Auch in Frankreich ist es kälter geworden

Vom zaghaften frühling auf den Falklands bin ich den beginnenden herbst gereist. Jetzt gab es hier schon den ersten schnee. Antizyklisches reiseverhalten nenne ich das, zugvögel machen es geschickter.

Vorweg das wichtigste für die weiterfahrt: die ersatzteile sind alle da. Gewogen für den flug liegen diese bereits bei über zehn kilogramm, also ist wieder die schlepperfahrung aufgerufen. Wird schon gehen.

Was nicht funktioniert hat, ist, neue batterien zu kaufen, vorerst. Meine alten energiespeicher werden reanimiert und bekommen einen schrittmacher, einen batteriepulser nämlich. Dazu werden sie noch ein wenig destilliertes wasser erhalten. Danach sind der glaube und die hoffnung gefragt. Die kann dann an der pazifikküste zuletzt sterben.

Meine gesundheit ist auch grob zurück. Dieses kontinentale klima mit dem staub in der luft hat die nebenhöhlen nicht gerade verwöhnt. Der schnupfen und husten sind fast ganz weg, dafür habe ich noch immer ellenbogen. Jetzt fragt ihr euch, warum ich nicht zum arzt gehe. Weil ich weiss, dass es täglich besser wird und ich meinen dolmetscher nicht immer dabei haben kann. Ich arbeite an meinem französisch, mit geringem erfolg, mangels eigenmotivation.

Die reise zurück zu den Falklands, inklusive des ersten streckenabschnitts bis nach Oxford steht auch schon. Dass die planung dafür kein einfaches unterfangen war, kann nicht nur an der enormen entfernung liegen. Unter fünf verschiedenen teilabschnitten ist es von Lille bis zum flughafen Brize Norton mit der bahn nicht zu machen. Und somit werde ich mit dem bus bis zum flughafen fahren. Einen tag vor abflug versteht sich, denn eine anreise morgens um acht ist logistisch nicht machbar. Dafür gibt es dann ein hotel in Brize Norton für lau mit eigenem shuttleanschluss.

Auch sind meine fähigkeiten, eine reise zu buchen, eingeschlafen. Wenn man das nicht häufiger plant, hängen einen die verschiedenen buchungsportale ab. Da freue ich mich doch über einen profi mit einer unterstützenden hand zuhause.

Mein neuer zweite ausflug in die brd geht nächstes wochenende los. Alles im raum mittewest, zwei freunde und der neue mitsegler sind anzusteuern. Besser jetzt noch alles klären, als zu spät. Alles mit der bahn, die hoffentlich pünktlich ist. Seitdem ich mein auto vor drei jahren verkauft habe, geht es auch mit anderen verkehrsmitteln voran.

Die lust, etwas im haus zu reparieren, hält sich hier sehr vage bis fast gar nicht. Das wird natürlich hier nicht mit jubeln belohnt. Aber ich kenne mich doch, nach der unlust kommt der pfusch. Somit fange ich einige bauprojekte gar nicht erst an.

Der nasskalte herbst im Nord-Pas-de-Calais verführt mich auch nicht, durchnässt die gegend zu erkunden.

Das internet ist schnell, ich bin willig und faul. Beim letzten bericht habe ich mich über die vielen vlogs bereits ausgelassen, also diesmal nicht. Die inflation der videoblogs vertreibt eine gewisse langeweile. Inzwischen habe ich schon um die vierzig aus dem bereich langfahrtsegeln auf dem radar.

In nicht einmal einem monat bin ich wieder auf dem schiff. Die reparuturliste wird parallel erstellt und dann werden mal wieder die leinen gelöst.

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Welcome back to the real world

Ich war seit Mar del Plata im juni auf entzug und konnte auf den Falklands auch clean bleiben. Diese schlimme droge, das zwischennetz, ist schon recht zeitintensiv und der rausch hält wie bei crack nur für kurze zeit an. Ich bin nicht auf fakebook oder ähnlichem, in keiner community muss ich pseudofreunde generieren, die segelforen sind auch nicht mehr aufputschend, eher bemitleidenswert. Auf den kalten inseln war das surfen zu teuer, aber wieder in europa ist das internet so gut wie frei. Damit meine ich den zugang und nicht den gefilterten zensierten inhalt.

Also verbringe ich die ersten wochen nach meiner rückkehr mit einem intensiven update meiner alten informationsquellen. Meine liste von segelblogs und vlogs benötigte viele stunden und tage. Auch hat sich meine sichtweise auf den einen oder die andere person verschoben. Da wurden viele berichterstatter auf B und C herabgestuft und andere sind aufgestiegen.
Was passiert woanders und wo befinden sich die anderen segelreisenden? Vielleicht kann ich sie im wahren leben mal am ankerplatz treffen. Aber besonders nervig empfinde ich die ‘riesigen’ probleme, die andere auf ihrer reise haben. Ein ölfilterwechsel füllt da schon mal zehn minuten filmzeit und am ende hat der held mit den schmutzigen op-handschuhen erschöpft gewonnen. Da klopfen sich paare gegenseitig auf die schulter, nachdem sie den schweren sturm vor anker überlebt haben, bei bis zu dreißig knoten wind. Lebensgefährliche manöver werden veranstaltet, im sitzgurt von der frau per winsch geliftet, um ein leuchtmittel im mast zu tauschen, unglaublich aufregend und spannend, vielleicht für die sofasegler.

Ich möchte hier nicht noch weiter in diese themen hineingehen und ich will auch nicht überheblich klingen. Solange man keine erfahrungen außerhalb des wohnbereiches gemacht hat, ist fast alles ein projekt, eine herausforderung und oft ein abenteuer. Nur ich habe mich herausgewagt und dabei oft in die scheiße gegriffen, viele glitschige erfahrungen habe ich jetzt mehr. Mein reizlevel ist höher als vor einem jahr, als vor dreien. Das bringt eine segelreise mit sich und ich empfinde es als gut. Wer kann sich heute noch an sandkuchenformen in der sandkiste begeistern, wenn es außerhalb der box viel mehr zu sehen und zu erleben gibt.

Aber zurück zu den videoblogs, da ist mir auch einiges aufgefallen. Blogs mit freizügigen introbildern haben mehr aufrufe, tiefe einblicke noch mehr, nur im blog gibt es diese introbilder gar nicht. Da wird der skipper zum zuhälter, der die mitseglerin zur fleischbeschau freigegibt, muss doch die kohle irgendwie an bord kommen.
Die drei b’s: bikini, boobs und blankziehen in kombination – das erzeugt richtig viele klickzahlen. Nur auf dauer geht es nicht gut und die meisten zuschauer sind dann wohl doch sabbernde herren mit heruntergelassener hose, ein rohrkrepierer am segelbloghorizont.
Und wenn nicht mit ‘sex sells’, dann wird mit überflugfilmchen das leben an bord aufgepimpt oder das bewachsene unterwasserschiff wird abgetaucht. Nur machen das schon sehr viele, also auch hier schon wieder eine abstumpfung der reize. Doch siehe da, diese vlogs werden bis zu tausend dollar pro sendung durch viele sofasitzer unterstützt. Wenn sie fleißig sind, machen sie vier episoden im monat, also vier grand. Dafür müssen sie aber auch kontinuierlich liefern, bei einem arbeitsaufwand von um die dreißig stunden pro film. Viel arbeit und materialeinsatz für’s geld, aber vielleicht mögen sie das ganze auch. Ich für meinen teil möchte es trotzdem noch immer nicht machen. Es lacht zwar die kohle, gleichzeitig steigt der druck, immer wieder etwas neues zu erfinden. Meine langen reparaturlisten und die umfangreichen routineaufgaben sind für mich als alleinsegler schon genug.

Die drei jungs aus amerika, die ich in Französisch Guyana getroffen habe, habe ich in ihrem vlog wieder gefunden. Mir war nicht bekannt, dass sie einen haben. Sie sind aus der filmbranche und deren bewegte bilder sind super ästhetisch und um klassen besser als der einheitsbrei. Doch auch dort gibt es keine großen anderen abenteuer zu sehen. Nur ein film fehlt von denen, nämlich als sie versucht hatten, von Guyana aus in richtung Brasilien gegen wind wellen und strömung zu segeln. Nach vier tagen waren sie ja wieder am ausgangspunkt vor anker.

Will man geld mit seinem blog verdienen, muss die reichweite erhöht werden. Das geht am einfachsten über die sprache, wenn sie denn im repertoire vorhanden ist. In der kategorie sind zwei deutsche vlogger auf meiner liste, die sich im englischen versuchen. Beide klangen am anfang schlimm mit deutschem akzent, werden aber langsam besser und der wortschatz steigt auch. Und dann treffen sie sich auch noch – zwei deutsche, die vor kamera versuchen, miteinander englisch zu reden. Ein untertitel hätte doch auch genügt, denn bei ihrer konversation geht so viel information über bord, dass es besser wäre, man streicht den unterentwickelten sprachfilter, schade.

Was geht derzeit auf meinem sofa ab, zwischen den texten und filmchen: Einkaufen online bis die karte glüht und das konto brennt. Die ‘nice to have’ liste war überschaubar und auch bezahlbar. Am ende wurden es über zehn pakete, die an meine supportadresse in Hamburg gesendet wurden. Batterien für den laptop, repeller, schläuche, filter, schalter, segelmacherzubehör und so weiter. Die control unit der standheizung ging per post an einen fachbetrieb, weil dieser glaubte, sie reparieren zu können. Leider sind ein paar ic’s kaputt und nicht mehr zu besorgen. Also fünfzig euronen für nichts rausgefeuert. Jedoch hat er mir ein neues steuergerät angeboten, für dreihundert. Die ganze standheizung hat aber nur hundertachtzig gekostet und ich möchte nicht das doppelte in das bodenlose fass hineinwerfen.
Eine komplette neue heizung könnte ich für fünfhundert mit dem transport zu den Falklands bekommen, da bin ich noch am grübeln. Gleichzeitig habe ich noch einmal das netz bemüht und ein neues steuergerät für hundertsiebzig gefunden, schon mal besser. Der hammer war jedoch eine alte neue lagerware der britischen armee, das gleiche gerät für siebzig pfund. Gekauft. Die standheizung brauche ich vorerst nur für Patagonien und danach ist die südsee auf dem fahrplan, dort ist es meistens warm.

Die zweite größere anschaffung sind neue verbraucherbatterien. Meine sind schon mindestens vierzehn jahre alt und sie werden schwächer. Für den ersatz sollten sie das gleiche format haben, natowürfel genannt, das ganze in gel-ausführung. Die preise variieren von unverschämt bis teuer, unter zweihundertachtzig geht gar nichts. Davon brauche ich aber sechs stück und die zusammengesetzte kritische masse wiegt zweihundertvierzig kilogramm, also keine hosentaschenware.
Das nächste problen ist aber, dass die meisten dealer keine geschäfte machen wollen. Nur verkaufen, kein versand ins ausland, geschweige denn zu den Falklands. Nach zwei wochen recherche hätte ich welche in England ersteigern können. Der preis war günstiger als in der brd, weil diese verkäufer etwas mit vat-free anfangen können. Zudem gibt es auch kein unsinniges und falsch verstandenes batteriepfandgesetz. Dieser pfand gilt nicht für verbraucherbatterien außerhalb von kraftfahrzeugen – aber das verklicker mal einen unterbelichteten beratungsresistenten verkäufergehilfen.
Die transportkosten zu den Falklands kommen auf siebzehnhundert pfund per luftfracht, will und kann ich nicht. Am ende kam der erste mit seefracht zum preis einer batterie, leider kommt dann die ware erst am anfang Januar an, einen monat zu spät. Die umschlagzeit auf den Falklands beträgt mit zollbeschau noch einmal zwei wochen. Somit müssen die alten energiespeicher bis Chile halten und dann entscheide ich mich wohl für neue.

Seit über einem jahr war ich nicht richtig krank, abgesehen von der kieferprellung. Nur kaum wieder in europa und ein ekeliger schnupfen mit husten hat sich angemeldet. Segeln ist gesünder. Dazu kommt noch eine verlorene füllung und ein teilabbruch eines zahns. Die deutsche zahnarztqualität hat gerade mal fünfzehn monate gehalten.
Gestern war ich bei einer französischen zahnärztin mit englischkenntnissen. Ich kann zwar hier ein baguette kaufen gehen und auch den friseur nach einem jahr ohne haarschnitt besuchen. Mit zeichensprache geht es recht gut, nur beim zahnarzt komme ich damit nicht weiter. Die franzosen können oder wollen kein ausländisch und ich bin leider sprachlich unterentwickelt.
Es ging aber ganz gut, eine one-woman-show mit röntgenaufnahme, bohren und verfüllen des loches ohne hilfskraft. Das ist hier normal, danach noch die rechnung erstellen, für achtundvierzig euro. Warum läuft in deutschen praxen soviel personal herum, wenn es hier mit gut vorbereiteten handgriffen auch ohne geht. Das ziehen des zahns hätte nur dreiunddreißig gekostet, beim nächsten mal, vielleicht.

Meine reise nach Hamburg ist auch schon geplant, war komplizierter als vermutet. Die abstimmung von bus, bahn und flugzeug ist nicht so einfach, und ich habe damit ein unerwartetes problem gehabt. Klingt schon wie ein ölfilterwechselbericht. Letztendlich bin ich anfang November in meiner heimatstadt und werde aus den vielen paketen mit bestellungen ein großes für die Falklands machen. Es wird mit der laufzeit knapp werden.

Das paket mit der steuereinheit ist in der zwischenzeit auch schon von der britischen insel eingetroffen, hoffentlich funktioniert sie auch. Wenn nicht, bleibt das schiff kalt, die gehandelten zitronen helfen dann auch nicht.

Und dann habe ich doch beschlossen, dass mein einkauf Hamburg vor meiner ankunft in richtung der Falklands verlassen muss. Danke für die hilfe dort. Der spaß hat für die zwölf kilogramm auch nur achtzig euro gekostet. Somit sind die ersatzteile hoffentlich vor mir in Stanley.

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Abreise zur Heimatfront

Das mit dem liegeplatz in Carl’s hafen hat leider nicht funktioniert, er möchte dort keine zwei schiffe nebeneinander haben. Die lösung ist nun der hafen auf der anderen seite von Stanley. Einen vertrag habe ich schon und der preis ist günstig.

Der rückflug ist gebucht und bezahlt – und hier habe ich auch eine gute nachricht: Ich fliege direkt ohne umsteigen nach UK mit der Royal Air Force. Und das für kleinere kosten, da ich hier nun eine arbeitserlaubnis habe. Somit werde ich als ‘resident’ eingestuft und das spart fünfhundert pfund pro flug.

Im hafen hat sich auch einiges getan, mein mast ist nicht mehr der längste. Seit ein paar tagen liegt eine weitere yacht hier und heute am Fr brauchen sie meinen platz, um diesel abzupumpen. Am morgen vor dem kaffee haben wir die schiffe zusammengelegt und verlegt. Gleich danach kamen auch ein paar delfine im hafen vorbei.

20170901 paeckchen

 

20170901 delfine

 

Das ganze im-päckchen-liegen hat eine woche gedauert, war besser als befürchtet. Es war auch das erste mal, dass ich von einer anderen yacht auf mein schiff herabsteigen(!) musste. Ich dachte immer, mein freibord sei das höchste. Die besatzung war recht hilfsbereit und ich konnte sogar deren neues dingi benutzen, um das ruder der windsteuerung zu demontieren. Es muss ja nicht vier monate umsonst im wasser hängen.
Ich repariere, was ich kann, damit es im januar sehr schnell losgehen kann. Die bilgenpumpe unter dem wassertank wollte nicht mehr, das kannte ich ja schon von der anderen im motorraum. Also das gute wasser abpumpen und dann den tank herausnehmen, nur der wollte nicht so recht. Zu zweit und mit viel kraft löste er sich dann doch und es sah ekeligst in der bilge aus.

Ein cremiger, brauner schmodder, was nicht das zeug aus der toilette war. Es roch nicht und war auch nicht fettig, teilweise wie kerzenwachs. Das resultat eines experiments, das ich vor vier jahren gestartet hatte. Da es dort immer feucht sein werden würde, habe ich unterbodenwachs aufgetragen. Das hielt auch sehr lange, nur darf das schiff dann nicht im sommer an land stehen, denn dann schmilzt das zeug zu boden. Das ganze gemisch mit dem salzwasser und dem aluminiumgehäuse der pumpe brachte die galvanik so richtig auf touren. Der edelstahltank wollte nicht richtig rosten, der schiffsstahl auch nicht und somit blieb nur die pumpe übrig. Als ersatzteil für die andere wird sie noch einmal eingelagert werden und eine andere aus dem lager hat sie nun ersetzt. Diesmal aber oben auf dem tank, den dreck brauche ich nicht nochmal. Die bilder habe ich mir auch geschenkt, zu viel matsche an den händen.

Jetzt ist schon wieder wochenende, ich liege wieder direkt am steg. Die vorbereitungen für die überfahrt auf die andere seite der bucht sind abgeschlossen, fehlt nur noch der richte wind, am besten keiner.

Und dann war da noch die ansage, dass die pontons aus dem wasser kommen sollen. Aber fehlalarm: glücklicherweise fängt die saison schon an und die teile bleiben im wasser. Gut so, panik umsonst.

Die weiteren tage ziehen sich dahin und der termin zum rüberfahren in den hafen verschiebt sich. Das wetter ist gerade ein wenig bitter, sturm, schnee und regen. Vorgestern war es besonders heftig und ich vertraue mal meinen instrumenten. Der rumpf ist recht gut durch den anleger abgeschirmt und dadurch staut sich die luft auch. Laut meiner anzeige hatte ich aber in der mastspitze richtig viel wind, über hundert knoten in einer böe. Nur meine windanzeige zeigte nur zwei komma acht an, danach wieder werte in den neunzigern. Sie kann nicht dreistellig. Wenn jemand richtig viel wind haben will, so sollte er hierher kommen.

The Camber, der hafen auf der anderen seite ist auch schon bis ende Oktober bezahlt, in cash. Dafür musste ich zur einzigen bank auf den Falklands und habe mal ein paar dollar in pfund getauscht. Nicht nur dass sie einen wechselkurs haben, an dem sie verdienen, sondern will man britische pfund haben, so schlagen sie noch einmal ein prozent an gebühren obendrauf. Dabei sollte der umtausch von falkland pounds zu den britischen doch spassfrei sein, miese gierige gangster.
Nur noch fünf tage bis zum abflug, der transfer ist schon geordert. Läuft alles so glatt, hoffentlich rutsche ich nicht aus.

The Camber wurde vor dem ersten weltkrieg als marinehafen gebaut und die hallen dienten der kohlelagerung für die schiffe. Diese sollten auch durch deutsche kriegsschiffe zerstört werden, ging aber nach hinten los. Für den nächsten krieg wurden dann die dieselbunker gebaut. Der anleger, der kran, die schienen und die gebäude sind alle über hundert jahre alt.

20170902 alter anleger

 

20170902 alter anleger

 

20170902 alter kran

 

20170902 exit

 

20170902 lagerhalle

 

20170902 lagerhalle

 

20170902 lorenreste

 

20170902 schienenreste

 

Der ponton für Themroc ist auch schon leer.

 

20170902 ponton

 

Es lief auch alles ganz gut, die überfahrt zur anderen seite am So nachmittag zum hochwasser. Leider ist eine leine, die auf slip war, am steg geblieben, weil sich spontan ein knoten gebildet hatte. Sie ist gerettet und wird zum schiff gebracht.
Am Mo habe ich bei leichtem wind, also fast keinem wind, im Camber eine weitere leine zum schiff gespannt. Der verantwortliche hafenmeister wollte es so. Nur musste ich mehrfach auf den alten verrotteten anleger steigen. Da knackte es schon in einigen planken, andere waren weg oder das meiste holz vergammelt und torfig. Ein abenteuer der besonderen note, das mich eine stunde gekostet hat. Nun liegt das schiff an drei leinen nach norden gesichert, drei nach westen und zwei nach osten. Und auf besonderen wunsch noch einmal zwei meter vom ponton entfernt. Da sollte nichts schiefgehen.

20170918 ponton

 

Ich liebe diese maroden plätze, nachdem das schiff vertäut war, ging es noch einmal mit der kamera los.

 

Am nachmittag wurde ich mit dem boot von Jason abgeholt, der auch auf mein schiff ein auge werfen wird. Am abend gab es ein abschiedsessen bei Bob und Janet, A&B waren auch dabei. Die nacht konnte ich dort verbringen – und die nacht war schlecht. Das erste mal seit Uruguay habe ich im warmen ohne socken, sweatshirt und jogginghose geschlafen. Es war einfach viel zu warm bis zum aufstehen um sechs.
Der transferbus kam pünktlich um kurz vor sieben uhr und ich war der einzige gast zum flughafen. Dort lief auch alles glatt, der immigrationsbeamte kannte mich ja und verabschiedete mich mit meinem vornamen. Der flieger ein A330 war leer. In jeder sitzreihe nur drei leute, also eine menge platz, nur ich konnte nicht schlafen. Dann gab es im wechsel einen film oder mahlzeit bis um mitternacht.
Die zwischenlandung auf den Kap Verden war der temperaturhammer. Morgens nach dem nachtfrost los und in Sal waren es sechsundzwanzig sehr feuchte grad. Meine restlichen zwei geldscheine von dort konnte ich in der halben zur verfügung stehenden stunde in ein getränk umsetzen. Mit dem vollgetankten flieger ging es dann noch einmal sechs stunden weiter und am morgen war ich in UK.

Ich wurde von Sabine abgeholt und bis zum nächsten tag verbrachten wir die zeit in Oxford. Wobei ich erstmal ein bad und ein nickerchen brauchte. Am nächsten tag sind wir dann von Oxford mit der bahn nach London gefahren, dann mit dem bus zum nächsten bahnhof und durch den tunnel nach Lille. Dort noch einmal zwei busse, dazwischen ein wenig laufen wegen einer innenstadtsperrung und zur sesamstraßenzeit sind wird dann zuhause angekommen. Ich schwitze hier schon bei vierzehn grad.

