Wiedergenesungsversuch Part two

Dieser bericht konnte erst nach der entscheidung der versicherung veröffentlicht werden. Die mitarbeiter der versicherung und wohl auch der gutachter lesen mit und ich bin nicht sehr höflich, aber ehrlich, gebe hier doch nur meine persönliche meinung und subjektive sichtweise ab. Sie grollen ein wenig und fühlen sich zu unrecht schlecht dargestellt. Wenn man versucht, den mächtigeren auf der anderen seite des hebels mit seinen taten zu konfrontieren, passiert es schon mal. Ich halte nur den spiegel, reinschauen und ein selbstbild machen müssen sie selber.

Damit es voran geht, versuche ich alle vorarbeiten zu erledigen, dadurch werden die rechnungen kleiner. Gleichzeitig erhöhe ich mein zeitkonto als gegenverrechnung zum selbstbehalt. Am Mo wollte ich kurz die zylinderkopfschrauben lösen, ein kraftaufwand ohne erfolg. Diese sind mit über zweihundert Mn angezogen, jedenfalls sagt das mein drehmomentschlüssel, mehr geht da nicht. Also erstmal die arbeiten eingestellt und die bremsflüssigkeit aus dem zylinder gesaugt. Das zeug war nicht mehr durchsichtig, eher rot bis braun.

Gestern bin ich an die nächste herausforderung heran, das ruder vom schiff trennen. Mit meinem kleinen wagenheber, viel holz und abstützungen, war es nach einer stunde geschafft. Das ruderblatt liegt auf einem bock und es ist sauschwer. Was mich gefreut hat, unten im halbkugellager auf dem zapfen war noch viel fett. Das muss also schon fünfzehn jahre dort gelebt haben, abfetten kann man das lager nicht.
Jetzt muss nur noch der schweißer willig sein und den bereich heraustrennen. Dann unter eine presse legen, herausdrücken, vielleicht einen verstärkungsstreifen darunter schweißen und das ganze wieder zurück an seinen ort. Danach muss vielleicht auch der rest der ruderhacke um einen zentimeter verjüngt werden, mal sehen. Sein stundenlohn beträgt fünfzig euro, recht viel hier im verglich zu anderen.

20190910 ruder

 

Heute am Mi nach vier wochen meldet sich meine versicherung zurück. Sie warten noch auf einen schadensbericht von mir, das ist mir aber neu. Wozu ist denn der sachverständige hiergewesen? Und die marina hat sich auch per mail gemeldet, der erste riese soll für den stellplatz gezahlt werden. Da muss ich mal schneller arbeiten und alles an leuten rankriegen.
Zum anfang habe ich mir beim morgenkaffee die zylinderkopfschrauben ausgeguckt. Zwei va-rohre im schiff gesucht und eine rohr in rohrverlängerung von einem meter zusammengesteckt. Einundzwanzig bolzen gingen gut nur der letzte machte ärger. Ein paar mal abgerutscht und der kopf der schraube war abgelutscht. Mit einer feile habe ich dann das ganze wieder auf eckig gebracht, dann eine englische nuss genommen, den zweikilohammer und druck ausgeübt. Schweißgebadet nach fünf minuten war das teil dann auch lose, glück gehabt und keine klemmungen an hand oder finger.

20190911 verlängerung

 

Das war gestern, und mit dem schwung der verlängerung habe ich gleich ein paar neue projekte angestoßen. Ich kann nicht auf die versicherung warten. Also habe ich mit knirschenden zähnen den sachverständigen zum telefonat gebeten. Der motormensch muss ran, der schweißer soll das ruder richten und jemand muss sich um den propeller kümmern.
Die schweißer haben heute ein unverschämtes angebot abgegeben, so um fünfzehnhundert euro. Danach war noch jemand da, der morgen die schraube abbaut und reparieren will oder sie nach Neuseeland versenden wird. Kostet fast soviel wie eine neue.
Ich habe den zylinderkopf vom block gezogen, scheiße ist das teil schwer. Danach den krümmer und den ansaugtrakt abgebaut. Den kopf habe ich von dem gröbsten dreck befreit und die ventile gesäubert, alles im schiff. Eine gewaltige sauerrei, denn nur der zylinderkopf wiegt mehr als mein außenborder, kaum tragbar über dreißig kilo. Jetzt muss nur alles richtig anlaufen und bald bin ich mit dem schiff wieder im wasser.

