Zermürbungstaktik an der Cashcow

Das schiff schwimmt noch immer und vorgestern war mal der erste sturm in der nacht. Der wind war um sechzig knoten mit heftigem regen. Ich liege als päckchen an zwei schiffen und das unterhalb der mole. Alles kein ding, aber die leute waren sehr aufgeregt am gestrigen tag. Das ergebnis am windgenerator: er hat seine nase verloren, drehte viel und produzierte null ampere.
Als erstes dachte ich an kabelfrass und verfolgte die leitung, das dauerte zwei stunden. Danach generator demontieren und die zentrale nabenmutter war fest, nicht aber die vier, die die windung halten. Ich konnte alle lösen und das war das ergebnis:

202020803 windgenerator

 

202020803 windgenerator

 

Keine ahnung, warum die drei kabel getrennt sind. Alle sind jetzt verlängert und das ganze wieder zusammengebaut. Was fehlt, ist wind, und auf den warte ich jetzt.

Das postpaket in die Schweiz ist am Mi wenigstens schon am flughafen in Bangkog angekommen, könnte also bald abgehoben haben. Und seit einer woche kein rattenbesuch mehr im schiff. Auf dem schiff finde ich aber immer wieder rattenscheiße. Die ameisen haben sich auch lange nicht blicken lassen, das beunruhigt mich.

Vor zwei tagen haben sie mit eine stromrechnung präsentiert, abrechnung nicht nach verbrauch, sondern nach tagen. Ich soll zwei euro am tag für das laden meiner batterien bezahlen, melkende gangster.
Nur machen eben diese mir jetzt ein problem. Sie sind voll, dennoch fällt die voltzahl mit einem verbraucher schnell unter dreiundzwanzig, neue teure baustelle. Dachte ich doch, dass die zwanzig jahre alten batterien europa wieder erreichen würden.

Nun mal zu einem aberglaubenthema, wenn man an etwas denkt, das eintreten könnte, kommt es auch. So war es mit meinem mast: rührt man farbe an, fängt es an zu regnen. Da könnte ich noch viele beispiele nennen. Ich bin vom schiff aus mit dem fahrrad zum chinesen gefahren und dachte, mann seit ein paar monaten hier und es liegt soviel kleinstschrott auf dem weg im yard. Noch immer kein loch im reifen. Als ich wieder eingetroffen bin, fuhr die felge über die eingangsbarre. Wenn luft im reifen gewesen wäre, kein thema, jedoch war er schon platt. Auf dem hinweg bin ich wohl über eine schrabnelle der dreherei gefahren. Manche tage bringen doch noch weniger spaß.

Es heißt noch immer warten und das päckchen ist in der Schweiz am Fr angekommen, holla. Und das mit der post und nicht mit der durch der neoliberal privatisierten dhl. Am Di soll ich näheres erfahren.
Diesmal war ich gestern am Sa in big town Satun einkaufen, da der elektroingenieur und manager nicht in der lage waren, RJ45 und RJ12 verlängerungskabel zu besorgen. Also wieder einmal selbst ist der mann. Und wenn ich nach thailändischen standard ingenieur verwende, so bedeutet das, er war auf einer fachschule. Nach der uni wäre man hier schon quasi doctor oder professor.
Krimpstecker, achtpoliges netzwerkkabel in der dreißigmeter rolle, ein paar kupplungen und alles unter zwanzig euronen. Soviel zur unterstützung durch den shipyard.

Danach noch der normale einkauf im großen supermarkt und da habe ich mir mal etwas gegönnt: der broiler war obligatorisch und die usb lautsprecher für drei euro fünfzig. Die laufen gerade, sind natürlich keine b&o, reichen aber. Können nicht so laut wie erhofft, verschaffen mit Maria Baptist und spring in Berlin eine gänsehaut. Das brauche ich mal wieder.
Am abend dann noch ein pfanne voll shrimps für einen euro fünfzig, billiger kommt man nicht an antibiotika heran.

202020809 boxen

 

202020816 abendessen

 

Die hunde auf dem gelände haben sich heute über die huhnreste und die shrimpköpfe gefreut, sonst sieht es eher dunkel aus. Sie erhaschen sich essensreste mittags und ab und zu eine sonderportion am Mo, reste vom wochenende der mitarbeiter. Ansonsten keine pflege und die wäre dringendst notwendig.
Es gibt drei gruppen hier, schwarze mit langem fell, okerfarbene mit kurzem und der boss ist weiss. Die schwarzen haben schon verloren, milden unter der haut und sie verlieren das fell. Sie haben besonders viele zecken, die anderen nur um zwanzig. Wenn sie groß genug sind, ziehe ich sie dem armen hund heraus. Wenn die hunde sich ablegen, dann sind danach um zehn auf dem betonboden. Somit kille ich an einem normalen tag fünfzig zecken, hundert wenn ich auch mal die wände um den shop absuche. Überall sind blutstreifen zu sehen. Vorgestern sprühte das mädchen aus dem materialladen mit gift und ich habe die sprühdose gefordert.
Die beiden tische vor dem getränke- und mittagsessensladen habe ich umgedreht und intensiv besprüht. Hier sitzen oft viele menschen und die hunde liegen darunter, um neue fracht aufzunehmen. Ein deutsches gesundheitsamt würde die bude zumachen. Die inhaberin füllt jeden abend die knabbersachen in eine große plastiktonne. Auch die ratten sind hier zu hause. Mein ekel hält sich in grenzen und die obzession mit den zecken vertreibt andere aggressionen.

Es gibt auch gute Montage, gestern, der zehnte war so einer. Gleich am morgen kam die mail, also hat die Schweiz auch am Sonntag gearbeitet. Dabei war ich oft nicht nett beim schreiben meiner mails. Hier und da ist was defekt, das display vom autopiloten hat einen riss, wird repariert, ein paar neue kabel und soll bald fertig sein.
An der zeckenfront bin ich über dreihundert am tag gekommen, vielleicht hilft es den hunden in der zukunft ein wenig. Und ich habe die nähmaschine abgegeben, zur reparatur. Die zeit muss genutzt werden.
Zu guter letzt habe ich noch meine backbordlaterne repariert, habe hier beim alten schrottschiff die passenden teile gefunden. Ich nutze die leuchten eigentlich nicht, auf dem mast ist eine dreifarben laterne. Aber wenn die ausfällt habe wieder ein backup.

Jemand hat mir hier seinen alten ais empfänger überlassen. Ich mochte den sozialunverträglichen typen. Sein job war es, kabel zu verlegen unter UN mandat in den schlimmsten gebieten der welt. Seine heimat Australien ging dabei flöten. Das häufigste wort war fuck in den üblichen ableitungen. Auch ihn haben sie hier gemolken und am ende ist er mit einen fuck you abgedampft in seinem sechzig fuß aluminium boot, das er in fucking southafrica von einem motherfucker gekauft hatte. Natürlich für zu viel geld für ein one off.
Der empfänger funktioniert, grünes licht, mit einem kabel als antenne scheint er auch etwas zu empfangen. Die leds A und B blinken ab und zu auf. Nur das serielle kabel, das ich noch zusammmenlöten müsste, habe ich durch ein seriell zu ubs kabel getauscht. Das hatte ich beim aufräumen gefunden. Leider kommt im pc nichts an, mist schade.

Neuer tag, neuer versuch, und siehe da, plötzlich drei ziele auf der ais liste. Zwei basisstationen und ein grünes schiff, hier im hafen. Da war die freude groß und erstmal einen stecker für das antennenkabel besorgt. Im internet nach antennen gesucht, ein draht vierzig bis sechsundvierzig zentimeter lang. Hier lag noch ein schweißdraht mit fünfundvierzig herum. Am ende eine öse, das kabel dadurch und mit einer kleinen schraube verbunden. Dann das ganze isoliert und im schrumpfschlauch eingedampft. Die antenne hängt jetzt über der ersten saling, sollte reichen. Das kabel ging gut durch den schwanenhals und endet am navitisch. Durch dieses loch gingen wohl auch ein paar wespen, glücklicherweise keine ratten.

202020813 wespennest

 

Die ersten erfahrungen mit dem heilbringendem system ais sind enttäuschend. Zuerst dachte ich, der fehler liegt an meiner gebasteltem antenne mit dem kabel. Was ich empfange, sind zwei basisstationen, eine hier in der gegend und die andere auf Langkawi, dreißig meilen entfernt. Wenn ich mal ein anderes schiff sehe, so ist es dort.
Zum vergleich habe ich marinetraffic im netz aufgerufen, auch dort ist dieses gebiet hier ziemlich weiß, kaum schiffe. Bewegt sich allerdings eins, so kann ich es auch in meinem system sehen. Im umkehrschluss bedeutet das, alle größeren fischerboote haben hier kein ais. Und größere boote bedeutet um achtzig tonnen schwer, aus holz, über zwanzig meter lang mit dreißig mann besatzung und kaum auf dem radar zu erkennen.

Somit stellt sich die berechtigte frage nach einem aktiv sendenden ais system. Warum muss ich das haben, wenn ich nach Phuket fahren möchte? Die segler, die ich hier getroffen habe, sind der gleichen idee gefolgt. Der hafenmeister von dem gebiet bekommt eine abstecke von den marineelektrikern, die diese systeme installieren. Denn mit sicherheit hat es wohl kaum zu tun, wenn nur dumme touristenschiffe ein ais haben. Man kann es natürlich abschalten und nur auf empfang stellen, aber dann ist es so sinnvoll wie ein mundschutz vor einem virus. Oder ist es eine wirtschaftliche hilfe für piraten, die sich ihr opfer auf dem menu aussuchen können.

Die klappe vom gefrierfach ist aus ihrer halterung gebrochen. Europäische qualität nach fünfzehn jahren und einer unterdimensionierung der plastikformen. Da kann einer sagen, mensch, schon so alt, ich bin eher der meinung, noch nicht alt genug.
Also mal epoxi anmischen und versuchen, das ganze zu kleben. Und wenn ich schon mal dabei bin, dann ist der zweite radarreflektor auch dran. Gestern hatte ich ihm noch einen weiteren kabelbinder verpasst, mit einem schlechtem gefühl. Das teil hatte ich vor fünf jahren auf den Kanaren aus dem müll gefischt. Der vorbesitzer hatte es mit einem tape repariert und jetzt hat die sonne ihr quentchen zur zerbröselung beigetragen. Eine runde auf dem gelände hier und ein fast passendes plastikrohrstück gefunden. Nur zu weit, andere waren zu dünn, denn hier ist alles zöllig. Aber der ganze alte reflektor passt hinein, auch gut. Oben und unten reichlich plastikmatsche, ein wenig schleifen und es sollte weitere jahre halten, für fast lau.

