Ein Tausender Kampf von Borneo nach Batam

Der anker ging auch diesen morgen, am neunundzwanzigsten Januar, auf und es ging ab in richtung Kumai. Meine informationen in der karte waren dürftig und es war ein dreizehn meilen langer weg den fluss hinauf. Flüsse sind nicht die stärke meiner seekarten und so ging es in der realität streckenweise über land. Das kenne ich schon seit Portugal. Also flussmittig halten und in den kurven mehr nach außen. Zum glück lief vor mir ein kleinerer tanker den gleichen weg, und wo der kann, kann ich auch.
Am ende kam noch einmal fetter regen und so habe ich mein schiff mit dem wind und der strömung in die kaimauer vorm zoll gerammt. Die ankerhalterung ist völlig verbogen, musste wirklich nicht sein. Die leute vom customs haben mir beim festmachen geholfen, aber ich durfte dort nur zwei stunden liegen. Zwei fährschiffe werden kommen und am abend waren es drei, eine drehscheibe für den personentransport.

 

20200130 kumai

 

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Ich wurde auch gleich von den geschäftstüchtigen abgefangen. Ein hotellier, der diesel für die yachten hier organisiert. Dann zum einkaufen die hauptstraße abgelaufen und im markt hat mich die nächste wegen des diesels gefragt. Es war seine frau, die haben das business im griff, der saft kostet hier auch deutlich mehr, ungefähr sechzig cent.
Mit den frischwaren zurück kam der dieselverkäufer mit mir mit und zeigte mir den ankerplatz im fluss gegenüber seines hotels und des zolls. Abgeholt wurden wir von einem mitarbeiter und ich konnte das wlan im hotel benutzen. Dazu gab es ein teures bier.
Wenn man als trockener alkoholiker nach Indonesien fährt, kann man seinen status gut halten. Nur auf Bali gab es alkohol, auf Masalembo nur in einem laden und nur kleine bierdosen. Hier in Kumai gibt es das zeugs nur im hotel und es wird auf dem schwarzmarkt verkauft. Zum einen finde ich es gut, wenn diese droge abgeschafft wird. Nur bestimmt hier die religion das handeln und das ist nicht mein ding. Letztendlich sollte jeder selbst bestimmen, womit er sich temporär aus dem leben nimmt.

Um zwölf uhr am nächsten tag kam dann der diesel verspätet zum schiff in kanistern. Das umfüllen der brühe dauerte etwa vier stunden und danach ging es wieder ins hotel. Noch einmal wetter, mail und blog. Vorsichtshalber habe ich noch mehr äpfel und eine weitere wassermelone erworben. Noch eine nacht muss ich hier am rande des mangrovenwaldes bei den moskitos ankern. Morgen zurück zur flusseinfahrt mit dem ablaufenden wasser und dann geht es weiter richtung Batam.

Ich hoffte auf ruhige nächte im fluss, das war eine wunschvorstellung. Abends kommen moskitos, dafür gibt es sprays und ich habe noch einiges davon an bord. Dann zum schlafen in die heckkabine, ein paar flieger töten und die tür zu. Nur dafür ist es zu heiß, kaum schlaf zu finden. In der nacht kühlt es ab, kurz an deck, luken auf, denn die mücken sind weg. Ein paar augen schlaf und schon fangen die vier imame um fünf uhr an. Das nervt so sehr, also luken wieder zu, decke über den kopf und noch eine runde im traumland. Durchschlafen ist etwas anderes und um halbacht ging der anker hoch und flussabwärts. Kein wind, aber genug diesel im tank, um abstand zur küste zu gewinnen und dem ziel ein stück näher zu kommen.

Einen fluss wieder hinunterzufahren, mit einem track, ist wesentlich entspannter, als rauf. Somit weiß man, wo es tief genug ist, zudem fährt schon wieder ein größeres schiff voraus. Der wind blieb aus, aber es ging weiter als gedacht und der ankerplatz war wieder im meer. In der nacht kam mal wind vorbei, aber auch dunkle wolken mit blitz und donner. Wieder einmal blieb ich trocken.
Am morgen dann die übliche routine und zuerst nur mit dem motor, dann auch mit der genua und am ende mit beiden segeln. Der motor konnte für zwei stunden aus, es war genug wind vorhanden. Nur waren die richtung und die stärke nicht wie vorhergesagt. Aber genau richtig für mein tagesziel. In vielen gebieten auf der welt stimmen die wetterdaten, hier ist das nicht einmal für den nächsten tag der fall.

Gestern das letzte mal in der Javasee geankert, ruhig, kein wind und matsch auf zehn metern. Der regen kam gerade, als ich den vorspann zu meinem traum hatte. Alles unter die sprayhood und ab nach unten ins sehr warme. Irgendwann habe ich doch schlaf gefunden, keinen entspannten.
Mein ziel seit Kumai ist es, vierzig meilen am tag zu schaffen. Das wird im Südchinesischen Meer schwieriger, wenn es keinen wind geben sollte. Denn die strömungen laut windy sind zwischen zwei und drei knoten nach ost. Somit versuche ich heute noch einmal nahe Borneo zu ankern und glaube mal an die windvorhersage, die bis jetzt nicht stimmt.

Immer noch der zweite Februar und schon wieder neue pläne. Ich ankere jetzt am ausgang des Südchinesischen Meeres zur Javasee. Das wasser ist hörbar und rauscht am rumpf vorbei, die ankerkette ist stramm. In den letzten stunden waren höchstens drei knoten mit dem motor bei tausend umdrehungen drin. Also geht hier auch ein strom von zwei knoten und mehr gegen an. Wenn der wind nicht kräftig genug ist, wird das nichts. Alternativ kann ich mich an Borneo hocharbeiten und später links abbiegen, mal sehen.

stroemung sued route

 

Einen tag später und der oberfrust hat sich festgesetzt. Ich bin mit fast vier knoten fahrt gestartet und habe mittags bei zwei aufgehört. Über die hälfte der energie geht in die strömung. Dann kam etwas schwacher wind auf, zwischen zehn und zwölf knoten. Ein testsegeln, wie das hier geht. Nach westen ging es auf einem zweihundertvierzig grad kurs hoch am wind mit etwas über vier knoten und motorunterstützung.
Somit habe ich mit einem nordkurs oder mit ostanteil für den gegenkurs gerechnet. Das beste waren aber nur siebzig grad und zwei knoten ebenfalls mit motor. Damit bin ich nicht einmal zum ausgangspunkt zurückgekommen. Das kann ja recht nervig werden ohne wind für die restlichen vierhundertvierzig meilen bis Nongsa.
Das einzig gute hier ist der ankergrund, matsch. Ich warte jetzt ab bis morgen auf zwölf meter. Nur die strömung ist so kräftig, dass die ankerwinde nicht genügend kette rauslaufen lassen kann. Am ende zog das schiff die kette und die ankerwinsch wollte nicht stoppen, sicherung sprang raus, leichte panik. Zusätzlich dreht mein propeller im stand, alles nicht lauschig hier.

Dienstag vierter Februar und er fängt gut an. Seit fast fünf stunden läuft der motor in verschiedenen drehzahlen, je nach wind. Der start war in richtung dreihundert grad, das sollte möglichst so bleiben für die nächsten dreihundertachtzig meilen, wunschdenken. Der anfängliche südwestwind drehte in den gewitterwolken mit viel regen auf nordost. Somit geht der kurs genau richtig weiter. Die geschwindigkeit ist lau, nur drei bis vier knoten, aber egal, der tag ist noch lang. Ab heute sind wir in der schiffahrtsroute, also mehr aufpassen als sonst.
Bis zum abend hin gab es zwei reine segelstunden ohne motor. Leider hat der wind auch wieder zurückgedreht und ab dem nachmittag war der super kurs nicht mehr möglich. Zum sonnenuntergang ging es dann auch nur noch richtung norden, aber segelnd. Mal sehen, was die nacht bringt.

Die nacht war um zehn bereits vorbei und der wind war aus. Zu dumm, war ich doch in der mitte der schiffahrtsroute. Somit habe ich den rest der nacht ankernd auf dem imaginären mittelstreifen verbracht. Dann am morgen lief es mittelmäßig. Der anker kam hoch und die boje hat sich am rumpf verfangen, kein vor oder zurück. Die gefährliche lösung war ein wenig fahren und schon war das seil gerissen. Diesmal hat sich der fender nicht in der schraube verklemmt, glück gehabt.
Der anfangskurs war zweihundertvierzig grad und es besserte sich schnell. Zum mittag waren es mal kurz zweihundertneunzig und ich machte schon gedankliche pläne bis zur gewitterwolke. Danach war ich wieder auf dem anfangskurs, mist. Einen ankerplatz habe ich außerhalb der schiffsroute bei einem leuchtfeuer auf einer insel gefunden. Fünfundzwanzig meter tief, vor einem riff und mit sehr hohem schwell. Kurz davor ist mir noch der hebel für die belegklemme der genuaschot gebrochen. Daneben ist noch ein unbenutzter slot. Und die genuaschot wollte sich in einer umlenkrolle zerfasern, gerade noch gemerkt.
Unterm strich bin ich auf der anderen seite, der wind weht unbrauchbar um zwanzig knoten. Habe lange darauf gewartet, nur hier geht es nicht weiter und so warte ich mal wieder auf die richtige richtung, vielleicht morgen.

Und dieses fahrwasser war nur ein vorgeschmack. Über zehn große schiffe waren heute in meiner nähe und keines hat mich angefunkt. Sollte der wind nicht drehen, arbeite ich mich an zwei inseln im westen hoch nach norden.

Der wind dreht ständig, und anstatt zu ankern, hätte ich mal gestern den gegenkurs segeln sollen. Jetzt heute auf diesen kurs bin ich schlauer. Am morgen ging es recht gut, der motor sprang an, der anker kam mit mühen hoch und danach ging es wieder raus auf’s meer. Draußen lief es gut, ein winddreher und die genua stand back. Diese chance habe ich für eine wende genutzt und danach ging es zum anfang dreihundert grad nach nordwesten, genau richtig. Aber nur kurz und am mittag habe ich mich für den anderen kurs entschieden, wieder über die fahrbahn nach nordosten, so gut es geht. Das heißt zur zeit dreißig bis vierzig grad ohne motor. Das schiff will trotz fetter vier winstärken nicht über drei knoten fahren. Also komme ich morgen auf der anderen seite an. Wenn der wind stabil ist.

Eine woche ist seit Kumai herum und ich bin im Südchinesischen Meer. Dorthin lief der motor, da kaum wind war. Geankert habe ich am abend, um nicht mit zwei knoten vertrieben zu werden. Am dritten Februar hatte ich einen segelversuch, der am nächsten tag noch einmal angegangen wurde. Am abend war der wind weg und ich habe im schiffahrtsweg geankert. Auf der anderen seite war es auch nicht viel besser und so versuche ich, höhe zu gewinnen, bin aber wieder zurückgesegelt.

woche 4

 

Auf der anderen seite war ich schon früher, ein paar meilen tiefer. Am ende ging es schneller und besser als gedacht, mit der strömung ist es einfacher. Aber dann noch im dunkeln, zwei dreher der genua, die dann back stand. Vielleicht ist es ein hinweis, also mal einen kurswechsel probieren. Ein super kurs in die andere richtung und guter wind. Bis zum heftigen gewitter lief es gut. Die genuaschot klemmte wieder, kaum gerefft, das groß war voll da und die böen kamen mit über fünfunddreißig knoten. Selbst schuld, wenn das system nicht funktioniert. Das schiff lag ziemlich schräg, der süllrand wurde überspült und unten im schiff liefen die waschbecken über, da ich den abwasserhahn nicht geschlossen hatte.

Danach ging es entlang der naturschutzinseln, und als der wind gerade mal schwach wurde, habe ich geankert. Die umlenkrolle und die genuaschot habe ich getauscht. Ich bin ein wenig sehr müde. Der wind kam wieder um die zwanzig plus und am mittag war ich um die insel herum, immerhin der wind lässt auch ein wenig nach. So ging es bis zum nächsten morgen quer über die schiffahrtsroute auf die andere seite. Am achten Februar habe ich nach zwei tagen neunzig meilen netto nach norden geschafft, nur fünfzig umsonst. Zur passage zwischen der insel Batam und Bintan sind es noch zweihundertvierzig meilen.

stroemung mitte route

 

Indonesien wird ein paar probleme in der zukunft bekommen. Zum einen ist da der dreck, besonders im wasser. Das problem in den griff zu bekommen, wird jahre dauern, denn die menschen denken nicht nach, vielleicht liegt es an der tradition und der religion.
Das zweite problem sind schwerhörige fischer durch die vielen auspufflosen schiffe, sowie handwerker ohne gehörschutz. Diese tragen zwar schon eine schutzbrille, der rest aber fehlt. Punkt drei sind lungenkrebsraten, die in die höhe gehen werden. Das rauchen hier ist ein statussymbol, je mehr desto toller. Überall wird gequalmt und dir werden gern glimmstengel angeboten. Und diese sind dann noch parfümiert, die kombination macht es schlimmer.
Das letzte wirklich große problem ist der zuckerkonsum. Die menschen sind nicht dick, aber alles ist gesüßt, fast auch das salz. Etwas saures zu finden, ist mir unmöglich. Alle getränke außer trinkwasser haben zucker. Diabetes wird sich hier schnell ausbreiten.

Zurück zum krampf, heute ist der neunte Februar, und ich bin schon einen monat seit Bali unterwegs. Für diese kurze distanz von tausend meilen auf der landkarte ist das eine sehr lange zeit. Und ich habe noch etwas unter zweihundert vor mir, plus fünfzig für das letzte stück in der Singapore Strait.
Mein vorhaben gestern war es, an den inseln westlich von der schiffahrtsroute nach norden zu fahren. Das lief auch recht gut bis zum abendbrot, dann kamen sehr viele gewitterwolken. Bei der ersten hatte ich noch die genua gerefft, der wind blieb aus.
Was ich hier nicht vermutet hatte, waren viele große schiffe. Diese nutzen die abkürzung zwischen den inseln, um nach Jakarta zu kommen. Für mich ist das keine verbesserung der nacht. Die zweite wolke brachte wind und regen und bei der dritten bin ich richtung autobahn abgebogen. Das lief sehr gut und schnell. Zum anfang mit einem dreißiger kurs, der sich weiter reduzierte. Erstmal das radar an und ein nickerchen, in zwei stunden bin ich bei den schiffen.
Mein radar weckte mich pünktlich, doch ich konnte nur zwei fischerboote in der ferne ausmachen. Der eine wieder fett beleuchtet, der andere schmal. Noch einmal zwanzig minuten schlummern. Dann wurde ich aber sehr schnell wach, der eine fischer hatte sein boot, um hundert meter verlängert, auf dem bug aber keine leuchte angebracht. Der andere machte seinen tannenbaum an und sein suchscheinwerfer leuchtete in meine richtung. Langsam hasse ich diese schlepper mit barge. Motor an und in den wind und hinter der barge vorbei. Die nacht auf dem highway konnte beginnen.

Ich wurde sehr oft geweckt, musste das radar in stand-by schicken und die eieruhr für eine halbe stunde anwerfen. Dann waren die gefahren aus meinem radius verschwunden und das radar konnte wieder arbeiten. Der kurs wurde immer nördlicher und so ging es bis zum morgen mit schlafunterbrechungen. Nach sonnenaufgang waren dann auch schon drei schiffe um mich herum. Jeweils ein tanker links und rechts und schräg hinter mir eine art forschungsschiff. Als sie vorbei waren, musste auch der motor zur unterstützung arbeiten. Ich wollte die kapitäne nicht unnötig verärgern, hatten sie doch schon wegen mir den kurs geändert. Und das beste, ich bin aus dem starkströmungsbereich heraus.

Der wind hielt bis zur nacht, dann kam noch einmal eine gewitterwolke, aber fast ohne wind, nur regen. Sie hat dann auch den stecker gezogen, flaute. Die letzten paar meter ging es noch wieder über den äquator, das zweite mal für mich. Alles routine, keine stolpergefahr.
Heute ist der zehnte Februar und ich muss schon wieder quer über die schiffahrtsroute. Nur was ich sehe, ist das ende der ausbaustrecke, kein schiff will nach norden, nur die sehr großen mit viel tiefgang. Alle anderen, die ich in der ferne sehe, wollen wie ich auch zur Singapore Strait. Für mich heißt das einen westkurs, der durch den motor realisiert wird, bis zur mitte habe ich es schon geschafft. Die letzten hundertdreißig meilen und dann wird es noch einmal spannend.

Seit über dreißig stunden läuft Mr Perkins mit tausend umdrehungen ununterbrochen. Der tagestank wurde mehrfach nachgefüllt und einmal das öl kontrolliert. Seit der anderen seite der fahrbahn und seitdem ich wieder auf der nordhalbkugel bin, ist es sehr warm im schiff. Schön, dass es nachts nicht richtig regnet und ich nicht unter deck muss.
Das mit den schiffen war übertrieben, erst gestern abend habe ich dann doch noch fünf gesehen, von allem etwas. Ein container-, schüttgut-, tankschiff, eine barge mit schlepper und ein kreuzfahrer. Diesen hatte ich aber auch schon mehrfach in Noumea gesehen, kleine welt.
Die letzte nacht war trotzdem schlecht, immer war jemand im radaralarmbereich. Also eine eieruhrnacht auf jede halbe stunde. Nur ich bin etwas ungeübt und brauche zwanzig minuten, um einzuschlafen. Dementsprechend bin ich heute sehr müde.
Was mich tröstet, ist die geschwindigkeit, die sich um fast zwei knoten erhöht hat. Ich habe ein weiteres strömungsgebiet verlassen und die tide spielt auch eine rolle. Und darauf warte ich auch in der passage zur Malaka Strasse, das sind noch vierunddreißig meilen.

Am abend um sechs fiel der anker wieder in den matsch. Vierzig stunden dauermotoren macht müde und ich genieße die ruhe. Im bad war die motorwand ab, um schneller an die maschine zu kommen und damit Mr Perkins nicht anfängt zu schwitzen. Gleichzeitig ist auch die tür zum badbereich offen, wegen der hitze und auch weil die tür mittlerweile nicht mehr zugeht. Auch hier ist der rumpf eingedrückt.
Der ankerplatz ist am eingang zur Singapore Strait und dank des windes ab dem morgen bin ich schneller angekommen. Ein paar kommaknoten helfen auf den halben tag letztendlich doch. Nur was ich vermisse, sind die vielen schiffe, die hier angeblich durch sollen. Vielleicht ist dieser weg ja auch überholt und wird nicht mehr wirklich genutzt.

Das Südchinesische Meer aus meiner sicht: Zum einen ist es sehr sauber im vergleich zu den beiden anderen durchquerten gewässern. Mal plastik in form von flaschen und kleinere holzteile, aber kein großer dreck. Die strömung hat es in sich und das wetter ändert sich ab den naturschutzinseln im unteren bereich. Diese sind wetterscheiden, im norden weht es kräftiger. Die ränder und teilweise auch die mitte sind ankerbar, das hilft bei flaute. Am besten den gesamten bereich zur richtigen jahreszeit durchfahren, mit dem richtigen monsum.

stroemung nord _route

 

Noch eine anmerkung zu den strömungsbildern. Teilweise sind gebiete grün, die es nicht verdient hätten, und andere sind grau und dabei eher schwach. Dennoch stimmt das gesamtbild und gibt einen guten eindruck der situation.

Mit der sonne des zwölften ging es los nach Nongsa. Alles ruhig und die fischer arbeiteten in der fahrrinne. Immer noch keine schiffe und das blieb auch so bis zum ankerplatz an der westseite der insel Bintam nahe der raffinerie. Auf dem weg lagen ein paar bohrinseln vertäut, schwimmende fischerhütten und es gab viele inselchen auf dem weg.

20200212 bohrinsel

 

20200212 bohrinsel

 

20200212 fischerhuette

 

20200212  inseln singaporestrait

 

Bis dorthin ging es schnell mit dem auflaufenden wasser, welches dort aber drehte. Nach der letzten insel war das schiffsleben voll da. Über ein dutzend schiffe lagen vor reede und warteten auf öl oder wollten dieses in Tanjunguban abliefern.

20200212 ankerplatz reede bintan

 

Der ort, vor dem ich liege, Mentigi, hat sich seit dem kartenerstellungsdatum auch verändert. Auf der rechten seite liegt die marine mit vielen schiffen, dann kommen fischerhütten auf stelzen. Danach wieder ein wenig marine, wieder fischerhütten und danach werftbetriebe. Ein neuer fähranleger, ein alter, die küstenwache, noch einmal fischerhütten mit dorf. Der abschluss im norden ist die erste verladestation. Auf dem ankerplatz um mich herum warten kleinere tankschiffe und schlepper. Das finde ich viel spannender, als zwischen anderen yachten zu liegen. Morgen früh geht es auf die letzten zehn meilen zur marina.

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

Die woche fünf brachte den durchbruch in der reise. Am sechsten fing der wind an und war kräftig genug, um mich in drei tagen zum äquator zu pusten. Das sind immerhin zwei breitengrade. Auch hat er sich am ende zu meinen gunsten gedreht oder er machte pause, was gut war. Somit war die motorbootreise von vierzig stunden erträglich. Die braunen streifen im bild sind die fahrbahnbegrenzungen im abstand von vierzig meilen.

woche 5

 

Der letzte teil der reise von fünfhundert seemeilen bis ins südliche Thailand erfolgt dann nächste woche. Erstmal muss das groß neue rutscher für seinen kopf erhalten, eine runde motorpflege mit fett, ein wenig neuer diesel ist brauchbar und einkaufen ist mal wieder ein muss.

Eine weitere zusammenfassung dieser reise: Ich habe eintausendvierhundertundsechzig seemeilen für die neunhundertundfünfzig meilen laut routenbibel benötigt. Darin enthalten ist auch der abstecher nach Borneo. Der motor lief insgesamt zweihundertundvierzig stunden und hat dabei fünfhundertunddreißig liter verschnabbelt. Achtunddreißig tage dauerte die fahrt, drei tage war ich auf reede. Der bruch am schiff hält sich in grenzen.
Ich habe hundert graue haare mehr und ein paar kilos weniger. Und eine menge an erfahrungen mehr, die in keinem schlauen kurs erzählt werden. Ein tausender kampf.

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Richtung Zurück auf Los

Hatte ich geschrieben, dass es einfach zurück geht, ich glaube nicht. Die strömung ist gegen diese reise, es weht noch immer kein wind und es gibt regenzellen. Diese zeichnen sich durch einen durchmesser von zehn seemeilen aus und sind fettschwarz. Außen ist zuerst kein wind, dann nimmt er extrem zu. Wenn dann der regen dazukommt, werden es fünfunddreißig plus knoten. Danach in der mitte wieder ruhe. Sollte sich der kreis der wolken geschlossen haben, so erwartet einen am ausgang das gleiche schauspiel. Megahektoliter an wasser fallen vom himmel. In den letzten tagen habe ich mehr regen abbekommen als auf der gesamten reise bisher in summe.
Der motor läuft mit, leichtes segeln unter zehn knoten, die genua steht gerade mal so. So werde ich jeden tag zehn stunden motoren und das ergibt hier auf dem meer vierzig meilen. Also bin ich in fünf tagen auf Bali. Wenn nichts dazwischen kommt. Heute ist der erste Januar.

Der zweite tag der rückreise und es ist wind. Gute drei windstärken seit dem aufstehen und jetzt zwei stunden später habe ich auch das groß hochgezogen. Es bringt einen knoten mehr fahrt, denn ich denke, dass der wind stabil sein könnte.
Gestern war es ein sehr feuchter tag, der viele liter trinkwasser bescherte. In der nacht kam der himmel noch einmal runter und der schlaf war mies. Vielleicht nachher ein nickerchen. Wir segeln schneller als mit dem motor, sehr schön. Wenn dieser wind ein paar tage früher gekommen wäre, würde ich nicht umkehren. Er kommt aus nordwest, kann sein, dass sich der monsum stabilisiert hat.

Der wind macht mir schon wieder einen strich durch meinen plan. Ich bin zu schnell und am ende zu langsam. Heute ist Freitag der dritte Januar und ich bin nur noch fünfzig meilen vom hafen Benoa auf Bali entfernt. Geplante ankunft ist Sonntag, aber ich bin ja auch noch nicht da. Mit rückenwind und über sechs knoten geht es voran. Schön, dass ich vorgestern schon mal eine gastlandflagge produziert habe. Hätte ich nicht die polnische als material für die französische benutzt, dann wäre das alles nicht nötig gewesen. Polen drehen und man erhält Indonesien. So habe ich Monaco zurecht gestutzt, ein wenig umgenäht und das logo sieht man kaum, muss so gehen.

20200103 indonesien flagge

 

Ich war dann doch vor sonnenuntergang in Benoa. Habe es aber vorgezogen, vor der zufahrt zum hafen zu ankern, eine gute entscheidung. Eine riesige luxusjacht, ein kreuzfahrtschiff und ein katamaran lagen schon vor anker und ich dazu.
Am nächsten morgen nach dem frühstücen dann in den hafen, sehr unübersichtlich. Die marina habe ich gefunden, außer betonschwimmstegen war kaum etwas zu erkennen. Aber einige mitarbeiter kamen, um zu helfen. Was auf anhieb nicht funktioniert, ist das internet. Es ist mittag und ich warte auf den zoll mit der immigration.

Der erste eindruck von Bali sind riesige touristenbauruinen an der steilküste. Oben die häuser, dann eine straße in den sandstein geschlagen, um zum strand zu kommen. Oder es geht eine art seilbahn hinab. Das zweite fiel mir ins gehör, hier ist das land der zweitakteraußenbordmotoren. Sie sind riesig, laut, qualmen und stinken. Und es gib sehr viele davon. Das dritte sind die flugzeuge, alle zwei minuten kommt eins. Das hier ist eine touristenhochburg, ein ballermann von asien.

