Hotel California

Refit teil drei

Ich habe den titel während der schreibzeit mehrfach geändert. Aus der ferne haben mich die blockwarte und die ausgangssperre in der brd irritiert. Doch hier ist die situation zur zeit die, wir sind drin auf dem trockenen und kommen nicht raus.

20200401 bullshitbingo

 

Es ist noch immer anfang April, das schiff ist noch immer offen und ich habe ein kleines haariges problem. Aber zuerst ist die arbeitsweise der akteure hier abenteuerlich, auf jedenfall hirnlos. Es wurde mein schiff erstmals von innen grundiert, die schweißarbeiten sind noch nicht fertig. Ich kann die schweißnähte nicht mehr prüfen, die weiteren schweißungen sind auf farbe nicht sauber machbar.
Die gute nachricht indes: es sind drei wochen seit dem projektmeeting vergangen und ab heute ist der stellplatz kostenfrei. Wenn sie zu ihrem wort stehen. Das bringt mich aber auch nicht weiter, eine woche, in der nichts passiert.

20200401 t-schinen im schiff

 

20200401 laengstraeger

 

20200401 loch vier

 

Zum haarigen problem, kakerlaken hat fast jeder segler, bei mir waren schon mehrere arten im schiff. Nun habe ich wohl aber rattenbesuch hier im schiff. Zuerst dachte ich, der apfel hatte kakerlaken knabberbesuch. Dann fand ich noch eine orange, die auch angefressen wurde. Also bin ich zu einem auf dem gelände hin, der sich mit ratten auskennt. Ich fand das thema vorher bei ihm im sauberen schiff noch lustig und lachte innerlich, schadenfreude ist nicht gut. Nun habe ich mich bei ihm dafür entschuldigt, er konnte davon nichts wissen. Ich habe jetzt rattengift von ihm bekommen und warte mal ab.

Das wochenende ist schon wieder da und diesmal wird es keinen ausflug geben. Ich erledige kleine arbeiten am schiff und schaue mich ein wenig um. Die arbeiten gehen voran, es sind fast alle l-profile eingeschweißt unter kräftigem rauch von der verbrannten farbe. Nächste woche soll alles abgeschlossen sein und sie wollen das schiff ins wasser bringen. Zum einen ist das ok, testen, ob es dicht ist. Wird es wohl auch sein, ist doch schon farbe auf den nähten. Nur zum anderen beunruhigt es mich auch, trauen sie ihrer eigenen arbeit nicht.

20200403 farbe innen

 

Zufälligerweise hat einer am Sonntagnachmittag einen einkauf angesetzt und es war noch platz im auto. Also im baumarkt den motorölkauf im großgebinde realisiert. Danach noch einmal zu supermarkt, aber nur mit mundschutz, den man für einen euro erstehen kann.

Durch den schwachsinn der farbe im innern wurde am Mo das schweißen interessanter. Die grundierung wurde entfernt und das meiste wurde durch ein paar ampere abgebrannt. Das stinkt gewaltig, die luft ist zum schneiden dick, und ich denke nur, hoffentlich krepieren sie nicht im schiff. Die gehen dann sicherlich als coronatote wegen atemnot durch.

Am Di das gleiche, die luft im schiff ist noch dicker, einer flext innen, der alte schweißer fixiert alle l-und t-eisen mit seitenwechselnder naht. Da überall farbe drauf ist, brennt diese ab. Das gebläse verwirbelt nur den nebel. Draussen flext der erfahrene schweißer die nähte, nachdem ich mein wunschschleifen erklärt habe. Zuerst von oben nach unten, dann von unten nach oben, dann das ganze runden. Wird besser als das verschliffene original. Der dreck ist außerordentlich und ich habe schon mal ein reinigungsteam geordert, für wenn das werk fertig ist.

Mi: das loch wird verschlossen, vom alten. Innen soll der junge mit verdünner die abgebrannten stellen gleichzeitig säubern, ich will die flex. Verständnis, wissen, zero.
Das gebläse läuft und wirbelt den dreck im schiff herum, kein system zum herausblasen. Am abend ist die schwarze schicht so dick, dass ich anfange zu säubern, um nur halbdreckig ins bett zu kommen.

20200405 quertraeger

 

20200408 loch vier

 

20200408 slipyard

 

Sind diese menschen unterbezahlt, es kommt auf den vergleich an. Sind unsere berater überbezahlt, ich denke schon. Deren ergebnis ist mit den arbeitern auf einer ebene vergleichbar. Können nichts, wollen viel und das ergebnis ist negativ. Nur die menschen hier verdienen zwanzig euro, wenn sie gut sind. Der mindestlohn ist zehn euro. Im vergleich zum berater hinkt nicht so sehr, sein arsch wird für tausendfünfhundert am tag verkauft, wert ist er höchstens zweifünfzig.
Wer noch nicht die lücke erkennt, der genannte mindestlohn ist hier pro tag, nicht in der stunde. Denn der werftbetreiber als zuhälter kassiert natürlich mehr als die hälfte ab von der summe, die ich bezahlen muss. Wer von außerhalb kommt, muss abstecke zahlen, oder fettgeld zum schmieren.

Meine transportkarre hat eine neue ganze achse bekommen. Stangen gibt es genug, ab auf die drehbank, noch ein gewinde am ende und nach dem einschweißen fertig. Sie rollt wieder, fehlt noch ein wenig farbe, nachdem der rost entfernt ist.

20200408 transportkarre

 

Auch die ankerwinsch ist wieder zurück, ein zwischenstück für die achse in der kupplung. Und wenn wir schon dabei sind ein neues u-blech, damit die kette wieder von der nuss abgeschert wird.

20200404 ankerwinsch

 

20200404 motorkupplung

 

Do: der letzte teil des querträgers und des längsträgers vom vierten loch sind im schiff. Der alte verschweißt außen ringsum und der junge schweißer schleift die nähte, schleifen, schleifen und schleifen. Nach der entnommenen relingsprobe vor ein paar tagen sind die ersten relingstücke erneuert. Der alte hat währenddessen den ersten ausschnitt der mittelklampe wieder in position eingeflickt. Nicht schön, aber drin.

20200409 loch vier

 

Ein eisenbieger nimmt die falsche tür…, besser hier: gendergerechtsprech eisenbiegerinnen. Das machen hier frauen, sind wohl noch günstiger, aber mit akribie dabei. Die armierungen für die ecken werden hier vorort angefertig. Am nachmittag haben sie dann noch die verschalungen repariert, denn das betongießen ist nicht mehr weit.

20200409 eisenbiegen

 

20200409 eisenbiegen

 

20200410 eisenbieger

 

Die drücken die baumstämme bis spät in die nacht in den fluss. Sicherlich interessiert sich niemand hier für den größten mond des jahres. Das ist ein thema für die coronaeingesperrten, als ablenkung. Hier ist es nur in der planung, damit man einfacher die tiefen bereiche verschalen und gießen kann. Nur das wasser kommt auch höher und ich kann dann beim hochwasser nur noch knietief zum schiff kommen.

20200409 knietief

 

20200409 knietief

 

20200409 slipyard

 

Das wasser ist weg, der slipyard weiter zu und die segler kommen zurück. Die reise zwischen den thailändischen provinzen ist nicht mehr möglich und nun liegen sie schon zu dritt im großen päckchen, können das aber noch nicht. Zerdrückte fender, frische neue abgeschrammte farbe und der erste streit im stress ist angefacht. Wenn ich denen sage, nach der farbe ist vor der farbe, dann wollen sie mich fast lynchen.

20200409 rueckkehrer

 

20200410 zurueckkommer

 

Das war wohl doch noch nichts mit der farbe im innern, da die nähte außen noch nicht abgenommen sind. Oder anders formuliert, die sehen noch schlechter aus, als wenn ich das gebraten hätte. Ergo schleifen und schweißen und schleifen. Es kostet mich eine menge zeit, aber es soll einigermaßen werden, nicht super.
Dafür hat meine reling jetzt vier neue ständerrohre und eine horizontale erhalten. Dieser schweißer mag seinen job, er kann auch drehen, aber das gefällt nicht so sehr. Meine neue achse an der sackkarre ist trotzdem rund geworden.

20200409 relingstuetze

 

20200413 relingsrohr

 

20200413 relingstuetze

 

Das war nicht so richtig etwas mit dem ausflug am Sonntag. Die erste straße links ab und dann immer  geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, rechts abbiegen. Das hat alles funktioniert, die sonne schien und ich konnte mich am schatten orientieren und kam auch dort an, wo ich hinwollte. Nur nichts aufregendes gesehen, bäume, garnelenteiche und landschaft. Meine fieberdurchschnittstemperatur von drei messorten beträgt fünfunddreißig komma vier grad. Noch ein paar messungen weiter und ich erfriere hier an unterkühlung, aber immer schön mit maske.
Warum nur, warum sind alle unterbelichtet, warum kuschen alle, warum glauben sie alles, warum schweigt die mehrheit.
Im supermarkt dann die nächste regel, von heute an bis zum neunzehnten gibt es keinen alkohol zu kaufen. Wie soll ich denn den schwachsinn ohne betäubung überstehen? Beißen sie mal fester auf den korken, solange wir ihnen die propaganda ins hirn pumpen.

Die woche beginnt, ich bin weit vor der sonne wach, durch diese religiösen fanatiker morgens um fünf. Dazu kommt eine sehr schlechte nacht, sehr heiß und ein altes problem ist wieder im schiff. Während ich versucht habe einzuschlafen, fiel ein esslöffel zu boden. Beim ersten pling will man es noch nicht glauben, aber es kann nur der von der rattengiftdose sein. Das ergebnis ist ein angeknabberter neuer apfel und eine halb verschleppte abgeknabberte mango. Beides gestern gekauft und neben dem herd auf dem tisch abgelegt. Dabei hat sie eine woche lang kein gift gefressen. Die jagt geht weiter.

Ein zweiter tag und keine schweißerei und schleiferei, mann, bin ich genervt. Alternative projekte müssen her und dafür brauche ich bald mein schweißgerät und meine elektrischen werkzeuge. Das erste ist tief unten in der mittelkabine, in die ich alle sitzkissen und küchenschubladen gestopft habe. Alles raus und in die achterkabine, danach wieder alles zurück, schweißnass.
Die werkzeuge sind vorn unter dem kühlschrank und dem küchenrest. Unterm werkzeug lagert das antifouling und darauf sind rattenködel, hart und durchgetrocknet. Das biest hat letzte nacht den cracker in der falle verweigert, heute abend hängt dort eine leckere scheibe mango.

20200413 rattenfalle
Die windsteueranlage scheint heute fertig geworden zu sein, morgen werde ich sie testen. Die umlenkrollen der genualeine sind restlos zerlegt, eine halterung wurde geschweißt, eine andere hat eine neue mutter aufgeschweißt bekommen. Alles dauert und wird nicht schneller.

20200413 handlauf neu

 

Vielleicht passiert heute etwas am schiff, am Do. Gestern waren keine aktivitäten zu spüren, dabei ist nur noch ein tag richtige arbeit erforderlich. Die windsteueranlage liegt jetzt bei mir auf einem tisch am boot.
Die fünfzehn halterungen für die inneneinrichtung haben sie dann gestern doch noch angefangen zu produzieren. Der auftrag ist schon über eine woche alt. Die gute und schlechte nachricht ist, dass zwei segmente im badbereich wieder stehen, nur provisorisch. Die schlechte ist, dass sich die geometrie ein wenig geändert hat, die längsträger habe eine neue position und die querträger sind breiter. Ich habe ja zeit.

20200416 halterungen

 

20200411 nachschweissungen

 

Gestern am Do und heute habe ich das bad und die küche bis zum herd wieder in position gebracht. Es ist alles, nur nicht fertig. Das brett, auf dem das klo ruht, hat eine doppel t-schienen halterung bekommen, mit dem rumpf verschweißt. Somit könnten auch theoretisch die zweihundertkilo ärsche darauf sitzen, nur sie kommen ja nicht ins schiff. Alle anderen holzwände haben ein bis zwei der halterungen bekommen, alle verschweißt.
Morgen geht es an den rest, zwischen herd und weißem schrank. Alles stimmt nicht mehr so richtig, viele neue auskehlungen und der rechte winkel mit dem auge gemessen. Hinderlich sind auch neue querträger, die vorher nicht vorhanden waren, deren abmessungen sind sowieso größer. Aber morgen soll die schleiferei und schweißerei beendet werden, ich bin gespannt.

20200416 wc träger

 

20200420 wc träger

 

20200416 badfixierung

 

Auch ein dicker hals lässt nach, es wurde angefangen zu schleifen. Nur sie verstehen nicht, dass eine schweißnaht geschlossen sein sollte. Also lernkurve noch einmal von vorn, wobei der schweißer weiß, wovon ich rede. Nur hat der sozusagen manager von tunten und blasen keine ahnung.
Wir sind sehr kurz vorm ziel, und neue ideen kommen auf, die nicht zielführend sind. Es kostet nicht nur meine energie.

Dafür habe ich schon über zehn der halterungen im schiff verschweißt. Eine neue trennwand ist im schiff, als ersatz von dem flickenholzteppich, als ich die reste vor acht jahren verwendet hatte. Nun ist das teil nicht mehr aus vier reststücken.

20200418 kuechenfixierung

 

20200418 kuechenende

 

Entweder ist es eine wetteranomalie oder die regenzeit fängt hier schon an. Am nachmittag so um drei ziehen dicke schwarze wolken auf und ergießen sich heftig. Ein unwetter in der deutschen zone ist dagegen nieselregen.
Der tagesausflug war heute mal am Dienstag, gestern war des führers geburtstag und neue maßnahmen sollten ergriffen werden. Die ansteckungsrate ist unter eins, es gibt über zehntausend freie intensivbetten in den krankenhäusern in der brd, keine pandemie, kaum tote und trotzdem ist das grundgesetz außer kraft. Die knarrenbauerin bestellt mal eben fast fünfzig neue atombombentragfähige kampfflugzeuge am parlament vorbei. Auf China wird eingedroschen und forderungen werden laut, auf die russen sowieso. Die automobilproduktion wird hochgefahren und das kontaktverbot bleibt trotzdem bestehen. Und keiner muckt auf, sehr brav, sieg merkel oder so.
Hier in Thailand haben sie mal das alkoholverkaufsverbot bis zum monatsende verlängert. Alles haben eine maske zu tragen, wenn ich aus dem lager rausgehe bis nach Satun, hängt sie unterm kinn. Meine ausbeute heute ist eine kreissäge, ich habe die zeit und arbeite mindestens genau so gut wie die holzarbeiter. Richtige tischler gibt es kaum welche.
Das letzte blech war etwas pfuschig eingebraten worden. Die obere naht hat mindestens eine zwei millimeter tiefe lücke. Ihre lösung war ein u-profil mit vielen schrauben. Die werden an den rumpf geschweisst und die muttern werden angezogen. Von innen kommt dann der fünfkilohammer, während die muttern angezogen werden, eine kaltverformung. Wenn sie dauerhaft hält, ist es gut.

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 big hammer

 

Heute ist Fr der vierundzwanzigste April und drei wochen später, als der fertigstellungstermin. Die schweißarbeiten sind fertig, es fehlt nur noch das küchenabwasserrohr. Das teil ist auch schon mit zwei gewinden versehen worden, an beiden enden, wozu. Eins hätte doch gereicht. Leider mucken sie auch herum und wollen sich von ihrer zusage drücken, die überzogene zeit sei frei. Diese wesenszüge gefallen mir nicht und machen mich mehr als ärgerlich.

Der gleiche tag nur am abend. Es ist nichts von der werftseite passiert, der manager war heute auch nicht freundlich, egal. Smaltalk mit dem besitzer und ich hoffe, dass morgen das projekt rumpf abgeschlossen ist.
Dafür habe ich heute schonmal alle neu abgebrannte farbe weggeflext, macht dreck. Der mindestlohndilettant kann dann mit schleifpapier und einer drahtbürste noch darüber gehen.
Der türrahmen zur achterkabine hat ein wenig epoxi-spachtel erhalten, er ist halbwegs aus dem zustand des zerbrechens heraus. Mein lieblings lavac hat eine entrostungskur bekommen. Mein zugeführtes essen war über die letzten jahre nicht so sehr eisenhaltig. Dennoch rosten die edelstahlschrauben der befestigung und das habe ich entfernt. Es sind jetzt die kleinen schritte, die die zusammensetzung des großen verbessern.

20200423 neue halterung

 

20200425 neues abwasserrohr

 

Ich muss vorsichtiger und nicht so vertrauensvoll mit den diesen leuten werden. Der manager ist ein entfernter teil der familie, die ansprechpartnerin ist mit dem schlaganfallgelähmten sohn des besitzers verheiratet. Das hier ist alles eine mischpoke.

Die arbeiten am slipway gehen auch nur schleppend voran. Die winde hat zusätzlich zum verschleiß einen getriebeschaden. Dafür ist die neue achse für die kabeltrommel fertig. Und weil der damm zum abhalten des flusses noch wasser durchlässt, wird an einigen stellen auf dem slipweg der beton entfernt. Dort sollen überfahrten der gleise für den gabelstabler neu gegossen werden. Sie werden das alles hinbekommen, nur wann.

Keep calm and build on. Die neue halterung wird von mir bald verbaut werden. Auf gesprächsdruck meinerseits hatten sie plötzlich keine zusage zum freien platz mehr gegeben, dann ist auch gerade die farbe ausgegangen. Und dann wurde ich doch sehr laut, nicht meine art. Der manager ist währenddessen vom grundstück gegangen.
Jetzt wird es spannend werden.

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Eingesperrt auf dem Slipyard

Refit teil zwo

Der slipyard ist fast zu und die restlichen schiffe, so auch ich, müssen mindestens einen monat warten. Das wusste ich vorher und es stört mich auch nicht. Dass auch gleichzeitig Thailand zu ist, stört mich ebenfalls nicht. Man kann das land verlassen, nur man kommt in kein anderes land hinein. Und alles weil ein paar leute etwas großes vorhaben. Wir werden sehen, Orwell 2.0.

Das austauschen der außenhaut am schiff geht voran, das dritte loch ist fast zu. Durch die schnelle hilfe von anderen, bauenden luftschiffbesitzern weiß ich jetzt auch, wie die reihenfolge der verschweißungen sein soll. Die farbe ist auch schon geordert und den preis für das sandstrahlen kenne ich. Es geht also weiter, nur heute ist wieder ein Freitag und das nimmt der schweißer wörtlich. Dafür werden sie nächste woche zu zweit arbeiten.

Inzwischen habe ich die windsteueranlage abgebaut, ich will ja nicht ganz untätig sein. Das zerlegen ging allerdings nach hinten los. Einige imbusschrauben sind so festgegammelt, dass ich sie aufbohren musste. Bei der letzten überholung in Argentinien haben sie geschlampt und die edelstahlschrauben direkt in das aluminium gedreht. Diese beiden materialien reagierten seitdem. Die lagerbuchsen werden fast alle ausgetauscht, das spiel des systems ist einfach überall zu groß, in der summe riesig. Der nächste ozean ist groß und die steuerung ist sehr wichtig dafür.

20200321 kranker patient

 

20200319 drittes loch platte eins

 

Das blech nummer sechs im loch nummer drei am schiff ist fast drin. Morgen wird es hoffentlich fertig geheftet sein und loch nummer vier wird offen sein. Ich gehe währenddessen immer zwischen der baustelle, den buchsen für die windsteuerung und dem schiff hin und her.

20200319 drittes loch platte zwei

 

20200321 buchsenherstellung

 

Aber heute ist Sonntag und ich hatte wieder den roller. Einmal zum großen supermarkt, der recht gut sortiert ist, danach zum hühnerfrittierladen kentuckyschreitficken. Das erste mal in meinem leben, mal etwas neues. Kurz vor dem rollerparkplatz noch vier neue t-shirts erstanden mit sinnfreien aufdrucken. Irgendwie zog es mich dann noch in den riesigen baumarkt. Dort habe ich das motoröl, das ich in Neukaledonien für sehr teures geld erworben hatte, wiedergefunden. Hier kostet der liter nur zwei euro dreißig, also ein viertel von dem goldöl.
Und weil heute sowieso nichts läuft, bin ich mal zum strand. Sie nennen es beach, ich eher küste. Kein richtiger sand und auf der anderen seite ist Langkawi in sichtweite. Auch habe ich die stelle wiedergefunden, an der ich mich festgefahren hatte. Nach fünf stunden auf dem roller bin ich dann wieder am schiff angekommen, der hintern tut weh vom sitzen.

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

Am Montag war dann das loch nummer drei zu und das vierte wurde aufgetrennt. Diesmal nicht mit dem brenner, das war mir zu heikel im badbereich. Gleichzeitig sind weitere buchsen gedreht worden, es sieht gut aus. Noch zwei boote gehen ins wasser und keins mehr raus. Somit kehrt hier ein wenig ruhe ein. In diesen monat muss sich im schiff einiges bewegen, personal ist genug da und nur drei aktive boote.

20200324 freier blick

 

Es gibt hier keine kleinen t-eisen, nur die größe ab zehn zentimeter. Also fertigen die mitarbeiter hier die teile selbst. Wie schnell die eine schablone dafür gebaut haben, war erstaunlich. Sicherlich nicht das erste mal. Dann eine kurze heftung, ein flachstahl unten in der nut, eins senkrecht darauf. Einer heftet die teile zusammen, während der andere mit dem hammer die vorrichtung weitertreibt.
Der eine manager wollte dann die l-profile aus flachstahl biegen, das ist murks, wurde von mir abgelehnt. Der andere manager hatte vorher ein u-profil besorgt und es wurde eine seite abgeflext. Dann kam es zwischendrin zu einem kleinen eklat. Am ende siegte abflexen gegen biegen.

20200324 t-schinen schablone

 

20200324 t-schinen produktion

 

Das war gestern, und heute wird hier kräftig im schiff geschliffen und das ist wieder scheiße. Als abhilfe dient ein großes gebläse, das den staub aus dem schiff saugt, denn die stahlplatten haben noch den zunder drauf und sind nicht grundiert. Außen wird eh gesandstrahlt, aber warum haben die den dreck nicht vorher entfernt. Arbeitsreihenfolge und effizienz sind noch nicht bis hierher gedrungen.
Heute ist Mittwoch, der fünfundzwanzigste März. Die finanzindustrie hat längere arme und so gibt es ab heute eine quasi ausgangssperre, zumindest in Bangkok. Hier auf dem land gibt es schon mal zwei kontrollposten zum fiebermessen bis nach Satun. Diese vollpfosten machen jeden blödsinn mit. Die schulbildung ist schlecht und viele enden im mindestlohnbereich. Eine fremdsprache ist oft mangelware. Keine bildung, keine perspektive und kuschen. Die amerikaner haben im illegalen vietnamkrieg aus diesem land einen groß puff gemacht, und das ist er geblieben, frauen zählen nichts bis wenig. Muss ich mehr schreiben.

Auch hatte ich geschrieben, dass der slipyard geschlossen ist. Ja, nein, weiss nicht. Ein segler ist noch hier und geht sehr bald ins wasser. Nur es kommt keiner mehr heraus, oder fast keiner. Wenn es aber um den könig geht oder seine machterhaltenden instrumente, dann lutschen die menschen hier jeden drops. Das personal des schiffes wird intensiv und mit mehr demut gegrüßt. Heinrich Mann mit seinem untertan lässt grüßen, geht es noch ein wenig tiefer, die hier können das.

20200326 ausnahmen

 

Somit ist am Donnerstag der slipyard zu, quasi fast. Zwei weitere polizeiboote sind an land und wie flink sie arbeiten.
Dafür gibt es einen neuen schweißer am schiff, älter, ruhig und soll erfahren sein. Während er mal hier und dort ein stück zu schweißt, damit kein verzug entsteht, schleift ein jungsporn im schiff. Der dreck ist außerordentlich, für den zunder auf den platten benutzt er eine schrubbscheibe. Jetzt erstmal grob geschliffen, danach noch einmal fein, dilettanten mit dreifacher arbeit. Das gleiche schleifen mit den t-schienen, vor dem schweißen wäre es einfacher gewesen. Aber dann gleich farbe rübergüllen. Die brennt doch beim schweißen wieder ab.

20200401 t-schinen im schiff

 

20200401 t-schinen im schiff

 

Am Freitag war dann die besatzung wieder kleiner und ich als feuerwehrinspekteur im schiff. Lebten die flammen zu lange, habe ich sie gelöscht. In Papeete habe ich gelernt, dass die isolierung auch brennen kann und das ist mist.

20200327 flammen im schiff

 

Sie haben wenig zu tun und deshalb wird das schiff schon mal eingetütet. Ich habe ihnen gesagt, dass das sandstrahlen erst erfolgt, nachdem ich neue halterungen für die küche eingeschweißt habe. Aber sie haben doch zeit.

Somit war am Sa großes aufgebot, außen hat zuerst der alte die nähte gezogen, der mit der flex hat die senkrechten nähte grob geschliffen. Innen war der standardschweißer aktiv, mit der flex und danach schweißend an den ersten innennähten. Bis jetzt sieht es gut aus, aber es war heiß im schiff. Ein paar kiloampere sind in wärme verwandelt worden.

Nachtrag zu den patroullienbooten, egal ob sie aus stahl sind oder aluminium. Das große erste boot hatte ein kleines loch im rumpf am bug. So floss dort über zwei tage landwasser heraus, nachdem das loch vergrößert wurde. Ich habe das auch mal abgeschmeckt, süsswasser. Dann stellte sich heraus, dass der wassertank ein leck hat. Was war das ergebnis, sie haben das loch im rumpf zugeschweißt. Der wassertank wurde nicht repariert, sechs opferanoden sind schon mindestens seit dem letzten anstrich nicht mehr vorhanden. Diese leute fahren das material auf verschleiß, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie keine bildung haben. Es ist keine frage ob, sondern nur wann das nächste loch durchgammelt. Bei den anderen schiffen sieht es ähnlich aus, dort hätte sogar ich schon die anoden getauscht. Überall auf der welt bei bildungsfernen gesellschaften ist es das gleiche. Ist irgend etwas kaputt, weil es nicht gewartet wurde, wollen sie einfach ein neues haben. Erfahrungen eines seglers während der reise.

