Back to Europe

Die letzte woche war ruhig, restarbeiten. Der krümmer wurde geschweißt, kugellagerfett organisiert, und der adapter ist fertig. Die gasflasche wurde fast gefüllt, aber es muss doch auch ohne lab-nummer gehen. Diese hirnlosen gasfüllstationsmitarbeiter bestehen auf dieser speziellen prüfnummer bei meiner neuen flasche.
Am letzten tag habe ich mal wieder brennholz gemacht, denn zeit war genug und es liegt viel auf dem gelände herum. Ein paar radtouren waren auch auf dem programm, als trainingseinheit für zuhause. Die liste für den letzten tag habe ich auch abgearbeitet und dafür danke ich mir. Der tag fing gut an, schon um sieben, nach einer kurzen nacht. Nach dem kaffee den duschsumpf aussaugen, damit bis zur rückkehr kein stinkendes monster entsteht. Unter dem deckel dann die rechtzeitige entdeckung, über hundert harte kleine eier in braun. Hoffentlich gibt es kein zweites nest, denn sonst beginnt das große krabbeln.

20190210 standortabreise

 

20190210 standortabreise

 

Der lift zum airport in Auckland war super, ein wenig vier stunden zu früh, egal, danke Jonas. Hier werden die menschen schon auf den nächsten kontrollstep trainiert. Checkin mit dem reisepass am automaten, um sich das flugticket selbst auszudrucken samt gepäckaufkleber. Passkontrolle am automaten mit gesichtserkennung und danach brav das gepäck in die box legen. Das personal fasst da nichts an, nur die aufforderung, die box richtig aufs band zu schieben. Die unter-der-haut-chipzeit werde ich hoffentlich nicht mehr erleben. Die rinder auf der weide in Neuseeland haben hier zwei ohrmarken, doch vieles anderes ist eher entspannt.

Der nächste flughafen, sehr groß, Sydney. Die uhr wird zwei stunden zurückgestellt. Die rollzeit mit dem flugzeug ist wie in Paris, die shoppingmalls viermal so groß wie in Barcelona, schlimm. Das ist nur ein stopover, aber wieder handgepäckdurchleuchtung, mein erster pornonacktscanner. Er reagierte nicht auf zwei getrecke mittelfinger, danach noch ein sprengstoffabwischtest, bullshitbingo australicus maximus. Drei stunden wartezeit.
Dafür habe ich die brücke und die oper im anflug gesehen, muss ich also nicht mehr hierher. Einen zweiten apfel habe ich gegessen, zwei bier an verschiedenen orten getrunken und ein wenig die beine vertreten.

Mo morgen der nächste stop nach vierzehneinhalb stunden flug. Die fluggesellschaft ist gut, alles recht neu, jemand hier in Abu Dhabi hat wohl richtig schotter. Meine sitzreihe war leer, es reichte aber nicht für mich, um zu schlafen, bin im leichten rausch. Die aktuelle uhrzeit ist halb sechs, die gelebte ist zehn stunden weiter, also schon teatime. Wieder ein neuer flughafen, wieder eine gepäck- und personenkontrolle und die gleichen geschäfte, durch die man geschleust wird. In ungefähr vier stunden geht es weiter und der flug ist noch nicht gelistet.
Die drei stunden habe ich mit einem spaziergang zum alten terminal eins genutzt. Verbrauch von zwei weiteren äpfeln und einem müsliriegel. Von außen sieht es wie eine flache betonkugel aus, innen sieht man einen großen trichter von der decke. Diese ist mit mosaiken bestückt. Der baustiel erinnert an CDG, wo ich in ein paar stunden landen werde. Das gesamte personal im flughafen zum wischen, putzen, transportieren ist billig und nicht einheimisch. Mobile arbeitsflexibilität genannt, geringe kosten der flüge und die dritte welt zahlt dafür.

Die nächsten sieben stunden waren dann in einer vollen sitzreihe, organisierterweise am fenster für mich. Der hintern wird recht arg benutzt. Um drei uhr am Mo nachmittag kam erst ich und dann das gepäck an, alles im grünen bereich. Nur meine zeit ist drei uhr früh am Di. vierundvierzig stunden vom aufstehen nach einer kurzen nacht, bis zum warten auf den zug, plus zwei bis nach Lille, dann noch eine halbe bis aufs sofa.

Jetzt sind ein paar tage vergangen. Das ganze lief auch alles soweit so gut, wenn da nicht so etwas wie eine zeitverschiebung von einem tag wäre. Der geist ist willig, jedoch der körper ist schwach. Somit hat mich das ganze drei tage umstellung gekostet, früher nannte man das jetlag. Ich habe jetzt schon keine lust zurück, denn dann werden es auch wieder zwölf stunden unterschied werden.

Die umstellzeit habe ich mit oneline shopping verbracht, die liste ist lang und fast abgearbeitet. Ich werde auch noch einmal versuchen, meinen windgenaratorenverkäufer zu einem tausch zu bewegen. Den defekten windgenerator samt regler habe ich mitgenommen.
Sollte das nicht funktionieren, wird auf jeden fall ein neuer aus China gekauft. Schlimmer als türkische produktion sollte schwierig sein, aber machbar. Die preise für einen wassergenerator fürs heck haben mich den kauf verwerfen lassen. Dafür kann ich über fünftausend liter diesel kaufen und eine stärkere lichtmaschine, was ich auch vorhabe.
Etwas schwieriger ist die beschaffung des neuen ofens. Das angebot vom hersteller in Kanada ist super, unter dreihundert euronen, bei der firma obenbeleuchtung in Hamburg kostet er über das doppelte. Nur will der hersteller das teil mit ups versenden, für über die hälfte des kaufpreises, unakzeptabel. Mit der kanadischen post kostet es die hälfte, ich arbeite daran.

So und jetzt mal aufgepasst in der leserrunde, ich brauche eine gebrauchte sturmfock, farbe egal. Die üblichen online plattformen haben nichts richtiges im angebot. Dieses sturmsegel ist für windstärken ab zehn bis dreizehn gedacht und soll fliegend gefahren werden, also ein try oder so. Ich habe kein zweites vorstag, das wäre lösungsansatz zwei.
Meine genua hat in den bisherigen drei orkanen doch sehr gelitten, das sehe ich am preis des segelmachers für die reparatur. Die größe von bis zu acht quadratmeter sollte reichen. Die ösen in den ecken müssen richtig stabil sein, das tuch sollte im bereich über vierhundert gramm liegen. Wer also so etwas noch rumliegen hat oder an der quelle sitzt, bitte schnell melden. Merci.

Veröffentlicht unter Refit, Reise_2019 | Kommentare deaktiviert

Ein Monat auf dem Trailer in Neuseeland

Ein neues jahr ist angebrochen, die erde dreht sich weiter und das morden ist stetig. Nur wenige wichtige menschen sind gestorben, meiner meinung nach, darunter Aretha Franklin. Der rest waren marionetten oder opfer und ein fuck auf die bushfamilie.

Dieser bericht wird wieder ohne bilder auskommen müssen, die kamera will noch immer nicht und ich habe kein backup dafür. Zum trost: es wären auch nur refitbilder von den arbeiten am schiff gewesen. Nachtrag: ich habe fremde fotos erhalten und habe sie eingebaut.

Mein erster tag im jahr fing ruhig an, genau wie der letzte endete, kein knallen oder böllern. Ich bin im off. Dieser tag war ein roter, zuerst den rumpf mit verdünner abgerieben, danach die rote farbe erneuert. Nur an ein paar stellen komme ich nicht ran, der trailer stört. Zum schluss noch die fünfte schicht grundierung auf die stellen im unterwasserbereich. Meiner vermutung nach habe ich heute über vierhundert höhenmeter auf der leiter absolviert.

 

20181227 rumpf

 

20181227 rumpf

 

20181227 schraube

 

20181227 schraube

 

Tag zwei: meine alte antifoulingfarbe ist mit zwei liter verdünner dreimal auf dem kiel und im ruderbereich aufgetragen, der trailer muss verstellt werden, dafür ist schweres gerät erforderlich.

Tag drei: ich habe eine neue halterung für den feinstölfilter gebastelt und es ist die beste version bis jetzt, der rest im motorraum ist vom eventuellen wellengenerator abhängig. Den trailer habe ich selbst verstellt mit holz vom gelände und einem kettenzug zum verstellen, die restlichen stellen sind in bearbeitung.

Tag vier: im motorraum sind die vorläufigen restarbeiten erledigt und die seitenwände wieder an ort und stelle. Die letzte nuss für die knarre habe ich in der motorwanne gefunden. Offene werkzeugkästen, enger raum und schon hat sich der knarrenkasten in den offenen motorraum entleert, mist. Der windgeneratorentest der beiden restteile verlief negativ, somit wird es keinen wellengenerator mit diesen teilen geben. Hat auch was gutes, denn somit muss eine neue idee her. Das projekt fenstertausch im pilothouse ist gestartet. Der anfang war die innenverkleidung rechts, eine zerstörerische mistarbeit, hatte es doch für sehr lange halten sollen. Dann habe ich noch vier zeitraubende, fünf zentimeter große löcher in den süllrand gebohrt. Damit eine eingetauchte welle schneller wieder in ihrem element sein kann. Ein weiterer konstruktionsfehler ist abgemildert.

Tag fünf: der muskelkater vom löcherbohren ist im anmarsch, ziemlich gefährlich so eine lochsäge. Die löcher habe noch ein wenig grundierung erhalten. Denn restlichen tag verbrachte ich mit dem freilegen der fünfzig schrauben der fensterblenden. Die fensterrahmen und verkleidungen sind im vorschiff. Mit dem stechbeitel und dem cuttermesser habe ich die fünf zentimeter tiefen löcher in die isolierung gegraben. Auch sind alle achtundvierzig schrauben der frontfenster haltebleche entfernt. Auch hier musste zum schrauben gegraben werden. Ich glaube, die außenrahmen der fenster werden durch gewinde im pilothouseblech gehalten. Das hatte ich nach zehn jahren schon vergessen. Die mühsam geschweißten va-rahmen wandern wohl in den metallvorat, ich werde sie hier nicht mehr einsetzen.

Tag sechs: wie schön sind holzarbeiten, wenn das richtige werkzeug vorhanden ist. Linus hat eine gute kreissäge, auf der die leisten vom holzfriedhof einen zentimeter in der breite verloren haben. Bei Bruce, eine baustelle weiter, gibt es die hobelmaschine, die die leisten auf zwölf milimeter reduziert. Aus diesen astreinen leisten habe ich dann drei neue fensterrahmen für die frontfenster gebastelt. Die toleranzen sind im unteren bereich und ich bin mit dem ergebnis zufrieden. Danach noch ein wenig rot auf den rumpf an die noch freien stellen aufgetragen und der tag war aufgebraucht.

Tag sieben: die schönen holzrahmen habe ich heute mit achtundvierzig großen löchern versehen und dann noch ein bisschen zurecht geschleift. Dieses ergebnis ist mittelmäßig, jedoch sieht das später keiner. Mein bandschleifer fängt an, die schleifbänder zu fressen, oder sie sind schon zu alt.
Die zweite hälfte vom tag war wieder eine runde rot ums schiff und diese zweite farbe wird auch erstmal die letzte sein. Das wetter spielt immer noch mit, ein wenig zu warm schon für den farbauftrag.

Tag acht: die sechs außenrahmen der seitenfenster habe ich entfernt, da die scheiben noch im rahmen kleben. Nach zehn jahren ist der versuch einigermaßen geglückt, kein wasser ins schiff zu lassen, jedoch hinter die rahmen – und da kam der rost. Die scheiben haben es aber auch nicht rissfrei überlebt, der richtige zeit zum wechseln. Somit sind die achtundvierzig löcher wieder verschlossen worden. Schweißen war eine sehr aufwändige option und ich habe mich für spachteln entschieden. Die pampe musste ich erst neu kaufen, da die vorhandene dose noch aus der dm-zeit gestorben war. Noch dreiunddreißig tage bis zum abflug.

Tag neun: da ich noch kein sikaflex oder ähnliches habe, sind zum üben die kleinen fenster zur plicht herausgekommen. Das ging besser als erwartet und ein passendes stück makrolonscheibe ist auch noch im lagerbestand gewesen. Die neuen scheiben habe ich passend gesägt und sie sind provisorisch schonmal eingesetzt.
Die holzfensterrahmen und die halterahmen für die frontfenter haben den ersten neuen anstrich erhalten. Die farbe habe ich aus Whangarei vom marinamüllplatz. Die dose mit drei litern hat mal über dreihundert dollar gekostet und ist noch wie neu. Nur ist es ein acryllack auf verdünnerbasis, und dieser hat nach zehn minuten die schaumstoffrolle um das doppelte aufgebläht und zerstört. Der neue pinsel hat nach und nach die meisten borsten verloren, starkes zeug.

Tag zehn: noch einmal haben die rahmen farbe erhalten, diesmal mit einer fleecerolle. Dann noch in der plicht ein wenig geflext und grundiert. Der rumpf sollte die ersten schichten antifouling erhalten, doch die menge hat noch nicht einmal für eine gereicht. Die beschriftung der dose war nicht aktuell, verplant.

Tag elf: ich wollte gerade zum baumarkt, um fensterdichtungsmaterial zu kaufen, da offerierte Linus mir das zeug aus seinem konvolut. Wieder ein paar dollar gespart und nach vielen stunden habe ich die alten frontfenster herausgenommen und die innenfenster wieder eingesetzt. Eine elendige fummelei und schwarze hände gab es auch. Aber ich kann wieder nach vorne sehen, es ist hell und somit ein erfolg.

Tag zwölf: aus den alten frontfenstern habe ich auf der backbordseite zwei neue seitenfenster herausgesägt. Was über drei stunden gekostet hat, war die spiegelfolie und deren kleber zu entfernen. Auch ist es mir nicht geglückt, die gelb angelaufenen scheiben durch polieren wieder klar werden zu lassen. Das einkleben erfolgt morgen. Damit ging ein ganzer tag drauf.

Tag dreizehn: es ist ein sonntag und könnte ein freitag sein. Die backbordfenter habe ich einsetzt und verklebt, lief langsam aber akzeptabel. Ich wollte  bereits ein lob zum wettergott abgeben, dass es schon seit zwei wochen keinen regen gab. Nach diesem gedanken kam ein sturzregen und die fenster sind dicht! Danach, als es wieder trocken war, habe ich die fenster in der plicht eingeklebt. Leider habe ich zur falschen verdünnerdose gegriffen und somit ist das rechte fenster ein wenig blind geworden, dummer mist. Vielleicht kann ich es morgen ein wieder wenig herauspolieren. Die restlichen verkleidungen und rahmen sind für neue farbe vorbereitet und schon im container platziert. Der container wird von Kopu Marine gestellt. Die farbe kommt morgen auf die objekte.

Tag vierzehn: das wetter war nicht so freundlich, langer regen, so dass die arbeiten zum erliegen kamen. In einer pause haben die innenverkleidungen die erste weiße schicht erhalten. Also wurden ein paar kleinere arbeiten im motorraum vorgenommen. Das gute daran ist, dass die neuen scheiben regendicht sind.

Tag fünfzehn: die zweite schicht farbe ist auf die innenverkleidungen gekommen. Dabei hat sich der billige kauf der schaumstoffrollen als fiasko herausgestellt. Sobald sie in der nähe von lösungmitteln kommen, quellen sie auf und lösen sich von der rolle. Den rest des tages habe ich mit den beiden steuerbordfenstern verbracht. Alte raus, rahmen säubern und mit der flexdahtbrüste reinigen, alle benötigten gewinde im rahmen nachschneiden, fenster mit der stichsäge zurechtschneiden und mit der flex begradigen, zwanzig schraubenlöcher in das plastik bohren und anpassen, die fenster von der spiegelfolie befreien, danach den kleber entfernen und die scheiben polieren, währenddessen zweimal schwarze farbe auf die fensterrahmen lackiert. Das alles kostet eine unmenge an zeit und immer sorgvolle blicke zum himmel.

Tag sechszehn: die letzten beiden fenster sind eingeklebt, und wenn es wieder einen regentag geben wird, kommen die innenrahmen und neu lackierten verkleidungen wieder dran.
Dann gab es ein wenig aufregung, die meiste bei mir. Vorgestern hatte es stark geregnet und ich dachte gestern, dass der alte trawler neben mir sein aufgenommenes wasser durch den kiel wieder ablässt. Nur heute bei genauer betrachtung zog es einen film auf einem stahlträger. Nach dem geruchstest ist die bilge voll mit diesel und der läuft seit gestern aus, zwanzig meter weiter fängt die naturschutzzone an. Kurzes telefonat und Kopu Engineering fing ruhig an, das schiff auszupumpen. Über tausend liter konnten sie in fässer füllen. Die versuchung der absaugung ist jetzt groß, aber der mögliche schaden an meinem motor noch größer. Also finger weg von der brühe.
Die arbeit an der plicht ging weiter mit der backbordseite und ich wollte schon pfuschen. Bis über die boden grätinge würde doch reichen, aber ich habe sie dann doch herausgenommen. Ab wann gilt man eigentlich als massenmörder? Unter dem fußboden lagern planen, reste davon, die rettungsinsel und ein wenig holz. Die rettunginsel habe ich zuerst herausgehievt und dann sah ich nummer eins. Mein schuh war schneller, und nach den planen habe ich bis zur nummer vier gekillt. Dann wurde der ganze bereich bereinigt und ausgesaugt. Die planen gingen über bord und unter die dusche. Die schwarzen ohrenkneifer habe ich nicht gezählt, jedoch bin ich bis auf zwölf der hauptbewohner gekommen. Die eine kakerlake von vor ein paar tagen war halt doch nicht so allein. Zwei sorten sind es diesmal, rötlichbraun in der länge von fünf zentimetern und eine neue rötliche art von drei zentimetern. Woher kommen die wohl diesmal?

Tag siebzehn: die letzten beiden fenster sind auch dicht, der regentest in der nacht war kräftig. Die plicht bekommt gerade neue farbe, viele schichten, das dauert. Bis jetzt sind mindestens hundertfünfzig kilogramm an ballast von schiff verschwunden, vielleicht werden es noch mehr. Das angebot vom segelmacher hat mich umgehauen, aber das material hat doch sehr gelitten. Zwei große zettel in europäischer währung soll es kosten, ein wenig mehr als das doppelte, was ich erwartet hatte. Neuseeland wird sehr teuer werden und ich bin erst seit einem monat hier.

Tag achtzehn: die innenrahmen haben die erste durchsicht von zweien erhalten und alle schrauben griffen, denn sie haben nur sehr wenige gewindegänge zur festigung. Nach einem monat wieder einen waschtag dazwischen geschoben, bis zum sonnenuntergang erfolgreich frischer. Ich behindere mich selber mit weiteren baustellen. Das schiff ist zu groß, zuviel raum zum zumüllen. Wenn morgen das wetter mitmacht, kommt die erste schicht weiß ins cockpit.

Tag neunzehn: am Sa läuft es ruhiger an, jedoch war meine kabinentür in der nacht offen und die blutsauger kamen, was zu einer nachtverkürzung führte. Es war ein erfolgreicher tag, ich habe stege zwischen den wantenaufnahmen geschweißt. Die idee, alles um die aufnahmen mit blech zu verstärken, habe ich gestrichen und für das nächste refit aufgespart. Die stege sind aus einem fensterrahmen, den ich ja zuvor beseitigt hatte. Die kleinen bleche sind zwischen dem großen blech für die unterwanten und dem kleinen blech für das oberwant geschweißt. Zwei mal drei millimeter dicke sollten erstmal reichen. Die ausführung ist für meine verhältnisse sehr akzeptabel, sollte das deck wieder reißen, ist das problem ernst.
Am abend musste natürlich das gas ausgehen, während ich gerade koche. Und natürlich musste ein weiteres desaster geschehen, das volle weinglas fiel um, zerbrach und musste schon wieder ersetzt werden.
Und ich habe deinen geburstag nicht vergessen, lieber Eckhard. Nur mein internetzugang ist gerade in Auckland und holt meine farbe auf dem rückweg ab. Eine feier kommt später in europa.

Tag zwanzig: es zieht sich alles ein wenig. Die löcher an den fenstern bis aufs blech habe ich heute mit montageschaum verfüllt. Danach alles mit tape abgeklebt und die innenverkleidungen im pilothouse sind auch wieder an ort und stelle. Die montage dauert viermal so lange, wie die demontage. Und da noch schaum in der dose war, habe ich den brandschaden von Tahiti wieder repariert, verfüllt und verklebt. Ein ganzer tag für diese paar arbeiten.

Tag einundzwanzig: das deck benötigte eine kleine revision, damit die kleinen rostnester verschwinden. Da die wantenaufnahmen verstärkt sind, kann es losgehen. Der knick vom süllrand zum deck ist noch immer gut, dank meiner lieblingsfarbe. Jedoch ist hier und da etwas aufs deck gefallen und das ergebnis sind risse im lack oder schon rostpickel. Einmal peeling und der silberfarbenanteil stieg auf ein siebtel, alles im grünen bereich. Das kann ich leider von der flex aus dem hause bauhaus nicht mehr sagen, getriebeschaden. Sie ist älter als vier jahre und das war es schon, meine andere blaue aus der profiline lebt noch immer.
Einen ausflug per rad nach Thames war auch nötig, lebensmittel und ein paar pinsel. Leider habe ich einen davon auf dem weg verloren, bleiben noch neun.

Tag zweiundzwanzig: farbe farbe farbe. Das deck hat die dritte grundierung erhalten, das linke cockpit die zweite, finale weiße schicht. Das pilothouse hat sein weiß und mehr sollte nicht sein. Nebenbei hatte ich die genuaumlenkrollen nach sechs jahren das erste mal gefettet. Meine knie sind ein wenig belastet vom robben über dem deck. Nach dem folgenden überlack kann das deck auch wieder als lager benutzt werden.
Das erste mal, das sich die leute streuben, meine gasflasche aus Französisch Guiana zu füllen. Es fehlt eine lab nummer auf der flasche und das personal der füllungstation ist nicht in der lage, es zu händeln, downgrade the intelligence.

Tag dreiundzwanzig: meine bestellte farbe ist angekommen und so sind zwei schichten vom antifouling auf den rumpf gekommen. Den rest der farbe ist für das windsteuerrunder und für die sehr gestressten stellen.
Auch habe ich mich gegen den patchwork anblick von den bearbeiteten roststellen auf dem deck entschieden. Ich habe von der abreise vier liter der deckfarbe gefunden und die erste schicht ist auch schon aufgetragen, morgen eine weitere. Das ergebnis des tages sind dicke schultern vom rollen und ein guter trockener tag.

Tag vierundzwanzig: zu den schultern kommen heute noch die knie hinzu. Das rumrobben auf dem deck geht nicht mehr spurlos an mir vorbei. Vorbei ist auch das schöne sonnige trockene wetter, denn es hat bis zum nachmittag stellenweise geregnet. Nicht brauchbar, um farbe aufs deck zu bringen.
Also als alternative die kardanwelle wieder einbauen und eine holzbox für meine fettpressen im schnellverfahren bauen. Der nächste punkt auf der liste ist der generator. Er will seit einiger zeit nicht und heute fühlte er sich schon wieder fest an. Also eine zylinderkopfdemontage, kopf reinigen, ventile neu einschleifen, alles wieder montieren und startversuche. Das teil will nicht mehr, einspritzpumpe fördert, gereinigte einspritzdüse spritzt und er läuft nicht. Morgen weitere tests.

Tag fünfundzwanzig: die weiteren startversuche waren erfolglos und somit wird das teil für tot erklärt. Meine vermutung ist eine fehlende kompression, der motor war ja mal fest. Also ein ersatz oder ein neuer generator.
Das ruder der windsteueranlage ist wieder montiert und der rest des antifoulings ist auch aufgebraucht. Am nachmittag war es auch wieder trocken und so hat das deck eine zweite schicht farbe erhalten, sieht ohne brille gut aus, finde ich.

Tag sechsundzwanzig: fing erstmal moderat an, ein ausflug nach Thames, markttag. Ein paar shops abgegrast, ein gescheiterter versuch, die gasflasche zu füllen, und einmal durch den alten hafen.
Zurück an die arbeit, die achterkabine ist auf der liste. Und da habe ich fast die dose der Pandora aufgemacht. Zuerst das kleine heckfenster, von mir eingebaut, entfernt. Fünf schrauben wollten nicht so recht, also mal die alten refitbilder von vor sieben jahren durchgeschaut und nichts gefunden. Jedoch konnten die kreuzschlitzschrauben nicht herausgedreht werden oder rissen ab oder der schraubendreher hat seinen kopf verloren. Ausbohren und gewinde neu schneiden. Ich hatte die schrauben noch durch muttern gesichert, warum nur, das ganze ist nicht mehr in meiner hirndatenbank.
Der nächste gau sind die vielen schwarz-weiß verbindungen. Das holz auf der achterkabine sollte nicht mit dem deck in kontakt kommen, wegen dauerfeuchte und rost. Also habe ich um die fünfzig muttern auf das deck geschweißt und das holz ist darauf. Nur diese verbindungen rosten erheblichst, kraterbildungen um diese muttern. Das ist gleiche am heckfenster.
Dann habe ich noch die solarpannels abgenommen, denn die waren nur schwimmend verlegt und an den ecken fixiert. Was für ein stinkender dreck, die unterste farbe wurde durch feuchtigkeit unterwandert und es fing an.
Somit wird es ein kleines fünf-tageprojekt, bis alles wieder an seinem platz ist.

Tag siebenundzwanzig: um es kurz zu machen, farbe, farbe und farbe. Dünn, weniger dünn und streichbar in grau und schwarz. Die achterkabine wird akzeptabel und beim nächsten refit ist sandstrahlen angesagt.

Tag achtundzwanzig: farbe weiß und austernweiß, ein wenig in richtung elfenbein. Die achterkabine und das restliche deck herum haben neue farbe erhalten. Im groben war es das dann mit der bemalung. Zur abwechslung habe ich noch die halterung vom baumkicker verlängert. Eine dauerschwachstelle und nun hat die halterung vier popnieten und das ganze gleich in va. Wenn das auch nicht hält, muss neu gedacht werden.
Heut am Mo ist hier ein lokaler feiertag und es wird warm werden, die hitzewelle aus Australien schwappt nach Neuseeland rüber. Die sind hier schon ganz aufgeregt über dreißig grad.

Tag neunundzwanzig: viele rote gesichter waren heute auf der szene. Die jungs und mädels werden gerade gegrillt, einerseits ganz lustig, auf der anderen seite ändert sich was am wetter. Geändert hat sich auch mein standort, zehn meter weiter stehe ich in der gleichen richtung mit blick auf den fluss. Der trailer hat größere reifen erhalten, damit die grundberührungen vom rausslippen reduziert werden.
Die demontage des holzes, der solarpannels, der heckluke und kleinteile hat eine stunde gedauert, alles wieder zurück an ort und stelle einen tag. Somit sind die panels und das fenster wieder eingeklebt, hoffentlich dicht. Ich bin gut im plan, nur noch ein paar schweißjobs an anbauteile und ich bin abreisebereit.

Tag dreißig: ich wollte sehr aktiv sein und den auspuffkrümmer schweißen und ein toggle anfertigen. Das machen jetzt die leute von kopu marine, auch ok. Ich habe mit einer bohrerschleifmaschine alle meine zahlreichen stumpfen bohrer geschliffen, sehr gut.
Danach wollte ich meinen holzofen überholen und das ging schief. Die verbindung vom ofen zum ofenrohr ist durch und festgerostet. Somit brauche ich so ein teil neu. Neu müsste auch der ganze türbereich und das muss ohne schweißverzug gemacht werden. Die schamottsteine müssen auch wieder geflickt werden. Ein neukauf ist vielleicht günstiger.

Tag einunddreißig: die restarbeiten in der plicht sind erledigt. Dazu habe ich zwei halterungen für das bimini zurechtgesägt. Fast alle sachen und die rettungsinsel sind wieder unter dem fußboden verschwunden. Meine gesammelten holzteile sind zu Linus gewandert. Die beiden fünf mal fünf mahagoniebalken in der länge über zwei meter, die ich seit französisch Guiana mitnehme, haben ein sinnvolleres dasein auf einem holzschiff gefunden.
Jetzt ist aufräumen auf der liste, die anderen sachen sind bis auf ein paar kleinere punkte abgehakt oder gestrichen. Wenn die werkstattteile kommen, kann der motor wieder komplettiert werden und ich muss noch ein paar mal auf den mast. Die segel müssen noch ein go bekommen und die abreise sollte noch organisiert sein.

Tag zweiunddreißig: Der krümmer wurde fett geschweißt und das gewindeloch für den temperatursensor ist auch schon hineingeschnitten. Also alles wieder an seinem platz, wassersammler und schläuche wieder montiert. Somit muss nur noch der neue impeller kurz vor der wasserung eingebaut werden. Die farben sind wieder verstaut und darüber sind die elektrowerkzeuge im fach. Den rest des tages wurde grob aufgeräumt, ein kurzer ausflug zum meer und wieder ein wenig einkaufen.

Tag dreiunddreißig: die liste wird kürzer und ein wichtiger punkt ist das licht im badbereich. Kurz vor Neuseeland wurde es immer schwächer und ging aus. Das stromleck musste gefunden werden, viele verkleidungen habe ich dafür abschreuben müssen. Es war an einer guten stelle, eine schraube der wandverkleidung hatte sich durch das kabel geschraubt und die feuchtigkeit hat den rest erledigt. Danach war auch eine grundreinigung in dem bereich angesagt.

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 rumpf

 

20190210 schraube

 

Das war ein wenig mehr als der erste monat im neuen jahr auf dem trailer, mit dem ich aus dem wasser gekommen bin und im Mai hoffentlich auch wieder hineinkommen werde.

Veröffentlicht unter anstrich, Refit, Reise_2018, technik | Kommentare deaktiviert

Welcome to New Zealand

Das ankommen in Whangarei war doch recht gut. Es war windstill, kein regen und kaum einer war in der marina unterwegs. Das anlegen in der box verlief bilderbuchmäßig, und nachdem ich fest war, war ich auch schon gefangen. Ich hatte zufälligerweise den q-steg genommen, für die einreise. Nun ich sollte auf kanal sechzehn oder achtzehn jemanden anfunken, habourmaster oder die mariana. Es war vor sieben uhr und keiner meldete sich. Die nummer, die man anrufen konnte, ging auch nicht. Mein handapparat funktioniert hier nicht. Gefangen im system, aber ich bin außen herum um die schwere absperrung dieses steges. Die ersten, die ich traf, fragte ich nach dem marinaoffice, dieses macht aber erst um neun auf. Zurück auf dem schiff gab es erstmal ein wenig schlaf, der letzte tag auf see war doch anstrengend.
Um zehn uhr klopfte dann der mann vom customs. Er hatte den ausdruck meiner mail von Samoa dabei, ein dickes formular für mich und die schreibarbeit fing an. Ein paar fragen, den stempel in den pass und ein wenig smalltalk. Dann rief er noch die marina an, für einen neuen platz für das schiff. Meine nichtmeldung per funk war letztlich ok, wir testeten, ob die marina mich hören konnte, funkstille. Den zettel für die mehrwertsteuerbefreiung gab es auch noch dazu. Alles bestens und der kollege vom Ministry for Primary Industries (MPI) würde um halbdrei kommen.
Dachte ich es mir doch, eine verschwörung der food industrie, damit alle ihre lebensmittel wegwerfen müssen, um dann diese wieder teuer neu zu kaufen. Was habe ich während der flautezeiten alles im kopf durchgespielt und mich dabei in rage gedacht.

