser waren wir wieder frei.
Der motor lief zwölf stunden und es wurden zweiunddreißig liter verbraucht. Das ganze für fünfundvierzig seemeilen. Gestern auf dem meer waren es fünfundsechzig für umsonst. Nur noch zwanzig meilen dazu und wir sind wieder auf los.

Tag 11: fünfundzwanzig liter in neun stunden und direkte fünfunddreißig seemeilen, selten mit segel. Das wetter war nass und es gab keinen wind. Die verteilung ist ausgesprochen ungleich, oft zuviel oder zu wenig. Und wenn, dann kommt er aus der falschen richtung, immer von vorn. Es gab auch wieder einmal pinguine zu sehen, diesmal konnte ich sie ablichten.

20180215 pinguine

 

Ab der spazialbucht gab es dann noch richtigen hack und regen. Wieder einmal musste das radar an, um zu sehen. Drei tage haben wir durch das experiment verloren. Als wir vor der neuen caleta waren, kamen viele fischer von see. Ist das vielleicht ein zeichen auf schlechtes wetter?
An deck habe ich wieder kleine halbe plastikkugeln gefunden, nicht wirklich gut. Und ich weiß noch nicht, wo diese zerbrochen werden.
Die caleta Yahgan haben wir dann nach den koordinaten gefunden. Der anker griff nur halbfest, aber hielt bis zum morgen durch.

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

Tag 12: dreißig liter verbraucht in zehn stunden. Wieder alles direkt und davon in summe zwei stunden mit segel. Insgesamt neununddreißig seemeilen bis vorm abkürzungskanal. Die motordrehzahlen werden im weiteren verlauf erhöht werden.
Das wetter reichte von regen bis starkregen, sonne mit und ohne wind. Die landschaft ändert sich ein wenig, mal neue felsarten im programm.
Einen wichtigen splint vom vorstag habe ich am abend getauscht, der alte war abgeschert. Ich ärgere mich über zu wenig bordabflüsse an deck, aber das hat auch sein gutes. Vieles, das auf deck fällt, wird bis zur plicht gespült und kann eingelesen werden, wie der kopf des splintes.
Die bahia Millicent ist gegenüber der einfahrt zum kanal. In der nebenbucht war der nachtankerplatz, tief – aber der anker hielt zwischen den vielen quallen.

Tag 13: um halb vier sind wir aufgestanden und um vier ging der anker bei stockfinsterer nieselnacht hoch. Keine sicht und langsam aus der bucht heraus. Einer am ausschau vorn, radar an, echolot und der alter track von gestern haben geholfen.
Um sechs uhr mussten wir im kanal Acwalisnan hinter der ersten engstelle zum hochwasser sein.
Dort lief das wasser aber schon ab. Mit vollgas bei zwei knoten durch das entgegenkommende wasser. Der autopilot steuerte durch die wasserwirbel und wir kamen auf einem unterwasserfelsen mit großem rums zum stehen. Dann im rückwärtsgang wieder herunter gerutscht und zwei weitere unterwassersteine gerammt. Dumm, wenn man gedacht hat, dass man noch nicht an der gefahrenstelle ist. Wer die karte richtig studiert hat, kommt hier ohne schrammen dadurch.

tag13 aufgelaufen

 

Sieben stunden und achtundzwanzig meilen bei neunzehn liter sprit später fiel der anker wieder, in der bahia Wood, auf der nordseite der Magelanstrasse. Diese ist hier fast acht meilen breit und dafür ging auch das segel mal wieder raus. Westwind mit kappeliger welle, ein vorgeschmack für die nächsten hundert meilen in richtung westen.
Diese nicht ausdrücklich erlaubte abkürzung in der zarpe hat uns achtzig meilen gespart, dazu zeit und kostbaren treibstoff.

Tag 14: Die nacht in der bahia Wood war gut und am morgen drehte der wind. Er war warm und versprach rückenwind für uns. So sind wir gegen das ablaufende wasser losgefahren. Der steile und riesige berg hat die bucht vom westwind abgeschirmt. In der Magelanstrasse ging es dann mit rückenwind in westrichtung.
Die pläne für den tag waren vielversprechend, wenn da nicht der kräftige druckabfall auf dem barometer gewesen wäre. Nach zehn minuten hörte der wind schon wieder auf, drehte um hundertachtzig grad und kam von vorn, wie fast immer. Nur diesmal gab es stellenweise fliegendes wasser, wie eine kleine windhose. Das segel schnell geborgen und dann gab es die volle ladung. von regen, sonne mit allem und scharf. Mit viel motor und segelversuchen sind wir am abend in eine große bucht eingelaufen und haben geankert. Ein weiteres segelboot kam nach uns, eine seltenheit bis jetzt. Die nacht mit heftigen böen.
In acht stunden haben wir dreiundzwanzig liter verbraucht, sind dreiundzwanzig meilen gefahren, obwohl die bucht nur fünfzehn meilen entfernt war. Kein guter tag zum voran kommen.

20180221 berg

 

20180221 berg

 

Tag 15: wir liegen noch immer in der flachen bucht, das barometer ist seit gestern um fünfundzwanzig hektopascal gestiegen. Die folge sind böen bis mitte der sechziger und kräftiger wind bei sonnigem trockenen wetter.
Auch ist eine reiseänderungsentscheidung getroffen worden. Achtzig meilen zurück nach Punta Arenas fahren, damit Martin seinen flieger erreichen kann. Die etappe bis Puerto Natales wäre sehr, sehr eng. Somit werde ich alle rohstoffe wieder auffüllen und einen neuanfang starten.
Die beste möglichkeit, hier im revier voran zu kommen, ist nach Slocum art, immer mit dem richtigen wind. Ich habe ja zeit. Zudem muss das segel wieder repariert werden, der durchgelutschte diesel muss ergänzt werden und die frischen vorräte sind auch aus.
Morgen wird es hoffentlich weiter gehen.