Die handwerker sind schon merkwürdig, der schweißer will eine anzahlung haben von dem angebot, das sehr sehr hoch ist. Der sachverständige hat eine kreditkartenmaschine, somit ist schon mal die hälfte davon, plus zweieinhalb prozent kreditkartengebühr weg. Das ruder und den anker richten zum festpreis.
Und dann ging es recht flott am Fr. Die ruderhacke wurde aufgetrennt und das war ein flexscheibengrab. Was ich nicht wusste, die seiten und wahrscheinlich auch der boden der hacke sind gedoppelt, also einen zentimeter dick. Was für eine energie muss darauf eingewirkt haben. Somit haben sie nicht mit hitze und druck die hacke gebogen. Dafür flexten sie zwei schlitze hinein, kurz eine druckaufnahmeplatte zusammengebraten, die unter den rumpf kam. Eine verlängerung daran geschweißt und auf die hacke einen alten mechanischen wagenheber, der mit der verlängerung verschweißt wurde. Ein wenig kurbeln und schon wurden die spalte breiter. Dann wurde ein fettes u-eisen unten in die hacke verschweisst, die schlitze zu und der erste teil ist fertig. Jetzt müssen sie nur noch die ruderaufnahme nachbauen.

20190913 ruderhacke schnitt

 

20190913 ruderhacke verstaerkt

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190916 ruderhacke verschweisst

 

20190916 ruderzapfen

 

Auch das fünfte wochenende habe ich überlebt, hier und da kleinere arbeiten erledigt. Wovor ich angst hatte, dass meine reparatur nicht geglückt ist: beim außenborder. Aber er sprang ziemlich schnell an und dann leckte die bezinpumpe. Hatte sie vorher nicht getan. Zuerst mit Curil und dann gab es eine zusätzliche dichtung. Das standgas lässt sich noch immer nicht richtig einstellen, aber er läuft besser als beim letzten mal. Ein kleiner erfolg und das alles mit den alten dichtungen. Sechshundert euronen wollte der junge motormechaniker dafür.
Und heute am Mo kam auch endlich der alte motormechaniker, es ist nicht so viel für ihn zu tun. Ventilsitze fräsen, er möchte auch die ventile einschleifen mit einer maschine und die zylinder müssen gehont werden. Wenn er noch die richtigen ersatzteile besorgt, lebt Mr Perkins bald wieder.

20190911 zylinderkopf

 

Während ich in der stadt einkaufen war, wurden die weiteren teile des ruders eingeschweißt. Und auch wieder herausgetrennt, denn das gefiel mir nicht, zu schwergängig. Nach dem zweiten versuch drehte es sich schon deutlich leichter und mit fett ist es ok. Ich weiss halt auch nicht, wie es vor dem aufsetzer war. Das skeg hat dann auch noch eine neue halterung bekommen. Das basisblech scheint ebenfalls mehr als fünf millimeter dick zu sein. Da musste eine alte dichtung zwischen dem ruder und der oberen halterung weichen.
Mein anker ist wieder einigermaßen gerade und hat links und rechts verstärkungen bekommen. Leider im rechten winkel und nicht parallel. Mal sehen wie es sich auf das ankerverhalten auswirkt. Somit ist diese baustelle so gut wie abgeschlossen. Ein wenig farbe und schon wieder bin ich einen schritt weiter zum wasser.

Das mit dem anker musste ich ein wenig korrigieren. Über eine stunde schleifen ringsum, damit man ihn gefahrlos anfassen kann. Alle ecken und schweißpunkte entfernt und handgerecht rund geschliffen. Ist er gerade, nun eine idee davon. Ich weiß nicht, wie sie ihn zurückgebogen haben, jedoch Mike von den Falklands hätte es schneller und besser gekonnt. Man muss nehmen, was angeboten wird, überteuerte mittelmäßigkeit.
Dann habe ich noch vier bolzen für opferanoden an den rumpf gebraten. Die einen auf die ruderhake, denn dort ist viel edelstahl und die anderen beiden bei den wassereinlässen. Die anoden habe ich von einem schiff der letzten woche, fasst alle noch zu dreiviertel gut, also noch besser als der eigenbestand. Die letzten zwei meter des schiffes habe ich schleifend bearbeitet und mit farbe versehen. Soll erstmal schützen, da ich nicht weiß, wie lange.
Und das erste opfer ist auch zu beklagen, meine grüne bosch bohrmaschine. Sie hat die löcher in die anodenhalterung thermisch nicht überlebt. Eine windung oder zwei sind kollabiert und nun läuft sie nur für kurze zeit in langsamem tempo, dann wird sie heiß. Am ende kokelt das plastik, mechanisch ist sie gut, nur das reicht nicht. Somit werde ich wieder eine billige neue kaufen, die hält dann auch nur so lange wie die grüne.