202020814 radarreflektor

 

202020815 radarreflektor

 

Heute ist Mo der siebzehnte August, und nach dem ausflug gestern habe ich an die weiterfahrt gedacht. Deshalb war ich heute morgen vor dem kaffee auf dem mast, ein riggcheck. Die baustelle radarkabel fiel negativ auf, die ummantelung ist durch das großsegel durchgescheuert. Da das radar funktioniert, gab es tape und darüber selbstvulkanisierendes tape. Ich mag keinen rückenwind oder downwind. Der hat mich aufs riff geschoben und er ist schlecht fühlbar mit dem reffen. Dreißig knoten wind, acht knoten fahrt und es ist unterreffbar. Jedoch wenn man den kurs ändert, haut es einem um. Aber alles ist optisch ok und somit kann ich weiter.
Nur die zeugen covids bereiten mir angst. Die meisten menschen glauben den scheiß, haben angst, können keine zahlen nennen, nicht nur in der brd, sondern weltweit. Anschauen, merken, hinterfragen und überprüfen geht verloren oder ist schon lange abhanden gekommen. Also warum sollte ich in Wischmeyers ‚republik der bekloppten und bescheuerten’ zurückkommen.

Auch mal was anderes, hier auf der werft werden fischerboote geflickt. Neue bretter, kafaltern, spachtel drauf und farbe, danach wieder das meer leer fischen. Nur einige projekte sind gigantisch. Ein dreißigmeter kahn erhält einen neuen kiel aus festholz. Dreißig mal dreißig sind in Europa nicht zu bezahlen.
Das projekt des ehemals kleinen fischerbootes ist spannend. Zu erst dachte ich, ein normaler austausch, wie an dem gleichen beispiel in den fotos. Dort ist das gesamte heck vergammelt, alles muss neu. Nur dieses boot hat eine neue und größere hülle bekommen. Sie haben ein schiff um das schiff gebaut und danach das innere herausgeschnitten.
Die seitenbretter werden mit öl getränkt, mit dem schweißbrenner erhitzt und an das neue skelett angeschraubt. So etwas können die hier, leider kein schweißen, sandstrahlen oder feinere arbeiten. Andere seitenbretter werden unter dem alten stahlschiff verzurrt und mit der gleichen formgebung zurecht geflammt.

 

Der weg zum land ist jeden tag neu und anstrengend. Je nach gezeit mal mehr oder weniger risikoreich. Der erste große schritt ist zum weißen ausflugsboot, das schon keinen motor hat. Dieser wurde für die pumparbeit während der verlängerung des slipyards gebraucht.

Danach geht es zum mehrfach abgesoffenen fischkutter, über die offenen luken und dann zur leiter. Diese hat auch schon bessere zeiten gesehen. Die untere sprosse hängt nur noch an einer rostigen seite, die oberen beiden sind ok. Nur heute morgen war es echt anstrengend, es ist tiefe ebbe. Mit hängen und würgen habe ich mich hochgezogen, runtersteigen ist genauso anstrengend. Am abend war so wenig wasser unterm kiel, dass mein schiff schräg stand. Die flut dagegen habe ich noch nie so hoch auflaufen gesehen.

202020812 weg zum land

 

202020812 weg zum land

 

202020812 weg zum land

 

202020821 weg zum land

 

Die baustelle nähmaschine ging auch nach hinten los. Anstatt no have, diesmal no can. Sie raffen es nicht, keine nähmaschine, kein auftrag für ein biminigestell, no business.
Dafür wurde gestern abend das rückpaket in der Schweiz aufgegeben. Heute ist Fr der einundzwanzigste August. Mit glück ist es in einer woche hier, ende August. Die karten werden dann neu gelegt, aber ich plane schonmal ein paar monate mehr in Thailand zu bleiben. Die fünftausend seemeilen zum kap bis zum Dezember wird echt eng. Passiert was auf dem weg, bin ich definitiv zu spät.
Corona neunzehnhundertvierundachtzig ist hier kein thema, es ist warm und kein grippegebiet. Nur zur machtmischpoke nach Deutschland will ich unter diesen  bedingungen auch nicht zurück. Wir haben den höchsten bildungsstand seit dem kaiserreich und die bevölkerung marschiert ins vierte reich. Das gleiche hatte wir doch schon beim dritten. Denunzieren, markieren und wegsperren. Hinterher will es keiner gewesen sein. Wo ist der cleaner, der mal bei den politikdarstellern aufräumt.

Dann habe ich mich noch einmal an die nähmaschine dran gemacht. Und siehe da, wenn man es richtig macht, funktioniert es auch. Bei der nächsten gelegenheit werde ich auch die restlichen funktionalitäten ausprobieren.
Die nächste baustelle, das rattenloch im deckel des gährbottichs ist auch zugeklebt. Bis jetzt sind sie noch nicht wieder eingedrungen, höchstens draußen auf das deck geschissen.
Und zu guter letzt habe ich die lösung für meine tropfende kaffeekanne gefunden. Das sieb bei der ersten tasse nur halb herunter drücken. Schon plätschert es nicht mehr daneben. Dafür habe ich zwei jahre gebraucht.

Somit wird dies nicht der letzte bericht in nächster zeit sein. Wenn ich nicht bald das navigationssystem wieder mein eigen nennen kann, bin ich zu spät. Ich war schon zu oft zu spät für einige segelstrecken. Ich wiederhole mich oft, aber es passiert während des wartens nicht viel. Der einzige input kommt entweder aus mails, aus dem netz und das ist nicht mehr lustig. Der nächste bericht wird wieder was neues bringen.

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Warten im Wasser

War wohl nichts mit dem schnellen absegeln. Das wichtigste display in meinem system hat während der wasserung seinen geist aufgegeben. Ein neues kostet um siebenhundert euronen und es muss erstmal hierher kommen. Dann gibt es noch so etwas wie den zoll, das dauert. Heute ist der zwanzigste Juli, zeitlich wird es eng.
Die genua habe ich heute wieder gesetzt und auch herausgefunden, wo die ameisen auf dem schiff herkommen, aus dem segel. Panik bei denen, und beim nächsten regen werde ich die genua aufmachen und sie abwaschen lassen.

Wie viele boxen hatte Pandora, sicherlich mehr als eine. Denn sonst hätte sie keine mehr nach der öffnung. Ich habe heute mal mit meinem rodkicker angefangen, eine weitere schachtel. Einfach mal das seil umdrehen wegen des verschleißes über die jahre. Das herausbohren aus dem kopf war schlecht, der kopf war nicht trennbar vom rohr. Das eigentliche problem der unteren halterung mit dem spiel ist nicht lösbar. Ich bekomme den bolzen nicht heraus, auch nicht mit der verlängerung von der zylinderkopfreparatur. Zwei nieten der unteren halterung sind am mast abgerottet. Als ich aufstehen wollte, griff ich zur unteren maststufe und hatte sie in der hand. Meine nächste box ist geöffnet.

Wenigstens hat sich die Schweiz gemeldet wegen der navigationsinstrumente, tipps gegeben, die ich aber schon überprüft hatte. Somit fehlt das angebot für ein neues display und den transportweg.

In der zwischenzeit war ich mal shoppen. Mein backupstromgenerator läuft und hat etwas um hundert euronen gekostet. Ärgerlich, denn vor zwei wochen war er im angebot für achtzig. Danach noch in den großen supermarkt und viel haltbares für den nächsten trip erstanden. Viele dosen und wieder trockenware. Gleichzeitig auch weitere plastikboxen zum verstauen.
Das ist wohl auch wieder nötig, denn ich war abends zu spät zurück im schiff. Das rattengift für den test auf besucher ist restlos gefressen worden. Ich lege jetzt jeden tag nach und es verdunstet. Sollte ich nicht bald ablegen, wird es den nächsten bissschaden geben.

20200723 backupgenerator

 

Da die reparaturliste nicht vollständig abgearbeitet wurde, habe ich mir noch einmal den rodkicker zur brust genommen. Während der einkaufstour habe ich versucht, eine große nietzange zu kaufen, hier in Satun ist es aussichtslos. Die beiden unteren nieten wollte ich ersetzen und habe löcher gebohrt und gewinde hineingeschnitten. Auf der linken seite ist ein bohrer abgebrochen und ich bekomme ihn nicht heraus, festgeklemmt. Rechts hat es funktioniert und das unterstützt hoffentlich die restlichen sechs nieten. Was für ein mist.

20200724 rodkickerhalterung

 

20200724 rodkickerhalterung

 

Diese ratten hier sind hartnäckig und stabil. Das gift wird gern gefressen, bleibt wohl aber wirkungslos. Vorgestern waren sie reingekommen und gestern habe ich die möglichen löcher mit putzlappen verschlossen. Der weg geht von hinten in die box für das schiebeluk und dann irgendwie darunter und dann passen sie durch die schlitze. War gestern aber nicht, und deshalb sie haben versucht, sich unter den plichttüren durchzunagen. War bei drei zentimer holz aber nicht erfolgreich.

20200725 rattenbisschaden

 

Erfolgreich war dafür das setzen des großsegels. Das cover ging leider nicht um den baum, es ist geschrumpft. Somit wiederholung nach dem nächsten regenschauer, wenn es nass ist.

Die sprayhood war am Sa dran. Einige stellen sind schon recht dünn, ein paar risse. Besser jetzt das ganze flicken, bevor es mir im nächsten sturm um die ohren fliegt. Die scheiben sind matt, polieren geht auch nicht, denn es ist im material.
Dann fingen die probleme an. Die nähmaschine zerriss den faden nach ein paar stichen. Das ständige neu einfädeln nervte, und am ende glaubte ich, den verursacher gefunden zu haben. Die untere fadenrolle hatte ein wenig flugrost angesetzt. Nach dem austausch war es aber auch nicht besser. Dann demontierte ich den käfig und die knotenmechanik, reinigte diese auch. Das zusammensetzen ging dann schief. Die nadel kommt zur falschen zeit runter, verhakt und verbiegt sich. Ein typischer fall von kaputtrepariert. Die nächsten stunden ging es dann mit nadel und faden weiter, per hand.

I don’t like Mondays, oder: mann bin ich genervt. Zuerst dachte ich, es riecht nach toter ratte. Dabei haben sie nur die fäkalienrohre zum fluss aufgemacht, nicht lecker. Auf der suche nach der quelle habe ich den plichtboden angehoben und stecker sowie kabel gefunden. Diese verdammten ratten sind in das loch vom defekten display eingestiegen und haben munter darauflos gebissen. Das intakte rechte display hat keinen stecker mehr, die warnpieper nur noch ein kurzes kabel und die drei datenleitungen sind auch ab. Wenn ich die tierchen kriege, dann nagel ich sie auf einem brett fest und trockne sie in der sonne.

