Neuseeland zum zweiten Mal

Habe ich auch nichts vergessen, bevor ich zurückreise. Diese frage kommt immer häufiger auf, je näher der abflugstermin kommt. Und natürlich ist da was, bei der buchung der flüge habe ich beim rückflug bzw. der drei einzelnen etappen geschlampt. Neu stunden aufenthalt in Sydney werden sehr lang sein. Hätte ich mal einen früheren flug genommen, dann würde ich auch noch rechtzeitig ankommen, für den letzten bus nach Kopu.
Der versuch, das zu ändern, lief schief. Die fluglinie erklärte sich nicht bereit, da ich über ein portal gebucht habe. Dort ist online eine änderung nicht möglich, also bleibt alles wie es ist.

Somit werde ich mit einem flugzeug um neun uhr abends in Auckland landen. Da alle flugzeuge diesen typs aus der amerikanischen waffenschmiede weltweit am boden sind, mal sehen, welches es werden wird. Danach noch immigration, hoffentlich geht es auch ohne rückflugticket, customs und foodwatch. Meine schätzung ist mindestens eine stunde.
Danach werde ich mal Uber testen oder ein taxi nehmen. Ins hotel und am nächsten tag den bus nehmen kommt aufs gleiche raus oder es ist nur gering billiger. Meine versuche, irgendjemanden mit geldlockungen zum abholen zu bewegen, verliefen auch ins nichts.
Organisieren muss ich das vorher, denn nach zwei tagen auf den beinen ist man gar, das kenne ich ja schon.

Die segel sind auch fertig und das geld ist schon auf dem weg um die halbe welt. Dreitausendsiebenhundert neuseeländische dollar hat mich der sorglose umgang mit meinen segeln gekostet. Ein totales refit der tücher und hoffentlich in einer guten qualität, damit der zweite teil der welt auch besegelt werden kann. Die versprochene freie lieferung besteht im prinzip, aber nur in drei wochen. Somit kamen noch hundert dollar on top für den kurier.

Den ersten schritt habe ich richtig gemacht, ich war früher am bahnhof und fast vier stunden vorm abflug am flughafen CDG. Über eine stunde hat sich die schlange vor mir bis zur gepäckabgabe gezogen. Viele hatten zuviel gepäck und mussten dafür bitterlich bluten, was zu einer erheblichen verzögerung führte. Ich vertraute meiner alten mechanischen küchenwaage und wurde nicht enttäuscht.
Jedoch wurde es dann auch bei mir interessant, da mein aufenthalt in Sydney geplant acht stunden und vierzig minuten sein würde. Für über acht stunden bodenkontakt benötigt man ein visum für Australien, ausserdem kostet es vierzig euronen, reine geldschneiderei. Die abwicklung erfolgte am sonderschalter, bezahlung cash geht hier aber nicht, also plastikkarte. An der gepäckabgabe war das onlinevisum aber noch nicht da, also keine bezahlung. Dieses sollte per mail kommen und landete im spam. Das wird also noch lustig werden.

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In Abudabi gab es dann doch noch das nächste kreuz für die kontrolle. Aus dem flugzeug raus und für den weiterflug wieder gepäck- und personenscan. Zusätzlich hier auch mal alle die schuhe ausziehen. Welch ein duft in der luft von tausenden passagieren. Zum glück gab es im flugzeug nur einen kaffee mit keks zum frühstück und die masse blieb drin.

20190429 flughafen Abudabi

 

20190429 flughafen Abudabi

 

20190429 flughafen Abudabi

 

Der nächste flug hat wieder kraft gekostet, kein fensterplatz, dafür mitte und gang. Dazu war es kein europäisches, sondern ein ami modell und voll. Und auch diesmal sicher in Sydney angekommen. Am Di morgen um halb sieben ist die welt noch in ordnung. Nur ich ärgere mich bis zum nachmittag über meine buchung, denn pro stunde fliegen zwei bis drei flugzeuge nach Auckland, während ich mich im wachkoma vorm einschlafen retten muss.
Wenigstens ist das geld für die segel schon angekommen, es geht weiter.

flug2

 

In Auckland bin ich zwanzig minuten später als geplant gelandet, alles super mit einer vollen sitzreihe. Dann durch die gepäckkontrolle, alles ok, der pass wurde wieder nur automatisch gescaned. Die frau von der foodkontrolle fragte nach, welche lebensmittel ich mit ja angekreuzt hatte. Es seien nur lakritze, alles ok und der zoll wollte auch nichts mehr. Auch kein rückflugticket wollte jemand sehen oder meine vollen koffer mit ersatzteilen. Vorpanik war also umsonst.

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Am zweiten geldautomaten gab es wieder buntes papier und ich konnte keinen Uber bestellen und auch kein Cheaptaxi. In Frankreich ging es noch, hier lief eine umleitung ins off. Also raus zu den kutschern und der erste war auch von der billigfirma. Nur er wollte jetzt fünfzig dollar mehr sehen als der preis für eine vorbestellung. Wir haben uns auf zweihundert geeinigt. Es war mir schon egal, ob es jetzt zehn euronen mehr sind.
Dann ging es mit dem hybridtaxi flott los, auf die autobahn und die war gleich gesperrt. Durch eine nicht richtige abbiegung in richtung flughafen, gab es eine besichtigungstour durch die vororte vom flughafen. Schlecht, wenn man sich nur auf das navi verlässt. Nach einer gefühlten halben stunde waren wir wieder an der falschabbiegung, danach stau, dann autobahn gefolgt von landstraße und um mitternacht war das gepäck im dunkeln auf dem schiff. Zwei volle tage hat es seit dem aufstehen am So um die bereinigte zeitverschiebung gedauert. Morgen sehe ich mehr.

Am nächsten morgen nach einer kalten nacht, lebe ich noch immer in der zwischenzeit. Obwohl mir die reise von west nach ost besser bekommt. Die routine im schiff fehlt und das aufstehen ist ungewohnt. Der kaffee funktioniert noch nicht, nur schwarz gemackslos.

20190501 umgebung

 

20190501 umgebung

 

Danach erstmal den dreck vom schiff spühlen, strom anzapfen und alles mal inspizieren. Die rote farbe am rumpf will nicht so recht, vielleicht gaste noch der primer aus, vielleicht feuchtigkeit. Also stelle ich mich mal wieder auf einen farbverlust in der nächsten zeit ein, dann wird es nicht so schlimm.

Außerdem hat es viele fliegen dahin gerafft, während meiner abwesenheit, kakerlaken habe ich noch keine gesehen oder gefunden. Kann ja noch kommen.

20190501 farbverlust

 

20190501 farbverlust

 

20190501 farbverlust

 

Mein postpaket ist vollständig angekommen, das geht also. Und auch mein faltrad aus Australien ist da. Natürlich in ungewohnter qualität aus China. Für mich ist das neu, ein faltrad aus dem karton ziehen, alle schutzschaumstoffe und pappen entfernen, zusammen falten und fertig. Kein schrauben, alles montiert, klingel und griffe justieren und eine proberunde gefahren. Geht doch.

20190501 faltrad zwei

 

20190501 faltrad zwei

 

Am nachmittag habe ich noch den windgenerator nummer vier montiert und abwarten, ob er funktioniert. Sein einsatz kommt aber erst im wasser, denn die batterien sind voll und landstrom ist auch an. Der neue regler regelt aber so wie der alte, ab sechsundzwanzig volt ist die bremse an. Somit verspreche ich mir mal nicht so viel.

20190502 windgenerator vier

 

Die nächste nacht war warm und besser. Die beiden heizlüfter funktionieren noch immer und das schiff ist gut angeheizt. Den holzofen habe ich mal wieder zerlegt, grob gereinigt und zum schweißen abgegeben. Nicht alles, nur das notwendige wird gemacht.
Die schamottsteine sind alle gebrochen, aber nur jeweils in fünf stücke. Der versuch, neue zu bekommen, erweist sich als schwierig, hochtemperatur silikonkleber als aussichtslos. Nur feuerzement wird mir angeboten.
Aber in dem haushaltswarenladen in Thames gibt es noch schrauben lose zu kaufen. Drei stück in M4 aus edelstahl sollten es sein, rauf auf die leiter und schon ware die schublade in allen längen dieser sorte auf dem tresen. Wie in alten zeiten, vor der baumarktzeit. Keine drei dollar haben sie gekostet.

Beim autoelektriker habe ich eine neue lichtmaschine mit fünfundfünfzig ampere geordert und die soll am nächsten tag ankommen. Meine alte war dann noch auf dem prüfstand und funktioniert.
Zum schluss noch ein wenig einkaufen, eine luftpumpe fürs fahrrad, ein reserveschlauch und was zum essen. Schwer bepackt ging es wieder zurück und das fahrrad hat seine bewährungsfahrt bestanden. Für eine große radtour ist es nicht gemacht, oder mein hintern noch nicht, für zehn kilometer geht es aber recht gut.

Um halbsechs geht die sonne unter, da sie um sieben uhr aufgeht, sollte es reichen. Da ist nur der morgentliche nebel bis elf uhr, ab da an ein schöner tag. Und das seitdem ich hier bin, sehr nett, auch dass es kaum weht. Was nur nervt ist die beginnende jagdsaison und die flachköpfe ballern in der beleuchteten zeit.
Heute am Sa waren mal die segel dran, die genua war am vorstag zwischen dem kaffee und dem frühstück. Das alte tuch und neuer sonnenschutz, zudem ein neues keder und ausbesserungen.
Das groß hat dafür ein paar viele stunden gebraucht. Alle rutscher waren schon montiert, es fehlten nur die lattenhalterungen mit den kleinen wagen. Die löcher waren noch vorhanden und das war sehr gut. Als es dann zum segel setzen ging, ging erstmal gar nichts. Die neuen rutscher sind zu gross, dabei habe ich ein altmuster mit zum segelmacher gegeben.
Alle zehn rutscher demontiert und die flex heraus geholt. Zuerst habe ich den unteren teil um ein paar milimeter verschlankt und dann noch die stege. Zusätzlich noch weitere drei rutscher für den sofortigen gebrauch.
Danach das segel einfädeln, die latten einschieben, die reffpunkte mit den rollen und seilen bestücken und schon war es nachmittag. Ging aber recht gut, der wind war freundlich und eine gewisse routine habe ich damit ja auch schon. Das ende auf diesem gelände naht.

Ein schöner Sonntag, früh begann er, die jäger beginnen mit dem schießen kurz vor sonnenaufgang. Ich mag das nicht, leider gehöre ich auch zur gattung mensch. Diese spezies wird, wenn nicht durch krieg, dann durch eine kolossale umweltzerstörung sich selbst beseitigen. Hoffentlich nicht in der nahen zukunft, ich bin ein egoist.
Was hatte ich heute vor, vieles. Die montage des neuen wasserhahns in der küche dauerte bis zum mittag. Mit den alten und neuen teilen ist ein trockenes ergebnis erzielt worden. Alte gummidichtungen zu verwenden, ist nicht mein ding, musste aber sein. Ich hatte vor vielen jahren eine sonderlösung der verbindungen, nur große brüche. Einhalb oder dreiviertel zoll sind ok, leider werden diese wasserarmaturen mit dreiachtel zoll geliefert, habe ich nicht im lager. Somit habe ich die altware wieder verbaut, die rache kommt sicherlich.

Der motor sollte heute laufen, geht schnell, nur die neue lichtmaschine einbauen. Das teil war recht teuer, da es vom gleichen typ sein sollte. War aber nur fast. Die hauptachse war zu dünn gebohrt und der keilriemenspanner passte gar nicht. Nach einer findungsphase kam eine anpassungslösung heraus. Die bestehende halterung bleibt, somit auch die alte lichtmaschine verwendet werden kann.
Die neue bekam eine aluminiumhalterung, damit der spanner benutzt werden kann, nur die wichtige aufnahme musste größer gebohrt werden. Das ganze mit einem pappmodel und der findung von altschrott hat bis zum sonnenuntergang gedauert. Und es passt alles, ist aber tricky.

20190503 lichtmaschine neu

 

20190505 lichtmaschine

 

20190505 lichtmaschine

 

Alles schön eingebaut, wasser für kühlsystem angeschlossen und den motor gestartet. Der kam nach ein paar umdrehungen nach fünf monaten pause. Nur die lichmaschine wollte keinen strom liefern, die rote lampe blieb an.
Also wieder die alte eingebaut und die funktionierte. Gegen mittag war ich dann wieder beim autoelektriker und der fehler vierzig zeigte auf. Der pol an der lichtmaschine mit dem M ist nicht der minuspol, sondern um hundertachtzig grad gedreht ist es ein W. Daran gehört der drehzahlmesser. Bei der neuen ist der minuspol am gehäuse. Wieder etwas dazu gelernt. Am abend war dann wieder alles umgebaut und nun funktioniert auch alles.

In zwei tagen, am Fr, geht es um elf uhr zum hochwasser in den fluss. Die vorbeitungen werden dann abgeschlossen sein oder eine abreise nicht verhindert werden. Der ofen ist geschweißt, zwei mal habe ich das teil zurückgegeben. Ein paar mal habe ich noch risse gefunden, das muss nicht sein, dass der rauch vorsätzlich in die kabine kommt.
Und ich bin sehr glücklich, dass ich für zwei pfund feuerzement auf den Falklands gekauft habe. Hier soll das zeug zwanzig euronen kosten, goldaufschlag. Die gebrochenen steine sind wieder im ofen und der zement muss erstmal antrocknen. Das ist natürlich blöd und somit werden die ersten nächte oder abende auf dem weg kalt bleiben.

20190504 nebelfluss

 

20190504 spinnennetz

 

Mein plan ist auch grob angedacht, zuerst nach Coromandel und zu den insel in der nähe. Danach kann ich nach Auckland rüber machen, meine gasflasche von Linus zurück holen, die vergessenen segelbänder bringen lassen und mir die stadt anschauen. Es ist hier herbst und es wird nicht wärmer werden. Somit klemme ich mir die südinsel diesmal und gehe langsam nach norden, bay of islands und ziel wird Opua werden. Dort kann ich ausklarieren und nach Neukaledonien segeln. Das dauert aber noch ein wenig.

 

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Vier Wände und mein blaues Sofa in Europa

Nach dem ankommen ist vor dem wegfahren, und dann sind da auch noch die vorbereitungen dazwischen. Einen letzten versuch habe ich meinem windgeneratorenhersteller gegeben. Schließlich hatte er eine andeutung auf umtausch vor einem jahr abgegeben. Also den alten generator, bzw. die reste von der unfallstelle, zum hersteller zurückgesendet. Und dann, nach funkstille und anruf meinerseits, konnte das paket nicht gefunden werden, weil der laden nicht aufgeräumt war. Irgendwo im lager und laut meiner information für eine woche.

Im rausch meiner recherchen für die bevorstehenden einkäufe hat mich eine anzeige shanghait. Da wurde eine drohne mit unglaublichen eigenschaften wie eine große beworben und die versandkosten für Frankreich waren null. Ein video dazu gab es auch und der preis ganz knapp unter hundert euro. Zwei weitere clicks und das teil war gekauft, geldabwicklung über die bekannte plattform mit den blauen buchstaben, fertig und lieferung in einer woche.
Ja, endlich mal den blog aufpimpen mit bildern von oben, quer so und anders herum ergänzen. Dann fing das denken wieder an: mal einen testbericht lesen oder ansehen. Dieser war eher ernüchternd und das baugleiche objekt kostete an anderer stelle unter vierzig euronen. Ok, man hatte mich geködert und ich war zu blöd. Und doch war dieser test gut, wie ich lernte kann ohne ein smartphone das teil nicht geflogen werden, der sichtbare monitor war nicht im preis enthalten. Nur so ein telefon habe ich nicht und will ich auch noch nicht. Somit habe ich den kauf sofort wieder storniert, nur das funktionierte nicht so einfach. Mails hin und her, leider schon zu spät, das paket ist auf dem weg. Ich sollte laut dem verkäufer es nicht annehmen und zurücksenden.
Es kam an und der briefträger hat es in unseren briefkasten gepackt (ja, die haben hier den schlüssel dazu), ärgerlich. Zur post damit und retour zum absender. Am übernächsten tag war es aber schon wieder in der hauspost. In dem fall hatte es mit der kommunikation und der ausführung der französischen post nicht so gut funktioniert. Also noch einmal zurück an den versender. Weitere mails, die wollten einen einlieferungsschein sehen, den es aber nicht gab, da nur eine retoure. Nach einer woche weigerung den kaufpreis zu erstatten kamen wieder die blauen buchstaben ins rennen. Nach einer weiteren handvoll mails gab es das geld zurück, glück gehabt.

Nebenbei habe ich meine kaufliste abgearbeitet. Alles, was auf dem schiff fehlt oder gebraucht werden kann, habe ich gekauft. Und mein hauptshop war der laden mit den vier bunten buchstaben. Die bezahlung läuft über die angeschlossene bank oder transfergeldhaus.
Alles recht praktisch, und wenn der warenempfänger in der brd ist, wird das durch geringe transportkosten belohnt. Nicht nur die lebensmittel sind dort günstiger als in Frankreich, pakete von und nach auch.

Zwischendrin wieder eine handvoll mails zum windgenerator, rumgezicke. Fahrkartenkaufen und die alte heimat und die freunde besuchen, Hamburg steht noch. Ein sehr schönes erlebnis war, die warenankunft zu kontrollieren. Alles kam schnell an oder wurde bei fremden nachbarn abgegeben, fast alles. Nur die verpacker aus china für meine schalter konnten nicht zählen. Es fehlten fünf wichtige schalter, die gummikappen dafür waren allerdings im paket. Es dauerte keinen tag und das geld war wieder auf meinem konto, super. Nur die schalter wären besser gewesen.

Weitere mails zum thema ersatz der stromerzeugung durch wind versendet, natürlich war ich genervt und der verkäufer auch. Dieses quittierte er mit einer absage, das gerät sei nicht reparabel. Davon habe ich schon seit einem jahr geredet oder geschrieben und jetzt die verwunderung. Das ergebnis war kein umtausch – und pech, meine rechnungen sind auch nicht auffindbar, nun denn.

Freunde besuchen, unterschlupf zu bekommen und sich wie zu hause zu fühlen, ist so eine sache. Schön, wenn man ankommt und auch freudige gesichter, wenn ich wieder abreise. Trotzdem vielen, vielen dank für eure unterstürtzung.
Die kostenoptimierung für das paket nach Neuseeland musste also neu gestaltet werden. Ich bin mit einem kaputten windgenerator angekommen, also nehme ich auch einen wieder mit zurück. Diesmal ein ähnliches produkt, allerdings aus china und in einer vollmetallausführung. Das finale zehn kilogramm paket nach NZ kostete um sechzig euro und ist ein schnäppchen. Denn zehn kilogramm übergepäck im vorraus gebucht kostet zweihundertfünfzig, ups. Einmal um die halbe welt fordert seinen tribut.

Zurück in Frankreich und nach weitere fünf nervmails mit dem windgeneratorenhersteller und einer nachfrage, ob ich meine rechnung von seinem finanzamt anfordern soll, habe ich recht schnell einen neuen windgenerator mit einem neuen regler erhalten, früher wäre besser gewesen. Somit bin ich jetzt mit zwei windgeneratoren im gepäck, da muss einiges in Frankreich bleiben.

201904 windgenerator

 

Die kommunikation mit dem segelmacher in NZ geht nur per mail, es läuft aber gut. Das ist nur mein empfinden vom sofa aus, eine kontrolle kommt vielleicht am Mo. Danach muss nur noch der geldtransfer über einen weiteren provider fließen und die segel werden hoffentlich, wie zugesichert, in Kopu abgeliefert.
Da ist dann auch noch ein anderes projekt, die ofenreparatur. Kurz vor dem neukauf habe ich doch noch einen rückzieher gemacht. Das braune transportunternehmen mit den drei gelben buchstaben, das doppelt so teuer wie die kanadische post ist, möchte zusätzlich noch eine gebühr für die zollabwicklung haben. Jetzt reicht es, also liegt eine reparatur dann doch näher.

Ganz so nebenbei durchglotze und zerlese ich randbereiche des internetzes. Mein hauptthema ist noch immer alles ums segeln, besonders einmal rum. Vielleicht treffe ich die eine oder den anderen, erkenne sie frühzeitig und kann dann schnell abdrehen.
Die vlogs der angehenden segler haben immer wieder das gleiche muster, erstmal vielen dank für die unterstützung, ohne euch wäre das gar nicht möglich. Wenn euch das gefallen hat, bitte ein like abgeben oder gebt uns geld über die bekannten plattformen. Reicht das noch nicht, dann gibt es kaffeebecher zum kaufen, erigierte warzen auf der brust, die nicht gerade klein ist, unter dem neuen shirt zum boot, welches man auch kaufen kann; oder es wird ein bild gemalt und dieses kann dann doch bitte sofort gekauft werden. Da verschmelzen dann oft dürftiger inhalt mit kobern von zahlungsmitteln. Ja, leben muss man unterwegs auch noch und das kostet halt auch etwas.

Im deutschsprachigen oder ursprungsbereich dieses genres finde ich berichte von schnellweltumseglern, die sich jetzt als schiffsexperten ausgeben und für andere sehr fragwürdige besichtigungsgutachten abgeben. Unwissenheit und falsche tatsachen behauptungen lassen einen doch schlucken.

Vlogs auf vorrat zu produzieren, ist langweilig, da die aktualität tot ist, und insbesondere wenn die person neue projekte versucht anzustoßen, oft auch null ahnung, die hilflose arme, auf girly machende frau aus norddeutschland mit einem verbasteltem schrottschiff als geschäftsmodell. Die sich verkaufende stellt seit ein paar jahren eine weltumsegelung in aussicht, ja auch die karibik kann groß sein, solange es genügend zahler gibt.

Die hauptplattform der einnahmequelle patrion verändert sich zusehends. Die transparenz ist oft nicht mehr zugänglich. So etwas interessiert mich, wie viele unterstützer sind bereit für xyz einen betrag auszugeben. Auch zu dumm, wenn man sieht, für wie viel spenden durch die unterstützter man so einen bullshit erhält, im zeitverlauf ansteigend langweilig, erschreckend dumm, brutalste naivität. Nur die ersten in diesem markt sahnen ab und dazu gehören viel fleisch, wechselnde weibliche gäste und falsche versprechen des inhalts durch vorsätzliche nutzung zweideutig verwendbarer vokabeln. Das erhöht die klickzahlen, eine weitere möglichkeit durch werbeeinblendungen vom portal nummer eins ein paar cents zu bekommen, wenn die verkaufsshows von unnötigen bechern, shirts, caps oder oder oder es nicht wirklich bringen.

Dann sind da noch die ewigen refit- oder baustories, von denen ich ja auch betroffen bin. Da habe ich ein wenig mehr verständnis, war ich doch auch viele jahre beratungsresistent und versuchte auch, mein ding in eigenbau durchzuziehen. Nur in diesen videos reduzieren sich die themen in den meisten fällen auf farbaustausch oder antifoulingerneuerung. Eigenständige reparaturen am schiff unter widrigen umständen sind seltenst.
Oft wird der spezialist herangezogen, hoch gelobt und nach der bezahlung in verbindung mit dem ablauf der nicht vorhandenen garantie wird er dann in der luft gelyncht. Gleich darauf kommt der nächste unfähige handwerker, wird mit einem neuen auftrag versehen und das spiel geht von vorn los. Schön, dass viele menschen von diesen wenigen mit viel geld leben können.

Dann gib es noch über mehrere dutzende reiner bauvlogs, von denen ich um zehn auf der beobachtungsliste habe. Alle materialien, verschiedene schiffstypen und viele gute profis, dem amateurstatus entwachsen, dabei. Viele erinnerungen an meine zeit, viele gute jahre, die ich mir aus heutiger sicht hätte schenken sollen.

Warum tue ich mir das an, vielleicht selbstkasteiung, masochismus oder ein autoagressives verhalten. Mal sehen, wie andere versuchen, das projekt um die welt segeln anzugehen, davon lernen im guten und im schlechten, revierinformationen erhalten und besonders wichtig: deren fehler nicht wiederholen, denn die können teuer werden.

Dieser worte-blog ist schon aufwendig genug. Und dreißig stunden aufwand per video für ein zehnminütiges ergebnis will ich mir nicht leisten. Die pickligen zinken in die kamera stecken, gebrochene daumen, hose runter, brust raus, extrovertiertes herumlaufen mit dem selfiestick und dabei in die landschaft labern, bis hin zum stangenpoledance – all das ist schon vorhanden. Jeder verkauft sich so gut er kann, und wollten nicht alle diese vlogger ein ganz anderes leben beginnen bei ihrer reise um die welt.

Das paket nach NZ klemmte eine woche lang im zoll, da dieser davon ausgegangen ist, es handelt sich um ein kommerzielles paket. Es ging erstmal ein brief nach Kopu und die haben die zeilen eingescannt und an mich gesendet. Also zuerst eine mail zurück zur post, das paket ist mein privates. Einen tag später die antwort, ich möge doch den zoll informieren.
Eine mail zum zoll, erklärung, warum der absender von mir abweichend ist, eine kurze beschreibung des inhaltes des paketes. Danach noch weitere mails mit ergänzenden informationen und das paket war wieder frei und wurde ausgeliefert. Ein weiterer haken dahinter.

Die letzten tage vor ostern werde ich in der Bretagne verbringen. Ein wenig urlaub tut mir hoffentlich gut. Danach noch die organisation um den rückflug herum und das offene thema: wie spätabends vom flughafen in Auckland nach Kopu zu kommen. In anderen ländern gibt es auch bürgersteige.

 

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Back to Europe

Die letzte woche war ruhig, restarbeiten. Der krümmer wurde geschweißt, kugellagerfett organisiert, und der adapter ist fertig. Die gasflasche wurde fast gefüllt, aber es muss doch auch ohne lab-nummer gehen. Diese hirnlosen gasfüllstationsmitarbeiter bestehen auf dieser speziellen prüfnummer bei meiner neuen flasche.
Am letzten tag habe ich mal wieder brennholz gemacht, denn zeit war genug und es liegt viel auf dem gelände herum. Ein paar radtouren waren auch auf dem programm, als trainingseinheit für zuhause. Die liste für den letzten tag habe ich auch abgearbeitet und dafür danke ich mir. Der tag fing gut an, schon um sieben, nach einer kurzen nacht. Nach dem kaffee den duschsumpf aussaugen, damit bis zur rückkehr kein stinkendes monster entsteht. Unter dem deckel dann die rechtzeitige entdeckung, über hundert harte kleine eier in braun. Hoffentlich gibt es kein zweites nest, denn sonst beginnt das große krabbeln.