In der wartezeit bin ich zweimal den mast hoch, in der hoffnung dass sich das genuafall dort irgendwo verheddert hätte. Und wieder eine, die zuletzt gestorben ist. Beim zweiten mal habe ich das fall vom dingikran an die genua getüddelt und den bolzen samt splint mit tape entschärft.
Er entschuldigte sich um viertel nach drei für seine verspätung und brachte zwei große müllbeutel mit, na also. Meine drei kleinen müllbeutel lagen schon bereit, dann kam das thema frischware. Eine gekeimte zwiebel hatte ich aufbewahrt, er sollte ja auch was finden. Dabei entdeckte er noch eine verschrumpelte kartoffel, auch die kam in den sack. Die frage nach diesem und jenem, ich verneinte die anwort auf einen staubsauger, schließlich ist robbie ein nasssauger. Dann kam das thema reis und hülsenfrüchte, ich holte sie aus dem fach. Er schaute nach lebenszeichen und fand keine. Irgendwelche insekten an bord, ein nein und die geschichte der erfrorenen kakalaken in den tiefen breiten und auf den Falklands. Falkland, oho, solche segler gibt es nicht oft hier. Gewürze interessierten ihn nicht und die rote paprika entpupte sich als zeituhr aus plastik.
Das thema unterwasserbewuchs war keines, geringer bewuchs im vorbeigehen gesehen. Keine outdoorsachen an bord, fahrrad oder zelt, nee. Das war es, unterschrift, zettel und die tür durfte für kurze zeit offen bleiben, da ich zum marina office musste. Noch ein kurzes telefonat zum customs, wo meine einreisekarte sei und ende. Welcome to New Zealand.

Hallo, das war es: zwei personen, keine horrorstory, kein durchsuchen, keine vernichtung von guten lebensmitteln, keine drogenhunde oder personal, das eine abstecke erwartet.
Der wechsel in die neue box entwickelte sich mit wind fast wieder zu einem crash, den ich noch mit meinen füßen abbremsen konnte. Im office gab es gleich drei kopien der mehrwertsteuerbefreiung für mich, einen plan und eine kurze einweisung. Auch habe ich einen netzzugang für das interne marinawlan unter der hand erhalten, nicht üblich, meinte die dame.
Die frage nach dem supermarkt konnte durch einen anwesenden dauerbewohner auf seinem schiff gelöst werden, er wollte sowieso dort hin.
Für einen vollen einkaufswagen habe ich zweihundert Nzdollar bezahlt und meine mitfahrgelegenheit hat freundlich auf mich gewartet. Nett, diese leute hier, sehr viel besser als erwartet.

Bis jetzt haben die mich, und eine gastlandflagge ist auch schon gekauft und vernäht.

Nun habe ich ein kleines problem, meine kamera schaltet sich ein und gleich wieder aus, warum, ich weiß es nicht. Von heute auf morgen und kaputt. Somit wird dieser bericht ohne bilder aus kommen müssen, sorry.
Am Sa morgen habe ich die marina bezahlt, vier dollar für eine waschmaschinenladung und alles war sehr nett und freundlich, gorgeous. Der schmaus in dem restaurant in der marina gestern abend war gut, nur arg wenig und somit zu hochpreisig. Ein überschaubarer teller mit fisch und pommes frites, allerdings aus richtigen kartoffeln, nur viel zu wenig.
Der diesel aus den Marquesas ist umgefüllt, der wassertank ist vollgefüllt und auch die plastikflaschen. Alles läuft bis jetzt wieder nach plan und in vier tagen sollte ich am neuen ziel sein, in Kopu.

Der erste motortag endete in einer kleinen netten bucht nach acht stunden. Der wind war noch nicht einmal eine idee in der ersten hälfte. Im zweiten teil war dann die genua ausgerollt und half ein wenig. Die landschaft erinnert mich an südengland, grün und mit bäumen, dazwischen wiesen oder felder. Die häuser an der küste sind keine hütten, abwechslungsreich in der architektur. Leider habe ich noch keine backsteinhäuser gesehen. Das revier hier sieht sehr gut aus. Vorgelagerte inseln, die schützen, und viele weitere nahe der küste, sieht alles verdammt gut aus.

Auckland auf der ferne, blauer himmel, wolken über dem land und den inseln.

An zweiten tag verlief alles gut, bis zum ankern. Ich habe meine tripleine vom anker überfahren und mit der schraube zerlegt. Der rest wird wohl noch dranhängen, es läuft alles ein wenig unrund. Der anker wollte zuerst auch nicht raus, mit vorwärts und rückwärts war auch nichts zu machen. Ein seil unter dem schiff hindurch zu ziehen half auch nicht, bis ich dann mit speed gefahren bin, dabei ist wohl die leine zerrissen und der anker kam frei.
Bestes wetter immer noch, kein wind und flaches wasser. Die landschaft ist wunderschön und meine kamera funktioniert nicht, sehr sehr ärgerlich.

Am ende der reise diesen jahres ist der wurm drin, mit der ganzen familie. Gestern war das wetter so schön und ich habe mich in der sonne verbrannt. Dabei dachte ich doch, dass meine bräune reicht, war halt nicht.
Heute war wieder kein wind, nur einmal kurz und den wollte ich ausnutzen. Genua raus und zehn minuten gesegelt, dann war der wind wieder weg. Meine genua wollte sich aber nur halb einrollen lassen und dann war ende. Mit power auf der winch und das ergebnis war ein verbogener handlauf, an der die umlenkrolle befestigt ist. Also die genuaschoten ab und segel per hand um das vorstag geschlagen.
Mr Perkins qualmt auch an verschiedenen löchern, die ich noch nicht analysieren konnte. Das system mit kurbelgehäuseentlüftung, nassluftfilter und ansaugschläuchen ist mein favorit. Die ganze fahrt über ohne motorraumseitenwand habe ich es kontrolliert und den motor mit frischer luft versorgt.
Am ende des jahres kommt der bruch und das gewaltig. Ich habe es dennoch vor die slipanlage in Kopu geschafft, teilweise war es nur ein meter wasser unterm kiel. Dies ist kein richtiger ort, eher ein industrielles gewebegebiet, kein supermarkt vorhanden. Viel holz, viele schrotthändler, noch mehr reifenwerkstätten und logistiklager.

Raus aus dem wasser ging so bei fünfzehn knoten seitenwind und mit schwung in den slipwagen. Beim dritten anlauf war ich drin, das boot war einfach träge in der reaktion.
Die ursache war dann auch gleich zu sehen. Am anker waren noch fünf meter seil, die restlichen fünfzehn waren mit samt der flasche um den propeller gewickelt. Wie schön, dass das am letzten ankerplatz passierte. Tauchen wäre sehr kalt gewesen und die sicht mal wieder zu wenig. Der rest des rumpfes sieht einigermaßen aus.

Viel farbe habe ich danach weggestrahlt. Das war nicht ein einfacher kärcher, das teil hat mich fast umgehauen beim abspritzen. Die druckpumpe wurde von einem motor betrieben und der ist so groß wie Mr Perkins. Ein paar kratzer am rumpf, die anoden sind weg oder nur noch eine idee. Wieder ein paar tage mehrarbeit.

Zum frühsport bin ich mit dem spachtel ums unterwasserschiff herum. Die muscheln, die sich gestern noch dem hochdruckstrahl widersetzt hatten, sind als tote ein leichtes beim abschaben. Es sieht noch immer nicht schlimm aus, aber in Uruguay war es krasser, hundert kilo muscheln und eine menge an farbe. Den propeller werde ich erstmal selber mit hitze und hammer richten, halb so wild.
Wie viele stromsteckerkombinationen gib es auf der ganzen welt, hier ist wieder eine neue. Sie sieht ein wenig britisch aus, hat aber gedrehte pole. Ein fall für den schrotthändler, der auch meine batterien kauft. Ein schnipp am waschmaschinenkabel mit stecker und es ist meins, for free wie nett. Aus Montevideo habe ich aus dem baumarkt noch eine brauchbare kupplung, ein wenig krimpen und der landanschluss ist auch gelegt. Ein organisationstag, und es sieht so aus, als ob ich hier erstmal stehen bleiben werde, weihnachtsferien.
Dann war ich doch recht froh, als ich dem menschen vom MPI mitteilen konnte, dass das schiff insektfenfrei sei. War es vielleicht auch, nur gestern abend habe ich eine fünf zentimeter große schabe gesehen, zuerst im bad, dann später auf dem küchenboden. Falls ich glück habe, ist es nur eine, was unwahrscheinlich ist, und noch unwahrscheinlicher wäre sie noch männlich. Wie kommt die denn nun wieder ins schiff?

Zur zeit habe ich ein paar neue freunde gefunden. Zum einen den pensionär, dem dieses grundstück mal gehörte, bevor er es an kopu marine verkaufte. Er hat noch immer zwei container und davon einen halben als büro auf dem gelände. Ihm ist wohl langweilig, das englische ist da näher an der realität, von retirement zu tired.
Der andere ist in meinem alter, macht irgendwas im film und hat ein altes fünfundzwanzig-meter exmarine holzboot. Gebaut in den vierzigern, es gibt noch zwanzig von vierhundertsechzig von ihnen weltweit.
Das nächste, was ich spüre, sind die sehr hohen kosten für schiffe an land. Eine woche hier kostet soviel wie einen monat in deutschland. Ich brauche eine lösung dafür.

20181221 mastarbeiten

 

Da es jetzt ein wenig unspannend ist ohne fotos, gibt es die kurztextmeldungen:

Woche eins:

Di 18: aus dem wasser und den rumpf gesäubert

Mi 19: mit dem spachtel grob den rumpf abgekratzt, eine mitfahrgelegenheit und einkaufen gefahren

Do 20: tote batterien aus dem schiff gehieft und für neununddreißig dollar verkauft, motorraum entwässert, vorbeitungen

Fr 21: segel abgenommen, neues genuafall eingezogen, viermal auf den mast, am nachmittag gab es dann eine weihnachtsparty

Sa 22: segel gefaltet und schadensaufnahme, rumpf steuerbord mit der flex bearbeitet, im nächten hauptort Thames mit dem rad

So 23: rumpf backbord mit der flex bearbeitet, fast fertig und der regen fing an

Mo 24: regen total, material aus den ecken geholt, mein kontaktmann Jonas ist vorbei gekommen, einkaufen für die nächsten tage, simkarte gekauft und sie geht mit meinem handy nicht

Woche zwei:

Di 25: regen und wind waren in der nacht heftig, holz sammeln, in der trockenphase reste vom rumpf geflext und fast alle roststellen im überwasserbereich bearbeitet, am nachmittag wieder regen

Mi 26: sieht wieder nach regen aus, ab in den motorraum: wassersammler, schläuche, kardanwelle, überlauftank vom pumpensumpf, endkrümmer mit wasserkühlung, drucklager, impeller mit kleinem riss, alles raus, demontage;
krümmer hat starke korrosion, somit weiß ich, woher das viele salz und wasser gekommen sind, drucklager geöffnet und die braune pampe, ehemals fett, entfernt und neu bestückt

Do 27: drucklagermontage, bilgenpumpe neu verkabelt, gesäubert fixierung mit brett, unterm kiel muscheln abgeschabt, motorraumwäsche ist entschieden, neue simkarte des anderen providers und guthaben gekauft, segel dem Jonas mitgegeben

Fr 28: schon wieder mit der flex am rumpf zum letzen mal, grundierung 1, ankerrolle demontiert und achse ist fest

Sa 29: telefon ist noch immer tot, grundierung 2, motorraum arbeiten, chaos im schiff, anoden gesucht und nur die großen gefunden

So 30: grundierung 3, türrahmen geklebt, motorraumbilgenpumpe mit neuem schlauch versehen, flug mitte Februar bis April nach Europa gebucht

Mo 31: grundierung unterwasser 4, achse der ankerrolle ausgepresst und wieder gängig mit viel fett motiert, ankerkettentausch für kaltes wasser, roter rumpf etwas anschleifen

Schon zwei wochen bin ich hier in Kopu und nur leichte fortschritte. Meine farbreserven waren doch größer als gedacht, somit ist ein neukauf nicht unbedingt erforderlich, hurra. Dieses jahr ist vorbei und noch zweiundvierzig tage bis zum abflug.

Veröffentlicht unter Allgemein, Refit, Reise_2018 | Kommentare deaktiviert

Der zwei knoten Pazifik

Schon wieder fange ich mit dem Samstag an, jedoch drei wochen später. Das, was ich hier auf Samoa machen wollte, ging nicht. Keine brauereibesichtigung und auch keine inselumsegelung. Zweiteres war nicht wichtig, aber ein permit für nur eine woche ist generell zu kurz.
Das schiff ist reisefertig, das letzte geld ist in frischware investiert. Nur der vom zoll krault sich mal wieder seine eier. Ich bin genervt, milde formuliert, denn er wollte gestern nachmittag um vier hier aufschlagen. Wie es aussieht, könnte er morgen früh um sieben kommen, diese unzuverlässigkeit mag ich gar nicht.
Dieses jahr ist ein besonderes für mich, ich bin halb rum. Gestartet bei ein wenig mehr als zehn grad östlich und nun bin ich bei hundertsiebzig west. Dazu kommt noch, dass es diesmal mehr als zehntausend seemeilen im jahr werden. Eine gewisse müdigkeit merke ich schon wieder, und wenn ich Neuseeland durch habe, wird wieder gas gegeben. Vielleicht stoppe ich kurz in Australien, muss aber nicht unbedingt sein. Im indischen ozean gibt es ein paar kleinere anhaltemöglichkeiten bis südafrika. Dann noch rechts abbiegen und wieder nach oben. Klingt einfach, mal sehen, wie es wird.

Am So morgen haben alle ihre papiere erhalten, nur ich nicht. Der typ vom Fr hat es wohl verschlampt. Die nacht endete schon um halb vier mit einem mückenangriff. Dann habe ich kaffee gekocht und einen bohneneintopf zubereitet. Mein hals ist echt dick, das nächste mal stehe ich gleich auf deren matte.
Damit ich nicht ganz blöd dastehe, war ich noch bei der polizei im hafen. Und dann auf dem rückweg fuhr mein dicker im wagen vor und reichte mir den zettel. Du hast mich wohl vergessen, meinte ich, und er wollte erst am nachmittag aufschlagen, da er mist im kopf hatte. Ich hatte bestimmt nicht fünfzehnuhr auf den zettel geschrieben.
Dann ging alles sehr schnell, achtuhrdreißig, leinen los und alles im vorhafen verstaut. Die zwei von der Gegenwind kamen auch mit und wir segelten eine zeit lang mit distanz in die gleiche richtung. Der wind wollte, aber nur zum anfang, dann holten sie mich ein, wahrscheinlich mit motor diese schummler. Meiner ging dann auch an bis nachmittags um vier. Dann endlich war ich südlich von Samoa mit fast dem richtigen kurs nach Neuseeland.

20181110 samoa letzter blick

 

20181110 samoa letzter blick

 

20181110 samoa letzter blick

 

So wie ich mir das gewünscht hatte, kurs nach süden und hoch am wind. Das kann das schiff alleine sehr gut, die windfahne verbessert das ganze noch. Erster tag und erste nacht sind meist anders. Ich hatte morgens um vier noch im hafen diesen eintopf gekocht, der war gut und lecker. Nur der motor lief sehr lange und das bedeutet hitze im schiff. Im eigenen saft hatte ich keine richtig erholsame nacht. Das radar meldete oft dicke regenwolken mit gewitter, die aber hinter mir auftauchten.
Am abend wollte ich mal so einen regenschauer ausnutzen, der langsam auf das schiff zukam. Shampoo und handtuch geholt, das müffelnde shirt ausgezogen und die warme dusche kam. Dann einseifen und shit, das wasser von oben wurde abgedreht. Abspülen war nur mit einem eimer seewasser möglich. Das muss besser beobachtet werden.

Der erste morgen war fast wolkenlos, wind um drei und das schiff fährt im mittel auch um drei. Dafür ist der kurs noch immer gut, ich muss nur vier meilen weiter nach links fahren, um auf die geplante route zu kommen. Im weiteren verlauf kommen viele inselchen rechts und stranden wäre blöd. Samoa ist nicht mehr in sicht und der plastikmüll im meer und leichtes treibgut haben abgenommen.

Der nächste morgen war noch angenehmer, der wind hatte zu meinen gunsten gedreht. Die route hatte ich schon gestern erreicht, heute morgen war ich zehn meilen zu weit. Nun ist aber der kurs fast halbwind und bei diesen windstärken mit einer schwachen drei komme ich immerhin langsam voran. Die wellen sind klein und bremsen nicht so sehr. Vor genau zwei tagen bin ich los und das resultat sind hundertachtzig meilen genau in die gewünschte richtung. Es soll bloß lange so weiter gehen, kontrolliert langsam und ohne umwege.

Mein fazit von Samoa in kurz, drei wochen waren mehr als genug. Es ist kein ort, um zu reparieren, wenn man es nicht selber kann. Die ersatzteile kann man in Neuseeland bestellen und das geht recht schnell. Dazu sollte man auch freundlich zum zoll sein, nach meinen erfahrungen ist das ein problem für mich. Ineffizienz ist hier hoch im kurs.
Die freundlichkeit der menschen ist ok, ich grüße, sie grüßen zurück, meistens. Die geschäfte werden auch hier sehr oft von chinesen betrieben, die inselbewohner sind personal oder konsumenten. Läden, in denen ich meinen rucksack am eingang abgeben soll, machen kein geschäft mit mir. Da ist alles drin, mein geld und oft auch der computer. Somit bleibt das teil auf dem rücken.
Auch viele schnellrestaurants werden von chinesen betrieben, gut essbar, jedoch für die preise auch keine gourmetware. Die insel stellt nicht viel her und export wird, wenn überhaupt, kleingeschrieben. Die kinder bekommen eine schmale ausbildung und werden dann ins ausland zum geldverdienen geschickt, einer muss da bleiben, um die eltern zu betreuen. Das geld wird dann für den konsum auf Samoa benutzt. Und das muss eine menge an devisen sein, am hafen kam alle zwei tage ein containerschiff an, brachte ware und nahm die leeren boxen wieder mit. Es gab nettere inseln auf der reise bisher.

Jede meiner touren ist anders, diese ist von anfang an ohne alkohol. Vom bier hatte ich auf Samoa genug getrunken und warm schmeckt es nicht. Der kühlschrank führt ein eigenleben und ist nicht berechenbar. Ab gestern nachmittag um drei wäre ein kaltes bier echt nett gewesen.
Ich hatte die segel geborgen, weil der wind sich wieder verabschiedet hatte. Dann war nur noch ein treiben wie ein korken in der badewanne möglich. Alle bewegungen im schiff sind dann äußerst kontrolliert zu machen, sehr große vorsicht beim kochen. Auch habe ich seit gestern eine messbare flaute. Wenn das schiff länger unter zwei knoten segelt und die segel flappen, dann ist es zeit aufzuhören, oder man könnte noch den motor anwerfen, um strom zu erzeugen. Ich bin seit gestern vier meilen zurück und drei meilen weiter westlich getrieben. Das ist so nicht in der wettervorhersage enthalten gewesen.
Nach dem kaffee sah es dann so aus, dass segeln wieder eine option ist. In drei meilen entfernung meine erste schiffssichtung und mit motorhilfe habe ich das tuch wieder hochgezogen. Danach ein wenig motort, um die batterien zu laden, denn es ist sehr wenig wind, zu wenig für die windsteuerrung. Deshalb kümmert sich nun der autopilot um den kurs. Um elf uhr hatte ich dann den südlichsten punkt von gestern erreicht. Mit drei knoten geht es in die richtige richtung voran. Wieviel wind weht, weiß ich nicht, gefühlte zehn knoten, die anzeige ist wieder einmal tot.
Dieser segelversuch hielt nur ein paar stunden an, dann drehte der wind um hundertachtzig grad. In der pause dazwischen nahm ich den motor und verkleinerte das vorsegel. Es sah nach einer zweiten chance zur dusche aus, es kamen aber nur wenige tropfen. Aber danach ging es weiter, doch nur für eine stunde, windstille. Am nachmittag dann noch ein hauch wind, genug für die genua und den autopiloten. Auch hier war dann bald schluss und ich rollte die genua wieder ein. Nur war das schothorn komisch tief, zu tief.
Das genuafall war gerissen und das segel war abgerutscht. Ein nicht gebrauchtes fall habe ich unten gelöst und bin in den mast hoch, bevor die genua abrauscht. Trotz der windstille gab es wellen und die amplitude an der mastspitze war so um drei meter zu jeder seite. Ohne gurt musste ich mich kräftigst festhalten. Die andere hand entknotete den restlichen strick und fädelte das neue fall ein. Auf die schnelle ging nur ein achterknoten und das restliche stück noch einmal durch eine schlaufe, einhand versteht sich. Durchnässt bin ich schnellstens wieder abgestiegen. Das neue fall ist leider nicht ganz oben im mastkopf und somit hängt die genua tiefer. Das ende ist jetzt auf der trommel und das muss bis NZ reichen. Mist, und ich hatte mir schon so etwas gedacht, als ich den neuen toggle montiert hatte, mit neuen längeren bolzen und mit einem neuen splint. Daran hat sich das genuafall wohl aufgescheuert, obwohl dort oben kaum bewegung sein sollte.
Dies wird die zweite nacht mit kaum fahrt, keinem radar und nur mit dem ankerlicht. Vielleicht bleibt es aber heute nacht trocken.

Heute ist Donnerstag und gestern war in der summe kein guter tag, viel bruch und kaum wind. Es hat in der nacht wieder geregnet, und wenn man teibt, regnet es ins schiff hinein. Dazu kommt, dass das schiff vom regen um vier bis zum morgen zehn meilen gemacht hatte, nach norden. Ich muss den speedalarm im gps wieder auf zwei meilen setzen, hatte daran gedacht, aber es nicht gemacht. Jetzt scheint der wind aber wieder da zu sein, der kaffee ist fertig und die segel sind gesetzt, kurs süd.
Die ersten beiden stunden sind nur dazu da, den streckenverlust wieder gut zu machen. Das schiff segelt wieder selbstständig hoch am wind, nicht der schnellste kurs, aber ohne hilfsmittel.
Dann stand ich gestern abend noch in der plicht und schaute den mast hinauf. Das war eine honkeraktion, dort ohne gurt hochzuklettern. Wenn ich schreibe drei meter, dann war das wenig. Sollte ich abstürzen, ist die wahrscheinlichkeit hoch, im meer zu landen. Nur: sechzehn meter sind ne menge, das schiff hatte kaum fahrt, und über die windsteueranlage hätte ich vielleicht wieder an bord klettern könnnen. Wenn die vielen wenns einträfen und ich ohne schäden sauber im wasser landen würde. Nicht noch einmal.

Gestern war ein anderer tag, der südpazifik ist noch immer freundlich zu mir. Nur es gab regen, richtigen regen für vier stunden. Genug um zu duschen, doch das hatte ich bereits indoors getan. Dazu kam ein guter wind um fünf und vor dem reffen ging es bis zu sieben knoten voran. Ich mag es aber nicht, wie ein seenotkreuzer durchs meer zu pflügen. Das schiff taucht zwar weich ein, die gischt spritz weit, doch das ist nicht materialschonend. Es sind noch zwölfhundert meilen bis nach Neuseeland, einen systembruch kann ich gerade nicht gebrauchen. Somit wurde die geschwindigkeit gedrosselt und ging es nur mit fünf bis sechs knoten auf dem richtigen kurs voran. Am abend hörte der regen auf und der sonnenuntergang war mal etwas anderes für mich.

20181115 sonnenuntergang

 

Es hätte auch durch die nacht so schön sein können, nur diese endete wieder um vier uhr mit einer fast flaute. Das schiff durfte sich dann den kurs selbst aussuchen und am morgen war es südwest geworden. Das groß habe ich heruntergeholt, der motor läuft wieder einmal für die batterien.
Meine gedanken drehen sich seit gestern um meine lebensmittel. Die in Neuseeland sind da ein wenig durchgeknallt. Strikte bestimmungen bei einreise, frisches geht gar nicht, vieles andere auch nicht. Meine hauptsorge sind die gewürze, der reis und die nudeln. Selbstgekochtes habe ich nicht, konserven gehen, hülsenfrüchte nicht. Also werde ich den größten teil vom reis, die nudeln und die gewürze im schiff vergraben. Die angst vor insekten halte ich für übertrieben, alles ist mindestens seit Chile oder Argentinien an bord. Wenn da etwas leben sollte, müsste es schon lange wach sein, ist aber nicht. Die jungs sind dienstboten der lebensmittelindustrie, aber warum sollte ich die lebensmittel entsorgen, um sie dann gleich wieder neu zu kaufen. Wenn es kontaminiert ist, ok. Aber nicht generell. Oder müssen kreuzfahrtschiffe ihre gesamten vorräte entsorgen? Ich glaube nicht.

Heute ist Sa und mein siebenter tag auf see. Die stimmung ist gut, die nacht war mittelmäßig. Ich habe in der achterkabine geschlafen, bei flaute und leichtem wellengang. Irgendwann habe ich zweimal schlaf gefunden, kein guter platz auf dem meer.
Am morgen war wieder etwas wind, nur aus der richtung, in die ich segeln will. Die etmale der letzten tage sind mies, im durchschnitt unter vierzig. Gestern ging es nur mit der genua voran, mit unterstützung vom autopiloten und ab mittag mit der windsteueranlage. Das ergebnis ist dreiundvierzig, eine meile weniger und ich wäre mistrauisch geworden.
Jetzt kann ich nur nach westen fahren oder nach südost. Das erstere kam in betracht, da ich noch dreißig meilen von der route entfernt bin. Außerdem habe ich den ersten wegepunkt schon passiert, die Vava’u inselgruppe. Es gibt keine detailkarte, und das, was ich sehe, sind inseln mit riffen und steinen. Ein gefährliches labyrinth ohne genaue information. Der nächste wegepunkt ist in der mitte von Tonga, noch zweihundert meilen weit weg.

Wenn es nicht so viele wenns geben würde, wäre ich schon weiter. Ich ziehe hier seit tagen einen eckigen kreis. Heute morgen bin ich zweiundvierzig seemeilen umsonst gesegelt oder getrieben. Das schiff hatte die gleiche höhe wie vorgestern nachmittag um fünf. Das nervt, das ist eine flaute mit unterbrechungen. Gerade scheint die sonne ohne wolken und es wird wieder heiß, wobei das wasser sich gefühlt abgekühlt hat. Seit tagen kann ich in diesem bereich des ozeans eine art staubschicht auf der oberfläche erkennen. Mal mehr, mal weniger und das wasser darunter ist fast klar.

20181118 schlieren

 

Vielleicht ist es auch wieder ein zufall, dass ich gäste in der nacht habe. Sie kommen im dunkeln und gehen am frühen morgen. Nur dass sie mir meine solarpanels vollscheißen, geht zu weit. Den passenden film habe ich gestern geglotzt, spiel mir das lied vom tod.
In einer intensiven tauschaktion habe ich über ein TB an filmen bekommen. Somit ist es hier recht gut zu ertragen, segeln wäre natürlich besser.

20181118 solarpannels

 

20181118 solarpannels

 

Auch ist die erste woche schon um, ging recht schnell. Die frischen vorräte sind überschaubar, der haltbare joghurt von Tahiti ist aufgebraucht, der kohl musste sehr früh gegessen werden und der rest riechender butter ist im meer gelandet. Die segelei fing gut an und endete in einer kreiselnden flaute. Vierhundert meilen habe ich zurückgelegt und bin nur dreihundert von Samoa entfernt. Immerhin habe ich den wendepunkt an den Vava’u inseln noch nicht wieder überschritten. Von den etwas über fünfzehnhundert meilen habe ich noch zwölfhundert vor mir. Wenn das so weiter geht, dauert es noch vier wochen, dabei sollten es nur drei werden.

woche 1

 

Der traum im traum, der kreis im kreis und gestern die flaute in der flaute. Es gab mal wieder einen richtigen sonnenuntergang, ohne wolken davor. Danach spiegelte sich der mond im flachen meer. Am nachmittag war das wasser noch ein wirlpool gewesen. Das spiegelnde wasser ist zum rasieren geeignet und die über bord geworfenen zwiebeln mit den robbenden bewohnern schwimmen nicht weg. Jetzt weiß ich vorher, wenn die vielen kleinen fliegen kommen. Ein weiterer versuch, etwas mit der angel zu fangen, entpuppte sich als farce. Der körder fällt senkrecht in die tiefe und in fünf metern konnte ich dann einen fischschwarm erkennen. Diese aus fast gleich großen fischen wie mein köder bestehende fischwolke umhüllte ihn, als wenn sie ihn beschützen wollten. Mal nach links oder rechts gezogen und sie kamen hinterher, blieben aber in der tiefe. Angelversuch mal wieder abgebrochen, vegetarisches linsencurry ist auch sehr lecker.
Heute morgen kam der wind von vor ein paar tagen zurück. Segel hoch und mit einer steigerung von über tausend prozent geht es mit drei knoten in richtung süden. Hoffentlich diesmal ein paar stunden länger.

20181118 flaute

 

20181118 flaute total

 

Gestern abend um sechs dachte ich schon wieder, es ist vorbei mit dem wind. Ein kräftiger regen setzte ein und das schiff dümpelte umher. Luken zu und abwarten, solange die segel nicht schlagen. Ich fühlte mich angeschossen, vielleicht weil ich mir gerade den film ‚Panzerschiff Graf Spee’ reingezogen hatte. Da war wieder eine filmische ungenauigkeit, offiziell hat sich das schiff drei meilen vor Montevideo versenkt. Ich war dort und es sind fünf. Die geschichte wird von den gewinnern erzählt, nicht von den verlierern. Somit wird eine alte lüge durch eine neue ersetzt.
Und dann entpuppte sich der regen als sqall, mein schiff legte sich für seine verhältnisse auf die seite. Filmunterbrechung, regenhose und regenjacke an und nach oben. Die genua war recht schnell eingerollt und das groß habe ich nur aufgemacht. Es war aber schon zu spät, denn der wind hörte auf. Der neue kurs war west und der wind hatte sich um hundertachtzig grad gedreht. Nach einer viertelstunde konnte ich die halse fahren, eine sehr lange zeit für so ein manöver. Der wind drehte immer mit und am ende ging es wieder auf dem alten kurs nach süden, nur waren die segel jetzt auf der backbordseite. Der autopilot sorgte für den kurs durch die nacht, und am morgen ging die sonne auf, als wenn nichts gewesen wäre. Wieder ging ein drei knoten tag und eine nacht zu ende. Wenigstens bin ich aus meinen kreisen herausgekommen und es gingen siebzig meilen auf das konto richtung Neuseeland.