20200727 rattenbisschaden

 

20200727 rattenbisschaden

 

20200727 rattenbisschaden

 

Und als wenn das noch nicht genug wäre, führe ich nun einen dreifrontenkrieg. Also die ratten, die ersatzteilbeschaffung und eine allianz zweier verschiedener ameisenkolonien. Letztere schlacht habe ich gewonnen, als sie in das schiff hinein wollten. Irgendein sprühgift, geht auch gegen kakerlaken. Dazu töte ich mehrere hundert jeden tag auf dem deck.
Dann habe ich gestern auch den kauf des navi-instruments gestoppt. Ich werde alle defekten teile zum hersteller schicken, um es reparieren zu lassen. Das ist meiner meinung nach das beste, auch wenn es zeit kostet.

Erster August und das personal sagte, dass der versand erst am Montag erfolgen kann. In welchen kategorien leben diese menschen hier? Ich habe viel zeit zum nachdenken. Eine sehr interessante beobachtung ist am anfang des monats, wenn die arbeiter ihren lohn bekommen. Die zeit der lohntüten ist ja schon ein weilchen her, hier aber nicht. Dafür das ganze auch ohne tüte. Die arbeiter müssen auf einen kasten steigen, das fenster öffnet sich und dann erhalten sie cash mit einem abrechnungsstreifen. Ich finde das sehr erniedrigend, zum master zu gehen und als lohnsklave um sein sold zu betteln. Nur wer hat hier schon ein bankkonto.

Die guten neuigkeiten sind, dass La Reunion und Südafrika wieder offen sind. Wahrscheinlich wird auch Maritius gehen als mein nächstes ziel. Wenn da nicht ein versandproblem existieren würde. Aufgrund irgendwelcher feiertage war die post zu und so geht das päckchen erst morgen, am Montag auf die reise nach europa. Heute ist der zweite August.
Anstatt fast leere farbdosen und anderes im boot zu stauen, habe ich nochmals die arbeitsplatte in der küche und bei den spühlbecken gestrichen.

20200801 kuechenbereich

 

Somit wird dies nicht der letzte bericht aus Thailand sein. Wenn ich nicht zeitnah das navigationssystem wieder mein eigen nennen kann, bin ich zu spät. Ich war schon zu oft zu spät für einige segelstrecken. Meine lernkurve ist im hirn angekommen, nicht schon wieder. Es gab viel bruch und stress auf dem meer. Nicht schon wieder, eher ein paar monate in diesem teil der erde herumhängen und abwarten.

PS: Das titelbild des blogs ist in überarbeitung, bis ich ein neues habe.

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Ende im Slipyard

Refit teil sechs

Heute am Montag am ende des monats Juni fängt es ein bisschen an, gut zu laufen. Die nacht war zu heiß und der schlaf minimal, aber nummer vier ist nicht mehr, immerhin. Der chicken wing ward ihr zum verhängnis, gierig, haben wollen. Somit war sie die nacht über im geschlossenen käfig. Am morgen musste sie zeigen, wie gut sie tauchen kann. Einige runden im käfig und das war es, nicht schön und kein platz zum aussetzen. Das ende war dann in der mülltonne. Ich mag es nicht, tiere zu töten, doch diese richten mehr schaden an, als man denkt.

20200629 ratte

 

20200629 ratte

 

Derweil fangen die vorbereitungen zum finalen sandstrahlen unter dem kiel an. Dafür musste ich schon mal ein paar flächen fertig grundieren und mit antifouling streichen, morgen soll es losgehen.

Morgen sollte Mo sein und erst am Mi haben sie den slipwagen abgesenkt. Aber es wurde nichts daraus. Zwei fischerboote wurden geslipped und eines hat sich arg den propeller verbogen. Da ist noch zu viel holz und mist vor der rampe und diese schiffe haben jetzt priorität. Die aussage ist klar, ausländer dürfen gemolken werden, so lange es geht. Aber manchmal zerbricht der krug.

Gleichzeitig erstmal abwarten, nur nicht der erste im wasser sein. Da ist noch zu viel dreck, holz, drähte oder plastiksandsäcke mit autoreifengemisch im slipbereich. In der summe ein künstliches riff.
Es gibt auch noch ein anderes großes problem, mein dingi hat sich zerlegt. Es lässt luft ab und der boden hat sich abgelöst. Der holländer hatte mir seines angeboten, jedoch einen anderen abnehmer gefunden. Soviel zu einer zusage. Ohne beiboot wird der nächste stop also Mauritius sein, gleich in den hafen hinein.

Diese miesen arschlöcher machen auf einmal druck. Heute ist Sa und am abend nach dem sandstrahlen und dem zweiten farbauftrag durch mich ist das projekt sandstrahlen abgeschlossen. Wann ich ins wasser gehe? Na was glaubst du, wenn ihr mit euren arbeiten fertig seid, liegen die restarbeiten noch bei mir. Und egal wie ich arbeitete, es ist besser als das ergebnis dieser leute. Das eine fenster im rumpf rostet schon wieder. No-go area.

Zum anderen hätte ich der letzten ratte noch zwei, drei chancen geben sollen, das schwimmen und tauchen zu lernern. Gestern habe ich Pandoras box geöffnet und meine navigationsinstrumente überprüft. Unten alles ok, oben nur das rechte instrument, das heißt also kein autopilot.
Stecker und verbindungen kontrolliert und danach die leitungen. Zwei von denen störten im durchgang und wurden zerbissen. Keine daten, kein ergebnis. Einen vormittag kostete es mich, das bissverhalten zu reparieren, gepfuscht versteht sich.

20200704 rattenschaden

 

Alles wird jetzt stressig, der termin für die wasserung ist angesagt und das wird knapp. Der kielboden hat fünf schichten farbe erhalten und heute das gesamte unterwasserschiff eine sechste. Dann fehlen nur noch ein paar vom antifouling so um drei.
Neue menschen sind auch im yard, also neue geschichten, neue informationen. Die erste fuhre diesel ist schon auf dem schiff, eine zweite muss folgen. Keine passende crew für die reise gefunden, also alles wie gehabt. Ist mir auch am liebsten eigentlich.

Heute am Do wollte ich das antifouling auftragen, nur es schüttet aus vollen kübeln. Somit kann ich auch nicht die windsteueranlage anbauen und aus dem restlichen holz keine kisten bauen. Der angelieferte diesel bleibt in den kanistern und das dingi ist nass und kommt so nicht in die tüte. Ergo geht es auch morgen nicht ins wasser.

Die neue planung sieht eine woche später vor. Ich werde alles, was an land machbar ist, vollbringen. Heute am Sa habe ich die restliche holzplatte von meiner küchenbox idee verarbeitet. Mann…wie oft muss ich mich vermessen, bis es passt. Am ende ist die holzbox für den ofen ein wenig kleiner geworden. Drei mal abgesägt und noch immer zu kurz.
Am ende wird sie mit der restfarbe vom schiff getränkt. Wenn der regen morgen aufhört, geht es weiter mit dem antifouling. Heute war schon mal die erste schicht unterm kiel.

Der Sonntag war ein gewinn. Ein neuer hat mir sein moped geliehen, das war auch schon mein gefährt für die letzten monate. Ein kleiner einkauf im stadtsupermarkt. Vorher eine wäsche, die holzofensitzbox hat die zweite farbschicht bekommen, und als ich zurückkam, war die erste schicht antifouling dran. Damit bin ich fast durch, ein rest fehlt noch, weil der regen kam. Dafür ist die windsteuerung wieder am schiff. Nur eine schraube wollte nicht und fasste auch danach nicht mehr. Das schwere teil an die position zu bringen, hat eine stunde und ein wasserglas voll schweiß gekostet. Ich weiß, es ist pfusch, der bolzen ist mit epoxi nun eingeklebt. Alle bolzen waren mal zehn millimeter und sind nun schon zwölf. Mehr geht leider nicht. Eine weitere position auf der beobachtungsliste auf see.

20200715 farbstatus

 

20200715 farbstatus

 

20200715 farbstatus

 

Die tage sind eintönig, entweder ich trage die farbe auf oder es regnet. Das ganze hat jetzt fünf tage gedauert und in zwei geht es ins wasser. Die windsteuerung ist fast komplett, nur der griff zum steuern ist verschwunden. Wenn er heute nicht gefunden wird, muss ein neuer her.

20200717 neuer griff

 

Am ende gingen die vorbereitungen recht schnell. Noch eine rechnung und der trailer wurde angehoben, abgesenkt und auf schienen gestellt. Der slipwagen war nicht für diesen platz gedacht, somit begann das schienenverlegen, frei hand bis zum hauptweg. Mal wieder eine neue perspektive, nur für eine nacht.

20200716 schienenverlegung

 

20200716 schienenverlegung

 

20200716 schienenverlegung

 

20200716 schienenverlegung

 

20200716 in position

 

20200716 in position

 

Heute am Fr, dem siebzehnten Juli, ist das schiff wieder im wasser und schwimmt, noch. Der motor sprang an der schiff löste sich vom slipwagen und die ruderanzeige fiel aus. Ein wenig rückwärts und im fluss wieder vorwärts zum weißen schiff, das war es. Festmachen, landleine und das internet neu verbinden. Schön, dass ich ein weiteres usb-verlängerungskabel gekauft hatte, zehn meter. Anstatt der gastlandflagge weht nun meine wlan-antenne.
Dann fingen die problemchen an, das brauchwassersystem ist trocken, kaum eine wc-spühlung ist möglich. Die tür zu diesem raum klemmt, der motorgenerator macht keinen strom oder nur drei ampere, zu wenig. Alles das muss zeitnah repariert werden, ich muss hier weg.

Der zustand meiner wunde ist zum glück wieder sehr gut, nur noch schorf, keine aktivität unter der haut. Das nächste mal muss ich mehr acht geben.

20200715 wundestatus

 

Somit wird dies erstmal der letzte bericht sein. Nach den reparaturen, dem setzen der segel und aufräumen im innern wird es wohl in einer woche zu den offiziellen gehen. Dann auschecken, einen kleinen generator als backup kaufen, essen für die nächsten zwei monate und tschüß. Der nächste stop ist dann Mauritus oder La Reunion.

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Licht am Ende des Tunnels

Refit teil fünf

Das wasser ist noch nicht wieder in den leitungen und so werden die großen wasssertanks weiterhin angezapft. Es geht langsam weiter mit der farbentfernung, sehr langsam. Innen schleppt es sich auch voran. Ich muss die elektrik wieder verbinden, damit ich das druckwassersystem testen kann. Erst danach klebe ich die waschbecken ein, und wenn die tube schon offen ist, auch die ankerwinsch. Bis zum ende Mai will ich damit durch sein, dann muss die neue farbe aufs schiff.

