Brasilien Ahoi

Das ankommen war so einfach, aber ich war zu spät dran, es war dunkel und so habe ich mein eisen vor der marina in den fluss geworfen. Am nächsten morgen kam ein mitarbeiter der marina mit dem boot hinaus und fragte, ob ich einen platz brauche. So habe ich mich zuerst außen an den stegkopf begeben und zwei stunden später haben die mitarbeiter mein schiff per hand umgelegt und ordentlich festgebunden. Als letztes schiff am anleger habe ich freien blick auf den fluss und kann das auch in deutschen eingruppierungen als großstadt geltende häusermeer João Pessoa sehen.

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

20161111 jacare ausblick

 

Gestern habe ich beschlossen, nur maximal zwei wochen hier zu bleiben und die reparaturliste abzuarbeiten. Der segelmacher war schon da und hat die sprayhood mitgenommen und heute wird er das großsegel mitnehmen. Das gute ist: er ist deutscher, also keine kommunikationslücken im auftrag.
Auch werde ich nicht einklarieren, das ist mir zu aufwendig und zeitraubend. Die strafe beträgt umgerechnet zwei euro pro tag und für maximal neunzig tage. Zu drei verschiedenen behörden in der stadt zu laufen, vorher im internet ein formular auszufüllen, dann noch einen vermögensnachweis zu erbringen und danach das ganze noch einmal zum ausklarieren zu wiederholen – all das kostet, wenn es gut geht, zwei tage. Zwei tage zuviel.

Meine reiseroute hat hier eine gewisse verwunderung und staunen ausgelöst. Es passiert nicht oft, dass jemand aus Guayana angesegelt kommt. Laut dem segelmacher waren es drei wagemutige in den letzten fünfzehn jahren, ich bin der vierte. Auch würden andere skipper hier ankommen, das boot noch festmachen und dann vor erschöpfung umfallen. Solch eine segelei würde mir ja stinken, da läuft wohl etwas schief.

Am Do war ich dann mal etwas einkaufen gegangen, den lokalen supermarkt habe ich nicht gefunden und kam dann nach einer halben stunde fußmarsch im hochhausviertel auf der anderen seite der landzunge an. Und schon wieder keinen plan gehabt, was ich kaufen soll, also gemüse nach lust und qualität und verschiedene sorten bier zum testen. Bezahlen konnte ich mit karte, ich habe bis jetzt noch keine reals. Der einzige geldautomat, den ich gefunden habe, wollte umgerechnet sieben euro gebühren haben, geht’s noch?

Und dann gibt es noch den ersten eindruck von einen neuen land. Ein bisschen wie die Kapverden, die straßen und die häuser der armen bevölkerung sind heruntergekommen. Die autos sind alt, entweder volkswagen, datchia heißt hier auch renault, oder ein asiatisches fabrikat. Aber am häufigsten ist das vw-logo an den fahrzeugen und auch den lkws zu sehen.
Es ist dreckig, weggeworfener müll in form von plastikflaschen und getränkedosen. Ich habe noch keinen öffentlichen mülleimer gefunden, bin wohl die falschen wege gelaufen. Zudem verbrennen die leute den müll und der geruch von verbranntem plastik wabert durch die luft bis zum schiff, nicht gut, nicht lecker.
Dann ist dieser ort wohl auch zum ballermann der gegend geworden, von morgens bis spät abends wird man mit musik beschallt. Dreihundert meter weiter legen die sauf- und tanz-katamarane ab und schippern den fluss entlang, mit lauter musik und animateuren. Der mann mit dem saxofon auf dem kanu und der ewige bolero von Ravel, ebenfalls täglich dargeboten, gehören hier noch in eine alte zeit. Gehört habe ich ihn schon, gesehen aber noch nicht. Heute ist Freitag, mal sehen was hier am wochenende abgeht.

Die marina gefällt mir bis jetzt, da ich noch keine preise bekommen habe. Alles funktioniert, wlan ist vorhanden und das personal ist freundlich und hilfsbereit. Sie werden mich auch mit diesel versorgen, mit sauberem. Hier gibt es auch eine billige variante, versetzt mit ethanol und aufbereitetem altöl. Das würde ich ja auch fahren, der motor verträgt es, aber die einspritzpumpe vielleicht nicht. Eine weitere baustelle dieser art kann ich gerade nicht gebrauchen, denn sie geht dann bestimmt in der einöde weit weg der nächsten zivilisation kaputt.

Am abend ist es erstaunlicherweise recht ruhig, nur drei verschiedene gleichzeitige beschallungen, davon einmal livemusik. Auch den menschen in Brasilien geht es nicht mehr so gut wie noch vor ein paar jahren. Den putsch des präsidenten nehmen die leute einfach hin. So wird es einigen jetzt wohl besser gehen und die masse wird dafür bezahlen.

Mein arbeitspensum war heute, fünfmal auf den mast zu klettern. Die fallenabweiser, die ich zwischen den maststufen gespannt hatte, waren nicht ganz erfolgreich in ihrer aufgabe. Also alles wieder abgetüdelt und neu verspannt zwischen der oberwant und den stufen. Einmal das großfall in den stufen haben und schon ist ärger angesagt. Dann noch am besten bei sieben windstärken bis über der ersten saling da hochklettern, danke muss nicht mehr sein.
Auch habe ich das großfall gepimpt. Wie schön, dass ich mich in deutschland noch mit seilen eingedeckt hatte. Eine ganze fünfzigmeter rolle ging dafür drauf. Der segelkopf bekommt eine umlenkrolle, und ich hoffe, das ganze groß mit der hand hochziehen zu können, mal sehen.
Danach habe ich noch die leinen im baum optimiert und beim zweiten reff war ein schäkel gerissen. Erstaunlich, was für kräfte im gerefften zustand auftreten können.

20161115 reffschaekel

 

Es ist noch immer wochenende und die leute sind, anders als befürchtet, dann doch gemäßigt, abgesehen vom lärmterrorismus. In der ruhigen zeit habe ich weitergearbeitet, in form von wäsche waschen. Mein kleiner waschsalon baut auch ab, die abpumppumpe will nicht mehr so recht. Mindestens zwölf mal habe ich das gute stück aus der maschine gepult, auseinander geschraubt, wieder zusammengesetzt, getestet und für gut befunden. Jedoch nach dem einbau und mit wasser in der maschine will das gute stück die aufgaben nicht erledigen, für die es gebaut wurde. Die lösung ist, dass ich das gerät zukünftig in der plicht aufstelle und das abwasser nur rauslaufen lasse. Ärgerlich, da das heiße wasser unten in der kombüse ist. Also muss das zeug im eimer nach oben.

Die nächste baustelle ist nicht so banal: cash. Ich bin aus europa raus und brauche zahlungsmittel, heutzutage über kreditkarte der gängige weg. Nur zu dumm, wenn ich den pin von der einen karte nicht dabei habe und die andere gerade gekündigt ist. Da klafft eine lücke und die will gefüllt werden. Ich sehe mich schon abgerissen mit einer pappschachtel in abgelegenen orten der  welt um geld betteln, obwohl ich welches habe. Also erste erfahrungen sammeln für ein zukünftiges bargeldverbot.

Das wochenende war letztlich nicht so schlimm, wie erwartet. Nur warum müssen die jungs mit den motorbooten die nacht durchmachen und vor sonnenaufgang dann ihre musikanlage auf dem schiff aufreißen? Ansonsten viel verschiedene musik, alles gleichzeitig und noch mehr partyboote.
Ich habe mir am So eine plane für die plicht genäht. Die pfaff war am anschlag bei zweifach- oder dreifach-lagen. Immerhin ist es eine fünfhundertgramm lkw-plane gewesen, die schon während der bauphase das schiff abgedeckt hatte. Es ist nicht sehr schön geworden, aber so, wie ich es mir auf der letzten reise ausgedacht hatte.

20161115 cockpitplane

 

20161115 cockpitplane

 

Mein großsegel ist auch fertig genäht, in so ein teil fließt mit der zeit auch viel reparaturgeld hinein. Ich sollte vorsichtiger damit fahren. Das installieren ging diesmal in zwei etappen bei wenig wind. Und da die sonne hier sehr intensiv ist, musste auch der bag ums segel herum. Jetzt fehlen nur noch die gasflasche und der diesel, ein großeinkauf, dann kann es weiter gehen.

Seit einer woche bin ich nun hier und schon alles abgearbeitet, es könnte also losgehen. Gestern war ich mit dem fahrrad zum Carrefour unterwegs, ein kleines abenteuer am rande der sechspurigen bundesstraße bei viel wärme. So richtig warm uns herz ist mir in dieser region nicht geworden. Der supermarkt war auch enttäuschend, da ich die erwartung aus Guayana im kopf hatte, verwöhnter bengel. Nur die neuen autoreifen im laden haben mich umgehauen. Ich brauch nur leider keine. Die preise lagen bei sechs bis zwanzig euro das stück. Den rest bekomme ich auch hier im nächsten ort.
Als ich wieder auf dem schiff war, musste ich erstmal duschen, durchgeschwitzt und erschöpft.

Am abend habe ich meine zehn kanister, ex küchenessiggebinde, vor meinem schiff entdeckt. Also nicht so, wie gedacht, dass jemand mit dem tankwagen oder ähnlichem kommt. Der marina geht es wohl nicht mehr so gut, hatte ich doch den einen chef mit diesen kanistern schon gesehen. Na gut, alle aufs schiff gehieft und heute morgen in meinen tank gefüllt. Schlauch mit va-rohr in den kanister, mit folie das ganze zugehalten und mit der luftdruckpistole luft hinein, bis der saft raus läuft. Die gute seite an der aktion, es ging kaum etwas daneben und alles wurde durch meinen trichter gefiltert.
Und dabei dann noch einmal glück gehabt, mit dem letzten kanister habe ich die tanks geflutet und dabei den tagestankdeckel offen gehabt. Mache ich sonst nie, nur heute. Der tagestank war dann auch randvoll, über die entlüftungsschläuche wurde er verfüllt. Hätte auch mit dieselüberlauf und dauerndem gestank im schiff enden können.

20161117 betankung

 

Vor dem letzten kanister wollte ich vorsichtshalber auch ein blick in meine diesel-excel-liste werfen, wie viel denn genau in den tank hineinpasst. Hat aber nicht gefunzt, morgens noch den skypetermin mit der heimatfront vereinbart und nun will der rechner nicht mehr booten, weil eine bekloppte windowsdatei kaputt ist. Ja ich weiß, ubuntu, aber mein konzept geht auch. Nur es hat bis zum späten mittag gedauert, bis das backup auf dem rechner war, ich brauche diese aufgaben nicht wirklich.

Der Fr war wieder einmal zum einkaufen für das wochenende, danach noch ein paar bezüge für die sitzkissen in der plicht erstellt und am nachmittag socialising. Ich wurde von den beiden der ‚out of rosenheim’ zur brotzeit eingeladen. Gegenseitiger informationsaustausch bei kühlem bier und snacks. Sie stehen hier an land und haben eine sehr lange liste, meine ist dagegen ein kleiner spickzettel.
Deshalb auch ein nachtrag zu den reifen im supermarkt. Auf den angeboten steht dann ganz klein x10 oder andere größere faktoren. Verbraucherfreundlich ist das nicht, da müsste ich die brille ja ständig auf der nase tragen.

Am Sa ein ausflug in die große weite welt und das ganze mit dem zug. Auf dieser strecke wird bereits ein relativ neuer triebwagen eingesetzt, die alte diesellok mit den offenen fensterwagons läuft aber auch noch. Die auf gewinnmaximierung ausgerichteten geld-und-profit-lehren scheitern hier, man zahlt am bahnsteigeingang seine höchstens zwanzig cent und kann mit dem zug fahren. Meinen anteil an den betriebskosten inkl. klimaanlage habe ich bei den drei stationen wohl nicht gedeckt, dafür können die leute aber in die stadt fahren.

20161119 joao pessoa neuer zug

 

Die altstadt von João Pessoa habe ich mir erlaufen, wollte eigentlich nur mal schauen. Damit das ganze auch sinnbehaftet ist, wollte ich garneinfädler für nähnadeln kaufen und eine mütze mit nackenabdeckung, weil ich mir den auch schon verbrannt hatte.
Die gewerke sind lokal aufgeteilt, also keine mischung der geschäfte, gleichzeitig wettbewerb und kundenanzugmaximierung. Also für verbraucher recht freundlich, man muss nur wissen, wo gibt es was. Straßenzüge nur mit matratzen, danach welche mit bezugsstoffen, vereinzelt sattler und danach eine straße für kochtöpfe. Es folgen nach den musikinstrumenten die lautsprecherboxen, dann hundert meter frauen, die mit einer handtasche auf den bus warten. Dazwischen kleine imbisse, haufenweise handyhüllenläden, radkappenläden mit reifenverzierung. Klamotten in einem viertel, weihnachtsbaumschmuck und chinaschrott in einem anderen, aber leider keine gegend für nähmaschinen.

Den richtigen laden habe ich dann doch gefunden, ich habe eine fragephobie und irgendwie ist es so spannender. Im laden gab es größeren erklärungsbedarf, um nadel, faden und dafür einen einfädler zu bekommen. Dann habe ich auf dem tresen einen gesehen und wollte gleich mal fünf davon, meine augen werden schlechter. Der verkäufer klickte im computer, zog dann eine der vielen schubladen hinter sich heraus, gab mir fünf und einen zettel mit darauf geschriebenem preis von fünf real. Mit diesen musste ich dann zur frau an der zentralen kasse laufen und bezahlen. In diesen ganzen geschäften läuft es so, es sind viele dort beschäftigt für kleines geld. Im schuhgeschäft oder elektroladen sind locker zehn verkäufer und das bei vierhundert quradratmeter läden, kein riesiger walmart.

Danach habe ich mich in eine markthalle für unterwäsche, rucksäcke, shirts und mützen gestürzt. Bei dem ersten stand mit dem fragenden verkäuferblick habe ich versucht zu erklären, dass ich eine mütze mit nackenschutz suche. Kein problem, stange gegriffen und ein bündel von der decke gezogen. Dann noch die suche nach der passenden größe und voilà, preis ohne handeln akzeptiert, der kleine familienbetrieb auf zwei quardratmeter soll ja auch vom kaufpreis von fünfzehn real leben können, nur was bleibt da übrig.