Der Mi war kein guter tag, zuerst in die stadt geradelt und den schweißer bezahlt. Dann zurück und mit dem bus in das gewerbegebiet gefahren. Natürlich waren die angebots-bohrmaschinen und winkelschleifer nicht mehr verfügbar. Die billigste bohrmaschine mit einem alten spannfutter mit schlüssel sollte über dreißig euro kosten. Die billigste kombination beider geräte hundertsechzig. Also einmal die große runde gelaufen, fünf geschäfte besucht und am ende war ich wieder am anfang und habe für untere baumarktqualität geblecht. Werkzeug wird auf dem weg hierher vergoldet.
Und dann war noch die nachricht von der versicherung, es sei ein totalschaden, da die reparatursumme höher sei als der wert des schiffes vor dem unfall.
Nur mal ehrlich, ein fahrtentaugliches schiff mit meiner ausrüstung soll nur dreißigtausend euro wert sein? Da stimmt doch etwas nicht. Somit bietet mir die versicherung nach abzug des eigenanteils und des restwertes fünfundzwanzig an. Da kann der hals schon mal dick werden. Zumal ich für das geld hier keine reparatur durchführen kann.

Ein tag später noch keine antwortmail aus Österreich erhalten, also eine weitere dorthin versendet. Ich will das schiff reparieren und keine abfindung erhalten.
Mit der neuen flex habe ich dann das schiff bearbeitet und mit grundierung versehen. Die rechte seite sieht gar nicht so schlimm aus, links bin ich noch nicht fertig. Bei dem starken wind heute wurde der rost sehr weit getragen, bis einige auf dem gelände sich freundlich beschwert hatten. Die flex ist übrigens schon kaputt, das lager wackelt.
Und zum schluss gab mir der motormechaniker das tool zum herunterdrücken des kolbens in die hand. Nur die kolben wollen sich nicht bewegen. Morgen ist ein weiterer tag.

Am wochenende war hier weniger betrieb auf dem gelände, der wind hält an. Aber morgens ist er noch nicht so stark, also kräftig schleifen war angesagt. Die rechte lust kommt dabei nicht auf, spiele ich doch mit dem gedanken das schiff sandzustrahlen. Dann kommt der ganze rost runter und es gibt neue farbe. Ich denke, das silber gut ist, somit wird Themroc mehrfach grundiert.

20190929 rumpffarbe

 

20190929_rumpffarbe2

 

Den kolben habe ich dann doch noch heruntergedrückt bekommen, schweißtreibend. Der mechaniker war auf dem gelände und ich darf sein werkzeug benutzen. Links und rechts ein wenig etwas ausgekerbt und schon greift meine große zwei kilogramm rohrzange wieder. Der nächste schritt ist das hohnen und dann dreht sich der motor hoffentlich wieder leicht.

20190920 kolbendruecken

 

Bevor meine rote farbe ganz eintrocknet, hat das schiff an den verwundeten stellen zwei mal rot erhalten. Vom weiten sieht es ok aus und soll bis zur werft reichen. Danach war noch die rudermontage dran, dreht sich auch wieder gut, mit viel fett.
Und Österreich will noch immer meine kontonummer haben und wird sie bekommen. Da die mail von mir nicht gesendet wurde, kann auch keine antwort kommen, eigentor. Am Sa habe ich dann noch zwei in die richtung versendet und morgen sollte eine reaktion darauf zurück kommen. Freundliche mails kann ich schreiben, diesmal nicht. Nach mehrfachen lesens des gutachtens muss ich sagen, der sachverständige in Luxemburg lässt kein gutes haar an mir. Entweder ist er ein arsch oder ein versicherungskriecher. Den doppelten konjunktiv über mein verhalten mag ich gar nicht lesen. Wenn man es in meine richtung interpretiert, bin ich ein lügner, verschlepper oder verhinderer und raffgierig.