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Falkland Abreisevorbereitung

Am Di nachmittag kam der freundliche mitarbeiter vom tourist office zum schiff und fragte mal nach, ob es nicht besser wäre, wenn ich den steg verlassen würde. In der nacht soll der wind stark auffrischen und mein schiff tanzte jetzt schon mit dem ponton. Und der wind werde noch zunehmen bis zum Sa hin. Aus bequemlichkeitsgründen wollte ich das wetter ignorieren - gut, dass da jemand mitgedacht hat.

Also noch schnell ein paar lebensmittel gekauft, das schiff innen grob aufgeräumt und los. Den ankerplatz vom letzten mal kannte ich ja noch, und diesmal habe ich die ganzen achtzig meter kette rausgelassen. Nur dann fing schon wieder das ofenproblem an, er zieht nicht und der qualm geht rückwärts. Meine neue vermutung ist, dass der wind um das schiff herum einen überdruck erzeugt oder hinter dem schiff kräftig saugt. Am steg geht es wunderbar, nur bei starkem wind am ankerplatz fällt der ofen aus. Somit ist er als heizquelle für Patagonien auch nicht geeignet.
Der windgenerator lief hingegen super, war auch nicht so laut wie befürchtet. Aber leider hat er sich beim sturm losgerüttelt, das vordere abspannseil hat seinen verschluss geöffnet und die neuen repeller hatten sich wieder am achterstag verkleinert. Am ende hing er über der reling am heck. Selbst schuld, würde ich sagen, hätte ich mal die muttern der neuen schelle gekontert und die verschlüsse besser gesichert.

20170809 repeller

 

20170809 repeller

 

Die zweite nacht am ankerplatz war nicht klasse, ständig irgendwelche geräusche. Wenn das surfbrett gegen die reling schlägt, dann wird wieder in die andere richtung geschwojet. Der kreis beträgt so zweihundert grad und der wind ist dabei auch sehr laut. Normal weht der wind mit dreißig bis fünfzig knoten, in böen sechzig bis siebzig knoten. Dann fliegt aber auch schon das wasser in der bucht. Nach dem schreckhaften aufwachen in der nacht und mal sehen, wo man ist, geht das wieder einschlafen sehr langsam. Die sorge ist nur, ob das ankersystem hält - wenn nicht, bin ich in zwei minuten auf der anderen seite gestrandet.

Die dritte nacht auf Fr war wesentlich besser, als die letzten beiden zusammen. Der wind hatte nachgelassen, der sturmlärm war weniger, und das klappern habe ich größtenteils abgestellt. Nur der ofen will trotz aller gewalt nur schlecht brennen. Das ofenrohr glüht auf dreißig zentimetern, die vordere luke ist leicht geöffnet, damit der wind ins schiff drückt.
Auch habe ich eine entscheidung gefällt: ich mache die kehrtwende. Es ist nicht der ofen das problem, ich bin es. Wie schon einmal erwähnt, der letzte trip hat mich mitgenommen und ein paar neue verdrahtungen im hirn wurden angelegt. Auf biegen und brechen um jeden preis weitermachen fällt mir sehr schwer, durch die beiden orkane bin ich auch zur pussy geworden. Ich muss mein schicksal nicht herausfordern, dennoch brauche ich glück, um nach St.Helena zu kommen. Die kalten tage im südatlantik sind absehbar und je weiter ich nach norden komme, umso wärmer wird es.

Ich liebe es, wenn pläne und wettervorhersagen miteinander harmonieren. Die ansage war es, dass es am Sa fast windstill sein wird, und es war. Am morgen kam der wind noch aus west und schlief ein. Kaffee kochen, einen becher trinken und den anker aufholen. Diesmal ohne kelp, dafür mit einer menge modder.
Wieder zurück zum anleger, ging alles recht gut und festmachen. Geholfen hatte zum schluss der besucher von vor einem monat. Diesmal wollte ich ihn auf morgen vertrösten, bin dann aber auf gleich umgestiegen. Das schiff gefällt und der preis ist ein wenig hoch. Mal sehen, ob es ein angebot gibt.

Am nachmittag, nachdem ich die ganze kette noch einmal herausgelassen und gebadet habe, bin ich nach Stanley west gelaufen. Unterwegs noch einige historische schaubilder abgelesen und einige schiffwracks abgelichtet.

20170812 schiffswrack

 

20170812 schiffswrack

 

20170812 schiffswrack

 

Seit ich beschlossen habe, die kehrtwende zu machen, hat das auch postive auswirkung auf meine todoliste. Am anfang der woche wurden gleich ein paar punkte abgehakt: der dieselgenerator kann wieder mit dem anlasser angeworfen werden. Das ruder hat keine löcher mehr und den dritten epoxiüberzug bekommen. Ich habe diesel geordert, der zum schiff geliefert wird, und die pendelruder sind auch in arbeit. Nächste woche könnte es vielleicht schon losgehen.

Der diesellaster kam nicht, auf nachfrage hieß es heute, dass ich zuerst zahlen muss und dann wird geliefert. Das ist so bescheuert wie in Uruguay. Also werde ich gleich mal loslaufen und mehr diesel ordern, als ich gebrauchen kann. Zuviel bezahltes geld erhalte ich zurück.
Die reparaturen gehen auch sehr gut voran, zwei pendelruder sind produziert, der windgenerator läuft wieder und das ruder hat seine bohrung für den bolzen bekommen.

Dann kamen zwei nette menschen von einem anderen segelboot vorbei, ich nenne sie mal A&B. Ich konnte seit drei monaten mal wieder in der eigenen sprache mit einem gegenüber reden. Auch haben sie mir mut gemacht, doch durch Patagonien zu fahren. Es soll dort herrlich sein und es ist mehr eine reise, als eine segeltour. Neuer plan: wenn mein einer mitsegler noch will, kommt nun die kehrtwende der kehrtwende.

Heute am Do kam endlich der diesellaster, verspätet und freundlich. Meine kalkulation von fast hundertfünfzig litern stimmte, somit muss ich nur wieder auf den berg laufen, um das restgeld zu holen.
Gestern habe ich noch zwei muttern in die plicht geschweißt, damit die grätinge festgeschraubt werden können. Auf der herreise wurde ja ein holzteil durch den seezaun vorm verduften aufgehalten. Und da ich das erste mal seit der ankunft die holzteile angehoben habe, lag dort noch der eine verschluss von der sprayhood. Hätte ich also gar nicht das stück aus der mitte heraus schneiden müssen, pech.
Morgen bekommt das windsteuerruder den ersten anstrich mit antifouling, zwei schichten grundierung sind schon aufgetragen. Es fehlt nicht mehr viel und ich bin abreisebereit. Nach dem heutigen gespräch mit A&B fahre ich auch fast allein durch Patagonien. Mal sehen, wie weit ich meine meinung noch ändere.

Am Fr bin ich dann wirklich den berg hinauf gelaufen und meine lernkurve ist mies. An der tankstelle angekommen, zeigte die uhr zwanzig nach zwölf, also lunch time und das personal ist auswärtig. Dann wollte ich die zeit im baumarkt verbringen, aber dort war der laden auch zu. Um eins kam die fachfrau wieder und gab mir mein restgeld zurück. Dadurch dass alle in dieser zeit unterwegs sind, besteht die größte gefahr, hier überfahren zu werden, um zehn nach zwölf oder um zehn vor eins, denn dann ist hier rush hour.
Auf dem rückweg habe ich noch am müllcontainer vom anleger nebenan vorbeigeschaut und für die nächsten fischfangversuche einige haken aus einer mülltüte geangelt.

20170818 angelzubehoer

 

Wie schön ist es, wenn jemand ein auto hat und ich auch noch gefahren werde. Am Sa war so ein tag, einkaufen, schiffswrack an land besichtigen und zur müllkippe fahren. Das bringt mir spaß und war erschreckend zugleich. Hier wird wie in den sechzigern und siebzigern des letzten jahrhunderts der müll entsorgt. Und noch viel schlimmer, denn sie machen es an der küste, so dass der plastikmüll, nachdem er von der planierraupe zerpflückt wurde, durch den wind aufs meer geweht wird. Dazu kommt noch ein stinkender schwelbrand. Für die tausenden möven ist am wochenende fressen satt. Und dabei wollen sich die Falklands als naturreservoir ausgeben, diese drecksäue.

20170819 muellkippe

 

20170819 muellkippe

 

20170819 muellkippe

 

Das schiffswrack lag hinter dem kaputten anleger und dem restschiff im wasser. Es soll vielleicht als ausstellungsobjekt beim museum teilweise wieder aufgestellt werden.

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

Am So gab es zwei stunden, in denen der wind gedreht hat. In dieser zeit war windstärke null und somit der richtige zeitpunkt, um das ruder der windsteuerung einzubauen. Passte alles, die eine flex hat jetzt keinen griff mehr, dafür das ruder. Jetzt ist die liste für eine abreise in richtung norden abgearbeitet und es könnte losgehen. Wenn es nach süden geht, habe ich noch ein paar kleinere dinge zu erledigen.

Und die jungs vom nachbaranleger sind nett, konnte ich doch zwei waschmaschinenladungen waschen und trocknen. Danach wollte ich noch die standheizung in betrieb nehmen oder den fehler finden, jedoch will sie nur noch den ventilator starten. Also ist das teil abgeschrieben und eine neue muss her oder ein reflexofen.
Mein optionaler mitsegler will immer noch, nur jetzt erst ab Januar, das ist aber schon wieder recht spät für den Pazifik. Andererseits könnte ich nach hause fliegen und ersatzteile kaufen. Dann aber bräuchte ich hier einen sicheren platz für das schiff.

Seit heute bin ich zwei monate hier auf der insel und habe wieder einen durchblick. Ich muss nur ein paar scheine bedrucktes papier in die hand nehmen und wieder nach hause fliegen. Dort kann ich mich um ersatzteile kümmern und weitere kräfte tanken. Nur dass das hier einer der schlechtesten plätze auf der welt ist, um günstig zu verschwinden. Eine reise bis nach europa dauert zwei bis drei tage, davon einen im flugzeug. Entweder man fliegt mit der army in achtzehn stunden in die nähe von Oxford, danach bus, danach bahn bis London, danach tube zum anderen bahnhof, danach zug bis Lille. Das gibt es ab zwölfhundert pfund plus zweihundert für die kosten nach der landung. Oder eben über Santiago nach Paris in drei tagen für weniger, es soll der bessere weg sein. Und so sind die würfel gefallen.

Ich habe schon einen sicheren hafenplatz organisiert, es fehlt nur noch ein windschwacher tag, der aber in der nächsten woche zweimal erscheinen soll. Dann liege ich in Karls’ hafen, den er sich gebaut hat, nachdem er ein schiff zusammengeschweißt hatte und keinen liegeplatz bekommen konnte, sehr praktisch.
Eine andere geschichte ist die vom toten fischer vor Süd Georgien und das schiff musste nach Stanley zurückfahren, todesursache tbc. Alle seine sachen wurden in eine holzkiste verpackt und landeten im müllcontainer am nachbarsteg. Dort habe ich auch meine angelhaken heraus gefischt und zeigte auch interesse an der schon geöffneten holzkiste. Zum glück war sie zu groß, lag auf dem rücken, der deckel war offen und der inhalt sah nicht wirklich lecker aus.
Jetzt habe ich erst erfahren, was der inhalt ist und dass der container verbrannt werden sollte. Das krankenhaus hier meinte, es sei nicht notwendig, die vom anleger meinten besser ja. Der einzige ofen hier für solche aktionen wollte, aber der container war zu gross. Nun steht die geschredderte kiste mit den ganzen klamotten schon wieder auf dem anleger und wird wohl demnächst auf der einzigen müllhalde abgekippt werden. Irgendwie will keiner eine verantwortung dafür übernehmen, alle offiziellen hören weg und ich habe schon leichten husten.

20170827  seemannskiste

 

Jetzt kommt’s: Ich habe mich endlich entschieden, für ein paar monate nach hause zu fliegen. Das hätte ich schon früher tun sollen, aber es hat sich erst jetzt herauskristallisiert. Im Januar geht es dann weiter in richtung süden.

 

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Falklands extended

Die woche fing besser an, als die letzte aufhörte. Trotzdem ist die stimmung am boden. Die geschichte mit dem dreck in der schraube wurde gestern, am Mo, geklärt. Bob hat als rentner nicht so richtig etwas zu tun, und die beiden denken auch schon für mich mit.
Am morgen haben wir erstmal das boot gedreht, da es in den nächsten tagen recht frisch aus dem norden wehen wird. Das wetter war gerade zu ideal und die leichte brise drehte das schiff fast von selbst. Danach haben wir mit seiner unterwasserkamera den propeller begutachtet und nichts gefunden, hurra, ich muss keinen taucher finden! Ich war mir aber sicher, dass da etwas war, nun denn.

Am nachmittag sind wir dann zum rohrbieger gefahren, mehrmals, weil er nicht in der werkstatt war. Die halle ist eine sehr unaufgeräumte werkshalle, in der eine planierraupe, eine zugmaschine, ein geländewagen, mehrere motoren und generatoren herumstehen. Dazwischen werkzeug, defekte pumpen, gasbuddeln, schweißgeräte, ein kleinbagger und alles, was mal irgendwo angeschraubt war. Ein richtiges chaos, aber Mike soll alles im dreck wiederfinden können. Er ist nett, und für die drei motorfundamente wollte er nur sechzig pfund haben. So habe ich noch zwei neue in reserve.
Dann wurde das hauptrohr der windsteuerung zersägt und in der mitte etwas wie edelstahl eingeschweißt, sein business. Hauptsache, die maße stimmen wieder, zurückbiegen wird schlecht machbar sein, er kennt sich aus. Danach habe ich ihn noch mit meinem anlassermagnetschalter beauftragt, irgendwo hat er noch einen, muss ihn nur noch finden.

Und heute stand das aufschneiden des ruders der windsteuerung auf der tagesordnung. Bob hatte schon mal angefangen mit seinem feintool. Dann kam ich zur mittagszeit dazu und es ging mit meiner flex recht schnell weiter. Nach einer stunde war das teil halbiert und vom nassen füllschaum befreit. Teilweise war die epoxihülle dicker, als die tennscheibe tief ist. Mit den beiden hälften ging es wieder zu Mike, damit er den unteren schaft wieder gerade biegen kann. Leider habe ich meine kamera vergessen mitzunehmen.
Das nächste problem ist aber auch schon wieder in sicht, es gibt hier kein epoxiharz zu kaufen, ist gerade aus.

Gestern war es noch sehr trüb und heute war ein guter tag, auch wettertechnisch für den winter hier besonders ruhig. Mein ofen ist gerade auf schmusekurs, brennt sofort, kein rückqualm einfach nur gut. Wenn ich für eine absehbare zeit das schiff verlasse, lege ich holz nach, damit es warm bleibt und der brennprozess wieder schnell anlaufen kann.
Weil es heute so schön war, bin ich mal harz kaufen gegangen oder habe es versucht. Die beiden baumärkte von gestern konnten ja nicht liefern, ausser epoxi in kleinstmengen. Also heute mal zum nächsten shop gelaufen, sie hatten aber auch nur dieselben produkte. Dort gab es einen freundlichen rat, vielleicht Falklands Farmers, die könnten das haben. Also einmal quer durch das dorf und natürlich hatten sie es nicht. Aber um die ecke gab es eine karosseriewerkstatt, leider keiner zugegen und offene tore. Ein lkw-fahrer fragte mich, ob er mir helfen könnte und er konnte: in der tankstelle gibt es das zeug. Und tatsächlich stand es dort im regal. Paste mit fiberglas und flüssig im ein-liter gebinde, somit gingen schon wieder zwanzig pfund durch die kreditkarte. Eine andere kundin in der tankstelle an der kasse fragte mich, ob ich bei Falklands Farmers erfolgreich war. Diese insel hat augen und ohren.

Was ich hier vermisse ist hundescheiße, ich habe noch keine gesehen oder ins schiff getragen. Auch habe ich noch keine hunde gesehen, nur katzen. Allerdings gibt es hier neben dem grünstreifen gänsescheiße, und das sehr massiv. Die lieben tiere fressen und auf dem fußweg oder der straße wird abgedrückt, wenigstens sind es veganer.

Zum wochenende hin soll wind kommen, aber aus der falschen richtung. Es beunruhigt mich ein wenig, dass der gelbe kutter meinen platz von vor vier tagen einnimmt. Es soll nord mit ostwind geben und reichlich. Das letzte ankermanöver war ja auch nicht klasse, so werde ich hier bleiben, die farbe ist eh schon angegriffen.

Dafür habe ich heute mal wieder die liste gekürzt, der bolzen im schanzkleid ist ausgetauscht. Auch habe ich die halterung des wingenerators erneuert, nicht schön und hoffentlich haltbar. Es waren noch mehrere aufgaben zu erledigen, doch dann fing leichter schneefall an. Alles wieder eintüten und morgen weitersehen.

Da kam doch einer noch am abend an und ist vielleicht am schiff interessiert. Freundlich und hat schon ein kleineres boot, will sich vergrößern. Leider war es schon dunkel und ich auch nicht darauf vorbereitet, also vertrösten. Und somit war gestern am Sa erstmal aufräumen angesagt und dann mal versuchen, den schmutz zu beseitigen. Dafür muss ich mir schon die brille aufsetzen, damit ich den dreck sehen kann. Nach zwei stunden hatte ich erstmal genug davon, das ergebnis war gut, nur bin ich noch lange nicht durch.

Heute war mal ein außerplanmässiger ofenreparaturtag, den ich gestern schon befürchtet hatte. Alle schamottsteine sind durch den betrieb der letzten vier wochen gerissen. Im örtlichen baumarkt hatte ich auf der suche nach dem epoxi feuerzement gefunden. Und was mir hier auch gefällt, sind geschäfte, die auch am So geöffnet sind.
Alle bruchstücke sind wieder eingeklebt, eine neue dichtung für die klappe und ein neues blech vor das abgasrohr gefriemelt. Jetzt brennt er wieder wunderbar, zieht gut. Warum nicht gleich so.

Der wind der letzten tage war nicht schlimm und nicht so stark wie erwartet. Auch kamen keine bösartigen wellen, alles ist gut gegangen. Bei der immigration war ich in den letzten tagen auch noch und habe meinen aufenthalt verlängern lassen. Als nächsten termin habe ich dann nine eleven bekomme oder hätte ich mit dem datum ein problem. Eigentlich nicht mehr, so lange sie mich nicht in die luft sprengen oder mir den Allende machen.

Die nacht zum Mi war mies, das großfall hat die ganze zeit auf den mast eingeschlagen. Selbst verursachter lärm, den ich am morgen erstmal abgeschaltet habe. Nach dem frühstück war wieder das wärmebeschaffungsamt auf tour. Zwei neue paletten aus den müllcontainer gefischt und daraus werden drei fischkisten voll holz.
Der ofen nach seiner zementüberholung brennt super, denn das alte blech passte nicht mehr an seinen platz, ein baufehler. Dafür hatte ich ein alublech zum hineinschrauben zurecht gesägt. Dieses hielt gerade einen tag und am morgen war ein geschmolzener klumpen im brennraum. Im hinterkopf hatte ich eine schmelztemperatur von aluminium von achthundert grad, also wird der ofen richtig heiß. Das neue blech ist aus edelstahl und der ofen zieht kontrolliert, kein rückschlag mehr.

Dieser Mi war dann noch richtig erfolgreich, der ruderschaft hat im unteren bereich ein neues stück bekommen, leider aus vollmaterial. Das darf nicht auf den fuß fallen, der wäre dann ab. Das gute daran ist, dass das ruder jetzt dort hinein schmatzt, wie es eigentlich auch sein sollte. Die vorbereitungen zum zusammenkleben sind in der planung Auch abgeschlossen. Dann gab es noch einen reparierten anlasser für den generator zurück, kostenpunkt für alles hundertfünfzig pfund.

Heute ist wieder ein Sa und es war in der nacht schon wieder unter null grad. Das passierte bis jetzt dreimal und immer in der nacht zum Sa, merkwürdig.
Die letzten tage waren ein wenig anders und besser als die letzten beiden wochen. Zur mittagszeit gehe ich den berg hinauf, um das ruder in Bobs garage zu kleben. Danach gibt es noch einen tee und dann wieder hinab. Ich würde das teil jetzt schon als stabiler deklarieren, als es im originalen zustand war. Mit glasfaserspachtel zusammengeklebt, danach die herausgebrochen flächen verfüllt und heute glasfasermatten um die naht herum geklebt. Das war für mich das erste mal im leben und es ging gut. Morgen noch einmal harz auftragen, dann wieder ausschäumen, die löcher dichten und noch einmal harz darübergüllen.
Nur gestern wollte ich den reparierten anlasser wieder einbauen, und er lief nicht, die batterie ist am ende. Auf dem weg dorthin habe ich den magnetschalter getestet, und er zieht, der anlasser dreht, nur die bügelfeder dazwischen fehlt. Hat der Mike wohl beim zusammenbau vergessen.

20170724 ruderhaelften

 

20170729 ruder gespachtelt

 

20170729 ruder laminiert

 

Auch ist meine laune besser geworden, ein möglicher mitreisender ist in sicht oder ein weiterer. Die idee umzukehren und weihnachten auf Martinique zu verbringen, wurde von meiner heimatfront abgelehnt. Vielleicht ist es auch gut so.

Nach fünf wochen hier in Stanley habe ich mich auch schon die die kälte gewöhnt. Wenn man denkt, hier regne es dauernd, so ist das nicht der fall. Eher das gegenteil, die farmer haben keinen schnee, kein wasser dringt in den boden, und regnet es doch mal kurz, dann trocknet der wind alles sehr schnell.
Nur der frust kommt wieder und das gleich am anfang der woche sechs. Nachdem ich am So nachmittag die garagenwerkstatt verlassen habe, hat sich Bob einen stein ins auge kommen lassen. Das krankenhaus hier kann das problem nicht lösen und so sind Janet und Bob am So abend nach Santiago geflogen worden. Ich habe mein ruder, aber nicht meine schraubzwingen, die spachtelmasse und nicht den schaum. Das ist noch alles in der garage und wann sie wieder zurückkommen ist ungewiss. Ein richtig dicker haufen.