Der sonnenaufgang fehlte heute am Mi und ich kam nicht so richtig hoch. Es ist diffus und es regnet noch dazu. Ich muss es nicht noch erwähnen, kein wind seit gestern abend um sieben. Nach dem bergen der segel gab es wieder einen schönen sonnenuntergang mit wolkenzeichnungen und leichtem regen davor. Da war ich noch im trockenen und hörte Tuesday Wonderland. Ein zufall von eins zu sieben, der aktuelle wochentag war mir entfallen. Seit drei tagen sehe ich kurz vor dem verschwinden der sonne große fische, vielleicht thunfische, die aus dem meer springen. Der kleinste von denen wäre eine viertägige mahlzeit für mich, nach zweien hätte ich die nase voll. Der von gestern abend war aber einen meter lang, eine ganze dorfmahlzeit.
Mal sehen, was dieser tag bringt, wenn das so weiter geht, bin ich erst weihnachten in Neuseeland.

Es ging wieder langsam voran, sehr langsam. Am abend habe ich das vorsegel verkleinert und in der nacht habe ich alle geborgen, kein wind. Währenddessen war ein besucher an bord und diesmal hatte er wohl einen leeren darmtrackt. Erstaunlicherweise blieb es so bis zum morgen.

20181121 besucher

 

20181121 besucher

 

Das tagesergebnis von gestern war nur fünfzig meilen, immer noch weniger als der durchschnitt, den ich kalkuliert hatte. Das segeln in diesem gebiet ist wie mit einem wägelchen auf dem golfplatz zu fahren. Das meer ist hier um acht kilometer tief und ich umsegele gerade die vielen löcher, die noch ein bis zwei kilometer tiefer sind. Es macht natürlich keinen unterschied in der schwimmfähigkeit des schiffes und ich kann auch nicht mehr stehen. Für mich ist es etwas besonderes und nicht so albern, wie das gps bei einer äquatorüberquerung zu fotographieren. Diese tiefen sind real, der nullte breitengrad hingegen eine fiktive künstliche größe.

Heute ist Fr, der dreizehnte tag auf dem weg nach Neuseeland. Das schiff durchpflügt immer noch den Tongagraben, der wind ist nicht gerade brauchbar und die südlichen inseln vom königreich kommen näher. Hier ist mein kleines problem. Ich segele so hoch am wind, wie es gerade noch geht, dabei fällt die genua oft zusammen, nicht schön. Wenn ich einen kurs unter zweihundertfünfzig grad fahre, komme ich an der insel Kalau vorbei. Entweder kommen die schlechten witze von hier oder aus einem ort in der zone, so nebenbei.
Der wind ist allerdings zu schwach und so läuft der motor mit, damit komme ich auf ein wenig unter zweihundertundvierzig grad. Mit einer gewissen abdrift sollte es reichen, ich habe noch fünfzig meilen zeit. Der gegenkurs ist irgendwo bei hundertundetwas, nicht gerade zielführend. Die nächsten stunden werden es zeigen.
Im meer gibt es ein anderes ereignis. Die letzten beiden tage war es recht klar und seit heute morgen schwimmen flocken auf und im wasser, so tief ich sehen kann. Meine vermutung ist, dass hier ein unterwasservulkan gehustet hat und zwar mit auswurf. Gestern hatte ich die idee von schwefel in der nase und es würde auch zu der verschmutzung passen. Nur nicht darüber fahren, wenn die gasblase hochkommt.

Gleicher tag, aber schon mittags, der wind hat nicht zugelegt und er hat auch nicht wie gestern gedreht. Ohne wind und nur mit motor muss nicht sein. Daher der neue gegenkurs mit hundertzwanzig grad, um wieder zur route zurückzukehren. Sollte in elf meilen kein brauchbarer wind kommen, gehen die segel wieder runter und ich habe wieder genügend seeraum.

Nachdem ich gestern die route passiert hatte, ging der motor aus und es war noch für fünf meilen wind im system. Dann segel runter und zusehen, wie das schiff wieder rückwärts trieb. Das wasser war noch immer mit den schwebenden teilchen vermischt und heute morgen war dann die oberfläche zusätzlich noch mit dem staub bedeckt. In der nacht bin ich wieder über die route hinaus zurückgedriftet und am morgen dann wieder die totale flaute, flaches spiegelndes wasser. Irgendwie habe ich das gefühl, hier festzusitzen. Heute ist der vierzehnte tag und das ziel sollte zwei drittel des weges sein, davon habe ich nur die hälfte geschafft. Den kühlschrank habe ich gestern mit den letzten wackeligen möhren abgeschaltet, die restlichen äpfel schaffen es auch so.

Heute ist der fünfzehnte tag und gestern abend kam dann nach über dreißig stunden totaler flaute endlich ein wind, abends um sieben. Vorsichtshalber habe ich nur die genua benutzt, um sie schneller reffen zu können. Der kräftige wind brachte es in böen sogar auf knapp zweistellig. So ging es also mit bis zu zwei knoten in die nacht hinein, es war somit nicht der sonnenuntergangswind, den ich schon ein paar mal zu besuch hatte. Zweidrittel der strecke von gestern war das schiff wieder zurückgetrieben.

w2 flaute

 

Die rauschefahrt endete morgens um vier und die bekannte windsituation kehrte wieder ein. Bis zum morgen war ich zwanzig meilen weiter südlich, näher zum ziel.
Der oberflächendreck schwimmt noch immer und auch die schwebende schicht darunter. Meine neue vermutung ist gewagt: nichts bewegt sich im meer und die kleinen teilchen sind gleichmässig verteilt. Das gebiet ist so etwas um zwanzig mal dreißig meilen groß und geschätzte zwei meter dick vielleicht aber noch stärker. Vielleicht haben sich ein paar millionen fische zum gruppensex verabredet und haben in diesen gebiet gemeinsam gelaicht. Ich würde allerdings fressfeinde in der schicht erwarten, konnte aber noch keine ausmachen. Und nach vier tagen hätte ich auch schon etwas leben in der brühe erwartet.

Zwischenbilanz: In der zweiten woche dominierte der sich verweigernde wind. Die strömung im seegebiet hat das schiff in alle richtungen geschoben. Von den zweihundertsiebzig meilen waren nur hundertneunzig zielführend. Viel zu wenig für den plan, geht er nicht auf, muss ein neuer her. Wieder habe ich kreise gezogen, und der versuch, südlich an Tonga vorbeizusegeln, scheiterte am wind. Vielleicht auch gut so, weitere hundert meilen südlich ist auch noch ein wenig inselreich mit strandungsmöglichkeiten. Noch sind es knapp über tausend meilen bis nach Neuseeland und eine woche habe ich schon verloren. Wenn das so weiter geht, kann ich meine gut verstauten lebensmittel bis zur ankunft alle aufessen. Das separate trinkwasser ist schon aufgebraucht, der separate plastikkanister mit leichtem eigengeschmack ist schon umgefüllt.

woche 2

 

Am So gab es dann ein wenig abwechslung, eine schiffssichtung in einer meile entfernung. Optisch könnte es ein trawlwer gewesen sein, mit einem ausleger nach links und rechts. Ich hatte den motor an und war in richtung süden getuckert.
Die schlieren auf dem wasser hatten sich stellenweise konzentriert und es könnte auch von den abgestorbenen pflanzen stammen, die ich hier im pazifik häufig gesehen habe. Die sicht unter der oberfläche war auch nicht mehr gleichverteilt, ende dieser beobachtung.

20181124 schlieren

 

Dafür kam ein weiterer besucher während der flaute zum schiff. Unter dem rumpf hatten sich viele kleine fische zurückgezogen, eine leckere imbisbude. Auf meinen versuch, den räuber mit der angel zu fangen, reagierte er mit neugier, lachte mich sicherlich dabei aus, auf seine art. Und falls ich ihn gefangen hätte, so wäre er wohl wieder über bord gegangen. Was soll sich mit einer goldmakrele in der länge von über einen meter anfangen. Wenn ich gut esse, schaffe ich in drei tagen eine hälfte und der rest geht über bord, das muss nicht sein.

20181124 raeuber

 

20181124 raeuber und beute

 

Ab mittag war dann wind, der ausreichend für ein ausgestelltes groß war, zwei knoten fahrt. Mehr ist nicht drin und das bis kurz vorm sonnenuntergang, der diesmal wieder sehr schön war. Treibend mit der ankerlaterne auf dem mast ging es in die nacht hinein.

20181125 sonnenuntergang rot

 

Es ist Di, der siebzehnte tag auf dem meer. Zur zeit ist mal wieder etwas besonderes, seit einer woche das erste mal, dass einen tag lang durchgesegelt wurde. Nicht gerade schnell, aber kleinvieh macht bekanntermaßen auch mist und hier ein paar meilen. Ich versuche, auf der geplanten route zu bleiben, und so korrigiere ich alle paar stunden den kurs nach links oder rechts.
Wenn es mal gut läuft, dann ist man nicht immer zufrieden, auch in diesen fall nicht. In den vergangenen wochen habe ich eine liste der schlimmsten windrichtungen erstellt und achterlicher, rückenwind oder downwind haben den platz nummer eins. Ich segele das ganze mit einem weit ausgestellten großsegel und ein wenig von der genua. Größer geht nicht, sonst fällt sie ein. Das segelsystem ist nicht ausbalanciert und somit kann ich die windsteueranlage nicht nutzen, sie kann es nicht. Somit läuft auch seit einem tag der autopilot und der macht seinen job sehr gut. Der nötige strom wird gerade durch den motor erzeugt. Gefällt mir nicht, aber es ist die beste lösung für diesen wind.
Die gute nachricht ist, dass gestern nachmittag die entfernung nach Neuseeland unter tausend meilen gefallen ist. Zum herunterzählen ist es noch zu früh, denn die harte zeit kommt noch. Gleich werde ich den letzten apfel essen und die restlichen kartoffeln wohl über bord werfen. Samoa ist kein ort, um sich gut mit lebensmitteln zu versorgen, sie gehen damit schlecht um. Die qualität ist mies, und produkte, die sonst lange haltbar sind, verrotten hier sehr schnell. Die ursache kann nicht nur die temperatur sein, druckstellen vom werfen oder stapeln sind nicht förderlich für die haltbarkeit.

Einen tag weiter, ein Mi. Den ganzen letzten tag und auch die nacht hindurch musste der autopilot arbeiten. Das ergebnis ist ein langer gerader track und kein zickzackkurs. Wobei sich schon nachts um zwei die neue situation andeutete, wind. Da ging es noch mit fünf knoten voran, heute morgen gab es mehrfach speedalarm bei siebeneinhalb knoten. Also mal zeit zu reffen, ich habe mal die segel zur windsteuerung eingestellt und es geht einigermaßen. Mit über fünf knoten geht es voran, und wenn das so bleibt, komme ich noch bei tageslicht unter die achthundert meilen marke.

Donnerstag, neunundzwanzigster november, und der wind weht noch immer. Die marke habe ich gestern tatsächlich erreicht. Genau dort aber gab es eine wolkenwalze. Diesmal war dieses gebilde sehr dunkel und ungefähr vier meilen breit. Die enden berührten das wasser und ich bin in der mitte hindurch gefahren, wie ein regenbogen das ganze, nur aus wolken. Ich konnte schon den heftigen regen links und rechts sehen und bereitete mich auf’s nass vor. Die paar tropfen waren am ende nicht so schlimm, durch den großen bogen hindurch konnte ich schon den blauen himmel sehen. Das ganze spielt sich an der grenze zu unterschiedlichen wettersystemen ab und dahinter hatte der wind eine andere richtung. Von raumschots auf amwind kurs, aber es ging noch auf der route voran. Die windsteueranlage habe ich neu justiert und die guten fünf knoten stellten sich wieder ein.
Aber gleichzeitig wusste ich auch, dass es so nicht bleiben würde, der wind drehte sich gegen die uhrzeigerrichtung. In der nacht wurde daraus schon hoch am wind und jetzt am morgen geht nur noch ein südlicher kurs. Dafür war gestern das beste etmal seit Samoa, über hundert meilen. Wenn das immer so gewesen wäre, dann hätte die reise zwei wochen gedauert und ich wäre schon lange dort. Jetzt hoffe ich nur auf eine rasche weiterdrehung, damit ich an der rückseite auf der route segeln kann.

Am ende drehte der wind gestern nur ein wenig, aber der plan ist halb gelungen. Der kurs richtung süden wurde immer mehr durch eine ostrichtung verwässert und bei südost konnte ich auf den gegenkurs gehen. Der war zunächst nur west und reicherte sich bis zum morgen mit süd an. Am morgen hörte er aber auch auf zu wehen und nun treibe ich nach nordwest.
Ich habe aber die magische siebenhundertfünfzig seemeilen distanz unterschritten und nun muss ich nur noch die zweite hälfte bis zum ziel abarbeiten.
Außerdem gibt es heute zwei ereignisse, der kaffee ist aus und ich habe mir ein badeverbot auferlegt. Es war eine schleichende abkühlung, zuerst hatte ich die jogginghose nur in der nacht an, dann auch am tag. Das gleiche mit dem warmen fleeceshirt und das meerwasser zum abspülen der kaffeekanne war auf einmal sehr kalt, zu kalt für mich als warmduscher.

Ein neuer monat beginnt, der alte brachte elfhundert meilen, das hätten mehr sein sollen. Das scheinheilige fest nähert sich unaufhörlich und diese zeit vermisse ich nun gar nicht. Das musikgedudel und die ekelige deko musste ich schon vor vier wochen auf Samoa ertragen, bei dreißig grad. So gesehen wäre es gut, später anzukommen, essen ist noch genug an bord, außer frischware.
Der zwei knoten pazifik hat wieder zugeschlagen. Wenn ich die stunden mit den zurückgelegten meilen kombiniere, komme ich schon wieder auf zwei. Gestern abend hatte ich wieder die segel heruntergezogen und die nacht treibend verbracht. Das gute diesmal ist, dass ich ein paar meilen plus gemacht habe. Im normalfall wäre ich für die restliche distanz von unter siebenhundert meilen in sechs tagen am ziel. Ich weiß aber schon jetzt, dass es mehr sein werden.

Die dritte woche ist zu ende und was für eine. Ich hatte nur an drei tagen brauchbaren wind und in der wochenmitte habe ich mal die hundertmeilenmarke in vierundzwanzig stunden geknackt. Viel zu wenig auf das ganze gesehen. Die angestrebte route habe ich nun grün gefärbt und daran ging es meistens entlang. Das Minervariff ist hundertsechzig meilen von der route entfernt. Und so langsam treffen sich die beiden pläne, westlich oder östlich an Tonga vorbei zu segeln. Netto waren es dreihundertneunzig meilen, der umweg war nur vierzig. Die vorräte gehen langsam zu ende, das frischwasser ist unter zehn liter gesunken, dafür ist der wassertank noch zu zweidrittel gefüllt. Panik kommt nicht auf, die langeweile wird durch viel filmtrash gedämpft.

woche 3

 

Die letzten sechsunddreißig stunden waren mal wieder anders, als das erste stück des weges. Es fing vorgesternabend um sieben an. Den ganzen tag lang lief der autopilot, damit das schiff wenigstens zwei knoten machen konnte. Und dann nach dem essen lief es sogar drei, achterlicher wind, und dieser war zunehmend, hurra.
Am späten abend waren es schon fünf knoten und in der nacht musste ich mehrfach den speedalarm erhöhen. Morgens um vier ging es teilweise mit alarm und siebeneinhalb knoten in die richtige richtung voran. Mit der aufgehenden sonne nahm der wind wieder ab und abends um sieben habe ich die segel geborgen. Und in der ganzen zeit hat es geregnet, von hinten, luke dicht.
Doch abends um neun kam wieder ein leichter wind und die genua zog das schiff hoch am wind allein. Jetzt ist der dritte Dezember mittags und es sind noch fünfhundert meilen, das letzte drittel ist ein klacks, hoffentlich. Doch diese schnelle fahrt hatte auch wieder ihren preis, die nächste segellatte hat sich durch die mastführung gebohrt. Der wind war doch sehr kräftig.

Der fünfte Dezember ist erstmal das ende von zwei guten tagen. Vorgestern war ein drei knoten tag und gestern ein vier bis sieben plus tag, beide mit blauem sonnigen himmel. In der nacht gab es den vollen sternenhimmel ohne mond und ohne venus, aber leider mit einer dunstschicht davor. Gestern abend habe ich dann das erste flugzeug hoch am himmel gesehen, kurs Wellington. So weit war alles gut, nur heute morgen hat der wind wieder nachgelassen und der kurs geht nur nach südost. Dabei war ich schon fast wieder an meiner route. Der trost ist, dass es nur noch unter dreihundertfünfzig meilen sind, wenn keine weiteren umwege entstehen, was nicht wahrscheinlich ist.

In meinen schuhen steckten heute nur die gebrauchten socken aus Samoa, an die lüge des nikolauses glaube ich schon seit fünfzig jahren nicht mehr. Lüge und glauben, eine interessante verknüpfung. Ist doch bald wieder die wintersonnenwende. Das ereignis, um das dort herum eine story gestrickt wurde. Diese macht eine ganze industrie sehr reich. Die kinder werden belogen und die erwachsenen erhalten diese lüge, wider besseren wissens. Damit habe ich ein problem.
Gestern gab es noch bis zum nachmittag wind, mein versuch, noch auf den gegenkurs nach west zu gehen gelang. Für eine viertelstunde schien es zu funktionieren, dann war schicht in der windproduktion. Bis zum morgen bin ich sechzehn meilen nach osten getrieben. Die planung für diesen trip war ein wenig schlampig, ich hatte vergessen, mir die strömungen in diesem teil des ozeans zu besorgen.
Jetzt am morgen der leeren schuhe geht es mit mäßigem wind wieder zurück und nach süden. Bei drei knoten hoch am wind dauert es noch einhundertundelf stunden bis zum ziel. Das einzige, was ich auf dem wasser sehe, sind vereinzelte quallen.

Heute ist der siebte Dezember und ich segele so gut es geht nach genau westen, weil der tag und weg gestern wenig optimal waren. Es fing gut an und der wind drehte sich mal wieder. Das ergebnis war eine schöne langgezogene kurve mit dem endkurs südost.
Heute morgen gab es gleich nach dem wachwerden frühsport. Zwei halsen, die erste für den gegenkurs, der dann nach nord ging und die zweite wieder zurück auf ostsüdsost. Da war der wurm im system und ich habe eine stunde abgewartet, bis der wind kräftiger wurde. Dann gab es die vorerst letzte halse und der kurs geht in richtung route zurück. Das sind schon wieder neunzig meilen geworden. Vielleicht gibt es heute noch eine weitere winddrehung.
Auch muss ich mir eingestehen, dass ich die barfußroute verlasse. Gestern habe ich mir ein zusätzliches sweatshirt gegönnt, bin aber noch immer ohne fußbekleidung. Das wird sich aber in den nächsten tagen auch ändern. Und ich vermisse die schwüle schweißtreibende hitze von Samoa keineswegs. Aber die letzten dreihundert meilen werden wohl anstrengend werden.

Die winddrehung am vergangenen tag dauerte nur ein paar stunden, dann stoppte der richtungswechsel und der wind nahm zu. Bei mitte zwanzig knoten musste die genua kleiner werden und es ging gut voran. Das war wieder hoch am wind und diesmal war der autopilot aktiv, so dass das schiff ständig fahrt machte. Die sonne schien, leichte bewölkung, ein schöner reisetag und so ging es auch in die nacht hinein. Jetzt am vormittag hält die brise an, der motor muss noch für die stromverprassung der nacht sorgen und dann geht es an die letzten zweihundert meilen.

Samstag war der siebente tag der vierten woche und ich habe wieder etwas gelernt. Als ich noch kleiner junge war, gab es im radio sehr oft den seewetterbericht vom deutschen wetterdienst. Schön mit spitzer zunge gesprochen, für mich oft unverständliche meldungen, wie zum beispiel „ wind aus nordost, später rückdrehend“. Gestern habe ich nun erlebt, wie das im wahren leben so ist. Zuerst ging es richtung ziel und langsam änderte sich der kurs auf die route zurück. Ich fuhr solange es ging und in der nacht gab es eine kurze windunterbrechung.
Das ruder war ein ganz klein wenig in den wind gestellt und so machte das schiff kurz vor der route eine wende. Wenn ich es will, tut es das nicht. Ab zwei uhr fahre ich nun wieder richtung südost. Immerhin bin ich siebzig meilen netto näher zum ziel gekommen.

Somit bin ich in der vierten woche, die erfreulich war, und die erste, die nicht eingeplant war. Ich habe fünfhundertundachtzig meilen gesegelt und nur achtzig davon waren davon umsonst. Die ersten tage war der wind genau aus der richtigen richtung. Die strecke verlief entlang der route und weit weg von den Kermadec Islands mit den roten fahnen, die schon zu Neuseeland gehören.

woche 4 teil 1

 

Die zweite hälfte war abwechslungsreich in bezug auf die windrichtung. Mal von links oder rechts, und ich versuchte das beste daraus zu machen. Am ende war ich fast wieder auf dem geplanten weg. Die temperaturen sanken fortdauernd mit dem ergebnis, dass ich wieder socken um die füße habe. Und das beste, die stimmung ist gut bis besser.

woche 4 teil 2

 

Die arbeitswoche hat wieder angefangen, heute ist der zehnte und die entfernung zur ansteuerungstonne ist nur noch zweistellig. Das verfahren heute ist das gleiche wie gestern, kreuzen. Ich habe vier halsen gefahren, viele meilen umsonst und bin nur fünfunddreißig meilen näher heran gekommen. Der wind kommt aus der richtung, wo ich hin will. Zur zeit bin auf dem weg zurück zur route, wobei ich neue option habe, Opua in the bay of islands. Das ist gerade auch der noch kürzere weg. Das schiff fährt mit ein wenig zu viel tuch, aber sonst kann es den kurs nicht halten und der ist nur dieses verdammte südost. Die alternative wäre west. Alles ist kein rechter spaß und, wenn das so weiter geht, bin ich morgen auch noch nicht an land.

Diese art von reisen geht mir jetzt schon auf den senkel, man nennt es ‘aktives segeln’. Ich habe schon wieder vier halsen gefahren und das ergebnis vom vorherigen tag waren dreißig zu achtzig meilen. Somit werden die letzten hundert seemeilen zu einer nervtour.
Der kräftige wind mit zweimeterwellen, der schon wieder eine ankerboje auf den gewissen hat, ist abgeflaut. Da das meer nun wieder flacher ist, bin ich genau so schnell, leider auch in die gleiche richtung nach westen.
Meine neue idee ist, dass die orientierung nun die kürzeste strecke zu Whangarei ist. An dieser südkurslinie werde ich mich zur küste arbeiten. Wenn der wind so bleibt, muss ich an meine versteckten lebensmittel ran und wasser aus dem haupttank trinken. Jetzt am morgen sind es noch siebzig meilen und der wind kommt aus süd, mist.

Mittwoch, zwölfter Dezember und noch immer sind es fünfundsechzig meilen. Gestern ging es noch ein wenig nach westen, dann drehte der windhauch und ein südkurs war möglich, für zehn minuten. Vom wind blieb der hauch übrig und ich habe mal wieder die segel geborgen. Eine erste schiffssichtung eines stückgutfrachters am vormittag und der rest des tages war die totale flaute. Insgesamt bin ich dreiundzwanzig meilen weit hin und her getrieben. Zum glück sind es keine größeren verluste an strecke. Am abend versammelten sich noch ein paar dutzend seevögel hinterm schiff und konnten ruhig hinterher schwimmen.
Die zeit habe ich für eine gefahrlose dusche genutzt und ein wenig fürs putzen. Der zweiknotenpazifik ist zurück, wenigtens geht es nach süden. Wie lange noch, die gewitterfront, auf die ich zufahre, entfernt sich. Somit wird es wohl noch zwei tage brauchen, um ein bier zu trinken. Es wird anstrengend werden, der schiffsverkehr wird zunehmen und der schlaf ist nicht mehr gesichert, wie letzte nacht treibend mit dem ankerlicht.

Der letzte tag in kurzfassung: neun uhr leichter wind, zehn uhr segelbar, aber nur mit autopilot, vierzehn uhr land in sicht und ein kleines nickerchen, sechzehn uhr das meerwasser wird grün, neuer plan für die nacht: zum ziel segeln, hochwasser am ziel um mitternacht, neunzehn uhr großsegel geborgen und wollmütze aufgesetzt, zwanzig uhr windabfall und drehung, neuer kurs um einundzwanzig uhr, zweiundzwanzig uhr motor läuft, dreiundzwanzig uhr genua eingerollt, null uhr geschwindigkeit mit der sonne abgleichen, ein uhr zwei schiffe gesichtet, vier uhr dreißig sonnenaufganganfang, niedrigwasser um fünf, sechs uhr dreißig in der marina angelegt.

woche 5

 

Ich bin in Whangarei angekommen, ein wenig später, als der plan es vorsah. Dabei habe ich siebenhundertneunzig stunden oder fast dreiunddreißig tage gebraucht, für mal kurz nach Neuseeland eine stolze zeit. Die gesamten erfahrungen zuvor, dass im durchschnitt siebzig gute meilen pro tag die norm ist, gilt hier auf dieser strecke nicht. Noch nie hatte ich so viele flautentage und so wenig wind. Fast zweitausend meilen bin ich gesegelt und ein viertel davon waren umsonst. Somit ergibt es einen durchschnitt von zweieinhalb meilen pro stunde oder sechzig schlechte meilen am tag.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018 | 1 Kommentar

Samoa, Apia

Samstag, der zwanzigste Oktober: der tag, den es für mich nicht gab. Hier ist schon Sonntag der einundzwanzigste, ich bin ein opfer der datumsgrenze. Die hafenbehörde war auch schon da, ein formular, morgen mehr.

Am nächsten morgen kam ein mitarbeiter mit dem boot vorbei, ich solle mein funkgerät einschalten. Entweder die offiziellen mit dem dingi abholen oder mit dem schiff in die marina fahren. Also anker auf und los. Zwischendurch hat mich dann noch einmal die port control gerufen, ich solle mich beeilen.

Der erste tag war mit bordbesuchen fast ganz ausgefüllt. Gesundheitsbehörde, kurzer auftritt mit dem zoll zusammen. Der meinte, er wäre könig und dürfe alles. Höhepunkt war, dass er einen blick in meinen computer werfen wolle. Ob ich filme hätte, nur meine haben ihn nicht interessiert, und die bilder von Bora Bora fand er nett. Nebenbei immer wieder nachfragen, ob ich denn wirklich keine drogen an bord habe und wie viele dollar ich dabei habe. Wieso jetzt fünfhundert, im formular sind nur vierhundert angegeben. Es interessiere mich halt nicht so sehr.

Aber oben im schiff warten, nicht dass ich noch etwas verstecke. Und meinen grund nennen, warum ich hierher gereist sei, von Bora nach Samoa ist es ein weiter weg. Der typ hat mich genervt und weit sei es nicht, von Kap Hoorn zu den Marquesas – doch, das ist weit erklärte ich ihm. Und dass ich hier sei, um die brauerei zu besichtigen. Er wurde noch misstrauischer, ich wusste den namen des bieres nicht und es gibt ja zwei brauereien hier.

Dann kam auch schon nummer drei mit einem riesigen schwarzen drogenhund. Runter die treppe ins schiff kam er, hoch musste das tier gehievt werden. Ich dachte, das war es jetzt, nee noch nicht. Ich hatte keine waffen angegeben und er griff nach meiner machete und meinte, es sei eine waffe. Nix da, das ist ein werkzeug, um kokosnüsse zu öffnen. Man könnte damit aber auch jemanden verletzen. Da griff ich in meine besteckschublade, ergriff eine gabel und sagte ihm, dass ich damit auch jemanden umbringen kann, also was diese diskussion solle.

Gefühlte drei stunden durchsuchten sie mein schiff, inzwischen war nummer vier auch an bord, ein riesiger junger dicker. Der zollmensch vorne im schiff, der dicke in der achterkabine und der hundeführer in der mitte. Fotos durften keine gemacht werden. Ich mal hier, mal dort, dies und jenes öffnen. Bodenbretter hoch, motorraumwände ab und sogar das aufbewahrungsrohr für die watermakermembrane musste geöffnet werden.

Zwischendrin meinte der vom zoll, dass es sehr siffig sei und dass er das schiff mit der großen giftspritze ausräuchern wolle. Zum einen habe ich kein getier an bord, der siff kommt vom ofen, ausräuchern hilft da auch nicht und das läuft auch nicht. Er meinte ja, ich nein, und wenn er darauf bestehe fahre ich weiter, dieser kleine machtwichser im wickelrock. Am ende kein gift, ein dankeschön für meine mitarbeit und welcome to Samoa.

Dann habe ich wieder abgelegt und zurück zum ankerplatz. Die marina kostet zwanzig dollar am tag inklusive wasser, strom geht extra und es gibt kein wifi, die sanitären anlagen sind außerhalb. Für meine idee zu teuer, für sehr wenig gegenleistung.

 

Nächste aktion war die immigration, das große gebäude hinter dem schlepper. Auf dem weg war die touristeninformation, also noch ein paar dollars wechseln, bevor die niemand mehr haben will. Der verwaltungsakt ging für hiesige verhältnisse recht schnell und am ende gab es einen stempel in den pass. Auf dem rückweg noch einen ersten eindruck von Apia gewinnen, eine ergebnislose suche nach einem freien wifi und ein wenig einkaufen. Alle drei sorten bier von Vailima habe ich erstanden und erschöpft die bierprobe auf dem schiff begonnen.

Am abend kam noch kurz einer vom schlepper vorbei, ob ich es gut überstanden hätte. Wenn man diesen menschen etwas zu essen anbietet und etwas zu trinken, gehe alles ganz schnell. Und mein funkgerät sei nicht in ordnung, ich bin nicht gut zu verstehen, ein nebengeräusch ist immer dabei. Eine weitere baustelle in Neuseeland.

20181022 apia hafen

 

20181022 apia yachthafen

 

20181022 schlepper im hafen

 

20181022 wasserfront apia

 

20181022 wasserfront apia

 

Der tägliche kampf mit meinem außenborder bringt mich immer mehr in rage. Wüste beschimpfungen und androhung von verschrottung gehen mir leicht über die zunge, dieses miststück will oft nicht. Durch das viele anreißen des starterzuges habe ich schon eine offene wunde am zeigefinger. Da muss mal ein profi ran, der diese drecksteile kennt.

Ich dachte heute am Mi wäre ein guter tag, um die brauerei zu besuchen. Das taxi vor der tür kostet fünfzehn tala oder fünf euro. Der preis ist ok, die strecke über fünf kilometer weit. Nur weiß ich nicht, wie die taxifahrer hier überleben können. Es gibt etwas um vierhundert droschken in Apia und der taxifahrer verdient nur hundert tala am tag. Unklar, wie geht das, denn sprit kostet auch hier etwas.

Die pförtner sind freundlich und schicken mich zum offiziellen eingang von Vailima. Die frau an der rezeption spricht ein gutes englisch und telefoniert mit mehreren personen. Jedoch gibt es keine führung für mich vor Januar, es ist gerade hochbetrieb. Einmal halb um die welt und die haben keine zeit, schon blöd. Andererseits war es auch kein brauereibetrieb, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Vielleicht war er mal in der stadt, nun modern groß und außerhalb. Die bierprobe findet also wieder an bord statt. Das lager ist ok, das exportbier fällt durch und das pure ist das beste von den dreien. Der mitbewerber gefällt mir aufgrund eines basisgeschmacks nicht so sehr.