Der tathergang meiner beschreibung könne nicht so recht stimmen, ich hätte die bergung verschleppt, da ich keine fünfunddreißig tausend euro herum liegen habe und die versicherung gütigerweise einspringen musste. Dazu wirft er mir verschleppung der bergung und verspätete benachrichtung seinerseits vor. Nur hat er die falschen daten. Hätte er sich sofort eingesetzt und nicht erst als das schiff geborgen wurde, würde weniger zeit verplempert worden sein. Das gutachten, das eine kurze beschreibung der strandung ist, eine auflistung der schäden und die eingeholten kostenvoranschläge, weicht von meiner idee eines gutachtens ab. Am ende wurde dann auch noch mein blog über zehn seiten lang kopiert und ins gutachten gesetzt, um das teil aufzublähen. So wurden auch schon mehrere doktorarbeiten geschrieben, nicht professionell in meinen augen. Keine gutachterliche arbeit, keine einschätzung und bewertung des schadens. Oder liegt es daran, dass der typ hier kein zertifizierter sachverständiger ist?

Wieder ist ein langes wochenende ist vorbei und heute ist auch schon Mi. Dadurch konnte ich erst heute antifouling kaufen, zwei liter sollten reichen, und das ganze wie immer zum vergoldeten preis. In dieser branche wird so viel kohle abgezogen, wie nur geht. Nur es ist farbe, eine basiskomponente, ein wenig farbstoff, kupfer, deshalb ist es schwerer und ein harmloses gift. Es soll ja auch nur kurz töten, damit das nächste geschäft abgezogen werden kann. Die komponenten sind alle aus der basischemie, also günstig. Was es teurer macht ist die abfüllung in döschen.

Mein motor hat sich nochmals um fast eine halbe drehung verändert. Heute morgen habe ich die zylinder eins und vier gehohnt, fühlt sich besser an als zuvor. Nur das teil will sich nicht gut drehen lassen, höchstens im mittleren zylinderbereich. Entweder das behebt sich bald oder das eisen muss raus, dann neue zylinder, kolben und ringe, oder anders ausgedrückt, drei wochen mehr wartezeit.
Damit diese zeit nicht so lang wird, ist der saure drops gelutscht. Ich habe einen neuen propeller geordert, kostet soviel wie die reparatur des alten. Das ganze dauert drei wochen aus Neuseeland, also eigentlich nur kurz um die ecke. Kurz dann auch die kreditkarte qualmen lassen und in drei wochen noch einmal.
Die versicherung hat noch nicht reagiert und hat auch noch nicht den ersten monat an land bezahlt, die zeit für die begutachtung.

Endlich mal guter und besserer tag, obwohl Fr ist. Das schiff ist wieder rot und unten schwarz. Alte stellen sind ausgebessert und die neuen haben einen anstrich erhalten. Muss bis Malaysien reichen, schrieb ich schon. Dafür habe ich gestern zwei liter antifouling gekauft und einen halben liter noch zurückbehalten. Und am nachmittag habe ich dann einen fund gemacht. Die leute hier kaufen fünf liter antifouling für zweihundertundfünfzig euronen und schmeissen dann am ende die dosen weg, in den farbbehältercontainer. Nur oft ist da noch ein liter oder mehr drin und so habe ich am ende des tages drei liter des gleichen herstellers zusammengetragen. Das freut und ein anderes schiff hat seine alten anoden, die noch sehr gut sind, liegen gelassen.
Leider war ich nicht so schnell bei den batterien. Vier gleiche wurden hier abgestellt, alle über elf volt, nur ich konnte mich nicht entscheiden. Dann kam ein anderer und schwupp waren sie weg. Und heute morgen fing alles gut an. In der nacht habe ich über die verkabelung meines anlassers nachgedacht und das fehlende kabel gefunden. Somit konnte ich den start- und drehtest machen. Mein motor dreht durch und ohne klemmungen. Immer ein bißchen öl in die zylinder und es kann georgelt werden. Mann bin ich froh, wenn dass nicht so wäre, hieße es, motor raus und kolben, sowie zylinder ziehen.
Mit dem elan habe ich den ruderwinkelsensor wieder in einer spitzenzeit von zehn minuten installiert, inklusive justierung. Da alles so gut gelaufen ist, dachte ich noch an den umtausch der neuen defekten flex. Immerhin hatte sie zwei stunden gehalten. Rechnung herausgesucht und auf ins industriegebiet. Dort angekommen merkte ich, das die rechnung noch auf dem navitisch liegt. Sie haben das teil trotzdem getauscht, eine duplikatrechnung erstellt und alles bestens. So müssen die tage laufen, anstatt sich mit der versicherung oder dem gutachter herumzuschlagen.