In der mitte der woche war dann auch mal die hafenaufsicht am anleger. Den kannte ich ja schon von der leinenaktion her. Sie wollen zum ende des monats die pontons aus dem wasser nehmen, um sie zu überholen. Mein ausweg dann ist eine offerierte mooring oder zum anderen anleger zu ziehen. Bis dahin muss eine entscheidung gefällt werden, wohin ich will, norden oder süden.

Egal wohin es gehen wird, die reparaturliste wird abgearbeitet. Am Fr war der wind gerade mal weg und die sprayhood lag unter der nähmaschine. Da ich hier keine verschlussknöpfe bekommen kann, habe ich den in der mitte von vorn genommen. Und da diese nicht öffenbar sind, habe ich ihn mit dem stoff ausgeschnitten und verpflanzt. Das neue loch wieder zugenäht und die beiden oberen ecken verstärkt. Zum sonnenuntergang war es dann geschafft und das teil ist wieder über dem gestänge. Bilder dazu gibt es nicht, sieht nicht so gut aus.

Am So nachmittag war ich dann mal einbrecher in der garage. Damit es weiter gehen kann, brauche ich meine sachen. Janet hat das auto so dicht vor die garagentür gesetzt, dass ich durch den spalt nicht hindurch passe. Aber wenn ich das reserverad entferne geht es vielleicht und es ging. Bauch einziehen durch robben und drin, sachen zusammen gesammelt, rad wieder an die position geschraubt und es kann weiter gehen.

Da mein windgeneratorenhersteller nicht in der lage ist, mir ein angebot für die richtigen repeller zu machen, er auch nicht mehr auf meine emails reagiert, muss mal ein neues experiment herhalten. Die alten repeller habe ich gleichmässig gekürzt und aus sperrholz neue gesägt. Diese werden dann auf die alten genietet. Mal hören wie laut die werden.

20170805 repeller neu

 

20170805 repeller neu

 

Die nacht auf Mo war ganz gut, denn diese woche wird es hier recht ungemütlich werden. Der wind wird aus dem norden mit ostanteil kommen, also recht seitlich aufs schiff. Dann müssen die fender schwerstarbeit verrichten.
Auch ist der schritt der ausschäumung beendet, das zeug muss nur noch aushärten. Nach zwei tagen verschließe ich die füllöcher, noch einmal epoxi darüber, antifouling und montage. Jeden tag ein wenig abzuarbeiten geht recht gut.

20170807 ruder schaum

 

20170808 ruder schaum

 

Mein einer aspirant für Patagonien ist abgesprungen, wenigstens eine klare ansage, mit der ich planen kann. Somit bleibt mir nur der andere, aber erst gegen ende oktober. In ein paar tagen kommt Thies an, mit dem muss ich mal schnacken, vielleicht kommt dann klarheit in die sache. So wie das heute aussieht bereite ich mich gedanklich auf St.Helena vor.

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Die auf dem Felsen leben

 

Die anfahrt im halbdunkel war recht ungewohnt, stimmen denn meine augen? Entweder dort ist ein weißer strand oder es ist gefrorenes wasser. Als ich dann in die innere bucht einlief, war es klar. Der letzte orkandurchzug von gestern nacht hatte hier den schnee gebracht. Ganz Stanley war in einer winterlandschaft. Als ich näher zum ufer kam, konnte ich menschen erkennen, einen. Dieser lief in richtung meines ziels, dem öffentlichen anleger, vielleicht zufall.
Diesmal machte ich es besser als jemals zuvor. Langsam fahren schauen, eine runde drehen und dann winkte auch dieser einer. Ein softes anlegemanöver, vorwärts, rückwärts und stop. Die leinen rüber geworfen und er gab sie mir zurück, fragte vorher, und führte sie durch die klampe. Ein traum, den ich schon immer hatte. Drei landleinen, eine spring davon, kleiner netter plausch und er verschwand wieder. Im supermarkt traf ich ihn später erneut.

Als der halboffizielle ging, er hatte die nachtschicht, kamen zwei vom Falkland Islands Yacht Club, Janet und Bob. Beide herzlich, freundlich und sofort hilfsbereit. Es wurden zwei zusätzliche landleinen zu den pfählen ausgebracht, falls wind aufkommt, und der kommt. Sie haben den zoll angerufen und der service kam sofort.

Die immigration ging schnell, erklärungen, welcher müll wohin kommt, dafür noch eine tüte erhalten und eine broschüre über die inseln. Macht achtundsechzig pfund für mein schiff, auch zahlbar in dollar oder euro. Ich erwarte sie am Mo im office, dann hat auch die bank auf.

20170625 abfalltuete

 

Der nächste supermarkt ist zweihundert meter entfernt und hat ein ausreichendes angebot. Nur alles ist wieder neu, nichts, was ich in den letzten monaten gekauft hatte, gibt es hier. Alles was haltbar ist, kommt aus England per schiff. Alles frische kommt aus Chile mit dem flugzeug, wenn platz ist. Und dementsprechend sind die preise. Es gibt nichts, das günstiger wäre, als die lebensmittel, die ich seit zwei jahren kaufe. Der billigste wein aus Chile koste drei pfund, viele fertigessen sind im tk-bereich, die einfache pizza für vier pfund. Fünfhundert gramm möhren kosten zwei pfund. Das bier ist dünn, teuer, und dann ist in der dose noch eine plastikkugel, was soll das? Der lichtblick im supermarkt sind die resteregale: alles muss raus. Da habe ich drei gläser fertig soßen der bekannten englischen marke erstanden, für je ein pfund, die sonst das dreifache kosten. Genau soviel wie beim letzten kauf auf Gibraltar, auch ein felsen.

20170625 tikka marsalas

 

Nachdem ich den einkauf aufs schiff gebracht habe, bin ich zur touristeninformation gegangen, ich liege genau davor. Meine ersten beiden pakete sind da, ich nehme sie aber erst morgen mit. Nein, leider haben wir kein free wifi, aber sie können eine karte erwerben.
Die nächste station war der erste pub zum schiff, kein free wifi, aber oben zwei straßen weiter, eventuell. Aber auch der pub hat kein free wifi, dafür ein lokal gebrautes ale zu drei pfund.
Von dort aus bin ich zu Bob und Janet gelaufen, um meine ankommensemail zu senden, denn auch hier funktioniert mein handy nicht.
Bob ist funkamateur und beide sind rentner, haben viel zeit. Der yachtclub ist nur eine organisation, keine eigenen liegenschaften. Dafür sind sie gastfreundlich, nur ins internet kam ich nicht, obwohl sie mir ihr kabel angeboten hatten. Irgend etwas habe ich bei meinem rechner deaktiviert und somit keine verbindung. Nach den scones und dem tee, sie trinken kaffee, bin ich zurück. Und es schneite wieder heftig, wo bin ich gelandet? Es soll hier eigentlich sehr trocken auf dem felsen sein, wenig regen.

Meine nächste lebensbaustelle ist wärme im schiff. Der ofen lutscht das holz nur so durch, so dass ich ab und zu auch schon das nasse in den ofen lege. Mein erfolg ist, dass ich zwölf grad am navitisch bekomme, laut anzeige. Es sind aber mehr, dafür habe ich schon die luke etwas isoliert und die heckabinentür und die vom badbereich geschlossen. Im heck gibt es eisblumen und gefrorene tröpfchen an der luke. Es geht also so. Also ab nächster woche ist wieder eichhörnchen angesagt.

Den ersten wassereinbruch habe ich heute auch schon mal angefasst. Im bugbereich kommt zum einen wasser durch diese grottige luke vom vorbesitzer und durch die ankerwinsch. Und hier ist ein hauptproblem, die ganze kette ist in der salzlake im fass eingelegt. In zukunft wird die kettendurchführung durch etwas, das ich noch erfinden muss, geschlossen. Es ist in diesem bereich noch einiges offen.

Am Mo bin ich erstmal zur bank gelaufen, ein wenig westlich vom schiff. Geld gab es problemlos, nur das kaufen kostete mich dreizehn pfund und fünfzig pence für dreihundert pfund. Das ist noch ein wenig teurer als in Argentinien am automaten. Und ich muss darauf achten, alles auszugeben, da diese sorte pfund nur hier auf den Falklands gilt, eine felsenwährung, wie auch auf Gibraltar oder St. Helena.
Über einen kleinen umweg war ich dann wieder im supermarkt. Diesmal habe ich gleich sechs gläser von Patka erstanden, dazu currypasten und -pulver. Neue konserven testen, ein paar getränke und schon wieder fünfzig pfund umgesetzt. Das wird hier richtig teuer werden.
Das geld vom morgen habe ich auch für die immigration gebraucht, achtundsechzig pfund für die hafengebühren. Dafür kostet es aber am steg nichts, ein trost. In der saison ist hier alles voll und die schiffe müssen sehr oft verschwinden, wenn die kreuzfahrtschiffe kommen. Dann wird der steg zum ausbooten gebraucht.

20170626 einfahrt stanley

 

20170626 gegenueber stanley

 

Dann war ich noch in der östlichen richtung unterwegs, einige häuser sind recht individuell. Ältere ein wenig herunter gekommen, dafür werden noch viele neue gebaut, meistens aus holz. In den vorgärten und neben der straße grasen zur zeit wildgänse, das heißt, eine gans frisst und die andere passt auf.

20170626 wildgaense

 

Mein erster eindruck von den menschen hier, sie sind freundlich und hilfsbereit. Kein stress, kein gehupe und fußgänger werden bevorzugt behandelt. Man grüßt sich, auch wenn sie mich nicht kennen, oder etwa doch. Dieses dorf hat so um zweitausend einwohner, und ich weiß nicht, wie viele augen mich beim hereinfahren gesehen haben, einige.

Heute ist mein erster Mi auf den inseln und die nacht war schlecht. Die ersten tage waren hier wohl kuschelkurs, jetzt gehen fünf bis sieben windstärken hier durch. Und es sieht so aus, als werde es die ganze woche so bleiben. Das kostet festmacher, einer ist schon durchgescheuert. Damit es hier friedlich ist, habe ich drei leinen zu den pollern gelegt, die mittlere über meine genuawinsch, damit ich auf den steg komme.

Die letzten beiden tage habe ich mit der reanimation eines dieselgenerators verbracht. Gestern sehr erfolglos versucht, den anlasser zum drehen zu bewegen. Will nicht, sehr wahrscheinlich der magnetschalter, es ist schon der zweite, der den geist aufgegeben hat. Dann ist mir das anzugsseil gerissen, auch erneuert, aber das teil war nicht laufwillig. Das habe ich mir als frühsport aufgehoben.
Warm wurde ich dabei heute morgen, aber kein laufen. Diesel kommt an der einspritzpumpe an, nicht an der einspritzdüse. Wenn das teil kaputt ist, kann ich den ganze motor wegwerfen. Also die pumpe ausgebaut und sie fördert, was nun? Dann habe ich mir die steuerungsmechanik angeschaut, ein schieber geht hin und her und regelt die menge. Nur der schieber ist nicht bei der pumpe. Dann habe ich noch die drehzahleinstellung abgeschraubt und gesehen, der hebel bewegt nicht den schieber. Dann kam mir der kleine stift unter dem motor in erinnerung, dieser hat sich im orkan heraus gerüttelt. Danach entlüftet, angeworfen, ging recht schnell und ein wenig laufen gelassen. Mein kompressor eingeschaltet, damit der tank wieder voll ist und die fender aufgepumpt. Die sind wegen der kälte recht schlapp. Basteltechnisch war es ein erfolgreicher tag.

Im supermarkt habe ich die restlichen reduzierten spitfire ales gekauft und eine kleine steckrübe erstanden, für ein pfund. Bald kommt majorannachschub und mein restbestand geht bald in einen leckeren eintopf.

20170628 steckruebe

 

So langsam kehrt hier bei mir der alltag ein. Aufstehen, bad, ofen anfeuern, kaffee kochen, währenddessen porridge einweichen mit der milch aus Guyana und dann vor dem leicht warmem ofen frühstücken.
Danach die liste anschauen, einen task herausnehmen, der zum wetter passt und anfangen. So ist der halbe tag schon herum. So um zwei uhr gehe ich ins warme der touristeninformation und ins netz. Hinterher ein gang durch die gemeinde, einkaufen oder holzsammeln. Schon wird es dunkel und gedanken zum abendmahl kommen. Wieder den ofen anheizen und auf der landleinenrolle den tag ausklingen lassen. Nicht gerade aufregend, aber das hatte ich bereits zur genüge auf der herfahrt.

Doch die zeiten der landleinenrolle sind gezählt, denn wenn hier ein nord- oder nordost- wind weht, soll es ungemütlich werden. Dann muss ich die landleinen zum anderen anleger spannen.
Das holz schmilzt hier weg wie warme butter, schon fast zwei fischkisten habe ich verfeuert. Da muss das beschaffungsamt bald tätig werden, sonst bleibt die bude kalt.

Und ich habe auch noch glück gehabt auf der herfahrt: die genuaschot hatte sich im vorderen bereich total aufgescheuert. Wenn das segel klein ist, der sturm über das schiff zieht, kontrolliert man das nicht jeden tag. Nun ist sie erneuert. Auch sind nur zwei rutscher vom großsegel gebrochen, die verstärkten ösen haben gehalten. Das reparieren ging gestern recht gut, da der wind mal einen aussetzer hatte.

Gestern war ich auch noch bei Janet und Bob mit einem rucksack voll wäsche, die ich danach wieder frisch und getrocknet mitnehmen konnte. Die beiden sind richtige falkländer, er in der sechsten und sie in der siebenten generation. Die ahnen kamen vor über hundertsiebzig jahren hierher, heute gibt es schon die neunte generation auf dem felsen. So viel bodenständigkeit kenne ich in deutschland nicht, gab es doch in dieser ganzen zeit mehrere kriege und grenzverschiebungen.

Und so habe ich ein wenig zum krieg hier auf dem felsen gefragt. Mal die andere seite belauschen und verstehen, warum die menschen hier nicht auf die Argentinier stehen. Vor fünfunddreißig jahren waren hier vierzig soldaten der krone stationiert, und als die Argentinier mit eintausendfünfhundert köpfen hier landeten, war gerade wachablösung. Somit gab es ganze achtzig britische soldaten hier. Dann wurden die leute vom land in Stanley interniert und das gehaue fing an. Die militärische übermacht aus england hat das ganze dann recht schnell beendet, fast eintausend tote insgesamt. Was ich unschön finde, sind die ganzen handgranaten mit den stolperdrähten, die in den farmhäusern hinterlassen wurden. Auch hatten die Argentinier genug zu futtern, es kam nur nicht bei den soldaten an, sondern wanderte ins lagerhaus. Da wurde catch twentytwo zur realität.

In jedem zoll- oder immigrationsbüro und bei der prefektura in Argentinien hängt das bild der Malvinas. An jeder dritten ecke wird an die helden und toten von damals gedacht. Auf den Falklands gibt es auch eine landkarte von südamerika, dort fehlt nur das ganze gebiet von Argentinien.

20170708 suedamerika

 

Das war schon die erste woche, wie auch hier die zeit vergeht. Gestern habe ich erstmal holz geholt, vom anleger zu meiner rechten seite. Die leute sind nett, eine halbe mülltonne hatten sie noch, dazu noch zwei europaletten. Man sind da viele nägel drin! Daneben ist die firma falkland homebuilding services, das klingt fast wie aus Brazil. Dort liegt noch mehr holz herum, gefragt wird bald.
Und da sind wir schon wieder bei einem problem. Ich habe gestern den ofen nicht richtig zum fliegen gebracht. Auch mein gasherd machte gelbe anstatt blaue flammen und es liegt nicht an der luftzufuhr, die luke war offen. Ich habe den luftdruck in zusammenarbeit mit dem wind in verdacht, heute geht es super.

Auch bin ich gestern den bisher weitesten fußmarsch zur ortsgrenze zum hafen gelaufen. Unterwegs in einen weiteren supermarkt hinein geschaut, der erinnerte mich an einen leergekauften ho-laden. Dann an der umgehungsstraße den größten laden auf der insel gefunden. Doppelte größe vom deutschen discounter und regale ohne ende. Hier gibt es alles zum futtern und im nebenhaus alles für den outdoorbedarf. Kleidung, schuhe, ausrüstung. Ich habe mir erstmal zwei paar dicke socken gekauft, meine sind schon durchgelaufen. Und im eifer des gefechts habe ich bei einem brauset zugeschlagen, australian bitter. Aber jetzt kippen meine pläne zum bierbrauen, nachdem ich die anleitung gelesen habe. Die hefe geht gut im bereich von siebzehn bis vierzig grad, nur die siebzehn erreiche ich hier nicht, auch nicht am kap hoorn. Also wird das nächste ale erst im pazifik angesetzt werden.

Heute am Sa ist es recht ungemütlich hier am steg, eine steife brise und das schiff bockt in den festmachern. Morgen werde ich die anderen landleinen legen, denn am Mo kommt es zeitweise aus nord.
Meine letzten beide pakete sind auch angekommen, danke euch dafür. Somit gibt es heute den steckrübeneintopf mit majoran. So etwas mit freunden funktioniert, aber auf ein angebot für neue repeller für den windgenerator warte ich vergeblich. Auch hat sich mein winsteuerungshersteller gemeldet, wird ein preis herausfinden, ich solle es aber besser lokal probieren.

Der wasserüberlauf des kettenfasses hat konsequenzen. Man glaubt ja gar nicht, wie schnell konservendosen anfangen zu rosten. Heute habe ich diese vorräte überprüft, gewaschen und wieder verstaut, viel rostiges wasser. Die arbeiten sind morgen abgeschlossen und mein Mr Perkins muss versorgt werden. So verbringe ich die zeit.

Am So war die vorbereitung auf den Mo mit nördlichen winden. So habe ich meine seilrolle halbiert und zwei leinen zum anderen anleger gezogen. Hat eine weile gedauert, aber ich habe ja zeit. Dann war das schiff wie eine spinne im netz und weit weg vom steg. Das hätte alles so schön sein können, wenn am Mo nachmittag nicht ein offizieller vorbei gekommen wäre. Im falle eines notfalls müsse hier ein schiff hinein fahren können, also müssen die leinen zum anleger wieder ab.

20170702 abspannung

 

20170702 abspannung

 

20170702 abspannung

 

20170702 abspannung

 

Dieser mensch hat mich auch aus dem motorraumkeller geholt. Die kardanwelle ausbauen, den auspuffwassersammler entfernen, den überlauftank des duschsumpfes ausbauen. Dann den motor anliften, holz darunter und die hinteren motorhalterungen ausgebaut. Kein wunder, dass der motor zur seite gekippt ist, das eine motorfundament hat sich gehimmelt.

20170703 motorfundament

 

Und zum ärger des tages will mein ofen nicht so recht, pustet er die abgase in die kabine und nicht durch den kamin. Ich bin sehr genervt davon, die gleiche anwandlung wie auf dem meer. Durch diesen nordwind ist auch ordentlich schwell am anleger, ständiges auf und ab.

Die letzten drei tage habe ich lange im keller des schiffs verbracht und dort ist es kalt. Der motorraum ist unter der wasserlinie und das bedeutet auch kondensationsfeuchtigkeit, also ein ideales gebiet für reuma. Dann war ich wieder einmal bei Bob und ich bin zwei monate zu spät gekommen. Er hat ein wenig seine garage aufgeräumt und seine neuen motorfundamente weggeworfen, da er sie nicht mehr braucht. Glücklicherweise hat er eins übersehen, das gleiche, das ich brauche, und nun es ist auch schon im schiff verbaut.
Und hier kennt jeder jeden oder er weiß, wer helfen kann. So wird jetzt versucht ein weiteres fundament zu finden, wenn beide hinteren neu sind, ist mir wohler.

Die brennaktivität vom ofen schwankt von tag zu tag. Die lösung könnte ein sauberes abgasrohr sein, ich hau da ja einiges durch. So war ich gestern mal in der rolle des schornsteinfegers drangegangen, mit brennbarem erfolg. Also feuchtes holz nur, wenn der ofen warm ist.

Nachtrag zum ofen: der wind ist das problem, trockenes holz, gereinigtes rohr und der wind drückt die flamme zurück. Teilweise als stichflamme oder der rauch ist im schiff. Somit ist der newport von dickinson hier nur unter kontrolle betreibbar, wenn das in der nacht passieren würde, ist das ende scheller da, als man es weghusten könnte.

20170705 flammen

 

20170705 flammen

 

Dann wurde ich heute morgen aus dem bett geklopft, Bob brachte mir drei weitere motorfundamente. Leider nicht dieselben, also musste ich zwei bleche darunter schweißen. Somit sind die beiden hinteren aufnahmen fast fertig und das schiff fast wieder fahrbereit. Und zum schweißen musste der generator an, beim zweiten mal ziehen lief er schon. Somit lief auch mein kompressor und hat luft getankt, lauwarmes wasser wurde in der zeit produziert und die batterien sind wieder voll. Die anschießende dusche war mit überwindung machbar.

20170706 motorfundament

 

Im supermarkt ist gerade die nächste charge india pale ale am ablaufen und somit preisreduziert, das pint für ein pfund. Meine größte sorge, dass meine gekochten eintöpfe ohne maggi auskommen müssten, wurde durch zwei freundliche heimatliche care pakete ja schon behoben. Nur jetzt habe ich noch einmal zugeschlagen im hiesigen supermarkt und zwanzig miniflaschen gekauft, heruntergesetzt auf zehn pence. Zwanzig für den preis von einer. Ich glaube das liegt am winter, kaum touristen, weniger umsatz.

20170706 maggivorrat

 

Jetzt bin ich schon zwei wochen hier am steg und heute ist es mal wieder ungemütlich. Eine sehr steife brise aus fast nord mit einer kappeligen see. Die festmacherseile knarzen vor sich hin und bei den bewegungen des schiffes muss ich mich schon mal festhalten. Der ofen bleibt wohl heute wieder aus, läuft er doch rückwärts.
Gestern und vorgestern habe ich den motor wieder zusammengesetzt und laufen lassen. Er rüttelt jetzt ein wenig mehr mit den beiden neuen motorgummis, oder es kommt mir nur so vor.

