Von La Reunion bis St. Helena (fast)

Eigentlich wollte ich den bericht von St. Helena senden. Aber wie so oft kommt es ungeplant und ich muss es nehmen, wie es kommt. Und es kam heftig, noch nie war das meer so wild, aber lest selber.

Anfang August:

Auf La Reunion gibt es jetzt einen kleinen lockdown, bewegungsfreiheit im umkreis von zehn kilometern, aufgrund der tatsache, dass es hier keine covid fälle gibt. Ist doch logisch für den kleinen goldman und sachs rothschild banker Macron. Um es gemäßigt auszudrücken, mir geht das gewaltig auf den sack.
Mit meinem stegnachbarn ging es also am Mo zum großeinkauf. Nach einer stunde waren zwei rieseneinkaufswagen voll und ich wurde um zweihundert euronen erleichtert. Somit sollte genug essen für die nächsten fünf monate an bord sein, reicht auch bis europa.

Am Di intensiv nachrichten im netz konsumiert und ich bekomme tinnitus auf den augen, ich sehe nur noch pfeifen. Die politikdarsteller haben erfahrung der bretterpenne mit geschönten lebensläufen. Da ist nicht einer, der herausragt und etwas vorweisen könnte.
Gegen mittag dann ein tomatendosennachkauf von zwanzig stück, die im großen supermarkt nicht vorrätig waren. In zwei tagen geht es los.

Nächster tag im supermarkt, es gibt kein scharfes currypulver. Das, was ich habe, muss also reichen. Zum abend hin ein letzter schnack mit Jan in seinen vier-meter boot. Was bin ich langsam, er ist vor zwei jahren in der Bretagne gestartet. Er hatte essen für sechzig tage an bord, als er von Neukaledonien aufgebrochen ist, verrrry risky. Vielleicht sehen wir uns in Frankreich wieder.

Der abreisetag, morgens trinkwasser aufgefüllt, dann meinen staubsauger Robbi gereinigt, alles festgezurrt, letzte mails versendet, letztes wetterupdate geladen.
Um zwölf uhr ging es auf meer hinaus, groß gleich im ersten reff gesetzt und dann ging es los. Zuerst ein wenig zickzack, dann blieb der wind weg. Mit motor weiter und zum sonnenuntergang kam dann der wind wieder. Die genua war klein und das groß offen, da ich in dem wetter nicht reffen konnte. Ich hatte keine sicht, nur leichte regenbekleidung, und es wurde kalt. Ab und zu kam spritzwasser über und ein sehr lauter knall in der nacht. Am morgen dann erste schadensbegutachtung, der baumniederholer hatte sich aus der nut im großbaum gerissen.

20210807 baumnut rausreisser

 

20210807 baumnut

 

Tag2: Genozid Hiroshima ist vorbei und mit einhundertneunzehn meilen läuft es gut. Der wind schwankt zwischen fünfzehn und fünfunddreißig knoten. Dafür ist der kurs ok, wobei die see ungleichmäßig rau ist, viele verschiedene wellenrichtungen. Ich fühle mich noch immer plümerant, unpässlich, das geht in zwei tagen weg. Zu mir nehme ich viel vitamin c, denn das essen will ich noch nicht. Das tzatziki von gestern zieht weiter vor sich hin.
Diesmal werde ich die etmale von mittags bis mittags nehmen, in der nacht werde ich versuchen zu schlafen.
Zweite nacht und zweimal radaralarm, dann den computer und ais an. Checken und warten bis das schiff wieder außerhalb des radaralarms ist. Radar wieder anschalten, da ich den warnton nicht ausschalten kann, soll so sein. Lieber einmal häufiger fehlalarm als überlaufen zu werden. Das ganze passierte dann eine stunde später noch einmal, diesmal drei schiffe, ich habe den computer laufen lassen und die eieruhr gestellt, das macht müde. Die schiffe kommen vom kap und wollen nach asien oder umgekehrt.

Tag3: am morgen hat der wind etwas nachgelassen nur noch um zwanzig, die französische gastlandflagge hat es nicht überlebt. Dafür gab es schwarzbrot mit schinken, einer tomate und kaffee wie üblich. Das seeleben fängt wieder an. Eine schiffssichtung am tage und in der nacht bin ich außerhalb der route, alles gut.

20210807 frankreich ade

 

Tag4: Genoizid Nagasaki, in der nacht musste ich die segel schiften, der wind hatte gedreht. Nur nach süd wollte ich nicht und deshalb wieder in richtung wendepunkt im süden von Madagaskar. Am morgen den fünfundzwanzigsten breitengrad überschritten, es läuft langsam mit achterlichem wind. Weniger wind bedeutet hundert seemeilen seit gestern und nicht so stessig. Nach dem frühstück, zwei spiegeleier auf schwarzbrot mit schinken und die butter habe ich für die eier verwendet, zwei schiffssichtungen. Auch habe ich mir das erste mal seit abfahrt zwei neue kurbeln aus dem vorrat gegönnt.

20210807 neue kurbel

 

20210807 neue kurbel

 

Tag5: Seit gestern nachmittag kein wind mehr, also motoren für die batterien bis zum sonnenuntergang. Somit war die nacht ruhig, kein autopilot und treiben lassen. Das ergebnis des tages waren auch nur etwas unter fünfzig seemeilen und es wird bis morgen auch nicht besser werden. Die ruhige see habe ich für die abfettung der antriebswelle genutzt. Und dann war da noch der baumkicker, auch halbwegs geflickt. Eine neue niete, die andere seite ist ja abgerissen, und ein gurtband um den baum herum – das muss erstmal halten, denn es ist viel material von der führungsnut herausgebrochen.
Eine schiffssichtung am morgen.

Tag6 und die nacht waren auch ruhig, wie der vorherige tag. Ohne segel und mit der ankerlaterne durch die nacht driftend. Mit dem morgengrauen bin ich aufgewacht, noch kein wind, aber das erste schiff. Am vormittag dann leichtes segeln mit bis zu drei knoten und auf dem richtigen kurs. Gegen mittag dann drehender wind, und wenn es so weiter geht, fahre ich richtung eis. Das treibende etmal liegt bei dreißig meilen, es geht auch schlimmer. Insgesamt zwei schiffssichtungen.