Tag 16: es sollte nach dem sturm gut voran gehen und es ging auch. Es wurde viel gesegelt, kein kreuzen und der motor war ab und zu auch dabei. Fünfzehn liter verbrauch und in neun stunden waren wir vierzig seemeilen weiter. Der wind war sehr abwechslungsreich, aus jeder richtung kam er am tag und dabei nicht besonders stark. Eigentlich ein guter tag, um in richtung pazifik zu kommen, aber es geht ja in die andere richtung.
Die bucht Bouchage ist sehr angenehm, der anker hält gut und ringsum sind bäume.

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

Tag 17: wir sind ein kleines stück weiter gekommen. Die angepeilte bucht war ein kleiner fischerreihafen, also habe wir die nächste genommen. Letzte möglichkeit, vor Punta Arenas zu ankern. Das klappte auch erst beim dritten versuch in der nordostecke, denn sonst war es zu tief und felsig. Für die siebzehn meilen haben wir sieben stunden gebraucht und dreizehn liter gingen auf das konto von mr Perkins.

Tag 18: Das letzte stück zum ziel wurde nur mit dem motor gefahren. Der wind war gut, nur genau von vorn. Die küste zeigte deutlich mehr änderungen der zivilisation oder von dem, was wir so nennen. Nach sieben stunden und siebenundzwanzig meilen fiel der anker in der nähe der hafenmole. Dann das schlauchboot vorbereiten, den außenborder montieren und ins wasser bringen. Nach über einem jahr pause sprang der motor sofort an, überraschung.
Armada, tourist information und supermarktbesuch in der nächsten stunde erledigt. Das ist das ende der reise zu zweit.

Meine reise geht in den nächsten tagen weiter, nachdem ich vielleicht einen segelmacher gefunden habe, diesel gebunkert und den wassertank wieder aufgefüllt habe. Der proviant muss ergänzt werden und dann folgt Patagonien im selbstversuch.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, schiff | Kommentare deaktiviert

Patagonien Anfang vom Anfang

Hier im hafen von Puerto Williams an der Micalvi wird fast täglich sokoban gespielt. Ein boot verschwindet und die restlichen werden neu verschoben. Diesmal habe ich ein déja vu, liege ich doch schon wieder an dem großen aluschiff, das ich schon aus Stanley kenne. Also wieder hinaufsteigen, wenn ich das schiff verlassen will. Ansonsten liegt man hier im päckchen und jeder läuft über mein deck, um zu seinem schiff zu kommen.

Der ort ist eher trostlos, viele geschäfte haben dicke gitter vor den fenstern. Bei einem ort, der von der marine beherrscht wird, hatte ich mir das anders gedacht. Interessant finde ich die freilaufenden pferde, die als rasenmäher fungieren.

20180202 puerto williams hafenblick

 

Was macht man so, wenn die letzte reise abgeschlossen ist? Man repariert. Die liste war überschaubar und es gab auch ein paar neue tasks. Zum beispiel habe ich einen handscheinwerfer gebastelt. Man nehme eine lampe, eine bohrmaschinenhalterung und ein wenig kabel, löten und fertig. Die nächste dunkle bucht kann kommen und der frontscheinwerfer am schiff funktioniert auch wieder.

20180131 handscheinwerfer

 

Zweimal war ich heute noch im mast, um den windanzeiger zu erneuern. Das bewegliche teil ist wahrscheinlich an seiner achse gebrochen und liegt jetzt im hoheitsgebiet der Falklands. Beim aufstieg zum objekt ist mir dummerweise der neue pfeil gebrochen. Alles wieder auf los, unten den pfeil geklebt, wieder hoch und festgemacht – mal sehen, wie lange das hält.
Dann die ankerprobleme. Damit ich nicht in der dönerschneideweltmeisterschaft antreten muss, ist ein kelbschneider in der mache. Bis hier haben wir mit der machete gearbeitet, das soll nun einfacher werden, ohne tiefe verrenkungen. Das zeug windet sich einfach um den anker und ist dann bis zu einem meter dick, die ankerwinde streikt beim anliften.

20180202 kelbschneider

 

Mit der hiesigen administration lief es auch soweit so gut, war halt mal ne junta. Auf dem weg zur armarda kommt man an einem mannschaftstransportpanzer vorbei. Ich möchte eigentlich nicht wissen, wie viele damit zur ihrer exekution gefahren wurden. Nach dem nine eleven der chilenen, durch die cia angestiftet, sind etliche über die klinge geschubst worden. Alles nicht sehr schön.
Auf dem weg zum hafenmeister hat uns Ofri angeschnackt, ob wir nach Ushuaia fahren würden, und in der schnellen reaktion hatte ich ja gesagt. Schon war uns der anhalter an den fersen. Er kommt aus Israel, hat gerade seine drei jahre zwangsmilitär hinter sich und sieht sich die welt an. Er hatte es nicht leicht mit mir, musste frage und antwort stehen zur nakba, kz der palästinenser, unerlaubte siedler, krieg und vertreibung. Einen abend hatte er für uns gekocht, das war ok, aber nicht richtig etwas anderes. Der preis für die fährverbindung mit Themroc hatte ich auf eine palette bier festgelegt, ein fairer gegenwert. Kostet doch die reguläre fähre hundertzwanzig dollar.