20181023 brauerrei eingang

 

Der rückweg war aufregender, mit dem öffentlichen bussystem für einen zehntel des taxipreises. Diese umgebauten toyota lkws nutzen nur das chassi, den fensterrahmen und der aufbau ist aus holz. Ich saß hinter dem fahrer, der tachometer war nicht in betrieb, und so konnte ich nicht die vielen tausend kilometer ablesen, die der bus vermutlich schon auf dem buckel hat. Die fenster sind alle offen und die laute musik vom fahrer nervt, ist wohl aber üblich. Ich bin am hauptmarkt ausgestiegen habe ein paar mangos und eine kokosnuss gekauft.

20181023 apia fruchtmarkt

 

20181023 apia fruchtmarkt

 

20181023 bus

 

20181023 bus

 

20181023 bus innen

 

20181023 bus innen

 

Am Fr habe das permit beantragt, damit ich hier segeln kann. Sa ist nicht offen, also um vier uhr noch einmal ins gebäude gelaufen. Morgens war ich auf dem fischmarkt gewesen, mit wedeln und fächern werden die fliegen vertrieben, der geruch ist nicht gerade nett, fische liegen nicht auf eis und sind nicht ausgenommen. Dafür habe ich fish and chips für zehn tala gekauft. Und den lagerbestand an mützen aufgefüllt. Internetcafe kostet zehn tala die stunde, das hotel bekommt zwölf für ein bier, mit klimaanlage und bequemen sesseln. Noch ein wenig einkaufen und zurück zum schiff. Es ist sehr heiß hier, zu heiß.

20181026 apia frischmarkt

 

20181023 apia kolonial

 

20181023 apia uhrturm

 

20181023 offene haeuser vor den haeusern

 

Elf seemeilen habe ich am ersten tag motort, in die erste bucht und vor anker. Es ist immer noch heiß, der schweiß läuft mir nur noch herunter und ich sitze die ganze zeit im nassen shirt. Etwas ist neu, es ist das erste mal, dass ich das mittlere fenster der sprayhood geöffnet habe. Entweder ich werde alt oder dieses wetter hier killt mich. Jetzt gibt es einen windhauch von vorn und das ist nun die klimaanlage für arme.

Es gibt hier noch ein anderes problemchen für mich. Eine stunde, nachdem ich den anker in der bucht habe fallen gelassen, kam auch schon die polizei vorbei. Zwei arbeitende beamte am So im rock und paddelnder weise in einem traditionellen einbaum mit ausleger, das ganze in pink. Papiere, ausweis und das permit für die fünfzig tala wollten sie sehen. Dank meiner lernkurve vom ersten überfall habe ich ihnen wasser angeboten und sie nahmen es dankend an.

Nur habe ich so ein stasigefühl, sie wussten woher ich kam, wohin ich weitersegeln werde. Ich habe nicht verstanden, warum sie aus Apia angereist waren. Es ist so ein beklemmendes etwas, das mir diese insel versaut. Zum trost kann ich sagen, die deutschen haben diese saat vor über hundert jahren nach Samoa gebracht, und sie scheint recht gut aufgegangen zu sein.

20181027 besucher

 

Am nächsten morgen bin ich dann sieben meilen weiter gefahren. Raus aus der bucht, ums riff herum und entlang. Dann wieder zur küste zurück. Der wasserfall in der karte war ein reinfall und es gab wellen am ankerplatz. Nicht ideal, dafür keine lästigen besucher. Morgen geht es weiter zur letzten bucht und nicht mehr um die insel herum. Das permit ist für eine woche und es gibt keinen wind. Nur mit dem motor um Samoa fahren bringt nicht so den richtigen kick.

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

20181029 bucht

 

Weitere sechs feuchte meilen in einem heftigen regenschauer weiter und es wird der letzte ankerplatz hier sein. Ich bin in diese fjordähnliche bucht hinein getuckert und konnte kaum etwas erkennen. Der regen ist vor mir her gezogen und am ende kam die sonne von hinten. Der buchtaufbau ist wie die cookbay in moorea, nur nahezu null verkehr und dafür sauberes wasser. Wenn es regnet, gibt es hier ein dutzend wasserfälle und es herrscht ruhe, bis auf die bauarbeiten am ufer.

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

20181029 letzte bucht

 

Die schildkröten kommen bis auf fünf meter zum schiff, sind aber fotoscheu. Immer wenn ich knipsen will, tauchen sie ab. Es ist auch das erste mal für mich, dass es hier gar kein wifi gibt. Das hier ist das ende von Samoa oder der anfang der ruhe.

20181029 schilktoeten

 

Meine entscheidung, zurück nach Apia zu fahren, war gut, alles andere hätte in einem desaster enden können. Der wetterbericht versprach fünf windstärken und die hätten mich schnell an mein ziel gebracht. Zum glück hatte sich der wind verspätet. Als ich den fjord verlassen hatte, war eine idee von segelbaren lufbewegungen vorhanden, allerdings mit dem motor. Und dann dieses komische knartzen seit einiger zeit am ankerplatz, ich sollte mal die ursache ergründen.

Das ist eine der wichtigsten erkenntnisse seit jahren: Ist irgendetwas neu oder nicht normal, dann ist die ursache zeitnah zu klären. Diese hatte sich nach einer stunde wind und ab und zu schlagendem segel dann geklärt. Ich habe mein vorstag fast verloren, was sich im schlimmeren fall zum zweiten mastverlust hätte ausweiten können.

Die genua konnte ich noch einrollen, schnell irgendwelche seile zum stabilisieren befestigt und über der ersten saling ein dickeres seil gebunden. Alles nach vorn abgespannt, so gut es ging, die achterstage schlabberten herum. Mein anlegermanöver in der marina war den umständen entsprechend gut, meiner an den mast gerichteten bitte, nicht umzufallen, wurde auch gehör verschafft.

Ich bin dann in den mast geklettert, der schaden ist ein durchgescheuerter beschlag. In Papeete sah alles noch gesund aus, noch einmal glück gehabt.

 

Am ersten tag war ich dreimal ganz oben im mast, danach jeweils tropfend nass und dabei war die sonne gerade erst aufgegangen. Das passende ersatzteil aus irgendeinem schrottbehälter musste doch noch angepasst werden. Der schlitz war einen zentimeter zu kurz, bohren, flexen und schöner fräsen. Morgen muss ich irgendwie das vorstag noch fünf zentimeter höher bekommen. Wenn es schlecht läuft, muss das segel runter und die trommel ab, um an den spanner zu kommen.

20181101 gebrochener toggle

 

Die nacht im hafen was sehr schlecht. Partyzone, das schiff zerrt in den seilen und das ist laut. Die saugenden gäste an bord sind da nur noch nebensache. Wenn die nächste nacht auch scheiße ist, sind es schon drei in serie. Es ist so heiß, dass ich gerade aus der dusche komme und schon wieder durchnässe, es läuft nur noch. Dringend, dass ich die insel verlasse.

Am zweiten tag war ich wieder dreimal oben, diesmal mit erfolg. Der neue toggle hält jetzt das vorstag. Der nächste schritt war dann nur noch, das ganze unten wieder zu montieren, dauer um drei stunden. Ich habe die trommel und das segel nicht entfernt und versucht, mit einem wantenspanner das ganze nach vorn zu ziehen. Alles am limit und dann habe ich noch fünf zentimeter in der unteren aufnahme für das vorstag gefunden. Glück gehabt, schon wieder.

Wenn einem so etwas auf dem meer passiert, ist das echter mist. In zukunft werde ich noch häufiger alles checken. Zwischendrin war noch der typ von der marina da, beim ersten mal hatte ich ihn schon gefressen. Ich hätte doch da draußen geankert und da wäre dann noch eine dingigebühr für das anlanden fällig. Zwei stunden später war ich schon entspannter und er war auch netter.

 

Die abreise ist schon geplant und die vorbereitungen dazu laufen. Zwischendrin noch nette gespräche mit einem norddeutschen paar und eine lange filmtausch aktion. Der stegnachbar brauchte auch noch hilfe bei seiner radarmontage und so vergehen die tage. Wäschewaschen, duschen, einkaufen und ausruhen.

Ein platz in Auckland ist auch schon fast in trockenen tüchern. Meine reise wird östlich von Tonga vorbei gehen, auf der anderen seit sind zu viele riffe. Für die fünfzehnhundert meilen setze ich mal drei wochen an. Die mail für den zoll in Neuseeland ist auch schon auf dem weg. Was hier zu tun bleibt, ist ein stempel in den pass zu bekommen, das wird in zwei stunden der fall sein.

Morgen wird die marina bezahlt und danach hier zum zoll für einen zettel. Das ganze geht schon recht ins geld und das bedruckte papier von der fed ist auch fast aufgebraucht. Vielleicht wird es in drei wochen netter sein, besser geht immer.

 

Gestern habe ich morgen geschrieben und das tue ich jetzt noch einmal. Heute ist hier ein feiertag oder gedenktag an die seuchentoten vor einhundert jahren, als die neuseeländer einen großen teil der bevölkerung angesteckt hatten.

Also hänge ich noch immer in der marina und checke das boot durch. Meine genua ist oben am keder eingerissen und muss noch zweitausend meilen halten. Der rest sieht benutzt aus und gut.

 

Die welt ist gar nicht so groß, wie man meint. Ich hatte einen sehr netten besuch von einem amateurfunker, der fast hamburger geworden wäre, nur da warfen die amerikaner viel eisen auf meine stadt und er wurde in der zone geboren. Auch wusste ich nicht, dass mein Bob von den Falklands eine berühmheit unter den funkern ist, fast jeder kennt ihn. Mein besucher war auch mal dort und hat wohl im selben sessel gesessen wie ich, kleine welt.

Der plan hat sich wieder ein wenig verschoben, ich segele hier nun am So los und mein ziel ist Whangarei in Neuseeland zum einklarieren. Danach geht es ein stück in richtung süden zum ort Kopu. So wie es aussieht, wird das schiff dort aus dem wasser gehen und ich werde ein kleines refit durchführen.

Heute am Donnerstag habe ich schonmal die marina bezahlt und es wurde mir die dingigebühr erlassen. Nun habe ich aber heute morgen schon ein wenig geld am automaten gezogen. Das überschüssige werde ich wohl in neuseelanddollar umtauschen müssen. Ich ringe noch mit mir, ob ich die hafengebühren hier bezahlen werde. Ankern ist für mich etwas, das kostenfrei sein sollte, und wenn ich vom zoll den zettel habe, geht es auch ohne.

Am So lege ich hier ab, und wenn es gut geht, ohne weiteren schaden, bin ich in drei wochen in Neuseeland.

Veröffentlicht unter Reise_2018, technik | Kommentare deaktiviert

Das Paradies wird ermordet

Der plan, mit dem zeitfenster von zweiunddreißig stunden nach Raiatea zu segeln, war sehr gut. Wenn da nicht der wind gewesen wäre. Zuerst nichts, dann draußen fing er an, erstes reff, zweites, und die wellen wurden immer höher. Mit den ganz kleinen segeln ging es dann immernoch mit sechs knoten voran. Das war zu schnell, und auch mit etwas nachlassendem wind war ich bereits um drei uhr vor dem pass, sicht schlecht. Der mond war nur verdeckt vorhanden und vor dem pass waren die wellen riesig. Ich habe die kleine genua genommen und einen kurs hoch am wind eingeschlagen, dabei das ruder voll angestellt. Zeit um einige nickerchen zu machen.
Um halb sechs wurde es heller und der gegenkurs ging zum pass. Die ganze tour lang bin ich vom regen verschont worden, nur ein paar tropfen. Doch an diesem morgen wurde ich geduscht, die sicht war mies, tastend an den pass heran und dann durch. Funktionierte letztlich super und den ausgesuchten ankerplatz habe ich mit viel seitenwind erreicht. Ankern ist hier ein problem, meistens über fünfundzwanzig meter tiefe oder in den korallen.

20180924 ankerplatz raitea

 

20180924 ankerplatz raitea

 

20180924 ankerplatz raitea hotel

 

An dem ankerplatz blieb ich erstmal zwei tage. Die lage checken, die beschädigungen analysieren und den unpassenden wind einfach aussitzen. Eine verlegung zum nahe gelegenen hotel schied leider auch aus. Der preis für die mooring ist ein konsum im hotel, ein drink in der happy hour zählt auch dazu. Nur ist die hotelanlage tot und zerfällt.
Am zweiten tag nahm der wind schon etwas ab und die segelreparatur konnte beginnen. Diese überfahrt war zu schnell und ich habe unsauber gerefft, das material musste es abfangen. Wieder einmal ist ein rutscher gebrochen und das erste mal wurde eine lattenhalterung im segel von der latte durchbohrt. Für einmal habe ich ersatz, auch habe ich noch kleine rutscher auf lager. Das tageswerk war vollbracht, nachdem das segel einmal ganz raufgezogen und sauber wieder runter auf dem baum mit der abdeckung verzurrt wurde. Das segel wird erst wieder auf der strecke nach Samoa zum einsatz kommen.
Aber das beste an dem ankerplatz im schlamm war ein offenes wlan, das ich gefunden habe. Somit konnte ich dem system mal wieder ein update geben.

20180924 segellatte

 

Am nächsten morgen ging es dann drei meilen weiter zum hauptort der insel, Uturoa. Der ankerplatz vor der hafeneinfahrt war vorhanden, aber da war viel freier platz an der außenhafenmole, zwei andere segler lagen schon dort. Also wieder ins freie wasser fahren und fender sowie festmacher vorbereiten. Fünfhundert meter vom kai entfernt sah ich auf einmal einen riesigen kartoffelsack im wasser oder war es ein kleiner felsen, der nicht in der karte verzeichnet war? Nachdem der hals mit kopf gestreckt wurde, habe ich die erste riesenschildkröte in freier natur gesehen. Endlich mal was neues, keine langweiligen define, haie oder wale.
Zurück zum anleger, und dort halfen mir auch die beiden segler, da die poller eigentlich für kleine fährschiffe gedacht sind und weit auseinander liegen. Einen tag lang kann man hier frei liegen und ist direkt im zentrum des ortes. Da wollte ich auch hin.

Der grund dafür war ein foto in einem magazin aus dem hause blöd von der jahrtausendwende. Das hatte ich erhalten nach dem erwerb meines bootes. Auf diesem bild ist eine nachmittagliche szene zu sehen. Zwei ältere frauen sitzen auf einer bank an der kaimauer und unterhalten sich. Alle steinbänke bis zur straße sind besetzt, rechts von den bänken spenden alte bäume schatten. Es muss warm sein, hatte vor kurzem geregnet, in vielen kleinen pfützen steht das wasser am kai. In der bildmitte hat die hafenmauer einen rechten winkel. Im wasser schwimmen plastikflaschen und anderer unrat im öligem wasser. Entlang der andern hafenmauer verläuft einer straße, und an der ecke ist eine alte total tankstelle, ein peugeot 205 und eine ältere vespa werden betankt. Das wollte ich mir mal anschauen.

Doch es gibt diese kleine situation nicht mehr. Der ort wurde umgebaut, ein kai für kreuzfahrer in der länge von dreihundert metern wurde errichtet. Ich glaube, meine szene ist diesem zum opfer gefallen, die bäume ebenso. Schade, denn die einrichtungen für den massentourismus zerfallen auch langsam, zu wenig besucher. Diese große krise von zweitausendundacht, als die banker sich verzockt hatten und der rest für den schaden aufkommen musste oder sollte, hat in diesen regionen einen deutlichen impact hinterlassen. Das billige geld ist aus und somit auch die besucher.

20180925 hafen uturoa

 

20180925 hafen uturoa

 

20180925 hafen uturoa

 

Nach einem kleinen essen und einem weiteren einkauf bin ich auf die andere seite der insel gefahren. Zum thema einkauf fällt mir der besuch in einem asiatischen supermarkt gestern nachmittag ein. Keine liebe zum schimmeligen obst oder schlaffen gemüse. Dafür gab es dort verschiedene curries zu hohen preisen. Die offenen, vereisten kühltruhen waren ein punkt, aber der ausschlaggebende das müsliregal. Um die preise zu erkennen, bedarf ich seit einiger zeit einer lesebrille. Ohne die geht gar nichts mehr. Mit dieser konnte ich dann sehr gut die kleinen krabbler beobachten. Aus welchen packungen sie gekommen waren, blieb mir verborgen, ein sehr lebhafter laden.

Dann eine große runde mit dem schiff und beim zweiten versuch habe ich dann einen ankerplatz in dem mooringfeld gefunden. Das ist hier das ärgerliche für mich, alles tiefer als zwanzig meter. Meine weiteren ziele sind schon sehr gut auszumachen, auf Tahaa sehe ich schon die bäume. Die insel liegt im selben atoll. Weiter draußen ist auch schon Bora Bora zu sehen. Bleibt nur noch der sonnenuntergang, der kommt in fünf stunden.

20180925 kleinstinsel mit bar

 

Das hinüberfahren zur anderen insel Tahaa und in eine lange bucht hinein macht sieben meilen. Auch diese insel hat eine straße ringsrum, jedoch ist in dieser bucht die straße weit weg. Noch sichtbar und hörbar, aber mit viel grün dazwischen und auch mit viel privatbesitz, der mit schildern beschützt wird. Alles ganz nett und nicht umwerfend, so arbeite ich mich an der westseite der insel hoch.

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

20180927 bucht tahaa

 

Nächter tag, nächster halt in Tapuamu keine vier meilen weiter. Der ort hat einen kleinen hafen, zu klein für mich, und so ankere ich vor dem langen kai in der bucht. Eine tankstelle, ein magasin und kleine geschäfte für touristen, das war es. Etwas neues habe ich hier gesehen, ein familiengrab auf dem nachbargrundstück. Hier bleibt man halt länger zusammen, auch mit den verhassten schwiegereltern. Auf den gefliesten gräbern verweilen die hunde und dösen vor sich hin.

Heute ist schon wieder Freitag und mein kühlschrank muckt herum, er will nicht kühlen. Die  batterien sind voll und er streikt. So kann ich kein essen für die nächsten tage planen. In einer meile entfernung ist ein weiteres ferienressort auf einer motu. Davor parken einige segler, könnte ich ja auch mal machen. Doch ich habe das auf morgen verschoben, das tagesziel in vier meilen entfernung ist die verwaltungsansiedlung der insel im norden, Patio.
Nur meine seekarten sind dort ein wenig grob und das pdf gibt auch nicht so viel her. Kurz vor dem hafen habe ich eine mooring mit boje entdeckt und da liege ich nun.
Ein chinesischer laden, ein leerer, ein obststand, ein imbisswagen, die mairie, die gendamerie und ein paar mehr verwaltungen. Die straße ist neu geteert, der hafen leer und das fährschiff hat sich sogar angekettet. In dem parkähnlichen gebiet vom hafen entlang des wassers ist der konsum von alkohol verboten, kaum mülltonnen, alles ein wenig traurig. Für eine nacht reicht es.
Am Mo soll es wind geben und den brauche ich, um nach Bora Bora zu kommen. Zwanzig meilen von Tahaa entfernt und auch von hier aus gut sichtbar. Es wird wohl meine letzte insel in diesem bereich werden.

Auf dem rückweg habe ich dann vor der ferienanlage geankert. Einen platz gefunden, anker raus und genügend abstand zu einem Holländer, alles gut. Nur meinte dieser, an seinem anker fummeln zu müssen, rauf runter, mutti am ruder fuhr vorwärts und scheiße. Er war nun sehr nah an meinem schiffchen. Nach zwei stunden kam er vorbei und fragte, ob ich ein wenig mehr kette geben könnte. Den wunsch habe ich ihm erfüllt. Am nächsten morgen habe ich die kette wieder eingefahren, damit ich vor seinem bug herumtreiben konnte, der wind hatte gedreht. Nach dem kaffee bin ich dann auch gleich rüber auf die andere seite und habe mir eine freie mooring gegriffen.
Es war Sa und nicht so, dass die schiffe sehr dicht lagen, denn es kamen noch drei zweiundsechzig fuß ausflugskatamarane. Jeder hatte bis zu zwanzig badewillige an bord und der anker fiel zwischen den schon liegenden schiffen. Beim verlassen wurden noch schnell die plastikflaschen über bord geworfen und weiter. Kein platz zum wohlfühlen.

Ich habe gerade eine etwas negative serie gezogen. Von der mooring aus konnte ich am So die schiffe zählen, es waren zwei, die drüben vor anker waren. Keine zehn als ich dort war. Die mooring war nicht umsonst, am frühen morgen kam der abkassierer, dreizehn euronen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich wieder vor dem pier geankert, pech. Danach wollte ich noch schnell was einkaufen, doch frisches brot gibt es erst um zehn uhr.
Dann bin ich ohne brot richtung Bora Bora aufgebrochen und wollte nur bis zum pass motoren. Daraus wurde nichts, kein brauchbarer wind, wie eigentlich vorhergesagt.

20181001 borabora

 

20181001 pass tahaa

 

20181001 pass tahaa

 

Um zwei uhr mittags war ich dann in der berühmten inselwelt und wollte ankern. Alles sehr, sehr tief, vieles verbaut und an der erstbesten stelle scheuchte mich eine frau vom restaurant weg, netter empfang. Neben der hafenmole ging auch nicht, und so liege ich ein stück weiter auf vierundzwanzig meter. Die ganze kette draußen, und in der nacht kam dann doch der wind, um die dreißig knoten. Zum ufer komme ich so erstmal nicht, also abwarten.
Der ankerplatz ist an einer öffentlichen stelle, wo die menschen ihre boote in gestellen parken. Alles sehr flach und ich habe hier die nächste schildkröte gesehen. Kleiner als die erste, nur einen halben meter im durchmesser. Hier ist das arme Bora, die zuarbeiter für die ferienanlagen leben hier.

20181002 borabora ankerplatz

 

20181002 borabora ankerplatz

 

Dann habe ich mir mal wieder das gesicht verbrannt auf der überfahrt hierher. Ich dachte ich bin schon farbig genug, war wohl nicht der fall. Und wenn ich schon bei den gebrechen bin, der kopfsalat vom markt in Raiatea, den ich natürlich gewaschen gegessen habe, ist durchgeschlagen. Seit vier tagen ist das sehr lästig und seit heute schlucke ich tabletten dagegen.

Am nachmittag war dann ein windloch und ich habe mir Vaipae mal angeschaut. Der hauptort der insel, eine hauptstraße, zwei supermärkte, davon ein chinese. Fünf banken habe ich gezählt, es können aber auch mehr sein, und über zwanzig geschäfte für perlen. Das paar ohrringe ab vier dollar. Die werden auch bald merken, dass geld nicht essbar ist.

Heute ist der dritte oktober, und heute gibt es regen im vermeidlichen paradies, zumindest zeitweise auf Bora Bora. Das finden sicherlich die passagiere, die heute nacht die insel verlassen haben, nicht so schlimm. Dafür die vom fake segelschiff, das gestern kam, dem zweitausend passagiere schiffchen von heute morgen und dem dritten, das auch noch zum frühstück kam. Diese insel wird vom geld übergüllt, nicht zum besten für die bewohner.

Ich habe am morgen den anker an dem neuen standort geliftet und dachte, tief an der ankerkette sei eine schildkröte. Mal sichtbar und dann war sie wieder weg. Zu tage kam auf den letzten metern kette ein alter kaputter, bewachsener plastikkanister mit einer mooring daran. Das war dann ein job für die griffbereite machete, die leine war frei und der kanister ist alleine getaucht.
Der neue ankerplatz ist vor der westlichen insel, die von einer hotelkette vom Hilton belagert wird. Das wlan ist zu, leisten könnten sie es sich, es zu öffnen. Die hütte auf stelzen kostet mehr als einen riesen pro nacht. Das personal hat sein eigenes staffvillage, nicht so pompös. Was ist schlimmer hier, die hinterlassenschaften der amerikaner aus dem wkII oder diese anlagen? Die hotelanlagen zerstören mehr als alle vermuteten angriffe der japaner. Ein ort mit militärischen und vielen hellhäutigen hinterlassenschaften und einer ilusion vom bekanntesten paradies in der südsee.

Gestern habe ich dann mal in dem hauptort am kai angelegt, ging recht gut mit viel seitenwind. Zuerst zur gendamerie, abmelden für die weiterfahrt. Fünf zettel ausfüllen und ich muss wiederkommen, am tag der abreise. Habe aber schon mal die briefmarke für achtzig francs gekauft und zurück zum schiff, ins netz und daten abrufen. Keiner hat sich gemeldet. Der chinesische supermarkt ist ok, das personal freundlich.
Und wenn ich schon duty free diesel tanken kann, habe ich meinen tank auch wieder vollgefüllt. Das war alles andere als erfreulich. Das personal der total tankstelle ist nicht arbeitswillig und nicht serviceorientiert. Dem typen am anleger musste ich die leine zuwerfen, damit er seinen arsch bewegt, die zweite habe ich selbst belegt. Keine fender oder leinen am geschundenen steg. Dann wollten sie kopien der zollbescheinigung und haben angeblich keinen kopierer. Dann haben sie halt das original erhalten. Der typ am steg ward nicht mehr gesehen, und so habe ich die zapfpistole selbst gezogen und auf der hahn. Als es zum bezahlen ging, haben die an der kasse meine schiffspapiere und die originale einklarierung einfach zusammen geheftet, geht es noch? Dicker hals, das papier vom zoll dürfen sie behalten, nicht den rest. Kopien gibt es im supermarkt oder diesel zum normalpreis.
Also zum supermarkt und die waren so freundlich und kopierten die dokumente umsonst. Sie haben mir gesagt, dass die tankstelle das gleiche kopiergerät hat. Zurück an der tankstelle habe ich mein letztes bargeld auf den tresen gelegt und den rest per karte. Alles sehr unprofessionel, ich würde die leute feuern.

Das paradies hat in der nächsten bucht noch ein anderes gesicht. Ich bin nur einen kilometer luftlinie von Vaitape entfernt vor anker. Hier in der bucht von Faanui gibt es wohl eine meerwasserentsalzungsanlage, oder ein kleines kraftwerk. Auf der anderen seite zwei große bassins, jeweils ungefähr sechs fussballfelder groß. Es sieht aus wie ein hafenbecken aus dem boden geschnitten. Ich nehme mal wkII an. Am rande des einen beckens werden rohre zusammengeschweißt, wohl für einen neuen anleger auf dieser insel. Die häuser oder hütten am ufer sind auch nicht sehr schick, die nächste schattenseite dieser insel.

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

20181005 borabora ankerplatz faanui

 

Meinen letzten ankerplatz habe ich nach tiefe ausgesucht, genügend wasser unter dem kiel schadet nie. Die wasserfarbe ist türkis und den boden kann man auch sehen. Auf der einen seite ist die hauptinsel und auf der anderen seite das motu ome. Im norden liegt der flughafen und im süden habe ich drei ferienanlagen gezählt, deshalb bin ich auch nicht weitergefahren. So weit, so gut. Nur wenn ein flieger gelandet ist, kommen zig boote und bringen die touristen ins hotel und ich liege genau auf dem weg. Also werde ich noch einmal den anker liften und ein stück weiter zum motu fahren.

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

20181005 borabora letzter ankerplatz

 

Und weil es dann dreihundert meter weiter ruhiger war, nutzte ich noch einmal die gelegenheit zu schnorcheln. Der anker saß gut und der rumpf war an der wasserlinie nur leicht grün. Was gar nicht gut ist: mein propeller ist an einem blattende geknickt und das wohl schon eine weile. Es fiel mir nicht auf, die welle läuft rund. Aber trotzdem mist, ein job mehr in Neuseeland.

Am Sa morgen waren noch ein paar vorbereitungen zu machen, schließlich soll es wieder aufs meer gehen. Das anlegen im hafen von Vaipae lief noch besser als beim ersten mal. Die gendamerie muckte nicht, zog meinen vorgang heraus und gab mir zwei zettel für mich und den brief, der nach Papeete geht. Schön dass ich schon die briefmarke gekauft hatte, die post war schon geschlossen. Dann noch ein paar frische sachen eingekauft und an einem straßenstand meine letzten zweiundfünfzig francs auf den tisch gelegt. Dafür bekam ich eine große mango. Was nicht mehr lief, war neue wetterdaten zu ziehen, das guthaben war aufgebraucht. Muss halt für die nächsten zwölfhundert meilen auch ohne gehen.
Noch innerhalb Boras habe ich das großsegel hochgezogen und es ging richtung ausgang. Einige boote waren sehr aufgeregt, ich sollte meinen kurs etwas ändern. Eine walkuh mit jungtier war im atoll. Als ich das mal ablichten wollte, sind beide abgetaucht.

Der erste tag und die nacht auf dem meer waren recht angenehm und am morgen habe ich den ersten segler in meine richtung gesehen. Er hat mich wohl überholt, denn ich komme nicht hinterher.

 

Es wiederholt sich doch so vieles und immer das gleiche schreiben ist langweilig. So habe ich seit heute nacht um vier mal wieder keinen wind, leichte dünung und es schaukelt sehr. Irgendwann kommt der wind wieder, dann geht es weiter. So vergeht der morgen des dritten tages. Die sonne brennt gewaltig, und ich bin froh über den in Brasilien gekauften hut mit einer breiten krempe und dem herunterhängenden nackenschutz.
Ich treibe auf der höhe des atolls Maupihaa und im buch der ankerplätze steht, dass es die mühe und den stress, durch den pass zu kommen, nicht wert sei, es zu besuchen. Auch habe ich am ersten tag Maupiti rechts liegen gelassen. Wenn ich das kleinere schiff vom Anton hätte, wäre der besuch natürlich ein muss gewesen. Die Cookinseln und die weiteren Socityinseln werde ich auch nicht ansteuern, dafür fehlt mir die zeit. Nächster stop ist Samoa, west.

Nach vierzig stunden bin ich wieder im rennen, drei bis vier knoten fahrt und nur zwanzig grad abweichung zum direkten kurs. Flaute ist fast schlimmer als sturm, jedenfalls hier, denn es ist sehr heiß und für den schatten muss ich selbst sorgen. Noch über tausend meilen bis Apia.

Heute ist schon der zehnte und so richtig weit bin ich noch nicht gekommen. Der wind war da, aber zu wenig und die fast zwei tage flaute bringen einen auch nicht weiter. Die netto meilen werden mehr und jetzt sind es noch ein paar über neunhundert. Was macht man wenn man keine gastlandflagge hat? Entweder nichts oder man bastelt sich eine, das habe ich gemacht. Dafür brauchte ich eine rote flagge, ein wenig blau und sterne. Diese sollten eigentlich weiß sein, aber die europafahne mit der von Marokko kombiniert geht auch. Am ende hängt das gute stück in sieben meter höhe und da fällt so einiges nicht auf.