Tag7: Die nacht wurde unruhiger, ich musste die genua sehr verkleinern. Am nachmittag bin ich gestern noch nach nordwest gesegelt und heute morgen war ich wieder auf der geplanten route. Der wind hat sich um hundert grad zu meinen gunsten gedreht. Aber eigentlich fing der tag mies an. Durch die schräglage konnte ich die wc-schüssel nicht mit genügend wasser füllen, sonst wäre die brühe übergelaufen. Mit jahrelanger erfahrung habe ich versucht, mit offenem deckel mein lavac zu leeren. Nach zweimal pumpen kamen feste teile aus der mitte heraus gehüpft und landeten auf der brille. Verdammte kacke. Alles wieder zurück, das gröbste gesäubert und deckel zu. Am nachmittag waren weniger wellen.
Jetzt am vormittag geht es mit dreißig knoten plus wind voran. Die see ist rau, aber es läuft mit fünf bis sechs knoten durchs wasser. Der baumniederholer hat leider nicht gehalten, nur der gurt ist noch stabil. Gegen mittag dann wieder das zweite reff reingezogen und dabei hat sich die leine in die vordere rolle hineingequetscht, neue reparatur. Die leine konnte ich wieder herauspulen, und bei einer sichtkontrolle den mast hinauf kam wind unter meine mütze. Sie wird erstmal eine zeitlang im südindischen ozean verweilen. Jetzt geht es nur noch bis fünf knoten voran, ankommen ist die devise. Ein überholer gegen mittag im großen abstand.

20210813 kochen im schiff

 

Tag8: Die nacht war ok, keine schiffe, jedoch nachreffen der genua. Am morgen der erste entgegenkommer, war deutlich näher. Der wind hat weiter gedreht und kommt fast achterlich, somit geht der kurs wieder südlicher. Die wellen sind wieder flacher und die letzte scheibe schwarzbrot ist mit einem großen rührei in der verwertung, war lecker. Am nachmittag die ersten fliegenden fische, seitdem ich La Reunion verlassen habe. Die ersten fliegenden landungen werden noch erwartet, was bis auf einen kleinen tintenfisch vor sechs tagen mal eine abwechslung wäre.

Woche1 gesamt:
Ich bin auf einundzwanzig grad südlicher breite und fünfundfünfzig grad östlicher länge gestartet. Der anfang war von null auf hundert recht heftig, mein körper muss sich auch erstmal wieder daran gewöhnen. Abgesehen von zwei tagen lief es recht gut und am ende der ersten woche sind es sechshundert meilen brutto, nur zehn prozent umweg. Bis hier habe ich auf dieser fahrt nur das ergebnis vom gps genommen. Bislang wurden über sechs breitengrade und sieben längengrade bewältigt. In hundert meilen entfernung ist der erste wegepunkt auf der route. Die hundertfünfzig meilen markierung ist aus der routenbibel für den abstand zu Madagaskar. Dann geht es direkt zum kap mit gebührendem abstand.

woche1

 

woche1sm

 

Tag9: Die nacht war ok, keine störungen nur einmal war ich an deck. Es klang nach etwas losem um den mast herum und es war nur ein brett klappernd mit dem rest der segellatte im schiff. Zum morgen hin kaum noch fahrt im schiff, segel neu justieren und am vormittag geht es mit fünf knoten voran. Leider noch nicht auf dem neuen wunschkurs zum kap.
Dann gab es einen arsch voll ab drei uhr zum tee. Vierzig bis fünfzig knoten wind und ich hatte einem gefühl folgend schonmal gerefft. Danach eine halse gefahren und der neue kurs ist nordwest. Kaum war damit fertig kam ein heftiges gewitter und so ging es in die nacht hinein.

Tag10: So ging es auch die nacht hindurch, ab und zu ein fehlalarm beim radar und viele brecher an das schiff und darüber. Durch die ritzen an der tür kam ein bißchen wasser auch hindurch. Das gute ist, dass der windgenerator bei diesen bedingungen die batterien voll geladen hat, geht doch. Am morgen während einer kurzen pause das deck gesichtet und alles noch da. Nur mein eimer aus Montevideo stand am heck ohne seine sicherheitsleine, adé. Außerdem wird es kälter, barfuß ist bald nicht mehr. Dieser tag ist für die rückfahrt zur route, von der ich schon vierzig meilen nach norden abgewichen bin.
Das ganze sehe ich als training, das kap ist noch vor mir.
Interessant ist das segelverhalten in einer windpause mit zwanzig knoten. Das schiff fährt erst nur mit zweieinhalb – kommt dann der wind nach einer leichten drehung und zehn knoten mehr zurück, sind es gleich fünf knoten fahrt. Ich habe mir gerade ein wenig den arsch draußen abgefroren und dachte an eine vergrößerung der genua, zum glück waren es nur gedanken. Was mich doch ein wenig beunruhigt, sind zehn hPa mehr auf dem barometer, das muss auch wieder abgebaut werden. Bei einer wellenhöhe von fünf metern wird es kein spaß werden.
Gegen mittag dann flaute und das schiff driftet nach norden mit sonnenschein. Es sieht aus, als ob ich im zentrum des sturmes wäre. Der motor ist leicht an, nur um die richtung vorzugeben. Gestern war Fr, der dreizehnte und er kostete mich die türsicherung zur plicht und die türhalterung der badtür, weil ich dagegen gefallen bin. Außerdem bin ich in die sprayhood gestolpert, rechts außen ist sie abgerissen. Und heute tropft es von der decke in der küche, entweder eine außenscheibe oder die genuaschiene wird kontrolliert undicht. Na mahlzeit.

20210814 barometer

 

Tag11: Um vier uhr dreißig radaralarm und um fünf uhr passierte das über zweihundertundzwanzig meter lange frachtschiff als entgegenkommer an meiner backbord seite. Das schiff Glyfada I aus Malta ist auf dem weg nach Singapore und hat erst im letzten augenblick seinen kurs um drei grad verändert. Vorher wurde bei mir der ais-alarm in metern angegeben, und so änderte ich fünfzehn minuten vorher meinen kurs um zehn grad. Besser früher als zu spät und in der summe kamen dann null komma zwei seemeilen als nächster abstand zu dem schiff heraus. Und dann zwei stunden später wieder alarm, diesmal war der abstand groß. Aber das kostete wieder schlaf, ich werde immer müder.
Am späten vormittag habe ich mal die handbremse gelöst und die genua wieder ausgerollt. Immerhin ein paar knoten mehr, auch mal fünf. Draußen ist es bewölkt, keine sonne und ich trage schon mal wollmütze. Die strümpfe ziehe ich auch nicht mehr aus.

Tag12 mit einer alarmfreien nacht, und die sonne kommt heraus. Somit muss ich heute keine mütze tragen. Das segeln oder treiben ist mühsam, knapp zwei – wenn es gut läuft, drei – knoten. Das barometer will noch immer nicht langsam fallen, dafür gibt es eine schöne langgezogene dünung mit hohen wellen. Wie schön wäre es jetzt, richtig zu segeln. Wenn gäste kommen, ist es immer auch schön, wenn sie wieder gehen. Hier ist der erste gebliebene.

20210816 plichtbesucher

 

Am nachmittag dann die erste portugisische galere, fünf zentimeter segel, aber hier in blau. Danach ein mahimahi, nicht an der angel, sondern zweimal springend neben meinem schiff. Warum? Keine ahnung, sicherlich wollte er nicht spielen. Und für die pfanne war er zu groß, um einen meter lang. Zum sonnenuntergang eine walsichtung hundert meter entfernt und der zweite querte fünfundzwanzig meter vor meinem bug. Ein naturtag mit wenig wind.