Den zweiten eindruck gewonnen, nachdem die zwei von der immigration endlich kamen, sie gaben mir zwei zettel für die noch erforderlichen stempel. Danach kamen zwei von der gesundheitsinspektion, einen nutzlosen zettel ausgefüllt und auf einen stempel gewartet. Währenddessen auf zum zoll. Ging gut, die jungs halfen mir beim anlegen meines profils im netz, vom schiff und meiner wenigkeit. Sie suchten nach bildern vom schiff zum einfügen und machten auch ein bild vom captain. Kurze unterbrechung und zur immigration gelaufen, denn die machen um zwei uhr zu.
Die anderen dokumente seien in bearbeitung und dann es gab ein visum für dreißig tage. Kurz beim hafenkapitän vorbei geschaut, aber der wollte noch keinen stempel geben. Der zoll war noch da und ab zum schiff, mal schauen, ob was da ist. Zurück zum zoll, einen besichtigungsbericht unterschrieben und fertig. Zurück und die gesundheitsfritzen gesucht, gefunden nach einem kilometer hin und her. Eine gebühr abgedrückt, ich weiß nicht wofür, war wenig, keine zwei euro. Der hafenmeister war der letzte stempel und es gab auch gleich ein paar zettel für die ausreise. Auf dem rückweg etwas trinkbares und cracker gekauft und um halbsechs war ich wieder auf dem schiff. Ende dieser aktion, das gleiche kommt noch einmal in vier tagen bei der abreise. Das ein- und ausklarieren dauert hier.

Meine erste sicht auf die allgemeine situation: es wird viel angefangen und nicht richtig durchgezogen. Diese marina wurde noch vor zwanzig jahren als beginn der yachtszene in Indonesien gepriesen. Genug ausbaufläche bis zur nächsten straßenkreuzung ist vorhanden, nur ist sie die abgerockteste in meiner reise. Geschüttete schwimmende betonstege um einen styroporkern herum. Die anlegefinger sind lamiert um einen identischen kern herum, die elektrischen installationen entsprechen keiner norm. Nun, ich bin der einzige hier, der den charme würdigen kann. Mal sehen, ob sie den diesel organisieren können, das wlan ist natürlich defekt, aber man arbeitet daran.

20200105  marina benoa

 

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20200105  marin  benoa polizei

 

Was war hier besonders in Benoa? Die cruisingfirma auf dem nachbargrundstück hat mir zugangscodes für ihr wlan kostenfrei gegeben. Das war sehr nett. Alternativ hätte es irgendwo im hafenbereich ein cafe gegeben, nur erstmal finden.
Das abenteuer war auf dem moped mit dem zoll. Dieser wollte mein schiff sehen, den motor und hat einen sehr groben blick geworfen. Dadurch gab es eine kleine rundreise durch diesen hafen. Eine eckige künstliche insel als hafengebiet angelegt. Der hauptort ist aber eigentlich Depensar, wie Benoa auch über eine stelzenstrasse mit dem hafen verbunden.

Die taxifahrt zum einkaufen war aufregend und vor lauter staunen und gucken habe ich keine fotos gemacht. Der autoverkehr in Indonesien ist nichts für schwache nerven. Um die fahrzeuge herum schwirren mopeds.
Mein französischer lieblingssupermarkt hat auch hier eine dependance. Voller einkaufswagen und für vier euro wieder zurück zur marina. Durch irgendwelche wege bin ich auch am fluss vorbeigekommen. Dieser war halb zu mit plastikmüll.

Einen rundgang auf der hafeninsel habe ich dann doch gemacht und mir dabei auch eine blase mit dem flipflops gelaufen. Alles überschaubar, auf der anderen seite liegen die fischerboote, über hundert mindestens. Auf den wegen dorthin kleine betriebe für die reparatur und ein paar kleinere läden.

20200105 benoa fischerboote

 

20200105 benoa fischerboote

 

20200105 benoa fischerboote

 

20200105 benoa fischerboote

 

Natürlich konnte die marina kein diesel organisieren, erst ab fünfhundert liter, ich brauchte die hälfte. Auch konnten sie keinen finden für meine gasflaschen. Unterm strich konnten sie recht wenig.
Immerhin, morgens werden hier kleine blütenapplikationen mit räucherstäbchen auf dem grundstück verstreut und im dem anwesen eigenen kleinen tempel verbreitet. Und diese duftausbringung gab es auch in den behörden. Im groben war die marina sauber, aber in die jahre gekommen. Der bücherschrank zum tauschen moderte vor sich hin, das dach hatte löcher und der eingang, an dem wasser an steinen herunterläuft, war schon fast zugewachsen. Im hof war der zerfall auch schon aktiv.

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

Mein restliches geld, um fünfunddreißig euronen habe ich einem schiffsbesitzer in der marina gegeben. Dieser ist für eine reparatur gekommen und hat mir seinen diesel verkauft. Jetzt habe ich wenigstens neunzig liter als reserve.

Heute ist der fünfzehnte Januar und ich habe es bis in die Javasee geschafft. Das war sehr anstrengend und es klappte mit dem dritten anlauf. Zum sonnenuntergang drehte der wind wieder einmal und was nun? Beim driften ohne alles geht es direkt nach Osten mit zwei knoten. Die insel, die ich passiert hatte, hätte in fünf stunden eine beule von meinem schiff. Nur mit dem motor gegen die wellen angehen macht drei knoten, der rest wird durch welle und strömung geschluckt. Wieder die genua ausrollen und einen südkurs segeln? Da kommt das riff in die quere, das ich zwei stunden zuvor passiert hatte. Somit blieb nur noch nach nordosten segeln, so gut es geht, achtzig grad sind besser als driften. Aber was war davor?

Am siebenten Januar habe ich ausklariert und am nachmittag den hafen verlassen. Drei meilen weiter mit dem ablaufenden wasser fiel der anker auf dem platz vor dem einklarieren. Ausruhen, sammeln und am nächten tag in richtung norden aufbrechen.
Das war dann auch ein schnelles segeln an der ostküste von Bali vorbei. Mit der tide lief es über sieben knoten und endete in der Balisee. Bis zum sonnenuntergang waren es siebenundsechzig seemeilen, nicht schlecht. Segel bergen und pause in der nacht.

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Die windvorhersage zeigte drei tage flaute an, aber vielleicht geht doch noch etwas mit landwind und seewind. Aber ich komme nicht von der insel weg. Viel schlimmer, ich drifte schnell nach osten in das befahrene schifffahrtsgebiet. So versuche ich, mit dem motor den schiffen zu entkommen, teilweise geht es nach norden und am ende nur hin und her. Drei tage lang warten auf einen wind.

Es ist verdammt viel dreck im wasser, hauptsächlich plastik. Warum versauen die hier ihr meer damit? Dazu kommt noch viel abgeschnittenes holz und wurzeln. Die leeren flaschen, flipflops und tüten können doch auch anders entsorgt werden. Was mich beunruhigt, das zeug ist nicht nur an der oberfläche, je nach zerfall auch unter wasser. Wenn der motor so etwas ansaugt, ist die fahrt vorbei.

 

Am zwölften Januar war dann der erste tag segeln und ein aufholen der vertreibung. Dies war der erste versuch, weiter zu kommen. Nur die kurse sind nicht brauchbar, mit dem wind stimmt etwas nicht. Das groß hat einen lattenbruch in der dritten latte, schwund. Nebenbei waren es über zehn schiffe an diesen tag. Spannend war vor zwei tagen nachts ein schlepper mit barge.

Es ist eine hauptroute für leere tanker und schüttgutfrachter. Zehn meilen in richtung westen waren möglich, an der route entlangsegeln. Ansonsten ist der kurs nur nach norden oder südsüdwest. Wenn das schiff nicht auf über zwei knoten über grund kommt, fängt es an zu driften.

Seit der nacht läuft der motor, um nach nordwest zukommen, und seit dem morgen mit der genua zusätzlich. Leichte erfolge, das hätte ich mal früher machen sollen, anstatt auf den vorhergesagten wind zu warten, der dann auch noch falsch kam. Doch diesen versuch zwei am dreizehnten habe ich abgebrochen. Am ende drehte der wind drehte und danach war der kurs südwest. In der nacht kamen dann noch fischerboote hinzu. Ehemalige segler mit einem großbaum und einer stange vom bug bis zur mitte. Das wird dann zu einem zelt, ohne beleuchtung, ohne radarreflektor. Beim sonnenuntergang konnte ich zehn davon zählen.

Der versuch drei am vierzehnten gelang endlich, der frust war schon sehr groß. Ich musste ein wenig schlafen und wurde vom radar geweckt. Seit fünf uhr lief der motor und mit dem segel ging es nach norden. Teilweise ging es wieder flott, durch die riffenge an der insel vorbei und danach drehte der wind wieder. Also irgendwie einen nordkurs mit ost-einschlag, um nicht in das korallen- und riffgebiet zu kommen. Immerhin waren es siebenundsiebzig seemeilen an diesem tag.

Die erste woche ist mehr als rum. Das war wieder ein griff ins klo oder auch nicht besser als auf dem ozean. Drei tage flaute mit schiffsbewegungen durch strömung und wieder aufholen mit dem motor. Ich bin nun von meiner route hundertsiebzig meilen weiter in richtung Singapore. Dafür habe ich dreihundertunddreißig seemeilen gebraucht. Mit den drei versuchen habe ich auch über hundert liter diesel verballert. Kein guter anfang.

woche 1

 

Der neunte tag auf see war dann positiver als die letzten. Immerhin ging es segelnd sechzig meilen weiter nach norden und ein bißchen nach westen. Man muss es nehmen, wie es kommt, und das hörte dann zum sonnenuntergang auch wieder auf. Somit war die nacht ruhig, auch gut für mich zum schlafen. Leider wurde der gesamte westsegelanteil durch die nachtdrift wieder aufgelutscht.
Am morgen war der wind nicht viel besser, aber die richtung war brauchbarer. Ein guter zeitpunkt, um wieder die untere segellatte einzufädeln. Und jetzt wird es merkwürdig, denn die dritte ist nicht gebrochen, sondern hat sich verabschiedet, sie ist weg. Nur die endkappe war noch im segel. Die vierte latte ist indes zu kurz und hat eine endkappe. Da lief etwas schief, nur was?
Heute im fokus sind zwei inseln, durch die ich hindurch möchte, und zwei produktionsplattformen, die ich meiden will. Entscheidend ist, was der wind sagt, denn diesel sparen ist jetzt mal priorität. Es wird noch genug ecken geben, da brauche ich das zeug dringender.

Die beiden inseln liegen noch vor mir, der wind ist zum abend hin völlig eingeschlafen. Auf der karte war ein fleck mit zwölf meter tiefe, den habe ich verpasst. Der anker liegt nun auf dreißig für die nacht, morgen muss es besser werden. Das tagesergebnis sind nur fünfundzwanzig meilen gesegelt. Ich habe oft das ruder bedient, da der autopilot unterfordert mit dem wind war. Ein paar ungewollte wenden hat er produziert, wind weg, welle und drehung.
Bei der letzten wurde ich dann beobachter eines dreißig zentimeter dicken holzstamms, der aus dem wasser ragte. Die spitze war abgebrochen und er bewegte sich nicht im wasser. Das passende schiff steckt vielleicht noch daran, eingezeichnet in der karte ist es nicht. Ich bin nur zwanzig meter davon vorbei geschippert und gedreht, glück gehabt.

Die nacht war gut und das ankern hat mir viel weg erspart. Ich war nicht der einzige, der gewartet hatte. In der dunkelheit zählte ich über dreißig lichter, alles größere fischerboote, die ihren anker geworfen hatten. Das wasser sieht hier ähnlich der Balisee aus, fischer sind dreckschweine.
Die natur ist aber auch hier, eine flosse konnte ich am morgen ausmachen. Sie reicht vielleicht für vier suppen, aber ist auch nur eine von vielen hier. Gestern war auch der tag der seeschlange. Auf meiner kurzen strecke habe ich fünf davon gesehen. Die muscheln am heck wachsen auch, ich muss mich beeilen. Und es gibt auch fliegende besucher, libellen und diese fünf zentimeter großen flieger.

20200116 besucher

 

Freitag der siebzehnte Januar, der wind ist weggeblieben. Die see ist bleiernd ruhig und kein hauch. Der ankerplatz war ok, ein schiff in der nähe zu haben auch. Nur wenn der generator die ganze nacht läuft, für kühlaggregate, beleuchtung oder nur nervige laute indonesische popmusik, dann ist das eine erfahrung. Ich habe den standort fünfzehn meilen weiter zur nördlichen insel verlegt. Bis jetzt bin ich der einzige und sehe dem vorbeitreibenden müll zu. Das gleiche machen auch die fische unter dem schiff, schnell hinschwimmen, abchecken und zurück. Die wollen auch nicht an meinen köder, also weiter vegetarisch.

Eine weitere ruhige nacht, diesmal hörte ich einen diesel aus vielen meilen entfernung. Am morgen wurde ich dann durch einen einzylinder ohne auspuff geweckt, der neben meinem schiff war. Ein fischer mit seinem siebenmeter boot, wohin woher, eine kommunikation kam nicht zustande und er tuckerte wieder davon. Der wind machte anstalten zu kommen, aber das dauert wohl noch.

Ich habe nicht die ruhe weg und bei sechs knoten wind habe ich die reise fortgeführt. Dann frischte er noch ein wenig auf und wieder ab. Für die ersten vier meilen habe ich zwei stunden gebraucht. Umkehren oder weiter, und das nächste ziel war dann die zweite insel. Im norden davon ist eine kleinere insel, inselhopping. Zuerst dachte ich an einen fehler in der karte, doch am ende habe ich sie gefunden. Das ergebnis sind zwölf meilen weiter westlich.

20200118 insel

 

Nur der untergrund ist nicht schön, sand mit korallen und sechs meter tiefe. Das wasser ist warm und so habe ich den anker vorsichtshalber abgetaucht. Klare sicht seit vielen tausend meilen. Er liegt halb im sand vor einem stein, muss reichen.
Was nicht reicht, ist mein tierleben vom mangelhaftem antifouling aus Noumea. Was dort geht, lässt hier am rumpf die stabmuscheln und andere wachsen. Also nicht nur am heck, sondern entlang der wasserlinie und an der ruderhacke. Aus zwei zentimeter werden aber bald fünf. Dann muss ich wieder ins wasser.
Das zweite tierleben ist mein aquarium in den speigattrohren. Vier kleine gestreifte fische sind so heute mitgefahren.

Die nächste insel angelaufen, da ich schon wieder im windloch verhungert bin. Die größere der beiden inseln, auch ein ort ist eingezeichnet. Die route habe ich schön auf mindestens fünfzehn meter tiefe abgesteckt und los ging es. Dann tauchte das wrack auf, schon blöd so aufzulaufen.

20200119 wrack

 

20200119 wrack

 

20200119 wrack

 

Ebend noch fotos geschossen und was werfen die aus ihrem boot ins wasser? Sind das kokusnüsse und warum ist vor mir ein felsen leicht überspühlt im wasser? Vollbremsung und rechts ab. Teilweise nur einen meter unterm kiel und nach zweihundert metern wieder im tiefen. Man war ich nass. Ab und zu sollte man sich nicht auf die karten verlassen, wenn man nicht neben dem wrack als zweites liegen möchte. Dann habe ich draußen im tiefen geankert.
Doch da kamen zwei fischer vorbei, es sei nicht gut, steine. Geradeaus und rechts abbiegen, alles mit zeichensprache und dem ellenbogen.

Nun liege ich vor dem ort und werde von drei lautsprechern beschallt, einmal die bekannte popmusik und dann zwei moscheen. Dazu kommen hundert kleinere fischerboote um neun meter länge und jeder hat einen Lister ohne auspuff. Heute ist Sonntag.
Danach war ich die atraktion, es kamen viele vorbei, um den mister mit dem segelboot zu sehen. Auch zwei fischer kamen vorbei, einer sprach etwas englisch und so war ein gespräch möglich. So wollten mir helfen diesel zu organisieren, kannten jemanden mit einem wifi, wollten mich zum supermarkt bringen, alles easy und ihr geschäft war auch dabei. Aber alles am nächsten tag, morgens um sieben.
Das ist kein problem, gibt es doch eintausend fischerboote auf Masalembo und zwanzigtausend einwohner. Die motoren der boote sind nicht aus England, sondern aus China, einzylinder, zwanzig pferdestärken. Dazu rufen ab fünf uhr die drei moscheen zum gebet.

Sie kamen um acht und vielleicht gibt es ja jemanden auf der insel, der meinen chinesen reparieren kam. Der fischer schaute und meinte, er kann das. Nur soviel sachverstand habe ich auch, ich wollte einen profi. Diesen sollte es hier nicht geben, so ihre aussage.

20200120 motorenreste

 

20200120 motorenwerkstatt

 

20200120 motorenwerkstatt

 

An land ging es dann zuerst zur polizei, ich wollte das so, da ich nicht mehr in Indonesien bin. Alles kein problem und dann zum juwelier, der hat ein kreditkartenlesegerät und gibt geld. Es dauerte bis zum mittag, bis er ein gutes signal in der telefonleitung hatte und dann gab es trotzdem kein geld. Falsche kreditkarte, meine von V wird hier auf der insel nicht akzeptiert. Kein geld, kein diesel.

Der junge fischer hatte aber mir schon mal etwas geliehen, damit konnte ich etwas gemüse kaufen, bei seinen verwandten.
Das wifi beim bürgermeister war so langsam, dass ich nicht einmal eine kleine grip wetter datei herunterladen konnte.

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 hauptwege

 

Zurück auf dem schiff wollten die beiden unbedingt mein unterwasserschiff von den muscheln befreien, also bitte. Danach sind wir noch um die ecke gefahren, da soll es schön sein, es gibt kokusnüsse und kein plastik. Das letzte konnte ich wiederlegen, die nüsse mussten gekauft werden, aber es war recht schön dort.
Dann wieder zurück zum schiff und es sei jetzt bierzeit meinte sie. Somit gingen die drei dosen, die ich teuer erworben hatte durch die durstigen kehlen. Noch ein paar tips, wo ich auf Borneo diesel kaufen könnte, und dann zogen sie wieder ab, es war schon wieder dunkel, wie am abend zuvor.

20200119  masalembo

 

20200120 masalembo

 

20200120 tankstelle

 

20200120 wegweiser

 

20200120 werkzeugladen

 

20200120 werkzeugladen

 

Am Di, dem einundzwanzigsten war der plan, das wetter zu bekommen. Zuerst wurde der imam gebeten, sein wlan anzuschalten. Nach fünf abbrüchen hatte mein laptop auch keinen strom mehr. Steckdosen gibt es kaum, so gab es solarstrom mit spannungswandler. Jedoch war das netz zu langsam.
Dann auf zum bürgermeister wifi, auch hier zuerst kein strom, aber jemand wirft den generator für mich an. Nach drei versuchen, der letzte mit rudimentären wetterinformationen, weiß ich für die nächsten zehn tage mehr.
Dann bekam ich noch mehr kokusnüsse und mangos. Zeit für ein barbecue mit fisch und besucher, die mich sehen wollen. Am nachmittag ging es dann zurück zum schiff. Das war Indonesien privat, morgen soll etwas wind kommen.

20200120 abkipprampe

 

20200120 abkipprampe

 

20200120 abwasserkanal

 

Etwas zum thema navigation, besonders hier in Indonesien. Bisher war alles einfach, meine seekarten waren sehr gut. Nur schon auf dem weg zu dieser insel kam der erste fehler, die dimensionen stimmten nicht. Ich wollte die kleine insel finden und fand eine sandbank, dahinter war die gesuchte insel, aber viel größer. Dann auf dem weg zu Masalembo der nächste fast fatale fehler. Ich war laut karte im tiefen wasser und real benahe auf dem riff. Bei diesen beiden inseln stimmt vieles nicht. Das konnte auch schon eine andere deutsche yacht erleben, die sy nuko alowa, die hier aufs riff gelaufen ist und von den beiden fischern gerettet wurde. Dabei muss man nur zum roten leuchtfeuer fahren und dann nach osten. Hinterher ist man natürlich klüger.

Die zweite woche war ein tagsüber fahren, von insel zu insel. Zuerst mit fischern geankert und dann drei inseln. Dabei habe ich grobe fehler in meinen karten gefunden, die mich fast auf einen felsen laufen hätte lassen. Die letzte insel war Masalembo mit hilfsbereiten netten menschen. Keine stromversorgung, keine wasserver- und -entsorgung und ein schlechtes wifi. Geld gibt es nur mit der M karte, die V karte geht hier nicht. Wer vorbei kommt, sollte hier anhalten. Somit waren es auch nur zweihundert seemeilen und zuviel diesel.

woche 2

 

Der nächste tag auf see war etwas anders. Morgens kam ein wenig wind und ich habe den motor dazu angeworfen. Ziel war es, der wolke hinterher zu fahren. Als dann der wind richtig da war, ging der motor auch wieder aus. Das erste mal segeln mit vier bis sechs knoten und in die genau richtige richtung. Das habe ich seit über zwei wochen nicht gehabt. Danach wieder flaute und das spiel wiederholt bis zum sonnenuntergang. Es waren es drei fette wolkenbänder. Diese nacht wird sehr sportlich auf dem fußboden werden. Der letzte wind brachte einen sehr hohen schwell mit sich, das schiff tanzt. Die wettervorhersage stimmte überhaupt nicht.

Dritter tag auf see und ich bin müde, die nacht war grottig. Das tagesziel ist es eine bohrinsel, ein felsen, der aus dem siebzig meter tiefen wasser ragt, und ein wrack zu umfahren. Hinterher sollte noch genügend abstand sein, um zu driften. Dann kamen einige gewitter dazwischen, ich bin trocken geblieben, und am ende war der schöne direkte kurs futsch.
Auch ist eine tüte mit kichererbsen und grünen erbsen ohne verpackung über bord gegangen. Die flugverbotszone im schiff wurde zu lange nicht eingehalten. Auch andere trocken hülsenfrüchte sind betroffen, aber noch nicht so schlimm. Als nächstes muss ich mir mal das mehl anschauen, wahrscheinlich auch mit eiweiß versetzt.
Wenn das so weitergeht, ist bald der diesel aus, das essen transformiert und ich bekomme einen dauerschreikrampf. Der wind ist alles andere als der vorhergesagte. Hoffentlich wird diese nacht besser, denn im schiff ist es schon wieder muckelig warm.

Nächster tag, der fünfundzwanzigste Januar. Ich war vor der sonne wach und habe die segel gesetzt, es sah verheißungsvoll aus. Ein stunde später die totale flaute. Entweder einen knoten nach osten oder mit motor drei in die gute richtung. Am nachmittag kamen dann gewitterwolken, auch nicht brauchbar, entweder nach norden oder südwest. Dabei totale winddreher, kein spaß. Ich muss dringend nach nordwest, wo der wind herkommt. Alles nervt, kein vorankommen und die angst, der diesel konnte ausgehen.

Wenn sich jemand fragt, warum ich schnell nach Thailand will, dann ist es der zeitplan. Ich muss spätestenz im dezember in Kapstadt sein, die sicherste jahreszeit. In der werft plane ich mit zwei monaten, wenn es schlecht läuft drei. Über den indischen ozean dauert es zwei monate, ein stop auf Mauritius und Reunion und ein monat nach Südafrika. Da ist nicht mehr viel luft, und ich bin froh, wenn ich anfang märz aus dem wasser bin. Die restzeit ist mit reisen in der gegend, nach süden will ich vielleicht von Phuket aus. Soviel dazu.

Die letzte nacht war mal gut, das segel zog die ganzen stunden hindurch nach nord und am ende waren es dreißig meilen, zwölf davon in richtung westen. Zur zeit sind es noch hundertfünfzig meilen bis zum nächsten wegepunkt und die gleiche strecke noch einmal bis ins südchinesische meer.
In dieser nacht ging leider auch mein einer bootshaken über bord. Er stützte meine sonnenregenplane und nach einer böe fiel er um, landete auf mir und ich habe den angreifer aus dem schlaf heraus abgewehrt, schade.
Das segeln war gemischt, vielleicht eine stunde ohne motor und insgesamt achtunddreißig meilen. Kurz vor sonnenuntergang fiel auch der wind aus, zeit zum essen. Das kam mir fast wieder hoch, als ich auf dem gps die richtung ost mit einskommafünf knoten las. Also habe ich den anker auf vierzig meter geworfen und stehe jetzt. Das meer rauscht vorbei.

Nächster abend und schon wieder geankert, diesmal auf zweiundvierzig meter. Der letzte grund war schwerer matsch, sollte dieser auch sein. Und beim tagestank füllen ist nun auch der große tank leer. Drei kanister habe ich hineingegeben und das sollte bis Borneo und zum diesel reichen. Sonst habe ich nur noch neunzig liter und dann ist aus. Die idee nördlicher zu tanken fällt flach, zu weit.
Heute lief die ganze zeit der motor, auch während die segel oben waren. Zwei windstärken reichen hier einfach nicht aus, der strom ist dagegen.

Auf nach Kumai, einem ort, nach dem die bucht benannt ist, und deshalb sollte er auch nicht so klein sein. Fünfzig meilen lief der motor heute, teilweise mit segelunterstützung. So etwas ist mega langweilig. Der blick ins wasser ist da eine abwechslung. Noch nie habe ich soviel holz im wasser gesehen. Nicht nur die vielen kleinen kanthölzer und faustdicke bambusstangen unter einem meter. Oft sah ich holz in der größe einer eisenbahnschwelle oder der zweifachen länge. Neben dem vielen plastik mal etwas anderes. Ich habe ein paar baumstämme fotografiert und eine mögliche ursache. Die barge hat einen ladezaun von ungefähr fünf meter höhe. Das holz darauf ist noch einmal so hoch darüber. Ein bißchen wind, ein paar wellen und schon schwimmt die ladung.

20200128 holzbarge

 

Die dritte woche ist auch vorbei. Mehr diesel und noch mehr motorstunden sind verbraucht. Ich bin weiter nach westen gekommen, aber zu was für einem preis. Am ende musste ich nach Borneo, um zu tanken und frisches obst und gemüse zu kaufen. Seit Masalembo sind es weitere dreihundert meilen geworden. In der nacht habe ich, wenn es möglich war geankert, die strömung ist zu stark.

woche3

 

woche3

 

Weiter geht es hoffentlich bald, von Borneo nach Batam.

 

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In Richtung Westen

Es hat fast alles gut geklappt, immigration und danach die einkäufe. Nur sollte ich am nachmittag noch einmal vorbeikommen, um die dokumente abzuholen. Warten ginge nicht, ist viel arbeit. Sie werden mich per email informieren. Um vier uhr habe ich dann an die zentrale geschrieben und dann kam auch eine antwort aus Darwin. Am mittwoch morgen könnte ich auslaufen. Mail zurück, dienstagmorgen ist meine planung, steht auch im auftrag. Ok, um zehn uhr kommen wir morgen zum ponton.
Also am morgen schleusen, tanken, marina bezahlen und warten. Sie waren pünktlich, machten ein auf wichtig, nur mein heimathafen war nach Neukaledonien verschoben worden. Wer lesen kann, ist klar im vorteil. Wurde dann handschriftlich korrigiert und für dieses eine blatt papier mit zehn angaben musste ich so lange warten.