20190210 standortabreise

 

20190210 standortabreise

 

Der lift zum airport in Auckland war super, ein wenig vier stunden zu früh, egal, danke Jonas. Hier werden die menschen schon auf den nächsten kontrollstep trainiert. Checkin mit dem reisepass am automaten, um sich das flugticket selbst auszudrucken samt gepäckaufkleber. Passkontrolle am automaten mit gesichtserkennung und danach brav das gepäck in die box legen. Das personal fasst da nichts an, nur die aufforderung, die box richtig aufs band zu schieben. Die unter-der-haut-chipzeit werde ich hoffentlich nicht mehr erleben. Die rinder auf der weide in Neuseeland haben hier zwei ohrmarken, doch vieles anderes ist eher entspannt.

Der nächste flughafen, sehr groß, Sydney. Die uhr wird zwei stunden zurückgestellt. Die rollzeit mit dem flugzeug ist wie in Paris, die shoppingmalls viermal so groß wie in Barcelona, schlimm. Das ist nur ein stopover, aber wieder handgepäckdurchleuchtung, mein erster pornonacktscanner. Er reagierte nicht auf zwei getrecke mittelfinger, danach noch ein sprengstoffabwischtest, bullshitbingo australicus maximus. Drei stunden wartezeit.
Dafür habe ich die brücke und die oper im anflug gesehen, muss ich also nicht mehr hierher. Einen zweiten apfel habe ich gegessen, zwei bier an verschiedenen orten getrunken und ein wenig die beine vertreten.

Mo morgen der nächste stop nach vierzehneinhalb stunden flug. Die fluggesellschaft ist gut, alles recht neu, jemand hier in Abu Dhabi hat wohl richtig schotter. Meine sitzreihe war leer, es reichte aber nicht für mich, um zu schlafen, bin im leichten rausch. Die aktuelle uhrzeit ist halb sechs, die gelebte ist zehn stunden weiter, also schon teatime. Wieder ein neuer flughafen, wieder eine gepäck- und personenkontrolle und die gleichen geschäfte, durch die man geschleust wird. In ungefähr vier stunden geht es weiter und der flug ist noch nicht gelistet.
Die drei stunden habe ich mit einem spaziergang zum alten terminal eins genutzt. Verbrauch von zwei weiteren äpfeln und einem müsliriegel. Von außen sieht es wie eine flache betonkugel aus, innen sieht man einen großen trichter von der decke. Diese ist mit mosaiken bestückt. Der baustiel erinnert an CDG, wo ich in ein paar stunden landen werde. Das gesamte personal im flughafen zum wischen, putzen, transportieren ist billig und nicht einheimisch. Mobile arbeitsflexibilität genannt, geringe kosten der flüge und die dritte welt zahlt dafür.

Die nächsten sieben stunden waren dann in einer vollen sitzreihe, organisierterweise am fenster für mich. Der hintern wird recht arg benutzt. Um drei uhr am Mo nachmittag kam erst ich und dann das gepäck an, alles im grünen bereich. Nur meine zeit ist drei uhr früh am Di. vierundvierzig stunden vom aufstehen nach einer kurzen nacht, bis zum warten auf den zug, plus zwei bis nach Lille, dann noch eine halbe bis aufs sofa.

Jetzt sind ein paar tage vergangen. Das ganze lief auch alles soweit so gut, wenn da nicht so etwas wie eine zeitverschiebung von einem tag wäre. Der geist ist willig, jedoch der körper ist schwach. Somit hat mich das ganze drei tage umstellung gekostet, früher nannte man das jetlag. Ich habe jetzt schon keine lust zurück, denn dann werden es auch wieder zwölf stunden unterschied werden.

Die umstellzeit habe ich mit oneline shopping verbracht, die liste ist lang und fast abgearbeitet. Ich werde auch noch einmal versuchen, meinen windgenaratorenverkäufer zu einem tausch zu bewegen. Den defekten windgenerator samt regler habe ich mitgenommen.
Sollte das nicht funktionieren, wird auf jeden fall ein neuer aus China gekauft. Schlimmer als türkische produktion sollte schwierig sein, aber machbar. Die preise für einen wassergenerator fürs heck haben mich den kauf verwerfen lassen. Dafür kann ich über fünftausend liter diesel kaufen und eine stärkere lichtmaschine, was ich auch vorhabe.
Etwas schwieriger ist die beschaffung des neuen ofens. Das angebot vom hersteller in Kanada ist super, unter dreihundert euronen, bei der firma obenbeleuchtung in Hamburg kostet er über das doppelte. Nur will der hersteller das teil mit ups versenden, für über die hälfte des kaufpreises, unakzeptabel. Mit der kanadischen post kostet es die hälfte, ich arbeite daran.

So und jetzt mal aufgepasst in der leserrunde, ich brauche eine gebrauchte sturmfock, farbe egal. Die üblichen online plattformen haben nichts richtiges im angebot. Dieses sturmsegel ist für windstärken ab zehn bis dreizehn gedacht und soll fliegend gefahren werden, also ein try oder so. Ich habe kein zweites vorstag, das wäre lösungsansatz zwei.
Meine genua hat in den bisherigen drei orkanen doch sehr gelitten, das sehe ich am preis des segelmachers für die reparatur. Die größe von bis zu acht quadratmeter sollte reichen. Die ösen in den ecken müssen richtig stabil sein, das tuch sollte im bereich über vierhundert gramm liegen. Wer also so etwas noch rumliegen hat oder an der quelle sitzt, bitte schnell melden. Merci.

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Ein Monat auf dem Trailer in Neuseeland

Ein neues jahr ist angebrochen, die erde dreht sich weiter und das morden ist stetig. Nur wenige wichtige menschen sind gestorben, meiner meinung nach, darunter Aretha Franklin. Der rest waren marionetten oder opfer und ein fuck auf die bushfamilie.

Dieser bericht wird wieder ohne bilder auskommen müssen, die kamera will noch immer nicht und ich habe kein backup dafür. Zum trost: es wären auch nur refitbilder von den arbeiten am schiff gewesen. Nachtrag: ich habe fremde fotos erhalten und habe sie eingebaut.

Mein erster tag im jahr fing ruhig an, genau wie der letzte endete, kein knallen oder böllern. Ich bin im off. Dieser tag war ein roter, zuerst den rumpf mit verdünner abgerieben, danach die rote farbe erneuert. Nur an ein paar stellen komme ich nicht ran, der trailer stört. Zum schluss noch die fünfte schicht grundierung auf die stellen im unterwasserbereich. Meiner vermutung nach habe ich heute über vierhundert höhenmeter auf der leiter absolviert.

 

20181227 rumpf

 

20181227 rumpf

 

20181227 schraube

 

20181227 schraube

 

Tag zwei: meine alte antifoulingfarbe ist mit zwei liter verdünner dreimal auf dem kiel und im ruderbereich aufgetragen, der trailer muss verstellt werden, dafür ist schweres gerät erforderlich.

Tag drei: ich habe eine neue halterung für den feinstölfilter gebastelt und es ist die beste version bis jetzt, der rest im motorraum ist vom eventuellen wellengenerator abhängig. Den trailer habe ich selbst verstellt mit holz vom gelände und einem kettenzug zum verstellen, die restlichen stellen sind in bearbeitung.

Tag vier: im motorraum sind die vorläufigen restarbeiten erledigt und die seitenwände wieder an ort und stelle. Die letzte nuss für die knarre habe ich in der motorwanne gefunden. Offene werkzeugkästen, enger raum und schon hat sich der knarrenkasten in den offenen motorraum entleert, mist. Der windgeneratorentest der beiden restteile verlief negativ, somit wird es keinen wellengenerator mit diesen teilen geben. Hat auch was gutes, denn somit muss eine neue idee her. Das projekt fenstertausch im pilothouse ist gestartet. Der anfang war die innenverkleidung rechts, eine zerstörerische mistarbeit, hatte es doch für sehr lange halten sollen. Dann habe ich noch vier zeitraubende, fünf zentimeter große löcher in den süllrand gebohrt. Damit eine eingetauchte welle schneller wieder in ihrem element sein kann. Ein weiterer konstruktionsfehler ist abgemildert.

Tag fünf: der muskelkater vom löcherbohren ist im anmarsch, ziemlich gefährlich so eine lochsäge. Die löcher habe noch ein wenig grundierung erhalten. Denn restlichen tag verbrachte ich mit dem freilegen der fünfzig schrauben der fensterblenden. Die fensterrahmen und verkleidungen sind im vorschiff. Mit dem stechbeitel und dem cuttermesser habe ich die fünf zentimeter tiefen löcher in die isolierung gegraben. Auch sind alle achtundvierzig schrauben der frontfenster haltebleche entfernt. Auch hier musste zum schrauben gegraben werden. Ich glaube, die außenrahmen der fenster werden durch gewinde im pilothouseblech gehalten. Das hatte ich nach zehn jahren schon vergessen. Die mühsam geschweißten va-rahmen wandern wohl in den metallvorat, ich werde sie hier nicht mehr einsetzen.

Tag sechs: wie schön sind holzarbeiten, wenn das richtige werkzeug vorhanden ist. Linus hat eine gute kreissäge, auf der die leisten vom holzfriedhof einen zentimeter in der breite verloren haben. Bei Bruce, eine baustelle weiter, gibt es die hobelmaschine, die die leisten auf zwölf milimeter reduziert. Aus diesen astreinen leisten habe ich dann drei neue fensterrahmen für die frontfenster gebastelt. Die toleranzen sind im unteren bereich und ich bin mit dem ergebnis zufrieden. Danach noch ein wenig rot auf den rumpf an die noch freien stellen aufgetragen und der tag war aufgebraucht.

Tag sieben: die schönen holzrahmen habe ich heute mit achtundvierzig großen löchern versehen und dann noch ein bisschen zurecht geschleift. Dieses ergebnis ist mittelmäßig, jedoch sieht das später keiner. Mein bandschleifer fängt an, die schleifbänder zu fressen, oder sie sind schon zu alt.
Die zweite hälfte vom tag war wieder eine runde rot ums schiff und diese zweite farbe wird auch erstmal die letzte sein. Das wetter spielt immer noch mit, ein wenig zu warm schon für den farbauftrag.

Tag acht: die sechs außenrahmen der seitenfenster habe ich entfernt, da die scheiben noch im rahmen kleben. Nach zehn jahren ist der versuch einigermaßen geglückt, kein wasser ins schiff zu lassen, jedoch hinter die rahmen – und da kam der rost. Die scheiben haben es aber auch nicht rissfrei überlebt, der richtige zeit zum wechseln. Somit sind die achtundvierzig löcher wieder verschlossen worden. Schweißen war eine sehr aufwändige option und ich habe mich für spachteln entschieden. Die pampe musste ich erst neu kaufen, da die vorhandene dose noch aus der dm-zeit gestorben war. Noch dreiunddreißig tage bis zum abflug.

Tag neun: da ich noch kein sikaflex oder ähnliches habe, sind zum üben die kleinen fenster zur plicht herausgekommen. Das ging besser als erwartet und ein passendes stück makrolonscheibe ist auch noch im lagerbestand gewesen. Die neuen scheiben habe ich passend gesägt und sie sind provisorisch schonmal eingesetzt.
Die holzfensterrahmen und die halterahmen für die frontfenter haben den ersten neuen anstrich erhalten. Die farbe habe ich aus Whangarei vom marinamüllplatz. Die dose mit drei litern hat mal über dreihundert dollar gekostet und ist noch wie neu. Nur ist es ein acryllack auf verdünnerbasis, und dieser hat nach zehn minuten die schaumstoffrolle um das doppelte aufgebläht und zerstört. Der neue pinsel hat nach und nach die meisten borsten verloren, starkes zeug.

Tag zehn: noch einmal haben die rahmen farbe erhalten, diesmal mit einer fleecerolle. Dann noch in der plicht ein wenig geflext und grundiert. Der rumpf sollte die ersten schichten antifouling erhalten, doch die menge hat noch nicht einmal für eine gereicht. Die beschriftung der dose war nicht aktuell, verplant.

Tag elf: ich wollte gerade zum baumarkt, um fensterdichtungsmaterial zu kaufen, da offerierte Linus mir das zeug aus seinem konvolut. Wieder ein paar dollar gespart und nach vielen stunden habe ich die alten frontfenster herausgenommen und die innenfenster wieder eingesetzt. Eine elendige fummelei und schwarze hände gab es auch. Aber ich kann wieder nach vorne sehen, es ist hell und somit ein erfolg.

Tag zwölf: aus den alten frontfenstern habe ich auf der backbordseite zwei neue seitenfenster herausgesägt. Was über drei stunden gekostet hat, war die spiegelfolie und deren kleber zu entfernen. Auch ist es mir nicht geglückt, die gelb angelaufenen scheiben durch polieren wieder klar werden zu lassen. Das einkleben erfolgt morgen. Damit ging ein ganzer tag drauf.

Tag dreizehn: es ist ein sonntag und könnte ein freitag sein. Die backbordfenter habe ich einsetzt und verklebt, lief langsam aber akzeptabel. Ich wollte  bereits ein lob zum wettergott abgeben, dass es schon seit zwei wochen keinen regen gab. Nach diesem gedanken kam ein sturzregen und die fenster sind dicht! Danach, als es wieder trocken war, habe ich die fenster in der plicht eingeklebt. Leider habe ich zur falschen verdünnerdose gegriffen und somit ist das rechte fenster ein wenig blind geworden, dummer mist. Vielleicht kann ich es morgen ein wieder wenig herauspolieren. Die restlichen verkleidungen und rahmen sind für neue farbe vorbereitet und schon im container platziert. Der container wird von Kopu Marine gestellt. Die farbe kommt morgen auf die objekte.

Tag vierzehn: das wetter war nicht so freundlich, langer regen, so dass die arbeiten zum erliegen kamen. In einer pause haben die innenverkleidungen die erste weiße schicht erhalten. Also wurden ein paar kleinere arbeiten im motorraum vorgenommen. Das gute daran ist, dass die neuen scheiben regendicht sind.

Tag fünfzehn: die zweite schicht farbe ist auf die innenverkleidungen gekommen. Dabei hat sich der billige kauf der schaumstoffrollen als fiasko herausgestellt. Sobald sie in der nähe von lösungmitteln kommen, quellen sie auf und lösen sich von der rolle. Den rest des tages habe ich mit den beiden steuerbordfenstern verbracht. Alte raus, rahmen säubern und mit der flexdahtbrüste reinigen, alle benötigten gewinde im rahmen nachschneiden, fenster mit der stichsäge zurechtschneiden und mit der flex begradigen, zwanzig schraubenlöcher in das plastik bohren und anpassen, die fenster von der spiegelfolie befreien, danach den kleber entfernen und die scheiben polieren, währenddessen zweimal schwarze farbe auf die fensterrahmen lackiert. Das alles kostet eine unmenge an zeit und immer sorgvolle blicke zum himmel.

Tag sechszehn: die letzten beiden fenster sind eingeklebt, und wenn es wieder einen regentag geben wird, kommen die innenrahmen und neu lackierten verkleidungen wieder dran.
Dann gab es ein wenig aufregung, die meiste bei mir. Vorgestern hatte es stark geregnet und ich dachte gestern, dass der alte trawler neben mir sein aufgenommenes wasser durch den kiel wieder ablässt. Nur heute bei genauer betrachtung zog es einen film auf einem stahlträger. Nach dem geruchstest ist die bilge voll mit diesel und der läuft seit gestern aus, zwanzig meter weiter fängt die naturschutzzone an. Kurzes telefonat und Kopu Engineering fing ruhig an, das schiff auszupumpen. Über tausend liter konnten sie in fässer füllen. Die versuchung der absaugung ist jetzt groß, aber der mögliche schaden an meinem motor noch größer. Also finger weg von der brühe.
Die arbeit an der plicht ging weiter mit der backbordseite und ich wollte schon pfuschen. Bis über die boden grätinge würde doch reichen, aber ich habe sie dann doch herausgenommen. Ab wann gilt man eigentlich als massenmörder? Unter dem fußboden lagern planen, reste davon, die rettungsinsel und ein wenig holz. Die rettunginsel habe ich zuerst herausgehievt und dann sah ich nummer eins. Mein schuh war schneller, und nach den planen habe ich bis zur nummer vier gekillt. Dann wurde der ganze bereich bereinigt und ausgesaugt. Die planen gingen über bord und unter die dusche. Die schwarzen ohrenkneifer habe ich nicht gezählt, jedoch bin ich bis auf zwölf der hauptbewohner gekommen. Die eine kakerlake von vor ein paar tagen war halt doch nicht so allein. Zwei sorten sind es diesmal, rötlichbraun in der länge von fünf zentimetern und eine neue rötliche art von drei zentimetern. Woher kommen die wohl diesmal?

Tag siebzehn: die letzten beiden fenster sind auch dicht, der regentest in der nacht war kräftig. Die plicht bekommt gerade neue farbe, viele schichten, das dauert. Bis jetzt sind mindestens hundertfünfzig kilogramm an ballast von schiff verschwunden, vielleicht werden es noch mehr. Das angebot vom segelmacher hat mich umgehauen, aber das material hat doch sehr gelitten. Zwei große zettel in europäischer währung soll es kosten, ein wenig mehr als das doppelte, was ich erwartet hatte. Neuseeland wird sehr teuer werden und ich bin erst seit einem monat hier.

Tag achtzehn: die innenrahmen haben die erste durchsicht von zweien erhalten und alle schrauben griffen, denn sie haben nur sehr wenige gewindegänge zur festigung. Nach einem monat wieder einen waschtag dazwischen geschoben, bis zum sonnenuntergang erfolgreich frischer. Ich behindere mich selber mit weiteren baustellen. Das schiff ist zu groß, zuviel raum zum zumüllen. Wenn morgen das wetter mitmacht, kommt die erste schicht weiß ins cockpit.

Tag neunzehn: am Sa läuft es ruhiger an, jedoch war meine kabinentür in der nacht offen und die blutsauger kamen, was zu einer nachtverkürzung führte. Es war ein erfolgreicher tag, ich habe stege zwischen den wantenaufnahmen geschweißt. Die idee, alles um die aufnahmen mit blech zu verstärken, habe ich gestrichen und für das nächste refit aufgespart. Die stege sind aus einem fensterrahmen, den ich ja zuvor beseitigt hatte. Die kleinen bleche sind zwischen dem großen blech für die unterwanten und dem kleinen blech für das oberwant geschweißt. Zwei mal drei millimeter dicke sollten erstmal reichen. Die ausführung ist für meine verhältnisse sehr akzeptabel, sollte das deck wieder reißen, ist das problem ernst.
Am abend musste natürlich das gas ausgehen, während ich gerade koche. Und natürlich musste ein weiteres desaster geschehen, das volle weinglas fiel um, zerbrach und musste schon wieder ersetzt werden.
Und ich habe deinen geburstag nicht vergessen, lieber Eckhard. Nur mein internetzugang ist gerade in Auckland und holt meine farbe auf dem rückweg ab. Eine feier kommt später in europa.

Tag zwanzig: es zieht sich alles ein wenig. Die löcher an den fenstern bis aufs blech habe ich heute mit montageschaum verfüllt. Danach alles mit tape abgeklebt und die innenverkleidungen im pilothouse sind auch wieder an ort und stelle. Die montage dauert viermal so lange, wie die demontage. Und da noch schaum in der dose war, habe ich den brandschaden von Tahiti wieder repariert, verfüllt und verklebt. Ein ganzer tag für diese paar arbeiten.

Tag einundzwanzig: das deck benötigte eine kleine revision, damit die kleinen rostnester verschwinden. Da die wantenaufnahmen verstärkt sind, kann es losgehen. Der knick vom süllrand zum deck ist noch immer gut, dank meiner lieblingsfarbe. Jedoch ist hier und da etwas aufs deck gefallen und das ergebnis sind risse im lack oder schon rostpickel. Einmal peeling und der silberfarbenanteil stieg auf ein siebtel, alles im grünen bereich. Das kann ich leider von der flex aus dem hause bauhaus nicht mehr sagen, getriebeschaden. Sie ist älter als vier jahre und das war es schon, meine andere blaue aus der profiline lebt noch immer.
Einen ausflug per rad nach Thames war auch nötig, lebensmittel und ein paar pinsel. Leider habe ich einen davon auf dem weg verloren, bleiben noch neun.

Tag zweiundzwanzig: farbe farbe farbe. Das deck hat die dritte grundierung erhalten, das linke cockpit die zweite, finale weiße schicht. Das pilothouse hat sein weiß und mehr sollte nicht sein. Nebenbei hatte ich die genuaumlenkrollen nach sechs jahren das erste mal gefettet. Meine knie sind ein wenig belastet vom robben über dem deck. Nach dem folgenden überlack kann das deck auch wieder als lager benutzt werden.
Das erste mal, das sich die leute streuben, meine gasflasche aus Französisch Guiana zu füllen. Es fehlt eine lab nummer auf der flasche und das personal der füllungstation ist nicht in der lage, es zu händeln, downgrade the intelligence.

Tag dreiundzwanzig: meine bestellte farbe ist angekommen und so sind zwei schichten vom antifouling auf den rumpf gekommen. Den rest der farbe ist für das windsteuerrunder und für die sehr gestressten stellen.
Auch habe ich mich gegen den patchwork anblick von den bearbeiteten roststellen auf dem deck entschieden. Ich habe von der abreise vier liter der deckfarbe gefunden und die erste schicht ist auch schon aufgetragen, morgen eine weitere. Das ergebnis des tages sind dicke schultern vom rollen und ein guter trockener tag.

Tag vierundzwanzig: zu den schultern kommen heute noch die knie hinzu. Das rumrobben auf dem deck geht nicht mehr spurlos an mir vorbei. Vorbei ist auch das schöne sonnige trockene wetter, denn es hat bis zum nachmittag stellenweise geregnet. Nicht brauchbar, um farbe aufs deck zu bringen.
Also als alternative die kardanwelle wieder einbauen und eine holzbox für meine fettpressen im schnellverfahren bauen. Der nächste punkt auf der liste ist der generator. Er will seit einiger zeit nicht und heute fühlte er sich schon wieder fest an. Also eine zylinderkopfdemontage, kopf reinigen, ventile neu einschleifen, alles wieder montieren und startversuche. Das teil will nicht mehr, einspritzpumpe fördert, gereinigte einspritzdüse spritzt und er läuft nicht. Morgen weitere tests.

Tag fünfundzwanzig: die weiteren startversuche waren erfolglos und somit wird das teil für tot erklärt. Meine vermutung ist eine fehlende kompression, der motor war ja mal fest. Also ein ersatz oder ein neuer generator.
Das ruder der windsteueranlage ist wieder montiert und der rest des antifoulings ist auch aufgebraucht. Am nachmittag war es auch wieder trocken und so hat das deck eine zweite schicht farbe erhalten, sieht ohne brille gut aus, finde ich.

Tag sechsundzwanzig: fing erstmal moderat an, ein ausflug nach Thames, markttag. Ein paar shops abgegrast, ein gescheiterter versuch, die gasflasche zu füllen, und einmal durch den alten hafen.
Zurück an die arbeit, die achterkabine ist auf der liste. Und da habe ich fast die dose der Pandora aufgemacht. Zuerst das kleine heckfenster, von mir eingebaut, entfernt. Fünf schrauben wollten nicht so recht, also mal die alten refitbilder von vor sieben jahren durchgeschaut und nichts gefunden. Jedoch konnten die kreuzschlitzschrauben nicht herausgedreht werden oder rissen ab oder der schraubendreher hat seinen kopf verloren. Ausbohren und gewinde neu schneiden. Ich hatte die schrauben noch durch muttern gesichert, warum nur, das ganze ist nicht mehr in meiner hirndatenbank.
Der nächste gau sind die vielen schwarz-weiß verbindungen. Das holz auf der achterkabine sollte nicht mit dem deck in kontakt kommen, wegen dauerfeuchte und rost. Also habe ich um die fünfzig muttern auf das deck geschweißt und das holz ist darauf. Nur diese verbindungen rosten erheblichst, kraterbildungen um diese muttern. Das ist gleiche am heckfenster.
Dann habe ich noch die solarpannels abgenommen, denn die waren nur schwimmend verlegt und an den ecken fixiert. Was für ein stinkender dreck, die unterste farbe wurde durch feuchtigkeit unterwandert und es fing an.
Somit wird es ein kleines fünf-tageprojekt, bis alles wieder an seinem platz ist.

Tag siebenundzwanzig: um es kurz zu machen, farbe, farbe und farbe. Dünn, weniger dünn und streichbar in grau und schwarz. Die achterkabine wird akzeptabel und beim nächsten refit ist sandstrahlen angesagt.

Tag achtundzwanzig: farbe weiß und austernweiß, ein wenig in richtung elfenbein. Die achterkabine und das restliche deck herum haben neue farbe erhalten. Im groben war es das dann mit der bemalung. Zur abwechslung habe ich noch die halterung vom baumkicker verlängert. Eine dauerschwachstelle und nun hat die halterung vier popnieten und das ganze gleich in va. Wenn das auch nicht hält, muss neu gedacht werden.
Heut am Mo ist hier ein lokaler feiertag und es wird warm werden, die hitzewelle aus Australien schwappt nach Neuseeland rüber. Die sind hier schon ganz aufgeregt über dreißig grad.

Tag neunundzwanzig: viele rote gesichter waren heute auf der szene. Die jungs und mädels werden gerade gegrillt, einerseits ganz lustig, auf der anderen seite ändert sich was am wetter. Geändert hat sich auch mein standort, zehn meter weiter stehe ich in der gleichen richtung mit blick auf den fluss. Der trailer hat größere reifen erhalten, damit die grundberührungen vom rausslippen reduziert werden.
Die demontage des holzes, der solarpannels, der heckluke und kleinteile hat eine stunde gedauert, alles wieder zurück an ort und stelle einen tag. Somit sind die panels und das fenster wieder eingeklebt, hoffentlich dicht. Ich bin gut im plan, nur noch ein paar schweißjobs an anbauteile und ich bin abreisebereit.

Tag dreißig: ich wollte sehr aktiv sein und den auspuffkrümmer schweißen und ein toggle anfertigen. Das machen jetzt die leute von kopu marine, auch ok. Ich habe mit einer bohrerschleifmaschine alle meine zahlreichen stumpfen bohrer geschliffen, sehr gut.
Danach wollte ich meinen holzofen überholen und das ging schief. Die verbindung vom ofen zum ofenrohr ist durch und festgerostet. Somit brauche ich so ein teil neu. Neu müsste auch der ganze türbereich und das muss ohne schweißverzug gemacht werden. Die schamottsteine müssen auch wieder geflickt werden. Ein neukauf ist vielleicht günstiger.

