Patagonien im Selbstversuch Part 1

Um es gleich zu sagen, Punta Arenas ist nicht meine stadt, kaum historie, schnell und billig gewachsen. Die armada funktioniert, und sie haben nicht gemuckt, dass ich mich nicht jeden tag per funk gemeldet habe. Das ausreiseformular gab es auch gleich mit, schön.
Jeden zweiten tag laufen hier ein oder gleich zwei kreuzfahrtschiffe an, dann ist die offizielle tür zum pier auf, sonst umwege durch andere gebäude mit sinnfreiem wachpersonal.

Dieser pier ist grobschlächtig, alles was kein arbeitsschiff ist, sollte sich fern halten. Anlegen mit dem dingi ist an einer stelle machbar, aber nicht ratsam. Das management hat sich geändert und somit sind neue regeln in kraft getreten. Kein anlegen ohne einen agenten, es gibt alles und zwar gegen divisen.
Ich wollte nur kurz zum tanken anlegen und wasser nehmen. Dafür braucht man einen agenten, der eine versicherung hat, es könnte ja das pier geschädigt werden. Eher hat mein schiff gelitten. Der agent beauftragt einen subagenten für die dieselbeschaffung, das macht es teurer, es dürfen nur chilenen diesen diesel am pier kaufen. Somit kostet der liter ein dollar zwanzig für mich. An der tanke kaufen und zum schiff bringen läuft nicht mehr. Dieser subagent wollte auch einen segelmacher finden, war aber nicht so willig, hatte er doch schon meine dieselmarge eingestrichen.
Das wassernehmen habe ich mir geklemmt, hätte hundertzwanzig dollar zusätzlich gekostet, für zweihundert liter. Meinen hauptagenten konnte ich auf vierhundert und ein paar dollar herunterhandeln, allein die zwei stunden am pier liegen kosten hier zweihundert dollar für den hafen. Eine weitere art von korruption, damit weitere personen die weihnachtsgans ausnehmen können. Und das war diesmal ich. Alles war eingefasst und dann kamen die preise. In der summe haben mich meine dreihundertsiebzig liter treibstoff achthundertachtzig dollar gekostet. Frohes fest, so teuer war es noch nie. Also diesen ort dringendst meiden.

Meine zwei stunden waren dann auch nicht wirklich entspannt, der diesellaster kam eine stunde zu spät, die wellen drückten das schiff an die reifen. Und die reifen waren von einem monstertruck. Das tanken verlief spritzend, es kümmert hier nur niemanden. Dann war ein nettes mädel vom agenten da und wollte geld, cash, vertröstung auf morgen. Noch schnell in den supermarkt, denn es ist einfacher, als mit dem beiboot.

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

20180226 pier punta arenas

 

Und warum bin ich hier, weil mein mitreisender hundert euro sparen wollte, indem er einen flug einen monat vorher von Puerto Natales gebucht hat. Anstatt flexibel einen flug zu nehmen, zu leicht erhöhtem preis. Dadurch sind uns weitere fünf bis sechs tage verloren gegangen, es hätte aber reichen können. Mit dem puffer wären wir auch nach Puerto Natales gekommen, nun denn. Somit habe ich hier einen hundertsechzig meilen umweg und erhebliche mehrkosten. In zukunft keine terminfracht mehr, draufzahlen für sparen geht nicht.

Am morgen zeigte die ampel am pier noch grün und am abend schon rot blinkend. Ein service des hafens, das bedeutet, dass man sich fernhalten soll und das wetter sich nicht zum vorteil ändert.
Ich war heute wieder in der stadt, um zu sehen, ob sie mir doch gefällt. Am ende war sie akzeptabel, aber nicht wirklich etwas schönes in meinen augen. Meine wanderung verlief nach osten durch die stadt bis zum anfang der bebauung für arme. Einen schwenk zum meer und zurück, dabei eine lokale brauerei gefunden, magellanbier. War nur ok, da es aus der flasche kam, obwohl im hintergrund gebraut wurde.
Dann noch schnell bei meinem luxusagenten vorbei geschaut, ein lieferant für segelrutscher und klammern will sich bei mir melden. Dies ist nur möglich, da dieser agent mir einen handapparat überlassen hat, als leihgabe, nett. Nur hat er sich noch nicht gemeldet.
Auf dem weg zurück mit dem schlauchboot war es zu beginn lau, dann frischte es auf, dann wurde ich nass, und als ich am schiff war, stellte sich das boot senkrecht in die luft. Der motor wurde festgeschraubt und der sturm fing an. Inzwischen blinkte es auch rot. Das war eine nasse fahrt.

Der erste märz sollte der letzte hier im hafen sein. Das geliehene handy habe ich zurück gegeben, die unfähigen subagenten konnten keine segelrutscher mit halterungen organisieren. Es war derselbe, der meinen diesel organisiert hat. Man hat mir weitere hilfe in Puerto Montt angeboten, haben sie auch dort ein niederlassung, mal sehen.
Danach zur armada – und nada. Der hafen ist gesperrt, kein schiff rein oder raus und somit keine zarpe für die weiterreise. Als wenn ich nicht frei vom pier wäre und vor anker liege. Kleine gehorsamspimmel und ich bin das opfer. Ja, ich bin genervt. Also morgen früh wieder das schlauchboot zu wasser lassen, hinlaufen, wieder alles an deck verstauen und los, wenn der wind will.
Dabei sind die fahrten schon jetzt recht nass, das boot tanzt und der propeller schrabt farbe vom Themroc, während ich es heraufziehe.

Meine reparaturen sind erstmal abgeschlossen, das segel ist repariert mit bordmitteln. Wenn es nicht hält, muss ich das nächste mal mehr nähen. Das segelcover hat einen neuen clip erhalten, der alte ist in sich gebrochen.
Dafür habe ich am abend einen alten bekannten gesehen, das grüne fischereischiff aus Stanley, das monatelang dort am kai lag, liegt jetzt hier.

20180228 segelreparatur

 

Am morgen wieder zur armada, der großbäckerei für trockenes toastbrot. Antrag abgeben, die bearbeitung verlief schleppend und umständlich. Am ende war dann doch alles gut und gleich wieder zurück zum schiff.
Anker auf und schon stellte sich ein wunderbarer wind ein. Mit bis zu über sieben knoten durchs wasser und am ende musste der motor wieder angeworfen werden. Genauso hatte ich mir das gedacht, so konnte auch der wassermacher wieder laufen. Auf die warme dusche hatte ich mich schon gefreut und in der schönen bucht Bouchage war kein anderes schiff. Dorthin habe ich für die zweiundvierzig meilen neun stunden gebraucht und nur vier motorstunden, weiter so.

Das großsegel ist auch wieder montiert, schon ein richtiger akt zweit, alleine ist es doppelt so schwer. Der nächste abschnitt ist auch schon abgesteckt und sollte morgen machbar sein. Das ziel die bucht, in der wir umgekehrt sind, kurz vor der engstelle in der mitte der Magellanstrasse.

Es ist schon ein kleiner luxus, wenn das wetter gut ist, nicht zu fahren. Den Sa habe ich in der schönen bucht verbracht, ein wenig aufgeräumt und mich vor den warmen ofen gesetzt. Am So soll das wetter ähnlich sein, so wäre das nächste ziel gut erreichbar.
Am morgen kaffee gekocht, anker auf und los. Lief alles zu gut, draußen auf dem meer noch einmal den watermaker angemacht, der tank ist ja noch nicht voll. Und da das system mehr strom verbraucht als die lichtmaschine produziert, ist beobachtung angesagt.
Und dann passierte es auch schon, die lichtmaschine produzierte gar keinen strom mehr, leichte panik. Vielleicht ein kabel lose oder der regler ist hin, kleine katastrophe. Mit dem dreizehner schlüssel die anschlusskabel überprüft und die schrauben nachgezogen. Dabei habe ich leider einen kurzschluss mit lichtbogen verursacht. Mit dem erfolg, dass der motor ausging. Und er sprang auch nicht mehr an. Mehr panik.
Draußen braute sich gerade ein feuchtes wetter zusammen und als ich wieder oben war, tuckerte ein größeres schiff dicht vorbei. Was tun, zurück in die bucht oder zu einer neuen und das ganze unter segel oder gleich zurück nach Punta Arenas, wenn der schaden größer ist?

Das letzte mal, dass er motor nicht anspringen wollte, war auf den Falklands, der magnetschalter. Hoffentlich habe ich den nicht durch den kurzschluss geschrottet. Ausbauen, checken, er funktioniert, einbauen, starten und geht nicht. Somit wieder ausbauen, inzwischen stinkt alles nach diesel und den schalter ohne inhalt wieder eingebaut. Der motor sprang an, schon mal gut. Durch einen hebel an der einspritzpumpe bekomme ich Mr Perkins auch zum stehen. Und die selbstheilende elektrik gefällt mir auch, die lichtmaschine produziert wieder strom.
Alles halb so schlimm, das alte ziel kann angepeilt werden. Drei stunden habe ich durch den vorfall verloren, und leider kam der falsche wind zu früh. Die nächste bucht auf der route war zu weit und somit bin ich auf die andere seite der Magelanstrasse in die bucht Kempe gefahren. Drei stellen habe ich abgesucht und am ende fiel der anker zweimal, ende vom tag. Doch zuvor noch einmal den magnetschalter ausgebaut und wieder mit allen teilen eingebaut. Der motor springt an und lässt sich auch wieder ausschalten, da ist der wurm drin.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

Ich dachte noch über den guten halt des ankers nach, beim morgendlichen kaffee mit blick auf den wasserfall. Der wind frischte sehr auf, und somit gab es seit langem mal wieder tv aus der konserve, geschichtsnachhilfevideos bis zum nachmittag. An ein weiterfahren war nicht zu denken, kamen doch schon böen bis fünfzig hier in die bucht. Und dann musste es passieren, zur zeit läuft es nicht hundert prozentig. Der anker slippte, also anker hoch und weg. Viel matsch und noch mehr kelp waren daran. Das oberflächenwasser erhob sich grossflächig bis die berge hinauf, kein platz, um zu bleiben, war mein erster gedanke.

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe

 

20180305 bahia kempe fliegendes wasser

 

Wieder auf die andere seite der Magellanstrasse, vielleicht wieder zur Bahia Wood. Der erdachte platz an einer flussmündung funktionierte nicht und es waren dort auch sichtbare riffe. Nur mit dem motor ging es auch nicht, also mit segelunterstützung. Nach eineinhalb schlägen habe ich aufgegeben, keine höhe machbar und draußen waren die wellen bei fünfzig knoten schon gewaltig. Zudem wurde es schon dunkel, keine gute zeitplanung. Bei dunkelheit fahre ich nicht in unbekannte buchten ein.
Ich habe mich fürs treiben entschieden, in der mitte der straße. Alles an technik an und unter deck den nichtvorhandenen verkehr beobachtet. Ab und zu habe die ruderstellung geändert, um eine gezielte treibrichtung zu erhalten. Mit dem küchenwecker in der hand habe ich versucht, ein wenig schlaf zu finden, und um halb vier bin ich wieder hoch. Motor an und wieder zurück zur bucht Kempe. Es ging alles sehr langsam, aber es ging, um halb neun im regen war ich wieder da. Diesmal habe ich gleich die mooringleine für größere schiffe genommen und bin ins bett gefallen. Sechsundvierzig seemeilen umsonst und über dreißig liter diesel verschenkt. Ich muss vielleicht solche erfahrungen machen, damit das nur eine einzeltat bleibt. Hätte ich doch gestern gleich die mooring genommen.

Und dann wurde es doch noch ein guter tag, nach dem ausschlafen. Ein kräftiges frühstück, motorwartung und die windstille war da. Am nachmittag habe ich dann die leine über bord geworfen und bin mit höherer drehzahl als sonst zur Caleta Galant geschippert. Das wasser war flach und der einzige wind war der fahrtwind. Zum schluss zog es sich noch einmal zu, das radar musste unterstützen. Um acht uhr fiel der anker und hielt.
Hier bin ich also wieder, an dem ort, wo die teure entscheidung gefallen war, nach Punto Arenas abzulaufen. Auch hat schon herr Slocum hier gewartet, vielleicht ein gutes zeichen. Von der windstille am abend ist in der nacht wieder ein sturm geworden. Dafür mit sonnenschein und kräftigen böen, also abwarten.

20180307 bahia galant

 

So haben ich einen weiteren tag in der Caleta Galant verbracht, es liegt sich gut dort. Am späten nachmittag war dann ein leichter windwechsel. Jetzt drehte das schiff und der blick ging auf den berg zu. Die ruhe war nur kurz und das gebläse fing von vorne an.

Mein plan war, am nächsten tag weiter mit dem auflaufenden wasser den Paso Ingles zu bewältigen. Am ende habe ich es geschaft, aber das ging fast nach hinten los. In diesem engpass fließt das wasser von vielen seiten und kanälen hinein und schiffe sollten bei hochwasser am ende der durchfahrt sein. Der wind war wie immer unbrauchbar und der motor musste richtig ran. Mit der höchstdrehzahl vom oberen gashebel fahre ich sonst sechseinhalb knoten. Hier wurde ich bis unter einen knoten abgebremst, ein sehr teures stück des weges. Nach einem segelversuch hat sich noch der knoten der genuaschot gelöst, zum glück war das segel fast ganz aufgerollt gewesen. Nur mit mühe und am ende mit glück bin ich in der Caleta Tilly angekommen. Dies ist der ausgangspunkt für den nächsten engpass, der Paso Tortuoso.

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

20180309 paso tortuoso

 

Am nächsten morgen mit dem hochwasser sollte es dann weiter gehen, es wurden zwei stunden später. Und dann gab es eine unglaubliche Magellanstrasse. Gestern noch so sehr böse und dann der absolute ententeich, kein wind. Dazu kam die sonne und die landschaft ist grandios. An solchen tagen bringt das reisen hier ein spaß, besonders wenn es warm ist. Das tagesziel wurde immer wieder weiter vorverlegt und um halb drei war ich in der Caleta Playa Parda. Wo der strand ist, weiß ich nicht, aber das panorama ist gewaltig. Das sonnendeck war dann auch geöffnet.

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 magelanstrasse selbst

 

20180309 caletas playa parda

 

20180309 caletas playa parda

 

Nach einem tag am ankerplatz im schmuddelwetter bin ich dann doch weiter. Ein fundstück hing dann noch am anker. Nieselregen hing am morgen in der luft, bedeckter himmel und die wolken zogen nicht schnell. Also eine gute vorraussetzung für das weiterziehen. Es sind noch fünfunddreißig meilen bis Puerto Tamar, dort geht es rechts ab in richtung Smith kanal. Das buch versprach einen guten platz in Puerto Angosto, so dass ich mich dorthin aufmachte. Fünf stunden und sechzehn meilen später war ich dort. Zwei segelversuche hatte ich gestartet und am zielort fing der regen an. Die beschriebenen plätze waren mist, auch wenn der beste Slocum’s Notch sein sollte. Also erstmal in der caleta ein runde gedreht und den anker abgesetzt. Er hält nicht auf dem steinigen boden und somit geht es wohl doch noch zur nummer eins.