Mit dem hochwasser bin ich ausgelaufen, nach zwei stunden kam auch etwas wind. Die nacht habe ich in der plicht verbracht, ich weiß gar nicht mehr, wann es das letzte mal war. Jetzt nach zwei tagen ohne wind bin ich gerade mal siebzig meilen von Darwin entfernt, es ist zäh.
Und ich lerne nicht dazu. Bewölkter himmel und ich creme mich nicht ein, verbanntes gesicht, lippe und nacken. Vielleicht werde ich auch nur vergesslich. Mein nächster wegepunkt ist noch dreihundert meilen in richtung westen entfernt.

Heute ist mal wieder Nikolaus, der kommerzielle beschiss an den kindern, um schon mal den weihnachtsklimbim vorzustecken. Meine schuhe waren natürlich leer. Dafür gab es seit gestern nachmittag wind. Mein ziel ist westen, aber mit dem wind konnte ich gerade nach nordwesten und später nur nord. In der nacht ging es nur mit dem groß weiter, hoch am wind und treibend. Nach dem sonnenaufgang war nur noch eine stunde wind und dann war er aus. Treibend mit einer alten dünung geht es wieder mit einem knoten nach osten. Die Timor Sea ist nicht mein freund. Nach drei tagen habe ich eine distanz von nur hundert meilen zu Darwin geschafft, zu wenig.

Am morgen hört der wind auf und es wird heiß. Segel bergen und ich bin durchnässt. Dann geht es mit einem knoten strom in richtung osten, da komme ich her. Alles nicht erfreulich und eine idee von wind kommt am nachmittag. Damit komme ich wieder nach südwest und das schauspiel wiederholt sich. Sobald ich etwas aktion verbreite, fange ich an zu schwitzen, es läuft einfach nur überall heraus, das macht keinen spaß.

Heute ist der fünfte tag auf see und eine gewisse routine ist da. Wind von abends bis zum sonnenaufgang, dann ist flaute. Das war die letzten tage so und ich komme immer mehr richtung süden. Nur das ist eine bucht und ich habe schon mal rote linien gezogen, die ich nicht überfahren sollte. Dahinter wird es riffig und felsig.
Nur heute morgen war es fast wieder so und ich nutzte die dämmerung für eine halse in richtung norden. Lief auch gut, bis zur sonne. Danach drehte der wind und nun fahre ich mit dem motor und den segeln in richtung westen. Warum nicht früher. Dreihundert meilen habe ich seit Darwin im kielwasser und bin noch keine zweihundert entfernt.

Was hat bis jetzt versagt, zum einen der windgenerator, der keinen strom produziert. Das türkenteil wird in Thailand ausgetauscht. Dann haben mich zwei rutscher am großsegel gestern verlassen und somit geht dort erstmal nur das zweite reff. Ein richtige flaute kommt bestimmt auch noch, ohne welle. Dann kann ich das fixen, ohne dass muttern oder werkzeuge über bord gehen. Als drittes ist mein windmesser noch immer nicht stabil. Zum anfang waren es zwei tage dauerbetrieb und dann war ende. Mein workaround ist, ihn ab und zu einzustöpseln, wenn ich ihn brauche. Das ging auch schon so vor Darwin. Und zum schluss überzeugt meine kühlschranktruhe nicht mit kühlleistung. Da muss ich mir was neues einfallen lassen oder eine richtige box kaufen.

Die erste woche ist um und ich bin noch lange nicht dort, wo ich sein wollte. Zweihundertzwanzig meilen von Darwin entfernt und dafür über vierhundertzwanzig meilen zurückgelegt. Der wind ist hier schwach und meistens aus westen, da will ich hin. Dazu kommt eine nach osten laufende strömung mit bis zu eineinhalb knoten. Ist der wind weg, geht es rückwärts. Somit kann ich nur nach nordwesten oder südwesten segeln. Im süden habe ich die rote linie gezogen und noch norden bin ich kaum zur route gekommen. Es sind noch hundertsechzig meilen bis zum nächsten wegepunkt, das kann dauern.

aus mal woche1

 

Heute ist der zwölfte Dezember, der neunte tag auf see. Das ganze vorhaben ist sehr, sehr zäh. Gestern habe ich sechzig meilen gesegelt oder motort und es sind netto die hälfte dabei herausgekommen. Solange der wind von vorn kommt, wird es sich nicht ändern. Dazu kommt, dass im süden land mit riffen existiert und im norden gasplattformen, auch nicht schön. Segeln geht eigentlich nur vom späten nachmittag bis morgens um zehn, dann ist der wind ausgeschaltet. Dazwischen versuche ich zu retten, was geht. Ohne motor geht es mit über zwei knoten nach osten, mit motor zwei nach westen. Nur ich will nicht den ganzen saft schon jetzt verbrennen, den brauche ich sicherlich noch.

Meinem fuß geht es jeden tag besser, der zeh ist bis zum anschlag beweglich, nur auf stoß reagiert er mit schmerz. Nur ein anderes problem besteht noch, ich schwitze unter deck. Hier ist es durch die vielen motorstunden recht muckelig, mein thermometer zeigt allerdings nur fünfundzwanzig grad an. Das kann nicht stimmen. Somit verbringe ich die meiste zeit unter meiner plane im schatten, auch nachts.

20191214 cocpitzelt

 

Und eine regelmäßigkeit ist mir seit Darwin aufgefallen. Sehe ich am morgen eine seeschlange, so bleibt der tag ohne besuch. Ansonsten kommt die küstenwache vorbeigeflogen. Mal wollen sie nichts oder sie funken mich an, meist zu spät. Sind sie meilen entfernt, geht da kein gespräch, pech für sie. Somit sollte es heute ein besuchstag werden.

Natürlich waren sie da und auch am nächsten tag, wollten aber nicht schnacken. Der wind kommt jetzt erst vor sonnenuntergang und schafft ein wenig strecke. Heute habe ich mal wieder die angel ausprobiert. Am ende gab es happy fish and chips, also vegetarisch. War ein guter Freitag, der dreizehnte für die fische.
Am schiff habe ich die rutscher erneuert und das ruder gefettet. Das macht aber nach ein paar stunden doch schon wieder leichte knarzgeräusche. Bis jetzt ein guter tag, der mit pellkartoffeln ausgeht.

Der wind war bis eine stunde vor mitternacht brauchbar, dann barg ich die segel. Immerhin war es der erste tag, an dem ich fünf knoten schnell segelte und dabei einen westkurs hatte. Für drei stunden, ich bin ja diesmal nicht kleinlich. Die bohrplattform war schon in zwanzig meilen entfernung sichtbar und das schiff trieb in der strömung.

20191214 bohrinsel 20191214 bohrinsel fackel

 

Am morgen habe ich fünf meilen verloren, und das tagesziel war es, die produktionsplattform Montara zu passieren. Das ganze mit wenig wind wie immer und mit motorunstützung. Mittags sah ich wieder eine seeschlange, doch das flugzeug kam zwei stunden später. Soviel zur neuen regelmäßigkeit, nur di e schlange am morgen zählt.

Abends um sechs war ich soweit entfernt, dass ich durch war. Nur dann gab es dort mitten im meer ein schiff mit flakbeleuchtung. Weitere zwei konnte ich auch noch ausmachen. Sie sind die eckbegrenzungen der ölförderung. Das kannte ich schon von Brasilien her und die einordnung ging schnell.
Ab dieser position ging es dann plötzlich flott nach westen. Dicke gewitterwolken brachten sehr kräftigen wind, das schiff legte sich und es ging ab nach vorn. Eine schwache version dieses windes hält bis jetzt an, am morgen des zwölften tages.

Der erste streckenabschnitt ist geschafft, dickes rotes kreuz im kalender. Für diese schlappen vierhundert seemeilen hätte ich im normalfall vier tage gebraucht. Jetzt sind es dreimal so viele geworden. Dafür habe ich siebenhundert meilen gesegelt und dabei hundertzehn liter diesel verbraucht oder fünfundfünfzig motorstunden. Eine teure strecke in zeit und sprit.
Nur kostet das warten in der marina auf ein wetterfenster für günstigen wind zweihundert euronen. Und eine aussicht auf änderung gab es nicht. Dafür war der erste Taifun auf den Philippinen angekommen, dreizehnhundert meilen nördlich von Darwin. Auf Neukaledonien ist seit November hurrican saison und Darwin hat es weihnachten vor fünfundvierzig jahren zerplunderisiert. Somit war ein wegkommen für mich wichtig.
In dreihundert meilen könnte man rechts abbiegen, doch schon dieses kleine ölfeld nervt mit sicherheitswahn. In Indonesien gibt es hundert mal so viele förderanlagen.

Gestern war der erste segeltag, wie ich ihn mir gewünscht habe. Die sternschnuppe in der nacht war mir gesonnen. Von morgens um acht bis abends um elf fuhr das schiff zwischen drei und sechs knoten, ein geburtstagssegeln. Das ergebnis waren danach sechzig seemeilen in die richtige richtung.
Der neue wobbler als köder für meine fischfangversuche ist leider schon abhanden gekommen. Oder fast, denn das schiff drehte bei schwachem wind vorgestern und die angelleine verfing sich am rumpf. Beim einholen ist sie gerissen und nun ist er gefangen. Bei leichter geschwindigkeit klopft er am rumpf, mal sehen wie lange.
Der letzte überflug sollte auch gestern gewesen sein, denn der nächste flugplatz ist dreihundert meilen entfernt. Was für ein aufwand, um den eigenen bestandsschutz zu betreiben. Ein flugzeug, ein pilot, ein copilot, einer am radar und sicherlich einer am funk. Das ganze schon seit dreißig jahren und ich weiß nicht, wie viele flüge gleichzeitig aktiv sind. Ein teurer spaß ist das.

20191215 kontrolle anflug

 

20191215 kontrolle

 

20191214 kontrolle

 

Und vorgestern ist mir noch etwas passiert, ein trockener squall. Die fette wolke sah sehr nass aus, darunter schien es zu regnen und ich langsam an ihr vorbei. Alle luken zu und auf das feuchte vorbereitet. Nur als ich näher kam, löste sich das teil auf, kein regen. Was blieb, war der wind, und der brachte das schiff in schräglage. Wenn links und rechts von der wolke keine schönwetterwolken wären, hätte ich gerefft. Und so ging es mit bis zu siebeneinhalb knoten durchs wasser. Der ritt dauerte eine halbe stunde und danach waren wieder zwei knoten schneckentempo angesagt.

Somit ist auch die woche zwei vorbei mit fast vierhundert seemeilen. Es war eine mühsame woche mit großem einsatz von Mr Perkins. Der aufreger der tage war die ölförderung, die es zu umschiffen galt. Die roten linien wollte ich nicht überschreiten. Die drei parallelen linien zum wegepunkt eins sind die drei möglichen routen zum ziel. Wobei mein favorit die dunkelgrüne ist. Das ende der Timorsee ist der anfang vom Indischen Ozean, der ist auch blau. Die land und seewind kombinationen hören dann hoffentlich auf.

aus mal woche2

 

Sie können es einfach nicht lassen, ein neuer überflug auch gestern, vielleicht ja auch heute. Dann habe ich rote tonnenbojen mitten im meer gesehen. Oben platt, ideal für seevögel zum putzen und abdrücken. Dann habe ich auch den kühlschrank ausgeschaltet. Es ist nichts mehr notwendigerweise kühlbares vorhanden. Und da ich im großem wasser bin, ist die windfahne aktiv. Mehr recht als schlecht, da der wind nicht immer kräftig ist.
Außerdem ist es der erste tag, bzw. der siebzehnte auf see, den der wind einen ganzen vollen tag geweht hat. Besserung ist in sicht.

Ein paar tage später, heute ist der zwanzigste Dezember. Der wind weht noch immer, so weit so gut. Nur er hat auch grundsätzlich gedreht. Tagsüber wechselt er mehrmals um zehn grad, jedoch komme ich seit dem letzten wegepunkt nicht mehr unter einem kurs von dreihundert grad. Den abzweig nach Bali finden wohl alle klasse. Die windfahne, die segel, der wind und das schiff, nur ich nicht. Die küste kommt immer näher, jetzt sind es nur noch siebzig meilen. Zu wenig für mich. Ich hoffe auf einen reinen westkurs, um auf meine route zurückzukommen.
Ansonsten gibt es hier nur wasser und weitere einzelne bojen im meer, diesmal sind sie schwarz. Sehr praktisch, kaum zu erkennen. Mein radar hat ein reset nach bedienungsanleitung erhalten, nachdem ich eine ungünstige tastenkombination gedrückt hatte. Der bildschirm war plötzlich invers und nicht wieder rückstellbar. Nach dem korrigieren mit kontrast und helligkeit war er dunkel. Alles wieder neu einstellen, das dauert und es läuft wieder.

Durch den ungewollten kurswechsel habe ich ein paarmal die routenbibel gelesen. Sie ist zwar schon dreißig jahre alt, aber vieles stimmt noch immer. Mein geplanter weg ist dort teilweise abgebildet und da könnte sich eine änderung ergeben. Ich sollte mich solange wie möglich unterhalb von fünf grad süd aufhalten. Solange gibt es den südostmonsum und leider auch die gefahr von zyklonen. Somit könnte ich im australischen kz für flüchtlinge auf Christmas Island vorbeischauen. Ein bier im pub trinken, etwas frisches einkaufen und weitersegeln. Die alternative route über Bali und das Südchinesische meer ist mir zuviel. Danach würde die ganze Malakkastraße kommen. Die Elbe im schiffshochbetrieb ist dagegen eine verlassene dorfstraße.

Man fing das gut an, langsam drehender wind von einem nordkurs anfangend. Jedoch kam das windende um mitternacht, davor gab es als appetitanreger einen westkurs für eine viertelstunde. Segel bergen und versuchen, im schwankenden boot zu schlafen.
So ging es auch am morgen weiter, ein intensives auffrischungstraining in kalmen. Das war die zeit für einen watermakereinsatz. Das letzte mal war zum testen vor Darwin und ich habe die prozedur nicht richtig beendet, alles ist schwarz. Die filter, die schläuche und der wassermengenanzeiger. Filter gewechselt und es lief nicht so gut wie zuvor, jedoch habe ich neue dreißig liter trinkwasser gewonnen.
Erst zum abend hin gab es einen leichten wind, wenn auch nicht sehr lange.

Der nächste tag, der zweiundzwanzigste Dezember, und es ging weiter mit dem training in kalmen. Die themen waren flaute, schlagende segel, unnötiges motoren, kein wind, welche flüche sind erlaubt und abwarten. Zum mittag hin kurz motort, die segel hoch und runter gezogen und warten auf das sonnenuntergangsabendsegeln.

Warum können gasflaschen nicht am ende vom kaffee kochen leer sein? Sie  sind es immer mitten im kochen oder backen. Das ist sehr blöd, wenn es ein linsencurry geben soll. Das ergebnis waren linsen al dente. Nur diesmal war der flaschentausch ein akt. Die letzte reserveflasche aus Neuseeland war an der reihe. Neuer gasschlauch, neuer regler und flasche. Aber alles geht und die küche bleibt nicht kalt.

Das segeln in die nacht hinein wurde ein abenteuer. Schwarze freundliche gewitterwolken sind voraus. Mal sehen, wie fett sie sind, und falls, dann vorher links abbiegen. Nur dann gab es wetterleuchten und blitze auf der linken seite, ein abbiegen nicht mehr möglich. Endlich kam besserer wind auf, ein gutes segeln. Dann kurz vor mitternacht ein sehr plötzlicher windwechsel von hundertachtzig grad in einer minute. Glücklich ist, wer einen bullenstander hat, auf allen kursen, und er war wieder hilfreich. Auf dem radar konnte ich die schauer um mich herum sehen und um ein uhr war fast alles vorbei. Kein wind mehr, segel runter und endlich schlafen. Die gewitterrückkehr kam um um drei uhr, heftiger regen, donner, und blitze ringsum, dabei wind um dreißig knoten. Ich mitten drin und das weiterschlafen war dann trocken unter deck möglich. Am morgen war alles vorbei.

Ein kleines weiteres problem gibt es hier vor Indonesien. Nicht nur, dass die fischer in ihren zwanzig meter schiffen kein ais haben, sie haben auch kein radarecho. Ich kann sie in zwei meilen entfernung sehen, da sie licht anhaben, jedoch nicht auf dem radar. Das kann ja noch lustig werden, wenn ich einen abramme.

Am einundzwanzigsten tag seit der abfahrt wurde es richtig belebt. Ich durchquerte die zufahrt bei Bali zum Südchinesischen Meer. Ingesamt sechs schiffssichtungen in nächster nähe und ich quere segelnd deren route. Zweimal an diesen tag habe ich das groß geliftet und x‑mal den motor gestartet. Der wind drehte, wenn er da war, und so bin ich zwei halbkreise gefahren.
In der nacht wurde es dann merkwürdig. Acht fischerboote um mich herum machte ich aus, am tag war keines zu sehen. Sind wohl bei sonnenuntergang aus ihren behausungen gekommen. Um kurz vor mitternacht war dann der wind auch wie immer vorbei. Ein neues phänomen tauchte auf, rings um das schiff herum schwarze wolken im kreis, dahinter freier himmel. Habe wohl den wind zu stark mit schimpftriaden beworfen.
Für frachter muss es ein graus sein, bei nacht durch dieses gebiet zu fahren. Das geht nur auf sichtkontakt, da die fischer kein radarecho haben. Mich hat dieses große schiff von links angefahren, dann um mich herum und geradeaus nach achtern weiter. Das war keine halbe meile abstand, das gebrabbel der matrosen war zu hören, der motor wummerte langsam.

Die dritte woche ist somit auch zu ende und ich habe ein drittel strecke mehr gesegelt als die wochen zuvor. Jedoch habe ich noch nicht die tausend meilen geschafft, die liegen weiter als der linke bildrand unten. Die ersten zwei tage lief es ja ganz gut, bis zum wegepunkt zwei, dem abzweig nach Bali. Dann schob mich eine strömung vom südost monsum nördlich und der wind war konspirativ dabei. Ab dem einundzwanzigsten Dezember gab es ihn nur morgens und abends und nicht stark. Weihnachten habe ich es bis auf die höhe der durchfahrt zwischen Lombok und Bali geschafft und es sind noch sechshundert meilen bis Christmas Island.

aus mal woche3

 

Der vierundzwanzigste Dezember ist so etwas besonderes, an land. Hier auf dem meer sind alle tage gleich wichtig. Dieser zeichnete sich mal wieder mit wenig wind aus und viel donner in den wolkentürmen um mich herum. Der wind zum abend wollte sich heute nicht einstellen, und so blieb ich in der ruhigen mitte der gewitter. In dieser nacht habe ich keine fischer gesehen und es blieb ruhig und trocken. Vor dem sonnenaufgang war es dann spiegelglatt, null windhauch und das hält an.
Eigentlich sollte ich noch nicht in dem kalmengürtel sein, der fängt erst bei fünf grad an. Somit versuche ich jeden brauchbaren wind mitzunehmen, um ein bißchen südlicher zu kommen.

20191225 sonnenuntergang

 

20191227 sonnenaufgang

 

Am fünfundzwanzigsten war flaute bis mittags. Dann kam eine fette schwarze wolke näher und die windmaschine ging an. Ganze zehn minuten lang und sechs knoten fahrt. Unter der wolke in der mitte fing der regen an, dann wolkenbruch. Dahinter sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins und ende. Wieder eine ganze zeit lang nichts.
Diese stunden warten auf die zweite sichtbare, sich nähernde wolke. Dabei bin ich eingeschlafen und das schwarze hatte sich aufgelöst. Dafür gab es mal wieder sonnenuntergangssegeln bis um zehn. Um mich herum konnte ich neun einzelne gewitter zählen, bin aber nicht nass geworden.

Der nächste tag, der sechsundzwanzigste Dezember, ergab von morgens bis mittags leichtes segeln. Dann aber schnell das segel bergen, da die wolke, auf die ich zufuhr, einen schwarzen trichter zum meer hin gebildet hatte. Sieht gefährlich aus, habe zu viele naturkatastrophenfilme geschaut. Und an diesen tag wurden die ersten tausend seemeilen überschritten, zwei weitere fehlen noch.
Nur irgendetwas stimmt hier nicht, strömung stimmt nicht, kommt nicht nach karte und stärke. Es sollte nordwest monsum sein, stimmt nicht, wind kommt oft aus süd oder nord. Wo bin ich? Vierundzwanzig tage seit abfahrt, wenn das so weiter geht, brauche ich noch sechs wochen.

Am nächsten morgen durch einen heftigen regenschauer geweckt, obwohl ich schon unten im schiff geschlafen hatte. Dann kam auch das gewitter mit querwind und blitzen. Ich war noch nie so nah dran, das wummern des unmittelbaren donners geht durch die schiffswand. Die entladung davor ist in der luft spürbar. Soweit alles heil geblieben, sechs liter trinkwasser in einer schüssel aufgefangen und der neue tag beginnt mit einem kaffee aus regenwasser.

Meine gedanken kreisen um das thema: reite ich ein totes pferd? Seit sechs tagen dümpele ich hier im meer umher, die etmale sind im durchschnitt um fünfunddreißig meilen. Damit komme ich nicht an oder bin vorher verhungert. Der letzte frische apfel ging heute durch meinen mund. Das letzte mal segeln war bei zehn grad südlicher breite. Wenn sich die konvergenzzone dorthin verschoben hat, muss ich wieder südlich kommen. Das passiert gerade jetzt, motorsegeln und kurs südwest. Sollte das nicht funktionieren, muss was neues her. Der diesel ist endlich, vielleicht zurück nach Bali und die andere route nehmen.

Gestern war motorsegeln, soweit möglich, angesagt. Sechzig meilen sind es per breitengrad zum nächsten. Ich habe die diagonale mit dem etwas wind gewählt. Dass es hier auf dem zehnten wesentlich anders aussieht, kann ich nicht sagen. Wolken, wasser und wellen. Eine langgezogene dünung und die gewitter waren auch weniger in der nacht. Auch die fischer sind wieder unterwegs, diesmal zählte ich drei am horizont. Es sind noch vierhundert meilen bis Christmas Island und ich werde es wohl ansteuern müssen.
Mein letztes müsli habe ich heute gegessen und frisches sind nur noch die kartoffeln und die zwiebeln. Mein wassertank klappert auch, somit wird gerade das zweite drittel abgesaugt. Diesel für eine motorstrecke zur insel wäre auch noch vorhanden, warte aber lieber auf den wind. Noch zwei tage bis zum jahreswechsel.

Heute ist der dreißigste Dezember, der achtundzwanzigste tag auf see und der neunte tag ohne richtigen wind. Ich habe es bis zum zehnten breitengrad geschafft und es sah gestern so aus, als ob es ab hier besser mit dem wind geht. Aber um mitternacht war es wieder vorbei und bis jetzt am nachmittag ist noch kein wind gekommen. Ich habe zwei alternativen. Die erste ist, so weiterzumachen wie bisher und auf wind zu hoffen. Es sind noch dreihundertfünfzig meilen bis Christmas Island, und dort muss ich diesel, wasser und essen kaufen. Dabei ist noch nicht klar, ob es dort einen anleger für mein schiff gibt. Das dingi hat sich im letzten monat weiter aufgelöst und eine fahrt damit kann zum abenteuer werden. Ich lese nur etwas von einem ankerplatz. Von dort aus sind es noch einmal fünfzehnhundert meilen bis Langkawi.
Alternative zwei ist umkehren und nach Bali zu segeln, das sollte einfacher sein und sind zweihundertdreißig meilen. Auch dort muss ich mich neu verpflegen und danach die zweitbeste route nehmen. Durch das Südchinesiche Meer, nach Singapur und die Malakkastrasse rauf. Das sind noch einmal vierzehnhundert meilen mit viel schiffsverkehr. Teilweise kann man ankern und sich ausruhen.
Und ich habe mich für die zweite alternative entschieden. Denn sollte sich der nordwestmonsum einstellen, so gibt es ihn auf die nase. Ich hätte das alles früher haben können, hätte ich genauestens gelesen und nicht nur die texte überflogen. Mein bedarf an einer weiteren kalmensession ist restlos gedeckt.

20191223 routenbibel

 

Die letzte woche hatte es in sich, negativ gesehen. Zum segeln viel zu wenig wind. Die etmale unter vierzig meilen und das meist noch mit vielen motorstunden. Zwei, drei tage flaute sind ok, das ist für mich normal. Nur hier kommen wir schon in den zweistelligen bereich. Da hat man viel zeit und ich bin zu dem entschluss gekommen, ich reite ein totes pferd. Da kann man soviel mit der peitsche antreiben, wie man will, es wird sich nicht wesentlich fortbewegen. Diese erkenntnis ist nicht offensichtlich, könnte doch morgen der wind kommen. Eine woche unter dreihundert seemeilen und nur zweihundert nach westen.

aus mal woche4

 

Der letzte tag dieses jahres und es geht zurück. Das ist nicht einfach für mich, das erste mal. Bisher gab es alternative lösungen in die zielrichtung, zurück auf los und neustarten. Es sind heute noch zweihundert meilen und das gegen die strömung und bei dem schwachen bis keinen wind. Motorsegeln oder ohne segel am tag, und abends kommt der motor aus, oder wenn das schiff drei knoten segeln kann. Dann fällt die genua nicht immer ein und entfaltet sich wieder. Diesel ist genug vorhanden, und wenn ich in sechs tagen ankommen sollte, ist das ein Montag, genau richtig. Der gestrige umkehrtag war auch richtig, denn ich habe nur sechszehn meilen gesegelt oder bin getrieben. Das ist erheblich zu wenig für diesen trip.
Hier endet auch erstmal der erste teil auf dem weg zur werft, da es auch jahresende ist.

Vorwärts vorwärts, wir müssen zurück.