Tag13: Die nacht hatte nur einen fehlalarm, danach war ich weitere zwei stunden wach. Den schlaf habe ich im morgengrauen nachgeholt. Der wind hat gedreht und kommt achterlich, nicht mein ding. Das schiff wankt von links nach rechts und zurück, die genua ist hilflos. Dafür habe ich gegen mittag die route wieder errreicht und der dreißigste breitengrad war in der nacht überfahren. Ein trost: es ist sonnig, nur die alte welle kommt von links und die neue von hinten, mieses segeln. Die letzten drei tage habe ich jeweils nur siebzig seemeilen gemacht, immerhin in richtung kap.

Tag14 fängt bewölkt an, das meer ist in der wellenart freundlich, meist in eine richtung. Seit gestern lief es gut, in der nacht musste ich wieder die segel schiften und zurück zur route laufen. Das barometer ist inzwischen bei tausenddreiundzwanzig angekommen. Gestern abend nur ein schiff am horizont gesehen, sonst alles ruhig. Zwei neue besucher, ein fliegender fisch und ein fünfzehn zentimeter langer tintenfisch, beide durchgetrocknet. Später fand ich noch zwei weitere, kleinere tintenfische. Das etmal liegt wieder über hundert meilen, auch schön.
Am nachmittag kam die sonne heraus und der wind blieb weg. Eine gute gelegenheit, die batterien wieder zu laden, das letzte mal war vor zwei tagen. Das barometer macht mir wieder sorgen, jetzt sind es nur noch tausendachtzehn hpa, das fiel schnell ohne sturm.

Tag15: Wieder eine gute nacht, keine störungen. Jedoch das barometer fiel bis zum mittag wieder auf tausendzweiundzwanzig hpa und jetzt nimmt der wind auch zu, um fünfundzwanzig knoten. Die segel sind klein und es läuft mit sechs knoten noch recht gut. Den idealen kurs muss ich mit fünfzehn grad weniger fahren, dabei bin ich schon ein halbes etmal von der route entfernt.
Dann am nachmittag fing es an, nicht mehr so gut zu laufen. Das radar meldete ein kräftiges gewitter und als es da war, gab es auch noch blitze. Ich habe alles außer dem gps ausgeschaltet, dann kam der wind um vierzig und der regen. Danach war der kurs südsüdost und der änderte sich nicht. Nach einer weile halste ich und ging auf gegenkurs, westnordwest, na klasse. Zum anfang lief Mr. Perkins für den strom mit, obwohl es um fünfundzwanzig knoten wind waren. Morgen bin ich hoffentlich wieder auf mindestens westkurs.

Woche2 gesamt:
Und schon bin ich auf zweiunddreißig grad südlicher breite und neununddreißig grad östlicher länge. Die zweite woche lief besser als die erste, habe wieder seebeine. Ab und zu sehe ich mal ein schiff, teilweise waren es drei in der nacht, die dann nicht erholsam war. Keine weiteren schäden am schiff, die windsteueranlage fährt meistens mit, damit sie sich einarbeitet. Die lager sind zu stramm und müssen sich einschleifen, damit sie im atlantik hoffentlich funktionieren. So ist auch der stromverbrauch höher, obwohl der kühlschrank schon abgeschaltet ist. Bis auf drei tage lief es recht gut und am ende der zweiten woche sind es sechshundertzwanzig meilen brutto. Und immer noch auf dem weg zum kap, außerdem bin ich schon seit tagen südlicher als Durban.

woche2

 

woche2sm

 

Tag16 mit der miesesten nacht seit abfahrt. Bis fünf uhr morgens kaum schlaf gefunden, ständige fehlalarme durch vorbeiziehende gewitter und sehr dunkle wolken. Der kurs verlief bis mitternacht nach nordwest und dann drehte der wind endlich. Am morgen war ich wieder auf dem kurs der route. Das wetter macht hier gerade rekorde. Vor vierundzwanzig stunden war der luftdruck auf tausendzweiundzwanzig hpa, und nun sind wir inzwischen schon wieder auf tausenddreißig. Gestern am späten nachmittag waren es aber nur tausendundneun und der aktuelle wind ist nicht gerade wenig, fünfundzwanig bis dreißig. Das etmal liegt nur bei neunzig seemeilen, vielleicht auch besser diesmal. Ich segel den gleichen kurs nur heute auf dem steuerbordbug und vierzig meilen weiter nördlich.

Tag17: Den verlorenen schlaf habe ich in dieser nacht nachgeholt und bin erst um zehn uhr aufgestanden. In der nacht musste ich einmal die segel korrigieren, ansonsten keine fehlalarme. Es geht langsam voran, diesmal wieder nur siebzig meilen. Vielleicht auch wegen der gegenströmung, teilweise bis zu einem knoten. Dafür ist das wetter freundlich trocken, der luftdruck steigt noch immer, jetzt gerade auf tausendsechsundzwanzig hpa. Gerade wurde auch der dreiunddreißigste breitengrad überschritten, fehlen nur noch vier.
Der nachmittag mit achterlichem wind und ich habe noch einmal die segel geschiftet, der kurs ist wieder mehr westlich. Erschwerend fängt es an zu regnen und die temperatur fällt.

Tag18: Morgen werde ich wohl wieder schlaf nachholen. Gestern nacht war bis zwei uhr raue see, dann lief das boot mal sieben knoten im gewitter, danach drehte der wind wieder. Nachdem ich die segel neu eingestellt hatte, ging es, die fehlalarme waren auch vorbei. Das etmal liegt fast bei hundert guten meilen und jetzt zum mittag ist es sogar sonnig. Könnte alles schlechter laufen.
Ein paar stunden später: es läuft schlechter. Bei den sieben knoten speed im wellental bergab, ratterte die kardanwelle im motorraum wie eine alte achterbahn aus den sechzigern. Dort ist noch kein chaos, hingegen hat die windsteueranlage beide oberen bolzen verloren. Sie steckten gerade noch im material und wurden gerettet. Somit hat die anlage nur noch zwei bolzen und ist also out of order. Erstmal alles vertüdert, damit sie nicht stiften geht. Der kurs ist auch nicht mehr so schön, nur noch westen ist angesagt. Morgen ist auch noch ein sonnenaufgang.