Das festmachen war schon ein akt, das erste mal war die ankerkette zu kurz und beim zweiten mal erwischte ich eine blaue strippe. Diese sah aber haltbar aus, eine zweite leine um einen kleinen baum am hang. Dann noch ein wenig ankerkette weggenommen und fest, fürs erste.

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins

 

20180311 versucheins bucht

 

Auch hatte ich in den letzten zwei wochen zeit zum nachdenken und das ergebnis ist die beendigung des patagonienselbstversuchs. Ich bin über zwei monate schon hier unten nahe dem ende der welt, die landschaft ist anders als gewohnt, ankerplätze sind vorhanden und doch reicht es mir. Der diesel reicht locker bis Puerto Eden, doch dort gibt es keinen neuen, oder nur teuer und umständlich. Mir geht diese motorbootfahrerei auf den sack, segeln ist fast nicht oder halt gar nicht möglich. Mr Perkins jeden tag abzufüllen gefällt mir nicht, Themroc ist ein segelschiff.

Noch dreihundert meilen kanäle zu motoren will ich nicht, vielleicht sind das gerade die noch schöneren aussichten. Am ende der Magelanstrasse werde ich in den pazifik abbiegen und die nächsten sechshundert meilen an der küste hinaufsegeln. Sicherlich werden das ein paar mehr meilen werden, das kenne ich ja schon. Der richtige zeitpunkt ist entscheidend, es muss ja nicht wieder ein orkan zu beginn sein.

Dann in der nacht passierte es, felswandkontakt. Erstmal die ankerkette wieder gekürzt. Doch dann kamen ein paar sehr heftige böen und das schiff zerrte die leinen los, noch mal die wand getroffen und nur noch geankert. Das hielt mal gerade zwei stunden und er slippte auf dem steinigen boden. Somit ging ich auf leichte drift mitten im felsental. Es war stockfinster und so musste ich bis zum sonnenaufgang warten. Das driften verlief unfallfrei und dann fiel der anker wieder am ersten platz. Nicht schön, auch steinig aber ich musste erst mal schlafen.
Was tun, das wetter ist lausig, regen, hagel und keine sicht. Einen neuen versuch für die felswand habe ich vorbereitet, landleinen parat gelegt und das schlauchboot zu wasser gelassen. Das ausbringen der leinen hat insgesamt über zwei stunden gekosten. Das ist kein einhandseglerjob, ich mag das sichere ankern. Nun warte ich mal ab, wie gut meine aktion war.

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei

 

20180312 versuchzwei bucht

 

Der zweite versuch endete in der nacht mit dem großen hochwasser. Wieder gab es kontakt zur wand, zuerst dachte ich es sei bodenkontakt. Ich habe den falschen baum gewählt, beim nachziehen kam der ganze mit der leine angeschwommen. Es war mitten in der nacht, es goss aus eimern und dann mussten erstmal alle fender auf die backbordseite. Der anker hatte ein wenig geslippt, hielt aber und es war zum glück kein wind gegen mich. Trotzdem war viel grünzeug von der wand am morgen auf dem deck.
Mit dem sonnenaufgang fing der versuch drei an. Das schiff lag das erste mal so, wie es in der beschreibung liegen sollte. Wieder das schlauchboot ins wasser gelassen, die landleine um den größten baum gelegt und dicht geholt. Den baum hatte ich schon einmal gestern im griff, hatte mich dann aber unglücklicherweise umentschieden. Jetzt liege ich parallel zur wand im abstand von zwei metern. Warum den nicht gleich so. Und zur freude gab es während der aktion kein regen oder hagel.

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20180313 versuchdrei vorgabe

 

Wir haben mitte märz und das anker- und leinensystem funktioniert. Die dritte nacht war zum schlafen da. Am morgen gab es die ersten sonnenstrahlen und hoffnung auf eine passage in richtung Puerto Tamar und weiter in richtung westen. Das barometer steigt, aber leider sind es nur acht grad am morgen im schiff.

Dann die nächste nacht war auch gut, jedoch blies da ein kräftiger lauter wind. Am morgen dann die enttäuschung, es ist ein nordwind. Die temperaturen sinken immer noch, jetzt sind es nur noch sechs grad in der kajüte. Das erinnert mich doch stark an die Falklands, aber hier regnet es ständig. Seitdem ich hier angekommen bin, dauerregen. Mal eine unterbrechung von fünf minuten und die gieskanne wird weiter ausgeschüttet. Keine spaßbringsituation.
Dazu kommt noch, dass meine holzvorräte zur neige gehen, ich sollte mich in den wärmeren norden aufmachen.

Irgendwie läuft es nicht so rund, wie ich mir das erträumt habe. Na klar ist es ein wenig schwieriger allein, als zu mehreren. Auf der anderen seite muss ich auch keine rücksicht nehmen und mir das genöle anhören, also auch gut für mich. Es wird weiter gehen, mal sehen wie.

Veröffentlicht unter Reise_2018 | 2 Kommentare

Patagonien Ende vom Anfang

Dieser teil der reise ist anders, sehr viel anstrengender als das bisherige. Der wind ist immer gegen an, kein stück läuft einfach. Der motor ist immer dabei und schluckt dementsprechend. Ohne seine arbeit wären die vielen schläge nicht möglich gewesen. Wenn kein wind weht, sind es erfolgreiche strecken, die man netto zurücklegen kann.
Gegen die behauptung, hier sei es ein einfaches segelrevier, kann ich nur vom gegenteil berichten. Noch nie habe ich so viele wenden gefahren, um höhe zu gewinnen. Noch nie kamen böen mit zwanzig knoten mehr wind in sekundenschnelle. Wer nicht aufpasst, verliert das segel.

Die tagesetappen haben einen leicht repetitiven charakter, ist doch der ablauf fast immer der gleiche. Mit der sonne wach werden, wenn sie scheint, kaffee kochen, anziehen und los geht es. Dann segeln, was geht, und viel weg schaffen, doch ist die distanz am ende meist eher gering.

Tag 1: von Puerto Williams bis vor Ushuaia gesegelt. Gefahrene strecke vierunddreißig seemeilen, nur zwanzig seemeilen distanz. Der motor hat dreiundzwanzig liter verbraucht und wir sind elf wenden gefahren. Am ende war der wind so kräftig, dass wir eine bucht angesteuert hatten, die nicht in den büchern stand.
Zur freude war es wenigstens ein trockenes und sonniges wetter. Der aufregungshöhepunkt war zwischen einem kreuzfahrtschiff und einer dreimastbark zu passieren. Das problem mit dem funkgerät besteht wieder, verständigung ist gestört. Wobei ich gut hören kann.

Tag 2: von gegenüber Ushuaia bis irgendwo im Beaglekanal gesegelt, diesmal fünfzig seemeilen. Zur entäuschung nur dreiundzwanzig seemeilen distanz. Der motor hat in diesen dreizehn stunden wieder dreiundzwanzig liter verbraucht und diesmal waren es einundzwanzig wenden. Ich würde es mal als langstich bezeichnen.
Es gab einige walsichtungen bei gemischtem wetter. Wieder eine bucht besucht, die nicht in den büchern war.

tag2 langstich

 

Tag 3: vom Beaglekanal bis zur caleta Morning. Dreiundvierzig seemeilen gesegelt, wobei nicht mehr im nordwestkanal. Die distanz war nur fünfundzwanzig meilen, bei einem verbrauch von achtundzwanzig litern in dreizehn stunden. Die einundzwanzig wenden waren diesmal im kurzstich.

tag3 kurzstich

 

Auch wieder walsichtigen und define kamen in der ankerbucht dazu. Die landschaft hat sich geändert, es gab in der nacht neuschnee. Die berge hatten einen leichten weißen überzug. Auch gab es die ersten gletschersichtungen, zum anfang habe ich die ersten fotografiert, später nur noch angeschaut.

20180210 gletscher1

 

20180210 gletscher3 20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

20180210 schnee berge

 

Ein kreuzfahrtschiff war ein überholer und der anker war ohne richtigen halt. Nicht gut, musste aber gehen und ging gut. Die caleta Morning war tief und die berge recht hoch. Das wetter war von feucht zu trocken und deutlich kälter als die tage zuvor.

20180210 wasserfaelle

 

20180210 wasserfaelle mit ueberholer

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

20180211 caletta morning

 

Tag 4: nur sechzehn meilen motort in fünf stunden und dabei zehn liter verbraucht. Das segel blieb eingepackt. Kurz vorm ziel beim gletscher kamen wieder define. Zum anfang war es noch trocken, doch vorm g1etscher fing ein leichter nieselregen an, unschön.
Auch das kleine treibeis rumst kräftig gegen den rumpf. Zuerst sind wir kurz vor die abbruchkante gefahren, fotos geschossen und haben dann einen kleinen gravler eingefangen. Davon gab es dann das tausendjährige eis zum wiskey. Der gletscher war eher enttäuschend, klein und schmutzig, auch kalbte er nicht.
Der ankerplatz war zu gut beschrieben, und beim regen war auch kein aufenthalt auf dem sonnendeck möglich.

 

Tag 5: insgesamt sind wir vierzig seemeilen gesegelt und haben nur achtzehn meilen distanz geschafft. Dreiundzwanzig liter hat mr Perkins in zwölf stunden verbraucht, wir haben dreizehn wenden gefahren.
Der morgen begann mit einem schlechten anfang. Das schiff setzte beim schwojen auf einen felsen auf, ursache war der geslippte anker. Eine kleine slipstrecke hatte ich schon eingeplant, doch der gerutschte weg war länger. Keine schöne art aufzuwachen und dann schnell verschwinden.
Es gab einige seehundsichtungen, doch es war kaum höhe laufbar. Zwischendrin gab es böen bis sechzig knoten, kaum sicht bei feuchtem regenwetter. Schön, wenn das radar funktioniert. Die kleine zielbucht Sur mit zwei landleinen bot eine ruhige nacht.

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

20180213 caleta sur

 

Tag 6: am morgen habe ich erstmal eine erbsensuppe gekocht, denn bei niedrigwasser saßen wir im schlamm fest. Es gab keinen brauchbaren wind und nur mit dem großsegel sind wir siebenundzwanzig meilen weit motort. Wieder haben wir zweiundzwanzig liter verbraucht und waren in acht stunden in einer guten bucht auf der insel Londonderry.
Mit der armada hatten wir wieder funkkontakt und auch die lösung für das verständigungsproblem gefunden. Ist der motor aus, funkt er nicht dazwischen.
Ein ärgerliches thema sind fehlende detailseekarten und nicht genaue. Die karten stimmen wenig, denn wir sind viel über land gefahren. Die wegepunkte in den bücher sind dagegen gut und so nähert man sich über die aktuellen positionsdaten. Diese ankerbucht war gut, auf der karte war sie im see auf der insel.

tag6 seekarte

 

Tag 7: der erste versuch, weiter zu segeln, ist gescheitert. Vor der bucht fing der wind an und das kräftigst. Draußen gab es dann ganz schnell fünfzig bis sechzig knoten wind und hohe wellen. Das schiff ging in schräglage, ein sinnvolles vorankommen war nicht möglich, also zurück zum ankerplatz. Zudem ist das großsegel wieder einmal kaputt gegangen. Im zweiten reff sind die zwei noch nicht reparierten kauschen ausgerissen. Ein folgenschwerer teuerer tag, somit geht nur noch das taschentuch im dritten reff.

Tag 8: siebenunddreißig seemeilen in zehn stunden bei fünfundzwanzig liter verbrauch gefahren. Diesmal keine wenden gefahren. Der wind war nicht vorhanden, dann kam guter wind und dann gegenwind. Das tagesziel konnten wir nicht erreichen. Dafür gab es viel schiffsverkehr, drei fischerboote, ein segelboot und ein inselversorger.
Der nothalt wegen des starken windes war die ankerbucht spezial, die ist nicht in den büchern. Einfach mal ein testversuch und der war brauchbar.

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

20180215 caleta spezial

 

Tag 9: dieser tag war einer zum vergessen – und einer für die patagonienlernkurve. Die spezialbucht war gut, der wind in der nacht oft stark und der anker mit einer landleine hielt. Am morgen sind wir gut losgekommen, wieder zurück bis zum kanal in zwei minuten entfernung. Dort war die tageszielrichtung wegen starkem gegenwind nicht machbar, wie am tage zuvor.
So kam der plan b ins spiel. Meine idee, zweihundert meilen vor der küste nach norden segeln. Dadurch sparen wir viel treibstoff, machen mehr meilen, weil wir auch nachts segeln und gewinnen zeit.

Zum anfang ging es super in richtung meer, raumer wind. Auf dem meer war dann ein westwind und sehr unbrauchbar mit bis zu orkanstärken. Die wellen haben dann schnell die zehnmetermarke überschritten und der kurs war nur nach süd oder nordnordost möglich. Ein kreuzen mit negativem ertrag. Die achterbahnfahrt war frustrierend und bis zum erbrechen anstrengend. Also alle unter deck und schlafen gehen. Erst nach mitternacht nahm der wind ab.
Da wir viele meilen nach süden gekommen waren, wurde als ziel die durchfahrt nach Londonderry angepeilt. Viele felsen auf dem weg, somit erst bei tagesanbruch sicher zu machen. Zurück auf los und keine meilen eingezogen.

Die pütz ging schon am vormittag über bord, absolut keine kaffeefahrt, vielmehr mit schwimmweste einpicken und kopfeinziehen, wenn mal wieder brecher übers schiff gehen. Da hier meistens westwind herrscht, in der ausführung kräftig, ist das keine gute alternative. Im unterbereich von Chile muss man zuerst nach west.

Tag 10: in der nacht wieder ein richtungswechsel zum land hin, um im sonnenaufgang zwischen der insel Steward und Londonderry hindurch zu fahren. Das waren sehr anstrengende motorstunden auf der alten dünung, da der wind eingeschlafen war. Um die mittagszeit waren wir am ankerplatz der insel Medio oder für was wir das gehalten haben. Die beschreibungen waren nicht klar. Durch eine kleine enge passage sind wir eingefahren und schon saßen wir fest, tiefe null komma null. Natürlich bei niedrigwasser und auf einem sand-mit-steinen gemisch. Nach einer stunde auflaufendem wasser waren wir wieder frei.
Der motor lief zwölf stunden und es wurden zweiunddreißig liter verbraucht. Das ganze für fünfundvierzig seemeilen. Gestern auf dem meer waren es fünfundsechzig für umsonst. Nur noch zwanzig meilen dazu und wir sind wieder auf los.