20200328 ausnahmen

 

Am So war wieder ein ausflug angesagt, vorher noch in den großen supermarkt und danach wieder in den baumarkt. Dort habe ich zwei räder für meine sackkarre erstanden, die leider nicht passen, ein paar Liter motoröl und elektrokabel.
Um dort hinzukommen, gab es erstmal einmal fiebermessen am ortsausgang. Wie sinnfrei ist das, hätte ich fieber und vielleicht auch das virus, ist es eh zu spät, da ich es seit tagen schon verbreitet hätte. Nun egal, die menschen haben einen bezahlten job und das ist viel wert in diesen land.
Das nächste fiebermessen war unmittelbar in der tür zum supermarkt, mit strichen auf dem boden und dabei wichtig tun. Und auf dem weg dorthin hielt eine frau mit kind auf einem roller an der roten ampel neben mir an und gab mir einen mundschutz. Nett gemeint und danke, trotzdem sinnlos.
Zurück zum schiff, die waren abgeliefert und weiter geht die reise. Diesmal nicht in richtung meer, sonder immer links abbiegen, ich habe keine karte und muss mir den weg merken. Die landschaft ist recht flach, kleine steigungen mit ein paar hügeln. Diese sind von monokulturen bewachsen. Entweder es sind gummibäume mit ritzungen und auffangbehältern oder noch palmenplantagen. Wenn das gebiet tief und flach ist, findet man auch teiche für garnelen. Das ende der straße war am fluss, eine brücke, dann der weitere ort und ende. Dort beobachteten die menschen schon sehr interessiert mein verhalten. Umkehren und wieder zurückfahren.

Hierzu sollte es einige bilder geben, jedoch habe ich die kamera im roller gelassen und ein anderer konnte sie gut gebrauchen. Das geht auch als test durch, denn nur auf dem werftgelände hatten sie zugriff. Somit muss ich ein wenig mehr auf den inhalt des schiffes achten.
Nachtrag: gestern am Di abend habe ich die kamera wiederbekommen, jemand aus dem büro hat sie gerettet. Also gibt es doch wieder bilder.

20200329 gummibaumplantage

 

20200329 gummibaumplantage

 

20200329 palmenplantage

 

20200329 palmenplantage

 

20200329 garnelenteiche

 

20200329 garnelenteiche

 

Somit ist jetzt Mo und die woche fing nicht gut an. Der alte mann in der werkstatt, der wusste, wie vieles funktioniert, und der die manschaft koordiniert hat, ist tot. Er meinte, als siebzigjähriger müsse man arbeiten bist zur kiste, ist auf das dach seines hauses geklettert, um den wassertank zu reinigen. Der war fast leer, doch er musste sich an irgendwelchen stromleitungen festhalten. Die finger verbrannt und der austritt in der brust. Man fand ihn stunden später im tank, ein Darwin award kandidat oder man bucht ihn einfach auf den virus.
Das ist bitter für die familie und den rest im ort, jeder kennt alle und der größte arbeitgeber/nehmer ist diese werft hier. Somit ist der alte schweißer an meinem boot sein bruder, die verwandschaft in der werkstatt und alles steht still. Das nächste problem längerfristig ist das verlorene wissen.

Dem schweißer, der den rumpf stückweise ersetzt hat, habe ich verklickert, wie die t-eisen zu verschweißen sind, dass man dafür sinnigerweisse ein u-eisen werkzeug mit schraube benutzen kann, da es die arbeit beschleunigt und verbessert. Er hat es auch beherzigt und wendet es an, die qualität wird hoffentlich besser. Heute am Di sind schon die unteren beiden längsverstärkungen im schiff.
Heute kam zudem mein neues ankerwinschgetriebe. Natürlich kann es nicht beim ersten mal passen. Diesmal ist die welle vom motor zu klein oder der adapter zu groß. Kein problem, es wird etwas dazwischen gebaut, mal sehen.

Heute ist Fr der dritte april und die situation verschärft sich. Das große milgram experiment geht auch hier in die zweite phase. Zusammensitzen und essen geht vor dem kleinen laden innerhalb der werft nicht mehr. Man hat kurzerhand den shop zum restaurant definiert und aus der schmaus. Futter to go ist aber noch möglich.
Milgram wurde im jahr der ersten machtergreifung geboren und starb im orwellschen jahr, schon recht komisch.  Alle machen mit, denunzieren der nachbarn die nicht mitspielen läuft sehr gut. Ich warte nur noch auf den zeitpunkt, an dem man das coronapositivabzeichen, feindsenderseherabzeichen oder selbstständigdenkerabzeichen auf seine jacke nähen muss. Die obrigkeit hat schiss, zu recht und muss sich vor dem pöbel schützen. Wird dann aber nichts mehr nützen.

Heute sind drei wochen seit dem projektmeeting vergangen, das schiff ist noch immer offen und nicht fertig. Wenn sie wort halten, stehe ich hier ab morgen für umsonst.

 

 

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Wieder einmal Rast auf einem Schiffsfriedhof

Refit teil 1

Das slippen lief sehr entspannt ab, die leute kennen ihre bahn. Da es Sa war, blieb ich in der mitte stehen, am Mo räumt man den platz frei. Ein blick über das gelände, teilweise sehr müllig, aber sie räumen auf, jeden tag ein wenig. Ein paar schiffe stehen hier allerdings schon jahre und wohl für die ewigkeit bis zum schweißbrenner.

Das einklarieren hat nur eine stunde gedauert, der knabe von der immigration wunderte sich nur über die zehn tage seit Port Dickson. Nur hatte er keine ahnung, wie weit weg das ist. Ich bekomme als kapitän keinen stempel in den pass. Und auf einem anderen dokument ist auch kein ausreisedatum vermerkt. Somit könnte ich hier sehr lange bleiben, will ich aber nicht.

Tag 1 und 2

Nachdem das schiff nun endgültig steht, habe ich die segel abgeschlagen und vertütet. Mann ist das tuch schwer. Somit ist das deck frei und kann als lager für die teile des innenausbaus verwendet werden.
Angefangen habe ich beim bugschrank, der vollständig zerlegt wurde. Beim bau habe ich nicht mehr auf die modularisierung geachtet. Dann ging es an die vier meter küchenzeile mit dem schrank. Es sollte alles für die ewigkeit sein, diese dauerte sechs bis acht jahre.
Wichtig für alle, die noch bauen, verwendet keine spaxschrauben oder nur v2a. Die dinger rosten sonst im schiff, reißen ab oder der kopf wird rund und lässt sich nicht mehr schrauben. Was sich bewährt hat sind innenvielzahnschrauben. Mit dem richtigen bit lassen sie sich gut heraus schrauben.
Das ganze holz wird an deck gelagert, eine plane drüber, wenn der regen kommt.

20200303 rueckbau

 

20200303 rueckbau

 

20200304 kuechenecke

 

20200304 rueckbau

 

20200304 rueckbau

 

20200304 rueckbau

 

Tag 3

Die küche ist vollständig raus, gekocht wird im bug, im rest vom schrank. Eine spüle ist noch nicht vorhanden, solange das waschbecken im bad da ist. Nur ohne fließend wasser ist das alles nur halb brauchbar. Die wasserversorgung ist auch abgeklemmt und der abwasserschlauch hat sich natürlich im schiff entleert. Die schwarze brühe müffelt sehr.

Die ersten meter der isolierung sind auch schon ab. Dahinter war es feucht, ich hoffe, es ist durch die verformung entstanden. Ich habe mir damals jahrelang mühe gemacht, um das schiff zu isolieren, und in minuten ist das zeug mit viel kraft raus. Mal sehen, wie lange der küchenwiederaufbau dauert.

Das erste projekt ist auch fertig, das fahrrad ist repariert, das tretlager getauscht. Und das ganze für zwanzig euro, eine ölung gab’s dazu und die reifen wurden auch aufgepumpt, schön so. Am abend gab es dann von der werft eine pizza für jedes schiff. Und der name war auch drauf.

20200305 isolierungsfrei

 

20200305 isolierungsfrei

 

20200305 pizza tag

 

Tag 4

Weitere meter im schiff sind von der isolierung befreit, bis zum badbereich bin ich schon gekommen. Es zeigt sich, dort wo der rumpf beschädigt ist, ist feuchtigkeit unter die isolierung gekommen, und nicht wenig. Im bereich darüber hält der kleber besser als erwartet.
Ich musste sie ein wenig drängen, aber wir haben den rumpf mit kreidestrichen überzogen, alles was raus muss. Das ist mehr als gedacht und ich muss mich entscheiden. Es geht um dreißig zentimeter, die leicht verbeuelt blieben, oder ich muss den fäkalienschrank zerlegen. Das hätte auswirkungen bis in die achterkabine und ich will den müffelnden bereich lieber so belassen. Dies wird keine baustelle werden, das lasse ich lieber.
Das kleine nächste problem ist der stahl, in zoll maßen. Somit werden es null komma neun millimeter mehr rumpfstärke werden statt einen weniger. Morgen soll es schon ankommen und dann kann es losgehen mit dem aufschneiden. Ach ja, t-eisen gibt es hier auch keine, die werden dann hier aus flachstahl gefertigt.

20200306 isolierungsfrei

 

20200306 isolierungsfrei

 

Tag 5 bis 7

Die ganze backbordseite ist nun von der isolierung befreit, oder besser der bereich, der ausgetauscht werden soll. Die demontage verlief gut, bei ein paar elementen musste ich die schrauben herausreißen, da kam ich nicht hin. Anstatt alles sequentiell zu bauen, hätte es besser in abgeschlossenen modulen sein sollen. Beim nächsten schiff wird es so gemacht.
Während ein mitarbeiter der werft angefangen hat, den rumpf aufzuschneiden, habe ich die ankerwinsch ausgebaut. Enge arbeit und es ist nicht so richtig mit dem werkzeug an die muttern zu kommen. Dann zur werkstatt hin und der meister sollte es zerlegen. Nicht einmal vielzahnbits haben sie hier. So brachte ich mein werkzeug und es ging alles sehr einfach. Wie schon vermutet war wieder ein metallspänesalat im innern. Das zahnrad und die schnecke gehen nach Bangkok und werden neu gefertigt.
Nach drei stunden herumflexen mit einem kleinen spielzeug konnte ich die firma überzeugen, dass das große werkzeug ran muss. Eine flex mit einer zweihunderter trennscheibe. Meiner meinung nach ist der arbeiter ein wenig unbeholfen, ich gebe ihm tipps, wo ich kann. Als er die erste beule durchtrennnte hatte, diese ploppte auf, vibrierte das ganze schiff. Da ist eine menge von spannung im blech. Ein plasmaschneider ist auch nicht vorhanden, hier ticken die uhren anders.

20200307 erster schnitt

 

20200307 erster schnitt

 

20200307 erster schnitt

 

20200307 neues blech

 

20200309 lieblingswerkzeug

 

20200309 spielzeug

 

Das nächste kleine projekt ist auch abgeschlossen, der entfaltete und gerichtete propeller ist wieder zurück. Sieht gut aus, die können hier mehr als die leute in Neukaledonien.

20190817 propeller vorher

 

20200307 propeller nachher

 

20200307 propeller nachher

 

Es hat ganze vier tage gedauert, das erste große loch in den rumpf zu schneiden und wieder zu verschließen. Sie arbeiten hier im schneckentempo und das macht mich wahnsinnig. Bei dieser geschwindigkeit bin ich noch ein wenig länger hier.
Dafür war ich schon einmal in der stadt Satun mit dem motorroller. Dieser ort ist eine lange straße, an der alle geschäfte zu finden sind. Ein paar nebenstrassen und das war es, allerdings ist er auch zehn kilometer lang. Nur ein roller ist nicht so praktisch beim einkaufen. Der eine supermarkt ist nur mit dem auto zu gebrauchen, großgebinde verkauf. Fisch, obst und gemüse gibt es in kleinen mengen.
Dafür war der baumarkt riesig, alles was man so gebrauchen kann. Sogar einen motor für meinen stromgenerator würde ich dort bekommen.

Die tage vergehen und den dreizehnten habe ich auch gut überlebt, nur der schweißer war nicht da. Dann gab es ein projektmeeting und wir haben den rahmen abgesteckt. Der rumpf mit grundierung wird zu einem festpreis gemacht, brauchen sie länger als drei wochen, stehe ich hier umsonst.
Aber es war auch ein Freitag und so passierte doch etwas, mein schlüssel für die waschräume ist mir in den offenen abwasserkanal gefallen. Als ich das gitter angehoben habe, liftete ich auch das waschbecken, das nur in seine halterung eingesteckt wurde. Viele splitter, ein blutiger finger, aber den schlüssel habe ich zurückgefischt.

Heute am Samstag ist das nächste stück blech dran, das folgende ist in arbeit. Ich war währenddessen kopfüber im motorraum. Die bilgenpumpe sollte einen neuen platz erhalten, so weit so gut. Das ganze arbeiten ist nur sehr schwierig, es ist heiß und der schweiß läuft mir in kürzester zeit in die augen und tropft danach ab. Die pumpe wird es aufsaugen.
Inzwischen läuft die welt amok, eine grippe. Jeder schottet sich ab, auch die wahrscheinlichen verursacher machen ihr land dicht. Keiner stellt die frage, warum China und der Iran so viele tote hat, einfach mal nachdenken. Wem nützt es?

Ich habe es aufgegeben, die tage zu zählen, bleibe besser beim datum. Der arbeiter hat sich eingearbeitet, er weiß jetzt, wie das schiff tickt. Das beste resultat erzielt er, wenn zuerst das loch rausgebrannt wird. Zuerst ein kleines für den abzug der wärme, dann in zwei teilen der rest. Danach kommt die doppelte arbeit, denn jetzt nutzt er die flex für den rest. Das ist aber einfacher und sicherer. Während es im schiff brennt, bin ich dabei. Er hat zwar wasser, aber ein backup kann nicht schaden.

20200309 erstes loch

 

20200311 zwewites blech

 

20200312 zweiter schnitt

 

20200312 zweiter schnitt

 

20200315 erstes loch zu

 

Es ist noch ein kommen und gehen und dann bleibt der dreck liegen. Ich habe schon öfter behauptet, die fischer sind dreckschweine und ich bleibe dabei. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, landet hier auf dem boden und tritt sich fest. Altöl vermischt sich dann mit den sägespänen.

20200312 andere projekte

 

20200316 stellplatz

 

20200316 stellplatz

 

Und dann das zentrale thema des viruses. Von panik ist hier nichts zu spüren, nur es gibt ein problem. Malaysia hat auch seine grenzen geschlossen und viele segler hier haben das problem wohin. Sie sind glücklich, wenn sie eine verlängerung bekommen. Andere fliegen nach hause, wenn der flieger noch geht. Sechs verschiebungen sind normal, zwei tage auf den anschlussflug warten wohl auch. Ich sehe das jetzt noch ganz entspannt, solange das bedruckte papier aus dem automaten kommt und ich hier auch die rechnung bezahlen kann. Gibt es eine währungsreform oder enteignung, werde ich wohl auf dem landweg per anhalter zurückkommen.

20200316 zweites loch zu

 

20200317 drittes loch

 

20200317 drittes loch

 

Somit endet diese geschichte mit einen cliff hanger, ist auch nicht so schlimm.

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Eine Schaufel Kohlen mehr nach Satun

Es hätte so schön sein können und auch teurer. Am vormittag bin ich in der marina in Nongsa angekommen, super anlegemanöver, keiner half, alles war vorbereitet. Im büro war der manager da, australier, freundlich und zeigte mir gleich alles wichtige. Waschmaschinen und trockner umsonst, den pub, das restaurant, wer den shuttlebus betreibt für die stadtfahrt und den swimmingpool. Der preis pro tag um fünfzig euronen. Das büro organisiert die formalitäten der immigration. Im shop gab es auch alkohol zu kaufen – liegt auch daran, dass es ein ressort ist. Das wlan reichte gut bis zum schiff.

Das dicke problem kam auf, als klar wurde: ich hätte mich ja schon aus Indonesien abgemeldet. Dann kam der habourmaster, der wollte mir zwei tage für die reparaturen geben. Nur dann meldete sich der agent, ich könne nicht wieder einklarieren. Dazu kommt eine heftige geldstrafe. Ja geht es noch? Die marina wollte auch keinen ärger, und so wäre es schön, wenn ich wieder abführe und draußen hinter einer insel ankere.
Immerhin konnte ich bis dahin meine mails abrufen, habe versucht, die homebase zu erreichen, eine waschmaschine voll gewaschen und getrocknet, eine kleine wartung durchgeführt, den müll entsorgt, das restliche geld ausgegeben und hatte angefangen, wasser aufzufüllen. Dann kam ein weiterer mitarbeiter der marina, sagte, er hätte gleich feierabend. Ich müsse jetzt ablegen, da er ein foto davon machen müsse, das zur immigration geht. Aus mit der freundlichkeit.
Also leinen los und raus. Ein stück weiter als die insel fiel wieder der anker. Es blieb mir keine zeit, den letzten bericht zu posten, das muss später erfolgen.

Dabei wäre eine mail sehr wichtig gewesen: die von meiner werft in Thailand. Es wäre gut, wenn ich vor mitte März dort wäre, denn die rampe zum slippen wird für einen monat lang gesperrt. Deshalb muss ich mich jetzt sehr beeilen, einen monat mehr verschenken ist nicht drin.

Am Freitag, den vierzehnten Januar ging es alles recht schnell. Den angedachten ankerplatz vor der überquerung des verkehrstrennungsgebietes gegenüber von Singapore habe ich nicht angelaufen. Es passte einfach alles, direkt hinter einem containerschiff die erste fahrbahn überquert. Auf der anderen seite wurde es ein wenig eng, den tanker noch vorbei gelassen und vor dem frachter rüber. War eng, ging aber, farbe ist noch dran.

20200214 ueberquerung

 

20200214 ueberquerung

 

20200214 ueberquerung

 

In Singpore angekommen lernte ich auch gleich die polizei kennen. Wohin ich wolle? Zu dem ankerplatz in zweihundert metern entfernung. Geht nicht, erst einklarieren, und sie wollen nach Malaysien, da links geht es lang, gute reise.
Somit war es nichts mit dem abwarten auf die richtige gezeit. Also musste Themroc durch ein feld voller öl- und gastanker in richtung norden. Dann kam später ein weiteres polizeiboot, ich habe kein ais und möge bitte weiter links fahren. Am hafen entlang, durch ein weiteres gebiet voller tanker und kein anhalten. Zum sonnenuntergang war die strömung schon wieder mit mir und so fiel der anker nach fünfundfünfzig meilen in den matsch. So gesehen war es gut, dass ich nicht in Singapore gewartet habe.

Ich wollte zum anfang noch die schiffe zählen, jedoch sind die ankerlieger schon über hundert. Der verkehr ist heftig, der süßliche abgasgeruch der schiffe hängt in der luft. In der Malakkastrasse sehe ich neben mir mehr schiffe als im Südchinesischen Meer am ganzen tag. Es ist auch erstaunlich, wie viele riesentanker hier umgeladen werden, entweder in etwas kleinere tanker oder in die kleinen, die dann den schiffstreibstoff zu anderen schiffen bringen. Meistens dürfte dies geklautes öl aus den illegalen kriegen sein.

Nach der ersten nacht vor anker ging es wieder früh los, vor der sonne. Mein tagessoll ist auf fünfzig erhöht, habe ich doch nur noch einen monat zeit bis zum rampenschluss. Es kann etwas dazwischenkommen und ein wenig luft ist immer gut.
Am Samstag den fünfzehnten bin ich das soll gesegelt. Bzw. motort, denn um elf uhr hörte der wind auf und der motor musste allein weiter schieben. Das ist ok, nur nach dem mittag fing der wind erneut an zu wehen, von links, da wo ich hin will. Das kenn ich auch schon, aber um drei uhr waren es schon vier windstärken, leider unbrauchbar. Dazu kam dann eine kurze steile welle, zu kurz. Nach drei wellen steht das schiff fast und es braucht seine zeit, um wieder in fahrt zu kommen. Mehr drehzahlen halfen auch nicht.
Dann gab es noch eine neuigkeit, die fischer haben hier feste installationen im zehnmeterbereich erstellt. Dauerfischanlagen, fünfzig meter lang aus bambusstangen, schlecht zu sehen, in der nacht ein risiko. Über zwei dutzend davon habe ich schon gezählt. Nach zwei stunden habe ich die bolzerei aufgegeben und zwischen den vielen anlagen geankert.

Am Sonntag wollte ich das letzte stück bis zur marina in Port Dickson schaffen. Es ging wieder früh los, dann gleich mit der genua und höherer drehzahl. Das lief gut bis kurz vor Malakka, wie gestern war der wind dann weg. Und ich hasse auch wettervorsagen, die eintreffen. Deshalb habe ich noch ein brikett dazugelegt und für noch mehr schub gesorgt. Bei der drehmomentspitze werden dann dreikomma liter vergurgelt. Zum glück war der wind am nachmittag von links nicht so kräftig und die wellen blieben klein. Zum sonnenuntergang war ich zufrieden vor der marina angekommen. Nur konnte ich die einfahrt nicht ausmachen. Eine nacht vor anker draußen erfreut auch den geldbeutel.

Am nächsten morgen ging es recht gut, bis in die mitte des anlegers. Ich habe die einfahrt zur marina gefunden, auf dem VHF kanal meldete sich keiner, also ein alleine-anlegemanöver. Als ich meinen ponton gefunden hatte, kam doch einer vom personal und half.
Wie gern lachen wir über skipper, die eine festmacherleine rüberwerfen und diese nicht am schiff festgebunden haben, sehr gern. Ich vermisse nun eine leine, es waren vier und jetzt nur noch drei. Eine hinten, mitte und vorn, aber nummer vier fehlt. Ich hatte dem marinaboy die mitte zugeworfen und ich war erstmal fest. Danach ging ich nach vorn und warf diese leine rüber. Nur es waren zwei und ich raffte es nicht. Die eine landete auf dem steg, die andere im wasser dahinter und sie kann leider nicht schwimmen. Bis ich die hintere leine fest hatte und den bootshaken bemühte, waren fünfzehn meter leine abgetaucht. Schon scheiße, ist passiert, und ich habe kein bock in der marinabrühe auf sechs meter zu tauchen, adieu meine gute treue leine.

Danach ins office, formalitäten und die einklarierung vorbereitet. Ich entschied mich für ein taxi in einer stunde. Dann ging es recht schnell, die vier kilometer in die stadt und zur immigration, gefühlte zwanzig minuten. Danach ortswechsel und habourmaster für zehn minuten. Nebenan war der customs und maximal zehn minuten. Alles ohne gebühr, das gefällt.
Auf dem rückweg an der geldmaschine gehalten und am supermarkt. Dieser war der größte am ort und alles war neu. Neue produkte, neue anordnung und zu wenig zeit. Nach gefühl alles eingekauft, mehr als ich brauche, und vieles, was ich seit langem nicht mehr hatte. Auch gab es hier bier im markt, in einer speziellen abteilung, non halal, aber ohne probleme. Es kann in einem islamischen staat also auch anders gehen. Zurück zur marina und um die zwanzig euronen für den taxifahrer abgedrückt. Mit dem bus wäre es billiger und stressiger gewesen.

Der Dienstag war dann ein regentag, der in der nacht anfing, ich wurde davon nass unter der luke geweckt. Es gibt genug zu erledigen, die rutscher für den segelkopf habe ich in den regenpausen angenäht. Dazwischen den dieselgrob- und den wasserfilter gereinigt. Was habe ich da nur für eine dreckbrühe in Kumai getankt. Glücklicherweise benutze ich einen fuel and water filter für das tanken und dieser war oft zu. Alles, was durchkam, hängt nun im filtersystem im motorraum. Diesen grobfilter habe ich heute gereinigt, wasser und dreck. Mal sehen, was es hier in Malysia zu tanken gibt.
Die nächste baustelle wurde durch intensive hilfe der homebase behoben. Ich kann wieder mails lesen und senden, nachdem web.de meinte, ein update ihrer homepage zu fahren. Das ergebnis für mich war, dass ich mich dort nicht mehr einloggen konnte, weil mein browser nur noch html dort lesen kann. Und ich müsste mich dort einloggen, weil sie einfach meine sendefunktion gesperrt haben. Damit es für mich noch ekliger wird, gleich auch für das gmx konto aus dem gleichen hause mit. Ein update ohne überprüfung der funktionalität, dilettanten!

Ein kleiner ausflug zu fuß und zu einigen schnellküchen. Am rande fand ich diesen abwasserkanal, der seine eingenen bewohner hat. Reinfallen kann doof sein.

20200219 abwasserkanal

 

20200219 abwasserkanal

 

Und noch eine neue kleine baustelle, mein kompass. Ich brauche ihn selten, außer wenn ich kardinalzeichen sehe. Es riecht in der plicht nach WD40, was aber nicht sein kann. Dem geruch auf der spur komme ich zur feuchten säule der steuersäule. Das ganze zeug kommt aus dem kompass, die luftblase wird jetzt sehr rasch immer größer, er läuft aus. In Thailand werde ich ihn wieder mit petroleum befüllen und die undichtigkeit beheben.

20200219 kompass leer

 

Heute war dann auch noch ein waschtag und ich habe mal den diesel aus Benoa umgefüllt. Morgen geht es wieder in diese immigrationsrunde, supermarkt und danach zur tankstelle. Die marina kann nicht liefern, ihre pumpe soll defekt sein.
Dann noch schnell den neuen klaren saft umfüllen, von der muschel-tanke erworben, und wieder ablegen. Draußen ankern und am nächsten morgen den letzten teil der reise anfangen.

Wieder einmal war ich vor der sonne wach, bin aber erst bei sicht losgefahren. Hier lagen auch viele tanker beider sorten. Danach ging es einfach nach norden. Am späten nachmittag das nächste ankergebiet durchfahren – schiffe, die für den hafen der hauptstadt warten. Dahinter um die ecke gebogen und wieder die andere welt der fischerboote. Wieder geankert am abend in freier wildbahn, das meer ist so schön ruhig und dafür bin ich dankbar.
Aber es gibt auch zwei ekelthemen. Mein abszess am rande der achselhöhle ist aufgegangen. Dieser war schon sehr lange dort, ab und zu mal vorsichtig von allen seiten sehr leicht gedrückt. Wochenlang passierte nichts und während ich in der marina war, hatte ich andere projekte. Nun hatte sich ein gelblicher kopf gebildet, leicht von der seite gedrückt und die substanz in der konsistenz von senf quoll heraus, und gar nicht mal so wenig. Eine körperbaustelle weniger, aber ich werde auch nicht jünger.

Am nächsten tag bin ich das ekelthema nummer zwei angegangen. Der fäkalientank ist voll, das klopfgeräusch sagt, er läuft gleich über. Aber er wollte sich partout nicht entleeren, ich weiß nicht wieso. Der versuch, luft hineinzupumpen und so vielleicht die brühe zum ausgang zu bewegen, brachte auch nichts. Wenigstens blubberte es im tank. Die notlösung, der nassauger, musste ran, ekelig und stinkig das ganze. Acht füllungen konnte ich bergen und über bord kippen. Das gute daran ist, dass ich den tank noch nie so abgesaugt habe und es funktioniert.
Das motorboot fahren ist so langweilig und ich werde krank. Mir ist leicht fiebrig, vielleicht war das streetfood nicht ok, muss häufig aufs klo. Wie schön, dass der tank leer ist. Vielleicht ist auch einer der über hundert mückenstiche von der marina die ursache.
Geankert habe ich auf neun meter im matsch und es sind noch hundertsiebzig seemeilen bis zur einfahrt in den fluss.