Tag19 war nicht so gut. Die nacht war ok, aber es gab seit gestern abend kaum bis keinen wind. Somit war etwas treibenlassen angesagt, zur abwechslung habe ich die ankerlaterne angemacht. Das etmal beträgt auch nur fünfunddreißig meilen. Um sieben uhr gab es einen richtigen alarm, aber das schiff passierte in zwei meilen abstand. Aufstehen um halbzehn, kaffee kochen und richtig wach werden. Der wind frischte im unteren zweistelligen bereich auf und die idee, nicht mehr nach süden zu driften, gefiel. Also die genua vollständig ausgerollt und der kurs war schon besser. Nur jetzt wurde ich richtig wach, in der zweiten naht von oben klaffte ein riesiges loch im tuch.
Zum glück ist der wind nicht stark, ich bin wieder im hoch bei eintausendfünfundzwanzig hpa. Die genua geborgen, schaden begutachten und es sind nur die drei nähte. Nach der ersten naht von zwanzig zentimetern bin ich in die plicht umgezogen. Das reparaturprojekt dauert etwas länger. Bis zum sonnenuntergang genäht und fast zwei nähte sind fertig. Meine finger verkrampfen sich und meine beine werden vom sitzen weich. Morgen geht es weiter.

Tag20: In vier monaten ist schon wieder weihnachten. Die nacht hatte nur wenige fehlalarme, nachdem ich das meer auf rau und den regen auf achtzig prozent im radar definiert hatte, war es ruhig. Am morgen dann mehr wind als gestern, aber trocken. Nach dem kaffee ging es weiter ans nähen, nur heute mit mehr beineinsatz, da ich das segel doppelt festhalten musste. Gestern habe ich mir oft in den finger gestochen, heute dafür ins bein. Mit den drei nähten bin ich fast durch und arbeite schon mal mit dem speedy stitcher. Danke an meine freunde für das geschenk, jetzt kann ich es das erste mal richtig nutzen.
Es wäre gestern und heute so ein schönes segeln, ja wenn… Somit gab es nur dreißig meilen für das fortkommen. Am nachmittag zwei regenpausen und um fünf uhr war die genua wieder gesetzt. Zu meinem glück war es gerade wenig wind und als ich fertig war, ging es los, fünfundzwanzig bis dreißig knoten.

20210824 genua reparatur1

 

20210824 genua reparatur1

 

Tag21: Gestern noch zwei schiffssichtungen, die letzte mit radarintro. Der kurs in der nacht war nicht optimal, so etwas wie nordnordwest und dadurch war ich wieder über meiner route. Morgens um fünf dann mal eine halse probiert und die weiteren stunden kurs süd, teilweise mit ost. So komme ich hier nicht weg. Am morgen dann ein schauspiel, dass ich aus der Malakkastraße kannte, wenn die gezeitenströme wechseln. Das meer scheint zu kochen und nach ein paar minuten ist es wieder vorbei. Hier schenkt es mir dreißig grad weniger abdrift.
Die genua steht gut, ich hoffe mal, dass die über eintausendachthundert stiche der letzten beiden tage stabil sind. Das waren drei reihen zickzack nähte auf einmeterundsechzig. Meine finger und handgelenke müssen sich erholen.
Das ganze lief so nicht lange, dann kam der motor hinzu, um die batterien zu laden. Es war eine riesige schöne dünung mit langen und teilweise zehn meter hohen wellen. Achterbahn fahren nur der wind dafür fehlte und so war um halb fünf feierabend. Die segel geborgen, essen gemacht und in die landschaft geschaut. Morgen kommt bestimmt wind.

Tag22: Nein, er kam gestern abend um halb zehn, vor genau zwölf stunden. Die genua hatte ich nur bis zum ersten wollfaden aufgemacht, damit ich etwas vorankomme. Dann wurde der wind stärker und die wellen höher, schlafen war erst ab mitternacht drin. Inzwischen lief das schiff aber schon um siebeneinhalb knoten, die brecher kamen von der seite.
Um halbdrei gab es radaralarm, aber es war schon zu spät. Durch die hohe see konnte das radar sie nicht vorher sehen, drei größere fischerboote um mich herum. Glück gehabt und dann die genua gerefft auf einen meter. Die vierzig plus windknoten herrschen noch immer. Drei stunden später gab es einen meter genua mehr und das schiff fährt noch immer um fünf knoten. Ein harter ritt, wenigstens gibt es genug strom durch den windgenerator. Das erste mal seit langem über hundert meilen am tag.
Der pogo ging den ganzen tag weiter, ab und zu große brecher von der seite übers schiff. Zum sonnenuntergang lies der wind nach, die see blieb und das barometer fällt weiter. Zur zeit sind es tausendsieben hpa.

Woche3 gesamt:
Das war die erste woche mit schlechtem schlaf und einem ewigen hoch und runter des barometers. Zum anfang war ich froh, den dreiunddreißigsten breitengrad  überschritten zu haben. Diesen habe ich erst heute nacht wieder verlassen, nicht zuletzt durch die zwei tage segelreparatur. Und zum ende der woche will der wind alles wieder aufholen. Acht längengrade und zwei breitengrade waren das ergebnis mit vierhundertsiebenundneunzig seemeilen. Die windfahne ist unbrauchbar und noch mehr schäden brauche ich nicht.
woche3

 

woche3sm

 

Tag23: Der frische wind in stärke neun bis zehn lies gestern abend nach und drehte in der nacht um hundertzwanzig grad. Am morgen war das barometer auf den tiefststand von tausenddrei hpa gefallen. Jetzt zum mittag wieder um fünf gestiegen. Also kommt das ganze zurück, nur von der anderen seite, das kenne ich schon. Das großsegel habe ich erstmal nicht gesetzt, die genua reicht. Zum glück konnte ich in der nacht schlafen, kein alarm. Der wind kam wieder und wurde zuerst nicht so heftig, es sah nach einem guten kurs aus. Bis zum sonnenuntergang gab es zwei schiffsalarme.

Tag24: Die brecher nahmen wie der wind in der nacht zu. Teilweise über fünfzig knoten und mit lautem knall ein kubikmeter wasser zentral aufs schiff. Die sprayhood leidet sehr und wird rissig. Was mich dabei mehr nervt sind kleine wassereinbrüche und eine leckende schraube der backbord genuaschiene. Ein schiffsalarm am abend und jetzt, morgens um acht, geht das frachtschiff aus Hongkong gerade hinter mir vorbei. Draußen ist es feucht frisch und innen beschlagen die fenster. Dazu kommt, dass ich wieder am dreiunddreißigsten breitengrad bin, den ganzen tag lang ging es richtung nordwest.
Das habe ich durch eine halse geändert und bin wieder auf dem gegenkurs. Es kommt weniger meerwasser übers schiff, aber so gewinne ich keine strecke. Irgendwann muss es ja mal aufhören. Der windgenerator kreischt bei fünfzig bis sechzig knoten wind.

Tag26: Die nacht war ruhig, nur zwei schiffsalarme und der wind nahm ab. Der morgen war sonnig und trocken, schön. Dann fing das aufräumen an. Die sprayhood hat risse und löcher, darüber kommt jetzt der blaue sonnenschutz. Dann klapperte die windsteueranlage, von den vier halterungen hielt noch eine. Also alles festtüdeln. Meine decksladung von dinghies hatte sich inzwischen auf dem vordeck verteilt. Alles neu festbinden, mal sehen wie lange. Meine roten kanister haben sich hingelegt, sind aber dicht geblieben. Dann wollte ich das groß fertig machen und vom kopf hat sich der obere rutscher getrennt, also kein groß vorerst. Nachdem ich soweit alles fertig hatte, wollte ich halsen, ein kurs nach nord ist nicht meine richtung. Nur da lächelte die sonne durch die genua, einmal quer durchgerissen. Und ein weiteres loch, handgroß. War wohl doch zu viel mit den sechzig knoten wind. Die nächsten zwei tage ist wieder der segelmacher aktiv, scheiße (sehr laut herausgebrüllt).