Auf dem weg zurück zum bahnhof ist mir noch eine kirchliche sekte begegnet, die wasser in der hitze verschenkt hat, gern habe ich es angenommen. Wobei die menschen sich hier wie schweine benehmen, keine mülleimerkultur. Einen meter vor der mülltonnen wird der dreck in die gegend geworfen. Die straßenfeger haben so zwar auch einen job, aber es muss ja nicht noch gefördert werden.
Auf dem weg zum bahnhof gab es dann noch eine kuriosität, eine gasse der scherenschleifer, zehn betriebe auf hundert metern.

Die gebäude, die mich berührt haben, waren die im verfall begriffenen. Auch die hochhäuser sind meistens leer, die basis bröckelt und viele neubauten in der umgebung sind nur rohbauten. So richtig schön und bewahrt war ganz wenig.

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

20161119 joao pessoa haeuser

 

Als ich am bahnhof angekommen war, zuvor noch durch die bad- und elektoabteilung der stadt hindurch, fuhr am Sa kein zug mehr. Besser ich hätte mal den fahrplan genauer gelesen.
Ein mitarbeiter der bahngesellschaft sagte mir die fünfstellige busnummer nach Jacare und ich habe, nach zwanzig minuten des wartens schon überdrüssig, den vierstelligen bus in meine richtung genommen. Die letzten zwei kilometer dann noch zu fuß.
Vielleicht noch ein kapitel zu busfahrern, hier müssen sie noch schalten, also locker zweitausend gangwechsel am tag oder mehr, das linke bein das einer winkerkrabbe, dabei noch im fahren kassieren, wenn kein ticketverkäufer im bus sitzt, und gleichzeitig auf den freilaufenden verkehr achten. Die straßen sind so schlecht, aber kein geschimpfe, kein gehupe und keine pöbeleien. Das ganze ohne klimaanlage und nur ein handtuch über dem fahrersitz. Ich vermisse Berlin nicht wirklich.

Von den neunzig millionen barrel öl pro tag, den die menschen global täglich verbrauchen, gehen zehn prozent in die plastikindustrie. Ich bin wohl noch nicht weit genug aus der behüteten gesellschaft heraus gekommen, aber hier sehe ich, welcher mist produziert wird, versucht wird, an den konsumenten zu verticken, und wo es dann landet. Keine schöne perspektive für diesen planeten.

Einen ausflug zur landspitze nach Cabedelo wollte ich zuerst mit dem fahrrad machen, doch die bahn ist einfach zu günstig. Außerdem ist es ein reiseabenteuer, da schaut man die mitreisenden an und versucht keinen körperkontakt zu bekommen. Die läuse anderer sollen bitte dort bleiben.
Cabedelo ist ein vergitterter ferienort mit fliesen von der hauswand über die hohe mauer und bis zur strasse hin. Nicht mein ding, wie in der schlachthalle. Ich bin nach gefühl zum strand gegangen und habe ein schönes plätzchen gesucht. Vereinzelt gibt es palmen, und wenn die kokusnüsse nicht nach sofortigem abfallen aussehen, kann man sich niederlassen.
Aber man sitzt in einer müllhalde, in den resten der fliesenarbeiten, plastikflaschen und den letzten zwanzig grillabenden. Schön wäre ein ostseestrand mit diesem türkisfarbenen wasser und den palmen.

20161121 Cabedelo strandweg

 

20161121 Cabedelo meer

 

20161121 Cabedelo meer

 

Nach einer stunde bin ich dann wieder querdurch zum bahnhof zurück, vorbei am bahngelände. Die haben noch großes vor, die bahnschwellenberge sind aber schon von der natur erobert worden. Auch sehen die wagons ziemlich mitgenommen aus, kurz vor der verschrottung. Die endhaltestelle Cabedelo hatte mal eine weiche, so dass die lokomotive wieder zum anfang der zuges fahren konnte. Warum diese nun entfernt wurde, ist mir ein rätsel, so braucht man zwei lokomotiven für diesen zug auf der eingleisigen strecke. Auch war früher der hafen an die bahn angeschlossen, hier ändern sich die zeiten. In der bahnhofswartezone musste man bis zur schalteröffnung warten, ich am tisch mit einem großen kalten bier.

20161121 Cabedelo lokomotiven

 

20161121 Cabedelo bahnhof

 

20161121 Cabedelo bahnschwellenberge

 

20161121 candela alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo alte wagons

 

20161121 Cabedelo bahnhofwartezone

 

Ich muss jetzt nur noch den großen einkauf, diesmal mit liste, erledigen, das schiff seefest machen und dann morgen oder übermorgen ablegen. Der nächste halt ist Pirapolis in Uruguay, in der kürzesten entfernung von zweitausendzweihundert seemeilen. Hoffentlich diesmal ein wenig schneller, zum jahresende sollte ich dort sein.

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Back to the route

Für diejenigen, die keine zeit haben: ich bin in Brasilien angekommen, sonst wäre dies ja auch nicht zu lesen. Die geplante route von zweitausendreihundert meilen wollte ich mal schnell segeln, hat etwas länger gedauert, die tücke liegt im detail. Also besser das ganze elend von anfang an beschrieben.

Nachmittags um drei habe ich den ankerplatz verlassen und am ende des bojenweges die segel gesetzt. Mein geplanter weg liegt auf dem kurs von fünfzig grad, leider konnte ich nur bis zehn grad segeln. Ok, hauptsache die richtung stimmt grob. Bis morgens um halb sechs hatte der wind jedoch so gedreht und dann aufgehört, dass der motor mal an musste. Schöner mist, ich bin die ersten neunzig meilen in die falsche richtung gesegelt, an den Iles de Salut vorbei und schon fast wieder am Maroni angekommen. Hin ging superschnell und der weg zurück ist mühsam. Ab neun uhr kam dann wind und mit drei knoten geht es zurück. Mindestens einen tag verloren.

Aus den erfahrungen des ersten tages habe ich am morgen des zweiten eine plane über der plicht gespannt. Ich habe hektoliter sonnenmilch dabei und aus unachtsamkeit nicht benutzt. Krebsrot sitze ich nun im schatten und beobachte das langsame schiff. Der umweg hätte nicht sein müssen, zumal die strömung dort nicht für mich war. Ansonsten gab es gestern nur einen schauer und das meer ist freundlich zu mir. Am späten abend werde ich hoffentlich am wegepunkt nummer eins sein, wenn es weiterhin mit drei knoten voran geht. Und zu guter letzt funktioniert auch die logge seit gestern, somit sehe ich, ob ich gegen oder mit dem strom fahre, hurra.

20160930 sonnenregendach

 

Die dritte nacht war bisher die beste, der schlafrythmus stellt sich mit dem backup-eierwecker ein. Alle stunde stehe ich auf, rundumblick, richtungskontrolle, speed. Bei meiner schneckengeschwindigkeit muss es nicht öfter sein.
Und jetzt beginnt die zeit der umkehrer und abbrecher. Ich fahre hoch am wind so gut es geht. Heute morgen war ich auf der höhe meines ersten wegepunktes, nur leider vierzig seemeilen versetzt. Die wellen kommen aus der gleichen richtung wie der wind, also ekeliges gegenan. Hat das schiff ein wenig speed, so bremst es sich in der übernächsten welle ab, kursabfall und dann wieder anlaufen. Ich komme so nur auf drei meilen pro stunde.
Eigentlich hätte ich rechts abbiegen sollen, aber dort kommt genau der wind her, also weiter geradeaus, kurs nordost.

route september2016

 

Meine vier besucher heute nacht machten im anflug einen ziemlichen lärm, und auch wenn der sitzabstand stimmte, gab es gezeter. Nach meinem ernergischen aufruf war dann ruhe. Meiner bitte nachzukommen, das schiff nicht als wc zu benutzen, fanden sie überflüssig. Da waren mir doch die ersten delfine gestern abend lieber.

An diesen vierten tag auf see kommen auch die passenden beine wieder. Nicht dass ich nicht essen könnte, nur das kochen fällt mir schwer. Der herd ist kardanisch am anschlag und so gab es rohkost, kartoffeln, möhren, paprika. Geht auch mal.

Der abend der fünften nacht begann schon nicht gut, gerade den wecker nach dem sonnenuntergang gestellt und ein licht am horizont ausgemacht. Nach über einer stunde war der dampfer endlich vor meinem bug durch, zu weit, um etwas erkennen zu können.
Dann kam der erste schauer von vielen und so blieb ich unter deck auf dem fußboden. Am morgen zuerst kein wind und flatternde segel, danach ein wenig motort. Dann kam recht viel wind, kurz vor dem reffen. Das hat schon geschlaucht. Und nach fünf tagen bin ich gerade netto zweihundertfünfzig meilen von der marina entfernt. Sehr mühsam das ganze.

Doch weiter. Die letzte nacht war auch wieder eine zum vergessen. Am abend hatte der wind noch gedreht und das schiff mit, ein südkurs. Aber nur für kurze zeit und dann war windstille, alle segel runter. Dann begann das, was ich zuvor auf der ganzen reise zuvor nicht hatte, heftigste regenschauer. Da ich den sonnenschutz nicht abgenommen hatte, regnete es auch nicht ins schiff hinein. Das ging mit unterbrechungen bis in den morgen hinein. Meine vier gäste waren auch wieder mal zu besuch.
Dann ging die sonne auf und um mich herum drei aktive regengebiete. Die frage war nicht welches, sondern in welcher reihenfolge sie mich erwischen sollten. Dazu kein wind, und so wurde die strecke von gestern nachmittag durch treiben wieder vernichtet.

20161003 heftiger regen

 

20161003 heftiger regen

 

Vor genau zwei jahren ist mein mast heruntergekommen. Bis auf meinen fertigen kaffee heute morgen, der sich durch heftiges schaukeln gelöst und ins cockpit ergossen hat, ist bis jetzt noch alles ok.

Die nächste nacht war ebenfalls ohne wind und regen, ruhiges schlafen im cockpit. Die besucher waren wieder da, leider sehr lichtscheu oder nicht ablichtbar, vielleicht später. Der wind stellte sich erst am morgen ein und war schwach. Aber mit der goldader von zweieinhalb knoten strom sind bis zu fünf knoten über grund machbar. Das ganze leider nur bis zum mittag, dann der ganze flautenfrust von vorn.
Ein neuer gast hat sich wieder gezeigt, ein kleiner gecko, den ich schon in der marina beim leinenaufräumen gesehen hatte. Mal sehen, wie lange er sich von den anderen ungebetenen gästen ernähren kann.

20161004 besucher

 

Zum abend hin wurde es dann spannend, der wind war brauchbar. Das abendessen war geplant, doch dann zog es sich von hinten und seitlich zu, richtig fett dunkel. Also flucht nach vorn. Doch dann wurde die andere seite auch noch schwarz und die einzige fluchtrichtung war süden. Das essen wurde von bratfisch zu kochfisch umdisponiert, alle luken zu und regenklamotten bereitgelegt.
Kurz nach dem sonnenuntergang hat es mich dann doch erwischt, sehr nass und teilweise zu viel wind. Nach einer stunde habe ich dann die segel in einer günstigen minute gestrichen. So gut es ging festgebunden und unter deck. Haut ist wasserundurlässig, trocknen musste ich mich trotzdem.

route oktoberber2016 01-05

 

Was für eine nacht, ein schiff in fahrt mit wellen geht, naja. Aber ohne fahrt auf dem meer ergibt es eine sehr schlechte nacht.
Heute habe ich mal vor dem dunkeln werden gerefft und warte die nacht ab. Das regengebiet ist durchgezogen und auf der rückseite war heute gutes segeln, ein stück weiter zum ziel.

Da ich das gleiche spiel am nächsten abend nicht noch einmal verlieren wollte, habe ich zuerst gerefft und später das groß wieder herunter geholt. Die genua habe ich auch verkleinert, wollte ich doch schlaf finden. Meine augenringe sollten auch mal weggehen.
So um mitternacht habe ich dann die linie von der herfahrt überschritten, kam mir die gegend doch gleich so bekannt vor. Auch die wasserpflanzen von der herfahrt sind wieder da.

20161004 wasserpflanzen

 

Am morgen dann ernüchterung, schlechter kurs, wind bis fünfunddreißig und regen. Da kommt dann wieder der fragensteller, wieso, weshalb und warum. Aber dafür alles in warm.
Ein wenig experimentiert und der autopilot steuert richtung süden, mehr geht nicht. Die stuka am heck ist soundmässig auf der startbahn und macht fünf ampere. Soweit alles gut und das kaffeekochen geht gaaaaaanz vorsichtig, bewegt sich doch die küche dreidimensional.

Nur noch zweihundert meilen bis zum nächsten wegepunkt.

Was haben eine bananenstaude und ein kühlschrank gemeinsam? Nun, es wird alles zur selben zeit reif. Mein kühlschrank hat das kühlen eingestellt, obwohl meiner meinung nach genügend strom vorhanden ist. Somit ist das eisfach mit einem kilogramm bräuler und fisch aufgetaut. Jetzt muss ich alles schnell verarbeiten und essen. Nicht so, wie ich das geplant hatte. Eine kühlbox wäre wohl doch etwas praktischer gewesen.

Dafür liefen der letzte tag und die nacht recht gut, schlafen ging draußen und das schiff hat seinen eignen kurs gefahren. Ohne hilfsmittel, zuerst fast nach ost und am ende nordost. Also in der früh eine wende und das ganze in die andere richtung. Nur auf dem steuerbordbug geht es nicht so einfach, da muss die windfahne helfen. Ich zähle schon nicht mehr die tage, heute ist der achte oktober.

Und es war auch der erste tag mit fundstücken. Vier tote fische an deck und ein kleiner tintenfisch. Dafür aber auch ein abgang durch die wellen, mein rumpfreiniger, den ich noch nie gebraucht habe und seit anfang an mitschleppe, adios.

Die tage verauschen und nichts wirklich neues passiert. Mal ein schiff am horizont, der mond ist wieder da und die besucher scheißen das deck zu. Nach der windigen zeit der letzten tage kommen jetzt die gemäßigten, leichtes segeln.
Meine gedanken zu Patagonien, es wird eng, zu mindest zum jahreswechsel. Es wird sich zeigen, wie viel zeit noch für das schiff aufzuwenden sein wird. Das nächste ziel ist erstmal Jacare, vielleicht eine alternative zum nachdenken.