Dann am Sa morgen sind wir mit einer crewliste von drei personen in richtung Argentinien aufgebrochen. Morgens um vier klingelte der wecker, da am nachmittag der wind schon wieder frontal kommen sollte und er auch kam.
Die einklarierungsprozedur hat er auch noch mitmachen müssen. Für mich ist es das dritte mal Argentinien, eine lachnummer von zwei stunden dauer, und ich muss mich beherrschen, nicht laut bullshitbingo zu rufen. Es ist sinnlos und zweckfrei, eine beschäftigungstherapie.
Dafür liegen wir mit dem schiff nach sieben stunden motorfahrt im yachtclub nautico in Ushuaia. Genau ein slot war für uns frei und den haben wir auch genommen. Der preis ist gut und die lage spart uns im gegensatz zum anderen club einen fußmarsch von fünfzehn minuten.

Dann habe ich mich mal ausgeruht, in der plicht und pünktlich zum nachmittag fing auch der wind wieder an. Hier kommt er dann auch mal von null auf fünfzig in ein paar sekunden. Der windgenerator hat das leider nicht verkraftet. Diesmal hat das drehgelenk aufgegeben und dabei sind alle neuen repeller zerschreddert. Wenn ich auf der backbordseite gesessen hätte, würde ich mit einen größeren splitter im kopf herumrennen, glück gehabt. Mir reicht es jetzt mit dem teil.

20180203 repellerstueck

 

20180203 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

Am ankunftstag war es schönes t-shirtwetter und heute am So regnet es den ganzen tag. So sind wir zum supermarkt gelaufen und haben drei einkaufswagen voll gekauft. Zurück sind wir dann mit dem taxi gefahren, auch mal was schönes.

20180204 ushuaia oldtimer

 

Und ich wurde schon wieder angesprochen, ob ich jemanden kenne, der rüber zur insel fährt. Somit haben wir schon wieder jemanden für die rückfahrt an bord, der preis hat sich allerdings schon verdoppelt.
Am abend wurden wir dann noch zum essen in den oberen straßen von Ushuaia eingeladen. Über zwei ecken hatte Martin jemanden getroffen, und zufällig kennen sie beide eine person in Holland, kleine welt. Am abend wurde jedenfalls lecker gekocht und geschnackt.

Montag ist ruhetag, somit kann die marina nicht bezahlt werden und ergo ist so auch kein ausklarieren möglich. Meine wandertour ging durch die stadt, um dieselkanister zu besorgen. Zu hause werden einem gebrauchte plastikbehälter nachgeschmissen, hier zahlt man schon leicht dreißig euronen. Nach fünf kleineren eisenwarenläden bin ich in einem fastbaumarkt fündig geworden. Fünf neue dreißig-liter kanister wohnen jetzt auf dem schiff und das ganze für unter hundert der harten währung.
Unterwegs bin ich auf den supermarkt der französischen kette gestoßen und war doch leicht enttäuscht. So gewaltig war das angebot nicht, aber sie hatten wenigstens haferflocken, ein offener punkt weniger.

Dieseltanken am dienstag, mit der handkarre und den kanistern zur tankstelle und das dreimal. Am ende kannten wir den weg sehr gut, auch schwappte kein diesel mehr aus den sicherheitsverschlüssen der behälter. Aufräumen, verstauen und noch einmal ein paar frische lebensmittel kaufen, und dann kam auch schon Niklas.

20180206 tankwagen

 

Zwischendrin noch den club bezahlt und ab zum behördenhürdenlauf. Die reihenfolgen sollte immigration, zoll und dann die prefektura sein. Der zoll war nicht da und musste erst herantelefoniert werden, eine dreiviertel stunde wartezeit. Der wollte die zettel der prefektura sehen, also hatten wir eine fehlinformation erhalten. Auf zur prefektura, dann zurück und da gab es in unseren pässen bei der einreise zahlendreher. Wir sind also nicht ins land gekommen, großes problem. Der zoll war dann schneller und die prefektura ging auch so. Diese eineinhalb stunden haben uns dann in der nacht gefehlt.
Erst um sechs uhr am nächsten morgen konnten wir ablegen, hatten dafür aber schönen rückenwind und nach sechs stunden machten wir wieder in Puerto Williams fest, an dem schiff, das zuvor vor uns in Ushuaia lag. Hier sind übrigens alle schiffe sind mit dem alten schiff verbunden.

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

Und dann am Mi nachmittag noch schnell den außenborder repariert. Es roch nach sprit seit tagen, und ich wusste auch schon die ursache. Von mir schlecht reparierte benzinzufuhr vom tank aus. Hielt gerade mal eine woche und ist hoffentlich abgestellt. Der rest vom alten windgenerator ist aus dem rohr gepult und der hersteller hat sich auch schon gemeldet, es läuft.
Außerdem lief auch die beantragung der zarpe, die erlaubnis, die chilenischen gewässer im begrenzten bereich zu befahren. Es dauerte länger, die route zu ermitteln, die wege zu schönen, die tage zu strecken, als die jungs in der armada unter anleitung das dokument erstellt haben. Und immer schön über funk melden, isch gansch wischtich. Heute nacht haben sie mich schon wieder ignoriert und wollten jetzt die große nummer machen, ich hätte mich nicht abgemeldet. Vor ein paar tagen hat nur niemand auf meine drei vesuche reagiert, mehr gibt es nicht von mir.

Somit ist morgen, Do der siebte Februar, der auslauftag und die nächsten paar hundert meilen werde ich wieder offline sein.

Nächster regulärer stop ist Puerto Nantales, um Martin von bord zu werfen, die termine rufen. Mein offizielles ende in Chile ist anfang mai in Puerto Montt.

Veröffentlicht unter Allgemein, Reise_2018, technik | Kommentare deaktiviert

Falklands schwieriger Abschied

Ein wetterfenster zu bekommen, das richtig passt, bedarf einer langen wartezeit, wenn man sie hat. Die vorbereitungen waren abgeschlossen, alles funktionierte. Und am Mo ging es dann mit dem ablaufenden wasser los. Wenig wind und strahlender sonnenschein und auf dem meer sollte es recht gut werden.
Den motor gestartet und dann festgestellt, dass sich ein navigationsdisplay nicht meldet und inaktiv ist. Schnell mal eben das untere mit dem im cockpit getauscht, hat funktioniert. Dann das großsegel im hafenbereich hochgezogen und es ging los. Durch den austausch der geräte gab es nun aber keinen autopiloten mehr, echt blöd. Somit war handsteuerung angesagt, das übt ja bekanntlich.