 

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Reset in Darwin

Fangen wir doch bei der einklarierung an, easy. Ich malte mir im kopf schon den horror zurecht. Das liegt vielleicht auch an dem älteren herrn, der für die bio-security unterwegs war. Meine schlimmsten befürchtungen trafen nicht ein. Er machte den papierkram, hier sollte nein angekreuzt werden, mach ich mal. Sie haben ein stahlschiff, da ist ja kaum holz dabei, also viele neins. Ein kurzer gang durchs schiff, soweit ok. Keine frischware, super. Müll gesammelt, bestens. Macht nur zweihundertdreißig dollar, die hälfte vom üblichen durchschnitt. Am ende schnell schnell, denn der zoll mit der immigration stand schon am ponton.
Auch hier alles easy, eine kurze geschichte von der riffstrandung, ein paar formulare und fertig, null dollar. Dann zur marina und die nächste hürde gestartet. Eine gültige haftpflichtversicherungpolice über 5m euro vorweisen, per mail und ok. Und eine taucherbesichtigung für den rumpf vereinbaren. Das ist pflicht und wird von der australischen lokalverwaltung bezahlt, um eine übernahme der marinas durch eingeschleuste muscheln und ähnliches auszuschalten. Das soll vor zwanzig jahren schon mal der fall gewesen sein. Da mein schiff aber erst seit kurzem im wasser ist und vorher an land war, kam kein taucher. Der mitarbeiter hatte zehn giftflaschen dabei und wir verteilten das zeug im wassertrakt des schiffes und in den speigattrohren. Ich sehe das als sinnfrei, es war unnütz, aber es gab einen grünen zettel, mit dem ich durch die schleuse in die marina einfahren durfte. Aber erst zehn stunden später, nach der einwirkzeit. Eine nacht mehr am ponton, spart marinakosten.
Dieses gesparte geld wollte ich in drinks und essen umsetzen. Nur es war Montag und alle hatten geschlossen, mist.
Am nachmittag war ich humpelnd auf der suche nach einer geldmaschine. Einer wuchtete mit sehr vielen bierfässern, zeigte mir aber im lokal das gerät. Dieses wollte meine karte nicht, es gab aber trotzdem ein frisch gezapftes lokales ale. Leckerst nach drei wochen. Danach noch ein lokales lager und er meinte er müsste wieder schließen, da heute ruhetag ist, bezahlen ja, aber morgen.
Die menschen, die ich bis jetzt kurz getroffen habe, sind recht entspannt. Da muss ich auch wieder hinkommen.

Somit bin ich heute morgen um sieben uhr in die schleuse gefahren und ab zur box, die ich schon gestern begutachtet hatte. Neben mir liegt eine million, also schön vorsichtig hineinfahren. Danach ein kleines frühstück und dann auf zum supermarkt. Am kreisel habe ich erstmal eine humpelpause eingelegt, die sonne war schon recht aktiv. Da die wanderungen von gestern sich nicht auf den zustand durchgeschlagen haben, mache ich weiter. Der fuß ist morgens dünn und wächst im laufe des tages. Ich bin bis zum nächsten kreisel gelaufen, da kein auto anhalten wollte. So weit zu entspannten personen. Die erste mitfahrgelegenheit und der mann setze mich dann nach einer strecke ab, kurz vorm supermarkt, danke.
Wieder zurück in der konsumlandschaft und zwar in groß. Diesmal wollte ich hungrig einkaufen gehen, viel frisches, kaffee, müsli, milchprodukte und was ergänzt werden musste. Ein ganzer einkaufswagen voll für hundert euronen, das geht. Zurück mit dem taxi, ein chinese am steuer, wenig englisch und trotzdem angekommen. Darwin entspannt.

Die marina ist so eine retorte, ende der achtziger fertiggestellt, also schon mit etwas patina. Viele plätze sind frei und die anlage ist gepflegt, die duschen sind sehr gut. Von meiner box aus blicke ich in richtung sonnenuntergang.

20191127 cullen bay marina

 

20191127 cullen bay marina

 

In fünfzig meter entfernung hinter mir ist ein griechisches restaurant, links daneben etwas zum frühstücken und ein café, rechts daneben eine indische küche gefolgt von einem koreaner. Auf zwei uhr ist Lola’s bar, in der ich schon diverse hopfengetränke probiert habe. Die musik fängt morgens um acht an, wenn der chef kommt und endet spät am abend. Alles musik, die ich hören kann, sechziger bis neunziger jahre. Nur zum abend hin dreht auch der grieche mit griechischer musik auf, das gemisch stört empfindlich mein ohr.

20191127 fruehstueck und cafe

 

20191127 grieche

 

20191127 inder und koreaner

 

20191127 lolas pub

 

Heute am Do habe ich den ersten weiteren ausflug richtung city unternommen. Dabei habe ich festgestellt, dass der supermarkt schon im zentrum ist. Also von dort aus alles bis zum wasser abgehumpelt, unterwegs die ölkavernen aus dem letzten großen krieg passiert. Und, ach weh, die stadt wurde von den japanern ziemlich bombadiert. Viele hinweistafeln dazu an vielen orten. Wenn das gleiche in Hamburg wäre, dann würde man die stadt vor lauter schildern der untaten der amerikaner und engländer nicht mehr sehen können. Aber wir sind da ja anders konditioniert worden, stichwort die guten befreier.
Was den krieg überlebt hat, hier in Darwin, ist einem hurrican zu weihnachten vierundsiebzig zum opfer gefallen. Somit gibt es keine alte bausubstanz mehr, und in fünfundvierzig jahren kann man eine stadt recht gut verschandeln. Somit gib es auch keine fotos davon.
Mein fuß sieht besser aus, morgens schlank, später immer noch dick, aber keine schmerzen mehr. Den arztbesuch klemme ich mir mal, ist nach zehn tagen eh zu spät.

Auch in Australien gib es ein wochenende, auch wenn der supermarkt sieben tage in der woche geöffnet hat. Am morgen habe ich mich um mein großsegel gekümmert, latten wieder rein, am segegelkopf wieder einen rutscher angenäht, rollen getauscht und schäkel gesichert. Danach war ich nass, und es war früh am morgen. Es ist heiß hier.
Nach einer dusche begann der ausflug für den tag und zwar mit dem rad. Mein fuß wird besser und mit flip-flops kann man radeln. Darwin ist nicht wirklich groß, abgesehen von den trabantensiedlungen. Das ziel heute war der Dinah Beach Yacht Club und mal sehen, was es dort gibt. Dieser liegt nördlich der city und man kann in der fahrrinne ankern.

Am nachmittag war ich wieder auf dem schiff und wie soll es anders sein, mein hintern schmerzt. Das letzte mal war ich vor fünf wochen auf dem rad und das ist das natürliche ergebnis.

Nun ich habe ein neues problem, die geklebten nähte von meinem dingi lösen sich auf. Die temperaturen oder die uv-eintrahlung machen dem tender den garaus. Zwei, drei stellen habe ich geklebt, aber es hört nicht auf. Meine lösung ist ein feststoffboot, holz, plastik oder aluminium, aufblasbar wozu.

Der versuch, eine oder zwei personen zu finden, die mit mir nach Langkawi segeln wollen, erweist sich als schwierig. Die einen wollen kohle dafür – geht’s noch? – und die anderen haben den geburtstag des sonnengottes auf dem zettel. Andere haben es in einem monat nicht geschafft, ihr auto zu verkaufen. Also bin ich die crew.
Der seeweg zwischen Indonesien und Malaysien ist nicht ohne, fahren die kommerziellen schiffe doch wie an einer perlenkette entlang. Zudem will ich nicht in Indonesien einklarieren, die verlangen ein transponder AIS system der klasse B, tausend euronen dafür. Es sei für alle pflicht, nur nicht für indonesische fischer, also total sinnlos. Oder soll dieser teil der bevölkerung sich das richtige schiff herauspicken können. Wie meint die Chuligi: „Im AIS ist in Zeiten der Piraterie anstatt des Zielortes ARMED GUARDS ONBOARD eingetragen.“

Somit werde ich wohl außen um Sumatra herum segeln, ist nur vierhundert meilen weiter und ohne riffe oder inseln. Für die abfahrt fehlt nur noch der wind.

Ein weiteres projektchen ist auch fast fertig. Mein kühlschrank musste schon so einiges ertragen, oft ist er mit einer sauerei aus seinem platz gefallen. Die türverriegelung ist beim ersten mal zerschreddert und oft auch der inhalt. Mein erster versuch war in französisch Guayana, als ich ihn flachgelegt hatte. Das ganze gestaltete sich schwierig und so habe ich es eingestellt. Nun der zweite versuch: in NC hatte ich probiert, den kühlschank nur auf den rücken zu legen. Lief nicht, der kühlkreislauf wollte nicht kreisen.
Nun habe ich es eine woche getestet, die krompressoreinheit um neunzig grad gedreht und er kühlt zufriedenstellend. Heute habe ich nun aus zwei brettchen eine halterung verleimt und geschraubt und es ist der anfang der kühlbox. Was fehlt ist ein ablauf, kommt noch. Ich hoffe, dass diese variante energieärmer ist als die schrankversion. So werde ich auch in zukunft das teil zur nacht ausschalten, am tag liefern die solarpannels genug strom zur kühlung.

20191120 kühlschrank

 

20191125 kühlschrank

 

Alle zwei tage mache ich einen ausflug, meist mit dem rad. Heute habe ich die gleiche richtung zum wasser eingeschlagen, wie beim letzten mal. Diesmal durch den botanischen garten, bergauf und ab und dann wieder zum fischerreihafen. Ziel war eine weitere marina, die aber auch eine retorte ist, auch mit einer schleuse versehen und das office ist nicht besetzt. Keine wirkliche verbesserung und so bleibe ich im süden der stadt. Auch ist hier ein großes problem für schiffe, dass das wasser täglich verschwindet. Nur die differenz sind sechs und acht meter. Wenn man ankert, kann man nur in einem kleinen zeitfenster das schiff verlassen. Oder man robbt durch den matsch.

20191127 darwin ankerplatz

 

20191127 darwin ankerplatz

 

Seit heute morgen habe ich auch mein reiseziel konkretisiert. Wieder habe ich nicht bis zum ende gedacht. Die informationen der werft waren reichlich, die webseite ist auch recht gut und die preise sind in bath. Ups, dreimal gelesen: der ort Satun liegt in südthailand, nah der grenze zu Malaysien. Na ja, muss auch gehen, auf nach Thailand! Somit werde ich dorthin gehen, wo die Esper auch war. Wer nicht weiß, welcher vlog das ist, das netz befragen.
Nun warte ich auf brauchbaren wind, der mich von Australien wegbringt, danach sieht es immer besser aus.

Ich bin hier gefangen, kein wind, kein wegkommen. Da es sich aber auch ändern kann, habe ich schon mal gastlandflaggen von Malaysien und Thailand gekauft. Danach noch zum supermarkt, alles aufs rad geschnallt und wieder zurück. Ich dusche bis jetzt immer vorher, für die anderen. Nach dem ankommen bin ich aber wieder durchnässt. Es ist hier einfach zu heiß und somit ist das mit der erholung auch eingeschränkt. Erst mitten in der nacht kühlt es ein wenig ab, vorher ist der schlaf rudimentär.

20191201 malaysien und thailand

 

Ein zweites problem tritt heute das erste mal auf, meine netzverbindung will nicht so recht und der fehler liegt nicht bei mir. Ich war zum testen am ponton und dort habe ich ein netz und das kommt schnell. Auf meinem schiff will die ip-adresse nicht rüberwachsen. Muss ich mich morgen drum kümmern und der bar das verklickern.

Ich habe beschlossen, am dritten Dezember hier abzulegen. Der wind ist mau und dreht oft, auch mal von vorn. Wenn ich die höhe von westaustralien erreicht habe, sollte es normal weiter gehen. Warten kann ich auch auf dem meer, fluchen werde ich sowieso. Dreitausend meilen sind geplant und es werden sicherlich mehr. Nächstes jahr sollte ich ankommen, wenn nichts dazwischen kommt.

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Auf nach Darwin

Das ablegen war traumhaft, nur ein wenig wind aus der richtigen richtung. Lief alles super und draußen in der lagune fing der wind langsam an. Nach einer stunde konnte ich die segel setzen und den motor abstellen. Der klingt jetzt auch neu, muss mich daran gewöhnen. Der wind hielt an und über sechs knoten waren drin. Der backbord bug rauscht ein bisschen.
Dafür traten dann die baustellen zu tage, die ich nicht richtig angegangen bin. Der kühlschrank war fest, bis zu den wellen. Die notlösung ist erstmal der bootshaken und ein gummi. Soweit alles im grünen bereich. Nachts um eins hörte der wind auf und ich musste das groß herunterholen. Das war ein akt, das erste mal seit drei monaten. Bis dahin waren es schon achtzig meilen.

20191020 kuehlschrankhalterung

 

Tag zwei auf see fing sehr langsam an, unter zwei knoten, kaum segelbar. Aber es wurde besser und am ende waren es neunzig meilen, nicht schlecht. Passiert ist nichts aufregendes, nur heute morgen am tag drei kam ein überholer. Ein holzfrachter, wahrscheinlich aus Whangarei in Neuseeland. Der wind ist noch immer achterlich, ich mag das noch immer nicht.

20191021 ueberholer

 

Die nacht war mit überraschungen, das radar hat mich zweimal geweckt. Ein schiff von hinten und eins von vorn. Während des alarms kann das radar nicht wieder in den ruhemodus gesetzt werden. Also wach bleiben und warten. Als entschädigung war der wind freundlich zu mir. Fünf bis sechs knoten fahrt, allerdings nur mit autopilot. Als ergebnis des dritten tages waren es hundert meilen. Ich weiss das zu schätzen, weniger geht immer.

Gestern abend gab es noch ein schiff in der ferne und dann nahm der wind zu. Also doch vorsichtshalber gerefft. Nicht schön, da es schon dunkel war. Und seitdem geht es mit fünf bis sechs knoten nach nordwesten. Über den kurs kann ich mich nicht beklagen, läuft alles auf der geplanten route. Das erste große riff Chesterfield ist auch umrundet, habe seit meiner erfahrung einen riesen respekt vor den teilen. Jetzt am vierten tag kommen die großen wellen von hinten und schräge. Eine elendige schaukelei hin und her, auf und ab. Dafür schon wieder ein etmal von über hundert meilen, was erfreut.

Heute ist Do morgen und ich bin seit fünf tagen unterwegs. Die gute nachricht ist, dass es schon sechshundert meilen seit Noumea sind. Letzte nacht war wieder so ein ritt, um sechs knoten, mal sieben die wellen hinab und alles laut. Die andere nachricht ist, dass ich keine richtige lust verspüre. Die freude ist weg oder ich muss sie wieder finden. Schon wieder denke ich ans aufhören und etwas neues zu beginnen, dabei läuft es so gut. Die sonne ist heute mal nicht da und ich kann meinen sonnenbrand von gestern pflegen und da war es auch bewölkt. Noch achthundertundfünfzig meilen bis zur Raine Island Route und dann bin ich fast im norden von Australien.
Am abend habe ich memme dann doch das zweite reff ins groß gezogen. Viereinhalb bis fünf knoten sind noch immer drin, aber alles ruhiger. Die nacht sollte auch besser werden. Aber so sind auch keine hundertfünfzig meilen wie gestern heraussegelbar. Ankommen und heil ist mir dann doch wichtiger.

Endlich mal etwas anderes am siebenten tag auf see, ein kleiner regenschauer. Der wind ist noch immer achterlich, ein wenig unheimlich für mich. Noch nie war der wind derart kontinuierlich, bis jetzt sind es schon siebenhundert meilen seit der marina und ich habe noch einen tag bis zur ganzen woche. Das zweite reff ist noch immer im segel und wir fahren mit fünf knoten. Das aktuelle riff ist fünfzig meilen weiter im süden, das nächste kommt in zweihundert meilen.

Eine ganze woche bin ich auf see und das erste mal habe ich in dieser zeit über achthundert seemeilen zurück gelegt. Das kenne ich vom pazifik auch ganz anders. Sechs breitengrade bin ich nach norden und zehn längengrade nach westen gesegelt, ne menge. Der wind hat heute ein wenig nachgelassen, das groß ist wieder ausgerefft und es geht mit über vier knoten voran.
Die letzte nacht war für ein dutzend fische das ende auf deck, dreimal so viele wie zuvor. Auch habe ich schon über die hälfte der strecke bis zur riffeinfahrt zurück gelegt. Wäre schön, wenn es so bleiben würde.

nc->aus woche 1

 

Irgendwann hat die serie auch ein ende und das war gestern und setzt sich heute fort. Der wind drehte ein wenig und ließ nach, das resultat waren unter neunzig meilen, meist nach nord. Am abend hatte ich eine vermutung und das zweite reff gesetzt. Die fetten regenschauer waren auch auf dem radar sichtbar. Das ist blöd, geht das gerät nicht in den watch modus. Also habe ich es erstmal ausgeschaltet, daueralarm klingt auch nicht schön. Nach dem schweren gewitter gab es dann beim einschalten wieder ein echo, diesmal ein schiff in vier meilen entfernung. Am morgen war dann mein schiff auch wieder sauber. Jetzt geht es mit vier knoten plus meist richtung westen.

Vier tote fische in der nacht, zwei schiffe zum sonnenuntergang und eins um mitternacht, dank radar wahrgenommen. Heute bei sonnenschein weiß ich den gestrigen bewölkten tag zu schätzen. Immerhin brachte er über hundert meilen auf mein konto.
Heute am Montag kommt nicht die rechte freude auf, das segel wieder auszureffen. Meine zehn tage alten gripfiles sagen viel gelborenagen wind voraus. Was davon noch realität wird, weiss ich nicht. Zur zeit sind es zwanzig knoten scheinbarer wind, über dreißig der wahre. Also geht es mit dem zweiten reff und fast fünf knoten fahrt in genau die richtige richtung. Besser als mit mehr in ungefähr dorthin.
Mein kühlschrank hat seit ein paar tagen auch ein update erhalten. Auf dem fußboden und von dem tischbein aus der plicht in position gehalten. Noch ein wenig und er kann auch aus, die frischen sachen gehen zur neige. Gestern den letzten toast, einige scheiben starteten mit der grünen methamorphose, der restliche käse ist auf dem gleichen weg.

20191028 kuehlschrankhalterung

 

Das müsli in der fast ganz verschlossenen tüte hat sich im wahrsten sinn verflogen oder war bald bereit dazu. Somit gibt es eine neue tüte und der joghurt wird drei tage halten. Dann kann auch der kühlschrank aus.
Die gute nacht gestern wurde nur durch den lockruf der toilette unterbrochen, keine schiffssichtungen. Jedoch hat es wieder ein dutzend todesopfer gegeben, meist kleinere fische. Jetzt am Dienstag morgen bin ich genau zehn tage unterwegs und hinter mir im kielwasser sind über elfhundert meilen zu verzeichnen, nicht schlecht. Bis zur riffeinfahrt sind es jetzt unter vierhundert, also absehbar. Meiner faulheit zum trotz ich habe das gereffte segel nicht geändert, fährt das schiff über fünf knoten. Der wind hat ein klein bißchen zugelegt. Wenn das doch immer so wäre.

Heute ist der dreißigste Oktober und nur noch zweihundertfünfzig meilen bis zum Great Barrier Reef. Übermorgen sollte ich während des tages drin sein. Jetzt um elf uhr habe ich die tiefwasserroute zur Torresstrasse überquert. Gestern brachte wieder das etmal über hundertundzwanzig, unglaublich. Aber am späten nachmittag rauschte ein tanker einen kilometer an mir vorbei. Ich war in ein buch vertieft. Darauf hin habe ich die alarmzone des radars von sechs auf acht meilen erhöht. Die chance, den schnellläufer zu sehen, ist erhöht. Ansonsten alles wie bisher, wind von hinten, sonne und zehn tote fische.

Der zwölfte tag brachte auch wieder hundertzwanzig seemeilen, gut so. Nur heute morgen hat der wind etwas nachgelassen. Ich kann leider nicht sagen, um wie viel. Denn heute nacht hat sich der datenstrom des windmessers verabschiedet. Die displays sind in ordnung, nur keine winddatenanzeige. Sehr ärgerlich für mich, geht auch ohne. Nur mit ist es einfacher. Und nur noch hundertfünfzig meilen bis zum riff.
Halbdrei, gleicher tag, noch hundertdreißig meilen. Der wind hat nachgelassen, es ist nur noch das erste reff im segel. Die vier knoten reichen nicht bis morgen mittag und dann wird es eng. Seit drei stunden habe ich wieder eine windanzeige, danke.
Dann war ich gerade an der reling, um zu lenzen, und gleich im anschluss plätscherte es hinter mir. Hat der vogel aus empathie seine tore geöffnet. Zum glück ging es von der achterstagspannung direkt auf die fender und nicht auf die solarpannals. Sein putzritual dauert nun schon seit zwei stunden und den platz findet er gut.

20191031 gast

 

20191031 gast

 

Später nachmittag und die putzaktion des vogels ist beendet. Meine fängt gerade an, denn mit einem dicken fetten weißen gruss über die stromerzeuger hat er sich verabschiedet. Der segelkurs ist fast wieder punktgenau, nur die geschwindigkeit liegt bei vier knoten. Jetzt kommt gerade ein ordentlicher schauer über das schiff hinweg mit mehr wind. Aber der elektrikfehler ist auch schon wieder da.
Sonnenuntergang abends um halb acht und noch hundert meilen bis zum riff plus zwanzig bis zum ankerplatz. Das wird eng, vielleicht ein wenig motorsegeln morgen. Der vogel ist auch wieder da, der darm ist noch immer nicht leer oder eine art von durchfall.

Die nacht war gut und der wind willig, genug und richtige richtung. Jetzt am ersten November und halb elf sieht alles ganz gut aus. Über fünf knoten fahrt, die windanzeige ist wieder da, und es sind noch vier stunden bis zur riffeinfahrt.
Auch habe ich heute morgen meine solarpannels intensiv gereinigt. Hat sich doch eine ganze gruppe von scheißern in der nacht da aufgehalten und abgedrückt. Heute morgen war nur noch der gast von gestern da. Beim morgenkaffee ist er wieder auf jagd geflogen.

Nach dreizehneinhalb tagen bin ich im riff angekommen und habe geankert. Die auswahl war zwischen zwölf meter, koralle, schlechtem halt und keinem schutz oder zweiundzwanzig meter, eventuell sand und keinem schutz. Und da liege ich nun, sehr wellig, fast wie auf dem meer mit siebzig meter kette. Zwei stunden vor sonnenuntergang war ich hier, eine punktlandung.
Nach über fünfzehnhundert meilen, die hälfte davon in der letzten woche, habe ich den ersten teil geschafft. Teil zwei ist das ende der Torresstrasse und danach kommt teil drei bis Darwin. Der wind war in dieser zeit sehr gnädig, nur eine halbe nacht war mau. Ansonsten nur achterlicher wind in genau die richtige richtung. Nur am anfang der letzten woche war da ein kleiner kursbogen. Habe ich schon erwähnt, aber das ist für mich außergewöhnlich. Die nächsten tage werde ich nur am tage segeln, die vielen riffe sind mir doch etwas unheimlich, gebranntes kind.

nc->aus woche 2

 

Die nacht im irgendwo inmitten des riffs war mies. Der windgenerator lief nach zwei wochen wieder, es wehte kräftig. Leider null ausbeute an strom, nur lärm. Deshalb habe ich ihn auch heute morgen still gelegt. Der zweite lärmverursacher war das ruder von der windsteuerrung, das schlug ans heck.
Diese nacht ist wieder ohne schutz, dort wo ich eine einheitliche tiefe gefunden habe, das wasser sieht nach sandgrund aus. Die beiden lärmquellen sind ausgeschaltet, die wellen bleiben.
Die küstenwache ist auch schon über mich hinweg geflogen, woher, wohin, wie viele und wann. Anscheinend geht meine funke wieder. Jedenfalls besser als der windmesser, mal ja, mal nein. Die letzte neuigkeit sind die ersten delphine seit langer zeit. Die haben hier eine kleine rückenflosse, sind einfach grau und schnaufen nicht so, wie die im südpazifik.
Heute waren es sechsundfünfzig meilen mit motor und segel. Mr Perkins bei tausend umdrehungen, macht zwei liter, und die genua, das ergibt zusammen um sechs knoten. Nach zehn stunden bin ich auch gar. Der nächste ankerplatz ist in vierzig meilen entfernung.

Und dieser platz wird schon von weiteren drei seglern benutzt, ist aber groß genug. Seit sechzehn tagen weht der wind, so auch heute. Aber das erste mal seitdem, dass ich heute nacht die heckkabine wieder benutzen kann. Das wasser ist recht ruhig, aber es weht kräftig. Auch ist dies der eingang zur Torresstrasse in zehn meilen entfernung. Wobei ich entschieden habe, dass ich morgen den südlicheren weg nehmen werde, beides ist gleich lang, nur von hier kann ich gleich losfahren. Morgen früh um zehn ist das kleine hochwasser und dann habe ich sieben stunden zeit, um durch das gebiet zu kommen. Wenn nicht, rechts ran und warten.

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

Am morgen des siebzehnten tages hieß es langsam machen. Erst kaffee, dann was aus teig und dann das segel hochziehen. Eine segellatte musste wieder eingeführt werden, drei neue reffbändsel, um das segel auf den baum zu binden, und die runterziehleine am topp musste justiert werden. Im groß habe ich das zweite reff gewählt, sollte reichen. Dann war es zeit, um zum hochwasser am eingang zur Endeavourstrait zu sein. Der motor lief vorsichtshalber mit, der wind war frisch und so ging es durch die inselchen hindurch.
Nur ich habe mich vertan. Das ablaufende wasser läuft nicht in den Indischen Ozean, sondern in den Pazifik, also gegen mich. Der wind machte das ganze wett, aber nur bis zum ersten teil. Ich glaube, der sollte mich hierher bringen, sechzehn tage aus der gleichen richtung und kräftig. Hier angekommen hörte er auf. Ein anderer wind kam mal von norden das westen und dann von vorn. Da war ich am anfang der Arafura Sea, nur der wind war zu schwach. Entweder nach süden oder nach norden segeln, ich muss aber genau nach westen. So läuft der motor abends um sechs noch immer, bis das auflaufende wasser mich fort schiebt, verplanter mist.