Tag einunddreißig: die restarbeiten in der plicht sind erledigt. Dazu habe ich zwei halterungen für das bimini zurechtgesägt. Fast alle sachen und die rettungsinsel sind wieder unter dem fußboden verschwunden. Meine gesammelten holzteile sind zu Linus gewandert. Die beiden fünf mal fünf mahagoniebalken in der länge über zwei meter, die ich seit französisch Guiana mitnehme, haben ein sinnvolleres dasein auf einem holzschiff gefunden.
Jetzt ist aufräumen auf der liste, die anderen sachen sind bis auf ein paar kleinere punkte abgehakt oder gestrichen. Wenn die werkstattteile kommen, kann der motor wieder komplettiert werden und ich muss noch ein paar mal auf den mast. Die segel müssen noch ein go bekommen und die abreise sollte noch organisiert sein.

Tag zweiunddreißig: Der krümmer wurde fett geschweißt und das gewindeloch für den temperatursensor ist auch schon hineingeschnitten. Also alles wieder an seinem platz, wassersammler und schläuche wieder montiert. Somit muss nur noch der neue impeller kurz vor der wasserung eingebaut werden. Die farben sind wieder verstaut und darüber sind die elektrowerkzeuge im fach. Den rest des tages wurde grob aufgeräumt, ein kurzer ausflug zum meer und wieder ein wenig einkaufen.

Tag dreiunddreißig: die liste wird kürzer und ein wichtiger punkt ist das licht im badbereich. Kurz vor Neuseeland wurde es immer schwächer und ging aus. Das stromleck musste gefunden werden, viele verkleidungen habe ich dafür abschreuben müssen. Es war an einer guten stelle, eine schraube der wandverkleidung hatte sich durch das kabel geschraubt und die feuchtigkeit hat den rest erledigt. Danach war auch eine grundreinigung in dem bereich angesagt.

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 schraube

 

Das war ein wenig mehr als der erste monat im neuen jahr auf dem trailer, mit dem ich aus dem wasser gekommen bin und im Mai hoffentlich auch wieder hineinkommen werde.

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Welcome to New Zealand

Das ankommen in Whangarei war doch recht gut. Es war windstill, kein regen und kaum einer war in der marina unterwegs. Das anlegen in der box verlief bilderbuchmäßig, und nachdem ich fest war, war ich auch schon gefangen. Ich hatte zufälligerweise den q-steg genommen, für die einreise. Nun ich sollte auf kanal sechzehn oder achtzehn jemanden anfunken, habourmaster oder die mariana. Es war vor sieben uhr und keiner meldete sich. Die nummer, die man anrufen konnte, ging auch nicht. Mein handapparat funktioniert hier nicht. Gefangen im system, aber ich bin außen herum um die schwere absperrung dieses steges. Die ersten, die ich traf, fragte ich nach dem marinaoffice, dieses macht aber erst um neun auf. Zurück auf dem schiff gab es erstmal ein wenig schlaf, der letzte tag auf see war doch anstrengend.
Um zehn uhr klopfte dann der mann vom customs. Er hatte den ausdruck meiner mail von Samoa dabei, ein dickes formular für mich und die schreibarbeit fing an. Ein paar fragen, den stempel in den pass und ein wenig smalltalk. Dann rief er noch die marina an, für einen neuen platz für das schiff. Meine nichtmeldung per funk war letztlich ok, wir testeten, ob die marina mich hören konnte, funkstille. Den zettel für die mehrwertsteuerbefreiung gab es auch noch dazu. Alles bestens und der kollege vom Ministry for Primary Industries (MPI) würde um halbdrei kommen.
Dachte ich es mir doch, eine verschwörung der food industrie, damit alle ihre lebensmittel wegwerfen müssen, um dann diese wieder teuer neu zu kaufen. Was habe ich während der flautezeiten alles im kopf durchgespielt und mich dabei in rage gedacht.

In der wartezeit bin ich zweimal den mast hoch, in der hoffnung dass sich das genuafall dort irgendwo verheddert hätte. Und wieder eine, die zuletzt gestorben ist. Beim zweiten mal habe ich das fall vom dingikran an die genua getüddelt und den bolzen samt splint mit tape entschärft.
Er entschuldigte sich um viertel nach drei für seine verspätung und brachte zwei große müllbeutel mit, na also. Meine drei kleinen müllbeutel lagen schon bereit, dann kam das thema frischware. Eine gekeimte zwiebel hatte ich aufbewahrt, er sollte ja auch was finden. Dabei entdeckte er noch eine verschrumpelte kartoffel, auch die kam in den sack. Die frage nach diesem und jenem, ich verneinte die anwort auf einen staubsauger, schließlich ist robbie ein nasssauger. Dann kam das thema reis und hülsenfrüchte, ich holte sie aus dem fach. Er schaute nach lebenszeichen und fand keine. Irgendwelche insekten an bord, ein nein und die geschichte der erfrorenen kakalaken in den tiefen breiten und auf den Falklands. Falkland, oho, solche segler gibt es nicht oft hier. Gewürze interessierten ihn nicht und die rote paprika entpupte sich als zeituhr aus plastik.
Das thema unterwasserbewuchs war keines, geringer bewuchs im vorbeigehen gesehen. Keine outdoorsachen an bord, fahrrad oder zelt, nee. Das war es, unterschrift, zettel und die tür durfte für kurze zeit offen bleiben, da ich zum marina office musste. Noch ein kurzes telefonat zum customs, wo meine einreisekarte sei und ende. Welcome to New Zealand.

Hallo, das war es: zwei personen, keine horrorstory, kein durchsuchen, keine vernichtung von guten lebensmitteln, keine drogenhunde oder personal, das eine abstecke erwartet.
Der wechsel in die neue box entwickelte sich mit wind fast wieder zu einem crash, den ich noch mit meinen füßen abbremsen konnte. Im office gab es gleich drei kopien der mehrwertsteuerbefreiung für mich, einen plan und eine kurze einweisung. Auch habe ich einen netzzugang für das interne marinawlan unter der hand erhalten, nicht üblich, meinte die dame.
Die frage nach dem supermarkt konnte durch einen anwesenden dauerbewohner auf seinem schiff gelöst werden, er wollte sowieso dort hin.
Für einen vollen einkaufswagen habe ich zweihundert Nzdollar bezahlt und meine mitfahrgelegenheit hat freundlich auf mich gewartet. Nett, diese leute hier, sehr viel besser als erwartet.

Bis jetzt haben die mich, und eine gastlandflagge ist auch schon gekauft und vernäht.

Nun habe ich ein kleines problem, meine kamera schaltet sich ein und gleich wieder aus, warum, ich weiß es nicht. Von heute auf morgen und kaputt. Somit wird dieser bericht ohne bilder aus kommen müssen, sorry.
Am Sa morgen habe ich die marina bezahlt, vier dollar für eine waschmaschinenladung und alles war sehr nett und freundlich, gorgeous. Der schmaus in dem restaurant in der marina gestern abend war gut, nur arg wenig und somit zu hochpreisig. Ein überschaubarer teller mit fisch und pommes frites, allerdings aus richtigen kartoffeln, nur viel zu wenig.
Der diesel aus den Marquesas ist umgefüllt, der wassertank ist vollgefüllt und auch die plastikflaschen. Alles läuft bis jetzt wieder nach plan und in vier tagen sollte ich am neuen ziel sein, in Kopu.

Der erste motortag endete in einer kleinen netten bucht nach acht stunden. Der wind war noch nicht einmal eine idee in der ersten hälfte. Im zweiten teil war dann die genua ausgerollt und half ein wenig. Die landschaft erinnert mich an südengland, grün und mit bäumen, dazwischen wiesen oder felder. Die häuser an der küste sind keine hütten, abwechslungsreich in der architektur. Leider habe ich noch keine backsteinhäuser gesehen. Das revier hier sieht sehr gut aus. Vorgelagerte inseln, die schützen, und viele weitere nahe der küste, sieht alles verdammt gut aus.

Auckland auf der ferne, blauer himmel, wolken über dem land und den inseln.

An zweiten tag verlief alles gut, bis zum ankern. Ich habe meine tripleine vom anker überfahren und mit der schraube zerlegt. Der rest wird wohl noch dranhängen, es läuft alles ein wenig unrund. Der anker wollte zuerst auch nicht raus, mit vorwärts und rückwärts war auch nichts zu machen. Ein seil unter dem schiff hindurch zu ziehen half auch nicht, bis ich dann mit speed gefahren bin, dabei ist wohl die leine zerrissen und der anker kam frei.
Bestes wetter immer noch, kein wind und flaches wasser. Die landschaft ist wunderschön und meine kamera funktioniert nicht, sehr sehr ärgerlich.

Am ende der reise diesen jahres ist der wurm drin, mit der ganzen familie. Gestern war das wetter so schön und ich habe mich in der sonne verbrannt. Dabei dachte ich doch, dass meine bräune reicht, war halt nicht.
Heute war wieder kein wind, nur einmal kurz und den wollte ich ausnutzen. Genua raus und zehn minuten gesegelt, dann war der wind wieder weg. Meine genua wollte sich aber nur halb einrollen lassen und dann war ende. Mit power auf der winch und das ergebnis war ein verbogener handlauf, an der die umlenkrolle befestigt ist. Also die genuaschoten ab und segel per hand um das vorstag geschlagen.
Mr Perkins qualmt auch an verschiedenen löchern, die ich noch nicht analysieren konnte. Das system mit kurbelgehäuseentlüftung, nassluftfilter und ansaugschläuchen ist mein favorit. Die ganze fahrt über ohne motorraumseitenwand habe ich es kontrolliert und den motor mit frischer luft versorgt.
Am ende des jahres kommt der bruch und das gewaltig. Ich habe es dennoch vor die slipanlage in Kopu geschafft, teilweise war es nur ein meter wasser unterm kiel. Dies ist kein richtiger ort, eher ein industrielles gewebegebiet, kein supermarkt vorhanden. Viel holz, viele schrotthändler, noch mehr reifenwerkstätten und logistiklager.

Raus aus dem wasser ging so bei fünfzehn knoten seitenwind und mit schwung in den slipwagen. Beim dritten anlauf war ich drin, das boot war einfach träge in der reaktion.
Die ursache war dann auch gleich zu sehen. Am anker waren noch fünf meter seil, die restlichen fünfzehn waren mit samt der flasche um den propeller gewickelt. Wie schön, dass das am letzten ankerplatz passierte. Tauchen wäre sehr kalt gewesen und die sicht mal wieder zu wenig. Der rest des rumpfes sieht einigermaßen aus.

Viel farbe habe ich danach weggestrahlt. Das war nicht ein einfacher kärcher, das teil hat mich fast umgehauen beim abspritzen. Die druckpumpe wurde von einem motor betrieben und der ist so groß wie Mr Perkins. Ein paar kratzer am rumpf, die anoden sind weg oder nur noch eine idee. Wieder ein paar tage mehrarbeit.

Zum frühsport bin ich mit dem spachtel ums unterwasserschiff herum. Die muscheln, die sich gestern noch dem hochdruckstrahl widersetzt hatten, sind als tote ein leichtes beim abschaben. Es sieht noch immer nicht schlimm aus, aber in Uruguay war es krasser, hundert kilo muscheln und eine menge an farbe. Den propeller werde ich erstmal selber mit hitze und hammer richten, halb so wild.
Wie viele stromsteckerkombinationen gib es auf der ganzen welt, hier ist wieder eine neue. Sie sieht ein wenig britisch aus, hat aber gedrehte pole. Ein fall für den schrotthändler, der auch meine batterien kauft. Ein schnipp am waschmaschinenkabel mit stecker und es ist meins, for free wie nett. Aus Montevideo habe ich aus dem baumarkt noch eine brauchbare kupplung, ein wenig krimpen und der landanschluss ist auch gelegt. Ein organisationstag, und es sieht so aus, als ob ich hier erstmal stehen bleiben werde, weihnachtsferien.
Dann war ich doch recht froh, als ich dem menschen vom MPI mitteilen konnte, dass das schiff insektfenfrei sei. War es vielleicht auch, nur gestern abend habe ich eine fünf zentimeter große schabe gesehen, zuerst im bad, dann später auf dem küchenboden. Falls ich glück habe, ist es nur eine, was unwahrscheinlich ist, und noch unwahrscheinlicher wäre sie noch männlich. Wie kommt die denn nun wieder ins schiff?

Zur zeit habe ich ein paar neue freunde gefunden. Zum einen den pensionär, dem dieses grundstück mal gehörte, bevor er es an kopu marine verkaufte. Er hat noch immer zwei container und davon einen halben als büro auf dem gelände. Ihm ist wohl langweilig, das englische ist da näher an der realität, von retirement zu tired.
Der andere ist in meinem alter, macht irgendwas im film und hat ein altes fünfundzwanzig-meter exmarine holzboot. Gebaut in den vierzigern, es gibt noch zwanzig von vierhundertsechzig von ihnen weltweit.
Das nächste, was ich spüre, sind die sehr hohen kosten für schiffe an land. Eine woche hier kostet soviel wie einen monat in deutschland. Ich brauche eine lösung dafür.

20181221 mastarbeiten

 

Da es jetzt ein wenig unspannend ist ohne fotos, gibt es die kurztextmeldungen:

Woche eins:

Di 18: aus dem wasser und den rumpf gesäubert

Mi 19: mit dem spachtel grob den rumpf abgekratzt, eine mitfahrgelegenheit und einkaufen gefahren

Do 20: tote batterien aus dem schiff gehieft und für neununddreißig dollar verkauft, motorraum entwässert, vorbeitungen

Fr 21: segel abgenommen, neues genuafall eingezogen, viermal auf den mast, am nachmittag gab es dann eine weihnachtsparty

Sa 22: segel gefaltet und schadensaufnahme, rumpf steuerbord mit der flex bearbeitet, im nächten hauptort Thames mit dem rad

So 23: rumpf backbord mit der flex bearbeitet, fast fertig und der regen fing an

Mo 24: regen total, material aus den ecken geholt, mein kontaktmann Jonas ist vorbei gekommen, einkaufen für die nächsten tage, simkarte gekauft und sie geht mit meinem handy nicht

Woche zwei:

Di 25: regen und wind waren in der nacht heftig, holz sammeln, in der trockenphase reste vom rumpf geflext und fast alle roststellen im überwasserbereich bearbeitet, am nachmittag wieder regen

Mi 26: sieht wieder nach regen aus, ab in den motorraum: wassersammler, schläuche, kardanwelle, überlauftank vom pumpensumpf, endkrümmer mit wasserkühlung, drucklager, impeller mit kleinem riss, alles raus, demontage;
krümmer hat starke korrosion, somit weiß ich, woher das viele salz und wasser gekommen sind, drucklager geöffnet und die braune pampe, ehemals fett, entfernt und neu bestückt

Do 27: drucklagermontage, bilgenpumpe neu verkabelt, gesäubert fixierung mit brett, unterm kiel muscheln abgeschabt, motorraumwäsche ist entschieden, neue simkarte des anderen providers und guthaben gekauft, segel dem Jonas mitgegeben

Fr 28: schon wieder mit der flex am rumpf zum letzen mal, grundierung 1, ankerrolle demontiert und achse ist fest

Sa 29: telefon ist noch immer tot, grundierung 2, motorraum arbeiten, chaos im schiff, anoden gesucht und nur die großen gefunden

So 30: grundierung 3, türrahmen geklebt, motorraumbilgenpumpe mit neuem schlauch versehen, flug mitte Februar bis April nach Europa gebucht

Mo 31: grundierung unterwasser 4, achse der ankerrolle ausgepresst und wieder gängig mit viel fett motiert, ankerkettentausch für kaltes wasser, roter rumpf etwas anschleifen

Schon zwei wochen bin ich hier in Kopu und nur leichte fortschritte. Meine farbreserven waren doch größer als gedacht, somit ist ein neukauf nicht unbedingt erforderlich, hurra. Dieses jahr ist vorbei und noch zweiundvierzig tage bis zum abflug.

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Der zwei knoten Pazifik

Schon wieder fange ich mit dem Samstag an, jedoch drei wochen später. Das, was ich hier auf Samoa machen wollte, ging nicht. Keine brauereibesichtigung und auch keine inselumsegelung. Zweiteres war nicht wichtig, aber ein permit für nur eine woche ist generell zu kurz.
Das schiff ist reisefertig, das letzte geld ist in frischware investiert. Nur der vom zoll krault sich mal wieder seine eier. Ich bin genervt, milde formuliert, denn er wollte gestern nachmittag um vier hier aufschlagen. Wie es aussieht, könnte er morgen früh um sieben kommen, diese unzuverlässigkeit mag ich gar nicht.
Dieses jahr ist ein besonderes für mich, ich bin halb rum. Gestartet bei ein wenig mehr als zehn grad östlich und nun bin ich bei hundertsiebzig west. Dazu kommt noch, dass es diesmal mehr als zehntausend seemeilen im jahr werden. Eine gewisse müdigkeit merke ich schon wieder, und wenn ich Neuseeland durch habe, wird wieder gas gegeben. Vielleicht stoppe ich kurz in Australien, muss aber nicht unbedingt sein. Im indischen ozean gibt es ein paar kleinere anhaltemöglichkeiten bis südafrika. Dann noch rechts abbiegen und wieder nach oben. Klingt einfach, mal sehen, wie es wird.

Am So morgen haben alle ihre papiere erhalten, nur ich nicht. Der typ vom Fr hat es wohl verschlampt. Die nacht endete schon um halb vier mit einem mückenangriff. Dann habe ich kaffee gekocht und einen bohneneintopf zubereitet. Mein hals ist echt dick, das nächste mal stehe ich gleich auf deren matte.
Damit ich nicht ganz blöd dastehe, war ich noch bei der polizei im hafen. Und dann auf dem rückweg fuhr mein dicker im wagen vor und reichte mir den zettel. Du hast mich wohl vergessen, meinte ich, und er wollte erst am nachmittag aufschlagen, da er mist im kopf hatte. Ich hatte bestimmt nicht fünfzehnuhr auf den zettel geschrieben.
Dann ging alles sehr schnell, achtuhrdreißig, leinen los und alles im vorhafen verstaut. Die zwei von der Gegenwind kamen auch mit und wir segelten eine zeit lang mit distanz in die gleiche richtung. Der wind wollte, aber nur zum anfang, dann holten sie mich ein, wahrscheinlich mit motor diese schummler. Meiner ging dann auch an bis nachmittags um vier. Dann endlich war ich südlich von Samoa mit fast dem richtigen kurs nach Neuseeland.

20181110 samoa letzter blick

 

20181110 samoa letzter blick

 

20181110 samoa letzter blick

 

So wie ich mir das gewünscht hatte, kurs nach süden und hoch am wind. Das kann das schiff alleine sehr gut, die windfahne verbessert das ganze noch. Erster tag und erste nacht sind meist anders. Ich hatte morgens um vier noch im hafen diesen eintopf gekocht, der war gut und lecker. Nur der motor lief sehr lange und das bedeutet hitze im schiff. Im eigenen saft hatte ich keine richtig erholsame nacht. Das radar meldete oft dicke regenwolken mit gewitter, die aber hinter mir auftauchten.
Am abend wollte ich mal so einen regenschauer ausnutzen, der langsam auf das schiff zukam. Shampoo und handtuch geholt, das müffelnde shirt ausgezogen und die warme dusche kam. Dann einseifen und shit, das wasser von oben wurde abgedreht. Abspülen war nur mit einem eimer seewasser möglich. Das muss besser beobachtet werden.

Der erste morgen war fast wolkenlos, wind um drei und das schiff fährt im mittel auch um drei. Dafür ist der kurs noch immer gut, ich muss nur vier meilen weiter nach links fahren, um auf die geplante route zu kommen. Im weiteren verlauf kommen viele inselchen rechts und stranden wäre blöd. Samoa ist nicht mehr in sicht und der plastikmüll im meer und leichtes treibgut haben abgenommen.

Der nächste morgen war noch angenehmer, der wind hatte zu meinen gunsten gedreht. Die route hatte ich schon gestern erreicht, heute morgen war ich zehn meilen zu weit. Nun ist aber der kurs fast halbwind und bei diesen windstärken mit einer schwachen drei komme ich immerhin langsam voran. Die wellen sind klein und bremsen nicht so sehr. Vor genau zwei tagen bin ich los und das resultat sind hundertachtzig meilen genau in die gewünschte richtung. Es soll bloß lange so weiter gehen, kontrolliert langsam und ohne umwege.

Mein fazit von Samoa in kurz, drei wochen waren mehr als genug. Es ist kein ort, um zu reparieren, wenn man es nicht selber kann. Die ersatzteile kann man in Neuseeland bestellen und das geht recht schnell. Dazu sollte man auch freundlich zum zoll sein, nach meinen erfahrungen ist das ein problem für mich. Ineffizienz ist hier hoch im kurs.
Die freundlichkeit der menschen ist ok, ich grüße, sie grüßen zurück, meistens. Die geschäfte werden auch hier sehr oft von chinesen betrieben, die inselbewohner sind personal oder konsumenten. Läden, in denen ich meinen rucksack am eingang abgeben soll, machen kein geschäft mit mir. Da ist alles drin, mein geld und oft auch der computer. Somit bleibt das teil auf dem rücken.
Auch viele schnellrestaurants werden von chinesen betrieben, gut essbar, jedoch für die preise auch keine gourmetware. Die insel stellt nicht viel her und export wird, wenn überhaupt, kleingeschrieben. Die kinder bekommen eine schmale ausbildung und werden dann ins ausland zum geldverdienen geschickt, einer muss da bleiben, um die eltern zu betreuen. Das geld wird dann für den konsum auf Samoa benutzt. Und das muss eine menge an devisen sein, am hafen kam alle zwei tage ein containerschiff an, brachte ware und nahm die leeren boxen wieder mit. Es gab nettere inseln auf der reise bisher.

Jede meiner touren ist anders, diese ist von anfang an ohne alkohol. Vom bier hatte ich auf Samoa genug getrunken und warm schmeckt es nicht. Der kühlschrank führt ein eigenleben und ist nicht berechenbar. Ab gestern nachmittag um drei wäre ein kaltes bier echt nett gewesen.
Ich hatte die segel geborgen, weil der wind sich wieder verabschiedet hatte. Dann war nur noch ein treiben wie ein korken in der badewanne möglich. Alle bewegungen im schiff sind dann äußerst kontrolliert zu machen, sehr große vorsicht beim kochen. Auch habe ich seit gestern eine messbare flaute. Wenn das schiff länger unter zwei knoten segelt und die segel flappen, dann ist es zeit aufzuhören, oder man könnte noch den motor anwerfen, um strom zu erzeugen. Ich bin seit gestern vier meilen zurück und drei meilen weiter westlich getrieben. Das ist so nicht in der wettervorhersage enthalten gewesen.
Nach dem kaffee sah es dann so aus, dass segeln wieder eine option ist. In drei meilen entfernung meine erste schiffssichtung und mit motorhilfe habe ich das tuch wieder hochgezogen. Danach ein wenig motort, um die batterien zu laden, denn es ist sehr wenig wind, zu wenig für die windsteuerrung. Deshalb kümmert sich nun der autopilot um den kurs. Um elf uhr hatte ich dann den südlichsten punkt von gestern erreicht. Mit drei knoten geht es in die richtige richtung voran. Wieviel wind weht, weiß ich nicht, gefühlte zehn knoten, die anzeige ist wieder einmal tot.
Dieser segelversuch hielt nur ein paar stunden an, dann drehte der wind um hundertachtzig grad. In der pause dazwischen nahm ich den motor und verkleinerte das vorsegel. Es sah nach einer zweiten chance zur dusche aus, es kamen aber nur wenige tropfen. Aber danach ging es weiter, doch nur für eine stunde, windstille. Am nachmittag dann noch ein hauch wind, genug für die genua und den autopiloten. Auch hier war dann bald schluss und ich rollte die genua wieder ein. Nur war das schothorn komisch tief, zu tief.
Das genuafall war gerissen und das segel war abgerutscht. Ein nicht gebrauchtes fall habe ich unten gelöst und bin in den mast hoch, bevor die genua abrauscht. Trotz der windstille gab es wellen und die amplitude an der mastspitze war so um drei meter zu jeder seite. Ohne gurt musste ich mich kräftigst festhalten. Die andere hand entknotete den restlichen strick und fädelte das neue fall ein. Auf die schnelle ging nur ein achterknoten und das restliche stück noch einmal durch eine schlaufe, einhand versteht sich. Durchnässt bin ich schnellstens wieder abgestiegen. Das neue fall ist leider nicht ganz oben im mastkopf und somit hängt die genua tiefer. Das ende ist jetzt auf der trommel und das muss bis NZ reichen. Mist, und ich hatte mir schon so etwas gedacht, als ich den neuen toggle montiert hatte, mit neuen längeren bolzen und mit einem neuen splint. Daran hat sich das genuafall wohl aufgescheuert, obwohl dort oben kaum bewegung sein sollte.
Dies wird die zweite nacht mit kaum fahrt, keinem radar und nur mit dem ankerlicht. Vielleicht bleibt es aber heute nacht trocken.

Heute ist Donnerstag und gestern war in der summe kein guter tag, viel bruch und kaum wind. Es hat in der nacht wieder geregnet, und wenn man teibt, regnet es ins schiff hinein. Dazu kommt, dass das schiff vom regen um vier bis zum morgen zehn meilen gemacht hatte, nach norden. Ich muss den speedalarm im gps wieder auf zwei meilen setzen, hatte daran gedacht, aber es nicht gemacht. Jetzt scheint der wind aber wieder da zu sein, der kaffee ist fertig und die segel sind gesetzt, kurs süd.
Die ersten beiden stunden sind nur dazu da, den streckenverlust wieder gut zu machen. Das schiff segelt wieder selbstständig hoch am wind, nicht der schnellste kurs, aber ohne hilfsmittel.
Dann stand ich gestern abend noch in der plicht und schaute den mast hinauf. Das war eine honkeraktion, dort ohne gurt hochzuklettern. Wenn ich schreibe drei meter, dann war das wenig. Sollte ich abstürzen, ist die wahrscheinlichkeit hoch, im meer zu landen. Nur: sechzehn meter sind ne menge, das schiff hatte kaum fahrt, und über die windsteueranlage hätte ich vielleicht wieder an bord klettern könnnen. Wenn die vielen wenns einträfen und ich ohne schäden sauber im wasser landen würde. Nicht noch einmal.