Tag 11: fünfundzwanzig liter in neun stunden und direkte fünfunddreißig seemeilen, selten mit segel. Das wetter war nass und es gab keinen wind. Die verteilung ist ausgesprochen ungleich, oft zuviel oder zu wenig. Und wenn, dann kommt er aus der falschen richtung, immer von vorn. Es gab auch wieder einmal pinguine zu sehen, diesmal konnte ich sie ablichten.

20180215 pinguine

 

Ab der spazialbucht gab es dann noch richtigen hack und regen. Wieder einmal musste das radar an, um zu sehen. Drei tage haben wir durch das experiment verloren. Als wir vor der neuen caleta waren, kamen viele fischer von see. Ist das vielleicht ein zeichen auf schlechtes wetter?
An deck habe ich wieder kleine halbe plastikkugeln gefunden, nicht wirklich gut. Und ich weiß noch nicht, wo diese zerbrochen werden.
Die caleta Yahgan haben wir dann nach den koordinaten gefunden. Der anker griff nur halbfest, aber hielt bis zum morgen durch.

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

20180219 caleta yahgan

 

Tag 12: dreißig liter verbraucht in zehn stunden. Wieder alles direkt und davon in summe zwei stunden mit segel. Insgesamt neununddreißig seemeilen bis vorm abkürzungskanal. Die motordrehzahlen werden im weiteren verlauf erhöht werden.
Das wetter reichte von regen bis starkregen, sonne mit und ohne wind. Die landschaft ändert sich ein wenig, mal neue felsarten im programm.
Einen wichtigen splint vom vorstag habe ich am abend getauscht, der alte war abgeschert. Ich ärgere mich über zu wenig bordabflüsse an deck, aber das hat auch sein gutes. Vieles, das auf deck fällt, wird bis zur plicht gespült und kann eingelesen werden, wie der kopf des splintes.
Die bahia Millicent ist gegenüber der einfahrt zum kanal. In der nebenbucht war der nachtankerplatz, tief – aber der anker hielt zwischen den vielen quallen.

Tag 13: um halb vier sind wir aufgestanden und um vier ging der anker bei stockfinsterer nieselnacht hoch. Keine sicht und langsam aus der bucht heraus. Einer am ausschau vorn, radar an, echolot und der alter track von gestern haben geholfen.
Um sechs uhr mussten wir im kanal Acwalisnan hinter der ersten engstelle zum hochwasser sein.
Dort lief das wasser aber schon ab. Mit vollgas bei zwei knoten durch das entgegenkommende wasser. Der autopilot steuerte durch die wasserwirbel und wir kamen auf einem unterwasserfelsen mit großem rums zum stehen. Dann im rückwärtsgang wieder herunter gerutscht und zwei weitere unterwassersteine gerammt. Dumm, wenn man gedacht hat, dass man noch nicht an der gefahrenstelle ist. Wer die karte richtig studiert hat, kommt hier ohne schrammen dadurch.

tag13 aufgelaufen

 

Sieben stunden und achtundzwanzig meilen bei neunzehn liter sprit später fiel der anker wieder, in der bahia Wood, auf der nordseite der Magelanstrasse. Diese ist hier fast acht meilen breit und dafür ging auch das segel mal wieder raus. Westwind mit kappeliger welle, ein vorgeschmack für die nächsten hundert meilen in richtung westen.
Diese nicht ausdrücklich erlaubte abkürzung in der zarpe hat uns achtzig meilen gespart, dazu zeit und kostbaren treibstoff.

Tag 14: Die nacht in der bahia Wood war gut und am morgen drehte der wind. Er war warm und versprach rückenwind für uns. So sind wir gegen das ablaufende wasser losgefahren. Der steile und riesige berg hat die bucht vom westwind abgeschirmt. In der Magelanstrasse ging es dann mit rückenwind in westrichtung.
Die pläne für den tag waren vielversprechend, wenn da nicht der kräftige druckabfall auf dem barometer gewesen wäre. Nach zehn minuten hörte der wind schon wieder auf, drehte um hundertachtzig grad und kam von vorn, wie fast immer. Nur diesmal gab es stellenweise fliegendes wasser, wie eine kleine windhose. Das segel schnell geborgen und dann gab es die volle ladung. von regen, sonne mit allem und scharf. Mit viel motor und segelversuchen sind wir am abend in eine große bucht eingelaufen und haben geankert. Ein weiteres segelboot kam nach uns, eine seltenheit bis jetzt. Die nacht mit heftigen böen.
In acht stunden haben wir dreiundzwanzig liter verbraucht, sind dreiundzwanzig meilen gefahren, obwohl die bucht nur fünfzehn meilen entfernt war. Kein guter tag zum voran kommen.

20180221 berg

 

20180221 berg

 

Tag 15: wir liegen noch immer in der flachen bucht, das barometer ist seit gestern um fünfundzwanzig hektopascal gestiegen. Die folge sind böen bis mitte der sechziger und kräftiger wind bei sonnigem trockenen wetter.
Auch ist eine reiseänderungsentscheidung getroffen worden. Achtzig meilen zurück nach Punta Arenas fahren, damit Martin seinen flieger erreichen kann. Die etappe bis Puerto Natales wäre sehr, sehr eng. Somit werde ich alle rohstoffe wieder auffüllen und einen neuanfang starten.
Die beste möglichkeit, hier im revier voran zu kommen, ist nach Slocum art, immer mit dem richtigen wind. Ich habe ja zeit. Zudem muss das segel wieder repariert werden, der durchgelutschte diesel muss ergänzt werden und die frischen vorräte sind auch aus.
Morgen wird es hoffentlich weiter gehen.

Tag 16: es sollte nach dem sturm gut voran gehen und es ging auch. Es wurde viel gesegelt, kein kreuzen und der motor war ab und zu auch dabei. Fünfzehn liter verbrauch und in neun stunden waren wir vierzig seemeilen weiter. Der wind war sehr abwechslungsreich, aus jeder richtung kam er am tag und dabei nicht besonders stark. Eigentlich ein guter tag, um in richtung pazifik zu kommen, aber es geht ja in die andere richtung.
Die bucht Bouchage ist sehr angenehm, der anker hält gut und ringsum sind bäume.

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

20180223 bucht bouchage

 

Tag 17: wir sind ein kleines stück weiter gekommen. Die angepeilte bucht war ein kleiner fischerreihafen, also habe wir die nächste genommen. Letzte möglichkeit, vor Punta Arenas zu ankern. Das klappte auch erst beim dritten versuch in der nordostecke, denn sonst war es zu tief und felsig. Für die siebzehn meilen haben wir sieben stunden gebraucht und dreizehn liter gingen auf das konto von mr Perkins.

Tag 18: Das letzte stück zum ziel wurde nur mit dem motor gefahren. Der wind war gut, nur genau von vorn. Die küste zeigte deutlich mehr änderungen der zivilisation oder von dem, was wir so nennen. Nach sieben stunden und siebenundzwanzig meilen fiel der anker in der nähe der hafenmole. Dann das schlauchboot vorbereiten, den außenborder montieren und ins wasser bringen. Nach über einem jahr pause sprang der motor sofort an, überraschung.
Armada, tourist information und supermarktbesuch in der nächsten stunde erledigt. Das ist das ende der reise zu zweit.

Meine reise geht in den nächsten tagen weiter, nachdem ich vielleicht einen segelmacher gefunden habe, diesel gebunkert und den wassertank wieder aufgefüllt habe. Der proviant muss ergänzt werden und dann folgt Patagonien im selbstversuch.

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Patagonien Anfang vom Anfang

Hier im hafen von Puerto Williams an der Micalvi wird fast täglich sokoban gespielt. Ein boot verschwindet und die restlichen werden neu verschoben. Diesmal habe ich ein déja vu, liege ich doch schon wieder an dem großen aluschiff, das ich schon aus Stanley kenne. Also wieder hinaufsteigen, wenn ich das schiff verlassen will. Ansonsten liegt man hier im päckchen und jeder läuft über mein deck, um zu seinem schiff zu kommen.

Der ort ist eher trostlos, viele geschäfte haben dicke gitter vor den fenstern. Bei einem ort, der von der marine beherrscht wird, hatte ich mir das anders gedacht. Interessant finde ich die freilaufenden pferde, die als rasenmäher fungieren.

20180202 puerto williams hafenblick

 

Was macht man so, wenn die letzte reise abgeschlossen ist? Man repariert. Die liste war überschaubar und es gab auch ein paar neue tasks. Zum beispiel habe ich einen handscheinwerfer gebastelt. Man nehme eine lampe, eine bohrmaschinenhalterung und ein wenig kabel, löten und fertig. Die nächste dunkle bucht kann kommen und der frontscheinwerfer am schiff funktioniert auch wieder.

20180131 handscheinwerfer

 

Zweimal war ich heute noch im mast, um den windanzeiger zu erneuern. Das bewegliche teil ist wahrscheinlich an seiner achse gebrochen und liegt jetzt im hoheitsgebiet der Falklands. Beim aufstieg zum objekt ist mir dummerweise der neue pfeil gebrochen. Alles wieder auf los, unten den pfeil geklebt, wieder hoch und festgemacht – mal sehen, wie lange das hält.
Dann die ankerprobleme. Damit ich nicht in der dönerschneideweltmeisterschaft antreten muss, ist ein kelbschneider in der mache. Bis hier haben wir mit der machete gearbeitet, das soll nun einfacher werden, ohne tiefe verrenkungen. Das zeug windet sich einfach um den anker und ist dann bis zu einem meter dick, die ankerwinde streikt beim anliften.

20180202 kelbschneider

 

Mit der hiesigen administration lief es auch soweit so gut, war halt mal ne junta. Auf dem weg zur armarda kommt man an einem mannschaftstransportpanzer vorbei. Ich möchte eigentlich nicht wissen, wie viele damit zur ihrer exekution gefahren wurden. Nach dem nine eleven der chilenen, durch die cia angestiftet, sind etliche über die klinge geschubst worden. Alles nicht sehr schön.
Auf dem weg zum hafenmeister hat uns Ofri angeschnackt, ob wir nach Ushuaia fahren würden, und in der schnellen reaktion hatte ich ja gesagt. Schon war uns der anhalter an den fersen. Er kommt aus Israel, hat gerade seine drei jahre zwangsmilitär hinter sich und sieht sich die welt an. Er hatte es nicht leicht mit mir, musste frage und antwort stehen zur nakba, kz der palästinenser, unerlaubte siedler, krieg und vertreibung. Einen abend hatte er für uns gekocht, das war ok, aber nicht richtig etwas anderes. Der preis für die fährverbindung mit Themroc hatte ich auf eine palette bier festgelegt, ein fairer gegenwert. Kostet doch die reguläre fähre hundertzwanzig dollar.

Dann am Sa morgen sind wir mit einer crewliste von drei personen in richtung Argentinien aufgebrochen. Morgens um vier klingelte der wecker, da am nachmittag der wind schon wieder frontal kommen sollte und er auch kam.
Die einklarierungsprozedur hat er auch noch mitmachen müssen. Für mich ist es das dritte mal Argentinien, eine lachnummer von zwei stunden dauer, und ich muss mich beherrschen, nicht laut bullshitbingo zu rufen. Es ist sinnlos und zweckfrei, eine beschäftigungstherapie.
Dafür liegen wir mit dem schiff nach sieben stunden motorfahrt im yachtclub nautico in Ushuaia. Genau ein slot war für uns frei und den haben wir auch genommen. Der preis ist gut und die lage spart uns im gegensatz zum anderen club einen fußmarsch von fünfzehn minuten.

Dann habe ich mich mal ausgeruht, in der plicht und pünktlich zum nachmittag fing auch der wind wieder an. Hier kommt er dann auch mal von null auf fünfzig in ein paar sekunden. Der windgenerator hat das leider nicht verkraftet. Diesmal hat das drehgelenk aufgegeben und dabei sind alle neuen repeller zerschreddert. Wenn ich auf der backbordseite gesessen hätte, würde ich mit einen größeren splitter im kopf herumrennen, glück gehabt. Mir reicht es jetzt mit dem teil.

20180203 repellerstueck

 

20180203 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

20180204 windgenerator

 

Am ankunftstag war es schönes t-shirtwetter und heute am So regnet es den ganzen tag. So sind wir zum supermarkt gelaufen und haben drei einkaufswagen voll gekauft. Zurück sind wir dann mit dem taxi gefahren, auch mal was schönes.

20180204 ushuaia oldtimer

 

Und ich wurde schon wieder angesprochen, ob ich jemanden kenne, der rüber zur insel fährt. Somit haben wir schon wieder jemanden für die rückfahrt an bord, der preis hat sich allerdings schon verdoppelt.
Am abend wurden wir dann noch zum essen in den oberen straßen von Ushuaia eingeladen. Über zwei ecken hatte Martin jemanden getroffen, und zufällig kennen sie beide eine person in Holland, kleine welt. Am abend wurde jedenfalls lecker gekocht und geschnackt.

Montag ist ruhetag, somit kann die marina nicht bezahlt werden und ergo ist so auch kein ausklarieren möglich. Meine wandertour ging durch die stadt, um dieselkanister zu besorgen. Zu hause werden einem gebrauchte plastikbehälter nachgeschmissen, hier zahlt man schon leicht dreißig euronen. Nach fünf kleineren eisenwarenläden bin ich in einem fastbaumarkt fündig geworden. Fünf neue dreißig-liter kanister wohnen jetzt auf dem schiff und das ganze für unter hundert der harten währung.
Unterwegs bin ich auf den supermarkt der französischen kette gestoßen und war doch leicht enttäuscht. So gewaltig war das angebot nicht, aber sie hatten wenigstens haferflocken, ein offener punkt weniger.

Dieseltanken am dienstag, mit der handkarre und den kanistern zur tankstelle und das dreimal. Am ende kannten wir den weg sehr gut, auch schwappte kein diesel mehr aus den sicherheitsverschlüssen der behälter. Aufräumen, verstauen und noch einmal ein paar frische lebensmittel kaufen, und dann kam auch schon Niklas.

20180206 tankwagen

 

Zwischendrin noch den club bezahlt und ab zum behördenhürdenlauf. Die reihenfolgen sollte immigration, zoll und dann die prefektura sein. Der zoll war nicht da und musste erst herantelefoniert werden, eine dreiviertel stunde wartezeit. Der wollte die zettel der prefektura sehen, also hatten wir eine fehlinformation erhalten. Auf zur prefektura, dann zurück und da gab es in unseren pässen bei der einreise zahlendreher. Wir sind also nicht ins land gekommen, großes problem. Der zoll war dann schneller und die prefektura ging auch so. Diese eineinhalb stunden haben uns dann in der nacht gefehlt.
Erst um sechs uhr am nächsten morgen konnten wir ablegen, hatten dafür aber schönen rückenwind und nach sechs stunden machten wir wieder in Puerto Williams fest, an dem schiff, das zuvor vor uns in Ushuaia lag. Hier sind übrigens alle schiffe sind mit dem alten schiff verbunden.