In diesen zwei wochen habe ich schon ein kilogramm haferflocken und vier liter milch umgesetzt, mehr als in den letzten fünf jahren zusammen. Auch sind die ausgaben recht hoch, dreihundertfünfzig pfund sind in den handel geflossen. Siebzig davon für die hafengebühr.
Dann habe ich mich über die struktur der insel informiert. Es gibt hier vieles nicht: Kein recycling, der müll wandert auf eine deponie. Glasflaschen werden schon im pub geschreddert, keine blechdosen oder die aus alu werden gesammelt. Keine wirklichen schrottplätze, die insel ist einer. Alles wird aufgehoben, kann man vielleicht noch einmal gebrauchen. Das abwasser wird unaufbereitet ins meer gepumpt, frisches oberflächenwasser kommt aus der mitte der insel und ist mit chlor versetzt. Der strom wird in dieselgeneratoren erzeugt, dazu gibt es ein paar windräder. Die inseln sind zu klein für umwelterhaltende maßnahmen, so die entschuldigungen. Die reedereien müssten nur die leercontainer auf dem rückweg freigeben, anstatt den vollen preis zu verlangen.
Es gibt hier keine bienen, der versuch, welche anzusiedeln, scheiterte, liegt wohl am wind. Somit gibt es auch keine wespen, stechende mücken oder ameisen. Und was mir nicht gefällt, es gibt hier nur tiefgefrorenen fisch.

Das wochenende ist wieder vorbei und am So nachmittag gab es zur abwechslung mal wenig wind. So konnte ich das schiff ein paar meter weiter zum ufer ziehen, um wasser zu bunkern. Lief alles supergut, und als ich wieder an der alten stelle war, fing der wind auch wieder an.
Glücklicherweise funktioniert auch der ofen, denn meine standheizung will den betrieb nicht aufnehmen. Das letzte mal lief sie vor vier jahren in Berlin und alles war gut. Da muss ich ran, war nicht so gedacht.
Die sache mit dem holzofen hat auch noch andere konsequenzen, dreck, viel dreck und ruß. Ich wollte es ja nicht wahrhaben, aber die ofenklappe öffnen und holz nachlegen und schon zieht ein wenig rauch ins schiff. Dieser kondensiert mit der luftfeuchtigkeit an den kältebrücken der fenster. Das wasser sammelt sich und läuft dann als kleines braunes rinnsal an der weißen wand herab. Ich muss mal wieder putzen, der staubsauger geht auch jeden zweiten tag zur schicht. Staub, holzmehl und ruß verteilen sich ganz gut.

Auf der anderen seite der bucht weht auch der wind. Heute am Mi habe ich rübergemacht. Und das ganze fing schon wieder schlecht an, ankerwinschproblematik. Hier muss und wurde geankert, nur die bedienungseinheit konnte es nicht mehr so richtig. Das letzte mal in Uruguay war es noch super und hier ging es nur noch halb. Halb rauf oder halb runter und dann ohne stop, bis der sicherungsschalter ausgelöst hatte. Ich konnte aber über meinen backupschalter vom steuerstand das ganze dann doch bewerkstelligen, danke backup. Die bedienungseinheit habe ich später aufgeschraubt und das grüne ergebnis ist herausgepullert. Nun hängt der schalter nach dem waschgang auf der leine über dem ofen. Ich hoffe auf die selbstheilungskräfte der elektronik. Das ganze ist auf einen konstruktionsfehler zurückzuführen. Die einheit kann aufgehängt werden, nur läuft dann wasser über den kabelkanal hinein. Italienische spitzenqualität, aber günstig.

20170712 winschschaltung

 

Nun liege ich bei dem fischkutter am alten hafen vor anker. Die alten öltanks stammen noch aus dem zweiten weltkrieg, sind aber aus der nutzung. Der hafen soll versandet sein, also nur knappe tiefe zum steg, doch da liegt der zweimaster. In ein paar stunden soll der nordwind mit ost kommen, ankern ist hier spannend.

20170712 stanley

 

20170712 stanley alter hafen

 

20170712 stanley alter hafen

 

20170712 stanley alter hafen

 

Gestern habe ich auch das projekt windsteuerungsreparatur angefangen. Ausbau war leicht, nur zwei kleine imbusschrauben der oberen lagerschalen lösen und ab geht es. Damit das nicht passiert, habe ich erstmal ein sicherungsseil angeschlagen, dabei habe ich mich auf meinen griff gestützt. Der brach so schnell ab und liegt nun sichtbar vor dem anleger. Ich hätte mal keine eisenschrauben nehmen sollen, abgegammelt und das sehr schnell. Danach konnte ich das ruder aus der führung ziehen. Nur gibt es hier auf der insel einen mangel an edelstahl und den brauche ich für die reparatur.

Auch habe ich gestern angefangen, das gerücht eines schiffverkaufes in den umlauf zu bringen. Es ist noch nicht definitiv, aber wenn jemand mir ein akzeptables angebot macht, höre ich nach heutiger motivation mit der segelei auf. Also denkt darüber mal nach, ob ihr nicht ein orkantaugliches hochseegängiges segelboot gebrauchen könnt.

Der Mi auf der anderen seite der bucht war gut, alles funktionierte und duschen konnte ich auch. Dafür fing der Do richtig schlecht an. Bis zum abend hin habe ich versucht, den ofen zum anständigen abbrennen zu bewegen, das ging nur bei geöffneten türen. Da ist der wurm drin oder der wind ist zu stark, ständig kippt das system um und der rauch ist im schiff.
Zum ausgleich ging der winschschalter wenigstens wieder und ich habe noch mal zehn meter kette heraus gelassen. Danach war auch die nacht ruhig, so möchte man das.
Zum Fr morgen hin wurde es dann ungemütlich, schneegestöber mit fünfzig knoten wind. Ich weiß nicht, wie in der bucht die fast einen meter hohen wellen entstehen können, sie sind aber vorhanden. Irgendwann ist auch mein seilsystem zum anker puffern gerissen und der fischkutter kam näher. Der anker hat gehalten, nur vorsicht ist besser. Ab dann lief der motor für den fall und um zehn uhr hörte der wind kurz auf, nur noch zwanzig knoten.
Der richtige zeitpunkt, um den ort zu verlassen und zum anleger zurückzufahren. Das aufholen erschwerte sich, der fender mit der trippleine hatte sich verfangen. Der anker ist nicht ganz oben, nur bis zur rolle und der fender irgendwo. Die leine ist aber zu kurz für die schraube, doch irgendetwas hat sich auch dort verfangen. Ich hoffe mal, kelb oder schlimmeres. Also fast manivierunfähig bin ich zum anleger gefahren und der wind war wieder da. Auch Bob war dort und konnte nicht helfen. Das schiff hatte keine power um dort anzulegen. Beim zweiten versuch habe ich noch den kopf des steges gerammt und bin danach zum anderen anleger getrieben. Jetzt liege ich dort an einem autoreifenspiess und riesigen fendern. Es quietscht und scheuert und der wind nimmt noch zu. Erst morgen kann ich mich vielleicht zum öffentlichen anleger ziehen.

Ich bin sehr genervt und habe keinen bock mehr. Als nächstes muss ich mal einen taucher finden, der sich das malheur anschaut und beseitigt.

Meine fresse, war das gestern ein scheißtag und der liegeplatz hat viel farbe gekostet. Diese alten lkw-reifen sind ja nicht nur hart, sondern haben auch noch kleine steine im profil. Also genau das richtige für die farbbearbeitung.
Heute morgen musste ich dann erstmal wieder holz sägen, war ich doch an der quelle. Wieder einmal so um drei fischkisten voll. Die nägel im holz sammel ich im ofen zusammen. Dann kam der chef auch mal vorbei, smalltalk, und wenn ich hilfe brauche soll ich mich melden, ansonsten bediene dich am holz.
Hilfe konnte ich auch gebrauchen, wollte ich doch wieder am öffentlichen steg liegen. Also meine beiden langen landleinen zum anlieger auf der anderen seite gezogen und nun konnten sie mir richtig helfen. Einer war an der bugleine am ziehen, ich habe die heckleine über die winsch gekurbelt. Morgen kommt der muskelkater. Nur dann kam wind auf und vorne ziehen war kaum machbar, hinten kurbeln schon eher. Der chef war glücklicherweise an land geblieben, um uns notfalls von dem kleinen anleger in der mitte zu drücken. Und er hat gedrückt, der anleger war schon umrundet und dann er kam mit seinen tugboat. Das thema farbe ist ja schon passé und so drückte er Themroc gegen den wind zum steg. Und immer mit einem freundlichen lächeln und in der gewohnten ruhe der inselbewohner. Wenn ich die aktion alleine gemacht hätte, wäre heute richtig panik. Denn ich hatte schon die maschine angeworfen, um in den seilen was zu bewirken, mit geringem erfolg.
Danach alle seile neu verspannen, fender umsetzen, die landleinen wieder enttüdeln und endlich mal frühstücken, war es doch schon drei uhr.

Ich bin nun schon drei wochen hier und der aufgebemodus läuft noch immer. Die verkaufsgerüchte verbreiten sich und ich hoffe auf ein glückliches ende. Der ofen brennt heute mal richtig gut, nur warm wird es nicht angenehm. Draußen friert es und ich sitze bei muckeligen fünfzehn grad vor dem feuer.

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Das ist meins, mein Land

Alles hat mal ein ende, auch der aufenthalt im nautical club in Mar del Plata. Am Fr habe ich die wettervorhersage heruntergeladen und mein windfenster steht. Nach dem frühstück zur prefectura und das permit für die Malvinas abholen. Dieser spaß dauerte eine stunde und in der zeit habe ich die ausreiseformulare ausgefüllt, vier identische kopien, viermal dasselbe.
Der besuch bei der immigration fing schlecht an, da die frau mir keinen stempel geben wollte, die Malvinas gehören doch zu Argentinien, also inland. Die argumentation, dass ich danach gleich weiter nach Chile will, zog dann glücklicherweise. Nur war ihr computersystem down oder wollte sich nicht mit der zentrale verbinden. Wartezeit im überheizten büro und dann ich sollte in einer halben stunde wiederkommen.

Die habe ich genutzt, um noch einmal günstigen fisch zu kaufen, seehechtfilet für fünf euro das kilo. Gehört auch zur überfischten sorte. Soll mal bis zu einen meter lang gewesen sein und bringt es heute nur noch auf vierzig zentimeter. Dann noch ein wenig im hafen geschlendert und einen kleinen kran bei der arbeit beobachtet. Diese werden für das entladen der fischkisten benutzt. Acht stück übereinander, unten greifen zwei haken in die kiste und hinauf auf die kaimauer. Vielleicht gehen dabei die plastikkisten, die im hafenbecken schwimmen, über bord.

Zurück zur immigration, den pass stempeln lassen, die formulare mussten als zielhafen Chile haben und weiter zum zoll. Dieser hat sich nicht für meine ausreise interessiert und wieder zurück zur prefectura. Die frau war nett, verschob ihr mittagessen, stempelte die vordrucke und änderte wieder den zielhafen, von Chile auf Malvinas. So wirr ist es, wenn systeme meinen, das ist meins.

Und dann fing der tag null an, den club bezahlen, da gab es noch einen discount, und das schiff vorbereiten. Zwischendrin noch ein paar mails und skypen, sowie den wassertank verfüllen, man weiß ja nie.
Ich bin super aus der box herausgekommen, wurde dann noch von der prefectura angemorst und konnte mein ziel nennen. Draußen vor der mole habe ich gleich das zweite reff ins groß gebunden und mit schlappen drei knoten ging es raus aufs meer. Mein eingefrorenes curry taute auch schon auf, reis und wasser waren im topf, es konnte also losgehen.

Der speedalarm vom gps ging dann häufiger an und so wurde die genua immer kleiner. Das schiff machte schon sechs knoten im richtigen kurs. Zum sonnenuntergang den reis aufgesetzt, danach den gefrorenen eisblock erwärmt, um dann festzustellen, dass es nudeln sind. Na klasse, nudeln mit reis. Also nur nudeln, geht auch.
Die windsteueranlage wollte nicht so recht und kuppelte sich immer wieder aus, also ohne das teil weiter. Der autopilot arbeitete tapfer bis zum anschlag, dann gibt es einige unschöne geräusche. Als ich mal eine neunundvierzig auf der windanzeige gesehen hatte, musste ich doch in der dunkelheit das dritte reff ins großsegel binden. Alles was ich nicht gern mache, aber besser als zum nächsten segelmacher zu laufen.
Der schlaf hat sich über weite stecken verweigert, halbwind mit wellen und die donnern ins unterwasserschiff. Ein trommelschlag und durch die bodenbretter auch spürbar. Und die wellen wurden immer größer, bei vollmond gut sichtbar. In den frühen morgenstunden habe ich dann doch etwas schlaf gefunden.

Dann fing tag eins an. Ich habe mich für die östlichere route entschieden, strömung mit mir und weit ab von der küste. Nach dem kaffee und dem ausreffen ging es an die windsteuerung. Wieder einkuppeln und das ging schief. Das pendelruder ist durch meine arbeitsweise wieder gebrochen, an der gleichen stelle und der rest konnte gerettet werden. Feile herausholen, bohrer und schraubenschlüssel. Ging alles recht schnell und am ende funktionierte sie wieder. Nur bei wind von rechts muss ich sie anders einstellen, da sind der außenborder und der windgenerator mit wirbelproduktion dabei. Mal sehen, wie lange das teil hält.

Nachdem ich die oberen absätze geschrieben hatte, wollte ich mal sehen, wie weit der frachter schon heran gekommen ist. Zum greifen nah, die windsteuerung hatte sich schon wieder ausgekuppelt und so habe ich mal per hand um den kollisionsprobanden herumgesteuert.
Windfahne wieder aktiviert und das hielt ganze fünf minuten. Wieder gebrochen, frust. Morgen werde ich das alte provisorium anbauen, das hielt wenigstens ein paar tausend meilen vor Brasilien. Ein gutes gibt es dennoch zu berichten, ich bin schon über hundert meilen in die richtige richtung gesegelt.

20170611 pendelruderbruch

 

20170611 pendelruderbruch

 

Die zweite nacht war besser als die erste, jedoch habe ich mich an die wellen noch nicht gewöhnt. Mir ist nicht übel, aber wenn ich vorm herd stehe und dann kochen soll, geht es noch nicht. Dann sind rohkost, zwieback und eine heiße brühe angesagt.
Vor der nacht habe ich mit meinem schlafsack und einer grünen fleccedecke aufgerüstet, dafür einen pullover und ein fleeceshirt eingespart. Zum morgen hin gab es dann radaralarm, eine kräftige gewitterwolke war im anmarsch. Schnell noch etwas angezogen und die genua kleingerefft. Es dauerte gar nicht mal so lange und der wind pfiff um die fünfzig knoten. Ich liebe mein radar.
Am morgen war fast flaute, eine gute gelegenheit, die windfahne erneut zu reparieren. Gestern hatte ich noch zwei hölzer aufgeleimt, damit das brettchen die richtige dicke hat. Bei wenig wind ging es dann ins wasser und fünf minuten später das gleiche ergebnis. Das pendelruder schlägt zu weit aus, aber kuppelt nicht aus. Bruch die dritte und ich sehr genervt. Die zweihundert euro der reparatur haben nichts gebracht, eher verschlimmbessert. Also muss bis zu den inseln der autopilot die meiste zeit ran, und das kostet strom.

20170611_pendel_ersatz

 

Das schöne am tag drei ist der sonnenschein um die mittagszeit und wieder aufkommender wind um die dreißig knoten und alles aus der richtigen richtung. Dann ein paar walsichtungen und viele ausblasungen.
Vor dem sonnenuntergang habe ich dann doch schon wieder gerefft. Der wind ist so um fünfunddreißig plus. Mit dem restgroß und der kleinen genua geht es immer noch mit sechs knoten voran. Dabei teste ich die segelstellung und das schiff fährt auf kurs, ohne autopilot. So wird es auch in die nacht hinein gehen, mal sehen, wie das wird.

20170611 pendelruderbruch

 

20170611 segel klein

 

20170611 reff3

 

Die dritte nacht war besser als die letzten beiden, ich hatte das schiebeluk zugeschoben. Schon waren es fünf grad mehr im schiff und mir war warm. Die abkühlung kam um halb zehn, da musste ich noch einmal die genua halbieren. Der wind zog an und blieb es auch.
Seit gestern nachmittag fahre ich ohne autopilot, das schiff kennt seinen weg. Wenn allerdings zu wenig tuch oben ist, ist der kurs nicht optimal.

Am morgen habe ich die genua wieder auf die vortagesgröße erweitert und ein superkurs genau richtung süd war das ergebnis. Den brauche ich jetzt auch, sonst geht es in die nordströmung hinein. Dieses segeln bei fünfundvierzigplus ist anstrengend, oft sehe ich auch deutlich über fünfzig knoten wind. Dabei sind einige wellen recht kurz, die plicht ist mit der gischt durchnässt. Und dann dachte ich, dass das hier eine einbahnstraße richtung süden sei. Gegen mittag fuhr dann ein frachter in zwei meilen abstand vorbei. Die strömung scheint ihn nicht zu interessieren, dabei sind es geschätzte zwei knoten, gut für mich.

20170612 schiff insicht

 

20170612 schiff insicht

 

20170612 leichte wellen

 

20170612 leichte wellen

 

20170612 leichte wellen

 

20170612 leichte wellen

 

Die zweite hälfte des tages wurde heftiger. Den nächsten frachter konnte ich ab und zu nicht auf dem radar erkennen, ich war im wellental. Also gefühlte acht meter tief, nur danach wurden die wellen größer und größer. Am nachmittag kam dann noch eine kreuzsee von halbachtern. Wenn diese beiden wellen zusammen trafen, erhöhten sie sich und brachen auf dem kamm. Der wind von achtern blieb leider aus, dafür wurde der bestehende stärker. Segeln im fünfziger bereich ist schon nicht mehr richtig schön, zumal die böen dann im mitte sechziger bereich sind. Das ganze wird aber versüßt durch strahlend blauen himmel und sonnenschein. Nachdem sie sich verabschiedet hatte, halbierte ich die genua wieder, der kurs ist noch immer süd und die vierte nacht kommt.

Die nacht fing nicht gut an und endete schlecht, dazwischen war schlaf. Ich hatte mir gerade die zahnbürste in den mund gesteckt, da gab es am bug einen lauten knall und ich machte einen ausfallschritt. Entweder habe ich etwas gerammt oder eine große welle hat das schiff um neunzig grad gedreht. Schnell den kopf aus der luke gestreckt, aber nichts gesehen, nur beide segel standen back. Dann kräftig gegengesteuert und das schiff wieder auf den alten kurs gebracht, glück gehabt.

Am morgen wurde ich durch den speedalarm geweckt und ich habe ihn genervt auf acht komma acht gesetzt. Nach weiteren fünf minuten warmen schlafsacks kam der alarm wieder. Dabei macht das schiff durchs wasser nicht so viel geschwindigkeit, also bin ich noch im strömungsbereich. Also wieder in den schlafsack, es war noch nicht richtig hell.
Dann passierte die erste orkanböe das schiff, es dauerte zehn minuten bei windgeschwindigkeiten zwischen fünfundsechzig bis zehn mehr. Das ist so etwas von laut, das ganze schiff lärmt, der windgenerator geht im geräuschpegel unter. Dabei legt sich das schiff sehr auf die seite und am wellenkamm kommt die schraube aus dem wasser. Das wiedereintauchen lärmt und vibriert. Somit war diese nacht um sieben vorbei und die sonne kam wieder zum vorschein.

Das resultat dieser böen war der abgerissene mastrutscher vom großkopf und der windgenerator rüttelt sich langsam los.

20170613 festgebunden

 

Das war jetzt die front, dachte ich und habe ein paar fotos gemacht.

20170613 wellen

 

20170613 wellen

 

20170613 wellen

 

20170613 wellen

 

20170613 wellen

 

20170613 wellen

 

Um halbzehn kam die nächste kurze front, gleiche windstärken. Danach musste ich das groß herunter holen, drei weitere mastrutscher sind abgerissen. Den rest der strecke mal wieder nur mit der genua, die nur kleinst ausgerollt ist. Das war eindeutig überpowert, die untere querstange der backbordreling war oft im wasser, da wird einem schon anders. Luke zu und in die ecke setzen, abwarten. Das meer türmt sich zur zeit zehn bis fünfzehn meter auf, das ganze meer ist mit weißer gischt überzogen.
Jetzt um zwölf geht die dritte front durch, dabei hatte die wettervorhersage nur etwas von bis zu acht angekündigt, in der ganzen gegend bis zu den inseln. Das kann ja noch richtig scheiße werden, meine moral ist ziemlich runter.

20170614 windgeneratorrepeller

 

Noch immer der tag vier seit der abfahrt. Vor ein paar stunden ist eine welle von hinten quer über das schiff gegangen. Ein teil des wassers durchs offene schiebeluk bis in die spüle hinein und über den herd. Klasse, funktioniert der auch nicht mehr. Wischen sollte ich ja seit langem mal. In zukunft hier nur noch mit geschlossener luke.

Dann habe ich das schrabbeln der welle gefunden. Mit der schraube in der luft war wunschdenken. Das eine motorsegment hat sich gelöst und der motor kann nun zur backbordseite kippen. Das mag die kardanwelle nicht, weil der winkel zu viel für sie ist. Die abhilfe vor ort ist ein holzklotz zwischen motor und rumpf.
Danach kam noch ein riesiger brecher übers schiff, kaum etwas durch die schon geschlossene luke, aber die großen wassermassen landeten in den schwalbennestern der backbordplicht. Durch kleine ritze kann das wasser ablaufen und der rest ist durch den doradelüfter zum wc hindurch. Den hatte ich noch offen gelassen. Nach dem wischen ist vor dem wischen.
Und zur nachtruhe habe ich mir ein paar schinkenstullen mit roggenbrot gemacht. Gerade dann kamen schon wieder solche böen durch. Meine instrumente können auch an erster stelle eine acht anzeigen. Das wetter hat mich hier sehr am arsch, rechts ranfahren geht nicht, wäre aber schön.