Die nacht war echt mies, nicht das ankern. Ich sage nur durchfall und um die zehnmal das klo bemüht. Mein mut mit dem streetfood hat seinen preis, wahrscheinlich. Die bratnudeln waren gut, vielleicht das wasser mit den eiswürfeln. Oder hinterher der fettriefende chickenburger am strassenrand. Ist auch egal, denn ich liege flach. Erst am nachmittag habe ich mich an meine reiseapotheke erinnert und das passende mittel eingeworfen.
Die lust zu essen ist nicht vorhanden, mit mühe habe ich eine hühnersuppe aus der tüte in meinen verdaungstrakt gebracht. Kekse gehen auch schlecht, dafür eine riesen cola für die flüssigkeit.
Deshalb habe ich heute auch nur zwanzig meilen geschafft bis in eine bucht auf der westseite der insel Pangkor motort. Nette bucht, leider zum meer hin offen. Und dann gibt es hier einen meerplastiksammelpunkt. Mit den gezeiten kommt und geht der müll und wird immer mehr.

Zuerst zwei müllbilder:

20200223 muell

 

20200223 müll

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

Es wären noch so etwas um hundertfünfzig meilen oder drei tage. Nur wenn ich angeschlagen bin, läuft diese rechnung nicht. Ein tag mehr genesen hilft sicherlich.

Und diesen tag habe ich mir auch genommen. Gestern war Sonntag und die bucht gut besucht mit tagesausflüglern. Hat mich aber auch nicht genervt, die jetskis sind entweder untermotorisiert oder gedrosselt. Nichts für jemanden, der auf dicke hose machen will. Heute ist hier kaum etwas los, vereinzelt mal ein kleines motorboot.
Dafür konnte ich heute morgen sehen, wie der dreck verschwand und jetzt am nachmittag wieder zurückkam. Es stört einfach niemanden, der strand sieht selbst durch das fernglas vermüllt aus.
Mir geht es etwas besser, das essen will aber nicht so richtig durch den schlund. Die medikamente helfen, jedoch sollte ich mal einen check-up machen lassen.
Mein fäkalientank will sich jetzt auch wieder entleeren, so wie er es soll. Da hatte sich wohl im schlauch sediment verklemmt. Das system bekam die heute die gleiche behandlung wie vor drei tagen und heute läuft es raus. Schön so, keine ekelbaustelle mehr.

Am fünfundzwanzigsten Februar ging es weiter, wieder fünfzig meilen richtung norden. Ich wollte ja Malaysien loben wegen des geringen plastikmülls im wasser. Aber seit dem ankerplatz ist es vorbei. Von dort bis vierzig meilen weiter war es so schlim, wie in der Javasee. Dazu kam ein wenig wohlstand, fastfoodverpackung. Entweder der burger, doppelte verpackungsgröße für bratnudeln oder der kleine topf nudelsuppe zum löffeln. Warum motoröldosen, isolierschaum und jede menge seile im wasser sind? Die fischer sind dreckschweine, auch hier. Dann passiert man zwischendurch richtige dreckzonen, lang und zweihundert meter breit. Das ganze mehrfach, durch die gezeiten sammelt sich alles. Und dann: keine fischer mehr, kein dreck mehr. Ein zusammenhang, vielleicht.
Ich ankere mal wieder im freien, bis zur küste bin ich nicht mehr gekommen. Der tag hat hier nur zwölf stunden am äquator, sonne weg und dunkel. Meine reststrecke könnte schon unter hundert meilen sein, es werden wohl wieder ein paar mehr. Da der wind nur morgens und abends da ist, wird eine weitere rast eingelegt.

Es waren viele fischer am morgen da, um die fünfzig, aber keiner am abend. Bevor sie mich mit netzen blockieren, erstmal anker hoch und weg. Meine ahnung ist schon seit tagen aktiv und sie hatte recht, die ankerwinsch ist schrott. Quick, ein spielzeug für plastikboote, nicht für eine ankerintensive weltumseglung. Von der ganzen umdrehung gehen noch fünfzig minuten, der rest wird mit der kurbel überbrückt. Ist anstrengend und schweißtreibend. Dabei ist es schon das zweite getriebe.

Der wind reichte bis zur insel Pinang in der mitte und dort gab es wieder wind von vorn. Ich entschied mich fürs segeln, nach einer stunde eine wende und dann ließ der wind rasch nach. Wieder motoren und am nachmittag ist der wind wieder da, wieder von nord. Erwartet hatte ich land und seewind, aber das ist wohl hier vorbei. Durch den umweg bin bis zu einer flachen stelle am rand in der nähe einer kleinen insel gefahren. Sparsam mit dem ankergeschirr, die kette muss auch wieder hoch. Geplant ist, noch einmal zu ankern vorm fluss, dann vor der werft, wenn es gut läuft. Der rest ist so um fünfundsechzig meilen, ohne weitere pannen.

Viele unglücke entstehen durch faulheit und ignoranz. Ich gehöre nicht zu den fleißigen, bin eher effizient. Gestern ein wenig zu viel davon. Der wind war kräftig, die wellen vorhanden, aber moderat und die strömung wie gewohnt stark. So stand das schiff quer zum wind, die ketten war stramm und keine bewegung des schiffes mehr. Das blieb auch eine ganze zeit so, der wind nahm ab und der schlaf in der achterkabine vollzog sich angenehm. Irgendwann war der wind wieder kurz da, es ging auf und ab und wieder ruhe.
Am morgen war dann der blickwinkel zu den inselchen ein anderer und wir machten einen halben knoten fahrt. Es passiert mir nicht sehr oft, dass ich vertreibe, diesmal wieder und im resultat sechs meilen nach süden. Na klasse, muss alles wieder neu gefahren werden.
Dafür war der tag dann auch lang und ich habe Langkawi erreicht und dort vor der ostküste geankert. Unterwegs waren wieder diese stangen im meer und an recht vielen stellen. Nachts hier segeln ist ein risiko. Die stangen dienen dazu, die kleinen fische zu beherbergen, damit die größeren kommen, die wiederum von anglern abgegriffen werden sollen.

Nur noch zwanzig meilen bis zur werft, die gezeit passt und nur noch einmal ankern.

20200227 stangen

 

20200227 stangen

 

20200227 stangen

 

Am nächsten morgen wie gehabt, system hochfahren, kaffee kochen und anker auf. Jetzt sind es schon zwanzig minuten, die von einer umdrehung fehlen, das ganze für achtzehn meter plus fünfunddreißig kilogramm anker, schweißtreibend.

Das wetter war wieder gnädig, fast windfrei und leicht bewölkt. Das erste, das ich von Thailand mit dem wind gerochen habe, war jasmin, freundlich. Die fischer hatten diesmal die netze quer verlegt, was soll’s, egal. An der flussmündung wurde es flacher und ich hatte den tiefenalarm auf einen meter unter dem kiel positioniert.
Im fluss gab es neue fischfanginstallationen und ich entschied mich, diese links liegen zu lassen. Da habe ich mich das erste mal festgefahren. Wieder frei ging es weiter eine meile und wieder fest. Das dumme ist die tiefenalarmfunktion. Sie funktioniert, wenn sie richtig eingerichtet ist und kein meter fehlt. Bei einem meter und zehn laufe ich auf.
Nach zehn minuten war es wieder gut und ab der abzweigung zum nebenfluss war es wieder sehr tief.

20200228 fluss

 

20200228 fluss

 

 

Ich ankerte das letzte mal gegenüber der schiffswerft. Der manager kam, heute kein slippen mehr, aber morgen und ich könne langseits eines schiffes gehen.

Angekommen nach vielen tausend meilen und monaten. Jetzt muss es nur noch mit den handwerkern klappen und wieder los. Letzteres passiert frühestens in zwei monaten, wenn die rampe hier wieder hergestellt ist.

20200228 werft

 

20200228 werft

 

Dies das zuhause für die nächste zeit und danach geht es nach Langkawi, so die idee.

Noch einige zahlen der reise, die endete wie ein ausflug im winter in Königsberg, als die russen vor der stadt waren. Von Noumea über Darwin, Bali, Borneo, Indonesien und Westmalasien hoch ging die tour. Geplant waren fünftausendzweihundert seemeilen außen herum um Sumatra, rechts abbiegen und am ziel sein. Das wetter zur jahreszeit war nicht mit mir und so musste ich die route mehrfach ändern. Am ende sind es sechstausenddreihundert seemeilen geworden. Dafür habe ich neunzehn wochen gebraucht. Die längste pause von zwei wochen gab es in Darwin, ein paar tage in Benoa und in der mitte von Malaysien. Somit habe ich vier länder besucht und mehrere meere durchquert. Der wind fehlte oft, dafür gab es genügend gegenströmung und so musste der frisch aus der op entlassene Mr Perkins oft ran und das für fünfhundertachtzig stunden. Dabei hat er zwölfhundertundachtzig liter diesel oder ersatzstoff durchgezogen, verdammt gute reparatur.

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Ein Tausender Kampf von Borneo nach Batam

Der anker ging auch diesen morgen, am neunundzwanzigsten Januar, auf und es ging ab in richtung Kumai. Meine informationen in der karte waren dürftig und es war ein dreizehn meilen langer weg den fluss hinauf. Flüsse sind nicht die stärke meiner seekarten und so ging es in der realität streckenweise über land. Das kenne ich schon seit Portugal. Also flussmittig halten und in den kurven mehr nach außen. Zum glück lief vor mir ein kleinerer tanker den gleichen weg, und wo der kann, kann ich auch.
Am ende kam noch einmal fetter regen und so habe ich mein schiff mit dem wind und der strömung in die kaimauer vorm zoll gerammt. Die ankerhalterung ist völlig verbogen, musste wirklich nicht sein. Die leute vom customs haben mir beim festmachen geholfen, aber ich durfte dort nur zwei stunden liegen. Zwei fährschiffe werden kommen und am abend waren es drei, eine drehscheibe für den personentransport.

 

20200130 kumai

 

20200130 kumai

 

20200130 kumai

 

Ich wurde auch gleich von den geschäftstüchtigen abgefangen. Ein hotellier, der diesel für die yachten hier organisiert. Dann zum einkaufen die hauptstraße abgelaufen und im markt hat mich die nächste wegen des diesels gefragt. Es war seine frau, die haben das business im griff, der saft kostet hier auch deutlich mehr, ungefähr sechzig cent.
Mit den frischwaren zurück kam der dieselverkäufer mit mir mit und zeigte mir den ankerplatz im fluss gegenüber seines hotels und des zolls. Abgeholt wurden wir von einem mitarbeiter und ich konnte das wlan im hotel benutzen. Dazu gab es ein teures bier.
Wenn man als trockener alkoholiker nach Indonesien fährt, kann man seinen status gut halten. Nur auf Bali gab es alkohol, auf Masalembo nur in einem laden und nur kleine bierdosen. Hier in Kumai gibt es das zeugs nur im hotel und es wird auf dem schwarzmarkt verkauft. Zum einen finde ich es gut, wenn diese droge abgeschafft wird. Nur bestimmt hier die religion das handeln und das ist nicht mein ding. Letztendlich sollte jeder selbst bestimmen, womit er sich temporär aus dem leben nimmt.

Um zwölf uhr am nächsten tag kam dann der diesel verspätet zum schiff in kanistern. Das umfüllen der brühe dauerte etwa vier stunden und danach ging es wieder ins hotel. Noch einmal wetter, mail und blog. Vorsichtshalber habe ich noch mehr äpfel und eine weitere wassermelone erworben. Noch eine nacht muss ich hier am rande des mangrovenwaldes bei den moskitos ankern. Morgen zurück zur flusseinfahrt mit dem ablaufenden wasser und dann geht es weiter richtung Batam.

Ich hoffte auf ruhige nächte im fluss, das war eine wunschvorstellung. Abends kommen moskitos, dafür gibt es sprays und ich habe noch einiges davon an bord. Dann zum schlafen in die heckkabine, ein paar flieger töten und die tür zu. Nur dafür ist es zu heiß, kaum schlaf zu finden. In der nacht kühlt es ab, kurz an deck, luken auf, denn die mücken sind weg. Ein paar augen schlaf und schon fangen die vier imame um fünf uhr an. Das nervt so sehr, also luken wieder zu, decke über den kopf und noch eine runde im traumland. Durchschlafen ist etwas anderes und um halbacht ging der anker hoch und flussabwärts. Kein wind, aber genug diesel im tank, um abstand zur küste zu gewinnen und dem ziel ein stück näher zu kommen.

Einen fluss wieder hinunterzufahren, mit einem track, ist wesentlich entspannter, als rauf. Somit weiß man, wo es tief genug ist, zudem fährt schon wieder ein größeres schiff voraus. Der wind blieb aus, aber es ging weiter als gedacht und der ankerplatz war wieder im meer. In der nacht kam mal wind vorbei, aber auch dunkle wolken mit blitz und donner. Wieder einmal blieb ich trocken.
Am morgen dann die übliche routine und zuerst nur mit dem motor, dann auch mit der genua und am ende mit beiden segeln. Der motor konnte für zwei stunden aus, es war genug wind vorhanden. Nur waren die richtung und die stärke nicht wie vorhergesagt. Aber genau richtig für mein tagesziel. In vielen gebieten auf der welt stimmen die wetterdaten, hier ist das nicht einmal für den nächsten tag der fall.

Gestern das letzte mal in der Javasee geankert, ruhig, kein wind und matsch auf zehn metern. Der regen kam gerade, als ich den vorspann zu meinem traum hatte. Alles unter die sprayhood und ab nach unten ins sehr warme. Irgendwann habe ich doch schlaf gefunden, keinen entspannten.
Mein ziel seit Kumai ist es, vierzig meilen am tag zu schaffen. Das wird im Südchinesischen Meer schwieriger, wenn es keinen wind geben sollte. Denn die strömungen laut windy sind zwischen zwei und drei knoten nach ost. Somit versuche ich heute noch einmal nahe Borneo zu ankern und glaube mal an die windvorhersage, die bis jetzt nicht stimmt.

Immer noch der zweite Februar und schon wieder neue pläne. Ich ankere jetzt am ausgang des Südchinesischen Meeres zur Javasee. Das wasser ist hörbar und rauscht am rumpf vorbei, die ankerkette ist stramm. In den letzten stunden waren höchstens drei knoten mit dem motor bei tausend umdrehungen drin. Also geht hier auch ein strom von zwei knoten und mehr gegen an. Wenn der wind nicht kräftig genug ist, wird das nichts. Alternativ kann ich mich an Borneo hocharbeiten und später links abbiegen, mal sehen.

stroemung sued route

 

Einen tag später und der oberfrust hat sich festgesetzt. Ich bin mit fast vier knoten fahrt gestartet und habe mittags bei zwei aufgehört. Über die hälfte der energie geht in die strömung. Dann kam etwas schwacher wind auf, zwischen zehn und zwölf knoten. Ein testsegeln, wie das hier geht. Nach westen ging es auf einem zweihundertvierzig grad kurs hoch am wind mit etwas über vier knoten und motorunterstützung.
Somit habe ich mit einem nordkurs oder mit ostanteil für den gegenkurs gerechnet. Das beste waren aber nur siebzig grad und zwei knoten ebenfalls mit motor. Damit bin ich nicht einmal zum ausgangspunkt zurückgekommen. Das kann ja recht nervig werden ohne wind für die restlichen vierhundertvierzig meilen bis Nongsa.
Das einzig gute hier ist der ankergrund, matsch. Ich warte jetzt ab bis morgen auf zwölf meter. Nur die strömung ist so kräftig, dass die ankerwinde nicht genügend kette rauslaufen lassen kann. Am ende zog das schiff die kette und die ankerwinsch wollte nicht stoppen, sicherung sprang raus, leichte panik. Zusätzlich dreht mein propeller im stand, alles nicht lauschig hier.

Dienstag vierter Februar und er fängt gut an. Seit fast fünf stunden läuft der motor in verschiedenen drehzahlen, je nach wind. Der start war in richtung dreihundert grad, das sollte möglichst so bleiben für die nächsten dreihundertachtzig meilen, wunschdenken. Der anfängliche südwestwind drehte in den gewitterwolken mit viel regen auf nordost. Somit geht der kurs genau richtig weiter. Die geschwindigkeit ist lau, nur drei bis vier knoten, aber egal, der tag ist noch lang. Ab heute sind wir in der schiffahrtsroute, also mehr aufpassen als sonst.
Bis zum abend hin gab es zwei reine segelstunden ohne motor. Leider hat der wind auch wieder zurückgedreht und ab dem nachmittag war der super kurs nicht mehr möglich. Zum sonnenuntergang ging es dann auch nur noch richtung norden, aber segelnd. Mal sehen, was die nacht bringt.

Die nacht war um zehn bereits vorbei und der wind war aus. Zu dumm, war ich doch in der mitte der schiffahrtsroute. Somit habe ich den rest der nacht ankernd auf dem imaginären mittelstreifen verbracht. Dann am morgen lief es mittelmäßig. Der anker kam hoch und die boje hat sich am rumpf verfangen, kein vor oder zurück. Die gefährliche lösung war ein wenig fahren und schon war das seil gerissen. Diesmal hat sich der fender nicht in der schraube verklemmt, glück gehabt.
Der anfangskurs war zweihundertvierzig grad und es besserte sich schnell. Zum mittag waren es mal kurz zweihundertneunzig und ich machte schon gedankliche pläne bis zur gewitterwolke. Danach war ich wieder auf dem anfangskurs, mist. Einen ankerplatz habe ich außerhalb der schiffsroute bei einem leuchtfeuer auf einer insel gefunden. Fünfundzwanzig meter tief, vor einem riff und mit sehr hohem schwell. Kurz davor ist mir noch der hebel für die belegklemme der genuaschot gebrochen. Daneben ist noch ein unbenutzter slot. Und die genuaschot wollte sich in einer umlenkrolle zerfasern, gerade noch gemerkt.
Unterm strich bin ich auf der anderen seite, der wind weht unbrauchbar um zwanzig knoten. Habe lange darauf gewartet, nur hier geht es nicht weiter und so warte ich mal wieder auf die richtige richtung, vielleicht morgen.

Und dieses fahrwasser war nur ein vorgeschmack. Über zehn große schiffe waren heute in meiner nähe und keines hat mich angefunkt. Sollte der wind nicht drehen, arbeite ich mich an zwei inseln im westen hoch nach norden.

Der wind dreht ständig, und anstatt zu ankern, hätte ich mal gestern den gegenkurs segeln sollen. Jetzt heute auf diesen kurs bin ich schlauer. Am morgen ging es recht gut, der motor sprang an, der anker kam mit mühen hoch und danach ging es wieder raus auf’s meer. Draußen lief es gut, ein winddreher und die genua stand back. Diese chance habe ich für eine wende genutzt und danach ging es zum anfang dreihundert grad nach nordwesten, genau richtig. Aber nur kurz und am mittag habe ich mich für den anderen kurs entschieden, wieder über die fahrbahn nach nordosten, so gut es geht. Das heißt zur zeit dreißig bis vierzig grad ohne motor. Das schiff will trotz fetter vier winstärken nicht über drei knoten fahren. Also komme ich morgen auf der anderen seite an. Wenn der wind stabil ist.

Eine woche ist seit Kumai herum und ich bin im Südchinesischen Meer. Dorthin lief der motor, da kaum wind war. Geankert habe ich am abend, um nicht mit zwei knoten vertrieben zu werden. Am dritten Februar hatte ich einen segelversuch, der am nächsten tag noch einmal angegangen wurde. Am abend war der wind weg und ich habe im schiffahrtsweg geankert. Auf der anderen seite war es auch nicht viel besser und so versuche ich, höhe zu gewinnen, bin aber wieder zurückgesegelt.

woche 4

 

Auf der anderen seite war ich schon früher, ein paar meilen tiefer. Am ende ging es schneller und besser als gedacht, mit der strömung ist es einfacher. Aber dann noch im dunkeln, zwei dreher der genua, die dann back stand. Vielleicht ist es ein hinweis, also mal einen kurswechsel probieren. Ein super kurs in die andere richtung und guter wind. Bis zum heftigen gewitter lief es gut. Die genuaschot klemmte wieder, kaum gerefft, das groß war voll da und die böen kamen mit über fünfunddreißig knoten. Selbst schuld, wenn das system nicht funktioniert. Das schiff lag ziemlich schräg, der süllrand wurde überspült und unten im schiff liefen die waschbecken über, da ich den abwasserhahn nicht geschlossen hatte.

Danach ging es entlang der naturschutzinseln, und als der wind gerade mal schwach wurde, habe ich geankert. Die umlenkrolle und die genuaschot habe ich getauscht. Ich bin ein wenig sehr müde. Der wind kam wieder um die zwanzig plus und am mittag war ich um die insel herum, immerhin der wind lässt auch ein wenig nach. So ging es bis zum nächsten morgen quer über die schiffahrtsroute auf die andere seite. Am achten Februar habe ich nach zwei tagen neunzig meilen netto nach norden geschafft, nur fünfzig umsonst. Zur passage zwischen der insel Batam und Bintan sind es noch zweihundertvierzig meilen.

stroemung mitte route

 

Indonesien wird ein paar probleme in der zukunft bekommen. Zum einen ist da der dreck, besonders im wasser. Das problem in den griff zu bekommen, wird jahre dauern, denn die menschen denken nicht nach, vielleicht liegt es an der tradition und der religion.
Das zweite problem sind schwerhörige fischer durch die vielen auspufflosen schiffe, sowie handwerker ohne gehörschutz. Diese tragen zwar schon eine schutzbrille, der rest aber fehlt. Punkt drei sind lungenkrebsraten, die in die höhe gehen werden. Das rauchen hier ist ein statussymbol, je mehr desto toller. Überall wird gequalmt und dir werden gern glimmstengel angeboten. Und diese sind dann noch parfümiert, die kombination macht es schlimmer.
Das letzte wirklich große problem ist der zuckerkonsum. Die menschen sind nicht dick, aber alles ist gesüßt, fast auch das salz. Etwas saures zu finden, ist mir unmöglich. Alle getränke außer trinkwasser haben zucker. Diabetes wird sich hier schnell ausbreiten.

Zurück zum krampf, heute ist der neunte Februar, und ich bin schon einen monat seit Bali unterwegs. Für diese kurze distanz von tausend meilen auf der landkarte ist das eine sehr lange zeit. Und ich habe noch etwas unter zweihundert vor mir, plus fünfzig für das letzte stück in der Singapore Strait.
Mein vorhaben gestern war es, an den inseln westlich von der schiffahrtsroute nach norden zu fahren. Das lief auch recht gut bis zum abendbrot, dann kamen sehr viele gewitterwolken. Bei der ersten hatte ich noch die genua gerefft, der wind blieb aus.
Was ich hier nicht vermutet hatte, waren viele große schiffe. Diese nutzen die abkürzung zwischen den inseln, um nach Jakarta zu kommen. Für mich ist das keine verbesserung der nacht. Die zweite wolke brachte wind und regen und bei der dritten bin ich richtung autobahn abgebogen. Das lief sehr gut und schnell. Zum anfang mit einem dreißiger kurs, der sich weiter reduzierte. Erstmal das radar an und ein nickerchen, in zwei stunden bin ich bei den schiffen.
Mein radar weckte mich pünktlich, doch ich konnte nur zwei fischerboote in der ferne ausmachen. Der eine wieder fett beleuchtet, der andere schmal. Noch einmal zwanzig minuten schlummern. Dann wurde ich aber sehr schnell wach, der eine fischer hatte sein boot, um hundert meter verlängert, auf dem bug aber keine leuchte angebracht. Der andere machte seinen tannenbaum an und sein suchscheinwerfer leuchtete in meine richtung. Langsam hasse ich diese schlepper mit barge. Motor an und in den wind und hinter der barge vorbei. Die nacht auf dem highway konnte beginnen.

Ich wurde sehr oft geweckt, musste das radar in stand-by schicken und die eieruhr für eine halbe stunde anwerfen. Dann waren die gefahren aus meinem radius verschwunden und das radar konnte wieder arbeiten. Der kurs wurde immer nördlicher und so ging es bis zum morgen mit schlafunterbrechungen. Nach sonnenaufgang waren dann auch schon drei schiffe um mich herum. Jeweils ein tanker links und rechts und schräg hinter mir eine art forschungsschiff. Als sie vorbei waren, musste auch der motor zur unterstützung arbeiten. Ich wollte die kapitäne nicht unnötig verärgern, hatten sie doch schon wegen mir den kurs geändert. Und das beste, ich bin aus dem starkströmungsbereich heraus.

Der wind hielt bis zur nacht, dann kam noch einmal eine gewitterwolke, aber fast ohne wind, nur regen. Sie hat dann auch den stecker gezogen, flaute. Die letzten paar meter ging es noch wieder über den äquator, das zweite mal für mich. Alles routine, keine stolpergefahr.
Heute ist der zehnte Februar und ich muss schon wieder quer über die schiffahrtsroute. Nur was ich sehe, ist das ende der ausbaustrecke, kein schiff will nach norden, nur die sehr großen mit viel tiefgang. Alle anderen, die ich in der ferne sehe, wollen wie ich auch zur Singapore Strait. Für mich heißt das einen westkurs, der durch den motor realisiert wird, bis zur mitte habe ich es schon geschafft. Die letzten hundertdreißig meilen und dann wird es noch einmal spannend.

Seit über dreißig stunden läuft Mr Perkins mit tausend umdrehungen ununterbrochen. Der tagestank wurde mehrfach nachgefüllt und einmal das öl kontrolliert. Seit der anderen seite der fahrbahn und seitdem ich wieder auf der nordhalbkugel bin, ist es sehr warm im schiff. Schön, dass es nachts nicht richtig regnet und ich nicht unter deck muss.
Das mit den schiffen war übertrieben, erst gestern abend habe ich dann doch noch fünf gesehen, von allem etwas. Ein container-, schüttgut-, tankschiff, eine barge mit schlepper und ein kreuzfahrer. Diesen hatte ich aber auch schon mehrfach in Noumea gesehen, kleine welt.
Die letzte nacht war trotzdem schlecht, immer war jemand im radaralarmbereich. Also eine eieruhrnacht auf jede halbe stunde. Nur ich bin etwas ungeübt und brauche zwanzig minuten, um einzuschlafen. Dementsprechend bin ich heute sehr müde.
Was mich tröstet, ist die geschwindigkeit, die sich um fast zwei knoten erhöht hat. Ich habe ein weiteres strömungsgebiet verlassen und die tide spielt auch eine rolle. Und darauf warte ich auch in der passage zur Malaka Strasse, das sind noch vierunddreißig meilen.