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

20180207 Micalvi

 

Und dann am Mi nachmittag noch schnell den außenborder repariert. Es roch nach sprit seit tagen, und ich wusste auch schon die ursache. Von mir schlecht reparierte benzinzufuhr vom tank aus. Hielt gerade mal eine woche und ist hoffentlich abgestellt. Der rest vom alten windgenerator ist aus dem rohr gepult und der hersteller hat sich auch schon gemeldet, es läuft.
Außerdem lief auch die beantragung der zarpe, die erlaubnis, die chilenischen gewässer im begrenzten bereich zu befahren. Es dauerte länger, die route zu ermitteln, die wege zu schönen, die tage zu strecken, als die jungs in der armada unter anleitung das dokument erstellt haben. Und immer schön über funk melden, isch gansch wischtich. Heute nacht haben sie mich schon wieder ignoriert und wollten jetzt die große nummer machen, ich hätte mich nicht abgemeldet. Vor ein paar tagen hat nur niemand auf meine drei vesuche reagiert, mehr gibt es nicht von mir.

Somit ist morgen, Do der siebte Februar, der auslauftag und die nächsten paar hundert meilen werde ich wieder offline sein.

Nächster regulärer stop ist Puerto Nantales, um Martin von bord zu werfen, die termine rufen. Mein offizielles ende in Chile ist anfang mai in Puerto Montt.

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Falklands schwieriger Abschied

Ein wetterfenster zu bekommen, das richtig passt, bedarf einer langen wartezeit, wenn man sie hat. Die vorbereitungen waren abgeschlossen, alles funktionierte. Und am Mo ging es dann mit dem ablaufenden wasser los. Wenig wind und strahlender sonnenschein und auf dem meer sollte es recht gut werden.
Den motor gestartet und dann festgestellt, dass sich ein navigationsdisplay nicht meldet und inaktiv ist. Schnell mal eben das untere mit dem im cockpit getauscht, hat funktioniert. Dann das großsegel im hafenbereich hochgezogen und es ging los. Durch den austausch der geräte gab es nun aber keinen autopiloten mehr, echt blöd. Somit war handsteuerung angesagt, das übt ja bekanntlich.

Auf der imaginären linie, an der man sich an- oder abmeldet, hat Martin eine patenthalse hingelegt, der wind war fast eingeschlafen. Da wir zwischen ein paar felsen waren, musste der motor ran. Doch dieser wollte nicht anspringen, das erste mal, leichte panik. Sprit war da, kam wohl nicht an den einspritzdüsen an, somit schnell den magnetschalter getestet. Dafür noch den dieselfilter entfernt und keinen fehler gefunden.
Der wind hatte sich inzwischen gedreht, und die beste lösung war es, zurück zu segeln. Auf dem funkkanal sechzehn meldete sich keiner, keine schlepphilfe zu erwarten. Der anker war vorbereitet, die eventuelle mooring kam auch in frage, und so wir haben das erste mal unter segeln den alten platz erreicht, ohne weiteren bruch, hurra.

Einen richtigen fehler an der einspritzpumpe konnte ich nicht finden, habe dafür eine dichtungsscheibe unter den magnetschalter montiert. Danach mehrere startversuche bis die batterie fast am ende war. Mit der entlüftung der düsen dann sprang der motor doch noch an und lief. Ausschalten, einschalten, und es ging nichts mehr. Das ganze noch einmal und dann lief er doch noch. Nur das funkgerät muckt auf, empfangen ja, senden nur schlecht, muss bis Chile ohne gehen.

Somit war Martins kleiner steuerfehler im endergebnis doch sehr gut. Wäre uns erst mitten auf dem meer die verweigerung des motors aufgefallen, wäre viel zu kotzen gewesen.

20170126 abschiedsflagge

 

Das navi-instrument wurde neu gekrimmt und funktionierte auch wieder, zwei stunden lang. Somit gibt es im cockpit erstmal wieder keine windanzeige, aber der autopilot lebt.
Inzwischen ist auch der windanzeiger auf dem mast verschwunden und ein mastrutscher in der segelmitte ist gebrochen. Nur mit der genua und dem dritten reff im großsegel ging es weiter. Die nacht war heftiger als die vierzig bis fünfzig knoten tagsüber. Am morgen war der spuk vorbei und der zweite tag auf see war ein motorsegeltag. Nur nicht genau in die zielrichtung zur Staaten Insel, das kann also noch dauern.

Am nachmittag ist der wind eingeschlafen, motor aus und treiben lassen. So vergingen der abend und die nacht. Am morgen, achtzehn meilen weiter östlich gab es dann eine fettwartung am antrieb, kaffee und es wurden wieder die segel gesetzt. Hauptsache irgendetwas mit süd und west im kurs, Mr Perkins ist immer dabei.

Die flaute setzte sich auch am dritten, vierten und fünften tag fort. Da waren wir schon auf der höhe der Staaten Insel, nur leider hundertachtzig meilen östlich. Das neue konzept hieß dann, hauptsache nach westen kommen.

20170122 flaute

 

Flaute auch in der nacht zum sechsten tag, jedoch kam morgens um fünf uhr ein wind mit vierzig bis fünfzig knoten aus südwest. Bei strahlendem sonnenschein ging es nach nordwest, so gut es ging. Diesmal auf dem anderen bug und dabei flogen zwei teller durch die kombüse bis zum tödlichen aufschlag auf dem boden. Fast zur selben zeit hat eine böe die neuen repeller an den generatorenmast gedrückt, schredder, schrott. Haben nur eine woche gehalten, das wird langsam teuer. Am abend wieder windausfall und treibend durch die nacht.

20170122 repeller schrott Xte

 

Am morgen des So war der kurs vorerst südwest, dann wurde daraus nordwest. Eigentlich nur noch hundertvierzig meilen bis zum ziel. Zum abend hin wieder das gleiche spiel, der wind wurde für hoch am wind kurse zu schwach. Wir nutzten die zeit, um den segelrutscher auszutauschen und die großfallrolle zu fixieren. Nach dem abendbrot gab es dann unerwartet wind für unsere richtung südwest. Mit dem reparierten groß und der genua ging es in die nacht hinein. Nach vier stunden mussten wir in der nacht reffen und der kurs war immer noch super. Am morgen dann das erwachen, der wind hatte schon wieder gedreht. Also eine halse fahren und wieder nach nordwest bei strahlendem sonnenschein.

flk staaten1

 

Dieser südatlantik zeigt sich von seiner gemeinen seite. Die brutale eigenschaft hatte ich ja schon in den roaring fourties zu spüren bekommen. Nur diesmal kommt frust auf, man will zum ziel und der wind spielt nicht mit.
Alle, die über die Falklands nach Patagonien wollen, sollten sich zeit nehmen. Das schiff sollte in Stanley jeden tag abfahrbereit sein, und ich rate tunlichst, auf das passende windfenster zu warten. Die entfernung zur Staaten Insel lässt sich gut in drei tagen bewältigen. Die ungeduld des schnellen ablegens aufgrund von zeitdruck zahlt man mit entsprechenden tagen auf see. Alle winde mit einem nordanteil gehen gut, auch ein seltener ostwind passt. Leider sind gerade jetzt die westwinde vorherrschend, also von da, wo wir hinwollen.

Heute ist der dreiundzwanzigste Januar und wir sind seit einer woche auf see. Diese pleite übertrifft alle bisherigen rekorde in sachen umwege. Der wind war heute morgen so schwach, dass nicht einmal die segel standen. Das wurde dann im laufe des vormittags besser und jetzt läuft das schiff selbstständig in richtung nordwest. Aber es sind noch immer oder schon wieder um achtzig meilen bis zum ansteuerungsleuchturm.
Dafür ist das chicken tikka marsala während der ruhigen phase schonmal vorbereitet worden, es kann hier auch ganz schnell anders werden.

Ich kann nicht sagen, ob diese sandbank, die burdwoodbank, auswirkungen hat. Gestern abend vermutete ich aber ein starke strömung um zwei knoten an ihrer grenze. Also dieses gebiet besser meiden. Dafür gab es gestern eine walsichtung und ein dutzend delphine.

flk staaten 2

 

Am tag nummer acht roch es plötzlich verbrannt, schnell mal den kopf in die luke gestreckt und nur alte socken gerochen. Einen kilometer neben dem schiff hatte sich ein trawler geräuschlos, aber nicht geruchsarm herangeschlichen. Auf dem radar waren dann zwei von der sorte zu sehen. Diese begleiteten uns bis zum abend hin, dem ende der südwest segelei. Der wind war dieses mal für uns, nicht zu stark und in die richtige richtung. Und dann hinter einer großen wolke die plötzliche landsichtung, hurra!

Die zunächst aufkommende idee, eine der ersten buchten anzulaufen, wurde nach einer stunde wieder fallengelassen. Unbekannte bucht, im dunkeln und viele felsen versprechen keine ruhige anfahrt. Somit startete ich den versuch, zur zielbucht zu kommen, eine weitere schreckliche nacht. Kaum wind, motor läuft und eine strömung, die nicht der freund ist. Erst zum morgen hin kam wind und die Staaten Insel konnte nach westen abgefahren werden.

20170125 isla des los estados

 

20170125 isla des los estados

 

2017020170125 isla des los estados

 

Der kurzeitige wind flaute ab und wurde durch den motor ersetzt. Das meer war ein ententeich und fünf stunden später erreichten wir die einfahrt zum vielleicht besten ankerplatz in Patagonien. Pinguine an der einfahrt und im wasser, viel grün, bäume und steile felswände. Wenn man die erste bucht durchquert hat, kommt die zweite nach einer sehr engen passage.

20170125 puerto hopner

 

20170125 puerto hopner bucht1

 

20170125 puerto hopner bucht1 einfahrt

 

In der zweiten bucht liegen wir zwischen dem ufer und einer kleinen insel mit dem anker und zwei landleinen. Nach neun tagen ein gigantischer anblick, plätscherndes wasser, einen wasserfall und sonnenschein. Hier könnte ich länger verweilen.

20170125 puerto hopner bucht2

 

20170125 puerto hopner bucht2

 

20170125 puerto hopner bucht2 einfahrt

 

Dieser kampf mit dem wind hat erstmal ein ende, nur noch über die Le Maire Straße. Das wird noch ein dicker brocken werden, ist aber überschaubar. Die reise bis hierher hat neun tage gedauert, ohne den ersten versuch. Geplant dafür hatte ich drei, eine kleinere grobe fehlschätzung.
Auf den karten sind die violeten kreuzkurse und kreise sichtbar. Die rote und blaue linie war der gedachte optimale weg von dreihundertzwanzig meilen. Wir haben dafür siebenhundertzwanzig gebraucht. Dazu haben wir über hundert liter diesel verfahren. Bruch gab es reichlich, vieles wird hier in Puerto Hopner repariert werden.

flk staaten 3

 

Der abschied mit wolken um die berge fiel nicht so leicht, mit sonnenschein wäre es richtig schwer gewesen. Der plan war, mit dem auflaufenden hochwasser zum absprungankerplatz, dem letzten vor der Le Maire Straße, zu fahren, um dort den tidenwechsel abzuwarten.

Draußen auf dem meer mussten wir aufkreuzen. Der wind war so gut, dass wir am absprungankerplatz weiter gefahren sind. Der nächste ankerplatz ist in fünfzig seemeilen am anfang des Beagle Kanals. Die vielen hinweise, warnungen und horrorstorries zu dieser meerenge haben das schlimmste schon vorweg genommen. Wir hatten ein echt gutes wetterfenster, wind aus der richtigen richtung, sonne, der strom war hauptsächlich mit uns und die wellen auch. Wirklich schlimm sieht anders aus, mit zehn meter wellen und sturm.

Jedoch gibt es an den rändern einen gegenstrom. Trifft dieser mit den wellen zusammen und der wind mischt mit, so gibt es eine kochende hackbrühe ohne fleischeinlage. Die wellen sind steil um einsfünfzig und auf dem kamm spritzt das gegenlaufende wasser in die höhe. Diese zone ist mehrere meilen auf beiden seiten breit. In der mitte war es recht gut, bis auf dass der wind häufig ausfiel. Der motor musste sehr oft gestartet werden und lief dann lange mit. Somit war die überfahrt sehr viel länger als geplant.

Auf der anderen seite ging es in die nacht hinein, jeder durfte mal schlafen gehen. Am morgen habe ich dann den ankerplatz gestrichen und es ging gleich zum nächsten weiter. Diese guten dreißig meilen sollten recht schnell gehen, lief das schiff mit dem wind gerade um fünf knoten. Das war leider nur kurze zeit der fall, die regel waren drei. Dann streikte der wind und der motor musste sich gegen eine strömung und das ablaufende wasser durchkämpfen.

Nach insgesamt fünfunddreißig stunden fiel der anker in einer ruhigen bucht am Beagle Kanal, direkt unterhalb der armada. Dabei war der motor dreißig stunden gelaufen und hat siebzig liter diesel geschlürft.

Nach Puerto Williams sind es nur noch dreißig meilen, das kann aber bekanntlich auch dauern. Diese motorbootfahrerei geht mir schon jetzt auf den senkel und die kanäle in Patagonien sind lang.

Ein weiteres problem sind die navtext meldungen. Habe ich mir doch eine neue wetterbox gekauft, da ich die alte am ladegerät geschrottet hatte. Nur empfange ich hier nur warnungen, aber keine wettervorhersage. Haben die etwa den wichtigen teil eingestellt? Echter mist.

Am nächsten morgen brauchten wir zwei versuche, um aus der bucht zu kommen. Das erste mal gab es draußen im kanal eins auf die nase. Das wollte uns wohl auch der mitarbeiter der armada mitteilen, leider gab es rufverständigungsprobleme. Zu viel wind und genau aus der richtung, in die wir wollten. Das ist hier wohl auch das grundproblem.

Beim zweiten mal am abend ging es besser. Nur mussten wir hier aufkreuzen, um voran zu kommen, alles mit motorunterstützung. Zum sonnenuntergang wurde dann wieder die windmaschine abgestellt, echt merkwürdig. Nach insgesamt vier stunden haben wir die zwischenbucht erreicht, mal sehen was das italienische buch so kann, das ist die bibel für Patagonien. Der mond half nicht und so ging es in eine rabenschwarze kleine bucht hinein. Ein wenig taschenlampe, eine kleine runde gedreht und schon fiel der anker.