Jetzt fängt es an sich zu ziehen. Alles große ist erledigt oder ich warte auf ersatzteile. Kleinere arbeiten verkürzen den tag, alles was schon mal erledigt sein sollte. Die aufzählungen erspare ich mir. Die werkzeuge vom motormechaniker gingen wieder an ihn zurück und diese woche wird er den zylinderkopf bearbeiten. Der segelmacher hat noch immer nicht angefangen und somit wird es nur eine kleine reparatur werden. Den ring im unteren vorliek austauschen. Alles andere kann dort passieren, wo es weniger kostet.
Die zeit an land wird wohl noch zwei wochen dauern, teure wartezeit. Kurz ins wasser und wieder herauskranen ist auch nicht günstiger.

Die wartezeit wird einfach nicht kürzer. Was mache ich so währenddessen? Kleinstreparaturen, was schon immer mal wieder auf vordermann gebracht werden muss. So habe ich heute zwei neunzehner nüsse geschweißt, die bei der zylinderkopfentfernung arg gelitten haben. Ob es hält, werde ich sehen, und vorsichtshalber habe ich gestern eine neue dazugekauft.
Das schlauchboot hat den xten flicken bekommen und nun hoffe ich auf dichtheit. Das wird sich morgen zeigen. Ein neues bodenbrett habe ich auch zurechtgesägt. Morgen ist dann vielleicht auch das großsegel dran, wenn kein wind weht. Zumindest ist es heute fertig geworden. Eine große baustelle weniger.
Es ist anfang Oktober und die versicherung wartet mal wieder auf den gutachter. Der soll zu den werten und meinen berichtigungen stellung nehmen.

Kann alles schneller gehen, eventuell ja. Nur ich habe das geld nicht und alles was ich brauche, gibt es nicht in diesen land. Der transport braucht zeit oder wieder viel geld. Sollte es etwas geben, so kostet es das dreifache wie in europa. Dort bestellt man und übermogen ist es in der post, träume. Hier dauert es einmal um die halbe welt, wenn es schnell ist, zwei wochen. Es mag für viele in der kalten heimat unverständlich sein, dass ich noch immer an land stehe. Nur von weit her ist die perspektive ein wenig stark verzerrt.

Am Do war dann doch noch ein wunder, der propeller ist schon da. Aber nur weil ich mal nachgefragt hatte. Leider schaut das schiffchen in der welle ein wenig heraus, handwerkliche leistungen in Neukaledonien. Dann gab es drei mal grundierung und antifouling.

20191004 neuer propeller

 

Und dummerweise habe ich mir eine erkältung eingefangen, das brockige zeug läuft kräftig. Ich hoffe, dass morgen am So der wind nachlässt, damit das großsegel angeschlagen werden kann. Der zylinderkopf muss bald wieder kommen und mein navidisplay ist schon auf dem weg. Das ende ist näher.

Inzwischen ist schon wieder mitte der woche, das großsegel ist angeschlagen, noch vorm kaffee, weil da noch kein wind weht. Die ersten rechnungen in dieser hardcore marina sind bezahlt, die nächsten werden schon angemahnt. Zahltag ist morgen oder am Do vor zwölf, denn diese menschen hier sind zu oft mit nichtstun verplant, dass kein früherer termin zur wässerung frei ist. Ich sitze hier auf über vier meter höhe und sehe die aktivitäten und die leerläufe, erzählt mir mehr.