20210829 genuariss

 

Um ein uhr war das groß repariert und alle rutscher wieder eingeführt. Das segel war gesetzt und der kurs wurde erstmal mit Mr. Perkins angefahren. Alles war ok, bis auf dass zwei rutscher während des segelsetzens gebrochen sind. Da kein wind ist, wird das nachgeholt. Neunundsechzig seemeilen für’n arsch und erheblicher bruch dazu. Ich hätte mal auf die routenbibel hören sollen.
Und wer früher refft, muss weniger reparieren. Bis zum sonnenuntergang hatte ich einen passierer in zweihundert meter abstand. Der riss im bereich des shothorns ist genäht und geklebt. Morgen geht es an das große stück und das dauert. Ich werde durch die nacht treiben, das barometer zeigte tausenddreißig zum mittag an und hat schon wieder vier einheiten abgegeben. Nach dem sturm, ist vor dem sturm.

Tag27: Es gibt noch andere gründe, warum die nacht schlecht war. Kein segel oben, es schaukelt hin und her. Dabei hatte ich gestern abend noch die beiden rutscher getauscht, aber nicht wieder eingefädelt. Heute morgen dann fünfundzwanzig bis dreißig knoten wind, der windgenerator läuft. Ob er etwas produziert, kann ich auch nicht mehr sehen, der batteriemonitor ist tot. Somit habe ich nur noch ein analoges voltmeter. Wie war das noch, schlimmer geht immer. Und da es draußen spritzig feucht ist, habe ich den segelnähsalon ins schiff verlagert. Es ist anstrengend, jeder stich muss mit dem segelmacherhandschuh durchgestochen werden, mühselig und anstrengend.
Bis zum sonnenuntergang habe ich den großen riss quer über das segel, einmal hin genäht, um beide teile zu fixieren. Danach einmal wieder zurück zum sichern, ging schneller, als beim ersten mal.

20210830 genua im schiff

 

Tag28, der letzte im monat August. Die nacht war mal gut, und ich wurde in der dämmerung durch einen schiffsalarm geweckt, auch genehmigt. Ein neues problem, der schwarzwassertank ist voll und ich kann die brühe aus der schüssel nicht abpumpen. Eine stinkende, schwabbelnde sauererei, um an den schrank zu kommen, muss das segel erstmal wieder heraus. Meine näherei geht voran, ich bin zum mittag bei dem vierten patch über der doppelnaht von gestern. Das ist aber erst ein meter, also noch einiges zu tun. Der wind ist kräftig, der windgenerator springt an, also kein großsegel einfädeln.
Außerdem habe ich diesen monat mit den meilen abgeschlossen und die uhrzeit um zwei stunden zurückgestellt. Zum sonnenuntergang habe ich die arbeiten wieder eingestellt, mache ich zu viel, wird es schlecht. Ich habe schon zwei meter patches über der naht und verstärkungen an den außenseiten. Fehlen noch drei meter patches, alle sind dreißig mal fünf zentimeter gross. Dazu kommen noch ein paar meter vom sonnenschutz und ein paar gerissene stellen.

Tag29: Seit heute morgen um fünf uhr fünfundvierzig wird hier nicht zurückgeschossen. Es ist windig und kalt, vielleicht klappt es heute mit dem großsegel. Ich treibe langsam zurück und bin fast auf der stelle vor vier tagen. Das könnte man als schlecht bezeichnen, ich hingegen sehe das positiv. Als das segeldesaster anfing, war ich unter hundert meilen vor der südafrikanischen küste. Dann ist dort noch eine mega strömung und küstennähe ist nicht meine sicht auf sicherheit.
Die genua braucht noch zwei tage und dann brauch ich auch ruhigen wind. Nach zwei patches kleben und vernähen gab es eine frühstückspause. Zu meinem glück war der wind um zehn knoten. Zuerst habe ich die windsteuerung waagerecht ans heck gebunden. Den letzten bolzen konnte ich mit zwei fingern herausdrehen. Dann ging es an das großsegel, alle rutscher wieder im einsatz und eine segellatte wieder in der halterung. Danach erstmal mit motorunterstützung richtung route geschippert. Wenn das wetter so bleibt, kann ich heute endlich mal wieder duschen (hektisches schnüffeln).
Mit dem wind war nichts, duschwasser ist heiß, wellen zu hoch, weiter müffeln. Heute habe ich sechs patches verklebt und vernäht, macht ein meter achtzig. Dazu noch ein beidseitiger doppelpatch für einen riss, macht um fünfhundert stiche ins frische material.

Tag30: Die nacht war schaukelnd ok und es wird kälter. Der drift war diesmal in die richtige richtung und der standort ist wieder unterhalb der route. Das nähen geht nur langsam voran, ich bin in der segelmitte. Heute musste dazu noch die nadel abbrechen, an der richtigen stelle. Sie ist noch brauchbar, aber einen zentimeter kürzer. Wenn es gut geht, bin ich heute abend fertig. Pünktlich zum müsli gab es dann noch einen schiffsalarm, passierung in einer seemeile. Bis zur dämmerung bin ich fertig geworden, morgen bei licht noch eine erneute durchsicht. Segelmacher ist nicht mein priorisierter job.

Woche4 gesamt:
Diese sieben tage sind zum abhaken. Zum anfang viel wind und wasser übers schiff und danach das desaster, die gerissene genua. Einmal quer durch und weitere fünf stellen gerissen, sowie der lose sonnenschutz. Andere hätten schon lange den abschleppdienst gerufen, aber solange es mit bordmitteln zu reparieren ist, geht es weiter. Fünf tage waren umsonst, am ende der woche kreuze ich den alten track. Das wochenergebnis sind über dreihundert seemeilen im kreis.