Gestern war ein anderer tag, der südpazifik ist noch immer freundlich zu mir. Nur es gab regen, richtigen regen für vier stunden. Genug um zu duschen, doch das hatte ich bereits indoors getan. Dazu kam ein guter wind um fünf und vor dem reffen ging es bis zu sieben knoten voran. Ich mag es aber nicht, wie ein seenotkreuzer durchs meer zu pflügen. Das schiff taucht zwar weich ein, die gischt spritz weit, doch das ist nicht materialschonend. Es sind noch zwölfhundert meilen bis nach Neuseeland, einen systembruch kann ich gerade nicht gebrauchen. Somit wurde die geschwindigkeit gedrosselt und ging es nur mit fünf bis sechs knoten auf dem richtigen kurs voran. Am abend hörte der regen auf und der sonnenuntergang war mal etwas anderes für mich.

20181115 sonnenuntergang

 

Es hätte auch durch die nacht so schön sein können, nur diese endete wieder um vier uhr mit einer fast flaute. Das schiff durfte sich dann den kurs selbst aussuchen und am morgen war es südwest geworden. Das groß habe ich heruntergeholt, der motor läuft wieder einmal für die batterien.
Meine gedanken drehen sich seit gestern um meine lebensmittel. Die in Neuseeland sind da ein wenig durchgeknallt. Strikte bestimmungen bei einreise, frisches geht gar nicht, vieles andere auch nicht. Meine hauptsorge sind die gewürze, der reis und die nudeln. Selbstgekochtes habe ich nicht, konserven gehen, hülsenfrüchte nicht. Also werde ich den größten teil vom reis, die nudeln und die gewürze im schiff vergraben. Die angst vor insekten halte ich für übertrieben, alles ist mindestens seit Chile oder Argentinien an bord. Wenn da etwas leben sollte, müsste es schon lange wach sein, ist aber nicht. Die jungs sind dienstboten der lebensmittelindustrie, aber warum sollte ich die lebensmittel entsorgen, um sie dann gleich wieder neu zu kaufen. Wenn es kontaminiert ist, ok. Aber nicht generell. Oder müssen kreuzfahrtschiffe ihre gesamten vorräte entsorgen? Ich glaube nicht.

Heute ist Sa und mein siebenter tag auf see. Die stimmung ist gut, die nacht war mittelmäßig. Ich habe in der achterkabine geschlafen, bei flaute und leichtem wellengang. Irgendwann habe ich zweimal schlaf gefunden, kein guter platz auf dem meer.
Am morgen war wieder etwas wind, nur aus der richtung, in die ich segeln will. Die etmale der letzten tage sind mies, im durchschnitt unter vierzig. Gestern ging es nur mit der genua voran, mit unterstützung vom autopiloten und ab mittag mit der windsteueranlage. Das ergebnis ist dreiundvierzig, eine meile weniger und ich wäre mistrauisch geworden.
Jetzt kann ich nur nach westen fahren oder nach südost. Das erstere kam in betracht, da ich noch dreißig meilen von der route entfernt bin. Außerdem habe ich den ersten wegepunkt schon passiert, die Vava’u inselgruppe. Es gibt keine detailkarte, und das, was ich sehe, sind inseln mit riffen und steinen. Ein gefährliches labyrinth ohne genaue information. Der nächste wegepunkt ist in der mitte von Tonga, noch zweihundert meilen weit weg.

Wenn es nicht so viele wenns geben würde, wäre ich schon weiter. Ich ziehe hier seit tagen einen eckigen kreis. Heute morgen bin ich zweiundvierzig seemeilen umsonst gesegelt oder getrieben. Das schiff hatte die gleiche höhe wie vorgestern nachmittag um fünf. Das nervt, das ist eine flaute mit unterbrechungen. Gerade scheint die sonne ohne wolken und es wird wieder heiß, wobei das wasser sich gefühlt abgekühlt hat. Seit tagen kann ich in diesem bereich des ozeans eine art staubschicht auf der oberfläche erkennen. Mal mehr, mal weniger und das wasser darunter ist fast klar.

20181118 schlieren

 

Vielleicht ist es auch wieder ein zufall, dass ich gäste in der nacht habe. Sie kommen im dunkeln und gehen am frühen morgen. Nur dass sie mir meine solarpanels vollscheißen, geht zu weit. Den passenden film habe ich gestern geglotzt, spiel mir das lied vom tod.
In einer intensiven tauschaktion habe ich über ein TB an filmen bekommen. Somit ist es hier recht gut zu ertragen, segeln wäre natürlich besser.

20181118 solarpannels

 

20181118 solarpannels

 

Auch ist die erste woche schon um, ging recht schnell. Die frischen vorräte sind überschaubar, der haltbare joghurt von Tahiti ist aufgebraucht, der kohl musste sehr früh gegessen werden und der rest riechender butter ist im meer gelandet. Die segelei fing gut an und endete in einer kreiselnden flaute. Vierhundert meilen habe ich zurückgelegt und bin nur dreihundert von Samoa entfernt. Immerhin habe ich den wendepunkt an den Vava’u inseln noch nicht wieder überschritten. Von den etwas über fünfzehnhundert meilen habe ich noch zwölfhundert vor mir. Wenn das so weiter geht, dauert es noch vier wochen, dabei sollten es nur drei werden.

woche 1

 

Der traum im traum, der kreis im kreis und gestern die flaute in der flaute. Es gab mal wieder einen richtigen sonnenuntergang, ohne wolken davor. Danach spiegelte sich der mond im flachen meer. Am nachmittag war das wasser noch ein wirlpool gewesen. Das spiegelnde wasser ist zum rasieren geeignet und die über bord geworfenen zwiebeln mit den robbenden bewohnern schwimmen nicht weg. Jetzt weiß ich vorher, wenn die vielen kleinen fliegen kommen. Ein weiterer versuch, etwas mit der angel zu fangen, entpuppte sich als farce. Der körder fällt senkrecht in die tiefe und in fünf metern konnte ich dann einen fischschwarm erkennen. Diese aus fast gleich großen fischen wie mein köder bestehende fischwolke umhüllte ihn, als wenn sie ihn beschützen wollten. Mal nach links oder rechts gezogen und sie kamen hinterher, blieben aber in der tiefe. Angelversuch mal wieder abgebrochen, vegetarisches linsencurry ist auch sehr lecker.
Heute morgen kam der wind von vor ein paar tagen zurück. Segel hoch und mit einer steigerung von über tausend prozent geht es mit drei knoten in richtung süden. Hoffentlich diesmal ein paar stunden länger.

20181118 flaute

 

20181118 flaute total

 

Gestern abend um sechs dachte ich schon wieder, es ist vorbei mit dem wind. Ein kräftiger regen setzte ein und das schiff dümpelte umher. Luken zu und abwarten, solange die segel nicht schlagen. Ich fühlte mich angeschossen, vielleicht weil ich mir gerade den film ‚Panzerschiff Graf Spee’ reingezogen hatte. Da war wieder eine filmische ungenauigkeit, offiziell hat sich das schiff drei meilen vor Montevideo versenkt. Ich war dort und es sind fünf. Die geschichte wird von den gewinnern erzählt, nicht von den verlierern. Somit wird eine alte lüge durch eine neue ersetzt.
Und dann entpuppte sich der regen als sqall, mein schiff legte sich für seine verhältnisse auf die seite. Filmunterbrechung, regenhose und regenjacke an und nach oben. Die genua war recht schnell eingerollt und das groß habe ich nur aufgemacht. Es war aber schon zu spät, denn der wind hörte auf. Der neue kurs war west und der wind hatte sich um hundertachtzig grad gedreht. Nach einer viertelstunde konnte ich die halse fahren, eine sehr lange zeit für so ein manöver. Der wind drehte immer mit und am ende ging es wieder auf dem alten kurs nach süden, nur waren die segel jetzt auf der backbordseite. Der autopilot sorgte für den kurs durch die nacht, und am morgen ging die sonne auf, als wenn nichts gewesen wäre. Wieder ging ein drei knoten tag und eine nacht zu ende. Wenigstens bin ich aus meinen kreisen herausgekommen und es gingen siebzig meilen auf das konto richtung Neuseeland.

Der sonnenaufgang fehlte heute am Mi und ich kam nicht so richtig hoch. Es ist diffus und es regnet noch dazu. Ich muss es nicht noch erwähnen, kein wind seit gestern abend um sieben. Nach dem bergen der segel gab es wieder einen schönen sonnenuntergang mit wolkenzeichnungen und leichtem regen davor. Da war ich noch im trockenen und hörte Tuesday Wonderland. Ein zufall von eins zu sieben, der aktuelle wochentag war mir entfallen. Seit drei tagen sehe ich kurz vor dem verschwinden der sonne große fische, vielleicht thunfische, die aus dem meer springen. Der kleinste von denen wäre eine viertägige mahlzeit für mich, nach zweien hätte ich die nase voll. Der von gestern abend war aber einen meter lang, eine ganze dorfmahlzeit.
Mal sehen, was dieser tag bringt, wenn das so weiter geht, bin ich erst weihnachten in Neuseeland.

Es ging wieder langsam voran, sehr langsam. Am abend habe ich das vorsegel verkleinert und in der nacht habe ich alle geborgen, kein wind. Währenddessen war ein besucher an bord und diesmal hatte er wohl einen leeren darmtrackt. Erstaunlicherweise blieb es so bis zum morgen.

20181121 besucher

 

20181121 besucher

 

Das tagesergebnis von gestern war nur fünfzig meilen, immer noch weniger als der durchschnitt, den ich kalkuliert hatte. Das segeln in diesem gebiet ist wie mit einem wägelchen auf dem golfplatz zu fahren. Das meer ist hier um acht kilometer tief und ich umsegele gerade die vielen löcher, die noch ein bis zwei kilometer tiefer sind. Es macht natürlich keinen unterschied in der schwimmfähigkeit des schiffes und ich kann auch nicht mehr stehen. Für mich ist es etwas besonderes und nicht so albern, wie das gps bei einer äquatorüberquerung zu fotographieren. Diese tiefen sind real, der nullte breitengrad hingegen eine fiktive künstliche größe.

Heute ist Fr, der dreizehnte tag auf dem weg nach Neuseeland. Das schiff durchpflügt immer noch den Tongagraben, der wind ist nicht gerade brauchbar und die südlichen inseln vom königreich kommen näher. Hier ist mein kleines problem. Ich segele so hoch am wind, wie es gerade noch geht, dabei fällt die genua oft zusammen, nicht schön. Wenn ich einen kurs unter zweihundertfünfzig grad fahre, komme ich an der insel Kalau vorbei. Entweder kommen die schlechten witze von hier oder aus einem ort in der zone, so nebenbei.
Der wind ist allerdings zu schwach und so läuft der motor mit, damit komme ich auf ein wenig unter zweihundertundvierzig grad. Mit einer gewissen abdrift sollte es reichen, ich habe noch fünfzig meilen zeit. Der gegenkurs ist irgendwo bei hundertundetwas, nicht gerade zielführend. Die nächsten stunden werden es zeigen.
Im meer gibt es ein anderes ereignis. Die letzten beiden tage war es recht klar und seit heute morgen schwimmen flocken auf und im wasser, so tief ich sehen kann. Meine vermutung ist, dass hier ein unterwasservulkan gehustet hat und zwar mit auswurf. Gestern hatte ich die idee von schwefel in der nase und es würde auch zu der verschmutzung passen. Nur nicht darüber fahren, wenn die gasblase hochkommt.

Gleicher tag, aber schon mittags, der wind hat nicht zugelegt und er hat auch nicht wie gestern gedreht. Ohne wind und nur mit motor muss nicht sein. Daher der neue gegenkurs mit hundertzwanzig grad, um wieder zur route zurückzukehren. Sollte in elf meilen kein brauchbarer wind kommen, gehen die segel wieder runter und ich habe wieder genügend seeraum.

Nachdem ich gestern die route passiert hatte, ging der motor aus und es war noch für fünf meilen wind im system. Dann segel runter und zusehen, wie das schiff wieder rückwärts trieb. Das wasser war noch immer mit den schwebenden teilchen vermischt und heute morgen war dann die oberfläche zusätzlich noch mit dem staub bedeckt. In der nacht bin ich wieder über die route hinaus zurückgedriftet und am morgen dann wieder die totale flaute, flaches spiegelndes wasser. Irgendwie habe ich das gefühl, hier festzusitzen. Heute ist der vierzehnte tag und das ziel sollte zwei drittel des weges sein, davon habe ich nur die hälfte geschafft. Den kühlschrank habe ich gestern mit den letzten wackeligen möhren abgeschaltet, die restlichen äpfel schaffen es auch so.

Heute ist der fünfzehnte tag und gestern abend kam dann nach über dreißig stunden totaler flaute endlich ein wind, abends um sieben. Vorsichtshalber habe ich nur die genua benutzt, um sie schneller reffen zu können. Der kräftige wind brachte es in böen sogar auf knapp zweistellig. So ging es also mit bis zu zwei knoten in die nacht hinein, es war somit nicht der sonnenuntergangswind, den ich schon ein paar mal zu besuch hatte. Zweidrittel der strecke von gestern war das schiff wieder zurückgetrieben.

w2 flaute

 

Die rauschefahrt endete morgens um vier und die bekannte windsituation kehrte wieder ein. Bis zum morgen war ich zwanzig meilen weiter südlich, näher zum ziel.
Der oberflächendreck schwimmt noch immer und auch die schwebende schicht darunter. Meine neue vermutung ist gewagt: nichts bewegt sich im meer und die kleinen teilchen sind gleichmässig verteilt. Das gebiet ist so etwas um zwanzig mal dreißig meilen groß und geschätzte zwei meter dick vielleicht aber noch stärker. Vielleicht haben sich ein paar millionen fische zum gruppensex verabredet und haben in diesen gebiet gemeinsam gelaicht. Ich würde allerdings fressfeinde in der schicht erwarten, konnte aber noch keine ausmachen. Und nach vier tagen hätte ich auch schon etwas leben in der brühe erwartet.

Zwischenbilanz: In der zweiten woche dominierte der sich verweigernde wind. Die strömung im seegebiet hat das schiff in alle richtungen geschoben. Von den zweihundertsiebzig meilen waren nur hundertneunzig zielführend. Viel zu wenig für den plan, geht er nicht auf, muss ein neuer her. Wieder habe ich kreise gezogen, und der versuch, südlich an Tonga vorbeizusegeln, scheiterte am wind. Vielleicht auch gut so, weitere hundert meilen südlich ist auch noch ein wenig inselreich mit strandungsmöglichkeiten. Noch sind es knapp über tausend meilen bis nach Neuseeland und eine woche habe ich schon verloren. Wenn das so weiter geht, kann ich meine gut verstauten lebensmittel bis zur ankunft alle aufessen. Das separate trinkwasser ist schon aufgebraucht, der separate plastikkanister mit leichtem eigengeschmack ist schon umgefüllt.

woche 2

 

Am So gab es dann ein wenig abwechslung, eine schiffssichtung in einer meile entfernung. Optisch könnte es ein trawlwer gewesen sein, mit einem ausleger nach links und rechts. Ich hatte den motor an und war in richtung süden getuckert.
Die schlieren auf dem wasser hatten sich stellenweise konzentriert und es könnte auch von den abgestorbenen pflanzen stammen, die ich hier im pazifik häufig gesehen habe. Die sicht unter der oberfläche war auch nicht mehr gleichverteilt, ende dieser beobachtung.

20181124 schlieren

 

Dafür kam ein weiterer besucher während der flaute zum schiff. Unter dem rumpf hatten sich viele kleine fische zurückgezogen, eine leckere imbisbude. Auf meinen versuch, den räuber mit der angel zu fangen, reagierte er mit neugier, lachte mich sicherlich dabei aus, auf seine art. Und falls ich ihn gefangen hätte, so wäre er wohl wieder über bord gegangen. Was soll sich mit einer goldmakrele in der länge von über einen meter anfangen. Wenn ich gut esse, schaffe ich in drei tagen eine hälfte und der rest geht über bord, das muss nicht sein.

20181124 raeuber

 

20181124 raeuber und beute

 

Ab mittag war dann wind, der ausreichend für ein ausgestelltes groß war, zwei knoten fahrt. Mehr ist nicht drin und das bis kurz vorm sonnenuntergang, der diesmal wieder sehr schön war. Treibend mit der ankerlaterne auf dem mast ging es in die nacht hinein.

20181125 sonnenuntergang rot

 

Es ist Di, der siebzehnte tag auf dem meer. Zur zeit ist mal wieder etwas besonderes, seit einer woche das erste mal, dass einen tag lang durchgesegelt wurde. Nicht gerade schnell, aber kleinvieh macht bekanntermaßen auch mist und hier ein paar meilen. Ich versuche, auf der geplanten route zu bleiben, und so korrigiere ich alle paar stunden den kurs nach links oder rechts.
Wenn es mal gut läuft, dann ist man nicht immer zufrieden, auch in diesen fall nicht. In den vergangenen wochen habe ich eine liste der schlimmsten windrichtungen erstellt und achterlicher, rückenwind oder downwind haben den platz nummer eins. Ich segele das ganze mit einem weit ausgestellten großsegel und ein wenig von der genua. Größer geht nicht, sonst fällt sie ein. Das segelsystem ist nicht ausbalanciert und somit kann ich die windsteueranlage nicht nutzen, sie kann es nicht. Somit läuft auch seit einem tag der autopilot und der macht seinen job sehr gut. Der nötige strom wird gerade durch den motor erzeugt. Gefällt mir nicht, aber es ist die beste lösung für diesen wind.
Die gute nachricht ist, dass gestern nachmittag die entfernung nach Neuseeland unter tausend meilen gefallen ist. Zum herunterzählen ist es noch zu früh, denn die harte zeit kommt noch. Gleich werde ich den letzten apfel essen und die restlichen kartoffeln wohl über bord werfen. Samoa ist kein ort, um sich gut mit lebensmitteln zu versorgen, sie gehen damit schlecht um. Die qualität ist mies, und produkte, die sonst lange haltbar sind, verrotten hier sehr schnell. Die ursache kann nicht nur die temperatur sein, druckstellen vom werfen oder stapeln sind nicht förderlich für die haltbarkeit.

Einen tag weiter, ein Mi. Den ganzen letzten tag und auch die nacht hindurch musste der autopilot arbeiten. Das ergebnis ist ein langer gerader track und kein zickzackkurs. Wobei sich schon nachts um zwei die neue situation andeutete, wind. Da ging es noch mit fünf knoten voran, heute morgen gab es mehrfach speedalarm bei siebeneinhalb knoten. Also mal zeit zu reffen, ich habe mal die segel zur windsteuerung eingestellt und es geht einigermaßen. Mit über fünf knoten geht es voran, und wenn das so bleibt, komme ich noch bei tageslicht unter die achthundert meilen marke.

Donnerstag, neunundzwanzigster november, und der wind weht noch immer. Die marke habe ich gestern tatsächlich erreicht. Genau dort aber gab es eine wolkenwalze. Diesmal war dieses gebilde sehr dunkel und ungefähr vier meilen breit. Die enden berührten das wasser und ich bin in der mitte hindurch gefahren, wie ein regenbogen das ganze, nur aus wolken. Ich konnte schon den heftigen regen links und rechts sehen und bereitete mich auf’s nass vor. Die paar tropfen waren am ende nicht so schlimm, durch den großen bogen hindurch konnte ich schon den blauen himmel sehen. Das ganze spielt sich an der grenze zu unterschiedlichen wettersystemen ab und dahinter hatte der wind eine andere richtung. Von raumschots auf amwind kurs, aber es ging noch auf der route voran. Die windsteueranlage habe ich neu justiert und die guten fünf knoten stellten sich wieder ein.
Aber gleichzeitig wusste ich auch, dass es so nicht bleiben würde, der wind drehte sich gegen die uhrzeigerrichtung. In der nacht wurde daraus schon hoch am wind und jetzt am morgen geht nur noch ein südlicher kurs. Dafür war gestern das beste etmal seit Samoa, über hundert meilen. Wenn das immer so gewesen wäre, dann hätte die reise zwei wochen gedauert und ich wäre schon lange dort. Jetzt hoffe ich nur auf eine rasche weiterdrehung, damit ich an der rückseite auf der route segeln kann.

Am ende drehte der wind gestern nur ein wenig, aber der plan ist halb gelungen. Der kurs richtung süden wurde immer mehr durch eine ostrichtung verwässert und bei südost konnte ich auf den gegenkurs gehen. Der war zunächst nur west und reicherte sich bis zum morgen mit süd an. Am morgen hörte er aber auch auf zu wehen und nun treibe ich nach nordwest.
Ich habe aber die magische siebenhundertfünfzig seemeilen distanz unterschritten und nun muss ich nur noch die zweite hälfte bis zum ziel abarbeiten.
Außerdem gibt es heute zwei ereignisse, der kaffee ist aus und ich habe mir ein badeverbot auferlegt. Es war eine schleichende abkühlung, zuerst hatte ich die jogginghose nur in der nacht an, dann auch am tag. Das gleiche mit dem warmen fleeceshirt und das meerwasser zum abspülen der kaffeekanne war auf einmal sehr kalt, zu kalt für mich als warmduscher.

Ein neuer monat beginnt, der alte brachte elfhundert meilen, das hätten mehr sein sollen. Das scheinheilige fest nähert sich unaufhörlich und diese zeit vermisse ich nun gar nicht. Das musikgedudel und die ekelige deko musste ich schon vor vier wochen auf Samoa ertragen, bei dreißig grad. So gesehen wäre es gut, später anzukommen, essen ist noch genug an bord, außer frischware.
Der zwei knoten pazifik hat wieder zugeschlagen. Wenn ich die stunden mit den zurückgelegten meilen kombiniere, komme ich schon wieder auf zwei. Gestern abend hatte ich wieder die segel heruntergezogen und die nacht treibend verbracht. Das gute diesmal ist, dass ich ein paar meilen plus gemacht habe. Im normalfall wäre ich für die restliche distanz von unter siebenhundert meilen in sechs tagen am ziel. Ich weiß aber schon jetzt, dass es mehr sein werden.

Die dritte woche ist zu ende und was für eine. Ich hatte nur an drei tagen brauchbaren wind und in der wochenmitte habe ich mal die hundertmeilenmarke in vierundzwanzig stunden geknackt. Viel zu wenig auf das ganze gesehen. Die angestrebte route habe ich nun grün gefärbt und daran ging es meistens entlang. Das Minervariff ist hundertsechzig meilen von der route entfernt. Und so langsam treffen sich die beiden pläne, westlich oder östlich an Tonga vorbei zu segeln. Netto waren es dreihundertneunzig meilen, der umweg war nur vierzig. Die vorräte gehen langsam zu ende, das frischwasser ist unter zehn liter gesunken, dafür ist der wassertank noch zu zweidrittel gefüllt. Panik kommt nicht auf, die langeweile wird durch viel filmtrash gedämpft.

woche 3

 

Die letzten sechsunddreißig stunden waren mal wieder anders, als das erste stück des weges. Es fing vorgesternabend um sieben an. Den ganzen tag lang lief der autopilot, damit das schiff wenigstens zwei knoten machen konnte. Und dann nach dem essen lief es sogar drei, achterlicher wind, und dieser war zunehmend, hurra.
Am späten abend waren es schon fünf knoten und in der nacht musste ich mehrfach den speedalarm erhöhen. Morgens um vier ging es teilweise mit alarm und siebeneinhalb knoten in die richtige richtung voran. Mit der aufgehenden sonne nahm der wind wieder ab und abends um sieben habe ich die segel geborgen. Und in der ganzen zeit hat es geregnet, von hinten, luke dicht.
Doch abends um neun kam wieder ein leichter wind und die genua zog das schiff hoch am wind allein. Jetzt ist der dritte Dezember mittags und es sind noch fünfhundert meilen, das letzte drittel ist ein klacks, hoffentlich. Doch diese schnelle fahrt hatte auch wieder ihren preis, die nächste segellatte hat sich durch die mastführung gebohrt. Der wind war doch sehr kräftig.

Der fünfte Dezember ist erstmal das ende von zwei guten tagen. Vorgestern war ein drei knoten tag und gestern ein vier bis sieben plus tag, beide mit blauem sonnigen himmel. In der nacht gab es den vollen sternenhimmel ohne mond und ohne venus, aber leider mit einer dunstschicht davor. Gestern abend habe ich dann das erste flugzeug hoch am himmel gesehen, kurs Wellington. So weit war alles gut, nur heute morgen hat der wind wieder nachgelassen und der kurs geht nur nach südost. Dabei war ich schon fast wieder an meiner route. Der trost ist, dass es nur noch unter dreihundertfünfzig meilen sind, wenn keine weiteren umwege entstehen, was nicht wahrscheinlich ist.

In meinen schuhen steckten heute nur die gebrauchten socken aus Samoa, an die lüge des nikolauses glaube ich schon seit fünfzig jahren nicht mehr. Lüge und glauben, eine interessante verknüpfung. Ist doch bald wieder die wintersonnenwende. Das ereignis, um das dort herum eine story gestrickt wurde. Diese macht eine ganze industrie sehr reich. Die kinder werden belogen und die erwachsenen erhalten diese lüge, wider besseren wissens. Damit habe ich ein problem.
Gestern gab es noch bis zum nachmittag wind, mein versuch, noch auf den gegenkurs nach west zu gehen gelang. Für eine viertelstunde schien es zu funktionieren, dann war schicht in der windproduktion. Bis zum morgen bin ich sechzehn meilen nach osten getrieben. Die planung für diesen trip war ein wenig schlampig, ich hatte vergessen, mir die strömungen in diesem teil des ozeans zu besorgen.
Jetzt am morgen der leeren schuhe geht es mit mäßigem wind wieder zurück und nach süden. Bei drei knoten hoch am wind dauert es noch einhundertundelf stunden bis zum ziel. Das einzige, was ich auf dem wasser sehe, sind vereinzelte quallen.

Heute ist der siebte Dezember und ich segele so gut es geht nach genau westen, weil der tag und weg gestern wenig optimal waren. Es fing gut an und der wind drehte sich mal wieder. Das ergebnis war eine schöne langgezogene kurve mit dem endkurs südost.
Heute morgen gab es gleich nach dem wachwerden frühsport. Zwei halsen, die erste für den gegenkurs, der dann nach nord ging und die zweite wieder zurück auf ostsüdsost. Da war der wurm im system und ich habe eine stunde abgewartet, bis der wind kräftiger wurde. Dann gab es die vorerst letzte halse und der kurs geht in richtung route zurück. Das sind schon wieder neunzig meilen geworden. Vielleicht gibt es heute noch eine weitere winddrehung.
Auch muss ich mir eingestehen, dass ich die barfußroute verlasse. Gestern habe ich mir ein zusätzliches sweatshirt gegönnt, bin aber noch immer ohne fußbekleidung. Das wird sich aber in den nächsten tagen auch ändern. Und ich vermisse die schwüle schweißtreibende hitze von Samoa keineswegs. Aber die letzten dreihundert meilen werden wohl anstrengend werden.