Auf der imaginären linie, an der man sich an- oder abmeldet, hat Martin eine patenthalse hingelegt, der wind war fast eingeschlafen. Da wir zwischen ein paar felsen waren, musste der motor ran. Doch dieser wollte nicht anspringen, das erste mal, leichte panik. Sprit war da, kam wohl nicht an den einspritzdüsen an, somit schnell den magnetschalter getestet. Dafür noch den dieselfilter entfernt und keinen fehler gefunden.
Der wind hatte sich inzwischen gedreht, und die beste lösung war es, zurück zu segeln. Auf dem funkkanal sechzehn meldete sich keiner, keine schlepphilfe zu erwarten. Der anker war vorbereitet, die eventuelle mooring kam auch in frage, und so wir haben das erste mal unter segeln den alten platz erreicht, ohne weiteren bruch, hurra.

Einen richtigen fehler an der einspritzpumpe konnte ich nicht finden, habe dafür eine dichtungsscheibe unter den magnetschalter montiert. Danach mehrere startversuche bis die batterie fast am ende war. Mit der entlüftung der düsen dann sprang der motor doch noch an und lief. Ausschalten, einschalten, und es ging nichts mehr. Das ganze noch einmal und dann lief er doch noch. Nur das funkgerät muckt auf, empfangen ja, senden nur schlecht, muss bis Chile ohne gehen.

Somit war Martins kleiner steuerfehler im endergebnis doch sehr gut. Wäre uns erst mitten auf dem meer die verweigerung des motors aufgefallen, wäre viel zu kotzen gewesen.

20170126 abschiedsflagge

 

Das navi-instrument wurde neu gekrimmt und funktionierte auch wieder, zwei stunden lang. Somit gibt es im cockpit erstmal wieder keine windanzeige, aber der autopilot lebt.
Inzwischen ist auch der windanzeiger auf dem mast verschwunden und ein mastrutscher in der segelmitte ist gebrochen. Nur mit der genua und dem dritten reff im großsegel ging es weiter. Die nacht war heftiger als die vierzig bis fünfzig knoten tagsüber. Am morgen war der spuk vorbei und der zweite tag auf see war ein motorsegeltag. Nur nicht genau in die zielrichtung zur Staaten Insel, das kann also noch dauern.

Am nachmittag ist der wind eingeschlafen, motor aus und treiben lassen. So vergingen der abend und die nacht. Am morgen, achtzehn meilen weiter östlich gab es dann eine fettwartung am antrieb, kaffee und es wurden wieder die segel gesetzt. Hauptsache irgendetwas mit süd und west im kurs, Mr Perkins ist immer dabei.

Die flaute setzte sich auch am dritten, vierten und fünften tag fort. Da waren wir schon auf der höhe der Staaten Insel, nur leider hundertachtzig meilen östlich. Das neue konzept hieß dann, hauptsache nach westen kommen.

20170122 flaute

 

Flaute auch in der nacht zum sechsten tag, jedoch kam morgens um fünf uhr ein wind mit vierzig bis fünfzig knoten aus südwest. Bei strahlendem sonnenschein ging es nach nordwest, so gut es ging. Diesmal auf dem anderen bug und dabei flogen zwei teller durch die kombüse bis zum tödlichen aufschlag auf dem boden. Fast zur selben zeit hat eine böe die neuen repeller an den generatorenmast gedrückt, schredder, schrott. Haben nur eine woche gehalten, das wird langsam teuer. Am abend wieder windausfall und treibend durch die nacht.

20170122 repeller schrott Xte

 

Am morgen des So war der kurs vorerst südwest, dann wurde daraus nordwest. Eigentlich nur noch hundertvierzig meilen bis zum ziel. Zum abend hin wieder das gleiche spiel, der wind wurde für hoch am wind kurse zu schwach. Wir nutzten die zeit, um den segelrutscher auszutauschen und die großfallrolle zu fixieren. Nach dem abendbrot gab es dann unerwartet wind für unsere richtung südwest. Mit dem reparierten groß und der genua ging es in die nacht hinein. Nach vier stunden mussten wir in der nacht reffen und der kurs war immer noch super. Am morgen dann das erwachen, der wind hatte schon wieder gedreht. Also eine halse fahren und wieder nach nordwest bei strahlendem sonnenschein.

flk staaten1

 

Dieser südatlantik zeigt sich von seiner gemeinen seite. Die brutale eigenschaft hatte ich ja schon in den roaring fourties zu spüren bekommen. Nur diesmal kommt frust auf, man will zum ziel und der wind spielt nicht mit.
Alle, die über die Falklands nach Patagonien wollen, sollten sich zeit nehmen. Das schiff sollte in Stanley jeden tag abfahrbereit sein, und ich rate tunlichst, auf das passende windfenster zu warten. Die entfernung zur Staaten Insel lässt sich gut in drei tagen bewältigen. Die ungeduld des schnellen ablegens aufgrund von zeitdruck zahlt man mit entsprechenden tagen auf see. Alle winde mit einem nordanteil gehen gut, auch ein seltener ostwind passt. Leider sind gerade jetzt die westwinde vorherrschend, also von da, wo wir hinwollen.