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woche4sm

 

Tag31: Die nacht war laut, der windgenerator kreischte und der inhalt der schränke folgt im abgesperrten raum. Kein alarm und lange ausschlafen, mal wieder. Am segel habe ich noch eine größere stelle am shothorn gesichtet und die dauert. Einmal ringsum genäht bis zum mittag und danach noch einmal im inneren des flickens. Wenn das wetter so bleibt, kann ich am nachmittag das segel wieder eintüdeln.
Um zwei uhr war das segel wieder an seinem platz, danke an den wind, der danach wieder anfing. Das groß gesetzt, gleich im zweitem reff, und ein wenig die genua bis zu den wanten. Neues problem, der autopilot klingt scheußlich. Zum sonnenuntergang habe ich das groß geborgen und die genua noch einmal verkleinert. Und danach lies der wind nach, nur etwas um fünfundzwanzig.
Es hätte alles so schön sein können. Ich habe geduscht, lauwarm, aber das abwasser war deutlich verdunkelt. Dann wollte ich das radar einschalten, es will nicht mehr. Heute morgen ausgeschaltet und nun tot, mist. Somit hat der schutzengel wieder mehr zu tun, und ich werde nachts nicht mehr gestört. Dann wollte ich das gps ausrichten, kein signal mehr. Nachdem ich den stecker wieder geflickt hatte, ging es wieder. Ausfälle nerven mich sehr, eine heile welt ist beruhigung für mich und macht das segelreisen angenehmer.

Tag32: Eine ruhige nacht, keine schiffssirene. Nur der wind hat nachgelassen, treibend durch die nacht. Seit gestern morgen bin ich sechsunddreißig meilen im kreis gefahren. Heute morgen dann das erste aufräumen, den baumniederholer demontiert, bevor er das segel zerfleddert. Dann auf die suche nach dem batteriemonitordefekt.
Die nahrungsmittelsituation ist noch gut. Orangen, zitronen, äpfel, kartoffeln und zwiebeln sind noch vorhanden. Das letzte hühnerei ging bratend in den bauch und morgen ist auch das müsli alle. Ich muss dringend weiter fahren.

Tag33: Brauche ich ein radar in der zukunft? Ich bin mir nicht im klaren. Bis jetzt war es brauchbar, ohne muss aber auch gehen. Der wind fing gestern nachmittag an, leichte zehn plus knoten, also kein richtiges segeln. Drei knoten waren schon die spitzengeschwindigkeit. Für die nacht hatte ich den speedalarm auf fünfeinhalb gesetzt, ausgelöst und die genua reduziert. Danach war wieder ruhe und am morgen war nur noch treiben angesagt. Entweder hier kachelt es oder nichts, kein schönes segelrevier.
Um die mittagszeit treibe ich mit einen halben knoten richtung nordwest, mehr nord. Das schiff schaukelt von süllrand zu süllrand, ich lese unten auf dem fußboden ein buch. So sieht frust aus.
Dann um halbvier kam der wind, von fünf auf fünfunddreißig knoten in fünf minuten. Entweder, nach südost oder nordwest und das zweite wurde es dann doch. Um zwanzig knoten ging es in die nacht hinein, in der hoffnung auf drehenden wind in die gute richtung.

Tag34: Sie ist dann gestorben, bis zum morgengrauen keine drehung. Also wieder eine halse und richtung südost. In den nächsten beiden stunden drehte der wind dann doch. Vor dem mittag erneut halsen und nun war schon ein westkurs machbar, wind über fünfundzwanzig. Mal sehen wie es sich entwickelt. Bis zur roten linie sind es siebzig meilen, dahinter wird es flach, die hundert faden linie mit optionalen riesenwellen.

Tag35: Es lief sehr gut gestern nachmittag und bis tief in der nacht, nur dann war der wind wieder weg. Geschwindigkeit, kurs und wellen, alles war super, wenn da in der nacht nicht wer auf dem einseitigen bass gespielt hätte. Der traum war aus, die segel standen back und die genuashot spielte auf dem oberwant. Beim ersten mal habe ich es draußen geregelt, nach zwei stunden von innen.
Jetzt am morgen ist flaute, das barometer auf höchststand und ich lese im cockpit. Zwei wale sind seit einer stunde in schiffsnähe und tauchen immer wieder auf. Warten auf wind, treibend.

Tag36: Die nacht wird nicht besser, wenn man eine literflasche cola am abend trinkt. Der besuch der räumlichkeiten stört den schlaf mit den merkwürdigen träumen. Doch es lief gut in der nacht, mit dem autopiloten, dessen pumpe wieder normale geräusche macht. Ein großes stück weiter und in die genaue richtung. Am morgen drehte der wind noch ein wenig und für das nächste stück kann ich abfallen. Vor der küste kommt eine weite ausbuchtung und ich bevorzuge es, im tiefen zu bleiben.
Nach dem mittag drehte der wind schnell weiter, hätte ich vorher wissen sollen. Somit werde ich noch vor sonnenuntergang richtung süden segeln, wenn es gut läuft. Ich bin froh, wenn ich wieder im atlantik bin, obwohl das wetter dort auch nicht rosig ist.
Schon eine stunde bevor die sonne verschwunden ist, geht es nach süd mit ostanteil, mist.

Tag37: Der wind drehte weiter in der nacht. Zuerst konnte ich es durch leichtes anstellen des ruders korrigieren, danach ging es nach ost. Um zwei habe ich im stockdunkeln eine halse gefahren und gehofft, sie würde optimal sein. War es natürlich nicht, aber es ging wieder in richtung route. Am morgen ein erneuter versuch, leider mit rückenwind. Der autopilot war überfordert, das segel schiftete mehrfach und am ende rissen die ersten oberen vier segelrutscher ab. Nach der bergung der morgenkaffee, hätte ich mal die reihenfolge beachtet. Inzwischen macht die pumpe vom autopiloten wieder unschöne geräusche. Durch diesen zwangskurs schaukelt das schiff zu beiden seiten, und seit langer zeit ist mal wieder ein teller durch die luft geflogen, wieder einer weniger. Zum mittag hin habe ich erstmal aufgegeben. Der autopilot kann es nicht, der wind ist im dreißiger bereich und als lösung ist die genua klein. Sie wird von beiden seiten gehalten und das schiff treibt mit einem akzeptablen kurs.
Vorm sonnenuntergang habe ich die genua noch einmal verkleinert. Zum einen ist es gerade das einzige segel und dann frischte es noch einmal auf, vierzig bis fünfzig knoten. Strom wird gerade richtig produziert. Mal sehen wohin es geht, entweder nach westen oder südost.

Woche5 gesamt:
Die reparatur der genua war abgeschlossen, nur der wind kam nicht. Kleinere probleme sind gelöst, der batteriemonitor und das radar sind weiterhin tot, das nervt mich. Somit habe ich keine kontrolle über den stromverbrauch. In der zweiten hälfte der woche kam der wind zurück, wenn auch nicht so brauchbar. Ich habe meine ruhe wiedergefunden und nehme die natur wie sie kommt. Dabei ging es oft vorwärts und wieder zurück, an vielen punkten war ich mehrfach. Erst am ende der woche ging es nach plan. Somit habe ich nur vierhundertsiebzig seemeilen gefahren, zu wenig und viele davon rückwärts. Am letzten tag der woche noch eine fast volle drehung des windes und ein erneuter segelschaden, diesmal am groß.
Immerhin habe ich fünf längengrade geschafft und bin zweihundert meilen vor dem wendepunkt auf der grünen route. Danach geht es mit nördlichem kurs in richtung Cape Town vorbei.

woche5

 

woche5sm

 

Tag38 nach einer stürmischen nacht. Sie war laut, es klapperte die sprayhood, mein blauer sonnenschutz hat material gelassen. Jetzt am vormittag das grauen des segelns. Wenn das schiff keine fahrt macht, obwohl etwas um fünfzehn knoten wind wehen, driftet das schiff nach süden oder mit ostanteil. Die alte dünung ist gewaltig und ich befürchte eine strömung, die hier noch nicht sein sollte. Wenigstens bin ich in der nacht voran gekommen, nicht schnell, aber dort hin, wohin ich will. Das großsegel ist noch nicht repariert, zuviel wind und wellen.
Der wind heute will nicht so recht, böig und kräftig. Der windgenerator startet oft und das lässt mich die genua klein halten. Keine fahrt im schiff und der kurs ist saumies, entweder richtung hundertvierzig oder zwanzig. Da ich nicht in den strömungsabzweig richtung südmeer will, geht es richtung norden, zurück zur route.