Der achtzehnte tag ist mit leichtwind von fast achtern, die genua ist nutzbar. Aber zurück zu gestern. Nach dem letzten absatz ging garnichts mehr, platte see. Der anker fiel auf achtzehn meter, mitten im meer. So wollte ich die nacht verbringen, jedoch um acht uhr fing der wind wieder an. Anker wieder hoch, im dunkeln eine kleine genua ausgerollt und ab in die richtige richtung. Nur nach mitternacht gab es die ersten radarwarnungen, morgens um fünf war es dann heftig. Vier schiffe gleichzeitig und das letzte konnte ich nicht sehen, es war zu nah dran. Im engsten radarumfeld war es, deutlich war die steuerbordlaterne zu sehen und als es kurz vorbei war, auch die maschine war hörbar. Unter einer meile entfernung, das ist nicht viel. Und alle wollten um sieben an der Torresstrasse sein, zum ablaufenden wasser.
Der letzte kaffee ist getrunken und der kühlschrank ist aus. Die letzte große flasche wasser ist angefangen, ein paar äpfel und kartoffeln sind noch da.
Jetzt fängt teil drei an, die strecke bis Darwin. Dahin sind es noch über sechshundert meilen, wobei die letzten hundertfünfzig es in sich haben werden. In den karten lese ich bis zu fünf knoten strömung, aber wird schon irgendwie gehen.

Sechster November und es geht langsam voran. Gestern nur knapp achtzig meilen und heute wird es nicht besser. Am nachmittag setzte bisher der wind aus und um acht nach dem sonnenuntergang kommt er leicht wieder. Das geht dann sutsche durch die nacht. Zweimal gab es einen alarm, ich konnte aber keine schiffe ausmachen. Wenigstens geht es nach westen und da sind es noch über vierhundert meilen für teil drei A, dann links abbiegen und in hundertvierzig weiteren meilen sollte ich in Darwin sein.
Meinen ersten sonnenbrand an den oberschenkeln hatte ich gleich nach Noumea. Danach war die joginghose pflicht und es ist nicht kalt draußen. Langes ist auch ein muss und eincremen. Nur hier im norden Australiens ist es noch ein wenig heftiger. Ein großes loch im sweatshirt und gleich verbrannt. Ich trage einen hut mit krempe und nackenschutz. Und dennoch habe ich mir die unterlippe im schatten sehr verbrannt. Die nase ist in der dauereinstrahlung. Ohne wind ist es unerträglich heiß.

Siebenter November, heute ist es ein wenig flotter, ab und zu mal fünf knoten. Das gestrige etmal brachte etwas über hundert meilen, gern genommen. Nur ich bin zu südlich gesegelt, somit habe ich heute morgen wieder die segel geshiftet. Damit sollte ich in fünfzig meilen entfernung am Cap Wessel vorbeikommen. Zur zeit sind es noch vierhundertsiebzig seemeilen bis Darwin. Nur ein großes schiff hat mich gestern abend in einer meile entfernung passiert und am nachmittag sichtete ich eine große weiße wasserschlange. Nichts neues, nur routine.

Heute ist der einundzwanzigste tag auf dem wasser und das etmal war gerade über hundert meilen. Wie man sieht geht es langsam voran, drei bis vier knoten, mal mehr. Die nacht war ruhig, bin wohl außerhalb der schiffsrouten. Nachts um vier sah ich dann das leuchtfeuer von Cape Wessel in acht meilen entfernung. Jetzt beginnen die letzten zweihundertsiebzig meilen bis zur abbiegung. Wenn da nicht heute ein kleines anstrengendes problemchen wäre. Bei setzen des groß hat sich die reffleine vom dritten in die umlenkrolle gefressen. Segel wieder runter, rolle ausbauen und die leine wieder heraus pulen. Ein akt, wenn der wind ständig ins segel pustet. Und dann macht es pling und die rolle vom zweiten reff hat sich vom segel gelöst. Alle teile fielen aufs deck, zum glück. Dabei sichere ich alle kleinen schäkel mit einem bändsel.

Gestern war der wind mau nur heute morgen für zwei stunden war er gut. Somit war das etmal von gestern nur um sechzig meilen, zu wenig. So sieht auch das ergebnis der letzten woche aus, nur fünfhundert meilen. Das liegt aber auch an den drei halben tagen, während ich durch das riff fuhr. Immerhin sind es nur noch hundertfünfzig bis zum abbiegen und dann noch einmal das gleiche bis in den hafen.

nc->aus woche 3

 

Gestern war es kaum windig, nur ein paar stunden und das tagesergebnis lag bei sechzig meilen. Das wird heute noch einmal unterboten werden, totale flaute. Jetzt am nachmittag versuche ich, nur mit der genua zu segeln, unter zwei knoten. Das segel steht nicht fest und daher muss das groß auch nicht hoch. In zwei meilen entfernung fährt gerade ein hochseeversorger vorbei. Der gast von gestern abend blieb den ganzen tag. Auch die braune ausführung drückt ab, wo sie nur kann. Zentral auf die heckluke, die ein wenig geöffnet war. Ich musste ja wasser darauf kippen und das bett darunter musste heute erstmal trocknen.

Heute ist der vierundzwanzigste tag und er beginnt, wie der letzte aufgehört hat, mit totaler flaute. Das etmal gestern lag bei dreißig meilen und das kann man sicherlich noch unterbieten. Somit ist die see spiegelglatt und die sonne scheint, es wird heiß werden. Und es sind noch hundertdreißig meilen bis zur abbiegung.
Am morgen war der besucher noch immer da und als ich ein foto machen wollte, flog er ab. Dafür habe ich wieder eine seeschlange gesehen, diesmal braunweiß.

20191111 seeschlange

 

Und wenn das alles noch nicht genug wäre, so habe ich seit drei tagen einen lädierten linken fuß. Es fing mit dem großen zehn an, der scheint aber nicht gebrochen zu sein. Eher ist es sein gelenk, alles ist dick und es strahlt auch aus. Also wandertouren sind erst mal nicht drin und das herumhumpeln im schiff geht, seit gestern mit schmerzmitteln. So etwas braucht keiner.

Dass sich das so hinzieht, hatte ich nicht bedacht. Den ganzen tag gestern gab es keinen wind nur am abend kam etwas auf. Wie in der Truman show, der mond wird angeknipst, die sonne geht wunderschön unter und der wind wird angeschaltet, abends um acht. Der brachte dann drei bis vier knoten, aber das auch nur für vier stunden. Das tagesergebnis liegt um dreißig meilen. Es ist noch ein weiter weg. Der besucher kam auch schon wieder oder es war ein artgenosse, denn er hat sich mal für mich putzfreundlich hingesetzt.

20191111 gast

 

Dreizehnter November und zwei mal in der nacht durch das radar geweckt worden. Einer von hinten und ein schiff von vorn. Der wind war schwach, das etmal um ein drittel höher als gestern, vierzig meilen. So komm ich nicht nach Darwin, auf jeden fall nicht so schnell.
Heute morgen dann wieder flaute und der motor ging an. Jetzt läuft er bei gemütlichen zwölfhundert und das bringt fünf einhalb knoten. Drei ankerplätze habe ich mir schon für heute nacht ausgeguckt.
Die natur war auch schon da. Gestern waren tausende von kleinen fischen um das schiff herum und sie haben uns auch begleitet. Heute dann ein springender schwertfisch von über einem meter länge, eine seeschlage noch länger und eine größere gruppe von delphinen. Am mittag dann noch eine große schildkröte. Das meer ist platt.
Die entscheidung ist schon gefallen, ich muss mich an Darwin heranarbeiten. Heute werde ich an einen ankerplatz übernachten und dann mit den gezeiten in die richtung fahren. Am ziel können es bis zu acht meter tidenhub sein, mit einer dementsprechenden strömung. Mein ziel ist, vor dem wochenende dort anzulanden.

Und vorgestern ist ein groschen bei mir gefallen, hat über drei monate gedauert. Schon bei der einfahrt in die lagune nach Noumea konnte mein autopilot nicht gegen die genua und die windfahne gegenan arbeiten. Er stieg aus und blinkte. Das tag er auch vorgestern wieder, wenn immer der druck zu hoch ist und das ruder an der definierten endposition ist. Nur das ist ein parameter. Mein defektes display, das inzwischen repariert ist, hat in Neuseeland wild und frei herumkonfiguriert. Und was mir erst jetzt klar wurde, auch im autopilotmenu. Von den über zwölf parametern waren fast alle verstellt, auch der ruderauschlagswinkel. Der autopilot konnte nur ein paar grad steuern, keine fünfundzwanzig. Das ist auch ein grund, warum ich auf das riff gelaufen bin. Starke strömung, wind von hinten und das segel schlägt um, dazu läuft der motor mit. Dagegen konnte der autopilot nichts machen, gab aber auch keine warnung ab, blinkte nur. Hätte ich mal früher darauf kommen sollen, sollte nicht sein.

Das mit dem wochenende wird wohl nichts. Die flaute hält an und so bin ich mal mit dem motor unterwegs gewesen. Es ist langweilig und heiß unter deck. Insgesamt waren es an dem tag siebenundfünfzig seemeilen. Der ausgesuchte ankerplatz lag hinter einer landzunge und auf der anderen seite hieß es danger point. Mein anker fiel auf sieben meter in matsch und die nacht war super. Wenn der mond nicht gewesen wäre, dann wäre es dort schwarz. Keine menschliche behausung oder auto oder laterne. Der küsten bereich sieht auch so aus, von weitem recht trocken.

20191114 ankerbucht 20191114 ankerbucht 20191114 ankerbucht

 

Heute am Donnerstag geht es wieder vierzig meilen in richtung Darwin und dann ist teil drei der reise beendet. Dann fehlt nur noch der zieleinlauf von rund hundert meilen. Das wird auch stückweise erfolgen, je nach strömung.
Mein fuß ist besser oder ich fühle es nicht so recht. Ich nutze ein mix aus aspirin und weiterem schmerzmittel. Nicht soviel davon, aber wenn es wirkt, komme ich in ein flipflop hinein und kann dann besser humpeln. Das nervt mich auch schon.

20191114 dickfuss

 

Die gezeiten hier richten sich nicht nach meinem programm. Ich bin natürlich zu früh losgefahren, aber das auflaufende wasser setzte erst zweieinhalb stunden später als meine grafik ein. Geschwindigkeit um sechs knoten durchs wasser, zwei über grund. Der leuchtturm vom Cape Don wollte nicht verschwinden. Dann lief es besser, bis zu acht und mehr knoten über grund. Nur die flut hörte auch wieder früher auf und der ankerplatz war noch über eine stunde entfernt. Und da kam der erste brauchbare wind des tages, um zwanzig knoten. Den ankerplatz erreichte ich dann schon im dunkeln, nach karte. Zweiundvierzig meilen war das ergebnis für den tag und Mr Perkins wurde richtig warm.

Das ergebnis der vierten woche ist eher sehr bescheiden. Zum anfang gab es noch wind, der dann aber auch abnahm. Flaute und treiben waren angesagt. Den motor setzte ich erst ein, als ich die küste erreichen und dort ankern konnte. Drei motortage wurden daraus. Der schöne flotte am anfang endete mit einer motorbootfahrt. Der van Diemen Golf bringt auch keinen wind, nur eine große tide mit viel strömung und vielen riffen, sowie untiefen.

nc->aus woche 4

 

Die letzten beiden tage verbrachte ich mit dem überqueren des golfes gestern. Lief gut und alles mit der strömung. Als sich das schiff am vormittag am ankerplatz gedreht hatte, ging es los. Das programm zeigt etwas anderes an. Achtunddreizig meilen weiter drehte das wasser wieder, und der anker fiel erneut.
Heute dann das gleiche, nur zweiundzwanzig meilen bis zur marinaeinfahrt. Dort liege ich jetzt draußen und warte bis morgen früh. Am wochende möchten sie noch einen extraaufschlag für das einklarieren berechnen, nicht von mir.
Insgesamt bin ich fast zweitausendvierhundert meilen weit gesegelt oder motort. Das hat zweihundertdreißig liter diesel gekostet, besonders die letzte woche. Dafür war das wasser glatt und kein störender wind. Ich glaube, da ich jetzt hier bin, ändert sich auch das wetter.

Mal sehen, wie das personal hier und morgen arbeiten wird.

Veröffentlicht unter Reise_2019, technik | 4 Kommentare

Wiedergenesungsversuch Part two

Dieser bericht konnte erst nach der entscheidung der versicherung veröffentlicht werden. Die mitarbeiter der versicherung und wohl auch der gutachter lesen mit und ich bin nicht sehr höflich, aber ehrlich, gebe hier doch nur meine persönliche meinung und subjektive sichtweise ab. Sie grollen ein wenig und fühlen sich zu unrecht schlecht dargestellt. Wenn man versucht, den mächtigeren auf der anderen seite des hebels mit seinen taten zu konfrontieren, passiert es schon mal. Ich halte nur den spiegel, reinschauen und ein selbstbild machen müssen sie selber.

Damit es voran geht, versuche ich alle vorarbeiten zu erledigen, dadurch werden die rechnungen kleiner. Gleichzeitig erhöhe ich mein zeitkonto als gegenverrechnung zum selbstbehalt. Am Mo wollte ich kurz die zylinderkopfschrauben lösen, ein kraftaufwand ohne erfolg. Diese sind mit über zweihundert Mn angezogen, jedenfalls sagt das mein drehmomentschlüssel, mehr geht da nicht. Also erstmal die arbeiten eingestellt und die bremsflüssigkeit aus dem zylinder gesaugt. Das zeug war nicht mehr durchsichtig, eher rot bis braun.

Gestern bin ich an die nächste herausforderung heran, das ruder vom schiff trennen. Mit meinem kleinen wagenheber, viel holz und abstützungen, war es nach einer stunde geschafft. Das ruderblatt liegt auf einem bock und es ist sauschwer. Was mich gefreut hat, unten im halbkugellager auf dem zapfen war noch viel fett. Das muss also schon fünfzehn jahre dort gelebt haben, abfetten kann man das lager nicht.
Jetzt muss nur noch der schweißer willig sein und den bereich heraustrennen. Dann unter eine presse legen, herausdrücken, vielleicht einen verstärkungsstreifen darunter schweißen und das ganze wieder zurück an seinen ort. Danach muss vielleicht auch der rest der ruderhacke um einen zentimeter verjüngt werden, mal sehen. Sein stundenlohn beträgt fünfzig euro, recht viel hier im verglich zu anderen.

20190910 ruder

 

Heute am Mi nach vier wochen meldet sich meine versicherung zurück. Sie warten noch auf einen schadensbericht von mir, das ist mir aber neu. Wozu ist denn der sachverständige hiergewesen? Und die marina hat sich auch per mail gemeldet, der erste riese soll für den stellplatz gezahlt werden. Da muss ich mal schneller arbeiten und alles an leuten rankriegen.
Zum anfang habe ich mir beim morgenkaffee die zylinderkopfschrauben ausgeguckt. Zwei va-rohre im schiff gesucht und eine rohr in rohrverlängerung von einem meter zusammengesteckt. Einundzwanzig bolzen gingen gut nur der letzte machte ärger. Ein paar mal abgerutscht und der kopf der schraube war abgelutscht. Mit einer feile habe ich dann das ganze wieder auf eckig gebracht, dann eine englische nuss genommen, den zweikilohammer und druck ausgeübt. Schweißgebadet nach fünf minuten war das teil dann auch lose, glück gehabt und keine klemmungen an hand oder finger.

20190911 verlängerung

 

Das war gestern, und mit dem schwung der verlängerung habe ich gleich ein paar neue projekte angestoßen. Ich kann nicht auf die versicherung warten. Also habe ich mit knirschenden zähnen den sachverständigen zum telefonat gebeten. Der motormensch muss ran, der schweißer soll das ruder richten und jemand muss sich um den propeller kümmern.
Die schweißer haben heute ein unverschämtes angebot abgegeben, so um fünfzehnhundert euro. Danach war noch jemand da, der morgen die schraube abbaut und reparieren will oder sie nach Neuseeland versenden wird. Kostet fast soviel wie eine neue.
Ich habe den zylinderkopf vom block gezogen, scheiße ist das teil schwer. Danach den krümmer und den ansaugtrakt abgebaut. Den kopf habe ich von dem gröbsten dreck befreit und die ventile gesäubert, alles im schiff. Eine gewaltige sauerrei, denn nur der zylinderkopf wiegt mehr als mein außenborder, kaum tragbar über dreißig kilo. Jetzt muss nur alles richtig anlaufen und bald bin ich mit dem schiff wieder im wasser.

Die handwerker sind schon merkwürdig, der schweißer will eine anzahlung haben von dem angebot, das sehr sehr hoch ist. Der sachverständige hat eine kreditkartenmaschine, somit ist schon mal die hälfte davon, plus zweieinhalb prozent kreditkartengebühr weg. Das ruder und den anker richten zum festpreis.
Und dann ging es recht flott am Fr. Die ruderhacke wurde aufgetrennt und das war ein flexscheibengrab. Was ich nicht wusste, die seiten und wahrscheinlich auch der boden der hacke sind gedoppelt, also einen zentimeter dick. Was für eine energie muss darauf eingewirkt haben. Somit haben sie nicht mit hitze und druck die hacke gebogen. Dafür flexten sie zwei schlitze hinein, kurz eine druckaufnahmeplatte zusammengebraten, die unter den rumpf kam. Eine verlängerung daran geschweißt und auf die hacke einen alten mechanischen wagenheber, der mit der verlängerung verschweißt wurde. Ein wenig kurbeln und schon wurden die spalte breiter. Dann wurde ein fettes u-eisen unten in die hacke verschweisst, die schlitze zu und der erste teil ist fertig. Jetzt müssen sie nur noch die ruderaufnahme nachbauen.

20190913 ruderhacke schnitt

 

20190913 ruderhacke verstaerkt

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190916 ruderhacke verschweisst

 

20190916 ruderzapfen

 

Auch das fünfte wochenende habe ich überlebt, hier und da kleinere arbeiten erledigt. Wovor ich angst hatte, dass meine reparatur nicht geglückt ist: beim außenborder. Aber er sprang ziemlich schnell an und dann leckte die bezinpumpe. Hatte sie vorher nicht getan. Zuerst mit Curil und dann gab es eine zusätzliche dichtung. Das standgas lässt sich noch immer nicht richtig einstellen, aber er läuft besser als beim letzten mal. Ein kleiner erfolg und das alles mit den alten dichtungen. Sechshundert euronen wollte der junge motormechaniker dafür.
Und heute am Mo kam auch endlich der alte motormechaniker, es ist nicht so viel für ihn zu tun. Ventilsitze fräsen, er möchte auch die ventile einschleifen mit einer maschine und die zylinder müssen gehont werden. Wenn er noch die richtigen ersatzteile besorgt, lebt Mr Perkins bald wieder.

20190911 zylinderkopf

 

Während ich in der stadt einkaufen war, wurden die weiteren teile des ruders eingeschweißt. Und auch wieder herausgetrennt, denn das gefiel mir nicht, zu schwergängig. Nach dem zweiten versuch drehte es sich schon deutlich leichter und mit fett ist es ok. Ich weiss halt auch nicht, wie es vor dem aufsetzer war. Das skeg hat dann auch noch eine neue halterung bekommen. Das basisblech scheint ebenfalls mehr als fünf millimeter dick zu sein. Da musste eine alte dichtung zwischen dem ruder und der oberen halterung weichen.
Mein anker ist wieder einigermaßen gerade und hat links und rechts verstärkungen bekommen. Leider im rechten winkel und nicht parallel. Mal sehen wie es sich auf das ankerverhalten auswirkt. Somit ist diese baustelle so gut wie abgeschlossen. Ein wenig farbe und schon wieder bin ich einen schritt weiter zum wasser.

Das mit dem anker musste ich ein wenig korrigieren. Über eine stunde schleifen ringsum, damit man ihn gefahrlos anfassen kann. Alle ecken und schweißpunkte entfernt und handgerecht rund geschliffen. Ist er gerade, nun eine idee davon. Ich weiß nicht, wie sie ihn zurückgebogen haben, jedoch Mike von den Falklands hätte es schneller und besser gekonnt. Man muss nehmen, was angeboten wird, überteuerte mittelmäßigkeit.
Dann habe ich noch vier bolzen für opferanoden an den rumpf gebraten. Die einen auf die ruderhake, denn dort ist viel edelstahl und die anderen beiden bei den wassereinlässen. Die anoden habe ich von einem schiff der letzten woche, fasst alle noch zu dreiviertel gut, also noch besser als der eigenbestand. Die letzten zwei meter des schiffes habe ich schleifend bearbeitet und mit farbe versehen. Soll erstmal schützen, da ich nicht weiß, wie lange.
Und das erste opfer ist auch zu beklagen, meine grüne bosch bohrmaschine. Sie hat die löcher in die anodenhalterung thermisch nicht überlebt. Eine windung oder zwei sind kollabiert und nun läuft sie nur für kurze zeit in langsamem tempo, dann wird sie heiß. Am ende kokelt das plastik, mechanisch ist sie gut, nur das reicht nicht. Somit werde ich wieder eine billige neue kaufen, die hält dann auch nur so lange wie die grüne.

Der Mi war kein guter tag, zuerst in die stadt geradelt und den schweißer bezahlt. Dann zurück und mit dem bus in das gewerbegebiet gefahren. Natürlich waren die angebots-bohrmaschinen und winkelschleifer nicht mehr verfügbar. Die billigste bohrmaschine mit einem alten spannfutter mit schlüssel sollte über dreißig euro kosten. Die billigste kombination beider geräte hundertsechzig. Also einmal die große runde gelaufen, fünf geschäfte besucht und am ende war ich wieder am anfang und habe für untere baumarktqualität geblecht. Werkzeug wird auf dem weg hierher vergoldet.
Und dann war noch die nachricht von der versicherung, es sei ein totalschaden, da die reparatursumme höher sei als der wert des schiffes vor dem unfall.
Nur mal ehrlich, ein fahrtentaugliches schiff mit meiner ausrüstung soll nur dreißigtausend euro wert sein? Da stimmt doch etwas nicht. Somit bietet mir die versicherung nach abzug des eigenanteils und des restwertes fünfundzwanzig an. Da kann der hals schon mal dick werden. Zumal ich für das geld hier keine reparatur durchführen kann.

Ein tag später noch keine antwortmail aus Österreich erhalten, also eine weitere dorthin versendet. Ich will das schiff reparieren und keine abfindung erhalten.
Mit der neuen flex habe ich dann das schiff bearbeitet und mit grundierung versehen. Die rechte seite sieht gar nicht so schlimm aus, links bin ich noch nicht fertig. Bei dem starken wind heute wurde der rost sehr weit getragen, bis einige auf dem gelände sich freundlich beschwert hatten. Die flex ist übrigens schon kaputt, das lager wackelt.
Und zum schluss gab mir der motormechaniker das tool zum herunterdrücken des kolbens in die hand. Nur die kolben wollen sich nicht bewegen. Morgen ist ein weiterer tag.

Am wochenende war hier weniger betrieb auf dem gelände, der wind hält an. Aber morgens ist er noch nicht so stark, also kräftig schleifen war angesagt. Die rechte lust kommt dabei nicht auf, spiele ich doch mit dem gedanken das schiff sandzustrahlen. Dann kommt der ganze rost runter und es gibt neue farbe. Ich denke, das silber gut ist, somit wird Themroc mehrfach grundiert.

20190929 rumpffarbe

 

20190929_rumpffarbe2

 

Den kolben habe ich dann doch noch heruntergedrückt bekommen, schweißtreibend. Der mechaniker war auf dem gelände und ich darf sein werkzeug benutzen. Links und rechts ein wenig etwas ausgekerbt und schon greift meine große zwei kilogramm rohrzange wieder. Der nächste schritt ist das hohnen und dann dreht sich der motor hoffentlich wieder leicht.

20190920 kolbendruecken

 

Bevor meine rote farbe ganz eintrocknet, hat das schiff an den verwundeten stellen zwei mal rot erhalten. Vom weiten sieht es ok aus und sollte bis zur werft reichen. Danach war noch die rudermontage dran, dreht sich auch wieder gut, mit viel fett.
Und Österreich will noch immer meine kontonummer haben und wird sie bekommen. Da die mail von mir nicht gesendet wurde, kann auch keine antwort kommen, eigentor. Am Sa habe ich dann noch zwei in die richtung versendet und morgen sollte eine reaktion darauf zurück kommen. Freundliche mails kann ich schreiben, diesmal nicht. Nach mehrfachen lesens des gutachtens muss ich sagen, der sachverständige in Luxemburg lässt kein gutes haar an mir. Entweder ist er ein arsch oder ein versicherungskriecher. Den doppelten konjunktiv über mein verhalten mag ich gar nicht lesen. Wenn man es in meine richtung interpretiert, bin ich ein lügner, verschlepper oder verhinderer und raffgierig.

Der tathergang meiner beschreibung könne nicht so recht stimmen, ich hätte die bergung verschleppt, da ich keine fünfunddreißig tausend euro herum liegen habe und die versicherung gütigerweise einspringen musste. Dazu wirft er mir verschleppung der bergung und verspätete benachrichtung seinerseits vor. Nur hat er die falschen daten. Hätte er sich sofort eingesetzt und nicht erst als das schiff geborgen wurde, würde weniger zeit verplempert worden sein. Das gutachten, das eine kurze beschreibung der strandung ist, eine auflistung der schäden und die eingeholten kostenvoranschläge, weicht von meiner idee eines gutachtens ab. Am ende wurde dann auch noch mein blog über zehn seiten lang kopiert und ins gutachten gesetzt, um das teil aufzublähen. So wurden auch schon mehrere doktorarbeiten geschrieben, nicht professionell in meinen augen. Keine gutachterliche arbeit, keine einschätzung und bewertung des schadens. Oder liegt es daran, dass der typ hier kein zertifizierter sachverständiger ist?

Wieder ist ein langes wochenende ist vorbei und heute ist auch schon Mi. Dadurch konnte ich erst heute antifouling kaufen, zwei liter sollten reichen, und das ganze wie immer zum vergoldeten preis. In dieser branche wird so viel kohle abgezogen, wie nur geht. Nur es ist farbe, eine basiskomponente, ein wenig farbstoff, kupfer, deshalb ist es schwerer und ein harmloses gift. Es soll ja auch nur kurz töten, damit das nächste geschäft abgezogen werden kann. Die komponenten sind alle aus der basischemie, also günstig. Was es teurer macht ist die abfüllung in döschen.