In der fünften nacht habe ich gut geschlafen, der orkan kann auch ohne mich blasen. Ich bin den elementen sowieso ausgeliefert und vertraue dem schiff, den passenden weg zu fahren. Der windgenerator wurde auch immer leiser, lieferte aber auch immer weniger strom.
Am morgen war dann ruhe im schiff, schöner sonnenaufgang und wenig wind, so um dreißig. Heute war dann auch wieder der morgenkaffee möglich.
An deck war es einigermaßen ok, das eine sitzgräting wurde durch die reling aufgehalten, einige leinen waren im wasser und das schlauchboot war verrutscht. Soweit, so gut.

20170614 schlauchboot

 

Die erste handlung war, den windgeneratormast zu legen, beide schellenhalterungen waren zu schwach und haben sich zerlegt. Gut, dass ich den mast zusätzlich durch taue gesichert hatte. Beim legen war dann auch das verhalten des energieerzeugers klar. Er hat seine flügel am achterstag erheblich gekürzt, daher der teilweise krach. Das achterstag hat es ohne schaden überlebt, glück gehabt.

Dafür sind die kappe vom kompass, die schwimmlampe vom rettungskragen, der verbogen ist, und die fußmatte über bord gegangen. Weitere sachen vermisse ich noch nicht. Der rest vom pendelruder hatte sich ein wenig losgerüttelt, also wieder einmal fester anbinden. Das seil um das gegengewicht ist auch im meer geblieben. Dann sah ich die bescherung, das hauptruder der windsteuerrung hat es übelst mitgenommen. Es ist zur steuerseite um vierzig grad verbogen, sicherlich von einem brecher, der gegen das heck geschlagen hat. Eine öse von der sprayhood ist auch ausgerissen, dummerweise habe ich so ein teil nicht im lager. Da ist einiges zu tun in Stanley.

20170614 kappenlos

 

20170614 windgeneratorrepeller

 

20170614 ruder windsteuerrung

 

Jetzt ist es elf uhr, sonnenschein und mässiger wind um fünfzehn knoten. In der zweiten nachthälfe hat es sich schon angekündigt, dass ich nach osten getrieben bin. Somit fahre ich mit der genua und dem motor bei leichter umdrehung in richtung süden, dreißig grad mehr wären der richtige kurs. Das ganze gegen die dünung mit nur drei knoten. Ich muss ganz schnell aus dieser blöden ostströmung heraus.

Um halb fünf hab ich den motor ausgemacht, war die letzen stunden ohne segel motort. Der wind ist noch immer nicht richtig da, trotzdem habe ich eine kleine genua herausgeholt, für die nacht. Es geht grob in die richtung, die ich anstrebe, diesmal zwanzig zu viel. Mal sehen was diese nacht bringt.

Gestern war ein tag, um die reserven wieder aufzufüllen. Dank des sonnenscheins bis zum nachmittag konnte ich gut draußen sitzen. Da der motor lief, hatte ich heißes wasser und die dusche tat auch gut. Hinterher noch eine große schüssel hähnchenbruststreifensalat mit einem leckeren senfdressing. So ging es in die nacht hinein, doch der anfang war sehr warm, da im keller des schiffs ein großer eisenblock seinen dienst getan hatte und strahlte.
Um mitternacht bin ich mich noch einmal in den overall hineingeschlüpft, der wind hatte wieder auf über fünfundvierzig aufgedreht. Das resultat des reffens waren zwanzig grad zu wenig zum ziel, dafür aber sicherer. Ankommen ist mein motto und zwar heil.

Jetzt ist der siebte tag und die freude von gestern wird gerade wieder aufgezehrt. Der wind ist unbeständig in den dreißigern und es ist diesig draußen. Die genua ist ein stück größer geworden am morgen, reicht aber noch nicht zu den wanten hin. Dafür ist der kurs recht gut, nur die geschwindigkeit mit drei knoten ist enttäuschend. Ein tag für die kabine.

Ein paar erklärungen zum bild. Die schwarzen gestrichelten linien sind nordströmungen. Rechts von den roten fähnchen ist es sehr stark. Die roten linien sind mögliche südkurse mit positiver strömung. Ich habe mich für den weg in der mitte entschieden, insgesamt achthundertvierzig meilen. Die blaue linie ist der gefahrene kurs.

flaklands teil1

 

Die achte nacht endete erstmal um halb drei in der nacht durch einen lauten knall. Wieder so ein brecher gegen die bordwand, wie mit einem großen hammer. Bis zum morgen folgten noch neun dieser großen schläge. Bei einem mußte ich mit der innensteuerung das schiff wieder auf kurs bringen, die genua war mal wieder back. Dieser morgen ist schon kälter, nur noch acht grad in der kabine.
Etwas hat sich leider schon gezeigt, vorgestern und gestern war ich zu wenig nach westen gesegelt. Das resultat ist, dass ich in einer weiteren östlichen strömung hänge und kaum da raus komme, sollte der wind nicht mal drehen. Es wären im moment noch siebenhundert meilen bei dem jetzigen kurs bis Süd Georgien. Da will ich aber nicht hin und außerdem gibt es ärger mit den Argentiniern, denn das wollen die auch haben, es ist aber auch britisch.

Also warte ich erstmal ab, fahre einen kurs um südost und müsste südwest fahren. Bis zu den Falklands sind es noch um dreihundert meilen. Die sonne kommt ab und zu heraus und der wind ist zwischen vierzig und fünfzig knoten. Das geht mir ganz schön auf die nerven.
Wie gut, dass ich gestern die tomatensuppe im schnellkochtopf gekocht hatte. Der rest blieb da drinnen und der topf hüpfte heute nacht vom herd in das öl- und essig-regal dahinter. Keine sauerrei, deckel war zu, glück gehabt.

Mein neuer sitzplatz ist am ende der küchenzeile, gegenüber dem ofen, der kalt ist. Da komme ich ins grübeln, ob ich das ganze noch weiter machen will. Zur zeit ist zuviel frust in der reise. Wenn mir jetzt jemand ein akzeptables angebot für das schiff machen würde, nehme ich es an. Was danach wäre, weiß ich noch nicht. Nur durchhalten, damit ich einmal rum bin, treibt mich nicht mehr so richtig an. Meine reparaturliste ist schon wieder lang, sehr genervt.

Ist das ein scheiß, das schiff konnte am ende nur noch neunzig bis hundertzehn grad laufen. Partout nicht dahin, wo ich hin will. Also habe ich mal auf den gegenkurs gehalst. Das ergebnis war nicht gerade klasse, der neue kurs war um dreihundert. Dann habe ich das störende ruder der windsteuerung so festgebunden, dass es einigermaßen neutral ist. Danach noch den genuaschlitten auf hoch am wind eingestellt und zum schluss Mr Perkins hinzugebeten. Dieser hilft jetzt, den kurs zu stabilisieren, und der autopilot richtet sich nach dem wind. Wenn die winddrehung anhält, habe ich bald den gewünschten kurs zum ziel und bin raus aus der strömung. Aber ich fahre jetzt nach westen und teilweise ist da etwas süd mit dabei.

Diese achte nacht war ruhig, keine brecher, kein sturm, mal eine abwechslung. Und dabei bin ich ein stück nach westen gekommen, nicht viel, aber besser als in die entgegengesetzte richtung. Der morgen kündigte sich mit sechs grad in der kabine an, recht frisch. Während das kaffeewasser kochte, kam seit langem mal wieder die ganze genua raus, der wind war schwach.
Das änderte sich kaum im laufe des tages, mehr als fünf knoten konnte ich im besten fall nicht segeln und oft war der motor während der flauten an. So ist das tageslichtergebnis auch bescheiden.
Wenigstens kam ab mittag die sonne heraus. Die vielen regenwolken gingen an mir vorbei, und wenn ich am äußersten rand vorbei gefahren bin, war der regen im aggregatzustand schon fest. Je weiter ich nach süden komme, um so mehr fallen mir die kelbinseln auf. Ansonsten sind nur vögel auf der suche nach futter um mich herum.
Ein experiment startet nachher, ich habe den schornstein aufgesteckt und gesichert. Hoffentlich bringt der ofen ein wenig wärme ins schiff. Somit war es ein guter achter tag, meine phantomashandschuhe aus dem fischerreibedarf wärmen gut. Ein trost, denn die luke der achterkabine hat einen kräftigen riss bekommen, irgendwann in den letzten tagen. Unter dreihundert meilen noch bis Stanley.

20170614 riss luke

 

Der ofentest von gestern abend riecht noch immer in der kabine, dabei lüfte ich schon drei stunden. Entweder ich habe das falsche holz oder ich habe den abzug zu eng umgebaut. Solange das system nicht sehr warm ist, schlagen die flammen auch zurück und enden als qualm im schiff. Zum anderen mag es der ofen auch nicht, durch eine welle einen meter angehoben zu werden und danach wieder zu fallen. Ich hoffe auf einen stabileren brand im hafen.
Das andere glück war gestern abend zur essenszubereitung. Gleich am anfang war die gasflasche leer. Wenn das im orkan passiert wäre, gäbe es keine warme mahlzeit oder heißen kaffee mehr.
Die neunte nacht war wieder ruhig und das schiff machte nur west. Am morgen dann für die gegend eine platte see und unsegelbarer wind. Ab und zu kam er für ein paar minuten und so ist der motor häufig an und dann gleich wieder aus, störend so etwas.

Der neunte tag setzte sich so bis zum mittag fort, erst dann gab es brauchbare windstärken und eine dementsprechende richtung. Zum sonnenuntergang drehte der wind leicht nördlich und somit ging es direkt auf die Falklands zu. Leider hielt das natürlich nicht lange an, und da ich zur nacht immer reffe, war nur ein südkurs mit östlichem einschlag möglich.

Mein ofenversuch zwei ging vollends nach hinten los. Hätte ich ein paar schinken, sprotten oder lachshälften an der kabinendecke aufgehangen, so wären sie reif geworden. Im schwankenden schiff bei fünfunddreißig knoten wind wollte der ofen nicht ziehen. Ich habe es auch mit einem gasbrenner probiert, damit das holz schnell brennt, erfolglos. Der luftdruck auf dem abzug war zu groß und der rauch wurde in die kabine gedrückt. Rote augen und ein häufiges frische luft schnappen an der offenen kabinenluke waren die folge.

Die zehnte nacht wurde ein wenig ruppiger, im verhältnis zu den schlimmen nächten aber noch recht ruhig. Kein guter kurs in der nacht und am morgen ging es so weiter, nur dass ich noch einmal mehr die genua verkleinern musste. Kaum sonne und fünf grad in der kabine, nun denn. Es sind nur noch unter zweihundert meilen bis Stanley, aber das heißt noch nichts, wenn die richtung nicht stimmt.

Am abend war ich schon im falklandstrom, der um die inseln in richtung norden fließt. Der wind war so mies, dass ich die genua recht klein gewählt habe, um ein wenig fahrt zu machen. Denn der kurs war wieder richtung osten und davon wollte ich nicht mehr so viel. Am morgen des elften tages kam dann die überraschung, denn ich fuhr nach süden. Entweder der strom schiebt oder der wind hat gedreht. Vor dem kaffee habe ich das segel wieder vergrößert und nun liegt ein südsüdwest kurs an. Da ich schon sehr südlich bin, bräuchte ich aber ein südwest. Hoffentlich dreht der wind weiter nach norden. Noch hundertfünfzig meilen bis Stanley.

Bis zum mittag hat der wind noch nicht gedreht. Er bläst noch immer mit vierzig knoten, deshalb ist das schiebeluk auch wieder zu, zu oft kommt wasser rüber.

Jetzt ist es drei uhr am nachmittag und vor einer halben stunde habe ich mal wieder gerefft, zu oft habe ich die erste ziffer als fünf erkannt. Das schiff fällt mir zu oft ins wellental und das mit lautem knall. Diese wellen werden wieder größer und ich hoffe auf eine nicht-ekelige nacht. Der kurs ist auch nicht besser geworden, eher schlechter, da das segel kleiner ist. So langsam habe ich keinen bock mehr.

Zur nacht hin habe ich wie jeden abend noch einmal die genua kleiner gemacht, ja ich wiederhole mich. Zuvor war das erste mal an diesem tag der richtige kurs auf dem gps abzulesen. Hinterher wieder nicht mehr, das strömungsgebiet habe ich grob verlassen. Hoffentlich dreht der wind noch und wird nicht noch stärker. Die brecher, die über oder an das schiff schlagen werden allerdings heftiger. Noch hundertdreißig seemeilen.
Dann hatte ich am nachmittag einen heißhunger auf saure gurken, kein schwangerschaftsbefund. Dafür habe ich im bereich vor dem kühlschrank wasser entdeckt, nicht wenig und salzig. Meine gedanken sind jetzt, woher stammt bloß der wassereinbruch.

Und der wind wurde nicht stärker, aber er reichte auch nicht mehr für einen guten kurs. Mal über zweihundertundzehn grad, dann nur süd. Am morgen gab es dann unbrauchbaren und für die dünung zu schwachen wind. Am ende bin ich nach norden getrieben worden. Somit hat mich die strömung noch immer.
Vor dem sonnenaufgang ging der motor an, die genua wurde groß und der mögliche kurs ist nur zweihundert grad. Dabei müsste ich schon westkurs fahren, da kommt aber der schwache wind her. Fahrtechnisch und am frühen morgen durch das geschaukel, eine scheißnacht. Wenn das so weiter geht, komme ich nicht ans ziel. Noch immer sind es hundertdreißig meilen bis zu den Falklands. Meine stimmung ist sehr gereizt.

Wenigstens die sonne scheint und der wind ist zum mittag hin gut segelbar. Ich musste schon wieder die genua verkleinern und der motor ist schon seit zwei stunden wieder aus. Nur die windrichtung stimmt noch immer nicht. Genau aus west kommt er, und dabei müsste ich auch jetzt genau rechts abbiegen, um auf Stanley zuzufahren. Geht nicht, und so fahre ich weiter um zweihundert grad, also grob nach süden. Die dünung ist so lang und hoch, dass ich heute sicherlich zehn höhenkilometer schaffe.

flaklands teil2

 

Die dreizehnte nacht war besser, als die zahl es vermuten ließe. Ich hatte mich am abend für den weiteren südlichen kurs entschieden, obwohl vielleicht der nördliche kurs etwas mehr west gemacht hätte. Aber der wind hat in der nacht in richtung nord gedreht, und bei der anderen entscheidung wäre ich schon wieder nach osten gefahren. So waren es dreißig meilen weiter nach westen, als ich noch kalkuliert hatte, hurra. Auch sind es jetzt am morgen nur noch achtzig meilen zum ziel.
Dafür ist es heute auch wärmer, sieben grad im schlafbereich, draußen ist regen mit wind um vierzig. Es geht nach westen mit ein wenig nord dabei.

Jetzt ist es mittag, ich habe die genua besser noch einmal verkleinert, da vereinzelt böen durchziehen. Ist ja nicht so dramatisch, aber seit gestern abend ist das barometer um zwanzig hektopascal gefallen. Das hat ja noch nichts zu sagen, aber es bleibt in der vorsichtsrinde kleben. Das radar gibt ständig alarm, jedoch ist da draußen nichts, außer regenwolken und regen. Jetzt ist auch der kurs nicht mehr so gut und demnach wird es heute sowieso nichts mit Stanley. Ist mir auch lieber morgen am tage.

20170622 barometer

 

Die nächte werden leider auch wieder anstrengender. Auf dem boden liegen und die brecher im rücken spüren, ist wie auf einer ladepritsche zu liegen, die über einer kopfsteinpflasterstrasse fährt. Am morgen hab ich dann rücken, das muss aufhören.

Ich bin wieder einmal bedient. Zum sonnenuntergang habe ich versucht, mal auf den gegenkurs zu zweihundertunddreißig grad zu gehen. Das resultat war genau nach osten, mit motorunterstützung gerade einmal nordost. Also das ganze wieder zurück und dabei noch die genua für die nacht verkleinert. Jetzt fahre ich nur noch südsüdwest, wenn es gut kommt. So ein dreck und das barometer fällt noch immer. So geht es in die nacht.
Dann habe ich noch die umlenkrolle der backbordgenuaschot in die plicht geholt. Gestern war es noch ein kleiner riss neben dem bolzen, heute war er rausgerissen. Ich muss mal ein ernstes wort mit dem schweißer reden.

Immer noch der tag dreizehn, gerade mein bett vorbereitet und einen schreck bekommen. Der wind dreht weiter nach süd und mein kurs ist schon südost. Also muss jetzt der gegenkurs machbar sein. Wieder anziehen und raus. Mit motorunterstützung eine wende gefahren und die maschine läuft weiter im standgas, damit ich ein nordnordwest fahren kann. Irgend etwas läuft auf dem steuerbordbug schlecht, vielleicht das verbogene ruder. Jetzt sind es wieder siebzig meilen bis Stanley.

Die vierzehnte nacht war der bringer. Nachdem ich links oder rechts ausprobiert hatte, ging es mit dem steuerbordbug und mit Mr Perkins richtung norden. Zuerst fast genau auf kurs, dann ging ich schlafen. Um ein uhr dann der wecker und es wurde mehr nord. Von da ab an ging es ohne motor weiter, der wind war bis zum morgen gnädig. Aber was heißt das hier schon. Zum sonnenaufgang war ich querab zu Stanley und zwanzig meilen entfernt. Inzwischen waren wieder um fünfzig knoten wind draußen.
Mein fischermann ölzeug ist gut, hält beim ersten test trocken. Das segel als kleines stützsegel zu fahren und mit motor direkt auf das ziel zuzufahren, ist gescheitert. Ich versuche jetzt, möglichst viel nordwest zu fahren, und später zu wenden, wenn das geht.

Das ging leider nicht, mit kleinem oder größeren segel auch nicht. Ohne segel und nur mit motor geht bei diesen sehr großen wellen und dem starken wind auch nicht. Wenden geht gerade und dann drückt der wind das boot herum, der autopilot ist machtlos. Somit bin ich wieder in richtung süden unterwegs, leichter motor und etwas genua und mache etwas west.

So mit sonnenschein ist es ja angenhmer, obwohl es kalt, windig und feucht ist. Ich war am frühen nachmittag gerade mit meiner großen brühe fertig, da donnerte es auch schon gegen die bordwand, laut. Das licht wurde weniger, die sonne war weg und ein fünfundsechzigplus teil zog durch. Der motor kam aus und das meer war kaum noch zu erkennen, sehr viel weiß. Der erste fallende schnee für mich in diesem jahr. Das ganze dauerte zwanzig minuten und dann war es fast wieder wie zuvor.

Um vier uhr nachmittags das ganze noch einmal, es ist zum heulen. Von heute morgen um acht bis jetzt habe ich sechs meilen nach westen geschafft. Dabei bin ich fünfundzwanzig meilen gefahren. Langsam reicht es, nach norden hin geht nur etwas mit ost im kurs, auch wenn der motor dabei ist. So komme ich nicht ans ziel, der wind muss in die richtige richtung drehen.

flaklands teil3

 

Es muss auch alles auf einmal kommen, die blase drückt, das radar gibt alarm und die nächsten kräftigen böen ziehen gerade an. Eins hatte priorität, nummer zwei war tatsächlich ein schiff und das böengemisch in den siebzigern dauerte eine stunde. Danach hatte ich beschlossen, wieder auf nordkurs zu gehen, vielleicht komme ich so näher ans ziel heran. So ging es in die nacht.

In der nacht um halb drei ging der wecker und ich war schon nördlicher als die zufahrt zu Stanley. Und das war gut, so ging der gegenkurs mit motor genau auf die anfahrt zu. Ein vorgeschmack für das ziel gab es in der ecke der sitzgrätinge. Für die letzten wochen im verhältnis war es eher schwacher wind um fünfunddreißig. Zuerst ging es recht langsam mit einskommafünf knoten, aber je näher ich kam, desto schneller ging es gegen die wellen und hoch am wind. Um acht uhr ging die sonne auf, das war auch notwendig. In der kabine waren es vier grad und draußen mindestens fünf weniger. Die felsen und dann auch die stadt waren weiß.

20170624 vorgeschmack

 

Das barometer ist seit der letzten meldung wieder um fünfunddreißig hektopascal gestiegen. Hier ist eine wetterküche.
Am anleger kam gerade einer zum helfen und das manöver war gut, kein farbverlust. Kaum war der halboffizielle verschwunden, kamen zwei vom Falkland Islands Yacht Club. Sie halfen mit zwei zusätzlichen leinen um die poller herum, erklärten mir einiges und luden mich zum kaffee ein. Außerdem riefen sie den einklarierungsbeamten an, der nach zehn minuten zum schiff kam. Das ging recht schnell und danach meine ersehnte warme dusche. Der ofen brennt gut, das frühstück ist vorbei, es kann losgehen hier.

20170624 anleger stanley

 

Fazit der reise: das war nichts für pussies. Wenig bequemlichkeit, werdende kälte, beängstigender lärm, einfachstes essen, feuchtes schiff, ungewissheit, ob die technik überlebt, zudem ist viel kaputt gegangen. Das muss man mögen und leben können. Ob ich dazu gehöre, weiß ich noch nicht, aber ich bin im moment bedient.
Aus den geplanten neun tagen und achthundert meilen sind vierzehnhundert meilen in fünfzehn tagen geworden. Ich habe die ‘roaring fourties’ durchquert, zwei orkantage erlebt, gestern noch die fünfundachtzig auf der anzeige gesehen und das schiff hat viel bruch abbekommen. Ich bin heil geblieben und angekommen, etwas positives.
Es hat sich gezeigt, dass dieses schiff ohne windsteuerrung auskommen kann, das ist super für die zukunft.

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Gen Süden

Dieses ablegemanöver in Puerto Sauce war wieder einmal gut, die strömung war auf null und der wind moderat. Vorher habe ich mich noch bei Kris verabschiedet, der nach norden segeln wird. Danach raus in den Rio del Plata. Der sonnenuntergang am vorabend war  wieder schön.