Heute ist der dreiundzwanzigste Januar und wir sind seit einer woche auf see. Diese pleite übertrifft alle bisherigen rekorde in sachen umwege. Der wind war heute morgen so schwach, dass nicht einmal die segel standen. Das wurde dann im laufe des vormittags besser und jetzt läuft das schiff selbstständig in richtung nordwest. Aber es sind noch immer oder schon wieder um achtzig meilen bis zum ansteuerungsleuchturm.
Dafür ist das chicken tikka marsala während der ruhigen phase schonmal vorbereitet worden, es kann hier auch ganz schnell anders werden.

Ich kann nicht sagen, ob diese sandbank, die burdwoodbank, auswirkungen hat. Gestern abend vermutete ich aber ein starke strömung um zwei knoten an ihrer grenze. Also dieses gebiet besser meiden. Dafür gab es gestern eine walsichtung und ein dutzend delphine.

flk staaten 2

 

Am tag nummer acht roch es plötzlich verbrannt, schnell mal den kopf in die luke gestreckt und nur alte socken gerochen. Einen kilometer neben dem schiff hatte sich ein trawler geräuschlos, aber nicht geruchsarm herangeschlichen. Auf dem radar waren dann zwei von der sorte zu sehen. Diese begleiteten uns bis zum abend hin, dem ende der südwest segelei. Der wind war dieses mal für uns, nicht zu stark und in die richtige richtung. Und dann hinter einer großen wolke die plötzliche landsichtung, hurra!

Die zunächst aufkommende idee, eine der ersten buchten anzulaufen, wurde nach einer stunde wieder fallengelassen. Unbekannte bucht, im dunkeln und viele felsen versprechen keine ruhige anfahrt. Somit startete ich den versuch, zur zielbucht zu kommen, eine weitere schreckliche nacht. Kaum wind, motor läuft und eine strömung, die nicht der freund ist. Erst zum morgen hin kam wind und die Staaten Insel konnte nach westen abgefahren werden.

20170125 isla des los estados

 

20170125 isla des los estados

 

2017020170125 isla des los estados

 

Der kurzeitige wind flaute ab und wurde durch den motor ersetzt. Das meer war ein ententeich und fünf stunden später erreichten wir die einfahrt zum vielleicht besten ankerplatz in Patagonien. Pinguine an der einfahrt und im wasser, viel grün, bäume und steile felswände. Wenn man die erste bucht durchquert hat, kommt die zweite nach einer sehr engen passage.

20170125 puerto hopner

 

20170125 puerto hopner bucht1

 

20170125 puerto hopner bucht1 einfahrt

 

In der zweiten bucht liegen wir zwischen dem ufer und einer kleinen insel mit dem anker und zwei landleinen. Nach neun tagen ein gigantischer anblick, plätscherndes wasser, einen wasserfall und sonnenschein. Hier könnte ich länger verweilen.

20170125 puerto hopner bucht2

 

20170125 puerto hopner bucht2

 

20170125 puerto hopner bucht2 einfahrt

 

Dieser kampf mit dem wind hat erstmal ein ende, nur noch über die Le Maire Straße. Das wird noch ein dicker brocken werden, ist aber überschaubar. Die reise bis hierher hat neun tage gedauert, ohne den ersten versuch. Geplant dafür hatte ich drei, eine kleinere grobe fehlschätzung.
Auf den karten sind die violeten kreuzkurse und kreise sichtbar. Die rote und blaue linie war der gedachte optimale weg von dreihundertzwanzig meilen. Wir haben dafür siebenhundertzwanzig gebraucht. Dazu haben wir über hundert liter diesel verfahren. Bruch gab es reichlich, vieles wird hier in Puerto Hopner repariert werden.

flk staaten 3

 

Der abschied mit wolken um die berge fiel nicht so leicht, mit sonnenschein wäre es richtig schwer gewesen. Der plan war, mit dem auflaufenden hochwasser zum absprungankerplatz, dem letzten vor der Le Maire Straße, zu fahren, um dort den tidenwechsel abzuwarten.

Draußen auf dem meer mussten wir aufkreuzen. Der wind war so gut, dass wir am absprungankerplatz weiter gefahren sind. Der nächste ankerplatz ist in fünfzig seemeilen am anfang des Beagle Kanals. Die vielen hinweise, warnungen und horrorstorries zu dieser meerenge haben das schlimmste schon vorweg genommen. Wir hatten ein echt gutes wetterfenster, wind aus der richtigen richtung, sonne, der strom war hauptsächlich mit uns und die wellen auch. Wirklich schlimm sieht anders aus, mit zehn meter wellen und sturm.

Jedoch gibt es an den rändern einen gegenstrom. Trifft dieser mit den wellen zusammen und der wind mischt mit, so gibt es eine kochende hackbrühe ohne fleischeinlage. Die wellen sind steil um einsfünfzig und auf dem kamm spritzt das gegenlaufende wasser in die höhe. Diese zone ist mehrere meilen auf beiden seiten breit. In der mitte war es recht gut, bis auf dass der wind häufig ausfiel. Der motor musste sehr oft gestartet werden und lief dann lange mit. Somit war die überfahrt sehr viel länger als geplant.

Auf der anderen seite ging es in die nacht hinein, jeder durfte mal schlafen gehen. Am morgen habe ich dann den ankerplatz gestrichen und es ging gleich zum nächsten weiter. Diese guten dreißig meilen sollten recht schnell gehen, lief das schiff mit dem wind gerade um fünf knoten. Das war leider nur kurze zeit der fall, die regel waren drei. Dann streikte der wind und der motor musste sich gegen eine strömung und das ablaufende wasser durchkämpfen.

Nach insgesamt fünfunddreißig stunden fiel der anker in einer ruhigen bucht am Beagle Kanal, direkt unterhalb der armada. Dabei war der motor dreißig stunden gelaufen und hat siebzig liter diesel geschlürft.

Nach Puerto Williams sind es nur noch dreißig meilen, das kann aber bekanntlich auch dauern. Diese motorbootfahrerei geht mir schon jetzt auf den senkel und die kanäle in Patagonien sind lang.