20181010 samoa flagge

 

Ein nachtrag zu der berühmtesten insel im pazifik, Bora Bora. Ich fand sie geht so und stieß damit auf unverständnis. Es war die letzte insel in Französisch Polynesien und da war eine erwartung, von den atem verlieren bis noch länger bleiben. Doch mir war da zuviel wasserverkehr, und alle sind ganz wichtig. Zu viele stelzenhotels, zu oft fuhren die imitierten auslegerkanus mit touristen umher, dazu wurde auf der ukulele gezupft und gesungen. Alternativ konnte man boote mit fahrer mieten, zweimal dreihundert ps und der knackige braune kapitän trägt nur einen schwarzen langen schal, vorn ums gehänge und hinten durch die kimme gezogen. Braucht man so etwas wirklich? Die polynesier dürfen für den luxus der anderen arbeiten und wohnen in sehr miesen verhältnissen, das war auf anderen inseln besser. Die insel der verkauften träume und der nicht mehr vorhandenen geschichte der menschen.

 

Mal zwischendurch ein wochenbericht von fünf tagen. Rechts der rote anker ist Bora Bora am ersten tag. Die obere blaue route ist nach Samoa, die untere ist direkt nach Neuseeland. Der wind hat mich zu anfangs richtung süden getrieben und ich bin dabei, das wieder auszugleichen. Am achten und neunten sieht man deutlich die flaute. Bis zum zehnten habe ich nur zweihundertsiebzig meilen gesegelt, leider sind diese weg vom kurs. Bis nach Samoa sind es noch neunhundert.

woche 1

 

Seit genau einer woche bin ich jetzt wieder unterwegs und gestern abend war es ein sehr guter. Bei diesem achterlichen wind segele ich nur mit einem sehr weit ausgestellten gerefften großsegel und einer kleinen genua, die in der mitte profillos steht. Damit kann die windsteuerrung gut arbeiten. Nur zum sonnenuntergang stieg die geschwindigkeit auf sieben bis acht knoten, zuviel des guten. Ich bin jetzt heilfroh, die entscheidung getroffen zu haben, das großsegel zu bergen. Der regen fing vor einer stunde an und als alles auf dem baum festgebunden war, triefte ich klitschnass vor mich hin. Der oberste rutscher hatte auch schon keinen kontakt zum segelkopf mehr, mistbruch. Der genua gab ich noch ein wenig profil und das reichte für gute vier knoten in die nacht hinein.

Das bringt mich auf ein kleines thema, wind von welcher seite. Von rechts ist er in meinem schiff gut, das bad mit wc und die küche sind nutzbar. Von links ist der badbereich mit vorsicht zu genießen und in der pantry kocht man bergauf und das ist sehr schlecht. Wind von vorn geht nicht und daraus wird links oder rechts. Nur jetzt habe ich seit tagen achterlichen wind und wellen. Das ergebnis ist eine ekelige schaukelei von rumpffenster zu rumpffenster. Die töpfe muss ich am herd festbinden, die kardanik stoppt bei den endanschlägen. Und das bad wird zur gefahrenzone. Und dabei liegt das boot eigentlich satt im wasser. Wenn diese größeren wellen zum runtersurfen kommen, ist es gut. Nur wenn die etwas kleineren kommen, beginnt die schaukelei. Zusätzlich ist bei wind von hinten, dass auch der regen von dort kommt. Also luken dicht, auch wenn es warm ist. Das einzige, was noch recht stabil ist, ist mein schlafplatz im gang, mit wolldecken zum abpuffern. Warum tue ich mir das an? Weil ich rum will und es schon fast halb geschafft habe.

Heute ist mal eine samstagsbilanz fällig und die sieht gemischt aus. Die letzten drei tage waren vom meilenergebnis gut, alle tage über hundertundzehn und in richtung Apia. Seit über einem tag geht es nur mit der genua voran, wegen dem ausfall des oberen rutschers ist das groß nicht einsetzbar. Und da sind wir bei den problemen, die schaukelei. Ich gehe nicht in den mast und repariere den rutscher, ist mir zu heikel. Aus dem gleichen grund mache ich kein wasser, ich habe in der dusche kaum einen halt und blaue flecken bekomme ich so schon genug. Dummerweise ist das abgefüllte trinkwasser jetzt aufgebraucht. Somit werde ich es aus dem haupttank nehmen müssen.
Das nächste wasserproblem ist das schwarze. Der fäkalientank will seine ladung nicht hergeben, schuld daran sind die wellen und die schöne geschwindigkeit. So komisch das klingt, ich hoffe auf eine flaute, obwohl es nur noch unter sechshundertundfünfzig meilen noch sind.
Seit gestern abend ist auch der mond wieder vorhanden, fünf tage lang war es nachts duster. Ich hatte schon befürchtet, dass er einem experiment zum opfer gefallen sei, denn auch am tage konnte ich ihn nicht erblicken. Mit einer ganz kleinen sichel leuchtet er jetzt wieder.
Meine wettervorsage ist aufgebraucht und ich bin auch geographisch außerhalb der karte. Wollen wir mal hoffen, dass es so bleibt.

 

Der zweite fünftagebericht ist sehr erfreulich. Ich habe doppelt so viele meilen gesegelt, wie in der ersten woche, über fünfhundert. Der wind war sehr freundlich und so bin ich sogar über die geplante route vierzig meilen hinausgeschossen. Das groß musste aufgrund des schadens unten bleiben und so ging es nur mit der genua und achterlichem moderaten wind voran. Bis nach Samoa sind es unter fünfhundert meilen.

woche 2

 

Heute ist der elfte tag auf see, es ist trocken, windig und sonnig, ein richtig guter segeltag. Gestern habe ich noch das groß in drei meter höhe repariert. Der wichtige rutscher hat seine verbindung noch und der oberste hat eine provisorische, muss halten. Ist aber auch nicht so wichtig, ich segele zur zeit nur mit der genua zwischen vier und fünf knoten. Ein zusätzliches segel bringt nicht so viel mehr an geschwindigkeit auf diesen kursen.
Aber diese tour ist irgendwie anders und gut. Nur weiß ich noch nicht warum. Die düsen vom herd habe ich gestern wieder gesäubert, nun sind die flammen wieder gleichmäßig blau und heiß. Dazu noch eine richtige dusche und die windanzeige ist auch häufiger mit dabei. Es ist alles kein drama.
Dieser teil des pazifiks gefällt mir in diesem zustand, es wird nicht immer so sein. Der wind ist moderat, wie die wellen und die kurzen regenschauer kommen meistens am abend oder in der nacht. Die windsteueranlage arbeitet gut und das macht auch freude. Alles schon mal erlebt, nur gefällt es mir jetzt besser.

 

Und noch ein nachtrag zu Bora. Alain Gerbault, ein französischer weltumsegelheld zwischen den kriegen ist in Vaitae beigesetzt worden. Das ehrengrab lag in den fünfziger jahren im hafen an der wasserkante. Heute liegt es am rand eines parkplatzes, der hafen hat sich verändert und ist hinaus gewachsen. Ich habe das grab im vorbeigehen gesehen und nicht besonders beachtet.
Gerbault schrieb viele bücher, nicht nur über das segeln. Das erste mal war er anfang der zwanziger jahre in Französisch Polynesien. Seine zweite große reise begann anfang der dreißiger jahre und führte ihn wieder nach Bora Bora. In dieser zeit begann auch seine kritik an der kolonisation frankreichs. Er schrieb das buch „un paradis se meurt“ – ein paradies stirbt (oder wird ermordet?).
Das war in Frankreich gar nicht gern gesehen. Als De Gaulle die franzosen anfang der vierziger zu den waffen rief, wurde es für den homosexuellen hauptmann der reserve politisch sehr eng. Er verließ Bora Bora in richtung Timor, wo er kurz darauf verstarb. Nach dem krieg wurde er exhumiert und in Viatae beigesetzt. Gestern habe ich diese doku auf französisch ohne untertitel gesehen. Die aufnahmen von Bora vor siebzig jahren zeigen noch ein idyll, welches heute nur noch eine worthülse ist. Demokratie ist auch nur noch ein sinnbefreites wort. Ich bin gerade in seinem fahrwasser richtung westen.

 

Heute ist der zwölfte tag auf dem weg nach Apia. Alles ist recht moderat, ab und zu ändert sich etwas und unterm strich ist es gut. Tagsüber ist es heiß und dann suche ich den schatten unter dem laken. Die nächte sind fast durchschlafbar und keinerlei warnungen vom radar. Das heißt nichts, vielleicht zu grobe filter eingestellt, dennoch habe ich bislang keinen frachter versenkt.

20181016 sonnenschutz

 

Gestern abend war es merkwürdig. Kurz vor sonnenuntergang habe ich gegessen und bin nach unten zum abwaschen. Zwei töpfe, ein löffel und eine schale, das dauert nicht lange. Wieder oben an deck waren plötzlich aus zwanzig knoten wind, dreißig plus geworden. Aus einem gewitter auf der leeseite wurden dann drei achterliche ringsum. Schnell gerefft und dann drehte auch noch der wind um neunzig grad. Am ende habe ich das segel auf die andere seite geschifftet und die windsteuerung neu justiert. Am heutigen morgen war ich dann leider wieder unterhalb der geplanten route. Das ändere ich gerade wieder, dreihundert meilen vorm ziel.
In siebzig meilen entfernung ist Rose Island. Eine kleine naturschutzinsel, günstig um aufs riff zu laufen. Achtzig meilen weiter liegt schon America Samoa mit einer großen thunfischfangflotte. Diese wird also dort im gebiet herumangeln. Somit werden die nächsten nächte nicht so erholsam werden. Ergo ist es besser, einen kleinen abstand einzuhalten.

Es ist der achtzehnte oktober und der wassertank ist wieder voll. Zusätzlich habe ich noch fünfundzwanzig liter direktes trinkwasser in plastikflaschen abgefüllt und den watermaker konserviert. Bis Neuseeland sollte er eigentlich nicht mehr laufen müssen. Seit Papeete habe ich ungefähr siebzig liter wasser verbraucht, fürs duschen, kochen, jeden morgen einen liter für kaffee und zum nachspülen nach dem abwasch mit salzwasser. Zähneputzen und das gesicht säubern war auch mit enthalten. Getrunken habe ich das wasser aus der direkten zapfung.
Auch ist der kühlschrank seit vorgestern offen und aus, denn es ist keine frischware mehr an bord. Der anteil der schwarzen beschichtung war noch nicht so schlimm, dennoch wurde er heute gereinigt. Für viele wäre er schon sehr dreckig, doch glaube ich, dass es der kühlschrank nicht unter die tausend am ekeligsten verdrecken geschafft hätte.
Der sonnenaufgang und -untergang sind jetzt schon über eine stunde verschoben und in Samoa verliere ich einen ganzen tag an der datumsgrenze. Und ein weiteres eigentor habe ich gestern produziert, auf der wochenkarte gut sichtbar. Was zuerst gut war, ein kurs wieder über die route hinaus, hat sich am abend und besonders in der nacht zu einer neunzig grad kurve herausgearbeitet. Der wind lies immer mehr nach und ich habe das groß dazugenommen. Dadurch kam ich wenigstens auf drei knoten. Nur der wind drehte und mit ihm das schiff. Jetzt gegen mittag sind es noch zweihundertdreißig meilen, ich bin fast dort.
Am nachmittag gab es die erste schiffssichtung seitdem ich die letzte insel verlassen und die beiden anderen segler aus den augen verloren habe. Diesmal war es ein containerschiff mittlerer größe in drei meilen entfernung, es hatte denselben kurs. Eine gute gelegenheit, das radar zu justieren.

Am morgen war dann land in sicht, die ersten inseln von America Samoa. Der wind war gut nutzbar und um drei uhr hatte ich auch die zweite insel passiert. Der gewünschte etwas kräftigere und leicht gedrehte wind wurden prompt geliefert. Jetzt drei stunden später ist er noch immer am blasen. Sechs bis über acht knoten fährt das schiff mit dem achterlichen bis raumschot wind. Ich habe nicht das gefühl eines reffvorgangs, allerdings muss der autopilot steuern. Nur noch sechsundneunzig meilen bis Apia. Wenn der wind anhält, bin ich morgen nachmittag im hafen.

 

Der dritte fünftagebericht ist auch sehr erfreulich. Ich habe fünfhundertundzwanzig meilen gesegelt. Der letzte tag und die nacht waren sehr schnell, bis zu acht komma acht knoten. Der wind war schon wieder sehr freundlich, an nur einem tag bin ich in einer großen kurve von der geplante route abgekommen. Das groß wurde aufgrund einer kurzen flaute eingesetzt und blieb bis Apia oben. Der südostpassat war sehr moderat. Die roten bojen sind inselchen, die umfahren werden mussten. Bis nach Samoa sind es unter vierzig meilen.

woche 3

 

Schon um zehn uhr fiel der anker nach der aufforderung der port control und ich bin in Apia angekommen. Seit dem ersten sichtkontakt mit america samoa vor hundertsiebzig meilen sind dreißig stunden vergangen, das ist sehr schnell. Für die elfhundertundsiebzig meilen geplante route habe ich effektiv dreizehnhundertfünfzig gebraucht. Das ganze in fünfzehn tagen, wie geplant. Ich bin nicht besser geworden, dann es ist der relativ konstante südostpassat.

Dass es gut war, wie es war, weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, weiß man gleich. Dieser teil der welt, Französisch Polynesien von den Marquesas bis Bora Bora hat mir gefallen. Kann ich mir vielleicht noch einmal anschauen.

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018 | Kommentare deaktiviert

Hello Tahiti

Es ist alles sehr, sehr teuer hier. Die marina saugt einem die kohle unter den fingernägeln heraus, fast vierzig euro die nacht plus strom und wasser. Dafür ist das wifi sehr langsam und nicht am schiff zu empfangen.
Meine erste aktion ist der besuch eines zahnarztes, um den backenzahn zu retten.

Damit ich ein wenig luft habe, ist die marina für eine woche meine. Es funktioniert hier fast alles, und ich habe die zeit, meine baustellen zu reduzieren. Die baustelle zahn ist für sechzig euro behoben oder aufgeschoben. Beim nächsten mal geht der zahn von bord, er ist schon gebrochen, schade.
Die nächste baustelle ist auch schon behoben, der oberwantenbeschlag, und eine neue ist dafür hinzu gekommen. Alles hatte ich so schön vorbereitet, die deckenverkleidungen innen abgeschraubt und wollte noch die isolierung entfernen. Habe ich dann doch sein gelassen, zu viel dreck und styrodur brennt nicht, schmilzt nur. Ich wollte noch ein brett im deckenbereich als abdeckung darunter stellen, habe ich aber vergessen.
Das schweißen ging unerwarteterweise sehr gut, ab und zu habe ich unten mal vorbei geschaut, alles war ok. Und dann hatte ich so einen guten run mit dem schweißen, die sticke zündeten super und das resultat war für mich sehr akzeptabel. Es fiel mir noch auf, dass nur noch vier zentimeter zum vollkreis fehlten, dann wäre die halterung ab gewesen. Dann nochmal nach unten schauen und da kam auch schon der qualm heraus. Etwas heißes war auf einen plastikdeckel getropft, dieser brannte, das styrodur ist weggeschmolzen, das küchenregal durch die strahlungshitze schwarz gekokelt und ein handtuch glimmte vor sich hin. Schön, dass ich meine schweißerhandschuhe an hatte und so das feuer löschen konnte. Dumm war nur das geschmolzene plastik auf dem handschuh. Das hätte sehr böse enden können, glück gehabt. Was beim aufräumen noch ekelig ist, brennendes styropor erzeugt kleine schwarze fäden und die sind jetzt weit verbreitet im schiff, dreck.

20180908 brandopfer

 

20180908 brandopfer isolierung

 

Unten im schiff ist alles durcheinander, die nächste baustelle habe ich eröffnet. Die motorfundamente im vorderen bereich werden erneuert, habe ich noch von den Falklands auf lager. Dafür muss aber der generator weg, die batterien darunter raus und der warmwasserboiler muss auch weg. Das alles ist schon ein akt und den boiler habe ich dann auch gleich versetzt, einen meter weiter zum bug. Das hätte ich schon in Berlin machen können, nur damals war er fast neu und heute habe ich die hülle mit dem zwei kilogramm hammer bearbeitet. Nun passt er unter das bodenbrett. Mit einem neuen macht man so etwas nicht.

20180909 boiler

 

20180909 boiler neuer platz

 

Heute habe ich das chaos zum sonnenaufgang verlassen, es ist Sonntag, markttag in der halle und auf den straßen davor. Es ist jeden tag markt, nur heute ist mehr davon. Warum ich gestern fisch im supermarkt gekauft habe, weiß ich heute auch nicht mehr, in der halle gab es davon reichlich und geruchsintensiv. In der anderen halle sind die asiaten zahlreich am zerhacken von gegarten gänsebrüsten, hühnern oder riesigen portionen vom schwein. Gern auch mal was rohes dazwischen. Vor dem frühstück meldete sich mein magen mit warnungen bei den gerüchen. Zwischen dem fleisch und dem fisch gab es backwaren, warum dort, wer weiß. Ich habe mir zwei schokocroissants gegönnt, der preis war überall gleich.
Draußen gibt es dann alles in schälchen und die haben ihren preis. Man sucht aus, es kommt in eine tüte und das geld wechselt den besitzer. Nur beim eierverkäufer lief das nicht so glatt. Dort gibt es immer nur eine große palette von fünfundzwanzig stück und ich wollte nur zwölf. Macht er nicht, obwohl er schon die dutzendpackung gefüllt hatte. Dann eben bei der nächsten eierfrau. Nach den karotten, tomaten, salat, paprika und gurken habe ich mir noch drei kleine wassermelonen gegönnt. Und wieder zurück zum chaos, kaffee mit dem gebäck zum frühstück. Die fotos sind vom wochentag, am Sonntag ist es zu eng, zu viel gedrängel und mehr diebe.

20180910 markthalle

 

20180910 markthalle

 

Eine information an die leserschaft und besonders an diejenigen, die kommentare absenden. Ich zensiere eigentlich nichts, aber ich habe einen spamfilter und da gibt es einstellungen, damit roboter mich nicht zutexten. Auch gibt es einen länderfilter und jetzt kommt der punkt: Falsches land und der kommentar ist in der quarantäne und wird automatisch nach vier tagen gelöscht, wenn ich nicht einschreite. Nur während ich auf dem meer bin, kann ich nicht handeln. Ich bekomme nur eine mail mit dem inhalt des kommentars und deshalb erfahre ich es überhaupt. Also bitte nicht böse sein, wenn das geschriebene nicht erscheint, danke zum beispiel an Hugo für seine textergänzung, du oder dein server waren im falschen land.

Die motorfundamente sind noch am Sonntag fertig geworden, die halterung vorne links ist nicht ohne richtigen aufwand lösbar. Dafür müsste die seewasserpumpe entfernt werden, um an die schrauben heranzukommen. Dann fast alles tastend in einem halben meter tiefe, gibt nur weiteren ärger. Irgendwie habe ich den motor mit den fundamentschrauben und am ende mit einem wagenheber leicht hoch bekommen. Das in sich zerlegte fundament raus, das neue angepasst, austausch und absenken. Ich bin nicht glücklich mit der lösung, der gummipuffer hat nur eine schraube zum motorwannenblech bekommen, muss halten. Beim probelauf hat sich Mr Perkins nicht so sehr bewegt und beim ausschalten nicht so gerüttelt.

Da vieles zugänglicher als sonst ist, habe ich am Montag den hauptölfilter gewechselt, ein wenig öl hinzu und fertig. Danach bin ich zum batterien suchen durch die stadt gelaufen. Die läden sind verteilt und so habe ich gegenden gesehen, die ich sonst nicht betreten hätte. Im ersten marinezubehörladen wurde die standard hundert amperestunden batterie in agm technologie für dreihundertachtzig euronen aufgerufen. Und ich brauche zwei davon. Um die ecke gab es ein autozubehörgeschäft mit einer markenware zu zweihundertzwanzig oder ohne marke für hundertfünfzig euro das stück. Geht doch und schon hatte ich sie fast gekauft.
Die temperaturen stiegen schon auf dreißig grad, der nächste marineladen machte mittagspause und ich habe mich auch irgendwo an einem stinkenden kanal im schatten ausgeruht. Auf der anderen seite war ein geschäftiges treiben, aber so nicht auszumachen. Es stellte sich als gartenbaumarkt heraus und dieser hatte als promo die batterie für neunzig euro. Kein agm, aber wartungsfrei, das reicht. Meine lichtmaschine macht sowieso nicht genügend volt für die teuren batterien, also das ist ok.
Dann noch einen letzten dealer angelaufen, der konnte aber nichts und zurück zum schiff. Die gute alte handkarre herausgekramt und wieder zum gartenmarkt. Mal sehen wie lange diese teile halten, wenn es nur ein viertel der zeit der teuren batterien ist, passt es immer noch.
Am schiff nassgeschwitzt angekommen, das blei ins schiff gewuchtet und eingebaut. Erster fehler, die pole sind vertauscht, hatte ich nicht richtig bedacht. Passt aber trotzdem und der anlassser zieht sauber durch, hurra. Wenn nach dem ausschalten nur nicht dieses plätschern wäre.
Ich hasse diese selbstverursachten mißgeschicke und schreien hilft da auch nicht so richtig. Den öleinfülldeckel habe ich nicht wieder reingeschraubt und dort ist auch der rücklauf des nebenstromfilters dran. So pisste dort das schöne motoröl heraus und sammelte sich, nachdem es über den ganzen motor gelaufen ist, in der wanne bei den motorfundamenten. Hat man keine arbeit, macht man sich welche.

Vielleicht sollte es ja so kommen, es war viel öl, zwei normale, eine sehr große küchenrolle und ein paar lappen mussten kräftig saugen, um das große blech unter dem motor zu säubern. Ich habe fünf liter wieder aufgefüllt und somit war es der erste ölwechsel nach achtzehnhundert stunden. Die eiserne motorölreserve ist jetzt in der benutzung und einen neuen kanister habe ich gestern dann auch gleich noch gekauft.
Zur mittagszeit war ich noch einmal beim zahnarzt, durch eine plötzliche gehstoppbewegung hatte ich die beiden kauleisten aufeinander gepresst, die zunge war glücklicherweise nicht dazwischen. Nur eine ecke der neuen füllung war danach im mund. Ein patient war vor mir da, also bitte warten.
Da hat man zeit zum nachdenken und so langsam kamen mir gedanken zum spannungsabfall von batterien während des startens, die scheinbar ok sind, in den kopf. Da das bei mir der fall war, konnte während dieser zeit das magnetventil auch nicht ziehen und den diesel frei geben. Am abend hatte ich es dann wieder eingebaut, funktioniert wieder. Ein guter tag für Mr Perkins, frisches öl und ein intaktes ventil.
Für mich lief es dann nicht so gut, durch den biss ist der zahn weiter gebrochen und locker. In zwei stunden, morgens um acht kommt er raus, der zweite zahn in meinem leben, ade.

Dafür, dass er gewackelt hat, war er noch sehr fest verankert. Viel betäubung hilft viel, trotzdem bleibt so ein merkwürdiges gefühl beim herausreissen. Das war der problemzahn mit der nervigen wurzel. Dass das ganze aber so blutig wurde, habe ich nicht gedacht, eine erinnerung an einen schlachthof kam auf.
Nichts heißes essen, keinen sport treiben, wenig bewegen, was kühles und keine akrobatik. Somit war kein masttag angesagt und die aufgaben müssen am Do erledigt werden. Ich bin stattdessen zur motu-uta gelaufen, namensgeberin meiner hauptbausponsorin. Luftline unter tausend meter, nur ich musste außen herum zur ehemaligen insel laufen. Dort hat sich der zoll niedergelassen und der gibt einem einen zettel für duty free diesel. Das ging super schnell und war sehr einfach. Bei der rückkehr war intensives kühlen des mundraumes angesagt.

Einen tag vor der abfahrt aus dieser marina war dann doch noch gerödel. Mehrfach war ich im mast, weil ich das richtige werkzeug nicht dabei hatten, aber am nachmittag war die liste abgearbeitet und das chaos im schiff grob beseitigt. Morgen am Fr geht es fünf meilen weiter zur anderen marina, dort kann man draußen auch ankern.

War das ein erholsamer aufenthalt in dieser marina Papeete, eher nicht. Das war mir vorher klar. Der romantische ankerplatz zur hafenmole, den tausende segler bis in die späten neunziger genutzt haben, ist der marina zum opfer gefallen. Damals lag man mit dem heck zur mauer und kostenfrei. Die vierspurige straße nahm man in kauf. Heute zahlt man viel geld für eine sechsspurige hauptstraße. Morgens um fünf fängt der verkehr an und endet spät abends. Dann gibt es auf der anderen seite ein nachtlokal mit livemusik, die gassenhauer der letzten vierzig jahre. Kein schönes erlebnis. Das einkaufen von hier ist weit, nur der markt ist nah. Auch sind die mobilen restaurants nur fünf minuten weit entfernt und so wollte ich am letzten abend dort vieles probieren. Der zahn kam dazwischen, kein streetfood.
Papeete ist recht groß, vieles ist heruntergekommen, zu vermieten oder abbruchreif. Etwas richtig altes gibt es nicht, nur der kleine park auf der anderen straßenseite. Man muss hier nicht unbedingt den hafen anlaufen.

Am vormittag habe ich mich dann davongemacht, in richtung der anderen marina. Wieder einmal vergebens den port control gerufen und das jeweils zweimal, auch vor der landebahn des flughafens. Keine antwort, also habe ich den besonderen bereich nach einem flugzeugstart schnell überquert. Ich weiß nicht, ob die böllerschüsse mir golten, ich war aus meiner sicht keine gefahr. Am anderen ende das gleiche spiel. Von oben habe ich unten im funkgerät gebrabbel gehört, vielleicht auch meinen schiffsnamen, nun denn. Heute habe ich mal die handfunke durchgemessen und zwei kabel hatten keinen durchgang, kein lautsprecher und kein was weiß ich. Also dieses kabel muss neu.
Als ich beim flughafen um die ecke bog, traute ich meinen augen nicht, über hundert schiffe liegen hier vor anker oder an einer mooring. Eine lücke zur marina habe ich gefunden, nachdem ich den zollfreien sprit getankt habe. Das ist reichlich diesel für dreiundsiebzig cent pro liter, bis neuseeland mindestens. Die marina ist römisch katholisch und ich mag das nicht, schwer einhandtauglich. Mein plan sieht es vor, am Mo wieder hier aufzubrechen, da es reichlich wind gibt und der stimmt für den weg rüber nach Moorea.

Aber der plan ging schon wieder nicht auf, zuerst kein wind, dann ein wenig, danach zehn minuten reines segeln und am ende wieder einrollen. Dazu teilweise regen bis kurz vorm pass in Moorea. Die wolken waren noch tief, aber unten konnte ich gut sehen, einen platz suchen und den anker wieder fallen lassen. Jetzt bin ich in einer der bekanntesten buchten der welt und es ist dauerregen, so ein mist. Aber irgendwann kommt auch die sonne zurück.

20180918 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Heute morgen konnte ich draußen frühstücken, der regen hatte am späten abend aufgehört. Nach dem baguette jedoch kam der niesel zurück. Die cookbay im regen, na schön. Meine vorstellung dieses platzes war vielleicht auch realitätsfern. Rings um die bucht verläuft eine straße und das ist ab und zu laut. Der fluss, der hier endet, bring viel sediment mit sich, das wasser wird sehr braun, türkis ist es sonst. Aber im großen und ganzen ist es recht nett, die schiffe hängen nicht so dicht bei einander, man hat platz.

20180918 cookbay regen

 

Das war am letzten ankerplatz nicht der fall und zum wochenende wurde es richtig nervig. Jeder der ein motorboot, jetski oder ähnliches hat musste da lang fahren, mit vollgas am ankerfeld vorbei. Ich hoffe, dass seine schraube einen schaden bekommen hat, derjenige, der meine ankerplastikflasche abgefahren hat.

Es sind nicht die bellenden und heulenden hunde in der nacht, nicht die knatternden mopeds oder die ausflugstouristen auf den gelben quads in fünfergruppen. Diese bucht hat ihre guten zeiten vor dreißig bis vierzig jahren gehabt, dann gab es einen boom mit urlaubern, die etwas besonderes haben wollten. Die ressorts und hotelanlagen entstanden und noch mehr leute kamen und noch mehr verkehr. Und schon war die küstenstrasse laut und die ersten kleinen hotels mussten schließen und verfallen langsam. Ich wiederhole mich, aber hier rottet es vor sich hin. Die defekten baumaschinen am ende der bucht stammen aus den guten zeiten, heute sind sie zugewachsen und rosten weiter. Viele der häuser sind verlassen und haben das gleiche schicksal.

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

20180919 cookbay

 

Eine bucht bin ich weiter und hier sieht es besser aus, von weitem sehr gepflegt und bewohnt. Am anfang haben sich die schiffe gehäuft, am riff so um die dreißig bötchen und am ende der bucht keins. Mich hat es dann auch in die mitte gezogen, dort war ein neueres schiff und altlasten. Das ganze vor einem magasin, was will man hier mehr. Die auswahl ist aber schlechter, als auf den atollen. Warum sich nur die menschen mit schiffen als herdentrieb auf einem fleck sammeln müssen.

20180919 cookbay nachbarbucht

 

Mein nächstes ziel wird morgen früh in hundert meilen entfernung erreicht werden. Somit habe ich gute dreißig stunden zeit, um durch den pass von Raiatea zu fahren und zu ankern, ohne verlust.

Veröffentlicht unter innenausbau, motivation, Refit, Reise_2018 | Kommentare deaktiviert

Ade Marquesas, auf nach Tahiti

Meine letzte insel der Marquesas, Ua Pou, war mit die beste, vielleicht weil es die finale war. Die letzte insel auf den Kap Verden gefiel mir auch am besten, unter anderem weil sie sehr grün war. Der hauptort hier war gut ausgestattet, ich zählte vier läden, alle mit dem gleichen sortiment, immerhin kleine abweichungen waren auszumachen. Oder es gab ein erweiterungsangebot im non-food bereich. Beim zweiten landgang mit dem schlauchboot blieb ich trocken, habe viel geld gelassen und werde bis Tahiti nicht verhungern.

Der hafen war soweit ok, aber viel bewegung im schiff, und es gibt ja noch mehr plätze auf der insel.

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180813 hafenblick hakahau

 

20180814 hausberg hakahau

 

Der nächste kleine hafen von Hakahetau ist nur fünf meilen entfernt, eine stunde. Ich war das dritte schiff und es wurden fünf. Die hafenmole war neu und noch in keinem bericht erwähnt, und so kam ich am nächsten tag wieder trocken an land. Von dem einen laden gäbe es zwei, hieß es, jedoch von außen nicht sichtbar, und sie waren zur mittagszeit auch zu, schade.

Mein landausflug diente der obstbeschaffung und dem besuch des wasserfalls, den es hier geben soll. Diesen habe ich sofort gefunden, nach einer stunde bergauf laufen. Zu Manfred, einem deutschen, der hier schokolade herstellt, habe ich es nicht geschafft. Das wären noch zusätzliche drei kilometer gewesen, bergauf.

Der blick vom ort herunter war sehenswert. Das feuer, das durch den ganzen ort zieht, stammt von einer baustelle für ein neues haus. Dafür musste ein riesiger mangobaum gefällt werden und der wird jetzt jeden tag stück für stück verbrannt.