Sechsundzwanzigster Mai und das wasser ist wieder da. Hurra und mist, weil es jetzt weiter geht mit dem nasstrahlen. Wenigstens habe ich die elektrik zur küche und ins bad, sowie die steckdosen in dem bereich wieder animiert. Somit habe ich auch wieder einen funktionierenden kühlschrank. Aber es geht auch ohne, wie sich über drei monate ja herausgestellt hat.
Das letzte mal habe ich über die erfolgreiche reparatur des motorwasserfilters geschrieben. Das war leider ein fehlurteil. Ein wenig dreck herausgekratzt und schon schien mir die sonne ins gesicht. So wird hier gearbeitet und das ist die qualität des ganzen. Ein teil reparieren und nicht testen.

Auch habe ich meine ideen zum munschutz gegen den angeblich so gefährlichen virus. Zum einen ist so ein teil nur sinnvoll, wenn er abdichtet und man andere schützt. Das haben die asiaten schon lange drauf. Nur in der heimat, und die ist für mich kalt, sieht es anders aus. Also warum? Für etwas, das sich nicht besser verbreitet, als eine grippe. Warum hausarrest, abstandsregeln? Meine idee ist weiterreichend. Wenn wir nicht mehr wie gewohnt kommunizieren können, dann entfremden wir uns. Ich weiß nicht genau, wie viel wir über die mimik von mund und nase kommunizieren, aber es ist eine menge. Ein lächeln öffnet welten oder wenn es nicht gesehen werden kann, verschließen sich diese. Wenn nur noch kleingruppen geduldet werden, können sich menschen nur schwer zusammenschließen, protestieren oder sich wehren. Hält das ganze länger an, lernen die kinder nicht die mimik und die gesellschaft zerteilt sich.

Alles einen tag später. Man kann nicht sandstrahlen wegen bla bla. Sie halten mich hin, um standkosten abzurechnen. Geht gar nicht und wird kosten.
Ich habe die ankerwinsch wieder in position gebracht. Alles passte nicht mehr, keine industriemaße und so kam die flex zum einsatz. Mal kurz für zehn minuten die decke zerteilt und dann passend geschliffen. Ich mag kieferleisten, die sind ehrlich und riechen gut. Danach die winsch getestet und für gut befunden. Wie lange, wer weiß.

Heute wieder einmal Do und kurz vor dem Wochenende. Sie werden den rumpf fertig gestrahlt haben, versprochen, und ich kann ihnen dafür gleich die hand abhacken, weil sie gelogen haben. Es wird nichts mit dem termin und der qualität, weil nicht alles entfernt wurde. Hotel California ist doch eher gesteuert, von menschen gemacht und die sind hier. Finger weg von der idee, dass es hier günstig ist. Wenn die kohle vorhanden ist, kein problem, aber genau das ist meins.
Am morgen ein bisschen pusten und am späten nachmittag weiter. Es ist bis sechs uhr hell, also warum aufhören um halb fünf. Je schneller ich hier weg bin, desto weniger tote.

Ein wenig sandstahlen hier und dort, konzeptlos und mit einem ende anfang Juni. Sie halten mich fest und tun unschuldig. Vorsätzlich wahre auch eine perspektive. Sollte es nicht zu einem guten ende führen, sorge ich für ein sehr schlechtes.
Ich habe im schiff das druckwassersystem aktiviert und nach mehreren nachbesserungen tropft es auch nicht mehr.
Die ankerwinsch hatte noch eine andere aufgabe: das schiff zu verschließen. Nach dem ausbau hatte ich die löcher abgetaped und mit einem dicken brett verschlossen. Der unbedarfte oder unteraktivierte hirnnutzer, der gerade mein schiff bearbeitet, hatte für seine planen das brett entfernt. Somit ist mein besucher dort eingestiegen und hatte probleme im abgeschlossenen bugbereich. Ein paar knabberversuche an der decksisolierung und dann doch das einstiegsloch wieder gefunden. Wie er dann herausgekommen ist, ist mir ein rätsel. Bis heute aber noch keine rückehr.

Freitag neunundzwanzigster Mai, sie strahlen wieder. Nach den letzten tagen hatte ich das gespräch mit dem manager, bevor ich laut werde. Bis morgen wollen sie durch sein und dann gibt es eine erste durchsicht mit mir. Ich bin gespannt.
Und genervt, die ratte oder zwei waren wieder da. Zuerst hatte ich mich über die holzraspel auf meiner mütze gewundert, für termiten zu große stücke. Rein oder raus ist nicht so klar. In der nacht war ich auch unruhig, ab und zu geräusche, nicht zuordenbar. Aber sie wurden fündig, in meinen neuen boxen, eine sahne, eine milch und mein tomatenkonzentrat, jeweils ein kilogramm. Weitere nudelpackungen und meine restlichen haferflocken. In einem karton auf dem boden ein platikdeckel von einer ehemaligen nussdose zu einem viertel verspeist. Möge das zeug doch wirken.
Heute noch holzrestarbeiten und ich kann wieder aufräumen und mal klar schiff machen.

20200529 nagerspuren

 

20200529 nagerspuren

 

20200529 nagerspuren

 

Da hatte der monat Mai doch noch einen tag mehr, als gedacht und es war der Sonntag. Wieder einmal wäsche waschen, auf die leine bringen und hoffen, dass der sandstrahler akkurat arbeitet, wobei er nicht weiß, was das bedeuten soll. Das moped war meins und ab into town. Baumarkt war so lala und danach zum dritten großen supermarkt im norden. War auch kein bringer, der Tesco, und wieder zurück mit plattem arsch. Zwischendurch ein paar mal nass geworden und fünf minuten später wieder getrocknet.
Zurück am schiff und mal wieder à la minute, um die wäsche von der leine zu nehmen. Der heftige wolkenbruch dauerte zwei stunden und der slipyard ist mit holzresten und plastikflaschen verfüllt. Ratet mal, wo die hingehen.
Der kleine shitstorm im blog ist auch abgeklungen und ich behalte meine linie fort. Was sonst auch, mit einer distanz zu dem geschehenen und aktiven handlungen sieht man oft klarer.

20200530 farbstatus

 

20200530 farbstatus

 

20200530 farbstatus

 

20200530 farbstatus

 

Heute ist schon der zweite Juni und was geht, sandstrahlen. Nächster termin soll morgen sein, dann wollen sie fertig sein, ich glaube nicht daran. Die aufräumarbeiten im schiff gehen auch voran, wenn das durch ist, kommt der motor dran.

Ein vertaner Freitag, die nacht war so mies. Der sandstrahldepp hat meine landstromleitung gezogen und nicht wieder hineingesteckt. Somit hatte ich kein gebläse in der nacht, es war heiß und dazu kam noch heftiger regen, also luke auch dicht. Dabei fing es so gut an, auf dem klebebrett hatte sich eine ratte an dem bratfisch vergangen. Nach einer kurzen genickoperation ging das tierchen in die plastiktüte. Eine zweite kam noch nicht vorbei, kann aber noch werden.

20200603 nagerspuren

 

20200603 nagerantwort

 

Bei mir stellte sich fieber ein und das war es mit richtigem schlaf. Viel trinken und auch wieder ablassen, danach wieder ein wenig schlaf bis zur nächsten einheit. Am morgen achtunddreißigeinhalb, na klasse. Also ab ins krankenhaus, nur sie wollten mich dort nicht behalten. Wundversorgung und drei tüten mit medikamenten, also wieder einmal eine woche lang alkoholfreie zeit.

20200605 cocktail

 

Das stört mich auch nicht, denn masterblaster ist noch nicht mit dem schiff fertig. Ich sehe noch viel rot, das ganze heck ist noch fällig und viele nachbesserungen. Das kostet nerven.

20200604 farbstatus

 

20200604 farbstatus

 

Am Sa abend war das schiff nicht rotfrei, vielleicht morgen. Dafür passiert etwas auf der rampe, die neuen schienen haben beton bekommen. Klingt gut, wenn sie jetzt nicht anfangen würden, zwei schienenlängen oberhalb heraus zu nehmen. Neue gleise liegen bereit, das heißt aber nichts. Laut dem chef ist in einer woche der untere bereich fertig, nur oben arbeiten sie an den drehkreuzen der gleise. Das hätte alles vorher passieren können.
Mir geht es noch nicht wirklich besser, das fieber ist weg, aber das bein sieht schlimm aus. Ich hoffe die antibiotika helfen bald, sonst muss ich wieder ins krankenhaus.

20200607 grosses eigentor

 

Der spam, den ich so erhalte, macht mich ein wenig nachdenklich. Vor drei tagen habe ich mehrere mails erhalten, die mir Amoxicillin angeboten haben. Sah nach viagra und co aus. Aber was habe ich im krankenhaus bekommen, genau das zeug. Ich glaube mal nicht an zufälle.
Auch habe ich nicht gesagt, wie lang der tunnel ist. Mein schiff ist noch nicht fertig und dazu regnet es auch noch. Also ein indoor Sonntag ohne aktivität, um das bein zu schonen.

Es hat mich schon seit gestern gewundert, masterblaster war bis um halbsieben dabei. Fertig wurde er natürlich nicht. Und heute morgen erhöhte taktrate und mehr leute. Die lackierer waren schon geordert, nur eben alles nicht fertig. Die restrote farbe unter dem umlaufenden edelstahlrohr wollten sie mit der drahtflex entfernen. Sie verstanden es nicht, warum ein entschiedenes No als antwort kam. Abbrennen ging wieder nicht und ich offerierte farbentferner. Dieser hier riecht, ätzt und arbeitet richtig. Nicht das aktuelle produkt in der heimat, eher das von vor zwanzig jahren. Die fenster wurden abgeklebt, es wurde gestrahlt und wieder einmal die planen neu arrangiert. Morgen soll es losgehen.

20200609 grosser kompressor

 

Erster tag und am ende fiel die kinnlade herunter. Durch die verwendung von sand gab einige punktuelle einschüsse. Die reinigung mit tüchern habe ich sofort gestoppt, die fasern haften an der rauen oberfläche. So nahmen sie einen pinsel, ab und zu. Da ich zuvor untersagt habe, eine drahtbrüstenflex für die reinigung des edelstahlrohres zu nehmen, gingen sie vom generellen verbot aus. Am abend haben sie freudig drauf los gestrichen, über den sand. Unglaubliche arschlöcher und wollen lackierer sein. Hundert einschlüsse habe ich heute morgen gefunden.
Nach dem ersten gespräch war die einigung, alles runter und von vorn. Der kompressor wurde für die rampe gebraucht und nach dem mittag konnte sich der manager an nichts mehr erinnern, dieses unlautere schlitzauge. Und es eskalierte es wieder, nur war ich diesmal ruhig. Am ende wurde wieder gestrahlt und gerollt, aber nicht über sandhügelchen.