Am abend um sechs fiel der anker wieder in den matsch. Vierzig stunden dauermotoren macht müde und ich genieße die ruhe. Im bad war die motorwand ab, um schneller an die maschine zu kommen und damit Mr Perkins nicht anfängt zu schwitzen. Gleichzeitig ist auch die tür zum badbereich offen, wegen der hitze und auch weil die tür mittlerweile nicht mehr zugeht. Auch hier ist der rumpf eingedrückt.
Der ankerplatz ist am eingang zur Singapore Strait und dank des windes ab dem morgen bin ich schneller angekommen. Ein paar kommaknoten helfen auf den halben tag letztendlich doch. Nur was ich vermisse, sind die vielen schiffe, die hier angeblich durch sollen. Vielleicht ist dieser weg ja auch überholt und wird nicht mehr wirklich genutzt.

Das Südchinesische Meer aus meiner sicht: Zum einen ist es sehr sauber im vergleich zu den beiden anderen durchquerten gewässern. Mal plastik in form von flaschen und kleinere holzteile, aber kein großer dreck. Die strömung hat es in sich und das wetter ändert sich ab den naturschutzinseln im unteren bereich. Diese sind wetterscheiden, im norden weht es kräftiger. Die ränder und teilweise auch die mitte sind ankerbar, das hilft bei flaute. Am besten den gesamten bereich zur richtigen jahreszeit durchfahren, mit dem richtigen monsum.

stroemung nord _route

 

Noch eine anmerkung zu den strömungsbildern. Teilweise sind gebiete grün, die es nicht verdient hätten, und andere sind grau und dabei eher schwach. Dennoch stimmt das gesamtbild und gibt einen guten eindruck der situation.

Mit der sonne des zwölften ging es los nach Nongsa. Alles ruhig und die fischer arbeiteten in der fahrrinne. Immer noch keine schiffe und das blieb auch so bis zum ankerplatz an der westseite der insel Bintam nahe der raffinerie. Auf dem weg lagen ein paar bohrinseln vertäut, schwimmende fischerhütten und es gab viele inselchen auf dem weg.

20200212 bohrinsel

 

20200212 bohrinsel

 

20200212 fischerhuette

 

20200212  inseln singaporestrait

 

Bis dorthin ging es schnell mit dem auflaufenden wasser, welches dort aber drehte. Nach der letzten insel war das schiffsleben voll da. Über ein dutzend schiffe lagen vor reede und warteten auf öl oder wollten dieses in Tanjunguban abliefern.

20200212 ankerplatz reede bintan

 

Der ort, vor dem ich liege, Mentigi, hat sich seit dem kartenerstellungsdatum auch verändert. Auf der rechten seite liegt die marine mit vielen schiffen, dann kommen fischerhütten auf stelzen. Danach wieder ein wenig marine, wieder fischerhütten und danach werftbetriebe. Ein neuer fähranleger, ein alter, die küstenwache, noch einmal fischerhütten mit dorf. Der abschluss im norden ist die erste verladestation. Auf dem ankerplatz um mich herum warten kleinere tankschiffe und schlepper. Das finde ich viel spannender, als zwischen anderen yachten zu liegen. Morgen früh geht es auf die letzten zehn meilen zur marina.

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

Die woche fünf brachte den durchbruch in der reise. Am sechsten fing der wind an und war kräftig genug, um mich in drei tagen zum äquator zu pusten. Das sind immerhin zwei breitengrade. Auch hat er sich am ende zu meinen gunsten gedreht oder er machte pause, was gut war. Somit war die motorbootreise von vierzig stunden erträglich. Die braunen streifen im bild sind die fahrbahnbegrenzungen im abstand von vierzig meilen.

woche 5

 

Der letzte teil der reise von fünfhundert seemeilen bis ins südliche Thailand erfolgt dann nächste woche. Erstmal muss das groß neue rutscher für seinen kopf erhalten, eine runde motorpflege mit fett, ein wenig neuer diesel ist brauchbar und einkaufen ist mal wieder ein muss.

Eine weitere zusammenfassung dieser reise: Ich habe eintausendvierhundertundsechzig seemeilen für die neunhundertundfünfzig meilen laut routenbibel benötigt. Darin enthalten ist auch der abstecher nach Borneo. Der motor lief insgesamt zweihundertundvierzig stunden und hat dabei fünfhundertunddreißig liter verschnabbelt. Achtunddreißig tage dauerte die fahrt, drei tage war ich auf reede. Der bruch am schiff hält sich in grenzen.
Ich habe hundert graue haare mehr und ein paar kilos weniger. Und eine menge an erfahrungen mehr, die in keinem schlauen kurs erzählt werden. Ein tausender kampf.

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Richtung Zurück auf Los

Hatte ich geschrieben, dass es einfach zurück geht, ich glaube nicht. Die strömung ist gegen diese reise, es weht noch immer kein wind und es gibt regenzellen. Diese zeichnen sich durch einen durchmesser von zehn seemeilen aus und sind fettschwarz. Außen ist zuerst kein wind, dann nimmt er extrem zu. Wenn dann der regen dazukommt, werden es fünfunddreißig plus knoten. Danach in der mitte wieder ruhe. Sollte sich der kreis der wolken geschlossen haben, so erwartet einen am ausgang das gleiche schauspiel. Megahektoliter an wasser fallen vom himmel. In den letzten tagen habe ich mehr regen abbekommen als auf der gesamten reise bisher in summe.
Der motor läuft mit, leichtes segeln unter zehn knoten, die genua steht gerade mal so. So werde ich jeden tag zehn stunden motoren und das ergibt hier auf dem meer vierzig meilen. Also bin ich in fünf tagen auf Bali. Wenn nichts dazwischen kommt. Heute ist der erste Januar.

Der zweite tag der rückreise und es ist wind. Gute drei windstärken seit dem aufstehen und jetzt zwei stunden später habe ich auch das groß hochgezogen. Es bringt einen knoten mehr fahrt, denn ich denke, dass der wind stabil sein könnte.
Gestern war es ein sehr feuchter tag, der viele liter trinkwasser bescherte. In der nacht kam der himmel noch einmal runter und der schlaf war mies. Vielleicht nachher ein nickerchen. Wir segeln schneller als mit dem motor, sehr schön. Wenn dieser wind ein paar tage früher gekommen wäre, würde ich nicht umkehren. Er kommt aus nordwest, kann sein, dass sich der monsum stabilisiert hat.

Der wind macht mir schon wieder einen strich durch meinen plan. Ich bin zu schnell und am ende zu langsam. Heute ist Freitag der dritte Januar und ich bin nur noch fünfzig meilen vom hafen Benoa auf Bali entfernt. Geplante ankunft ist Sonntag, aber ich bin ja auch noch nicht da. Mit rückenwind und über sechs knoten geht es voran. Schön, dass ich vorgestern schon mal eine gastlandflagge produziert habe. Hätte ich nicht die polnische als material für die französische benutzt, dann wäre das alles nicht nötig gewesen. Polen drehen und man erhält Indonesien. So habe ich Monaco zurecht gestutzt, ein wenig umgenäht und das logo sieht man kaum, muss so gehen.

20200103 indonesien flagge

 

Ich war dann doch vor sonnenuntergang in Benoa. Habe es aber vorgezogen, vor der zufahrt zum hafen zu ankern, eine gute entscheidung. Eine riesige luxusjacht, ein kreuzfahrtschiff und ein katamaran lagen schon vor anker und ich dazu.
Am nächsten morgen nach dem frühstücen dann in den hafen, sehr unübersichtlich. Die marina habe ich gefunden, außer betonschwimmstegen war kaum etwas zu erkennen. Aber einige mitarbeiter kamen, um zu helfen. Was auf anhieb nicht funktioniert, ist das internet. Es ist mittag und ich warte auf den zoll mit der immigration.

Der erste eindruck von Bali sind riesige touristenbauruinen an der steilküste. Oben die häuser, dann eine straße in den sandstein geschlagen, um zum strand zu kommen. Oder es geht eine art seilbahn hinab. Das zweite fiel mir ins gehör, hier ist das land der zweitakteraußenbordmotoren. Sie sind riesig, laut, qualmen und stinken. Und es gib sehr viele davon. Das dritte sind die flugzeuge, alle zwei minuten kommt eins. Das hier ist eine touristenhochburg, ein ballermann von asien.

Den zweiten eindruck gewonnen, nachdem die zwei von der immigration endlich kamen, sie gaben mir zwei zettel für die noch erforderlichen stempel. Danach kamen zwei von der gesundheitsinspektion, einen nutzlosen zettel ausgefüllt und auf einen stempel gewartet. Währenddessen auf zum zoll. Ging gut, die jungs halfen mir beim anlegen meines profils im netz, vom schiff und meiner wenigkeit. Sie suchten nach bildern vom schiff zum einfügen und machten auch ein bild vom captain. Kurze unterbrechung und zur immigration gelaufen, denn die machen um zwei uhr zu.
Die anderen dokumente seien in bearbeitung und dann es gab ein visum für dreißig tage. Kurz beim hafenkapitän vorbei geschaut, aber der wollte noch keinen stempel geben. Der zoll war noch da und ab zum schiff, mal schauen, ob was da ist. Zurück zum zoll, einen besichtigungsbericht unterschrieben und fertig. Zurück und die gesundheitsfritzen gesucht, gefunden nach einem kilometer hin und her. Eine gebühr abgedrückt, ich weiß nicht wofür, war wenig, keine zwei euro. Der hafenmeister war der letzte stempel und es gab auch gleich ein paar zettel für die ausreise. Auf dem rückweg etwas trinkbares und cracker gekauft und um halbsechs war ich wieder auf dem schiff. Ende dieser aktion, das gleiche kommt noch einmal in vier tagen bei der abreise. Das ein- und ausklarieren dauert hier.

Meine erste sicht auf die allgemeine situation: es wird viel angefangen und nicht richtig durchgezogen. Diese marina wurde noch vor zwanzig jahren als beginn der yachtszene in Indonesien gepriesen. Genug ausbaufläche bis zur nächsten straßenkreuzung ist vorhanden, nur ist sie die abgerockteste in meiner reise. Geschüttete schwimmende betonstege um einen styroporkern herum. Die anlegefinger sind lamiert um einen identischen kern herum, die elektrischen installationen entsprechen keiner norm. Nun, ich bin der einzige hier, der den charme würdigen kann. Mal sehen, ob sie den diesel organisieren können, das wlan ist natürlich defekt, aber man arbeitet daran.

20200105  marina benoa

 

20200105  marina benoa

 

20200105  marina benoa

 

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20200105  marina benoa

 

20200105  marina benoa

 

20200105  marin  benoa polizei

 

Was war hier besonders in Benoa? Die cruisingfirma auf dem nachbargrundstück hat mir zugangscodes für ihr wlan kostenfrei gegeben. Das war sehr nett. Alternativ hätte es irgendwo im hafenbereich ein cafe gegeben, nur erstmal finden.
Das abenteuer war auf dem moped mit dem zoll. Dieser wollte mein schiff sehen, den motor und hat einen sehr groben blick geworfen. Dadurch gab es eine kleine rundreise durch diesen hafen. Eine eckige künstliche insel als hafengebiet angelegt. Der hauptort ist aber eigentlich Depensar, wie Benoa auch über eine stelzenstrasse mit dem hafen verbunden.

Die taxifahrt zum einkaufen war aufregend und vor lauter staunen und gucken habe ich keine fotos gemacht. Der autoverkehr in Indonesien ist nichts für schwache nerven. Um die fahrzeuge herum schwirren mopeds.
Mein französischer lieblingssupermarkt hat auch hier eine dependance. Voller einkaufswagen und für vier euro wieder zurück zur marina. Durch irgendwelche wege bin ich auch am fluss vorbeigekommen. Dieser war halb zu mit plastikmüll.

Einen rundgang auf der hafeninsel habe ich dann doch gemacht und mir dabei auch eine blase mit dem flipflops gelaufen. Alles überschaubar, auf der anderen seite liegen die fischerboote, über hundert mindestens. Auf den wegen dorthin kleine betriebe für die reparatur und ein paar kleinere läden.

20200105 benoa fischerboote

 

20200105 benoa fischerboote

 

20200105 benoa fischerboote

 

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Natürlich konnte die marina kein diesel organisieren, erst ab fünfhundert liter, ich brauchte die hälfte. Auch konnten sie keinen finden für meine gasflaschen. Unterm strich konnten sie recht wenig.
Immerhin, morgens werden hier kleine blütenapplikationen mit räucherstäbchen auf dem grundstück verstreut und im dem anwesen eigenen kleinen tempel verbreitet. Und diese duftausbringung gab es auch in den behörden. Im groben war die marina sauber, aber in die jahre gekommen. Der bücherschrank zum tauschen moderte vor sich hin, das dach hatte löcher und der eingang, an dem wasser an steinen herunterläuft, war schon fast zugewachsen. Im hof war der zerfall auch schon aktiv.

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

20200105  marina benoa land

 

Mein restliches geld, um fünfunddreißig euronen habe ich einem schiffsbesitzer in der marina gegeben. Dieser ist für eine reparatur gekommen und hat mir seinen diesel verkauft. Jetzt habe ich wenigstens neunzig liter als reserve.

Heute ist der fünfzehnte Januar und ich habe es bis in die Javasee geschafft. Das war sehr anstrengend und es klappte mit dem dritten anlauf. Zum sonnenuntergang drehte der wind wieder einmal und was nun? Beim driften ohne alles geht es direkt nach Osten mit zwei knoten. Die insel, die ich passiert hatte, hätte in fünf stunden eine beule von meinem schiff. Nur mit dem motor gegen die wellen angehen macht drei knoten, der rest wird durch welle und strömung geschluckt. Wieder die genua ausrollen und einen südkurs segeln? Da kommt das riff in die quere, das ich zwei stunden zuvor passiert hatte. Somit blieb nur noch nach nordosten segeln, so gut es geht, achtzig grad sind besser als driften. Aber was war davor?

Am siebenten Januar habe ich ausklariert und am nachmittag den hafen verlassen. Drei meilen weiter mit dem ablaufenden wasser fiel der anker auf dem platz vor dem einklarieren. Ausruhen, sammeln und am nächten tag in richtung norden aufbrechen.
Das war dann auch ein schnelles segeln an der ostküste von Bali vorbei. Mit der tide lief es über sieben knoten und endete in der Balisee. Bis zum sonnenuntergang waren es siebenundsechzig seemeilen, nicht schlecht. Segel bergen und pause in der nacht.

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Die windvorhersage zeigte drei tage flaute an, aber vielleicht geht doch noch etwas mit landwind und seewind. Aber ich komme nicht von der insel weg. Viel schlimmer, ich drifte schnell nach osten in das befahrene schifffahrtsgebiet. So versuche ich, mit dem motor den schiffen zu entkommen, teilweise geht es nach norden und am ende nur hin und her. Drei tage lang warten auf einen wind.

Es ist verdammt viel dreck im wasser, hauptsächlich plastik. Warum versauen die hier ihr meer damit? Dazu kommt noch viel abgeschnittenes holz und wurzeln. Die leeren flaschen, flipflops und tüten können doch auch anders entsorgt werden. Was mich beunruhigt, das zeug ist nicht nur an der oberfläche, je nach zerfall auch unter wasser. Wenn der motor so etwas ansaugt, ist die fahrt vorbei.

 

Am zwölften Januar war dann der erste tag segeln und ein aufholen der vertreibung. Dies war der erste versuch, weiter zu kommen. Nur die kurse sind nicht brauchbar, mit dem wind stimmt etwas nicht. Das groß hat einen lattenbruch in der dritten latte, schwund. Nebenbei waren es über zehn schiffe an diesen tag. Spannend war vor zwei tagen nachts ein schlepper mit barge.

Es ist eine hauptroute für leere tanker und schüttgutfrachter. Zehn meilen in richtung westen waren möglich, an der route entlangsegeln. Ansonsten ist der kurs nur nach norden oder südsüdwest. Wenn das schiff nicht auf über zwei knoten über grund kommt, fängt es an zu driften.

Seit der nacht läuft der motor, um nach nordwest zukommen, und seit dem morgen mit der genua zusätzlich. Leichte erfolge, das hätte ich mal früher machen sollen, anstatt auf den vorhergesagten wind zu warten, der dann auch noch falsch kam. Doch diesen versuch zwei am dreizehnten habe ich abgebrochen. Am ende drehte der wind drehte und danach war der kurs südwest. In der nacht kamen dann noch fischerboote hinzu. Ehemalige segler mit einem großbaum und einer stange vom bug bis zur mitte. Das wird dann zu einem zelt, ohne beleuchtung, ohne radarreflektor. Beim sonnenuntergang konnte ich zehn davon zählen.

Der versuch drei am vierzehnten gelang endlich, der frust war schon sehr groß. Ich musste ein wenig schlafen und wurde vom radar geweckt. Seit fünf uhr lief der motor und mit dem segel ging es nach norden. Teilweise ging es wieder flott, durch die riffenge an der insel vorbei und danach drehte der wind wieder. Also irgendwie einen nordkurs mit ost-einschlag, um nicht in das korallen- und riffgebiet zu kommen. Immerhin waren es siebenundsiebzig seemeilen an diesem tag.

Die erste woche ist mehr als rum. Das war wieder ein griff ins klo oder auch nicht besser als auf dem ozean. Drei tage flaute mit schiffsbewegungen durch strömung und wieder aufholen mit dem motor. Ich bin nun von meiner route hundertsiebzig meilen weiter in richtung Singapore. Dafür habe ich dreihundertunddreißig seemeilen gebraucht. Mit den drei versuchen habe ich auch über hundert liter diesel verballert. Kein guter anfang.

woche 1

 

Der neunte tag auf see war dann positiver als die letzten. Immerhin ging es segelnd sechzig meilen weiter nach norden und ein bißchen nach westen. Man muss es nehmen, wie es kommt, und das hörte dann zum sonnenuntergang auch wieder auf. Somit war die nacht ruhig, auch gut für mich zum schlafen. Leider wurde der gesamte westsegelanteil durch die nachtdrift wieder aufgelutscht.
Am morgen war der wind nicht viel besser, aber die richtung war brauchbarer. Ein guter zeitpunkt, um wieder die untere segellatte einzufädeln. Und jetzt wird es merkwürdig, denn die dritte ist nicht gebrochen, sondern hat sich verabschiedet, sie ist weg. Nur die endkappe war noch im segel. Die vierte latte ist indes zu kurz und hat eine endkappe. Da lief etwas schief, nur was?
Heute im fokus sind zwei inseln, durch die ich hindurch möchte, und zwei produktionsplattformen, die ich meiden will. Entscheidend ist, was der wind sagt, denn diesel sparen ist jetzt mal priorität. Es wird noch genug ecken geben, da brauche ich das zeug dringender.

Die beiden inseln liegen noch vor mir, der wind ist zum abend hin völlig eingeschlafen. Auf der karte war ein fleck mit zwölf meter tiefe, den habe ich verpasst. Der anker liegt nun auf dreißig für die nacht, morgen muss es besser werden. Das tagesergebnis sind nur fünfundzwanzig meilen gesegelt. Ich habe oft das ruder bedient, da der autopilot unterfordert mit dem wind war. Ein paar ungewollte wenden hat er produziert, wind weg, welle und drehung.
Bei der letzten wurde ich dann beobachter eines dreißig zentimeter dicken holzstamms, der aus dem wasser ragte. Die spitze war abgebrochen und er bewegte sich nicht im wasser. Das passende schiff steckt vielleicht noch daran, eingezeichnet in der karte ist es nicht. Ich bin nur zwanzig meter davon vorbei geschippert und gedreht, glück gehabt.

Die nacht war gut und das ankern hat mir viel weg erspart. Ich war nicht der einzige, der gewartet hatte. In der dunkelheit zählte ich über dreißig lichter, alles größere fischerboote, die ihren anker geworfen hatten. Das wasser sieht hier ähnlich der Balisee aus, fischer sind dreckschweine.
Die natur ist aber auch hier, eine flosse konnte ich am morgen ausmachen. Sie reicht vielleicht für vier suppen, aber ist auch nur eine von vielen hier. Gestern war auch der tag der seeschlange. Auf meiner kurzen strecke habe ich fünf davon gesehen. Die muscheln am heck wachsen auch, ich muss mich beeilen. Und es gibt auch fliegende besucher, libellen und diese fünf zentimeter großen flieger.

20200116 besucher

 

Freitag der siebzehnte Januar, der wind ist weggeblieben. Die see ist bleiernd ruhig und kein hauch. Der ankerplatz war ok, ein schiff in der nähe zu haben auch. Nur wenn der generator die ganze nacht läuft, für kühlaggregate, beleuchtung oder nur nervige laute indonesische popmusik, dann ist das eine erfahrung. Ich habe den standort fünfzehn meilen weiter zur nördlichen insel verlegt. Bis jetzt bin ich der einzige und sehe dem vorbeitreibenden müll zu. Das gleiche machen auch die fische unter dem schiff, schnell hinschwimmen, abchecken und zurück. Die wollen auch nicht an meinen köder, also weiter vegetarisch.

Eine weitere ruhige nacht, diesmal hörte ich einen diesel aus vielen meilen entfernung. Am morgen wurde ich dann durch einen einzylinder ohne auspuff geweckt, der neben meinem schiff war. Ein fischer mit seinem siebenmeter boot, wohin woher, eine kommunikation kam nicht zustande und er tuckerte wieder davon. Der wind machte anstalten zu kommen, aber das dauert wohl noch.

Ich habe nicht die ruhe weg und bei sechs knoten wind habe ich die reise fortgeführt. Dann frischte er noch ein wenig auf und wieder ab. Für die ersten vier meilen habe ich zwei stunden gebraucht. Umkehren oder weiter, und das nächste ziel war dann die zweite insel. Im norden davon ist eine kleinere insel, inselhopping. Zuerst dachte ich an einen fehler in der karte, doch am ende habe ich sie gefunden. Das ergebnis sind zwölf meilen weiter westlich.

20200118 insel

 

Nur der untergrund ist nicht schön, sand mit korallen und sechs meter tiefe. Das wasser ist warm und so habe ich den anker vorsichtshalber abgetaucht. Klare sicht seit vielen tausend meilen. Er liegt halb im sand vor einem stein, muss reichen.
Was nicht reicht, ist mein tierleben vom mangelhaftem antifouling aus Noumea. Was dort geht, lässt hier am rumpf die stabmuscheln und andere wachsen. Also nicht nur am heck, sondern entlang der wasserlinie und an der ruderhacke. Aus zwei zentimeter werden aber bald fünf. Dann muss ich wieder ins wasser.
Das zweite tierleben ist mein aquarium in den speigattrohren. Vier kleine gestreifte fische sind so heute mitgefahren.

Die nächste insel angelaufen, da ich schon wieder im windloch verhungert bin. Die größere der beiden inseln, auch ein ort ist eingezeichnet. Die route habe ich schön auf mindestens fünfzehn meter tiefe abgesteckt und los ging es. Dann tauchte das wrack auf, schon blöd so aufzulaufen.

20200119 wrack

 

20200119 wrack

 

20200119 wrack

 

Ebend noch fotos geschossen und was werfen die aus ihrem boot ins wasser? Sind das kokusnüsse und warum ist vor mir ein felsen leicht überspühlt im wasser? Vollbremsung und rechts ab. Teilweise nur einen meter unterm kiel und nach zweihundert metern wieder im tiefen. Man war ich nass. Ab und zu sollte man sich nicht auf die karten verlassen, wenn man nicht neben dem wrack als zweites liegen möchte. Dann habe ich draußen im tiefen geankert.
Doch da kamen zwei fischer vorbei, es sei nicht gut, steine. Geradeaus und rechts abbiegen, alles mit zeichensprache und dem ellenbogen.

Nun liege ich vor dem ort und werde von drei lautsprechern beschallt, einmal die bekannte popmusik und dann zwei moscheen. Dazu kommen hundert kleinere fischerboote um neun meter länge und jeder hat einen Lister ohne auspuff. Heute ist Sonntag.
Danach war ich die atraktion, es kamen viele vorbei, um den mister mit dem segelboot zu sehen. Auch zwei fischer kamen vorbei, einer sprach etwas englisch und so war ein gespräch möglich. So wollten mir helfen diesel zu organisieren, kannten jemanden mit einem wifi, wollten mich zum supermarkt bringen, alles easy und ihr geschäft war auch dabei. Aber alles am nächsten tag, morgens um sieben.
Das ist kein problem, gibt es doch eintausend fischerboote auf Masalembo und zwanzigtausend einwohner. Die motoren der boote sind nicht aus England, sondern aus China, einzylinder, zwanzig pferdestärken. Dazu rufen ab fünf uhr die drei moscheen zum gebet.

Sie kamen um acht und vielleicht gibt es ja jemanden auf der insel, der meinen chinesen reparieren kam. Der fischer schaute und meinte, er kann das. Nur soviel sachverstand habe ich auch, ich wollte einen profi. Diesen sollte es hier nicht geben, so ihre aussage.

20200120 motorenreste

 

20200120 motorenwerkstatt

 

20200120 motorenwerkstatt

 

An land ging es dann zuerst zur polizei, ich wollte das so, da ich nicht mehr in Indonesien bin. Alles kein problem und dann zum juwelier, der hat ein kreditkartenlesegerät und gibt geld. Es dauerte bis zum mittag, bis er ein gutes signal in der telefonleitung hatte und dann gab es trotzdem kein geld. Falsche kreditkarte, meine von V wird hier auf der insel nicht akzeptiert. Kein geld, kein diesel.

Der junge fischer hatte aber mir schon mal etwas geliehen, damit konnte ich etwas gemüse kaufen, bei seinen verwandten.
Das wifi beim bürgermeister war so langsam, dass ich nicht einmal eine kleine grip wetter datei herunterladen konnte.

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 buegermeisterhof

 

20200120 hauptwege

 

Zurück auf dem schiff wollten die beiden unbedingt mein unterwasserschiff von den muscheln befreien, also bitte. Danach sind wir noch um die ecke gefahren, da soll es schön sein, es gibt kokusnüsse und kein plastik. Das letzte konnte ich wiederlegen, die nüsse mussten gekauft werden, aber es war recht schön dort.
Dann wieder zurück zum schiff und es sei jetzt bierzeit meinte sie. Somit gingen die drei dosen, die ich teuer erworben hatte durch die durstigen kehlen. Noch ein paar tips, wo ich auf Borneo diesel kaufen könnte, und dann zogen sie wieder ab, es war schon wieder dunkel, wie am abend zuvor.