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

20170130 dunkle bucht

 

Am morgen fing dann der ruhige trip nach Puerto Wiliams an. Am letzten abend hatte uns noch einmal die armada angefunkt, alles bestens. Am nächsten tag wollte uns wieder keiner verstehen oder reagierte nicht. Dafür gab es diesmal einen besuch mit dem patrolienboot.
Danach war der leichte wind weg und der meldete sich auf die letzten zwei meilen wieder. Mit dem motor gegenan war fast unmöglich, fahrt unter einem knoten. Im sturm mussten wir wieder kreuzen, die böen hatten sechzig knoten wind, auch bei vierzig plus bis fünfzig ist es kein spaß mehr. So haben wir zwei stunden für die letzten zwei meilen nach Puerto Wiliams gebraucht. Ich brauche das sicherlich nicht.

Jetzt mal sehen, was dieser ort so kann.

 

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Verspätete Rückreise zum Schiff

Was ist denn in den letzten drei monate zu hause passiert? Eigentlich recht wenig. Ich habe zwei reisen nach deutschland unternommen und freunde getroffen. Weitere ersatzteile gekauft, verpackt und vorausgesendet.
Das wetter in frankreich war mies, sehr mies und die trockenen fahrradtage kann ich an einer hand abzählen. Dafür war ich als junkie im netz und surfte sehr lange. Ich nenne das mal fortbildung oder nachhilfe, denn viele themen wurden mir nicht erzählt oder sie sind schlichtweg falsch herübergekommen.

Dann wurde auch meine ernährung umgestellt, auf sehr vegetarisch. Es ist schon ein kleiner kampf im kopf, wenn der lockruf eines schnitzels brüllt. Auf der anderen seite weiß ich, wie tiere gehalten und geschlachtet werden. Also gab es happy cow burger, happy weihnachtsgans, happy wienerschnitzel. Inwieweit ich das durchhalten werde, kann ich noch nicht sagen, sinnvoll ist es allemal, ich erwähne mal ‘cowspiracy’, den film, oder ‘what the health’, kann man sich auf youtube angucken.

Dieses weihnachten war ruhig, sylvester noch ruhiger, obwohl über tausend autos in frankreich in flammen aufgingen. Hier im stadtteil kaum eins.

Mein liebster alter schraubensponsor von der Mosel meinte, nun auch mir ein paar euronen zukommen zu lassen. Das war sehr nett, jedoch das mit dem spendenknopf hatte ich ja mal im kopf und dann auch wieder verworfen. Wenn jemand reisen will, so sollte er es auch finanzieren können. Wenn ich pleite bin, werde ich es wohl ändern müssen. Letztens hatte schon mal jemand nach meiner kaffeedose gefragt und ich habe ihn vertröstet, dass er auch weiterhin kostenfrei lesen kann.

Die buchung der rückreise lief sehr gut und wegen der zeiten habe ich mich für den bus entschieden. Alles lief bestens, bis zur ersten abreiseverschiebung um einen tag, weil das armeeflugzeug später fliegen sollte. Alles wieder umbuchen, eine kleine gebühr on top und einen tag länger in Lille bleiben. Doch dann verschob sich der flug wieder um einen weiteren tag. Das regnerische Brize Norton soll ja auch ganz nett sein, für maximal einen tag.

Die fahrt nach england dauerte über zehn stunden. Nachts um 1 uhr in Lille eingestiegen, eine anstrengende busfahrt für eine stunde, dann mussten alle an der grenze austeigen, das gepäck nehmen und durch die französische kontrolle hindurch. Zweimal wurde der pass verlangt und das gepäck wurde einmal durchleuchtet. Dann wieder alle in den bus zurück, gepäck wurde wieder eingeladen und es ging weiter.

Hundert meter später der nächste stop, alle aussteigen, britische grenzkontrolle. Noch einmal wurden die pässe kontrolliert und um drei uhr waren wieder alle im bus. Dieser arbeitete sich durch ein paar kontrollen bis in den tunnelzug vor. Pünktlich um halb vier setzte sich die silberne lange röhre mit sehr, sehr vielen autos in bewegung.

Nach einer dreiviertel stunde konnte sich der bus wieder aus eigener kraft in richtung London bewegen. Überpünktlich bin ich in der Victoria busstation angekommen, mein nächster bus fuhr um zwei ecken und hundert meter weiter ab. Meine wartezeit betrug nur eine halbe stunde, da mich der nächste busfahrer mitgenommen hat. Und er hat mich in Oxford auch bis ins zentrum gefahren, dort ging der vorerst letzte bus bis nach Brize Norton ab. Die fahrerin setze mich an der richtigen haltestelle ab.

Ein kurzer weg zu fuß zum eingang des flugplatzes und ich freute mich schon auf ein bett, nach einer zehn stunden-reise ohne schlaf. Jedoch wollte die security mich als nicht armyangehörigen nicht zum guest hotel durchlassen. Auf der webseite las sich das für mich anders, für kleines geld will das hotel für mich als privater fluggast beherbergen. Zum flug konnte man erst in sechsunddreißig stunden einchecken, vorher gibt es kein eintritt auf das armygelände.

Ein b&b konnte ich nicht finden und so hat mich eine taxifahrerin in eine vermeintlich günstige travellodge in den nächsten ort gefahren. Zehn pfund für sie und das hotel will siebzig pfund für eine nacht ohne frühstück und einen aufschlag für das frühe einchecken morgens um zehn, straßenräuber, hängt sie höher.

Und ich muss hier morgen um zwölf wieder raus, nur was mache ich bis abends um sieben, mal sehen. Der örtliche pub hat schon um zehn auf und warm ist es dort auch.

20170104 burford

 

20170104 burford

 

20170104 burford

 

20170104 burford

 

Ich bin um zwölf raus und direkt in das dorf gelaufen. Mit der sonne am himmel sieht es alles freundlicher aus, da es seit der einreise fast nur geregnet hatte. Und da der bus gleich gekommen ist, bin ich in den anderen ort nach Witney gefahren. Der ist größer, mehr zu sehen, aber ich mit über dreißig kilogramm gepäck an den hacken. Die rückflugzeit hatte sich mittlerweile stabilisiert und wird hoffentlich in acht stunden abheben. Der verspätete hinflug wurde durch eine krankheitsbedingte notlandung in Rio de Janeiro unterbrochen und hat den flugplan total durcheinander gebracht.

20170104 burford pubsofa

 

20170104 burford pub local ale

 

20170105 witney

 

Nach dem sechzehnstündigen flug mit zwei stunden aufenthalt auf den Kap Verden, plus den fünf stunden vorflugwartezeit auf dem armeeflughafen, bin ich in Stanley angekommen. Der flug war voller als der hinflug und man hat mir freundlicherweise einen doppelsitz gegeben. Die kampftruppe durfte teilweise zu viert in der mitte sitzen. Das essen war akzeptabel und leider nicht so lecker wie beim ersten mal.

20170105 zugangskarte

 

Vom customs officer auf den Falklands wurde ich wieder mit meinem vornamen begrüßt, bin also irgendwie in seinem kopf hängengeblieben. Der einstündige transfer funktionierte reibungslos, Bob und Janet haben mich freundlich aufgenommen.
Es hat sich hier nicht viel verändert, also eher nichts, aber es ist sommer. Die temperaturen sind freundlich und die sonne scheint. Die natur blüht und das grün ist frisch. So sehe ich die inseln mit anderen augen.

Am So hat uns dann Jason zur anderen seite gefahren, diesmal mit dem wagen. Meinen neuen mitsegler Martin habe ich zufällig bei der touristeninformation getroffen. Am ankunftstag hatte ich ihn schon gesucht und nicht gefunden.
Der erste tag in the Camber verlief recht ruhig, erstmal wieder das schiff untersuchen. Zu meinem erstaunen waren die verbraucherbatterien voll, die solarpannels haben ganze arbeit geleistet. Der motor sprang beim zweiten versuch an, ich weiß nicht warum, aber er läuft wie eh. Trotz des guten zustands der batterien habe ich den chinesischen batteriepulser eingebaut und er arbeitet erstmal vor sich hin.

20170108 batteriepulser

 

Als nächstes war die standheizung auf der liste, neue dieselschläuche und die neue steuereinheit und schon beim dritten anlauf lief sie an und macht mächtig wärme. Diese ist aber gar nicht erforderlich, da hier sommer ist. Bis zu zwanzig grad ist es warm, der normale wind weht und die sonne scheint sehr intensiv. Zu intensiv, die stellen, die keinen sonnenschutz erhalten haben, sind schnell verbrannt. Das ozonloch soll hier auch schon sein.

Der gute alte holzofen hat eine neue ofendichtung um die klappe herum erhalten und brennt sehr gut. Abends nach dem sonnenuntergang geht das feuer an und auf dem sofa ist es gemütlich warm. Wenn wir uns nicht ein projekt namens Patagonien vorgenommen hätten, könnte es so weiter gehen.
Am abend wurde noch die ankerrolle von Bob geliefert. Mike mit der chaotischen werkstatt hat den bolzen gängig gemacht, eine bohrung hineingebohrt und mit einen fettnippel verschlossen. Die achse kann jetzt fixiert werden und die rolle schmatzt auf der welle, bis jetzt super. Angebaut habe ich das teil am geplanten rüberfahrtag, der fiel aber ins wasser oder eher in den wind.

20170109 neuer fettnippel ankerrolle

 

Somit sind wir einen weiteren tag im hafen geblieben und haben dort reichlich holz von den bauarbeitern bekommen. Am Mi war dann der rüberfahrtag auf die andere seite der bucht, der wind war noch immer recht kräftig, und es hat uns zwei stunden gekostet, das schiff zu drehen. Hätten wir das doch am abend zuvor gemacht, da war auf einmal windstille.

20170109 the camber

 

Sechs landleinen und fünf zum ponton wollten wieder vom schiff gelöst und an land verbunden werden. Dabei musste das schiff durch den wind gedreht werden, weil die fünfundzwanzig knoten wind ein sauberes manöver verhindert hätten. Bruch muss ja nicht gleich beim ersten mal passieren. Dann ging alles recht schnell, das wasser fiel schon wieder und wir mussten raus.
Die fahrt durch die ganzen kreuzfahrtschiffe ging ohne nennenswerten vorfälle. Am anleger half uns ein chilenischer seemann und schnell waren wir fest, bei weiterhin auffrischendem wind, zehn mehr als im hafen auf der anderen seite.

20170109 liegeplatz

 

20170109 stanley

 

Die arbeiten am schiff sind soweit abgeschlossen, der neue wasserfilter ist installiert, die windsteueranlage ist eingebaut und der windgenerator hat neue repeller bekommen. Diese sind nicht so geräuscharm, wie angepriesen. Da wir aber landstrom haben, ist das teil vorerst blockiert.

20170109 neue repeller

 

20170110 wasserfilter

 

Am Mo soll es dann richtung Staten Island losgehen. Am So noch einmal ein paar lebensmittel kaufen, dann sich noch hier verabschieden und das war es dann auf den Falklands. Es sind inseln, zu denen ich zurückkommen könnte.
Nur an die invasion von tausenden ausgespuckter touristen täglich muss man sich gewöhnen. Wenn mehr als ein kreuzfahrtschiff im sommer hier ankommt, können es auch schon mal siebentausend am tag sein, big money.

20170107 bewohner public jetty

 

20170110 die invasion

 

Es lief auch etwas sehr schief, ein kleines paket aus Deutschland versendet ist nicht angekommen und die trackingnumer ist auch nicht vorhanden. Somit bekommen meine laptops keine neuen batterien, der duschsumpf keine neue pumpe, zehn neue schalter fehlen und die ofenglasscheiben geben keinen einblick ins feuer. Mist gewaltiger, am falschen ende gespart.
Dann habe ich auch meinen rechner in frankreich nicht ordentlich gecheckt. Das skype will eine neue version vom explorer und somit kann ich erstmal nicht telefonieren. Das update erfolgt erst wieder bei richtigem internetzugang. Warum können diese systeme nicht einfach ohne erneuerung leben, dieser wahnsinn kostet viel zeit und nerv.

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Auch in Frankreich ist es kälter geworden

Vom zaghaften frühling auf den Falklands bin ich den beginnenden herbst gereist. Jetzt gab es hier schon den ersten schnee. Antizyklisches reiseverhalten nenne ich das, zugvögel machen es geschickter.

Vorweg das wichtigste für die weiterfahrt: die ersatzteile sind alle da. Gewogen für den flug liegen diese bereits bei über zehn kilogramm, also ist wieder die schlepperfahrung aufgerufen. Wird schon gehen.

Was nicht funktioniert hat, ist, neue batterien zu kaufen, vorerst. Meine alten energiespeicher werden reanimiert und bekommen einen schrittmacher, einen batteriepulser nämlich. Dazu werden sie noch ein wenig destilliertes wasser erhalten. Danach sind der glaube und die hoffnung gefragt. Die kann dann an der pazifikküste zuletzt sterben.

Meine gesundheit ist auch grob zurück. Dieses kontinentale klima mit dem staub in der luft hat die nebenhöhlen nicht gerade verwöhnt. Der schnupfen und husten sind fast ganz weg, dafür habe ich noch immer ellenbogen. Jetzt fragt ihr euch, warum ich nicht zum arzt gehe. Weil ich weiss, dass es täglich besser wird und ich meinen dolmetscher nicht immer dabei haben kann. Ich arbeite an meinem französisch, mit geringem erfolg, mangels eigenmotivation.

Die reise zurück zu den Falklands, inklusive des ersten streckenabschnitts bis nach Oxford steht auch schon. Dass die planung dafür kein einfaches unterfangen war, kann nicht nur an der enormen entfernung liegen. Unter fünf verschiedenen teilabschnitten ist es von Lille bis zum flughafen Brize Norton mit der bahn nicht zu machen. Und somit werde ich mit dem bus bis zum flughafen fahren. Einen tag vor abflug versteht sich, denn eine anreise morgens um acht ist logistisch nicht machbar. Dafür gibt es dann ein hotel in Brize Norton für lau mit eigenem shuttleanschluss.

Auch sind meine fähigkeiten, eine reise zu buchen, eingeschlafen. Wenn man das nicht häufiger plant, hängen einen die verschiedenen buchungsportale ab. Da freue ich mich doch über einen profi mit einer unterstützenden hand zuhause.

Mein neuer zweite ausflug in die brd geht nächstes wochenende los. Alles im raum mittewest, zwei freunde und der neue mitsegler sind anzusteuern. Besser jetzt noch alles klären, als zu spät. Alles mit der bahn, die hoffentlich pünktlich ist. Seitdem ich mein auto vor drei jahren verkauft habe, geht es auch mit anderen verkehrsmitteln voran.

Die lust, etwas im haus zu reparieren, hält sich hier sehr vage bis fast gar nicht. Das wird natürlich hier nicht mit jubeln belohnt. Aber ich kenne mich doch, nach der unlust kommt der pfusch. Somit fange ich einige bauprojekte gar nicht erst an.

Der nasskalte herbst im Nord-Pas-de-Calais verführt mich auch nicht, durchnässt die gegend zu erkunden.