20200610 ergebnis kompressor

 

20200610 ergebnis kompressor

 

20200610 ergebnis kompressor

 

20200610 farbstatus

 

Das zweite gute ist die erneute rückkehr meines seewasserfilters, diesmal mit neuem boden und rand. Und der deckel wurde rund gedreht.
Nur die korrosion im innern ist blöd, wurden doch A2, A4 oder 316 legierungen benutzt. Sicherlich unterschiedliche und die muffe für den einlauf hat verloren. Habe es erst richtig bemerkt als ich leicht darauf geklopft hatte und es anfing zu rieseln. Der teil außerhalb des sammlers ist ok, für die nächste zeit muss epoxi für die löcher herhalten, damit das wasser auch durch das sieb läuft und nicht daran vorbei.

20200610 wasserfilter

 

20200611 wasserfilter

 

Der versuch, meine geliebte explodierte flex zu reparieren, ist wegen des slipyards nicht möglich. So bin ich zur lokalen elektromotorenwerkstatt geradelt und nach einem tag war sie fertig, sechs euro. Nur diese leute haben sie nur lauffähig gemacht, den explodierten kondensator nicht ausgetauscht. Also heute am Do bin ich wieder hin und habe die hälfte des geldes wieder bekommen, hat wohl nicht funktioniert jungs.

Das wochenende naht und morgen soll der letzte sandstrahltag sein, ich glaub nicht dran. Heute hat es am vormittag stark geregnet und sie haben gestrahlt, aber nass. Somit gab es auch keine farbe aufs blech.
Ich habe mich um Mr Perkins gekümmert, neues öl, neuer filter und der reparierte wasserfilter ist wieder eingebaut. Fehlt nur noch ein probelauf nach ein paar farbschichten.
Seit gestern habe ich auch nicht mehr den Pränki sketch der arschkrampen mit dem fischstäbchen. Die wunde ist zu und süppt nicht mehr. Zu früh gefreut, den der grosse zeh meldet sich mal wieder und ich humpel wieder.

Am Di, dem sechzehnten Juni, sind sie noch immer nicht fertig. Eine bis drei farbschichten sind aufgetragen, leider regnet es seit gestern. Dazu kommt, wenn ich nicht aufpasse, dass die jungs über rost, sand und fett streichen. Letzteres kommt aus dem ruderschaft und kriecht entlang des kokers. Wie hirnfrei muss man dafür sein, einfach farbe darüber zu güllen als lackierer. Gestern gab es dann auch die erste decksreinigung mit einem besen, in der woche sechs.

Diesmal waren zwei ratten zu gierig und es war nur noch der geruch und fragmente auf dem sticky pad. Pech für sie, ende und aus.

20200618 zwei ratten

 

Donnerstag der achtzehnte Juni, und es eskaliert schon wieder. Ich habe einen auftag für die rumpfreparatur abgegeben und darin waren zwei schichten grundierung enthalten. Nun will der auftragnehmer das ganz anders sehen, er will natürlich die farbe auftragen, jedoch mit meiner farbe. Ich wollte Jotun sylvergrey88 und sie orderten 87, das ist Jotun domastic ein zweikomponenten primer. Somit ist keinerlei farbe vorhanden, die ich geordert und bezahlt habe. Und nach dem sandstrahlen haben sie sich an meiner farbe vergriffen und verstrichen. Auch wollen sie mir weißmachen, dass sie bereits fünfzig liter der farbe auf meinem rumpf verstrichen haben. Das ist schon technisch unmöglich, denn es müssten fünf dicke schichten sein, sind es aber nicht.
Ich bestehen auf rückgabe von mindestens zwanzig liter, die ich schon in der rumpfabwicklung bezahlt hatte. Es ist ein generelles problem, das gesagte verflüchtet sich aus den ohren und ward nicht gesprochen.

Nach sechs wochen heute am Sa dem zwanzigsten Juni ist es fast fertig, das schiff hat neue farbe erhalten und nur noch unterm kiel muss der rost ab und neue farbe rauf. Natürlich habe ich die farbe nicht zurückbekommen, ich gehe davon aus, dass sie füße bekommen hat. So war ich gezwungen, weitere zehn liter zu kaufen, die gestern und heute aufgetragen werden. Dann hat das unterwasserschiff mindestens drei im besten fall fünf schichten.
Auch hatte ich gestern nacht wieder besucher, eine oder zwei ratten waren am knabbern. Ich habe noch nicht gefunden, wo und an was, denn alles essbare ist verpackt. Ist das vielleicht eine rache für die anderen beiden auf dem sticky pad.

20200621 farbstatus

 

20200621 farbstatus

 

20200621 farbstatus

 

20200621 farbstatus

 

Der beachclub hat ein ende auf meinem deck. Vor zwei wochen habe ich hundert kilogramm sand über bord geschippt und heute weitere fünfzig mit dem hochdruckreiniger. Nur hörte der nach kurzer zeit auf, nicht genügend wasserdruck in der leitung. Dann am nachmittag war wieder wasser vorhanden und mit dem schlauch gingen weitere sanddünen von bord. Bei den abflüssen vom deck und dem abfluss der ankerluke gab es ein eigentor. Unten hatte ich die löcher verschlossen und der sandstrahler konnte nicht hineinblasen. Leider sackte das sediment von oben hinein und es kostete mich eine stunde um die beiden verstopfungen zu klären.
Der neue schriftzug ist auch angekommen, aber ich muss erstmal farbe auf den rumpf auftragen, da der epoxiprimer nicht uv-stabil sein soll, was für ein mist.

Eine neue entscheidung am nächsten tag, die farbe muss reichen. Entweder ziehen sie mich völlig ab oder ich mach die biege. Unter wasser kommt der rest von meiner jotun silvergrey88 rauf, der skeg ist wieder in position und eingepinselt. Die schriftzüge waren nicht in einem stück, das OC ist deshalb verrutscht. Auch wollte ich Themroc Hamburg haben und nicht umgekehrt, das können sie also auch nicht.

20200623 buchstaben

 

20200623 buchstaben

 

Die wasserzuläufe sind gekürzt und der neue windgenerator ist an seinem platz, dafür habe ich ein neues kabel durch schiff gezogen, durchs deck, durch den schwanenhals und windgeneratorrohr. Er läuft an und liefert auch schon strom, mal sehen wie lange. Vielleicht hält der chinese ja länger als die vier türkischen modelle zuvor, wenigstens gab es mehr schrauben als benötigt.
Die ratte ist noch immer aktiv, knabbert am apfel im käfig und der will nicht schließen, vielleicht morgen.

20200624 windgenerator

 

Die ratte ist noch immer ein thema, wäre doch eine hungrige katze an bord. In der letzten nacht hörte ich das tierchen, aber keine knabbergeräusche. Meinen alten apfel im käfig wollte sie auch nicht, nur mal kurz daran knabbern. Jetzt hängt ein rest daran, schlemmermaul komm.
Am schiff habe ich die vorerst letzten schweißungen vorgenommen, verstärkungen für die ankerhalterungen. Diese wurden durch renitente mitreisende oder durch mich beim aufholen des ankers verformt. Auch habe ich die rostnester um die genua schiene entfernt. Da habe ich wohl vor achtzehn monaten gepfuscht. Entweder keinen oder einen schlechten primer verwendet. Das erste mal habe ich auf diesem schiff rost geklopft. Ich hoffe, dass es mit dem monat salzwasser auf dem riff zu tun hat, oft blätterrost in verbindung mit edelstahl.

20200627 ankeralterung

 

Die ratte hat mir ein kleines kärtchen im käfig hinterlassen, vielen dank für den netten huhnsnack, bis morgen, die ratte.

Also diesmal das huhn mit zwirn um den haken befestigt. Wenn es nicht wirkt, fahre ich am Sonntag in die stadt und kaufe sticky paper und aus ist es mit der ratte.
Am schiff bin ich weiter mit rostklopfen und grundieren. Eigentlich ist das alles mist, aber es soll bis europa reichen. Dort habe ich genügend verbesserungen für das schiff im kopf.

Seit fünf tagen lebe ich an der jauchegrube und weiss noch nicht, welches exkrementgemisch vom schwein, kuh oder mensch es ist. Die heraus gezogenen gummibaumstämme geben dazu einen weiteren duftstoff ab. Alles ekelig.

20200627 holzlager

 

Morgen am So fahre ich in die stadt, so langsam muss das tierchen verschwinden, denn wenn ich das schiff mit lebensmitteln vollpacke, möchte ich keine knabberabgänge haben.

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Maskenzwang

Refit teil vier

Maskenzwang oder ein symbolpattern einfügen

Der gelbe judenstern ist schon verbraucht, aber ein neues pattern muss her, losgelöst und dennoch mit bezug zur ersten tat. Die sinnfreie, weil nutzlose maske, sichtbar, und wenn sie verankert im neuronalen netz ist, ein universelles zwangsmittel. Die meisten werden es in ein paar tagen nicht mehr merken.
Nun bin ich kein nlp gurru, habe nur grundkenntnisse. Alles ist so einfach, es geschieht im unterbewustsein und schon ist es platziert. Zwei, drei mal noch erneut lernen und bitte abstand halten. Wollt ihr die totale maske, aufwachen, jetzt und sofort. Nicht wieder die leier, wir haben es nicht gewusst.

Zurück zu meiner baustelle. Eine deeskalation mit dem besitzer, der täglich herkommt, und dem manager. Aussprache, entschuldigung meinerseits, geheuchelt. Jedoch in diesen gesellschaften wird man nicht laut, etwas das ich zuvor nicht konnte, und es ging erfreulich gut, das schreien. Das resultat ist zum einen, dass das thema beim chef angekommen ist und somit nicht mehr unter den teppich gekehrt werden kann. Die luft ist aus diesem stress raus und eine neue enthaltsamkeit der begegnungen ist eingetreten. Es ist nichts mehr wie zuvor. Das werden wir noch genug in der zukunft hören.

Baustelle, heute ist Di, der achtundzwanzigste April im pandemiejahr eins. Ich fange an, die backbordsegmente wieder in position zu bringen. Bis zur spühle bin ich gekommen, davor war es ein wenig hakelig. Ich hoffe nicht wegen der kaltverformung mit dem großhammer.

20200429 herdposition

 

Ich bin in der wiederherstellung der inneneinrichtung und es geht nicht so glatt voran. Nun, ich hätte in den letzten wochen schon anfangen können, den rost in den nirostaspühlen zu beseitigen. Produktnamenfake. Natürlich habe ich versucht, zu sparen und günstige spühlen damals zu kaufen. Nach sechs jahren im einsatz mit der natur und dem salzwasser sind diese teile durchgerostet und löchrig geworden. Wunderte ich mich über wasser in der bilge, das ist eine weitere erklärung.
So um die zehn kleine löcher sind es und ein dicker topf an epoxi steht bereit. Er war schon im einsatz am türrahmen und heute beim einkleben eines plastikgewindes in das abwasserrohr. Ich gab dem manager meinen absperrhahn mit einem bogen daran, damit er mein abwasserrohr einschweißen lassen konnte. Auf dem bogen steht ein und ein viertel. Warum eineinhalb zoll nicht passen, ist klar. Heute gab es reduzierungen, winkel und doppelmuffen. Am ende habe ich das rohr abgefext und mit einer plastikmuffe aus dem eigenbestand ersetzt.