Der tag heute ist anders, da die versicherung schon wieder nachgebessert hat. Diesmal ist es eine gutachterliche unschärfe. Diese brachte zehn prozent mehr entschädigung. Heute haben sie akzeptiert, dass der erste monat der begutachtung, oder aus meiner sicht, der monat der angebotsannahme bezahlt wird. Und die versicherung sei mir schon so oft entgegengekommen, dass jetzt aber wirklich schluss wäre. Sie offerieren mir doch den klageweg. Habe ich die kraft dazu, nach drei monaten wartezeit, selbstorganisation der bergung und des wartens auf antwort und entscheidung. Die luft ist da ein wenig raus bei mir, wenn ich ehrlich bin.
Was ich leider für die akteure in dieser schmierenkomödie nicht tun kann, ist meinen blog im nachhinein zu verfälschen. Sie würden gern ihre saubere, hilfreiche, samriterhafte art der finanziellen unterstützung lesen. Seien sie doch mehrfach auf mich zugegangen und haben die entschädigungssumme erhöht. Und was sie nach ihrer meinung nicht machen mussten, sie haben die bergungskosten vorher gezahlt. Was für eine selbstopferung einer versicherung. Nebenbei, wofür habe ich eine? Wenn ich fünfunddreißigtausend euro flüssig auf dem konto hätte, wäre das in dieser situation schon sehr brauchbar. Nur wer hat das schon. Die realität ist hier am schadensort und nicht in dem beheitzten büro in der hauptstadt der alpenrepublik.

Damit außenstehende eine idee haben, worum es geht: Das schiff ist für siebzig versichert, für mich unter dem materialwert. Anlässlich des mastverlusts in der Biscaya wurde die summe realiter von einem deutschen sachverständigen eingestuft. Danach gab es ein komplett neues rigg für über dreißig, den rest habe ich aus der eigenen kasse bezahlt. Jetzt wird mir belastend vorgeworfen, dass ich das schiff auch in den letzten jahren übermäßig genutzt hätte. Ergo schmolz der wert des schiffes unabhängig von den instanthaltungsarbeiten von über zehn, auf dreißig. Das möge mir einer erklären, und nicht mit einer unschärfe im gutachten kommen.
Um es zu verkürzen, das schiff in dem über hundertdreißig an material stecken, ist hier nur noch dreißig wert. Die versicherung entschädigt mich für knapp darunter, plus eigenanteil und restwert. Aus die maus. Nun könnte ich mit der kohle fett einen drauf machen, nur bevor ich hier wegkomme, sind schon über fünf davon verbraucht. Ruderhacke, propeller, segel, motor und liegeplatz. Die nächsten schritte sind daher auf diät, damit das schiff wieder richtig einsatzfähig ist.

Heute noch mal über tausend euro für den liegeplatz bezahlt und das boot für die wässerung morgen mittag vorbereitet. Und am nachmittag kam der mechaniker vorbei und gab mir schon mal den dichtungssatz und einmal einen satz neuer zylinderkopfschrauben. Morgen will der den kopf vorbeibringen, ist auch einfacher, wenn das schiff im wasser ist.

Heute ist schon der zweite tag im wasser, es schaukelt ein wenig und das ist doch angenehm. Auch war der mechaniker sehr nett, alle teile sind im schiff und die rechnung habe ich mit freude bezahlt. Es geht hier also doch anders als nur raffen. Für seine arbeit hat er nur zwei stunden berechnet, ist doch super. Es hätten auch fünf sein können und ich würde nicht murren.
Eine andere schon erwartete nachricht kam heute morgen herein. Eine bildschirmhardcopy von einem großrechnersystem der versicherung. Die überweisung soll raus sein und auch gleichzeitig meine kündigung. Fehlt nur noch der zuviel gezahlte beitrag für dieses jahr.
Unterm strich habe ich glück gehabt. Ich brauchte eine versicherung für den fall einer haverie und die habe ich gehabt. Dass ich nicht den vollen schaden ersetzt bekommen habe, ist bedauerlich. Besonders wenn man bedenkt, dass das schiff für siebzig versichert war. Aber es kann auch sein, dass die versicherung anders kalkuliert. Die bergung plus schaden plus gutachter macht siebzig. Wie auch immer, sie haben zwei riesen in den vier jahren von mir eingenommen, nicht viel. Denn andere zahlen das für ein halbes jahr, zuviel denke ich.

Morgen am wochenende kommt der zylinderkopf wieder an seinen platz. Heute hat er schon seine ventile bekommen, neue ventilführungsgummis und den abgaskrümmer mit ansaugtrackt. Die letzten beiden teile wurden für diesen motor gebaut und sind extremst schlecht zu montieren. Das geht nur, wenn der kopf runter ist.

