Hotel California

Refit teil drei

Ich habe den titel während der schreibzeit mehrfach geändert. Aus der ferne haben mich die blockwarte und die ausgangssperre in der brd irritiert. Doch hier ist die situation zur zeit die, wir sind drin auf dem trockenen und kommen nicht raus.

20200401 bullshitbingo

 

Es ist noch immer anfang April, das schiff ist noch immer offen und ich habe ein kleines haariges problem. Aber zuerst ist die arbeitsweise der akteure hier abenteuerlich, auf jedenfall hirnlos. Es wurde mein schiff erstmals von innen grundiert, die schweißarbeiten sind noch nicht fertig. Ich kann die schweißnähte nicht mehr prüfen, die weiteren schweißungen sind auf farbe nicht sauber machbar.
Die gute nachricht indes: es sind drei wochen seit dem projektmeeting vergangen und ab heute ist der stellplatz kostenfrei. Wenn sie zu ihrem wort stehen. Das bringt mich aber auch nicht weiter, eine woche, in der nichts passiert.

20200401 t-schinen im schiff

 

20200401 laengstraeger

 

20200401 loch vier

 

Zum haarigen problem, kakerlaken hat fast jeder segler, bei mir waren schon mehrere arten im schiff. Nun habe ich wohl aber rattenbesuch hier im schiff. Zuerst dachte ich, der apfel hatte kakerlaken knabberbesuch. Dann fand ich noch eine orange, die auch angefressen wurde. Also bin ich zu einem auf dem gelände hin, der sich mit ratten auskennt. Ich fand das thema vorher bei ihm im sauberen schiff noch lustig und lachte innerlich, schadenfreude ist nicht gut. Nun habe ich mich bei ihm dafür entschuldigt, er konnte davon nichts wissen. Ich habe jetzt rattengift von ihm bekommen und warte mal ab.

Das wochenende ist schon wieder da und diesmal wird es keinen ausflug geben. Ich erledige kleine arbeiten am schiff und schaue mich ein wenig um. Die arbeiten gehen voran, es sind fast alle l-profile eingeschweißt unter kräftigem rauch von der verbrannten farbe. Nächste woche soll alles abgeschlossen sein und sie wollen das schiff ins wasser bringen. Zum einen ist das ok, testen, ob es dicht ist. Wird es wohl auch sein, ist doch schon farbe auf den nähten. Nur zum anderen beunruhigt es mich auch, trauen sie ihrer eigenen arbeit nicht.

20200403 farbe innen

 

Zufälligerweise hat einer am Sonntagnachmittag einen einkauf angesetzt und es war noch platz im auto. Also im baumarkt den motorölkauf im großgebinde realisiert. Danach noch einmal zu supermarkt, aber nur mit mundschutz, den man für einen euro erstehen kann.

Durch den schwachsinn der farbe im innern wurde am Mo das schweißen interessanter. Die grundierung wurde entfernt und das meiste wurde durch ein paar ampere abgebrannt. Das stinkt gewaltig, die luft ist zum schneiden dick, und ich denke nur, hoffentlich krepieren sie nicht im schiff. Die gehen dann sicherlich als coronatote wegen atemnot durch.

Am Di das gleiche, die luft im schiff ist noch dicker, einer flext innen, der alte schweißer fixiert alle l-und t-eisen mit seitenwechselnder naht. Da überall farbe drauf ist, brennt diese ab. Das gebläse verwirbelt nur den nebel. Draussen flext der erfahrene schweißer die nähte, nachdem ich mein wunschschleifen erklärt habe. Zuerst von oben nach unten, dann von unten nach oben, dann das ganze runden. Wird besser als das verschliffene original. Der dreck ist außerordentlich und ich habe schon mal ein reinigungsteam geordert, für wenn das werk fertig ist.

Mi: das loch wird verschlossen, vom alten. Innen soll der junge mit verdünner die abgebrannten stellen gleichzeitig säubern, ich will die flex. Verständnis, wissen, zero.
Das gebläse läuft und wirbelt den dreck im schiff herum, kein system zum herausblasen. Am abend ist die schwarze schicht so dick, dass ich anfange zu säubern, um nur halbdreckig ins bett zu kommen.