Heute ist der zehnte, bis gestern abend war alles gut und es kam freude auf. Der wind drehte für die richtige richtung sehr freundlich, die fahrt war geschwind und das essen war schon vorbereitet. Ein blick auf das groß und aus die maus.
Die beiden rutscher vom segelkopf waren nicht mehr verbunden. Mein versuch von vor drei wochen, das ganze mit kleinen seilen zu realisieren, ist gefloppt. Also segel runter, festzurren und nur mit der genua weiter. Repariert wird bei schwachwind.
Nur nun passte es auch nicht mehr mit dem wind und dem kurs. Die rote linie habe ich fast rechtwinklig überschritten und im morgengrauen eine wende gefahren.

Dafür habe ich den wegepunkt zwei um hundert meilen übersprungen, bis zum nächsten sind es noch vierhundert. Aber nur, wenn ich genau auf der strömungsneutralen roten linie bleibe, also zur zeit eine illusion.

route oktoberber2016 05-10

 

Kann man schlimme nächte steigern? Man kann. Die abendessenvorbereitungen für asiatische bratnudeln liefen noch ganz gut, der restliche fisch kam olfaktorisch nicht weit und musste wieder schwimmen lernen. Also vegetarisch kochen mit herd am anschlag, heiß und fettig.
Der wind frischte auf, der kurs war super und das essen gab es im cockpit, allerdings schon sitzend auf dem boden. Danach noch schnell abwaschen, denn so etwas rächt sich in der nacht oder am nächsten morgen.
Die genua verkleinert und der wind nahm weiter zu. Bei fünfundzwanzig knoten habe ich dann das groß geborgen, genua verkleinert. Das war bis jetzt alles gut und ich beglückwünschte mich zu der entscheidung. Der wind nahm weiter zu, über dreißig.
Es war dunkel und ein wenig schlaf wäre auch gut. Draußen war es meteologisch trocken, wellen schlugen an die außenhaut und spritzten. Zudem war es laut, also doch nach unten, in die dauerschaukelei. Auf dem boden zwischen schrank und motorraum, und mit keili, der blauen matratze, bekam ich ein wenig schlaf, zu wenig. Das muss besser werden.

20161011 schlafplatz mit keili

 

Am nächsten abend ist dann der wind auch eingeschlafen und ich bin in der nacht leicht zurückgetrieben. Der morgen dann mit schönstem wetter, leider ohne wind. Dieser ist durch das hochziehen des großsegels auch nicht aus der reserve zu locken. Heute ist der zwölfte und badetag, denn das schiff treibt mit einem halben knoten in die falsche richtung.
Unterwasser hat sich dann die katastrophe gezeigt: sehr viel farbe ab und roststreifen von einem falsch angesetzten spachtel. Das schiff muss definitiv aus dem wasser.

Dafür ist es auch die fahrende imbissbude, zumindest für fünf dorados, die mitschwimmen. Das andere zwei dutzend kleiner fische sucht schutz beim schiff.
Und es haben sich auch zwei dinge wieder angefunden, der rumpfreiniger hatte sich unter dem schlauchboot versteckt und der gecko ist gestern abend auch wieder an deck gesichtet worden.

Eigentore gleich ein paar mal. Der tagesmeilenzähler im gps ist am vierstelligen ende angekommen und so musste ich das teil zurücksetzen. Da ich RTFM nicht mag, habe ich im menu alles zum löschen gefunden. Nach einem neustart funktionierte das gps wieder bestens.
Und so bin ich die letzten tage schöne kurse gefahren, jedoch wich die pc-gps-mouse vom kurs des neugestarteten gps ab. Hatte ich schon einmal, fand ich nicht so schlimm. Tagsüber fahre ich nach dem gerät und alle paar stunden nehme ich eine position in die karte auf.
Nach drei tagen wurde es mir dann doch zu komisch und ich habe das alte hand-gps aktiviert, das zeigte noch andere daten. Aber es gab da einen menupunkt mit der magnetischen missweisung. So etwas gibt es auch beim haupt-gps und war nicht gesetzt, weil alles gelöscht wurde. Von den schönen kursen werden nun zwanzig grad abgezogen und schon stimmt auch die gps-mouse.
Passwörter bei einem pc können hilfreich sein, man darf sie nur nicht vergessen. Es hat mich über eine stunde gekostet um den rechner nummer drei zu reanimieren, aber ich habe ja die zeit. Nach drei versuchen schaltet sich das gerät wieder ab und der systemstart kann von vorn beginnen.

Heute ist der vierzehnte oktober und vom wind noch nichts neues. Seit tagen kommt er schwach aus südost, da will ich hin. Es sind nur nordost- oder südwestkurse möglich, letztere bedeuten zurück. Ich habe mich schon hundertfünfzig meilen von der roten linie entfernt, mit der konsequenz, dass hier andere strömungen herrschen. Wenn das schiff zu sehr anluvt und stehen bleibt, fährt es gleich rückwärts, bis es abfällt und wieder fahrt aufnimmt, das nervt. Aber ich will das ja so.
Auch habe ich aufgehört, die toten fische an deck zu zählen, auf der hinfahrt war das ja alles neu. Nur heute hatte ich einen kleinen schwertfisch auf dem schiff, zehn zentimeter schwert, rumpf genau so lang. Hatte sich wohl auch vor feinden zu retten versucht.
Dann gehen meine frischen vorräte zur neige und bald gibt es nur noch zwiebeln, die Leningrad Cowboys lassen grüßen. Außerdem ist ab heute die alkoholfreie zeit angebrochen, alles alle und noch fünfzehnhundert meilen bis Jacare. Freude von seiten der leber.

Diese nacht war wieder neu, schaukeln und kein wind, der ist nach sonnenuntergang auch gegangen. Platte see, mitten auf dem atlantik. Am morgen habe ich dann die günstige gelegenheit zur montage des watermakers benutzt. Auch diesen job hätte ich besser in der marina gemacht, da schaukelt es weniger.
Zusammengeschraubt war die membrane schnell, undichte verschraubungen sind jetzt dicht. Und ehemals dichte sind undicht. Ärgerlich, das druckrohr ist bei arbeitsdruck dicht, sonst plört es dort heraus, mal sehen.

Und da ich nicht noch weiter nach norden wie heute nacht treiben will, läuft der motor mit dem ziel, wasser zu produzieren. Das ganze auf dem richtigen kurs und für mehrere stunden.

Wie gestern ist auch der folgende tag ohne wind, ich schaffe sechs meilen in zwölf stunden und in eine gute richtung. Die motorstunden gingen letzte nacht im regen und im falschen strom wieder verloren.

20161015 atlantik

 

20161015 atlantik

 

Wenn das so weiter geht, wird es eng mit den lebensmitteln und mit dem zeitplan sowieso. Hatte mir das alles besser und schneller gedacht, jetzt wollte ich eigentlich schon rechts abbiegen. Arbeiten, die ich geplant habe, kann ich nicht ausführen, dafür müsste ich in den mast. Dort ist es ungemütlich, aufgrund der wellen, ausschlag fünf meter nach links und rechts sind zuviel. Der nächste aufenthalt muss dafür herhalten.
Das wasser ist noch immer warm und so war ich heute wieder unter dem schiff. Die neue pockengeneration hat sich schon niedergelassen, mist. Der taucher hat bei seinem job wohl auch die opferanoden vom ruder und der welle gepult, ein an-land-job. Und dann fehlt ein halber quadratmeter farbe an der backbordseite oberhalb der wasserlinie, wo das schiff fast am dicksten ist. Noch keine plausible erklärung dafür.

Die nacht war ohne wind, nur mit regen und am morgen fing es leicht an zu wehen. Zu viel, um die segel unten zu lassen, zu wenig, damit segeln möglich wäre. Also ab und an motor starten, segel runter und wieder rauf. Sehr nervig das ganze.
Mein versuch, auf die einzige dunkle regenwolke zuzufahren und dann herum gesogen zu werden, endete mit intensiver salzbeseitigung auf dem deck. Und danach: sense.

20161018 regenwolke am morgen

 

20161018 regenwolke am morgen

 

20161018 regenwolke ohne wind

 

Mit segeln geht ein kurs von hundertfünfzig, ist der motor aus, geht es gleich auf zweihundertdreizig und über einen knoten fahrt. Ich bin seit drei tagen in diesem treibloch und muss hier raus, nur wie ohne wind?
An apple a day keeps the doctor away. Seit fünf tagen esse ich schon pommes de terre, die helfen hoffentlich auch.

Der erste fluchtversuch von gestern wurde in der nacht mit minus zwölf meilen in richtung westen bestraft. Heute ist der zweite versuch dran. Nach dem sonnenaufgang sah es ja noch ganz gut aus, die wolken waren windverdächtig. Regenhose an und in drei stunden bin ich ganze fünf meilen in die richtige richtung gefahren. Ich bin jetzt schon über jeden kurs unter süd glücklich.

Wenn das schiff unter einem knoten durchs wasser fährt, drückt die strömung es weg. Das fällt aber sichtbar kaum auf, nur auf dem gps ist es ablesbar. Das gestrige schlagen des großsegels hat mindestens zwei ausgerissene kauschen verursacht und ein segelrutscher ist auch hin. Somit werde ich bis zum nächsten segelmacher im zweiten reff fahren. So etwas nimmt mich sehr mit, ich kann gar nicht so laut genug schreien, wie ich will. Bin dabei aber heiser geworden.

Der fortgesetzte fluchtversuch startete am nachmittag, tagestankfüllen, motor im standgas an, autopilot und in richtung roter linie. Dazu eine kleine genua und schon ging es langsam los. In der nacht nahm der wind leicht zu, dazu blitze und reichlich wasser von oben. Das radar war an, keine warnungen und ich habe am ende in der achterkabine bei leicht geöffnetem fenster geschlafen. Im schiff waren es fünfunddreißig grad, Mr. Perkins, der gerade in seiner tausendsten betriebsstunde geburtstag feierte, macht ordentlich hitze. Am morgen waren wir vierundzwanzig seemeilen weiter. Die zone der bösartigen strömung haben wir verlassen und der wind uns auch.

route oktoberber2016 10-20

 

Ich bin schon über drei wochen auf see und habe die entscheidende etappe noch nicht genommen, den wendepunkt zum abbiegen. Tagsüber versuche ich, zur roten strömungslinie zu kommen und wie gestern, mangels wind, zu treiben. Durch die motorstunden der letzten tage, treibe ich jetzt in die fast richtige richtung, zumindest nach ost.
Gestern war der letzte joghurt im müsli, die erdäpfel gehen auch zur neige. Das nächste mal werde ich mehr nach liste einkaufen gehen und weniger nach gefühl. Gestern war wohl auch der letzte auflauf im ofen. Irgendwie ist das kochen auf dem meer ein bisschen anders als an land.

Der gestrige tag war in der summe ganz ok. Achzig seemeilen gefahren, teilweise mit motor und am ende kamen sechzig meilen netto heraus. Das ist wesentlich besser als im nirvana viereck der letzten woche zu verweilen. Auch habe ich meine lernkurve angepasst, sobald das schiff unterstützung benötigt, geht Mr. Perkins an. Standgas reicht und es kann gesegelt werden, auf guten kursen. Ich möchte nicht aufgegebenderweise in Trinidad mit vollen tanks ankommen, dann habe ich am falschen ende gespart.

Die letzte kartoffel ging heute zum ersten frühstück am gaumen vorbei, jetzt muss ich nur noch auf den doktor warten. Der kann sich dann auch sich gleich meinen linken ellenbogen anschauen, der schmerzt seit heute nacht. Entweder habe ich ihn zu oft gestoßen oder, was wahrscheinlicher ist, zu viele manöver gefahren und mit links gekurbelt. Ich brauche beide hände. Heute ist schon wieder freitag, die tage vergehen wie im segeln.

Heute ist der zweiundzwanzigste oktober, und um es vorweg zu nehmen: es war ein guter tag und eine gute nacht, bis auf einen regenschauer. Mein beschluss, die richtung zum wegepunkt drei zu nehmen, war gut. Zuerst wollte ich die nacht durchmotoren, aber nach kurzer zeit konnte das schiff allein segeln. Morgens um neun habe ich gewendet und siehe da, die böse strömung war weg und gute drei knoten mit mir. Hätte ich mich mal gleich an den plan mit der roten linie gehalten. Somit sind es nur noch fünfhundert meilen zur rechtsabzweigung.

Ein anderes ereignis war gestern auch noch sehr interessant, die imbissbude wurde leergefressen. Damit meine ich nicht die letzte mohrrübe im kühlschrank.
Nach dem kaffee kamen so um zwanzig delfine, umkreisten mein schiff und waren nach kurzer zeit wieder verschwunden. Einzig mein echolot verriet die panik unter wasser. Meine vielen kleinen dauergäste drängten sich am rumpf und suchten schutz, dabei verursachten sie den tiefenalarm. Es waren noch alle da, aber die beiden zackenbarsche habe ich schon länger nicht mehr gesehen

Mittags kamen die gourmets dann zurück, so zirka hundert tiere. Weit draußen auf der hundertmeter linie waren die krachmacher, springenden und lärmverursacher. Auch voraus das gleiche schauspiel. Solch eine gruppe war auch auf der fünfzig meter linie unterwegs. Dazwischen schwammen ein dutzend, um das netz dort zu schließen.
Von dort aus schwammen dann sechser oder achtergruppen von delfinen dicht bei einander von hinten quer auf meine schiffsspitze zu. Von diesen fresseinheiten habe ich zur selben zeit fünf stück sichten können. Wenn diese beim schiff waren, drehten sie ab und schwammen wieder zurück zum anfang. Neben dem schiff waren viele paare an delfinen, sicherlich mütter mit dem nachwuchs.
Sollten es doch fische geschafft haben, auf die leeseite vom schiff zu kommen, so warteten dort die abräumer. Das ganze ging etwas um eine dreiviertel stunde, die mägen waren voll und unter meinem schiff wurde es ruhig. Heute habe ich nur noch drei kleine begleiter ausmachen können. Und komm mir da kein verklärter tierromantiker, die wollen nur mit dem schiff spielen. Ein delfin braucht sechs bis zehn kilogramm fisch täglich und der kommt nicht von käptän iglo.

