Rettungsversuch

Mein erster gang am morgen war zur immigration, die hatten schon im hotel eine nachricht hinterlassen, ich möge mich doch melden. Autsch, jetzt nur nicht verplappern. Aber die frau von vor zwei wochen war freundlich, sie hätten mich schon vermisst. Wussten sie doch schon von der strandung und mein aufenthalt wurde einfach verlängert. Danach ging es zur Affaire Maritime, die jetzt die verantwortliche behörde sind. Alles, was mit schifffahrt und hoheitsgebiet im atoll um die insel herum passiert, ist unter ihrer verantwortung. Und jetzt fangen die probleme an. Das riff liegt am nördlichen atoll und es dürfen nur hochseeschlepper dort hin. Alle anderen hundert schlepper sind wertlos. Hochsee bedeutet hochpreisig oder nicht bezahlbar. Somit scheidet kollege Ivan mit seinen connections aus, vorerst. Die AM hat den finger drauf, jedoch die verantwortung liegt bei mir und auch das ganze zu organisieren. Ich konnte wenigstens den herrn dazu bewegen, dass er bitte die drei in frage kommenden firmen kontaktiert und diese ein angebot abgeben.

Am nachmittag dann ein kurzes telefonat mit dem konsul, um über die missliche lage zu berichten, und danach gab es ein treffen mit Yvonne, einer deutschen, die hier hängengeblieben ist. Sie kennt ein paar leute, auch den konsul und kann hoffentlich helfen. Zufälligerweise lief auch die Raven für eine nacht in den hafen ein. Die beiden lagen vor zwei wochen neben mir und sind nett. Somit hatte ich ein quartier für eine nacht, denn morgen habe ich ein zimmer in der auberge, der erste jugendherbergsaufenthalt meines lebens. Als individualist nehme ich ein einzelzimmer zum halben preis eines hotelzimmers.

20190718 auberge

 

20190718 auberge ausblick

 

20190718 auberge ausblick

 

20190718 auberge ausblick

 

Von den beiden habe ich auch ein handtuch bekommen, meine sind alle auf dem schiff. Somit habe ich noch duschgel und badeschlappen gekauft, sind auch auf dem schiff. Es ist ein wunderschöner blick über die altstadt, nur um dorthin zu kommen, heißt es bergauf. Die abkürzung sind einhundertunddrei stufen. Mit dem ganzen gepäck musste ich dort viermal pausieren, auch ich werde älter. Innerhalb der herberge geht es wieder fünfzig stufen zu meinem zimmer hinunter. Das schöne daran ist, davor ist noch ein rasenstück.
Danach das ganze wieder hinauf und den berg hinunter zur AM.
Die drei firmen sollen da gewesen sein und hätten die informationen mitgenommen. Sie melden sich per email. Deren adressen habe ich auch erhalten und nach der rückkehr sofort nachgefragt. Jeder tag zählt. Denn hier entdet die arbeit der AM schon lange, das ist mein job – delegation ohne entscheidungsbefugnis. Wenn die angebote machen, die höher als die erstattungsfähigen bergungskosten der versicherung sind, ist das das ende. Oder ich organisiere wieder selbst etwas und dann kommt Ivan doch noch ins geschäft.

Zwei angebote kamen noch am Do herein. Beide sind sich sehr ähnlich, die kosten belaufen sich um zehntausend euro. Das lässt sich ja locker aus der kohlschen portokasse bezahlen, allerdings ist das die summe pro tag, und es sind vier davon notwendig. Das ist so etwa um den verkaufspreis, wenn man schnell geld für das schiff braucht. Da fängt die kacke schnell an zu dampfen. Und die nächsten sieben jahre in der selbstinsolvenz will ich auch nicht. Dieses habe ich Ivan per mail auf googlefranzösisch mitgeteilt und auch Yvonne mit mann waren mit im boot. Nach ein paar telefonaten hier und da gab es einen anruf, ich möge um acht uhr am nächsten morgen am markt sein, die lösung setzt sich zusammen. Ein manager von einer schlepperfirma, die allen bewohnern auf einer insel gehört, Ivan ist auch da und Yvonne. Ein angebot wird zeitnah erstellt, denn es eilt. Zur zeit ist vollmond und das hochwasser ist höher und besser für die bergung, hoffnung. Jetzt warte ich erstmal auf ein ok von meiner versicherung.

Am Sa ist hier eigentlich schon wochenende, einige menschen arbeiten jedoch noch oder halb. Um für den sprung bereit zu sein, habe ich schon einmal die busse gecheckt, es gibt nur eine unternehmung für den überlandtransport. Auch weiß ich noch nicht, wo ich einsteigen soll, entweder in Belep oder auf dem schlepper in Poum. Das zweite gefällt mir besser. Belep klingt nach matratze auf dem boden, viele mücken und kakerlaken. Das gute ist schonmal, dass die versicherung ein zusage gemacht hat und auch die bergungssumme erweitert hat. Das lässt einen spielraum für die verhandlungen. Pläne machen ist ja ganz nett, nur sie müssen dann auch realisierbar sein.

Das erste ziel ist es, Themroc nach Koumac zu bringen, und der zweite schritt ist, dann weiter nach Noumea zu kommen. Irgendwer kann doch das schiff längseits nehmen und mich für ein geld zum travellift bringen. Aber erstmal den ersten schritt und dafür warte ich noch auf das angebot.
Heute am So bin ich mal in die andere marina im südlichen hafenbereich gelaufen, sieht auch nicht viel anders aus. Ein paar mehr motorboote, appartments und die marina liegt dort auch. Am ende habe ich mir eine zweite blase am fuß gelauften und die erste ist noch nicht abgeheilt. Aber ich habe eine neue idee für die bergung bekommen. Wenn ich bei niedrigwasser dort alles vorbereiten kann, kann ich auch drei schnitte in die ruderhacke machen. Links, rechts und unten, dann kommt der hammer oder der wagenheber zum einsatz und das ruder ist wieder frei. Dann muss ich nicht geschleppt werden, hat auch sein gutes.

Das neue angebot ist noch immer nicht eingetroffen, was macht der typ nur. Dafür kam noch das letzte der ersten drei hinein. Nur schlappe dreiundfünfzigtausend, melken solange die kuh auf dem hof ist.
Es ist Mo nachmittag und noch kein angebot auf dem tisch, bin ich genervt. Am Fr konnte es nicht schnell genug sein für ein treffen und nun dies. Andere denken, dass ich schon im bus nach Koumac bin, aber warum. Ein schritt nach dem anderen. Der nächste bus geht am Mi, sollte reichen. Dafür bin ich heute morgen zum zoll gelaufen und habe eine kopie der anmeldung bekommen. Damit kann man steuerfrei einkaufen, vielleicht ist das ja nützlich. Da alles so langsam geht, bin ich schon an der ausarbeitung von plan B. Neuseeland auf der südinsel zum jahreswechsel und dann rüber in die gefangenenkolonie. Im april kann ich dann den indischen ozean durchqueren und habe dabei noch zeitreserven. Meine großen missgeschicke sind mir immer in der situation des zu spät dranseins passiert. Ich sollte langsam daraus lernen.

Inzwischen haben wir Do abend und eine menge ist passiert oder fast gar nichts. Als erstes wurde ich heute in den dritten stock in der herberge umgezogen, eine neue perspektive. Die bemühungen, ein angebot von den menschen im norden zu erhalten, sind geglückt, oder gepecht. Fast achtundzwanzigtausend euro, um mich von riff nach Koumac zu schleppen. Ein vergoldeter arbeitstag, die erweiterung, um mich nach Noumea zu schleppen sind dann fast sechzigtausend euro.

Da schlackert auch der einheimische hier mit den ohren. Somit ist der schnellste und günstigste wieder im rennen. Heute bin ich dorthin gelaufen, auf dem weg habe ich beim hafenmeister nachgefragt, wo die firma zu finden sei und jemand hat mich die letzte meile gefahren, sehr nett. Das gespräch lief gut ab, der manager war jahrelang schlepperkapitän und kennt das geschäft, mag es aber nicht besonders. Schiffe vom riff ziehen hat etwas mit emotionen der eigner zu tun und das ist schwer. Dafür habe ich mir heute einen besuch bei mc doof gegönnt und auch gleich bereut. Sechs verfaserte hühnerreste mit einer großen portion pommes für zehn euro. Als ich in der jugendherberge ankam, war der hunger wieder da. Drecksfraß zum extrapreis, wo kann ich für ein verbot dieser fresshütten unterschreiben?

Jetzt liegt es an meiner versicherung, das ganze finanziell zu begleiten. Jeder tag für mich hier in diesem kaff kostet mich um sechzig euro. Da ist es billiger, mit dem schiff in der marina zu liegen. Ein weiteres projekt mittelfristig wird die ablösung und einstampfung von microsoft sein. Diese mistsoftware will auch noch nach einem backup eine aktivierung vom officepaket. Nur weil ich die festplatte von einem rechner in den anderen montiert habe. Strafzoll und verbotsgebühr von fünfzigmilliarden wären meine antwort darauf.
Und so langsam nervt mich auch die schnelligkeit der mitwirkenden. Am Fr geht da wohl schon nichts mehr und dann ist wochenende. Meine routine ist dann eine andere, anstatt zweimal in die stadt hinunter zu laufen, mache ich einen kleinen ausflug. Heute war ich in der reparaturmarina auf der anderen seite und habe mir das mal angeschaut. Kein luxus, aber es ist für den genannten preis ok. Die kosten für farben werden auch hier in gold aufgerufen, dinghies fangen bei sechshundert euro an.

Danach noch weiter bis zur landspitze, dabei habe ich fünf schiffwracks gezählt, hauptsächlich stahlschiffe. Wird ein weiterer schiffsfriedhofsbericht werden.

20190718 auberge ausblick

 

Dies ist schon das zweite wochenende in Noumea und hier ist nicht viel los. Unter der woche sind die straßen vollgeparkt mit autos, somit könnte die luft heute besser sein. Der flohmarkt hat nicht viel zu bieten, ist zwar groß, jedoch brauche ich keine kinderkleidung oder getragene schuhe. Eine weitere ecke des hafens habe ich abgelaufen, dann war ende oder das militärgelande fing an.

Die autonummern sind hier wie auf Tahiti gestrickt, eine fortlaufende zahl und ein NC am ende. Die höchste ziffer ist zur zeit um vierhundertsiebenundzwanzigtausend. Die kleinste war von einem TR6 von ca. neunzehnhundertdreiundsiebzig mit sechsundsechzigtausend. In vierzig jahren gab es eine menge an neuen autos und lastwagen. Nur fahren können die hier nicht so recht, viele verbeuelte fahrzeuge, an der landstraße stehen haufenweise schilder in menschenform für einen toten. Darauf steht dann das datum und die uhrzeit, nur das stört keinem. Auf der fahrt vom norden gab es dann viele, sehr viele schrottplätze. Morgen geht es hoffentlich wieder weiter, sonst ist das schiff bald festgewachsen oder geplündert.

Heute ist morgen und es ist Mo. Nach meiner frage, wann es denn endlich losgeht, kam die antwort, nicht in dieser woche. Also wieder das zimmer verlängern, für die nächste nacht zahlen und sich wundern. Dazu kommt noch, dass es hier gemischtes wetter gibt und der regenschirm ist noch im schiff. Somit wird es auch garantiert nichts mit der idee, direkt nach europa zu segeln. Also vielleicht doch wieder Neuseeland und die Marlborough Sounds und dann nach Australien hoch. Mal sehen, was vom schiff noch übrig ist.
Gestern abend gab es dann den vertrag, der hoffentlich schon in der prüfung ist. Und man hat mir erzählt, wie einfach busfahren ist. Somit war heute ein ausflug in die baumärkte auf der agenda, zur vorbereitung. Ein paar weitere lebensmittelgeschäfte ausprobiert und dabei noch die gegend angeschaut. Diese stadt ist außerdem von buchten umgeben, auch eine möglichkeit zu warten. Die busfahrerin hat mich auf ihrer tour mitgenommen und am ende direkt vorm baumarkt abgesetzt, in der brd fast undenkbar.

Dabei gibt es viele kleine plattenbausiedlungen in Noumea. Die farbige bevölkerung lebt dort und es sieht nicht sehr nett aus. Wer im erdgeschoss wohnt, lebt vergittert im käfig, verbrannte wohnungen und beschmierte wände. Dafür ist das bussystem sehr ausgebaut und die verbindungen sind häufig, und meistens sitzen hier nur farbige in den bussen oder touristen.
Mi, der erste regentag am vormittag, und ich bin unterwegs zu einer weiteren marina mit travellift. Das ganze ist eine bucht weiter oder mit dem bus sind es fünfzig minuten. Wieder vieles gesehen, das die kreuzfahrttouristen nicht zu sehen bekommen, kleine slums, wilde bebauung. Die marina war nicht einladend, die bucht ist wrackverseucht und ringsrum schwerer maschinenbau, sowie schiffsbearbeitungen. Die endhaltestelle roch nach männerklo, aber es schüttete aus eimern und dann macht man die nase zu. Kein ort der heimat, industriecharme im matsch. Somit ist diese planung auch abgeschlossen, die marina in bucht an der altstadt wird es werden. Eine zahlveränderung habe ich auch gefunden, achtundfünfzigtausend, das alte gefährt ist ein kurzer landrover serie 3.

Heute ist hier schon der erste august und die nachrichten sind nicht gut. Zuerst hat der verantwortliche in meiner versicherung eine woche unangemeldeten urlaub genommen. Ihre mails werden nicht weitergeleitet und erst am fünften bearbeitet. Ganz große nummer, besteht doch die schlepperfirma auf einer vorauszahlung und ich kann nicht aus der hosentasche fünfunddreißigtausend euro vorstrecken. Das ist schon das nachverhandelte günstigste angebot, doppelt soviel geht hier auch. Somit hat die schlepperfirma schonmal den möglichen termin um drei wochen verschoben. In dieser zwischenzeit kann ja auch mal ein nordwind kommen, auf jeden fall gibt es nächste woche eine große tide. Hoch genug, dass das schiff aufschwimmen kann. Mit dem falschen wind könnte es dann in die lagune treiben, mit glück auch dort wieder heraus. Das ganze scheint die versicherung nicht zu interessieren, aber sie hat schonmal einen schadensgutachter beauftragt. Nur bisher ist der schaden unterhalb der selbstbeteiligung. Dieses wirtschaftliche handeln von versicherungen habe ich noch nicht verstanden, aber es geht ihnen gut.

In den foren fangen auch schon wieder einige wenige an, sich die mäuler zu zerreißen, wohlgemerkt aus dem schutzgebiet brd vom sofa aus. Das hauptproblem hier besteht in der zeitverschiebung von zwölf stunden. Kommunikation ist dadurch erschwert bzw. verlangsamt. Dann ist da noch die seefahrtsbehörde, die das schiff vom riff haben will, die kosten sind denen egal. Die haben nur ihr image und das riff im fokus. Auch haben sie die hürde der schlepper gesetzt, nur hochseetaugliche sind zugelassen. Das schränkt die zahl der unternehmen auf drei ein, ein kleines oligopol. Wobei das riff kaum schaden genommen hat, bis jetzt. Das schiff ist auf der seite dreißig meter weit gerutscht, der haufen abgebrochener korallen ist kleiner als nach einem sturm. Und dann ist da noch die entfernung von fast vierhundert seemeilen bis zum atoll. Die marine wird aufgefordert zu schauen, ob das schiff noch vor ort ist, bevor geborgen wird. Einen tag hoch fahren, ein paar stunden vor ort und mehr als einen tag wieder zurück.

Mal sehen, wie es weitergeht.

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Ist das das Ende?

Es fing schleppend an, der motor lief noch zwei stunden mit und dann waren die batterien wieder randvoll. Um zehn uhr setzte der passat ein und es ging segelnd los.
Der jet am himmel, der auf mich zuflog, war für mein geschmack ein wenig zu tief. Tief sind so etwas von fünfzig metern über dem wasser. Dann eine halbkurve und die aufschrift marine war zu lesen. Also die können das. Das funkgerät war aus und er kam auch nicht wieder. Morgen bin ich hoffentlich weit genug vom land entfernt.
Die beiden neuseeländer mit ihrem kleinen katamaran nannten das naughty, dass ich ohne ausklarieren hier verschwinden werde. Andererseits haben sie dafür verständnis, denn ich will nach norden und nicht gegen den wind und strömung wieder nach Nuomea.

Der erste tag und die erste nacht waren gut, bin ich doch schon über hundert meilen weiter als gestern. In drei stunden durchquere ich die große passage am nördlichen atoll, da hatten die vulkane eine pause gemacht. Und danach sind es nur noch zwölfhundert meilen bis zum anfang der südlichen route zur Torres Strasse. Leider gibt es nur rückenwind, ekeligst.

Was ist mir da nur passiert. Alles lief gut am zweiten tag, bis abends um sieben. Ich hatte immer noch rückenwind, das segel war auf der steuerbordseite im ersten reff und der motor lief noch einmal kurz mit, um für den strom in der nacht zu sorgen. Zusammen mit der windsteueranlage arbeitete der autopilot, um am vorletzten atoll vorbeizukommen. Kurz noch ein paar grad am autopiloten geregelt, um am windlimit die richtung zu haben, dann das nachtlager vorbereiten und das essen kochen.
Die dose tomaten hatte ich gefunden, die tortellini abgemessen und den rest in die vorratsflasche gefüllt. Dann hat mich was umgehauen, schnell wieder nach oben. Das segel war umgeschlagen und das riff auf der falschen seite. Dann war ich auch schon in der brandung, der erste aufsetzer.
Der versuch zu steuern scheiterte, das ruder klemmte schon. Ein weiterer versuch, mit dem motor etwas zu regeln, funktionierte auch nicht. Nach kurzer zeit wurde es zudem dunkel, noch schnell das segel bergen, die kleine genua einrollen. Der motor konnte auch aus, das war es.