Ein weiteres problem sind die navtext meldungen. Habe ich mir doch eine neue wetterbox gekauft, da ich die alte am ladegerät geschrottet hatte. Nur empfange ich hier nur warnungen, aber keine wettervorhersage. Haben die etwa den wichtigen teil eingestellt? Echter mist.

Am nächsten morgen brauchten wir zwei versuche, um aus der bucht zu kommen. Das erste mal gab es draußen im kanal eins auf die nase. Das wollte uns wohl auch der mitarbeiter der armada mitteilen, leider gab es rufverständigungsprobleme. Zu viel wind und genau aus der richtung, in die wir wollten. Das ist hier wohl auch das grundproblem.

Beim zweiten mal am abend ging es besser. Nur mussten wir hier aufkreuzen, um voran zu kommen, alles mit motorunterstützung. Zum sonnenuntergang wurde dann wieder die windmaschine abgestellt, echt merkwürdig. Nach insgesamt vier stunden haben wir die zwischenbucht erreicht, mal sehen was das italienische buch so kann, das ist die bibel für Patagonien. Der mond half nicht und so ging es in eine rabenschwarze kleine bucht hinein. Ein wenig taschenlampe, eine kleine runde gedreht und schon fiel der anker.

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

Am morgen fing dann der ruhige trip nach Puerto Wiliams an. Am letzten abend hatte uns noch einmal die armada angefunkt, alles bestens. Am nächsten tag wollte uns wieder keiner verstehen oder reagierte nicht. Dafür gab es diesmal einen besuch mit dem patrolienboot.
Danach war der leichte wind weg und der meldete sich auf die letzten zwei meilen wieder. Mit dem motor gegenan war fast unmöglich, fahrt unter einem knoten. Im sturm mussten wir wieder kreuzen, die böen hatten sechzig knoten wind, auch bei vierzig plus bis fünfzig ist es kein spaß mehr. So haben wir zwei stunden für die letzten zwei meilen nach Puerto Wiliams gebraucht. Ich brauche das sicherlich nicht.

Jetzt mal sehen, was dieser ort so kann.

 

Veröffentlicht unter motivation, Reise_2018 | 2 Kommentare

Verspätete Rückreise zum Schiff

Was ist denn in den letzten drei monate zu hause passiert? Eigentlich recht wenig. Ich habe zwei reisen nach deutschland unternommen und freunde getroffen. Weitere ersatzteile gekauft, verpackt und vorausgesendet.
Das wetter in frankreich war mies, sehr mies und die trockenen fahrradtage kann ich an einer hand abzählen. Dafür war ich als junkie im netz und surfte sehr lange. Ich nenne das mal fortbildung oder nachhilfe, denn viele themen wurden mir nicht erzählt oder sie sind schlichtweg falsch herübergekommen.

Dann wurde auch meine ernährung umgestellt, auf sehr vegetarisch. Es ist schon ein kleiner kampf im kopf, wenn der lockruf eines schnitzels brüllt. Auf der anderen seite weiß ich, wie tiere gehalten und geschlachtet werden. Also gab es happy cow burger, happy weihnachtsgans, happy wienerschnitzel. Inwieweit ich das durchhalten werde, kann ich noch nicht sagen, sinnvoll ist es allemal, ich erwähne mal ‘cowspiracy’, den film, oder ‘what the health’, kann man sich auf youtube angucken.

Dieses weihnachten war ruhig, sylvester noch ruhiger, obwohl über tausend autos in frankreich in flammen aufgingen. Hier im stadtteil kaum eins.

Mein liebster alter schraubensponsor von der Mosel meinte, nun auch mir ein paar euronen zukommen zu lassen. Das war sehr nett, jedoch das mit dem spendenknopf hatte ich ja mal im kopf und dann auch wieder verworfen. Wenn jemand reisen will, so sollte er es auch finanzieren können. Wenn ich pleite bin, werde ich es wohl ändern müssen. Letztens hatte schon mal jemand nach meiner kaffeedose gefragt und ich habe ihn vertröstet, dass er auch weiterhin kostenfrei lesen kann.

Die buchung der rückreise lief sehr gut und wegen der zeiten habe ich mich für den bus entschieden. Alles lief bestens, bis zur ersten abreiseverschiebung um einen tag, weil das armeeflugzeug später fliegen sollte. Alles wieder umbuchen, eine kleine gebühr on top und einen tag länger in Lille bleiben. Doch dann verschob sich der flug wieder um einen weiteren tag. Das regnerische Brize Norton soll ja auch ganz nett sein, für maximal einen tag.

Die fahrt nach england dauerte über zehn stunden. Nachts um 1 uhr in Lille eingestiegen, eine anstrengende busfahrt für eine stunde, dann mussten alle an der grenze austeigen, das gepäck nehmen und durch die französische kontrolle hindurch. Zweimal wurde der pass verlangt und das gepäck wurde einmal durchleuchtet. Dann wieder alle in den bus zurück, gepäck wurde wieder eingeladen und es ging weiter.

Hundert meter später der nächste stop, alle aussteigen, britische grenzkontrolle. Noch einmal wurden die pässe kontrolliert und um drei uhr waren wieder alle im bus. Dieser arbeitete sich durch ein paar kontrollen bis in den tunnelzug vor. Pünktlich um halb vier setzte sich die silberne lange röhre mit sehr, sehr vielen autos in bewegung.

Nach einer dreiviertel stunde konnte sich der bus wieder aus eigener kraft in richtung London bewegen. Überpünktlich bin ich in der Victoria busstation angekommen, mein nächster bus fuhr um zwei ecken und hundert meter weiter ab. Meine wartezeit betrug nur eine halbe stunde, da mich der nächste busfahrer mitgenommen hat. Und er hat mich in Oxford auch bis ins zentrum gefahren, dort ging der vorerst letzte bus bis nach Brize Norton ab. Die fahrerin setze mich an der richtigen haltestelle ab.