Die winddrehung am vergangenen tag dauerte nur ein paar stunden, dann stoppte der richtungswechsel und der wind nahm zu. Bei mitte zwanzig knoten musste die genua kleiner werden und es ging gut voran. Das war wieder hoch am wind und diesmal war der autopilot aktiv, so dass das schiff ständig fahrt machte. Die sonne schien, leichte bewölkung, ein schöner reisetag und so ging es auch in die nacht hinein. Jetzt am vormittag hält die brise an, der motor muss noch für die stromverprassung der nacht sorgen und dann geht es an die letzten zweihundert meilen.

Samstag war der siebente tag der vierten woche und ich habe wieder etwas gelernt. Als ich noch kleiner junge war, gab es im radio sehr oft den seewetterbericht vom deutschen wetterdienst. Schön mit spitzer zunge gesprochen, für mich oft unverständliche meldungen, wie zum beispiel „ wind aus nordost, später rückdrehend“. Gestern habe ich nun erlebt, wie das im wahren leben so ist. Zuerst ging es richtung ziel und langsam änderte sich der kurs auf die route zurück. Ich fuhr solange es ging und in der nacht gab es eine kurze windunterbrechung.
Das ruder war ein ganz klein wenig in den wind gestellt und so machte das schiff kurz vor der route eine wende. Wenn ich es will, tut es das nicht. Ab zwei uhr fahre ich nun wieder richtung südost. Immerhin bin ich siebzig meilen netto näher zum ziel gekommen.

Somit bin ich in der vierten woche, die erfreulich war, und die erste, die nicht eingeplant war. Ich habe fünfhundertundachtzig meilen gesegelt und nur achtzig davon waren davon umsonst. Die ersten tage war der wind genau aus der richtigen richtung. Die strecke verlief entlang der route und weit weg von den Kermadec Islands mit den roten fahnen, die schon zu Neuseeland gehören.

woche 4 teil 1

 

Die zweite hälfte war abwechslungsreich in bezug auf die windrichtung. Mal von links oder rechts, und ich versuchte das beste daraus zu machen. Am ende war ich fast wieder auf dem geplanten weg. Die temperaturen sanken fortdauernd mit dem ergebnis, dass ich wieder socken um die füße habe. Und das beste, die stimmung ist gut bis besser.

woche 4 teil 2

 

Die arbeitswoche hat wieder angefangen, heute ist der zehnte und die entfernung zur ansteuerungstonne ist nur noch zweistellig. Das verfahren heute ist das gleiche wie gestern, kreuzen. Ich habe vier halsen gefahren, viele meilen umsonst und bin nur fünfunddreißig meilen näher heran gekommen. Der wind kommt aus der richtung, wo ich hin will. Zur zeit bin auf dem weg zurück zur route, wobei ich neue option habe, Opua in the bay of islands. Das ist gerade auch der noch kürzere weg. Das schiff fährt mit ein wenig zu viel tuch, aber sonst kann es den kurs nicht halten und der ist nur dieses verdammte südost. Die alternative wäre west. Alles ist kein rechter spaß und, wenn das so weiter geht, bin ich morgen auch noch nicht an land.

Diese art von reisen geht mir jetzt schon auf den senkel, man nennt es ‘aktives segeln’. Ich habe schon wieder vier halsen gefahren und das ergebnis vom vorherigen tag waren dreißig zu achtzig meilen. Somit werden die letzten hundert seemeilen zu einer nervtour.
Der kräftige wind mit zweimeterwellen, der schon wieder eine ankerboje auf den gewissen hat, ist abgeflaut. Da das meer nun wieder flacher ist, bin ich genau so schnell, leider auch in die gleiche richtung nach westen.
Meine neue idee ist, dass die orientierung nun die kürzeste strecke zu Whangarei ist. An dieser südkurslinie werde ich mich zur küste arbeiten. Wenn der wind so bleibt, muss ich an meine versteckten lebensmittel ran und wasser aus dem haupttank trinken. Jetzt am morgen sind es noch siebzig meilen und der wind kommt aus süd, mist.

Mittwoch, zwölfter Dezember und noch immer sind es fünfundsechzig meilen. Gestern ging es noch ein wenig nach westen, dann drehte der windhauch und ein südkurs war möglich, für zehn minuten. Vom wind blieb der hauch übrig und ich habe mal wieder die segel geborgen. Eine erste schiffssichtung eines stückgutfrachters am vormittag und der rest des tages war die totale flaute. Insgesamt bin ich dreiundzwanzig meilen weit hin und her getrieben. Zum glück sind es keine größeren verluste an strecke. Am abend versammelten sich noch ein paar dutzend seevögel hinterm schiff und konnten ruhig hinterher schwimmen.
Die zeit habe ich für eine gefahrlose dusche genutzt und ein wenig fürs putzen. Der zweiknotenpazifik ist zurück, wenigtens geht es nach süden. Wie lange noch, die gewitterfront, auf die ich zufahre, entfernt sich. Somit wird es wohl noch zwei tage brauchen, um ein bier zu trinken. Es wird anstrengend werden, der schiffsverkehr wird zunehmen und der schlaf ist nicht mehr gesichert, wie letzte nacht treibend mit dem ankerlicht.

Der letzte tag in kurzfassung: neun uhr leichter wind, zehn uhr segelbar, aber nur mit autopilot, vierzehn uhr land in sicht und ein kleines nickerchen, sechzehn uhr das meerwasser wird grün, neuer plan für die nacht: zum ziel segeln, hochwasser am ziel um mitternacht, neunzehn uhr großsegel geborgen und wollmütze aufgesetzt, zwanzig uhr windabfall und drehung, neuer kurs um einundzwanzig uhr, zweiundzwanzig uhr motor läuft, dreiundzwanzig uhr genua eingerollt, null uhr geschwindigkeit mit der sonne abgleichen, ein uhr zwei schiffe gesichtet, vier uhr dreißig sonnenaufganganfang, niedrigwasser um fünf, sechs uhr dreißig in der marina angelegt.

woche 5

 

Ich bin in Whangarei angekommen, ein wenig später, als der plan es vorsah. Dabei habe ich siebenhundertneunzig stunden oder fast dreiunddreißig tage gebraucht, für mal kurz nach Neuseeland eine stolze zeit. Die gesamten erfahrungen zuvor, dass im durchschnitt siebzig gute meilen pro tag die norm ist, gilt hier auf dieser strecke nicht. Noch nie hatte ich so viele flautentage und so wenig wind. Fast zweitausend meilen bin ich gesegelt und ein viertel davon waren umsonst. Somit ergibt es einen durchschnitt von zweieinhalb meilen pro stunde oder sechzig schlechte meilen am tag.

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Samoa, Apia

Samstag, der zwanzigste Oktober: der tag, den es für mich nicht gab. Hier ist schon Sonntag der einundzwanzigste, ich bin ein opfer der datumsgrenze. Die hafenbehörde war auch schon da, ein formular, morgen mehr.

Am nächsten morgen kam ein mitarbeiter mit dem boot vorbei, ich solle mein funkgerät einschalten. Entweder die offiziellen mit dem dingi abholen oder mit dem schiff in die marina fahren. Also anker auf und los. Zwischendurch hat mich dann noch einmal die port control gerufen, ich solle mich beeilen.

Der erste tag war mit bordbesuchen fast ganz ausgefüllt. Gesundheitsbehörde, kurzer auftritt mit dem zoll zusammen. Der meinte, er wäre könig und dürfe alles. Höhepunkt war, dass er einen blick in meinen computer werfen wolle. Ob ich filme hätte, nur meine haben ihn nicht interessiert, und die bilder von Bora Bora fand er nett. Nebenbei immer wieder nachfragen, ob ich denn wirklich keine drogen an bord habe und wie viele dollar ich dabei habe. Wieso jetzt fünfhundert, im formular sind nur vierhundert angegeben. Es interessiere mich halt nicht so sehr.

Aber oben im schiff warten, nicht dass ich noch etwas verstecke. Und meinen grund nennen, warum ich hierher gereist sei, von Bora nach Samoa ist es ein weiter weg. Der typ hat mich genervt und weit sei es nicht, von Kap Hoorn zu den Marquesas – doch, das ist weit erklärte ich ihm. Und dass ich hier sei, um die brauerei zu besichtigen. Er wurde noch misstrauischer, ich wusste den namen des bieres nicht und es gibt ja zwei brauereien hier.

Dann kam auch schon nummer drei mit einem riesigen schwarzen drogenhund. Runter die treppe ins schiff kam er, hoch musste das tier gehievt werden. Ich dachte, das war es jetzt, nee noch nicht. Ich hatte keine waffen angegeben und er griff nach meiner machete und meinte, es sei eine waffe. Nix da, das ist ein werkzeug, um kokosnüsse zu öffnen. Man könnte damit aber auch jemanden verletzen. Da griff ich in meine besteckschublade, ergriff eine gabel und sagte ihm, dass ich damit auch jemanden umbringen kann, also was diese diskussion solle.

Gefühlte drei stunden durchsuchten sie mein schiff, inzwischen war nummer vier auch an bord, ein riesiger junger dicker. Der zollmensch vorne im schiff, der dicke in der achterkabine und der hundeführer in der mitte. Fotos durften keine gemacht werden. Ich mal hier, mal dort, dies und jenes öffnen. Bodenbretter hoch, motorraumwände ab und sogar das aufbewahrungsrohr für die watermakermembrane musste geöffnet werden.

Zwischendrin meinte der vom zoll, dass es sehr siffig sei und dass er das schiff mit der großen giftspritze ausräuchern wolle. Zum einen habe ich kein getier an bord, der siff kommt vom ofen, ausräuchern hilft da auch nicht und das läuft auch nicht. Er meinte ja, ich nein, und wenn er darauf bestehe fahre ich weiter, dieser kleine machtwichser im wickelrock. Am ende kein gift, ein dankeschön für meine mitarbeit und welcome to Samoa.

Dann habe ich wieder abgelegt und zurück zum ankerplatz. Die marina kostet zwanzig dollar am tag inklusive wasser, strom geht extra und es gibt kein wifi, die sanitären anlagen sind außerhalb. Für meine idee zu teuer, für sehr wenig gegenleistung.

 

Nächste aktion war die immigration, das große gebäude hinter dem schlepper. Auf dem weg war die touristeninformation, also noch ein paar dollars wechseln, bevor die niemand mehr haben will. Der verwaltungsakt ging für hiesige verhältnisse recht schnell und am ende gab es einen stempel in den pass. Auf dem rückweg noch einen ersten eindruck von Apia gewinnen, eine ergebnislose suche nach einem freien wifi und ein wenig einkaufen. Alle drei sorten bier von Vailima habe ich erstanden und erschöpft die bierprobe auf dem schiff begonnen.

Am abend kam noch kurz einer vom schlepper vorbei, ob ich es gut überstanden hätte. Wenn man diesen menschen etwas zu essen anbietet und etwas zu trinken, gehe alles ganz schnell. Und mein funkgerät sei nicht in ordnung, ich bin nicht gut zu verstehen, ein nebengeräusch ist immer dabei. Eine weitere baustelle in Neuseeland.

20181022 apia hafen

 

20181022 apia yachthafen

 

20181022 schlepper im hafen

 

20181022 wasserfront apia

 

20181022 wasserfront apia

 

Der tägliche kampf mit meinem außenborder bringt mich immer mehr in rage. Wüste beschimpfungen und androhung von verschrottung gehen mir leicht über die zunge, dieses miststück will oft nicht. Durch das viele anreißen des starterzuges habe ich schon eine offene wunde am zeigefinger. Da muss mal ein profi ran, der diese drecksteile kennt.

Ich dachte heute am Mi wäre ein guter tag, um die brauerei zu besuchen. Das taxi vor der tür kostet fünfzehn tala oder fünf euro. Der preis ist ok, die strecke über fünf kilometer weit. Nur weiß ich nicht, wie die taxifahrer hier überleben können. Es gibt etwas um vierhundert droschken in Apia und der taxifahrer verdient nur hundert tala am tag. Unklar, wie geht das, denn sprit kostet auch hier etwas.

Die pförtner sind freundlich und schicken mich zum offiziellen eingang von Vailima. Die frau an der rezeption spricht ein gutes englisch und telefoniert mit mehreren personen. Jedoch gibt es keine führung für mich vor Januar, es ist gerade hochbetrieb. Einmal halb um die welt und die haben keine zeit, schon blöd. Andererseits war es auch kein brauereibetrieb, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Vielleicht war er mal in der stadt, nun modern groß und außerhalb. Die bierprobe findet also wieder an bord statt. Das lager ist ok, das exportbier fällt durch und das pure ist das beste von den dreien. Der mitbewerber gefällt mir aufgrund eines basisgeschmacks nicht so sehr.

20181023 brauerrei eingang

 

Der rückweg war aufregender, mit dem öffentlichen bussystem für einen zehntel des taxipreises. Diese umgebauten toyota lkws nutzen nur das chassi, den fensterrahmen und der aufbau ist aus holz. Ich saß hinter dem fahrer, der tachometer war nicht in betrieb, und so konnte ich nicht die vielen tausend kilometer ablesen, die der bus vermutlich schon auf dem buckel hat. Die fenster sind alle offen und die laute musik vom fahrer nervt, ist wohl aber üblich. Ich bin am hauptmarkt ausgestiegen habe ein paar mangos und eine kokosnuss gekauft.

20181023 apia fruchtmarkt

 

20181023 apia fruchtmarkt

 

20181023 bus

 

20181023 bus

 

20181023 bus innen

 

20181023 bus innen

 

Am Fr habe das permit beantragt, damit ich hier segeln kann. Sa ist nicht offen, also um vier uhr noch einmal ins gebäude gelaufen. Morgens war ich auf dem fischmarkt gewesen, mit wedeln und fächern werden die fliegen vertrieben, der geruch ist nicht gerade nett, fische liegen nicht auf eis und sind nicht ausgenommen. Dafür habe ich fish and chips für zehn tala gekauft. Und den lagerbestand an mützen aufgefüllt. Internetcafe kostet zehn tala die stunde, das hotel bekommt zwölf für ein bier, mit klimaanlage und bequemen sesseln. Noch ein wenig einkaufen und zurück zum schiff. Es ist sehr heiß hier, zu heiß.

20181026 apia frischmarkt

 

20181023 apia kolonial

 

20181023 apia uhrturm

 

20181023 offene haeuser vor den haeusern

 

Elf seemeilen habe ich am ersten tag motort, in die erste bucht und vor anker. Es ist immer noch heiß, der schweiß läuft mir nur noch herunter und ich sitze die ganze zeit im nassen shirt. Etwas ist neu, es ist das erste mal, dass ich das mittlere fenster der sprayhood geöffnet habe. Entweder ich werde alt oder dieses wetter hier killt mich. Jetzt gibt es einen windhauch von vorn und das ist nun die klimaanlage für arme.

Es gibt hier noch ein anderes problemchen für mich. Eine stunde, nachdem ich den anker in der bucht habe fallen gelassen, kam auch schon die polizei vorbei. Zwei arbeitende beamte am So im rock und paddelnder weise in einem traditionellen einbaum mit ausleger, das ganze in pink. Papiere, ausweis und das permit für die fünfzig tala wollten sie sehen. Dank meiner lernkurve vom ersten überfall habe ich ihnen wasser angeboten und sie nahmen es dankend an.

Nur habe ich so ein stasigefühl, sie wussten woher ich kam, wohin ich weitersegeln werde. Ich habe nicht verstanden, warum sie aus Apia angereist waren. Es ist so ein beklemmendes etwas, das mir diese insel versaut. Zum trost kann ich sagen, die deutschen haben diese saat vor über hundert jahren nach Samoa gebracht, und sie scheint recht gut aufgegangen zu sein.

20181027 besucher

 

Am nächsten morgen bin ich dann sieben meilen weiter gefahren. Raus aus der bucht, ums riff herum und entlang. Dann wieder zur küste zurück. Der wasserfall in der karte war ein reinfall und es gab wellen am ankerplatz. Nicht ideal, dafür keine lästigen besucher. Morgen geht es weiter zur letzten bucht und nicht mehr um die insel herum. Das permit ist für eine woche und es gibt keinen wind. Nur mit dem motor um Samoa fahren bringt nicht so den richtigen kick.

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

Weitere sechs feuchte meilen in einem heftigen regenschauer weiter und es wird der letzte ankerplatz hier sein. Ich bin in diese fjordähnliche bucht hinein getuckert und konnte kaum etwas erkennen. Der regen ist vor mir her gezogen und am ende kam die sonne von hinten. Der buchtaufbau ist wie die cookbay in moorea, nur nahezu null verkehr und dafür sauberes wasser. Wenn es regnet, gibt es hier ein dutzend wasserfälle und es herrscht ruhe, bis auf die bauarbeiten am ufer.

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

Die schildkröten kommen bis auf fünf meter zum schiff, sind aber fotoscheu. Immer wenn ich knipsen will, tauchen sie ab. Es ist auch das erste mal für mich, dass es hier gar kein wifi gibt. Das hier ist das ende von Samoa oder der anfang der ruhe.

20181029 schilktoeten

 

Meine entscheidung, zurück nach Apia zu fahren, war gut, alles andere hätte in einem desaster enden können. Der wetterbericht versprach fünf windstärken und die hätten mich schnell an mein ziel gebracht. Zum glück hatte sich der wind verspätet. Als ich den fjord verlassen hatte, war eine idee von segelbaren lufbewegungen vorhanden, allerdings mit dem motor. Und dann dieses komische knartzen seit einiger zeit am ankerplatz, ich sollte mal die ursache ergründen.

Das ist eine der wichtigsten erkenntnisse seit jahren: Ist irgendetwas neu oder nicht normal, dann ist die ursache zeitnah zu klären. Diese hatte sich nach einer stunde wind und ab und zu schlagendem segel dann geklärt. Ich habe mein vorstag fast verloren, was sich im schlimmeren fall zum zweiten mastverlust hätte ausweiten können.

Die genua konnte ich noch einrollen, schnell irgendwelche seile zum stabilisieren befestigt und über der ersten saling ein dickeres seil gebunden. Alles nach vorn abgespannt, so gut es ging, die achterstage schlabberten herum. Mein anlegermanöver in der marina war den umständen entsprechend gut, meiner an den mast gerichteten bitte, nicht umzufallen, wurde auch gehör verschafft.

Ich bin dann in den mast geklettert, der schaden ist ein durchgescheuerter beschlag. In Papeete sah alles noch gesund aus, noch einmal glück gehabt.

 

Am ersten tag war ich dreimal ganz oben im mast, danach jeweils tropfend nass und dabei war die sonne gerade erst aufgegangen. Das passende ersatzteil aus irgendeinem schrottbehälter musste doch noch angepasst werden. Der schlitz war einen zentimeter zu kurz, bohren, flexen und schöner fräsen. Morgen muss ich irgendwie das vorstag noch fünf zentimeter höher bekommen. Wenn es schlecht läuft, muss das segel runter und die trommel ab, um an den spanner zu kommen.

20181101 gebrochener toggle

 

Die nacht im hafen was sehr schlecht. Partyzone, das schiff zerrt in den seilen und das ist laut. Die saugenden gäste an bord sind da nur noch nebensache. Wenn die nächste nacht auch scheiße ist, sind es schon drei in serie. Es ist so heiß, dass ich gerade aus der dusche komme und schon wieder durchnässe, es läuft nur noch. Dringend, dass ich die insel verlasse.

Am zweiten tag war ich wieder dreimal oben, diesmal mit erfolg. Der neue toggle hält jetzt das vorstag. Der nächste schritt war dann nur noch, das ganze unten wieder zu montieren, dauer um drei stunden. Ich habe die trommel und das segel nicht entfernt und versucht, mit einem wantenspanner das ganze nach vorn zu ziehen. Alles am limit und dann habe ich noch fünf zentimeter in der unteren aufnahme für das vorstag gefunden. Glück gehabt, schon wieder.

Wenn einem so etwas auf dem meer passiert, ist das echter mist. In zukunft werde ich noch häufiger alles checken. Zwischendrin war noch der typ von der marina da, beim ersten mal hatte ich ihn schon gefressen. Ich hätte doch da draußen geankert und da wäre dann noch eine dingigebühr für das anlanden fällig. Zwei stunden später war ich schon entspannter und er war auch netter.

 

Die abreise ist schon geplant und die vorbereitungen dazu laufen. Zwischendrin noch nette gespräche mit einem norddeutschen paar und eine lange filmtausch aktion. Der stegnachbar brauchte auch noch hilfe bei seiner radarmontage und so vergehen die tage. Wäschewaschen, duschen, einkaufen und ausruhen.

Ein platz in Auckland ist auch schon fast in trockenen tüchern. Meine reise wird östlich von Tonga vorbei gehen, auf der anderen seit sind zu viele riffe. Für die fünfzehnhundert meilen setze ich mal drei wochen an. Die mail für den zoll in Neuseeland ist auch schon auf dem weg. Was hier zu tun bleibt, ist ein stempel in den pass zu bekommen, das wird in zwei stunden der fall sein.

Morgen wird die marina bezahlt und danach hier zum zoll für einen zettel. Das ganze geht schon recht ins geld und das bedruckte papier von der fed ist auch fast aufgebraucht. Vielleicht wird es in drei wochen netter sein, besser geht immer.

 

Gestern habe ich morgen geschrieben und das tue ich jetzt noch einmal. Heute ist hier ein feiertag oder gedenktag an die seuchentoten vor einhundert jahren, als die neuseeländer einen großen teil der bevölkerung angesteckt hatten.

Also hänge ich noch immer in der marina und checke das boot durch. Meine genua ist oben am keder eingerissen und muss noch zweitausend meilen halten. Der rest sieht benutzt aus und gut.

 

Die welt ist gar nicht so groß, wie man meint. Ich hatte einen sehr netten besuch von einem amateurfunker, der fast hamburger geworden wäre, nur da warfen die amerikaner viel eisen auf meine stadt und er wurde in der zone geboren. Auch wusste ich nicht, dass mein Bob von den Falklands eine berühmheit unter den funkern ist, fast jeder kennt ihn. Mein besucher war auch mal dort und hat wohl im selben sessel gesessen wie ich, kleine welt.

Der plan hat sich wieder ein wenig verschoben, ich segele hier nun am So los und mein ziel ist Whangarei in Neuseeland zum einklarieren. Danach geht es ein stück in richtung süden zum ort Kopu. So wie es aussieht, wird das schiff dort aus dem wasser gehen und ich werde ein kleines refit durchführen.

Heute am Donnerstag habe ich schonmal die marina bezahlt und es wurde mir die dingigebühr erlassen. Nun habe ich aber heute morgen schon ein wenig geld am automaten gezogen. Das überschüssige werde ich wohl in neuseelanddollar umtauschen müssen. Ich ringe noch mit mir, ob ich die hafengebühren hier bezahlen werde. Ankern ist für mich etwas, das kostenfrei sein sollte, und wenn ich vom zoll den zettel habe, geht es auch ohne.

Am So lege ich hier ab, und wenn es gut geht, ohne weiteren schaden, bin ich in drei wochen in Neuseeland.

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Das Paradies wird ermordet

Der plan, mit dem zeitfenster von zweiunddreißig stunden nach Raiatea zu segeln, war sehr gut. Wenn da nicht der wind gewesen wäre. Zuerst nichts, dann draußen fing er an, erstes reff, zweites, und die wellen wurden immer höher. Mit den ganz kleinen segeln ging es dann immernoch mit sechs knoten voran. Das war zu schnell, und auch mit etwas nachlassendem wind war ich bereits um drei uhr vor dem pass, sicht schlecht. Der mond war nur verdeckt vorhanden und vor dem pass waren die wellen riesig. Ich habe die kleine genua genommen und einen kurs hoch am wind eingeschlagen, dabei das ruder voll angestellt. Zeit um einige nickerchen zu machen.
Um halb sechs wurde es heller und der gegenkurs ging zum pass. Die ganze tour lang bin ich vom regen verschont worden, nur ein paar tropfen. Doch an diesem morgen wurde ich geduscht, die sicht war mies, tastend an den pass heran und dann durch. Funktionierte letztlich super und den ausgesuchten ankerplatz habe ich mit viel seitenwind erreicht. Ankern ist hier ein problem, meistens über fünfundzwanzig meter tiefe oder in den korallen.

20180924 ankerplatz raitea

 

20180924 ankerplatz raitea

 

20180924 ankerplatz raitea hotel

 

An dem ankerplatz blieb ich erstmal zwei tage. Die lage checken, die beschädigungen analysieren und den unpassenden wind einfach aussitzen. Eine verlegung zum nahe gelegenen hotel schied leider auch aus. Der preis für die mooring ist ein konsum im hotel, ein drink in der happy hour zählt auch dazu. Nur ist die hotelanlage tot und zerfällt.
Am zweiten tag nahm der wind schon etwas ab und die segelreparatur konnte beginnen. Diese überfahrt war zu schnell und ich habe unsauber gerefft, das material musste es abfangen. Wieder einmal ist ein rutscher gebrochen und das erste mal wurde eine lattenhalterung im segel von der latte durchbohrt. Für einmal habe ich ersatz, auch habe ich noch kleine rutscher auf lager. Das tageswerk war vollbracht, nachdem das segel einmal ganz raufgezogen und sauber wieder runter auf dem baum mit der abdeckung verzurrt wurde. Das segel wird erst wieder auf der strecke nach Samoa zum einsatz kommen.
Aber das beste an dem ankerplatz im schlamm war ein offenes wlan, das ich gefunden habe. Somit konnte ich dem system mal wieder ein update geben.

20180924 segellatte

 

Am nächsten morgen ging es dann drei meilen weiter zum hauptort der insel, Uturoa. Der ankerplatz vor der hafeneinfahrt war vorhanden, aber da war viel freier platz an der außenhafenmole, zwei andere segler lagen schon dort. Also wieder ins freie wasser fahren und fender sowie festmacher vorbereiten. Fünfhundert meter vom kai entfernt sah ich auf einmal einen riesigen kartoffelsack im wasser oder war es ein kleiner felsen, der nicht in der karte verzeichnet war? Nachdem der hals mit kopf gestreckt wurde, habe ich die erste riesenschildkröte in freier natur gesehen. Endlich mal was neues, keine langweiligen define, haie oder wale.
Zurück zum anleger, und dort halfen mir auch die beiden segler, da die poller eigentlich für kleine fährschiffe gedacht sind und weit auseinander liegen. Einen tag lang kann man hier frei liegen und ist direkt im zentrum des ortes. Da wollte ich auch hin.