Themroc liegt jetzt auf einem riff. Nachdenken. Das kochen war auch nicht mehr machbar, der topf kann kaum wasser beherbergen und rutscht zudem vom herd runter. Also habe ich angefangen, die neubiervorräte zu vernichten. Die nacht war dementsprechend ruhig und ein paar meter ist das schiff noch gerutscht.

letzte position von Themroc
18 36 46.977 S
163 12 37.175 E
20190711
19:15

Am nächsten morgen war die situation begehbar, einmal herum um ein paar fotos zu machen. Die schleifschneise in den korallen sind deutlich sichtbar. Die idee, das schiff per anker und flaschenzug zu drehen, habe ich verworden. Den wal von achtzehn tonnen bring ich nicht bis zur riffkannte und darüber hinaus schon gar nicht. Nach einem halben kaffee musste ich die konsequenzen erkennen. Ich brauche hilfe am rande von Neukaledonien.

entfernung-riffkante

 

mast

 

rifflage

 

rifflage2

 

ruder

 

windsteuer

 

rifflage3

 

Erstmal alles einpacken, was ich mitnehmen möchte. Wichtig waren die kaffeekanne, meine beiden laptops mit zubehör, mein geliebtes kochmesser, das ich zum dreißigsten bekommen habe, die wichtige pfeffermühle, meine machete. Was zum anziehen, shirts, unterhosen, strümpfe, was warmes.
Dann war es zeit, die epirb zu finden, anschalten, unter die sprayhood legen und abwarten, es war sieben uhr. Der frust und der schock manifestierten sich, ein paar ales zum trösten und beruhigen. Um neun uhr kam schon der marineflieger vorbei und sagte, dass der katamaran Fiuu in zwei stunden da sein werde. Man sollte nicht so viel trinken, oder ich konnte nur noch durch den tunnel schauen, weil ich das desaster nicht wahrhaben wollte. Sie kamen von der lagunenseite, ein junger mann und eine junge frau, dabei war eine reifere. Der auftritt war professionell, mein dingi wurde von deck geschnitten, mein gepäck ging hinein, und als das wasser mir bis zu den knien reichte, ich hinterher. Dann zu ihrem dingi, umsteigen und meins wurde an einer koralle festgebunden. Von der fahrt zum katamaran habe ich nicht viel gesehen, festhalten und ducken. Erst am schiff merkte ich, dass es auch segler waren.

themroc-1

 

Dann nach aufforderung eine dusche, um mich vom salzwasser zu befreien. Das neue ziel waren das nächste atoll und eine vogelinsel. Dort warteten wir zwei tage, um vom mrcc zu erfahren, wie es weitergehen soll. Das ziel war die insel Belep, über achtzig meilen südlicher. Von dort kamen sie her, ein track war vorhanden.

Viele satellitentelefonate und der vierzehnte juli kamen dazwischen. Den haben wir dann genutzt, um noch einmal zu Themroc zu fahren, weitere sachen zu holen, einige sachen zurückzubringen, der eine laptop lief nach dem salzwasser nicht mehr. Die dieselkanister vom deck wanderten ins bad, ein leck-check zeigte kein wasser.
Weitere fotos habe ich gemacht und das ruder war fest. Die schützende ruderhacke war leicht nach oben gebogen, keine bewegung mehr möglich. Hatte ich mich also nicht so dumm angestellt. Das groß haben wir noch mehr festgebunden, den mast habe ich nach vorne abgespannt, weiß ich doch nicht, ob ich bei der bergung dabei bin. Luken zu und wieder mit meinem dingi zum anderen. Diesmal haben die drei es zurückgebracht und auf dem deck festgebunden.

Die fahrt nach Belep dauerte bis zum nächsten mittag, ein kontakt wurde uns vom mrcc mitgeteilt. Der familien-katamaran hat mich dort im nördlichen atoll auf der insel Belep abgesetzt.
Der mrcc hat irgendetwas dort arrangiert und ein Ivan hat mich in empfang genommen. Er kann kein englisch und mein französisch ist rudimentär, geschönt ausgedrückt.

Heute bin ich hier im hauptdorf auf Belep und morgen geht rein zufällig ein fischerboot in richtung Noumea ab. Währenddessen schon einmal den honorarkonsul kontaktiert und zwei wichtige mails versendet.
Die erste zu Sabine und die zweite zu meiner versicherung. Die werden mich natürlich lynchen, aber das risiko ist ihr geschäft. Der spaß wird nicht billig werden, ein kräftiges schiff aus Noumea zum riff bringen, mein schiff herunterzuziehen, es nach Noumea zum travellift bringen und an land setzen.
Wenn der mast bricht, ist es das ende. Wenn die reparatur nicht bis anfang august erfolgt ist, wird es eng mit dem indischen ozean und eine weitere zeit in Neuseeland ist möglich. Sollte die versicherung nicht zahlen, fliege ich zurück und es ist aus.

Morgen um sechs uhr geht es los und um fünf am nachmittag sollen wir in Noumea sein, das ist eine gute nachricht. Die leute hier riechen den rettungskuchen und machen auch pläne. Übermorgen sehe ich mehr, habe hoffentlich klarheit.

Ich bin heute durch kulturen gereist, wenn das nicht auch was gutes hätte. Das leben hier ist entspannt. Hat man wenig, kann man weniger verlieren, zusammenhalten hilft und bindet. Ivan, mein kontaktmann, ist ein beliebter mann dort, er ist die fischwelt nach draußen. Fisch ist dort sehr reichlich vorhanden, kostet nichts, hat dort aber für einen verkauf keinen wert. Ivan hat eine kleine eismaschine organisiert, transportbehälter und nimmt den fisch aus dem dorf zum kauf an. Es ist sicherlich nicht viel, aber es kommt geld in die gemeinde, in der es keine gendarmerie gibt, denn sie haben einen chief. Er ist der häuptling und der regelt das.

Kaffeetrinken mit der sippe, schlafen auf einer matratze auf dem boden in Ivans haus und die durstigen mücken waran auch dabei.
Irgendwelches geschrei draußen in der nacht, und ich höre immer themroc, vielleicht träume ich auch. Aufstehen um fünf uhr, die fähre nach Koumac fährt um sechs ab. Fahrtdauer fünf stunden. Somit war schonmal das fischerboot ein missverständnis. Dort habe ich das erstemal wieder weiße gesehen, aber die inselbewohner waren sehr entspannt.
Und das filmprogram auf dem schnellkatamaran war für mich abstoßend. Der erste film war ein hauen in die fresse. Ein weißer soll gegen einen anderen in so einer kickboxarena kämpfen. Der gute trainer ist ein farbiger, wie alle auf der fähre. Am ende verprügelt der trainer den weissen hulk und alles ist wieder friede und eierkuchen.
Als nächstes ein animationsfilm, pinguine surfen um die wette und ein hahn gewinnt. Passt ja genau wie die faust ins auge mit den französischen besatzern.
Zum schluss noch ein filmchen von guten dinosauriern. Auf diesem niveau werden die einwohner gehalten, beschämend.

Nach der ankunft ein wenig warten und Ivan hat die ersten hundert kg fisch verkauft. Da der transport erst um ein uhr fährt, ging es mit einer frau vom verwaltungfährpersonal zum essen zum china-imbiss.
Dann zurück und die restlichen 200kg fisch in den ducato geschoben. Dreiersitzbank vorn, hinten die vier fischkisten und die bewohner der insel sind alles andere als zwerge.
Danach gab es vierhundert km kurvige landstrasse im speedtempo, ein weiterer stop für 50kg fisch und abends um halb sieben haben sie mich am hotel abgesetzt.
Dieses hat der honarkonsul reserviert und für eine nacht ist es ok. Nur achtzig euronen ohne frühstück sind eine ansage, die ich nicht auf dauer bezahlen kann.

Morgen weitersehen. Gute Nacht erstmal.

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Neukaledonien

Andere inseln, andere bräuche. Es soll sicherlich nur zu meinem wohl sein. Ich hatte mich so auf ein bier gefreut und dann die enttäuschung im supermarkt. Von Mittwoch bis Sonntag gibt es nachmittags keinen alkohol zu kaufen, also für mich wieder am Samstagvormittag bis zwölf uhr. Da sitzt die wumme aber leicht im halfter.

Die priorität an dem morgen war, den motor wieder flott zu bekommen. Die halterung und die schrauben habe ich mit dem blauen hylomar eingedeckt und alles wieder festgeschraubt. Auf der suche nach dem wagenheber habe ich dann noch fünf liter motoröl gefunden. Der selbstzweifel war unbegründet, immer etwas in reserve. Danach die bilge aussaugen und in alte kanister füllen. Am ende waren das fünfzehn liter wasserölgemisch. Noch einmal durchfetten, öl wieder auffüllen und fertig. Um zwölf uhr, mist.

Ab zum einkaufen, doch die geschäfte machten schon dicht und der supermarkt war im gemüsebereich ausgelutscht. Der versuch, bier mit auf’s band zu legen, wurde von der nachbarkassierin bemerkt, gibt’s nicht.

20190630 alkoholverbot

 

Auf dem rückweg noch bei der tankstelle vorbei und neue sechs liter öl gekauft, zu einem sehr hohen kurs.
Dann ging es an die liste ran, abarbeiten. Der austausch der genuashot war einfach, genau wie der austausch der umlenkrolle für den baumniederholer.

20190629 neue genuashot

 

Danach war ich dreimal auf dem mast und habe aus der schotrolle einen neuen radarreflektor mit den restlichen teilen gebaut, da das rohr genau die maße hatte. Der zweite reflektor am mast bekam eine tape-operation, muss erstmal halten.

20190629 neuer radarreflektor

 

20190629 neuer radarreflektor

 

Zum schluss noch ein wenig holzarbeiten, der windgenerator bekam ein neues blatt. Da bin ich aber noch froh, dass er noch da ist. Durch die starken vibrationen hat der beide haltemuttern abgeschüttelt, die ihn mit dem mast verbunden haben, glück gehabt.

Morgen wird der strom hier am vormittag abgestellt. Ist doof, will ich doch noch wäsche waschen und mit der nähmaschine viele nähte der sprayhood nachnähen. In der zeit werde ich erstmal ein neues selbstgebrautes bier ansetzen. Der zoll hat zwischendrin auch nochmal vorbeigeschaut. Nichts anzumelden, kein alkohol und keine waffen. Das eine atoll, Ouvua, das ich vielleicht besuchen wollte, ist auch gestrichen. Dort wird man zur zeit mit dem gewehr begrüßt und sollte es dringendst meiden.

Die sprayhood nachnähen ging auch mit dem inverter und vorher hatte ich bereits ein neues ale angesetzt. Soweit sind die vorbereitungen abgeschlossen. Der versuch, meine gasflaschen zu befüllen, ist schon wieder gescheitert. Hier im hafen macht jemand das als dienstleistung, und der wollte mir erklären, dass es besonders schwer sei, diese europäischen flaschen zu füllen. Er nannte mir einen ich-will-das-nicht-tun preis von zweihundertfünfzig euronen, arschloch.

Bei der immigration war ich zu früh, da ich noch immer in der neuseelandzeit lebe, also uhr vorstellen. Das ganze dauerte dann fünf minuten und fertig. Nur den antrag für das verlassen des landes muss ich auch hier abgeben. Sollte ich also keinen dringenden grund haben, verlasse ich die insel so. Zweihundert meilen deshalb wieder zurückzufahren ist nicht drin.
Danach in den supermarkt und bier und wein gekauft. Der wein ist die neue lieblingssorte in Lille, ein muscadet und von meinem lieblingssupermarkt. Nur am abend die herbe enttäuschung, das zeug ist gekippt und in richtung portwein abgerutscht. Aber bei fünfundzwanzig euro für drei liter wird da nichts weggekippt.

Noumea ist eine französische stadt im Pazifik, mit den üblichen bausünden. Fast alles alte wurde weggebaggert, ist zerfallen und die reste werden jetzt bewahrt. Zu spät. Die urbevölkerung ist abgehängt und säuft, wenn es was zu kaufen gibt.

20190630 althausbestand nuomea 20190630 althausbestand nuomea

 

20190630 althausbestand nuomea

 

20190630 althausbestand nuomea

 

20190630 althausbestand nuomea

 

20190630 althausbestand nuomea

 

Wieder in der marina sagte man mir, dass der markt am Montag zu hat, der nächste griff ins… Also noch einmal zum supermarkt zurück, da der andere erst um drei öffnet. Ein wenig obst, gurken und tomaten, ingwer und äpfel. Das brot war schon labbrig und so habe dann ein brot an der tankstelle erworben. Schnell noch die marina mit dem restgeld bezahlt und leinen los.
Das limit sind fünf stunden motoren und das reichte bis zur durchfahrt im süden zwischen dem festland und einer insel. Da der strom gegen mich war, habe ich am ersten platz geankert. Neukaledonien im süden besteht aus roter bis brauner erde, der gleiche farbton, der sich schon wieder auf dem schiff breit macht.

20190701 tag1 bucht

 

20190701 tag1 bucht

 

20190701 tag1 bucht

 

20190701 tag1 bucht

 

20190701 tag1 bucht

 

20190701 tag1 bucht

 

Der nächste morgen fing super an, der strom war mit mir und es ging um das südliche lange ende herum. Im südosten ist ein leuchtturm, und es schien, als wenn es wind gäbe, wenn auch leichten. Ein stück die genua herausgezogen und das schiff machte anstatt fünf über sieben knoten fahrt, hurra. Das wasser war bis hier flach ohne wellen und dann, aus dem nichts, gab es eine große dünung. Gleich darauf wurden die wellen höher und steiler, fünf bis sechs meter. Diese mussten über das außenriff gekommen sein. Das ganze dauerte keine vier minuten und war wieder vorbei, wie auch der wind. Jetzt wusste ich, warum ich das freigelegte riff beim leuchtturm sehen konnte. Das wasser von dort hat mich mit zwei knoten plus in richtung meer gezogen. Das war mein erster miterlebter tsunami .

20190701 tag2 wellen

 

20190701 tag2 wellen

 

Aufgrund dieses erlebnissses habe ich den ankerplatz ein stück weiter in einen fluss hinein verlegt. Es ist wichtig, dass der anker fasst, auch wenn das wasser kommt.

Nachdem ich geankert hatte, kamen noch drei weitere boote zu diesen platz. Er war nicht sehr fotogen, es fing an zu nieseln, aber zum ankern war er gut. Am nächsten morgen ging es dann mit motor weiter, fünf stunden waren geplant und es wurde eine mehr. Eine recht offene bucht mit sand und mud als untergrund und viel kette. Dieser teil der insel zeichnet sich durch bergbau aus, das rote zeug wird von den felsen gekratzt und hinterlässt eine zerstörte natur. Morgen wird es noch einmal mit dem motor weitergehen und übermorgen kommt dann der wind.

Ich bin mal vor dem sonnenaufgang wach geworden, als der kaffee fertig war, kam auch die sonne hoch. Heute bin ich sogar sieben stunden mit dem motor unterwegs gewesen und ankere dreißig meilen weiter. Der ort heisst Thio und hier wird die rotbraune erde verladen. Auch baggern sie intensiv die bergspitzen ab.

20190701 tag4 abbau

 

20190701 tag4 abbau

 

20190701 tag4 abbau

 

Unterwegs habe ich fünf kleine sandinseln mit palmenbewuchs gesehen, das gleiche schema wie auf Tahiti. Vier fahrwassertonnen, viele kokusnüsse im wasser, ein paar springende fische, die jeder eine gute mahlzeit wären, ein hubschrauber, der material auf einen berg brachte, jede menge riffe und das gleiche küstenbild. Zweimal habe ich das segel für fünfzehn minuten herausgezogen, ansonsten war es nur ententeich.

20190701 kleininsel

 

20190701 kleininsel

 

Wieder bin ich mit der sonne aufgestanden, und während das braune heißgetränk zog, ging der anker hoch. Zweimal habe ich wieder die genua herausgelassen, für die kurzen fallwindpassagen in bergeinschnitten. Ein katamaran war dann vor mir und ich habe ihn erst kurz vor dem ankerplatz eingeholt. Aber nur weil er einen fisch zerlegt hatte.
Was mich mehr stört, ist die angegriffene natur oder deren zerstörung. Jede bergspitze oder die reste des vulkans werden untersucht und abgegraben. Solange bis es sich nicht mehr lohnt. Das gold heißt hier nickel und kobalt. Braucht man alles für legierungen und auch im edelstahl. Schließlich muss ich ja nur mein schiff anschauen. Somit bin ich ein teil der zerstörung hier.

Für den nachmittag gab es dann eine wende, die beiden vom katamaran kamen vorbei und fragten, ob sie mich mit in das dorf Candela nehmen sollten. Fein, genauso habe ich mir das gewünscht. Nur es war niedrigwasser und wir kamen nur zu einer slipanlage. Der rest zu fuß und papa trug den säugling von vier monaten. Im dorf gab es dann eine überraschung, ein fest über drei tage und es fing mit einem erdofenessen an.
Doch zuerst zum supermarkt durchgefragt und der alkohol war wieder einmal verschlossen. Dafür gab es äpfel und möhren, sowie ein brot. Auf dem rückweg konnten wir noch die reste vom essen probieren, sehr fettiges schweinefleich, irgendwelche wurzeln, trockenes hühnerfleich und salate. Das ganze für umsonst. Der rückweg war dann mit wasser unterm kiel, ein schöner nachmittag.
Ach ja, und der tsunami war keiner. An der ecke an der insel gibt es eine so kräftige strömung, und gegen die flut, da baut sich so etwas auf. Vielleicht auch besser so.