20170516 puerto sauce

 

20170516 puerto sauce

 

Der wind sollte für die nächsten beiden tage aus nordost kommen, daraus wurde am ersten tag leider ein südost. Das konnte ich schlecht gebrauchen, genau von vorn. Der motor war aktiv beim segeln dabei und zum sonnenuntergang war ich wieder einmal am Punto Jesus Maria. Das wäre auch ganz toll, wenn nur nicht R. Kaiser immer im ohr dabei wäre, genau wie auf der hinreise. Einfach ekelig und nicht aus dem inneren gehörgang zu säubern.

Am nächsten morgen habe ich erstmal das segel hochgezogen und das erste reff gleich hineingebunden. Danach den anker geliftet und bin weiter zu meiner bucht vom vorletzten mal gesegelt. Im tieferen wasser eine gereffte genua rausgezogen und mit über sieben knoten ging es richtung Montevideo. Nach dem kap waren es sechs und später wieder weniger knoten.
Weil ich meine route nicht verlassen wollte, lief schonmal der motor mit. Das war eine lösung, um gegen die ekligen wellen anzukommen. Diese sind so steil und kurz, dass sich das schiff einstampft und wieder von neuem geschwindigkeit erreichen muss. Der motor hilft, um die grundgeschwindigkeit zu halten und damit der autopilot nicht verwirrt wird und bremst.
Um in meine bucht zu kommen, musste ich aufkreuzen und am ende vor dem ankerplatz stellte ich fest, hier ist es großer mist. Der wind hatte gedreht und vor ort waren es dreißig knoten mit wellen, nicht gerade optimal. Ich bin dann zwei meilen weiter die küste entlang gesegelt und habe eine weniger windige bucht gefunden. Das erste mal, dass ich in einem steinigen areal geankert habe, hoffentlich geht es gut.

In der nacht wurde ich dann mal öfters wach, von drei bis vier habe ich die windanzeige beobachtet. Das schiff blieb an seiner position, auch bei fünfundvierzig plus böen. Dazu kam dann am morgen ein schwell aus der anderen richtung, alles nicht so richtig schlaftauglich. Da es am morgen noch nicht richtig besser wurde, jetzt auch mal mit regen, wartete ich einfach ab. Eine segellatte war außerdem aus ihrer tasche gerutscht und die musste erst wieder positioniert werden.

Dann war die wettervorhersage auflandiger wind, wie ich dank des offenen wlans eines restaurants in der bucht in erfahrung bringen konnte. Also los und das schnell, wieder im gerefften zustand teilweise über acht knoten. Als ich dann Montevideo passiert hatte, aus der ofen. Also mit motorunterstützung weiter bis Piriápolis. Die geplante ankunftzeit um nachts ein uhr habe ich eingehalten, somit nur einen tag überteuertes marinageld. Ich bin dann mit dreißig knoten wind in den hafen hinein und habe zum glück einen ganzen freien steg vorgefunden. Also ran da, längseits, auch wenn jemand gerufen hat. Aber so leicht gab der nicht auf, der steg ist nicht frei gegeben, ich muss sofort woanders hin. Ich habe mich für eine andere ecke entschieden, da geht weniger kaputt.
Nur habe ich die über zehn zentimeter langen schraubbolzen in dem holz übersehen, bei regen und dunkelheit. Beim ablegen habe ich diese mitgenommen bzw. sie haben das boot mit der reling gestoppt. Was für ein pfusch, mooringbojen schon alle plaziert, aber die bolzen nicht abgeflext. Die reling hat ganz schön etwas abbekommen, mist, rostiger.

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

20170520 relingschaden

 

Auch kapieren die ausgelagerten bediensteten hier nicht, dass man einhand an den  mooringbojen nicht allein ein seil einfädeln kann, zudem das bei sechs windstärken. Die ecke war groß genug für längsseits. Am morgen hat mir dann jemand geholfen, ein seil an die mooringboje anzubändseln. Nach kurzer zeit stand das schiff dann ordnungsgemäß rechtwinklig zum steg.
Danach die behördenstrecke und zum gasfritzen. Befüllung am selben tag und einen adapter hat er auch. Der supermarkt ist in der nebensaison anders angeordnet, sortimentswechsel. Das deutsche schwarzbrot war aber noch vorhanden. Morgen früh geht es weiter, das wetterfenster hält bis zum mittwoch, das muss genutzt werden. Natürlich geht hier das internet mal wieder nicht, keine empfehlenswerte marina in Piriápolis.

Vor der abfahrt habe ich mir noch einmal den gesperrten steg angeschaut. Einfach nur schlimmer pfusch, ich habe genau die stelle getroffen, wo noch zwei lange bolzen komplett und weitere zu weit heraus stehen. Leider auch in der unteren reihe und somit bin ich wieder im arbeitszustand vor der farbe.

20170520 schaden verursacher

 

20170520 schaden verursacher

 

20170520 schaden verursacher

 

Am So morgen bin ich so um zehn uhr los, vorher noch bei der immigration und der prefektura vorbei geschaut, ging schnell. Dann noch ins internet, wetterdaten abgeholt, mail abrufen auch und dann war es wieder aus. Keine möglichkeit, nachrichten zu senden.
Das ablegen mit zwanzig knoten wind aus zwei uhr ging recht gut, die beiden von der Nadine haben die leine abgeworfen. Draußen waren es dann schon fünfundzwanzig knoten wind. Mit über sieben knoten ging es nun dem ziel entgegen. Wenn das so weiter geht, wird es heute das schnellste etmal werden.
Leider musste ich dann noch durch ankernde schiffe hindurch, ich habe über dreißig stück gezählt, alle um die zweihundert meter lang. Entweder warten die auf besseres wetter oder die häfen sind gesperrt. Um drei uhr am nachmittag hatte ich dann das letzte schiff passiert. Wenn die alle in bewegung gewesen wären, hätte ich wohl einen zickzackkurs fahren müssen.
Zudem ist es bis jetzt auch meine kälteste tour. Nachts um fünf grad, die kleidung wird immer mehr. Barfuß ist schon lange nicht mehr angesagt und kurze hosen sind tabu. Jogginghose, t-shirt, sweatshirt, fleeceshirt, darüber ein leichte segelhose und eine jacke. Natürlich schuhe, eine wollmütze und handschuhe. Bei frischem wind wird es dem wärmeverwöhnten skipper schnell zu kalt. Ich wollte das so, barfußroute kann jeder.

Nach einem tag ist dann die ernüchterung wieder eingekehrt. Am anfang war es super, bis zum sonnenuntergang, einem richtig feurigen, war die geschwindigkeit nie unter fünf knoten. In der nacht brach dann das windsystem zusammen und ich schaffte gerade mal hundert seemeilen in den ersten vierundzwanzig stunden. Dabei war es am abend so heftig, dass ich das vorbereitete chickencurry nicht essen konnte, der herd war am anschlag. Also eine leichte notsuppe und danach viele, viele schlafversuche.
Am morgen dann ein super sonnenaufgang und leichter wind, die batterien mussten auch mal geladen werden. Ich hoffe nur, dass ich morgen bei tageslicht am ziel ankomme.

20170521 sonnenuntergang

 

Der ganze zweite tag war mit leichtwind und deshalb habe ich kaum ein richtiges stück geschafft. Aber die see war ruhig und das vorbereitetes curry schmeckte hervorragend.
Der dritte tag bot mir nur achterlichen wind, den ich gar nicht mag, da direkt vor dem wind das segeln durch schlagen der segel nervig ist. Somit kreuzte ich vor dem wind. Auch war der wind nicht stark genug, so dass bei unregelmäßigen wellen die genua einfiel und sich mit einem lauten knall wieder aufgebläht hat. Und dann ist mir noch der palstek der zweiten reffleine um den großbaum herum aufgegangen. Wie das passieren konnte, ist mir ein rätsel, von da an ging es nur noch mit der genua.
Mit dem motor und der genua bin ich dann um mitternacht in den hafen von Mar del Plata eingelaufen. Ich bin nach der elektronischen karte gefahren, sonst hätte ich wohl das ziel verfehlt. Im vorhafen zur marina fand ich eine freie mooringtonne und der wind war gnädig für das manöver. Jetzt habe ich den dreh heraus, jedenfalls wenn genügend platz da ist. Vor dem schlafengehen habe ich mir noch eine warme dusche gegönnt, war ein wenig angefroren.
Sechzig stunden hat die überfahrt von Piriápolis, Uruguay, nach Mar del Plata, Argentinien, gedauert für zweihundertdreiunddreißig seemeilen. Wichtiger ist, dass ich rechtzeitig angekommen bin, denn ab den nächsten tagen gibt es südwind.

Jetzt liege ich weiterhin im vorhafen am steg mit der freundlichen unterstützung eines marineros. Alles ein wenig klapprig und hoffentlich sicher. Wasser und strom sind vorhanden und kosten nichts extra. Die büroangestellte des Club Nautico sagte sofort von sich aus, dass es zwei freie tage gibt und danach kostet es zwölf dollar, klare ansage. Das wlan ist auch vom schiff aus zu empfangen, also wieder ein pluspunkt.

20170526 vorhafen

 

Dann wollte ich los zum einklarieren, aber hier tickt die masche anders. Bei einreise aus einem anderen land kommt zuerst ein arzt an bord, füllt einen zettel aus, fragt, ob ich gekotzt habe und will dann achthundert pesos, umgerechnet fünfundvierzig euro, haben. Reine geldabzocke, denn wenn ich von Uruguay nach Buenos Aires gefahren wäre, hätte es keinen arztbesuch gegeben. Außerdem: wie soll jemand das geld haben, wenn er nicht vom schiff kann? Ich hatte das geld nur vom ersten mal Argentinien noch übrig gehabt.
Danach das spiel, die immigration zu finden, zoll besuchen und dann die prefektura. Hat holprig funktioniert, und am Fr morgen habe ich einen termin, um die hirnverbrannte erlaubnis, zu den Falklandinseln zu fahren, zu beantragen. Die genehmigung soll zehn tage dauern, vielleicht.
Der ganze hafenbereich stinkt nach fisch. Wenn der wind schlecht steht, habe ich es auch im schiff. Am liegeplatz kommt noch das aroma von calamares hinzu. Der mensch ist der größte räuber des meeres, es liegen hier geschätzte hundert fischfangfabriken. Der krabbenkutter aus Büsum wäre hier nur ein beiboot.

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

20170526 hafen Mar del Plata

 

Ich habe heute am Fr einen weiteren teil des hafens gesehen, da waren dann auch die kleineren schiffe, die in der werft überholt werden. Etwas gutes hat so ein fischereihafen ja doch, es gibt frischen fisch und das sehr häufig. Auch kann man sich hier mit leinen und bootszubehör eindecken. Ich habe mal vorsichtshalber ein wenig leine gekauft, zweihundertundzwanzig meter, gewicht zwanzig kilogramm, das kilo kostet unter neun euro. Auf nachfrage gab es noch einen discount und mit der karre bin ich dann zum schiff zurückgezuckelt.

20170526 fischerboote

 

20170526 fischerboote

 

20170526 seileinkauf

 

Zuvor war ich noch bei der prefektura, die frau hat sich eine stunde zeit genommen, um ein paar zettel für die Malvinas auszufüllen. Die kommunikation ging holprig gut, und nach zwei stunden war ich wieder dort. Sie hatte inzwischen die daten nach Buenos Aires gemorst und ein ok für die vollständigkeit erhalten. Es soll nun immer noch zehn tage dauern mit der genehmigung und sie melden sich dann beim club, hoffentlich.

Meine holzsammelaktion verläuft hier außerordentlich erfolgreich. Man greift ins hafenbecken und zieht sich eine platikfischkiste. Dann sammelt man das holz ein, das hier herumschwimmt oder schon am ufer liegt. Die arbeiter auf den fischtrawlern schmeißen einfach die kaputten leinen, kanister, kisten und hölzer hier im hafen über bord, dreckssäue. Da der aufenthalt auf den Falklands länger dauern kann, habe ich schon die zweite kiste holz gesammelt.

20170525 plastikmuell

 

20170526 fischkisten mit holz

 

Die versorgungslage ist doch recht gut, auch wenn zur zeit nur ein größerer supermarkt in fußnähe geöffnet hat. Um dort hinzukommen, muss ich immer über die drehbrücke, die so alt aussieht, wie der club alt ist, neunzig jahre. Ich kenne da jemanden, der hätte jeden tag enormen spaß daran, darüber zu laufen. Die brücke ist in sich schief, bis jetzt hält sie.

20170527 drehbruecke

 

20170527 drehbruecke

 

Bei dem supermarkt bin ich jetzt auch in die pfandflaschenfalle gelaufen. Es ist zum schreien, wenn ein system nicht verstanden wird. Die hier nehmen das vorschriftsmäßig ernst und kapieren es trotzdem nicht. Wenn man drei flaschen zurückgibt und nur eine neue kauft, so bekommt man nicht die anderen zwei angerechnet. Ich habe an der kasse gebockt und dann haben sie mir einen neuen zettel ausgefüllt, auf denen ich noch die anderen beiden flaschen gut habe. Somit wird der leergutbestand in den haushalten immer mehr, oder zumindest bei mir. Die steigerung ist aber noch, dass man für braune oder grüne flaschen auch nur diese wiederkaufen kann. Ich kenne da wiederum jemanden, der ist an der kasse ausgerastet, hat den ganzen einkauf dort stehen gelassen, weil sie keine zwei kisten leergut zurücknehmen wollten. Die ticken hier neben dem rythmus, ist halt Argentinien.

Alltag in Argentinien, mit der tasche über der schulter und dem fotoapparat unterwegs, um neue dinge zu sehen. Der versuch, eine flextrennscheibe für holz zu kaufen, wird noch fortgeführt. Den hafen habe ich dabei bis zu den gegenüberliegenden schwimmdocks abgelaufen. Dabei bin ich auch an der reparaturwerkstatt dieser alten mobilen kräne vorbeigekommen.

20170529 hafenkraene

 

20170529 hafenkraene

 

20170529 hafenkraene

 

20170529 fangflotte kleinschiffe

 

20170529 fangflotte mit lampen

 

20170529 hafen

 

Zu anderen stunden des tages bin ich mal wieder im netz. Dort habe ich unglaubliche geschichten zu Argentiniens diktatur, mercedes benz, nazigold und unterschiedliche personen, den eichmannfall und über geraubte kinder erfahren. Sucht einfach mal nach Gaby Weber, sie hat mehrere filme erstellt und ist für mich glaubwürdig. Seit heute sehe ich die mercedes kurzhauber auf den straßen aus einer neuen perspektive, diese drecksbande.

Gestern war ein sehr erfolgreicher tag, ich habe das schmutzigste und gefährlichste werkzeug seit langem gekauft. Das ganze in der landessprache unter einsatz von händen, ohne füße. Ich hatte eine ferretería in der oberen straße im visier, war aber gleich bei der ersten hängengeblieben. Diese eisenwarenhandlungen bieten eine enorme möglichkeit, etwas zu verändern, in meinem fall holz zu passendem brennholz. Der verkäufer war ein wenig besorgt und erklärte mir, wie herum dieses sägeblatt zu benutzen ist und wie nicht.
Das ganze machte mir auch angst, vorsichtige angst. So habe ich erstmals seit dem kauf der flex vor jahren wieder den schutz um die trennscheibe angeschraubt. Für normale kamikazearbeiten brauche ich dieses teil nicht, hier jedoch ist es angebracht. Zum glück zieht das sägeblatt, und wenn es sich verkantet, bewegt es sich von meinem körper weg. Soweit die theorie, die holzstücke, die ich dann bearbeitet habe, waren zu klein und flogen somit zum körper oder an die hand.
Aber nach unter einer stunde hatte ich zwei vollgefüllte fischkisten mit brennraumpassendem feuerholz. Und morgen wird weiter gesammelt, solange ich warte, habe ich zeit dazu.

20170601 gefaehrliche handkreissaege

 

Mal eine zusammenfassung der letzten woche und ich sage, es ist nichts passiert. Was so nicht stimmt, ich habe mir meine augen rechteckig geglotzt und insgesamt drei kisten voll mundgerechter stücke für den ofen gesammelt und versägt. Indes sind noch alle finger dran.
Das großsegel ist wieder richtig eingetütet, die reffleine hat einen neuen knoten bekommen und der wassertank ist auch wieder voll. Mein kühlschrank ist voller frischer lebensmittel, weil ich immer besser kauen kann. Das erste mal seit monaten habe ich wieder zahnseide benutzt, weil ich da jetzt mit den finger in den mund hinein komme. Also wieder weg von suppen, dünnsten schnitzeln und anderem essensflachgut.
Da ich auf der anderen seite der kugel bin, ist hier fast winter. Ist aber nicht so schlimm, habe ich doch hier eine flatrate in strom. Das schiff ist warm und ich muss nicht frieren. Das holz ist für kälteres wetter, wobei die letzte dritte kiste noch erstmal trocknen muss.

Und meine beiden päckchen, abgesendet anfang april aus Berlin, sind auch schon auf den Falklands angekommen, es fehlt also nur noch der empfänger. Nächste woche gibt es hoffentlich den zettel, dann die wettervorhersage intensiv anschauen, leinen los und gen süden.

Ich wiederhole mich schon wieder, aber hier wird es kalt, sehr gut zum angewöhnen und idealerweise langsam. In der nacht geht es bis auf null grad herunter, dabei weht ein guter wind. Am morgen sind es dann im schiff noch zehn grad. Doch mit dem heizlüfter an den füßen geht es schon besser.
Heute ist der gefühlte zehnte tag und da bin ich mal wieder bei der prefektura hineingeschneit. Aber die kollegin war nicht da und die andere erklärte mir: die zehn tage sind arbeitstage und das wochenende zählt nicht mit. Nächsten freitag sollte ich wieder kommen. So langsam geht das warten ins geld.

Mitte der woche und gestern war es eine kurze nacht. Ich habe mir mal wieder am tage segelvideos angeschaut und bin sehr genervt, was die statisten dort als abenteuer verkaufen wollen. Diese vblogs leben von spendern und dazu bieten sie frisches junges fleisch in knapper badebekleidung an, je weniger stoff, desto mehr besucher auf der seite. Sex sales, ok, da kann ich halt nicht mithalten. Nur leider ist der rest für die hohle birne, da wird ein ölwechsel zum großen projekt oder das aufhiefen in den mast zum staatsakt. Hauptsache nacktes fleisch in den vielen vblogs.

Ich hangle mich immer von einem zum nächsten video durch, um vielleicht etwas neues bei den vorschlägen zu erfahren. Ich sah mir ‘chasing bubbles’ an, eine gelungene weltumseglung, danach mit finalem ende. Nur von bubbles zu boobs ist es nur ein kleiner phonetischer schritt. Die suchmaschinen verhelfen mit dieser schlechten krückentechnologie zu grottigen ergebnissen. Und dann taucht als vorschlag immer wieder eins auf, bei dem viele zuschauer ausflippen, diesmal nichts über segeln, dafür aber über vier millionen clicks. Passte überhaupt nicht zu meinem suchthema.
Natürlich hat die frau auf dem bild ddd+ oberkörper, und im video mit knappem engen shirt, das drohte zu zerreißen. Das thema aber ist das ausprobieren eines ‘rocket stove’. Was ist das, habe ich mich gefragt?
Neue ideen begeistern mich und so habe ich mich den ganzen restlichen tag damit beschäftigt. Kurze zusammenfassung, ein sehr effizienter holzvergaserofen und einfach zu bauen. Das schlimme daran ist, ich wollte gleich anfangen, einen zu entwerfen, ging dann aber doch ins bett. In der nacht hat es so etwas von gearbeitet, dass ich nicht schlafen konnte. Die erste innovation war an meinem holzofen angedacht, betreibe ich ihn doch mit einem schnellen improvisorium.
Nach einer danach verlängerten nacht habe ich den brennraum durch ein paar bleche verändert. Bei der letzten revision des ofens habe ich ein blech weggelassen, mit folgen. Bei guter belüftung schlagen die flammen in das abgasrohr und es glüht, die wärme verpufft. Somit habe ich heute im ofen eine zwischendecke eingezogen und hoffe, auf dem richtigen weg zu sein. Der bau des rocket stove kommt aber noch, nur wann?

Morgen ist der tag des bekloppten zettels. Wenn der wisch da ist, kann ich mich auch gleich hier aus dem land abmelden, denn der wind könnte der richtige sein. Zum anfang kommt er halbachterlich und später seitlich. Der wind wird kräftig wehen, aber dass es keine gemütliche, warme entspannungsreise werden wird, ist mir klar. Wer lust hat kann den wind bei: ’https://www.windy.com/?-44.497,-57.173,5’ anschauen.

Und das habe ich ganz vergessen, vor drei jahren habe ich mit dem schiff Berlin verlassen. Die nächste standortmeldung sollte in zwei wochen aus Stanley auf den Malvinas erfolgen.

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Systemgefangener

Das ablegemanöver in Montevideo war sehr gut, kaum wind und keine strömung. Der versuch control “uka” zu rufen ging zweimal schief, keine antwort. Dann brabbelte jemand etwas auf spanisch und ich habe auf englisch gesagt, dass ich den hafen verlassen werde. Ich hoffe, dass es reicht.
Dann gab es einen entspannten motorsegeltag bis zum punto maria, wo ich schon einmal geankert hatte. Aber was ist entspannt, wenn ich dauernd ausschau halten muss, ob irgendwelche netze im wasser sind. Also ein wenig anstrengende fünfzig meilen für den ersten tag.

Der zweite war fast genau so, aber zur mitte hin war genug wind, um zu segeln. Beim reinen segeln interessieren mich die netze nicht mehr, da die schraube kein wasser saugt. Nach weiteren dreißig meilen bin ich in Puerto Sauce angekommen und habe wieder im vorhafen geankert. So weit, so gut. Danach geduscht, gegessen, wein getrunken und ab ins bett.