Das internet ist schnell, ich bin willig und faul. Beim letzten bericht habe ich mich über die vielen vlogs bereits ausgelassen, also diesmal nicht. Die inflation der videoblogs vertreibt eine gewisse langeweile. Inzwischen habe ich schon um die vierzig aus dem bereich langfahrtsegeln auf dem radar.

In nicht einmal einem monat bin ich wieder auf dem schiff. Die reparuturliste wird parallel erstellt und dann werden mal wieder die leinen gelöst.

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Welcome back to the real world

Ich war seit Mar del Plata im juni auf entzug und konnte auf den Falklands auch clean bleiben. Diese schlimme droge, das zwischennetz, ist schon recht zeitintensiv und der rausch hält wie bei crack nur für kurze zeit an. Ich bin nicht auf fakebook oder ähnlichem, in keiner community muss ich pseudofreunde generieren, die segelforen sind auch nicht mehr aufputschend, eher bemitleidenswert. Auf den kalten inseln war das surfen zu teuer, aber wieder in europa ist das internet so gut wie frei. Damit meine ich den zugang und nicht den gefilterten zensierten inhalt.

Also verbringe ich die ersten wochen nach meiner rückkehr mit einem intensiven update meiner alten informationsquellen. Meine liste von segelblogs und vlogs benötigte viele stunden und tage. Auch hat sich meine sichtweise auf den einen oder die andere person verschoben. Da wurden viele berichterstatter auf B und C herabgestuft und andere sind aufgestiegen.
Was passiert woanders und wo befinden sich die anderen segelreisenden? Vielleicht kann ich sie im wahren leben mal am ankerplatz treffen. Aber besonders nervig empfinde ich die ‘riesigen’ probleme, die andere auf ihrer reise haben. Ein ölfilterwechsel füllt da schon mal zehn minuten filmzeit und am ende hat der held mit den schmutzigen op-handschuhen erschöpft gewonnen. Da klopfen sich paare gegenseitig auf die schulter, nachdem sie den schweren sturm vor anker überlebt haben, bei bis zu dreißig knoten wind. Lebensgefährliche manöver werden veranstaltet, im sitzgurt von der frau per winsch geliftet, um ein leuchtmittel im mast zu tauschen, unglaublich aufregend und spannend, vielleicht für die sofasegler.

Ich möchte hier nicht noch weiter in diese themen hineingehen und ich will auch nicht überheblich klingen. Solange man keine erfahrungen außerhalb des wohnbereiches gemacht hat, ist fast alles ein projekt, eine herausforderung und oft ein abenteuer. Nur ich habe mich herausgewagt und dabei oft in die scheiße gegriffen, viele glitschige erfahrungen habe ich jetzt mehr. Mein reizlevel ist höher als vor einem jahr, als vor dreien. Das bringt eine segelreise mit sich und ich empfinde es als gut. Wer kann sich heute noch an sandkuchenformen in der sandkiste begeistern, wenn es außerhalb der box viel mehr zu sehen und zu erleben gibt.

Aber zurück zu den videoblogs, da ist mir auch einiges aufgefallen. Blogs mit freizügigen introbildern haben mehr aufrufe, tiefe einblicke noch mehr, nur im blog gibt es diese introbilder gar nicht. Da wird der skipper zum zuhälter, der die mitseglerin zur fleischbeschau freigegibt, muss doch die kohle irgendwie an bord kommen.
Die drei b’s: bikini, boobs und blankziehen in kombination – das erzeugt richtig viele klickzahlen. Nur auf dauer geht es nicht gut und die meisten zuschauer sind dann wohl doch sabbernde herren mit heruntergelassener hose, ein rohrkrepierer am segelbloghorizont.
Und wenn nicht mit ‘sex sells’, dann wird mit überflugfilmchen das leben an bord aufgepimpt oder das bewachsene unterwasserschiff wird abgetaucht. Nur machen das schon sehr viele, also auch hier schon wieder eine abstumpfung der reize. Doch siehe da, diese vlogs werden bis zu tausend dollar pro sendung durch viele sofasitzer unterstützt. Wenn sie fleißig sind, machen sie vier episoden im monat, also vier grand. Dafür müssen sie aber auch kontinuierlich liefern, bei einem arbeitsaufwand von um die dreißig stunden pro film. Viel arbeit und materialeinsatz für’s geld, aber vielleicht mögen sie das ganze auch. Ich für meinen teil möchte es trotzdem noch immer nicht machen. Es lacht zwar die kohle, gleichzeitig steigt der druck, immer wieder etwas neues zu erfinden. Meine langen reparaturlisten und die umfangreichen routineaufgaben sind für mich als alleinsegler schon genug.

Die drei jungs aus amerika, die ich in Französisch Guyana getroffen habe, habe ich in ihrem vlog wieder gefunden. Mir war nicht bekannt, dass sie einen haben. Sie sind aus der filmbranche und deren bewegte bilder sind super ästhetisch und um klassen besser als der einheitsbrei. Doch auch dort gibt es keine großen anderen abenteuer zu sehen. Nur ein film fehlt von denen, nämlich als sie versucht hatten, von Guyana aus in richtung Brasilien gegen wind wellen und strömung zu segeln. Nach vier tagen waren sie ja wieder am ausgangspunkt vor anker.

Will man geld mit seinem blog verdienen, muss die reichweite erhöht werden. Das geht am einfachsten über die sprache, wenn sie denn im repertoire vorhanden ist. In der kategorie sind zwei deutsche vlogger auf meiner liste, die sich im englischen versuchen. Beide klangen am anfang schlimm mit deutschem akzent, werden aber langsam besser und der wortschatz steigt auch. Und dann treffen sie sich auch noch – zwei deutsche, die vor kamera versuchen, miteinander englisch zu reden. Ein untertitel hätte doch auch genügt, denn bei ihrer konversation geht so viel information über bord, dass es besser wäre, man streicht den unterentwickelten sprachfilter, schade.

Was geht derzeit auf meinem sofa ab, zwischen den texten und filmchen: Einkaufen online bis die karte glüht und das konto brennt. Die ‘nice to have’ liste war überschaubar und auch bezahlbar. Am ende wurden es über zehn pakete, die an meine supportadresse in Hamburg gesendet wurden. Batterien für den laptop, repeller, schläuche, filter, schalter, segelmacherzubehör und so weiter. Die control unit der standheizung ging per post an einen fachbetrieb, weil dieser glaubte, sie reparieren zu können. Leider sind ein paar ic’s kaputt und nicht mehr zu besorgen. Also fünfzig euronen für nichts rausgefeuert. Jedoch hat er mir ein neues steuergerät angeboten, für dreihundert. Die ganze standheizung hat aber nur hundertachtzig gekostet und ich möchte nicht das doppelte in das bodenlose fass hineinwerfen.
Eine komplette neue heizung könnte ich für fünfhundert mit dem transport zu den Falklands bekommen, da bin ich noch am grübeln. Gleichzeitig habe ich noch einmal das netz bemüht und ein neues steuergerät für hundertsiebzig gefunden, schon mal besser. Der hammer war jedoch eine alte neue lagerware der britischen armee, das gleiche gerät für siebzig pfund. Gekauft. Die standheizung brauche ich vorerst nur für Patagonien und danach ist die südsee auf dem fahrplan, dort ist es meistens warm.

Die zweite größere anschaffung sind neue verbraucherbatterien. Meine sind schon mindestens vierzehn jahre alt und sie werden schwächer. Für den ersatz sollten sie das gleiche format haben, natowürfel genannt, das ganze in gel-ausführung. Die preise variieren von unverschämt bis teuer, unter zweihundertachtzig geht gar nichts. Davon brauche ich aber sechs stück und die zusammengesetzte kritische masse wiegt zweihundertvierzig kilogramm, also keine hosentaschenware.
Das nächste problen ist aber, dass die meisten dealer keine geschäfte machen wollen. Nur verkaufen, kein versand ins ausland, geschweige denn zu den Falklands. Nach zwei wochen recherche hätte ich welche in England ersteigern können. Der preis war günstiger als in der brd, weil diese verkäufer etwas mit vat-free anfangen können. Zudem gibt es auch kein unsinniges und falsch verstandenes batteriepfandgesetz. Dieser pfand gilt nicht für verbraucherbatterien außerhalb von kraftfahrzeugen – aber das verklicker mal einen unterbelichteten beratungsresistenten verkäufergehilfen.
Die transportkosten zu den Falklands kommen auf siebzehnhundert pfund per luftfracht, will und kann ich nicht. Am ende kam der erste mit seefracht zum preis einer batterie, leider kommt dann die ware erst am anfang Januar an, einen monat zu spät. Die umschlagzeit auf den Falklands beträgt mit zollbeschau noch einmal zwei wochen. Somit müssen die alten energiespeicher bis Chile halten und dann entscheide ich mich wohl für neue.

Seit über einem jahr war ich nicht richtig krank, abgesehen von der kieferprellung. Nur kaum wieder in europa und ein ekeliger schnupfen mit husten hat sich angemeldet. Segeln ist gesünder. Dazu kommt noch eine verlorene füllung und ein teilabbruch eines zahns. Die deutsche zahnarztqualität hat gerade mal fünfzehn monate gehalten.
Gestern war ich bei einer französischen zahnärztin mit englischkenntnissen. Ich kann zwar hier ein baguette kaufen gehen und auch den friseur nach einem jahr ohne haarschnitt besuchen. Mit zeichensprache geht es recht gut, nur beim zahnarzt komme ich damit nicht weiter. Die franzosen können oder wollen kein ausländisch und ich bin leider sprachlich unterentwickelt.
Es ging aber ganz gut, eine one-woman-show mit röntgenaufnahme, bohren und verfüllen des loches ohne hilfskraft. Das ist hier normal, danach noch die rechnung erstellen, für achtundvierzig euro. Warum läuft in deutschen praxen soviel personal herum, wenn es hier mit gut vorbereiteten handgriffen auch ohne geht. Das ziehen des zahns hätte nur dreiunddreißig gekostet, beim nächsten mal, vielleicht.

Meine reise nach Hamburg ist auch schon geplant, war komplizierter als vermutet. Die abstimmung von bus, bahn und flugzeug ist nicht so einfach, und ich habe damit ein unerwartetes problem gehabt. Klingt schon wie ein ölfilterwechselbericht. Letztendlich bin ich anfang November in meiner heimatstadt und werde aus den vielen paketen mit bestellungen ein großes für die Falklands machen. Es wird mit der laufzeit knapp werden.

Das paket mit der steuereinheit ist in der zwischenzeit auch schon von der britischen insel eingetroffen, hoffentlich funktioniert sie auch. Wenn nicht, bleibt das schiff kalt, die gehandelten zitronen helfen dann auch nicht.

Und dann habe ich doch beschlossen, dass mein einkauf Hamburg vor meiner ankunft in richtung der Falklands verlassen muss. Danke für die hilfe dort. Der spaß hat für die zwölf kilogramm auch nur achtzig euro gekostet. Somit sind die ersatzteile hoffentlich vor mir in Stanley.

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Abreise zur Heimatfront

Das mit dem liegeplatz in Carl’s hafen hat leider nicht funktioniert, er möchte dort keine zwei schiffe nebeneinander haben. Die lösung ist nun der hafen auf der anderen seite von Stanley. Einen vertrag habe ich schon und der preis ist günstig.

Der rückflug ist gebucht und bezahlt – und hier habe ich auch eine gute nachricht: Ich fliege direkt ohne umsteigen nach UK mit der Royal Air Force. Und das für kleinere kosten, da ich hier nun eine arbeitserlaubnis habe. Somit werde ich als ‘resident’ eingestuft und das spart fünfhundert pfund pro flug.

Im hafen hat sich auch einiges getan, mein mast ist nicht mehr der längste. Seit ein paar tagen liegt eine weitere yacht hier und heute am Fr brauchen sie meinen platz, um diesel abzupumpen. Am morgen vor dem kaffee haben wir die schiffe zusammengelegt und verlegt. Gleich danach kamen auch ein paar delfine im hafen vorbei.

20170901 paeckchen

 

20170901 delfine

 

Das ganze im-päckchen-liegen hat eine woche gedauert, war besser als befürchtet. Es war auch das erste mal, dass ich von einer anderen yacht auf mein schiff herabsteigen(!) musste. Ich dachte immer, mein freibord sei das höchste. Die besatzung war recht hilfsbereit und ich konnte sogar deren neues dingi benutzen, um das ruder der windsteuerung zu demontieren. Es muss ja nicht vier monate umsonst im wasser hängen.
Ich repariere, was ich kann, damit es im januar sehr schnell losgehen kann. Die bilgenpumpe unter dem wassertank wollte nicht mehr, das kannte ich ja schon von der anderen im motorraum. Also das gute wasser abpumpen und dann den tank herausnehmen, nur der wollte nicht so recht. Zu zweit und mit viel kraft löste er sich dann doch und es sah ekeligst in der bilge aus.

Ein cremiger, brauner schmodder, was nicht das zeug aus der toilette war. Es roch nicht und war auch nicht fettig, teilweise wie kerzenwachs. Das resultat eines experiments, das ich vor vier jahren gestartet hatte. Da es dort immer feucht sein werden würde, habe ich unterbodenwachs aufgetragen. Das hielt auch sehr lange, nur darf das schiff dann nicht im sommer an land stehen, denn dann schmilzt das zeug zu boden. Das ganze gemisch mit dem salzwasser und dem aluminiumgehäuse der pumpe brachte die galvanik so richtig auf touren. Der edelstahltank wollte nicht richtig rosten, der schiffsstahl auch nicht und somit blieb nur die pumpe übrig. Als ersatzteil für die andere wird sie noch einmal eingelagert werden und eine andere aus dem lager hat sie nun ersetzt. Diesmal aber oben auf dem tank, den dreck brauche ich nicht nochmal. Die bilder habe ich mir auch geschenkt, zu viel matsche an den händen.

Jetzt ist schon wieder wochenende, ich liege wieder direkt am steg. Die vorbereitungen für die überfahrt auf die andere seite der bucht sind abgeschlossen, fehlt nur noch der richte wind, am besten keiner.

Und dann war da noch die ansage, dass die pontons aus dem wasser kommen sollen. Aber fehlalarm: glücklicherweise fängt die saison schon an und die teile bleiben im wasser. Gut so, panik umsonst.

Die weiteren tage ziehen sich dahin und der termin zum rüberfahren in den hafen verschiebt sich. Das wetter ist gerade ein wenig bitter, sturm, schnee und regen. Vorgestern war es besonders heftig und ich vertraue mal meinen instrumenten. Der rumpf ist recht gut durch den anleger abgeschirmt und dadurch staut sich die luft auch. Laut meiner anzeige hatte ich aber in der mastspitze richtig viel wind, über hundert knoten in einer böe. Nur meine windanzeige zeigte nur zwei komma acht an, danach wieder werte in den neunzigern. Sie kann nicht dreistellig. Wenn jemand richtig viel wind haben will, so sollte er hierher kommen.