20190705 bucht canela

 

20190705 bucht canela

 

20190705 bucht canela

 

20190705 bucht canela

 

Erste aufregung des nächsten tages beim anker bergen, eine seeschlange wollte freundschaft mit meiner ankerkette schließen. Ich war dagegen und somit blieb sie in Candela. Wieder habe zweimal das segel herausgezogen, diesmal für länger. Der angesagte wind war da, fünf bis sechs windstärken, jedoch lief der motor mit. Das zickzack fahren zwischen den riffen war anstrengend. Dreimal wurde ich nass und am ankerplatz fing es schon wieder an. Eine bucht hatte ich ausgelassen, wären doch die wellen direkt dort hineingelaufen. Sieben meilen oder zwei stunden habe ich gespart und bin in eine mit der öffnung nach norden. Nur an der einfahrt war schon wieder eine verladebrücke.

20190705 seeschlange

 

Die letzte nacht hat alles getoppt, die war so mies. Denn auch in diese bucht sind die wellen hineingekommen, in der heckkabine wurde ich durch die gegend geschleudert. Erst mit ein paar kissen kam ich zur ruhe. Die verladebrücke war die ganze nacht durch beleuchtet, störte aber nicht.
Der nächste morgen war wie immer. Raus aufs meer in richtung der nächsten ankermöglichkeit, diesmal in Touhu, nahe einem yachtclub hinterm innerem riff. Die fahrt hierher war flott, der motor lief wieder mit, die halbe genua hat dazu gezogen und die sicht war schlecht. Das land war im regen eingehüllt, und wenn es frei war, war es so wie ich es mir hier idealerweise vorstelle. Keine krater, keine abgetragenen berge und keine steinlawinen vom straßenbau. Hier scheint die welt noch in ordnung zu sein.
Und dem türken erklären ab jetzt drei chinesen, wie man aus wind strom macht. Die rede ist von meinem windgenerator. Es gibt zwar auch windgeräusche, aber er läuft rund. Die frage ist nur, wie lange.
Morgen kommt der letzte abschnitt der Neukaledonienreise bis Hieghene.

Und dieser letzte teil war super gut. Die sonne schien, etwas wind war vorhanden und die landschaft war grün. Am ende gab es dann noch die überraschung am eingang zur bucht. Endlich mal anderes vulkanisches gestein zu sehen. Dafür ist die bucht ein wenig schaukelig. Ich bin am morgen das einzige schiff am ankerplatz, vorhin ist mir ein katamaran entgegengekommen. Weitere fünf kleine inseln habe ich auf dem weg gezählt, in der größten lagune der welt.
Nachher geht es noch ins dorf, zum supermarkt, es soll einen pub mit wifi geben und die tankstelle suche ich auch mal.

20190708 einfahrt

 

20190708 kleininsel

 

20190708 kueste

 

Der besuch des dorfes ist auf morgen verschoben. Nach der motorpflege habe ich versucht, das dingi samt motor zum laufen zu bringen. Dieses miststück sprang irgendwann an, stand im eimer und konnte wasser saugen. Dann hörte er auf. Und nun kommt so etwas multiples, bowdenzug gerissen, starterseil gerissen, ausschalter verrostet und die zündkerze funkte nicht mehr, was sie minuten vorher noch getan hat. So etwas habe ich noch nie erlebt und ich habe früher viel geschraubt. Dann das schiff auf den kopf gestellt und die schachtel mit den zündkerzen gesucht. Zum sonnenuntergang war dann alles wieder zusammen, der motor lief, wenn auch schlecht. Also morgen ein neuer versuch des besuches.

Mit einem neuen wetterbericht wird die reise in Neukaledonien hier beendet. Mich beschleicht das gefühl, dass es ab hier schöner wird, wie in den letzten beiden tagen. Aber ich muss spätestens ende Oktober in Madagaskar sein, sonst ist das wetter gegen mich. Nächster stop ist in Darwin auf der südlichen route durch die Torres Strasse.

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Ab nach Neukaledonien

Was macht man mit den restlichen NZ dollars? Ausgeben. Alle vorbereitungen sind soweit abgeschlossen und der preis für ein taxi ist fünfundzwanzig, für eine strecke. Aber es soll auch einen treckingpfad am ufer entlang geben. Der war gut ausgeschildert und abwechslungsreich. Zum anfang auf einem holzsteg, danach in eine wand gegraben. In der mitte wurde es bergig, danach wieder auf einem holzsteg durch den sumpf, am strand entlang und um eine landzunge herum. Nach zwei stunden war ich im nachbarort angekommen.

20190616 wanderweg

 

20190616 wanderweg

 

20190616 blick wanderweg

 

20190616 blick wanderweg

 

20190616 blick wanderweg

 

Am dortigen schiffsanleger gab es eine craftbierbrauerei und ich habe mir das erste richtige IPA gegönnt. Schmeckte nach grün und toastbrot und war recht teuer. Danach weiter zum supermarkt und eingekauft. Das restliche geld ausgegeben und noch das taxi bezahlt. Mann, war ich froh, nicht mit dem fahrrad gefahren zu sein, das ging rauf und runter. Zur belohung gab es dann zum abschied eine tk-pizza. Nicht weil sie lecker war, nur essbar, sondern sie sollte mich an die selbstgemachte zu hause erinnern. Die ist um längen besser.

Am montagmorgen habe ich mich mit dem hochwasser vertan, es lief schon zu früh ab. Somit gleich los und an der tankstelle wieder festgemacht. Im marina büro sagten sie, ich solle zuerst tanken, dann zum zoll und wiederkommen, mit dem tankbeleg. Und das war eine überraschung, mit der zurückerstatteten mehrwertsteuer konnte ich fast die marinagebühren bezahlen. Nun sind meine fünf roten argentinier wieder voll.

20190625 rote argentinier

 

Als es losgehen sollte, kam der nebel, aber ich war schneller, und nach zwei stunden mit dem motor kam der wind. Segelnd habe ich Neuseeland verlasssen, recht flott und auf dem richtigen kurs. Nachts um drei fing der wind an zu drehen, nach einer segelkorrektur ging es noch bis zum sonnenaufgang weiter.
Dann war erstmal schluss, motor an, um die batterien zu füllen, und um halbzehn ging es langsam mit rückenwind weiter. Die erste nacht ist nie gut, diese war keine ausnahme.

Endlich am zweiten tag nachmittags geht Neuseeland am horizont unter. Der wind dreht weiter, wie versprochen, und am abend wird er kräftig werden. Als vorbereitung habe ich schon mal das grüne curry zubereitet, nachher kann es zu spät sein. Und wie viel uhr habe ich denn? Mein gps macht schlapp, eine reise in die vergangheit. Das datum ist der 2.11.99, nur die uhrzeit stimmt, wird wohl aus dem datensatz des satelliten gelesen.
Ein weiteres system wird krank, der antrieb. Ab viereinhalb knoten fängt es an zu singen, entweder ist es das drucklager oder die kadanwelle oder das getriebe. Wenn es die welle sein sollte, habe ich bald ein weiteres problem. Bis zum nächsten ziel sind es knapp achthundert meilen.

Vorsichtshalber habe ich am abend schon mal das erste reff ins großsegel gezogen, die genua war noch verkleinert. Um halb zwei war dann das zweite reff dran. Die wetterkarte zeigte schon ein kräftiges gelb und das wird noch einen tag anhalten. Die nacht war wieder schlecht, das heftige rumsen der wellen an die bordwand stört. Der wind ist noch ein halbwind und so kommen auch die riesigen wellen.
Heuten morgen dann eine kurze kontrolle draußen, soweit alles ok, nur die dritte reffleine hat sich am radar verfangen. Diesmal klettere ich da nicht hoch. Es sind noch immer dreißig bis vierzig knoten wind, deutlich mehr als vorhergesagt. Dafür segelt das schiff sechs bis sieben knoten. Sorgen machen mir nur die brecher von der seite. Nur noch siebenhundert meilen.

Das war ein tag zum abgewöhnen. Draußen war es zu nass und gefährlich, also innen in der ecke beim kühlschrank oder auf dem fußbodenbett im durchgang sitzen. Bewegen wird bei den schlägen zum potentiellen blauen fleck oder bruch, also tief bleiben. Nachts um zwei war dann der spuk vorbei, die pause hielt aber nur vierundzwanzig stunden an.

Fangen wir mit dem positiven an, die zusätzlichen vier löcher im süllrand haben sich bewährt, das wasser ist schneller vom deck. Meine neuen fenster im pilothouse sind dicht, da flogen hektoliter seewasser drauf und sie sind trocken. Die windsteueranlage hat seit Opua gut gearbeitet, auch jetzt im sturm. Zur unterstützung konnte ich von innen unten am steuerrad nachregeln und die kurse noch verbessern.
Und nun zur schattenseite, das zweite instrument ist gestern, nachdem ich den motor gestartet hatte, total ausgefallen. Daran hängt der windsensor und so fehlte diese information. Das problem habe ich in soweit behoben, dass nun das display von unten am steuerstand oben verbaut ist. Windanzeige ist wieder da, nur das echolot ist am unteren display, und vor Neukaledonien muss ich wohl besser nochmal umbauen. Auch der versuch, einen neuen stecker zu crimpen, hat nichts gebracht. Mein lieblingskochwecker, der mich schon seit dreißig jahren begleitet, will nicht mehr klingeln. Der vorhandene ersatz tut es, sieht aber scheiße aus.
Mein windgenerator hat einen teil vom seinen holz verloren, mein anwendungsfehler. Jedoch lief er eine kurze zeit und zwar rund. Das bedeutet, dass die neuen mitgelieferten repeller nicht gleich waren, fehlende qualitätskontrolle der herstellers. Ich werde im nächsten hafen ein neues brett zurechtsägen.
Dann noch eine folge des nächtlichen reffens, ein umlenkblock für den baumniederholer wurde durch das seil gesprengt. Ersatz ist vorhanden, im nächsten hafen. Am ende dieses tages, den ich mit einer stundenlangen fahrt eines tiefergelegten serienfahrzeugs auf einer etappe paris-dakar vergleichen würde, sind schlappe hundertundzwanzig meilen herausgekommen. Dabei ist das schiff meist um sechs bis sieben knoten gesegelt, ein rätsel.

Solche tage fördern den gedanken aufzuhören und zwar so bald als möglich. Der wunsch nach einem willigen käufer wird groß, ein rückflug der wunsch. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, werde ich meinen logischen weg fahren, um die umsegelung zu vollenden. So schnell wie möglich nach Darwin, über den indischen ozean, Südafrika und dann hoch nach Martinique. Vielleicht ein paar mal anhalten, aber bis zum ende Oktober sollte der nächste ozean passiert worden sein. Von Opua bis Kapstadt sind das schlappe zehntausend meilen ohne umwege. Dann noch einmal sechstausend nach oben. Eigentlich reicht halb rum um die erdscheibe, das war der interessantere teil.

Am mittag ist dann die lage durch einen unfall wieder besser geworden. Der kurs hoch am wind war west bis nordwest, ich brauche aber nordnordwest. Der motor lief mal wieder, um die verbrauchte energie der nacht zu erneuern. Danach habe ich ein wenig zu viel optimiert, zu viel ruder und das schiff machte eine zwangswende. Das passiert nicht allzu oft, aber hier war es mal wieder der fall. Der neue kurs ist nordost, auch nicht, wo ich hin will, aber mehr nord und wieder zurück zur ideallinie. Und das ganze im sonnenschein, es wird wärmer.

Der mäßige wind hielt den ganzen tag und am abend sah es nach mehr aus. Vorsichtshalber hab ich wieder ein reff mehr eingezogen und die genua verkleinert, wie eigentlich immer. Es ging hoch am wind mit unterstützung der windfahne nach nordost. In der nacht drehte der wind bis morgens, und um fünf war der kurs nord, super. Nur dass dann der wind aufhörte. Ich versuchte noch so einiges, zum schluss noch den autopiloten. Nach soviel aktion war dann der schlaf auch vorbei, die dämmerung begann. Jetzt nach dem kaffee um halbneun ist der motor auch wieder aus, die batterien sind geladen und die segel sind geborgen, flaute. Noch fünfhundertundsiebzig meilen bis in den nächsten hafen.

Der sechste tag auf see fing ganz langsam an, am vormittag konnten die segel wieder gesetzt werden. Zuerst mit drei dann mit vier knoten ging es voran. Am mittag fing der wind an zu drehen und ich ging in die gegenrichtung. Alles bei trockenem wetter und sonnenschein. Gestartet bin ich mit einem kurs von fünfzig grad und am morgen waren es dann schon wieder dreihundert. Eine große kurve im meer. Nur am nachmittag wurde es merkwürdig, pling pling.

20190622 fundteile

 

Ich konnte mit den teilen nichts anfangen, hatte sie noch nie in der hand und das rätseln fing an. Vielleicht doch weltraumschrott, schließlich bin ich im pazifik, wo die teile gern mal runterkommen. Oder hat der segelmacher etwas vergessen. Nach einer stunde löste sich dann das ganze auf, alarm umsonst. Mein einer radarreflektor löste sich auf und der rest kam auch runter.

Das war ein super Sonntag, ein richtiger segeltag. Um zwanzig knoten wind, sonne und alles aus der richtigen richtung. Somit habe ich gestern hundert meilen gesegelt. Das war auch der siebente tag auf see. Ich wollte schon viel weiter sein, aber so ist das nun einmal. In der ersten woche habe ich nur fünfhundertundachtzig seemeilen hinter mir gelassen, dreihundertundvierzig sind es noch zum pass durch das riff. Sieben breitengrade habe ich schon überschritten und es wird wärmer.

woche1 teil1

 

woche1 teil2

 

Auf einem guten segeltag folgt einer zum vergessen. Es war kaum möglich zu segeln, wenn es gut lief mit drei knoten. Am abend war es dann besser, nur in der nacht drehte mal wieder der wind, ich machte eine halse und es ging weiter. Die neue richtung war nun nordost. Am morgen setzte ich den autopiloten ein, damit kam ich wenigstens nach norden.
Und jetzt am morgen habe ich rückenwind, ich hasse das eigentlich. Das groß ist ausgestellt, und damit der pilot steuern kann, ist die genua einen meter draußen. Die steht nicht stabil, aber so dreht das schiff nicht in den wind. Nur noch zweihundertneunzig meilen bis zum pass.

Heute ist der zehnte tag auf dem meer und seit über vierundzwanzig stunden habe ich rückenwind. Das schiff rollt von einer zur anderen seite, auch in der nacht. Also war bisher kein schöner schlaf dabei. Das gute an der situation ist, dass das schiff voll auf kurs ist und dabei fünf knoten fährt.
Das wirkt sich auf die bilanz aus, wobei ich beschlosssen habe, durch einen betonnten pass zu fahren. Dieser ist etwas weiter weg, dafür ist innerhalb der lagune die strecke kürzer. Somit sind es noch zweihundert meilen bis zur einfahrt. Seit ein paar tagen sehe ich auch schon wieder die ersten fliegenden fische. Wenn die sonne scheint, ist es deutlich wärmer, nur jetzt ist der himmel zu, bei um die fünfundzwanzig knoten wind.

Und dann nach dem mittagsmotorlauf: Houston wir haben ein problem. Vorgestern habe ich einen liter motoröl hinzu gefügt, der stab war trocken. War komisch, weil der motor sonst kaum öl verbraucht. Und heute hat es nach öl gerochen, autsch. Die motorraumwände entfernt, während das schiff wie blöd rollt, und die ganze wanne voll mit dem schwarzen saft. An der vorderen rechten motoraufhängung waren drei schrauben verdammt locker, eine vierte fehlt. Ich glaube, dass ich sie die ganze nacht über gehört habe, von links nach rechts und wieder zurück. Nun alles wieder festgeschraubt, den restlichen kanister öl in den motor und testlauf. Nichts zu finden, also ein weiterer punkt in Noumea.

Eine weitere schlechte nacht, der wind weht seit über zwei tagen aus derselben richtung. Mal stärker und gerade etwas schwächer, gestern abend fuhr das schiff bis zu sieben knoten.
Und gerade läuft auch der motor wieder, alles vorhandene öl ist dringeblieben und sollte auch dort bleiben. Nach längeren überlegungen geht das wohl auf mein konto. Diese löcher von den motorhalterungen sind nicht ins dicke material vom motorguss gebohrt worden, sondern durch. Ich hatte schon einmal eine schraube nicht mehr hineinbekommen, das war aber eine von hinten und dort sind sie höher montiert. Beim motorfundamenttausch in Kopu habe ich wohl die vorderen vier nur handwarm hineingeschraubt. Nach vielen stunden motorrütteln sind sie wieder herausgekommen. Und wenn dieses ewige rollen nicht wäre, wäre das öl auch noch im motor, eigentor.

20190626 motorhalterung

 

Jetzt ist es halb elf abends und noch achtzig meilen bis zum pass. Bei tag wird das nichts und in der lagune sind es auch noch einmal zwanzig meilen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich im dunkeln da hinein soll, obwohl beleuchtete tonnen einem den weg zeigen. Oder lieber rechtzeitig die segel bergen, treiben lassen und auf das tageslicht warten.

Jetzt ist es sechs uhr und ich bin seit zwei stunden wieder wach. Von dem versuch, zwei mal vier stunden zu schlafen ist netto nicht so viel übrig geblieben, dementsprechend munter bin ich. Reichlich abstand habe ich zum riff gehalten, kein treiben, denn der wind ist immer noch kräftig. Auch das rätsel ist gelöst, ich bin seit drei tagen in der südost passatzone, leider gestern und auch jetzt bedeckter himmel mit nieselregen. In eineinhalb stunden geht das große licht an.