Meine frage nach zuviel gezahlter prämie wurde nicht sehr freundlich aufgenommen, kann ich verstehen. Nur wenn die versicherung mein schiff als alten appelkahn bewerten, kommen mir da auch anderen gedanken. Auf jeden fall ist die jahresprämie von diesen jahr auf dem rückweg über mein konto. Und es ist eben egal, ob die versicherung schon fast siebzig ausgegeben hat. Wenn sie sofort nach der kenntnis einen vor ort beauftragt hätten, wäre der ganze schlamassel verhindert worden. Wenn man erst reagiert, wenn das kind in den brunnen gefallen ist, kann man diesen auch gleich zuschütten, das spart die begräbniskosten. Ende vom geldgejammer.

Die wiederbelebung von Mr Perkins läuft und erweist sich schwieriger als gedacht. Etwas zu zerlegen macht spaß, der rückbau ist dann schwerer. Gestern habe ich ihn grob zusammengesetzt und heute das gefühlte fünfzig kilo teil zurück auf den motorblock gebracht. Die kratzer auf dem schiffsboden werden bald repariert, das teil ist nicht tragbar für mich. Dann habe ich den kopf mit zwei brettern auf den block rutschen lassen. Vorher alles entfettet und dann einen zentimeter angehoben. Links mit einem brett, rechts über einen balken mit seil. Während ich die kopfdichtung da hineingefriemelt habe, dachte ich nur an gequetschte finger. Lief aber besser als gedacht.

Dann kam die änderung im plan. Was sollen angaben, schraube bis x Nm anziehen und danach noch zweihundert grad weiterdrehen. Wie soll ich das kontrollieren, in einem monat nachziehen. Also habe ich eine schraube so behandelt und festegestellt, dass es so um hundertzehn Nm sind. Das ganze bei zwanzig schrauben mehrfach nachgezogen und ich war nass. Das ist schon recht viel kraftaufwand.
Danach lief es mal wieder schlecht bis sehr schlecht. Die kipphebelwelle, die die ventile bewegt, habe ich sehr oft ein und ausgebaut. Zwei stößelstangen sind dabei verbogen. Diese waren nicht ganz genau in ihrer tasse, motor drehen lassen und autsch. Gummihammer, holz und gerichtet. Ich weiß, das ist nicht gut, nur darum kann ich mich hier nicht kümmern. Die ventile sind eingestellt, wenn der motor läuft, werde ich mehr hören.
Es sollte schneller gehen und ich habe etwas gelernt. Wenn es zu schnell, geht passieren fehler, teure fehler, siehe bergung. Vielleicht läuft der motor morgen, wenn nicht übermorgen.

Heute ist Mo, der dritte motortag und ich höre wieder auf. Alle dieselleitungen am motor sind wieder in position, die rücklaufleitungen haben neue dichtungsringe bekommen. Alles passt und bei der dieselpumpe gab es ein problem. Eng ungünstig und meine hände sind plötzlich blutig. Zwei kleine schnitte und der rote saft läuft über die schwarzen hände. Nach dem abheilen ging es noch an die lichtmaschine und die motorsensoren. Soweit alles fast fertig, fehlt nur noch die dieselfilteranlage, luftzufuhr und luftfilter. Abgesehen von den anderen kleinigkeiten. Mit einer knarre im genick hätte ich es vielleicht in dreißig stunden geschafft und so werden es vier tage. Das macht alles nichts, mein erwartetes paket ist zwischen Frankreich und hier, seit sechs tagen.

Tag vier des versuchs, den motor wieder zum laufen zu bekommen. Ich hatte fast alles montiert, der ansaugtrakt und der luftfilter fehlten noch. Kühlwasser wieder zurück in den motor gegossen und ergänzt. Ein paar schellen noch stärker angezogen und es hörte auf zu tropfen. Die dieselversorgung war dicht und ich pumpte mit hand den saft durch die dieselpumpe bis es im tagestank plätscherte. Dann ein wenig orgeln und der motor kam, aus den handfesten einspritzleitungen kam diesel heraus. Alle muttern festgezogen, dann alle einzeln noch mal geöffnet und Mr Perkins is back to life.
Der blowby kann sich etwas erhöht haben, ist halt so. Nur bekomme ich keinen öldruck angezeigt, aber das schwarze zeug zirkuliert. So weit alles ok, und ich wollte noch einmal die ventile prüfen und habe den deckel wieder entfernt. Das drehen mit der lichtmaschine funktioniert nicht und somit kann ich das einstellen vergessen. Jedoch war die aktion gut. Im ventildeckel war grauer schmodder, der ölmessstab sah nicht besser aus. Die erste idee war eine undichte kopfdichtung, das kann ich gar nicht gebrauchen.
Nach einer längeren denkpause habe ich das motoröl abgelassen, zwei liter diesel hinein und kurz laufen lassen. Wieder abgelassen und altes öl wieder in den motor hinein. Nach längerem laufen war das öl noch immer schwarz und nicht milchiggrau, glück gehabt. Also ist auf dem riff auch wasser über die kolben in die ölwanne gelangt. Bei der luftfiltermontage habe ich dann noch die rücklaufleitung am filter schwer beschädigt, morgen ist auch noch ein tag und mir wird schon etwas einfallen.