Mein motor hat sich nochmals um fast eine halbe drehung verändert. Heute morgen habe ich die zylinder eins und vier gehohnt, fühlt sich besser an als zuvor. Nur das teil will sich nicht gut drehen lassen, höchstens im mittleren zylinderbereich. Entweder das behebt sich bald oder das eisen muss raus, dann neue zylinder, kolben und ringe, oder anders ausgedrückt, drei wochen mehr wartezeit.
Damit diese zeit nicht so lang wird, ist der saure drops gelutscht. Ich habe einen neuen propeller geordert, kostet soviel wie die reparatur des alten. Das ganze dauert drei wochen aus Neuseeland, also eigentlich nur kurz um die ecke. Kurz dann auch die kreditkarte qualmen lassen und in drei wochen noch einmal.
Die versicherung hat noch nicht reagiert und hat auch noch nicht den ersten monat an land bezahlt, die zeit für die begutachtung.

Endlich mal guter und besserer tag, obwohl Fr ist. Das schiff ist wieder rot und unten schwarz. Alte stellen sind ausgebessert und die neuen haben einen anstrich erhalten. Muss bis Malaysien reichen, schrieb ich schon. Dafür habe ich gestern zwei liter antifouling gekauft und einen halben liter noch zurückbehalten. Und am nachmittag habe ich dann einen fund gemacht. Die leute hier kaufen fünf liter antifouling für zweihundertundfünfzig euronen und schmeissen dann am ende die dosen weg, in den farbbehältercontainer. Nur oft ist da noch ein liter oder mehr drin und so habe ich am ende des tages drei liter des gleichen herstellers zusammengetragen. Das freut und ein anderes schiff hat seine alten anoden, die noch sehr gut sind, liegen gelassen.
Leider war ich nicht so schnell bei den batterien. Vier gleiche wurden hier abgestellt, alle über elf volt, nur ich konnte mich nicht entscheiden. Dann kam ein anderer und schwupp waren sie weg. Und heute morgen fing alles gut an. In der nacht habe ich über die verkabelung meines anlassers nachgedacht und das fehlende kabel gefunden. Somit konnte ich den start- und drehtest machen. Mein motor dreht durch und ohne klemmungen. Immer ein bißchen öl in die zylinder und es kann georgelt werden. Mann bin ich froh, wenn dass nicht so wäre, hieße es, motor raus und kolben, sowie zylinder ziehen.
Mit dem elan habe ich den ruderwinkelsensor wieder in einer spitzenzeit von zehn minuten installiert, inklusive justierung. Da alles so gut gelaufen ist, dachte ich noch an den umtausch der neuen defekten flex. Immerhin hatte sie zwei stunden gehalten. Rechnung herausgesucht und auf ins industriegebiet. Dort angekommen merkte ich, das die rechnung noch auf dem navitisch liegt. Sie haben das teil trotzdem getauscht, eine duplikatrechnung erstellt und alles bestens. So müssen die tage laufen, anstatt sich mit der versicherung oder dem gutachter herumzuschlagen.

Jetzt fängt es an sich zu ziehen. Alles große ist erledigt oder ich warte auf ersatzteile. Kleinere arbeiten verkürzen den tag, alles was schon mal erledigt sein sollte. Die aufzählungen erspare ich mir. Die werkzeuge vom motormechaniker gingen wieder an ihn zurück und diese woche wird er den zylinderkopf bearbeiten. Der segelmacher hat noch immer nicht angefangen und somit wird es nur eine kleine reparatur werden. Den ring im unteren vorliek austauschen. Alles andere kann dort passieren, wo es weniger kostet.
Die zeit an land wird wohl noch zwei wochen dauern, teure wartezeit. Kurz ins wasser und wieder herauskranen ist auch nicht günstiger.

Die wartezeit wird einfach nicht kürzer. Was mache ich so währenddessen? Kleinstreparaturen, was schon immer mal wieder auf vordermann gebracht werden musste. So habe ich heute zwei neunzehner nüsse geschweißt, die bei der zylinderkopfentfernung arg gelitten haben. Ob es hält, werde ich sehen, und vorsichtshalber habe ich gestern eine neue dazugekauft.
Das schlauchboot hat den xten flicken bekommen und nun hoffe ich auf dichtheit. Das wird sich morgen zeigen. Ein neues bodenbrett habe ich auch zurechtgesägt. Morgen ist dann vielleicht auch das großsegel dran, wenn kein wind weht. Zumindest ist es heute fertig geworden. Eine große baustelle weniger.
Es ist anfang Oktober und die versicherung wartet mal wieder auf den gutachter. Der soll zu den werten und meinen berichtigungen stellung nehmen.

Kann alles schneller gehen, eventuell ja. Nur ich habe das geld nicht und alles was ich brauche, gibt es nicht in diesen land. Der transport braucht zeit oder wieder viel geld. Sollte es etwas geben, so kostet es das dreifache wie in europa. Dort bestellt man und übermogen ist es in der post, träume. Hier dauert es einmal um die halbe welt, wenn es schnell ist, zwei wochen. Es mag für viele in der kalten heimat unverständlich sein, dass ich noch immer an land stehe. Nur von weit her ist die perspektive ein wenig stark verzerrt.

Am Do war dann doch noch ein wunder, der propeller ist schon da. Aber nur weil ich mal nachgefragt hatte. Leider schaut das schiffchen in der welle ein wenig heraus, handwerkliche leistungen in Neukaledonien. Dann gab es dreimal grundierung und antifouling.

20191004 neuer propeller

 

Und dummerweise habe ich mir eine erkältung eingefangen, das brockige zeug läuft kräftig. Ich hoffe, dass morgen am So der wind nachlässt, damit das großsegel angeschlagen werden kann. Der zylinderkopf muss bald wieder kommen und mein navidisplay ist schon auf dem weg. Das ende ist näher.

Inzwischen ist schon wieder mitte der woche, das großsegel ist angeschlagen, noch vorm kaffee, weil da noch kein wind weht. Die ersten rechnungen in dieser hardcore marina sind bezahlt, die nächsten werden schon angemahnt. Zahltag ist morgen oder am Do vor zwölf, denn diese menschen hier sind zu oft mit nichtstun verplant, dass kein früherer termin zur wässerung frei ist. Ich sitze hier auf über vier meter höhe und sehe die aktivitäten und die leerläufe, erzählt mir mehr.

Der tag heute ist anders, da die versicherung schon wieder nachgebessert hat. Diesmal ist es eine gutachterliche unschärfe. Diese brachte zehn prozent mehr entschädigung. Heute haben sie akzeptiert, dass der erste monat der begutachtung, oder aus meiner sicht, der monat der angebotsannahme bezahlt wird. Und die versicherung sei mir schon so oft entgegengekommen, dass jetzt aber wirklich schluss wäre. Sie offerieren mir doch den klageweg. Habe ich die kraft dazu, nach drei monaten wartezeit, selbstorganisation der bergung und des wartens auf antwort und entscheidung. Die luft ist da ein wenig raus bei mir, wenn ich ehrlich bin.
Was ich leider für die akteure in dieser schmierenkomödie nicht tun kann, ist meinen blog im nachhinein zu verfälschen. Sie würden gern ihre saubere, hilfreiche, samriterhafte art der finanziellen unterstützung lesen. Seien sie doch mehrfach auf mich zugegangen und haben die entschädigungssumme erhöht. Und was sie nach ihrer meinung nicht machen mussten, sie haben die bergungskosten vorher gezahlt. Was für eine selbstopferung einer versicherung. Nebenbei, wofür habe ich eine? Wenn ich fünfunddreißigtausend euro flüssig auf dem konto hätte, wäre das in dieser situation schon sehr brauchbar. Nur wer hat das schon. Die realität ist hier am schadensort und nicht in dem beheitzten büro in der hauptstadt der alpenrepublik.

Damit außenstehende eine idee haben, worum es geht: Das schiff ist für siebzig versichert, für mich unter dem materialwert. Anlässlich des mastverlusts in der Biscaya wurde die summe realiter von einem deutschen sachverständigen eingestuft. Danach gab es ein komplett neues rigg für über dreißig, den rest habe ich aus der eigenen kasse bezahlt. Jetzt wird mir belastend vorgeworfen, dass ich das schiff auch in den letzten jahren übermäßig genutzt hätte. Ergo schmolz der wert des schiffes unabhängig von den instanthaltungsarbeiten von über zehn, auf dreißig. Das möge mir einer erklären, und nicht mit einer unschärfe im gutachten kommen.
Um es zu verkürzen, das schiff in dem über hundertdreißig an material stecken, ist hier nur noch dreißig wert. Die versicherung entschädigt mich für knapp darunter, plus eigenanteil und restwert. Aus die maus. Nun könnte ich mit der kohle fett einen drauf machen, nur bevor ich hier wegkomme, sind schon über fünf davon verbraucht. Ruderhacke, propeller, segel, motor und liegeplatz. Die nächsten schritte sind daher auf diät, damit das schiff wieder richtig einsatzfähig ist.

Heute noch mal über tausend euro für den liegeplatz bezahlt und das boot für die wässerung morgen mittag vorbereitet. Und am nachmittag kam der mechaniker vorbei und gab mir schon mal den dichtungssatz und einmal einen satz neuer zylinderkopfschrauben. Morgen will der den kopf vorbeibringen, ist auch einfacher, wenn das schiff im wasser ist.

Heute ist schon der zweite tag im wasser, es schaukelt ein wenig und das ist doch angenehm. Auch war der mechaniker sehr nett, alle teile sind im schiff und die rechnung habe ich mit freude bezahlt. Es geht hier also doch anders als nur raffen. Für seine arbeit hat er nur zwei stunden berechnet, ist doch super. Es hätten auch fünf sein können und ich würde nicht murren.
Eine andere schon erwartete nachricht kam heute morgen herein. Eine bildschirmhardcopy von einem großrechnersystem der versicherung. Die überweisung soll raus sein und auch gleichzeitig meine kündigung. Fehlt nur noch der zuviel gezahlte beitrag für dieses jahr.
Unterm strich habe ich glück gehabt. Ich brauchte eine versicherung für den fall einer haverie und die habe ich gehabt. Dass ich nicht den vollen schaden ersetzt bekommen habe, ist bedauerlich. Besonders wenn man bedenkt, dass das schiff für siebzig versichert war. Aber es kann auch sein, dass die versicherung anders kalkuliert. Die bergung plus schaden plus gutachter macht siebzig. Wie auch immer, sie haben zwei riesen in den vier jahren von mir eingenommen, nicht viel. Denn andere zahlen das für ein halbes jahr, zuviel denke ich.

Morgen am wochenende kommt der zylinderkopf wieder an seinen platz. Heute hat er schon seine ventile bekommen, neue ventilführungsgummis und den abgaskrümmer mit ansaugtrackt. Die letzten beiden teile wurden für diesen motor gebaut und sind extremst schlecht zu montieren. Das geht nur, wenn der kopf runter ist.

Meine frage nach zuviel gezahlter prämie wurde nicht sehr freundlich aufgenommen, kann ich verstehen. Nur wenn die versicherung mein schiff als alten appelkahn bewerten, kommen mir da auch anderen gedanken. Auf jeden fall ist die jahresprämie von diesen jahr auf dem rückweg über mein konto. Und es ist eben egal, ob die versicherung schon fast siebzig ausgegeben hat. Wenn sie sofort nach der kenntnis einen vor ort beauftragt hätten, wäre der ganze schlamassel verhindert worden. Wenn man erst reagiert, wenn das kind in den brunnen gefallen ist, kann man diesen auch gleich zuschütten, das spart die begräbniskosten. Ende vom geldgejammer.

Die wiederbelebung von Mr Perkins läuft und erweist sich schwieriger als gedacht. Etwas zu zerlegen macht spaß, der rückbau ist dann schwerer. Gestern habe ich ihn grob zusammengesetzt und heute das gefühlte fünfzig kilo teil zurück auf den motorblock gebracht. Die kratzer auf dem schiffsboden werden bald repariert, das teil ist nicht tragbar für mich. Dann habe ich den kopf mit zwei brettern auf den block rutschen lassen. Vorher alles entfettet und dann einen zentimeter angehoben. Links mit einem brett, rechts über einen balken mit seil. Während ich die kopfdichtung da hineingefriemelt habe, dachte ich nur an gequetschte finger. Lief aber besser als gedacht.

Dann kam die änderung im plan. Was sollen angaben, schraube bis x Nm anziehen und danach noch zweihundert grad weiterdrehen. Wie soll ich das kontrollieren, in einem monat nachziehen. Also habe ich eine schraube so behandelt und festegestellt, dass es so um hundertzehn Nm sind. Das ganze bei zwanzig schrauben mehrfach nachgezogen und ich war nass. Das ist schon recht viel kraftaufwand.
Danach lief es mal wieder schlecht bis sehr schlecht. Die kipphebelwelle, die die ventile bewegt, habe ich sehr oft ein und ausgebaut. Zwei stößelstangen sind dabei verbogen. Diese waren nicht ganz genau in ihrer tasse, motor drehen lassen und autsch. Gummihammer, holz und gerichtet. Ich weiß, das ist nicht gut, nur darum kann ich mich hier nicht kümmern. Die ventile sind eingestellt, wenn der motor läuft, werde ich mehr hören.
Es sollte schneller gehen und ich habe etwas gelernt. Wenn es zu schnell, geht passieren fehler, teure fehler, siehe bergung. Vielleicht läuft der motor morgen, wenn nicht übermorgen.

Heute ist Mo, der dritte motortag und ich höre wieder auf. Alle dieselleitungen am motor sind wieder in position, die rücklaufleitungen haben neue dichtungsringe bekommen. Alles passt und bei der dieselpumpe gab es ein problem. Eng ungünstig und meine hände sind plötzlich blutig. Zwei kleine schnitte und der rote saft läuft über die schwarzen hände. Nach dem abheilen ging es noch an die lichtmaschine und die motorsensoren. Soweit alles fast fertig, fehlt nur noch die dieselfilteranlage, luftzufuhr und luftfilter. Abgesehen von den anderen kleinigkeiten. Mit einer knarre im genick hätte ich es vielleicht in dreißig stunden geschafft und so werden es vier tage. Das macht alles nichts, mein erwartetes paket ist zwischen Frankreich und hier, seit sechs tagen.

Tag vier des versuchs, den motor wieder zum laufen zu bekommen. Ich hatte fast alles montiert, der ansaugtrakt und der luftfilter fehlten noch. Kühlwasser wieder zurück in den motor gegossen und ergänzt. Ein paar schellen noch stärker angezogen und es hörte auf zu tropfen. Die dieselversorgung war dicht und ich pumpte mit hand den saft durch die dieselpumpe bis es im tagestank plätscherte. Dann ein wenig orgeln und der motor kam, aus den handfesten einspritzleitungen kam diesel heraus. Alle muttern festgezogen, dann alle einzeln noch mal geöffnet und Mr Perkins is back to life.
Der blowby kann sich etwas erhöht haben, ist halt so. Nur bekomme ich keinen öldruck angezeigt, aber das schwarze zeug zirkuliert. So weit alles ok, und ich wollte noch einmal die ventile prüfen und habe den deckel wieder entfernt. Das drehen mit der lichtmaschine funktioniert nicht und somit kann ich das einstellen vergessen. Jedoch war die aktion gut. Im ventildeckel war grauer schmodder, der ölmessstab sah nicht besser aus. Die erste idee war eine undichte kopfdichtung, das kann ich gar nicht gebrauchen.
Nach einer längeren denkpause habe ich das motoröl abgelassen, zwei liter diesel hinein und kurz laufen lassen. Wieder abgelassen und altes öl wieder in den motor hinein. Nach längerem laufen war das öl noch immer schwarz und nicht milchiggrau, glück gehabt. Also ist auf dem riff auch wasser über die kolben in die ölwanne gelangt. Bei der luftfiltermontage habe ich dann noch die rücklaufleitung am filter schwer beschädigt, morgen ist auch noch ein tag und mir wird schon etwas einfallen.

Mit ein paar resten, einer kleinen gummidichtung, die ich mit der bohrmaschine dünner gedreht habe, ist der leitungsanschluss repariert. Alles dicht und dann kam ein längerer motorlauf über eine stunde. Ich merke schon, dass viele teile über dreißig jahre alt sind. Die niedruckleitung der förderpumpe zum dieselfilter pisste einen sauberen strahl ab. Da kann so mancher neidisch drauf werden. Fünf zentimeter herausgesägt, schlauch mit schelle dazwischen und ruhe ist. Grob ist der motor fertig, keine öldruckanzeige und den einen pin des abgastemperatursensors habe ich abgebrochen. Mr Perkins klingt nicht wie eine nähmaschine, aber hat er das jemals.

Und dann kommt alles auf einmal, diesmal pünktlich. Das paket aus Frankreich lag in der marina, somit sind die naviinstrumente wieder vollständig. Laufzeit zehn tage, das ist sehr gut. Jetzt muss auch mal ein lob an tecnautic raus. Das display repariert, der signalpieper auch; und da er zu leise war, lag im paket noch ein neuer dabei. Habe ich oft über service genölt, ja. Alles sehr teuer für mich und daher sage ich mal danke dafür.
Da ich schon wieder über zwei monate hier bin, ist es zeit, die biege zu machen. Heute morgen mal schnell die tour immigration, customs und hafenkapitän, ich bin raus. Vorher noch ein wenig eingekauft, eine wokpfanne war fällig und die hatte ich schon seit drei monaten im auge. Am ende noch einmal über hundert euro für eine woche an der betonmauer geblecht und morgen geht es zur city marina. Ein wenig kommunikation, frische sachen kaufen und tanken. Bis nach Darwin sind es zweitausenddreihundert meilen, wenn es gut geht dreißig tage.

Da ich bis zum nächsten morgen die betonmauer bezahlt hatte, blieb ich auch dort. Im schiff aufgeräumt, werkzeug verstaut und der abend konnte beginnen. Die flasche rotwein war geköpft, ich saß in der plicht und hatte die idee, den motor noch einmal laufen zu lassen. Sprang wunderbar an und lief mit einem satten sound. Nur der wurde immer fetter und das plätschern hörte auf. Keine auspuffkühlung mehr und es wurde dunkel. So ein mist.
Ab dem sonnenaufgang habe ich mehrfach den impeller gewechselt, der eine alte sah noch sehr gut aus. Aber keine verbesserung. Das ganze salzwassersystem habe ich zerlegt, diesmal auch den getriebeölkühler. Der war fast zu von gummiteilen, muss aber schon sehr lange so sein. Wieder alles zusammengesetzt und die pumpe will noch immer nicht saugen. Der deckel vom seewasserfilter hat risse, also einen neuen zurechtgesägt. Den ansaugkanal durchgepustet und es blubberte unterm schiff.
Zwischendurch habe ich auch gecheckt, ob der impeller dreht. Da war der wurm in der sache. Am ende habe ich einen neuen impeller aus dem lagerbestand genommen und siehe da, kühlung. Der sah nur ein wenig besser aus als der alte aber war vollständig.
Danach abgelegt, zur tankstelle gefahren und eine stunde runden gedreht, bis ich endlich dran war. Die tanks sind voll und auch die kanister. Morgen noch frischware kaufen und ablegen.

Mehr aus Darwin, Australien.

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Wiedergenesungsversuch, Anfang

Ein land im dämmerzustand, der schon gestern nachmittag einsetzte. Der travellift bewegte sich nicht mehr, keiner wollte mehr und ich war nicht auf der liste. So läuft das hier und dann wundern sich alle, wenn die asiaten die märkte besetzen. Wenn es etwas zu tun gibt, keiner agiert, dann kommen andere. Das wird hier so enden, wie in vielen ländern, die ich schon besucht habe.

Heute ist hier ein feiertag, kann auch in europa so sein, jedoch sind einige aktiv. So war ich beim segelmacher und habe ihm meinen defekt am groß erklärt. Am shothorn ist der ring gebrochen und muss ersetzt werden. Er wollte in zwei stunden vorbeischauen, es sind nur zweihundert meter fußweg.
Danach habe ich eine metallbaufirma auf dem gelände besucht, mein anker ist verbogen. Ja nein weißnicht, jedoch kam ein mitarbeiter mit und machte fotos für ein angebot. Nun ist es dunkel und die wartezeit ist abgelaufen. Sie hätten auch den ganzen rumpf reparieren können, nur wer klein nicht helfen will, bekommt auch nicht den großen fisch.

Dafür gab es dann doch noch eine überraschung. Der sachverständige aus Luxemburg kommt natürlich nicht einmal um die halbe welt, obwohl das versicherungsdenke wäre. Ein ortansässiger sachverständiger macht das und er war schon da. Er wird die probleme mit dieser marina klären und er kennt auch die menschen, die das schiff reparieren können und wollen. Das gespräch war gut und morgen werde ich hoffentlich auch ergebnisse sehen.

Es folgten taten, jedoch wollte mir keiner helfen, das schiff in den travelift hinein zu ziehen. Geht auch alles allein, langsam. Dann ging es sehr schnell, ich sagte, wo die gurte hin sollen und raus. Am stellplatz war es auch gut, dreißig zentimeter unter dem kiel ist platz. Noch zwei stützen und fertig. Der sachverständige kam noch einmal vorbei, um nach dem rechten zu sehen. Nebenbei wiegt mein schiff inzwischen schon zwanzig tonnen. Das kann ich mir nicht erklären, es sei denn, die bleifächer sind voll wasser, aber erstmal egal. Soweit, so gut.

Nur glaube ich, dass dies einer der letzten berichte sein wird. Ich würde gern weinen, nur es kommen keine tränen. Schreien hilft auch nicht, mich mit der situation zu befreunden, ist nun meine aufgabe.

Ich habe von der verplemperten zeit des kapitäns schon berichtet. Diese eine stunde hätte vieles verhindert, sollten doch auch alte dicke reifen unter dem schiff sein. War nicht der fall und bei kaum wasser sind die korallen auch sehr unfreundlich. Der schadensbereich reicht von einem meter fünfzig vor dem ersten rumpffenster bis einen meter hinter dem badfenster. Das sind schlappe acht meter von zweiten schergang und ungefähr sechs meter vom dritten blech. Das ganze so um fünfzehn quadratmeter blech, die ausgetauscht werden müssten. Dazu kommen ein paar größere quertäger und ein paar meter t-eisen als verstärkung.

Dafür muss innen vom schrank mit den abwassertanks, waschtisch, wc und die trennwand zur küche entfernt werden. Der spühlenbereich, herd, arbeitsplatte und der ganze vordere schrank müssen raus. Zusätzlich noch die isolierung im ganzen bereich, so um zwanzig quadratmeter, platz fürs schweißen. Am ende muss auch alles wieder zurück und neu isoliert werden.

Es ist erstaunlich, was so ein schiff aushalten kann und es ist immer noch trocken. Die ruderhacke scheint über die ganze länge nach oben gebogen zu sein. Dabei ist die untere ruderaufnahme in die ruderhacke hinein gedrückt worden.

 

Was man noch hätte vermeiden können, indem die crew die schlinge fixiert hätte, ist der propellerschaden. Das teil ist komplett gefaltet worden, wenigstens die welle scheint ok und dreht sich. Was sich nicht mehr dreht ist Mr Perkins. Der ist fest von dreißig tagen salzwasser.

Das ganze zusammen sieht nach einen totalschaden aus, hier ist ja alles auch doppelt so teuer wie in Europa. So sehe ich das, aus die maus.

20190817 prop

 

Ein neurer tag, ein neues los. Es ist Mo und der sachverständige war da, viele fotos und viele erklärungen. Dann war noch ein schweißer für den rumpf da, um eine schätzung abzugeben. Da ganze ist halt mehr, als ein schwellerblech im käfer zu wechseln. Dann am mittag kam noch der motorenspezi. Sein alter im meinen bereich und er hat die richtigen fragen gestellt. Danach wollte er meinen lieblingsdreizehner und hat den ersten gummiauspuff entfernt. Kurz nachgetreten und dann flossen zwei bis drei liter wasser aus dem krümmer heraus. Das ‘warum-ich-das-nicht-sofort-getan-habe’ war mit meiner abwesenheit vom riff geklärt.
Aber er hat gerade keine zeit und mein job ist es, den motor oberhalb freizuräumen, die einspritzdüsen zu entfernen und in den betroffenen zylinder mit salzwasser bremsflüssigkeit hineinzufüllen. So etwas mag ich, er weiß nicht warum, aber er weiß, was hilft. Da ich eine ahnung von dem habe, werde ich es morgen starten.

Im chaos des schiffes ist ein wenig licht an horizont. Das ganze geraffel oberhalb und auf der linken seite vom motor freizulegen, hat so etwas um vier stunden gedauert. Mal kurz die einspritzdüsen ausbauen, dafür muss ein freies feld geschaffen werden. Außerdem muss der zylinderkopf bald ab und dafür sind auch einige arbeiten. Luftfiltergehäuse, dieselfilteranlage, lichtmaschine müssen raus. Dieselschläuche von den tanks entfernen, dieselfilter am motor und dann die dieseldruckleitungen zum motor. Ich bin soweit nicht schlecht bestückt mit werkzeug. Wurden doch hier leitungen verbaut, auf der einen seite metrisch und an der anderen seite zöllig. Der sieben sechszehntel geht oft, aber nicht immer. Zum schluss habe ich dann doch noch einmal ins werkstatthandbuch geschaut, für den aufbau der einspritzdüsen. Mehrere ringe und scheiben, jedoch keine kugel mit nutführung, wie bei den neueren modellen.
Der zylinder nummer zwei ist es, bis zur düse voll mit wasser. Die andern sind trocken und kein wasser im öl, was auch schon als plus bewertet werden kann. Ein dünner schlauch und robbi fing an zu saugen bis nichts mehr kam. Die bremsflüssigkeit gab es an der tanke und nummer zwei wurde verfüllt, die anderen bekamen auch etwas ab. Wenn ich mich an meine schrauberzeit erinnere, dann ist das zeug nicht ohne. Lack geht schnell ab, es zieht wasser und vielleicht löst es auch verkokungen, damit die kolbenringe ein wenig mehr platz haben. Der motor soll leicht gedreht werden, dann etwas hohnen gegen den rost und go. Das volle progamm ist natürlich auch zu haben, nur mr perkins ist noch jung.

20190825 motor freigelegt

 

Ein mir persönlich unbekannter aus deutschland versorgt mich mit informationen zum aufbau des ruders. Mann bin ich dankbar, sind das doch die systeme, die ich nicht angefasst hatte, wie die antriebswelle. Es waren gewaltige kräfte im spiel, um das untere lager in die ruderhacke zu drücken. Das teil ist zehn mal zehn zentimeter und besteht aus fünf millimeter blech. Da könnte auch ein panzer rüber fahren. Also erstmal die muttern vom ruder gelöst, innen den hydraulikzylinder abgekoppelt und den dicken distanzring entfernt. Vorbereitungen für einen schweißer erledigt.