Diesen sonntag war ich nicht in der kirche, also alles wie immer. Den sonnengott konnte ich heute live erleben. Und zur feier des tages gab es einen salat, den ich gestern gehobelt hatte. Das letzte stück frisch im schiff, ausser den zwiebeln. Der kohl sollte eigentlich mit den kartoffeln in einem auflauf enden, in den gleichen, wie den, der mich einst zu fall gebracht hatte. Aber der supermarkt hatte nur noch rotkohl und die kartoffeln sind in anderer art die speiseröhre hinab geglitten. Das sechzig jahre alte kochbuch meiner mutter hat ein rezept für rotkrautsalat. Und ich hatte noch kümmel für teures geld gekauft. Das ganze durfte einen tag ziehen und war gut essbar, bis auf den kümmel.
Eine sprache nur aus dem wörterbuch abzulesen ist mist, denn es ist kreuzkümmel. Werde ich anderweitig nutzen müssen.

Es war ein so schöner sonnenuntergang, am vorabend zwei monate vor weihnachten. Der ganze himmel war rosarot und keine wolken, das muss ein guter nächster tag werden. Der wind war genau richtig und ab ging es in die nacht hinein.
Nur wurde ich durch lautes segelknallen geweckt, das segel zur raison zu bitten, fiel aus, war doch der kurs nicht der angedachte. Einen blick in den zuvor sternenklaren himmel enthielt die antwort: schwarz. Also schnell die schlafutensilien unter deck gebracht, motor an für die kurskorrektur und das vorsegel eingerollt. Doch da kam auch schon der platzregen. Zuerst mit dem falschen arm gekurbelt und schmerzlich die position gewechselt. Am ende war ich unter meiner plane pitschnass geworden, ein unplanmäßiger wäschewechsel.
Unterdeck das radar angeschaltet und auf der trockenen matratze noch ein wenig schlummer gefunden. Am morgen war alles vorbei, zwar noch nass und schönstes wetter ohne wind.

route oktoberber2016 20-25

 

Es wurde dann doch noch ein sehr schöner segeltag und -nacht. Guter wind, sonne und durchgehend trocken, nur kurz vor dem sonnenuntergang ergab sich eine neue szene. Die wellen wurden ruppiger und kamen fast aus der richtung, in die wollte. Also oft ein rein-in-die welle, abstoppen und wieder fahrt aufnehmen. Aber alles halb so schlimm.
In der nacht nahm der wind leicht zu und am morgen waren dann auch die wellen höher. Im dunkeln habe ich auch das erste schiff seit zwei wochen am horizont gesehen, es drehte dann aber ab. Das war der erste tag mit einhundertzehn seemeilen und alles in die richtige richtung, geht doch.
Und heute morgen hat sich alles ein wenig verschärft, ich sitze jetzt unter deck, denn oben ist landunter. Das segeln spielt sich im bereich von dreißig knoten ab, das schiff zieht selbstständig seinen kurs. Trotz der kleineren genua geht es flott weiter, festhalten ist sehr angesagt, zumal mein arm besser, aber noch nicht wieder gut ist.

Der rest des tages war nach dem regen wieder normal oder halb so. Das erste mal, dass ich den ganzen tag keine sonne gesehen habe. Aber genug wind, um in richtung wegepunkt vier zu kommen.

Heute ist der sechsundzwanzigte Oktober, tag der entscheidung. Soll ich schon heute abbiegen, vor dem wendepunkt oder erst morgen. Ich weiß leider nicht mehr, warum ich den abbiegepunkt dorthin gesetzt habe. Habe mir hoffentlich etwas dabei gedacht. Bei meiner jetzigen geschwindigkeit brauche ich sowieso noch zwanzig stunden. Der wind ist kräftig im oberen zwanziger bereich und einigermaßen konstant, somit werde ich morgen mal auf der steuerbordseite segeln.

Heute vor genau einen monat habe ich Guayana abgelegt und wollte schon ganz woanders sein, halt eben die tückischen details. Nach dem wachwerden in der früh habe ich den ersten versuch unternommen, nach süden zu fahren. Ging gar nicht oder nur nach südwest und dann würde ich in nordbrasilien ankommen. Ich will aber nordostbrasilien als ziel. Also weiter auf dem alten kurs.
Am nachmittag dann der zweite versuch, gleiches ergebnis und der wind hat noch abgenommen. Das schiff fährt jetzt nur noch zweihundertvierzig grad oder neunzig grad selbstständig. Ich hoffe mal auf eine winddrehung, auf nord oder west wäre sehr schön. Morgen ist auch noch ein tag zum wenden.

Und die winddrehung fing schon am abend an, ich konnte einen SO kurs fahren, das war vorher nicht möglich. Das ganze endete um halbvier in der nacht mit regen, also alles nach unten. Dann klamotten runter baby, es fing an zu schütten und genua einholen. So eine dusche wirkt nicht immer. Danach noch ein paar schlummerminuten, in der das schiff dann nach norden gedriftet ist.
Dann nach dem sonnenaufgang ging es endlich richtung süden, zum anfang mit motorunterstützung und eine stunde später konnte das schiff selbst den kurs fahren. Jetzt sind es nur noch über achthundert meilen nach Jacare oder siebenhundertfünfzig zu den Kapverden.
Und das lief richtig gut, ich war schon am rechnen, drei knoten in der stunde, also gute dreihundert zum ziel, das sind rund vierzehn tage. Wenn ich vier knoten fahren würde, wären es noch um zweihundert stunden oder acht tage und bei fünf knoten wollte ich schon nicht mehr spekulieren. Denn bei seemeile neunzehn fiel der wind aus, motor half auch nicht mehr und sogar das groß habe ich herunter geholt. Dann trieb ich mit null komma zwei knoten in die ungefähre richtung, das macht in fünfzehn stunden drei meilen und in… Ende der frustrierten rechnung.
Während der guten zeit habe ich dann mein erstes no-knead-bread gebacken, für meinen herd akzeptabel und ganz lecker. Morgen geht es besser voran.

20161028 erstes brot

 

So schnell gebe ich nicht auf und so ging das vorsegel mit dem letzten licht wieder an den start. Es ging nicht schnell, aber ein stück in die richtige richtung, bis ich wieder durch den regen morgens um drei geweckt wurde. Dann bließ der wind zu kräftig, aber das segel hat es glücklicherweise überlebt. Der tag brach hell und sehr feucht an, der wind war gerade woanders aktiv.
Es ist schon wieder Samstag und mein linker arm ist noch nicht wieder ganz geheilt, für leichte arbeiten geht er aber schon wieder.

Es ist ein verregneter herbsttag, dieser neunundzwanzigste oktober, mit dauerregen. Der versuch, eine gewitterfront zum segeln zu nutzen, brauchte vier seemeilen. Der rest ist fast flaute, obwohl mir der windmesser etwas von zehn knoten erzählen will. Das liegt nur an dem hin und hergeschaukel. Mich frustriert nur, dass ich nicht weiterkomme. Ob sich die rossbreiten jetzt um mein schiff herum ausbreiten? Hoffentlich nicht.
Als therapeutische arbeit habe ich heute morgen das druckrohr vom watermaker bearbeitet und es scheint im drucklosen bereich dicht zu sein. Fehlt nur noch, dass es bei druck plört.

Es fängt schon wieder an, das was ich gestern abend unter segel noch motort habe, ging in der nacht durch zurücktreiben wieder verloren. Heute morgen wollte ich es wieder gutmachen und es endete im dicken regen ohne wind. Motor wieder aus, bringt ja nichts, und es geht wieder rückwärts. Mal sehen was der tag bringt, es ist ja erst acht uhr am dreißigsten.
Um zehn uhr hatte ich den status von gestern abend wieder und um zwölf war schluss mit lustig. Ich habe den tagestank wieder aufgefüllt und mit motor in richtung süden. Der dauerregen, der nach dem morgentlichen kaffee einsetzte, hält noch immer an und wurde für eine kalte dusche genutzt, wenigsten ist es süsswasser.

Nach dem regen kommt sonnenschein und das trockene wetter fing gestern nach dem sonnernuntergang an. Und nach der flaute kam erstmal wieder flaute, wie schon seit langem. Da ich in der nacht einen südostlichen kurs langsam gesegelt bin, muss ich zur roten route zurück. Ergo motor an, segel so gut es geht raus und das brummen ist ertragbar.
Dazu habe ich wasser produziert, wenn schon strom im überschuss anfällt. Das hurra des tages ist ein dichtes druckrohr bei druck und wieder ein normaler salzgehalt von dreihundertzehn ppm. Beim letzten mal war es über das doppelte, warum auch immer.
Die felsen Peter und Paul ohne Mary sind noch hundertdreißig meilen weit entfernt. Da will ich bei tageslicht dran vorbei. Welcher tag, das steht noch in den sternen, vielleicht morgen, dann ist schon november.

Das erste mal seit einigen tagen, dass ich segelnd meinen morgentlichen kaffee trinken kann. Die ruhe ist berauschend und der wind kommt das erste mal achterlich. Diese windrichtung ist aber mist, ineffizient und wie auf der atlantiküberquerung. Ich mach das beste daraus, irgendwie ein kurs mit süd im namen.
Auch hatte ich schon mal erwähnt, wie mies eine nacht ohne segel ist, genau wie letzte nacht. Abends um acht habe ich alle tücher herunter geholt und versucht, in der plicht zu schlafen. Eingeschlafen bin ich dann irgendwie, zwischen dem hin und her und aufgewacht, als ein regenschauer anfing. Den rest der nacht habe ich wieder auf dem fußboden verbracht, dabei wohl meinen nacken verrenkt. Dazu kommt, dass mein linker ellenbogen noch immer nicht wieder schmerzfrei ist, falsch ablegen oder benutzen wird mit einem signal der nervenbahnen beantwortet.
Auch war es für mich neu, einen ganzen monat auf dem meer zu verbringen, geht gut und tut auch nicht weh, bis auf die paar blessuren. Es kommt keine panik auf, keine langeweile und eine gewisse routine mit ruhe kehrt ein. Sollte man vielleicht einmal gemacht haben, um mit sich allein zu sein. Zweitausend meilen bin ich gesegelt und noch lange nicht am ersten ziel.
Gestern war dann noch einmal tauchen angesagt, es sieht schon wieder böse aus. Freie stellen sind mit kleinen pocken besetzt, dazwischen schon wieder entenmuscheln. Ich habe freigekratzt so gut ich konnte und am ende meinen lieblingsspachtel verlohren. So viele wände hatte er schon bearbeitet und liegt nun bald auf dreitausend meter tiefe, weil das bockende schiff ihn abgeworfen hat, als ich ihn an deck legen wollte.

route oktoberber2016 25-31

 

Und der wind am morgen hielt natürlich nicht und so bin ich das erste mal ohne segel mit dem motor übers meer geschippert. Ich weiss nicht, wie breit diese windschwache zone ist, nur ich will jetzt bald mal an land. Es gibt einiges zu reparieren, ein bier wäre auch mal wieder schön und frisches essen ist einfach nicht zu unterschätzen.

Die gastlandflagge ist fertig, obwohl es noch siebenhundert meilen bestenfalls bis zum ziel sind, an diesen zweiten november. Der wind fing gestern abend bei sonnenuntergang an und hielt durch. Wind heißt jetzt schon zehn knoten. Jetzt frischt er auf und seit langem habe ich mal fünf knoten auf dem gps gesehen, für eine sehr kurze zeit.
Während meines morgenkaffees ist querab in einer meile entfernung ein frachter vorbei gezogen, gesehen habe ich ihn vorher nicht, sollte also mal regelmässig nach vorn schauen. Aber ich habe wieder das radar angeschaltet, tagüber ist es aus, um zu sehen, ob das schiff erkannt wird. Es wird oder auch nicht. Meine alarmzone um das schiff liegt bei fünf meilen und da ist es in den wellen nicht mehr sichtbar. Also auch nicht, wenn es in die alarmzone einfährt. Somit bin ich die nächte radarvertrauend blind gefahren. Jetzt ist die zone auf drei meilen reduziert, hoffentlich druckt das.

Seit über vierundzwanzig stunden weht der wind frisch und der kurs ist südwest. Nicht ganz ideal, aber in der richtung ok. Geht eine gewitterwolke hinter dem schiff durch, ändert sich der kurs mehr zu süd, geht die wolke vor dem bug durch, ist es mehr west, unschön. Gestern waren es fast hundert meilen und in die grob richtige richtung. So wie es aussieht, wird es heute ähnlich werden. Dann fehlt nur noch eine winddrehung, so dass ich nach süden fahren kann. Direkter weg wären es noch knapp über fünfhundert meilen, aber die flugeigenschaften des schiffs sind sehr bescheiden.

Der nächste morgen, der vierte november, und noch immer der gleiche wind dazu ein wenig mehr davon. Seit gestern fahre ich schon mit gereffter genua, geschwindigkeit immer noch über vier knoten und trotzdem zu viel tuch, zuviel schräglage. Dafür luvt das schiff seit heute morgen höher an, die hoffnung auf einen reinen südkurs wächst.

20161104 wellen

 

20161104 wellen

 

20161104 wellen

 

Seit gestern abend habe ich den kühlschrank ausgeschaltet, hatte er sich doch schon vorgestern nacht vom dienst verabschiedet. Bei dem wind mache ich den motor nicht an und somit sinkt die voltzahl. Außer wasser und butter ist da ohnehin nichts mehr drin, was unbedingt gekühlt werden müsste. Dann hörte ich ein dumpfes metallisches ‘pluungg’ etwas neues und am ende war es nur ein lebender fliegender fisch, den ich wieder ins meer befördert habe.
Auch habe ich die äquatorüberquerung verpasst, für viele ein höhepunkt. Die imaginäre linie war nicht sichtbar, bin jetzt auf der südscheibe.

route november2016 01-05

 

Heute ist Sa der fünfte, aber eigentlich: every day is like Sunday. Dazu muss ich gestehen, dass ich derzeit keine musik höre. Auch ist das leben auf dem schiff sehr beschwerlich. Der wind weht bis über dreißig knoten, die wellen werden höher und das schiff fährt schief. Wenn ich das vorsegel verkleinere, können nicht diese kurse in richtung zweihundert grad gefahren werden, genau süd wäre aber noch besser. Somit ist die geschwindigkeit mit vier knoten auch nicht so berauschend, macht aber hundert am tag und das ist sehr gut für hoch am wind.
Die inselgruppe Fernando de Noronha werde ich wohl auch an der westseite passieren, anhalten dort ist mir zu teuer und verzögert die reise. Jetzt morgens um acht nach dem kaffee mache ich mir schon gedanken zum abendessen, weil das kochen in dieser lage eine tortour ist. Die arbeitsplatte reicht mir bis zur brust, will ich stabil stehen, der herd ist am anschlag, experimente sind mir zu gefährlich.