Nur die prefektura findet es nicht gut, dass ich ankere, und so kamen sie im dunkeln und haben mein schiff mit dem schlauchboot geentert. Ich war im tiefschlaf und bin dann doch aufgewacht. Die papiere waren in ordnung, aber ich müsse in den hafen, aber erst morgen früh.
Nur jetzt weht hier eine steife brise mit regen und da fahre ich nicht in einen hafen. Zumal es dort mooringbojen gibt, und einhand ist es bei wenig wind möglich, nur nicht jetzt. Also warte ich bis zum niedrigwasser heute nachmittag, bei hoffentlich weniger luftbewegungen.

Jetzt fünf stunden später bin ich doch im hafen, nicht schön, aber ohne schaden. Die entscheidung von heute morgen hatte ich gleich wieder verworfen, denn laut meinen gribdaten sollte der wind anhalten. Also los und eine mooring im hafen erbeuten. Bis jetzt hatte ich immer glück bei solchen aktionen, heute auch wieder. Als ich vorsichtig in den hafen eingelaufen war, gab es keine freie boje, mist. Aber es gab eine freie stelle von zwanzig metern am steg, leider mit ablandigem wind. So habe ich dort zwischen zwei schiffen gedreht und eine frau mit bauarbeiterhelm hat mir geholfen. Leinen angenommen und nach bedarf wieder gelockert. Nur bin ich nicht an die mooringbojen herangekommen, um das schiff vorn fest zu machen. Da hat sich dann der nachbar erbarmt und mit seinem schlaffen schlauchboot eine verbindung hergestellt. Das war mein glück, denn meine leinen waren zu kurz, um es selbst zu machen. Nach einer stunde war es dann vollbracht, mit dem hintern zum steg und vorne zwei leinen zu zwei moorings.
Danach noch das hafenbüro besucht, die prefektura aufgesucht und fest. Geht doch.

Ich habe schlimmes von diesem ort erwartet, jedoch mag ich ihn, bis jetzt. Ein wenig heruntergekommen ist er schon, verlassene industrieruinen und das ganze nicht über zwei stockwerke hinaus. Meistens sind es nur eingeschossige häuser mit einem flachdach. Die straßen erinnern mich an Colonia, das nur dreißig kilometer entfernt liegt. Ab und zu ist das alte kopfsteinpflaster noch vorhanden, und die reste von einer schienenanbindung habe ich auch schon gefunden.

20170417 industriehalle

 

20170417 industriehalle

 

20170417 wagenpflege

 

Hier herrscht das einfache leben, wer einen job hat ist könig und die jugend hängt ab, aber nicht wie in der brd. Dies ist ein großes dorf, jeder kennt jeden. Am wochenende wird herumgecrused, auch mehrmals an der hafenpromenade vorbei. Dabei fällt mir die mobilität der mädchen auf, viele auf dem roller oder mit dem rad unterwegs, dabei ist immer die thermosflasche für den mate.

20170418 puerto sauce strasse

 

20170418 puerto sauce strasse

 

20170418 puerto sauce strasse

 

Über ostern war es hier sehr idyllisch, die papierfabrik war zu, das zementwerk auch und viele menschen trieben sich am hafen herum. Nur gestern abend im dunkeln habe ich dann schraubengeräusche im schiff wahrgenommen. Das ergebnis ist ein tanker, recht groß für den kleinen hafen. Seitdem brummt sein generator und das schiff wird entladen. Ohne sprit läuft auch die zementfrabrik nicht so gut, seit heute morgen qualmt sie auch noch. Mal sehen, wie schnell ein krupphusten entstehen kann.

20170418 puerto sauce

 

20170418 puerto sauce

 

20170418 puerto sauce

 

So langsam bin ich hier etwas angekommen, kann mich mit der gegend anfreunden. Es ist grün hier, und die ursache ist der heutige tag, durchnässt. Dauerregen und ich habe die trockenen minuten genutzt, um zum büro zu laufen und dort ins netz zu kommen. Leider nur dort, dafür aber schnell.

Das andere grün wird hier sehr häufig konsumiert, der süßliche geruch der lodernden selbstgedrehten zigaretten gelangt bis in meine riechsynapsen. Die kids hier am hafen kommen mit dem moped an, drehen sich eine und fahren bekifft wieder weiter. Es wird hier viel, sehr viel geraucht, weiblein wie männlein, und keinen stört es, find ich gut. Vielleicht ist es doch ein ableger von Jamaika und nicht die Schweiz südamerikas.

Ich habe gerade die möglichkeit, im öffentlich-rechtlichen fernsehen zu surfen. Nicht alles geht und somit ist öffentlich eine farce. Es ist lange her, dass herr trimmel nach Leipzig fuhr, eintausend folgen später ist es nicht sehr viel anders geworden. Den tatort “sturm” habe ich gerade verfolgt und es sind klischees wie vor vierzig jahren. Aber es sollen nicht die rollen die geschichte erzählen, es ist bildungsfernsehen für die mittel- und unterschicht. Besser formuliert wäre bilderfernsehen angebracht. Ich bin hier im off und eine konversation über ein grundschulniveau hinaus ist selten. Die sprachen, die ich versuche zu benutzen, sind rudimentär, und so versuche ich das heimatliche sprachzentrum zu stimulieren. Was nicht funktioniert mit bildungsinformation im form eines realitätsfremden krimis zur top sendezeit, um möglichst viele graue zellen zu betäuben.

Mein thema ist, wie im blog zu lesen, einfach gewinnt. Nur ist die perspektive auf dieses thema wichtig, ich habe definitiv zu viel technik auf dem schiff. Ich kann es zwar noch kontrollieren, die beherrschung ist aber schon lange über bord gegangen, und es geht einfacher. Gestern ist hier ein zusammengebratenes dreißig jahre altes stahlschiff angekommen. Ein dschunkenrigg, kein motor, keine elektronik, kein klo und natürlich auch kein kühlschrank. Navigiert wird mit dem sextanten und papierkarten, der kompass hat abweichungen bis zu sechzig grad.
Der eigner kommt aus Australien, ist Tscheche mit russischen eltern und seit dreißig jahren mit einer deutschen frau unterwegs. Er hat sich vorgenommen, die drei größten wasserfälle der erde zu besuchen, nun ist er hier in Uruguay bei der nummer drei. Danach soll es per lkw nach Chile gehen und weiter an den pazifik. Mein respekt, wenn jemand mit einem dreißig fuß schiff so etwas macht und das nicht erst seit gestern. Ich lebe im vergleich im luxus und sorge mich um warmes wasser. Mal sehen, was ich sonst noch erfahre.

20170424 kehaar

 

Das wochenende ist wieder da und der tanker hat auch abgelegt. Der qualm vom anfang der woche war wohl nur ein brand irgendwo, vielleicht der alte skoda, den ich beim rundgang entdeckt hatte.

20170505 skoda

 

Denn die fabriken arbeiten nicht, also kein lärm, kein gestank und kein staub. Entlassen werden die menschen nicht, bekommen aber auch keinen lohn. Alles in warteposition, aber der zement kommt billiger aus China. Also ein guter ort zum warten, auf mein radar.

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

20170424 papierfabrik

 

Wenn das radar fertig ist, werde ich mit dem bus nach Montevideo fahren und es abholen, das ist billiger, als einen tag im yachtclub dort zu liegen. Wenn alles so funktioniert, wie es mal war, lege ich zum richtigen wind hier ab. In vier tagen zu dreißig seemeilen könnte ich dann in Piriápolis sein, meinem ersten ort in Uruguay bei ankunft. Noch einmal dort einkaufen und ausklarieren, das ist auch leichter als in Montevideo.

Meine aufgaben beschränken sich auf die sachen, die schon lange zu machen sind. Von Grand Canaria habe ich einen radarreflektor mitgenommen. Das plastik ist an einer stelle kaputt, an der funktionalität ändert das aber nichts. Der australier hat mich auf die idee gebracht, den reflektor zu installieren, als zweiten, weil einer ist schon im rigg. Er selbst hat auf dem meer ein schiff parallel zu seinem im abstand von fünf metern gehabt, ein überholer. Und er selbst hat ein chinesisches containerschiff gerammt.
Also wollte ich eigentlich nur kurz auf den mast, das teil mit kabelbindern montieren und wieder einmal das rigg checken. Und genau dort, wo der reflektor hin sollte, war das unterwant nicht mehr so klasse.

Meine lesebrille, diesmal mit bandsicherung war dabei, sonst hätte ich den gerissenen draht nicht erkannt. Wenn man denkt, man ist fertig, kommt immer wieder etwas dazwischen. Dann habe ich noch alle anderen wanten überprüft und eine zweite stelle an der anderen unterwant auf der steuerbordseite gefunden. Wieder ist ein draht von den neunzehn gerissen. Das ist die seite, an der ich die oberwantaufnahme am deck geschweißt habe.

Ich werden an diesen stellen eine drahtsicherung anschweißen, für den fall der fälle. Fragt sich nur, warum ist da etwas gerissen und wann.

Heute ist Mo, anfang der woche, in der mein ersatzteil ankommen soll. Und es ist ein guter tag, hatte ich doch die letzten beide tage fuß, wo immer ich mir den angeschlagen hatte. Mit der sackkarre und der leeren gasflasche bin ich losgezogen, da ich gestern ganz in der nähe vom hafen einen gashändler gesehen hatte. Der hatte leider zu, so habe ich mich über fünf personen zu einem weiteren händler durchgefragt, mit erfolg. Morgen kann ich sie wieder abholen.
Dann habe ich mich durch drei elektroläden gefragt für meine kohlebürsten, und am ende vier stück käuflich erworben, der preis ist mit zwölf euro ok. Somit haben meine beiden flexen frische kohle und laufen wieder. Den schock von gestern über meine unterwanten habe ich auch schon überwunden. Repariert wird übermorgen, dann nehme ich wieder landstrom.
Nur beim hinaufsteigen der kaimauer bei der rückkehr habe ich mir die sackkarre ans linke bein geschleudert. Als der schmerz nachgelassen hatte, ging’s besser, aber nun habe ich zwei tage lang knie.

Das war nix heute mit der gasbuddel, morgen. Dafür habe ich dann noch eingekauft, den status beim radarfritzen angefragt und mich an die unterwanten gemacht. Ab heute abend gibt es wind und regen satt, also vorher fertig werden. Ich weiß nicht, ob die lösung gut ist, ich denke jedoch, dass es eine weitere sicherung ist. Die ausführung von mir könnte besser sein, hält hoffentlich. Die weitere hoffnung ist, dass ich das system nicht durch das schweißen geschwächt habe. Vor dem ersten regen war es fertig und montiert. Ein kurzer absatz für drei stunden arbeit.

20170425 unterwant2 gesichert

 

20170425 unterwant1 gesichert

 

Heute war ich schon dreimal beim gashändler, das erste mal mit der sackkarre, hängend an der schulter. Die flasche war nicht befüllt, sie haben nicht den passenden adapter. Ob ich denn einen hätte, na klar. Beim zweiten mal war ich nur mit meinen adaptern dort, keiner ist für das system Uruguay passend. Aber in ihrem schlauen buch steht ein schiff drin, das einen passenden haben soll, also wieder zurück zum hafen. Das schiff ist nicht mehr hier, ergo keine passende kupplung und wieder zurück mit der karre, diesmal an der anderen schulter. Dort angekommen war mittagspause. Also werde ich noch einmal hin müssen, um die flasche wieder abzuholen.
Das nächste problemchen ist der windgenerator, in Montevideo produzierte er noch strom. Heute kocht der hafen bei wind um fünfunddreizig plus, böen bis fünfundvierzig. Die stuka macht nur lärm und keinen output. Es kann nicht jeder tag toll sein, mist.

Gerade habe ich noch über den windgenerator gejammert und dann habe ich mal den regler gewechselt, zum originalen. Dann war es sehr leise, vielleicht mal eine windpause. Aber nach dem blick zur windmühle war alles klar. Der gesamte rotor mit der kappe und der schraube hat sich selbstständig gemacht. Ich befürchte, dass er nicht schwimmfähig ist. Zum glück habe ich auch kein blut oder abgeschlagene köpfe gefunden. Das ist heute ein scheißtag.

20170426 fluegellos

 

Am Do bin ich wieder zum gasmann gelaufen, seine anderen adapter ausprobiert und auf eine einheitliche norm für gasflaschen gebetet. Warum muss jede kleine verfurzte region seine eigenen gewindenormen haben? Somit habe ich die flasche wieder auf meinen kleinen lastkarren geschnallt und bin zurück zum schiff. Hundert meter weiter gab es dann einen radbruch. Gewollte obsolezenz schließe ich mal bei zwanzig euronen für die karre aus, einfach nur billigst. Das kugellager hat sich zerlegt, weil die distanzscheibe fehlte, aus kostengründen. Am nachmittag habe ich es wieder zusammengeflickt.

20170427 radbruch

 

20170427 radbruch

 

Redundanz hat ja auch mal was gutes, in diesen fall hatte ich alle teile für den windgenerator vorrätig. Nur die nasenkappe in der mitte fehlt, weil die neue zerbrochen ist. Es geht auch ohne. Die ursache war ein kabelbruch am mastausgang, den zu finden und auszutauschen hat einen halben tag gebraucht.
Bei der sackkarre läuft das rad wieder, da haben die Chinesen an zwei distanzscheiben gespart. Nach den letzten drei sturmtagen sind die mücken heute auch am tag aktiv, ich glaube, die haben druck. Zum frühstückskaffee habe ich mal gerade zwei dutzend geplättet.
Das würde ich auch gern mit dem radarfritzen tun, leider ein delay und diese woche ist das teil nicht angekommen, vielleicht anfang mai. So langsam wäre es doch günstiger, wenn ich nach hause geflogen wäre und mich selbst darum gekümmert hätte.

Zum ersten mai ist der ort zu, nur ein bäcker und zwei kleine läden haben für ein paar stunden geöffnet. Warum auch, die straßen sind vollgekotzt, die leute sind vom feiern halbtot. Die argentinische invasion über das lange wochenende hat gestern auch schon wieder abgelegt. Von jetzt auf gleich war der ganze hafen gefüllt. Dann gestern noch schnell in barbecue, viel wein und wieder ablegen. Die ruhe kehrte wieder ein, aber nur bis zur letzten nacht und ich war ganz in der nähe der emission. Somit war der schlaf nicht intensiv und die sonne beendete die nacht. Hoffentlich bringt diese woche ein mehr an repariertem radargerät.

Die andere aktion, die ich gerade starte, nenne ich eichhörnchen. Ich sammle holz, gehe die bucht ab und nehme brauchbare stücke mit. Dies ist die vorletzte gelegenheit, denn auf den Falklands gibt es kaum bäume.

20170503 holzarbeiten

 

20170503 holzarbeiten

 

Die tage vergehen und bald ist wieder ein wochenende. Alle vier tage nehme ich landstrom, lade die batterien auf, erwärme den boiler zum duschen und nutze den strom, um zu trocknen oder holz zu zersägen. Heute musste das hartholz aus Guayana dran glauben, ein volles jotun gebinde, ofengerecht. Mal sehen, wie lange es hält.
Zudem gibt es neues von der radarmanufaktur, die teile sind in reichweite und vielleicht am nächsten Mo im zugriff. Warten ist nicht eines meiner lieblingsbeschäftigungen, aber es geht. Das gute daran ist, dass gerade ein orkan auf den Falklands wütet, wer möchte schon gern jetzt dort sein. Ich nehme es, wie es kommt.

Heute kam die nachricht, dass die teile vielleicht am Di durch den zoll sind, vielleicht. Vorgestern habe ich eine schimmernde lache im hafenbecken neben meinem schiff gesehen. Da hat wohl wieder jemand sein schiff mit diesel versorgt. Und aus irgendwelchen gründen habe ich den benzingeruch in der backskiste ignoriert, war er doch nicht innen. Dann habe ich gestern einen fallenden tropfen aus meinem außenborder gesehen. Ein liter des teuren saftes ist stetig getropft und ich habe geschlafen. Der hauptschlauch vom tank zum absperrhahn lässt es ab. Heute habe ich den motor teilzerlegt und es repariert, so eine federklammer ist nicht stark genug, um den schlauch an den anschlüssen abzudichten.

Da ich ja zeit habe, bin ich mal den strand in richtung Montevideo abgelaufen. Die schrittweite lag bei einem meter, also sehr flott, denn wenn ich langsamer gehe, laufe ich gefahr ausgesaugt zu werden. Es sind einfach zu viele mücken und ich in kurzen hosen und mit t-shirt. Am strand sind die üblichen menschlichen plastikabfälle zu sehen, fotos davon keine. Aber es ist erschreckend, wie viele es sind. Mehr interessiert hat mich dann das gestrandete baggerschiff und die angespülten makierungstonnen, insgesamt drei stück.
Nach drei stunden wieder auf dem schiff zurück musste ich duschen, die beinmuskulatur strecken und mich auf einen muskelkater vorbereiten, der sich dann wohl morgen einstellen wird.

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

20170505 strandgut

 

Die pinguinlauftage sind über das wochenende hinweggegangen, wieder ein normaler bewegungsablauf. Dafür gibt es heute am Mo einen regentag, der schon gestern abend angefangen hat. Nicht so schön, aber es sind zwanzig grad im schiff, mal wieder zeit, hier aufzuräumen. Außerdem ist heute wieder ein stromtag, somit kann die feuchtigkeit der nacht auch getrocknet werden. Morgen kommt hoffentlich mein teil aus dem zoll und dann geht es endlich wieder weiter.

Noch keine mail erhalten, kommt sicherlich noch. Ich habe hier mit einem skipper geschnackt und das macht mir jetzt wieder sorgen. Hier ist ein Belgier, der sein schiff verkauft hat und seit jahren in Patagonien war.
Er emfiehlt mir, nicht ohne permit von den Argentiniern zu den Falklands zu fahren. Er kennt einige, die probleme dadurch bekommen haben. Mit strafe und so. Da ich aber noch nach Ushuaïa will, entsteht das problem. Eine erlaubnis von einen verfickten land, das keine völkerrechtlichen ansprüche auf das gebiet hat, vielleicht geographische. Aber deren interesse ist eher monetär begründet.
Somit könnten sich meine reisepläne wieder leicht ändern, nach Mar del Plata und dort die absurde erlaubnis erhalten. Laut aussage soll es kostenfrei sein, nur dauert es sieben bis zehn tage, wenn ich glück habe. Also nehmen sie hintenherum liegeplatzgebühren ein, was mich wiederum nervt.
Dann ist mir gestern abend noch die handbrause von der küchenarmatur zerbröselt. Einen unglaublichen schrott habe ich vor drei jahren eingekauft, war aber billig. Zum glück habe ich noch ersatzanschlüsse. Der hauptträger macht es aber auch nicht mehr so lange.

20170509 wasserhahngammel

 

Und es kam gestern noch die mail, dass das radar funktionieren soll, hurra. Heute bin ich dann zum busschalter gelaufen und habe für morgen eine hin- und rückfahrt gebucht. Leider nehmen sie nur bargeld. Es geht voran.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zuletzt mit einem wecker aufgewacht bin, gestern war so ein tag. Um halb zehn ging der bus. Das model war aus den achtzigern und bis auf die tankanzeige gingen keine instrumente. Das abenteuer fing an und endete nach zehn haltestellen an der schnellstraße. Dort stand dann der richtige reisebus und in zweieinhalb stunden war ich in Montevideo. Vom busbahnhof habe ich dann irgendeinen bus zur altstadt genommen und stand dann vor verschlossener tür beim radar.
Also einmal wieder um die straßen gelaufen und eine neue fotoausstellung gefunden. Das letzte mal war es die stadt im aufbau, und diesmal Fitzcarraldo. Ein wachmann der bilder gab mir dann diese große postkarte, die motivation brauche ich auch für den nächsten teil der reise.

20170512 der berg

 

Danach zurück und man gewährte mir eintritt, und als die mechaniker zurückkamen auch eine vorführung der reparierten antenne. Und alles nur, weil auf der platine etwas nicht läuft, was konnten sie auch nicht sagen. Es sieht für mich nach obsolezenz aus, einen monat nach garantieende.

20170512 defekte platine

 

Nachdem ich tausend minus fünf besatzergeldeinheiten per karte abgedrückt hatte, bin ich wieder zurück zum busterminal. Leider konnte ich den bus nicht umbuchen und mußte über zwei stunden warten. Die rückfahrt war im dunkeln, also nichts mehr zu sehen, die scheiben beschlagen. Dabei habe ich auf der hinfahrt drei schrottplätze von der straße aus gesehen. Autos und lkws aus den dreißigern bis sechzigern, der rest fährt noch. Nach dem erneuten umsteigen in einen noch älteren bus als am morgen war ich nach über elf stunden wieder auf dem schiff. Man war das anstrengend.

Es wird herbst, die bäume sind gelb bis braun belaubt, einige sind auch schon kahl. Die temperaturen sind auch nicht mehr sommerlich, aber zwanzig grad reichen mir auch. Gestern war hier landunter und somit habe ich erst heute die radarantenne am mast montiert. Sie funktioniert und ich mache drei kreuze.
Dafür habe ich von der imigration der Falklandinseln per mail erfahren, dass sie meinen pass bestempeln wollen, wenn ich dort bleiben möchte. Die sollten sich mal an Cuba ein beispiel nehmen, dort wird auf einem stück papier gestempelt und danach kann man in die usa reisen, wenn man das will. Ergo werde ich definitiv nach Mar del Plata fahren, weil die jungs meinen, das ist meins. Dann kann ich dort noch lange landleinen kaufen für Patagonien.

So mittag, ich denke an nichts böses und trinke gerade meinen kaffee. Da kommt ein jüngerer mann zum schiff und fragt mich auf deutsch, ob das ein Anton Luft schiff ist. Mir sind die ohren abgefallen. Er kommt aus Uruguay und spricht ein gutes deutsch. Er wollte auch mal eins bauen, die kleinere version und hat dann doch abstand genommen, gut so. Außerdem hat er noch kein fertiges boot von Anton gesehen, nur welche im bau. Eins hatte er mal im bau vor fünfzehn jahren in Köln gesehen, von einem älteren ehepaar. Da war die welt wieder sehr klein, denn das ist jetzt mein schiff, unglaublich.