Warum muss das immer so kacheln, wenn ich durch einen pass fahren will, diesmal um fünfunddreißig knoten. Dahinter wieder zehn weniger. Dafür war der tag trocken und um elf war ich in der marina. Auf dem weg habe ich eine neue anomalie gefunden, autopilot gegen windfahne. Jahrelang gab es einen gewinner, die hydraulikpumpe. Nur heute gewinnt das heckteil. Erst als ich alle teile fixiert hatte, ging der normale betrieb weiter.
Der typ von der biosecurity war auch schon da, hohe hürde und einfach unter durch gelaufen. Meine kiwis gingen nicht, die solle ich doch sofort zum frühstück essen. Bitte schälen. Die orangen gingen nicht, die solle ich doch gleich trinken. Bitte auspressen. Die halbe zwiebel war als beute gedacht und ging mit weg. Der rest salami und der alte halbe brie waren in ordnung, sonst keine eier oder fleisch an bord. Das war es, halb so schlimm.

Für die optimalen achthundertundachtzig meilen habe ich tausendundzwanzig gebraucht. Dabei waren die letzten tage genau auf kurs und anstrengend. Gebraucht habe ich genau zwölf tage, das ist in ordnung.

woche2

 

Wenn das wetter sonnig wird, fahre ich gegen den uhrzeiger halb um die insel. Sollte es weiterhin so unfreundlich bleiben, geht es direkt nach Darwin.

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Auckland und nördlich bis Opua

Warum nur nach Auckland? Nun zum einen ist es die größte ansiedlung hier, dabei ich hatte so etwas kleines in meinem kopf. Dass sich das geändert hat, war anzunehmen. Und zum anderen wollte ich sehen, wie sich die stadt geändert hat.

Wer den film der Hiscocks: ‘Beyond The West Horizon’ kennt, kann ab minute zweiundfünfzig den aufenthalt in Neuseeland und in Auckland sehen. Sie lagen damals an einer mooring. Heute ist da die marina, in der ich gerade liege. Die laute brücke hinter mir war 1952 neu und der hafen noch aktiv. Die bilder aus der stadt versuche ich wiederzufinden. Danach segelten sie in eine bucht zu einer frau Lidgard und vielleicht ist sie eine der vorfahren meines segelmachers hier.
Die anfahrt hierher war ernüchternd, der transformationsprozess vom stückguthafen zum yuppi-wohnviertel ist schon abgeschlossen. Viele der ergebnisse konnte ich hier erleben.

Diese nacht war echt mies und zwar aus einem anderen grund, lärm. Die auckland bridge, die anfang der fünfziger gebaut wurde, hat in den siebzigern eine japanische erweiterung auf beiden seiten bekommen. An die pfeiler wurden stahlträger angeschraubt und heute läuft dort je richtung der verkehr auf drei oder vier fahrbahnen. Das ganze beginnt um kurz nach vier uhr und eine halbe stunde später habe ich meinen unterbrochenen schlaf endgültig beendet. Diese marina wird in einem bogen von hundertzwanzig grad mit verkehrslärm beschallt, hier gibt es keine menschen, die auf ihren schiffen leben.

Zum sonnenaufgang habe ich dann den üblichen kaffee eingenommen, währen die baukräne in der city noch hektisch rot blinkten. Diverse emails habe ich schon vor sechs uhr verschickt, das gab es noch nie. Der segelmacher hatte sich für sieben uhr angekündigt, kam aber nicht, erst am nachmittag. Somit fing meine persönliche stadtbesichtigung sehr früh an.

Mit dem rad sieht man mehr, ab und zu absteigen und schieben, ich beobachte sehr gern. Im ersten icom-shop könnte man mir helfen, kostet für beide handfunken aber schonmal fünfzig euronen, minimum. Das thema ist erstmal auf eis. Die funken senden, können aber nicht empfangen. Das funkgerät an bord kann empfangen, aber schlecht senden. In der schnittmenge muss das erstmal reichen. Vielleicht kommt eine neue handfunke ins schiff.

Der westliche teil des hafens wird durch yachtzubehör, reparatur oder verkauf dominiert. Dann kommt der alte komerzielle teil im bereich öl und getreide. Die schienen erzählen eine geschichte vom aktiven hafen über viele jahrzehnte, bis zur container-ära. Die piers sind heute mit cafés und bar gepflastert, entertainment und koma.

20190521 hafen

 

20190521 hafenbahn

 

20190521 poller auckland

 

20190521 silos

 

20190522 auckland hafenbereich

 

Danach kommt der innere hafen, heute liegen hier die millionen und rings um appartments. Hier ist auch ein öffentlicher anleger, den man kostenfrei für zwei stunden belegen darf, gleich neben der brücke und der treppe.
An der wasserfront geht es weiter am fährterminal entlang, über hundertzehn jahre ist das her. Die einzelnen docks sind schwer auszumachen, alles ist hier eine baustelle. Aus dem film heraus habe ich mal versucht, ein aktuelles foto zu schießen. Danach kommt der blechkistenhafen.

20190521 cityhafen baseng

 

20190521 cityhafen baseng

 

Der geruch von schnell geschüttetem beton, der nicht die zeit hatte, um abzulüften, hängt in den tiefgarageneinfahrten. Feucht und basisch und das überall, die u-bahn wird erweitert und das x-te hochhaus wird im alten stadtzentrum hochgezogen. Da bleibt keine historie erhalten, in einer parallelstrasse zum hafen kann man morgens nicht an der bushaltestelle warten, weil die fensterfront einer bank die sonne benutzt, um dort eine grillstelle zu eröffnen. Mann, haben dort die stadtplaner versagt und nicht nur dort.

20190521 bautown auckland

 

Etwas hat sich seit sechzig jahren im zentrum nicht geändert, die ampelschaltung. Die fußgänger haben alle zur gleichen zeit grün, der verkehr ruht und die kreuzung ist auch diagonal zu nutzen. Das war es aber auch schon. Wo früher juweliere in der Queenstreet waren, sind heute banken und ihre komplizen, die beratungshäuser. Gegenseitiges zuschachern von aufträgen und gegenseitiges reinwaschen, alles auf engstem raum, auch hier. Weiter oben stehen noch einige hundertjährige häuser.

20190521 alte bausubstanz

 

20190521 alte bausubstanz

 

20190521 alte passage

 

Das ziel, den kleinen vulkangipfel in Auckland zu erreichen, ist geglückt, von hier floss die lawa die Queenstreet hinab, vor sechhundertausend jahren, unter wasser. Im oberen bereich siedelten sich asiaten mit ihren geschäften an, die obdachlosen betteln lieber weiter unten.
Ich habe mal wieder die enttäuschung gesucht und gefunden. Einen so krassen wandel zu Neu-Tokio hätte ich nicht erwartet – gute nacht, Johnboy.

Zwei tage in der marina reichen, die batterien brauchen wieder eine ladung und ich will innerhalb Aucklands tiefer ins land hinein. Meine erste begegnung mit einem flugzeug hatte ich dann an der marinaausfahrt, ist merkwürdig, und ich hatte auch noch vorfahrt. Danach ging es unter der brücke hindurch und fünf meilen weiter. Das tagesziel liegt zwar weiter, aber ich habe mich mal an die mooring von der Alert gelegt. Die steht ja immer noch auf dem trockenen in Kopu.

20190522 aucklandbridge

 

Ich liege hier nun schon seit zwei tagen an der mooring, sehr bequem. Mein ziel ist es, noch weiter hinauf zu fahren, doch da gibt es ein paar probleme. Es ist herbst und dann kommt der nebel. Der ist morgens anwesend und lichtet sich um die mittergszeit. Heute habe ich versucht, weiter zu kommen, aber ich habe nur zwei meilen geschaft, hin und zurück. Das hindernis ist eine autobahnbrücke und das desolate alte schild zeigt siebzehn meter an. Freibord einsfünfzig, mast sechszehn und die antenne einen halben meter. Das ist mir zu eng, auch wenn das hochwasser erst in einer stunde da ist.
Somit bin ich wieder zurück zur mooring und werde morgen abdrehen in richtung der marina mit der gasfüllstation. Wenn der nebel sich gelüftet hat.

20190523 mooringplatz

 

20190523 mooringplatz

 

20190525 mooringplatz morgennebel

 

20190525 mooringplatz morgennebel

 

Am Montag bin ich dann in die Hobsonville Marina getuckert. Der erste beste ponton war meiner und ich wurde auch gleich wieder fortgejagt. Das war der anleger für eine personenfähre. Also zum travellellift, dort festgemacht und ins marina office gelaufen. Ich bin nur hierher gekommen, um meine gasflasche füllen zu lassen. Das gibt es hier schon seit fünf jahren nicht mehr, eine pleite. Dafür habe ich mir eine waschmaschine und trockner gegönnt. Die umgebung ist eine große einfamilenhaussiedlung, ein wenig in die jahre gekommen. Ein wlan ist auch nicht vorhanden, also niederlage auf ganzer linie.

Ein netz habe ich dann doch gefunden, zwar langsam, aber ich bekomme emails und wetterdaten, das reicht. Und es reicht mir auch mit meinem webhoster. Diese meinten, ihrem system mal ein update zu verpassen. Never change a runnig system!!! Mein blog läuft nicht mehr, meine php-version ist nicht mehr aktuell und ich will es nicht erneuern. Vielleicht ist es auch die datenbank, die es nicht mehr sein soll, oder die neuen ip-adressen. Und das ganze am anderen ende der welt ohne netz. Na, danke dafür.
Als ich heute morgen dann noch die marina verlassen wollte, streikten wieder einmal die instrumente. Zuerst keine tiefe, dann kein wind oder beides nicht. Ein wenig konfiguriert und es lief vermeintlich wieder. Also bin ich wieder an die moorig zurück und habe es wieder einmal repariert. Jetzt laufen die instrumente wieder und ich weiß nicht, wieso.

Am dreißigsten Mai habe ich dann im morgengrauen Auckland verlassen. Zwei stunden hatte ich noch ablaufendes wasser, dann scharf links und in richtung norden. Irgendwann ließ die tiede nach und nach der ecke kam der wind, natürlich von vorn. Seit einem monat bin ich nun schon wieder hier und langsam reicht es mir. Die nächsten strecken sind abgesteckt, und ich versuche, das ganze mit der wettervorhersage zu kombinieren.
Deshalb war heute ein motortag und am geplanten ankerplatz vor der hafeneinfahrt hielt das eisen nicht. Also schon mal ein stück weiter, und es scheint, als ob der anker gegriffen hätte. Es ist starker wind angesagt, auch auf kanal sechszehn, und da will ich sicher gehen. Slippt der anker, werde ich aufs meer hinaus getragen, doppelte sicherheit. Vom ankerplatz habe ich noch einen letzten blick auf die stadt, ab dafür.

Der wind hatte am nächsten morgen gedreht, wie vorhergesagt. Nur es schüttete vom himmel herab. Wenn ich dem wetter folgen will, muss ich los, ein tag in orange. Außerhalb der bucht konnte ich die genua benutzen und hoch am wind. Da es noch richtig wind geben sollte, lief der motor mit, damit ich schnell Kawau island erreiche.
Nach einer stunde drehte der wind und es gab erst den regen und dann fünfunddreißig knoten von vorn. Am ende bin ich am nachmittag bei sonnenschein in der großen bucht angekommen. Auch mal was schönes. Jetzt ankere ich schräg gegenüber dem haus der Lysgards, meinem segelmacher. Vielleicht gehört es heute jemand anderem, aber vor fünfundsechzig jahren waren die Hiscocks auch hier.

20190531 wakau island

 

20190531 wakau island

 

20190531 wakau island

 

Nun bleibe ich doch noch einen tag länger hier. Die bucht ist ok, der ankommende schwell ist auch erträglich und der anker sitzt tief im schlamm. Der windgenerator ist wieder an und röhrt, aber strom ist wichtig.
Das gute hier ist der vorhandene yachtclub mit einem freundlichen freien wlan. Nicht unbegrenzt, aber gut zu erreichen. Mails abgerufen, wetter erneuert und auch das problem mit meinem blog hat sich erstmal erledigt, ist wieder online. Mal sehen, wann ich zeit habe, das system auf einen neueren stand zu bringen.
Morgen geht es ein stück weiter, in eine bucht, in der ich schon im Dezember war, um danach das längere stück bis Whagarei zu schaffen.

Das wetter war zu verlockend, fast wie geplant. Morgens drehten sich alle schiffe zum neuen wind und dann los. Zuerst noch mit dem motor und als ich dann aus dem inselbereich heraus war, ging es flott weiter. Zwanzig knoten von schräg achtern war angesagt und es kam gut das doppelte. Dabei war die vorhersage vom morgen. Fünf bis sieben knoten lief das schiff, auch als die genua gerefft wurde. Somit habe ich nicht in der bucht angehalten, sondern bin gleich durch zum erst besten ankerplatz in der bucht von Whangarei. Zum sonnenuntergang war der anker fest, die reiseroute vierzig meilen weiter nördlich und das letzte selbstgebraute bier ging in den becher. Morgen muss ich nur noch in den stadthafen, ich denke mal drei stunden bis dahin.

Das klappte auch ganz gut, es war windstill und die sonne war auch zugegen. Nur als ich dann immer näher zur marina kam wurde es flacher. Ein paar mal bin ich durch den schlick gerutscht, wäre ich mal später losgefahren. Die neue brücke konnte ich auch anfunken, konnte nichts verstehen, aber sie ging rechtzeitig auf.
In der marina reagierte keiner auf meinen ruf hin und so suchte ich mir ein plätzchen. Die fender waren auf der schlechten seite angebunden, zum glück hat jemand die leinen angenommen, und ich war fest. Es war ein feiertag und kein personal im hafen, super. Der supermarkt ist keine dreihundert meter weit weg und meine liste ist überschaubar.

20190603 anfahrt whangarei

 

20190603 anfahrt whangarei

 

20190605 liegeplatz whangarei

 

Am Di war dann wieder alles normal bis fucking scheiße. Anmelden im office ging sehr gut und gleich die wichtigsten informationen abgegriffen. Danach mit meiner gasflasche zur den füllstation. Neuseeland bullshitbingo in reinkultur, alle drei möglichen läden weigerten sich, die flasche zu befüllen, gesetz und so. Mit der handkarre wieder durch den ganzen ort zurück, der hals wollte nicht dünner werden.
Danach zum orstansässigen funkgeräte händler, nur die straße war sehr, sehr lang. Reparatur möglich, wird aber in Auckland gemacht und in drei tagen wird das nichts, eher zwei wochen. Der nächste kunde im laden hat mich dann ein paar kilometer wieder mit zurückgenommen.
Beim ersten segelmacher gab es keine sturmfock, im gebrauchtladen auch nicht und auch nicht beim zweiten segelmacher oder nur für viel geld.
Am abend schaute noch der standortleiter vom transocean vorbei, er hatte meine mail gelesen und konnte bei allen offenen punkten nicht helfen. Aber es gab tipps für die weitere reise.

Ich habe dann am nächten tag in den äußerst sauren apfel gebissen und bin wieder zur ersten füllstation, diesmal geradelt. Eine gebrauchte geprüfte fünf kilogramm gasflasche mit füllung, einen druckreduzierer und einen schlauch macht hundert dollar. Mein ausdruck von der mehrwertsteuerbefreiung wollte er nicht akzeptieren, er kennt das nicht, arschloch. Der erfolg ist, dass das kochen bis Neukaledonien gesichert ist. Und zum trotz werden dort keine neuseeländischen flaschen befüllt, heile gehasste handelswelt.

Somit hatte ich noch ein paar tage ruhe. Die stadt habe ich abgelaufen, den hafen und einen erweiterten hafenrundweg. Es war hier mal ganz geschäftig, der pier wurde erneuert nur dann anfang der dreißiger war das aus. Die eisenbahn war schneller, die befestigte strasse nach Auckland war fertig und die anfahrt hierher war nicht tief genug. Weiter zum meer hin war dann noch der eisenbahnhafen. Das ganze szenario im hafen ist nachgemacht, nur noch ein haus hier ist original.

20190605 poller whangarei

 

20190606 gelber supermarkt

 

20190606 trockenfallen

 

Das beste für mich ist der gelbe supermarkt, keine dreihundert meter entfernt. Ansonsten geht es den menschen hier nicht so gut, das ist mein eindruck. Kleinere autos, kleinere häuser und viele second hand geschäfte. Dazu viel leerstand und das seit längeren. Der beste laden am hafen ist der schiffgebrauchtteile handel. Ich weiß nicht, wie der überleben kann, preise teilweise höher als neu und alten elektronikschrott, den keiner mehr haben will. Ich habe dort einen neuen rost für meinen herd erworben. Ist zwar zu klein, kann ihn aber auf meinen alten schweißen, dieser rostet verdammt stark.

Das ablegen aus der marina hat wunderbar funktioniert, die brücke ging auch pünktlich auf und meinen neuen ankerplatz habe ich nach drei stunden erreicht, wenn zum schluss auch mit problemchen. Der anker hielt und der wind wurde kräftiger, sollte ja auch so sein. Das eine navigationsdisplay hatte wieder einmal ein eigenleben, störte dabei aber auch den autopiloten und der fuhr dann einfach neue kurse. Das ist besonders doof, wenn die steinküste naht.

Also am nächten morgen, einem Sa, ersteinmal das display checken und neu konfigurieren. Hat alles super funktioniert und das system lief erstmal über eine stunde trocken. Dann ging es zum anker auf, und als ich die entlastungsleine entfernt hatte, kam wind auf. Plötzlich waren da fünfundvierzig knoten wind und das blieb auch ein halbe stunde so. Der motor lief schon, besser ist das ja. In eine kurzen windpause habe ich das eisen an deck gebracht und der wind kam zurück. Kurz vor der hauptfahrrinne ging das system wieder platt, keine kontrolle mehr. Also ausschalten und per hand weiter steuern.
Das war ein richtiger scheißstart und es ging so weiter. Ich hatte mit sechs windstärken gerechnet und es gab viel fliegendes wasser. Hinter dem kap von Whangarei gab es schon kleinere windhosen, die genua war drei meter draußen, sieben bis acht knoten fahrt. Danach fing der halbwind kurs nach norden an und der wurde beständiger. Also habe ich auch den motor mal ausgeschaltet. Dadurch sprang der windgenerator wieder an, heuelte kurz auf und hat sich dann eines repellers befreit und ist auf dem deck aufgeschlagen. Ich saß glücklicherweise wieder einmal  auf der anderen seite.