So langsam wird es langweilig, nichts neues im süden. Ich segele heute morgen bei sechs bis sieben windstärken und habe gerade ein wenig ausgerefft. Der steuerbordsüllrand ist fast im wasser und dafür fahre ich auch bei unter zweihundert grad über vier knoten. Zu meiner freude hat der wind seit heute nacht ein wenig zu meinen gunsten gedreht, die wellen ziehen mit. Heute abend werde ich an den inseln vorbeisegeln, vielleicht sehe ich sie ja.
Was mich sehr nervt, ist diese gezwungene passivität. Jede bewegung im schiff muss geplant und äusserst vorsichtig durchgeführt werden. Ich brauche null verletzungen, keine brüche oder platzwunden. Hühnere ich doch noch mit dem ellenbogen umher. Es ist besser geworden und ich benutze den arm bei leichteren aufgaben, ganz ok ist er immer noch nicht.
Auch frage ich mich, ob das schiff nicht zu groß ist, zur zeit brauche ich die letzten drei meter nicht, ich schlafe immer noch auf dem fußboden.

Am Mo morgen gab es leichte freude, der wind hat wieder ein wenig gedreht, gerade so, dass das schiff ab und zu unter kurs süd fährt. Ich bewege mich zurück zur route. Leider hat der wind aber auch leicht nachgelassen, aber die geschwindigkeit bleibt und die wellen werden flacher.
Noch sind es zweihundert meilen, also wenn es gut geht, komme ich am Mi an.

Kaum hatte ich den letzten absatz geschrieben und schon hörte der wind vom nachmittag auf, den schönen kurs zu blasen. Auch nahm er ein wenig ab, also nur noch gute fünf. Heute morgen dann wieder ein rückschlag, die logge zeigt null an, so kann ich nicht abschätzen, ob ich schon im küstenstrom bin. Wenn ich das gps mit drei und ein wenig knoten betrachte, müsste es aber schon so sein. Die letzten meilen sind oft die schwersten und ich habe noch hundert davon.
Dann war noch gestern abend mein waschbecken im bad verstopft oder fast zu. Zu meiner freude war heute morgen das rohmaterial für frankenstein aus dem becken abgelaufen. Bis ich ein kleines rinsal vor der küchenspüle gefunden habe. Der schlauch von dieser ist abgerutscht und das monster ist irgendwo im schiff. Das wasser konnte ich mit dem feudel aufnehmen, alles echt lecker an diesem dienstag vor dem frühstück.

Zwei stunden später habe ich die logge aus der halterung gezogen. Das wollte ich eigentlich nie im wasser machen, aber besser als bei dem wellengang zu tauchen. Das wäre dann wie kielholen, viel zu gefährlich.
Schön, dass ich das ganze noch in Berlin mit fett eingesetzt hatte, so schmatzte es aus dem rohr heraus und mit ihm fünf liter seewasser. Ging besser als erwartet, liegen doch im operationsbereich hydraulikleitungen, batteriekabel und die ganze verkabelung, die zum schaltpanel geht.

20161108 logge

 

Dann die pocken abgekratzt, das rädchen gereinigt und zurück ins rohr. Das ganze geht natürlich besser, wenn das schiff auf dem backbordbug wäre. So sind diesmal zehn liter ins schiff geschwapt. Der nasssauger musste es dann richten.
Als ergebnis kommt heraus, dass das schiff bei hoch am wind nur maximal dreieinhalb knoten fährt und der rest ist einer strömung zu zurechnen. Somit bin ich noch im Brasilienstrom richtung süden und nicht im küstengegenstrom.

Wenn nichts schief läuft, komme ich heute abend an. Diese nacht war ruhig, das radar war die ganze zeit an, aber keine warnungen. Ich hatte mit fischern vor der küste gerechnet. Nach dem sonnenaufgang habe ich den kurs direkt auf die anfahrtstonne geändert. Der wind genau von hinten, wie ich es hasse. Die segel schlagen unter fünf windstärken, dazu die wellen, es gibt schönere kurse zu segeln.

route november2016 05-09

 

Die erste begegnung mit den fischern auf dem meer begann mit einer kursänderung, weil sie sehr nahe rangekommen sind und mich dringlichst dazu aufgefordert haben. Danach verlief es recht ruhig, segeln mit motorunterstützung, da es doch arg schaukelte und das segel sehr schlug. Zum sonnenuntergang war ich dann im fluss und als es dunkel war endlich an der marina. Zu dunkel, um etwas genaues zu erkennen, so habe ich im fluss vor der marina geankert. Was für eine ruhige nacht ohne schaukeln wie an land. Am morgen habe ich dann dort angelegt.

route guayana brasilien

 

Oben ist die gesamte etappe zu sehen. Ich bin 2941 sm gesegelt oder motort, dabei war meine geplante route nur 2280 sm lang, also ein drittel kürzer. Ein wenig zuviel am anfang und mittendrin. Es ist also machbar, von franz. Guayana nach Brasilien zu segeln, aber nicht empfehlenswert.

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Erneut ins Meer gespült

Freitage sind wie alle anderen wochentage auch hier in Französisch Guayana. Immer kurz vor sonnenaufgang lässt so ein arsch sein boot mit einem zweitaktaussenborder ins wasser und verschwindet mit lautem getöse und wellenschlag. Dann ist die nacht zu ende, warm wird es dann erst in einer viertelstunde.

Der letzte versuch die gasflasche befüllen zu lassen, ist ebenfalls gescheitert. Sie sind stur und befüllen nur ihre behälter, keinerlei servicegedanken oder hilfsbereitschaft. Und mein gasflaschenadapter nulliert die technische möglichkeit. Wie gern denke ich da an die Kapverden zurück.
Also bin ich mit Michel wieder nach Cayenne gefahren und habe erpressterweise eine neue flasche gekauft. Vorher hatte ich einen anderen adapter auf den anschluss geschraubt und nun war sie wieder deutsch, geht also. Fünfundsechzig taler für das gute stück mit zwölf kilogramm butan. Auf dem rückweg kann ich sie wieder abgeben und erhalte den flaschenpreis zurück, mal sehen, wann das sein wird.

20160923 neue gasflasche

 

20160923 neue gasflasche

 

Kaum waren wir wieder zurück, hat mich der taucher für die rumpfreinigung zur motorenwerkstatt mitgenommen. Mit im handgepäck war die ankerwinsch. Zum zweiten mal war ich in Cayenne an diesem tag, und Jo, der mit der grössten alusegelyacht hier im hafen, leitet dort die motorenfirma. Gemessen, ersatzteil gefunden, telefoniert und besseren simmerring gefunden und dann die welle aus dem gehäuse montiert. Ich habe etwas dazu gelernt, so geht also ein wellenaufbau. Noch einmal gemessen, noch einmal telefoniert und den noch passenderen ring geordert. Die welle blieb bei der drehbank und wir sind auf dem rückweg den simmerring holen gefahren. Ein Freitag kann sich auch positiv entwickeln.

Mein ins leben zurück geglaubter wlanhotspot des imbisses ist inzwischen nur noch zu geschäftszeiten unter der woche aktiv. Danach kann man ihn noch erkennen, aber keine verbindung aufbauen, sehr schade. Denn um drei machen sie zu und dann ist es erst acht uhr in europa. Somit geht die kommunikation nur per email aus der bar in Cayenne, in der ich glücklicherweise am morgen auch schon war.

Es ist So morgen, sieben uhr und noch alles ruhig, denn die slippenden motorboote kommen erst in einer stunde. Es ist so wie die schöne vorfreude auf weihnachten, auch als atheist. Der baum ist gekauft, die geschenke sind besorgt, die lichterkette vom letzten jahr ist wiedergefunden und es fängt leicht an zu schneien. Der duft aus der küche lässt einen schönen tag vermuten.
Doch dann passiert es, der alte tannenbaumständer von urgrossvater zerbröselt bei der baummontage, die lichterkette wurde von einer ratte angenagt und eines der vielen lichter ist kaputt gegangen, nur welches. Draussen taut es schon wieder, leichtes geschrei aus der angebrannten küche. Das war’s. Gestern abend kam meine abgedrehte welle mit dem winschgetriebe, passte alles für vierzig euronen. Doch dann bemerkte ich, dass das distanzstück zu kurz ist, da fehlt ein zentimeter. Das alte stück war aber bestandteil des getriebes. Da ist ein wenig ugandaschrauben angesagt, damit der patient die krankenstation wieder verlassen kann.

20160925 ankerwinsch

 

20160925 ankerwinsch distanzbauteile

 

Die operation ist gelungen, der patient lebt wieder und ist am alten ort montiert. Dafür brauchte ich eine neue tube sikaflex und das war wieder nicht so gut. Noch vor kurzem hatte ich in einem forum getönt, dass auch abgelaufene ware brauchbar sei. Nur meine tuben haben sich in der wärme hier selbst verfestigt. Schade, nach der sechsten tube hatte ich eine gefunden, die noch leicht brauchbar war. Der rest landete im müll.

Die unterwasserreinigung ist auch pünktlich beendet worden, die logge hat er nicht richtig freigelegt, mist verdammter, brauche ich sie doch die nächsten wochen. Also werde ich morgen mal tauchen gehen müssen.

20160926 teil des unterwasserbewuchs

 

Heute morgen noch einmal schnell ins internet, danach zum grosseinkauf für über zweihundert zahlungseinheiten und hinterher alles verstauen. Das schiff grob aufräumen und um vier uhr am nachmittag war dann schon hektisches ablegen angesagt. Mal sehen wie es weiter geht. Entweder bin ich in vier jahren wieder hier oder in vier tagen, wenn der plan nicht funktionieren sollte. Zwanzig tage hat die vorbereitung jetzt gedauert, alles im plan.

20160927 abfahrt marina

 

20160927 michels boot

 

Mit der rumpfreinigung bin ich schon jetzt nicht zufrieden. Zum einen habe ich noch muscheln am rumpf gefunden und zum anderen hat er den spachtel zu scharf angesetzt und die farbe in grossen placken herunter geholt. So eine scheisse hätte ich auch selbst gekonnt, war er doch als ‘professionel’ deklariert worden, merde.
Ich wollte die logge heute frei machen und stand dann mit den flossen auf brusthöhe im wasser. Es ist eine ruhige nacht gewesen, abgesehen vom windgenerator, aber wozu habe ich ein kissen für die ohren. Also konnte ich die logge vorerst nicht frei legen, das muss draussen im klaren meer passieren.
Es zeigt sich wieder einmal: das qualitätsniveau von externen hätte man auch selbst hingekriegt, also finger weg von denen. Somit kommen wir zur polnischen wertarbeit vor zwei jahren, die nähte der sprayhood lösen sich, die reißverschlüsse sind dicht und nicht brauchbar, weil die zipper fest sind oder die enden. Flicken geht zur not, also die nächste baustelle vor Patagonien.

Das erste ziel, die insel La Mere, ist erreicht. Hier war ich schon oft, ruhiges ankerplätzchen. Morgen mit dem hochwasser geht es dann los gen süden.

 

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Fast wieder zuhause

Die reise zurück zum schiff war anstrengend, aber der transport mit meiner klappsackkarre ging sehr gut. Die mitnahme im flugzeug funktionierte durch das festbinden auf der tasche, in der auch meine jotunfarbe war. Der checkin ging in unter zwanzig minuten, hatte ich doch meinen impfpass dabei. Nur hat die frau mir den mittelplatz in der mittelreihe gegeben. Im flugzeug bin ich dann doch zum fenster gerutscht, glück gehabt, denn der flieger war recht voll. Auch die flugzeit war ok, mittags abheben und um siebzehn uhr wieder landen. Leider gab es eine verspätung und so musste mein abholer leider warten.
Meine hohen wanderschuhe und mein dicker pullover waren im kalten flugzeug gut zu gebrauchen, nur als ich aus dem flughafengebäude trat, kam die große keule. Sehr warm und feucht, gefühlt wie achtunddreißig grad in Europa. Dann auf dem weg zum schiff noch etwas einkaufen und im dunkeln die türen öffnen. Hatte ich doch geplant, noch im hellen wieder hier zu sein.

Wo ist zuhause, was ist heimat und für wen? Das leben ist hier machbar, aber bleiben will ich dennoch nicht. Es hat sich hier ein wenig verändert, einige schiffe sind weg, neue sind dazu gekommen und andere haben sich umgelegt. Paare haben sich getrennt, und schon deshalb bin ich zufrieden mit meinem boatkeeper, denn es hätte ja auch diese frau sein können, und mein schiff wären dann ohne keeper gewesen.

Im schiff: Fangen wir mal mit dem positiven an, die motorraumbilge ist trocken oder war es, und es ist nur wenig schimmel im schiff. Es riecht noch ein wenig muffig, aber das ändert sich jetzt mit viel lüften. Auch blieben die großen besucher aus, waren doch alle zugänge verschlossen. Dafür haben sie sich nach mehreren versuchen unter der plane angesiedelt und sind friedlich. Eine katze war auch des öfteren auf der sprayhood, fußspuren auf den fässern ist der beweis.

20160908 sprayhood

 

Jetzt die schlechten news: Alle meine nudeln, so um fünfzehn kilogramm, meine mehlsammlung und die fertigbrotmischungen, der risottoreis und alle meine asianudeln haben besucher, die sich fleißig vermehren oder vermehrt haben. Weg konnten sie nicht aus dem schiff, so war es ihr zu hause vom anfang bis zum ende. Der nutznießer ist eine spinnenpopulation, die sich von ihnen ernährt hat. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich das zeug verschenkt und nicht jetzt in den müll geworfen.

20160908 leichen

 

Das schiff hat an der wasserlinie einen dicken pflanzenbart bekommen, da muss ich wohl in die brühe steigen, bevor ich lossegeln kann. Die pflanzen haben sich an den muscheln festgekrallt, die müssen auch ab. Das ist so etwas wie ein ungeliebter schiffsklojob, nur diesmal in der großen schüssel.

20160908 wasserbewuchs

 

20160908 wasserbewuchs

 

20160908 wasserbewuchs

 

Ansonsten sieht es außen einigermaßen gut aus, wenig rost ist hinzugekommen, alles steht noch, und die plane über dem cockpit hängt auch noch. Was nicht ging, sind die plastiktüten um die vorhängeschlösser, um diese vor regen zu schützen, die sonne hat ihren job getan.