Für diejenigen, die sich schon wieder das maul bei seichter datenlage zerreißen: Dieser blog ist in kleinschrift, da ich anderes für sinnvoll halte und mich auch nicht alle paar jahre auf neue regeln von bürokraten umstelle. Es ist auch erstaunlich, dass diejenigen, die seit jahren eine reise um die britische insel planen, hier am lautesten sind. Vielleicht mag das auch der geerbte beruf mit sich bringen.
Der schlepper ist erst vierzehn jahre alt und wurde vor vier jahren in Neuseeland erworben. Somit ist das mit der afa blödsinn. Und natürlich bin ich noch nicht im seniorenalter und könnte dabei gewesen sein, wenn das schiff mit den seilen verbunden wird. Nur mal ehrlich, der spaß kostete fünfunddreißig tausend euro, ein sonderpreis, da die auftragslage gerade dünn war. Ansonsten beträgt der preis für den schlepper zehn k euro pro tag plus einer prämie für erfolg.
Ich war beim schiff, habe es zugelassen, dass der süllrand entfernt wurde. Jedoch bin ich nicht bereit gewesen, bei einem meter wasser über dem riff dort herumzutanzen. Ihr macht euch keine gedanken zum riffaufbau. Ich hatte einen neoprenanzug an und meine turnschuhe, jedoch bin ich einmal abgerutscht und diese wunden heilen noch immer. Das zeug ist keine sandkiste. Und bei dem aufwand und den kosten kann ich eine professionelle anbindung des schiffes an ein zugseil stellen. Ich wurde eines besseren belehrt. Auch ist die situation vor ort eine andere, friss oder stirb, süllrand ab oder wir fahren wieder. Denn die kohle war auf deren konto. Nur wie schon beschrieben, sonst fährt keiner los. Die zehntausend liter diesel für den schlepper, das personal, die nicht eingeplanten kosten müssen irgendwie gedeckt werden.

Kosten bedeuten auch trinkbares, darum braue ich mein bier so oft ich kann auch selbst. Zum anfang war es um geld zu sparen. Die materialkosten betragen um zwölf euronen für dreiundzwanzig liter gerstensaft. Wenn jemand das nicht mag, so sei es seins. Nur ich bin seit dem pazifik in der lage, ein besser schmeckendes gebräu zu produzieren, als die plörre, die hier in dosen verkauft wird. Wobei heineken am unteren rand zu taxieren ist. Das nur für die bierignoranten. Aus dem trockenen warmen wohnzimmer ist es immer alles leicht. Ich bin oft nicht anders, nur wenn man die sachlage nicht einschätzen kann, mund halten.

20190817 zugseil

 

Heute am Mi ist etwas passiert, wenigsten mehr als nichts. Der schweißer war noch einmal da und hat maß genommen. Mit kreide und wasserwaage wurden die segmente markiert, die nicht weiter auf die reise gehen. Ich war dabei, habe auch hand an den rumpf gelegt, und es ist der grobe teil, der ausgtauscht werden muss. Leicht beulig ist es auch noch einen halben meter ringsum.

Nur das bedeutet, dass innen die große nummer im ausbau zu geschen hat. Ich nehme davon abstand, hat der sachverständige doch schon einmal für vierzig tage den platz gebucht. Das ist insofern interessant, als der preis steigt, je länger man bleibt. Dieser schwachsinn existiert auch teilweise in Neuseeland und Australien. Es macht aber ökonomisch nur sinn, wenn die travelliftkosten hoch sind, damit dort einnahmen generiert werden. Nur die sind hier sehr niedrig. Auch sind nicht alle plätze belegt, es herrscht also keine knappheit. Verbuchen wir es unter importierte französische idiotie.

20190815 schaden pantry

 

20190815 schaden pantry

 

20190815 schaden treppe

 

20190815 schaden treppe

 

Damit die motorgenesung schneller von statten geht, habe ich noch den rest um den zylinderkopf abgebaut, oder fast alles. Ich weiß nicht, wann dieser auspuffkrümmer angeschraubt wurde, nur ich komme an die muttern nicht ran. Dafür ist das innenleben des kühlers draußen und das sieht gut aus, nicht verkalkt. Auch sind weitere halterungen ab, schläuche zur wasserpumpe und auch schon einmal die kipphebelwelle. Heute war dann noch der wasserfilter an der reihe und nun muss nur noch der mechaniker kommen. Er hat ein werkzeug zum herunterdrücken des kolbens und hohnwerkzeuge. Fehlen nur noch zwei neue ventile, ein wenig sitze nachfräsen und Mr Perkins sollte wieder im rennen sein.

Die wartezeit ist ein anderes thema, es geht alles so langsam, zu langsam für meine verhältnisse. Nur so lange keine antwort der versicherung kommt, kann ich nicht mit dem zerlegen anfangen. Wenn die preise hier nicht akzeptabel sind, gibt es noch andere plätze auf der welt. In Thailand oder Malaysien sind die arbeitskosten sehr gering, die transportkosten auch. Die schlappen viereinhalbtausend seemeilen sollte mein verbeulter rumpf das auch können.

Seit zwei wochen hänge ich hier nun herum, passiert ist wenig. Heute war wieder ein tischler da, um einen kostenvoranschlag für den ausbau und einbau der küchenzeile plus waschraum und schrank zu machen. Er und ich zwei tage für den ausbau, wasserversorgung und abwasserleitungen entfernen, ein wenig elektrik und von der isolierung weiß er noch nichts. Ich denke, die bleibt am rumpf und wird mit herausgeflext. Dadurch habe ich weniger funken im schiff.
Eine weitere leine, diesmal die recht neue großschot, wurde von den schlepperspezies gekürzt. Nicht nur, dass sie sie gelöst hatten, nein drei meter davon wurden abgeschnitten, um damit das steuerrad festzubinden. Es sind genug leinen in den schwalbennestern im cockpit vorhanden, war also nicht nötig, und meine steuererung ist hydraulisch, also die aktion ohne auswirkung und hirnlos. Mitdenken fällt so manchen sehr schwer.
Ein paar alunieten musste ich dadurch auch noch aus dem großbaum bohren, die lazy jacks haben durch die pendelarbeit zwei kleine bügel abgerissen.

Wenn ich mir den schaden betrachte, der durch die bergung entstanden ist, stelle ich mir die frage, hätte ich es anders lösen können. Das leben in einem auf der seite liegenden schiff auf dem riff ist nicht ohne, oder sehr schwer. Kein kochen, kein wc, eventuell wasserversorgung. Die ruderhacke hätte ich abflexen müssen, einen tag arbeit. Aufräumen, den herd zum kochen zu bringen und auf hochwasser warten, bis das schiff aufschwimmt. Da gehen schon mal zwei wochen ins land. Einen anker bis zur riffkante bringen und mit einer leine zum schiff verbinden. Bei jedem aufschwimmen dichterholen. Und dann muss alles zusammenpassen, wind hochwasser und keine brecher am riff. Wenn der motor dann noch läuft, hätte es vielleicht klappen können. Im nachhinein ist alles so einfach, vorort in nasssen klamotten und einem kleineren schock wird es nicht weniger neblig und die gedanken gehen ihre wege.

20190815 schaden anker

 

Ein bedeckter schwüler So, kein wind und ab und zu regen. Ich bin auf der suche nach ein paar kilos. Als ich das schiff gekauft hatte und es in Hamburg ankam, meinte der lkw-fahrer, dass es mehr als dreizehn tonnen wiegt. Er hat es am fahrverhalten und dem spritverbrauch gemerkt. Der kran meldete dann fünfzehneinhalb tonnen.
Danach begann die umbauphase und viel metall ist vom schiff verschwunden, so um zweihundert kilogramm plus dreihundert kilo blei, die ich verkauft hatte. Die einbauten sollten nicht so viel gebracht haben, zudem habe ich versucht, aus dem vorhandenen holz alles wiederherzustellen. In Spanien ohne mast wog das schiff schon achtzehn tonnen.
Und jetzt hier in Neukaledonien zeigte der lift zwanzig tonnen an. Also wird der blecheimer immer schwerer und ich weiss nicht wieso. Die einzige möglichkeit, die mir in den kopf kommt, ist wasser im schiff. Dafür gibt es aber nur zwei mögliche stellen, die bleifächer. Von oben kommt man nur schwer daran, also habe ich zwei löcher in den rumpf gebohrt. Aus dem großen bereich rieselte nur sand heraus, also ist es dort trocken. Im kleineren fach kam dann eine wasser und sand mischung heraus. Nur ein oder zwei liter und keine tonne.
Ich bin ein sammler und kein wegwerfer. Wenn ich ein brauchbares teil finde, nehme ich es mit. Das hat mir schon sehr oft bei reparaturen geholfen, nur das sind auch keine tonnen. Wo also ist der balast zu finden?

20190831 bleifach

 

20190831 bleifach

 

Wir sind in der dritten woche, in europa kraueln sie sich die eier und sind im urlaub. Die versicherung, der stellvertreter und der beauftragte sachverstädige. Das ersatzpersonal ist auch abwesend, ein richtiger servicebetrieb. Gestern wollte der subsachverständige von hier seinen finalen bericht senden, wurde auf heute verschoben, vielleicht.
Ich konnte ihn mir nicht aussuchen und sein ruf eilt ihm voraus. Nun denn, ich muß seine arbeiten ja nicht akzeptieren und kann eigene suchen. Nur das alles kostet auf dem trockenen viel energie. Eine testmail nach Malaysien habe ich heute gesendet und werde weitere in der richtung finden.
Dafür kam gestern mein verhasster aussenborder zurück, diagnose kaum kompression. Kosten wären um fünfhundert euronen. Das war der kaufpreis und die leute hier merken wenig. Am nachmittag habe ich ihn dann zerlegt und den kopf gelöst. Morgen schleife ich die ventile kurz ein und sehe, ob sie die ursache sind. Wenn nicht kommt noch ein gebrochener kolbenring in frage. Die ersatzteile und dichtungen sind hier zu teuer. Somit wird der motor erstmal in einem ehemaligen hydrauliköleimer wohnen.

Der zylinderkopf war einfach und dann wollte ich noch an den kolben heran. Das ist aber nicht so einfach wie bei einer Zündapp. Das fiel mir schon bei meinem generator auf, die zylinder sind im teil des motorgehäuses. Somit hätte ich ihn vollständig zerlegen müssen, will ich noch nicht. Vielleicht kann man die bodenplatte vom motor entfernen und das pleuellager abschrauben. Danach die kolben nach oben heraus drücken. Werde ich feststellen, wenn meine schnellreparatur nicht gefruchtet hat.

Ich bin in der vierten woche und sollte schon einmal die abtreibung durchdenken. Es ist noch immer nichts passiert, das gutachten soll fertig sein. Nur der typ hier will es mir partout nicht geben, somit habe ich seinen auftraggeber den sachverständigen in Luxemburg angemailt. Auch hier keine antwort und die versicherung ist im urlaub.
So langsam habe ich eine akzeptable routine im schiff, alle zwei tage den schwarzwassertank in einen eimer entleeren. Solange ich nicht muss, benutze ich mein wc im schiff mit den konsequenzen. Das kochen geht so mittelmässig, es fehlt mir die lust dazu. Um etwas zu verbessern, habe ich heute am WoE den kühlschrank ausgebaut, die befestigungbretter darunter entfernt und alles wieder zusammengesetzt. Jetzt steht er fünfzehn zentimeter unter der arbeitsplatte hervor und ist damit fast waagerecht. Vorher musste ich beim öffnen der tür immer aufpassen, dass nichts heraus fällt. Wie beispielsweise immer wieder gern die kondenswasserauffangschale mit dem vollen wasserinhalt. Hinter dem kühlschrank ist die grösste beule im schiff.

Ein teil zwei kommt sicherlich auch noch, so schnell gebe ich nicht auf.

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Rettungsversuch Teil Zwo

Der einzige, auf den du dich verlassen kannst, bist du selbst. Vorausgesetzt, dass du gerade nicht in einer depression, schizophronie oder ähnlichem hängst. Frei von solchen symptomen bin ich heute zum zweitbesten anbieter gelaufen, habe vorher mit ihm gemailt. War nicht leicht zu finden, die suchmaschinensoftware ist ein wenig ungenau, so um dreihundert meter in einem gewerbegebiet mit vielen firmen. Es sollte so kommen, ich fragend durch die gegend laufend und der typ auf dem parkplatz kommt mir entgegen. Nicht nur, dass er mich mit meinem namen anspricht, er hat mich erwartet. Kommt zufällig auch aus Lille.

Warum ich seine firma nicht vorher kontaktiert habe, es war der falsche moment. Der preis des angebots damals war doppelt so hoch wie die versicherungsgrenze. Dann änderte sich vieles und ich habe auf die leute aus dem norden gehofft. Dieser fehler hat mich eine woche gekostet. Danach kam die günstigste firma und alles war im range. Bis zu dem zeitpunkt, als dort kein personal für die bergung zur verfügung stand und mein versicherungsansprechpartner in den geplanten krankenstand versetzt wurde. Alle pläne waren dahin, rettung in einem monat, vielleicht.

Somit kam die neue firma ins spiel, sie hat zeit und ressourcen. Es kann nächste woche geborgen werden, jedoch fahren auch sie nicht ohne eine anzahlung los. Somit habe ich zwei firmen, die bereit sind, das schiff vom riff zu ziehen, nur meine versicherung muss in vorleistung gehen. Oder kann jeder mal so kurz in die tasche greifen und fünfunddreißigtausend euro vorstrecken? Ich kann das nicht, und selbst wenn ich es könnte, wäre es mir technisch nicht mehr möglich, den geldtransfer von hier zu starten. Das ganze wird mit dem cover sicherheit gelabelt, bedeutet aber nur kontrolle. Keine überweisungen mehr per sms-tan, nur noch das verfahren mit neuen geräten. Kein geldtransfer, keine großen banknoten ohne kontrolle. Danke, großer bruder.

Die neue bergungsfirma hat gerade freie kapazitäten und deshalb sind sie auf den preis eingegangen, 35′€. Mehr geht immer, aber sie machen das, oder versuchen es. Wer spielt dagegen, meine versicherung, und ich bekomme schon wieder einen hals. Bei aller gnade und mit großem entgegenkommen sind sie bereit, die hälfte im voraus zu bezahlen. Nur die firmen hier kennen die versicherungen und legen erst ab, wenn das geld vollständig auf dem konto ist. Halb schwanger geht nicht und das begreifen die versicherungsfuzzies in Wien nicht.
Wenn nicht die ganzen bergungskosten gezahlt werden, ist das schiff ein totalverlust und das kostet 70′€. Heute ist Mo und ich werde gleich den vertrag unterzeichnen. Auch diese große versicherung in Österreich funktioniert nach demselben schema, und ich würde mich wundern, wenn sie mich nach der bergung nicht feuern. Dann wird es ohne absicherung weitergehen müssen, wenn das schiff bei der bergung nicht sinkt. Ich bin jetzt schon drei wochen hier seit der strandung. Mal sehen, wie stabil der verbeulte eimer noch ist. Wenn das finanzielle geregelt ist, kann es zum ende der woche losgehen.

Heute ist Mi, zwei tage vor dem ablegen und ein neues problemchen taucht auf. Keiner weiß, ob das schiff noch auf dem riff liegt oder sich verschoben hat. Meine versicherung besteht auf eine recherche vorher, verständlich. Nur will die marine nicht fliegen und es muss schon wieder eine lösung her. Die bergungsfirma kennt da ein paar piloten und es ist nur die frage, will die versicherung das bezahlen.

Der nächste tag, die gleiche situation. Kein geld auf dem konto. Keiner will fliegen und satellitenbilder sind teuer. Somit wird der aufenthalt in der herberge doch länger. Mein gepäck kann nicht abgeholt werden, da ich nicht weiß, wie die folgenden tage aussehen. Ein trauerspiel in mehreren akten. Ich habe mich erstmal mit nahrung für die nächsten tage eingedeckt, schlecht wird davon nichts, ist ja auch nur für den masseerhalt. Der nachmittag wird mehr bringen.

Jetzt ist es schon Fr und am morgen ging es sehr schnell. Die versicherung gab grünes licht, und meine nachfrage, ob mich jemand abholen kommen könne, wurde prompt beantwortet. Gleich ging es los, schnell noch das zimmer geräumt und keine zeit mehr, um mails zu senden. Erstmal ins büro, dort habe ich eine sicherheitseinweisung bekommen, danach zum schlepper und ein schneller rundgang. Ich habe ein einzelzimmer mit drei weiteren leeren kojen.
Um vierzehn uhr sollte ich wieder im büro sein und die zeit habe ich mit einer enttäuschenden mahlzeit fish and chips überbrückt. Für zwölf euro gab es ein stück fisch und fritten, beides zu fett, die remoulade fade. Der bauch war gefüllt, kurz in der marina vorbeigeschaut und die neue situation mitgeteilt.
Im büro ein versuch, die mails zu versenden, funktionierte auch nicht. Dann wieder zum schlepper und warten. Es ist schwül, warm und um fünf uhr waren sie mit den vorbereitungen soweit fertig. Nun müssen nur noch die maschinen gestartet werden und dann ablegen. Am So sollen wir ankommen. Ist halt eine fahrt von Hamburg nach München mit dem boot, also nicht mal kurz um die ecke.

Um achtzehn uhr ging der motor an und das habe ich kaum gemerkt, nur eine kleine schwarze rußwolke. Schön leise und das bei einem vierziger abgasrohr pro motor, in zentimeter, das gefällt. Nach zehn minuten wurden dann die beiden hauptmaschinen angeworfen, aus der traum. Der erste motor war nur der eine generator. Dann haben wir abgelegt und innerhalb der lagune war es ein ententeich. Als wir durch die riffpassage gefahren sind, habe ich es unten in der kombüse deutlich gemerkt. Ab jetzt schwankt das schiff, jedoch nur wenig. Das wummern der beiden reihenachtzylinder wirkt sehr schlaffördernd.
Vierzehn stunden weiter, nach einer besseren nacht als in der auberge, ist das meer außergewöhnlich ruhig, das betonen hier alle. Hoffentlich hält es an. Die routine steht an einem whiteboard, wer wann wache hat. Die motoren laufen immer noch auf fünfhundertsechzig umdrehungen und wir fahren um neun knoten. Alles ist im grünen bereich, zeitankunft geplant morgen um sechs uhr.

20190810 ruhige see

 

20190810 ruhige see

 

20190810 ruhige see

 

20190810 schlepper speed

 

Was mich wundert, sind die vielzahl an instrumenten, die nicht funktionieren oder etwas falsches anzeigen. Ab und zu piept etwas, das wird dann weggedrückt. Die verkabelung ist für Neuseeland gemacht worden, einige neuere steckdosen sind geändert worden. Die navigations- und kommunikationsgeräte findet man auch schon im technikmuseum. Ein paar sachen sind neu, einen verkabelungsfehler zu finden wird teuer.

20190810 schlepper innen

 

20190810 schlepper innen hinten

 

Die nacht auf So war kurz, zu groß meine aufregung, ob das schiff noch da ist. Der morgen um sechs war nieselig und das schiff war zu sehen. Dann mehrere schleifen gefahren und zum schluss weit in das atoll hinein. Respekt, hätte ich nicht getan, aber kapitän ist ja auch nicht allein. Dann wurden fender mit gewichten auf die korallenköpfe ringsum verteilt und danach fiel der anker. Man flog da viel rost ab, rund ein kilo.

Ich bin mit der zweiten fuhre zu Themroc gefahren, keiner war in der zwischenzeit auf dem schiff gewesen, schonmal etwas gutes. Nur hat sich das schiff rund hundert meter weiter bewegt. Der rumpf sieht noch immer gut aus, ein wenig mehr rost und kein wasser im schiff. Hätte ich nicht die zeit mit vagen versprechen vertan, wäre alles leichter gewesen. Von meiner seite habe ich alles getan für diese bergung, ventile dicht, ankerkettenklüse dicht, innen ein wenig aufgeräumt, das windsteueruder demontiert. Danach wieder den motorraum geschlossen und die dieselkanister im bad angebunden.
Dann kam eine herbe enttäuschung mit zerstörung. Die mittleren klampen sollen mit einem fünf zentimeter tau belegt werden und dafür wurde der süllrand in dem bereich herausgeflext. Ich weiss noch nicht, ob ich das wieder zusammenbrate oder ein schweißer.
Das wetter ist traumhaft, kaum wind oder wellen, und wenn nichts dazwischenkommt, geht es heute die hundertdreißig meter zurück ins wasser. Das bedeutet auch, dass die gute seite auch schrammen abbekommen wird, daumen drücken.

Während ich mich von einer warmen dusche trocknete, wurde indes das dicke seil nicht am schiff befestigt. Vielmehr war der kapitän im dingi und seine zwei guten mitarbeiter durfen ihr neues tauchequipement an einem markierten korallenkopf ausprobieren. Eine halbe stunde plus nachbereitung wurde vertan, der kapitän weiß hoffentlich, was er tut. Dann waren alle bereit, den anker zu liften. Das dingi war wieder vollgetankt, der große zweitakter hat einen kräftigen durst. Beim anheben fielen noch einmal zwei kilogramm rost von der kette.

20190811 ankerkettenrost

 

Das ging bis zu dem zeitpunkt, als die kette ständig durch die kettennuss rutschte. Ein dickes seil mit haken über der winch wurde zerrissen, der anker war fest. Dann kam die sehr große flex heraus, der kapitän konnte den neuseeländischen stecker nicht in die dose bringen, das habe ich dann getan. In kurzer zeit war ein neunhundert kilogramm schwerer anker und zwanzig meter kette im atoll auf dem grund.
Die bojen wurden wieder eingesammelt und in dem moment drehte das wetter. Wind, regen und schlechte sicht. Der schlepper fuhr außen um das atoll herum, das dingi innen zum schiff. Die situation war so ungefähr wie vor einem monat, als ich auf das riff gespühlt wurde. Große brecher an der riffkante und eine starke strömung. Es wurde eine leine zum schiff geschossen und die drei am boot fingen an zu ziehen. Nach einer weile nahmen sie das dingi zur hilfe und zentimeterweise kamen sie mit der schwimmtrosse dem schiff näher.
Die dämmerung began und sie hatten eine verbindung zum schiff geschaffen, die zweite trosse fehlte und die vorbereitete schlinge von über dem probeller nach vorn war auch nicht verbunden. Dann waren sie erschöpft, es war fast dunkel und der außenborder wollte auch nicht mehr. Themroc hatte nun drei gäste für die nacht, die verbindung zum schlepper wurde getrennt, mit einem fender und gewicht versehen und wir tuckerten in die nacht hinein.

20190812 riff trio

 

20190811 riff versuch

 

Heute am Mo sieht es schon wieder besser aus. Die drei haben überlebt und das schiff hat sich in der nacht zur riffkannte gedreht. Vielleicht war es gut, dass ich ein paar brocken korallen vom rumpf weggeräumt habe. Ein neuer tag und das wetter ist wieder besser.
Um halb zwölf war alles vollbracht. Es wurde eine neue leine rübergeschossen, eine weitere trosse auf das riff gezogen und mit der anderen verbunden. Ich war mir ziemlich sicher, dass das schiff ins wasser zurückkommt, denn die crew hatte nicht genug sprit um zum schlepper zu kommen. Sie musten den trip übers riff mitmachen, ihr dingi war hinten angebunden.
Dann den gang rein und mein schiff bewegte sich, fast trocken auf dem riff. Bei hochwasser wäre es zur zeit nur ein meter gewesen. Aber jetzt hundert meter in einer minute und es war wieder im nass. Nach zwanzig minuten und einer durchsicht auf lecks kam das trio zurück. Glücklich, hungrig und müde, die nacht war kalt. Im standgas mit sieben knoten geht es jetzt zurück nach Nuomea.

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung

 

20190812 riff schleppung ende

 

Die hälfte haben wir schon geschafft und morgen vormittag sollte es aus dem wasser gehen. Jetzt noch etwas auf dem boot zu regeln, geht anscheinend aufgrund der schlinge nicht. Das gespann muss in fahrt bleiben. Dabei sieht es ziemlich brutal aus, egal welche welle, drüber und durch. Immerhin wird so der vogelmist von einem monat weggespült. Und was mir sorgen macht, ist der großbaum, der hat sich losgerüttelt. Somit kommt er backbords heraus und schwingt wieder zur mitte zurück. Ein bergungsschaden, der nicht hätte sein müssen, und dabei hatte ich noch alles festgezogen.

Genau nach zeitplan sind wir wieder in Noumea eingetroffen, ein schlepper macht es möglich. Dann liefen noch ein paar unschöne aktionen ab. Als mein schiff längsseits geholt werden sollte, hatte es zu viel speed und rammte seinen anker in den schlepper. Das störte diesen nun weniger, jedoch ist mein anker total verbogen und angeschweißte muttern wurden abgespant. Dann war mein boot an der betonmauer zum lift fest, und der schlepper hat sich noch einmal mit einem streifzug verewigt.

20190814 kurz schlepp

 

20190815 schaden anker

 

Danach die durchsicht am schiff und die nackenhaare wollten nicht da bleiben, wo sie hingehören. Der großbaum hatte sich nicht losgerüttelt, hatte ich ihn doch gut gesichert. Das trio hat die schot gelöst und mit anderen reffleinen im segel verbunden und irgendwo festgebunden. Dieser segelschaden, die lazyjacks sind abgerissen, das kleine bimini war mit verbunden und ist total irreparabel verbogen und zerlegt, geht auf deren konto. Auch haben sie nicht die fünf zentimeter seile außen am rumpf geführt, sondern innen und dann an der vorletzten relingstütze nach außen. Diese konnte dann nicht der volllast von zwanzig tonnen schlepperkraft widerstehen und ist verbogen. Zum abschied bei der rückwärtsfahrt noch der touché an der reling, weitere biegungen.

Das war alles unschön, ärgerlich hingegen sind entstandene abstände zu den spanten im küchenbereich. Der kühlschrank wurde herausgedrückt und die arbeitsplatte angehoben. Da ist dann wohl doch etwas passiert. Mir ist es unerklärlich, warum der kapitän unbedingt am vormittag das schiff ziehen wollte. Zum einen wäre da sein trio, das die nacht auf dem riff schlecht durchlebt hat, das ist ok. Vielleicht ist es aber auch der morgige tag, ein feiertag mit langem wochenende und wer will den verpassen. Der heftige rumpfschaden wurde jedoch erst dadurch herbeigeführt.