20200119  masalembo

 

20200120 masalembo

 

20200120 tankstelle

 

20200120 wegweiser

 

20200120 werkzeugladen

 

20200120 werkzeugladen

 

Am Di, dem einundzwanzigsten war der plan, das wetter zu bekommen. Zuerst wurde der imam gebeten, sein wlan anzuschalten. Nach fünf abbrüchen hatte mein laptop auch keinen strom mehr. Steckdosen gibt es kaum, so gab es solarstrom mit spannungswandler. Jedoch war das netz zu langsam.
Dann auf zum bürgermeister wifi, auch hier zuerst kein strom, aber jemand wirft den generator für mich an. Nach drei versuchen, der letzte mit rudimentären wetterinformationen, weiß ich für die nächsten zehn tage mehr.
Dann bekam ich noch mehr kokusnüsse und mangos. Zeit für ein barbecue mit fisch und besucher, die mich sehen wollen. Am nachmittag ging es dann zurück zum schiff. Das war Indonesien privat, morgen soll etwas wind kommen.

20200120 abkipprampe

 

20200120 abkipprampe

 

20200120 abwasserkanal

 

Etwas zum thema navigation, besonders hier in Indonesien. Bisher war alles einfach, meine seekarten waren sehr gut. Nur schon auf dem weg zu dieser insel kam der erste fehler, die dimensionen stimmten nicht. Ich wollte die kleine insel finden und fand eine sandbank, dahinter war die gesuchte insel, aber viel größer. Dann auf dem weg zu Masalembo der nächste fast fatale fehler. Ich war laut karte im tiefen wasser und real benahe auf dem riff. Bei diesen beiden inseln stimmt vieles nicht. Das konnte auch schon eine andere deutsche yacht erleben, die sy nuko alowa, die hier aufs riff gelaufen ist und von den beiden fischern gerettet wurde. Dabei muss man nur zum roten leuchtfeuer fahren und dann nach osten. Hinterher ist man natürlich klüger.

Die zweite woche war ein tagsüber fahren, von insel zu insel. Zuerst mit fischern geankert und dann drei inseln. Dabei habe ich grobe fehler in meinen karten gefunden, die mich fast auf einen felsen laufen hätte lassen. Die letzte insel war Masalembo mit hilfsbereiten netten menschen. Keine stromversorgung, keine wasserver- und -entsorgung und ein schlechtes wifi. Geld gibt es nur mit der M karte, die V karte geht hier nicht. Wer vorbei kommt, sollte hier anhalten. Somit waren es auch nur zweihundert seemeilen und zuviel diesel.

woche 2

 

Der nächste tag auf see war etwas anders. Morgens kam ein wenig wind und ich habe den motor dazu angeworfen. Ziel war es, der wolke hinterher zu fahren. Als dann der wind richtig da war, ging der motor auch wieder aus. Das erste mal segeln mit vier bis sechs knoten und in die genau richtige richtung. Das habe ich seit über zwei wochen nicht gehabt. Danach wieder flaute und das spiel wiederholt bis zum sonnenuntergang. Es waren es drei fette wolkenbänder. Diese nacht wird sehr sportlich auf dem fußboden werden. Der letzte wind brachte einen sehr hohen schwell mit sich, das schiff tanzt. Die wettervorhersage stimmte überhaupt nicht.

Dritter tag auf see und ich bin müde, die nacht war grottig. Das tagesziel ist es eine bohrinsel, ein felsen, der aus dem siebzig meter tiefen wasser ragt, und ein wrack zu umfahren. Hinterher sollte noch genügend abstand sein, um zu driften. Dann kamen einige gewitter dazwischen, ich bin trocken geblieben, und am ende war der schöne direkte kurs futsch.
Auch ist eine tüte mit kichererbsen und grünen erbsen ohne verpackung über bord gegangen. Die flugverbotszone im schiff wurde zu lange nicht eingehalten. Auch andere trocken hülsenfrüchte sind betroffen, aber noch nicht so schlimm. Als nächstes muss ich mir mal das mehl anschauen, wahrscheinlich auch mit eiweiß versetzt.
Wenn das so weitergeht, ist bald der diesel aus, das essen transformiert und ich bekomme einen dauerschreikrampf. Der wind ist alles andere als der vorhergesagte. Hoffentlich wird diese nacht besser, denn im schiff ist es schon wieder muckelig warm.

Nächster tag, der fünfundzwanzigste Januar. Ich war vor der sonne wach und habe die segel gesetzt, es sah verheißungsvoll aus. Ein stunde später die totale flaute. Entweder einen knoten nach osten oder mit motor drei in die gute richtung. Am nachmittag kamen dann gewitterwolken, auch nicht brauchbar, entweder nach norden oder südwest. Dabei totale winddreher, kein spaß. Ich muss dringend nach nordwest, wo der wind herkommt. Alles nervt, kein vorankommen und die angst, der diesel konnte ausgehen.

Wenn sich jemand fragt, warum ich schnell nach Thailand will, dann ist es der zeitplan. Ich muss spätestenz im dezember in Kapstadt sein, die sicherste jahreszeit. In der werft plane ich mit zwei monaten, wenn es schlecht läuft drei. Über den indischen ozean dauert es zwei monate, ein stop auf Mauritius und Reunion und ein monat nach Südafrika. Da ist nicht mehr viel luft, und ich bin froh, wenn ich anfang märz aus dem wasser bin. Die restzeit ist mit reisen in der gegend, nach süden will ich vielleicht von Phuket aus. Soviel dazu.

Die letzte nacht war mal gut, das segel zog die ganzen stunden hindurch nach nord und am ende waren es dreißig meilen, zwölf davon in richtung westen. Zur zeit sind es noch hundertfünfzig meilen bis zum nächsten wegepunkt und die gleiche strecke noch einmal bis ins südchinesische meer.
In dieser nacht ging leider auch mein einer bootshaken über bord. Er stützte meine sonnenregenplane und nach einer böe fiel er um, landete auf mir und ich habe den angreifer aus dem schlaf heraus abgewehrt, schade.
Das segeln war gemischt, vielleicht eine stunde ohne motor und insgesamt achtunddreißig meilen. Kurz vor sonnenuntergang fiel auch der wind aus, zeit zum essen. Das kam mir fast wieder hoch, als ich auf dem gps die richtung ost mit einskommafünf knoten las. Also habe ich den anker auf vierzig meter geworfen und stehe jetzt. Das meer rauscht vorbei.

Nächster abend und schon wieder geankert, diesmal auf zweiundvierzig meter. Der letzte grund war schwerer matsch, sollte dieser auch sein. Und beim tagestank füllen ist nun auch der große tank leer. Drei kanister habe ich hineingegeben und das sollte bis Borneo und zum diesel reichen. Sonst habe ich nur noch neunzig liter und dann ist aus. Die idee nördlicher zu tanken fällt flach, zu weit.
Heute lief die ganze zeit der motor, auch während die segel oben waren. Zwei windstärken reichen hier einfach nicht aus, der strom ist dagegen.

Auf nach Kumai, einem ort, nach dem die bucht benannt ist, und deshalb sollte er auch nicht so klein sein. Fünfzig meilen lief der motor heute, teilweise mit segelunterstützung. So etwas ist mega langweilig. Der blick ins wasser ist da eine abwechslung. Noch nie habe ich soviel holz im wasser gesehen. Nicht nur die vielen kleinen kanthölzer und faustdicke bambusstangen unter einem meter. Oft sah ich holz in der größe einer eisenbahnschwelle oder der zweifachen länge. Neben dem vielen plastik mal etwas anderes. Ich habe ein paar baumstämme fotografiert und eine mögliche ursache. Die barge hat einen ladezaun von ungefähr fünf meter höhe. Das holz darauf ist noch einmal so hoch darüber. Ein bißchen wind, ein paar wellen und schon schwimmt die ladung.

20200128 holzbarge

 

Die dritte woche ist auch vorbei. Mehr diesel und noch mehr motorstunden sind verbraucht. Ich bin weiter nach westen gekommen, aber zu was für einem preis. Am ende musste ich nach Borneo, um zu tanken und frisches obst und gemüse zu kaufen. Seit Masalembo sind es weitere dreihundert meilen geworden. In der nacht habe ich, wenn es möglich war geankert, die strömung ist zu stark.

woche3

 

woche3

 

Weiter geht es hoffentlich bald, von Borneo nach Batam.

 

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In Richtung Westen

Es hat fast alles gut geklappt, immigration und danach die einkäufe. Nur sollte ich am nachmittag noch einmal vorbeikommen, um die dokumente abzuholen. Warten ginge nicht, ist viel arbeit. Sie werden mich per email informieren. Um vier uhr habe ich dann an die zentrale geschrieben und dann kam auch eine antwort aus Darwin. Am mittwoch morgen könnte ich auslaufen. Mail zurück, dienstagmorgen ist meine planung, steht auch im auftrag. Ok, um zehn uhr kommen wir morgen zum ponton.
Also am morgen schleusen, tanken, marina bezahlen und warten. Sie waren pünktlich, machten ein auf wichtig, nur mein heimathafen war nach Neukaledonien verschoben worden. Wer lesen kann, ist klar im vorteil. Wurde dann handschriftlich korrigiert und für dieses eine blatt papier mit zehn angaben musste ich so lange warten.

Mit dem hochwasser bin ich ausgelaufen, nach zwei stunden kam auch etwas wind. Die nacht habe ich in der plicht verbracht, ich weiß gar nicht mehr, wann es das letzte mal war. Jetzt nach zwei tagen ohne wind bin ich gerade mal siebzig meilen von Darwin entfernt, es ist zäh.
Und ich lerne nicht dazu. Bewölkter himmel und ich creme mich nicht ein, verbanntes gesicht, lippe und nacken. Vielleicht werde ich auch nur vergesslich. Mein nächster wegepunkt ist noch dreihundert meilen in richtung westen entfernt.

Heute ist mal wieder Nikolaus, der kommerzielle beschiss an den kindern, um schon mal den weihnachtsklimbim vorzustecken. Meine schuhe waren natürlich leer. Dafür gab es seit gestern nachmittag wind. Mein ziel ist westen, aber mit dem wind konnte ich gerade nach nordwesten und später nur nord. In der nacht ging es nur mit dem groß weiter, hoch am wind und treibend. Nach dem sonnenaufgang war nur noch eine stunde wind und dann war er aus. Treibend mit einer alten dünung geht es wieder mit einem knoten nach osten. Die Timor Sea ist nicht mein freund. Nach drei tagen habe ich eine distanz von nur hundert meilen zu Darwin geschafft, zu wenig.

Am morgen hört der wind auf und es wird heiß. Segel bergen und ich bin durchnässt. Dann geht es mit einem knoten strom in richtung osten, da komme ich her. Alles nicht erfreulich und eine idee von wind kommt am nachmittag. Damit komme ich wieder nach südwest und das schauspiel wiederholt sich. Sobald ich etwas aktion verbreite, fange ich an zu schwitzen, es läuft einfach nur überall heraus, das macht keinen spaß.

Heute ist der fünfte tag auf see und eine gewisse routine ist da. Wind von abends bis zum sonnenaufgang, dann ist flaute. Das war die letzten tage so und ich komme immer mehr richtung süden. Nur das ist eine bucht und ich habe schon mal rote linien gezogen, die ich nicht überfahren sollte. Dahinter wird es riffig und felsig.
Nur heute morgen war es fast wieder so und ich nutzte die dämmerung für eine halse in richtung norden. Lief auch gut, bis zur sonne. Danach drehte der wind und nun fahre ich mit dem motor und den segeln in richtung westen. Warum nicht früher. Dreihundert meilen habe ich seit Darwin im kielwasser und bin noch keine zweihundert entfernt.

Was hat bis jetzt versagt, zum einen der windgenerator, der keinen strom produziert. Das türkenteil wird in Thailand ausgetauscht. Dann haben mich zwei rutscher am großsegel gestern verlassen und somit geht dort erstmal nur das zweite reff. Ein richtige flaute kommt bestimmt auch noch, ohne welle. Dann kann ich das fixen, ohne dass muttern oder werkzeuge über bord gehen. Als drittes ist mein windmesser noch immer nicht stabil. Zum anfang waren es zwei tage dauerbetrieb und dann war ende. Mein workaround ist, ihn ab und zu einzustöpseln, wenn ich ihn brauche. Das ging auch schon so vor Darwin. Und zum schluss überzeugt meine kühlschranktruhe nicht mit kühlleistung. Da muss ich mir was neues einfallen lassen oder eine richtige box kaufen.

Die erste woche ist um und ich bin noch lange nicht dort, wo ich sein wollte. Zweihundertzwanzig meilen von Darwin entfernt und dafür über vierhundertzwanzig meilen zurückgelegt. Der wind ist hier schwach und meistens aus westen, da will ich hin. Dazu kommt eine nach osten laufende strömung mit bis zu eineinhalb knoten. Ist der wind weg, geht es rückwärts. Somit kann ich nur nach nordwesten oder südwesten segeln. Im süden habe ich die rote linie gezogen und noch norden bin ich kaum zur route gekommen. Es sind noch hundertsechzig meilen bis zum nächsten wegepunkt, das kann dauern.

aus mal woche1

 

Heute ist der zwölfte Dezember, der neunte tag auf see. Das ganze vorhaben ist sehr, sehr zäh. Gestern habe ich sechzig meilen gesegelt oder motort und es sind netto die hälfte dabei herausgekommen. Solange der wind von vorn kommt, wird es sich nicht ändern. Dazu kommt, dass im süden land mit riffen existiert und im norden gasplattformen, auch nicht schön. Segeln geht eigentlich nur vom späten nachmittag bis morgens um zehn, dann ist der wind ausgeschaltet. Dazwischen versuche ich zu retten, was geht. Ohne motor geht es mit über zwei knoten nach osten, mit motor zwei nach westen. Nur ich will nicht den ganzen saft schon jetzt verbrennen, den brauche ich sicherlich noch.

Meinem fuß geht es jeden tag besser, der zeh ist bis zum anschlag beweglich, nur auf stoß reagiert er mit schmerz. Nur ein anderes problem besteht noch, ich schwitze unter deck. Hier ist es durch die vielen motorstunden recht muckelig, mein thermometer zeigt allerdings nur fünfundzwanzig grad an. Das kann nicht stimmen. Somit verbringe ich die meiste zeit unter meiner plane im schatten, auch nachts.

20191214 cocpitzelt

 

Und eine regelmäßigkeit ist mir seit Darwin aufgefallen. Sehe ich am morgen eine seeschlange, so bleibt der tag ohne besuch. Ansonsten kommt die küstenwache vorbeigeflogen. Mal wollen sie nichts oder sie funken mich an, meist zu spät. Sind sie meilen entfernt, geht da kein gespräch, pech für sie. Somit sollte es heute ein besuchstag werden.

Natürlich waren sie da und auch am nächsten tag, wollten aber nicht schnacken. Der wind kommt jetzt erst vor sonnenuntergang und schafft ein wenig strecke. Heute habe ich mal wieder die angel ausprobiert. Am ende gab es happy fish and chips, also vegetarisch. War ein guter Freitag, der dreizehnte für die fische.
Am schiff habe ich die rutscher erneuert und das ruder gefettet. Das macht aber nach ein paar stunden doch schon wieder leichte knarzgeräusche. Bis jetzt ein guter tag, der mit pellkartoffeln ausgeht.

Der wind war bis eine stunde vor mitternacht brauchbar, dann barg ich die segel. Immerhin war es der erste tag, an dem ich fünf knoten schnell segelte und dabei einen westkurs hatte. Für drei stunden, ich bin ja diesmal nicht kleinlich. Die bohrplattform war schon in zwanzig meilen entfernung sichtbar und das schiff trieb in der strömung.

20191214 bohrinsel 20191214 bohrinsel fackel

 

Am morgen habe ich fünf meilen verloren, und das tagesziel war es, die produktionsplattform Montara zu passieren. Das ganze mit wenig wind wie immer und mit motorunstützung. Mittags sah ich wieder eine seeschlange, doch das flugzeug kam zwei stunden später. Soviel zur neuen regelmäßigkeit, nur di e schlange am morgen zählt.

Abends um sechs war ich soweit entfernt, dass ich durch war. Nur dann gab es dort mitten im meer ein schiff mit flakbeleuchtung. Weitere zwei konnte ich auch noch ausmachen. Sie sind die eckbegrenzungen der ölförderung. Das kannte ich schon von Brasilien her und die einordnung ging schnell.
Ab dieser position ging es dann plötzlich flott nach westen. Dicke gewitterwolken brachten sehr kräftigen wind, das schiff legte sich und es ging ab nach vorn. Eine schwache version dieses windes hält bis jetzt an, am morgen des zwölften tages.

Der erste streckenabschnitt ist geschafft, dickes rotes kreuz im kalender. Für diese schlappen vierhundert seemeilen hätte ich im normalfall vier tage gebraucht. Jetzt sind es dreimal so viele geworden. Dafür habe ich siebenhundert meilen gesegelt und dabei hundertzehn liter diesel verbraucht oder fünfundfünfzig motorstunden. Eine teure strecke in zeit und sprit.
Nur kostet das warten in der marina auf ein wetterfenster für günstigen wind zweihundert euronen. Und eine aussicht auf änderung gab es nicht. Dafür war der erste Taifun auf den Philippinen angekommen, dreizehnhundert meilen nördlich von Darwin. Auf Neukaledonien ist seit November hurrican saison und Darwin hat es weihnachten vor fünfundvierzig jahren zerplunderisiert. Somit war ein wegkommen für mich wichtig.
In dreihundert meilen könnte man rechts abbiegen, doch schon dieses kleine ölfeld nervt mit sicherheitswahn. In Indonesien gibt es hundert mal so viele förderanlagen.

Gestern war der erste segeltag, wie ich ihn mir gewünscht habe. Die sternschnuppe in der nacht war mir gesonnen. Von morgens um acht bis abends um elf fuhr das schiff zwischen drei und sechs knoten, ein geburtstagssegeln. Das ergebnis waren danach sechzig seemeilen in die richtige richtung.
Der neue wobbler als köder für meine fischfangversuche ist leider schon abhanden gekommen. Oder fast, denn das schiff drehte bei schwachem wind vorgestern und die angelleine verfing sich am rumpf. Beim einholen ist sie gerissen und nun ist er gefangen. Bei leichter geschwindigkeit klopft er am rumpf, mal sehen wie lange.
Der letzte überflug sollte auch gestern gewesen sein, denn der nächste flugplatz ist dreihundert meilen entfernt. Was für ein aufwand, um den eigenen bestandsschutz zu betreiben. Ein flugzeug, ein pilot, ein copilot, einer am radar und sicherlich einer am funk. Das ganze schon seit dreißig jahren und ich weiß nicht, wie viele flüge gleichzeitig aktiv sind. Ein teurer spaß ist das.

20191215 kontrolle anflug

 

20191215 kontrolle

 

20191214 kontrolle

 

Und vorgestern ist mir noch etwas passiert, ein trockener squall. Die fette wolke sah sehr nass aus, darunter schien es zu regnen und ich langsam an ihr vorbei. Alle luken zu und auf das feuchte vorbereitet. Nur als ich näher kam, löste sich das teil auf, kein regen. Was blieb, war der wind, und der brachte das schiff in schräglage. Wenn links und rechts von der wolke keine schönwetterwolken wären, hätte ich gerefft. Und so ging es mit bis zu siebeneinhalb knoten durchs wasser. Der ritt dauerte eine halbe stunde und danach waren wieder zwei knoten schneckentempo angesagt.

Somit ist auch die woche zwei vorbei mit fast vierhundert seemeilen. Es war eine mühsame woche mit großem einsatz von Mr Perkins. Der aufreger der tage war die ölförderung, die es zu umschiffen galt. Die roten linien wollte ich nicht überschreiten. Die drei parallelen linien zum wegepunkt eins sind die drei möglichen routen zum ziel. Wobei mein favorit die dunkelgrüne ist. Das ende der Timorsee ist der anfang vom Indischen Ozean, der ist auch blau. Die land und seewind kombinationen hören dann hoffentlich auf.

aus mal woche2

 

Sie können es einfach nicht lassen, ein neuer überflug auch gestern, vielleicht ja auch heute. Dann habe ich rote tonnenbojen mitten im meer gesehen. Oben platt, ideal für seevögel zum putzen und abdrücken. Dann habe ich auch den kühlschrank ausgeschaltet. Es ist nichts mehr notwendigerweise kühlbares vorhanden. Und da ich im großem wasser bin, ist die windfahne aktiv. Mehr recht als schlecht, da der wind nicht immer kräftig ist.
Außerdem ist es der erste tag, bzw. der siebzehnte auf see, den der wind einen ganzen vollen tag geweht hat. Besserung ist in sicht.

Ein paar tage später, heute ist der zwanzigste Dezember. Der wind weht noch immer, so weit so gut. Nur er hat auch grundsätzlich gedreht. Tagsüber wechselt er mehrmals um zehn grad, jedoch komme ich seit dem letzten wegepunkt nicht mehr unter einem kurs von dreihundert grad. Den abzweig nach Bali finden wohl alle klasse. Die windfahne, die segel, der wind und das schiff, nur ich nicht. Die küste kommt immer näher, jetzt sind es nur noch siebzig meilen. Zu wenig für mich. Ich hoffe auf einen reinen westkurs, um auf meine route zurückzukommen.
Ansonsten gibt es hier nur wasser und weitere einzelne bojen im meer, diesmal sind sie schwarz. Sehr praktisch, kaum zu erkennen. Mein radar hat ein reset nach bedienungsanleitung erhalten, nachdem ich eine ungünstige tastenkombination gedrückt hatte. Der bildschirm war plötzlich invers und nicht wieder rückstellbar. Nach dem korrigieren mit kontrast und helligkeit war er dunkel. Alles wieder neu einstellen, das dauert und es läuft wieder.

Durch den ungewollten kurswechsel habe ich ein paarmal die routenbibel gelesen. Sie ist zwar schon dreißig jahre alt, aber vieles stimmt noch immer. Mein geplanter weg ist dort teilweise abgebildet und da könnte sich eine änderung ergeben. Ich sollte mich solange wie möglich unterhalb von fünf grad süd aufhalten. Solange gibt es den südostmonsum und leider auch die gefahr von zyklonen. Somit könnte ich im australischen kz für flüchtlinge auf Christmas Island vorbeischauen. Ein bier im pub trinken, etwas frisches einkaufen und weitersegeln. Die alternative route über Bali und das Südchinesische meer ist mir zuviel. Danach würde die ganze Malakkastraße kommen. Die Elbe im schiffshochbetrieb ist dagegen eine verlassene dorfstraße.

Man fing das gut an, langsam drehender wind von einem nordkurs anfangend. Jedoch kam das windende um mitternacht, davor gab es als appetitanreger einen westkurs für eine viertelstunde. Segel bergen und versuchen, im schwankenden boot zu schlafen.
So ging es auch am morgen weiter, ein intensives auffrischungstraining in kalmen. Das war die zeit für einen watermakereinsatz. Das letzte mal war zum testen vor Darwin und ich habe die prozedur nicht richtig beendet, alles ist schwarz. Die filter, die schläuche und der wassermengenanzeiger. Filter gewechselt und es lief nicht so gut wie zuvor, jedoch habe ich neue dreißig liter trinkwasser gewonnen.
Erst zum abend hin gab es einen leichten wind, wenn auch nicht sehr lange.

Der nächste tag, der zweiundzwanzigste Dezember, und es ging weiter mit dem training in kalmen. Die themen waren flaute, schlagende segel, unnötiges motoren, kein wind, welche flüche sind erlaubt und abwarten. Zum mittag hin kurz motort, die segel hoch und runter gezogen und warten auf das sonnenuntergangsabendsegeln.

Warum können gasflaschen nicht am ende vom kaffee kochen leer sein? Sie  sind es immer mitten im kochen oder backen. Das ist sehr blöd, wenn es ein linsencurry geben soll. Das ergebnis waren linsen al dente. Nur diesmal war der flaschentausch ein akt. Die letzte reserveflasche aus Neuseeland war an der reihe. Neuer gasschlauch, neuer regler und flasche. Aber alles geht und die küche bleibt nicht kalt.

Das segeln in die nacht hinein wurde ein abenteuer. Schwarze freundliche gewitterwolken sind voraus. Mal sehen, wie fett sie sind, und falls, dann vorher links abbiegen. Nur dann gab es wetterleuchten und blitze auf der linken seite, ein abbiegen nicht mehr möglich. Endlich kam besserer wind auf, ein gutes segeln. Dann kurz vor mitternacht ein sehr plötzlicher windwechsel von hundertachtzig grad in einer minute. Glücklich ist, wer einen bullenstander hat, auf allen kursen, und er war wieder hilfreich. Auf dem radar konnte ich die schauer um mich herum sehen und um ein uhr war fast alles vorbei. Kein wind mehr, segel runter und endlich schlafen. Die gewitterrückkehr kam um um drei uhr, heftiger regen, donner, und blitze ringsum, dabei wind um dreißig knoten. Ich mitten drin und das weiterschlafen war dann trocken unter deck möglich. Am morgen war alles vorbei.

Ein kleines weiteres problem gibt es hier vor Indonesien. Nicht nur, dass die fischer in ihren zwanzig meter schiffen kein ais haben, sie haben auch kein radarecho. Ich kann sie in zwei meilen entfernung sehen, da sie licht anhaben, jedoch nicht auf dem radar. Das kann ja noch lustig werden, wenn ich einen abramme.

Am einundzwanzigsten tag seit der abfahrt wurde es richtig belebt. Ich durchquerte die zufahrt bei Bali zum Südchinesischen Meer. Ingesamt sechs schiffssichtungen in nächster nähe und ich quere segelnd deren route. Zweimal an diesen tag habe ich das groß geliftet und x‑mal den motor gestartet. Der wind drehte, wenn er da war, und so bin ich zwei halbkreise gefahren.
In der nacht wurde es dann merkwürdig. Acht fischerboote um mich herum machte ich aus, am tag war keines zu sehen. Sind wohl bei sonnenuntergang aus ihren behausungen gekommen. Um kurz vor mitternacht war dann der wind auch wie immer vorbei. Ein neues phänomen tauchte auf, rings um das schiff herum schwarze wolken im kreis, dahinter freier himmel. Habe wohl den wind zu stark mit schimpftriaden beworfen.
Für frachter muss es ein graus sein, bei nacht durch dieses gebiet zu fahren. Das geht nur auf sichtkontakt, da die fischer kein radarecho haben. Mich hat dieses große schiff von links angefahren, dann um mich herum und geradeaus nach achtern weiter. Das war keine halbe meile abstand, das gebrabbel der matrosen war zu hören, der motor wummerte langsam.