Auch habe ich eine neue sicht auf filme gewonnen. Der auslöser war wahrscheinlich in Argentinien, ein paar gespräche mit dem nachbarschiff, später fing mein gehirn an zu denken. Denn hier habe ich ein gutes internet am büro auf der bank und sauge so viel, wie möglich herunter. Gerade bin ich im großstadtrevier abgetaucht. Früher fand ich diese serie nur schrecklich. Nicht existierende straßennamen, falsche einstellungen, schlechte schnitte und spielorte mit falscher adresse. Ich kannte Hamburg ziemlich sehr gut und so war es ein graus für mich, die fehler zu sehen. Meine wandlung kam vor ein paar tagen, einfach die flache story sehen und ein bisschen vom alten Hamburg. Es ist halt kein dokumentarfilm.

Dieses Puerto Sauce ist ein guter platz, um zu warten, man kann hier auch länger verweilen. Mich hindert nun allerdings nichts mehr, also weiter in richtung süden. Heute habe ich noch einmal einen tag strom und wasser geordert. Die unsinnigkeit von flatrates wird hier recht deutlich. Es ist ein enormer aufwand, den verbrauchten strom oder das wasser zu messen, das sehe ich ein. Aber im gegenzug sauge ich in die batterien was geht, die dusche wird mit dem heizlüfter getrocknet und am morgen die kabine von der nacht.
Was nicht mehr geht, ist der wasserkocher, obsolezenz. Auch sollte man eine elektrische kochplatte oder zwei dabei haben, das senkt den gasverbrauch. Habe ich leider nicht und noch extra eine kaufen, muss nicht sein, ich bin kein marinasegler oder will es nicht sein.
Die große wäsche ist durch, die lebensmittel sind bis zu den Falklands an bord und am Mi morgen geht es hier los.

Der nächste halt ist in Piriápolis, und mit dem passenden wind geht es dann weiter nach Mar del Plata.

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Tatortrückkehrer

Die abreise aus dem irrtümlich gelobten club ging sehr schnell. Hochwasser war um zehn uhr und dann raus in den fluss mit motor. Segeln war nicht möglich, da der wind von vorn kam und bei teilweise nur achtzig zentimetern unter dem kiel keine entspannende aktion gewesen wäre. Drei stunden später war ich im legendären Yacht Club Argentino YCA. Zwei runden draußen gedreht und dann kam auch schon ein marinero und half, geht doch. Hier wird man zwischen vier pfeilern verspannt und vorn ist ein steg, noch nie so gehabt und einhand eine herausforderung. Dafür haben sie hier leider nur zwei tage cortesia, also für lau liegen. Zudem ist fünfzig meter hinter mir ein riesiges zelt für eine hochzeit aufgebaut und die boxen bringen auch mein schiff zum schwingen.
Nach dem einchecken bin ich losgelaufen zum supermarkt am busterminal. Den habe ich schon beim letzten mal besucht und diesmal habe ich mir die preise von den kompressoren angeschaut. Die kosten so viel wie meine missglückte reparatur. Eine wegstrecke würde ich mit einer meile beziffern. Zurück auf dem schiff war ich dann auch geschafft, der weitere ausflug, den ich für Sa angedacht hatte, wurde gecancelt.

Das erste mal war ich an einem So hier und empfand die straßen als überdimensioniert. Am Fr nachmittag sieht das allerdings ganz anders aus. Egal ob drei oder fünf fahrspuren für eine richtung, alles steht, stinkt und hupt. Jeder fährt bis in die kreuzung hinein und so geht nichts mehr. Dazu kommen unzählige rundhauber mit dem stern auf der selben und sie haben mehrere hunderttausend kilometer auf dem tacho. Rußfilter gibt es nicht, blauschwarze ausgehustete wolken von untermotorisierten und überladenen lkws bestimmen das straßenbild und den geruch im dauerstau. Ich war mit meinem vollen rucksack genauso schnell wie die transportierten container.

Am abend wurde es dann ruhiger, das panorama ist gewöhnungsbedürftig, das schöne alte gebäude des clubs geht in den hochhäusern leider unter.

20170317 YCA

 

20170317 YCA panorama

 

Am Sa hatte ich nur drei ziele bis zum mittag, immigration, zoll und prefektura. Die immigration liegt auf der höhe des supermarkts, und in der gegend war ich auch schon einmal, unbeabsichtigt. Das ging ganz schnell, stempel in meinen pass und auf das einreisedokument, zu schnell. Danach zum zoll und der war nicht im büro. Keiner von den zehn verfurzten leuten. Eine stunde habe ich gewartet und dann zur prefektura. Die arbeiten allerdings nur von Mo bis Fr, doch im hafen Madero ist die wochenendschicht. Einer sprach englisch und so fing das problem an. Das dokument, das die immigration gestempelt hatte, war das falsche. Ich sollte zum club zurück, die haben vordrucke und damit muss man noch einmal zur immigration. Ich habe fünf von den zetteln ausgefüllt und wieder richtung supermarkt. Unterzuckert und nahe dem verdursten dort schnell eingekauft und dann die stempel geholt.
Auf dem rückweg wieder beim zoll vorbei, ging einigermaßen schnell und einen weiteren kilometer zur prefektura. Denen gefiel die neue stempelarbeit und ich kann sogar am So ausreisen und nicht nur im gefürchteten zwei stunden fenster von gleich sofort an. Das ganze hat nur sieben stunden oder den halben tag gedauert. Die werden hier in absehbarer zeit nicht auf einen grünen zweig kommen, so nicht.
Ich hingegen habe mein laufpensum für den tag erreicht und werde keinen ausflug in das benachbarte viertel machen. Diese stadt ist nicht mein ding geworden, kultur hin oder her. Der unterschied zwischen besitzenden und dem rest ist sehr krass. Ich habe noch nie so viele menschen im wachschutz gesehen wie hier. Jedes größere gebäude oder wohnblock hat seine security. Die besitzenden werden sich noch wundern, wenn der ‘mob’, der rest der bevölkerung, wach wird.

Am frühen morgen wollte ich los, leider hört mich keiner auf kanal sechzehn, um die barre vor der einfahrt zu öffnen. Ich hatte schon die leiter wieder abgebaut und es war ein kraftakt vom schiff und wieder hinaufzukommen. Auf dem grundstück fand ich dann einen marinero, der informierte dann den mit dem boot. Als er ankam musste er wieder zum hauptgebäude zurück, weil dort der türöffner ist. Ich hatte mich aber schon losgemacht und wartete ungeduldig, dass der aufkommende wind mich nicht vertreibt. Dann endlich ging die barre auf und ich war auf dem weg nach Montevideo. Zu lange war ich in diesem land auf der ruheposition gewesen, der traveller der großschot war festgegammelt auf seiner rechtsaußen stellung. Da half nur noch der hammer, um die metallverbindung zu lösen, das nächste mal wird er ab und zu bewegt werden.

20170317 YCA ausfahrt

 

Auf dem meer ging ein guter wind und mit über sechs knoten fahrt rechnete ich schon mal die restzeit aus. Nach dem traum halbierte sich auch schon die geschwindigkeit. Ich lies Colonia links liegen und steuerte Puerto Sauce an, ein industriehafen mit der günstigsten marina in Uruguay. Bei falschem wind hat man den gestank und den dreck der papierindustrie auf dem schiff. Ich kam bei dunkelheit dort an und ankerte im vorhafen im schutze der langen mole. Auf dem weg ging meine geliebte blaue mütze von den Kap Verden über bord und ein rettungsmanöver blieb erfolglos, schade.

Früh morgens habe ich mich vom ankerplatz entfernt und bin weiter auf meiner geplanten route. Nur kam der wind fast genau von vorn und das groß bewegte mit dem motor zusammen das schiff. Der nächste geplante stopp war kaum zu erreichen bei der geschwindigkeit. Dann um die mittagszeit herum musste es das erste mal passieren, ein fischernetz in der schraube, zu spät ausgekuppelt, denn da war es schon drin.
Über hundert solcher fallen bin ich schon gefahren, wenn das netz stramm ist, geht es, hier war das nicht der fall. Und die fischer benutzen braune kanister und plastikflaschen zur markierung. Nur: bei sonneneinfall von hinten sieht man die dinger kaum, das ist eine tarnfarbe im kackbraunen wasser.

20170320 fischernetzkanister

 

Von der stelle bin ich noch ein paar hundert meter weiter gefahren und habe den anker geworfen. Wer will schon in dieser brühe baden und tauchen. Wobei das wasser besser schmeckt, als es aussieht. Zum glück wusste ich noch den stauraum von meinem trockenanzug. Der war fünfundzwanzig jahre nicht mehr im einsatz, und ich habe wieder das ungefähre körpermaß von damals. Um es abzukürzen, ich bin über dreißig mal getaucht, da man nichts sehen kann, nur tasten. Das messer in der einen hand angebunden, die andere ertastet netz und seile. Dabei habe ich mir auch selber in die finger geschnitten, nicht schön und durch die einsetzenden wellen bekam ich das schiff auch häufiger auf den kopf. Nach jedem tauchgang zurück zur leiter und ausruhen, da die kondition von früher leider nicht mehr vorhanden ist. Und endlich war das werk nach über zwei stunden vollbracht, alles war ab.

20170320 schraubenbeute

 

20170320 schraubenbeute

 

Die wellen kündigten den wind um fünfundzwanzig plus schon an, also wohin? Ich habe mich für Punto Maria, eine kleine landspitze, entschieden und bin dort mit dem restlicht angekommen. Die landzunge schützte mich vor den wellen und der wind blies auch nicht so stark, eine gute wahl für die nacht. Die landschaft sieht wie in meckvorpomm aus. Steilküste oder abgerutscht als sandstrand mit baumbewuchs, dazwischen felder und windräder.

20170322 ankerplatzlandschaft

 

20170322 ankerplatzlandschaft

 

Das letzte stück ging bis zur hafeneinfahrt von Montevideo unter segel und das war sehr angenehm. Danach ging es nur noch mit dem motor gegen an. Im yachthafen hat mich ein marinero empfangen und mir in eine lücke geholfen. Dabei habe ich mich im seichten wasser ein wenig im schlamm abgebremst, bin aber durchgekommen. Zettel ausgefüllt, abgegeben und nach dem supermarkt gefragt. Zusätzlich gab es noch die information, wo die immigration ist und welchen bus ich nehmen soll, klang alles einfach.

Am Do morgen habe ich die radaranlage geschultert, die dokumente gepackt und hab mich in die stadt begeben. Die fahrt dauerte eine gefühlte stunde und war recht aufregend, wenn man vorn im bus sitzt. Hier geht es noch einmal heftiger ab, als in Brasilien. Die fahrt kostet einen euro, der fahrer kassiert, gibt das wechselgeld raus, schaltet dabei und biegt noch ab, während er mit seinem ohrstöpsel telefoniert. An den ampeln werden die geldscheine sortiert und gebündelt oder das kleingeld wird in die fächer sortiert zum schnellen rausgeben. Das ist ein knochenjob, den es so in der heimatlichen bananenrepublik nicht gibt.
Die erste adresse für die immigration war nicht für mich zuständig, aber sie halfen mir, die richtige zu finden. Ich bin ein segler und werde als seemann behandelt, also ab in den hafen. Auf dem weg bin ich an meiner radarschmiede vorbeigelaufen. Dort habe ich mein ganzes system auf den tresen gepackt, das problem erklärt und hoffe auf eine schnelle reparatur, sie werden sehen.
Von dort aus waren es noch zweihundert meter bis zur anlaufstelle eins. Leider war es nur der zoll und von dort aus sollte ich zum fährterminal, weitere dreihundert meter. Im terminal erklärte mir die frau die nächste lokation, wieder zurück und um den zaun herum in den hafen hinein. Nach mehrfachem fragen war ich dann im ersten stock in einem schmuddeligen kabuff.

Englisch ist auch hier ein fremdwort, aber glücklicherweise kam ein vorgesetzter, mit dem ich kommunizieren konnte. Hier in Montevideo sei das prozedere ein anderes, die prefektura muss zuerst ein formular ausfüllen und danach arbeitet die immigration. Nur die prefektura im yachtclub hat nicht die befugnisse, diesen vordruck auszufüllen. Also werde ich morgen wieder den bus nehmen, unterwegs bei einer anderen prefektura aussteigen und das dokument verfüllen lassen. Danach wieder zum fährhafen und eine weitere stadtbesichtigung. Wieder ein tag fürn arsch, typisch für Uruguay.

Tag zwei begann mit einer busfahrt um die bucht herum zur hauptprefektura. Nach einiger zeit haben sie gewusst, was zu machen ist, hatten sie doch die telefonnummer der immigration von mir. Der zettel, den ich von der immigration erhalten habe, muss erst von der prefektura abgestempelt werden, nur die haben den vordruck nicht. Da hat jemand wohl das reihenfolgeproblem nicht erkannt. Dummerweise hat die hauptprefektura keinen solchen ein- und ausreisestempel, und so wurde das dokument mit zwei marinesoldaten aufs moped gesetzt und sie sind in den yachtclub gefahren, wo ich herkomme. Der ganze spaß an dieser stelle hat mich über eine stunde gekostet und da gehen mir viele gedanken zu einer verwaltungsreform durch den kopf.

Dann wieder in den bus und noch einmal beim radar vorbeigeschaut. Der fehler ist lokalisiert, und es ist nicht das magnetron, sondern die platine dafür. Das teil ist natürlich nicht da, aber glück gehabt, keine sechshundert dollar für nichts verbrannt – das war der preis für das magnetron plus versand, das ich schon fast in Deutschland geordert hätte. Ich warte nun auf einen reparaturpreis und die prognose der dauer.

In der immigration ging es dann recht flott, konnten sie doch in ihren rhythmus arbeiten, wenn auch der umgang mit einem scanner und dem druckprogramm die ganze konzentration der mitarbeiterin erforderte. Die kosten von hundert pesos sind viel geringer, als in Piriápolis. Das ausreisen verläuft nach dem gleichen muster und kostet gleichviel. Auf dem weg zur altstadt habe ich noch einmal beim zoll angeklopft, aber da ich mit dem schiff unter segel eingereist bin, haben sie kein interesse an einer dokumentenerstellung, geht also doch.

Zurück auf dem schiff ging es dann mit zwei kanistern und der sackkarre zur tankstelle, einen kilometer bergauf. Das schiff ist hinten an zwei muringbojen festgemacht und vorn mit zwei trossen zum betonsteg. Ein drittes seil ist zum heranziehen, das sich aber unter dem anker gemogelt hatte und diesen dabei gelockert hat. Ich mit den kanistern in der hand, trete auf den anker und kann gerade noch in der drehung den steg erreichen. Auf der flugbahn hat sich meine gute sonnenbrille leider abgesetzt. Auch ein absuchen im trüben wasser mit den kescher blieb ohne erfolg, abgeschrieben.

20170330 YCU panorama

 

20170330 YCU panorama

 

20170330 YCU panorama

 

Warum sollte ein anderes teil an diesem billigradar günstiger sein? Dazu kommen noch transport und eine abstecke für den zoll für zweihundertfünfzig. Meidet diese länder, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Das westliche system unserer väter ist die ursache dieser missstände. Länder auslutschen und waffen verkaufen. Wollen sie nicht mitspielen, gibt es die Allendeversion oder wirtschaftsembargo. Da diese länder kein öl haben, sind sie von einer invasion verschont geblieben, leider haben die kopfinhalte der menschen in der diktatur darunter gelitten. Kein aufbegehren, kein widerstand und die zeit abwarten.

Warum so trüb? Weil ich gestern morgen, als es gut war mit der mundöffnung, ein wenig mit den fingern den kiefer nach unten gezogen habe. Es knackte mehrfach, ein paar millimeter mehr öffnung und leichter schmerz. Heute habe ich wieder eine dicke wange, es ist wie vor vier wochen, keine besserung. Warum ich nicht zum arzt gehe, ist leicht beantwortet. Wenn es länder nicht schaffen, sich zu organisieren, ersatzteile nicht verfügbar sind, kein service und nur die rudimentäre ärztliche notversorgung vorhanden ist, dann kann ich darauf nicht bauen – und die sprachbarriere verstärkt das ganze noch. Außer konsum können die hier unten nicht viel.
Ich werde bis zu den Falklands warten, dort gibt es ein krankenhaus und das sprechen fällt mir dort leichter.

Und für die konsumseele war ich gestern shoppen, denn ich habe ein einkaufszentrum gefunden. Als erstes in den baumarkt, der sich in auflösung befindet. Leider waren die regale schon sehr leer. Zwei stecker, einen eimer und ein absperrhahn war die ausbeute, der anfang ist schwer. Danach zum großen supermarkt und noch eine luftpumpe als backup gekauft und lebensmittel. Voll gepackt bin ich dann durch die ebenen und habe einen billigschuhladen gesucht, vergebens. Die aufgerufenen preise für leichte wanderschuhe sind jenseits meiner idee.
Auf dem schiff zurück musste ich die leinen zu den moorings ändern, indem ich sie über die beiden winschen dicht geholt habe. Der wind bläst recht frisch und soll noch in den nächsten tagen stärker werden. Die betonmauer ist wieder ein wenig weiter weg.

Heute am Mi wollte ich mal den yachtclub unterstützen und es zukünftigen besuchern, die zur immigration müssen, leichter machen. Aber die cheftusse meinte, dass sie schon solche prozeduren haben. Warum haben sie mir diese nicht gegeben, sie haben auch kein passendes formular, noch wissen sie, wo sich die immigration befindet und dass die prefektura zuerst stempeln muss. Einen auf wissende dicke hose machen und keinen schnall, schade.

Seit ein paar tagen ist der wind recht kräftig, der windgenerator läuft ständig, gut so. Denn die marina kann mir keinen adapter für mein landanschluss geben. Die hier haben ein vierpinsteckersystem, bisher gab es nur dreipinstecker in beliebiger größe, das kann ich. Also kein landstrom, ab und zu geht der motor an, dann gibt es warmes wasser zum duschen.
Und der wind zieht das wasser aus dem hafenbecken, teilweise sieht man die mooringbetonklötze. Mindestens einen meter ist raus, ich muss jetzt auf den steg hochsteigen. Außerdem komm ich hier bei dem wasserstand nicht weg.

So, ab hier stand ein anderer text, aber das ist ein nerviges thema. In den letzten zwei wochen habe ich diesen rechner viermal wieder hergestellt. Beim letzten mal habe ich nicht alle daten gesichert und den vorgang nicht überprüft. Dann habe ich das backup eingespielt, die alten daten dabei gelöscht – und weg war der text und weitere informationen. Warum ich neuerdings so oft einen blauen bildschirm erhalte, weiß ich auch nicht. Ein verursacher ist, so vermute ich vlc, da eine grafiktreiberdatei von xp zerstört wird und der rechner nicht mehr bootet. So kann man die tage auch verbringen.

Es war hier im hafen mal recht einsam und die hässliche kulisse fehlte auch. Von der sternwarte auf dem berg konnte man um die jahrhundertwende bis zum hafen sehen, alles frei. Nun ja, damals gab es auch halb soviele menschen auf der kugel. Bei solchen bildern werde ich leicht wehmütig.

20170330 YCU um 1930

 

Ein weiteres ärgernis sind hackversuche meiner webseite, jedoch ohne erfolg. So sind in den letzten beiden tagen fünfzig versuche gestartet worden und neunzig prozent der ip adressen sollen aus russland stammen. Wenn das nicht mal ein false flag angriff ist. Nur zwei kommen jeweils aus deutschland und kanada und vier aus polen. Und sie versuchen alle, sich mit den zwei gleichen usern anzumelden. Nur admin gibt es natürlich nicht und der andere ist der name der webseite, gibt es also auch nicht. Da wurde wohl ein roboter gestartet, somit stimmt da was nicht, waren die adressen doch vor ein paar jahren gleichmässig über den globus verteilt.

Nachdem ich nun schon das fünfte mal den rechner neu aufgesetzt habe, wurde er erstmal aussortiert. Vielleicht ist die festplatte kurz vor dem aus, es hörte sich jedenfalls gestern abend so an. Heute habe ich über hundert mails mit ungültigen anmeldeversuchen erhalten, zehn prozent stammen nicht aus der russischen region.

Das ersatzteil für das radar ist auch schon vor einer woche geordert, natürlich ist es teurer als das magnetron, das ich glücklicherweise nicht geordert habe. Es soll um den zwanzigsten hier ankommen, dann muss es durch den zoll und das kostet noch einmal zweihundertdreißig dollar abstecke on top. Diese länder sind nichts für reparaturen.
Als die bestellung raus war und der liefertermin genannt wurde, wollte ich hier weg. Nur war der kommende wind heftig, und ich schaffe es nicht in einem tag zum Puerto Sauce. Ich hänge hier fest und seit gestern hat auch mal der wind gedreht, so dass das cockpit das erste mal in die richtige richtung steht. Jetzt komme ich nicht vom schiff, da das hochwasser sogar die steige überspült.

Für die weiterfahrt habe ich dann auch schon mal den ofen ausprobiert, geht und qualmt nicht. Die tür schließt nicht so ganz dicht, ein roter schein ist zu sehen. Und bei zu viel luftzufuhr glüht das ofenrohr, da bin ich gerade dabei, das zu ändern, dass die flammen dort nicht hinein ragen.

Morgen am dreizehnten fahre ich in richtung Puerto Sauce, dort hatte ich ja schon einmal im vorhafen geankert. Das ersatzteil wird jetzt eine woche später eintreffen und das wetterfenster ist gut für einen ortswechsel. Da ich hier keinen landstrom habe, kann ich auch weg. Noch schnell einkaufen gehen, marina bezahlen, der prefektura bescheid sagen und bei niedrigwasser den hafen verlassen. Das niedrigwasser wird höher sein, als das normale hochwasser. Der derzeitige wind macht es möglich.
Der ofen wurde auch schon getunt, eine platte verhindert den freien abzug mit flammen. Dann habe ich noch lüftungsklappen unter dem bett in der mittelkabine eingebaut. Das roch es etwas muffig, luft sollte helfen.

Ich habe mir das alles anders vorgestellt, aber exdiktaturen ticken anders.

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