20190608 zweifluegler

 

20190608 einschlag

 

Das war es erstmal wieder mit diesem windgenerator. Am nachmittag habe ich es dann doch vorgezogen, einen notankerplatz aufzusuchen, den ich schon am morgen notiert hatte. Falsche kleidung (weil ich der sonne vertraute), die dann durchnass war. Der ankerplatz ist ruhiger als der letzte und morgen soll es windstill sein. Also wird es ein motortag werden, doch zuvor muss das system wieder laufen. Fünf stunden per hand zu steuern, gegen den wind und die welllen, hat mir heute gereicht.

Irgendwie ist das system verhext, in diesem fall mein navi. Am morgen habe ich es wieder angeschaltet, das problemdisplay neu konfiguriert und es wieder ausgeschaltet. Nach dem erneuten einschalten lief es bis zum abend hin einwandfrei. Das hätte ich gestern gut gebrauchen können, denn so waren ein paar mehr meilen zu motoren. Insgesamt fünfunddreißig, davon neunzig minuten mit genuaunterstützung.
Es war ein schöner sonniger tag, windfrei, nur die von hinten quer laufende dünung war störend. Besonders hat mit das ankeraufmanöver am morgen genervt. Das lief wie immer ab, nur als der anker ausbrechen sollte, sprang die sicherung raus. Wieder nach unten, sicherung einschalten und danach kam der anker ganz leicht nach oben. Nur nun ist er leider verbogen.

20190608 ankerbiegung

 

Die ankunft in der bay of islands war verdammt schön. Wie Patagonien, nur grün bewaldet und wärmer. Die ausgesuchte bucht war meine und die natur war auch zu hören.

20190609 ankerbucht

 

20190609 ankerbucht

 

20190609 ankerbucht

 

Am nächsten morgen weiter in die nächste bucht, fünf seemeilen. Das war zwar kein richtiger griff ins klo, aber das zweite hobby der neuseeländer nach bootfahren ist rasenmähen. Wenn der eine fertig ist, fängt der nächste an. Bilder von der lokation schenke ich mir, waren es doch nur ein paar häuser.

Nach dem frühkaffee ging es dann nochmals weiter, wieder fünf meilen und es sagt mir schon mehr zu. Kaum straßenverkehr ist hörbar, untergund super und die aussicht klasse. Ab und zu kommt eine möve vorbei und freut sich über alte kekse.

20190611 ankerbucht

 

20190611 ankerbucht

 

20190611 ankerbucht

 

20190611 ankerbucht

 

Meine buchten verhalten sich wie die sinfonien von Beethoven, alle ungeraden sind gut. Heute bin ich wieder sieben meilen weiter gezogen, hinter der landzunge ist schon Opua. Vielleicht liegt es auch am regen, das schränkt ein. Nächste woche will ich weiter, zuvor noch mein neues gebräu auf die flaschen ziehen, eventuell ein sturmsegel kaufen, ein wenig zu essen und dann ab nach Neukaledonien. Dort wird es wärmer sein und mal wieder richtig segeln ist auch was feines. Um mich herum liegen über den daumen gepeilt um hundert schiffe. Wenn die im sommer alle dieses revier bereisen, ist es aus mit der einsamkeit des einhandseglers. Dann ist in jeder ecke ein schiff und es ist noch lauter als jetzt im winter.

Als ich dann um die landspitze gebogen war, ging der kiefer runter. Vor Opua liegen geschätzte fünfhundert schiffe, dazu kommen noch die in der marina. Die illusion der freiheit auf dem wasser ist hier nur eine fata morgana. Wenn die alle losgelassen werden, fängt das drängeln an. Meine idee vor der hafeneinfahrt zu ankern, war eine nette idee, aber kein platz vorhanden. Somit bin ich ein stück weiter, hinter den stromkabeln zum stehen gekommen. Hier ist keiner, eine vorstellung von ruhe, wenn da nicht in der ferne die fähren ihre motoren fordern würden.

20190613 ankerbucht opua

 

20190613 ankerbucht opua

 

Nächste woche geht es weiter, nach Neukaledonien.

 

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Hauraki Gulf Richtung Auckland

Vielleicht, weil es ein Freitag ist, läuft so einiges schief. Es regnet das erste mal seit zehn tagen, gerade heute morgen. Die navigeräte habe ich vorgestern überprüft und sie liefen alle. Nur gestern ist das eine am steuerstand ausgefallen. Innen blinkt es zwar noch, aber keine anzeige mehr. Somit habe ich erstmal die untere anzeige an eine neue position gesetzt, damit ich von draußen etwas sehen kann. Teurer mist.

20190509 workaround

 

20190509 workaround

 

Kurz vor dem hochwasser wollte das schiff nicht aus dem trailer raus, in der mitte ist es dicker und klemmte. Erst nachdem ich die eine latte von der stütze gelöst hatte, ging es dann doch raus. Der launch war natürlich ein wenig aufregender.

20190509 launch

 

20190509 launch

 

20190509 launch

 

20190509 launch

 

20190509 launch

 

20190509 launch

 

Das nächste problem war eine fehlende tiefenanzeige. Somit bin ich genau auf dem track vom dezember wieder in die bucht gefahren. Das ging, bis der autopilotdisplay ausfiel, also mit der hand steuern. Nur der autopilot war noch an, also das system ausschalten und das ruder war wieder frei. Später fand ich einen losen stecker, halb so schlimm. Das defekte display hat sich dann am ende des tages noch gemeldet:  t.otE  Das war es wohl wirklich.

20190510 die antwort

 

Das muschelzuchtgebiet auf meinem weg hat sich vergrößert, die karten sind halt schon sieben jahre alt. Dafür stimmen noch immer die tiefenangaben, das erste mal, dass ich nach der seekarte geankert habe.

20190510 bucht1

 

20190510 bucht1

 

20190510 bucht1

 

Am nächsten morgen so etwas um zwei stunden fehlersuche. Kabel auseinander gesteckt, displays kontrolliert und der versuch, das system mit zwei displays zum laufen zu bringen. Das echolot lief wieder, dafür gab es keinen wind. Zum schluss habe ich wieder das defekte display eingebaut und es lebt wieder. Warum nur. Jetzt mag ich die geräte gar nicht mehr abschalten.

Die bucht, die ich mir ausgesucht habe, um den kommenden sturm abzuwarten, hatte auch ein katamaran im kopf, nun liegen wir zu zweit in dieser bucht und es werden noch mehrere werden. Er wisse auch vom aufkommenden wetter und für die drehenden windrichtungen sei das hier guter schutz.

Die ruhe vor dem sturm, flaches wasser und sonne. Morgen früh soll er kommen mit dreißig bis vierzig knoten wind, habe schon mehr erlebt.  Die schöne landschaft gefällt mir und ich kann mich erstmal satt sehen. Vorerst sind fünfzig meter kette draußen.
Der nächste morgen begann um sieben, es war noch nicht richtig hell und der windgenerator machte lärm. Da ist also das wetter, nur der wind kam aus der falschen richtung und ich war kurz vor den steinen am ufer. Da es nur ab und zu wehte, habe ich die kette wieder gekürzt und vor dem kaffee das boot noch verlegt. Man sollte ausreichend platz haben und so liegt der anker jetzt mehr in der mitte der bucht.

Der windgenerator ist wieder eine enttäuschung, er vibriert stark, dadurch entsteht lärm. Und obendrauf produziert er keinen strom. Die fehlersuche starte ich bei ruhigem wetter. Morgen früh soll wieder alles ruhig sein, abwarten.

20190511 sturmwartebucht

 

20190511 sturmwartebucht

 

20190511 sturmwartebucht

 

20190511 sturmwartebucht

 

Die nächste nacht war ok, ruhig ist anders. Immer im kopf ein slippender anker, denn am morgen hatte sich das schiff um zweihundertsiebzig grad gedreht. Der anker war noch immer fest, nur ich konnte jetzt in den Hauraki Gulf hinausschauen und da kam jetzt die musik her. Die anderen beiden schiffe haben die kleine bucht verlassen und anker auf der anderen seite der größeren bucht. Nur ich bekomme hier nicht richtig etwas ab, hundert meter weiter draußen gibt es ab und zu fliegendes wasser. Morgen geht es weiter, dann sollte das wetter durch sein.

Heute ist Dienstag und alles ist wieder ruhig und bewölkt. Ich habe es gerade mal vier seemeilen weiter in die nächste brauchbare bucht, Woolshaltered bay, geschafft. Die anstehenden reparaturen habe ich mir dafür geklemmt. Eine kleine gebogene edelstahlschraube auf dem deckt sorgte für unruhe. Ich bin mir sicher, sie stammt von den neuen plastikführungen am ende der rollanlage. Oben am mast sind die beiden teile noch dran, die muttern konnte ich nicht überprüfen, da das segel zu hoch gezogen wurde. Dabei sah das alles gut aus, an land auf dem trailer.
Am nächten morgen, als ich schon den windgenerator zerpflückt hatte, kam der zoll mal vorbei. Woher, wohin und wann. Alles bestens und gute reise, alle von ihrem boot aus, keine papiere. So gefällt mir das.
Dann hatte ich auch schon den fehler gefunden, eine saubere korrosion in alle drei steckverbindungen, ein kleiner grüner klumpen. Und siehe da, nachdem alles wieder gerichtet war, lief er auch an. Leider sind die vibrationen nicht weg, aber ab dreißig knoten wind dreht es so schnell, dass es auch leiser wird. Für feine ohren ist das nichts und die ausbeute ist mit max sechs ampere mager, da fehlen noch vierzehn. Überzeugt nicht wirklich, aber hatte ich etwas anderes erwartet, eigentlich nicht.
Kurz bevor ich vor Coromandel angekommen war, so nach drei meilen, find es auch an zu wehen und zwar kräftig. Viel kette und der anker hält. Jedoch sehe ich keine chance, den letzten kilometer im schlauchboot zum anleger zu kommen. Hin vielleicht noch, nur zurück ist es garantiert durchnass. Ich lass das besser.

20190515 coromandel

 

20190515 coromandel

 

20190515 coromandel

 

Sechzig meter kette bei einer tiefe von drei bis fünf meter, das war ein bisschen hack. Schlecht geschlafen und genervt, und war dann doch einmal weniger wind und ich habe mich entfernt. Das ziel auf die andere seite vom gulf war die route, doch dann gäbe es wind und welle von vorn. Das brauch ich nicht, nicht jetzt. Also was macht man, zurück zum besten ort in der gegend, in die sturmbucht. Diesmal war sie frei und recht ruhig, draußen ist das wasser geweisst. Die bilder dazu wären die gleichen wie oben.
Ein tag warten hat sich gelohnt, der wind hat sich positiv gedreht. Nachdem ich die bucht verlassen habe und das riff passiert habe, wurde die genua ausgerollt. Und nur die, da ich für vierzehn meilen nicht das groß setze. Es ging mit einem amwindkurs auf die andere seite des golfs. Hier war ich genau vor einem halben jahr schon einmal und heute kann ich in die andere ankerbucht hineinsehen. Seit damals bin ich vorsichtiger mit dem ankern, der tripleine und der boje. In ein paar tagen bin ich wieder in der stadt.
Am vormittag bin ich acht meilen weiter um Waiheke Island gefahren. Unter motor, ohne wind aber ok. Diese insel hat ähnlichkeiten im den schären vor Stockholm, obwohl ich dort nur filmisch war. Eine insel in stadtnähe mit vielen wochendvillen und anlergern. Ich liege in der Putiki Bay und die autofähre zum festland hat gerade wieder abgelegt. Es ist Sa und viele bewohner der insel oder der stadt sind bei ihren booten.
Für mich war heute der bierabfülltag, die erste fermentierung ist abgeschlossen und ist hoffentlich geglückt. In einer woche weiß ich mehr. Es gibt hier dutzende wlans und keines ist frei. Andere länder, andere sitten.

20190517 waihiki

 

20190517 waihiki

 

20190518 waihiki

 

20190518 waihiki

 

Am abend fiel mir dann wieder ein, wie ich in Portugal mein wetter beim vorbeifahren einer fähre aus dem netz gezogen hatte. Und auch die fähren haben ein offenes wlan, verbinden, browser auf, bestätigen und schon bin ich drin. Nur meine mails abzurufen, läuft leider nicht, sehr schade.
Der sonntagswind bläst um vier windstärken, genau aus der richtung, in die ich will. Ist das eigentlich immer so. Mit den neuen wetterdaten sieht es morgen um dreißig grad besser aus. Nicht ideal, nur nicht auf die nase.
Somit hatte ich auch mal zeit, meine beiden neuen gebrauchten handfunken auszuprobieren. Zwei schimmende icom geräte, die jetzt nicht empfangen, schon scheiße. Senden ist möglich, empfangen nur, wenn die rauschunterdrückung aus ist. Aber auch nur von einem gerät zum anderen oder zu meiner hauptfunke. Systemfehler oder ebaybeschiss, mal sehen.

20190519 putiki bay

 

20190519 putiki bay

 

20190519 putiki bay

 

20190519 putiki bay faehranleger

 

Meine nächste übung auf diesem teil der reise ist es, ruhe und gelassenheit zu erlangen. Was nicht geht, was nicht sein muss, wird verschoben oder neu geplant. Ich habe keinen zeitdruck und so muss ich jetzt den ankerplatz bei um fünfundzwanzig knoten wind auch nicht verlassen. Das schiff bockt zwar mehr als leicht, aber es ist erträglich. Gegen den wind anbolzen für die helden medaille brauch ich hier nicht. Vielleicht ändert sich die situation noch heute, wenn nicht dann morgen.
Ich könnte auch an einer felswand bei schneegestöber in patagonien kleben und nicht wegkommen. Dagegen ist das hier im herbst in Waikiki richtig sommerlich. Hauptsächlich ist es trocken, und wenn ein schauer vorbei kommt, so ist es auch die plicht. Ein vorteil, wenn man vor anker liegt. Das ganze mit einem getränk in form von wein oder bier wäre netter, ist aber schon seit fast einer woche aus. Das neu gebraute ale ist noch nicht fertig. Dümmer dagegen sind die schwindenden frischen lebensmittel, schon deshalb will ich nach Auckland, das in sichtweite ist.
Vor drei stunden habe ich den letzten absatz geschrieben und kurz darauf setzte der wind etwas aus. Wenn nicht dieser neuseeländer mit seiner alten ketch und dem angetüdelten schlauchboot rausgefahren wäre, würde mein anker immer noch im lehmigen boden stecken.
Mit der ruhe war es dahin, anker auf und in richtung ziel. Nur draußen kam der wind wieder, welle fast von vorn, nass. Auf der karte habe ich eine neue insel mit windabdeckung gefunden, Motuihe Island. Der zweite ankerversuch ist besser als der erste, harter tonboden. Wenn das grundeisen slipped, werde ich es im schiff hören, wenn nicht, wird der anker auf den nächsten zwei meilen greifen. Ich bin fünf meilen näher an Auckland heran gekommen, liege vor einer sandsteilküste und warte auf morgen.

20190520 auckland ferne

 

20190520 auckland ferne

 

Die nacht war spiegelglatt und ruhig. Am morgen die enten mit altem brot füttern und dann los. Am späten mittag war ich dann in der Westhaven Marina angekommen, hatte eine freie box gefunden und eingeparkt. Natürlich war diese nicht frei und ich musste ein weiteres mal das schiff verlegen, der wind war gnädig. Angekommen und bald mehr.

20190521 auckland anfahrt

 

20190521 auckland anfahrt

 

20190521 auckland anfahrt

 

20190521 auckland anfahrt

 

20190521 auckland anfahrt

 

20190521 auckland anfahrt

 

Und ja, die buchten sehen alle gleich aus, aber falls jemand dort mal hin will, kann er es sich vorher ansehen.

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Neuseeland zum zweiten Mal

Habe ich auch nichts vergessen, bevor ich zurückreise. Diese frage kommt immer häufiger auf, je näher der abflugstermin kommt. Und natürlich ist da was, bei der buchung der flüge habe ich beim rückflug bzw. der drei einzelnen etappen geschlampt. Neu stunden aufenthalt in Sydney werden sehr lang sein. Hätte ich mal einen früheren flug genommen, dann würde ich auch noch rechtzeitig ankommen, für den letzten bus nach Kopu.
Der versuch, das zu ändern, lief schief. Die fluglinie erklärte sich nicht bereit, da ich über ein portal gebucht habe. Dort ist online eine änderung nicht möglich, also bleibt alles wie es ist.

Somit werde ich mit einem flugzeug um neun uhr abends in Auckland landen. Da alle flugzeuge diesen typs aus der amerikanischen waffenschmiede weltweit am boden sind, mal sehen, welches es werden wird. Danach noch immigration, hoffentlich geht es auch ohne rückflugticket, customs und foodwatch. Meine schätzung ist mindestens eine stunde.
Danach werde ich mal Uber testen oder ein taxi nehmen. Ins hotel und am nächsten tag den bus nehmen kommt aufs gleiche raus oder es ist nur gering billiger. Meine versuche, irgendjemanden mit geldlockungen zum abholen zu bewegen, verliefen auch ins nichts.
Organisieren muss ich das vorher, denn nach zwei tagen auf den beinen ist man gar, das kenne ich ja schon.

Die segel sind auch fertig und das geld ist schon auf dem weg um die halbe welt. Dreitausendsiebenhundert neuseeländische dollar hat mich der sorglose umgang mit meinen segeln gekostet. Ein totales refit der tücher und hoffentlich in einer guten qualität, damit der zweite teil der welt auch besegelt werden kann. Die versprochene freie lieferung besteht im prinzip, aber nur in drei wochen. Somit kamen noch hundert dollar on top für den kurier.