20200405 quertraeger

 

20200408 loch vier

 

20200408 slipyard

 

Sind diese menschen unterbezahlt, es kommt auf den vergleich an. Sind unsere berater überbezahlt, ich denke schon. Deren ergebnis ist mit den arbeitern auf einer ebene vergleichbar. Können nichts, wollen viel und das ergebnis ist negativ. Nur die menschen hier verdienen zwanzig euro, wenn sie gut sind. Der mindestlohn ist zehn euro. Im vergleich zum berater hinkt nicht so sehr, sein arsch wird für tausendfünfhundert am tag verkauft, wert ist er höchstens zweifünfzig.
Wer noch nicht die lücke erkennt, der genannte mindestlohn ist hier pro tag, nicht in der stunde. Denn der werftbetreiber als zuhälter kassiert natürlich mehr als die hälfte ab von der summe, die ich bezahlen muss. Wer von außerhalb kommt, muss abstecke zahlen, oder fettgeld zum schmieren.

Meine transportkarre hat eine neue ganze achse bekommen. Stangen gibt es genug, ab auf die drehbank, noch ein gewinde am ende und nach dem einschweißen fertig. Sie rollt wieder, fehlt noch ein wenig farbe, nachdem der rost entfernt ist.

20200408 transportkarre

 

Auch die ankerwinsch ist wieder zurück, ein zwischenstück für die achse in der kupplung. Und wenn wir schon dabei sind ein neues u-blech, damit die kette wieder von der nuss abgeschert wird.

20200404 ankerwinsch

 

20200404 motorkupplung

 

Do: der letzte teil des querträgers und des längsträgers vom vierten loch sind im schiff. Der alte verschweißt außen ringsum und der junge schweißer schleift die nähte, schleifen, schleifen und schleifen. Nach der entnommenen relingsprobe vor ein paar tagen sind die ersten relingstücke erneuert. Der alte hat währenddessen den ersten ausschnitt der mittelklampe wieder in position eingeflickt. Nicht schön, aber drin.

20200409 loch vier

 

Ein eisenbieger nimmt die falsche tür…, besser hier: gendergerechtsprech eisenbiegerinnen. Das machen hier frauen, sind wohl noch günstiger, aber mit akribie dabei. Die armierungen für die ecken werden hier vorort angefertig. Am nachmittag haben sie dann noch die verschalungen repariert, denn das betongießen ist nicht mehr weit.

20200409 eisenbiegen

 

20200409 eisenbiegen

 

20200410 eisenbieger

 

Die drücken die baumstämme bis spät in die nacht in den fluss. Sicherlich interessiert sich niemand hier für den größten mond des jahres. Das ist ein thema für die coronaeingesperrten, als ablenkung. Hier ist es nur in der planung, damit man einfacher die tiefen bereiche verschalen und gießen kann. Nur das wasser kommt auch höher und ich kann dann beim hochwasser nur noch knietief zum schiff kommen.

20200409 knietief

 

20200409 knietief

 

20200409 slipyard

 

Das wasser ist weg, der slipyard weiter zu und die segler kommen zurück. Die reise zwischen den thailändischen provinzen ist nicht mehr möglich und nun liegen sie schon zu dritt im großen päckchen, können das aber noch nicht. Zerdrückte fender, frische neue abgeschrammte farbe und der erste streit im stress ist angefacht. Wenn ich denen sage, nach der farbe ist vor der farbe, dann wollen sie mich fast lynchen.

20200409 rueckkehrer

 

20200410 zurueckkommer

 

Das war wohl doch noch nichts mit der farbe im innern, da die nähte außen noch nicht abgenommen sind. Oder anders formuliert, die sehen noch schlechter aus, als wenn ich das gebraten hätte. Ergo schleifen und schweißen und schleifen. Es kostet mich eine menge zeit, aber es soll einigermaßen werden, nicht super.
Dafür hat meine reling jetzt vier neue ständerrohre und eine horizontale erhalten. Dieser schweißer mag seinen job, er kann auch drehen, aber das gefällt nicht so sehr. Meine neue achse an der sackkarre ist trotzdem rund geworden.

20200409 relingstuetze

 

20200413 relingsrohr

 

20200413 relingstuetze

 

Das war nicht so richtig etwas mit dem ausflug am Sonntag. Die erste straße links ab und dann immer  geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, rechts abbiegen. Das hat alles funktioniert, die sonne schien und ich konnte mich am schatten orientieren und kam auch dort an, wo ich hinwollte. Nur nichts aufregendes gesehen, bäume, garnelenteiche und landschaft. Meine fieberdurchschnittstemperatur von drei messorten beträgt fünfunddreißig komma vier grad. Noch ein paar messungen weiter und ich erfriere hier an unterkühlung, aber immer schön mit maske.
Warum nur, warum sind alle unterbelichtet, warum kuschen alle, warum glauben sie alles, warum schweigt die mehrheit.
Im supermarkt dann die nächste regel, von heute an bis zum neunzehnten gibt es keinen alkohol zu kaufen. Wie soll ich denn den schwachsinn ohne betäubung überstehen? Beißen sie mal fester auf den korken, solange wir ihnen die propaganda ins hirn pumpen.