20200512 abwasserrohr

 

Währendessen wird am damm im slipyard gearbeitet, der süppt aus allen ecken. Jetzt müssen neue pumpen her, mehr von denen. Wenn die holländer so deiche gebaut hätten, gäbe es sie nicht mehr. Der motor aus der yacht des firmeninhabers wurde entnommen, für die nächste pumpe. Die rote notpumpe mit motor für die feuerwehrdruckleitung wurde abgebaut. Ein deutscher wasserbauingineur hätte sich schon lange den strick gegeben, nur der wäre dabei wegen mangelnder qualität gerissen.

20200427 regenzeit

 

20200504 feuerwehrnotpumpe

 

Zwischendurch noch ein neuer vorfall, diesmal bei den wasserliegern. Das alte stinkende fischerboot ist abgesoffen. Die pumpe hat nicht mehr gearbeitet oder jemand hat den stecker gezogen, weil er den strom für das staudammprojekt brauchte. Wieder einstöpseln ist halt schwierig. Bei hochwasser haben sie das schiff mit dem bagger herangezogen und vertäut. Fünfmal ist das seil gerissen und sie haben noch einmal von vorn angefangen, mit demselben plan oder ohne. Beim nächsten niedrigwasser wurde die pumpe wieder angestellt und nun schwimmt es wieder.

20200503 schlagseite

 

20200503 fluss

 

20200503 abgesoffen

 

20200503 abgesoffen

 

Ich sehe das gelassen, denn ich habe einiges zu tun, und das dauert leider auch. Alles, was vorher im schiff war, passt nicht mehr. Fast alle befestigungspunkte sind mit dem ausgetauschten blech verloren. Die neuen segmente passen halbwegs nach der kaltverformung, nur die wandverkleidungen haben lücken. Vorher war alles bis unter einen millimeter zusammen. Jetzt passt mein kleiner finger an einigen stellen hinein.

Die wasch- und spühlbecken haben heute erstmal die epoxikur bekommen. Die angebotene hilfe für einen neukauf kann ich mir schenken, in den läden gibt es nur standardware und somit bleiben die alten teile im schiff. Rausreißen kann ich das zeug, wenn ich neues habe, wenn ich isolierung kaufen kann, wenn…

Ein neuer monat und dieser sollte eigentlich mit nettigkeiten vertan werden. Der zeitplan ist schon lange über bord gegangen, ich bin entmutigt. Es läuft nicht so sehr gut gerade, innen passt nichts mehr, nur so ungefähr. Ich baue es trotzdem ein, keine werkstatt, keine richtigen möbelbauer, und ich mache es fast wie beim ersten mal. Nur diesmal fehlen halterungen für die wandverkleidung, mit schnellkleber und holzabschnitte klebe ich sie direkt auf die t-eisen.
Wenn innen wieder alles steht, wird außen geflext und dann gesandstrahlt. Dann kommen viele schichten farbe darauf und der monat ist zu ende. Vielleicht ist dann der slipyard auch wieder offen, wenn nicht, ist die liste noch lang.

Heute ist Mi und ich arbeite immer noch am weißen schwerlastschrank. Alles wird passend gemacht und das beunruhigt mich. Teilweise sind dort lücken von fünf zentimetern, und es ist genug holz zum kürzen vorhanden. Irgendwie friemel ich alles hin und heute ist dieser bereich fast abgeschlossen. Nur von außen sieht das schiff gut aus, aber ist es das wirklich?

20200504 weisserschrank

 

20200504 weisserschrank

 

20200505 weisserschrank

 

20200507 weisserschrank

 

Ich habe beschlossen, schön wäre gut, passend geht auch. Dieses segment will ich sowieso durch eine bugkabine ersetzen. Diese idee war noch vor der nwo. Chartergäste für eine atlantiküberquerung zu finden, sollte jetzt schwerer sein. Ich muss irgendetwas mit dem schiff machen, eine perspektive, und daran denke ich schon länger, seitdem ich hier bin. Leider verändern sich die parameter schneller als meine neuen ideen.

Der slipyard hat so viele misserfolge, dass ich definitiv sagen kann, diese sorte von mensch war nicht beim bau der pyramiden dabei. Es wird hier von tag zu tag geplant.

Aktuell ist es der siebente Mai und es ist schon wieder eine mondphase vorbei. Ich komme nur kletternd oder mit sehr nassen füßen zum schiff. Nass ist gerade auch nicht gut, ich trage strümpfe im schiff, damit die kleinen fliegen nicht an meine offenen wunden gehen. Die antibakterielle creme hilft, ist aber kein wundermittel. Der schnitt am zeh durch die eine halterung im schiff will nicht zuheilen, einige mückenstiche entzünden sich und gehen mit eiter auf. Alles nicht schön, dazu habe ich mir gestern am abgesägtem holz einen tiefen blutigen kratzer am knie zugezogen. Das tapfere schneiderlein hatte sieben auf einen streich, ich habe bis zu zwanzig an dieser wunde, jede minute.
Der weiße schrank ist fast fertig, eine tür muss gekürzt werden, und sie braucht neue scharniere. Mit dem ergebnis des schrankes kann ich leben, beim nächsten umbau ist er wieder dran. Und ich wurde heute gefragt, ob nächste woche das schiff gesandstrahlt werden kann, sieh an.

Sa neunter Mai, seit gestern nehme ich antibiotika, denn die eine wunde hat sich unter der haut in richtung knie ausgebreitet. Der thailanderfahrene segler hat mir die pillen gegeben, zwanzig stück, sieben tage lang. Auch habe ich versprochen keinen alkohol zu trinken, das geht auch.
Morgen kann ich draußen am rumpf die fenster wieder entrosten und danach kommt ein primer rauf. Es ärgert mich, denn es ist ein konstruktionsfehler. Der untere teil des rahmens hätte besser schräge oder durch ein viertelrohr realisiert werden sollen. In dieser bauweise sind besonders dingifahrer mit schuhen ärgerlich, denn sie nutzen diese fenster um an deck zu kommen.
Vor einem jahr habe ich Neuseeland verlassen und es sind wieder gewaltige rostnester entstanden. Besonders entlang der genuaschienen. Dort wollte ich eine leiste aufschweißen lassen. Nur bei der geschwindigkeit der werft hänge ich hier ein weiteres jahr herum, einfach zu teuer.

Montag, neue woche, neue ergebnisse. Sie fangen an, das schiff einzutüten für das sandstrahlen. Ich habe am rumpf alle löcher verschlossen und die wellen abgedichtet. Es sollte kein sand ins ruder, in den koker oder in die antriebswelle kommen.
Zuvor war die steuerbordseite mit fensterentrostung angesagt. Ging besser als auf der anderen seite, im schatten und bei bewölktem himmel. Vor dem regen habe ich schon zwei schichten grundierung aufgepinselt, morgen die dritte.

20200512 eingetuetet

 

20200512 eingetuetet

 

Und seit gestern hat sich meine ungewissheit auch aufgeklärt. Vorgestern hörte ich vom navitisch ein plumpssss im niedergang. Nur es fiel nichts herunter oder konnte auch nicht fallen. Gestern abend das gleiche, nur ich habe noch den schwanz gesehen. Und das bei geschlossenen türen. Danach war der gast verschwunden, kein gift genascht, nichts angeknabbert. Mal sehen wie lange das noch so geht, das ist hier kein b&b.

Die aktivitäten am Di überschlagen sich geradezu. Sie fangen an, sandzustrahlen, aber nicht so wie abgesprochen. Sie benutzen einen fetten hochdruckreiniger und saugen sand dabei an. Das kann ja dauern und als entschuldigung geht der dreck vor. Einer restauriert seinen taiwanclipper hier seit monaten und ist am lackieren, nun denn. Wenn mein schiff das erste mal durchgestrahlt ist, kommt ein zweiter gang mit dem richtigen kompressor in trocken. Sie wollen die leute beschäftigen, dabei dauert es doch nur einen tag mit dem großen gerät.
Die gute seite ist, dass der ganze rumpf neue farbe erhält, somit wird das schiff wohl silber werden. Ärgerlich ist nur meine arbeit an den sechs fenstern und den schweißstellen, für’n arsch und umsonst.

Der slipyard ist am grund angekommen, es ging heute morgen um sechs los. Pumpen, baggern und pumpen. Anstatt eine richtige pumpe zu benutzen, flicken sie die alte fast jeden tag. Den schlamm aus der grube zu saugen, wäre sicherlich besser, aber der untere bagger nimmt eine schaufel voll und nach einer zweihundertzehn grad drehung über die sieben köpfe der menschen in der grube, entlädt er sie in die andere baggerschaufel. Die obere bagger hebt das ganze an und entleert den stinkenden matsch im fluss. Heute keine toten.

20200512 slipyard

 

20200512 slipyard

 

20200512 slipyard

 

Der tischler ist kein meister, aber er kann vieles, bis jetzt reicht es mit seinen fähigkeiten. Englisch kaumst, aber mit zeichnungen kann ich mich verständlich machen. Die neue küchenarbeitsplatte ist fertig, die unteren beiden böden passend schmatzend an ihrem platz. Die untere leiste ist neu fixiert, das bodenfach gekürzt und das mittlere segment bis zur außenkante verlängert.

20200513 boxenschrank

 

20200513 boxenschrank

 

Morgen werden die regalführungen gebaut und danach die nach oben offenen boxen. Leistenholz gibt es hier nicht, wird hergestellt. Mal sehen, wie schnell das läuft, der tag heute war gut.
Mein motorseewasserfilter ist heute auch fertig geworden, bis zur nächsten durchrostung. Aber diesmal wurde ein neues blech mit neuer muffe eingeschweißt, kann also dauern.
Was auch dauert, ist das unfachmännische sandstrahlen, zwei meter vom kiel war das ergebnis. Es ist der unfähige, der auch schon mal das boot von innen grundiert hat. Das tool ist für kleinteile, nicht für über fünfzig quadratmeter. Für den vorschlag vom manager, die farbe abzubrennen, gab’s was auf die finger.

Donnerstag und im innern geht es mit erfolg weiter. Zwei kleine regale aus vollholz passen unter die arbeitsplatte. Diese wurde zuvor noch einmal vom tischler angpasst, nun sitzt sie besser. Morgen werden wir die beiden teile wieder zerlegen und verleimen, wenn schon. Danach geht es zur kistenherstellung, möglichst alle morgen, zu zweit sollte es machbar sein.
Unter’m schiff sind ein paar meter geschafft, am kiel auf einer seite. Ich habe probleme, mich in die köpfe dieser menschen einzuklinken. Wenn etwas nicht funktioniert, dann mehr davon und von vorn. Anstatt es anders zu machen und vielleicht besser. Nein das wäre zu einfach.