Ein kurzer weg zu fuß zum eingang des flugplatzes und ich freute mich schon auf ein bett, nach einer zehn stunden-reise ohne schlaf. Jedoch wollte die security mich als nicht armyangehörigen nicht zum guest hotel durchlassen. Auf der webseite las sich das für mich anders, für kleines geld will das hotel für mich als privater fluggast beherbergen. Zum flug konnte man erst in sechsunddreißig stunden einchecken, vorher gibt es kein eintritt auf das armygelände.

Ein b&b konnte ich nicht finden und so hat mich eine taxifahrerin in eine vermeintlich günstige travellodge in den nächsten ort gefahren. Zehn pfund für sie und das hotel will siebzig pfund für eine nacht ohne frühstück und einen aufschlag für das frühe einchecken morgens um zehn, straßenräuber, hängt sie höher.

Und ich muss hier morgen um zwölf wieder raus, nur was mache ich bis abends um sieben, mal sehen. Der örtliche pub hat schon um zehn auf und warm ist es dort auch.

20170104 burford

 

20170104 burford

 

20170104 burford

 

20170104 burford

 

Ich bin um zwölf raus und direkt in das dorf gelaufen. Mit der sonne am himmel sieht es alles freundlicher aus, da es seit der einreise fast nur geregnet hatte. Und da der bus gleich gekommen ist, bin ich in den anderen ort nach Witney gefahren. Der ist größer, mehr zu sehen, aber ich mit über dreißig kilogramm gepäck an den hacken. Die rückflugzeit hatte sich mittlerweile stabilisiert und wird hoffentlich in acht stunden abheben. Der verspätete hinflug wurde durch eine krankheitsbedingte notlandung in Rio de Janeiro unterbrochen und hat den flugplan total durcheinander gebracht.

20170104 burford pubsofa

 

20170104 burford pub local ale

 

20170105 witney

 

Nach dem sechzehnstündigen flug mit zwei stunden aufenthalt auf den Kap Verden, plus den fünf stunden vorflugwartezeit auf dem armeeflughafen, bin ich in Stanley angekommen. Der flug war voller als der hinflug und man hat mir freundlicherweise einen doppelsitz gegeben. Die kampftruppe durfte teilweise zu viert in der mitte sitzen. Das essen war akzeptabel und leider nicht so lecker wie beim ersten mal.

20170105 zugangskarte

 

Vom customs officer auf den Falklands wurde ich wieder mit meinem vornamen begrüßt, bin also irgendwie in seinem kopf hängengeblieben. Der einstündige transfer funktionierte reibungslos, Bob und Janet haben mich freundlich aufgenommen.
Es hat sich hier nicht viel verändert, also eher nichts, aber es ist sommer. Die temperaturen sind freundlich und die sonne scheint. Die natur blüht und das grün ist frisch. So sehe ich die inseln mit anderen augen.

Am So hat uns dann Jason zur anderen seite gefahren, diesmal mit dem wagen. Meinen neuen mitsegler Martin habe ich zufällig bei der touristeninformation getroffen. Am ankunftstag hatte ich ihn schon gesucht und nicht gefunden.
Der erste tag in the Camber verlief recht ruhig, erstmal wieder das schiff untersuchen. Zu meinem erstaunen waren die verbraucherbatterien voll, die solarpannels haben ganze arbeit geleistet. Der motor sprang beim zweiten versuch an, ich weiß nicht warum, aber er läuft wie eh. Trotz des guten zustands der batterien habe ich den chinesischen batteriepulser eingebaut und er arbeitet erstmal vor sich hin.

20170108 batteriepulser

 

Als nächstes war die standheizung auf der liste, neue dieselschläuche und die neue steuereinheit und schon beim dritten anlauf lief sie an und macht mächtig wärme. Diese ist aber gar nicht erforderlich, da hier sommer ist. Bis zu zwanzig grad ist es warm, der normale wind weht und die sonne scheint sehr intensiv. Zu intensiv, die stellen, die keinen sonnenschutz erhalten haben, sind schnell verbrannt. Das ozonloch soll hier auch schon sein.

Der gute alte holzofen hat eine neue ofendichtung um die klappe herum erhalten und brennt sehr gut. Abends nach dem sonnenuntergang geht das feuer an und auf dem sofa ist es gemütlich warm. Wenn wir uns nicht ein projekt namens Patagonien vorgenommen hätten, könnte es so weiter gehen.
Am abend wurde noch die ankerrolle von Bob geliefert. Mike mit der chaotischen werkstatt hat den bolzen gängig gemacht, eine bohrung hineingebohrt und mit einen fettnippel verschlossen. Die achse kann jetzt fixiert werden und die rolle schmatzt auf der welle, bis jetzt super. Angebaut habe ich das teil am geplanten rüberfahrtag, der fiel aber ins wasser oder eher in den wind.

20170109 neuer fettnippel ankerrolle

 

Somit sind wir einen weiteren tag im hafen geblieben und haben dort reichlich holz von den bauarbeitern bekommen. Am Mi war dann der rüberfahrtag auf die andere seite der bucht, der wind war noch immer recht kräftig, und es hat uns zwei stunden gekostet, das schiff zu drehen. Hätten wir das doch am abend zuvor gemacht, da war auf einmal windstille.

20170109 the camber

 

Sechs landleinen und fünf zum ponton wollten wieder vom schiff gelöst und an land verbunden werden. Dabei musste das schiff durch den wind gedreht werden, weil die fünfundzwanzig knoten wind ein sauberes manöver verhindert hätten. Bruch muss ja nicht gleich beim ersten mal passieren. Dann ging alles recht schnell, das wasser fiel schon wieder und wir mussten raus.
Die fahrt durch die ganzen kreuzfahrtschiffe ging ohne nennenswerten vorfälle. Am anleger half uns ein chilenischer seemann und schnell waren wir fest, bei weiterhin auffrischendem wind, zehn mehr als im hafen auf der anderen seite.