Den ersten schritt habe ich richtig gemacht, ich war früher am bahnhof und fast vier stunden vorm abflug am flughafen CDG. Über eine stunde hat sich die schlange vor mir bis zur gepäckabgabe gezogen. Viele hatten zuviel gepäck und mussten dafür bitterlich bluten, was zu einer erheblichen verzögerung führte. Ich vertraute meiner alten mechanischen küchenwaage und wurde nicht enttäuscht.
Jedoch wurde es dann auch bei mir interessant, da mein aufenthalt in Sydney geplant acht stunden und vierzig minuten sein würde. Für über acht stunden bodenkontakt benötigt man ein visum für Australien, ausserdem kostet es vierzig euronen, reine geldschneiderei. Die abwicklung erfolgte am sonderschalter, bezahlung cash geht hier aber nicht, also plastikkarte. An der gepäckabgabe war das onlinevisum aber noch nicht da, also keine bezahlung. Dieses sollte per mail kommen und landete im spam. Das wird also noch lustig werden.

flug1

 

In Abudabi gab es dann doch noch das nächste kreuz für die kontrolle. Aus dem flugzeug raus und für den weiterflug wieder gepäck- und personenscan. Zusätzlich hier auch mal alle die schuhe ausziehen. Welch ein duft in der luft von tausenden passagieren. Zum glück gab es im flugzeug nur einen kaffee mit keks zum frühstück und die masse blieb drin.

20190429 flughafen Abudabi

 

20190429 flughafen Abudabi

 

20190429 flughafen Abudabi

 

Der nächste flug hat wieder kraft gekostet, kein fensterplatz, dafür mitte und gang. Dazu war es kein europäisches, sondern ein ami modell und voll. Und auch diesmal sicher in Sydney angekommen. Am Di morgen um halb sieben ist die welt noch in ordnung. Nur ich ärgere mich bis zum nachmittag über meine buchung, denn pro stunde fliegen zwei bis drei flugzeuge nach Auckland, während ich mich im wachkoma vorm einschlafen retten muss.
Wenigstens ist das geld für die segel schon angekommen, es geht weiter.

flug2

 

In Auckland bin ich zwanzig minuten später als geplant gelandet, alles super mit einer vollen sitzreihe. Dann durch die gepäckkontrolle, alles ok, der pass wurde wieder nur automatisch gescaned. Die frau von der foodkontrolle fragte nach, welche lebensmittel ich mit ja angekreuzt hatte. Es seien nur lakritze, alles ok und der zoll wollte auch nichts mehr. Auch kein rückflugticket wollte jemand sehen oder meine vollen koffer mit ersatzteilen. Vorpanik war also umsonst.

flug3

 

Am zweiten geldautomaten gab es wieder buntes papier und ich konnte keinen Uber bestellen und auch kein Cheaptaxi. In Frankreich ging es noch, hier lief eine umleitung ins off. Also raus zu den kutschern und der erste war auch von der billigfirma. Nur er wollte jetzt fünfzig dollar mehr sehen als der preis für eine vorbestellung. Wir haben uns auf zweihundert geeinigt. Es war mir schon egal, ob es jetzt zehn euronen mehr sind.
Dann ging es mit dem hybridtaxi flott los, auf die autobahn und die war gleich gesperrt. Durch eine nicht richtige abbiegung in richtung flughafen, gab es eine besichtigungstour durch die vororte vom flughafen. Schlecht, wenn man sich nur auf das navi verlässt. Nach einer gefühlten halben stunde waren wir wieder an der falschabbiegung, danach stau, dann autobahn gefolgt von landstraße und um mitternacht war das gepäck im dunkeln auf dem schiff. Zwei volle tage hat es seit dem aufstehen am So um die bereinigte zeitverschiebung gedauert. Morgen sehe ich mehr.

Am nächsten morgen nach einer kalten nacht, lebe ich noch immer in der zwischenzeit. Obwohl mir die reise von west nach ost besser bekommt. Die routine im schiff fehlt und das aufstehen ist ungewohnt. Der kaffee funktioniert noch nicht, nur schwarz gemackslos.

20190501 umgebung

 

20190501 umgebung

 

Danach erstmal den dreck vom schiff spühlen, strom anzapfen und alles mal inspizieren. Die rote farbe am rumpf will nicht so recht, vielleicht gaste noch der primer aus, vielleicht feuchtigkeit. Also stelle ich mich mal wieder auf einen farbverlust in der nächsten zeit ein, dann wird es nicht so schlimm.

Außerdem hat es viele fliegen dahin gerafft, während meiner abwesenheit, kakerlaken habe ich noch keine gesehen oder gefunden. Kann ja noch kommen.

20190501 farbverlust

 

20190501 farbverlust

 

20190501 farbverlust

 

Mein postpaket ist vollständig angekommen, das geht also. Und auch mein faltrad aus Australien ist da. Natürlich in ungewohnter qualität aus China. Für mich ist das neu, ein faltrad aus dem karton ziehen, alle schutzschaumstoffe und pappen entfernen, zusammen falten und fertig. Kein schrauben, alles montiert, klingel und griffe justieren und eine proberunde gefahren. Geht doch.

20190501 faltrad zwei

 

20190501 faltrad zwei

 

Am nachmittag habe ich noch den windgenerator nummer vier montiert und abwarten, ob er funktioniert. Sein einsatz kommt aber erst im wasser, denn die batterien sind voll und landstrom ist auch an. Der neue regler regelt aber so wie der alte, ab sechsundzwanzig volt ist die bremse an. Somit verspreche ich mir mal nicht so viel.

20190502 windgenerator vier

 

Die nächste nacht war warm und besser. Die beiden heizlüfter funktionieren noch immer und das schiff ist gut angeheizt. Den holzofen habe ich mal wieder zerlegt, grob gereinigt und zum schweißen abgegeben. Nicht alles, nur das notwendige wird gemacht.
Die schamottsteine sind alle gebrochen, aber nur jeweils in fünf stücke. Der versuch, neue zu bekommen, erweist sich als schwierig, hochtemperatur silikonkleber als aussichtslos. Nur feuerzement wird mir angeboten.
Aber in dem haushaltswarenladen in Thames gibt es noch schrauben lose zu kaufen. Drei stück in M4 aus edelstahl sollten es sein, rauf auf die leiter und schon ware die schublade in allen längen dieser sorte auf dem tresen. Wie in alten zeiten, vor der baumarktzeit. Keine drei dollar haben sie gekostet.

Beim autoelektriker habe ich eine neue lichtmaschine mit fünfundfünfzig ampere geordert und die soll am nächsten tag ankommen. Meine alte war dann noch auf dem prüfstand und funktioniert.
Zum schluss noch ein wenig einkaufen, eine luftpumpe fürs fahrrad, ein reserveschlauch und was zum essen. Schwer bepackt ging es wieder zurück und das fahrrad hat seine bewährungsfahrt bestanden. Für eine große radtour ist es nicht gemacht, oder mein hintern noch nicht, für zehn kilometer geht es aber recht gut.

Um halbsechs geht die sonne unter, da sie um sieben uhr aufgeht, sollte es reichen. Da ist nur der morgentliche nebel bis elf uhr, ab da an ein schöner tag. Und das seitdem ich hier bin, sehr nett, auch dass es kaum weht. Was nur nervt ist die beginnende jagdsaison und die flachköpfe ballern in der beleuchteten zeit.
Heute am Sa waren mal die segel dran, die genua war am vorstag zwischen dem kaffee und dem frühstück. Das alte tuch und neuer sonnenschutz, zudem ein neues keder und ausbesserungen.
Das groß hat dafür ein paar viele stunden gebraucht. Alle rutscher waren schon montiert, es fehlten nur die lattenhalterungen mit den kleinen wagen. Die löcher waren noch vorhanden und das war sehr gut. Als es dann zum segel setzen ging, ging erstmal gar nichts. Die neuen rutscher sind zu gross, dabei habe ich ein altmuster mit zum segelmacher gegeben.
Alle zehn rutscher demontiert und die flex heraus geholt. Zuerst habe ich den unteren teil um ein paar milimeter verschlankt und dann noch die stege. Zusätzlich noch weitere drei rutscher für den sofortigen gebrauch.
Danach das segel einfädeln, die latten einschieben, die reffpunkte mit den rollen und seilen bestücken und schon war es nachmittag. Ging aber recht gut, der wind war freundlich und eine gewisse routine habe ich damit ja auch schon. Das ende auf diesem gelände naht.

Ein schöner Sonntag, früh begann er, die jäger beginnen mit dem schießen kurz vor sonnenaufgang. Ich mag das nicht, leider gehöre ich auch zur gattung mensch. Diese spezies wird, wenn nicht durch krieg, dann durch eine kolossale umweltzerstörung sich selbst beseitigen. Hoffentlich nicht in der nahen zukunft, ich bin ein egoist.
Was hatte ich heute vor, vieles. Die montage des neuen wasserhahns in der küche dauerte bis zum mittag. Mit den alten und neuen teilen ist ein trockenes ergebnis erzielt worden. Alte gummidichtungen zu verwenden, ist nicht mein ding, musste aber sein. Ich hatte vor vielen jahren eine sonderlösung der verbindungen, nur große brüche. Einhalb oder dreiviertel zoll sind ok, leider werden diese wasserarmaturen mit dreiachtel zoll geliefert, habe ich nicht im lager. Somit habe ich die altware wieder verbaut, die rache kommt sicherlich.

Der motor sollte heute laufen, geht schnell, nur die neue lichtmaschine einbauen. Das teil war recht teuer, da es vom gleichen typ sein sollte. War aber nur fast. Die hauptachse war zu dünn gebohrt und der keilriemenspanner passte gar nicht. Nach einer findungsphase kam eine anpassungslösung heraus. Die bestehende halterung bleibt, somit auch die alte lichtmaschine verwendet werden kann.
Die neue bekam eine aluminiumhalterung, damit der spanner benutzt werden kann, nur die wichtige aufnahme musste größer gebohrt werden. Das ganze mit einem pappmodel und der findung von altschrott hat bis zum sonnenuntergang gedauert. Und es passt alles, ist aber tricky.

20190503 lichtmaschine neu

 

20190505 lichtmaschine

 

20190505 lichtmaschine

 

Alles schön eingebaut, wasser für kühlsystem angeschlossen und den motor gestartet. Der kam nach ein paar umdrehungen nach fünf monaten pause. Nur die lichmaschine wollte keinen strom liefern, die rote lampe blieb an.
Also wieder die alte eingebaut und die funktionierte. Gegen mittag war ich dann wieder beim autoelektriker und der fehler vierzig zeigte auf. Der pol an der lichtmaschine mit dem M ist nicht der minuspol, sondern um hundertachtzig grad gedreht ist es ein W. Daran gehört der drehzahlmesser. Bei der neuen ist der minuspol am gehäuse. Wieder etwas dazu gelernt. Am abend war dann wieder alles umgebaut und nun funktioniert auch alles.

In zwei tagen, am Fr, geht es um elf uhr zum hochwasser in den fluss. Die vorbeitungen werden dann abgeschlossen sein oder eine abreise nicht verhindert werden. Der ofen ist geschweißt, zwei mal habe ich das teil zurückgegeben. Ein paar mal habe ich noch risse gefunden, das muss nicht sein, dass der rauch vorsätzlich in die kabine kommt.
Und ich bin sehr glücklich, dass ich für zwei pfund feuerzement auf den Falklands gekauft habe. Hier soll das zeug zwanzig euronen kosten, goldaufschlag. Die gebrochenen steine sind wieder im ofen und der zement muss erstmal antrocknen. Das ist natürlich blöd und somit werden die ersten nächte oder abende auf dem weg kalt bleiben.

20190504 nebelfluss

 

20190504 spinnennetz

 

Mein plan ist auch grob angedacht, zuerst nach Coromandel und zu den insel in der nähe. Danach kann ich nach Auckland rüber machen, meine gasflasche von Linus zurück holen, die vergessenen segelbänder bringen lassen und mir die stadt anschauen. Es ist hier herbst und es wird nicht wärmer werden. Somit klemme ich mir die südinsel diesmal und gehe langsam nach norden, bay of islands und ziel wird Opua werden. Dort kann ich ausklarieren und nach Neukaledonien segeln. Das dauert aber noch ein wenig.

 

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Vier Wände und mein blaues Sofa in Europa

Nach dem ankommen ist vor dem wegfahren, und dann sind da auch noch die vorbereitungen dazwischen. Einen letzten versuch habe ich meinem windgeneratorenhersteller gegeben. Schließlich hatte er eine andeutung auf umtausch vor einem jahr abgegeben. Also den alten generator, bzw. die reste von der unfallstelle, zum hersteller zurückgesendet. Und dann, nach funkstille und anruf meinerseits, konnte das paket nicht gefunden werden, weil der laden nicht aufgeräumt war. Irgendwo im lager und laut meiner information für eine woche.

Im rausch meiner recherchen für die bevorstehenden einkäufe hat mich eine anzeige shanghait. Da wurde eine drohne mit unglaublichen eigenschaften wie eine große beworben und die versandkosten für Frankreich waren null. Ein video dazu gab es auch und der preis ganz knapp unter hundert euro. Zwei weitere clicks und das teil war gekauft, geldabwicklung über die bekannte plattform mit den blauen buchstaben, fertig und lieferung in einer woche.
Ja, endlich mal den blog aufpimpen mit bildern von oben, quer so und anders herum ergänzen. Dann fing das denken wieder an: mal einen testbericht lesen oder ansehen. Dieser war eher ernüchternd und das baugleiche objekt kostete an anderer stelle unter vierzig euronen. Ok, man hatte mich geködert und ich war zu blöd. Und doch war dieser test gut, wie ich lernte kann ohne ein smartphone das teil nicht geflogen werden, der sichtbare monitor war nicht im preis enthalten. Nur so ein telefon habe ich nicht und will ich auch noch nicht. Somit habe ich den kauf sofort wieder storniert, nur das funktionierte nicht so einfach. Mails hin und her, leider schon zu spät, das paket ist auf dem weg. Ich sollte laut dem verkäufer es nicht annehmen und zurücksenden.
Es kam an und der briefträger hat es in unseren briefkasten gepackt (ja, die haben hier den schlüssel dazu), ärgerlich. Zur post damit und retour zum absender. Am übernächsten tag war es aber schon wieder in der hauspost. In dem fall hatte es mit der kommunikation und der ausführung der französischen post nicht so gut funktioniert. Also noch einmal zurück an den versender. Weitere mails, die wollten einen einlieferungsschein sehen, den es aber nicht gab, da nur eine retoure. Nach einer woche weigerung den kaufpreis zu erstatten kamen wieder die blauen buchstaben ins rennen. Nach einer weiteren handvoll mails gab es das geld zurück, glück gehabt.

Nebenbei habe ich meine kaufliste abgearbeitet. Alles, was auf dem schiff fehlt oder gebraucht werden kann, habe ich gekauft. Und mein hauptshop war der laden mit den vier bunten buchstaben. Die bezahlung läuft über die angeschlossene bank oder transfergeldhaus.
Alles recht praktisch, und wenn der warenempfänger in der brd ist, wird das durch geringe transportkosten belohnt. Nicht nur die lebensmittel sind dort günstiger als in Frankreich, pakete von und nach auch.

Zwischendrin wieder eine handvoll mails zum windgenerator, rumgezicke. Fahrkartenkaufen und die alte heimat und die freunde besuchen, Hamburg steht noch. Ein sehr schönes erlebnis war, die warenankunft zu kontrollieren. Alles kam schnell an oder wurde bei fremden nachbarn abgegeben, fast alles. Nur die verpacker aus china für meine schalter konnten nicht zählen. Es fehlten fünf wichtige schalter, die gummikappen dafür waren allerdings im paket. Es dauerte keinen tag und das geld war wieder auf meinem konto, super. Nur die schalter wären besser gewesen.

Weitere mails zum thema ersatz der stromerzeugung durch wind versendet, natürlich war ich genervt und der verkäufer auch. Dieses quittierte er mit einer absage, das gerät sei nicht reparabel. Davon habe ich schon seit einem jahr geredet oder geschrieben und jetzt die verwunderung. Das ergebnis war kein umtausch – und pech, meine rechnungen sind auch nicht auffindbar, nun denn.

Freunde besuchen, unterschlupf zu bekommen und sich wie zu hause zu fühlen, ist so eine sache. Schön, wenn man ankommt und auch freudige gesichter, wenn ich wieder abreise. Trotzdem vielen, vielen dank für eure unterstürtzung.
Die kostenoptimierung für das paket nach Neuseeland musste also neu gestaltet werden. Ich bin mit einem kaputten windgenerator angekommen, also nehme ich auch einen wieder mit zurück. Diesmal ein ähnliches produkt, allerdings aus china und in einer vollmetallausführung. Das finale zehn kilogramm paket nach NZ kostete um sechzig euro und ist ein schnäppchen. Denn zehn kilogramm übergepäck im vorraus gebucht kostet zweihundertfünfzig, ups. Einmal um die halbe welt fordert seinen tribut.

Zurück in Frankreich und nach weitere fünf nervmails mit dem windgeneratorenhersteller und einer nachfrage, ob ich meine rechnung von seinem finanzamt anfordern soll, habe ich recht schnell einen neuen windgenerator mit einem neuen regler erhalten, früher wäre besser gewesen. Somit bin ich jetzt mit zwei windgeneratoren im gepäck, da muss einiges in Frankreich bleiben.

201904 windgenerator

 

Die kommunikation mit dem segelmacher in NZ geht nur per mail, es läuft aber gut. Das ist nur mein empfinden vom sofa aus, eine kontrolle kommt vielleicht am Mo. Danach muss nur noch der geldtransfer über einen weiteren provider fließen und die segel werden hoffentlich, wie zugesichert, in Kopu abgeliefert.
Da ist dann auch noch ein anderes projekt, die ofenreparatur. Kurz vor dem neukauf habe ich doch noch einen rückzieher gemacht. Das braune transportunternehmen mit den drei gelben buchstaben, das doppelt so teuer wie die kanadische post ist, möchte zusätzlich noch eine gebühr für die zollabwicklung haben. Jetzt reicht es, also liegt eine reparatur dann doch näher.