20180813 hafenblick hakahetau

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht

 

20180815 hakahetau landsicht feuer

 

Der wasserfall war vielleicht zehn meter hoch, das wasser sogar mit badetemperatur. Also für meine füße war es ok. Was mir gefiel, waren die vielen erklärungen zur entstehung des ortes, vulkanaktivitäten, erste besiedlungen und an vielen bäumen informationen zur art. Leider nur auf französisch und für mich nur mit brille.

Die zunahme an zäunen hatte ich schon erwähnt, glaube ich, hier gab es sogar stacheldraht am weg zum wasserfall. Vielleicht haben sich zu viele segler bedient, ich habe meistens nur das fallobst genommen.

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

20180815 hakahetau wasserfall

 

Noch einmal vier seemeilen weiter und ich habe anderntags die absprungsbucht für den nächsten törn erreicht. Mal wieder eine für mich allein, hohe felswände und blaues wasser. Das unterwasserschiff habe ich dann noch kurz mit der bürste bearbeitet, ging noch. Nur habe ich neue bewohner am schiffsrumpf, kleine krebse. Die größeren sind schwarz und in daumennagelgröße, die kleineren sind blass. Diese habe ich auch im wasserfilter gefunden. Die eltern habe ich in Atuona im hafen gesehen und die sind handgroß. In dem leckeren hafenwasser von sehr vielen seglern und einem bach lebt es sich recht gut. Die brut reist nun mit mir, mal sehen wie lange.

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

20180815 hakaotu bucht

 

Dann los. Zum anfang war es mühsam, aus dem windschatten der insel herauszukommen. Da half wieder einmal der motor, strom war auch noch auf der bedarfsliste. Und dann lief es, der richtige kurs, mäßige geschwindigkeit und alles nur unter segeln. Das erste mal seit über drei wochen, dass beide segel im gerefften zustand oben sind. Leider muss ich wohl bis Tahiti auf der steuerbordseite segeln. Das bedeutet, dass das angeschlagene oberwant belastet wird, also alles mit reduzierter segelbelastung.

20180816 letzte bucht

 

20180816 letzte kueste

 

20180816 letzte sicht

 

Die erste nacht war so lala, immer im kopf das want und was für ein geräusch macht eigentlich zerreißendes metall. Am morgen war noch alles vorhanden, in der nacht hatte ich vorsichtshalber die genua ein wenig eingerollt.

Der neue tag auf see bringt mehr wind und es geht sehr gut voran. Wenn das schiff mal unter fünf knoten segelt, denke ich, es steht. Alles im gerefften zustand und es läuft um sechs knoten, super segeln.

Der nächste spannende augenblick ist in dreihundert meilen entfernung. Die route geht durch ein paar motus, also riffinseln eines atolls hindurch. Wenn es passt, halte ich mal an.

Ein kleineres problem besteht seit ein paar tagen und wird durch konsum beseitigt. Mein zweiter brauansatz ging nach hinten los. Das bier schmeckt, aber es hat viel zu viel kohlensäure. Der fehler ist zum einen eine zu frühe abfüllung nach sechs tagen der ersten fermentation. Ich dachte, bei der temperatur wäre das möglich. Zum anderen habe ich den ganzen brauansatz durchgerührt und zu viel zucker hineingegeben. Früher habe ich mit einem teelöffel den zucker in jede flasche gefüllt, viel zu aufwendig. Nun aber ist so viel druck auf den flaschen, dass die erste vor fünf tagen beim umfallen zerplatzt ist. Klebriger gerstensaft in der mittelkabine, schön mit vielen kleinen glassplittern vermischt. Diese sind auf der barfußroute besonders unfreundlich. Vor vier tagen dann ein plopp und zisch, die nächste flasche in scherben, an der sollbruchstelle des bodens. Wieder ist die flüssigkeit im bodenbrettbereich versickert.

An dem abend und am folgenden habe ich alle flaschen leicht geöffnet bis der schaum kam und den druck abgelassen. Danach die flaschen gesäubert. Bisher keine weiteren explosionen, jedoch beim öffnen der flaschen kommt noch immer ein schwell heraus, also nur in der plicht trinkbar, mit anschließender wasserreinigung der eigenen person, mist.

 

Das war gestern einer der besten segeltage im Pazifik. Sonne, wind, kaum wellen und der kurs stimmte. Es wurde ein etmal von hundertdreißig meilen, eine seltenheit. Auch fährt das schiff hier besser, schneller, es muss wohl an den fehlenden wellen liegen, denn sonst hat sich nicht viel geändert. Es ging halt alles zu gut, das schiff ist heil geblieben. Aber nach meiner abendlichen zahnpflege musste noch die zahnseide für ein stück kokosnuss herangezogen werden. Und diese zog dann auch ein großes stück backenzahn heraus. Die zunge fühlt einen kilometer tiefen krater, keine schmerzen, nur sehr blöde. In der nacht habe ich von zahnarztbesuchen geträumt, nur die waren in Hamburg,nicht mal eben um die ecke. Meine lösung bis zum arzt ist eine füllung aus küchenpapier. Das hält eine gute zeit lang, wenn die zunge nicht daran rumspielt.

Auch hat sich gestern mein zwischenstop konkretisiert, es werden die atolle Ahe und Rangiroa werden. Dafür habe ich französische unterlagen, die ich nur noch übersetzen muss. Bis nach Ahe sind es jetzt noch zweihundertfünfzig seemeilen. Dann muss nur noch die zeit mit der flut kombiniert werden, damit ich unfallfrei durch den pass komme.

 

Also das war mal ein anderer tag als immer nur sonne. Es fing mit leichtem nieselregen zum frühkaffee an, dann etwas mehr mit unterbrechungen und zum mittag wieder alles trocken. Leider kam am nachmittag mehr regen und wind. Ich habe meine leichten segelklamotten angezogen und mich nach draußen ins nasse gesetzt. Damit alles unter kontrolle blieb, lief der autopilot, und ich habe je nach dunkler wolke nachjustiert. Zum abend hin war alles wieder normal und ich durchnass. Die nacht war dafür mies. Zur nacht hin lief der motor für den strom und dann war es richtig warm im schiff. Oben fing der nieselregen von achtern an, also luken dicht.

Heute morgen, nachdem ich die nachtreffung aufgehoben hatte, kamen schon wieder dunkelste wolken an, aber es blieb trocken. Dann bei der nächsten habe ich mal eine halse gefahren, weg von der wolke und zum guten kurs. Und siehe da, statt schlechter drei knoten, lief das schiff fünf und nachher bis zu sieben. Zwischendurch gab es ein paar vitamine.

20180820 zweites fruehstueck

 

Es ist gerade sonnenuntergang am vierten tag auf see und vor ein paar stunden ist die entscheidung gefallen. Als ich den kopf wieder aus der luke gesteckt hatte, habe ich den ersten segler auf see in diesem jahr gesehen. Er nimmt den kurs richtung Papeete. Ich werde Ahe ansteuern, kartenmaterial, eine pdf-beschreibung und eine buchbeschreibung sind vorhanden. Und jetzt wird es spannend, es sind noch hundertfünfundzwanzig meilen bis zum pass. Schaffe ich einen durchschnitt von über fünf knoten, komme ich im hellen da durch. Aber das gute ist, der pass hat auch eine beleuchtete tonne, wenn die stromrechnung bezahlt wurde.

Morgens um vier uhr habe ich den tagtraum erstmal eingestellt. Am abend hatte ich noch eine weitere yacht gesehen oder deren grünen lichtbereich richtung Papeete. Dann war ruhe bis um drei, das radar meldete sich. Sechs meilen entfernt kam ein weißes licht, aber nur langsam. Somit blieb ich erstmal wach, das radar war mit dem schiff nicht brauchbar. Und dann hörte der wind auf, die segel schlugen nur noch, also alles runter. Inzwischen war das andere schiff irgendwo hinter mir und bog auch in richtung der hauptinsel ab. Schön wäre ein positionslicht gewesen und kein blinkendes weiß.

Jetzt ist es neun uhr und seit einer stunde segelt mein schiff wieder, der wind ist zurück. Nur sind es noch achtzig meilen, also das ziel ist bei helligkeit nicht mehr zu erreichen. Und wenn meine alte wettervorhersage noch stimmt, kommt bald ein winddreher mit flaute. Also bis dahin will ich im atoll sein.

 

Jetzt ist es mittag und noch über sechzig meilen bis zum atoll. Wir fahren fünf bis sechs knoten, aber das reicht noch nicht, in siebeneinhalb stunden geht das große licht aus. Der mond ist zwar auch sehr groß, hilft aber bei korallen nicht so gut. Außerdem wird die schiffsdichte höher, schon wieder ist mir eines entgegen gekommen.

Noch vierzig meilen bis zum pass und das schiff läuft um sechs knoten. Warum nicht schon heute nacht. Es ist nachmittag, noch vier sonnenstunden vor mir. Bei der geschwindigkeit sollte eigentlich mal ein fisch beißen und hat er wohl auch. War aber etwas größer, als es die angelsehne aushält. Vierzig meter davon und eine tintenfischatrappe zieren nun einen gierigen fisch, der nicht in meiner pfanne gelandet ist. Da hätte auch ein vorfach nicht geholfen, danke für die tipps.

Immer noch auf dem weg nach Ahe: seit einer stunde ist eine planänderung eingetreten. Der wind hat den ganzen tag gedreht, von raumschots bis jetzt hoch am wind, leider zu hoch. Ich komme nicht über die nordseite des atolls und werde unten herum fahren. Damit ich nicht an der ersten insel auflaufe, muss Mr Perkins im standgas die nötige höhe liefern, in einer stunde bin ich von diesem atoll frei. Dann ist auch die sonne untergegangen. Meine idee ist, dass der wind noch weiter dreht und ich nachher an der westseite wieder hochsegeln kann, mal sehen.

20180820 atoll aussen

 

20180820 atoll aussen

 

Um neun uhr abends habe ich den kurs wegen eingestelltem wind wieder geändert. Entweder neunzehn seemeilen oben herum motoren oder einunddreißig seemeilen unten herum. Die entscheidung war einfach, die see recht platt und der restwind nicht hinderlich.

Um ein uhr bin ich durch den pass getuckert und am ende gab es viele strudel, die ich nicht sehen konnte. Deshalb fahre ich eigentlich gern mit dem autopilot da hindurch, hatte ihn aber nicht an. Es ist gut gegangen, der felsen rechts kam nicht so nah und danach war es ein ententeich mit abgesteckter strecke. Um zwei uhr fiel der erste anker, nicht an dem angedachten punkt in sechzehn meter, sondern ich fand einen in der nähe des riffs in zehn meter. Anker fallen lassen, dreifache kette gesteckt und ich war sehr langsam, aber zu schnell für den anker. Ein kräftiger lauter ruck, der bug tauchte ein wenig ab und ich beobachtete meine position. Nur das war sehr schwer, das wasser war schwarz und ich konnte nichts erkennen. Hat er nun gehalten oder nicht, mal nach vorn gehen. Dort war nur noch ein rest kette an der winsch, richtig große dampfende scheiße.

Das wasser wurde immer flacher und ich trieb fast in die korallen, mit weniger als einem meter unterm kiel. Gerade noch rückwärts raus und wieder ins tiefe. Es war erstaunlich, wie schnell ich den zweiten anker aus seinem versteck gezogen hatte, einen neuen schäkel zur kette ausgegraben hatte und in die nähe des tatorts zurückgefahren war. Diesmal vorsichtiger mit dem zweiten und um halbdrei war ende. Am morgen wird sich mehr sehen lassen.

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

20180821 atoll ankerplatz

 

Gestern hatte ich mir in gedanken noch ausgemalt, was wäre, wenn die kette reißen würde, wie den anker retten und so weiter, in zwanzig variationen. Es kam aber besser, meine trippleine mit der leeren flasche schwamm fünfzig meter neben mir. Schlauchboot fertig machen, flossen und brille, seil mit ankerkralle und los. Am himmel braute sich auch etwas zusammen und mit dem hilfsanker war mir nicht wohl.

Das schwierigste war es, den über dreißig kilo schweren anker ins schlauchboot zu ziehen, vor dem frühstück. Danach die kette war sehr einfach, sie hatte sich zum glück nicht verhakt. Zurück zum schiff und alles wieder an deck bringen, immer noch kein frühstück, nur den zweiten becher kaffee.

20180821 ankerrettung

 

Dann lief alles nach plan ab, wieder ins tiefe wasser, ankerkette mit einem notglied verbinden, anker tauschen, kette zurück in den kasten und zum richtigen ankerplatz fahren. Dort lagen schon zwei boote, ohne ankerlicht, das wäre in der nacht noch aktiger geworden. Diesmal riss die kette nicht, anker hält.

Nach der wichtigen dusche und dem dritten kaffee habe ich noch den sonnenschutz über die plicht gebunden und dann fing der heftige regen mit wind an, just in time. Das hätte auch alles nach richtig hinten losgehen können während der ankerbergung, glück gehabt. Somit haben sich die ausgaben für eine ankerkralle, notglied, zweitanker und meine trippleine schon amortisiert.

 

Ein neuer tag und dieses atoll sieht schon ganz anders aus. Die blautöne im wasser sind klasse und die graubraun töne der korallenköpfe majestätisch. Einer dieser ist am heck meines schiffes, bei niedrigwasser komme ich mit den spitzen der flossen daran. Das müsste eigentlich reichen oder das schiff muss es aushalten können.

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

20180822 atoll blau

 

Da die ganze umgebung hier zwar schön, aber trotzdem nicht so spannend ist, werde ich morgen weiter fahren und mir das nächste atoll anschauen. Diesmal ist der weg mit den uhrzeiten abgestimmt, sollte passen.

Hier auf Ahe kenne ich schon den ganzen ort, kirche, krankenhaus, schule, post, zwei läden und ein imbiss. Das war es schon, ich habe vier autos gezählt, plus zwei schrottleichen. Das wasser soll hier verdammt teuer sein, sieht man auch schon an den vielen wassertanks als auffang bei regen. Vom meer bis zum binnenwasser kann man durchblicken und viele gebäude sind abbruchwürdig, reste vom letzten taifun. Ich habe keine mangos oder pampelmusen gefunden, nur kokosnüsse. Möchte man in diesen südseetraum leben, ich noch nicht.

20180821 ahe hafen

 

20180821 atoll bruecke

 

20180821 atoll meerseite

 

20180821 atoll strasse

 

20180821 atoll zufluss

 

Das atoll hat mich ein bisschen an das Stettiner Haff erinnert. Ein binnenmeer mit betonnten wegen, untiefen und fischernetzen. Am rande bäume oder bewuchs. Hier sind es palmen, das wasser sieht besser und wärmer aus.

Die planung für den Donnerstagnachmitag war genau richtig. Ankerauf und zum pass motoren, um dort bei ruhigem wasser anzukommen. Dann nur noch hinaus, lief besser als hinein und die segel setzen, gleich für die nacht. Der kurs nach Rangiroa war fast mit der windsteuerung möglich. Nur als ich aus der atollabdeckung heraus war, kam eine eklige welle von der seite. Das schiff rollte von der einen zur anderen seite, eine schlechte nacht. Am morgen waren es dann nur noch zwanzig meilen bis zum nächsten pass. Mal sehen, was das größte atoll der gruppe so kann.

Nach einundzwanzig stunden war ich am ziel und habe den anker im grünen wasser fallen lassen. Ein schlechter ankerplatz, wie er im buch beschrieben worden ist, aber machbar. Mit dem schlauchboot ohne motor bin ich per anhalter in den kleinen hafen gezogen worden. Nur rudern wäre bei der querwelle richtig nass geworden.

Der erste ort hat einige kleine ‚magasins‘ und sieht aufgeräumt aus. Doch sind auch dort viele verfallene häuser und daneben gepflegte grundstücke. Ich habe keine mangos gesehen, nur unreife papayas auf einem verlassenen grundstück. Die zwei kirchen beherrschen die menschen. Viele autos an ihrem lebensende sind hier gestorben und verharren in den gärten. Ohne tüv laufen sie länger, jedoch zerfrisst das salzwasser die hülle. Alles im allem wirkt er ein wenig abgerockt, der ort Tiputa.

 

Ortswechsel bei der rückkehr aufs schiff auf die andere seite des passes. Hier dominiert eine große hotelanlage im inselstil, mit häusern auf stelzen, die dächer aus kokosblättergeflecht. Zwölf schiffe liegen hier vor anker, viele große hässliche kats über fünfzig fuß und icke mitten drin. Dazu kommt der viele kleinschiffsverkehr von dem hotel Kia Ora zum schnorcheln oder tauchen am riff. Und die bootseigner juckeln auch herum.

Hier ist es eine leicht andere welt und nur durch den pass getrennt. Wer hier an land wohnt, gehört zur versorgung oder technik für die tauchschulen oder fürs hotel. Weitere pensionen haben sich auch angesiedelt. Die preise vom großen magasin haben sich an den großen schiffen orientiert, teurer als sonst.

 

Das wetter wird in drei tagen ungemütlich werden auf dem weg nach Papeete, oder in vier tagen hier. Ich glaube, im letzten satz ist soeben die entscheidung getroffen worden. Kaffee trinken, anker hoch und zum anderen großen ort mit dem zweiten pass fahren. Dort schauen, wann ich raus kann, und mal schnell in die hauptstadt, es sind ja nur zweihundert meilen.

Ich habe nicht angehalten, es lief bis zum pass alles soweit ganz gut. Nach meinen informationen sollte es ablaufendes wasser sein und so war es auch. Am anfang gab es strudel, die machte der autopilot wett, und dann lief es, nur es kamen wellen hinein. Die von tausend meter tiefe auf dreißig, und das schiff ging auf und ab. Die luken waren zu, nur die beiden segelschiffwracks am anfang und am ende des passes machten das ganze sehr anstrengend. Aber nach ein paar minuten war ich draußen, die wellen nahmen ab und es ging mit der segelei los.

Das lief alles sehr gut, um das kap des atolls herum und direkter kurs auf Tahiti. Nach dem sonnenuntergang wollte die windsteueranlage immer einen kurs von zweihundert fahren, zehn mehr wären gut gewesen. Ich konnte es dem teil aber nicht ausreden, es hielt genau auf Makatea zu. So musste bis um ein uhr nachts der autopilot uns an der insel vorbeibringen. Sehen konnte ich fast nichts, nur eine warnbarke leuchtete.

Am morgen war der wind fast weg, höchstens drei knoten mit schlagenden segeln waren möglich. Dabei waren es noch über neunzig meilen bis zur hauptstadt.

 

Der nächste tag ist vorbei und ich bin noch mitten im meer. Seit heute mittag sind die segel runter, zu wenig wind, damit sie stehen. Ein paar kleinstreparaturen haben die zeit verkürzt. Der eine deckstrahler am mast ist in der halterung weggerottet, auf die liste.

Zum sonnenuntergang sind es noch siebzig meilen bis Tahiti und ich kann es schon sehen. Wenn das morgen oder übermorgen klappt, fange ich mit der insel östlich an und arbeite mich nach Papeete vor.

 

Zum sonnenaufgang war es dann wieder ein kleines stück weiter, ich bin zurückgetrieben. Aber daran kann es nicht liegen, dass ich die insel nicht mehr sehen kann. Nach dem morgendlichen frühstück ging der motor an. Nicht, dass ich das stück damit fahren will, aber es ist eine gute gelegenheit, wieder wasser zu machen. Die marina in Papeete kann natürlich wasser liefern, aber das hier ist gute trinkwasserqualität. Der wind bringt das schiff nur auf einen knoten fahrt, es kann also noch dauern.

Zum sonnenuntergang, der recht nett war, konnte ich Tahiti immernoch nicht sehen. Dort scheint alles mit wolken verhangen zu sein. Mein ziel ist siebenunddreißig meilen entfernt, das meiste habe ich heute durch das wassermachen gefahren. Wenn es morgen früh noch immer keinen wind geben sollte, geht Mr Perkins an die arbeit.

 

Neue situation, neue entscheidung nach wenig schlaf. Um mitternacht ging der motor an, der wind war fast null, sowie war die restwelle auch null. Das meer war ruhig, dazu eine fast vollmondnacht und der plan war, die nächsten sechs stunden mit fünf knoten zum pass zu fahren.

Die ersten dreiundzwanzig seemeilen liefen genau so ab: ich saß im cockpit und vor mir die angel. Wenn sich da was tun würde, bekomme ich es mit. Gerade als ich das sicherungsseil gelöst hatte und das vorhaben wieder einstellen wollte, war meine angel zur reling gezogen worden. Ein griff zur angel und ein zweiter zum gashebel. Dann nur noch aufkurbeln und die beute an bord bringen. Kein richtiger fisch, einer mit tinte und ab in den eimer. Es war jetzt nicht der zeitpunkt, sich um das tierchen zu kümmern.

Der wind kam auf und die wellen fingen langsam an, größer zu werden. Das war es mit dem plan, drei weitere stunden habe ich für die restlichen sieben seemeilen gebraucht. Der angesagte wind, also der grund, warum ich das atoll verlassen hatte, war zu früh da. Windstärke fünf voll auf die nase mit kräftiger welle.

Die sonne war pünktlich und das szenario selten. Rechts war landunter, sicht null und links war die sonne. Es gab mehrere regenbögen gleichzeitig. Der fang hatte mit letzter kraft seine tinte abgegeben, der eimer ist undicht und auf dem deck ist alles schwarz.

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 anfahrt tahiti

 

20180829 tintenfleck

 

20180829 tintenverursacher

 

Durch den pass bin ich dann mit heftigem seitenwind gefahren, und nach einer weile habe ich die marina gefunden. Doch hier gab es einen neuen wind aus den bergen und somit liege ich auf reede vor dem hafen. Den versuch, dort hinein zu fahren, habe ich abgebrochen, zu eng mit wind. Erstmal duschen, einen weiteren kaffee trinken, den regen abwarten und ein wenig schlaf nachholen.

Dann die beute zerlegen, das erste mal, dass ich so etwas unterm messer habe. Da ich mir das innenleben anschauen wollte, gibt es keine ringe. Den rest des tages im dauerregen mit viel wind verbracht.

20180829 erster tintenfisch

 

Seit vierundzwanzig stunden liege ich in zehn meter tiefe vorm hafen und zwanzig meter hinter mir das innenriff der insel. Der wind hat bis zu dreißig knoten und die wellen entstehen innerhalb des außenriffes. Dazu kommt, dass der wind durch die berge ein wenig umgelenkt wird. Also ein wenig bangen um die ankerkette, wenn es schlecht läuft, liegt das schiff am riff.

Es erstaunt mich zudem, dass diese eine woche alte wettervorhersage sich nur um sechs stunden vertan hat. Wind und luftdruck scheinen zu stimmen, also hält das ganze noch einen tag lang an. Wenigstens ist es heute von oben trocken. Jedoch ans ufer komme ich trocken wegen der wellen auf keinen fall, also mal wieder das ganze aussitzen.

20180829 tahiti

 

20180829 tahiti

 

Es ist jetzt die stunde fünfundfünfzig und ich hänge noch immer am anker. Die distanz zum riff ist stabil, so um die fünfzehn meter. Der wind war gestern abend mal am ende der dreißig, jetzt wieder mitte zwanzig. So weit, so gut. Die zwei windsurfer von gestern haben auch heute ihren spaß und das außerhalb des außenriffs. Draußen werden die wellen immer größer, das riff bremst sie glücklicherweise aus. Innerhalb haben die kleinen motorboote probleme, gegen die restwellen anzukommen, entweder gar nicht oder sehr nass.

20180831 tautira innenriff

 

20180831 tautira  marinaeinfahrt

 

Mein calamares ist aufgegessen und ich möchte in nächster zukunft keinen mehr essen. Warum sind die so beliebt, weißes gummi mit fischigem geschmack, sehr kauintensiv und das bringt mir mit meinem zahn keine laune.

Am riff beobachte ich die vögel, wie sie versuchen, fische zu fangen, und ab und zu kommt eine rückenflosse mit einer schwarzen spitze vorbei. Mein haibestimmungsbuch ist leider nicht dabei. Dafür langweilige bücher über weltumsegler, die abenteuer erfahre ich doch lieber selbst. Falsches gepäck für diese reise.

Das barometer fällt und das ist gut, deutet es doch auf ein ende der wettersituation hin. Nach meiner alten vorhersage schläft der wind heute nacht ein und dreht dann nach nord. Nur da will ich hin, blöd so etwas.

 

Jetzt ist es Samstagmittag und alles beim alten. Was nützt eine wettervorhersage, wenn sich das wetter nicht daran hält. Der wind ist immer noch um fünfundzwanzig knoten, die wellen draußen sind kleiner geworden, in der lagune ein wenig. Nur alles viel zu viel, um an land zu gehen, aber vielleicht mache ich es nachher doch. Das wochenende droht, karg zu werden, da keine frischen vorräte vorhanden sind. Den ort Tautira kenne ich noch nicht, freue mich darauf. Da die sonne schon wieder scheint, könnte es also was werden.

Den gelblichen hai sehe ich häufiger, aber er ist fotoscheu. Dafür kommt das riff bei bestimmten windkombinationen gefühlt sehr nahe, unter vier meter. Dabei habe ich noch über sechs meter unterm kiel. Der runde kreis im bild ist mein bereich, nach links ist der kleine hafen und der ort auf der halbinsel.

20180901 riffposition

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

20180831 tautira aussenriff

 

Die kleine zukunft endet hier, meine wettervorhersage ist am ende. Es stimmt nicht mehr sehr viel, der wind kommt aus der gleichen richtung, der regen war nicht in der vorhersage. Heute beginnt der fünfte tag am riff und ich will nicht mit ihm verwachsen. Es scheint aber milder zu werden.

Nachdem der übliche morgenritus beendet war, wurde das australian blond in flaschen verfüllt, angesetzt in Ahe. Mal schmecken, ob es diesmal besser wird. Und da heute Sonntag ist, will ich auch mal in die kirche, scherz.

Um die mittagszeit herum waren die wellen kleiner, der wind weniger und das dingi willig. Also ein landgang, die erste strecke war fast trocken. Der hafen oder die marina dafür mehr als abgerockt. Ein glück, dass ich dort nicht hinein bin. Das verwaltungsgebäude eine ruine, wasser gibt es nur mit glück.

Der ort auf einer halbinsel gelegen sieht auf nsa-aufnahmen super aus, die realität ist eine andere. Heruntergekommen, mehr als auf den atollen, zwei kirchen, eine tankstelle, ein supermarkt und drei imbisse. Viele ansätze für erholung und freizeit, leider nicht in wartung. Hier besteht handlungsbedarf, der ort wäre so super für wassersportaktivitäten, er muss nur erweckt werden. Am ende habe ich ein paar bier am hafenimbiss erbeutet und mehr als auf den atollen bezahlt. Ich hoffe, dass der rest von Tahiti nicht so ist.

 

Am sechsten tag habe ich mich mal verlegt, ein halbe seemeile weit, luftlinie. Als ich anfing war es ruhig, dann kam wind auf und als ich den anker gelichtet habe waren es schon um dreißig knoten plus. Das war schon blöd, anker ist halb fest und der wind drückt einen aufs riff. Der motor lief und der autopilot hatte seinen kurs, jedoch musste erstmal der anker frei sein. Eigentlich eine situation, die man nicht macht. Abwarten auf weniger wind, nur ich war mittendrin. Dann als wir vom riff weg waren, der anker auf dem schiff, waren es schon vierzig knoten und ein heftiger regen. Gefahren bin ich nach der elektronischen karte, sicht fast null. Der windmesser fiel auch mal wieder aus und beim pass wurde es besser und trocken.

Draußen war echt pogo, wellen passend zum wind und riesige brecher am außenriff. Mit ein wenig genua und dem motor im standgas bin ich das riff entlang getuckert und habe auf der anderen seite des ortes in der flussmündung geankert. Hier ist alles ruhig, hätte ich es mal vorher gemacht, ging aber nicht, aufgrund des wetters.

Der weg zum supermarkt ist halbiert, das rudern mit dem dingi kein risiko und es soll auch nur für ein oder zwei tage sein. Das nächste ziel kann ich vor dem riff oder dahinter erreichen, in zwei stunden entfernung. Erst danach ist Papeete in fünfundzwanzig meilen entfernung anzusteuern.

 

Am siebenten tag war der morgen so, wie er sonst auch ist, abgesehen von wetterverschiebungen. Lauer wind, blauer himmel und die natur macht ihre geräusche. Das erste mal seit über einer woche, dass ich das große Tahiti sehen konnte. Dieser ankerplatz ist sehr gut, der beste seit den Marquesas in punkto ankerfestigkeit und umgebung. Wenn der ort hier nur nicht so runtergekommen wäre. Nach dem frühstück mit schinkenbaguette und viel salat ging es zum nächsten ziel. Aus den drei wasserfällen der kategorie über zwanzig meter sind auf dem weg fünf geworden.

 

Der weg durch den betonnten streifen in der lagune war sehr abwechslungsreich, draußen die brecher am riff und innen binnensee. Nur wenn das riff unterbrochen war, fing eine heftige schaukelei an. Den zielhafen nach acht meilen habe ich mir das erste mal auf meiner reise unprepariert angeschaut. Die fender und seile waren parat, aber noch nicht installiert. Und was ich dann gesehen habe, entsprach nicht in der erwartung, eine tote industriebrache. Da hat eine lange zeit lang kein größeres schiff halt gemacht, der ganze hafen war nur für mich. Nun liege ich an der intakten betonmauer zwischen gummipuffern und tiefem unkraut, super.

Auf dem weg ins zentrum musste ich mich zwischen zwei bekannten supermarktketten entscheiden. Das bier wird immer günstiger, noch immer fast zwei euro die flasche ohne pfand, und das angebot an lebensmitteln wird größer.

Dieser ort liegt genau zwischen dem kleinen und dem großen Tahiti, leider ist auch hier kein wifi.

20180904 kleinst motu

 

20180904 kleinst motu

 

20180904 tahiti

 

Dann am nächsten morgen der aufbruch. Die alternativen waren, entweder in den gartenmarkt zu gehen und ein wenig schlauch und schellen zu kaufen, oder nach Papeete abzulegen. Auch wenn ein baumarkt eine gewisse anziehungskraft hat, bin ich los.

Der motor lief und die genua hat geholfen, bei wenig wind. Außerhalb des riffs waren die wellen richtig schön lang und hoch. Zwischendrin gab es noch zwei walsichtungen, alles im allem eine gute fahrt. Wenn da nicht die letzten fünf seemeilen gewesen wären. Am letzten kap hatte sich etwas verändert, die wellen kamen nicht mehr von hinten, sondern von vorn. Die kleinen kurzen fiesen und die ursache war am horizont schon leicht zu erkennen. Dort war das wasser weiß und in einer viertelstunde war es auch bei mir. Fünfundzwanzig plus knoten direkt von vorn, da musste Mr Perkins richtig arbeiten.

Der platz am Pointe Vénus wurde umdisponiert in die bucht dahinter. Ein netter ankerplatz, der letzte vor der marina. Am wochenende hängt hier halb Papeete ab und badet. Die sicht ist auch super, Moreea ist das erste mal zu sehen.

20180906 pointe venus

 

Papeete ist schweineteuer, die marina will fast vierzig euro für den tag haben, lebensmittel sind günstiger als auf den inseln. Gleich geht es zum zahnarzt, mal sehen, ob da was zu retten ist.