Der grund dafür war ein foto in einem magazin aus dem hause blöd von der jahrtausendwende. Das hatte ich erhalten nach dem erwerb meines bootes. Auf diesem bild ist eine nachmittagliche szene zu sehen. Zwei ältere frauen sitzen auf einer bank an der kaimauer und unterhalten sich. Alle steinbänke bis zur straße sind besetzt, rechts von den bänken spenden alte bäume schatten. Es muss warm sein, hatte vor kurzem geregnet, in vielen kleinen pfützen steht das wasser am kai. In der bildmitte hat die hafenmauer einen rechten winkel. Im wasser schwimmen plastikflaschen und anderer unrat im öligem wasser. Entlang der andern hafenmauer verläuft einer straße, und an der ecke ist eine alte total tankstelle, ein peugeot 205 und eine ältere vespa werden betankt. Das wollte ich mir mal anschauen.

Doch es gibt diese kleine situation nicht mehr. Der ort wurde umgebaut, ein kai für kreuzfahrer in der länge von dreihundert metern wurde errichtet. Ich glaube, meine szene ist diesem zum opfer gefallen, die bäume ebenso. Schade, denn die einrichtungen für den massentourismus zerfallen auch langsam, zu wenig besucher. Diese große krise von zweitausendundacht, als die banker sich verzockt hatten und der rest für den schaden aufkommen musste oder sollte, hat in diesen regionen einen deutlichen impact hinterlassen. Das billige geld ist aus und somit auch die besucher.

20180925 hafen uturoa

 

20180925 hafen uturoa

 

20180925 hafen uturoa

 

Nach einem kleinen essen und einem weiteren einkauf bin ich auf die andere seite der insel gefahren. Zum thema einkauf fällt mir der besuch in einem asiatischen supermarkt gestern nachmittag ein. Keine liebe zum schimmeligen obst oder schlaffen gemüse. Dafür gab es dort verschiedene curries zu hohen preisen. Die offenen, vereisten kühltruhen waren ein punkt, aber der ausschlaggebende das müsliregal. Um die preise zu erkennen, bedarf ich seit einiger zeit einer lesebrille. Ohne die geht gar nichts mehr. Mit dieser konnte ich dann sehr gut die kleinen krabbler beobachten. Aus welchen packungen sie gekommen waren, blieb mir verborgen, ein sehr lebhafter laden.

Dann eine große runde mit dem schiff und beim zweiten versuch habe ich dann einen ankerplatz in dem mooringfeld gefunden. Das ist hier das ärgerliche für mich, alles tiefer als zwanzig meter. Meine weiteren ziele sind schon sehr gut auszumachen, auf Tahaa sehe ich schon die bäume. Die insel liegt im selben atoll. Weiter draußen ist auch schon Bora Bora zu sehen. Bleibt nur noch der sonnenuntergang, der kommt in fünf stunden.

20180925 kleinstinsel mit bar

 

Das hinüberfahren zur anderen insel Tahaa und in eine lange bucht hinein macht sieben meilen. Auch diese insel hat eine straße ringsrum, jedoch ist in dieser bucht die straße weit weg. Noch sichtbar und hörbar, aber mit viel grün dazwischen und auch mit viel privatbesitz, der mit schildern beschützt wird. Alles ganz nett und nicht umwerfend, so arbeite ich mich an der westseite der insel hoch.

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

Nächter tag, nächster halt in Tapuamu keine vier meilen weiter. Der ort hat einen kleinen hafen, zu klein für mich, und so ankere ich vor dem langen kai in der bucht. Eine tankstelle, ein magasin und kleine geschäfte für touristen, das war es. Etwas neues habe ich hier gesehen, ein familiengrab auf dem nachbargrundstück. Hier bleibt man halt länger zusammen, auch mit den verhassten schwiegereltern. Auf den gefliesten gräbern verweilen die hunde und dösen vor sich hin.

Heute ist schon wieder Freitag und mein kühlschrank muckt herum, er will nicht kühlen. Die  batterien sind voll und er streikt. So kann ich kein essen für die nächsten tage planen. In einer meile entfernung ist ein weiteres ferienressort auf einer motu. Davor parken einige segler, könnte ich ja auch mal machen. Doch ich habe das auf morgen verschoben, das tagesziel in vier meilen entfernung ist die verwaltungsansiedlung der insel im norden, Patio.
Nur meine seekarten sind dort ein wenig grob und das pdf gibt auch nicht so viel her. Kurz vor dem hafen habe ich eine mooring mit boje entdeckt und da liege ich nun.
Ein chinesischer laden, ein leerer, ein obststand, ein imbisswagen, die mairie, die gendamerie und ein paar mehr verwaltungen. Die straße ist neu geteert, der hafen leer und das fährschiff hat sich sogar angekettet. In dem parkähnlichen gebiet vom hafen entlang des wassers ist der konsum von alkohol verboten, kaum mülltonnen, alles ein wenig traurig. Für eine nacht reicht es.
Am Mo soll es wind geben und den brauche ich, um nach Bora Bora zu kommen. Zwanzig meilen von Tahaa entfernt und auch von hier aus gut sichtbar. Es wird wohl meine letzte insel in diesem bereich werden.

Auf dem rückweg habe ich dann vor der ferienanlage geankert. Einen platz gefunden, anker raus und genügend abstand zu einem Holländer, alles gut. Nur meinte dieser, an seinem anker fummeln zu müssen, rauf runter, mutti am ruder fuhr vorwärts und scheiße. Er war nun sehr nah an meinem schiffchen. Nach zwei stunden kam er vorbei und fragte, ob ich ein wenig mehr kette geben könnte. Den wunsch habe ich ihm erfüllt. Am nächsten morgen habe ich die kette wieder eingefahren, damit ich vor seinem bug herumtreiben konnte, der wind hatte gedreht. Nach dem kaffee bin ich dann auch gleich rüber auf die andere seite und habe mir eine freie mooring gegriffen.
Es war Sa und nicht so, dass die schiffe sehr dicht lagen, denn es kamen noch drei zweiundsechzig fuß ausflugskatamarane. Jeder hatte bis zu zwanzig badewillige an bord und der anker fiel zwischen den schon liegenden schiffen. Beim verlassen wurden noch schnell die plastikflaschen über bord geworfen und weiter. Kein platz zum wohlfühlen.

Ich habe gerade eine etwas negative serie gezogen. Von der mooring aus konnte ich am So die schiffe zählen, es waren zwei, die drüben vor anker waren. Keine zehn als ich dort war. Die mooring war nicht umsonst, am frühen morgen kam der abkassierer, dreizehn euronen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich wieder vor dem pier geankert, pech. Danach wollte ich noch schnell was einkaufen, doch frisches brot gibt es erst um zehn uhr.
Dann bin ich ohne brot richtung Bora Bora aufgebrochen und wollte nur bis zum pass motoren. Daraus wurde nichts, kein brauchbarer wind, wie eigentlich vorhergesagt.

20181001 borabora

 

20181001 pass tahaa

 

20181001 pass tahaa

 

Um zwei uhr mittags war ich dann in der berühmten inselwelt und wollte ankern. Alles sehr, sehr tief, vieles verbaut und an der erstbesten stelle scheuchte mich eine frau vom restaurant weg, netter empfang. Neben der hafenmole ging auch nicht, und so liege ich ein stück weiter auf vierundzwanzig meter. Die ganze kette draußen, und in der nacht kam dann doch der wind, um die dreißig knoten. Zum ufer komme ich so erstmal nicht, also abwarten.
Der ankerplatz ist an einer öffentlichen stelle, wo die menschen ihre boote in gestellen parken. Alles sehr flach und ich habe hier die nächste schildkröte gesehen. Kleiner als die erste, nur einen halben meter im durchmesser. Hier ist das arme Bora, die zuarbeiter für die ferienanlagen leben hier.

20181002 borabora ankerplatz

 

20181002 borabora ankerplatz

 

Dann habe ich mir mal wieder das gesicht verbrannt auf der überfahrt hierher. Ich dachte ich bin schon farbig genug, war wohl nicht der fall. Und wenn ich schon bei den gebrechen bin, der kopfsalat vom markt in Raiatea, den ich natürlich gewaschen gegessen habe, ist durchgeschlagen. Seit vier tagen ist das sehr lästig und seit heute schlucke ich tabletten dagegen.

Am nachmittag war dann ein windloch und ich habe mir Vaipae mal angeschaut. Der hauptort der insel, eine hauptstraße, zwei supermärkte, davon ein chinese. Fünf banken habe ich gezählt, es können aber auch mehr sein, und über zwanzig geschäfte für perlen. Das paar ohrringe ab vier dollar. Die werden auch bald merken, dass geld nicht essbar ist.

Heute ist der dritte oktober, und heute gibt es regen im vermeidlichen paradies, zumindest zeitweise auf Bora Bora. Das finden sicherlich die passagiere, die heute nacht die insel verlassen haben, nicht so schlimm. Dafür die vom fake segelschiff, das gestern kam, dem zweitausend passagiere schiffchen von heute morgen und dem dritten, das auch noch zum frühstück kam. Diese insel wird vom geld übergüllt, nicht zum besten für die bewohner.

Ich habe am morgen den anker an dem neuen standort geliftet und dachte, tief an der ankerkette sei eine schildkröte. Mal sichtbar und dann war sie wieder weg. Zu tage kam auf den letzten metern kette ein alter kaputter, bewachsener plastikkanister mit einer mooring daran. Das war dann ein job für die griffbereite machete, die leine war frei und der kanister ist alleine getaucht.
Der neue ankerplatz ist vor der westlichen insel, die von einer hotelkette vom Hilton belagert wird. Das wlan ist zu, leisten könnten sie es sich, es zu öffnen. Die hütte auf stelzen kostet mehr als einen riesen pro nacht. Das personal hat sein eigenes staffvillage, nicht so pompös. Was ist schlimmer hier, die hinterlassenschaften der amerikaner aus dem wkII oder diese anlagen? Die hotelanlagen zerstören mehr als alle vermuteten angriffe der japaner. Ein ort mit militärischen und vielen hellhäutigen hinterlassenschaften und einer ilusion vom bekanntesten paradies in der südsee.

Gestern habe ich dann mal in dem hauptort am kai angelegt, ging recht gut mit viel seitenwind. Zuerst zur gendamerie, abmelden für die weiterfahrt. Fünf zettel ausfüllen und ich muss wiederkommen, am tag der abreise. Habe aber schon mal die briefmarke für achtzig francs gekauft und zurück zum schiff, ins netz und daten abrufen. Keiner hat sich gemeldet. Der chinesische supermarkt ist ok, das personal freundlich.
Und wenn ich schon duty free diesel tanken kann, habe ich meinen tank auch wieder vollgefüllt. Das war alles andere als erfreulich. Das personal der total tankstelle ist nicht arbeitswillig und nicht serviceorientiert. Dem typen am anleger musste ich die leine zuwerfen, damit er seinen arsch bewegt, die zweite habe ich selbst belegt. Keine fender oder leinen am geschundenen steg. Dann wollten sie kopien der zollbescheinigung und haben angeblich keinen kopierer. Dann haben sie halt das original erhalten. Der typ am steg ward nicht mehr gesehen, und so habe ich die zapfpistole selbst gezogen und auf der hahn. Als es zum bezahlen ging, haben die an der kasse meine schiffspapiere und die originale einklarierung einfach zusammen geheftet, geht es noch? Dicker hals, das papier vom zoll dürfen sie behalten, nicht den rest. Kopien gibt es im supermarkt oder diesel zum normalpreis.
Also zum supermarkt und die waren so freundlich und kopierten die dokumente umsonst. Sie haben mir gesagt, dass die tankstelle das gleiche kopiergerät hat. Zurück an der tankstelle habe ich mein letztes bargeld auf den tresen gelegt und den rest per karte. Alles sehr unprofessionel, ich würde die leute feuern.

Das paradies hat in der nächsten bucht noch ein anderes gesicht. Ich bin nur einen kilometer luftlinie von Vaitape entfernt vor anker. Hier in der bucht von Faanui gibt es wohl eine meerwasserentsalzungsanlage, oder ein kleines kraftwerk. Auf der anderen seite zwei große bassins, jeweils ungefähr sechs fussballfelder groß. Es sieht aus wie ein hafenbecken aus dem boden geschnitten. Ich nehme mal wkII an. Am rande des einen beckens werden rohre zusammengeschweißt, wohl für einen neuen anleger auf dieser insel. Die häuser oder hütten am ufer sind auch nicht sehr schick, die nächste schattenseite dieser insel.

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

Meinen letzten ankerplatz habe ich nach tiefe ausgesucht, genügend wasser unter dem kiel schadet nie. Die wasserfarbe ist türkis und den boden kann man auch sehen. Auf der einen seite ist die hauptinsel und auf der anderen seite das motu ome. Im norden liegt der flughafen und im süden habe ich drei ferienanlagen gezählt, deshalb bin ich auch nicht weitergefahren. So weit, so gut. Nur wenn ein flieger gelandet ist, kommen zig boote und bringen die touristen ins hotel und ich liege genau auf dem weg. Also werde ich noch einmal den anker liften und ein stück weiter zum motu fahren.

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

Und weil es dann dreihundert meter weiter ruhiger war, nutzte ich noch einmal die gelegenheit zu schnorcheln. Der anker saß gut und der rumpf war an der wasserlinie nur leicht grün. Was gar nicht gut ist: mein propeller ist an einem blattende geknickt und das wohl schon eine weile. Es fiel mir nicht auf, die welle läuft rund. Aber trotzdem mist, ein job mehr in Neuseeland.

Am Sa morgen waren noch ein paar vorbereitungen zu machen, schließlich soll es wieder aufs meer gehen. Das anlegen im hafen von Vaipae lief noch besser als beim ersten mal. Die gendamerie muckte nicht, zog meinen vorgang heraus und gab mir zwei zettel für mich und den brief, der nach Papeete geht. Schön dass ich schon die briefmarke gekauft hatte, die post war schon geschlossen. Dann noch ein paar frische sachen eingekauft und an einem straßenstand meine letzten zweiundfünfzig francs auf den tisch gelegt. Dafür bekam ich eine große mango. Was nicht mehr lief, war neue wetterdaten zu ziehen, das guthaben war aufgebraucht. Muss halt für die nächsten zwölfhundert meilen auch ohne gehen.
Noch innerhalb Boras habe ich das großsegel hochgezogen und es ging richtung ausgang. Einige boote waren sehr aufgeregt, ich sollte meinen kurs etwas ändern. Eine walkuh mit jungtier war im atoll. Als ich das mal ablichten wollte, sind beide abgetaucht.

Der erste tag und die nacht auf dem meer waren recht angenehm und am morgen habe ich den ersten segler in meine richtung gesehen. Er hat mich wohl überholt, denn ich komme nicht hinterher.

 

Es wiederholt sich doch so vieles und immer das gleiche schreiben ist langweilig. So habe ich seit heute nacht um vier mal wieder keinen wind, leichte dünung und es schaukelt sehr. Irgendwann kommt der wind wieder, dann geht es weiter. So vergeht der morgen des dritten tages. Die sonne brennt gewaltig, und ich bin froh über den in Brasilien gekauften hut mit einer breiten krempe und dem herunterhängenden nackenschutz.
Ich treibe auf der höhe des atolls Maupihaa und im buch der ankerplätze steht, dass es die mühe und den stress, durch den pass zu kommen, nicht wert sei, es zu besuchen. Auch habe ich am ersten tag Maupiti rechts liegen gelassen. Wenn ich das kleinere schiff vom Anton hätte, wäre der besuch natürlich ein muss gewesen. Die Cookinseln und die weiteren Socityinseln werde ich auch nicht ansteuern, dafür fehlt mir die zeit. Nächster stop ist Samoa, west.

Nach vierzig stunden bin ich wieder im rennen, drei bis vier knoten fahrt und nur zwanzig grad abweichung zum direkten kurs. Flaute ist fast schlimmer als sturm, jedenfalls hier, denn es ist sehr heiß und für den schatten muss ich selbst sorgen. Noch über tausend meilen bis Apia.

Heute ist schon der zehnte und so richtig weit bin ich noch nicht gekommen. Der wind war da, aber zu wenig und die fast zwei tage flaute bringen einen auch nicht weiter. Die netto meilen werden mehr und jetzt sind es noch ein paar über neunhundert. Was macht man wenn man keine gastlandflagge hat? Entweder nichts oder man bastelt sich eine, das habe ich gemacht. Dafür brauchte ich eine rote flagge, ein wenig blau und sterne. Diese sollten eigentlich weiß sein, aber die europafahne mit der von Marokko kombiniert geht auch. Am ende hängt das gute stück in sieben meter höhe und da fällt so einiges nicht auf.

20181010 samoa flagge

 

Ein nachtrag zu der berühmtesten insel im pazifik, Bora Bora. Ich fand sie geht so und stieß damit auf unverständnis. Es war die letzte insel in Französisch Polynesien und da war eine erwartung, von den atem verlieren bis noch länger bleiben. Doch mir war da zuviel wasserverkehr, und alle sind ganz wichtig. Zu viele stelzenhotels, zu oft fuhren die imitierten auslegerkanus mit touristen umher, dazu wurde auf der ukulele gezupft und gesungen. Alternativ konnte man boote mit fahrer mieten, zweimal dreihundert ps und der knackige braune kapitän trägt nur einen schwarzen langen schal, vorn ums gehänge und hinten durch die kimme gezogen. Braucht man so etwas wirklich? Die polynesier dürfen für den luxus der anderen arbeiten und wohnen in sehr miesen verhältnissen, das war auf anderen inseln besser. Die insel der verkauften träume und der nicht mehr vorhandenen geschichte der menschen.

 

Mal zwischendurch ein wochenbericht von fünf tagen. Rechts der rote anker ist Bora Bora am ersten tag. Die obere blaue route ist nach Samoa, die untere ist direkt nach Neuseeland. Der wind hat mich zu anfangs richtung süden getrieben und ich bin dabei, das wieder auszugleichen. Am achten und neunten sieht man deutlich die flaute. Bis zum zehnten habe ich nur zweihundertsiebzig meilen gesegelt, leider sind diese weg vom kurs. Bis nach Samoa sind es noch neunhundert.

woche 1

 

Seit genau einer woche bin ich jetzt wieder unterwegs und gestern abend war es ein sehr guter. Bei diesem achterlichen wind segele ich nur mit einem sehr weit ausgestellten gerefften großsegel und einer kleinen genua, die in der mitte profillos steht. Damit kann die windsteuerrung gut arbeiten. Nur zum sonnenuntergang stieg die geschwindigkeit auf sieben bis acht knoten, zuviel des guten. Ich bin jetzt heilfroh, die entscheidung getroffen zu haben, das großsegel zu bergen. Der regen fing vor einer stunde an und als alles auf dem baum festgebunden war, triefte ich klitschnass vor mich hin. Der oberste rutscher hatte auch schon keinen kontakt zum segelkopf mehr, mistbruch. Der genua gab ich noch ein wenig profil und das reichte für gute vier knoten in die nacht hinein.

Das bringt mich auf ein kleines thema, wind von welcher seite. Von rechts ist er in meinem schiff gut, das bad mit wc und die küche sind nutzbar. Von links ist der badbereich mit vorsicht zu genießen und in der pantry kocht man bergauf und das ist sehr schlecht. Wind von vorn geht nicht und daraus wird links oder rechts. Nur jetzt habe ich seit tagen achterlichen wind und wellen. Das ergebnis ist eine ekelige schaukelei von rumpffenster zu rumpffenster. Die töpfe muss ich am herd festbinden, die kardanik stoppt bei den endanschlägen. Und das bad wird zur gefahrenzone. Und dabei liegt das boot eigentlich satt im wasser. Wenn diese größeren wellen zum runtersurfen kommen, ist es gut. Nur wenn die etwas kleineren kommen, beginnt die schaukelei. Zusätzlich ist bei wind von hinten, dass auch der regen von dort kommt. Also luken dicht, auch wenn es warm ist. Das einzige, was noch recht stabil ist, ist mein schlafplatz im gang, mit wolldecken zum abpuffern. Warum tue ich mir das an? Weil ich rum will und es schon fast halb geschafft habe.

Heute ist mal eine samstagsbilanz fällig und die sieht gemischt aus. Die letzten drei tage waren vom meilenergebnis gut, alle tage über hundertundzehn und in richtung Apia. Seit über einem tag geht es nur mit der genua voran, wegen dem ausfall des oberen rutschers ist das groß nicht einsetzbar. Und da sind wir bei den problemen, die schaukelei. Ich gehe nicht in den mast und repariere den rutscher, ist mir zu heikel. Aus dem gleichen grund mache ich kein wasser, ich habe in der dusche kaum einen halt und blaue flecken bekomme ich so schon genug. Dummerweise ist das abgefüllte trinkwasser jetzt aufgebraucht. Somit werde ich es aus dem haupttank nehmen müssen.
Das nächste wasserproblem ist das schwarze. Der fäkalientank will seine ladung nicht hergeben, schuld daran sind die wellen und die schöne geschwindigkeit. So komisch das klingt, ich hoffe auf eine flaute, obwohl es nur noch unter sechshundertundfünfzig meilen noch sind.
Seit gestern abend ist auch der mond wieder vorhanden, fünf tage lang war es nachts duster. Ich hatte schon befürchtet, dass er einem experiment zum opfer gefallen sei, denn auch am tage konnte ich ihn nicht erblicken. Mit einer ganz kleinen sichel leuchtet er jetzt wieder.
Meine wettervorsage ist aufgebraucht und ich bin auch geographisch außerhalb der karte. Wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt.

 

Der zweite fünftagebericht ist sehr erfreulich. Ich habe doppelt so viele meilen gesegelt, wie in der ersten woche, über fünfhundert. Der wind war sehr freundlich und so bin ich sogar über die geplante route vierzig meilen hinausgeschossen. Das groß musste aufgrund des schadens unten bleiben und so ging es nur mit der genua und achterlichem moderaten wind voran. Bis nach Samoa sind es unter fünfhundert meilen.

woche 2

 

Heute ist der elfte tag auf see, es ist trocken, windig und sonnig, ein richtig guter segeltag. Gestern habe ich noch das groß in drei meter höhe repariert. Der wichtige rutscher hat seine verbindung noch und der oberste hat eine provisorische, muss halten. Ist aber auch nicht so wichtig, ich segele zur zeit nur mit der genua zwischen vier und fünf knoten. Ein zusätzliches segel bringt nicht so viel mehr an geschwindigkeit auf diesen kursen.
Aber diese tour ist irgendwie anders und gut. Nur weiß ich noch nicht warum. Die düsen vom herd habe ich gestern wieder gesäubert, nun sind die flammen wieder gleichmäßig blau und heiß. Dazu noch eine richtige dusche und die windanzeige ist auch häufiger mit dabei. Es ist alles kein drama.
Dieser teil des pazifiks gefällt mir in diesem zustand, es wird nicht immer so sein. Der wind ist moderat, wie die wellen und die kurzen regenschauer kommen meistens am abend oder in der nacht. Die windsteueranlage arbeitet gut und das macht auch freude. Alles schon mal erlebt, nur gefällt es mir jetzt besser.

 

Und noch ein nachtrag zu Bora. Alain Gerbault, ein französischer weltumsegelheld zwischen den kriegen ist in Vaitae beigesetzt worden. Das ehrengrab lag in den fünfziger jahren im hafen an der wasserkante. Heute liegt es am rand eines parkplatzes, der hafen hat sich verändert und ist hinaus gewachsen. Ich habe das grab im vorbeigehen gesehen und nicht besonders beachtet.
Gerbault schrieb viele bücher, nicht nur über das segeln. Das erste mal war er anfang der zwanziger jahre in Französisch Polynesien. Seine zweite große reise begann anfang der dreißiger jahre und führte ihn wieder nach Bora Bora. In dieser zeit begann auch seine kritik an der kolonisation frankreichs. Er schrieb das buch „un paradis se meurt“ – ein paradies stirbt (oder wird ermordet?).
Das war in Frankreich gar nicht gern gesehen. Als De Gaulle die franzosen anfang der vierziger zu den waffen rief, wurde es für den homosexuellen hauptmann der reserve politisch sehr eng. Er verließ Bora Bora in richtung Timor, wo er kurz darauf verstarb. Nach dem krieg wurde er exhumiert und in Viatae beigesetzt. Gestern habe ich diese doku auf französisch ohne untertitel gesehen. Die aufnahmen von Bora vor siebzig jahren zeigen noch ein idyll, welches heute nur noch eine worthülse ist. Demokratie ist auch nur noch ein sinnbefreites wort. Ich bin gerade in seinem fahrwasser richtung westen.

 

Heute ist der zwölfte tag auf dem weg nach Apia. Alles ist recht moderat, ab und zu ändert sich etwas und unterm strich ist es gut. Tagsüber ist es heiß und dann suche ich den schatten unter dem laken. Die nächte sind fast durchschlafbar und keinerlei warnungen vom radar. Das heißt nichts, vielleicht zu grobe filter eingestellt, dennoch habe ich bislang keinen frachter versenkt.

20181016 sonnenschutz

 

Gestern abend war es merkwürdig. Kurz vor sonnenuntergang habe ich gegessen und bin nach unten zum abwaschen. Zwei töpfe, ein löffel und eine schale, das dauert nicht lange. Wieder oben an deck waren plötzlich aus zwanzig knoten wind, dreißig plus geworden. Aus einem gewitter auf der leeseite wurden dann drei achterliche ringsum. Schnell gerefft und dann drehte auch noch der wind um neunzig grad. Am ende habe ich das segel auf die andere seite geschifftet und die windsteuerung neu justiert. Am heutigen morgen war ich dann leider wieder unterhalb der geplanten route. Das ändere ich gerade wieder, dreihundert meilen vorm ziel.
In siebzig meilen entfernung ist Rose Island. Eine kleine naturschutzinsel, günstig um aufs riff zu laufen. Achtzig meilen weiter liegt schon America Samoa mit einer großen thunfischfangflotte. Diese wird also dort im gebiet herumangeln. Somit werden die nächsten nächte nicht so erholsam werden. Ergo ist es besser, einen kleinen abstand einzuhalten.