20160908 schloss mit plastikrest

 

Die ersten tage sind mit aufräumen und säubern verplant, dann kommen die reparaturen. Am zweiten tag sind dann noch zwei kilogramm müsli, der couscous, weitere lasagnenudeln und auch ein pappkarton in den müll gewandert. Es ist schon ärgerlich, ich hätte mal vor einem halben jahr ordentlich putzen sollen. Nun war dieser tag damit verbraucht. Das gesamte geschirr und die töpfe wurden gespült, die staufächer ausgeseift und die reste der besucher aufgesaugt. Dabei habe ich auch eine weitere gruppe der anwesenden entdeckt, die holzmehl produzieren. Ich hoffe nichts ernstes, solange sie nicht an den stahl gehen.

Und es war in der zeit der abwesenheit feucht im schiff. Einige grindelriegel sind festgerostet, die zangen in der werkzeugbox haben auch gelitten. Anton Luft hatte die riegel ja empfohlen und die gehen vielleicht auch in der Ostsee, nur meine verzinkten haben hier ihren geist aufgegeben. Wenn ich den vierfachen preis für edelstahl ausgegeben hätte, wäre es jetzt kein problem geworden, wieder einmal am falschen ende gespart.

20160908 rostriegel

 

Dann habe ich die vorbereitungen für den kühlschrankumbau in angriff genommen, von frontlader auf toplader. Das kühlaggregat lässt sich drehen und der test lief einigermaßen, aber nun ist der temperaturfühler im kühlschrank an der falschen stelle und dadurch kaum regelbar. Nach langem hin und her überlegen mache ich es doch nicht. Der aufwand wäre jetzt zu hoch und der nutzen unbestimmt. Einen tag umsonst vergeudet, dafür habe ich die blanke front gedreht und den kühlschrank mit dem schrank verschraubt.

20160910 kuehlschrankbox

 

Nachdem viele der nahrungsmittel in den müll gewandert sind, wollte ich mir die letzte dose ravioli gönnen. Sie war außen leicht angerostet und innen war es ekligst. Dosenfutter hält auch nicht ewig.
Meine abarbeitungsliste wird nur langsam kürzer, zwei themen weg und ein neuer task dazu. Wenn ich auf dem meer bin, kann ich anfangen, mein werkzeug zu putzen, das fängt an zu rosten an. Dieses wetter hier ist nicht vorteilhaft für eisenwaren. Die zwei blechkanister hat es arg mitgenommen.

20160912 dieselkanister

 

Das tanken geht auch voran, vierzig liter kosten fünfzig euronen, immer zwei kanister mit zum einkaufen mitnehmen. Zweihundert liter sind schon getankt, für die nächste strecke muss alles randvoll sein, die segler vor ort haben mich schon vor dem weg nach Brasilien gewarnt.

Und dann vermisse ich meine neuen wanderschuhe, die wohl noch in Lille stehen, mist. Dabei hätte ich sie brauchen können, für den ausflug nach Cayenne. Michel hat mich mitgenommen, in der bar gab es internet und so kam ein kurzer kontakt zur restwelt zustande.
Das letzte mal war ich hier mit dem schiff vor anker, wollte aber nicht herunter, weil mir das ganze suspekt war. Gestern bin ich durch die stadt gelaufen, bis ich nass war. Es ist schon morgens um neun zu heiß. Der erste eindruck war, kenn ich. Das sah aus, wie in St. Laurent, eine geplante stadt, um die jahrhundertwende auf dem schachbrett. Die gleichen holzbauten, viele davon schon sehr rottig und dann die protzverwaltungspaläste.
Die bevölkerung lebt oft von der stütze, bettelt und kauft sich davon bier, um das elend zu ertragen.

Das abwassersystem an den straßen war wohl für gröberes geplant, ein falscher tritt aus dem auto und einen halben meter tiefer kommt man an. Für mich kein städtetechnisches highlight und trotzdem eine gern genommene abwechslung.

20160915 cayenne abwassersammler

 

20160915 cayenne offiziell

 

20160915 cayenne offiziell marie

 

20160915 cayenne park

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne rott

 

20160915 cayenne strand

 

20160915 cayenne strand

 

20160915 cayenne strasse

 

Es gibt jemanden, der schon seit über zehn jahren mit seinem schiff hier liegt. Und dieser jemand reinigt die schiffe unter wasser. Ein scheißjob und eine gute einnahmequelle, will er doch zweihundert geldeinheiten dafür haben. Es spart mir zeit und das kotzen in der brühe, ich muss da wohl durch. Für die nächste strecke sollte das schiff widerstandsfrei schwimmen.

Mein neues ankerwinschgetriebe passt natürlich nicht, entweder die bohrung ist zu klein oder die welle ist einen millimeter zu dick. Nach einer stunde schleifen habe ich es aufgegeben, denn es gibt hier einen professionellen mit einer drehbank, weitere kosten.
Dafür ist Mr Perkins beim ersten schlüsseldreh angesprungen, ein lichtblick.

Abfahrt ist für nächste woche geplant.

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Absprungvorbereitungen

Also Lille kann auch warm, gestern waren es fünfunddreißig im schatten davon. Die staatsverwaltung hat schon wieder panik, damit nicht so viele wie vor dreizehn jahren endgültig umkippen. Im haus bleiben, die jalousien unten lassen und abends wird gelüftet. Das bringt zehn grad weniger als draußen.
Ich suche hier noch nach schönen plätzen, werde aber nicht so recht fündig. Der alte hafen und liegeplatz der binnenschiffe gefällt mir schon. Dreihundert meter vom wohnort entfernt und gehört zu Lille. Die fotos habe ich aber von der anderen seite, von Lomme aus aufgenommen. Dies wird aber sicherlich bald eingemeindet werden, als ein weiterer stadtteil. Die eine oder andere lücke kann ich bei den dauerliegern entdecken, in die mein schiff passen würde. Aber das ist kein aktuelles problem.

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

20160824 lille alter wartehafen

 

Interessanter wird die weiterfahrt, da die wenigen willigen segler, die sich bislang bei mir gemeldet haben, in der entscheidungsphase einen rückzieher machen. Somit werde ich Patagonien wohl allein durchreisen. Letzte woche hatte ich schon angefangen, alle ankerplätze, die einhand gut möglich sind, in meine karten einzutragen, und es sind nicht wenige. Einerseits betrübt es mich und auf der anderen seite habe ich einen freiheitsgrad mehr. Jetzt müssen nur noch die chilenischen behörden mitspielen.

Eine weitere planung besteht in der weiterfahrt, nachdem ich Patagonien durchfahren habe. Links abbiegen, sage ich einfach. Aber da gibt es doch ein paar kritische faktoren, die mir erst heute klar werden, Fukushima. Ja, da war doch was, und in der presse wird das weitgehend tot geschwiegen, wer zahlt wohl dafür.
Da täglich immernoch dreihunderttausend liter reaktorbrühe ins meer fließen, verteilt sich die suppe, die der ozean bis australien umspühlt, im Pazifik. Zehn jahre nach dem unglück. Danach zieht strömung in richtung Indischer Ozean und klopft mit dem golfstrom auch an die europäische haustür. Also alles schnell noch besuchen, bevor die meere und dann die menschen sterben. Um meinen alterungsprozess extrem zu beschleunigen, muss dort nur der watermaker laufen, um anständige dosen an cäsium, strontium, plutonium und weitere isotope zu verkosten. Die fischfanggebiete im nördlichen und mittleren pazifik sind schon heute zu meiden und der fisch sollte nicht auf meinem teller landen. Abgesehen davon wurde bis in die neunziger jahre genügend atommüll in der nordsee und anreinermeeren verklappt.
Also schnell in die Südsee und da durch, aber besser wird es nicht werden.

Zehn tage vor dem rückflug wollten wir mal schnell eine aufenthaltsgenehmigung in der ausführung einfach, weil wir aus der EU sind, beantragen. Eine stunde vor toresschluss waren wir in der ausländerbehörde, leider geht so etwas nicht vor ort in der lokalen mairie, wie wir zuvor schon erfahren hatten. Eigentlich wollte ich nur meiner meldepflicht nachkommen und dann haben wir das kleine volle programm angefangen.
Nach über einer stunde stehen und warten im vollen warteraum, mit schrittweise vorwärtsgehen, wie in der flughafenschlange, fehlten lohnbescheinigungen, was auf keiner webseite erwähnt wurde. Erfolgloser abgang und ein weiterer versuch am folgenden tag in der früh.

Am nächten morgen den schlaf abgebrochen, ohne kaffee los und angestellt. Schon die schlage vor dem verwaltungsgebäude war hundert meter lang, weil taschenkontrolle. Eine viertelstunde später standen wir in der ausländerschlage wie am tag zuvor. Einige gesichter kannte ich schon. Nach einer stunde waren wir an der reihe, alles dabei und leider ist die probezeit des arbeitsvertrags aber erst in einem monat vorbei, also noch keine unbefristete arbeit, und somit gibt es den zettel noch nicht. Wieder umsonst, nur in einem monat bin ich nicht mehr hier. Vielleicht geht es auch, dass Sabine es für mich mit erledigen kann. Bürokratie und Frankreich, merde.

Ein anderer faktor erleichtert die weiterfahrt, das wetter im Nord-Pas-de-Calais. Es regnet hier sehr oft, das meer ist nicht weit entfernt. Aber dieser August war wohl eine ausnahme, sonne satt, trocken, warm und angenehm, vielleicht schon zu warm für diese gegend. Pünktlich zum ende der generalen ferien in Frankreich hat der sommer dann aufgehört. Zeit zum abreisen.

Aber vorher gab es dann noch einen ausflug in die region. Hier ist das ehemalige kohlenrevier frankreichs und viele zechen stehen unter denkmalschutz. Die abraumhalden sind kulturerbe und die bergarbeitersiedlungen werden teilweise restauriert. Das ganze bei typischen lokalen wetter, wir sind aber trocken geblieben.

20160904 abraumhalde 11/19

 

20160904 zeche 11/19

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

20160904 zeche 9/9

 

Das schiff soll immer noch schwimmen, alles superbestens und meinen abholer habe ich auch schon terminiert.

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Bienvenue chez les Ch’tis

Problemlose wohnungsübergabe, entspannter umzug, fähige möbelpacker, ich hatte nur einen karton zu wenig. Mittags um zwei war alles vorbei, noch schnell ein plausch bei der nachbarin und danach los. Zeit hatte ich noch genug, also einmal mit der ringbahn um Berlin herum gefahren, abschied nehmen.
Der busbahnhof war am Fr abend voll und der bus nach Paris wollte mich nicht mitnehmen. Ich war schon genervt, schnell zum fahrkartenschalter und siehe da, der bus nach London ist meiner. Erster einsteiger, fensterplatz und neben mir frei, ging es fahrplanmässig einmal durch alle Beneluxländer pünktlich zum ziel. Der umzugsunternehmer war bei ankunft auch schon da und wieder waren die jungs am mittag fertig und verschwitzt. Alle kartons auf drei ebenen verteilt, meine schränke waren auch zerlegt, weil der umzugswagen zum platzen voll war.

20160811 Lille

 

Nach fünf tagen waren die schränke wieder zusammen gebaut, die bücherregale mit der wand verdübelt, und ich habe den ersten kontakt zur bausubstanz bekommen. Die ursprünglichen wände des hauses sind mit einem gemisch aus lehm und pflanzenfasern verputzt worden. Der gleiche aufbau wie die decken, dort auch noch mit einer hauchdünnen gipsschicht. Mal eben eine lampe dort aufhängen wurde zur tagesbaustelle und einem handgroßen loch.
Die neueren senkrechten raumbegrenzungen sind oft hohlraumwände und nur mit spezialdübeln zum halten der regale zu überreden. Der dafür angesetzte baumarktbesuch war für mich enttäuschend. Der laden war riesig, ich fand mich thematisch zu recht, doch sind mir die produkte fremd. Die beschreibung in der landessprache und meine über jahrzehnte geliebten produkte gibt es hier natürlich nicht. Der vergoldungsfaktor hat mir dann noch den atem geraubt, pauschal alles um die hälfte teurer.

Der anschließende supermarktbesuch war hingegen gigantisch. Der sichtbare hauptgang war so um dreihundert meter lang. Die gemüseabteilung war so groß wie ein handballfeld, dafür die frischfischdarbietung für französiche verhältnisse nur normal, eher unterdimensioniert, aber trotzdem beeindruckend.

20160801 fischallee

 

20160801 kaesestrasse

 

Wo es in deutschland eine käsetheke gibt, sind es hier dreimal dreißig meter käsestraße plus einer zwanzig meter darbietung weiterer sorten mit bedienung, die hiesige theke. Das gleiche gibt es auch für fleisch mit angeschlossenem pastetenbereich.
Nur braucht man die riesige auswahl von zehn oder zwantig verschiedenen sorten jeglichen lebensmittels? Oftmals auch dasselbe produkt in unterschiedlicher verpackung. Ich empfinde auch fünfzig meter weinregal als entdeckungsabenteuer, zumal der großteil der flaschen aus diesen land kommt. Im gleichen verhältnis gibt es reiniger, tiernahrung, kaffee, konserven und und und…
Da wir mit dem bus und zu fuß angereist waren, war die tragekapazität beschränkt, aber ansonsten konsumiert man in der verwirrung automatisch mehr als gewollt. Die kreditkarten glühen und die zusätzlichen kalorien wandern an die hüften. Was keinen kunden findet, geht in den müll.

Ich lebe nun schon seit wochen zwischen kartons und das ende ist noch nicht in sicht. Wohin nur mit den ganzen sachen, und in der steigerung wird das neue heim auch noch gestrichen. Wenigstens gibt es wieder internet, hat nur über eine woche gedauert. Der provider musste den servicetechniker losschicken, um im verteilerkasten an der straßenecke ein paar kabel neu zu patchen. Und dann merkt man, dass sich nichts weltbewegendes ereignet hat, keine wichtigen mails, kein neuer aktiver krieg in der welt, nur weitere vorbereitungen.