Nachtrag zum aktuellen standort: dieser wird auf meiner webseite nicht mehr angezeigt, da google seine preispolitik geändert hat und mir das ganze zu aufwendig ist. Wieder einen googlemail account erstellen, ein projekt generieren, api-key anfordern, kreditkarte hinterlegen und damit fängt der ärger an. Bei vielen aufrufen geht es an das portemonnaie zuerst nur der massenaufrufer, aber sicherlich auch bald der kleinen, wie ich. Da die karte zum schiffsstandort auch nicht so aussagefähig war, bleibt sie jetzt weg. Außerdem müsste ich noch meine wordpressversion updaten, ich hasse es, funktionierende systeme mutwillig zu zerstören. Das ist also der grund für die änderung in der standortanzeige. Ihr könnt die koordinaten ja selbst abfragen.

Der google translator ist auch deaktiviert, so langsam geht mir die datenkrake auf den sack. Reicht es denn nicht schon, der nsa alle daten zugänglich zu machen?

Veröffentlicht unter Reise_2018, Route, schiff | 2 Kommentare

Marquesas

Das erste ankermanöver auf den Marquesas war im nachhinein verschärft, und die ursache habe ich auch schon gefunden. Zwei gebrochene plastikteile in der steuersäule, die den bowdenzug halten. Somit lässt sich auch mein schlechtes einparken in Buenos Aires erklären. Wenn man denkt, der gang ist auf neutral gestellt, und das schiff fährt trotzdem vorwärts – jetzt behoben.
Der windgenerator wurde wieder zum ruhigen laufen gebracht, die ruderstandsanzeige eingestellt, bodenheber getauscht und eine komplette fettwartung durchgeführt. Somit bin ich wieder reisefertig.
Das erste mal, dass ich eine punktlandung mit der gasflasche hinbekommen habe. Heute morgen dauerte es lange bis das wasser warm wurde, oder nicht. Die fünf kilogramm flasche, die ich in Puerto Montt angeschraubt habe, ist heute morgen leer geworden, nach drei monaten. Bisher hatte ich nur auf see das glück oder während ein auflauf im ofen war.
Die uhrzeit ist hier wohl doch noch eine andere als gedacht, denn wenn ich sie nach dem tidenprogramm einstelle, geht die sonne um sieben unter und morgens um elf auf. Auf der hauptinsel werde ich es erfahren. Wifi empfang ist hier gut vorhanden, leider nur prepaid. Die kosten sind etwas niedriger als auf den Falklands.
Die strecke für morgen ist auch schon abgesteckt, fünfundvierzig meilen bis in den hafen von Hiva Oa hinein. Also mal wieder vor dem sonnenaufgang aufstehen.

Ich bin zwei stunden vor dem sonnenaufgang aufgestanden, war echt früh. Also kaffee kochen, dann war noch zeit für pancakes und alles ist vorbereitet. In der dämmerung hinaus aus der bucht, und es gab wind, dann wieder keinen, dann wieder. Als ich von der insel frei war, ging es mit dem passat recht gut, bis zur nächsten insel, dann war der wind wieder weg. Damit ich nicht im dunkeln ankomme, ging der motor an und nach vierhundert metern wieder aus, weil wind wieder an. Danach kamen delfine zum schiff, einer springt und die anderen kommen von schräg hinten zum schiff, fressen, drehen wieder ab und kommen von neuem. Das bekannte imbissroutine. Am ende musste der motor doch an, weil der wind endgültig eingeschlafen war. Bei der ankerplatzauswahlrunde im hafen gab es dann noch einen springenden rochen im hafenbereich zu sehen.

20180725 atouana anfahrt

 

20180725 atouana anfahrt

 

20180725 atouana

 

20180725 atouana hausberg

 

Da das versorgungsschiff am pier war, war das ankerfeld zu, und ich habe das erste ankern draußen vor der mole durchgeführt. Während einer dusche ist dann das schiff abgedampft und ein zweites ankern im hafenbereich war somit möglich.

20180725 hafenblockierer

 

20180725  atouana ankerplatz vor der mole

 

Am folgenden tag das schlauchboot aktiviert und ans ufer gerudert. Dass jeder mit dem auto anhalte und einen mitnehme, stimmt so nicht. Jeder zehnte hält nur an, nimmt mich dann aber mit, bis zur post im ort. Hundert meter weiter ist die gendarmerie und die ist freundlich. Der polizist spricht auch englisch und ein sehr schnelles einklarieren ist möglich. Einen stempel gibt es nicht, man ist ja in europa. Danach zur bank, geld kaufen und das erste französische baguette seit über einem halben jahr im supermarkt erstanden, knackig lecker.
Der wichtige besuch bei Jacques B. und Paul G. lief sehr erfreulich ab. Mit einem ein bier und mit dem brot auf der treppe habe ich die aussicht genossen, die besuchten haben geschwiegen.

20180726 jacques grab

 

20180726 pauls grab

 

20180726 blick vom friedhof

 

Auf dem rückweg war obst einsammeln angesagt, eine mango, sternfrüchte, zwei große grapefruits und meine erste frei lebende kokosnuss habe ich aufgesammelt. Ein weiterer kurzer einkauf im supermarkt war sehr teuer und das brot war schon aus. Den ort habe ich danach mehrfach durchlaufen, zum schluss um meine verlorene brille unter dem grapefruitbaum zu finden.
Auf dem weg zurück zum schiff hat mich eine familie mitgenommen, die zur einzigen tankstelle auf der insel wollte und die ist im hafen. Fünf stunden wifi kosten sechzehn euro und die erste wifi session brachte hundert mails, hauptsächlich spam und pornohilfen. Danach folgte die blogpflege mit der beantwortung von mails.
Das erste mal, dass ich eine kokosnuss gepellt habe, harte arbeit mit der machete. Der nächste schritt war indes einfacher als gedacht, zwei schläge mit der stumpfen seite der machete auf den äquator und die nuss war offen, eine halbe davon gab es zum knabbern am nachmittag.

Every day is like Sunday, eigentlich, denn auch hier gibt es ein WE. Leute kaufen für parties ein, schiffe werden mit bier tiefer gelegt. Also noch mal schnell los, um nicht vor leeren regalen zu stehen. Ich habe noch zwei baguettes ergattern können, etwas darauf, salat, ein sixpack fürs wochenende, ein paar asiatische nudeln, eine dose tomaten und äpfel. Dann waren vierzig euronen beim händler.

Die schiffe sehen hier fast alle ein wenig mitgenommen aus, meines ist es auch. Glänzend und schön sind sie losgefahren und jetzt ist der bewuchs da, oft über der wasserlinie. Einige sind im hafen fleißig am wienern, wenn sie sonst nichts zu tun haben. Ich habe mein groß mal wieder geflickt, die lattentasche genäht und einen zweiten rutscher am segelkopf angenäht. Die kleinen löcher müssen bis zum nächsten mal warten.

Am Sa morgen habe ich das schiff seeklar gemacht, die kanister aus dem bug geräumt und mich an die kaimauer gelegt. Das machen wohl nicht viele, die einheimischen haben ziemlich geguckt, dort wo sonst das versorgungsschiff liegt. Da gerade nicht hochwasser war, lag ich also mit meiner reling daran. Mit der handkarre bin ich dann die fünfzig meter zur tankstelle gelaufen, einmal vollmachen. Vor Tahiti ist es vielleicht die letzte gelegenheit.
Das lief alles super, aus dem tankstellenshop noch ein baguette eingesteckt, man muss die gelegenheiten nutzen, und wieder raus aus dem hafen. Ziel war die kleinere nachbarinsel. Der motor sollte, nachdem alles wieder fest war, ausgeschaltet werden, doch der wind war unstetig, fünf bis fünfunddreißig knoten. Die zielbucht habe ich im vorbeifahren gesehen, habe sie aber nicht erkannt. In ihr lagen schon neun schiffe vor einem breiten sandstrand mit vielen palmen. Die küste bin ich fast bis zur südspitze abgefahren, nichts brauchbares gesehen und wieder zurück. Letztlich habe ich die bucht vor der mit den seglern genommen.
Hier gibt es auch einen sandstrand, palmen, einige lavawände und ich bin allein. Die anderen sitzen aufeinander und beäugen sich. Ich gehe hier ohne ins wasser, das letzte mal war es wohl auf den Kap Verden. Meine private südseebucht, das haus in den palmen ist zur zeit nicht in benutzung.

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

20180729 suedseebucht

 

Am Mo morgen dann ein ortswechel, die bewohner der hütte am strand sind zurückgekommen und ich will an die nordküste von Hiva Oa. Die fahrt durch die meeresenge lief sehr flott, bis zu sechs knoten, und auf der anderen seite am südlichen kap war der wind dann aus. Von da an lief der motor. Meine neue bucht ist Hanaipa, mit zitronenbäumen und wifi, allerdings nicht am schiff, so informiert mich das pdf.
Die südküste der insel hat mich zuerst an die Osterinsel erinnert, trocken mit leichtem bewuchs. Später gab es vertrocknete bäume und zwischen den lavazungen am meer viel bewuchs, durch den endenden bach aus den bergen. Ein wenig wie Gomera.

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa nordkueste

 

20180730 hiva oa hanaiapa einfahrt

 

20180730 hiva oa hanaiapa einfahrt

 

Als ich in der bucht geankert hatte, wollte mein rotes käppi in einer windböe die biege machen und landete im wasser. Gleich darauf kam ein rochen dazu, einen meter im durchmesser, wollte aber von der mütze nichts. Sind das nun vegetarier oder knabbern die mich auch an? Erstmal die badeleiter installiert, ohne ist es schlecht wieder aufs schiff zu kommen. Das käppi schwamm immer noch und so wurde ich rettungsschwimmer für das noch in Spanien erworbene stück.

Der ort hat in der einfahrt zur bucht einen dicken felsen und am südlichen rand lauter kleine höhlen. Wenn die wellen dort hineinlaufen, kommt die gischt meterhoch mit getöse wieder heraus. Nach dem sonnenuntergang machen die vögel ein sehr lautes geschrei in den felswänden, und dann nach ein paar minuten ist ruhe.

Der ausflug in den ort versprach so viel und es wurde so wenig gehalten. Zitronenbäume vorhanden, ohne früchte, dito der grapefruitbaum, kein hotspot, kein wifi und der ankergrund ist mies. Ansonsten ist der ort teilweise verlassen, viele leerstände. Aber anders als im armen Chile ist es hier nicht verdreckt, sondern gepflegt. Ich habe mich mit fallobst eingedeckt, ein paar früchte direkt geerntet – frische mangos vom baum schmecken klasse.
Nur noch selten wird kopra geerntet und getrocknet, und wenn, dann sind auch hühner und tauben mit darin und picken, was das zeug hält, lecker.

20180731 hiva oa hanaiapa bucht

 

20180731 hiva oa hanaiapa kopratrocknung

 

20180731 hiva oa hanaiapa kopratrocknung

 

20180731 hiva oa hanaiapa traditionelles fenster

 

20180731 hiva oa hanaiapa verlassen

 

20180731 hiva oa hanaiapa verlassen

 

20180731 hiva oa hanaiapa wasserstrom

 

Die nächste insel ist fünfundfünfzig meilen entfernt, zu lange für einen tagestrip, und früh aufstehen mag ich gerade nicht. Mein plan war, zum sonnenuntergang loszufahren und im sonnenaufgang anzukommen. Ich bin früher losgesegelt, lief super, zu super. Früh morgens habe ich die genua verkleinert, sonst wäre ich zu schnell da gewesen. Die bucht von Hane sollte mein erstes ziel sein, frühstücken und ins netz. Das netz war zu schwach, der kaffee ging so und der anker slippte. Mit dem aufkommenden regenschauer bin ich in die nächste bucht drei meilen weiter nach Vaipaee gefahren. Diese anfahrt soll spektakulär sein, weil man die einfahrt erst spät sieht, war auch nicht so. Die bucht mit hohen felswänden, trocken und am ende das dorf. Kein wifi, dafür schwell, aber erträglich, also nicht weiter gefahren. Auch hier das müllproblem auf den inseln: es gibt keine müllabfuhr bzw. diese wird in die eigenen hände genommen. Feuer an, kokosnussschalen drauf und dann der müll. Das ganze jeder für sich privat und das tal ist giftigerweise eingenebelt.

20180801 anfahrt hane

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee

 

20180801 vaipaee einfahrt

 

20180801 vaipaee hafenmole

 

Wie ist der status meiner projekte? Mein mittelfinger lebt. Der nagel ist ca zwei millimeter kürzer als der alte, er löst sich an der ehemaligen bruchstelle vom nagelbett. Die nerven sind noch nicht wieder alle zusammengewachsen, das tasten und die empfindungen sind neu. Somit war es wohl nicht nur eine quetschung, eher ein bruch und alles verheilt von selbst.
Mein selbstgebrautes bier ist gelungen und wird konsumiert. Wenn die zweite fermentation durch ist, muss man beim öffnen der flaschen aufpassen. Der druck entweicht mit einem schwall, besser ist es gekühlt. Die flaschen mit dem bodensatz an hefe schmecken runder und das wird die verbesserung für den nächsten ansatz sein.

Einen tag war ich dann noch in Haavei, gleich um die ecke von Vaipae. Wie gehabt, sand, palmen und ein schöner ausblick.

20180802 haavei bucht

 

20180802 haavei bucht

 

20180802 haavei bucht

 

20180802 inseln vor haavei

 

Am Fr bin ich dann von Ua Huku nach Nuku Hiva, der hauptinsel, gesegelt, fünfunddreißig meilen. Das große mittelstück war reines segeln, am anfang und am ende war es ein wenig schwergängig. Zum anfang dachte ich, dass die inseln sich gleichen, die kaps trocken sind. Doch dann war die neue insel grüner als gedacht und die felsen sind andere. Der anker fiel vor Hatiheu, ein schöner platz.

20180802 westcap ua huka

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

20180803 nuku hiva nordkueste

 

Die felsen am ort sind sehr steil, grau und sehen atemberaubend aus. Der ort ist klein und geordnet. Es gib ausreichend mülltonnen, zwei kleine läden, eine post, wasserhähne am strand und viele palmen. Mein erster ausflug ging zum größeren laden, aber so richtig prall war das angebot nicht gerade. Ich habe genug an bord und die not ist noch nicht da. Wenigstens gab es wieder frisches baguette und im ort habe ich obst gesammelt.

20180803 nuku hiva hatiheu

 

20180803 nuku hiva hatiheu

 

Der zweite ausflug am So sollte auch wieder als startpunkt den laden haben, diesmal wurde es ein wenig feuchter. Da ich zu faul bin, den außenbordmotor jedesmal ans dingi zu schrauben, muss ich rudern. Das ist ok, wenn mich nicht gerade diese brandungswelle am strand erwischt hätte. Einmal durchgekentert, zum glück ohne laptop. Am strand danach in voller montur geduscht und festgestellt, dass der laden schon zu hat. Die kleidung ausgewrungen, die schuhe ausgekippt und klatschnass auf zur wanderung den berg hinauf. Dort habe ich einen alten steinweg gefunden und bin dem gefolgt. Auf dem weg habe ich viele dutzend mangobäume gefunden, bin nicht vom tiger angefallen worden, und oben auf dem bergkamm gab es dann eine herrliche aussicht. Die nächste bucht und der pazifik waren im blickfeld. Mit den nassen stiefeln wollte ich einen längeren abstieg vermeiden und bin somit umgekehrt. Der rucksack war gefüllt mit mangos, grapefruits und kokosnüssen.

20180805 blick auf anaho

 

20180805 blick auf anaho

 

20180805 blick auf anaho

 

20180805 hatiheu

 

20180805 hatiheu

 

20180805 hatiheu alter pfad

 

20180805 hatiheu alter pfad

 

Ortswechsel am Mo zur anderen bucht, die ich schon von oben gesehen hatte. Alles unter motor, denn es lohnte sich nicht, das segel auszurollen. Dort angekommen, den anker geworfen, er griff sofort und fünfzig meter kette rausgelassen. Das war gut so, denn in der nacht sollte es dann richtig kacheln.
Was also hier in der neuen bucht als zehntes schiff machen? Ich brauchte ein paar sachen vom kaufladen, und wo gibt es diese? Auf der anderen seite, wo ich gerade herkomme. Also den berg wieder rauf und dann runter, das dauert eine stunde und dann das ganze noch einmal zurück. Ärgerlich war nur, dass es kein baguette gab, also nur ein paar andere sachen gekauft und obst gesammelt. Das eigene brot habe ich dann bei der rückkehr angesetzt.
Heute morgen habe ich dicke waden, ein muskelkater. Die berge hochlaufen ist nicht meine spezialität. Einen tag will ich hier noch bleiben, um zu erfahren, was so wahnsinnig toll an dieser bucht sein soll. Man ankert vor einem korallenriff und das war es auch schon. Einen kleinen riffhai habe ich gesehen, das war bisher alles.

Nach gefühlten drei tagen habe ich mal wieder gewechselt und bin zurück auf die andere seite des großen berges gefahren. Im nachhinein war die bucht doch schon sehr gut, der ankergrund war sand und hielt, es gab einen sandstrand mit palmen und das panorama war echt klasse, wenn das schiff sich doch mal gedreht hätte. Der wind kam nur aus einer richtung, also war nichts mit drehen. Was war denn nicht so berauschend: zehn andere schiffe, keine müllentsorgung, kein wifi, kein laden oder nur der über den berg zum anderen ort. Auf dem weg gab es allerdings hundert mangobäume und tausende kokospalmen. Es gibt sicherlich schlimmere orte auf der welt.

Nach achtzehn meilen mit dem motor und einem hilfssegel bin ich nun wieder im süden der insel. Dort gib es eine bucht mit drei fingern und ich bin in der mitte. Nicht so aufregend wie der letzte ankerplatz. Die fahrt hierher war eine üble schaukelei und der wind kam auch nicht so richtig. An der einfahrt war es dann doch noch etwas spooky. Auf der karte war der felsen eingezeichnet, doch er war nicht sichtbar. Unten am kap wollte ich ein wenig abstand zur felswand haben und dann tauchte er doch noch auf. In einem wellental in der größe eines kleinwagens, keine markierung. Also doch hundert meter weiter richtung felswand und durch die fünfhundert meter breite lücke. Danach nur noch anker fallen lassen und das tageswerk war geschafft. Am abend kam dann noch der regen, die Marquesas sind halt grün.

20180809 drei finger bucht mitte

 

20180809 drei finger bucht west

 

Ortswechsel am morgen zur größten metropole der insel und der Marquesas insgesamt, Taiohae. In der großen bucht ist genügend platz für viele yachten, zur zeit sind es um dreißig. Je nachdem, wo man ankert, hat man mehr oder weniger schwell, mehr oder kein wifi. Ich hatte sehr wenig bewegung im schiff und kein brauchbares netz. Und die ersten zwei tage war mal etwas anderes, schmuddelwetter mit sonnenscheinunterbrechungen. Der ort hat ein paar geschäfte und das war es auch. Wenn das versorgungsschiff da ist, gibt es auch frisches gemüse und obst.
Ich habe mal einen nähtag eingelegt und meine französische gastlandflagge repariert. Das rot war nur noch in fetzen und so habe ich aus einer gedrehten polnischen und dem restblau eine neue geschneidert. So schnell komme ich nicht wieder in die ostsee zurück.
Meine sprayhood hat auch ihre überfälligen flicken bekommen und wird im nächsten sturm hoffentlich nicht zerreißen.
Das ganze hier geht mir aber ein wenig auf den senkel, die entfernung zur anlegestelle ist nur mit dem außenbordmotor machbar und der muckt mal wieder. Am ersten tag sprang er wunderbar an und lief super. Am zweiten brauchte er schon wieder eine vergaserzerlegung, am dritten tag nocheinmal. Und ich weiß nicht, warum er nicht will. Somit bin ich am So wieder weg und laufe die letzte der inseln an, Oa Pou, fünfundzwanzig meilen entfernt. Hinsehen konnte ich schon, wenn die regenwolken nicht da waren.

Ich wollte die Marquesas auch wegen fehlenden mücken empfehlen. Das kenne ich anders und blutiger, nur im hauptort haben mich viecher angeknabbert. Gemerkt habe ich nichts, nur rote quaddeln waren das resultat. Aber auch nur in Taiohae.

Der hausberg von Hakahau ist riesig, wenn man ihn sehen kann. Gestern hat er sich kurz gezeigt, aber heute nacht war hier landunter und das muss erstmal wieder trocknen. Ich versuche nachher, mal an land zu rudern, es sind unter hundert meter. Leider gibt es hier zwei arten von wellen, die zum ufer und die, die wieder von dort kommen. Also muss ich den richtigen zeitpunkt erwischen, sonst wird es nass.

Das ist meine fünfte bewohnte insel der Marquesas und die letzte. Man kann hier noch sehr viel länger bleiben, mehr sehen, landausflüge machen, sprit verfahren und tiefer ins system eintauchen. Mir reicht es so und mein nächstes ziel ist schon Tahiti. In Papete gibt es eine marina, ankern im hafen ist dort nicht mehr möglich. Je nach den kosten werde ich dort ein wenig verweilen, den supermarkt aufsuchen und meine oberwantenaufnahme provisorisch schweißen. Dann ist es schon anfang september. Ein paar inseln sind dort noch zu besuchen, danach noch Samoa und dann ist auch bald schluss in dieser gegend. Ab november sollte man hier tunlichst das weite suchen, taifunzeit. Ich werde wohl von dort aus direkt nach neuseeland segeln und mein schiff auf vordermann bringen. Das ist mein jetziger plan.

Nach meinem ersten ausflug kann ich sagen, diese insel ist wieder anders. Landschaftlich und von der besiedelung. Es gibt hier mehr zäune und verschlossene türen als auf den anderen inseln. Dummerweise ist ein stromgenerator im hafen und brummt vor sich hin. Aber ein paar früchte konnte ich auch hier finden, morgen das ganze noch einmal. Trocken bin ich an den strand gekommen, jedoch gab es beim herausrudern eine dicke welle in den rücken, da muss ich mich noch verbessern.

Die bilder vom ort gibt es im nächsten beitrag auf Tahiti. Zum schluss noch an alle obersegelbesserwisserforumsschreiber: einfach mal losfahren!

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Reise_2018 | 1 Kommentar

Von Rapa Nui zu den Marquesas

Der ankommenstag in Rapa Nui war sehr anstrengend, denn die nacht auf dem weg zur insel kurz. Nach kurzem überlegen habe ich beschlossen, nicht durch die brandung zum ufer zu fahren. Die surfer hier haben ihren spaß, und ich müsste zwischen zwei surfzonen hindurch. Fällt der motor aus, bin ich am arsch.
Zum glück gibt es hier ein freies wifi, jedoch nur für eine halbe stunde pro tag. Der wetterbericht verspricht am Fr weniger wind, somit bleiben noch drei tage für arbeiten an bord. Das gröbste habe ich schon gestern und heute erledigt, segeltechnisch bin ich abreise bereit. Fehlt nur noch der rest.

Gestern kam ein weiteres segelschiff und heute noch eins. Der franzose heute ist nach ein paar stunden wieder gefahren. Der schwell ist noch immer stark, das schlafen in der achterkabine schwankend.
Ich wollte heute so viel erledigen, aber vieles ging nach hinten los. Die kleine rote lampe zur erregung der lichtmaschine bereitete mir sorgen, sie glimmte immer leicht. Also wollte ich einen schalter dazwischensetzen. Das habe ich auch getan, nur dann habe ich die ursache gefunden. Ich hatte einen speziellen schalter versteckt eingebaut, als diebstahlsschutz und der war an. Dadurch sind wohl auch meine starterbatterien tiefenentladen worden. Die ganze zeit bin ich also nur mit den verbraucherbatterien gefahren. Auch zum starten mussten sie ran und ich habe das nicht geschnallt. Langsam werde ich alt und vergesslich, oh je.

Die Osterinsel ist grün und stellenweise mit bäumen bewachsen. Die alten vulkane sind auch grün. Interessant ist, zum sonnenuntergang den weg der touristen zu beobachten. Ich liege vor fünf aufgereihten moais, den kollossalen steinstatuen, die stehen am ufer. Erst wenn die menschen hinzukommen, kann ich sehen, wie groß die steinfiguren wirklich sind.
Vorgestern habe ich einen flieger starten sehen und dachte, es ist der wochenflieger. Aber heute kam sogar ein jumbojet angeflogen, hat seine ladung abgeworfen und die alte wieder mitgenommen. Sehr touristisch, dieses eiland. Morgen werde ich den versuch einer landung starten.

Noch immer bin ich auf dem schiff, habe schlecht geschlafen. Ein knallhartes eigentor meinerseits, denn ich habe den windgenerator wieder animiert (ihr erinnert euch…). Von den toten zu den lauten, mit teilen aus meinem konvolut. Eine wellenkupplung, eine runde aluminumscheibe aus dem ehemaligen rollbaum, ein paar schrauben und der improvisierte repeller mit holzenden, so läuft der generator wieder. Zuerst recht leise und er machte auch ein wenig strom. Meine ugandapräzisionsarbeit war aber nur so ungefähr. Nach vier stunden lauf hatte er sich eingerüttelt und macht nun viele geräusche, darunter liegt die achterkabine, super. Mal sehen wie lange er diesmal hält.

Am Sa bin ich dann zum einkaufen ans ufer gefahren, mit der handkarre. Es ist doch erstaunlich, wie schnell dreihundert euronen weg sind. Alles ist hier sehr teuer, am ende reichte es noch nicht mal mehr für ein kaltes bier, auch gut. Frische sachen sind an bord, diesmal sind die äpfel zahlreicher.
Danach noch alles verstauen, armada anfunken und anker auf. Das tagesziel war die tolle ankerbucht im norden.

20180622 rapa nui vor anker

 

20180623 rapa nui steinmauer

 

20180623 rapa nui vulkan

 

Dort in der bucht Anakena angekommen traute ich meinen augen nicht, ein sandstrand und heller meeresgrund und hunderte leute im und am wasser. Das ganze gebiet ist dazu noch von einem zaun umgeben. Die moais stehen dort auch, wie angekündigt, nur hat der platz ernormen schwell. Die nacht war daher sehr schlecht und ich mache heute hier die biege. Auf zu den Marquesas, ohne vorher die kohle abzudrücken. Die polizei oder die verwaltung will von mir über hundert dollar für die verlängerung und den aufenthalt haben, nicht mit mir. Damit scheidet Chile als reiseland für mich bis auf weiteres erstmal aus.

20180624 akanea bucht

 

20180624 akanea bucht

 

20180624 akanea bucht

 

Morgens um elf waren meine vorbereitungen abgeschlossen. Noch schnell ein kleines loch im groß genäht, den windgenerator ein wenig gerichtet und die handwäsche durchgespült. Motor an und raus aus der bucht und das schiff in den wind gedreht. Bis hier war alles gut gelaufen, alle strippen vom groß gelöst und das segel hochgezogen. Ging ein wenig schwer und dann wieder ganz leicht, nur dieses zerreißende geräusch war echt dicker mist. Ein bändsel hatte ich vergessen, und zwar eines, mit dem das tuch im gerefften zustand auf dem baum gebunden werden kann. Nun habe ich im dritten reff einen riesigen riss und das segel ist nicht zu gebrauchen. Ich muss auf eine flaute warten.

Das war gestern und jetzt sollte ich bei der inselverwaltung sein, nur ist die schon über siebzig meilen weit weg. Ich mach den Kimble und draußen hat der wind den betrieb eingestellt, vielleicht sollte ich das nähzeug holen.
Drei stunden später bin ich zufrieden, dass ich nicht anfangen habe zu nähen. Der riss ist einen halben meter lang und dafür müsste ich das ganze segel abnehmen. Der wind ist schwach, aber vorhanden und somit keine gute basis für eine reparatur.
Stattdessen habe ich mich wieder mal rasiert, eine warme dusche genommen und sitze mit einem glas rotwein in der plicht. Bei zwei bis drei knoten fahrt warte ich halt ab, die genua ist ausgebaumt, damit sie nicht all zu oft zusammenfällt. Der kurs zu den Marquesas ist dreihundert und bis jetzt sehr gut zu segeln, bis auf die windstärke.

Heute ist schon der dritte tag auf see und alles im grünen bereich, bis auf das segel. Gestern habe ich mich nicht an das großsegel getraut, eher mein leid gepflegt und elefantentränen vergossen. Heute habe ich dann doch damit angefangen. Ein schöner langer riss, zuerst einen halben meter, dann rechtwinklig zwanzig bis zur segelnaht. Diese ist dann auch noch einmal dreizig zentimeter weit aufgerissen. Eine schöne bescherung für eine kleine unachtsamkeit. Ich habe es gerade geschafft, die nähte zu fixieren und auf das lange stück einen flicken zu nähen. Für heute ist schluss, mir tun die finger weh und die lust ist auch schon über bord.
Und da wird es auch wärmer und sonniger. Im schiff sind es schon sechzehn grad, tendenz steigend. Da der wind noch immer nicht gut weht, geht es nur langsam bis zu drei knoten voran. Die Osterinsel ist schon über hundertvierzig meilen entfernt, Dr Kimble atmet langsam auf.

Es ist der vierte tag und ich habe einen dicken hals. Nicht weil der wind nicht weht, zu schwach, damit die segel stehen, und zu viel, um ihn nicht zu nutzen. Irgendwann hört das ja auch mal auf.
Gestern und heute habe ich das groß genäht und ich bin mit dem provisorium zu frieden. Ist es nicht schön, hauptsache es hält. Und ich werde beim nächsten mal vorsichtiger sein. Als ich die drei oberen segellatten wieder eingefädelt hatte und das ganze segel aufziehen wollte, ist es schon wieder passiert. Ein bändsel vom ersten reff war noch zugebunden, eine böe und ratsch der nächste riss. Mann bin ich genervt, wieder fünfzig zentimeter und meine finger schmerzen schon jetzt oder noch immer. Mal sehen, wie lange ein segel mit einem riss hält.

20180627 neuer riss

 

Einen tag nach meinem segeldesaster hörte der wind vollständig auf. Es passierte schon um mitternacht und ich habe die schlagenden segel geborgen. Am morgen dann gewissheit, platte see, die bilder kennt ihr ja. Nach dem kaffee ging dann Mr Perkins an die arbeit, nicht dass ich mit dem motor fahren will, aber ich brauche mal wieder strom und auch wasser. Das ganze hat bis zum mittag gedauert, dann noch die hundertfünfzig liter diesel aus Argentinien in den haupttank umfüllen. Das zeug hat nicht nach diesel gerochen und hatte auch schon kleine schwarze teilchen angesetzt. Alles durch den filter und noch ein wenig chemie hinzu, zum abtöten, falls da etwas leben sollte.
Jetzt treibe ich im stillen pazifik und denke über eine erneute segelreparatur nach. Aber eigentlich brauchen meine finger eine pause. Noch eintausendsiebenhundertundfünfzig meilen bis Hiva Oa.