20210907 decksladung

 

Tag39: Heute ist der zwanzigste jahrestag der sprengung dreier asbestverseuchter hochhäuser als großer versicherungsbetrug mit mininukes. Hier bei mir stimmt auch etwas gewaltig nicht. Es sind um fünfundzwanzig knoten wind, die genua ist recht groß und das schiff macht mit mühe drei knoten. Ich mag es nicht aussprechen, aber es kann sein, dass es zuwächst. Die logge zeigt seit gestern auch nichts mehr an, kein gutes zeichen. Außerdem ist der tag gestern umsonst gewesen, vierzig meilen im kreis. Ich bin heute wieder auf der gleichen position. Der versuch am gestrigen abend, nach norden zu segeln, endete um mitternacht.
Heute der gleiche wind und es fehlen fünfzig grad zum richtigen kurs. Noch über hundertzwanzig meilen zum südlichen wendepunkt. Eigentlich wollte ich dort schon vor zehn tagen sein, planung adé.

Tag40: Ich bin seit zwei tagen in einem spitzendreieck, zwanzig mal fünfzig meilen und komme nicht weiter. Der wind weht konstant aus der richtung, in die ich will. Dazu kommt die geschwindigkeit zwanzig bis vierzig knoten, alles nicht schön. Somit ist das groß auch noch nicht repariert. Es sind noch über hundert meilen bis zum wendepunkt, vielleicht klappt es ja heute mit einer winddrehung. Bis zum mittag habe ich es schon wieder zur route geschafft, danach wird wieder der südkurs probiert.

irweg woche6

 

Tag41: Der erste tag, an dem die orangen verbraucht sind, die letzte ging vergammelt über bord. Bleiben noch ein paar restäpfel. In der nacht bin ich mehrfach aufgewacht, um das ruder wieder in den wind zu richten. Dann stand das segel wieder für einige zeit. Heute morgen kam die sonne heraus, das barometer steigt und der optimale kurs ist noch nicht möglich. Seit einer stunde läuft der motor langsam mit, um eine stabile richtung zu ermöglichen. Leider geht der kurs innerhalb des roten bereiches, es ist der einzig brauchbare weg zur zeit.
Doch der wind hört nicht auf, gegen den uhrzeigersinn zu drehen. Dabei verliert er an kraft und das segel kann in der riesigen dünung nicht stehen. Immerhin geht es mit drei knoten strömung nach südsüdwest in die nacht hinein.

Tag42, die antwort auf die frage, ich weiß nicht. Gestern abend war ich verwirrt, das schiff fuhr richtung süden und links von mir ging die sonne unter, das passt nicht. Heute morgen habe ich den kompass aktiviert, nachdem er sich im sturm überschlagen hat. Dort scheint süden noch am richtigen ort zu sein. Bis zu südlichen wendepunkt werde ich es wohl nicht schaffen. Der wind hat sich wieder verändert und nun geht es nach westen mit nordanteil. Leider muss ich über die alguhasbank, kein guter gedanke, jedoch ist noch kein südsturm im anmarsch. In dreihundert meilen bin ich an Capetown vorbei und bis dahin kann noch viel passieren.
Um die mittagszeit habe ich das groß endlich repariert bekommen. Zwei neue plastikrutscher und die zwei aus aluminium für den kopf annähen. Das segelsetzen hat eine ewigkeit gedauert und nun kann wieder richtig gesegelt werden. Währenddessen kam ein seelöwe vorbei und die anzahl der seevögel erhöht sich täglich. Nur der aktuelle kurs ist grenzwertig.

Tag43: Ich will nicht merken, dass etwas kaputt ist, weil das schwerwiegende konsequenzen mit sich bringt. Gestern beim segelsetzen hat mich der autopilot zweimal verlassen. Aber das ganze ist schlimmer, die hydraulische steuerung ist nicht mehr voll einsatzfähig. Oder genauer, nur noch etwas, ich bin fast manivierunfähig. Somit habe ich beschlossen, südafrika doch anzulaufen. Hout Bay in hundertfünfzig meilen entfernung wird es sein, mal sehen, was die offiziellen dazu sagen. Die liste der defekte auf dieser strecke ist lang und sollte für eine notsituation ausreichen.
Am nachmittag wurde dann auch noch der wind abgeschaltet, dafür hörte der regen auf. Meine gedanken zu südafrika sind in der zwischenzeit überdacht worden, ich fahre nun direkt nach Cape Town. Kostet sicherlich mehr, ist aber im zentrum der reparatur und davon habe ich viel.

Tag44: Wieder eine langsame nacht, zum glück ist der strom mit mir. Morgens ist es schon saukalt, das wasser aus dem südmeer. Der wind hat wieder ein wenig gedreht und ich kann einen westkus segeln, mit zwei knoten. Ich werde drei kreuze machen, wenn ich wieder im hafen liege. Davor muss ich erstmal dort hinein kommen, mit einer defekten steuerung. Diese will sehr viel gekurbel am steuerrad, ehe sich das ruder bewegt. Nur suboptimal für eine marina, aber bis dahin sind es noch über hundert meilen und das dauert.
Eine gute nachricht des tages, das radar funktioniert wieder. Die stromverbindung lag in einer salzlache und die verbindung der kabel sind korrodiert. Die frage nach der herkunft des wassers stellt sich gerade nicht, sicherlich von dem heftigen wetter und damit aus dem ankerbereich.