The Camber, der hafen auf der anderen seite ist auch schon bis ende Oktober bezahlt, in cash. Dafür musste ich zur einzigen bank auf den Falklands und habe mal ein paar dollar in pfund getauscht. Nicht nur dass sie einen wechselkurs haben, an dem sie verdienen, sondern will man britische pfund haben, so schlagen sie noch einmal ein prozent an gebühren obendrauf. Dabei sollte der umtausch von falkland pounds zu den britischen doch spassfrei sein, miese gierige gangster.
Nur noch fünf tage bis zum abflug, der transfer ist schon geordert. Läuft alles so glatt, hoffentlich rutsche ich nicht aus.

The Camber wurde vor dem ersten weltkrieg als marinehafen gebaut und die hallen dienten der kohlelagerung für die schiffe. Diese sollten auch durch deutsche kriegsschiffe zerstört werden, ging aber nach hinten los. Für den nächsten krieg wurden dann die dieselbunker gebaut. Der anleger, der kran, die schienen und die gebäude sind alle über hundert jahre alt.

20170902 alter anleger

 

20170902 alter anleger

 

20170902 alter kran

 

20170902 exit

 

20170902 lagerhalle

 

20170902 lagerhalle

 

20170902 lorenreste

 

20170902 schienenreste

 

Der ponton für Themroc ist auch schon leer.

 

20170902 ponton

 

Es lief auch alles ganz gut, die überfahrt zur anderen seite am So nachmittag zum hochwasser. Leider ist eine leine, die auf slip war, am steg geblieben, weil sich spontan ein knoten gebildet hatte. Sie ist gerettet und wird zum schiff gebracht.
Am Mo habe ich bei leichtem wind, also fast keinem wind, im Camber eine weitere leine zum schiff gespannt. Der verantwortliche hafenmeister wollte es so. Nur musste ich mehrfach auf den alten verrotteten anleger steigen. Da knackte es schon in einigen planken, andere waren weg oder das meiste holz vergammelt und torfig. Ein abenteuer der besonderen note, das mich eine stunde gekostet hat. Nun liegt das schiff an drei leinen nach norden gesichert, drei nach westen und zwei nach osten. Und auf besonderen wunsch noch einmal zwei meter vom ponton entfernt. Da sollte nichts schiefgehen.

20170918 ponton

 

Ich liebe diese maroden plätze, nachdem das schiff vertäut war, ging es noch einmal mit der kamera los.

 

Am nachmittag wurde ich mit dem boot von Jason abgeholt, der auch auf mein schiff ein auge werfen wird. Am abend gab es ein abschiedsessen bei Bob und Janet, A&B waren auch dabei. Die nacht konnte ich dort verbringen – und die nacht war schlecht. Das erste mal seit Uruguay habe ich im warmen ohne socken, sweatshirt und jogginghose geschlafen. Es war einfach viel zu warm bis zum aufstehen um sechs.
Der transferbus kam pünktlich um kurz vor sieben uhr und ich war der einzige gast zum flughafen. Dort lief auch alles glatt, der immigrationsbeamte kannte mich ja und verabschiedete mich mit meinem vornamen. Der flieger ein A330 war leer. In jeder sitzreihe nur drei leute, also eine menge platz, nur ich konnte nicht schlafen. Dann gab es im wechsel einen film oder mahlzeit bis um mitternacht.
Die zwischenlandung auf den Kap Verden war der temperaturhammer. Morgens nach dem nachtfrost los und in Sal waren es sechsundzwanzig sehr feuchte grad. Meine restlichen zwei geldscheine von dort konnte ich in der halben zur verfügung stehenden stunde in ein getränk umsetzen. Mit dem vollgetankten flieger ging es dann noch einmal sechs stunden weiter und am morgen war ich in UK.

Ich wurde von Sabine abgeholt und bis zum nächsten tag verbrachten wir die zeit in Oxford. Wobei ich erstmal ein bad und ein nickerchen brauchte. Am nächsten tag sind wir dann von Oxford mit der bahn nach London gefahren, dann mit dem bus zum nächsten bahnhof und durch den tunnel nach Lille. Dort noch einmal zwei busse, dazwischen ein wenig laufen wegen einer innenstadtsperrung und zur sesamstraßenzeit sind wird dann zuhause angekommen. Ich schwitze hier schon bei vierzehn grad.

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Falkland Abreisevorbereitung

Am Di nachmittag kam der freundliche mitarbeiter vom tourist office zum schiff und fragte mal nach, ob es nicht besser wäre, wenn ich den steg verlassen würde. In der nacht soll der wind stark auffrischen und mein schiff tanzte jetzt schon mit dem ponton. Und der wind werde noch zunehmen bis zum Sa hin. Aus bequemlichkeitsgründen wollte ich das wetter ignorieren - gut, dass da jemand mitgedacht hat.

Also noch schnell ein paar lebensmittel gekauft, das schiff innen grob aufgeräumt und los. Den ankerplatz vom letzten mal kannte ich ja noch, und diesmal habe ich die ganzen achtzig meter kette rausgelassen. Nur dann fing schon wieder das ofenproblem an, er zieht nicht und der qualm geht rückwärts. Meine neue vermutung ist, dass der wind um das schiff herum einen überdruck erzeugt oder hinter dem schiff kräftig saugt. Am steg geht es wunderbar, nur bei starkem wind am ankerplatz fällt der ofen aus. Somit ist er als heizquelle für Patagonien auch nicht geeignet.
Der windgenerator lief hingegen super, war auch nicht so laut wie befürchtet. Aber leider hat er sich beim sturm losgerüttelt, das vordere abspannseil hat seinen verschluss geöffnet und die neuen repeller hatten sich wieder am achterstag verkleinert. Am ende hing er über der reling am heck. Selbst schuld, würde ich sagen, hätte ich mal die muttern der neuen schelle gekontert und die verschlüsse besser gesichert.

20170809 repeller

 

20170809 repeller

 

Die zweite nacht am ankerplatz war nicht klasse, ständig irgendwelche geräusche. Wenn das surfbrett gegen die reling schlägt, dann wird wieder in die andere richtung geschwojet. Der kreis beträgt so zweihundert grad und der wind ist dabei auch sehr laut. Normal weht der wind mit dreißig bis fünfzig knoten, in böen sechzig bis siebzig knoten. Dann fliegt aber auch schon das wasser in der bucht. Nach dem schreckhaften aufwachen in der nacht und mal sehen, wo man ist, geht das wieder einschlafen sehr langsam. Die sorge ist nur, ob das ankersystem hält - wenn nicht, bin ich in zwei minuten auf der anderen seite gestrandet.

Die dritte nacht auf Fr war wesentlich besser, als die letzten beiden zusammen. Der wind hatte nachgelassen, der sturmlärm war weniger, und das klappern habe ich größtenteils abgestellt. Nur der ofen will trotz aller gewalt nur schlecht brennen. Das ofenrohr glüht auf dreißig zentimetern, die vordere luke ist leicht geöffnet, damit der wind ins schiff drückt.
Auch habe ich eine entscheidung gefällt: ich mache die kehrtwende. Es ist nicht der ofen das problem, ich bin es. Wie schon einmal erwähnt, der letzte trip hat mich mitgenommen und ein paar neue verdrahtungen im hirn wurden angelegt. Auf biegen und brechen um jeden preis weitermachen fällt mir sehr schwer, durch die beiden orkane bin ich auch zur pussy geworden. Ich muss mein schicksal nicht herausfordern, dennoch brauche ich glück, um nach St.Helena zu kommen. Die kalten tage im südatlantik sind absehbar und je weiter ich nach norden komme, umso wärmer wird es.

Ich liebe es, wenn pläne und wettervorhersagen miteinander harmonieren. Die ansage war es, dass es am Sa fast windstill sein wird, und es war. Am morgen kam der wind noch aus west und schlief ein. Kaffee kochen, einen becher trinken und den anker aufholen. Diesmal ohne kelp, dafür mit einer menge modder.
Wieder zurück zum anleger, ging alles recht gut und festmachen. Geholfen hatte zum schluss der besucher von vor einem monat. Diesmal wollte ich ihn auf morgen vertrösten, bin dann aber auf gleich umgestiegen. Das schiff gefällt und der preis ist ein wenig hoch. Mal sehen, ob es ein angebot gibt.

Am nachmittag, nachdem ich die ganze kette noch einmal herausgelassen und gebadet habe, bin ich nach Stanley west gelaufen. Unterwegs noch einige historische schaubilder abgelesen und einige schiffwracks abgelichtet.

20170812 schiffswrack

 

20170812 schiffswrack

 

20170812 schiffswrack

 

Seit ich beschlossen habe, die kehrtwende zu machen, hat das auch postive auswirkung auf meine todoliste. Am anfang der woche wurden gleich ein paar punkte abgehakt: der dieselgenerator kann wieder mit dem anlasser angeworfen werden. Das ruder hat keine löcher mehr und den dritten epoxiüberzug bekommen. Ich habe diesel geordert, der zum schiff geliefert wird, und die pendelruder sind auch in arbeit. Nächste woche könnte es vielleicht schon losgehen.

Der diesellaster kam nicht, auf nachfrage hieß es heute, dass ich zuerst zahlen muss und dann wird geliefert. Das ist so bescheuert wie in Uruguay. Also werde ich gleich mal loslaufen und mehr diesel ordern, als ich gebrauchen kann. Zuviel bezahltes geld erhalte ich zurück.
Die reparaturen gehen auch sehr gut voran, zwei pendelruder sind produziert, der windgenerator läuft wieder und das ruder hat seine bohrung für den bolzen bekommen.

Dann kamen zwei nette menschen von einem anderen segelboot vorbei, ich nenne sie mal A&B. Ich konnte seit drei monaten mal wieder in der eigenen sprache mit einem gegenüber reden. Auch haben sie mir mut gemacht, doch durch Patagonien zu fahren. Es soll dort herrlich sein und es ist mehr eine reise, als eine segeltour. Neuer plan: wenn mein einer mitsegler noch will, kommt nun die kehrtwende der kehrtwende.

Heute am Do kam endlich der diesellaster, verspätet und freundlich. Meine kalkulation von fast hundertfünfzig litern stimmte, somit muss ich nur wieder auf den berg laufen, um das restgeld zu holen.
Gestern habe ich noch zwei muttern in die plicht geschweißt, damit die grätinge festgeschraubt werden können. Auf der herreise wurde ja ein holzteil durch den seezaun vorm verduften aufgehalten. Und da ich das erste mal seit der ankunft die holzteile angehoben habe, lag dort noch der eine verschluss von der sprayhood. Hätte ich also gar nicht das stück aus der mitte heraus schneiden müssen, pech.
Morgen bekommt das windsteuerruder den ersten anstrich mit antifouling, zwei schichten grundierung sind schon aufgetragen. Es fehlt nicht mehr viel und ich bin abreisebereit. Nach dem heutigen gespräch mit A&B fahre ich auch fast allein durch Patagonien. Mal sehen, wie weit ich meine meinung noch ändere.

Am Fr bin ich dann wirklich den berg hinauf gelaufen und meine lernkurve ist mies. An der tankstelle angekommen, zeigte die uhr zwanzig nach zwölf, also lunch time und das personal ist auswärtig. Dann wollte ich die zeit im baumarkt verbringen, aber dort war der laden auch zu. Um eins kam die fachfrau wieder und gab mir mein restgeld zurück. Dadurch dass alle in dieser zeit unterwegs sind, besteht die größte gefahr, hier überfahren zu werden, um zehn nach zwölf oder um zehn vor eins, denn dann ist hier rush hour.
Auf dem rückweg habe ich noch am müllcontainer vom anleger nebenan vorbeigeschaut und für die nächsten fischfangversuche einige haken aus einer mülltüte geangelt.

20170818 angelzubehoer

 

Wie schön ist es, wenn jemand ein auto hat und ich auch noch gefahren werde. Am Sa war so ein tag, einkaufen, schiffswrack an land besichtigen und zur müllkippe fahren. Das bringt mir spaß und war erschreckend zugleich. Hier wird wie in den sechzigern und siebzigern des letzten jahrhunderts der müll entsorgt. Und noch viel schlimmer, denn sie machen es an der küste, so dass der plastikmüll, nachdem er von der planierraupe zerpflückt wurde, durch den wind aufs meer geweht wird. Dazu kommt noch ein stinkender schwelbrand. Für die tausenden möven ist am wochenende fressen satt. Und dabei wollen sich die Falklands als naturreservoir ausgeben, diese drecksäue.

20170819 muellkippe

 

20170819 muellkippe

 

20170819 muellkippe

 

Das schiffswrack lag hinter dem kaputten anleger und dem restschiff im wasser. Es soll vielleicht als ausstellungsobjekt beim museum teilweise wieder aufgestellt werden.

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

20170819 schiffswrack

 

Am So gab es zwei stunden, in denen der wind gedreht hat. In dieser zeit war windstärke null und somit der richtige zeitpunkt, um das ruder der windsteuerung einzubauen. Passte alles, die eine flex hat jetzt keinen griff mehr, dafür das ruder. Jetzt ist die liste für eine abreise in richtung norden abgearbeitet und es könnte losgehen. Wenn es nach süden geht, habe ich noch ein paar kleinere dinge zu erledigen.

Und die jungs vom nachbaranleger sind nett, konnte ich doch zwei waschmaschinenladungen waschen und trocknen. Danach wollte ich noch die standheizung in betrieb nehmen oder den fehler finden, jedoch will sie nur noch den ventilator starten. Also ist das teil abgeschrieben und eine neue muss her oder ein reflexofen.
Mein optionaler mitsegler will immer noch, nur jetzt erst ab Januar, das ist aber schon wieder recht spät für den Pazifik. Andererseits könnte ich nach hause fliegen und ersatzteile kaufen. Dann aber bräuchte ich hier einen sicheren platz für das schiff.

Seit heute bin ich zwei monate hier auf der insel und habe wieder einen durchblick. Ich muss nur ein paar scheine bedrucktes papier in die hand nehmen und wieder nach hause fliegen. Dort kann ich mich um ersatzteile kümmern und weitere kräfte tanken. Nur dass das hier einer der schlechtesten plätze auf der welt ist, um günstig zu verschwinden. Eine reise bis nach europa dauert zwei bis drei tage, davon einen im flugzeug. Entweder man fliegt mit der army in achtzehn stunden in die nähe von Oxford, danach bus, danach bahn bis London, danach tube zum anderen bahnhof, danach zug bis Lille. Das gibt es ab zwölfhundert pfund plus zweihundert für die kosten nach der landung. Oder eben über Santiago nach Paris in drei tagen für weniger, es soll der bessere weg sein. Und so sind die würfel gefallen.