Segeltechnisch war es gestern eine pleite, nicht einmal dreißig meilen bin ich weiter gekommen. Wenn es optimal laufen würde, sind es zweitausend meilen von der Osterinsel zu den Marquesas. Diese naivität hatte ich aber schon lange begraben, meine erfahrungen sehen anders aus. Bis heute habe ich gerade einmal zweihundertvierzig davon bewältigt, es war halt kein wind vorhanden. Heute morgen fing der windgenerator wieder an zu rappeln, meine akustische windanzeige. Wenn es so weiter geht wie gerade, dann wäre ich sehr glücklich, der kurs stimmt und der halbwind bringt das schiff auf fünf knoten. Dazu gibt es wieder blauen himmel mit schönen cumuluswolken.

Dann das ende vom einfachen segeln, in der nacht drehte der wind und es ging nach süden. Heute am tag sind nur kurse um fünfzig grad drin, ich fahre nach norden. Dazu ist zwar das wetter noch immer schön, aber der wind ist wieder schwach. Der nettowegerfolg lag gestern bei fünfzig meilen, das ganze kann also noch etwas dauern.
Reisen bei gutem wetter ist eine freude, nur nicht, wenn man krank wird. Seit vorgestern ist da etwas im anmarsch, brockig in den nebenhöhlen. Ich habe seit dem letzten juli meinen arsch in die kälte der südhalbkugel gehalten. Es war richtig kalt, und jetzt wird es warm und ich kränkel herum. Leichtes fieber, unlust und schwitzen, echter mist.

Die erste woche ist herum und auch gleichzeitig der monat juni. Neunzehnhundertzwölf meilen bin ich da gesegelt, der meilenzähler ist das gps. Die letzte woche war im nachhinein doch nicht so schlecht. Auf dem bild führt die optimale blaue obere route zu den Marquesas, es sind neunzehnhundertachtzig meilen. Die unter blaue route wäre zu den Gambierinseln, als alternative, wenn es schlecht laufen sollte. Aber bis heute habe ich brutto vierhundert und netto dreihundertundfünfzig meilen gesegelt, das ist schon mal gut. Somit fehlen nur noch sechzehnhundertdreißig meilen. An den tagen der flaute habe ich mein segel repariert und wieder zerstört, den diesel umgefüllt und mich um die windsteueranlage gekümmert, die ihren job gut macht. Keinen fisch gefangen, kein regen.

woche1

 

Dann noch der nachtrag zu Rapa-Nui, auch wenn der aufenthalt nur kurz war. Die theorie, dass es dort eine ökologische katastrophe gab, weil die menschen alle bäume für den transport der moais gebraucht hätten, halte ich für quatsch. Man fängt nicht mit einer statue an und mittendrin fällt einem auf, dass es keine bäume mehr gibt. Diese vulkanische insel bildet auch nicht gerade das biotop für einen urwald, auf den felsen soll erstmal etwas fuß fassen.
Die andere theorie halte ich für akzeptabler, es gab einen glaubenswechsel und sie haben die produktion der steinköpfe eingestellt. Dafür spricht auch, dass alle köpfe umgelegt wurden und nicht umgestoßen, denn dann wären sie zerbrochen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass eine ältere besiedlung die köpfe hergestellt hat, nur warum weiß man bis heute nicht.
Den menschen dort ist es wohl auch egal, die touristen kommen in scharen, man verdient gutes geld damit. Ein bier in der bar für sieben euro ist schon ein recht stolzer preis. Die lebensmittel sind alle sehr teuer, allein der transport kann es nicht sein. Auch lokale avocados sind preislich am oberen ende. Überall gibt es bars, restaurants oder tauchschulen. Das geschäft boomt. Das bild der tollen sandbucht in meinem kopf war jenseits der realität, eine enttäuschung für mich.

Heute ist der zehnte tag auf see, gestern fiel krankheitsbedingt aus. Nicht dass es mir heute besser ginge, abwärts geht immer. Der hustenauswurf ist jetzt grünlich, und gestern abend fing das linke ohr an sich zu melden, dann in der nacht auch das rechte. Überall kommt jetzt diese entzündung durch, unschön, um es freundlich zu formulieren. Dafür habe ich heute morgen in der bordapotheke etwas für die nebenhöhlen gefunden, eine noch geschlossene ohrentropfenpackung, etwas gegen den husten und noch nasenspray. Der chemiekrieg hat begonnen, denn aus dem einen ohr kam heute blut heraus.

Der wind ist seit tagen konstant schwach, aber freundlich zur richtung. Jetzt geht es gerade direkt zum ziel, jedoch habe ich mich auch schon neunzig meilen nördlich von der optimalen route entfernt. Die nächsten stunden werden erstmal spannend, um mich herum nur regenwolken, kann hier also auch feucht werden.
Die tierwelt hier im ozean wird spärlicher, wenn ich einen vogel am tag sehe, ist das schon viel. Vorgestern gab es ausblasungen auf dem wasser, aber zu weit, um die tierchen zu identifizieren. Und dann gibt es immer häufiger portugiesische galeeren, noch sehr klein und farblos. Keine fische an der angel und noch fünfzehnhundert meilen zum ziel.

Es ist der zwölfte tag und seit gestern hat der wind gedreht. Kaum habe ich mich auf mein linkes ohr gelegt, damit rechts die tropfen einwirken können, war die drehung da. Noch ist es kein drama, anstatt achterlichem wind geht es jetzt hoch am wind. Nur dafür müsste es auch wehen, und wenn ich mal auf drei knoten komme, ist es schon gut.
Die kranheitsabwehrschlacht ist im gange, zwei produkte sind auch auf pflanzlicher basis. Nur was ich mir da eingefangen habe, ist noch nicht klar. Gestern morgen war mein rechtes auge verklebt und jetzt ist da passende ohr dazu auch dicht. Dafür habe ich heute morgen mal geduscht, ich rieche nicht viel, schmecke auch wenig und es war an der zeit.
Gestern abend bin ich noch mit einem glas rotwein in der hand in den sonnenuntergang hinein gesegelt, das sollte ich häufiger wahrnehmen. Es ist viel besser, als die abende im hotel als beraternutte vor der glotze zu hängen, damit man am nächsten morgen wieder frisch auf der matte stehen kann. Aufhören kann sich lohnen. Noch dreizehnhundertfünfzig meilen.

Mein zustand wird nicht schlechter, heute am dreizehnten tag. Das essen gegen den verderb hat auch schon begonnen. Die letzte avocado lag auf einer möhre, wer nun zuerst gesüppt hat, weiss ich nicht. Die möhre war wegwerffällig und die avocado nach wegschnitt gut essbar. Eine weitere tüte mit karotten hatte auch schon eigenleben entwickelt und vereinzelt schimmeln die orangen an druckstellen. Dafür sind die äpfel und kartoffeln sehr formstabil. Der kühlschrank wird in ein paar tagen abgeschaltet werden.
Das segeln ist nicht berauschend, die segel stehen, wenn es gut geht, bei drei knoten, eher ein halber weniger. Fünf wären schon etwas für den kalender, dafür alles in der richtigen richtung. Vielleicht unterschätze ich die nettomeilenanzahl, zur zeit geht es wieder zur geplanten route zurück, die neunzig meilen nach nord werden langsam aufgebraucht.

Den dreizehnten tag habe ich ohne weitere schäden überlebt. Das senken des fiebers durch medikamente halte ich für zwiespältig. Es senkt die temperatur und die gäste haben es wohl. Seit zwei tagen gibt es das nicht mehr. Die alte methode, mit dem handtuch um den kopf schlafen zu gehen, bevorzuge ich eher. So langsam wird es besser.
Zum sonnenuntergang zeichnete sich der kommende wind schon ab, ein leichtes reffen der genua sollte reichen. Dann um mitternacht ein heftiger wind und ein kurs nach südsüdwest. Der richtige zeitpunkt für einen kurswechsel, bei völliger dunkelheit nicht schön, aber machbar. Die leinen hatte ich vorher noch kontrolliert, dass sie nicht irgendwo hinterhaken. Dann eine halse, danach das groß und ein neuer kurs. Leider hatte ich die windsteuerung nicht fixiert und diese hat sich ausgekuppelt. Ein wiedereinkuppeln in der dunkelheit kann zu bösen verletzungen an den händen führen, meine müssen erst restlos wieder abgeheilt sein. Für den rest der nacht ging es dann mit dem autopiloten auf einen wieder optimalen kurs.
Vor zwanzig monaten war ich auch nahe dem zwanzigsten breitengrad und da verschwanden sie. Aber seit gestern nacht sie sind zurück und gleich drei gäste. Einer davon schwimmt schon wieder als köder. Wenn sie fliehen, müssen auch die jäger hier sein.

20180707 neue gaeste

 

Wenn der wind so bleibt, dann sind es nachher unter zwölfhundert meilen bis zum ziel. Und ich vermisse den müll im meer. Entweder er ist nicht so dramatisch oder ich habe einen anderen kurs genommen. Die henderson insel liegt fünfhundert meilen südwestlich von mir und dort soll es schlimm aussehen. Alles, was ich hier entdecke, sind bis zu handteller große rote stücke von plastik. Der verursacher ist mein rumpf, der sich von seiner farbe befreit. So soll es eigentlich nicht sein, sammele ich doch jedes plastikteil, damit es nicht in den nahrungskreislauf eingeht. Und nun das.

20180721 schiffsfarbe

 

Am nachmittag wollte ich mich einfach nur auf das bugbrett setzen, als mir unter dem schlauchboot ein rostiger ring auffiel. Ich weiß noch nicht, wohin das teil gehört, aber auf der suche bin ich auf etwas größeres gestossen. Und dabei habe ich vor ein paar tagen das starten des dieselgenerators eingestellt, weil er einfach nicht will. Ohne das teil habe ich keinen ausreichenden strom, zum beispiel fürs schweißen.
In den spalt der oberwantaufnahme passt fast mein kleiner finger hinein. Vielleicht war es doch gut mit dem schwachen wind in den letzten tagen. Das grüne im spalt ist die deckenisolierung. Wieder einmal muss ich mich mit den altlasten des vorbesitzers befassen. Unterdimenmsionierte aufnahme, einfach auf das deck gebraten. Auf der steuerbordseite hatte ich schon risse in Uruguay gefunden und zugeschweißt. Hier komme ich ein wenig zu spät. Fürs erste habe ich eine kleine entlastung zur anderen aufnahme gespannt, nicht sehr stark, sollte aber halten. Somit wird auf der steuerbordseite nicht mehr mit der vollen genua gefahren werden. Und ich bin noch nicht einmal auf der hälfte angekommen.

20180707 oberwantenaufnahme

 

20180707oberwantenentlastung

 

Zusammenfassung: Die zweite woche hatte es in sich und im ganzen war sie recht gut. Die tour begann fast auf der optimal linie und endete auch dort. Der wind war bis auf ein paar minuten ziemlich schwach, eine drei. Und dennoch bin ich irgendwie fünfhundert meilen gesegelt und fast alle in die gute richtung. Nach vierzehn tagen sind es noch elfhundertfünfzig.
Was nicht so klasse war, das fieber, der rotz und ohrenschmerzen, das geht aber auch vorbei. Am ende der woche noch das disaster mit der oberwantenaufnahme am backborddeck. Das ganze ist mit dem deck herausgerissen, warum ist nicht klar.

woche2

 

Heute ist der fünfzehnte tag und die nacht war schlecht oder kurz. Der riss im deck ließ meine gedanken nicht ruhen, und ich plane schon einen längeren aufenthalt auf Tahiti oder, wenn sein sein muss, in Neuseeland. Das strukturelle problem und ein paar weitere werden dann zu einem weiteren refit werden. Wenn der riss grösser wird, muss ein augbolzen ins schanzkleid, als neue provisorische aufnahme.
Meine erkältung ist über dem berg, auch was schönes. Nur heute ist wieder treibendes flautensegeln bei zwei windstärken. Es ist warm und das ist für meine notklebung von vorteil. Ich habe noch eine angebrochene tube scheibendichtung gefunden, von meiner volvorestauration vor fünfzehn jahren. In der mitte war das zeug noch weich und die matsche ist dick um den riss aufgetragen. Diesen hatte ich noch vorher freigelegt, er ist grösser als gedacht. In den spalt passt mein finger hinein. Über dem klebenden zeug habe ich klopapier aufgetragen, für eine schnellere hautbildung und damit sich leinen nicht mit dem zeug einsauen. Hoffe ich mal, dass es so elastisch ist, dass das wasser draußen bleibt.

20180708 oberwantendichtung

 

Der heutige sechzehnte tag ist wie gestern oder viele andere tage. Für mich ist es heute schon heiß, sonnencreme fünfzig und schatten. Der blaue wolkenlose himmel und der nicht vorhandene wind bringen wieder einmal einen zwei punkt x knoten tag zusammen. Das ergebnis ist dann um sechzig, je nach x. Heute wird es vielleicht ein wenig mehr werden, der motor lief für den watermaker. Dieser wird langsam schlechter, hat er doch schon vierhunderter salzwerte im trinkwasser. Noch nicht schlimm, ab neunhundert soll man das salz erst schmecken.
Als nebenaufgabe habe ich ein paar gedanken zum neuen deckslayout gestartet. So mal zwischendurch wird es wohl nichts, denn die genuaschinen müssen auch angefasst werden. Ein landaufenthalt steht wahrscheinlich bald an.
Und ich habe den zwanzigsten breitengrad unterschritten, diese imaginäre line war für den frust wichtig und ist bezwungen. Nur noch elfhundert meilen.

Das war gestern wieder eine pleite, das segeln habe ich mit dem sonnenuntergang eingestellt, null wind. Dafür immer sonne und kein regen. Und hier liegt ein mögliches problem, noch nicht für mich, solange der watermaker laufen kann. Aber wenn irgendjemand plant, damit den regen einzufangen, dann sollte er mehr glück haben als ich. Die haben früher doch sehr gepokert oder sind andere routen gefunden.
Meine ernährung wird sich ab heute auch wieder ändern, der letzte joghurt ist aufgebraucht, der schimmelige trockene ingwer ging ins meer, und es sind noch sechs äpfel vorhanden. Heute abend noch etwas mit einer paprika und einer möhre und dann war es mit dem frischen vorbei. Abgesehen von den kartoffeln, einem kohl und einer handvoll zwiebeln .
Auch wird es wohl wieder ein zwei punkt tag werden.

Ich bin seit zwei tagen ein daily sailor. Abends werden die segel geborgen und nur die genua bleibt ganz klein draußen, so dass sie nicht irgendwo scheuern kann. Das tagesergebnis ist sehr schlecht und heute wird das ganze noch einmal getoppt. Das meer ist öligbleiern, null wind, nur sonne. Das habe ich genutzt, um das groß zu flicken, nicht schön und hoffentlich haltbar. Danach noch zwei reffleinen miteinander getauscht und ende. Zwischendurch kamen ein paar blasende meeresbewohner zum schiff, aber das war es auch schon. Wenn das so weiter geht, dauert es noch zu den Marquesas.

Es waren sehr langsame tage, aber heute bin ich im geschwindigkeitsrausch. Heute ist wind, alles ist wind im gegensatz zu gestern. Mit bis zu vier knoten fliegt das schiff durch die wellen. Der kurs ist mäßig und in ungefährer richtung. Es hat sich gelohnt, das groß gestern zu nähen. Die letzten drei nächte waren mies, keine segel, kein wind und das schiff wiegt sich von einer seite zur anderen.
Wenn es weiterhin gut läuft, bin ich heute abend, am neunzehnten tag der reise unter tausend meilen.

Seit zwanzig tagen bin ich seit der Osterinsel auf dem meer unterwegs. Gestern war endlich mal wieder ein segeltag und das ergebnis war mäßig, wenn auch dreimal so viel wie am tage zuvor. Den optimalen kurs kann ich nicht fahren, aber dreißig grad mehr gehen. Dafür habe ich gerade den achtzehnten breitengrad überschritten, bin unter tausend seemeilen zum ziel und habe auch schon die hälfte der strecke geschafft. Täglich wird es wärmer, draußen und im schiff und mein schlafplatz ist wieder im gang.
Ich vermisse meinen lieblingsdreizehner, den ich noch vor zwei tagen benutzte. Meine befürchtung ist, dass ich ihn mit den holzspänen über bord geworfen habe. Das kann ich mir aber nicht so recht vorstellen, mein liebling auf dem pazifischen ozeangrund. Dafür ist aber der adapter zum abfüllen eines bieres in flaschen fertig, und bei der nächsten flaute geht es los, das bierbrauen.

Brauche ich eine flaute, kommt der wind und umgekehrt. Das ist der erste tag mit wind um zwanzig knoten und das schiff ist wieder munter. In der nacht luvt es dummerweise immer an, so dass ich einen nordkurs gefahren bin. Vor dem kaffee heute morgen ein wenig mit den segeln herumtüdeln, windfahne neu positionieren, das hauptruder einstellen und schon war eine deutlich bessere richtung möglich. Das ganze bei über fünf knoten, der erste mal seit sehr langer zeit.
Nur meine elektronik fängt schon wieder an auszufallen. Gestern war es der ruderstandsanzeiger, glücklicherweise war der stecker nur heraus. Aber er hat sich auch ein wenig gedreht, so dass die anzeige nicht mehr stimmt. Heute nacht nur kurz und jetzt am vormittag ist die windanzeige ausgefallen, wieder einmal. Es geht auch ohne, mit wäre besser.
Und das beste sind die neunundneunzig meilen von gestern mit einen nordanteil, aber auch ok. Somit sind es unter neunhundert zu den Marquesas am einundzwanzigsten tag.

Die dritte woche endete mit einem riesigen stück weiter, über hundertzwanzig meilen, nur wie… Wochenfazit: Der erste tag war noch anständig und dann war der wind abgeschaltet, deutlich auf dem bild zu sehen. Erst vor drei tagen, als ich beschlossen hatte, dass ich wieder gesund bin, ging es voran. Leider auch mit einigen kursabweichungen und seit gestern auch mit dem ausfall von teilen der navigationselektronik. In summe der woche kam aber fast wieder eine vierhundertfünfzig heraus. Die rote linie ist meine variable route zum ziel, und das sieht gut aus, nachher werden es unter achthundert sein. Durch die letzten drei tage bin ich aber auch hundertfünfzig meilen von der blauen linie abgegedriftet. Das muss sich jetzt ändern. Auch hat sich die erste insel geändert, ich werde wohl doch Fatu Hiva anlaufen, sechzig meilen weniger.

woche3

 

Was hat sich noch geändert, einiges. Seit einer woche laufe ich barfuß, da es schon sehr warm ist. Heute habe ich das erste mal seit über einem jahr auf dem deck mit der solardusche geduscht, was schön ist. Seit über einer woche gibt es keinen alkohol mehr, ist aus und nicht dramatisch. Tut meiner leber und dem rest auch mal gut, vermissen tue ich es nicht. Noch immer will kein fisch zu mir aufs schiff, heute ist schon wieder ein glücklicher entschwunden. Glücklich, weil er nicht in der pfanne endet, aber unglücklich, weil er jetzt einen haken mit einem gewicht und einer plastiktütentintenfischattrappe  umherschwimmen muss. In ein paar tagen ist der haken durchgerostet, sein glück. Und zu guter letzt läuft die windanzeige wieder, ein mysterium.

Heute ist der dreiundzwanzigste tag mit einer gemischten nacht. Häufiges aufstehen und den kurs korrigieren und am morgen habe ich mit den segeln herumgespielt. Mal nach links oder rechts und am ende ist es bei links geblieben. Der zielkurs ist jetzt um nordwest, alles brauchbar.
Und da der wind ein bißchen nachgelassen hat, ist es mal wieder zeit, um wasser zu machen. Heute habe ich das bier angesetzt, ein sehr dunkles, und das soll auf den Marquesas fertig sein. Wenn es mit der geschwindigkeit so bleibt, bin ich allerdings zu spät dran. Acht tage dauert die erste fermentierung, danach auf flaschen ziehen und weitere sieben tage warten, besser länger. Wenn die hefe noch gut ist und das vorgebräu, das schon seit vier jahren abgelaufen ist, dann kann es etwas werden. Auch habe ich versucht, so reinlich wie möglich zu sein. Jetzt arbeitet die brühe in der mittelkabine vor sich hin, der ruhigste platz im schiff, das ganze sechhundertsechzig meilen vorm neuen ziel. Das dunkle stout habe ich gewählt, weil man es nicht zum durstlöschen herunter stürzen kann, eher was für den geschmack.

20180716 suedseebier

 

Die nacht auf den vierundzwanzigsten tag war gut, ich konnte recht gut schlafen. Der wind hatte sich langsam gedreht, zu meinen ungunsten. Am morgen habe erstmal die segel auf die  andere seite gebracht und schon laufen wir wieder auf kurs. Dieser ändert sich auch, je weiter ich nach norden komme, desto mehr west muss ich steuern. Der gestrige tag brachte fast hundert meilen.
Auch habe ich gestern am nachmittag eine neue tintenfischattrappe an die angel geknotet. Bis zum sonnenuntergang war kein fisch dran, nur etwas, das wie ein stück angelsehne aussah. War ein wenig glitschig beim abpulen. Fünf minuten später brannte mein kleiner finger, sofort mit spühlmittel gesäubert. Das brennen dieser kleinen nessel hat eine stunde angehalten. Ich möchte nicht in so eine qualle hineinschwimmen.
Noch eine kleine liste, was es alles nicht gibt, außer einem fisch. Seit der Robinsoninsel gab es keinen regen, gestern war der letzte apfel gegessen, kein wein seit über einer woche und auch kein gemüse mehr. Der kühlschrank ist aus und am tage produzieren die solarpannels genügend strom für die navigationsinstrumente und das gps.
Heute ist der wind wieder schwach und es sind noch fünfhundertachtzig meilen bis zum ziel.

Später am nachmittag kam dann eine schwarze wolkenfront, gerade noch vom vertrocknen geschrieben und dann das. Der wind nahm spürbar zu und ich habe schon mal alle luken geschlossen. Neben der wand gab es weiter achtern noch eine fette wolke. Alle kamen näher und die ersten feinen tropfen fielen, leider auch in die treppe hinein. Also schiebeluk zu, türen zu und runter. Von dort habe ich noch ein wenig den kurs korrigiert und das schiff fuhr fast sieben knoten. Keine zehn minuten später war wieder die halbe normalgeschwindigkeit im schiff, luke wieder auf und raus. Was für eine pleite, die ersten tropfen waren die einzigen. Danach gab es noch ein paar kleine windversuche und um fünf habe ich den betrieb eingestellt, angel ohne fisch eingeholt. Die kleine genua ist von beiden seiten gespannt und so treibe ich für die nächste zeit, zum glück auf dem richtigen kurs.

Wieder ein tag später, und es ist nicht viel passiert, außer einem regenschauer in der nacht. Ich bin durch dieses neue geräusch wach geworden und musste schleunigst die türen schließen. Der niedergang war schon feucht, aber so richtig kräftig war das nass vom himmel nicht. Am abend war ich ja nur mit der genua voran getrieben. Das war super, alles auf dem richtigen kurs, wenn auch mit zwei knoten recht langsam. Jetzt am tage ist nur die genua grösser, der kurs ist fast west und das ganze mit vier knoten. Schneller würde es mit dem groß gehen, nur dann nicht da hin, wo ich hin will. Wenn nur nicht dieses durchschaukeln von links nach rechts wäre. Der wind kommt genau von achtern, also ein fetter ostwind. Ich warte auf den drehpunkt, das soll ja ein südost passat werden. Noch fünfhundertundzehn meilen.

20180626 sonnenaufgang

 

Das mit den zwei knoten ist seit heute passé. Der wind hatte gestern abend schon mehr auf süd gedreht und zugenommen. Nur mit der gerefften genua geht es vorm wind mit fünf bis sechs knoten voran. Der kurs ist noch nicht ganz genau der zielkurs, da fehlen noch zehn grad. Gestern waren es schon wieder über neunzig meilen und noch vierhundert bis zur insel.
Und wenn ich so in der plicht sitze und anfange zu denken, da kommt mir gerade ein thema besonders hoch. Zum einen: bloß nicht über bord gehen, das ist immer absolut tödlich. Ich achte immer auf einen festen griff, da ich mich nicht festbinde. Es sind ja auch erst sechs windstärken, wobei die wellen tückisch sind. Der andere gedanke dreht sich um eine rettungsinsel oder ums schlauchboot, falls man das schiff wirklich verlassen muss, weil es sinkt. Die chance auf eine rettung sehe ich sehr skeptisch. Wenn jemand bei diesem schönen wetter dreihundert meter weit weg treiben würde, ich würde ihn nicht bemerken. Er oder ich sind im wellental, ich schaue in die andere richtung oder bin unter deck. Da kann jemand draußen noch so brüllen, da höre ich nichts. Und wenn das wetter richtig mies ist, geht noch weniger. Also bloss kein schiffbruch oder hoffentlich funktioniert meine eprib.

Der siebenundzwanzigste tag brachte auch keinen fisch, wie gestern. Nur habe ich schon wieder eine nessel gefangen und bin heute etwas vorsichtiger damit. Also gibt es heute wieder ein vegetarisches curry, oder schon ein veganes.
Der wind hat noch immer nicht zur zieleinfahrt gedreht, er kommt aus ost. Heute nachmittag  habe ich dann auch mal die segelseiten gewechselt, die steuerbordseite konnte den kurs nicht mehr so gut erreichen. Auf der backbordseite habe ich kein stabiles system hinbekommen und das groß dazu genommen. Jetzt geht es mit dem richtigen kurs. Ansonsten nichts neues, die fliegenden fische werden mehr und größer. Die bier blubbert vor sich hin, keine schiffssichtung, kein treibgut und nur sonnenschein. Außer gestern nacht, da bin ich durch regentropfen auf meinen füßen wach geworden. Mit dem achterlichen wind kommt heute die luke gleich zu.
Da ich immer weiter nach westen komme, habe ich mal die uhrzeit um zwei stunden zurückgestellt. Jetzt bin ich minus acht stunden zu utc. Und schon unter dreihundert meilen bis zum ziel.

Mittlerweile bin ich schon vier wochen seit der Osterinsel auf dem meer, wie die zeit doch vergeht. Meine milchvorräte gehen glücklicherweise auch zu ende, brauch ich das weiße zeug doch nur für meine haferflocken. Und bei diesen temperaturen wird die milch innerhalb von einem tag sauer. Das schmeckt im übergang gerade noch, lecker ist etwas anderes. Diese vorräte stammen noch aus Ushuaia, als der mitsegler meinte, ohne milch geht gar nicht. Hat sich da ein wenig mit der menge verschätzt. Er hätte sich auch gern ein paar bricks mitnehmen können, wäre auch nicht aufgefallen. Aufgefallen ist mir allerdings, dass er sich den matetee still und heimlich eingesteckt hat. Das ist nicht die feine art, wenn er gefragt hätte, hätte ich es ihm sowieso gegeben. Macht auf jedenfall keinen guten eindruck und einen sauren nachgeschmack.
Mein reiseziel rückt erstaunlicherweise sehr schnell näher, gestern waren es hundertdreißig meilen und es geht mit fünf voran. Die sonne brennt schon ein wenig, der wind weht stetig, und heute mittag werden es unter zweihundert meilen sein, klasse.

Gestern waren vier wochen herum und es lief wie geschnitten brot. Kleine reparaturen, essenszubereitung und das vorspülen der leeren flaschen. Das war es und schon wieder ein abgebissener köder, ein teil vom plastik und der haken sind futsch.

20180721 tintenfischatrappe

 

Die zusammenfassung der vierten woche: Ich habe zehn längengrade und über vier breitengrade geschafft und das ganze mit sechshundertneunzig meilen. Fast alle sind nettomeilen ohne umwege. Auch wenn ich das nicht glauben mag, der südost passat fing wohl ab dem fünfzehnten breitengrad an. Denn so ein gutes wochenergebnis hatte ich sehr, sehr lange nicht mehr. Gestern habe ich auch die geplante route gekreuzt, da die bay of vergins südlicher als die hauptinsel liegt.
Das bier, das ich am anfang der woche angesetzt hatte, muss bald abgefüllt werden. Das passiert morgen, wenn ich angekommen bin, denn das sieht so danach aus. Zum schluss alles viel zu schnell, so musste ich gerade noch den wassertank über ein drittel füllen. In den buchten soll oft sediment von den flüssen sein oder hausabwasserdreck. Bis zur zielbucht sind es noch hundert meilen.

woche4

 

Am letzten tag auf see habe ich mal versucht, mit der waschmaschine meine wäsche zu waschen, mit salzwasser. Ging recht gut, zum schluss mit trinkwasser gespült, nur das schleudern ging nicht besonders gut. Zum anfang schrabbelte die trommel in der maschine, wenn sie auf touren war, ging es. Das schaukeln hat sie immer wieder aus dem takt gebracht.
Der abend verabschiedete sich mit einschlafendem wind, nicht das, was ich brauche, und so ging es mit drei knoten in die nacht. Bis zum morgen hatte es sich dann doch sehr gebessert, morgens um acht war ich weiter westlich als gewollt, aber das war gut für den weiteren kurs.
Es waren noch dreißig meilen bis zum kap der insel, und dann noch einmal sechs bis zur bucht. Am kap war ich in vier stunden, so schnell wie noch nie im pazifik. Die insel konnte ich erst zehn meilen vorher erkennen, da sie in wolken lag. Um halb drei war der anker beim zweiten versuch fest.

20180723 fatuhiva erster blick

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

20180723 fatuhiva erster eindruck2_0

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

20180723 fatuhiva erster eindruck

 

Déja vu, warum nur. Als ich den gang einlegen wollte, ging gar nichts. Das fast gleiche spiel wie auf der Osterinsel. Gestern lief noch alles super und jetzt das. Ich habe dann den bowdenzug abgeschraubt und im motorraum von hand gesteuert. Nur ein ankermanöver mit herunterlaufen, auskuppeln und zählen ist nicht so einfach. Beim ersten mal vergaß ich, weiter zu zählen, der anker hielt nicht. Wieder einkuppeln und das ganze von vorn, bei fallwinden in der bucht um dreißig knoten zwischen den anderen sechs segelbooten. Trotzdem geschafft.
Das erste war dann, die wäsche aufzuhängen, leider keine gute idee. Mindestens ein besseres handtuch und ein shirt sind wegen böen über bord gegangen, vielleicht auch mehrere teile. Danach die abfüllung des bieres vorbereiten und durchführen. Um fünf uhr war es dann vollbracht, fünfundvierzig flaschen befüllt.
Wenn das hier die schönste, beste, aufregendste und tollste bucht sein soll, dann will ich noch gar nicht wissen, wie die anderen sind. Vielleicht waren die anderen segler nur landgeil nach den wochen blauen meeres. Ok, es ist grün, eine vulkaninsel wie die Robinson Crusoe Insel und mehr bäume und pflanzen. Das war es aber, vielleicht bin ich nur ein wenig abgestumpft und morgen sieht alles besser aus.

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

20180723 fatuhiva hanavave

 

Dieser reiseabschnitt war etwas anders, als diejenigen zuvor. Es ging oft langsam, aber immer in die richtige richtung. Somit habe ich für die zweitausend meilen nur zweihundert mehr benötigt, ein spitzenwert. Es gab keinen nennenswerten regen, ich habe keinen fisch gefangen, und nichts wirklich aufregendes ist passiert. So gefallen mir diese passagen.

woche5

 

Veröffentlicht unter Allgemein, motivation, Reise_2018, Route | Kommentare deaktiviert