Was ist hier anders als am alten standort: Zum einen kann man auch seine falsch gekauften artikel oder die zuviel gekauften im baumarkt zurückgeben. Leider spricht man/frau an der rezeption aber gar kein englisch oder deutsch, und somit habe ich die arschkarte. Sprachtechnisch ist das hier ein ignorantes volk, mit teilweisen lichtblicken. Abbuchen von der kreditkarte geht, zurückbuchen nicht. Sehr wahrscheinlich mein eigenes kartenproblem.
Das bier hier ist trinkbar und es haben sich die kronkorkendrehverschlüsse durchgesetzt, bei den hiesigenn viertelliterflaschen muss also häufiger gedreht werden. Die mülltrennung ist auch gut, zwei mülltonnen. Die eine ist für wieder verwertbar in form von plastik, glas, papier, metall und der rest in die andere tonne. Das führt dazu, dass die wiederverwertung nicht nur termisch funktioniert, sondern billiglohnkräfte den recyclingmüll trennen. Finde ich besser als trennen und alles zusammen verfeuern, das können wir selber, denn hier gibt es auch einen kamin. Werbung im postkasten, ja bitte – braucht man auch zum anfeuern.

20160811 industrieruine

 

Dann ist mein neuer wohnsitz in einer gegend, in der es nur grobe bauvorschriften gab, oft sind zwei häuser nebeneinander gleich oder es ursprünglich gewesen, der rest ist recht frei gestaltet. Das material, die dachschrägen und weitere kleinigkeiten wurden vorgegeben und bei der kleinen grundfäche der oft zweistöckigen häuschen hat sich vieles angeglichen. Das gefällt mir, alles sieht anders aus, und als krönung gibt es auf den häusern noch alte aktiv genutzte fernsehantennen. Dazu kommen die freikabel entlang der hauswände über der eingangstür, für die stromvesorgung. Für meinen geschmack besser als die briten mit ihren abwasserrohrgeflechten außen an der fassade. Als netter abschluss ist noch der wetterhahn auf der nicht nervigen kirche zu erwähnen. Hier gibt es keine aktive unnötige sektenheranlockung, nur alle halbe stunde ein pling und zur vollen die stundenzahl, aber erst morgens ab acht.

20160812 kabel antennen

 

20160812 moderate kirche

 

Ich persönlich muss meine spähenden augen in der signalaktivierung massiv unterrücken. Sollte ein pfandsystem doch für eine längere nutzung von getränkeflaschen dienen, so wurde in Deutschland das system von der getränkelobby ausgehöhlt und pervertiert. Wenn ich dosen oder flaschen am boden sehe, so bin ich willig, diese aufzusammeln – bringt doch eine dose fünfundzwanzig cent. Das sind fünfzig pfennig und das war früher mein taschengeld für eine woche. Heute wie damals kann ich doch kein wochentaschengeld auf der straße liegen lassen. Aber die dosen in Frankreich haben kein pfand, nur der pawlowsche reflex erzeugt für einen sehr kurzen augenblick ein strahlendes lächeln, ich arbeite daran.

Die anzahl der kartons reduziert sich nun rasch und bei zweidrittel stagniert die reduktion. Dafür haben wir schon sechzig stück davon, sowie einen badezimmerschrank und einen kleinen aktenschrank über das französische kleinanzeigensystem an neue besitzer gebracht. Wir haben nämlich zu wenig platz, es fehlen die stellwände und der keller ist wegen feuchtigkeit nicht zu nutzen. Das gartenhaus platzt aus allen nähten. Es ist immer leichter, wenn man sich beim umzug auf der fläche vergrößert. Doch ewiges wachstum ist eine illusion und jetzt kommt der erste einbruch im leben. Wo sollte denn hier noch der schiffsinhalt untergebracht werden, kein platz.

Mein schiff soll nach neuesten nachrichten noch schwimmen, alles bestens, und in drei wochen bin ich wieder im urwald.

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Abschied von Berlin und mein TOxit

Das waren jetzt sechs jahre Berlin. Zum anfang bin ich noch nach Hamburg zur schiffsbaustelle gependelt und dann auf dem wasserweg zum zweiten schiffsfriedhof meiner laufbahn nach Spandau geschippert. Dann den job geschmissen, das schiff fertig gestellt und losgesegelt. Wie schnell doch die zeit vergeht.

Zum monatsanfang mal etwas erfreuliches von der arztfront, die blutwerte sind sehr viel besser geworden, und die plötzliche entzündung ist weg, einfach so. Der gesündere lebenswandel zeigt also wirkung. Das ct der nebenhöhlen ist auch in ordnung, also muss ich nur noch zweimal zum zahnarzt. Der marathonmann läuft im kopf immer mit.

Das aufräumen und einpacken für den umzug soll diesmal auch zu einem ausräumen führen. Da kommen alte schellackplatten und viele überflüssige bücher zum vorschein. Letztere füllen zwei kartons und sind zum verschenken. Dabei habe ich eine unschöne art der ebaymitmenschen kennengelernt: Zusagen und nicht kommen. Erst beim dritten mal hat es dann doch funktioniert.
Viele weitere ladenhüter haben dann noch den besitzer gewechselt, auch die schellackplatten, die ich mitte der siebziger vom sperrmüll gezogen habe. Seitdem sind sie ständig mit mir mitgezogen, wurden nicht abgespielt, doch jetzt ist damit schluss.

Der zweite zahnarzttermin ging auch glimpflich ohne narkose ab, die entzündung geht zurück. Zurück hatte sich auch die provisorische füllung vom ersten termin gezogen. Glücklicherweise am abend vor der zahnstuhlsitzung.
Die zweite neue füllung hielt leider nur vier stunden, vielleicht ist die weingummimischung daran schuld. Also am nächsten tag eine weitere dritte provisorische füllung für den zahn. Ich hoffe, dass die finale dann etwas länger in der angedachten position bleibt.

Meinen TOxit habe ich dann auch gleich vollzogen. Hatte ich doch gehofft, dass der “verein zur förderung des hochseesegelns” (TO) wieder zurück ins fahrwasser gerät – ist aber so nicht gekommen. Da werden stützpunktleiter mit hilfe von konspirativen yachtzeitschriften in einem laufenden verfahren diffamiert und dadurch gleichzeitig vorstandsunschädlich ins off transferiert. Ich empfand den vom verein geduldeten und inoffiziellen stützpunktleiter auf den Kapverden als hilfsbereit und nett, zumal diese person null geld für ihre arbeit erhält. Er hat nur einen groben fehler begangen, hat er doch einen antrag auf neuwahl des vorstandes eingereicht. Eine anwesende gerontenmehrheit auf der hauptversammlung stimmte dagegen.
So läuft das im TransOcean verein ab, das hat tradition. Bei der letzten jahreshauptversamlung in Cuxhaven wurde mit einer kleinen mehrheit auch die erhöhung der mitgliedsbeiträge um fünfundzwanzig prozent beschlossen. Insgesamt waren um neunzig mitglieder vor ort, von über viertausendfünfhundert. Sieht so ein mehrheitsbeschluss aus, wenn menschen, die nicht vor ort sind, keine stimme haben. Dieser versuchte hasenzüchterverein ist in der bredouille, will er das hochseesegeln fördern, doch die aktiven mitglieder dürfen nicht mit abstimmen, keine stimmübertragung oder vollmachten an andere abgeben. Dazu noch zu viele unsinnige, kostspielige klagen, personalaufstockungen und in meinen augen misswirtschaft. Dies ist eine demokratievariante auf einer gefangenengaleere, allerdings mit ausstiegsoption einmal im jahr, auch TOxit genannt.
Transparenz gibt es nur im sauberen bootslack. Es geht auch ohne diesen verein. Die segler untereinander helfen sich meiner erfahrung nach gegenseitig, und die stützpunktleiter helfen auch nichtmitgliedern, wie ich es persönlich beansprucht habe.

Die chilebuchbestellung teil zwei ist auch nicht angekommen. Sie ist schon zwei wochen überfällig, mit dem brexit hat das wohl nicht zu tun. Der buchhändler ist diesmal mailaktiv und der oberbuchversender hat auch die mögliche rückabwicklung schon abgenickt. Nur das hilft gerade gar nicht, weil ich es schnell brauche. Mal sehen, ob das buch notfalls hier auf dem kontinent zu bekommen ist.

Tage später: Das musste ja so kommen, rückabwicklung die zweite und buchbestellung die dritte. Ich hätte es auch direkt beim RCC bestellen können, die sind aber auch auf der insel. Somit das ganze bei einem deutschen nautikbuchhändler. Über die hälfte teurer, als die letzten beide versuche.

Umzugsszenerie: Die wohnung verschwindet jetzt sehr schnell im karton, die wände sind bilderlos und die regale alle leer. Den neuen nachmietern gönne ich die wohnung, zicken sie auch nicht rum und sind freundlich. Schlimmer ist die hausverwaltung, denn da wird am Fr nachmittag nicht gearbeitet. Wir sollten doch einfach am Mo die wohnung übergeben, während der geschäftszeiten, geht’s noch? Wenn alles gut läuft, sind die umzugsmenschen verschwitzt am mittag fertig, dann folgt die wohnungsübergabe und ich sitze abends im bus in richtung Lille. Alles schon gebucht, unstornierbar. Aber da sind die grausamen realitätsgrenzen des arbeitswütigen dienstleistungsgewerbes. Weil es so warm ist, geht am Fr nach zwölf nichts mehr, was für ein unglaublicher wohnungsverwalterservice. Somit machen wir die neuen nachmieter zu bevollmächtigten der wohnungsübergabe, und damit hoffentlich nicht den bock zum gärtner.

Zurück zum buch: Beim dritten mal hat es jetzt endlich gedruckt, der revierführer für Chile in der neuen dritten auflage wurde heute von den braunen männchen abgeliefert. Wie immer freundlich, schnell und unbeschädigt. Die gelbroten versuchen das schon seit vielen jahren. Vielleicht sollte es auch so sein, die beiden ersten bestellversuche hätten nur die alte zweite auflage gebracht.

Und zum schluss noch eine gute nachricht von der farbbeschaffungsproblematik. Ein fünfliter gebinde meiner lieblingsfarbe in Berlin zu erstehen, scheiterte schon vor einem jahr. Jetzt hatte sich ein weiterer motubauer auf den weg noch Holland gemacht, um größere mengen zu kaufen. Die abwicklung für meinen topf lief schwierig und doch ist er jetzt da. Vielen dank, Richard, für deine mühe.

 

20160728 BRDdigung

 

Das war es erstmal mit diesem system. Mehr das nächste mal aus dem land des weißbrotes.

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Back to my roots

Aufregen und ausrasten vor dem rechner bringt ja rein gar nichts, nada, also lass ich das mal sein. Der buchversender von der englischen insel hat anscheinend mein geld genommen und das einiger anderer auch und hat den laden einfach dicht gemacht. Das ist ärgerlich, zumal ich den weiteren seeweg meiner reise planen wollte. Das muss also noch erfolgen.
Der internetbasierte oberbuchhändler hat mir mein geld aber erstattet und eine neue order ist schon auf dem weg. Hoffentlich kommt diese an. Alternativ habe ich viele beschreibungen aus dem netz heruntergeladen – wird auch reichen müssen, im schlimmsten fall.

Meine planungen laufen also erstmal ohne die notwendige literatur weiter. Ich habe über fünfzig ankerplätze und mögliche häfen in meine karten eingetragen. Dazu habe ich noch eine weitere wetterseite gefunden (leider nur online) mit strömungen und wellen, das ganze von jedem ort auf der welt.

Und damit fangen die überlegungen an: Es wird keine spazierfahrt bis nach Kap Hoorn. Was danach dort abgeht, kann indes entspannter gesehen werden.
Zum einen habe ich ein zeitfenster, das man einhalten sollte, da unten in Patagonien. Am besten von januar bis spätestens april sollte das revier durchfahren sein, danach kommt der südwinter. Der zweite aspekt ist die entfernung dorthin, der kürzeste weg von Franz. Guayana wären viertausendsechshundert seemeilen, die aber so nicht gesegelt werden können. Das thema richtiger wind kann erstmal vernachlässigt werden. Zum anfang muss ich zum passatwind gegenan, das bringt wenig spaß und geht langsam.
Dafür muss ich erstmal ein stück zurücksegeln, richtung Afrika, aber innerhalb eines korridors, in dem die strömung gegen mich am geringsten ist. Nach eintausendfünfhundert seemeilen kann ich dann rechts abbiegen, richtung süden.

Realistisch denke ich mal dauert das einen monat. Das sind viele tage, an denen ich mich fragen kann, warum und muss das sein und warum habe ich den masochisten in mir nicht früher entdeckt. Danach noch weitere achthundert meilen südlich bis nach Brasilien. Dort kann ich dann lebensmittel und andere vorräte auffüllen. Aber ich bin dann erst im norden des kontinents. Bis Rio de Janeiro sind es noch dreizehnhundert meilen und da ist auch schon der zweite monat verbraucht.
In Montevideo bin ich nach weiteren tausend meilen. Da ich aus Guayana nicht vor ende september wegkommen werde, wäre es jetzt schon ende november. Den rest bis Kap Hoorn von zwölfhundert meilen schaffe ich bis ende dezember. In der summe sind dies fünftausendachthundert seemeilen, im optimalen fall.
Soweit alles gut, nur ich sehe von den ländern kaum etwas und der wind muss mit mir gut sein, das ist wunschdenken. Wenn das alles einigermaßen klappt, kann ich mir drei weitere monate den arsch in Patagonien abfrieren. Das ist das ziel und meine idee. So schnell komme ich da auch nicht wieder hin, und es soll sich ja landschaftlich lohnen. Karg, öde und einsam gefällt mir, jetzt noch aus der warmen perspektive Berlin gesprochen.

Für ein paar tage bin ich nach Hamburg gefahren, um nach dem rechten zu sehen. So bald werde ich dort auch nicht mehr auflaufen, wenn alles nach plan läuft.
Diese kurze reise hat sich um einen tag verschoben, fieber, irgendeine nicht schmerzhafte entzündung. Arzttermin, besorgnis und blutabnahme, wenn es akut ist, meldet er sich.
Und das hat er auch getan, also ist das nicht lustig, aber ich bin erstmal in Hamburg und habe den arzttermin auf nächsten Montag gelegt. Positiv denken, immerhin ist es keine malaria, das wurde auch getestet.
Der zweite termin war schon besser, wieder aderlass und kein rückruf. Dafür war ich noch beim halsnasenohrenarzt, gleiches haus, gleicher stock, nur andere seite. Auch nichts konkretes, aber vielleicht bringt ein ct der chronischen nebenhöhlen eine erkenntnis. Und da altwerden auch probleme mit sich bringt, bin ich noch den kurzen schmerzen im zahnbereich nachgegangen. Jetzt habe ich eine wurzelbehandlung bekommen, bis zwei tage vor dem umzug, na klasse, hat mir noch gefehlt.