Ganz so nebenbei durchglotze und zerlese ich randbereiche des internetzes. Mein hauptthema ist noch immer alles ums segeln, besonders einmal rum. Vielleicht treffe ich die eine oder den anderen, erkenne sie frühzeitig und kann dann schnell abdrehen.
Die vlogs der angehenden segler haben immer wieder das gleiche muster, erstmal vielen dank für die unterstützung, ohne euch wäre das gar nicht möglich. Wenn euch das gefallen hat, bitte ein like abgeben oder gebt uns geld über die bekannten plattformen. Reicht das noch nicht, dann gibt es kaffeebecher zum kaufen, erigierte warzen auf der brust, die nicht gerade klein ist, unter dem neuen shirt zum boot, welches man auch kaufen kann; oder es wird ein bild gemalt und dieses kann dann doch bitte sofort gekauft werden. Da verschmelzen dann oft dürftiger inhalt mit kobern von zahlungsmitteln. Ja, leben muss man unterwegs auch noch und das kostet halt auch etwas.

Im deutschsprachigen oder ursprungsbereich dieses genres finde ich berichte von schnellweltumseglern, die sich jetzt als schiffsexperten ausgeben und für andere sehr fragwürdige besichtigungsgutachten abgeben. Unwissenheit und falsche tatsachen behauptungen lassen einen doch schlucken.

Vlogs auf vorrat zu produzieren, ist langweilig, da die aktualität tot ist, und insbesondere wenn die person neue projekte versucht anzustoßen, oft auch null ahnung, die hilflose arme, auf girly machende frau aus norddeutschland mit einem verbasteltem schrottschiff als geschäftsmodell. Die sich verkaufende stellt seit ein paar jahren eine weltumsegelung in aussicht, ja auch die karibik kann groß sein, solange es genügend zahler gibt.

Die hauptplattform der einnahmequelle patrion verändert sich zusehends. Die transparenz ist oft nicht mehr zugänglich. So etwas interessiert mich, wie viele unterstützer sind bereit für xyz einen betrag auszugeben. Auch zu dumm, wenn man sieht, für wie viel spenden durch die unterstützter man so einen bullshit erhält, im zeitverlauf ansteigend langweilig, erschreckend dumm, brutalste naivität. Nur die ersten in diesem markt sahnen ab und dazu gehören viel fleisch, wechselnde weibliche gäste und falsche versprechen des inhalts durch vorsätzliche nutzung zweideutig verwendbarer vokabeln. Das erhöht die klickzahlen, eine weitere möglichkeit durch werbeeinblendungen vom portal nummer eins ein paar cents zu bekommen, wenn die verkaufsshows von unnötigen bechern, shirts, caps oder oder oder es nicht wirklich bringen.

Dann sind da noch die ewigen refit- oder baustories, von denen ich ja auch betroffen bin. Da habe ich ein wenig mehr verständnis, war ich doch auch viele jahre beratungsresistent und versuchte auch, mein ding in eigenbau durchzuziehen. Nur in diesen videos reduzieren sich die themen in den meisten fällen auf farbaustausch oder antifoulingerneuerung. Eigenständige reparaturen am schiff unter widrigen umständen sind seltenst.
Oft wird der spezialist herangezogen, hoch gelobt und nach der bezahlung in verbindung mit dem ablauf der nicht vorhandenen garantie wird er dann in der luft gelyncht. Gleich darauf kommt der nächste unfähige handwerker, wird mit einem neuen auftrag versehen und das spiel geht von vorn los. Schön, dass viele menschen von diesen wenigen mit viel geld leben können.

Dann gib es noch über mehrere dutzende reiner bauvlogs, von denen ich um zehn auf der beobachtungsliste habe. Alle materialien, verschiedene schiffstypen und viele gute profis, dem amateurstatus entwachsen, dabei. Viele erinnerungen an meine zeit, viele gute jahre, die ich mir aus heutiger sicht hätte schenken sollen.

Warum tue ich mir das an, vielleicht selbstkasteiung, masochismus oder ein autoagressives verhalten. Mal sehen, wie andere versuchen, das projekt um die welt segeln anzugehen, davon lernen im guten und im schlechten, revierinformationen erhalten und besonders wichtig: deren fehler nicht wiederholen, denn die können teuer werden.

Dieser worte-blog ist schon aufwendig genug. Und dreißig stunden aufwand per video für ein zehnminütiges ergebnis will ich mir nicht leisten. Die pickligen zinken in die kamera stecken, gebrochene daumen, hose runter, brust raus, extrovertiertes herumlaufen mit dem selfiestick und dabei in die landschaft labern, bis hin zum stangenpoledance – all das ist schon vorhanden. Jeder verkauft sich so gut er kann, und wollten nicht alle diese vlogger ein ganz anderes leben beginnen bei ihrer reise um die welt.

Das paket nach NZ klemmte eine woche lang im zoll, da dieser davon ausgegangen ist, es handelt sich um ein kommerzielles paket. Es ging erstmal ein brief nach Kopu und die haben die zeilen eingescannt und an mich gesendet. Also zuerst eine mail zurück zur post, das paket ist mein privates. Einen tag später die antwort, ich möge doch den zoll informieren.
Eine mail zum zoll, erklärung, warum der absender von mir abweichend ist, eine kurze beschreibung des inhaltes des paketes. Danach noch weitere mails mit ergänzenden informationen und das paket war wieder frei und wurde ausgeliefert. Ein weiterer haken dahinter.

Die letzten tage vor ostern werde ich in der Bretagne verbringen. Ein wenig urlaub tut mir hoffentlich gut. Danach noch die organisation um den rückflug herum und das offene thema: wie spätabends vom flughafen in Auckland nach Kopu zu kommen. In anderen ländern gibt es auch bürgersteige.

 

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Back to Europe

Die letzte woche war ruhig, restarbeiten. Der krümmer wurde geschweißt, kugellagerfett organisiert, und der adapter ist fertig. Die gasflasche wurde fast gefüllt, aber es muss doch auch ohne lab-nummer gehen. Diese hirnlosen gasfüllstationsmitarbeiter bestehen auf dieser speziellen prüfnummer bei meiner neuen flasche.
Am letzten tag habe ich mal wieder brennholz gemacht, denn zeit war genug und es liegt viel auf dem gelände herum. Ein paar radtouren waren auch auf dem programm, als trainingseinheit für zuhause. Die liste für den letzten tag habe ich auch abgearbeitet und dafür danke ich mir. Der tag fing gut an, schon um sieben, nach einer kurzen nacht. Nach dem kaffee den duschsumpf aussaugen, damit bis zur rückkehr kein stinkendes monster entsteht. Unter dem deckel dann die rechtzeitige entdeckung, über hundert harte kleine eier in braun. Hoffentlich gibt es kein zweites nest, denn sonst beginnt das große krabbeln.

20190210 standortabreise

 

20190210 standortabreise

 

Der lift zum airport in Auckland war super, ein wenig vier stunden zu früh, egal, danke Jonas. Hier werden die menschen schon auf den nächsten kontrollstep trainiert. Checkin mit dem reisepass am automaten, um sich das flugticket selbst auszudrucken samt gepäckaufkleber. Passkontrolle am automaten mit gesichtserkennung und danach brav das gepäck in die box legen. Das personal fasst da nichts an, nur die aufforderung, die box richtig aufs band zu schieben. Die unter-der-haut-chipzeit werde ich hoffentlich nicht mehr erleben. Die rinder auf der weide in Neuseeland haben hier zwei ohrmarken, doch vieles anderes ist eher entspannt.

Der nächste flughafen, sehr groß, Sydney. Die uhr wird zwei stunden zurückgestellt. Die rollzeit mit dem flugzeug ist wie in Paris, die shoppingmalls viermal so groß wie in Barcelona, schlimm. Das ist nur ein stopover, aber wieder handgepäckdurchleuchtung, mein erster pornonacktscanner. Er reagierte nicht auf zwei getrecke mittelfinger, danach noch ein sprengstoffabwischtest, bullshitbingo australicus maximus. Drei stunden wartezeit.
Dafür habe ich die brücke und die oper im anflug gesehen, muss ich also nicht mehr hierher. Einen zweiten apfel habe ich gegessen, zwei bier an verschiedenen orten getrunken und ein wenig die beine vertreten.

Mo morgen der nächste stop nach vierzehneinhalb stunden flug. Die fluggesellschaft ist gut, alles recht neu, jemand hier in Abu Dhabi hat wohl richtig schotter. Meine sitzreihe war leer, es reichte aber nicht für mich, um zu schlafen, bin im leichten rausch. Die aktuelle uhrzeit ist halb sechs, die gelebte ist zehn stunden weiter, also schon teatime. Wieder ein neuer flughafen, wieder eine gepäck- und personenkontrolle und die gleichen geschäfte, durch die man geschleust wird. In ungefähr vier stunden geht es weiter und der flug ist noch nicht gelistet.
Die drei stunden habe ich mit einem spaziergang zum alten terminal eins genutzt. Verbrauch von zwei weiteren äpfeln und einem müsliriegel. Von außen sieht es wie eine flache betonkugel aus, innen sieht man einen großen trichter von der decke. Diese ist mit mosaiken bestückt. Der baustiel erinnert an CDG, wo ich in ein paar stunden landen werde. Das gesamte personal im flughafen zum wischen, putzen, transportieren ist billig und nicht einheimisch. Mobile arbeitsflexibilität genannt, geringe kosten der flüge und die dritte welt zahlt dafür.

Die nächsten sieben stunden waren dann in einer vollen sitzreihe, organisierterweise am fenster für mich. Der hintern wird recht arg benutzt. Um drei uhr am Mo nachmittag kam erst ich und dann das gepäck an, alles im grünen bereich. Nur meine zeit ist drei uhr früh am Di. vierundvierzig stunden vom aufstehen nach einer kurzen nacht, bis zum warten auf den zug, plus zwei bis nach Lille, dann noch eine halbe bis aufs sofa.

Jetzt sind ein paar tage vergangen. Das ganze lief auch alles soweit so gut, wenn da nicht so etwas wie eine zeitverschiebung von einem tag wäre. Der geist ist willig, jedoch der körper ist schwach. Somit hat mich das ganze drei tage umstellung gekostet, früher nannte man das jetlag. Ich habe jetzt schon keine lust zurück, denn dann werden es auch wieder zwölf stunden unterschied werden.

Die umstellzeit habe ich mit oneline shopping verbracht, die liste ist lang und fast abgearbeitet. Ich werde auch noch einmal versuchen, meinen windgenaratorenverkäufer zu einem tausch zu bewegen. Den defekten windgenerator samt regler habe ich mitgenommen.
Sollte das nicht funktionieren, wird auf jeden fall ein neuer aus China gekauft. Schlimmer als türkische produktion sollte schwierig sein, aber machbar. Die preise für einen wassergenerator fürs heck haben mich den kauf verwerfen lassen. Dafür kann ich über fünftausend liter diesel kaufen und eine stärkere lichtmaschine, was ich auch vorhabe.
Etwas schwieriger ist die beschaffung des neuen ofens. Das angebot vom hersteller in Kanada ist super, unter dreihundert euronen, bei der firma obenbeleuchtung in Hamburg kostet er über das doppelte. Nur will der hersteller das teil mit ups versenden, für über die hälfte des kaufpreises, unakzeptabel. Mit der kanadischen post kostet es die hälfte, ich arbeite daran.

So und jetzt mal aufgepasst in der leserrunde, ich brauche eine gebrauchte sturmfock, farbe egal. Die üblichen online plattformen haben nichts richtiges im angebot. Dieses sturmsegel ist für windstärken ab zehn bis dreizehn gedacht und soll fliegend gefahren werden, also ein try oder so. Ich habe kein zweites vorstag, das wäre lösungsansatz zwei.
Meine genua hat in den bisherigen drei orkanen doch sehr gelitten, das sehe ich am preis des segelmachers für die reparatur. Die größe von bis zu acht quadratmeter sollte reichen. Die ösen in den ecken müssen richtig stabil sein, das tuch sollte im bereich über vierhundert gramm liegen. Wer also so etwas noch rumliegen hat oder an der quelle sitzt, bitte schnell melden. Merci.

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Ein Monat auf dem Trailer in Neuseeland

Ein neues jahr ist angebrochen, die erde dreht sich weiter und das morden ist stetig. Nur wenige wichtige menschen sind gestorben, meiner meinung nach, darunter Aretha Franklin. Der rest waren marionetten oder opfer und ein fuck auf die bushfamilie.

Dieser bericht wird wieder ohne bilder auskommen müssen, die kamera will noch immer nicht und ich habe kein backup dafür. Zum trost: es wären auch nur refitbilder von den arbeiten am schiff gewesen. Nachtrag: ich habe fremde fotos erhalten und habe sie eingebaut.

Mein erster tag im jahr fing ruhig an, genau wie der letzte endete, kein knallen oder böllern. Ich bin im off. Dieser tag war ein roter, zuerst den rumpf mit verdünner abgerieben, danach die rote farbe erneuert. Nur an ein paar stellen komme ich nicht ran, der trailer stört. Zum schluss noch die fünfte schicht grundierung auf die stellen im unterwasserbereich. Meiner vermutung nach habe ich heute über vierhundert höhenmeter auf der leiter absolviert.

 

20181227 rumpf

 

20181227 rumpf

 

20181227 schraube

 

20181227 schraube

 

Tag zwei: meine alte antifoulingfarbe ist mit zwei liter verdünner dreimal auf dem kiel und im ruderbereich aufgetragen, der trailer muss verstellt werden, dafür ist schweres gerät erforderlich.

Tag drei: ich habe eine neue halterung für den feinstölfilter gebastelt und es ist die beste version bis jetzt, der rest im motorraum ist vom eventuellen wellengenerator abhängig. Den trailer habe ich selbst verstellt mit holz vom gelände und einem kettenzug zum verstellen, die restlichen stellen sind in bearbeitung.

Tag vier: im motorraum sind die vorläufigen restarbeiten erledigt und die seitenwände wieder an ort und stelle. Die letzte nuss für die knarre habe ich in der motorwanne gefunden. Offene werkzeugkästen, enger raum und schon hat sich der knarrenkasten in den offenen motorraum entleert, mist. Der windgeneratorentest der beiden restteile verlief negativ, somit wird es keinen wellengenerator mit diesen teilen geben. Hat auch was gutes, denn somit muss eine neue idee her. Das projekt fenstertausch im pilothouse ist gestartet. Der anfang war die innenverkleidung rechts, eine zerstörerische mistarbeit, hatte es doch für sehr lange halten sollen. Dann habe ich noch vier zeitraubende, fünf zentimeter große löcher in den süllrand gebohrt. Damit eine eingetauchte welle schneller wieder in ihrem element sein kann. Ein weiterer konstruktionsfehler ist abgemildert.

Tag fünf: der muskelkater vom löcherbohren ist im anmarsch, ziemlich gefährlich so eine lochsäge. Die löcher habe noch ein wenig grundierung erhalten. Denn restlichen tag verbrachte ich mit dem freilegen der fünfzig schrauben der fensterblenden. Die fensterrahmen und verkleidungen sind im vorschiff. Mit dem stechbeitel und dem cuttermesser habe ich die fünf zentimeter tiefen löcher in die isolierung gegraben. Auch sind alle achtundvierzig schrauben der frontfenster haltebleche entfernt. Auch hier musste zum schrauben gegraben werden. Ich glaube, die außenrahmen der fenster werden durch gewinde im pilothouseblech gehalten. Das hatte ich nach zehn jahren schon vergessen. Die mühsam geschweißten va-rahmen wandern wohl in den metallvorat, ich werde sie hier nicht mehr einsetzen.

Tag sechs: wie schön sind holzarbeiten, wenn das richtige werkzeug vorhanden ist. Linus hat eine gute kreissäge, auf der die leisten vom holzfriedhof einen zentimeter in der breite verloren haben. Bei Bruce, eine baustelle weiter, gibt es die hobelmaschine, die die leisten auf zwölf milimeter reduziert. Aus diesen astreinen leisten habe ich dann drei neue fensterrahmen für die frontfenster gebastelt. Die toleranzen sind im unteren bereich und ich bin mit dem ergebnis zufrieden. Danach noch ein wenig rot auf den rumpf an die noch freien stellen aufgetragen und der tag war aufgebraucht.

Tag sieben: die schönen holzrahmen habe ich heute mit achtundvierzig großen löchern versehen und dann noch ein bisschen zurecht geschleift. Dieses ergebnis ist mittelmäßig, jedoch sieht das später keiner. Mein bandschleifer fängt an, die schleifbänder zu fressen, oder sie sind schon zu alt.
Die zweite hälfte vom tag war wieder eine runde rot ums schiff und diese zweite farbe wird auch erstmal die letzte sein. Das wetter spielt immer noch mit, ein wenig zu warm schon für den farbauftrag.

Tag acht: die sechs außenrahmen der seitenfenster habe ich entfernt, da die scheiben noch im rahmen kleben. Nach zehn jahren ist der versuch einigermaßen geglückt, kein wasser ins schiff zu lassen, jedoch hinter die rahmen – und da kam der rost. Die scheiben haben es aber auch nicht rissfrei überlebt, der richtige zeit zum wechseln. Somit sind die achtundvierzig löcher wieder verschlossen worden. Schweißen war eine sehr aufwändige option und ich habe mich für spachteln entschieden. Die pampe musste ich erst neu kaufen, da die vorhandene dose noch aus der dm-zeit gestorben war. Noch dreiunddreißig tage bis zum abflug.