20200514 vollholzregal

 

20200514 vollholzregal

 

Gestern habe ich das projekt küchenboxregal beendet, der tischler hat vier tage mit mir gearbeitet. Akkurat wäre schön gewesen, irgendwie passend muss auch gehen. Heute am Sonntag wollte ich in die stadt, jedoch war es ein kompletter regentag. Also indoor arbeiten, schleifen der neuen boxen, viel überstand, bis zu drei millimeter. Am ende des tages war alles fertig und die kästen haben im innern einen verdünnten klarlackauftrag bekommen. Ich muss mir nur noch eine elegante sperrung für die boxen überlegen. Wer möchte schon bei segelschräglage den inhalt der kästen im schiff haben.

20200516 boxenschrank

 

20200519 boxenschrank

 

20200519 boxenschrank

 

Die halterungen der boxen habe durch abschnitte der heckankerleine gemacht. Heckankern finde ich grundsätzlich doof, da dann der bug anker unter zugzwang kommt. Zum anderen habe ich die fünfzig meter rolle noch nie benutzt. Die kisten können herausgezogen werden, und es geht auf die see hinaus, ziehe ich sie über die frontseite. Ich denke mal wieder, einfach gewinnt.

Es sind jetzt vier tage vergangen, gestern war ich in der stadt. Neues spiel, am eingang zum supermarkt muss man jetzt seine kontaktdaten niederschreiben. Kommt euch das bekannt vor, das gleiche in der brd im restaurant, ein zufall, eher nicht. Also etwas hingekritzelt, bei der telefonnummer einen strich und gut ist es. Nur um fünf vor elf geht kein bier über die ladenkasse, also noch einmal wiederkommen. Ein usb-verlängerunskabel zu bekommen, hat mich fünf geschäfte gekostet, um es zu bekommen. Das geliehene antibiotika und das fieberthermometer zu bekommen, war genauso schwierig, kein erfolg in den apotheken. Aber vorher noch den mundschutz aufzwingen, helm ab, über die brille, auch die nase und mund bedecken und dann, ‘no have’.

Das sandstrahlen mit wasser und nassem sand geht weiter. Der dilettant strahlt und die reinemachefrau füllt den sand und wasser nach. Manchmal geht es fünf minuten reibungslos. Nun taucht das nächste problem auf, es gibt wieder einmal kein wasser und das hält sich über viele tage hinweg. Der schiffsname an der steuerbordseite ist bis auf das C gelöscht. Passt gerade, da Jacques Daniel Michel Piccoli heute auch seinen abgang hatte.

20200519 rumpf

 

20200519 rumpf

 

Der küchenbereich in der mitte kommt gerade zum abschluss, restliche weiße farbe wird verstrichen. Strom ist auch schon verlegt, fehlen am anfang nur noch die wasseranschlüsse. Die gasflasche aus Neuseeland ist gestern abend mit dem halben bräuler wohl leer geworden. Heute morgen für den kaffee musste ich erstmal umbauen, neuer alter schlauch, druckminderer aus deutschland und die neue flasche anschließen. Besser als mitten im kochen.

20200522 boxenschrank

 

Ich wollte soviel und es sollte schön werden. Was die hier können, kann ich auch, nur die zeit drängt. Längst wollte ich wieder im wasser sein, alles fertig und ein paar nettigkeiten sollten auch dran sein. Alles ist nicht gelungen, nur noch prio eins arbeiten bis zur rampe.
Somit kann ich diesen platz gar nicht empfehlen, sie können wenig, pfuschen, schlampen und entschuldigen sich mit ausflüchen. Die qualität der rampe ist ein spiegelbild der arbeitsleistung hier. Kinder bauen einen damm, um das wasser abzuhalten, und nur um vier meter gleise tiefer zu verlegen. Es sollte von mitte märz plus einen monat dauern und jetzt sind sie schon sechs wochen zu spät.

Ich hatte eine mitfahrgelegenheit zum zoll und zu den supermärkten. Die verlängeung durch den zoll ging in zwanzig minuten über den tisch. Ein schreiben von dem slipyard, ein stempel in das alte dokument und eine unterschrift. Wichtig auch hier maske aufsetzen und noch wichtiger hände desinfizieren. Die mitarbeiter sind so hirnlos, dass sie sogar den usb-anschluss vom speicherstick damit abreiben.

20200522 desinfektion

 

Die küche fast fertig, die anschlüsse müssen wieder angebaut werden und die becken werden eingeklebt. Dafür muss ich den bugbereich säubern, damit dort der inhalt der mittelkabine abgelegt werden kann. Der kühlschrank bekommt gerade eine entrostungskur, schön dass ich den entroster gekauft hatte, brauch ihn häufiger als gedacht.

Bei der säuberungsaktion kam der nächste schaden zu tage. Mein besucher, der nicht mehr kommt, da ich die luken am abend schliesse, hat ganze arbeit geleistet. Alle tüten mit nudeln mal angeknabbert, mein mehlvorrat von fünf kilogram auch, den großen reissack und ein tetrapack mit haltbarer sahne. Das wäre nicht so schlimm gewesen, nur jetzt leben die packungen. Alle nudeln, meine trockenware an bohnen, erbsen und linsen, der durchgesiebte reis und das mehl gingen in die tonne. Der flugverkehr hat sich auch sehr stark reduziert.

Nächste woche soll es mit dem sandstrahlen weiter gehen, wenn das wasser wieder da ist. Wenn nicht kommt endlich das große gerät und es geht dann trocken weiter. Die rampe soll bis zum monatsende fertig werden, nur sie sagten nicht genau, welcher monat.

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Hotel California

Refit teil drei

Ich habe den titel während der schreibzeit mehrfach geändert. Aus der ferne haben mich die blockwarte und die ausgangssperre in der brd irritiert. Doch hier ist die situation zur zeit die, wir sind drin auf dem trockenen und kommen nicht raus.

20200401 bullshitbingo

 

Es ist noch immer anfang April, das schiff ist noch immer offen und ich habe ein kleines haariges problem. Aber zuerst ist die arbeitsweise der akteure hier abenteuerlich, auf jedenfall hirnlos. Es wurde mein schiff erstmals von innen grundiert, die schweißarbeiten sind noch nicht fertig. Ich kann die schweißnähte nicht mehr prüfen, die weiteren schweißungen sind auf farbe nicht sauber machbar.
Die gute nachricht indes: es sind drei wochen seit dem projektmeeting vergangen und ab heute ist der stellplatz kostenfrei. Wenn sie zu ihrem wort stehen. Das bringt mich aber auch nicht weiter, eine woche, in der nichts passiert.

20200401 t-schinen im schiff

 

20200401 laengstraeger

 

20200401 loch vier

 

Zum haarigen problem, kakerlaken hat fast jeder segler, bei mir waren schon mehrere arten im schiff. Nun habe ich wohl aber rattenbesuch hier im schiff. Zuerst dachte ich, der apfel hatte kakerlaken knabberbesuch. Dann fand ich noch eine orange, die auch angefressen wurde. Also bin ich zu einem auf dem gelände hin, der sich mit ratten auskennt. Ich fand das thema vorher bei ihm im sauberen schiff noch lustig und lachte innerlich, schadenfreude ist nicht gut. Nun habe ich mich bei ihm dafür entschuldigt, er konnte davon nichts wissen. Ich habe jetzt rattengift von ihm bekommen und warte mal ab.

Das wochenende ist schon wieder da und diesmal wird es keinen ausflug geben. Ich erledige kleine arbeiten am schiff und schaue mich ein wenig um. Die arbeiten gehen voran, es sind fast alle l-profile eingeschweißt unter kräftigem rauch von der verbrannten farbe. Nächste woche soll alles abgeschlossen sein und sie wollen das schiff ins wasser bringen. Zum einen ist das ok, testen, ob es dicht ist. Wird es wohl auch sein, ist doch schon farbe auf den nähten. Nur zum anderen beunruhigt es mich auch, trauen sie ihrer eigenen arbeit nicht.

20200403 farbe innen

 

Zufälligerweise hat einer am Sonntagnachmittag einen einkauf angesetzt und es war noch platz im auto. Also im baumarkt den motorölkauf im großgebinde realisiert. Danach noch einmal zu supermarkt, aber nur mit mundschutz, den man für einen euro erstehen kann.

Durch den schwachsinn der farbe im innern wurde am Mo das schweißen interessanter. Die grundierung wurde entfernt und das meiste wurde durch ein paar ampere abgebrannt. Das stinkt gewaltig, die luft ist zum schneiden dick, und ich denke nur, hoffentlich krepieren sie nicht im schiff. Die gehen dann sicherlich als coronatote wegen atemnot durch.

Am Di das gleiche, die luft im schiff ist noch dicker, einer flext innen, der alte schweißer fixiert alle l-und t-eisen mit seitenwechselnder naht. Da überall farbe drauf ist, brennt diese ab. Das gebläse verwirbelt nur den nebel. Draussen flext der erfahrene schweißer die nähte, nachdem ich mein wunschschleifen erklärt habe. Zuerst von oben nach unten, dann von unten nach oben, dann das ganze runden. Wird besser als das verschliffene original. Der dreck ist außerordentlich und ich habe schon mal ein reinigungsteam geordert, für wenn das werk fertig ist.

Mi: das loch wird verschlossen, vom alten. Innen soll der junge mit verdünner die abgebrannten stellen gleichzeitig säubern, ich will die flex. Verständnis, wissen, zero.
Das gebläse läuft und wirbelt den dreck im schiff herum, kein system zum herausblasen. Am abend ist die schwarze schicht so dick, dass ich anfange zu säubern, um nur halbdreckig ins bett zu kommen.

20200405 quertraeger

 

20200408 loch vier

 

20200408 slipyard

 

Sind diese menschen unterbezahlt, es kommt auf den vergleich an. Sind unsere berater überbezahlt, ich denke schon. Deren ergebnis ist mit den arbeitern auf einer ebene vergleichbar. Können nichts, wollen viel und das ergebnis ist negativ. Nur die menschen hier verdienen zwanzig euro, wenn sie gut sind. Der mindestlohn ist zehn euro. Im vergleich zum berater hinkt nicht so sehr, sein arsch wird für tausendfünfhundert am tag verkauft, wert ist er höchstens zweifünfzig.
Wer noch nicht die lücke erkennt, der genannte mindestlohn ist hier pro tag, nicht in der stunde. Denn der werftbetreiber als zuhälter kassiert natürlich mehr als die hälfte ab von der summe, die ich bezahlen muss. Wer von außerhalb kommt, muss abstecke zahlen, oder fettgeld zum schmieren.