Diese roots meinte ich allerdings nicht. Vielmehr war doch über vierzig jahre Hamburg meine heimat. Während des kurzen aufenthalts konnte ich nur ein paar sehr wichtige freunde treffen, die vielen schönen plätze der stadt müssen noch warten. Und ein paar der speziellen orte, die ich in guter erinnerung habe, sind auch schon weggebaggert, leichte wehmut. Zum beispiel die damals ganz neue klinik im krankenhaus, wo ich das licht erblickt habe. Heute schon platt und durch ein neues haus ersetzt.

Das erste buch über ankerplätze im südlichen pazifik ist mittlerweile angekommen und hat sich schon bewährt. Die auf zwei blogs erwähnten inseln in der südsee habe ich sofort im buch gefunden. Jetzt fehlt nur noch das andere buch über Chile. Eigentlich läuft es sehr gut, der backupkompass ist auch eingetroffen. Und für die warmen gewässer habe ich noch ein neues tauchset geordert. Zwei tage später, im exakten zeitintervall wurde es angeliefert. Einer unterwasserreinigung des schiffsrumpfs steht nur noch die ekelige braune brühe in Guayana im sichtweg.
Dann fehlen nur noch mitsegler, aber an der front ist stille. Für eine langweilige atlantiküberquerung findet man genügend leute, für Kap Hoorn sieht es schlechter aus. Ein netter hat sich gemeldet, mal sehen, wie und ob es weiter geht.

In weniger als einen monat ist hier der umzugstermin, also nachmieter finden, packen, versorger kündigen und so weiter. In ein paar wochen gibt es neues zu berichten.

 

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Ausflug nach Frankreich

Schon wieder ist ein monat vergangen und ich sitze noch immer in Berlin. Meistens am rechner, um die verschiedenen segelblogs zu verfolgen oder um das hirn in bewegung zu halten. Aber das ist überwiegend leichte kost. Schön, wenn es mal einen ausflug gibt, und der war vor kurzem.

Am morgen noch einen umzugsunternehmer durch die wohnung geschleust und danach zum flughafen richtung Paris Charles de Gaulle. Wieder einmal hat sich ein kreis geschlossen, denn das letzte mal war ich vor neun jahren dort, als ich mein schiff das erste mal besichtigt habe. Danach noch eine stunde mit dem tgv und Lille begrüßte uns mit sonnenschein.
Das ist was ganz besonderes, regnet es dort doch mehr, als in Hamburg.

Die stadt ist die viertgrößte in Frankreich und hat die gleiche dimension von Hamburg, jedoch aus der sicht als fußgänger zum fahrradfahrer. An der Elbe braucht man mit dem rad eine stunde quer durch die stadt, in Lille das gleiche per pedes. Alles recht beschaulich und der althausbestand ist im zwei- bis dreigeschossigen bereich. Leider etwas zu wenig grün das ganze, nur die breiten straßen werden von riesigen alten platanen gesäumt. Ein paar kleine parks und das war’s.
Die häuser sind meistens aus rotem backstein, so auch unser neues heim. Dieses liegt auf einer insel in der stadt, ehemals ein kleinbürgerliches viertel sowie arbeiterquartier für den binnenhafen. Die industrie ist schon seit langem verschwunden und neue modernere, flache wohnhäuser füllen die lücken, na ja.

Ein schnelldurchgang durch viele stadtteile am wochenende und am Mo kam der typische regen mit wind, also quer von der seite. Also noch schnell eine rundreise mit ein paar buslinien, rund um die stadt und danach zurück zum flughafen. Wäre alles ganz gut gegangen, keine spur vom streik. Doch es sollte nicht sein. Koffer abgegeben, fummelkontrolle mit wischtüchern über meine handflächen, meine hose, meinen rechner, ob da nicht mit sprengstoff gefingert wurde. Meine fresse ist diese angstmache krank, als dschihadist eigne ich mich wirklich nicht. Das war der erste nerv.

Das flugzeug war verspätet und danach gecanceled, abends um neun. Zweihundert leute genervt, hilflos und schon leicht aggressiv. Nach zwei stunden hatten wir einen neuen flug, vierundzwanzig stunden später. Ich habe den aufgegebenen koffer organisiert und Sabine die hotelgutscheine mit verpflegung. Kurz vor mitternacht haben wir das zimmer im ibis bezogen und danach noch schnell etwas gegessen, den resten eine chance, die getränke gingen extra.
Einen tag in Paris bei dauerregen kann ich mir klemmen, also nur auf den flug warten, wobei das zimmer mittags geräumt werden musste. Gerädert sind wird dann kurz vor mitternacht wieder in der berliner wohnung angekommen, einen tag später als geplant.

Meine vermutung ist, dass der hinflug nach Paris unterbucht war und somit unter einem technischen vorwand gestrichen wurde. Denn unser voller flug von Paris konnte in den nächsten beiden flügen am folgenden tag untergebracht werden. Ergo waren diese beiden maschinen auch nur halb besetzt. So hatte die billiglinie der grufthansa zwei flüge gespart und zwei weitere sind vollbesetzt. Das rechnet sich auch mit den entschädigungszahlungen und der unterkunft im hotel. Wer dabei böses denkt.

In der welt der segler passiert nichts aufregendes, sobald die ersten größeren strecken über ein meer geschafft wurden, reduziert sich der buchstabenerguss oder filmschnipselauswurf deutlich. Dabei bin ich schon bei den refitprojekten im englischsprachigen raum angekommen, wie davor schon bei den filmdokus. Dort verzeichne ich allerdings ein hohe zahl von bettelnden seglern, die für ihre filmchen gern daumen, subcribers oder spenden erhalten wollen. Neuerdings werden als einnahmequelle preisige t-shirts mit logo angeboten.
Für meinen geschmack sind langatmige monologe über den zustand der refit holzlackierung oder die dauernden delphin-sequenzen in diesen filmen eher ermüdend und abschreckend. Und gleichzeitig aus der perspektive des schnöseligen betrachters humorvoll amüsant. Habe ich das doch schon alles hinter mir und kann die leute mit ihren kleinen problemen ein wenig verstehen. Dort wird schon ein keilriemenwechsel am motor zum großen projekt und das erfolgreiche lösen einer rostigen schraube zum meilenstein.

Meine beschaffungstasks im ersatzteilbereich sind so gut wie abgeschlossen. Aufwendig war es, die passenden druckrutscher für das großsegel zu finden, und dazu jemanden, der sie mir auch verkaufen will. Da haben viele segelmacher gekniffen, liegt die bestellmenge doch bei zehn und ich benötige nur die hälfte. Aber nun habe ich sie hier in Berlin erhalten.
Dann ist eine sehr günstige bestellung eines bowdenzugs auf dem weg von China bis Berlin irgendwo hängen geblieben. Nach zwei monaten wartezeit habe ich das teil storniert. Schade für den verkäufer. Nach zwei weiteren wochen kam es dann doch noch an, ein kleines schlechtes gefühl meinerseits.
Fast die gleiche situation, wie mit meinen headsets zum skypen. Da diese nicht sehr haltbar sind, habe ich gleich drei geordert für insgesamt sechs euronen mit versand. Diese waren einen monat überfällig, obwohl sie entfernungmäßig nur aus der exzone kommen sollten. Vorsichtige reklamation und sofortige nachlieferung. Diese traf dann zwei wochen später zusammen mit dem ersten, von der post halb geschredderten päckchen ein. Nun habe ich sechs sets, der rückversand würde den warenwert sprengen.

Vor einem jahr war ich in Lissabon, das ist gefühlt sehr lange her. Im nachhinein habe ich mir meine backuplösungen durch den kopf gehen lassen und handlungsbedarf gefunden. Ich habe nur einen kompass und ein fernglas auf dem schiff. Meine sehhilfe ist nicht schwimmfähig und ein replikat ist schon gekauft. Der billigkompass ist noch auf dem weg, billig sollte beim stahlschiff genügen.

20160606 druckrutscher

 

20160606 fernglas

 

Die umzugvorbereitungen schreiten voran, der termin ist auf ende juli fixiert. Der umzugunternehmer ist bestellt und die kartons werden bald angeliefert. Auch habe ich mich von vielen alten pflanzen getrennt. Diese werden irgendwo in Berlin weiter wachsen, hoffentlich.

Die revierführer von Brasilien, Argentinien und Chile sind noch immer nicht angekommen. Das buch von Argentinien ist noch nicht einmal versendet worden, also habe ich es wieder storniert.
Mehr zu den reiseplänen im nächsten monat.

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Frühling auf der Nordhalbkugel

Die zeit vergeht wie im fluge und die fünfte jahreszeit in Berlin ist auch schon vorbei. Ich bin sehr entspannt, wie auch sonst. Es gab da ein paar wenige aufregende momente, aber alles im griff, so denke ich.
Meine arzttermine sind auch abgehakt, sie hat gar nicht gebohrt. Beim internisten war es nicht so lustig. Mein blutbild ist nicht rosig, eher kurz vor zwölf. Das gamma-gt ist extrem hoch und muss sofort gesenkt werden. Und ich dachte, rotwein hat keinen alkohol. Somit wird der konsum sofort für die meisten tage in der woche auf null reduziert. Die monate in Französisch Guayana waren ein wenig zuviel des legalen rauschmittels, zumal bei meiner medizinischen disposition.

Inzwischen ist auch meine lösung zur umlenkung der genuaschot eingetroffen. Da meine gelddruckmaschine defekt ist, habe ich mir keine zwei neuen genuaschlitten für die kauflösung zu je zweihundertfünfzig talern geordert. Die behelfslösung während der atlantiküberfahrt habe ich verbessert. Auf jede seite wird an den süllrand eine ringmutter der größe m12 montiert, durchgeschraubt. Daran kommt die günstigere ausführung einer umlenkrolle. Das modell mit einem wirbel kostet das doppelte, ich muss nur die obere niete wegflexen und durch eine schraube ersetzen. Diese lösung für 16mm schoten kostet unter sechzig taler für beide seiten.

20160502 umlenkrollen

 

Meine restliche ersatzteilbeschaffung geht auch dem ende zu, heute kam der generator von meinem windgenerator an. Eigentlich sollte es ganz anders ablaufen. Mein letzter mitsegler, der panikartig das schiff in Guayana verlassen hat, nahm das teil mit und wollte es zum hersteller senden. Ich dachte mir, zeit sparen, weil so etwas immer länger dauert. Als ich vor einem monat zurückgekommen bin, fragte ich mal bei ihm nach. Da erzählte er mir eine horrorstorry, ihm drohe eine anzeige wegen betrugs, weil das teil nicht mit seiner rechnung korrespondiere. Und er sei raus, so seine mail. Keine unterlagen, kein versandschein, keine mails mit dem hersteller.
Als ich dort beim hersteller anrief, war kein generator eingegangen. Die frau am telefon konnte mir sogar den ebaynamen meines mitseglers nennen, weil er den windgenerator gekauft hatte. Also kein wareneingang, aber eine angeblich drohung der klage, wie geht das? Nun, ich denke mir, dass der erfahrene regattasegler das teil einfach in der nächsten mülltonne entsorgt hat und mir eine geschichte auftischt. Klartext ist etwas anderes, zumal er nicht mehr auf mails oder anrufe reagiert. Dann frage ich mich, wie viel von dem auf der fünfwöchigen reise erzählten ist wahr gewesen. Auf was für einen menschen habe ich mich da eingelassen und verlassen?
Ohne das defekte teil hat mich der neue generator hundertzwanzig euronen gekostet. Nicht wirklich viel geld, aber mir geht es hier um vertrauen.

20160502 windgenerator

 

Somit bin ich bei der nächsten überlegung: allein weiter zu segeln. Das beispiel vom letzten absatz macht deutlich, in welche umstände ich mich begebe. Ich hatte ja schon ein paar griffe ins klo mit den mitseglern. Muss ich mir das wieder antun? Eine steigerung der mitnahme eines psychopathen, wohlmöglich noch eines schizophren, kann ich gut verzichten. Die neue anzeige bei hgk ist leider schon geschaltet und vielleicht will ja jemand ohne psychisch symptomatischen schaden mit mir auf die kalte südhalbkugel. Aber vorher wird sich ein wenig länger ausgetauscht, völlige sicherheit bietet es dennoch nicht. Ich werde davon berichten.

Als ich Guayana war, hatte ich die nase vom segeln erstmal voll und wollte an land und ab in die heimat. Das hat sich bis jetzt gelegt und eine weiterreise ist im kopf schon durchgeplant. So ist das vielleicht: ist man auf dem meer, will man festen boden unter den füßen haben. Und ist man auf dem trockenen, mag das segeln auf dem meer doch so schön erscheinen.
Das liegt auch an meinem derzeitigen extensiven konsum von youtubevideos im thema segeln und living abord. Ich empfinde diese dokumentationen oft als peinlich und zugleich aufschlussreich. Sie reparieren sich um die welt, wie ich auch. All die probleme vom ankern, kaputten motoren, keinem strom und schlechtem wetter sind mir ein begriff. Aber sie sind fast alle zu zweit, und das macht es oft einfacher, wenn auch nicht unbedingt besser.

Sollte ich auch einen videoblog anfangen und meinen verändern? Eine kamera ist schnell gekauft, ein wenig üben, filme schneiden und vertonen. Schnell gemacht und dann ist es so elendig schlecht, wie viele beiträge. Es kostet viel zeit, ein super internet für die vielen gigabytes und neue ansprechende themen. Bilder und sprache wären sehr viel intimer an meinem leben dran, narzismus brauch ich nicht wirklich. Und in welcher sprache, mein schlimmes ausländisch, wie bei anderen auch, oder das ganze mit hamburger akzent. Als einnahmequelle ist die videoplattform nur sehr bedingt geeignet – mit dem hut an der ecke in einer favela kommt mehr herum.
Einkommensgenerierung wäre schön zur beruhigung, muss aber noch nicht sein. Somit bleibt es hier beim alten konzept: eigenwilliger text und bilder. Zumal ich auch aus anderen textblogs die informationen von ankerplätzen und hafeninformationen speichern kann. In den videos fehlen diese hinweise durchweg.

Die nächsten revierführer von Brasilien, Argentinien und Chile sind geordert und auf dem weg. Mit dem finger auf der landkarte bin ich auch schon im süden angekommen und in der navigationssoftware sind viele neue häfen und ankerplätze hinzugekommen.

Ich bin schon gespannt, wie die realität aussieht.

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