Die dritte woche ist somit auch zu ende und ich habe ein drittel strecke mehr gesegelt als die wochen zuvor. Jedoch habe ich noch nicht die tausend meilen geschafft, die liegen weiter als der linke bildrand unten. Die ersten zwei tage lief es ja ganz gut, bis zum wegepunkt zwei, dem abzweig nach Bali. Dann schob mich eine strömung vom südost monsum nördlich und der wind war konspirativ dabei. Ab dem einundzwanzigsten Dezember gab es ihn nur morgens und abends und nicht stark. Weihnachten habe ich es bis auf die höhe der durchfahrt zwischen Lombok und Bali geschafft und es sind noch sechshundert meilen bis Christmas Island.

aus mal woche3

 

Der vierundzwanzigste Dezember ist so etwas besonderes, an land. Hier auf dem meer sind alle tage gleich wichtig. Dieser zeichnete sich mal wieder mit wenig wind aus und viel donner in den wolkentürmen um mich herum. Der wind zum abend wollte sich heute nicht einstellen, und so blieb ich in der ruhigen mitte der gewitter. In dieser nacht habe ich keine fischer gesehen und es blieb ruhig und trocken. Vor dem sonnenaufgang war es dann spiegelglatt, null windhauch und das hält an.
Eigentlich sollte ich noch nicht in dem kalmengürtel sein, der fängt erst bei fünf grad an. Somit versuche ich jeden brauchbaren wind mitzunehmen, um ein bißchen südlicher zu kommen.

20191225 sonnenuntergang

 

20191227 sonnenaufgang

 

Am fünfundzwanzigsten war flaute bis mittags. Dann kam eine fette schwarze wolke näher und die windmaschine ging an. Ganze zehn minuten lang und sechs knoten fahrt. Unter der wolke in der mitte fing der regen an, dann wolkenbruch. Dahinter sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins und ende. Wieder eine ganze zeit lang nichts.
Diese stunden warten auf die zweite sichtbare, sich nähernde wolke. Dabei bin ich eingeschlafen und das schwarze hatte sich aufgelöst. Dafür gab es mal wieder sonnenuntergangssegeln bis um zehn. Um mich herum konnte ich neun einzelne gewitter zählen, bin aber nicht nass geworden.

Der nächste tag, der sechsundzwanzigste Dezember, ergab von morgens bis mittags leichtes segeln. Dann aber schnell das segel bergen, da die wolke, auf die ich zufuhr, einen schwarzen trichter zum meer hin gebildet hatte. Sieht gefährlich aus, habe zu viele naturkatastrophenfilme geschaut. Und an diesen tag wurden die ersten tausend seemeilen überschritten, zwei weitere fehlen noch.
Nur irgendetwas stimmt hier nicht, strömung stimmt nicht, kommt nicht nach karte und stärke. Es sollte nordwest monsum sein, stimmt nicht, wind kommt oft aus süd oder nord. Wo bin ich? Vierundzwanzig tage seit abfahrt, wenn das so weiter geht, brauche ich noch sechs wochen.

Am nächsten morgen durch einen heftigen regenschauer geweckt, obwohl ich schon unten im schiff geschlafen hatte. Dann kam auch das gewitter mit querwind und blitzen. Ich war noch nie so nah dran, das wummern des unmittelbaren donners geht durch die schiffswand. Die entladung davor ist in der luft spürbar. Soweit alles heil geblieben, sechs liter trinkwasser in einer schüssel aufgefangen und der neue tag beginnt mit einem kaffee aus regenwasser.

Meine gedanken kreisen um das thema: reite ich ein totes pferd? Seit sechs tagen dümpele ich hier im meer umher, die etmale sind im durchschnitt um fünfunddreißig meilen. Damit komme ich nicht an oder bin vorher verhungert. Der letzte frische apfel ging heute durch meinen mund. Das letzte mal segeln war bei zehn grad südlicher breite. Wenn sich die konvergenzzone dorthin verschoben hat, muss ich wieder südlich kommen. Das passiert gerade jetzt, motorsegeln und kurs südwest. Sollte das nicht funktionieren, muss was neues her. Der diesel ist endlich, vielleicht zurück nach Bali und die andere route nehmen.

Gestern war motorsegeln, soweit möglich, angesagt. Sechzig meilen sind es per breitengrad zum nächsten. Ich habe die diagonale mit dem etwas wind gewählt. Dass es hier auf dem zehnten wesentlich anders aussieht, kann ich nicht sagen. Wolken, wasser und wellen. Eine langgezogene dünung und die gewitter waren auch weniger in der nacht. Auch die fischer sind wieder unterwegs, diesmal zählte ich drei am horizont. Es sind noch vierhundert meilen bis Christmas Island und ich werde es wohl ansteuern müssen.
Mein letztes müsli habe ich heute gegessen und frisches sind nur noch die kartoffeln und die zwiebeln. Mein wassertank klappert auch, somit wird gerade das zweite drittel abgesaugt. Diesel für eine motorstrecke zur insel wäre auch noch vorhanden, warte aber lieber auf den wind. Noch zwei tage bis zum jahreswechsel.

Heute ist der dreißigste Dezember, der achtundzwanzigste tag auf see und der neunte tag ohne richtigen wind. Ich habe es bis zum zehnten breitengrad geschafft und es sah gestern so aus, als ob es ab hier besser mit dem wind geht. Aber um mitternacht war es wieder vorbei und bis jetzt am nachmittag ist noch kein wind gekommen. Ich habe zwei alternativen. Die erste ist, so weiterzumachen wie bisher und auf wind zu hoffen. Es sind noch dreihundertfünfzig meilen bis Christmas Island, und dort muss ich diesel, wasser und essen kaufen. Dabei ist noch nicht klar, ob es dort einen anleger für mein schiff gibt. Das dingi hat sich im letzten monat weiter aufgelöst und eine fahrt damit kann zum abenteuer werden. Ich lese nur etwas von einem ankerplatz. Von dort aus sind es noch einmal fünfzehnhundert meilen bis Langkawi.
Alternative zwei ist umkehren und nach Bali zu segeln, das sollte einfacher sein und sind zweihundertdreißig meilen. Auch dort muss ich mich neu verpflegen und danach die zweitbeste route nehmen. Durch das Südchinesiche Meer, nach Singapur und die Malakkastrasse rauf. Das sind noch einmal vierzehnhundert meilen mit viel schiffsverkehr. Teilweise kann man ankern und sich ausruhen.
Und ich habe mich für die zweite alternative entschieden. Denn sollte sich der nordwestmonsum einstellen, so gibt es ihn auf die nase. Ich hätte das alles früher haben können, hätte ich genauestens gelesen und nicht nur die texte überflogen. Mein bedarf an einer weiteren kalmensession ist restlos gedeckt.

20191223 routenbibel

 

Die letzte woche hatte es in sich, negativ gesehen. Zum segeln viel zu wenig wind. Die etmale unter vierzig meilen und das meist noch mit vielen motorstunden. Zwei, drei tage flaute sind ok, das ist für mich normal. Nur hier kommen wir schon in den zweistelligen bereich. Da hat man viel zeit und ich bin zu dem entschluss gekommen, ich reite ein totes pferd. Da kann man soviel mit der peitsche antreiben, wie man will, es wird sich nicht wesentlich fortbewegen. Diese erkenntnis ist nicht offensichtlich, könnte doch morgen der wind kommen. Eine woche unter dreihundert seemeilen und nur zweihundert nach westen.

aus mal woche4

 

Der letzte tag dieses jahres und es geht zurück. Das ist nicht einfach für mich, das erste mal. Bisher gab es alternative lösungen in die zielrichtung, zurück auf los und neustarten. Es sind heute noch zweihundert meilen und das gegen die strömung und bei dem schwachen bis keinen wind. Motorsegeln oder ohne segel am tag, und abends kommt der motor aus, oder wenn das schiff drei knoten segeln kann. Dann fällt die genua nicht immer ein und entfaltet sich wieder. Diesel ist genug vorhanden, und wenn ich in sechs tagen ankommen sollte, ist das ein Montag, genau richtig. Der gestrige umkehrtag war auch richtig, denn ich habe nur sechszehn meilen gesegelt oder bin getrieben. Das ist erheblich zu wenig für diesen trip.
Hier endet auch erstmal der erste teil auf dem weg zur werft, da es auch jahresende ist.

Vorwärts vorwärts, wir müssen zurück.

 

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Reset in Darwin

Fangen wir doch bei der einklarierung an, easy. Ich malte mir im kopf schon den horror zurecht. Das liegt vielleicht auch an dem älteren herrn, der für die bio-security unterwegs war. Meine schlimmsten befürchtungen trafen nicht ein. Er machte den papierkram, hier sollte nein angekreuzt werden, mach ich mal. Sie haben ein stahlschiff, da ist ja kaum holz dabei, also viele neins. Ein kurzer gang durchs schiff, soweit ok. Keine frischware, super. Müll gesammelt, bestens. Macht nur zweihundertdreißig dollar, die hälfte vom üblichen durchschnitt. Am ende schnell schnell, denn der zoll mit der immigration stand schon am ponton.
Auch hier alles easy, eine kurze geschichte von der riffstrandung, ein paar formulare und fertig, null dollar. Dann zur marina und die nächste hürde gestartet. Eine gültige haftpflichtversicherungpolice über 5m euro vorweisen, per mail und ok. Und eine taucherbesichtigung für den rumpf vereinbaren. Das ist pflicht und wird von der australischen lokalverwaltung bezahlt, um eine übernahme der marinas durch eingeschleuste muscheln und ähnliches auszuschalten. Das soll vor zwanzig jahren schon mal der fall gewesen sein. Da mein schiff aber erst seit kurzem im wasser ist und vorher an land war, kam kein taucher. Der mitarbeiter hatte zehn giftflaschen dabei und wir verteilten das zeug im wassertrakt des schiffes und in den speigattrohren. Ich sehe das als sinnfrei, es war unnütz, aber es gab einen grünen zettel, mit dem ich durch die schleuse in die marina einfahren durfte. Aber erst zehn stunden später, nach der einwirkzeit. Eine nacht mehr am ponton, spart marinakosten.
Dieses gesparte geld wollte ich in drinks und essen umsetzen. Nur es war Montag und alle hatten geschlossen, mist.
Am nachmittag war ich humpelnd auf der suche nach einer geldmaschine. Einer wuchtete mit sehr vielen bierfässern, zeigte mir aber im lokal das gerät. Dieses wollte meine karte nicht, es gab aber trotzdem ein frisch gezapftes lokales ale. Leckerst nach drei wochen. Danach noch ein lokales lager und er meinte er müsste wieder schließen, da heute ruhetag ist, bezahlen ja, aber morgen.
Die menschen, die ich bis jetzt kurz getroffen habe, sind recht entspannt. Da muss ich auch wieder hinkommen.

Somit bin ich heute morgen um sieben uhr in die schleuse gefahren und ab zur box, die ich schon gestern begutachtet hatte. Neben mir liegt eine million, also schön vorsichtig hineinfahren. Danach ein kleines frühstück und dann auf zum supermarkt. Am kreisel habe ich erstmal eine humpelpause eingelegt, die sonne war schon recht aktiv. Da die wanderungen von gestern sich nicht auf den zustand durchgeschlagen haben, mache ich weiter. Der fuß ist morgens dünn und wächst im laufe des tages. Ich bin bis zum nächsten kreisel gelaufen, da kein auto anhalten wollte. So weit zu entspannten personen. Die erste mitfahrgelegenheit und der mann setze mich dann nach einer strecke ab, kurz vorm supermarkt, danke.
Wieder zurück in der konsumlandschaft und zwar in groß. Diesmal wollte ich hungrig einkaufen gehen, viel frisches, kaffee, müsli, milchprodukte und was ergänzt werden musste. Ein ganzer einkaufswagen voll für hundert euronen, das geht. Zurück mit dem taxi, ein chinese am steuer, wenig englisch und trotzdem angekommen. Darwin entspannt.

Die marina ist so eine retorte, ende der achtziger fertiggestellt, also schon mit etwas patina. Viele plätze sind frei und die anlage ist gepflegt, die duschen sind sehr gut. Von meiner box aus blicke ich in richtung sonnenuntergang.

20191127 cullen bay marina

 

20191127 cullen bay marina

 

In fünfzig meter entfernung hinter mir ist ein griechisches restaurant, links daneben etwas zum frühstücken und ein café, rechts daneben eine indische küche gefolgt von einem koreaner. Auf zwei uhr ist Lola’s bar, in der ich schon diverse hopfengetränke probiert habe. Die musik fängt morgens um acht an, wenn der chef kommt und endet spät am abend. Alles musik, die ich hören kann, sechziger bis neunziger jahre. Nur zum abend hin dreht auch der grieche mit griechischer musik auf, das gemisch stört empfindlich mein ohr.

20191127 fruehstueck und cafe

 

20191127 grieche

 

20191127 inder und koreaner

 

20191127 lolas pub

 

Heute am Do habe ich den ersten weiteren ausflug richtung city unternommen. Dabei habe ich festgestellt, dass der supermarkt schon im zentrum ist. Also von dort aus alles bis zum wasser abgehumpelt, unterwegs die ölkavernen aus dem letzten großen krieg passiert. Und, ach weh, die stadt wurde von den japanern ziemlich bombadiert. Viele hinweistafeln dazu an vielen orten. Wenn das gleiche in Hamburg wäre, dann würde man die stadt vor lauter schildern der untaten der amerikaner und engländer nicht mehr sehen können. Aber wir sind da ja anders konditioniert worden, stichwort die guten befreier.
Was den krieg überlebt hat, hier in Darwin, ist einem hurrican zu weihnachten vierundsiebzig zum opfer gefallen. Somit gibt es keine alte bausubstanz mehr, und in fünfundvierzig jahren kann man eine stadt recht gut verschandeln. Somit gib es auch keine fotos davon.
Mein fuß sieht besser aus, morgens schlank, später immer noch dick, aber keine schmerzen mehr. Den arztbesuch klemme ich mir mal, ist nach zehn tagen eh zu spät.

Auch in Australien gib es ein wochenende, auch wenn der supermarkt sieben tage in der woche geöffnet hat. Am morgen habe ich mich um mein großsegel gekümmert, latten wieder rein, am segegelkopf wieder einen rutscher angenäht, rollen getauscht und schäkel gesichert. Danach war ich nass, und es war früh am morgen. Es ist heiß hier.
Nach einer dusche begann der ausflug für den tag und zwar mit dem rad. Mein fuß wird besser und mit flip-flops kann man radeln. Darwin ist nicht wirklich groß, abgesehen von den trabantensiedlungen. Das ziel heute war der Dinah Beach Yacht Club und mal sehen, was es dort gibt. Dieser liegt nördlich der city und man kann in der fahrrinne ankern.

Am nachmittag war ich wieder auf dem schiff und wie soll es anders sein, mein hintern schmerzt. Das letzte mal war ich vor fünf wochen auf dem rad und das ist das natürliche ergebnis.

Nun ich habe ein neues problem, die geklebten nähte von meinem dingi lösen sich auf. Die temperaturen oder die uv-eintrahlung machen dem tender den garaus. Zwei, drei stellen habe ich geklebt, aber es hört nicht auf. Meine lösung ist ein feststoffboot, holz, plastik oder aluminium, aufblasbar wozu.

Der versuch, eine oder zwei personen zu finden, die mit mir nach Langkawi segeln wollen, erweist sich als schwierig. Die einen wollen kohle dafür – geht’s noch? – und die anderen haben den geburtstag des sonnengottes auf dem zettel. Andere haben es in einem monat nicht geschafft, ihr auto zu verkaufen. Also bin ich die crew.
Der seeweg zwischen Indonesien und Malaysien ist nicht ohne, fahren die kommerziellen schiffe doch wie an einer perlenkette entlang. Zudem will ich nicht in Indonesien einklarieren, die verlangen ein transponder AIS system der klasse B, tausend euronen dafür. Es sei für alle pflicht, nur nicht für indonesische fischer, also total sinnlos. Oder soll dieser teil der bevölkerung sich das richtige schiff herauspicken können. Wie meint die Chuligi: „Im AIS ist in Zeiten der Piraterie anstatt des Zielortes ARMED GUARDS ONBOARD eingetragen.“

Somit werde ich wohl außen um Sumatra herum segeln, ist nur vierhundert meilen weiter und ohne riffe oder inseln. Für die abfahrt fehlt nur noch der wind.

Ein weiteres projektchen ist auch fast fertig. Mein kühlschrank musste schon so einiges ertragen, oft ist er mit einer sauerei aus seinem platz gefallen. Die türverriegelung ist beim ersten mal zerschreddert und oft auch der inhalt. Mein erster versuch war in französisch Guayana, als ich ihn flachgelegt hatte. Das ganze gestaltete sich schwierig und so habe ich es eingestellt. Nun der zweite versuch: in NC hatte ich probiert, den kühlschank nur auf den rücken zu legen. Lief nicht, der kühlkreislauf wollte nicht kreisen.
Nun habe ich es eine woche getestet, die krompressoreinheit um neunzig grad gedreht und er kühlt zufriedenstellend. Heute habe ich nun aus zwei brettchen eine halterung verleimt und geschraubt und es ist der anfang der kühlbox. Was fehlt ist ein ablauf, kommt noch. Ich hoffe, dass diese variante energieärmer ist als die schrankversion. So werde ich auch in zukunft das teil zur nacht ausschalten, am tag liefern die solarpannels genug strom zur kühlung.

20191120 kühlschrank

 

20191125 kühlschrank

 

Alle zwei tage mache ich einen ausflug, meist mit dem rad. Heute habe ich die gleiche richtung zum wasser eingeschlagen, wie beim letzten mal. Diesmal durch den botanischen garten, bergauf und ab und dann wieder zum fischerreihafen. Ziel war eine weitere marina, die aber auch eine retorte ist, auch mit einer schleuse versehen und das office ist nicht besetzt. Keine wirkliche verbesserung und so bleibe ich im süden der stadt. Auch ist hier ein großes problem für schiffe, dass das wasser täglich verschwindet. Nur die differenz sind sechs und acht meter. Wenn man ankert, kann man nur in einem kleinen zeitfenster das schiff verlassen. Oder man robbt durch den matsch.

20191127 darwin ankerplatz

 

20191127 darwin ankerplatz

 

Seit heute morgen habe ich auch mein reiseziel konkretisiert. Wieder habe ich nicht bis zum ende gedacht. Die informationen der werft waren reichlich, die webseite ist auch recht gut und die preise sind in bath. Ups, dreimal gelesen: der ort Satun liegt in südthailand, nah der grenze zu Malaysien. Na ja, muss auch gehen, auf nach Thailand! Somit werde ich dorthin gehen, wo die Esper auch war. Wer nicht weiß, welcher vlog das ist, das netz befragen.
Nun warte ich auf brauchbaren wind, der mich von Australien wegbringt, danach sieht es immer besser aus.

Ich bin hier gefangen, kein wind, kein wegkommen. Da es sich aber auch ändern kann, habe ich schon mal gastlandflaggen von Malaysien und Thailand gekauft. Danach noch zum supermarkt, alles aufs rad geschnallt und wieder zurück. Ich dusche bis jetzt immer vorher, für die anderen. Nach dem ankommen bin ich aber wieder durchnässt. Es ist hier einfach zu heiß und somit ist das mit der erholung auch eingeschränkt. Erst mitten in der nacht kühlt es ein wenig ab, vorher ist der schlaf rudimentär.

20191201 malaysien und thailand

 

Ein zweites problem tritt heute das erste mal auf, meine netzverbindung will nicht so recht und der fehler liegt nicht bei mir. Ich war zum testen am ponton und dort habe ich ein netz und das kommt schnell. Auf meinem schiff will die ip-adresse nicht rüberwachsen. Muss ich mich morgen drum kümmern und der bar das verklickern.

Ich habe beschlossen, am dritten Dezember hier abzulegen. Der wind ist mau und dreht oft, auch mal von vorn. Wenn ich die höhe von westaustralien erreicht habe, sollte es normal weiter gehen. Warten kann ich auch auf dem meer, fluchen werde ich sowieso. Dreitausend meilen sind geplant und es werden sicherlich mehr. Nächstes jahr sollte ich ankommen, wenn nichts dazwischen kommt.

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Auf nach Darwin

Das ablegen war traumhaft, nur ein wenig wind aus der richtigen richtung. Lief alles super und draußen in der lagune fing der wind langsam an. Nach einer stunde konnte ich die segel setzen und den motor abstellen. Der klingt jetzt auch neu, muss mich daran gewöhnen. Der wind hielt an und über sechs knoten waren drin. Der backbord bug rauscht ein bisschen.
Dafür traten dann die baustellen zu tage, die ich nicht richtig angegangen bin. Der kühlschrank war fest, bis zu den wellen. Die notlösung ist erstmal der bootshaken und ein gummi. Soweit alles im grünen bereich. Nachts um eins hörte der wind auf und ich musste das groß herunterholen. Das war ein akt, das erste mal seit drei monaten. Bis dahin waren es schon achtzig meilen.

20191020 kuehlschrankhalterung

 

Tag zwei auf see fing sehr langsam an, unter zwei knoten, kaum segelbar. Aber es wurde besser und am ende waren es neunzig meilen, nicht schlecht. Passiert ist nichts aufregendes, nur heute morgen am tag drei kam ein überholer. Ein holzfrachter, wahrscheinlich aus Whangarei in Neuseeland. Der wind ist noch immer achterlich, ich mag das noch immer nicht.

20191021 ueberholer

 

Die nacht war mit überraschungen, das radar hat mich zweimal geweckt. Ein schiff von hinten und eins von vorn. Während des alarms kann das radar nicht wieder in den ruhemodus gesetzt werden. Also wach bleiben und warten. Als entschädigung war der wind freundlich zu mir. Fünf bis sechs knoten fahrt, allerdings nur mit autopilot. Als ergebnis des dritten tages waren es hundert meilen. Ich weiss das zu schätzen, weniger geht immer.

Gestern abend gab es noch ein schiff in der ferne und dann nahm der wind zu. Also doch vorsichtshalber gerefft. Nicht schön, da es schon dunkel war. Und seitdem geht es mit fünf bis sechs knoten nach nordwesten. Über den kurs kann ich mich nicht beklagen, läuft alles auf der geplanten route. Das erste große riff Chesterfield ist auch umrundet, habe seit meiner erfahrung einen riesen respekt vor den teilen. Jetzt am vierten tag kommen die großen wellen von hinten und schräge. Eine elendige schaukelei hin und her, auf und ab. Dafür schon wieder ein etmal von über hundert meilen, was erfreut.

Heute ist Do morgen und ich bin seit fünf tagen unterwegs. Die gute nachricht ist, dass es schon sechshundert meilen seit Noumea sind. Letzte nacht war wieder so ein ritt, um sechs knoten, mal sieben die wellen hinab und alles laut. Die andere nachricht ist, dass ich keine richtige lust verspüre. Die freude ist weg oder ich muss sie wieder finden. Schon wieder denke ich ans aufhören und etwas neues zu beginnen, dabei läuft es so gut. Die sonne ist heute mal nicht da und ich kann meinen sonnenbrand von gestern pflegen und da war es auch bewölkt. Noch achthundertundfünfzig meilen bis zur Raine Island Route und dann bin ich fast im norden von Australien.
Am abend habe ich memme dann doch das zweite reff ins groß gezogen. Viereinhalb bis fünf knoten sind noch immer drin, aber alles ruhiger. Die nacht sollte auch besser werden. Aber so sind auch keine hundertfünfzig meilen wie gestern heraussegelbar. Ankommen und heil ist mir dann doch wichtiger.

Endlich mal etwas anderes am siebenten tag auf see, ein kleiner regenschauer. Der wind ist noch immer achterlich, ein wenig unheimlich für mich. Noch nie war der wind derart kontinuierlich, bis jetzt sind es schon siebenhundert meilen seit der marina und ich habe noch einen tag bis zur ganzen woche. Das zweite reff ist noch immer im segel und wir fahren mit fünf knoten. Das aktuelle riff ist fünfzig meilen weiter im süden, das nächste kommt in zweihundert meilen.

Eine ganze woche bin ich auf see und das erste mal habe ich in dieser zeit über achthundert seemeilen zurück gelegt. Das kenne ich vom pazifik auch ganz anders. Sechs breitengrade bin ich nach norden und zehn längengrade nach westen gesegelt, ne menge. Der wind hat heute ein wenig nachgelassen, das groß ist wieder ausgerefft und es geht mit über vier knoten voran.
Die letzte nacht war für ein dutzend fische das ende auf deck, dreimal so viele wie zuvor. Auch habe ich schon über die hälfte der strecke bis zur riffeinfahrt zurück gelegt. Wäre schön, wenn es so bleiben würde.

nc->aus woche 1

 

Irgendwann hat die serie auch ein ende und das war gestern und setzt sich heute fort. Der wind drehte ein wenig und ließ nach, das resultat waren unter neunzig meilen, meist nach nord. Am abend hatte ich eine vermutung und das zweite reff gesetzt. Die fetten regenschauer waren auch auf dem radar sichtbar. Das ist blöd, geht das gerät nicht in den watch modus. Also habe ich es erstmal ausgeschaltet, daueralarm klingt auch nicht schön. Nach dem schweren gewitter gab es dann beim einschalten wieder ein echo, diesmal ein schiff in vier meilen entfernung. Am morgen war dann mein schiff auch wieder sauber. Jetzt geht es mit vier knoten plus meist richtung westen.

Vier tote fische in der nacht, zwei schiffe zum sonnenuntergang und eins um mitternacht, dank radar wahrgenommen. Heute bei sonnenschein weiß ich den gestrigen bewölkten tag zu schätzen. Immerhin brachte er über hundert meilen auf mein konto.
Heute am Montag kommt nicht die rechte freude auf, das segel wieder auszureffen. Meine zehn tage alten gripfiles sagen viel gelborenagen wind voraus. Was davon noch realität wird, weiss ich nicht. Zur zeit sind es zwanzig knoten scheinbarer wind, über dreißig der wahre. Also geht es mit dem zweiten reff und fast fünf knoten fahrt in genau die richtige richtung. Besser als mit mehr in ungefähr dorthin.
Mein kühlschrank hat seit ein paar tagen auch ein update erhalten. Auf dem fußboden und von dem tischbein aus der plicht in position gehalten. Noch ein wenig und er kann auch aus, die frischen sachen gehen zur neige. Gestern den letzten toast, einige scheiben starteten mit der grünen methamorphose, der restliche käse ist auf dem gleichen weg.