Es ist der achtzehnte oktober und der wassertank ist wieder voll. Zusätzlich habe ich noch fünfundzwanzig liter direktes trinkwasser in plastikflaschen abgefüllt und den watermaker konserviert. Bis Neuseeland sollte er eigentlich nicht mehr laufen müssen. Seit Papeete habe ich ungefähr siebzig liter wasser verbraucht, fürs duschen, kochen, jeden morgen einen liter für kaffee und zum nachspülen nach dem abwasch mit salzwasser. Zähneputzen und das gesicht säubern war auch mit enthalten. Getrunken habe ich das wasser aus der direkten zapfung.
Auch ist der kühlschrank seit vorgestern offen und aus, denn es ist keine frischware mehr an bord. Der anteil der schwarzen beschichtung war noch nicht so schlimm, dennoch wurde er heute gereinigt. Für viele wäre er schon sehr dreckig, doch glaube ich, dass es der kühlschrank nicht unter die tausend am ekeligsten verdrecken geschafft hätte.
Der sonnenaufgang und -untergang sind jetzt schon über eine stunde verschoben und in Samoa verliere ich einen ganzen tag an der datumsgrenze. Und ein weiteres eigentor habe ich gestern produziert, auf der wochenkarte gut sichtbar. Was zuerst gut war, ein kurs wieder über die route hinaus, hat sich am abend und besonders in der nacht zu einer neunzig grad kurve herausgearbeitet. Der wind lies immer mehr nach und ich habe das groß dazugenommen. Dadurch kam ich wenigstens auf drei knoten. Nur der wind drehte und mit ihm das schiff. Jetzt gegen mittag sind es noch zweihundertdreißig meilen, ich bin fast dort.
Am nachmittag gab es die erste schiffssichtung seitdem ich die letzte insel verlassen und die beiden anderen segler aus den augen verloren habe. Diesmal war es ein containerschiff mittlerer größe in drei meilen entfernung, es hatte denselben kurs. Eine gute gelegenheit, das radar zu justieren.

Am morgen war dann land in sicht, die ersten inseln von America Samoa. Der wind war gut nutzbar und um drei uhr hatte ich auch die zweite insel passiert. Der gewünschte etwas kräftigere und leicht gedrehte wind wurden prompt geliefert. Jetzt drei stunden später ist er noch immer am blasen. Sechs bis über acht knoten fährt das schiff mit dem achterlichen bis raumschot wind. Ich habe nicht das gefühl eines reffvorgangs, allerdings muss der autopilot steuern. Nur noch sechsundneunzig meilen bis Apia. Wenn der wind anhält, bin ich morgen nachmittag im hafen.

 

Der dritte fünftagebericht ist auch sehr erfreulich. Ich habe fünfhundertundzwanzig meilen gesegelt. Der letzte tag und die nacht waren sehr schnell, bis zu acht komma acht knoten. Der wind war schon wieder sehr freundlich, an nur einem tag bin ich in einer großen kurve von der geplante route abgekommen. Das groß wurde aufgrund einer kurzen flaute eingesetzt und blieb bis Apia oben. Der südostpassat war sehr moderat. Die roten bojen sind inselchen, die umfahren werden mussten. Bis nach Samoa sind es unter vierzig meilen.

woche 3

 

Schon um zehn uhr fiel der anker nach der aufforderung der port control und ich bin in Apia angekommen. Seit dem ersten sichtkontakt mit america samoa vor hundertsiebzig meilen sind dreißig stunden vergangen, das ist sehr schnell. Für die elfhundertundsiebzig meilen geplante route habe ich effektiv dreizehnhundertfünfzig gebraucht. Das ganze in fünfzehn tagen, wie geplant. Ich bin nicht besser geworden, dann es ist der relativ konstante südostpassat.

Dass es gut war, wie es war, weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, weiß man gleich. Dieser teil der welt, Französisch Polynesien von den Marquesas bis Bora Bora hat mir gefallen. Kann ich mir vielleicht noch einmal anschauen.

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Hello Tahiti

Es ist alles sehr, sehr teuer hier. Die marina saugt einem die kohle unter den fingernägeln heraus, fast vierzig euro die nacht plus strom und wasser. Dafür ist das wifi sehr langsam und nicht am schiff zu empfangen.
Meine erste aktion ist der besuch eines zahnarztes, um den backenzahn zu retten.

Damit ich ein wenig luft habe, ist die marina für eine woche meine. Es funktioniert hier fast alles, und ich habe die zeit, meine baustellen zu reduzieren. Die baustelle zahn ist für sechzig euro behoben oder aufgeschoben. Beim nächsten mal geht der zahn von bord, er ist schon gebrochen, schade.
Die nächste baustelle ist auch schon behoben, der oberwantenbeschlag, und eine neue ist dafür hinzu gekommen. Alles hatte ich so schön vorbereitet, die deckenverkleidungen innen abgeschraubt und wollte noch die isolierung entfernen. Habe ich dann doch sein gelassen, zu viel dreck und styrodur brennt nicht, schmilzt nur. Ich wollte noch ein brett im deckenbereich als abdeckung darunter stellen, habe ich aber vergessen.
Das schweißen ging unerwarteterweise sehr gut, ab und zu habe ich unten mal vorbei geschaut, alles war ok. Und dann hatte ich so einen guten run mit dem schweißen, die sticke zündeten super und das resultat war für mich sehr akzeptabel. Es fiel mir noch auf, dass nur noch vier zentimeter zum vollkreis fehlten, dann wäre die halterung ab gewesen. Dann nochmal nach unten schauen und da kam auch schon der qualm heraus. Etwas heißes war auf einen plastikdeckel getropft, dieser brannte, das styrodur ist weggeschmolzen, das küchenregal durch die strahlungshitze schwarz gekokelt und ein handtuch glimmte vor sich hin. Schön, dass ich meine schweißerhandschuhe an hatte und so das feuer löschen konnte. Dumm war nur das geschmolzene plastik auf dem handschuh. Das hätte sehr böse enden können, glück gehabt. Was beim aufräumen noch ekelig ist, brennendes styropor erzeugt kleine schwarze fäden und die sind jetzt weit verbreitet im schiff, dreck.

20180908 brandopfer

 

20180908 brandopfer isolierung

 

Unten im schiff ist alles durcheinander, die nächste baustelle habe ich eröffnet. Die motorfundamente im vorderen bereich werden erneuert, habe ich noch von den Falklands auf lager. Dafür muss aber der generator weg, die batterien darunter raus und der warmwasserboiler muss auch weg. Das alles ist schon ein akt und den boiler habe ich dann auch gleich versetzt, einen meter weiter zum bug. Das hätte ich schon in Berlin machen können, nur damals war er fast neu und heute habe ich die hülle mit dem zwei kilogramm hammer bearbeitet. Nun passt er unter das bodenbrett. Mit einem neuen macht man so etwas nicht.

20180909 boiler

 

20180909 boiler neuer platz

 

Heute habe ich das chaos zum sonnenaufgang verlassen, es ist Sonntag, markttag in der halle und auf den straßen davor. Es ist jeden tag markt, nur heute ist mehr davon. Warum ich gestern fisch im supermarkt gekauft habe, weiß ich heute auch nicht mehr, in der halle gab es davon reichlich und geruchsintensiv. In der anderen halle sind die asiaten zahlreich am zerhacken von gegarten gänsebrüsten, hühnern oder riesigen portionen vom schwein. Gern auch mal was rohes dazwischen. Vor dem frühstück meldete sich mein magen mit warnungen bei den gerüchen. Zwischen dem fleisch und dem fisch gab es backwaren, warum dort, wer weiß. Ich habe mir zwei schokocroissants gegönnt, der preis war überall gleich.
Draußen gibt es dann alles in schälchen und die haben ihren preis. Man sucht aus, es kommt in eine tüte und das geld wechselt den besitzer. Nur beim eierverkäufer lief das nicht so glatt. Dort gibt es immer nur eine große palette von fünfundzwanzig stück und ich wollte nur zwölf. Macht er nicht, obwohl er schon die dutzendpackung gefüllt hatte. Dann eben bei der nächsten eierfrau. Nach den karotten, tomaten, salat, paprika und gurken habe ich mir noch drei kleine wassermelonen gegönnt. Und wieder zurück zum chaos, kaffee mit dem gebäck zum frühstück. Die fotos sind vom wochentag, am Sonntag ist es zu eng, zu viel gedrängel und mehr diebe.

20180910 markthalle

 

20180910 markthalle

 

Eine information an die leserschaft und besonders an diejenigen, die kommentare absenden. Ich zensiere eigentlich nichts, aber ich habe einen spamfilter und da gibt es einstellungen, damit roboter mich nicht zutexten. Auch gibt es einen länderfilter und jetzt kommt der punkt: Falsches land und der kommentar ist in der quarantäne und wird automatisch nach vier tagen gelöscht, wenn ich nicht einschreite. Nur während ich auf dem meer bin, kann ich nicht handeln. Ich bekomme nur eine mail mit dem inhalt des kommentars und deshalb erfahre ich es überhaupt. Also bitte nicht böse sein, wenn das geschriebene nicht erscheint, danke zum beispiel an Hugo für seine textergänzung, du oder dein server waren im falschen land.

Die motorfundamente sind noch am Sonntag fertig geworden, die halterung vorne links ist nicht ohne richtigen aufwand lösbar. Dafür müsste die seewasserpumpe entfernt werden, um an die schrauben heranzukommen. Dann fast alles tastend in einem halben meter tiefe, gibt nur weiteren ärger. Irgendwie habe ich den motor mit den fundamentschrauben und am ende mit einem wagenheber leicht hoch bekommen. Das in sich zerlegte fundament raus, das neue angepasst, austausch und absenken. Ich bin nicht glücklich mit der lösung, der gummipuffer hat nur eine schraube zum motorwannenblech bekommen, muss halten. Beim probelauf hat sich Mr Perkins nicht so sehr bewegt und beim ausschalten nicht so gerüttelt.

Da vieles zugänglicher als sonst ist, habe ich am Montag den hauptölfilter gewechselt, ein wenig öl hinzu und fertig. Danach bin ich zum batterien suchen durch die stadt gelaufen. Die läden sind verteilt und so habe ich gegenden gesehen, die ich sonst nicht betreten hätte. Im ersten marinezubehörladen wurde die standard hundert amperestunden batterie in agm technologie für dreihundertachtzig euronen aufgerufen. Und ich brauche zwei davon. Um die ecke gab es ein autozubehörgeschäft mit einer markenware zu zweihundertzwanzig oder ohne marke für hundertfünfzig euro das stück. Geht doch und schon hatte ich sie fast gekauft.
Die temperaturen stiegen schon auf dreißig grad, der nächste marineladen machte mittagspause und ich habe mich auch irgendwo an einem stinkenden kanal im schatten ausgeruht. Auf der anderen seite war ein geschäftiges treiben, aber so nicht auszumachen. Es stellte sich als gartenbaumarkt heraus und dieser hatte als promo die batterie für neunzig euro. Kein agm, aber wartungsfrei, das reicht. Meine lichtmaschine macht sowieso nicht genügend volt für die teuren batterien, also das ist ok.
Dann noch einen letzten dealer angelaufen, der konnte aber nichts und zurück zum schiff. Die gute alte handkarre herausgekramt und wieder zum gartenmarkt. Mal sehen wie lange diese teile halten, wenn es nur ein viertel der zeit der teuren batterien ist, passt es immer noch.
Am schiff nassgeschwitzt angekommen, das blei ins schiff gewuchtet und eingebaut. Erster fehler, die pole sind vertauscht, hatte ich nicht richtig bedacht. Passt aber trotzdem und der anlassser zieht sauber durch, hurra. Wenn nach dem ausschalten nur nicht dieses plätschern wäre.
Ich hasse diese selbstverursachten mißgeschicke und schreien hilft da auch nicht so richtig. Den öleinfülldeckel habe ich nicht wieder reingeschraubt und dort ist auch der rücklauf des nebenstromfilters dran. So pisste dort das schöne motoröl heraus und sammelte sich, nachdem es über den ganzen motor gelaufen ist, in der wanne bei den motorfundamenten. Hat man keine arbeit, macht man sich welche.

Vielleicht sollte es ja so kommen, es war viel öl, zwei normale, eine sehr große küchenrolle und ein paar lappen mussten kräftig saugen, um das große blech unter dem motor zu säubern. Ich habe fünf liter wieder aufgefüllt und somit war es der erste ölwechsel nach achtzehnhundert stunden. Die eiserne motorölreserve ist jetzt in der benutzung und einen neuen kanister habe ich gestern dann auch gleich noch gekauft.
Zur mittagszeit war ich noch einmal beim zahnarzt, durch eine plötzliche gehstoppbewegung hatte ich die beiden kauleisten aufeinander gepresst, die zunge war glücklicherweise nicht dazwischen. Nur eine ecke der neuen füllung war danach im mund. Ein patient war vor mir da, also bitte warten.
Da hat man zeit zum nachdenken und so langsam kamen mir gedanken zum spannungsabfall von batterien während des startens, die scheinbar ok sind, in den kopf. Da das bei mir der fall war, konnte während dieser zeit das magnetventil auch nicht ziehen und den diesel frei geben. Am abend hatte ich es dann wieder eingebaut, funktioniert wieder. Ein guter tag für Mr Perkins, frisches öl und ein intaktes ventil.
Für mich lief es dann nicht so gut, durch den biss ist der zahn weiter gebrochen und locker. In zwei stunden, morgens um acht kommt er raus, der zweite zahn in meinem leben, ade.

Dafür, dass er gewackelt hat, war er noch sehr fest verankert. Viel betäubung hilft viel, trotzdem bleibt so ein merkwürdiges gefühl beim herausreissen. Das war der problemzahn mit der nervigen wurzel. Dass das ganze aber so blutig wurde, habe ich nicht gedacht, eine erinnerung an einen schlachthof kam auf.
Nichts heißes essen, keinen sport treiben, wenig bewegen, was kühles und keine akrobatik. Somit war kein masttag angesagt und die aufgaben müssen am Do erledigt werden. Ich bin stattdessen zur motu-uta gelaufen, namensgeberin meiner hauptbausponsorin. Luftline unter tausend meter, nur ich musste außen herum zur ehemaligen insel laufen. Dort hat sich der zoll niedergelassen und der gibt einem einen zettel für duty free diesel. Das ging super schnell und war sehr einfach. Bei der rückkehr war intensives kühlen des mundraumes angesagt.

Einen tag vor der abfahrt aus dieser marina war dann doch noch gerödel. Mehrfach war ich im mast, weil ich das richtige werkzeug nicht dabei hatten, aber am nachmittag war die liste abgearbeitet und das chaos im schiff grob beseitigt. Morgen am Fr geht es fünf meilen weiter zur anderen marina, dort kann man draußen auch ankern.

War das ein erholsamer aufenthalt in dieser marina Papeete, eher nicht. Das war mir vorher klar. Der romantische ankerplatz zur hafenmole, den tausende segler bis in die späten neunziger genutzt haben, ist der marina zum opfer gefallen. Damals lag man mit dem heck zur mauer und kostenfrei. Die vierspurige straße nahm man in kauf. Heute zahlt man viel geld für eine sechsspurige hauptstraße. Morgens um fünf fängt der verkehr an und endet spät abends. Dann gibt es auf der anderen seite ein nachtlokal mit livemusik, die gassenhauer der letzten vierzig jahre. Kein schönes erlebnis. Das einkaufen von hier ist weit, nur der markt ist nah. Auch sind die mobilen restaurants nur fünf minuten weit entfernt und so wollte ich am letzten abend dort vieles probieren. Der zahn kam dazwischen, kein streetfood.
Papeete ist recht groß, vieles ist heruntergekommen, zu vermieten oder abbruchreif. Etwas richtig altes gibt es nicht, nur der kleine park auf der anderen straßenseite. Man muss hier nicht unbedingt den hafen anlaufen.

Am vormittag habe ich mich dann davongemacht, in richtung der anderen marina. Wieder einmal vergebens den port control gerufen und das jeweils zweimal, auch vor der landebahn des flughafens. Keine antwort, also habe ich den besonderen bereich nach einem flugzeugstart schnell überquert. Ich weiß nicht, ob die böllerschüsse mir golten, ich war aus meiner sicht keine gefahr. Am anderen ende das gleiche spiel. Von oben habe ich unten im funkgerät gebrabbel gehört, vielleicht auch meinen schiffsnamen, nun denn. Heute habe ich mal die handfunke durchgemessen und zwei kabel hatten keinen durchgang, kein lautsprecher und kein was weiß ich. Also dieses kabel muss neu.
Als ich beim flughafen um die ecke bog, traute ich meinen augen nicht, über hundert schiffe liegen hier vor anker oder an einer mooring. Eine lücke zur marina habe ich gefunden, nachdem ich den zollfreien sprit getankt habe. Das ist reichlich diesel für dreiundsiebzig cent pro liter, bis neuseeland mindestens. Die marina ist römisch katholisch und ich mag das nicht, schwer einhandtauglich. Mein plan sieht es vor, am Mo wieder hier aufzubrechen, da es reichlich wind gibt und der stimmt für den weg rüber nach Moorea.

Aber der plan ging schon wieder nicht auf, zuerst kein wind, dann ein wenig, danach zehn minuten reines segeln und am ende wieder einrollen. Dazu teilweise regen bis kurz vorm pass in Moorea. Die wolken waren noch tief, aber unten konnte ich gut sehen, einen platz suchen und den anker wieder fallen lassen. Jetzt bin ich in einer der bekanntesten buchten der welt und es ist dauerregen, so ein mist. Aber irgendwann kommt auch die sonne zurück.

20180918 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Heute morgen konnte ich draußen frühstücken, der regen hatte am späten abend aufgehört. Nach dem baguette jedoch kam der niesel zurück. Die cookbay im regen, na schön. Meine vorstellung dieses platzes war vielleicht auch realitätsfern. Rings um die bucht verläuft eine straße und das ist ab und zu laut. Der fluss, der hier endet, bring viel sediment mit sich, das wasser wird sehr braun, türkis ist es sonst. Aber im großen und ganzen ist es recht nett, die schiffe hängen nicht so dicht bei einander, man hat platz.

20180918 cookbay regen

 

Das war am letzten ankerplatz nicht der fall und zum wochenende wurde es richtig nervig. Jeder der ein motorboot, jetski oder ähnliches hat musste da lang fahren, mit vollgas am ankerfeld vorbei. Ich hoffe, dass seine schraube einen schaden bekommen hat, derjenige, der meine ankerplastikflasche abgefahren hat.

Es sind nicht die bellenden und heulenden hunde in der nacht, nicht die knatternden mopeds oder die ausflugstouristen auf den gelben quads in fünfergruppen. Diese bucht hat ihre guten zeiten vor dreißig bis vierzig jahren gehabt, dann gab es einen boom mit urlaubern, die etwas besonderes haben wollten. Die ressorts und hotelanlagen entstanden und noch mehr leute kamen und noch mehr verkehr. Und schon war die küstenstrasse laut und die ersten kleinen hotels mussten schließen und verfallen langsam. Ich wiederhole mich, aber hier rottet es vor sich hin. Die defekten baumaschinen am ende der bucht stammen aus den guten zeiten, heute sind sie zugewachsen und rosten weiter. Viele der häuser sind verlassen und haben das gleiche schicksal.

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Eine bucht bin ich weiter und hier sieht es besser aus, von weitem sehr gepflegt und bewohnt. Am anfang haben sich die schiffe gehäuft, am riff so um die dreißig bötchen und am ende der bucht keins. Mich hat es dann auch in die mitte gezogen, dort war ein neueres schiff und altlasten. Das ganze vor einem magasin, was will man hier mehr. Die auswahl ist aber schlechter, als auf den atollen. Warum sich nur die menschen mit schiffen als herdentrieb auf einem fleck sammeln müssen.

20180919 cookbay nachbarbucht

 

Mein nächstes ziel wird morgen früh in hundert meilen entfernung erreicht werden. Somit habe ich gute dreißig stunden zeit, um durch den pass von Raiatea zu fahren und zu ankern, ohne verlust.

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Ade Marquesas, auf nach Tahiti

Meine letzte insel der Marquesas, Ua Pou, war mit die beste, vielleicht weil es die finale war. Die letzte insel auf den Kap Verden gefiel mir auch am besten, unter anderem weil sie sehr grün war. Der hauptort hier war gut ausgestattet, ich zählte vier läden, alle mit dem gleichen sortiment, immerhin kleine abweichungen waren auszumachen. Oder es gab ein erweiterungsangebot im non-food bereich. Beim zweiten landgang mit dem schlauchboot blieb ich trocken, habe viel geld gelassen und werde bis Tahiti nicht verhungern.

Der hafen war soweit ok, aber viel bewegung im schiff, und es gibt ja noch mehr plätze auf der insel.

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180814 hausberg hakahau

 

Der nächste kleine hafen von Hakahetau ist nur fünf meilen entfernt, eine stunde. Ich war das dritte schiff und es wurden fünf. Die hafenmole war neu und noch in keinem bericht erwähnt, und so kam ich am nächsten tag wieder trocken an land. Von dem einen laden gäbe es zwei, hieß es, jedoch von außen nicht sichtbar, und sie waren zur mittagszeit auch zu, schade.

Mein landausflug diente der obstbeschaffung und dem besuch des wasserfalls, den es hier geben soll. Diesen habe ich sofort gefunden, nach einer stunde bergauf laufen. Zu Manfred, einem deutschen, der hier schokolade herstellt, habe ich es nicht geschafft. Das wären noch zusätzliche drei kilometer gewesen, bergauf.

Der blick vom ort herunter war sehenswert. Das feuer, das durch den ganzen ort zieht, stammt von einer baustelle für ein neues haus. Dafür musste ein riesiger mangobaum gefällt werden und der wird jetzt jeden tag stück für stück verbrannt.

20180813 hafenblick hakahetau

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht feuer

 

Der wasserfall war vielleicht zehn meter hoch, das wasser sogar mit badetemperatur. Also für meine füße war es ok. Was mir gefiel, waren die vielen erklärungen zur entstehung des ortes, vulkanaktivitäten, erste besiedlungen und an vielen bäumen informationen zur art. Leider nur auf französisch und für mich nur mit brille.

Die zunahme an zäunen hatte ich schon erwähnt, glaube ich, hier gab es sogar stacheldraht am weg zum wasserfall. Vielleicht haben sich zu viele segler bedient, ich habe meistens nur das fallobst genommen.

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

Noch einmal vier seemeilen weiter und ich habe anderntags die absprungsbucht für den nächsten törn erreicht. Mal wieder eine für mich allein, hohe felswände und blaues wasser. Das unterwasserschiff habe ich dann noch kurz mit der bürste bearbeitet, ging noch. Nur habe ich neue bewohner am schiffsrumpf, kleine krebse. Die größeren sind schwarz und in daumennagelgröße, die kleineren sind blass. Diese habe ich auch im wasserfilter gefunden. Die eltern habe ich in Atuona im hafen gesehen und die sind handgroß. In dem leckeren hafenwasser von sehr vielen seglern und einem bach lebt es sich recht gut. Die brut reist nun mit mir, mal sehen wie lange.

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

Dann los. Zum anfang war es mühsam, aus dem windschatten der insel herauszukommen. Da half wieder einmal der motor, strom war auch noch auf der bedarfsliste. Und dann lief es, der richtige kurs, mäßige geschwindigkeit und alles nur unter segeln. Das erste mal seit über drei wochen, dass beide segel im gerefften zustand oben sind. Leider muss ich wohl bis Tahiti auf der steuerbordseite segeln. Das bedeutet, dass das angeschlagene oberwant belastet wird, also alles mit reduzierter segelbelastung.

20180816 letzte bucht

 

20180816 letzte kueste

 

20180816 letzte sicht

 

Die erste nacht war so lala, immer im kopf das want und was für ein geräusch macht eigentlich zerreißendes metall. Am morgen war noch alles vorhanden, in der nacht hatte ich vorsichtshalber die genua ein wenig eingerollt.

Der neue tag auf see bringt mehr wind und es geht sehr gut voran. Wenn das schiff mal unter fünf knoten segelt, denke ich, es steht. Alles im gerefften zustand und es läuft um sechs knoten, super segeln.

Der nächste spannende augenblick ist in dreihundert meilen entfernung. Die route geht durch ein paar motus, also riffinseln eines atolls hindurch. Wenn es passt, halte ich mal an.

Ein kleineres problem besteht seit ein paar tagen und wird durch konsum beseitigt. Mein zweiter brauansatz ging nach hinten los. Das bier schmeckt, aber es hat viel zu viel kohlensäure. Der fehler ist zum einen eine zu frühe abfüllung nach sechs tagen der ersten fermentation. Ich dachte, bei der temperatur wäre das möglich. Zum anderen habe ich den ganzen brauansatz durchgerührt und zu viel zucker hineingegeben. Früher habe ich mit einem teelöffel den zucker in jede flasche gefüllt, viel zu aufwendig. Nun aber ist so viel druck auf den flaschen, dass die erste vor fünf tagen beim umfallen zerplatzt ist. Klebriger gerstensaft in der mittelkabine, schön mit vielen kleinen glassplittern vermischt. Diese sind auf der barfußroute besonders unfreundlich. Vor vier tagen dann ein plopp und zisch, die nächste flasche in scherben, an der sollbruchstelle des bodens. Wieder ist die flüssigkeit im bodenbrettbereich versickert.

An dem abend und am folgenden habe ich alle flaschen leicht geöffnet bis der schaum kam und den druck abgelassen. Danach die flaschen gesäubert. Bisher keine weiteren explosionen, jedoch beim öffnen der flaschen kommt noch immer ein schwell heraus, also nur in der plicht trinkbar, mit anschließender wasserreinigung der eigenen person, mist.

 

Das war gestern einer der besten segeltage im Pazifik. Sonne, wind, kaum wellen und der kurs stimmte. Es wurde ein etmal von hundertdreißig meilen, eine seltenheit. Auch fährt das schiff hier besser, schneller, es muss wohl an den fehlenden wellen liegen, denn sonst hat sich nicht viel geändert. Es ging halt alles zu gut, das schiff ist heil geblieben. Aber nach meiner abendlichen zahnpflege musste noch die zahnseide für ein stück kokosnuss herangezogen werden. Und diese zog dann auch ein großes stück backenzahn heraus. Die zunge fühlt einen kilometer tiefen krater, keine schmerzen, nur sehr blöde. In der nacht habe ich von zahnarztbesuchen geträumt, nur die waren in Hamburg,nicht mal eben um die ecke. Meine lösung bis zum arzt ist eine füllung aus küchenpapier. Das hält eine gute zeit lang, wenn die zunge nicht daran rumspielt.

Auch hat sich gestern mein zwischenstop konkretisiert, es werden die atolle Ahe und Rangiroa werden. Dafür habe ich französische unterlagen, die ich nur noch übersetzen muss. Bis nach Ahe sind es jetzt noch zweihundertfünfzig seemeilen. Dann muss nur noch die zeit mit der flut kombiniert werden, damit ich unfallfrei durch den pass komme.

