Also Lille kann auch warm, gestern waren es fünfunddreißig im schatten davon. Die staatsverwaltung hat schon wieder panik, damit nicht so viele wie vor dreizehn jahren endgültig umkippen. Im haus bleiben, die jalousien unten lassen und abends wird gelüftet. Das bringt zehn grad weniger als draußen.
Ich suche hier noch nach schönen plätzen, werde aber nicht so recht fündig. Der alte hafen und liegeplatz der binnenschiffe gefällt mir schon. Dreihundert meter vom wohnort entfernt und gehört zu Lille. Die fotos habe ich aber von der anderen seite, von Lomme aus aufgenommen. Dies wird aber sicherlich bald eingemeindet werden, als ein weiterer stadtteil. Die eine oder andere lücke kann ich bei den dauerliegern entdecken, in die mein schiff passen würde. Aber das ist kein aktuelles problem.




Interessanter wird die weiterfahrt, da die wenigen willigen segler, die sich bislang bei mir gemeldet haben, in der entscheidungsphase einen rückzieher machen. Somit werde ich Patagonien wohl allein durchreisen. Letzte woche hatte ich schon angefangen, alle ankerplätze, die einhand gut möglich sind, in meine karten einzutragen, und es sind nicht wenige. Einerseits betrübt es mich und auf der anderen seite habe ich einen freiheitsgrad mehr. Jetzt müssen nur noch die chilenischen behörden mitspielen.
Eine weitere planung besteht in der weiterfahrt, nachdem ich Patagonien durchfahren habe. Links abbiegen, sage ich einfach. Aber da gibt es doch ein paar kritische faktoren, die mir erst heute klar werden, Fukushima. Ja, da war doch was, und in der presse wird das weitgehend tot geschwiegen, wer zahlt wohl dafür.
Da täglich immernoch dreihunderttausend liter reaktorbrühe ins meer fließen, verteilt sich die suppe, die der ozean bis australien umspühlt, im Pazifik. Zehn jahre nach dem unglück. Danach zieht strömung in richtung Indischer Ozean und klopft mit dem golfstrom auch an die europäische haustür. Also alles schnell noch besuchen, bevor die meere und dann die menschen sterben. Um meinen alterungsprozess extrem zu beschleunigen, muss dort nur der watermaker laufen, um anständige dosen an cäsium, strontium, plutonium und weitere isotope zu verkosten. Die fischfanggebiete im nördlichen und mittleren pazifik sind schon heute zu meiden und der fisch sollte nicht auf meinem teller landen. Abgesehen davon wurde bis in die neunziger jahre genügend atommüll in der nordsee und anreinermeeren verklappt.
Also schnell in die Südsee und da durch, aber besser wird es nicht werden.
Zehn tage vor dem rückflug wollten wir mal schnell eine aufenthaltsgenehmigung in der ausführung einfach, weil wir aus der EU sind, beantragen. Eine stunde vor toresschluss waren wir in der ausländerbehörde, leider geht so etwas nicht vor ort in der lokalen mairie, wie wir zuvor schon erfahren hatten. Eigentlich wollte ich nur meiner meldepflicht nachkommen und dann haben wir das kleine volle programm angefangen.
Nach über einer stunde stehen und warten im vollen warteraum, mit schrittweise vorwärtsgehen, wie in der flughafenschlange, fehlten lohnbescheinigungen, was auf keiner webseite erwähnt wurde. Erfolgloser abgang und ein weiterer versuch am folgenden tag in der früh.
Am nächten morgen den schlaf abgebrochen, ohne kaffee los und angestellt. Schon die schlage vor dem verwaltungsgebäude war hundert meter lang, weil taschenkontrolle. Eine viertelstunde später standen wir in der ausländerschlage wie am tag zuvor. Einige gesichter kannte ich schon. Nach einer stunde waren wir an der reihe, alles dabei und leider ist die probezeit des arbeitsvertrags aber erst in einem monat vorbei, also noch keine unbefristete arbeit, und somit gibt es den zettel noch nicht. Wieder umsonst, nur in einem monat bin ich nicht mehr hier. Vielleicht geht es auch, dass Sabine es für mich mit erledigen kann. Bürokratie und Frankreich, merde.
Ein anderer faktor erleichtert die weiterfahrt, das wetter im Nord-Pas-de-Calais. Es regnet hier sehr oft, das meer ist nicht weit entfernt. Aber dieser August war wohl eine ausnahme, sonne satt, trocken, warm und angenehm, vielleicht schon zu warm für diese gegend. Pünktlich zum ende der generalen ferien in Frankreich hat der sommer dann aufgehört. Zeit zum abreisen.
Aber vorher gab es dann noch einen ausflug in die region. Hier ist das ehemalige kohlenrevier frankreichs und viele zechen stehen unter denkmalschutz. Die abraumhalden sind kulturerbe und die bergarbeitersiedlungen werden teilweise restauriert. Das ganze bei typischen lokalen wetter, wir sind aber trocken geblieben.






Das schiff soll immer noch schwimmen, alles superbestens und meinen abholer habe ich auch schon terminiert.