20191028 kuehlschrankhalterung

 

Das müsli in der fast ganz verschlossenen tüte hat sich im wahrsten sinn verflogen oder war bald bereit dazu. Somit gibt es eine neue tüte und der joghurt wird drei tage halten. Dann kann auch der kühlschrank aus.
Die gute nacht gestern wurde nur durch den lockruf der toilette unterbrochen, keine schiffssichtungen. Jedoch hat es wieder ein dutzend todesopfer gegeben, meist kleinere fische. Jetzt am Dienstag morgen bin ich genau zehn tage unterwegs und hinter mir im kielwasser sind über elfhundert meilen zu verzeichnen, nicht schlecht. Bis zur riffeinfahrt sind es jetzt unter vierhundert, also absehbar. Meiner faulheit zum trotz ich habe das gereffte segel nicht geändert, fährt das schiff über fünf knoten. Der wind hat ein klein bißchen zugelegt. Wenn das doch immer so wäre.

Heute ist der dreißigste Oktober und nur noch zweihundertfünfzig meilen bis zum Great Barrier Reef. Übermorgen sollte ich während des tages drin sein. Jetzt um elf uhr habe ich die tiefwasserroute zur Torresstrasse überquert. Gestern brachte wieder das etmal über hundertundzwanzig, unglaublich. Aber am späten nachmittag rauschte ein tanker einen kilometer an mir vorbei. Ich war in ein buch vertieft. Darauf hin habe ich die alarmzone des radars von sechs auf acht meilen erhöht. Die chance, den schnellläufer zu sehen, ist erhöht. Ansonsten alles wie bisher, wind von hinten, sonne und zehn tote fische.

Der zwölfte tag brachte auch wieder hundertzwanzig seemeilen, gut so. Nur heute morgen hat der wind etwas nachgelassen. Ich kann leider nicht sagen, um wie viel. Denn heute nacht hat sich der datenstrom des windmessers verabschiedet. Die displays sind in ordnung, nur keine winddatenanzeige. Sehr ärgerlich für mich, geht auch ohne. Nur mit ist es einfacher. Und nur noch hundertfünfzig meilen bis zum riff.
Halbdrei, gleicher tag, noch hundertdreißig meilen. Der wind hat nachgelassen, es ist nur noch das erste reff im segel. Die vier knoten reichen nicht bis morgen mittag und dann wird es eng. Seit drei stunden habe ich wieder eine windanzeige, danke.
Dann war ich gerade an der reling, um zu lenzen, und gleich im anschluss plätscherte es hinter mir. Hat der vogel aus empathie seine tore geöffnet. Zum glück ging es von der achterstagspannung direkt auf die fender und nicht auf die solarpannals. Sein putzritual dauert nun schon seit zwei stunden und den platz findet er gut.

20191031 gast

 

20191031 gast

 

Später nachmittag und die putzaktion des vogels ist beendet. Meine fängt gerade an, denn mit einem dicken fetten weißen gruss über die stromerzeuger hat er sich verabschiedet. Der segelkurs ist fast wieder punktgenau, nur die geschwindigkeit liegt bei vier knoten. Jetzt kommt gerade ein ordentlicher schauer über das schiff hinweg mit mehr wind. Aber der elektrikfehler ist auch schon wieder da.
Sonnenuntergang abends um halb acht und noch hundert meilen bis zum riff plus zwanzig bis zum ankerplatz. Das wird eng, vielleicht ein wenig motorsegeln morgen. Der vogel ist auch wieder da, der darm ist noch immer nicht leer oder eine art von durchfall.

Die nacht war gut und der wind willig, genug und richtige richtung. Jetzt am ersten November und halb elf sieht alles ganz gut aus. Über fünf knoten fahrt, die windanzeige ist wieder da, und es sind noch vier stunden bis zur riffeinfahrt.
Auch habe ich heute morgen meine solarpannels intensiv gereinigt. Hat sich doch eine ganze gruppe von scheißern in der nacht da aufgehalten und abgedrückt. Heute morgen war nur noch der gast von gestern da. Beim morgenkaffee ist er wieder auf jagd geflogen.

Nach dreizehneinhalb tagen bin ich im riff angekommen und habe geankert. Die auswahl war zwischen zwölf meter, koralle, schlechtem halt und keinem schutz oder zweiundzwanzig meter, eventuell sand und keinem schutz. Und da liege ich nun, sehr wellig, fast wie auf dem meer mit siebzig meter kette. Zwei stunden vor sonnenuntergang war ich hier, eine punktlandung.
Nach über fünfzehnhundert meilen, die hälfte davon in der letzten woche, habe ich den ersten teil geschafft. Teil zwei ist das ende der Torresstrasse und danach kommt teil drei bis Darwin. Der wind war in dieser zeit sehr gnädig, nur eine halbe nacht war mau. Ansonsten nur achterlicher wind in genau die richtige richtung. Nur am anfang der letzten woche war da ein kleiner kursbogen. Habe ich schon erwähnt, aber das ist für mich außergewöhnlich. Die nächsten tage werde ich nur am tage segeln, die vielen riffe sind mir doch etwas unheimlich, gebranntes kind.

nc->aus woche 2

 

Die nacht im irgendwo inmitten des riffs war mies. Der windgenerator lief nach zwei wochen wieder, es wehte kräftig. Leider null ausbeute an strom, nur lärm. Deshalb habe ich ihn auch heute morgen still gelegt. Der zweite lärmverursacher war das ruder von der windsteuerrung, das schlug ans heck.
Diese nacht ist wieder ohne schutz, dort wo ich eine einheitliche tiefe gefunden habe, das wasser sieht nach sandgrund aus. Die beiden lärmquellen sind ausgeschaltet, die wellen bleiben.
Die küstenwache ist auch schon über mich hinweg geflogen, woher, wohin, wie viele und wann. Anscheinend geht meine funke wieder. Jedenfalls besser als der windmesser, mal ja, mal nein. Die letzte neuigkeit sind die ersten delphine seit langer zeit. Die haben hier eine kleine rückenflosse, sind einfach grau und schnaufen nicht so, wie die im südpazifik.
Heute waren es sechsundfünfzig meilen mit motor und segel. Mr Perkins bei tausend umdrehungen, macht zwei liter, und die genua, das ergibt zusammen um sechs knoten. Nach zehn stunden bin ich auch gar. Der nächste ankerplatz ist in vierzig meilen entfernung.

Und dieser platz wird schon von weiteren drei seglern benutzt, ist aber groß genug. Seit sechzehn tagen weht der wind, so auch heute. Aber das erste mal seitdem, dass ich heute nacht die heckkabine wieder benutzen kann. Das wasser ist recht ruhig, aber es weht kräftig. Auch ist dies der eingang zur Torresstrasse in zehn meilen entfernung. Wobei ich entschieden habe, dass ich morgen den südlicheren weg nehmen werde, beides ist gleich lang, nur von hier kann ich gleich losfahren. Morgen früh um zehn ist das kleine hochwasser und dann habe ich sieben stunden zeit, um durch das gebiet zu kommen. Wenn nicht, rechts ran und warten.

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

20191103 ankerplatz nordos cap AUS

 

Am morgen des siebzehnten tages hieß es langsam machen. Erst kaffee, dann was aus teig und dann das segel hochziehen. Eine segellatte musste wieder eingeführt werden, drei neue reffbändsel, um das segel auf den baum zu binden, und die runterziehleine am topp musste justiert werden. Im groß habe ich das zweite reff gewählt, sollte reichen. Dann war es zeit, um zum hochwasser am eingang zur Endeavourstrait zu sein. Der motor lief vorsichtshalber mit, der wind war frisch und so ging es durch die inselchen hindurch.
Nur ich habe mich vertan. Das ablaufende wasser läuft nicht in den Indischen Ozean, sondern in den Pazifik, also gegen mich. Der wind machte das ganze wett, aber nur bis zum ersten teil. Ich glaube, der sollte mich hierher bringen, sechzehn tage aus der gleichen richtung und kräftig. Hier angekommen hörte er auf. Ein anderer wind kam mal von norden das westen und dann von vorn. Da war ich am anfang der Arafura Sea, nur der wind war zu schwach. Entweder nach süden oder nach norden segeln, ich muss aber genau nach westen. So läuft der motor abends um sechs noch immer, bis das auflaufende wasser mich fort schiebt, verplanter mist.

Der achtzehnte tag ist mit leichtwind von fast achtern, die genua ist nutzbar. Aber zurück zu gestern. Nach dem letzten absatz ging garnichts mehr, platte see. Der anker fiel auf achtzehn meter, mitten im meer. So wollte ich die nacht verbringen, jedoch um acht uhr fing der wind wieder an. Anker wieder hoch, im dunkeln eine kleine genua ausgerollt und ab in die richtige richtung. Nur nach mitternacht gab es die ersten radarwarnungen, morgens um fünf war es dann heftig. Vier schiffe gleichzeitig und das letzte konnte ich nicht sehen, es war zu nah dran. Im engsten radarumfeld war es, deutlich war die steuerbordlaterne zu sehen und als es kurz vorbei war, auch die maschine war hörbar. Unter einer meile entfernung, das ist nicht viel. Und alle wollten um sieben an der Torresstrasse sein, zum ablaufenden wasser.
Der letzte kaffee ist getrunken und der kühlschrank ist aus. Die letzte große flasche wasser ist angefangen, ein paar äpfel und kartoffeln sind noch da.
Jetzt fängt teil drei an, die strecke bis Darwin. Dahin sind es noch über sechshundert meilen, wobei die letzten hundertfünfzig es in sich haben werden. In den karten lese ich bis zu fünf knoten strömung, aber wird schon irgendwie gehen.

Sechster November und es geht langsam voran. Gestern nur knapp achtzig meilen und heute wird es nicht besser. Am nachmittag setzte bisher der wind aus und um acht nach dem sonnenuntergang kommt er leicht wieder. Das geht dann sutsche durch die nacht. Zweimal gab es einen alarm, ich konnte aber keine schiffe ausmachen. Wenigstens geht es nach westen und da sind es noch über vierhundert meilen für teil drei A, dann links abbiegen und in hundertvierzig weiteren meilen sollte ich in Darwin sein.
Meinen ersten sonnenbrand an den oberschenkeln hatte ich gleich nach Noumea. Danach war die joginghose pflicht und es ist nicht kalt draußen. Langes ist auch ein muss und eincremen. Nur hier im norden Australiens ist es noch ein wenig heftiger. Ein großes loch im sweatshirt und gleich verbrannt. Ich trage einen hut mit krempe und nackenschutz. Und dennoch habe ich mir die unterlippe im schatten sehr verbrannt. Die nase ist in der dauereinstrahlung. Ohne wind ist es unerträglich heiß.

Siebenter November, heute ist es ein wenig flotter, ab und zu mal fünf knoten. Das gestrige etmal brachte etwas über hundert meilen, gern genommen. Nur ich bin zu südlich gesegelt, somit habe ich heute morgen wieder die segel geshiftet. Damit sollte ich in fünfzig meilen entfernung am Cap Wessel vorbeikommen. Zur zeit sind es noch vierhundertsiebzig seemeilen bis Darwin. Nur ein großes schiff hat mich gestern abend in einer meile entfernung passiert und am nachmittag sichtete ich eine große weiße wasserschlange. Nichts neues, nur routine.

Heute ist der einundzwanzigste tag auf dem wasser und das etmal war gerade über hundert meilen. Wie man sieht geht es langsam voran, drei bis vier knoten, mal mehr. Die nacht war ruhig, bin wohl außerhalb der schiffsrouten. Nachts um vier sah ich dann das leuchtfeuer von Cape Wessel in acht meilen entfernung. Jetzt beginnen die letzten zweihundertsiebzig meilen bis zur abbiegung. Wenn da nicht heute ein kleines anstrengendes problemchen wäre. Bei setzen des groß hat sich die reffleine vom dritten in die umlenkrolle gefressen. Segel wieder runter, rolle ausbauen und die leine wieder heraus pulen. Ein akt, wenn der wind ständig ins segel pustet. Und dann macht es pling und die rolle vom zweiten reff hat sich vom segel gelöst. Alle teile fielen aufs deck, zum glück. Dabei sichere ich alle kleinen schäkel mit einem bändsel.

Gestern war der wind mau nur heute morgen für zwei stunden war er gut. Somit war das etmal von gestern nur um sechzig meilen, zu wenig. So sieht auch das ergebnis der letzten woche aus, nur fünfhundert meilen. Das liegt aber auch an den drei halben tagen, während ich durch das riff fuhr. Immerhin sind es nur noch hundertfünfzig bis zum abbiegen und dann noch einmal das gleiche bis in den hafen.

nc->aus woche 3

 

Gestern war es kaum windig, nur ein paar stunden und das tagesergebnis lag bei sechzig meilen. Das wird heute noch einmal unterboten werden, totale flaute. Jetzt am nachmittag versuche ich, nur mit der genua zu segeln, unter zwei knoten. Das segel steht nicht fest und daher muss das groß auch nicht hoch. In zwei meilen entfernung fährt gerade ein hochseeversorger vorbei. Der gast von gestern abend blieb den ganzen tag. Auch die braune ausführung drückt ab, wo sie nur kann. Zentral auf die heckluke, die ein wenig geöffnet war. Ich musste ja wasser darauf kippen und das bett darunter musste heute erstmal trocknen.

Heute ist der vierundzwanzigste tag und er beginnt, wie der letzte aufgehört hat, mit totaler flaute. Das etmal gestern lag bei dreißig meilen und das kann man sicherlich noch unterbieten. Somit ist die see spiegelglatt und die sonne scheint, es wird heiß werden. Und es sind noch hundertdreißig meilen bis zur abbiegung.
Am morgen war der besucher noch immer da und als ich ein foto machen wollte, flog er ab. Dafür habe ich wieder eine seeschlange gesehen, diesmal braunweiß.

20191111 seeschlange

 

Und wenn das alles noch nicht genug wäre, so habe ich seit drei tagen einen lädierten linken fuß. Es fing mit dem großen zehn an, der scheint aber nicht gebrochen zu sein. Eher ist es sein gelenk, alles ist dick und es strahlt auch aus. Also wandertouren sind erst mal nicht drin und das herumhumpeln im schiff geht, seit gestern mit schmerzmitteln. So etwas braucht keiner.

Dass sich das so hinzieht, hatte ich nicht bedacht. Den ganzen tag gestern gab es keinen wind nur am abend kam etwas auf. Wie in der Truman show, der mond wird angeknipst, die sonne geht wunderschön unter und der wind wird angeschaltet, abends um acht. Der brachte dann drei bis vier knoten, aber das auch nur für vier stunden. Das tagesergebnis liegt um dreißig meilen. Es ist noch ein weiter weg. Der besucher kam auch schon wieder oder es war ein artgenosse, denn er hat sich mal für mich putzfreundlich hingesetzt.

20191111 gast

 

Dreizehnter November und zwei mal in der nacht durch das radar geweckt worden. Einer von hinten und ein schiff von vorn. Der wind war schwach, das etmal um ein drittel höher als gestern, vierzig meilen. So komm ich nicht nach Darwin, auf jeden fall nicht so schnell.
Heute morgen dann wieder flaute und der motor ging an. Jetzt läuft er bei gemütlichen zwölfhundert und das bringt fünf einhalb knoten. Drei ankerplätze habe ich mir schon für heute nacht ausgeguckt.
Die natur war auch schon da. Gestern waren tausende von kleinen fischen um das schiff herum und sie haben uns auch begleitet. Heute dann ein springender schwertfisch von über einem meter länge, eine seeschlage noch länger und eine größere gruppe von delphinen. Am mittag dann noch eine große schildkröte. Das meer ist platt.
Die entscheidung ist schon gefallen, ich muss mich an Darwin heranarbeiten. Heute werde ich an einen ankerplatz übernachten und dann mit den gezeiten in die richtung fahren. Am ziel können es bis zu acht meter tidenhub sein, mit einer dementsprechenden strömung. Mein ziel ist, vor dem wochenende dort anzulanden.

Und vorgestern ist ein groschen bei mir gefallen, hat über drei monate gedauert. Schon bei der einfahrt in die lagune nach Noumea konnte mein autopilot nicht gegen die genua und die windfahne gegenan arbeiten. Er stieg aus und blinkte. Das tag er auch vorgestern wieder, wenn immer der druck zu hoch ist und das ruder an der definierten endposition ist. Nur das ist ein parameter. Mein defektes display, das inzwischen repariert ist, hat in Neuseeland wild und frei herumkonfiguriert. Und was mir erst jetzt klar wurde, auch im autopilotmenu. Von den über zwölf parametern waren fast alle verstellt, auch der ruderauschlagswinkel. Der autopilot konnte nur ein paar grad steuern, keine fünfundzwanzig. Das ist auch ein grund, warum ich auf das riff gelaufen bin. Starke strömung, wind von hinten und das segel schlägt um, dazu läuft der motor mit. Dagegen konnte der autopilot nichts machen, gab aber auch keine warnung ab, blinkte nur. Hätte ich mal früher darauf kommen sollen, sollte nicht sein.

Das mit dem wochenende wird wohl nichts. Die flaute hält an und so bin ich mal mit dem motor unterwegs gewesen. Es ist langweilig und heiß unter deck. Insgesamt waren es an dem tag siebenundfünfzig seemeilen. Der ausgesuchte ankerplatz lag hinter einer landzunge und auf der anderen seite hieß es danger point. Mein anker fiel auf sieben meter in matsch und die nacht war super. Wenn der mond nicht gewesen wäre, dann wäre es dort schwarz. Keine menschliche behausung oder auto oder laterne. Der küsten bereich sieht auch so aus, von weitem recht trocken.

20191114 ankerbucht 20191114 ankerbucht 20191114 ankerbucht

 

Heute am Donnerstag geht es wieder vierzig meilen in richtung Darwin und dann ist teil drei der reise beendet. Dann fehlt nur noch der zieleinlauf von rund hundert meilen. Das wird auch stückweise erfolgen, je nach strömung.
Mein fuß ist besser oder ich fühle es nicht so recht. Ich nutze ein mix aus aspirin und weiterem schmerzmittel. Nicht soviel davon, aber wenn es wirkt, komme ich in ein flipflop hinein und kann dann besser humpeln. Das nervt mich auch schon.

20191114 dickfuss

 

Die gezeiten hier richten sich nicht nach meinem programm. Ich bin natürlich zu früh losgefahren, aber das auflaufende wasser setzte erst zweieinhalb stunden später als meine grafik ein. Geschwindigkeit um sechs knoten durchs wasser, zwei über grund. Der leuchtturm vom Cape Don wollte nicht verschwinden. Dann lief es besser, bis zu acht und mehr knoten über grund. Nur die flut hörte auch wieder früher auf und der ankerplatz war noch über eine stunde entfernt. Und da kam der erste brauchbare wind des tages, um zwanzig knoten. Den ankerplatz erreichte ich dann schon im dunkeln, nach karte. Zweiundvierzig meilen war das ergebnis für den tag und Mr Perkins wurde richtig warm.

Das ergebnis der vierten woche ist eher sehr bescheiden. Zum anfang gab es noch wind, der dann aber auch abnahm. Flaute und treiben waren angesagt. Den motor setzte ich erst ein, als ich die küste erreichen und dort ankern konnte. Drei motortage wurden daraus. Der schöne flotte am anfang endete mit einer motorbootfahrt. Der van Diemen Golf bringt auch keinen wind, nur eine große tide mit viel strömung und vielen riffen, sowie untiefen.

nc->aus woche 4

 

Die letzten beiden tage verbrachte ich mit dem überqueren des golfes gestern. Lief gut und alles mit der strömung. Als sich das schiff am vormittag am ankerplatz gedreht hatte, ging es los. Das programm zeigt etwas anderes an. Achtunddreizig meilen weiter drehte das wasser wieder, und der anker fiel erneut.
Heute dann das gleiche, nur zweiundzwanzig meilen bis zur marinaeinfahrt. Dort liege ich jetzt draußen und warte bis morgen früh. Am wochende möchten sie noch einen extraaufschlag für das einklarieren berechnen, nicht von mir.
Insgesamt bin ich fast zweitausendvierhundert meilen weit gesegelt oder motort. Das hat zweihundertdreißig liter diesel gekostet, besonders die letzte woche. Dafür war das wasser glatt und kein störender wind. Ich glaube, da ich jetzt hier bin, ändert sich auch das wetter.

Mal sehen, wie das personal hier und morgen arbeiten wird.

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Wiedergenesungsversuch Part two

Dieser bericht konnte erst nach der entscheidung der versicherung veröffentlicht werden. Die mitarbeiter der versicherung und wohl auch der gutachter lesen mit und ich bin nicht sehr höflich, aber ehrlich, gebe hier doch nur meine persönliche meinung und subjektive sichtweise ab. Sie grollen ein wenig und fühlen sich zu unrecht schlecht dargestellt. Wenn man versucht, den mächtigeren auf der anderen seite des hebels mit seinen taten zu konfrontieren, passiert es schon mal. Ich halte nur den spiegel, reinschauen und ein selbstbild machen müssen sie selber.

Damit es voran geht, versuche ich alle vorarbeiten zu erledigen, dadurch werden die rechnungen kleiner. Gleichzeitig erhöhe ich mein zeitkonto als gegenverrechnung zum selbstbehalt. Am Mo wollte ich kurz die zylinderkopfschrauben lösen, ein kraftaufwand ohne erfolg. Diese sind mit über zweihundert Mn angezogen, jedenfalls sagt das mein drehmomentschlüssel, mehr geht da nicht. Also erstmal die arbeiten eingestellt und die bremsflüssigkeit aus dem zylinder gesaugt. Das zeug war nicht mehr durchsichtig, eher rot bis braun.

Gestern bin ich an die nächste herausforderung heran, das ruder vom schiff trennen. Mit meinem kleinen wagenheber, viel holz und abstützungen, war es nach einer stunde geschafft. Das ruderblatt liegt auf einem bock und es ist sauschwer. Was mich gefreut hat, unten im halbkugellager auf dem zapfen war noch viel fett. Das muss also schon fünfzehn jahre dort gelebt haben, abfetten kann man das lager nicht.
Jetzt muss nur noch der schweißer willig sein und den bereich heraustrennen. Dann unter eine presse legen, herausdrücken, vielleicht einen verstärkungsstreifen darunter schweißen und das ganze wieder zurück an seinen ort. Danach muss vielleicht auch der rest der ruderhacke um einen zentimeter verjüngt werden, mal sehen. Sein stundenlohn beträgt fünfzig euro, recht viel hier im verglich zu anderen.

20190910 ruder

 

Heute am Mi nach vier wochen meldet sich meine versicherung zurück. Sie warten noch auf einen schadensbericht von mir, das ist mir aber neu. Wozu ist denn der sachverständige hiergewesen? Und die marina hat sich auch per mail gemeldet, der erste riese soll für den stellplatz gezahlt werden. Da muss ich mal schneller arbeiten und alles an leuten rankriegen.
Zum anfang habe ich mir beim morgenkaffee die zylinderkopfschrauben ausgeguckt. Zwei va-rohre im schiff gesucht und eine rohr in rohrverlängerung von einem meter zusammengesteckt. Einundzwanzig bolzen gingen gut nur der letzte machte ärger. Ein paar mal abgerutscht und der kopf der schraube war abgelutscht. Mit einer feile habe ich dann das ganze wieder auf eckig gebracht, dann eine englische nuss genommen, den zweikilohammer und druck ausgeübt. Schweißgebadet nach fünf minuten war das teil dann auch lose, glück gehabt und keine klemmungen an hand oder finger.

20190911 verlängerung

 

Das war gestern, und mit dem schwung der verlängerung habe ich gleich ein paar neue projekte angestoßen. Ich kann nicht auf die versicherung warten. Also habe ich mit knirschenden zähnen den sachverständigen zum telefonat gebeten. Der motormensch muss ran, der schweißer soll das ruder richten und jemand muss sich um den propeller kümmern.
Die schweißer haben heute ein unverschämtes angebot abgegeben, so um fünfzehnhundert euro. Danach war noch jemand da, der morgen die schraube abbaut und reparieren will oder sie nach Neuseeland versenden wird. Kostet fast soviel wie eine neue.
Ich habe den zylinderkopf vom block gezogen, scheiße ist das teil schwer. Danach den krümmer und den ansaugtrakt abgebaut. Den kopf habe ich von dem gröbsten dreck befreit und die ventile gesäubert, alles im schiff. Eine gewaltige sauerrei, denn nur der zylinderkopf wiegt mehr als mein außenborder, kaum tragbar über dreißig kilo. Jetzt muss nur alles richtig anlaufen und bald bin ich mit dem schiff wieder im wasser.

Die handwerker sind schon merkwürdig, der schweißer will eine anzahlung haben von dem angebot, das sehr sehr hoch ist. Der sachverständige hat eine kreditkartenmaschine, somit ist schon mal die hälfte davon, plus zweieinhalb prozent kreditkartengebühr weg. Das ruder und den anker richten zum festpreis.
Und dann ging es recht flott am Fr. Die ruderhacke wurde aufgetrennt und das war ein flexscheibengrab. Was ich nicht wusste, die seiten und wahrscheinlich auch der boden der hacke sind gedoppelt, also einen zentimeter dick. Was für eine energie muss darauf eingewirkt haben. Somit haben sie nicht mit hitze und druck die hacke gebogen. Dafür flexten sie zwei schlitze hinein, kurz eine druckaufnahmeplatte zusammengebraten, die unter den rumpf kam. Eine verlängerung daran geschweißt und auf die hacke einen alten mechanischen wagenheber, der mit der verlängerung verschweißt wurde. Ein wenig kurbeln und schon wurden die spalte breiter. Dann wurde ein fettes u-eisen unten in die hacke verschweisst, die schlitze zu und der erste teil ist fertig. Jetzt müssen sie nur noch die ruderaufnahme nachbauen.

20190913 ruderhacke schnitt

 

20190913 ruderhacke verstaerkt

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190913 ruderhacke wagenheber

 

20190916 ruderhacke verschweisst

 

20190916 ruderzapfen

 

Auch das fünfte wochenende habe ich überlebt, hier und da kleinere arbeiten erledigt. Wovor ich angst hatte, dass meine reparatur nicht geglückt ist: beim außenborder. Aber er sprang ziemlich schnell an und dann leckte die bezinpumpe. Hatte sie vorher nicht getan. Zuerst mit Curil und dann gab es eine zusätzliche dichtung. Das standgas lässt sich noch immer nicht richtig einstellen, aber er läuft besser als beim letzten mal. Ein kleiner erfolg und das alles mit den alten dichtungen. Sechshundert euronen wollte der junge motormechaniker dafür.
Und heute am Mo kam auch endlich der alte motormechaniker, es ist nicht so viel für ihn zu tun. Ventilsitze fräsen, er möchte auch die ventile einschleifen mit einer maschine und die zylinder müssen gehont werden. Wenn er noch die richtigen ersatzteile besorgt, lebt Mr Perkins bald wieder.