Die woche beginnt, ich bin weit vor der sonne wach, durch diese religiösen fanatiker morgens um fünf. Dazu kommt eine sehr schlechte nacht, sehr heiß und ein altes problem ist wieder im schiff. Während ich versucht habe einzuschlafen, fiel ein esslöffel zu boden. Beim ersten pling will man es noch nicht glauben, aber es kann nur der von der rattengiftdose sein. Das ergebnis ist ein angeknabberter neuer apfel und eine halb verschleppte abgeknabberte mango. Beides gestern gekauft und neben dem herd auf dem tisch abgelegt. Dabei hat sie eine woche lang kein gift gefressen. Die jagt geht weiter.

Ein zweiter tag und keine schweißerei und schleiferei, mann, bin ich genervt. Alternative projekte müssen her und dafür brauche ich bald mein schweißgerät und meine elektrischen werkzeuge. Das erste ist tief unten in der mittelkabine, in die ich alle sitzkissen und küchenschubladen gestopft habe. Alles raus und in die achterkabine, danach wieder alles zurück, schweißnass.
Die werkzeuge sind vorn unter dem kühlschrank und dem küchenrest. Unterm werkzeug lagert das antifouling und darauf sind rattenködel, hart und durchgetrocknet. Das biest hat letzte nacht den cracker in der falle verweigert, heute abend hängt dort eine leckere scheibe mango.

20200413 rattenfalle
Die windsteueranlage scheint heute fertig geworden zu sein, morgen werde ich sie testen. Die umlenkrollen der genualeine sind restlos zerlegt, eine halterung wurde geschweißt, eine andere hat eine neue mutter aufgeschweißt bekommen. Alles dauert und wird nicht schneller.

20200413 handlauf neu

 

Vielleicht passiert heute etwas am schiff, am Do. Gestern waren keine aktivitäten zu spüren, dabei ist nur noch ein tag richtige arbeit erforderlich. Die windsteueranlage liegt jetzt bei mir auf einem tisch am boot.
Die fünfzehn halterungen für die inneneinrichtung haben sie dann gestern doch noch angefangen zu produzieren. Der auftrag ist schon über eine woche alt. Die gute und schlechte nachricht ist, dass zwei segmente im badbereich wieder stehen, nur provisorisch. Die schlechte ist, dass sich die geometrie ein wenig geändert hat, die längsträger habe eine neue position und die querträger sind breiter. Ich habe ja zeit.

20200416 halterungen

 

20200411 nachschweissungen

 

Gestern am Do und heute habe ich das bad und die küche bis zum herd wieder in position gebracht. Es ist alles, nur nicht fertig. Das brett, auf dem das klo ruht, hat eine doppel t-schienen halterung bekommen, mit dem rumpf verschweißt. Somit könnten auch theoretisch die zweihundertkilo ärsche darauf sitzen, nur sie kommen ja nicht ins schiff. Alle anderen holzwände haben ein bis zwei der halterungen bekommen, alle verschweißt.
Morgen geht es an den rest, zwischen herd und weißem schrank. Alles stimmt nicht mehr so richtig, viele neue auskehlungen und der rechte winkel mit dem auge gemessen. Hinderlich sind auch neue querträger, die vorher nicht vorhanden waren, deren abmessungen sind sowieso größer. Aber morgen soll die schleiferei und schweißerei beendet werden, ich bin gespannt.

20200416 wc träger

 

20200420 wc träger

 

20200416 badfixierung

 

Auch ein dicker hals lässt nach, es wurde angefangen zu schleifen. Nur sie verstehen nicht, dass eine schweißnaht geschlossen sein sollte. Also lernkurve noch einmal von vorn, wobei der schweißer weiß, wovon ich rede. Nur hat der sozusagen manager von tunten und blasen keine ahnung.
Wir sind sehr kurz vorm ziel, und neue ideen kommen auf, die nicht zielführend sind. Es kostet nicht nur meine energie.

Dafür habe ich schon über zehn der halterungen im schiff verschweißt. Eine neue trennwand ist im schiff, als ersatz von dem flickenholzteppich, als ich die reste vor acht jahren verwendet hatte. Nun ist das teil nicht mehr aus vier reststücken.