 

Also das war mal ein anderer tag als immer nur sonne. Es fing mit leichtem nieselregen zum frühkaffee an, dann etwas mehr mit unterbrechungen und zum mittag wieder alles trocken. Leider kam am nachmittag mehr regen und wind. Ich habe meine leichten segelklamotten angezogen und mich nach draußen ins nasse gesetzt. Damit alles unter kontrolle blieb, lief der autopilot, und ich habe je nach dunkler wolke nachjustiert. Zum abend hin war alles wieder normal und ich durchnass. Die nacht war dafür mies. Zur nacht hin lief der motor für den strom und dann war es richtig warm im schiff. Oben fing der nieselregen von achtern an, also luken dicht.

Heute morgen, nachdem ich die nachtreffung aufgehoben hatte, kamen schon wieder dunkelste wolken an, aber es blieb trocken. Dann bei der nächsten habe ich mal eine halse gefahren, weg von der wolke und zum guten kurs. Und siehe da, statt schlechter drei knoten, lief das schiff fünf und nachher bis zu sieben. Zwischendurch gab es ein paar vitamine.

20180820 zweites fruehstueck

 

Es ist gerade sonnenuntergang am vierten tag auf see und vor ein paar stunden ist die entscheidung gefallen. Als ich den kopf wieder aus der luke gesteckt hatte, habe ich den ersten segler auf see in diesem jahr gesehen. Er nimmt den kurs richtung Papeete. Ich werde Ahe ansteuern, kartenmaterial, eine pdf-beschreibung und eine buchbeschreibung sind vorhanden. Und jetzt wird es spannend, es sind noch hundertfünfundzwanzig meilen bis zum pass. Schaffe ich einen durchschnitt von über fünf knoten, komme ich im hellen da durch. Aber das gute ist, der pass hat auch eine beleuchtete tonne, wenn die stromrechnung bezahlt wurde.

Morgens um vier uhr habe ich den tagtraum erstmal eingestellt. Am abend hatte ich noch eine weitere yacht gesehen oder deren grünen lichtbereich richtung Papeete. Dann war ruhe bis um drei, das radar meldete sich. Sechs meilen entfernt kam ein weißes licht, aber nur langsam. Somit blieb ich erstmal wach, das radar war mit dem schiff nicht brauchbar. Und dann hörte der wind auf, die segel schlugen nur noch, also alles runter. Inzwischen war das andere schiff irgendwo hinter mir und bog auch in richtung der hauptinsel ab. Schön wäre ein positionslicht gewesen und kein blinkendes weiß.

Jetzt ist es neun uhr und seit einer stunde segelt mein schiff wieder, der wind ist zurück. Nur sind es noch achtzig meilen, also das ziel ist bei helligkeit nicht mehr zu erreichen. Und wenn meine alte wettervorhersage noch stimmt, kommt bald ein winddreher mit flaute. Also bis dahin will ich im atoll sein.

 

Jetzt ist es mittag und noch über sechzig meilen bis zum atoll. Wir fahren fünf bis sechs knoten, aber das reicht noch nicht, in siebeneinhalb stunden geht das große licht aus. Der mond ist zwar auch sehr groß, hilft aber bei korallen nicht so gut. Außerdem wird die schiffsdichte höher, schon wieder ist mir eines entgegen gekommen.

Noch vierzig meilen bis zum pass und das schiff läuft um sechs knoten. Warum nicht schon heute nacht. Es ist nachmittag, noch vier sonnenstunden vor mir. Bei der geschwindigkeit sollte eigentlich mal ein fisch beißen und hat er wohl auch. War aber etwas größer, als es die angelsehne aushält. Vierzig meter davon und eine tintenfischatrappe zieren nun einen gierigen fisch, der nicht in meiner pfanne gelandet ist. Da hätte auch ein vorfach nicht geholfen, danke für die tipps.

Immer noch auf dem weg nach Ahe: seit einer stunde ist eine planänderung eingetreten. Der wind hat den ganzen tag gedreht, von raumschots bis jetzt hoch am wind, leider zu hoch. Ich komme nicht über die nordseite des atolls und werde unten herum fahren. Damit ich nicht an der ersten insel auflaufe, muss Mr Perkins im standgas die nötige höhe liefern, in einer stunde bin ich von diesem atoll frei. Dann ist auch die sonne untergegangen. Meine idee ist, dass der wind noch weiter dreht und ich nachher an der westseite wieder hochsegeln kann, mal sehen.

20180820 atoll aussen

 

20180820 atoll aussen

 

Um neun uhr abends habe ich den kurs wegen eingestelltem wind wieder geändert. Entweder neunzehn seemeilen oben herum motoren oder einunddreißig seemeilen unten herum. Die entscheidung war einfach, die see recht platt und der restwind nicht hinderlich.

Um ein uhr bin ich durch den pass getuckert und am ende gab es viele strudel, die ich nicht sehen konnte. Deshalb fahre ich eigentlich gern mit dem autopilot da hindurch, hatte ihn aber nicht an. Es ist gut gegangen, der felsen rechts kam nicht so nah und danach war es ein ententeich mit abgesteckter strecke. Um zwei uhr fiel der erste anker, nicht an dem angedachten punkt in sechzehn meter, sondern ich fand einen in der nähe des riffs in zehn meter. Anker fallen lassen, dreifache kette gesteckt und ich war sehr langsam, aber zu schnell für den anker. Ein kräftiger lauter ruck, der bug tauchte ein wenig ab und ich beobachtete meine position. Nur das war sehr schwer, das wasser war schwarz und ich konnte nichts erkennen. Hat er nun gehalten oder nicht, mal nach vorn gehen. Dort war nur noch ein rest kette an der winsch, richtig große dampfende scheiße.

Das wasser wurde immer flacher und ich trieb fast in die korallen, mit weniger als einem meter unterm kiel. Gerade noch rückwärts raus und wieder ins tiefe. Es war erstaunlich, wie schnell ich den zweiten anker aus seinem versteck gezogen hatte, einen neuen schäkel zur kette ausgegraben hatte und in die nähe des tatorts zurückgefahren war. Diesmal vorsichtiger mit dem zweiten und um halbdrei war ende. Am morgen wird sich mehr sehen lassen.

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

Gestern hatte ich mir in gedanken noch ausgemalt, was wäre, wenn die kette reißen würde, wie den anker retten und so weiter, in zwanzig variationen. Es kam aber besser, meine trippleine mit der leeren flasche schwamm fünfzig meter neben mir. Schlauchboot fertig machen, flossen und brille, seil mit ankerkralle und los. Am himmel braute sich auch etwas zusammen und mit dem hilfsanker war mir nicht wohl.

Das schwierigste war es, den über dreißig kilo schweren anker ins schlauchboot zu ziehen, vor dem frühstück. Danach die kette war sehr einfach, sie hatte sich zum glück nicht verhakt. Zurück zum schiff und alles wieder an deck bringen, immer noch kein frühstück, nur den zweiten becher kaffee.

20180821 ankerrettung

 

Dann lief alles nach plan ab, wieder ins tiefe wasser, ankerkette mit einem notglied verbinden, anker tauschen, kette zurück in den kasten und zum richtigen ankerplatz fahren. Dort lagen schon zwei boote, ohne ankerlicht, das wäre in der nacht noch aktiger geworden. Diesmal riss die kette nicht, anker hält.

Nach der wichtigen dusche und dem dritten kaffee habe ich noch den sonnenschutz über die plicht gebunden und dann fing der heftige regen mit wind an, just in time. Das hätte auch alles nach richtig hinten losgehen können während der ankerbergung, glück gehabt. Somit haben sich die ausgaben für eine ankerkralle, notglied, zweitanker und meine trippleine schon amortisiert.

 

Ein neuer tag und dieses atoll sieht schon ganz anders aus. Die blautöne im wasser sind klasse und die graubraun töne der korallenköpfe majestätisch. Einer dieser ist am heck meines schiffes, bei niedrigwasser komme ich mit den spitzen der flossen daran. Das müsste eigentlich reichen oder das schiff muss es aushalten können.

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

Da die ganze umgebung hier zwar schön, aber trotzdem nicht so spannend ist, werde ich morgen weiter fahren und mir das nächste atoll anschauen. Diesmal ist der weg mit den uhrzeiten abgestimmt, sollte passen.

Hier auf Ahe kenne ich schon den ganzen ort, kirche, krankenhaus, schule, post, zwei läden und ein imbiss. Das war es schon, ich habe vier autos gezählt, plus zwei schrottleichen. Das wasser soll hier verdammt teuer sein, sieht man auch schon an den vielen wassertanks als auffang bei regen. Vom meer bis zum binnenwasser kann man durchblicken und viele gebäude sind abbruchwürdig, reste vom letzten taifun. Ich habe keine mangos oder pampelmusen gefunden, nur kokosnüsse. Möchte man in diesen südseetraum leben, ich noch nicht.

20180821 ahe hafen

 

20180821 atoll bruecke

 

20180821 atoll meerseite

 

20180821 atoll strasse

 

20180821 atoll zufluss

 

Das atoll hat mich ein bisschen an das Stettiner Haff erinnert. Ein binnenmeer mit betonnten wegen, untiefen und fischernetzen. Am rande bäume oder bewuchs. Hier sind es palmen, das wasser sieht besser und wärmer aus.

Die planung für den Donnerstagnachmitag war genau richtig. Ankerauf und zum pass motoren, um dort bei ruhigem wasser anzukommen. Dann nur noch hinaus, lief besser als hinein und die segel setzen, gleich für die nacht. Der kurs nach Rangiroa war fast mit der windsteuerung möglich. Nur als ich aus der atollabdeckung heraus war, kam eine eklige welle von der seite. Das schiff rollte von der einen zur anderen seite, eine schlechte nacht. Am morgen waren es dann nur noch zwanzig meilen bis zum nächsten pass. Mal sehen, was das größte atoll der gruppe so kann.

Nach einundzwanzig stunden war ich am ziel und habe den anker im grünen wasser fallen lassen. Ein schlechter ankerplatz, wie er im buch beschrieben worden ist, aber machbar. Mit dem schlauchboot ohne motor bin ich per anhalter in den kleinen hafen gezogen worden. Nur rudern wäre bei der querwelle richtig nass geworden.

Der erste ort hat einige kleine ‚magasins‘ und sieht aufgeräumt aus. Doch sind auch dort viele verfallene häuser und daneben gepflegte grundstücke. Ich habe keine mangos gesehen, nur unreife papayas auf einem verlassenen grundstück. Die zwei kirchen beherrschen die menschen. Viele autos an ihrem lebensende sind hier gestorben und verharren in den gärten. Ohne tüv laufen sie länger, jedoch zerfrisst das salzwasser die hülle. Alles im allem wirkt er ein wenig abgerockt, der ort Tiputa.

 

Ortswechsel bei der rückkehr aufs schiff auf die andere seite des passes. Hier dominiert eine große hotelanlage im inselstil, mit häusern auf stelzen, die dächer aus kokosblättergeflecht. Zwölf schiffe liegen hier vor anker, viele große hässliche kats über fünfzig fuß und icke mitten drin. Dazu kommt der viele kleinschiffsverkehr von dem hotel Kia Ora zum schnorcheln oder tauchen am riff. Und die bootseigner juckeln auch herum.

Hier ist es eine leicht andere welt und nur durch den pass getrennt. Wer hier an land wohnt, gehört zur versorgung oder technik für die tauchschulen oder fürs hotel. Weitere pensionen haben sich auch angesiedelt. Die preise vom großen magasin haben sich an den großen schiffen orientiert, teurer als sonst.

 

Das wetter wird in drei tagen ungemütlich werden auf dem weg nach Papeete, oder in vier tagen hier. Ich glaube, im letzten satz ist soeben die entscheidung getroffen worden. Kaffee trinken, anker hoch und zum anderen großen ort mit dem zweiten pass fahren. Dort schauen, wann ich raus kann, und mal schnell in die hauptstadt, es sind ja nur zweihundert meilen.

Ich habe nicht angehalten, es lief bis zum pass alles soweit ganz gut. Nach meinen informationen sollte es ablaufendes wasser sein und so war es auch. Am anfang gab es strudel, die machte der autopilot wett, und dann lief es, nur es kamen wellen hinein. Die von tausend meter tiefe auf dreißig, und das schiff ging auf und ab. Die luken waren zu, nur die beiden segelschiffwracks am anfang und am ende des passes machten das ganze sehr anstrengend. Aber nach ein paar minuten war ich draußen, die wellen nahmen ab und es ging mit der segelei los.

Das lief alles sehr gut, um das kap des atolls herum und direkter kurs auf Tahiti. Nach dem sonnenuntergang wollte die windsteueranlage immer einen kurs von zweihundert fahren, zehn mehr wären gut gewesen. Ich konnte es dem teil aber nicht ausreden, es hielt genau auf Makatea zu. So musste bis um ein uhr nachts der autopilot uns an der insel vorbeibringen. Sehen konnte ich fast nichts, nur eine warnbarke leuchtete.

Am morgen war der wind fast weg, höchstens drei knoten mit schlagenden segeln waren möglich. Dabei waren es noch über neunzig meilen bis zur hauptstadt.

 

Der nächste tag ist vorbei und ich bin noch mitten im meer. Seit heute mittag sind die segel runter, zu wenig wind, damit sie stehen. Ein paar kleinstreparaturen haben die zeit verkürzt. Der eine deckstrahler am mast ist in der halterung weggerottet, auf die liste.

Zum sonnenuntergang sind es noch siebzig meilen bis Tahiti und ich kann es schon sehen. Wenn das morgen oder übermorgen klappt, fange ich mit der insel östlich an und arbeite mich nach Papeete vor.

 

Zum sonnenaufgang war es dann wieder ein kleines stück weiter, ich bin zurückgetrieben. Aber daran kann es nicht liegen, dass ich die insel nicht mehr sehen kann. Nach dem morgendlichen frühstück ging der motor an. Nicht, dass ich das stück damit fahren will, aber es ist eine gute gelegenheit, wieder wasser zu machen. Die marina in Papeete kann natürlich wasser liefern, aber das hier ist gute trinkwasserqualität. Der wind bringt das schiff nur auf einen knoten fahrt, es kann also noch dauern.

Zum sonnenuntergang, der recht nett war, konnte ich Tahiti immernoch nicht sehen. Dort scheint alles mit wolken verhangen zu sein. Mein ziel ist siebenunddreißig meilen entfernt, das meiste habe ich heute durch das wassermachen gefahren. Wenn es morgen früh noch immer keinen wind geben sollte, geht Mr Perkins an die arbeit.

 

Neue situation, neue entscheidung nach wenig schlaf. Um mitternacht ging der motor an, der wind war fast null, sowie war die restwelle auch null. Das meer war ruhig, dazu eine fast vollmondnacht und der plan war, die nächsten sechs stunden mit fünf knoten zum pass zu fahren.

Die ersten dreiundzwanzig seemeilen liefen genau so ab: ich saß im cockpit und vor mir die angel. Wenn sich da was tun würde, bekomme ich es mit. Gerade als ich das sicherungsseil gelöst hatte und das vorhaben wieder einstellen wollte, war meine angel zur reling gezogen worden. Ein griff zur angel und ein zweiter zum gashebel. Dann nur noch aufkurbeln und die beute an bord bringen. Kein richtiger fisch, einer mit tinte und ab in den eimer. Es war jetzt nicht der zeitpunkt, sich um das tierchen zu kümmern.

Der wind kam auf und die wellen fingen langsam an, größer zu werden. Das war es mit dem plan, drei weitere stunden habe ich für die restlichen sieben seemeilen gebraucht. Der angesagte wind, also der grund, warum ich das atoll verlassen hatte, war zu früh da. Windstärke fünf voll auf die nase mit kräftiger welle.

Die sonne war pünktlich und das szenario selten. Rechts war landunter, sicht null und links war die sonne. Es gab mehrere regenbögen gleichzeitig. Der fang hatte mit letzter kraft seine tinte abgegeben, der eimer ist undicht und auf dem deck ist alles schwarz.

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 tintenfleck

 

20180829 tintenverursacher

 

Durch den pass bin ich dann mit heftigem seitenwind gefahren, und nach einer weile habe ich die marina gefunden. Doch hier gab es einen neuen wind aus den bergen und somit liege ich auf reede vor dem hafen. Den versuch, dort hinein zu fahren, habe ich abgebrochen, zu eng mit wind. Erstmal duschen, einen weiteren kaffee trinken, den regen abwarten und ein wenig schlaf nachholen.

Dann die beute zerlegen, das erste mal, dass ich so etwas unterm messer habe. Da ich mir das innenleben anschauen wollte, gibt es keine ringe. Den rest des tages im dauerregen mit viel wind verbracht.

20180829 erster tintenfisch

 

Seit vierundzwanzig stunden liege ich in zehn meter tiefe vorm hafen und zwanzig meter hinter mir das innenriff der insel. Der wind hat bis zu dreißig knoten und die wellen entstehen innerhalb des außenriffes. Dazu kommt, dass der wind durch die berge ein wenig umgelenkt wird. Also ein wenig bangen um die ankerkette, wenn es schlecht läuft, liegt das schiff am riff.

Es erstaunt mich zudem, dass diese eine woche alte wettervorhersage sich nur um sechs stunden vertan hat. Wind und luftdruck scheinen zu stimmen, also hält das ganze noch einen tag lang an. Wenigstens ist es heute von oben trocken. Jedoch ans ufer komme ich trocken wegen der wellen auf keinen fall, also mal wieder das ganze aussitzen.

20180829 tahiti

 

20180829 tahiti

 

Es ist jetzt die stunde fünfundfünfzig und ich hänge noch immer am anker. Die distanz zum riff ist stabil, so um die fünfzehn meter. Der wind war gestern abend mal am ende der dreißig, jetzt wieder mitte zwanzig. So weit, so gut. Die zwei windsurfer von gestern haben auch heute ihren spaß und das außerhalb des außenriffs. Draußen werden die wellen immer größer, das riff bremst sie glücklicherweise aus. Innerhalb haben die kleinen motorboote probleme, gegen die restwellen anzukommen, entweder gar nicht oder sehr nass.

20180831 tautira innenriff

 

20180831 tautira  marinaeinfahrt

 

Mein calamares ist aufgegessen und ich möchte in nächster zukunft keinen mehr essen. Warum sind die so beliebt, weißes gummi mit fischigem geschmack, sehr kauintensiv und das bringt mir mit meinem zahn keine laune.

Am riff beobachte ich die vögel, wie sie versuchen, fische zu fangen, und ab und zu kommt eine rückenflosse mit einer schwarzen spitze vorbei. Mein haibestimmungsbuch ist leider nicht dabei. Dafür langweilige bücher über weltumsegler, die abenteuer erfahre ich doch lieber selbst. Falsches gepäck für diese reise.

Das barometer fällt und das ist gut, deutet es doch auf ein ende der wettersituation hin. Nach meiner alten vorhersage schläft der wind heute nacht ein und dreht dann nach nord. Nur da will ich hin, blöd so etwas.

 

Jetzt ist es Samstagmittag und alles beim alten. Was nützt eine wettervorhersage, wenn sich das wetter nicht daran hält. Der wind ist immer noch um fünfundzwanzig knoten, die wellen draußen sind kleiner geworden, in der lagune ein wenig. Nur alles viel zu viel, um an land zu gehen, aber vielleicht mache ich es nachher doch. Das wochenende droht, karg zu werden, da keine frischen vorräte vorhanden sind. Den ort Tautira kenne ich noch nicht, freue mich darauf. Da die sonne schon wieder scheint, könnte es also was werden.

Den gelblichen hai sehe ich häufiger, aber er ist fotoscheu. Dafür kommt das riff bei bestimmten windkombinationen gefühlt sehr nahe, unter vier meter. Dabei habe ich noch über sechs meter unterm kiel. Der runde kreis im bild ist mein bereich, nach links ist der kleine hafen und der ort auf der halbinsel.

20180901 riffposition

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

Die kleine zukunft endet hier, meine wettervorhersage ist am ende. Es stimmt nicht mehr sehr viel, der wind kommt aus der gleichen richtung, der regen war nicht in der vorhersage. Heute beginnt der fünfte tag am riff und ich will nicht mit ihm verwachsen. Es scheint aber milder zu werden.

Nachdem der übliche morgenritus beendet war, wurde das australian blond in flaschen verfüllt, angesetzt in Ahe. Mal schmecken, ob es diesmal besser wird. Und da heute Sonntag ist, will ich auch mal in die kirche, scherz.

Um die mittagszeit herum waren die wellen kleiner, der wind weniger und das dingi willig. Also ein landgang, die erste strecke war fast trocken. Der hafen oder die marina dafür mehr als abgerockt. Ein glück, dass ich dort nicht hinein bin. Das verwaltungsgebäude eine ruine, wasser gibt es nur mit glück.

Der ort auf einer halbinsel gelegen sieht auf nsa-aufnahmen super aus, die realität ist eine andere. Heruntergekommen, mehr als auf den atollen, zwei kirchen, eine tankstelle, ein supermarkt und drei imbisse. Viele ansätze für erholung und freizeit, leider nicht in wartung. Hier besteht handlungsbedarf, der ort wäre so super für wassersportaktivitäten, er muss nur erweckt werden. Am ende habe ich ein paar bier am hafenimbiss erbeutet und mehr als auf den atollen bezahlt. Ich hoffe, dass der rest von Tahiti nicht so ist.

 

Am sechsten tag habe ich mich mal verlegt, ein halbe seemeile weit, luftlinie. Als ich anfing war es ruhig, dann kam wind auf und als ich den anker gelichtet habe waren es schon um dreißig knoten plus. Das war schon blöd, anker ist halb fest und der wind drückt einen aufs riff. Der motor lief und der autopilot hatte seinen kurs, jedoch musste erstmal der anker frei sein. Eigentlich eine situation, die man nicht macht. Abwarten auf weniger wind, nur ich war mittendrin. Dann als wir vom riff weg waren, der anker auf dem schiff, waren es schon vierzig knoten und ein heftiger regen. Gefahren bin ich nach der elektronischen karte, sicht fast null. Der windmesser fiel auch mal wieder aus und beim pass wurde es besser und trocken.

Draußen war echt pogo, wellen passend zum wind und riesige brecher am außenriff. Mit ein wenig genua und dem motor im standgas bin ich das riff entlang getuckert und habe auf der anderen seite des ortes in der flussmündung geankert. Hier ist alles ruhig, hätte ich es mal vorher gemacht, ging aber nicht, aufgrund des wetters.

Der weg zum supermarkt ist halbiert, das rudern mit dem dingi kein risiko und es soll auch nur für ein oder zwei tage sein. Das nächste ziel kann ich vor dem riff oder dahinter erreichen, in zwei stunden entfernung. Erst danach ist Papeete in fünfundzwanzig meilen entfernung anzusteuern.

 

Am siebenten tag war der morgen so, wie er sonst auch ist, abgesehen von wetterverschiebungen. Lauer wind, blauer himmel und die natur macht ihre geräusche. Das erste mal seit über einer woche, dass ich das große Tahiti sehen konnte. Dieser ankerplatz ist sehr gut, der beste seit den Marquesas in punkto ankerfestigkeit und umgebung. Wenn der ort hier nur nicht so runtergekommen wäre. Nach dem frühstück mit schinkenbaguette und viel salat ging es zum nächsten ziel. Aus den drei wasserfällen der kategorie über zwanzig meter sind auf dem weg fünf geworden.

 

Der weg durch den betonnten streifen in der lagune war sehr abwechslungsreich, draußen die brecher am riff und innen binnensee. Nur wenn das riff unterbrochen war, fing eine heftige schaukelei an. Den zielhafen nach acht meilen habe ich mir das erste mal auf meiner reise unprepariert angeschaut. Die fender und seile waren parat, aber noch nicht installiert. Und was ich dann gesehen habe, entsprach nicht in der erwartung, eine tote industriebrache. Da hat eine lange zeit lang kein größeres schiff halt gemacht, der ganze hafen war nur für mich. Nun liege ich an der intakten betonmauer zwischen gummipuffern und tiefem unkraut, super.

Auf dem weg ins zentrum musste ich mich zwischen zwei bekannten supermarktketten entscheiden. Das bier wird immer günstiger, noch immer fast zwei euro die flasche ohne pfand, und das angebot an lebensmitteln wird größer.

Dieser ort liegt genau zwischen dem kleinen und dem großen Tahiti, leider ist auch hier kein wifi.

20180904 kleinst motu

 

20180904 kleinst motu

 

20180904 tahiti

 

Dann am nächsten morgen der aufbruch. Die alternativen waren, entweder in den gartenmarkt zu gehen und ein wenig schlauch und schellen zu kaufen, oder nach Papeete abzulegen. Auch wenn ein baumarkt eine gewisse anziehungskraft hat, bin ich los.

Der motor lief und die genua hat geholfen, bei wenig wind. Außerhalb des riffs waren die wellen richtig schön lang und hoch. Zwischendrin gab es noch zwei walsichtungen, alles im allem eine gute fahrt. Wenn da nicht die letzten fünf seemeilen gewesen wären. Am letzten kap hatte sich etwas verändert, die wellen kamen nicht mehr von hinten, sondern von vorn. Die kleinen kurzen fiesen und die ursache war am horizont schon leicht zu erkennen. Dort war das wasser weiß und in einer viertelstunde war es auch bei mir. Fünfundzwanzig plus knoten direkt von vorn, da musste Mr Perkins richtig arbeiten.

Der platz am Pointe Vénus wurde umdisponiert in die bucht dahinter. Ein netter ankerplatz, der letzte vor der marina. Am wochenende hängt hier halb Papeete ab und badet. Die sicht ist auch super, Moreea ist das erste mal zu sehen.

20180906 pointe venus

 

Papeete ist schweineteuer, die marina will fast vierzig euro für den tag haben, lebensmittel sind günstiger als auf den inseln. Gleich geht es zum zahnarzt, mal sehen, ob da was zu retten ist.

Nachtrag zum aktuellen standort: dieser wird auf meiner webseite nicht mehr angezeigt, da google seine preispolitik geändert hat und mir das ganze zu aufwendig ist. Wieder einen googlemail account erstellen, ein projekt generieren, api-key anfordern, kreditkarte hinterlegen und damit fängt der ärger an. Bei vielen aufrufen geht es an das portemonnaie zuerst nur der massenaufrufer, aber sicherlich auch bald der kleinen, wie ich. Da die karte zum schiffsstandort auch nicht so aussagefähig war, bleibt sie jetzt weg. Außerdem müsste ich noch meine wordpressversion updaten, ich hasse es, funktionierende systeme mutwillig zu zerstören. Das ist also der grund für die änderung in der standortanzeige. Ihr könnt die koordinaten ja selbst abfragen.

Der google translator ist auch deaktiviert, so langsam geht mir die datenkrake auf den sack. Reicht es denn nicht schon, der nsa alle daten zugänglich zu machen?

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