Mit ein paar resten, einer kleinen gummidichtung, die ich mit der bohrmaschine dünner gedreht habe, ist der leitungsanschluss repariert. Alles dicht und dann kam ein längerer motorlauf über eine stunde. Ich merke schon, dass viele teile über dreißig jahre alt sind. Die niedruckleitung der förderpumpe zum dieselfilter pisste einen sauberen strahl ab. Da kann so mancher neidisch drauf werden. Fünf zentimeter herausgesägt, schlauch mit schelle dazwischen und ruhe ist. Grob ist der motor fertig, keine öldruckanzeige und den einen pin des abgastemperatursensors habe ich abgebrochen. Mr Perkins klingt nicht wie eine nähmaschine, aber hat er das jemals.

Und dann kommt alles auf einmal, diesmal pünktlich. Das paket aus Frankreich lag in der marina, somit sind die naviinstrumente wieder vollständig. Laufzeit zehn tage, das ist sehr gut. Jetzt muss auch mal ein lob an tecnautic raus. Das display repariert, der signalpieper auch; und da er zu leise war, lag im paket noch ein neuer dabei. Habe ich oft über service genölt, ja. Alles sehr teuer für mich und daher sage ich mal danke dafür.
Da ich schon wieder über zwei monate hier bin, ist es zeit, die biege zu machen. Heute morgen mal schnell die tour immigration, customs und hafenkapitän, ich bin raus. Vorher noch ein wenig eingekauft, eine wokpfanne war fällig und die hatte ich schon seit drei monaten im auge. Am ende noch einmal über hundert euro für eine woche an der betonmauer geblecht und morgen geht es zur city marina. Ein wenig kommunikation, frische sachen kaufen und tanken. Bis nach Darwin sind es zweitausenddreihundert meilen, wenn es gut geht dreißig tage.

Da ich bis zum nächsten morgen die betonmauer bezahlt hatte, blieb ich auch dort. Im schiff aufgeräumt, werkzeug verstaut und der abend konnte beginnen. Die flasche rotwein war geköpft, ich saß in der plicht und hatte die idee, den motor noch einmal laufen zu lassen. Sprang wunderbar an und lief mit einem satten sound. Nur das wurde immer fetter und das plätschern hörte auf. Keine auspuffkühlung mehr und es wurde dunkel. So ein mist.
Ab dem sonnenaufgang habe ich mehrfach den impeller gewechselt, der eine alte sah noch sehr gut aus. Aber keine verbesserung. Das ganze salzwassersystem habe ich zerlegt, diesmal auch den getriebeölkühler. Der war fast zu von gummiteilen, muss aber schon sehr lange so sein. Wieder alles zusammengesetzt und die pumpe will noch immer nicht saugen. Der deckel vom seewasserfilter hat risse, also einen neuen zurecht gesägt. Den ansaugkanal durchgepustet und es blubberte unterm schiff.
Zwischen durch habe ich auch gescheckt, ob der impeller dreht. Da war der wurm in der sache. Am ende habe ich einen neuen impeller aus dem lagerbestand genommen und siehe da, kühlung. Der sah nur ein wenig besser aus als die alten und sie waren vollständig.
Danach abgelegt, zur tankstelle gefahren und eine stunde runden gedreht, bis ich endlich dran war. Die tanks sind voll und auch die kanister. Morgen noch frischware kaufen und ablegen.

Mehr von aus Darwin.

Dieser Beitrag wurde unter Reise_2019, schiff, technik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>