Tag neun: da ich noch kein sikaflex oder ähnliches habe, sind zum üben die kleinen fenster zur plicht herausgekommen. Das ging besser als erwartet und ein passendes stück makrolonscheibe ist auch noch im lagerbestand gewesen. Die neuen scheiben habe ich passend gesägt und sie sind provisorisch schonmal eingesetzt.
Die holzfensterrahmen und die halterahmen für die frontfenter haben den ersten neuen anstrich erhalten. Die farbe habe ich aus Whangarei vom marinamüllplatz. Die dose mit drei litern hat mal über dreihundert dollar gekostet und ist noch wie neu. Nur ist es ein acryllack auf verdünnerbasis, und dieser hat nach zehn minuten die schaumstoffrolle um das doppelte aufgebläht und zerstört. Der neue pinsel hat nach und nach die meisten borsten verloren, starkes zeug.

Tag zehn: noch einmal haben die rahmen farbe erhalten, diesmal mit einer fleecerolle. Dann noch in der plicht ein wenig geflext und grundiert. Der rumpf sollte die ersten schichten antifouling erhalten, doch die menge hat noch nicht einmal für eine gereicht. Die beschriftung der dose war nicht aktuell, verplant.

Tag elf: ich wollte gerade zum baumarkt, um fensterdichtungsmaterial zu kaufen, da offerierte Linus mir das zeug aus seinem konvolut. Wieder ein paar dollar gespart und nach vielen stunden habe ich die alten frontfenster herausgenommen und die innenfenster wieder eingesetzt. Eine elendige fummelei und schwarze hände gab es auch. Aber ich kann wieder nach vorne sehen, es ist hell und somit ein erfolg.

Tag zwölf: aus den alten frontfenstern habe ich auf der backbordseite zwei neue seitenfenster herausgesägt. Was über drei stunden gekostet hat, war die spiegelfolie und deren kleber zu entfernen. Auch ist es mir nicht geglückt, die gelb angelaufenen scheiben durch polieren wieder klar werden zu lassen. Das einkleben erfolgt morgen. Damit ging ein ganzer tag drauf.

Tag dreizehn: es ist ein sonntag und könnte ein freitag sein. Die backbordfenter habe ich einsetzt und verklebt, lief langsam aber akzeptabel. Ich wollte  bereits ein lob zum wettergott abgeben, dass es schon seit zwei wochen keinen regen gab. Nach diesem gedanken kam ein sturzregen und die fenster sind dicht! Danach, als es wieder trocken war, habe ich die fenster in der plicht eingeklebt. Leider habe ich zur falschen verdünnerdose gegriffen und somit ist das rechte fenster ein wenig blind geworden, dummer mist. Vielleicht kann ich es morgen ein wieder wenig herauspolieren. Die restlichen verkleidungen und rahmen sind für neue farbe vorbereitet und schon im container platziert. Der container wird von Kopu Marine gestellt. Die farbe kommt morgen auf die objekte.

Tag vierzehn: das wetter war nicht so freundlich, langer regen, so dass die arbeiten zum erliegen kamen. In einer pause haben die innenverkleidungen die erste weiße schicht erhalten. Also wurden ein paar kleinere arbeiten im motorraum vorgenommen. Das gute daran ist, dass die neuen scheiben regendicht sind.

Tag fünfzehn: die zweite schicht farbe ist auf die innenverkleidungen gekommen. Dabei hat sich der billige kauf der schaumstoffrollen als fiasko herausgestellt. Sobald sie in der nähe von lösungmitteln kommen, quellen sie auf und lösen sich von der rolle. Den rest des tages habe ich mit den beiden steuerbordfenstern verbracht. Alte raus, rahmen säubern und mit der flexdahtbrüste reinigen, alle benötigten gewinde im rahmen nachschneiden, fenster mit der stichsäge zurechtschneiden und mit der flex begradigen, zwanzig schraubenlöcher in das plastik bohren und anpassen, die fenster von der spiegelfolie befreien, danach den kleber entfernen und die scheiben polieren, währenddessen zweimal schwarze farbe auf die fensterrahmen lackiert. Das alles kostet eine unmenge an zeit und immer sorgvolle blicke zum himmel.

Tag sechszehn: die letzten beiden fenster sind eingeklebt, und wenn es wieder einen regentag geben wird, kommen die innenrahmen und neu lackierten verkleidungen wieder dran.
Dann gab es ein wenig aufregung, die meiste bei mir. Vorgestern hatte es stark geregnet und ich dachte gestern, dass der alte trawler neben mir sein aufgenommenes wasser durch den kiel wieder ablässt. Nur heute bei genauer betrachtung zog es einen film auf einem stahlträger. Nach dem geruchstest ist die bilge voll mit diesel und der läuft seit gestern aus, zwanzig meter weiter fängt die naturschutzzone an. Kurzes telefonat und Kopu Engineering fing ruhig an, das schiff auszupumpen. Über tausend liter konnten sie in fässer füllen. Die versuchung der absaugung ist jetzt groß, aber der mögliche schaden an meinem motor noch größer. Also finger weg von der brühe.
Die arbeit an der plicht ging weiter mit der backbordseite und ich wollte schon pfuschen. Bis über die boden grätinge würde doch reichen, aber ich habe sie dann doch herausgenommen. Ab wann gilt man eigentlich als massenmörder? Unter dem fußboden lagern planen, reste davon, die rettungsinsel und ein wenig holz. Die rettunginsel habe ich zuerst herausgehievt und dann sah ich nummer eins. Mein schuh war schneller, und nach den planen habe ich bis zur nummer vier gekillt. Dann wurde der ganze bereich bereinigt und ausgesaugt. Die planen gingen über bord und unter die dusche. Die schwarzen ohrenkneifer habe ich nicht gezählt, jedoch bin ich bis auf zwölf der hauptbewohner gekommen. Die eine kakerlake von vor ein paar tagen war halt doch nicht so allein. Zwei sorten sind es diesmal, rötlichbraun in der länge von fünf zentimetern und eine neue rötliche art von drei zentimetern. Woher kommen die wohl diesmal?

Tag siebzehn: die letzten beiden fenster sind auch dicht, der regentest in der nacht war kräftig. Die plicht bekommt gerade neue farbe, viele schichten, das dauert. Bis jetzt sind mindestens hundertfünfzig kilogramm an ballast von schiff verschwunden, vielleicht werden es noch mehr. Das angebot vom segelmacher hat mich umgehauen, aber das material hat doch sehr gelitten. Zwei große zettel in europäischer währung soll es kosten, ein wenig mehr als das doppelte, was ich erwartet hatte. Neuseeland wird sehr teuer werden und ich bin erst seit einem monat hier.

Tag achtzehn: die innenrahmen haben die erste durchsicht von zweien erhalten und alle schrauben griffen, denn sie haben nur sehr wenige gewindegänge zur festigung. Nach einem monat wieder einen waschtag dazwischen geschoben, bis zum sonnenuntergang erfolgreich frischer. Ich behindere mich selber mit weiteren baustellen. Das schiff ist zu groß, zuviel raum zum zumüllen. Wenn morgen das wetter mitmacht, kommt die erste schicht weiß ins cockpit.

Tag neunzehn: am Sa läuft es ruhiger an, jedoch war meine kabinentür in der nacht offen und die blutsauger kamen, was zu einer nachtverkürzung führte. Es war ein erfolgreicher tag, ich habe stege zwischen den wantenaufnahmen geschweißt. Die idee, alles um die aufnahmen mit blech zu verstärken, habe ich gestrichen und für das nächste refit aufgespart. Die stege sind aus einem fensterrahmen, den ich ja zuvor beseitigt hatte. Die kleinen bleche sind zwischen dem großen blech für die unterwanten und dem kleinen blech für das oberwant geschweißt. Zwei mal drei millimeter dicke sollten erstmal reichen. Die ausführung ist für meine verhältnisse sehr akzeptabel, sollte das deck wieder reißen, ist das problem ernst.
Am abend musste natürlich das gas ausgehen, während ich gerade koche. Und natürlich musste ein weiteres desaster geschehen, das volle weinglas fiel um, zerbrach und musste schon wieder ersetzt werden.
Und ich habe deinen geburstag nicht vergessen, lieber Eckhard. Nur mein internetzugang ist gerade in Auckland und holt meine farbe auf dem rückweg ab. Eine feier kommt später in europa.

Tag zwanzig: es zieht sich alles ein wenig. Die löcher an den fenstern bis aufs blech habe ich heute mit montageschaum verfüllt. Danach alles mit tape abgeklebt und die innenverkleidungen im pilothouse sind auch wieder an ort und stelle. Die montage dauert viermal so lange, wie die demontage. Und da noch schaum in der dose war, habe ich den brandschaden von Tahiti wieder repariert, verfüllt und verklebt. Ein ganzer tag für diese paar arbeiten.

Tag einundzwanzig: das deck benötigte eine kleine revision, damit die kleinen rostnester verschwinden. Da die wantenaufnahmen verstärkt sind, kann es losgehen. Der knick vom süllrand zum deck ist noch immer gut, dank meiner lieblingsfarbe. Jedoch ist hier und da etwas aufs deck gefallen und das ergebnis sind risse im lack oder schon rostpickel. Einmal peeling und der silberfarbenanteil stieg auf ein siebtel, alles im grünen bereich. Das kann ich leider von der flex aus dem hause bauhaus nicht mehr sagen, getriebeschaden. Sie ist älter als vier jahre und das war es schon, meine andere blaue aus der profiline lebt noch immer.
Einen ausflug per rad nach Thames war auch nötig, lebensmittel und ein paar pinsel. Leider habe ich einen davon auf dem weg verloren, bleiben noch neun.

Tag zweiundzwanzig: farbe farbe farbe. Das deck hat die dritte grundierung erhalten, das linke cockpit die zweite, finale weiße schicht. Das pilothouse hat sein weiß und mehr sollte nicht sein. Nebenbei hatte ich die genuaumlenkrollen nach sechs jahren das erste mal gefettet. Meine knie sind ein wenig belastet vom robben über dem deck. Nach dem folgenden überlack kann das deck auch wieder als lager benutzt werden.
Das erste mal, das sich die leute streuben, meine gasflasche aus Französisch Guiana zu füllen. Es fehlt eine lab nummer auf der flasche und das personal der füllungstation ist nicht in der lage, es zu händeln, downgrade the intelligence.

Tag dreiundzwanzig: meine bestellte farbe ist angekommen und so sind zwei schichten vom antifouling auf den rumpf gekommen. Den rest der farbe ist für das windsteuerrunder und für die sehr gestressten stellen.
Auch habe ich mich gegen den patchwork anblick von den bearbeiteten roststellen auf dem deck entschieden. Ich habe von der abreise vier liter der deckfarbe gefunden und die erste schicht ist auch schon aufgetragen, morgen eine weitere. Das ergebnis des tages sind dicke schultern vom rollen und ein guter trockener tag.

Tag vierundzwanzig: zu den schultern kommen heute noch die knie hinzu. Das rumrobben auf dem deck geht nicht mehr spurlos an mir vorbei. Vorbei ist auch das schöne sonnige trockene wetter, denn es hat bis zum nachmittag stellenweise geregnet. Nicht brauchbar, um farbe aufs deck zu bringen.
Also als alternative die kardanwelle wieder einbauen und eine holzbox für meine fettpressen im schnellverfahren bauen. Der nächste punkt auf der liste ist der generator. Er will seit einiger zeit nicht und heute fühlte er sich schon wieder fest an. Also eine zylinderkopfdemontage, kopf reinigen, ventile neu einschleifen, alles wieder montieren und startversuche. Das teil will nicht mehr, einspritzpumpe fördert, gereinigte einspritzdüse spritzt und er läuft nicht. Morgen weitere tests.

Tag fünfundzwanzig: die weiteren startversuche waren erfolglos und somit wird das teil für tot erklärt. Meine vermutung ist eine fehlende kompression, der motor war ja mal fest. Also ein ersatz oder ein neuer generator.
Das ruder der windsteueranlage ist wieder montiert und der rest des antifoulings ist auch aufgebraucht. Am nachmittag war es auch wieder trocken und so hat das deck eine zweite schicht farbe erhalten, sieht ohne brille gut aus, finde ich.

Tag sechsundzwanzig: fing erstmal moderat an, ein ausflug nach Thames, markttag. Ein paar shops abgegrast, ein gescheiterter versuch, die gasflasche zu füllen, und einmal durch den alten hafen.
Zurück an die arbeit, die achterkabine ist auf der liste. Und da habe ich fast die dose der Pandora aufgemacht. Zuerst das kleine heckfenster, von mir eingebaut, entfernt. Fünf schrauben wollten nicht so recht, also mal die alten refitbilder von vor sieben jahren durchgeschaut und nichts gefunden. Jedoch konnten die kreuzschlitzschrauben nicht herausgedreht werden oder rissen ab oder der schraubendreher hat seinen kopf verloren. Ausbohren und gewinde neu schneiden. Ich hatte die schrauben noch durch muttern gesichert, warum nur, das ganze ist nicht mehr in meiner hirndatenbank.
Der nächste gau sind die vielen schwarz-weiß verbindungen. Das holz auf der achterkabine sollte nicht mit dem deck in kontakt kommen, wegen dauerfeuchte und rost. Also habe ich um die fünfzig muttern auf das deck geschweißt und das holz ist darauf. Nur diese verbindungen rosten erheblichst, kraterbildungen um diese muttern. Das ist gleiche am heckfenster.
Dann habe ich noch die solarpannels abgenommen, denn die waren nur schwimmend verlegt und an den ecken fixiert. Was für ein stinkender dreck, die unterste farbe wurde durch feuchtigkeit unterwandert und es fing an.
Somit wird es ein kleines fünf-tageprojekt, bis alles wieder an seinem platz ist.

Tag siebenundzwanzig: um es kurz zu machen, farbe, farbe und farbe. Dünn, weniger dünn und streichbar in grau und schwarz. Die achterkabine wird akzeptabel und beim nächsten refit ist sandstrahlen angesagt.

Tag achtundzwanzig: farbe weiß und austernweiß, ein wenig in richtung elfenbein. Die achterkabine und das restliche deck herum haben neue farbe erhalten. Im groben war es das dann mit der bemalung. Zur abwechslung habe ich noch die halterung vom baumkicker verlängert. Eine dauerschwachstelle und nun hat die halterung vier popnieten und das ganze gleich in va. Wenn das auch nicht hält, muss neu gedacht werden.
Heut am Mo ist hier ein lokaler feiertag und es wird warm werden, die hitzewelle aus Australien schwappt nach Neuseeland rüber. Die sind hier schon ganz aufgeregt über dreißig grad.

Tag neunundzwanzig: viele rote gesichter waren heute auf der szene. Die jungs und mädels werden gerade gegrillt, einerseits ganz lustig, auf der anderen seite ändert sich was am wetter. Geändert hat sich auch mein standort, zehn meter weiter stehe ich in der gleichen richtung mit blick auf den fluss. Der trailer hat größere reifen erhalten, damit die grundberührungen vom rausslippen reduziert werden.
Die demontage des holzes, der solarpannels, der heckluke und kleinteile hat eine stunde gedauert, alles wieder zurück an ort und stelle einen tag. Somit sind die panels und das fenster wieder eingeklebt, hoffentlich dicht. Ich bin gut im plan, nur noch ein paar schweißjobs an anbauteile und ich bin abreisebereit.

Tag dreißig: ich wollte sehr aktiv sein und den auspuffkrümmer schweißen und ein toggle anfertigen. Das machen jetzt die leute von kopu marine, auch ok. Ich habe mit einer bohrerschleifmaschine alle meine zahlreichen stumpfen bohrer geschliffen, sehr gut.
Danach wollte ich meinen holzofen überholen und das ging schief. Die verbindung vom ofen zum ofenrohr ist durch und festgerostet. Somit brauche ich so ein teil neu. Neu müsste auch der ganze türbereich und das muss ohne schweißverzug gemacht werden. Die schamottsteine müssen auch wieder geflickt werden. Ein neukauf ist vielleicht günstiger.

Tag einunddreißig: die restarbeiten in der plicht sind erledigt. Dazu habe ich zwei halterungen für das bimini zurechtgesägt. Fast alle sachen und die rettungsinsel sind wieder unter dem fußboden verschwunden. Meine gesammelten holzteile sind zu Linus gewandert. Die beiden fünf mal fünf mahagoniebalken in der länge über zwei meter, die ich seit französisch Guiana mitnehme, haben ein sinnvolleres dasein auf einem holzschiff gefunden.
Jetzt ist aufräumen auf der liste, die anderen sachen sind bis auf ein paar kleinere punkte abgehakt oder gestrichen. Wenn die werkstattteile kommen, kann der motor wieder komplettiert werden und ich muss noch ein paar mal auf den mast. Die segel müssen noch ein go bekommen und die abreise sollte noch organisiert sein.

Tag zweiunddreißig: Der krümmer wurde fett geschweißt und das gewindeloch für den temperatursensor ist auch schon hineingeschnitten. Also alles wieder an seinem platz, wassersammler und schläuche wieder montiert. Somit muss nur noch der neue impeller kurz vor der wasserung eingebaut werden. Die farben sind wieder verstaut und darüber sind die elektrowerkzeuge im fach. Den rest des tages wurde grob aufgeräumt, ein kurzer ausflug zum meer und wieder ein wenig einkaufen.

Tag dreiunddreißig: die liste wird kürzer und ein wichtiger punkt ist das licht im badbereich. Kurz vor Neuseeland wurde es immer schwächer und ging aus. Das stromleck musste gefunden werden, viele verkleidungen habe ich dafür abschreuben müssen. Es war an einer guten stelle, eine schraube der wandverkleidung hatte sich durch das kabel geschraubt und die feuchtigkeit hat den rest erledigt. Danach war auch eine grundreinigung in dem bereich angesagt.

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 schraube

 

Das war ein wenig mehr als der erste monat im neuen jahr auf dem trailer, mit dem ich aus dem wasser gekommen bin und im Mai hoffentlich auch wieder hineinkommen werde.

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