20190814 schlepper

 

20190814 schlepper

 

20190814 schlepper captain

 

20190814 schlepper crew

 

20190814 schlepper ing

 

Und zu guter letzt wollte keiner gewusst haben, dass ich in diese woche zum travellift komme, welch eine überraschung und alle termine sind leider schon belegt. Also vielleicht am Fr mit glück oder in der zukunft, nächste woche, irgendwann.
Warum habe ich die marina vorher informiert, nur aus spaß. War ich doch noch kurz vor der abreise dort und habe denen mitgeteilt, dass ich anfang bis mitte dieser woche komme. Als dienstleister würde ich mit solchem personal, wie in der marina oder auf dem schlepper sehr schnell altern. Ich sollte vielleicht das meiste woanders reparieren lassen, vertrauen ist wichtig.

Die fortsetzung folgt auf dem trockenen, mal sehen, wie es weiter geht.

Veröffentlicht unter Refit, Reise_2019, schiff, technik | 5 Kommentare

Rettungsversuch

Mein erster gang am morgen war zur immigration, die hatten schon im hotel eine nachricht hinterlassen, ich möge mich doch melden. Autsch, jetzt nur nicht verplappern. Aber die frau von vor zwei wochen war freundlich, sie hätten mich schon vermisst. Wussten sie doch schon von der strandung und mein aufenthalt wurde einfach verlängert. Danach ging es zur Affaire Maritime, die jetzt die verantwortliche behörde sind. Alles, was mit schifffahrt und hoheitsgebiet im atoll um die insel herum passiert, ist unter ihrer verantwortung. Und jetzt fangen die probleme an. Das riff liegt am nördlichen atoll und es dürfen nur hochseeschlepper dort hin. Alle anderen hundert schlepper sind wertlos. Hochsee bedeutet hochpreisig oder nicht bezahlbar. Somit scheidet kollege Ivan mit seinen connections aus, vorerst. Die AM hat den finger drauf, jedoch die verantwortung liegt bei mir und auch das ganze zu organisieren. Ich konnte wenigstens den herrn dazu bewegen, dass er bitte die drei in frage kommenden firmen kontaktiert und diese ein angebot abgeben.

Am nachmittag dann ein kurzes telefonat mit dem konsul, um über die missliche lage zu berichten, und danach gab es ein treffen mit Yvonne, einer deutschen, die hier hängengeblieben ist. Sie kennt ein paar leute, auch den konsul und kann hoffentlich helfen. Zufälligerweise lief auch die Raven für eine nacht in den hafen ein. Die beiden lagen vor zwei wochen neben mir und sind nett. Somit hatte ich ein quartier für eine nacht, denn morgen habe ich ein zimmer in der auberge, der erste jugendherbergsaufenthalt meines lebens. Als individualist nehme ich ein einzelzimmer zum halben preis eines hotelzimmers.

20190718 auberge

 

20190718 auberge ausblick

 

20190718 auberge ausblick

 

20190718 auberge ausblick

 

Von den beiden habe ich auch ein handtuch bekommen, meine sind alle auf dem schiff. Somit habe ich noch duschgel und badeschlappen gekauft, sind auch auf dem schiff. Es ist ein wunderschöner blick über die altstadt, nur um dorthin zu kommen, heißt es bergauf. Die abkürzung sind einhundertunddrei stufen. Mit dem ganzen gepäck musste ich dort viermal pausieren, auch ich werde älter. Innerhalb der herberge geht es wieder fünfzig stufen zu meinem zimmer hinunter. Das schöne daran ist, davor ist noch ein rasenstück.
Danach das ganze wieder hinauf und den berg hinunter zur AM.
Die drei firmen sollen da gewesen sein und hätten die informationen mitgenommen. Sie melden sich per email. Deren adressen habe ich auch erhalten und nach der rückkehr sofort nachgefragt. Jeder tag zählt. Denn hier entdet die arbeit der AM schon lange, das ist mein job – delegation ohne entscheidungsbefugnis. Wenn die angebote machen, die höher als die erstattungsfähigen bergungskosten der versicherung sind, ist das das ende. Oder ich organisiere wieder selbst etwas und dann kommt Ivan doch noch ins geschäft.

Zwei angebote kamen noch am Do herein. Beide sind sich sehr ähnlich, die kosten belaufen sich um zehntausend euro. Das lässt sich ja locker aus der kohlschen portokasse bezahlen, allerdings ist das die summe pro tag, und es sind vier davon notwendig. Das ist so etwa um den verkaufspreis, wenn man schnell geld für das schiff braucht. Da fängt die kacke schnell an zu dampfen. Und die nächsten sieben jahre in der selbstinsolvenz will ich auch nicht. Dieses habe ich Ivan per mail auf googlefranzösisch mitgeteilt und auch Yvonne mit mann waren mit im boot. Nach ein paar telefonaten hier und da gab es einen anruf, ich möge um acht uhr am nächsten morgen am markt sein, die lösung setzt sich zusammen. Ein manager von einer schlepperfirma, die allen bewohnern auf einer insel gehört, Ivan ist auch da und Yvonne. Ein angebot wird zeitnah erstellt, denn es eilt. Zur zeit ist vollmond und das hochwasser ist höher und besser für die bergung, hoffnung. Jetzt warte ich erstmal auf ein ok von meiner versicherung.

Am Sa ist hier eigentlich schon wochenende, einige menschen arbeiten jedoch noch oder halb. Um für den sprung bereit zu sein, habe ich schon einmal die busse gecheckt, es gibt nur eine unternehmung für den überlandtransport. Auch weiß ich noch nicht, wo ich einsteigen soll, entweder in Belep oder auf dem schlepper in Poum. Das zweite gefällt mir besser. Belep klingt nach matratze auf dem boden, viele mücken und kakerlaken. Das gute ist schonmal, dass die versicherung ein zusage gemacht hat und auch die bergungssumme erweitert hat. Das lässt einen spielraum für die verhandlungen. Pläne machen ist ja ganz nett, nur sie müssen dann auch realisierbar sein.

Das erste ziel ist es, Themroc nach Koumac zu bringen, und der zweite schritt ist, dann weiter nach Noumea zu kommen. Irgendwer kann doch das schiff längseits nehmen und mich für ein geld zum travellift bringen. Aber erstmal den ersten schritt und dafür warte ich noch auf das angebot.
Heute am So bin ich mal in die andere marina im südlichen hafenbereich gelaufen, sieht auch nicht viel anders aus. Ein paar mehr motorboote, appartments und die marina liegt dort auch. Am ende habe ich mir eine zweite blase am fuß gelauften und die erste ist noch nicht abgeheilt. Aber ich habe eine neue idee für die bergung bekommen. Wenn ich bei niedrigwasser dort alles vorbereiten kann, kann ich auch drei schnitte in die ruderhacke machen. Links, rechts und unten, dann kommt der hammer oder der wagenheber zum einsatz und das ruder ist wieder frei. Dann muss ich nicht geschleppt werden, hat auch sein gutes.

Das neue angebot ist noch immer nicht eingetroffen, was macht der typ nur. Dafür kam noch das letzte der ersten drei hinein. Nur schlappe dreiundfünfzigtausend, melken solange die kuh auf dem hof ist.
Es ist Mo nachmittag und noch kein angebot auf dem tisch, bin ich genervt. Am Fr konnte es nicht schnell genug sein für ein treffen und nun dies. Andere denken, dass ich schon im bus nach Koumac bin, aber warum. Ein schritt nach dem anderen. Der nächste bus geht am Mi, sollte reichen. Dafür bin ich heute morgen zum zoll gelaufen und habe eine kopie der anmeldung bekommen. Damit kann man steuerfrei einkaufen, vielleicht ist das ja nützlich. Da alles so langsam geht, bin ich schon an der ausarbeitung von plan B. Neuseeland auf der südinsel zum jahreswechsel und dann rüber in die gefangenenkolonie. Im april kann ich dann den indischen ozean durchqueren und habe dabei noch zeitreserven. Meine großen missgeschicke sind mir immer in der situation des zu spät dranseins passiert. Ich sollte langsam daraus lernen.

Inzwischen haben wir Do abend und eine menge ist passiert oder fast gar nichts. Als erstes wurde ich heute in den dritten stock in der herberge umgezogen, eine neue perspektive. Die bemühungen, ein angebot von den menschen im norden zu erhalten, sind geglückt, oder gepecht. Fast achtundzwanzigtausend euro, um mich von riff nach Koumac zu schleppen. Ein vergoldeter arbeitstag, die erweiterung, um mich nach Noumea zu schleppen sind dann fast sechzigtausend euro.

Da schlackert auch der einheimische hier mit den ohren. Somit ist der schnellste und günstigste wieder im rennen. Heute bin ich dorthin gelaufen, auf dem weg habe ich beim hafenmeister nachgefragt, wo die firma zu finden sei und jemand hat mich die letzte meile gefahren, sehr nett. Das gespräch lief gut ab, der manager war jahrelang schlepperkapitän und kennt das geschäft, mag es aber nicht besonders. Schiffe vom riff ziehen hat etwas mit emotionen der eigner zu tun und das ist schwer. Dafür habe ich mir heute einen besuch bei mc doof gegönnt und auch gleich bereut. Sechs verfaserte hühnerreste mit einer großen portion pommes für zehn euro. Als ich in der jugendherberge ankam, war der hunger wieder da. Drecksfraß zum extrapreis, wo kann ich für ein verbot dieser fresshütten unterschreiben?

Jetzt liegt es an meiner versicherung, das ganze finanziell zu begleiten. Jeder tag für mich hier in diesem kaff kostet mich um sechzig euro. Da ist es billiger, mit dem schiff in der marina zu liegen. Ein weiteres projekt mittelfristig wird die ablösung und einstampfung von microsoft sein. Diese mistsoftware will auch noch nach einem backup eine aktivierung vom officepaket. Nur weil ich die festplatte von einem rechner in den anderen montiert habe. Strafzoll und verbotsgebühr von fünfzigmilliarden wären meine antwort darauf.
Und so langsam nervt mich auch die schnelligkeit der mitwirkenden. Am Fr geht da wohl schon nichts mehr und dann ist wochenende. Meine routine ist dann eine andere, anstatt zweimal in die stadt hinunter zu laufen, mache ich einen kleinen ausflug. Heute war ich in der reparaturmarina auf der anderen seite und habe mir das mal angeschaut. Kein luxus, aber es ist für den genannten preis ok. Die kosten für farben werden auch hier in gold aufgerufen, dinghies fangen bei sechshundert euro an.

Danach noch weiter bis zur landspitze, dabei habe ich fünf schiffwracks gezählt, hauptsächlich stahlschiffe. Wird ein weiterer schiffsfriedhofsbericht werden.

20190718 auberge ausblick

 

Dies ist schon das zweite wochenende in Noumea und hier ist nicht viel los. Unter der woche sind die straßen vollgeparkt mit autos, somit könnte die luft heute besser sein. Der flohmarkt hat nicht viel zu bieten, ist zwar groß, jedoch brauche ich keine kinderkleidung oder getragene schuhe. Eine weitere ecke des hafens habe ich abgelaufen, dann war ende oder das militärgelande fing an.

Die autonummern sind hier wie auf Tahiti gestrickt, eine fortlaufende zahl und ein NC am ende. Die höchste ziffer ist zur zeit um vierhundertsiebenundzwanzigtausend. Die kleinste war von einem TR6 von ca. neunzehnhundertdreiundsiebzig mit sechsundsechzigtausend. In vierzig jahren gab es eine menge an neuen autos und lastwagen. Nur fahren können die hier nicht so recht, viele verbeuelte fahrzeuge, an der landstraße stehen haufenweise schilder in menschenform für einen toten. Darauf steht dann das datum und die uhrzeit, nur das stört keinem. Auf der fahrt vom norden gab es dann viele, sehr viele schrottplätze. Morgen geht es hoffentlich wieder weiter, sonst ist das schiff bald festgewachsen oder geplündert.

Heute ist morgen und es ist Mo. Nach meiner frage, wann es denn endlich losgeht, kam die antwort, nicht in dieser woche. Also wieder das zimmer verlängern, für die nächste nacht zahlen und sich wundern. Dazu kommt noch, dass es hier gemischtes wetter gibt und der regenschirm ist noch im schiff. Somit wird es auch garantiert nichts mit der idee, direkt nach europa zu segeln. Also vielleicht doch wieder Neuseeland und die Marlborough Sounds und dann nach Australien hoch. Mal sehen, was vom schiff noch übrig ist.
Gestern abend gab es dann den vertrag, der hoffentlich schon in der prüfung ist. Und man hat mir erzählt, wie einfach busfahren ist. Somit war heute ein ausflug in die baumärkte auf der agenda, zur vorbereitung. Ein paar weitere lebensmittelgeschäfte ausprobiert und dabei noch die gegend angeschaut. Diese stadt ist außerdem von buchten umgeben, auch eine möglichkeit zu warten. Die busfahrerin hat mich auf ihrer tour mitgenommen und am ende direkt vorm baumarkt abgesetzt, in der brd fast undenkbar.

Dabei gibt es viele kleine plattenbausiedlungen in Noumea. Die farbige bevölkerung lebt dort und es sieht nicht sehr nett aus. Wer im erdgeschoss wohnt, lebt vergittert im käfig, verbrannte wohnungen und beschmierte wände. Dafür ist das bussystem sehr ausgebaut und die verbindungen sind häufig, und meistens sitzen hier nur farbige in den bussen oder touristen.
Mi, der erste regentag am vormittag, und ich bin unterwegs zu einer weiteren marina mit travellift. Das ganze ist eine bucht weiter oder mit dem bus sind es fünfzig minuten. Wieder vieles gesehen, das die kreuzfahrttouristen nicht zu sehen bekommen, kleine slums, wilde bebauung. Die marina war nicht einladend, die bucht ist wrackverseucht und ringsrum schwerer maschinenbau, sowie schiffsbearbeitungen. Die endhaltestelle roch nach männerklo, aber es schüttete aus eimern und dann macht man die nase zu. Kein ort der heimat, industriecharme im matsch. Somit ist diese planung auch abgeschlossen, die marina in bucht an der altstadt wird es werden. Eine zahlveränderung habe ich auch gefunden, achtundfünfzigtausend, das alte gefährt ist ein kurzer landrover serie 3.

Heute ist hier schon der erste august und die nachrichten sind nicht gut. Zuerst hat der verantwortliche in meiner versicherung eine woche unangemeldeten urlaub genommen. Ihre mails werden nicht weitergeleitet und erst am fünften bearbeitet. Ganz große nummer, besteht doch die schlepperfirma auf einer vorauszahlung und ich kann nicht aus der hosentasche fünfunddreißigtausend euro vorstrecken. Das ist schon das nachverhandelte günstigste angebot, doppelt soviel geht hier auch. Somit hat die schlepperfirma schonmal den möglichen termin um drei wochen verschoben. In dieser zwischenzeit kann ja auch mal ein nordwind kommen, auf jeden fall gibt es nächste woche eine große tide. Hoch genug, dass das schiff aufschwimmen kann. Mit dem falschen wind könnte es dann in die lagune treiben, mit glück auch dort wieder heraus. Das ganze scheint die versicherung nicht zu interessieren, aber sie hat schonmal einen schadensgutachter beauftragt. Nur bisher ist der schaden unterhalb der selbstbeteiligung. Dieses wirtschaftliche handeln von versicherungen habe ich noch nicht verstanden, aber es geht ihnen gut.

In den foren fangen auch schon wieder einige wenige an, sich die mäuler zu zerreißen, wohlgemerkt aus dem schutzgebiet brd vom sofa aus. Das hauptproblem hier besteht in der zeitverschiebung von zwölf stunden. Kommunikation ist dadurch erschwert bzw. verlangsamt. Dann ist da noch die seefahrtsbehörde, die das schiff vom riff haben will, die kosten sind denen egal. Die haben nur ihr image und das riff im fokus. Auch haben sie die hürde der schlepper gesetzt, nur hochseetaugliche sind zugelassen. Das schränkt die zahl der unternehmen auf drei ein, ein kleines oligopol. Wobei das riff kaum schaden genommen hat, bis jetzt. Das schiff ist auf der seite dreißig meter weit gerutscht, der haufen abgebrochener korallen ist kleiner als nach einem sturm. Und dann ist da noch die entfernung von fast vierhundert seemeilen bis zum atoll. Die marine wird aufgefordert zu schauen, ob das schiff noch vor ort ist, bevor geborgen wird. Einen tag hoch fahren, ein paar stunden vor ort und mehr als einen tag wieder zurück.

Mal sehen, wie es weitergeht.

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Ist das das Ende?

Es fing schleppend an, der motor lief noch zwei stunden mit und dann waren die batterien wieder randvoll. Um zehn uhr setzte der passat ein und es ging segelnd los.
Der jet am himmel, der auf mich zuflog, war für mein geschmack ein wenig zu tief. Tief sind so etwas von fünfzig metern über dem wasser. Dann eine halbkurve und die aufschrift marine war zu lesen. Also die können das. Das funkgerät war aus und er kam auch nicht wieder. Morgen bin ich hoffentlich weit genug vom land entfernt.
Die beiden neuseeländer mit ihrem kleinen katamaran nannten das naughty, dass ich ohne ausklarieren hier verschwinden werde. Andererseits haben sie dafür verständnis, denn ich will nach norden und nicht gegen den wind und strömung wieder nach Nuomea.

Der erste tag und die erste nacht waren gut, bin ich doch schon über hundert meilen weiter als gestern. In drei stunden durchquere ich die große passage am nördlichen atoll, da hatten die vulkane eine pause gemacht. Und danach sind es nur noch zwölfhundert meilen bis zum anfang der südlichen route zur Torres Strasse. Leider gibt es nur rückenwind, ekeligst.

Was ist mir da nur passiert. Alles lief gut am zweiten tag, bis abends um sieben. Ich hatte immer noch rückenwind, das segel war auf der steuerbordseite im ersten reff und der motor lief noch einmal kurz mit, um für den strom in der nacht zu sorgen. Zusammen mit der windsteueranlage arbeitete der autopilot, um am vorletzten atoll vorbeizukommen. Kurz noch ein paar grad am autopiloten geregelt, um am windlimit die richtung zu haben, dann das nachtlager vorbereiten und das essen kochen.
Die dose tomaten hatte ich gefunden, die tortellini abgemessen und den rest in die vorratsflasche gefüllt. Dann hat mich was umgehauen, schnell wieder nach oben. Das segel war umgeschlagen und das riff auf der falschen seite. Dann war ich auch schon in der brandung, der erste aufsetzer.
Der versuch zu steuern scheiterte, das ruder klemmte schon. Ein weiterer versuch, mit dem motor etwas zu regeln, funktionierte auch nicht. Nach kurzer zeit wurde es zudem dunkel, noch schnell das segel bergen, die kleine genua einrollen. Der motor konnte auch aus, das war es.

Themroc liegt jetzt auf einem riff. Nachdenken. Das kochen war auch nicht mehr machbar, der topf kann kaum wasser beherbergen und rutscht zudem vom herd runter. Also habe ich angefangen, die neubiervorräte zu vernichten. Die nacht war dementsprechend ruhig und ein paar meter ist das schiff noch gerutscht.

letzte position von Themroc
18 36 46.977 S
163 12 37.175 E
20190711
19:15

Am nächsten morgen war die situation begehbar, einmal herum um ein paar fotos zu machen. Die schleifschneise in den korallen sind deutlich sichtbar. Die idee, das schiff per anker und flaschenzug zu drehen, habe ich verworden. Den wal von achtzehn tonnen bring ich nicht bis zur riffkannte und darüber hinaus schon gar nicht. Nach einem halben kaffee musste ich die konsequenzen erkennen. Ich brauche hilfe am rande von Neukaledonien.

entfernung-riffkante

 

mast

 

rifflage

 

rifflage2

 

ruder

 

windsteuer

 

rifflage3

 

Erstmal alles einpacken, was ich mitnehmen möchte. Wichtig waren die kaffeekanne, meine beiden laptops mit zubehör, mein geliebtes kochmesser, das ich zum dreißigsten bekommen habe, die wichtige pfeffermühle, meine machete. Was zum anziehen, shirts, unterhosen, strümpfe, was warmes.
Dann war es zeit, die epirb zu finden, anschalten, unter die sprayhood legen und abwarten, es war sieben uhr. Der frust und der schock manifestierten sich, ein paar ales zum trösten und beruhigen. Um neun uhr kam schon der marineflieger vorbei und sagte, dass der katamaran Fiuu in zwei stunden da sein werde. Man sollte nicht so viel trinken, oder ich konnte nur noch durch den tunnel schauen, weil ich das desaster nicht wahrhaben wollte. Sie kamen von der lagunenseite, ein junger mann und eine junge frau, dabei war eine reifere. Der auftritt war professionell, mein dingi wurde von deck geschnitten, mein gepäck ging hinein, und als das wasser mir bis zu den knien reichte, ich hinterher. Dann zu ihrem dingi, umsteigen und meins wurde an einer koralle festgebunden. Von der fahrt zum katamaran habe ich nicht viel gesehen, festhalten und ducken. Erst am schiff merkte ich, dass es auch segler waren.

themroc-1

 

Dann nach aufforderung eine dusche, um mich vom salzwasser zu befreien. Das neue ziel waren das nächste atoll und eine vogelinsel. Dort warteten wir zwei tage, um vom mrcc zu erfahren, wie es weitergehen soll. Das ziel war die insel Belep, über achtzig meilen südlicher. Von dort kamen sie her, ein track war vorhanden.

Viele satellitentelefonate und der vierzehnte juli kamen dazwischen. Den haben wir dann genutzt, um noch einmal zu Themroc zu fahren, weitere sachen zu holen, einige sachen zurückzubringen, der eine laptop lief nach dem salzwasser nicht mehr. Die dieselkanister vom deck wanderten ins bad, ein leck-check zeigte kein wasser.
Weitere fotos habe ich gemacht und das ruder war fest. Die schützende ruderhacke war leicht nach oben gebogen, keine bewegung mehr möglich. Hatte ich mich also nicht so dumm angestellt. Das groß haben wir noch mehr festgebunden, den mast habe ich nach vorne abgespannt, weiß ich doch nicht, ob ich bei der bergung dabei bin. Luken zu und wieder mit meinem dingi zum anderen. Diesmal haben die drei es zurückgebracht und auf dem deck festgebunden.

Die fahrt nach Belep dauerte bis zum nächsten mittag, ein kontakt wurde uns vom mrcc mitgeteilt. Der familien-katamaran hat mich dort im nördlichen atoll auf der insel Belep abgesetzt.
Der mrcc hat irgendetwas dort arrangiert und ein Ivan hat mich in empfang genommen. Er kann kein englisch und mein französisch ist rudimentär, geschönt ausgedrückt.

Heute bin ich hier im hauptdorf auf Belep und morgen geht rein zufällig ein fischerboot in richtung Noumea ab. Währenddessen schon einmal den honorarkonsul kontaktiert und zwei wichtige mails versendet.
Die erste zu Sabine und die zweite zu meiner versicherung. Die werden mich natürlich lynchen, aber das risiko ist ihr geschäft. Der spaß wird nicht billig werden, ein kräftiges schiff aus Noumea zum riff bringen, mein schiff herunterzuziehen, es nach Noumea zum travellift bringen und an land setzen.
Wenn der mast bricht, ist es das ende. Wenn die reparatur nicht bis anfang august erfolgt ist, wird es eng mit dem indischen ozean und eine weitere zeit in Neuseeland ist möglich. Sollte die versicherung nicht zahlen, fliege ich zurück und es ist aus.

Morgen um sechs uhr geht es los und um fünf am nachmittag sollen wir in Noumea sein, das ist eine gute nachricht. Die leute hier riechen den rettungskuchen und machen auch pläne. Übermorgen sehe ich mehr, habe hoffentlich klarheit.

Ich bin heute durch kulturen gereist, wenn das nicht auch was gutes hätte. Das leben hier ist entspannt. Hat man wenig, kann man weniger verlieren, zusammenhalten hilft und bindet. Ivan, mein kontaktmann, ist ein beliebter mann dort, er ist die fischwelt nach draußen. Fisch ist dort sehr reichlich vorhanden, kostet nichts, hat dort aber für einen verkauf keinen wert. Ivan hat eine kleine eismaschine organisiert, transportbehälter und nimmt den fisch aus dem dorf zum kauf an. Es ist sicherlich nicht viel, aber es kommt geld in die gemeinde, in der es keine gendarmerie gibt, denn sie haben einen chief. Er ist der häuptling und der regelt das.

Kaffeetrinken mit der sippe, schlafen auf einer matratze auf dem boden in Ivans haus und die durstigen mücken waran auch dabei.
Irgendwelches geschrei draußen in der nacht, und ich höre immer themroc, vielleicht träume ich auch. Aufstehen um fünf uhr, die fähre nach Koumac fährt um sechs ab. Fahrtdauer fünf stunden. Somit war schonmal das fischerboot ein missverständnis. Dort habe ich das erstemal wieder weiße gesehen, aber die inselbewohner waren sehr entspannt.
Und das filmprogram auf dem schnellkatamaran war für mich abstoßend. Der erste film war ein hauen in die fresse. Ein weißer soll gegen einen anderen in so einer kickboxarena kämpfen. Der gute trainer ist ein farbiger, wie alle auf der fähre. Am ende verprügelt der trainer den weissen hulk und alles ist wieder friede und eierkuchen.
Als nächstes ein animationsfilm, pinguine surfen um die wette und ein hahn gewinnt. Passt ja genau wie die faust ins auge mit den französischen besatzern.
Zum schluss noch ein filmchen von guten dinosauriern. Auf diesem niveau werden die einwohner gehalten, beschämend.

Nach der ankunft ein wenig warten und Ivan hat die ersten hundert kg fisch verkauft. Da der transport erst um ein uhr fährt, ging es mit einer frau vom verwaltungfährpersonal zum essen zum china-imbiss.
Dann zurück und die restlichen 200kg fisch in den ducato geschoben. Dreiersitzbank vorn, hinten die vier fischkisten und die bewohner der insel sind alles andere als zwerge.
Danach gab es vierhundert km kurvige landstrasse im speedtempo, ein weiterer stop für 50kg fisch und abends um halb sieben haben sie mich am hotel abgesetzt.
Dieses hat der honarkonsul reserviert und für eine nacht ist es ok. Nur achtzig euronen ohne frühstück sind eine ansage, die ich nicht auf dauer bezahlen kann.

Morgen weitersehen. Gute Nacht erstmal.

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