20170109 liegeplatz

 

20170109 stanley

 

Die arbeiten am schiff sind soweit abgeschlossen, der neue wasserfilter ist installiert, die windsteueranlage ist eingebaut und der windgenerator hat neue repeller bekommen. Diese sind nicht so geräuscharm, wie angepriesen. Da wir aber landstrom haben, ist das teil vorerst blockiert.

20170109 neue repeller

 

20170110 wasserfilter

 

Am Mo soll es dann richtung Staten Island losgehen. Am So noch einmal ein paar lebensmittel kaufen, dann sich noch hier verabschieden und das war es dann auf den Falklands. Es sind inseln, zu denen ich zurückkommen könnte.
Nur an die invasion von tausenden ausgespuckter touristen täglich muss man sich gewöhnen. Wenn mehr als ein kreuzfahrtschiff im sommer hier ankommt, können es auch schon mal siebentausend am tag sein, big money.

20170107 bewohner public jetty

 

20170110 die invasion

 

Es lief auch etwas sehr schief, ein kleines paket aus Deutschland versendet ist nicht angekommen und die trackingnumer ist auch nicht vorhanden. Somit bekommen meine laptops keine neuen batterien, der duschsumpf keine neue pumpe, zehn neue schalter fehlen und die ofenglasscheiben geben keinen einblick ins feuer. Mist gewaltiger, am falschen ende gespart.
Dann habe ich auch meinen rechner in frankreich nicht ordentlich gecheckt. Das skype will eine neue version vom explorer und somit kann ich erstmal nicht telefonieren. Das update erfolgt erst wieder bei richtigem internetzugang. Warum können diese systeme nicht einfach ohne erneuerung leben, dieser wahnsinn kostet viel zeit und nerv.

Veröffentlicht unter reisevorbereitungen, Reise_2018, technik | Kommentare deaktiviert

Auch in Frankreich ist es kälter geworden

Vom zaghaften frühling auf den Falklands bin ich den beginnenden herbst gereist. Jetzt gab es hier schon den ersten schnee. Antizyklisches reiseverhalten nenne ich das, zugvögel machen es geschickter.

Vorweg das wichtigste für die weiterfahrt: die ersatzteile sind alle da. Gewogen für den flug liegen diese bereits bei über zehn kilogramm, also ist wieder die schlepperfahrung aufgerufen. Wird schon gehen.

Was nicht funktioniert hat, ist, neue batterien zu kaufen, vorerst. Meine alten energiespeicher werden reanimiert und bekommen einen schrittmacher, einen batteriepulser nämlich. Dazu werden sie noch ein wenig destilliertes wasser erhalten. Danach sind der glaube und die hoffnung gefragt. Die kann dann an der pazifikküste zuletzt sterben.

Meine gesundheit ist auch grob zurück. Dieses kontinentale klima mit dem staub in der luft hat die nebenhöhlen nicht gerade verwöhnt. Der schnupfen und husten sind fast ganz weg, dafür habe ich noch immer ellenbogen. Jetzt fragt ihr euch, warum ich nicht zum arzt gehe. Weil ich weiss, dass es täglich besser wird und ich meinen dolmetscher nicht immer dabei haben kann. Ich arbeite an meinem französisch, mit geringem erfolg, mangels eigenmotivation.

Die reise zurück zu den Falklands, inklusive des ersten streckenabschnitts bis nach Oxford steht auch schon. Dass die planung dafür kein einfaches unterfangen war, kann nicht nur an der enormen entfernung liegen. Unter fünf verschiedenen teilabschnitten ist es von Lille bis zum flughafen Brize Norton mit der bahn nicht zu machen. Und somit werde ich mit dem bus bis zum flughafen fahren. Einen tag vor abflug versteht sich, denn eine anreise morgens um acht ist logistisch nicht machbar. Dafür gibt es dann ein hotel in Brize Norton für lau mit eigenem shuttleanschluss.

Auch sind meine fähigkeiten, eine reise zu buchen, eingeschlafen. Wenn man das nicht häufiger plant, hängen einen die verschiedenen buchungsportale ab. Da freue ich mich doch über einen profi mit einer unterstützenden hand zuhause.

Mein neuer zweite ausflug in die brd geht nächstes wochenende los. Alles im raum mittewest, zwei freunde und der neue mitsegler sind anzusteuern. Besser jetzt noch alles klären, als zu spät. Alles mit der bahn, die hoffentlich pünktlich ist. Seitdem ich mein auto vor drei jahren verkauft habe, geht es auch mit anderen verkehrsmitteln voran.

Die lust, etwas im haus zu reparieren, hält sich hier sehr vage bis fast gar nicht. Das wird natürlich hier nicht mit jubeln belohnt. Aber ich kenne mich doch, nach der unlust kommt der pfusch. Somit fange ich einige bauprojekte gar nicht erst an.

Der nasskalte herbst im Nord-Pas-de-Calais verführt mich auch nicht, durchnässt die gegend zu erkunden.

Das internet ist schnell, ich bin willig und faul. Beim letzten bericht habe ich mich über die vielen vlogs bereits ausgelassen, also diesmal nicht. Die inflation der videoblogs vertreibt eine gewisse langeweile. Inzwischen habe ich schon um die vierzig aus dem bereich langfahrtsegeln auf dem radar.

In nicht einmal einem monat bin ich wieder auf dem schiff. Die reparuturliste wird parallel erstellt und dann werden mal wieder die leinen gelöst.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, reisevorbereitungen, Reise_2017 | Kommentare deaktiviert