Ich habe schon einen sicheren hafenplatz organisiert, es fehlt nur noch ein windschwacher tag, der aber in der nächsten woche zweimal erscheinen soll. Dann liege ich in Karls’ hafen, den er sich gebaut hat, nachdem er ein schiff zusammengeschweißt hatte und keinen liegeplatz bekommen konnte, sehr praktisch.
Eine andere geschichte ist die vom toten fischer vor Süd Georgien und das schiff musste nach Stanley zurückfahren, todesursache tbc. Alle seine sachen wurden in eine holzkiste verpackt und landeten im müllcontainer am nachbarsteg. Dort habe ich auch meine angelhaken heraus gefischt und zeigte auch interesse an der schon geöffneten holzkiste. Zum glück war sie zu groß, lag auf dem rücken, der deckel war offen und der inhalt sah nicht wirklich lecker aus.
Jetzt habe ich erst erfahren, was der inhalt ist und dass der container verbrannt werden sollte. Das krankenhaus hier meinte, es sei nicht notwendig, die vom anleger meinten besser ja. Der einzige ofen hier für solche aktionen wollte, aber der container war zu gross. Nun steht die geschredderte kiste mit den ganzen klamotten schon wieder auf dem anleger und wird wohl demnächst auf der einzigen müllhalde abgekippt werden. Irgendwie will keiner eine verantwortung dafür übernehmen, alle offiziellen hören weg und ich habe schon leichten husten.

20170827  seemannskiste

 

Jetzt kommt’s: Ich habe mich endlich entschieden, für ein paar monate nach hause zu fliegen. Das hätte ich schon früher tun sollen, aber es hat sich erst jetzt herauskristallisiert. Im Januar geht es dann weiter in richtung süden.

 

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Falklands extended

Die woche fing besser an, als die letzte aufhörte. Trotzdem ist die stimmung am boden. Die geschichte mit dem dreck in der schraube wurde gestern, am Mo, geklärt. Bob hat als rentner nicht so richtig etwas zu tun, und die beiden denken auch schon für mich mit.
Am morgen haben wir erstmal das boot gedreht, da es in den nächsten tagen recht frisch aus dem norden wehen wird. Das wetter war gerade zu ideal und die leichte brise drehte das schiff fast von selbst. Danach haben wir mit seiner unterwasserkamera den propeller begutachtet und nichts gefunden, hurra, ich muss keinen taucher finden! Ich war mir aber sicher, dass da etwas war, nun denn.

Am nachmittag sind wir dann zum rohrbieger gefahren, mehrmals, weil er nicht in der werkstatt war. Die halle ist eine sehr unaufgeräumte werkshalle, in der eine planierraupe, eine zugmaschine, ein geländewagen, mehrere motoren und generatoren herumstehen. Dazwischen werkzeug, defekte pumpen, gasbuddeln, schweißgeräte, ein kleinbagger und alles, was mal irgendwo angeschraubt war. Ein richtiges chaos, aber Mike soll alles im dreck wiederfinden können. Er ist nett, und für die drei motorfundamente wollte er nur sechzig pfund haben. So habe ich noch zwei neue in reserve.
Dann wurde das hauptrohr der windsteuerung zersägt und in der mitte etwas wie edelstahl eingeschweißt, sein business. Hauptsache, die maße stimmen wieder, zurückbiegen wird schlecht machbar sein, er kennt sich aus. Danach habe ich ihn noch mit meinem anlassermagnetschalter beauftragt, irgendwo hat er noch einen, muss ihn nur noch finden.

Und heute stand das aufschneiden des ruders der windsteuerung auf der tagesordnung. Bob hatte schon mal angefangen mit seinem feintool. Dann kam ich zur mittagszeit dazu und es ging mit meiner flex recht schnell weiter. Nach einer stunde war das teil halbiert und vom nassen füllschaum befreit. Teilweise war die epoxihülle dicker, als die tennscheibe tief ist. Mit den beiden hälften ging es wieder zu Mike, damit er den unteren schaft wieder gerade biegen kann. Leider habe ich meine kamera vergessen mitzunehmen.
Das nächste problem ist aber auch schon wieder in sicht, es gibt hier kein epoxiharz zu kaufen, ist gerade aus.

Gestern war es noch sehr trüb und heute war ein guter tag, auch wettertechnisch für den winter hier besonders ruhig. Mein ofen ist gerade auf schmusekurs, brennt sofort, kein rückqualm einfach nur gut. Wenn ich für eine absehbare zeit das schiff verlasse, lege ich holz nach, damit es warm bleibt und der brennprozess wieder schnell anlaufen kann.
Weil es heute so schön war, bin ich mal harz kaufen gegangen oder habe es versucht. Die beiden baumärkte von gestern konnten ja nicht liefern, ausser epoxi in kleinstmengen. Also heute mal zum nächsten shop gelaufen, sie hatten aber auch nur dieselben produkte. Dort gab es einen freundlichen rat, vielleicht Falklands Farmers, die könnten das haben. Also einmal quer durch das dorf und natürlich hatten sie es nicht. Aber um die ecke gab es eine karosseriewerkstatt, leider keiner zugegen und offene tore. Ein lkw-fahrer fragte mich, ob er mir helfen könnte und er konnte: in der tankstelle gibt es das zeug. Und tatsächlich stand es dort im regal. Paste mit fiberglas und flüssig im ein-liter gebinde, somit gingen schon wieder zwanzig pfund durch die kreditkarte. Eine andere kundin in der tankstelle an der kasse fragte mich, ob ich bei Falklands Farmers erfolgreich war. Diese insel hat augen und ohren.

Was ich hier vermisse ist hundescheiße, ich habe noch keine gesehen oder ins schiff getragen. Auch habe ich noch keine hunde gesehen, nur katzen. Allerdings gibt es hier neben dem grünstreifen gänsescheiße, und das sehr massiv. Die lieben tiere fressen und auf dem fußweg oder der straße wird abgedrückt, wenigstens sind es veganer.

Zum wochenende hin soll wind kommen, aber aus der falschen richtung. Es beunruhigt mich ein wenig, dass der gelbe kutter meinen platz von vor vier tagen einnimmt. Es soll nord mit ostwind geben und reichlich. Das letzte ankermanöver war ja auch nicht klasse, so werde ich hier bleiben, die farbe ist eh schon angegriffen.

Dafür habe ich heute mal wieder die liste gekürzt, der bolzen im schanzkleid ist ausgetauscht. Auch habe ich die halterung des wingenerators erneuert, nicht schön und hoffentlich haltbar. Es waren noch mehrere aufgaben zu erledigen, doch dann fing leichter schneefall an. Alles wieder eintüten und morgen weitersehen.

Da kam doch einer noch am abend an und ist vielleicht am schiff interessiert. Freundlich und hat schon ein kleineres boot, will sich vergrößern. Leider war es schon dunkel und ich auch nicht darauf vorbereitet, also vertrösten. Und somit war gestern am Sa erstmal aufräumen angesagt und dann mal versuchen, den schmutz zu beseitigen. Dafür muss ich mir schon die brille aufsetzen, damit ich den dreck sehen kann. Nach zwei stunden hatte ich erstmal genug davon, das ergebnis war gut, nur bin ich noch lange nicht durch.

Heute war mal ein außerplanmässiger ofenreparaturtag, den ich gestern schon befürchtet hatte. Alle schamottsteine sind durch den betrieb der letzten vier wochen gerissen. Im örtlichen baumarkt hatte ich auf der suche nach dem epoxi feuerzement gefunden. Und was mir hier auch gefällt, sind geschäfte, die auch am So geöffnet sind.
Alle bruchstücke sind wieder eingeklebt, eine neue dichtung für die klappe und ein neues blech vor das abgasrohr gefriemelt. Jetzt brennt er wieder wunderbar, zieht gut. Warum nicht gleich so.

Der wind der letzten tage war nicht schlimm und nicht so stark wie erwartet. Auch kamen keine bösartigen wellen, alles ist gut gegangen. Bei der immigration war ich in den letzten tagen auch noch und habe meinen aufenthalt verlängern lassen. Als nächsten termin habe ich dann nine eleven bekomme oder hätte ich mit dem datum ein problem. Eigentlich nicht mehr, so lange sie mich nicht in die luft sprengen oder mir den Allende machen.

Die nacht zum Mi war mies, das großfall hat die ganze zeit auf den mast eingeschlagen. Selbst verursachter lärm, den ich am morgen erstmal abgeschaltet habe. Nach dem frühstück war wieder das wärmebeschaffungsamt auf tour. Zwei neue paletten aus den müllcontainer gefischt und daraus werden drei fischkisten voll holz.
Der ofen nach seiner zementüberholung brennt super, denn das alte blech passte nicht mehr an seinen platz, ein baufehler. Dafür hatte ich ein alublech zum hineinschrauben zurecht gesägt. Dieses hielt gerade einen tag und am morgen war ein geschmolzener klumpen im brennraum. Im hinterkopf hatte ich eine schmelztemperatur von aluminium von achthundert grad, also wird der ofen richtig heiß. Das neue blech ist aus edelstahl und der ofen zieht kontrolliert, kein rückschlag mehr.

Dieser Mi war dann noch richtig erfolgreich, der ruderschaft hat im unteren bereich ein neues stück bekommen, leider aus vollmaterial. Das darf nicht auf den fuß fallen, der wäre dann ab. Das gute daran ist, dass das ruder jetzt dort hinein schmatzt, wie es eigentlich auch sein sollte. Die vorbereitungen zum zusammenkleben sind in der planung Auch abgeschlossen. Dann gab es noch einen reparierten anlasser für den generator zurück, kostenpunkt für alles hundertfünfzig pfund.

Heute ist wieder ein Sa und es war in der nacht schon wieder unter null grad. Das passierte bis jetzt dreimal und immer in der nacht zum Sa, merkwürdig.
Die letzten tage waren ein wenig anders und besser als die letzten beiden wochen. Zur mittagszeit gehe ich den berg hinauf, um das ruder in Bobs garage zu kleben. Danach gibt es noch einen tee und dann wieder hinab. Ich würde das teil jetzt schon als stabiler deklarieren, als es im originalen zustand war. Mit glasfaserspachtel zusammengeklebt, danach die herausgebrochen flächen verfüllt und heute glasfasermatten um die naht herum geklebt. Das war für mich das erste mal im leben und es ging gut. Morgen noch einmal harz auftragen, dann wieder ausschäumen, die löcher dichten und noch einmal harz darübergüllen.
Nur gestern wollte ich den reparierten anlasser wieder einbauen, und er lief nicht, die batterie ist am ende. Auf dem weg dorthin habe ich den magnetschalter getestet, und er zieht, der anlasser dreht, nur die bügelfeder dazwischen fehlt. Hat der Mike wohl beim zusammenbau vergessen.

20170724 ruderhaelften

 

20170729 ruder gespachtelt

 

20170729 ruder laminiert

 

Auch ist meine laune besser geworden, ein möglicher mitreisender ist in sicht oder ein weiterer. Die idee umzukehren und weihnachten auf Martinique zu verbringen, wurde von meiner heimatfront abgelehnt. Vielleicht ist es auch gut so.

Nach fünf wochen hier in Stanley habe ich mich auch schon die die kälte gewöhnt. Wenn man denkt, hier regne es dauernd, so ist das nicht der fall. Eher das gegenteil, die farmer haben keinen schnee, kein wasser dringt in den boden, und regnet es doch mal kurz, dann trocknet der wind alles sehr schnell.
Nur der frust kommt wieder und das gleich am anfang der woche sechs. Nachdem ich am So nachmittag die garagenwerkstatt verlassen habe, hat sich Bob einen stein ins auge kommen lassen. Das krankenhaus hier kann das problem nicht lösen und so sind Janet und Bob am So abend nach Santiago geflogen worden. Ich habe mein ruder, aber nicht meine schraubzwingen, die spachtelmasse und nicht den schaum. Das ist noch alles in der garage und wann sie wieder zurückkommen ist ungewiss. Ein richtig dicker haufen.

In der mitte der woche war dann auch mal die hafenaufsicht am anleger. Den kannte ich ja schon von der leinenaktion her. Sie wollen zum ende des monats die pontons aus dem wasser nehmen, um sie zu überholen. Mein ausweg dann ist eine offerierte mooring oder zum anderen anleger zu ziehen. Bis dahin muss eine entscheidung gefällt werden, wohin ich will, norden oder süden.

Egal wohin es gehen wird, die reparaturliste wird abgearbeitet. Am Fr war der wind gerade mal weg und die sprayhood lag unter der nähmaschine. Da ich hier keine verschlussknöpfe bekommen kann, habe ich den in der mitte von vorn genommen. Und da diese nicht öffenbar sind, habe ich ihn mit dem stoff ausgeschnitten und verpflanzt. Das neue loch wieder zugenäht und die beiden oberen ecken verstärkt. Zum sonnenuntergang war es dann geschafft und das teil ist wieder über dem gestänge. Bilder dazu gibt es nicht, sieht nicht so gut aus.

Am So nachmittag war ich dann mal einbrecher in der garage. Damit es weiter gehen kann, brauche ich meine sachen. Janet hat das auto so dicht vor die garagentür gesetzt, dass ich durch den spalt nicht hindurch passe. Aber wenn ich das reserverad entferne geht es vielleicht und es ging. Bauch einziehen durch robben und drin, sachen zusammen gesammelt, rad wieder an die position geschraubt und es kann weiter gehen.

Da mein windgeneratorenhersteller nicht in der lage ist, mir ein angebot für die richtigen repeller zu machen, er auch nicht mehr auf meine emails reagiert, muss mal ein neues experiment herhalten. Die alten repeller habe ich gleichmässig gekürzt und aus sperrholz neue gesägt. Diese werden dann auf die alten genietet. Mal hören wie laut die werden.

20170805 repeller neu

 

20170805 repeller neu

 

Die nacht auf Mo war ganz gut, denn diese woche wird es hier recht ungemütlich werden. Der wind wird aus dem norden mit ostanteil kommen, also recht seitlich aufs schiff. Dann müssen die fender schwerstarbeit verrichten.
Auch ist der schritt der ausschäumung beendet, das zeug muss nur noch aushärten. Nach zwei tagen verschließe ich die füllöcher, noch einmal epoxi darüber, antifouling und montage. Jeden tag ein wenig abzuarbeiten geht recht gut.

20170807 ruder schaum

 

20170808 ruder schaum

 

Mein einer aspirant für Patagonien ist abgesprungen, wenigstens eine klare ansage, mit der ich planen kann. Somit bleibt mir nur der andere, aber erst gegen ende oktober. In ein paar tagen kommt Thies an, mit dem muss ich mal schnacken, vielleicht kommt dann klarheit in die sache. So wie das heute aussieht bereite ich mich gedanklich auf St.Helena vor.

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