20200418 kuechenfixierung

 

20200418 kuechenende

 

Entweder ist es eine wetteranomalie oder die regenzeit fängt hier schon an. Am nachmittag so um drei ziehen dicke schwarze wolken auf und ergießen sich heftig. Ein unwetter in der deutschen zone ist dagegen nieselregen.
Der tagesausflug war heute mal am Dienstag, gestern war des führers geburtstag und neue maßnahmen sollten ergriffen werden. Die ansteckungsrate ist unter eins, es gibt über zehntausend freie intensivbetten in den krankenhäusern in der brd, keine pandemie, kaum tote und trotzdem ist das grundgesetz außer kraft. Die knarrenbauerin bestellt mal eben fast fünfzig neue atombombentragfähige kampfflugzeuge am parlament vorbei. Auf China wird eingedroschen und forderungen werden laut, auf die russen sowieso. Die automobilproduktion wird hochgefahren und das kontaktverbot bleibt trotzdem bestehen. Und keiner muckt auf, sehr brav, sieg merkel oder so.
Hier in Thailand haben sie mal das alkoholverkaufsverbot bis zum monatsende verlängert. Alles haben eine maske zu tragen, wenn ich aus dem lager rausgehe bis nach Satun, hängt sie unterm kinn. Meine ausbeute heute ist eine kreissäge, ich habe die zeit und arbeite mindestens genau so gut wie die holzarbeiter. Richtige tischler gibt es kaum welche.
Das letzte blech war etwas pfuschig eingebraten worden. Die obere naht hat mindestens eine zwei millimeter tiefe lücke. Ihre lösung war ein u-profil mit vielen schrauben. Die werden an den rumpf geschweisst und die muttern werden angezogen. Von innen kommt dann der fünfkilohammer, während die muttern angezogen werden, eine kaltverformung. Wenn sie dauerhaft hält, ist es gut.

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 big hammer

 

Heute ist Fr der vierundzwanzigste April und drei wochen später, als der fertigstellungstermin. Die schweißarbeiten sind fertig, es fehlt nur noch das küchenabwasserrohr. Das teil ist auch schon mit zwei gewinden versehen worden, an beiden enden, wozu. Eins hätte doch gereicht. Leider mucken sie auch herum und wollen sich von ihrer zusage drücken, die überzogene zeit sei frei. Diese wesenszüge gefallen mir nicht und machen mich mehr als ärgerlich.

Der gleiche tag nur am abend. Es ist nichts von der werftseite passiert, der manager war heute auch nicht freundlich, egal. Smaltalk mit dem besitzer und ich hoffe, dass morgen das projekt rumpf abgeschlossen ist.
Dafür habe ich heute schonmal alle neu abgebrannte farbe weggeflext, macht dreck. Der mindestlohndilettant kann dann mit schleifpapier und einer drahtbürste noch darüber gehen.
Der türrahmen zur achterkabine hat ein wenig epoxi-spachtel erhalten, er ist halbwegs aus dem zustand des zerbrechens heraus. Mein lieblings lavac hat eine entrostungskur bekommen. Mein zugeführtes essen war über die letzten jahre nicht so sehr eisenhaltig. Dennoch rosten die edelstahlschrauben der befestigung und das habe ich entfernt. Es sind jetzt die kleinen schritte, die die zusammensetzung des großen verbessern.

20200423 neue halterung

 

20200425 neues abwasserrohr

 

Ich muss vorsichtiger und nicht so vertrauensvoll mit den diesen leuten werden. Der manager ist ein entfernter teil der familie, die ansprechpartnerin ist mit dem schlaganfallgelähmten sohn des besitzers verheiratet. Das hier ist alles eine mischpoke.

Die arbeiten am slipway gehen auch nur schleppend voran. Die winde hat zusätzlich zum verschleiß einen getriebeschaden. Dafür ist die neue achse für die kabeltrommel fertig. Und weil der damm zum abhalten des flusses noch wasser durchlässt, wird an einigen stellen auf dem slipweg der beton entfernt. Dort sollen überfahrten der gleise für den gabelstabler neu gegossen werden. Sie werden das alles hinbekommen, nur wann.

Keep calm and build on. Die neue halterung wird von mir bald verbaut werden. Auf gesprächsdruck meinerseits hatten sie plötzlich keine zusage zum freien platz mehr gegeben, dann ist auch gerade die farbe ausgegangen. Und dann wurde ich doch sehr laut, nicht meine art. Der manager ist währenddessen vom grundstück gegangen.
Jetzt wird es spannend werden.

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Eine Antwort auf Hotel California

  1. Hugo sagt:

    Jedes mal und mit großem Vergnügen lese ich was Du erlebst, diesmal im Hotel California :
    Such a lovely place,
    so many lovely faces …

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