Woche6 gesamt:
Diese sieben tage gingen so dahin. Am anfang wollte es nicht vorwärts gehen, nur auf und ab und zurück. Dann habe ich beschlossen, auf die Alguhas Bank zu fahren, im bewusstsein der möglichen hohen wellen. So ging es dann die zweite hälfte voran, aber nur langsam. Der rumpf muss zugewachsen sein, anders kann ich mir die geschwindigkeit nicht erklären. Auch mit dem reparierten groß lief es nicht besser. Der entschluss, nach Cape Town zu segeln, ist aufgrund des ausfalls der steuerung nicht abwendbar. Es gab zuviel bruch auf dieser strecke.

woche6

 

woche6sm

 

Tag45: Die erste nacht mit dem radar ging nach hinten los. Ungefähr sechs mal gab es alarm, oft mehrere schiffe. Außer der gefahrenzone zwar, nur zum schlafen kam ich kaum. Der wind hat wieder gedreht und ich komme von der küste weg, ist mir recht. Das schiff kann allein hoch am wind segeln, ebenso bei wind von achtern. Das zweite mache ich gerade, die genua ist ein kleines dreieck in der mitte und es geht ohne autopilot. Den spare ich mir für das letzte stück auf. Schnell geht hier nichts, zweieinhalb knoten mache ich gerade. Mit dem segel und autopilot sind es drei, das verkneife ich mir. Dass ich mir das hier anders vorgestellt habe, ist klar. Es sind noch neunzig meilen bis in den hafen.

Tag46: Die sonne scheint und in der ferne sehe ich den tafelberg, ist ja auch hoch genug. Die nacht hatte es wieder in sich, zu viel wind, teilweise sechzig plus, aber immer schön um fünfzig. Das hat mir meinen plan vermasselt, das schiff war zu schnell und ich bin weiter gekommen, als ich wollte. Der motor läuft am vormittag, um irgendwie richtung küste zu kommen, dort wo der wind herkommt. Diesmal hat das segel gehalten, und es gab wieder zig radaralarme, also schlechter schlaf mal wieder.
Zum mittag kamen zwei wale und machten radau in der nähe des schiffes. Mein plan ist es, mit motorunterstützung zur küste zu segeln und dort zu ankern. Einfach treiben lassen in der nacht ist mir zu riskant bei dem schiffsverkehr.

20210918 wal

 

20210918 wal

 

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Tag47: Die letzten dreißig meilen bis vor die hafeneinfahrt habe ich bis halb zehn abends geschafft und ankere hier in zehn meter tiefe. Der wind ließ nach, die sonne kam heraus, und erst zum sonnenuntergang drehte der wind und kam aus der entgegengesetzten richtung. Treiben lassen wäre nach hinten losgegangen. Die freude auf eine heiße dusche endete heute morgen lauwarm bis kalt. Der regler mischt nicht mehr, in der küche ist das wasser heiß. Und das müsste es auch sein, denn aus dem auspuff kam gestern nach mehreren stunden fahrt wasserdampf. Impeller, filter einlauf oder ölfilter, die zu sind. Die liste wird länger, aber erst morgen. Heute will ich einfach mal nichts machen und das schiff vorbereiten.
Das fazit der nacht, endlich mal wieder durchgeschlafen und hinterher schlaf nachgeholt. Das schiff ist außen soweit vorbereitet, die windsteuerung ist komplett an deck, fender und seile am ort. Leider gibt es kein freies wifi. Da heute Sonntag ist werde ich morgen am vormittag mal in den royal cape yacht club tuckern, wenn die steuerung mitmacht.

Woche7 gesamt:
Lief langsam und doch am ende zu schnell. Das warten am ankerplatz war ok und ich war mal nicht ungeduldig. Wenigstens habe ich dies gelernt. Der autopilot hat mich mit letzter kraft in den hafen gebracht, fini. Und ich wollte ganz woanders sein.

woche7

 

woche7sm

 

Tag48: Montag der zwanzigste startete mit nebel, dann regen, also wieder hinlegen und einmummeln. Später klarte es auf, die sonne kam durch und dann kam der wind um fünfundzwanzig plus. In dem desolaten zustand des schiffes, steuerung und kühlung, werde ich weiter am ankerplatz abwarten. Denn bruch habe ich schon genug.

20210920 capetown wasserseite

 

20210920 capetown wasserseite

 

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20210920 capetown wasserseite

 

Tag49: Am abend war der wind weg, aber zu spät. Somit bin ich nach zwei stunden warten am morgen endlich losgekommen. Die fahrt war in schlangenlinien, das ruder braucht viel gefühl. In der marina habe ich einen freien platz außen am ponton gefunden und morgen werde ich einen neuen platz erhalten. Somit bin ich angekommen und heil dazu. Jetzt kommt die reparatur arie.

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2 Antworten auf Von La Reunion bis St. Helena (fast)

  1. Jörg sagt:

    Cool Wolfgang, mal wieder ein unglaublicher Schlag… Ich war ehrlich gesagt gar nicht davon ausgegangen, jetzt schon etwas von Dir zu lesen. Umso überraschter war ich…
    Bei Dir ist aber auch immer der Wurm drin. Ist überhaupt schon mal ein Schlag ohne Probleme abgelaufen?
    Wir haben im Juni / Juli eine Yacht von Vlissingen NL nach Venedig gesegelt. Zu zweit, mit zwei Stops, einer in Portugal, einer auf Sizilien. 3200 sm. In Holland ist uns die Spitze eines Bootshakens abgebrochen, Schaden ca. 2,90 Euro. Das war’s.
    Wir mussten mehrmals nachts bei 9-10 Bft. abwettern, haben beigedreht oder vor Top und Takel ablaufen lassen. Simple Techniken.
    Bei 9 bis 10 Bft. steigt jeder Autopilot aus (es sei denn, er ist total überdimensioniert). Vorher hat er natürlich Federn gelassen…
    Soweit ich das jetzt beurteilen kann, sind alle Schäden starkwindbedingt. So war es auch mit dem abrasierten Gittermast in der Biskaya, den fast herausgerissenen Püttingeisen vor den Falklandinseln etc.
    Ab 7-8 Bft. ist eine Rollgenua einfach nicht mehr die richtige Wahl. Dann sollte eine Sturmfock her, aus entsprechend festem Material (Kutterstag, u.U. wegnehmbar?)
    Sind die auftretenden Kräfte auch ursächlich für die Leckage an der Genuaschiene?
    Tut mir leid, aber die von Dir geschilderten Probleme ziehen sich durch Deine Berichte wie ein Mantra. Das muss doch auch anders gehen…
    Viel Erfolg bei den Reparaturen und eine schöne Zeit in Cape Town. Blei da unten und genieße den Frühling. Hier wird es jetzt langsam wieder ungemütlich. Was willst Du hier…?
    Gruß Jörg

    • Themroc sagt:

      hallo Jörg

      danke für dein kommentar

      Ja es ist ein mantra in meinen berichten, ich versuche an vielen stellen andere lösungen zu finden.
      Der gittermast ist mir durch einen materialfehler runter gekommen, die ausgerissenen püttingeisen vor thahiti
      und jetzt ist es die schlimmste gegend um zu segeln.

      Ich werde weiter reparieren, vielleicht ein ersatzsegel organisieren und meine batteiren wieder aufladen.

      Jenseits der geschützten umgebung von ostsse. isselmeer und der europäischen küsten, gibt es weitere meere auf diesen planeten und die sind nicht immer freundlich

      grüsse
      Wolfgang

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