20190911 zylinderkopf

 

Während ich in der stadt einkaufen war, wurden die weiteren teile des ruders eingeschweißt. Und auch wieder herausgetrennt, denn das gefiel mir nicht, zu schwergängig. Nach dem zweiten versuch drehte es sich schon deutlich leichter und mit fett ist es ok. Ich weiss halt auch nicht, wie es vor dem aufsetzer war. Das skeg hat dann auch noch eine neue halterung bekommen. Das basisblech scheint ebenfalls mehr als fünf millimeter dick zu sein. Da musste eine alte dichtung zwischen dem ruder und der oberen halterung weichen.
Mein anker ist wieder einigermaßen gerade und hat links und rechts verstärkungen bekommen. Leider im rechten winkel und nicht parallel. Mal sehen wie es sich auf das ankerverhalten auswirkt. Somit ist diese baustelle so gut wie abgeschlossen. Ein wenig farbe und schon wieder bin ich einen schritt weiter zum wasser.

Das mit dem anker musste ich ein wenig korrigieren. Über eine stunde schleifen ringsum, damit man ihn gefahrlos anfassen kann. Alle ecken und schweißpunkte entfernt und handgerecht rund geschliffen. Ist er gerade, nun eine idee davon. Ich weiß nicht, wie sie ihn zurückgebogen haben, jedoch Mike von den Falklands hätte es schneller und besser gekonnt. Man muss nehmen, was angeboten wird, überteuerte mittelmäßigkeit.
Dann habe ich noch vier bolzen für opferanoden an den rumpf gebraten. Die einen auf die ruderhake, denn dort ist viel edelstahl und die anderen beiden bei den wassereinlässen. Die anoden habe ich von einem schiff der letzten woche, fasst alle noch zu dreiviertel gut, also noch besser als der eigenbestand. Die letzten zwei meter des schiffes habe ich schleifend bearbeitet und mit farbe versehen. Soll erstmal schützen, da ich nicht weiß, wie lange.
Und das erste opfer ist auch zu beklagen, meine grüne bosch bohrmaschine. Sie hat die löcher in die anodenhalterung thermisch nicht überlebt. Eine windung oder zwei sind kollabiert und nun läuft sie nur für kurze zeit in langsamem tempo, dann wird sie heiß. Am ende kokelt das plastik, mechanisch ist sie gut, nur das reicht nicht. Somit werde ich wieder eine billige neue kaufen, die hält dann auch nur so lange wie die grüne.

Der Mi war kein guter tag, zuerst in die stadt geradelt und den schweißer bezahlt. Dann zurück und mit dem bus in das gewerbegebiet gefahren. Natürlich waren die angebots-bohrmaschinen und winkelschleifer nicht mehr verfügbar. Die billigste bohrmaschine mit einem alten spannfutter mit schlüssel sollte über dreißig euro kosten. Die billigste kombination beider geräte hundertsechzig. Also einmal die große runde gelaufen, fünf geschäfte besucht und am ende war ich wieder am anfang und habe für untere baumarktqualität geblecht. Werkzeug wird auf dem weg hierher vergoldet.
Und dann war noch die nachricht von der versicherung, es sei ein totalschaden, da die reparatursumme höher sei als der wert des schiffes vor dem unfall.
Nur mal ehrlich, ein fahrtentaugliches schiff mit meiner ausrüstung soll nur dreißigtausend euro wert sein? Da stimmt doch etwas nicht. Somit bietet mir die versicherung nach abzug des eigenanteils und des restwertes fünfundzwanzig an. Da kann der hals schon mal dick werden. Zumal ich für das geld hier keine reparatur durchführen kann.

Ein tag später noch keine antwortmail aus Österreich erhalten, also eine weitere dorthin versendet. Ich will das schiff reparieren und keine abfindung erhalten.
Mit der neuen flex habe ich dann das schiff bearbeitet und mit grundierung versehen. Die rechte seite sieht gar nicht so schlimm aus, links bin ich noch nicht fertig. Bei dem starken wind heute wurde der rost sehr weit getragen, bis einige auf dem gelände sich freundlich beschwert hatten. Die flex ist übrigens schon kaputt, das lager wackelt.
Und zum schluss gab mir der motormechaniker das tool zum herunterdrücken des kolbens in die hand. Nur die kolben wollen sich nicht bewegen. Morgen ist ein weiterer tag.

Am wochenende war hier weniger betrieb auf dem gelände, der wind hält an. Aber morgens ist er noch nicht so stark, also kräftig schleifen war angesagt. Die rechte lust kommt dabei nicht auf, spiele ich doch mit dem gedanken das schiff sandzustrahlen. Dann kommt der ganze rost runter und es gibt neue farbe. Ich denke, das silber gut ist, somit wird Themroc mehrfach grundiert.

20190929 rumpffarbe

 

20190929_rumpffarbe2

 

Den kolben habe ich dann doch noch heruntergedrückt bekommen, schweißtreibend. Der mechaniker war auf dem gelände und ich darf sein werkzeug benutzen. Links und rechts ein wenig etwas ausgekerbt und schon greift meine große zwei kilogramm rohrzange wieder. Der nächste schritt ist das hohnen und dann dreht sich der motor hoffentlich wieder leicht.

20190920 kolbendruecken

 

Bevor meine rote farbe ganz eintrocknet, hat das schiff an den verwundeten stellen zwei mal rot erhalten. Vom weiten sieht es ok aus und sollte bis zur werft reichen. Danach war noch die rudermontage dran, dreht sich auch wieder gut, mit viel fett.
Und Österreich will noch immer meine kontonummer haben und wird sie bekommen. Da die mail von mir nicht gesendet wurde, kann auch keine antwort kommen, eigentor. Am Sa habe ich dann noch zwei in die richtung versendet und morgen sollte eine reaktion darauf zurück kommen. Freundliche mails kann ich schreiben, diesmal nicht. Nach mehrfachen lesens des gutachtens muss ich sagen, der sachverständige in Luxemburg lässt kein gutes haar an mir. Entweder ist er ein arsch oder ein versicherungskriecher. Den doppelten konjunktiv über mein verhalten mag ich gar nicht lesen. Wenn man es in meine richtung interpretiert, bin ich ein lügner, verschlepper oder verhinderer und raffgierig.

Der tathergang meiner beschreibung könne nicht so recht stimmen, ich hätte die bergung verschleppt, da ich keine fünfunddreißig tausend euro herum liegen habe und die versicherung gütigerweise einspringen musste. Dazu wirft er mir verschleppung der bergung und verspätete benachrichtung seinerseits vor. Nur hat er die falschen daten. Hätte er sich sofort eingesetzt und nicht erst als das schiff geborgen wurde, würde weniger zeit verplempert worden sein. Das gutachten, das eine kurze beschreibung der strandung ist, eine auflistung der schäden und die eingeholten kostenvoranschläge, weicht von meiner idee eines gutachtens ab. Am ende wurde dann auch noch mein blog über zehn seiten lang kopiert und ins gutachten gesetzt, um das teil aufzublähen. So wurden auch schon mehrere doktorarbeiten geschrieben, nicht professionell in meinen augen. Keine gutachterliche arbeit, keine einschätzung und bewertung des schadens. Oder liegt es daran, dass der typ hier kein zertifizierter sachverständiger ist?

Wieder ist ein langes wochenende ist vorbei und heute ist auch schon Mi. Dadurch konnte ich erst heute antifouling kaufen, zwei liter sollten reichen, und das ganze wie immer zum vergoldeten preis. In dieser branche wird so viel kohle abgezogen, wie nur geht. Nur es ist farbe, eine basiskomponente, ein wenig farbstoff, kupfer, deshalb ist es schwerer und ein harmloses gift. Es soll ja auch nur kurz töten, damit das nächste geschäft abgezogen werden kann. Die komponenten sind alle aus der basischemie, also günstig. Was es teurer macht ist die abfüllung in döschen.

Mein motor hat sich nochmals um fast eine halbe drehung verändert. Heute morgen habe ich die zylinder eins und vier gehohnt, fühlt sich besser an als zuvor. Nur das teil will sich nicht gut drehen lassen, höchstens im mittleren zylinderbereich. Entweder das behebt sich bald oder das eisen muss raus, dann neue zylinder, kolben und ringe, oder anders ausgedrückt, drei wochen mehr wartezeit.
Damit diese zeit nicht so lang wird, ist der saure drops gelutscht. Ich habe einen neuen propeller geordert, kostet soviel wie die reparatur des alten. Das ganze dauert drei wochen aus Neuseeland, also eigentlich nur kurz um die ecke. Kurz dann auch die kreditkarte qualmen lassen und in drei wochen noch einmal.
Die versicherung hat noch nicht reagiert und hat auch noch nicht den ersten monat an land bezahlt, die zeit für die begutachtung.

Endlich mal guter und besserer tag, obwohl Fr ist. Das schiff ist wieder rot und unten schwarz. Alte stellen sind ausgebessert und die neuen haben einen anstrich erhalten. Muss bis Malaysien reichen, schrieb ich schon. Dafür habe ich gestern zwei liter antifouling gekauft und einen halben liter noch zurückbehalten. Und am nachmittag habe ich dann einen fund gemacht. Die leute hier kaufen fünf liter antifouling für zweihundertundfünfzig euronen und schmeissen dann am ende die dosen weg, in den farbbehältercontainer. Nur oft ist da noch ein liter oder mehr drin und so habe ich am ende des tages drei liter des gleichen herstellers zusammengetragen. Das freut und ein anderes schiff hat seine alten anoden, die noch sehr gut sind, liegen gelassen.
Leider war ich nicht so schnell bei den batterien. Vier gleiche wurden hier abgestellt, alle über elf volt, nur ich konnte mich nicht entscheiden. Dann kam ein anderer und schwupp waren sie weg. Und heute morgen fing alles gut an. In der nacht habe ich über die verkabelung meines anlassers nachgedacht und das fehlende kabel gefunden. Somit konnte ich den start- und drehtest machen. Mein motor dreht durch und ohne klemmungen. Immer ein bißchen öl in die zylinder und es kann georgelt werden. Mann bin ich froh, wenn dass nicht so wäre, hieße es, motor raus und kolben, sowie zylinder ziehen.
Mit dem elan habe ich den ruderwinkelsensor wieder in einer spitzenzeit von zehn minuten installiert, inklusive justierung. Da alles so gut gelaufen ist, dachte ich noch an den umtausch der neuen defekten flex. Immerhin hatte sie zwei stunden gehalten. Rechnung herausgesucht und auf ins industriegebiet. Dort angekommen merkte ich, das die rechnung noch auf dem navitisch liegt. Sie haben das teil trotzdem getauscht, eine duplikatrechnung erstellt und alles bestens. So müssen die tage laufen, anstatt sich mit der versicherung oder dem gutachter herumzuschlagen.

Jetzt fängt es an sich zu ziehen. Alles große ist erledigt oder ich warte auf ersatzteile. Kleinere arbeiten verkürzen den tag, alles was schon mal erledigt sein sollte. Die aufzählungen erspare ich mir. Die werkzeuge vom motormechaniker gingen wieder an ihn zurück und diese woche wird er den zylinderkopf bearbeiten. Der segelmacher hat noch immer nicht angefangen und somit wird es nur eine kleine reparatur werden. Den ring im unteren vorliek austauschen. Alles andere kann dort passieren, wo es weniger kostet.
Die zeit an land wird wohl noch zwei wochen dauern, teure wartezeit. Kurz ins wasser und wieder herauskranen ist auch nicht günstiger.

Die wartezeit wird einfach nicht kürzer. Was mache ich so währenddessen? Kleinstreparaturen, was schon immer mal wieder auf vordermann gebracht werden musste. So habe ich heute zwei neunzehner nüsse geschweißt, die bei der zylinderkopfentfernung arg gelitten haben. Ob es hält, werde ich sehen, und vorsichtshalber habe ich gestern eine neue dazugekauft.
Das schlauchboot hat den xten flicken bekommen und nun hoffe ich auf dichtheit. Das wird sich morgen zeigen. Ein neues bodenbrett habe ich auch zurechtgesägt. Morgen ist dann vielleicht auch das großsegel dran, wenn kein wind weht. Zumindest ist es heute fertig geworden. Eine große baustelle weniger.
Es ist anfang Oktober und die versicherung wartet mal wieder auf den gutachter. Der soll zu den werten und meinen berichtigungen stellung nehmen.

Kann alles schneller gehen, eventuell ja. Nur ich habe das geld nicht und alles was ich brauche, gibt es nicht in diesen land. Der transport braucht zeit oder wieder viel geld. Sollte es etwas geben, so kostet es das dreifache wie in europa. Dort bestellt man und übermogen ist es in der post, träume. Hier dauert es einmal um die halbe welt, wenn es schnell ist, zwei wochen. Es mag für viele in der kalten heimat unverständlich sein, dass ich noch immer an land stehe. Nur von weit her ist die perspektive ein wenig stark verzerrt.

Am Do war dann doch noch ein wunder, der propeller ist schon da. Aber nur weil ich mal nachgefragt hatte. Leider schaut das schiffchen in der welle ein wenig heraus, handwerkliche leistungen in Neukaledonien. Dann gab es dreimal grundierung und antifouling.

20191004 neuer propeller

 

Und dummerweise habe ich mir eine erkältung eingefangen, das brockige zeug läuft kräftig. Ich hoffe, dass morgen am So der wind nachlässt, damit das großsegel angeschlagen werden kann. Der zylinderkopf muss bald wieder kommen und mein navidisplay ist schon auf dem weg. Das ende ist näher.

Inzwischen ist schon wieder mitte der woche, das großsegel ist angeschlagen, noch vorm kaffee, weil da noch kein wind weht. Die ersten rechnungen in dieser hardcore marina sind bezahlt, die nächsten werden schon angemahnt. Zahltag ist morgen oder am Do vor zwölf, denn diese menschen hier sind zu oft mit nichtstun verplant, dass kein früherer termin zur wässerung frei ist. Ich sitze hier auf über vier meter höhe und sehe die aktivitäten und die leerläufe, erzählt mir mehr.

Der tag heute ist anders, da die versicherung schon wieder nachgebessert hat. Diesmal ist es eine gutachterliche unschärfe. Diese brachte zehn prozent mehr entschädigung. Heute haben sie akzeptiert, dass der erste monat der begutachtung, oder aus meiner sicht, der monat der angebotsannahme bezahlt wird. Und die versicherung sei mir schon so oft entgegengekommen, dass jetzt aber wirklich schluss wäre. Sie offerieren mir doch den klageweg. Habe ich die kraft dazu, nach drei monaten wartezeit, selbstorganisation der bergung und des wartens auf antwort und entscheidung. Die luft ist da ein wenig raus bei mir, wenn ich ehrlich bin.
Was ich leider für die akteure in dieser schmierenkomödie nicht tun kann, ist meinen blog im nachhinein zu verfälschen. Sie würden gern ihre saubere, hilfreiche, samriterhafte art der finanziellen unterstützung lesen. Seien sie doch mehrfach auf mich zugegangen und haben die entschädigungssumme erhöht. Und was sie nach ihrer meinung nicht machen mussten, sie haben die bergungskosten vorher gezahlt. Was für eine selbstopferung einer versicherung. Nebenbei, wofür habe ich eine? Wenn ich fünfunddreißigtausend euro flüssig auf dem konto hätte, wäre das in dieser situation schon sehr brauchbar. Nur wer hat das schon. Die realität ist hier am schadensort und nicht in dem beheitzten büro in der hauptstadt der alpenrepublik.

Damit außenstehende eine idee haben, worum es geht: Das schiff ist für siebzig versichert, für mich unter dem materialwert. Anlässlich des mastverlusts in der Biscaya wurde die summe realiter von einem deutschen sachverständigen eingestuft. Danach gab es ein komplett neues rigg für über dreißig, den rest habe ich aus der eigenen kasse bezahlt. Jetzt wird mir belastend vorgeworfen, dass ich das schiff auch in den letzten jahren übermäßig genutzt hätte. Ergo schmolz der wert des schiffes unabhängig von den instanthaltungsarbeiten von über zehn, auf dreißig. Das möge mir einer erklären, und nicht mit einer unschärfe im gutachten kommen.
Um es zu verkürzen, das schiff in dem über hundertdreißig an material stecken, ist hier nur noch dreißig wert. Die versicherung entschädigt mich für knapp darunter, plus eigenanteil und restwert. Aus die maus. Nun könnte ich mit der kohle fett einen drauf machen, nur bevor ich hier wegkomme, sind schon über fünf davon verbraucht. Ruderhacke, propeller, segel, motor und liegeplatz. Die nächsten schritte sind daher auf diät, damit das schiff wieder richtig einsatzfähig ist.

Heute noch mal über tausend euro für den liegeplatz bezahlt und das boot für die wässerung morgen mittag vorbereitet. Und am nachmittag kam der mechaniker vorbei und gab mir schon mal den dichtungssatz und einmal einen satz neuer zylinderkopfschrauben. Morgen will der den kopf vorbeibringen, ist auch einfacher, wenn das schiff im wasser ist.

Heute ist schon der zweite tag im wasser, es schaukelt ein wenig und das ist doch angenehm. Auch war der mechaniker sehr nett, alle teile sind im schiff und die rechnung habe ich mit freude bezahlt. Es geht hier also doch anders als nur raffen. Für seine arbeit hat er nur zwei stunden berechnet, ist doch super. Es hätten auch fünf sein können und ich würde nicht murren.
Eine andere schon erwartete nachricht kam heute morgen herein. Eine bildschirmhardcopy von einem großrechnersystem der versicherung. Die überweisung soll raus sein und auch gleichzeitig meine kündigung. Fehlt nur noch der zuviel gezahlte beitrag für dieses jahr.
Unterm strich habe ich glück gehabt. Ich brauchte eine versicherung für den fall einer haverie und die habe ich gehabt. Dass ich nicht den vollen schaden ersetzt bekommen habe, ist bedauerlich. Besonders wenn man bedenkt, dass das schiff für siebzig versichert war. Aber es kann auch sein, dass die versicherung anders kalkuliert. Die bergung plus schaden plus gutachter macht siebzig. Wie auch immer, sie haben zwei riesen in den vier jahren von mir eingenommen, nicht viel. Denn andere zahlen das für ein halbes jahr, zuviel denke ich.

Morgen am wochenende kommt der zylinderkopf wieder an seinen platz. Heute hat er schon seine ventile bekommen, neue ventilführungsgummis und den abgaskrümmer mit ansaugtrackt. Die letzten beiden teile wurden für diesen motor gebaut und sind extremst schlecht zu montieren. Das geht nur, wenn der kopf runter ist.

Meine frage nach zuviel gezahlter prämie wurde nicht sehr freundlich aufgenommen, kann ich verstehen. Nur wenn die versicherung mein schiff als alten appelkahn bewerten, kommen mir da auch anderen gedanken. Auf jeden fall ist die jahresprämie von diesen jahr auf dem rückweg über mein konto. Und es ist eben egal, ob die versicherung schon fast siebzig ausgegeben hat. Wenn sie sofort nach der kenntnis einen vor ort beauftragt hätten, wäre der ganze schlamassel verhindert worden. Wenn man erst reagiert, wenn das kind in den brunnen gefallen ist, kann man diesen auch gleich zuschütten, das spart die begräbniskosten. Ende vom geldgejammer.

Die wiederbelebung von Mr Perkins läuft und erweist sich schwieriger als gedacht. Etwas zu zerlegen macht spaß, der rückbau ist dann schwerer. Gestern habe ich ihn grob zusammengesetzt und heute das gefühlte fünfzig kilo teil zurück auf den motorblock gebracht. Die kratzer auf dem schiffsboden werden bald repariert, das teil ist nicht tragbar für mich. Dann habe ich den kopf mit zwei brettern auf den block rutschen lassen. Vorher alles entfettet und dann einen zentimeter angehoben. Links mit einem brett, rechts über einen balken mit seil. Während ich die kopfdichtung da hineingefriemelt habe, dachte ich nur an gequetschte finger. Lief aber besser als gedacht.

Dann kam die änderung im plan. Was sollen angaben, schraube bis x Nm anziehen und danach noch zweihundert grad weiterdrehen. Wie soll ich das kontrollieren, in einem monat nachziehen. Also habe ich eine schraube so behandelt und festegestellt, dass es so um hundertzehn Nm sind. Das ganze bei zwanzig schrauben mehrfach nachgezogen und ich war nass. Das ist schon recht viel kraftaufwand.
Danach lief es mal wieder schlecht bis sehr schlecht. Die kipphebelwelle, die die ventile bewegt, habe ich sehr oft ein und ausgebaut. Zwei stößelstangen sind dabei verbogen. Diese waren nicht ganz genau in ihrer tasse, motor drehen lassen und autsch. Gummihammer, holz und gerichtet. Ich weiß, das ist nicht gut, nur darum kann ich mich hier nicht kümmern. Die ventile sind eingestellt, wenn der motor läuft, werde ich mehr hören.
Es sollte schneller gehen und ich habe etwas gelernt. Wenn es zu schnell, geht passieren fehler, teure fehler, siehe bergung. Vielleicht läuft der motor morgen, wenn nicht übermorgen.

Heute ist Mo, der dritte motortag und ich höre wieder auf. Alle dieselleitungen am motor sind wieder in position, die rücklaufleitungen haben neue dichtungsringe bekommen. Alles passt und bei der dieselpumpe gab es ein problem. Eng ungünstig und meine hände sind plötzlich blutig. Zwei kleine schnitte und der rote saft läuft über die schwarzen hände. Nach dem abheilen ging es noch an die lichtmaschine und die motorsensoren. Soweit alles fast fertig, fehlt nur noch die dieselfilteranlage, luftzufuhr und luftfilter. Abgesehen von den anderen kleinigkeiten. Mit einer knarre im genick hätte ich es vielleicht in dreißig stunden geschafft und so werden es vier tage. Das macht alles nichts, mein erwartetes paket ist zwischen Frankreich und hier, seit sechs tagen.

Tag vier des versuchs, den motor wieder zum laufen zu bekommen. Ich hatte fast alles montiert, der ansaugtrakt und der luftfilter fehlten noch. Kühlwasser wieder zurück in den motor gegossen und ergänzt. Ein paar schellen noch stärker angezogen und es hörte auf zu tropfen. Die dieselversorgung war dicht und ich pumpte mit hand den saft durch die dieselpumpe bis es im tagestank plätscherte. Dann ein wenig orgeln und der motor kam, aus den handfesten einspritzleitungen kam diesel heraus. Alle muttern festgezogen, dann alle einzeln noch mal geöffnet und Mr Perkins is back to life.
Der blowby kann sich etwas erhöht haben, ist halt so. Nur bekomme ich keinen öldruck angezeigt, aber das schwarze zeug zirkuliert. So weit alles ok, und ich wollte noch einmal die ventile prüfen und habe den deckel wieder entfernt. Das drehen mit der lichtmaschine funktioniert nicht und somit kann ich das einstellen vergessen. Jedoch war die aktion gut. Im ventildeckel war grauer schmodder, der ölmessstab sah nicht besser aus. Die erste idee war eine undichte kopfdichtung, das kann ich gar nicht gebrauchen.
Nach einer längeren denkpause habe ich das motoröl abgelassen, zwei liter diesel hinein und kurz laufen lassen. Wieder abgelassen und altes öl wieder in den motor hinein. Nach längerem laufen war das öl noch immer schwarz und nicht milchiggrau, glück gehabt. Also ist auf dem riff auch wasser über die kolben in die ölwanne gelangt. Bei der luftfiltermontage habe ich dann noch die rücklaufleitung am filter schwer beschädigt, morgen ist auch noch ein tag und mir wird schon etwas einfallen.

Mit ein paar resten, einer kleinen gummidichtung, die ich mit der bohrmaschine dünner gedreht habe, ist der leitungsanschluss repariert. Alles dicht und dann kam ein längerer motorlauf über eine stunde. Ich merke schon, dass viele teile über dreißig jahre alt sind. Die niedruckleitung der förderpumpe zum dieselfilter pisste einen sauberen strahl ab. Da kann so mancher neidisch drauf werden. Fünf zentimeter herausgesägt, schlauch mit schelle dazwischen und ruhe ist. Grob ist der motor fertig, keine öldruckanzeige und den einen pin des abgastemperatursensors habe ich abgebrochen. Mr Perkins klingt nicht wie eine nähmaschine, aber hat er das jemals.

Und dann kommt alles auf einmal, diesmal pünktlich. Das paket aus Frankreich lag in der marina, somit sind die naviinstrumente wieder vollständig. Laufzeit zehn tage, das ist sehr gut. Jetzt muss auch mal ein lob an tecnautic raus. Das display repariert, der signalpieper auch; und da er zu leise war, lag im paket noch ein neuer dabei. Habe ich oft über service genölt, ja. Alles sehr teuer für mich und daher sage ich mal danke dafür.
Da ich schon wieder über zwei monate hier bin, ist es zeit, die biege zu machen. Heute morgen mal schnell die tour immigration, customs und hafenkapitän, ich bin raus. Vorher noch ein wenig eingekauft, eine wokpfanne war fällig und die hatte ich schon seit drei monaten im auge. Am ende noch einmal über hundert euro für eine woche an der betonmauer geblecht und morgen geht es zur city marina. Ein wenig kommunikation, frische sachen kaufen und tanken. Bis nach Darwin sind es zweitausenddreihundert meilen, wenn es gut geht dreißig tage.

Da ich bis zum nächsten morgen die betonmauer bezahlt hatte, blieb ich auch dort. Im schiff aufgeräumt, werkzeug verstaut und der abend konnte beginnen. Die flasche rotwein war geköpft, ich saß in der plicht und hatte die idee, den motor noch einmal laufen zu lassen. Sprang wunderbar an und lief mit einem satten sound. Nur der wurde immer fetter und das plätschern hörte auf. Keine auspuffkühlung mehr und es wurde dunkel. So ein mist.
Ab dem sonnenaufgang habe ich mehrfach den impeller gewechselt, der eine alte sah noch sehr gut aus. Aber keine verbesserung. Das ganze salzwassersystem habe ich zerlegt, diesmal auch den getriebeölkühler. Der war fast zu von gummiteilen, muss aber schon sehr lange so sein. Wieder alles zusammengesetzt und die pumpe will noch immer nicht saugen. Der deckel vom seewasserfilter hat risse, also einen neuen zurechtgesägt. Den ansaugkanal durchgepustet und es blubberte unterm schiff.
Zwischendurch habe ich auch gecheckt, ob der impeller dreht. Da war der wurm in der sache. Am ende habe ich einen neuen impeller aus dem lagerbestand genommen und siehe da, kühlung. Der sah nur ein wenig besser aus als der alte aber war vollständig.
Danach abgelegt, zur tankstelle gefahren und eine stunde runden gedreht, bis ich endlich dran war. Die tanks sind voll und auch die kanister. Morgen noch frischware kaufen und ablegen.

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