Meine transportkarre hat eine neue ganze achse bekommen. Stangen gibt es genug, ab auf die drehbank, noch ein gewinde am ende und nach dem einschweißen fertig. Sie rollt wieder, fehlt noch ein wenig farbe, nachdem der rost entfernt ist.

20200408 transportkarre

 

Auch die ankerwinsch ist wieder zurück, ein zwischenstück für die achse in der kupplung. Und wenn wir schon dabei sind ein neues u-blech, damit die kette wieder von der nuss abgeschert wird.

20200404 ankerwinsch

 

20200404 motorkupplung

 

Do: der letzte teil des querträgers und des längsträgers vom vierten loch sind im schiff. Der alte verschweißt außen ringsum und der junge schweißer schleift die nähte, schleifen, schleifen und schleifen. Nach der entnommenen relingsprobe vor ein paar tagen sind die ersten relingstücke erneuert. Der alte hat währenddessen den ersten ausschnitt der mittelklampe wieder in position eingeflickt. Nicht schön, aber drin.

20200409 loch vier

 

Ein eisenbieger nimmt die falsche tür…, besser hier: gendergerechtsprech eisenbiegerinnen. Das machen hier frauen, sind wohl noch günstiger, aber mit akribie dabei. Die armierungen für die ecken werden hier vorort angefertig. Am nachmittag haben sie dann noch die verschalungen repariert, denn das betongießen ist nicht mehr weit.

20200409 eisenbiegen

 

20200409 eisenbiegen

 

20200410 eisenbieger

 

Die drücken die baumstämme bis spät in die nacht in den fluss. Sicherlich interessiert sich niemand hier für den größten mond des jahres. Das ist ein thema für die coronaeingesperrten, als ablenkung. Hier ist es nur in der planung, damit man einfacher die tiefen bereiche verschalen und gießen kann. Nur das wasser kommt auch höher und ich kann dann beim hochwasser nur noch knietief zum schiff kommen.

20200409 knietief

 

20200409 knietief

 

20200409 slipyard

 

Das wasser ist weg, der slipyard weiter zu und die segler kommen zurück. Die reise zwischen den thailändischen provinzen ist nicht mehr möglich und nun liegen sie schon zu dritt im großen päckchen, können das aber noch nicht. Zerdrückte fender, frische neue abgeschrammte farbe und der erste streit im stress ist angefacht. Wenn ich denen sage, nach der farbe ist vor der farbe, dann wollen sie mich fast lynchen.

20200409 rueckkehrer

 

20200410 zurueckkommer

 

Das war wohl doch noch nichts mit der farbe im innern, da die nähte außen noch nicht abgenommen sind. Oder anders formuliert, die sehen noch schlechter aus, als wenn ich das gebraten hätte. Ergo schleifen und schweißen und schleifen. Es kostet mich eine menge zeit, aber es soll einigermaßen werden, nicht super.
Dafür hat meine reling jetzt vier neue ständerrohre und eine horizontale erhalten. Dieser schweißer mag seinen job, er kann auch drehen, aber das gefällt nicht so sehr. Meine neue achse an der sackkarre ist trotzdem rund geworden.

20200409 relingstuetze

 

20200413 relingsrohr

 

20200413 relingstuetze

 

Das war nicht so richtig etwas mit dem ausflug am Sonntag. Die erste straße links ab und dann immer  geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, rechts abbiegen. Das hat alles funktioniert, die sonne schien und ich konnte mich am schatten orientieren und kam auch dort an, wo ich hinwollte. Nur nichts aufregendes gesehen, bäume, garnelenteiche und landschaft. Meine fieberdurchschnittstemperatur von drei messorten beträgt fünfunddreißig komma vier grad. Noch ein paar messungen weiter und ich erfriere hier an unterkühlung, aber immer schön mit maske.
Warum nur, warum sind alle unterbelichtet, warum kuschen alle, warum glauben sie alles, warum schweigt die mehrheit.
Im supermarkt dann die nächste regel, von heute an bis zum neunzehnten gibt es keinen alkohol zu kaufen. Wie soll ich denn den schwachsinn ohne betäubung überstehen? Beißen sie mal fester auf den korken, solange wir ihnen die propaganda ins hirn pumpen.

Die woche beginnt, ich bin weit vor der sonne wach, durch diese religiösen fanatiker morgens um fünf. Dazu kommt eine sehr schlechte nacht, sehr heiß und ein altes problem ist wieder im schiff. Während ich versucht habe einzuschlafen, fiel ein esslöffel zu boden. Beim ersten pling will man es noch nicht glauben, aber es kann nur der von der rattengiftdose sein. Das ergebnis ist ein angeknabberter neuer apfel und eine halb verschleppte abgeknabberte mango. Beides gestern gekauft und neben dem herd auf dem tisch abgelegt. Dabei hat sie eine woche lang kein gift gefressen. Die jagt geht weiter.

Ein zweiter tag und keine schweißerei und schleiferei, mann, bin ich genervt. Alternative projekte müssen her und dafür brauche ich bald mein schweißgerät und meine elektrischen werkzeuge. Das erste ist tief unten in der mittelkabine, in die ich alle sitzkissen und küchenschubladen gestopft habe. Alles raus und in die achterkabine, danach wieder alles zurück, schweißnass.
Die werkzeuge sind vorn unter dem kühlschrank und dem küchenrest. Unterm werkzeug lagert das antifouling und darauf sind rattenködel, hart und durchgetrocknet. Das biest hat letzte nacht den cracker in der falle verweigert, heute abend hängt dort eine leckere scheibe mango.

20200413 rattenfalle
Die windsteueranlage scheint heute fertig geworden zu sein, morgen werde ich sie testen. Die umlenkrollen der genualeine sind restlos zerlegt, eine halterung wurde geschweißt, eine andere hat eine neue mutter aufgeschweißt bekommen. Alles dauert und wird nicht schneller.

20200413 handlauf neu

 

Vielleicht passiert heute etwas am schiff, am Do. Gestern waren keine aktivitäten zu spüren, dabei ist nur noch ein tag richtige arbeit erforderlich. Die windsteueranlage liegt jetzt bei mir auf einem tisch am boot.
Die fünfzehn halterungen für die inneneinrichtung haben sie dann gestern doch noch angefangen zu produzieren. Der auftrag ist schon über eine woche alt. Die gute und schlechte nachricht ist, dass zwei segmente im badbereich wieder stehen, nur provisorisch. Die schlechte ist, dass sich die geometrie ein wenig geändert hat, die längsträger habe eine neue position und die querträger sind breiter. Ich habe ja zeit.

20200416 halterungen

 

20200411 nachschweissungen

 

Gestern am Do und heute habe ich das bad und die küche bis zum herd wieder in position gebracht. Es ist alles, nur nicht fertig. Das brett, auf dem das klo ruht, hat eine doppel t-schienen halterung bekommen, mit dem rumpf verschweißt. Somit könnten auch theoretisch die zweihundertkilo ärsche darauf sitzen, nur sie kommen ja nicht ins schiff. Alle anderen holzwände haben ein bis zwei der halterungen bekommen, alle verschweißt.
Morgen geht es an den rest, zwischen herd und weißem schrank. Alles stimmt nicht mehr so richtig, viele neue auskehlungen und der rechte winkel mit dem auge gemessen. Hinderlich sind auch neue querträger, die vorher nicht vorhanden waren, deren abmessungen sind sowieso größer. Aber morgen soll die schleiferei und schweißerei beendet werden, ich bin gespannt.

20200416 wc träger

 

20200420 wc träger

 

20200416 badfixierung

 

Auch ein dicker hals lässt nach, es wurde angefangen zu schleifen. Nur sie verstehen nicht, dass eine schweißnaht geschlossen sein sollte. Also lernkurve noch einmal von vorn, wobei der schweißer weiß, wovon ich rede. Nur hat der sozusagen manager von tunten und blasen keine ahnung.
Wir sind sehr kurz vorm ziel, und neue ideen kommen auf, die nicht zielführend sind. Es kostet nicht nur meine energie.

Dafür habe ich schon über zehn der halterungen im schiff verschweißt. Eine neue trennwand ist im schiff, als ersatz von dem flickenholzteppich, als ich die reste vor acht jahren verwendet hatte. Nun ist das teil nicht mehr aus vier reststücken.

20200418 kuechenfixierung

 

20200418 kuechenende

 

Entweder ist es eine wetteranomalie oder die regenzeit fängt hier schon an. Am nachmittag so um drei ziehen dicke schwarze wolken auf und ergießen sich heftig. Ein unwetter in der deutschen zone ist dagegen nieselregen.
Der tagesausflug war heute mal am Dienstag, gestern war des führers geburtstag und neue maßnahmen sollten ergriffen werden. Die ansteckungsrate ist unter eins, es gibt über zehntausend freie intensivbetten in den krankenhäusern in der brd, keine pandemie, kaum tote und trotzdem ist das grundgesetz außer kraft. Die knarrenbauerin bestellt mal eben fast fünfzig neue atombombentragfähige kampfflugzeuge am parlament vorbei. Auf China wird eingedroschen und forderungen werden laut, auf die russen sowieso. Die automobilproduktion wird hochgefahren und das kontaktverbot bleibt trotzdem bestehen. Und keiner muckt auf, sehr brav, sieg merkel oder so.
Hier in Thailand haben sie mal das alkoholverkaufsverbot bis zum monatsende verlängert. Alles haben eine maske zu tragen, wenn ich aus dem lager rausgehe bis nach Satun, hängt sie unterm kinn. Meine ausbeute heute ist eine kreissäge, ich habe die zeit und arbeite mindestens genau so gut wie die holzarbeiter. Richtige tischler gibt es kaum welche.
Das letzte blech war etwas pfuschig eingebraten worden. Die obere naht hat mindestens eine zwei millimeter tiefe lücke. Ihre lösung war ein u-profil mit vielen schrauben. Die werden an den rumpf geschweisst und die muttern werden angezogen. Von innen kommt dann der fünfkilohammer, während die muttern angezogen werden, eine kaltverformung. Wenn sie dauerhaft hält, ist es gut.

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 kaltverformung

 

20200421 big hammer

 

Heute ist Fr der vierundzwanzigste April und drei wochen später, als der fertigstellungstermin. Die schweißarbeiten sind fertig, es fehlt nur noch das küchenabwasserrohr. Das teil ist auch schon mit zwei gewinden versehen worden, an beiden enden, wozu. Eins hätte doch gereicht. Leider mucken sie auch herum und wollen sich von ihrer zusage drücken, die überzogene zeit sei frei. Diese wesenszüge gefallen mir nicht und machen mich mehr als ärgerlich.

Der gleiche tag nur am abend. Es ist nichts von der werftseite passiert, der manager war heute auch nicht freundlich, egal. Smaltalk mit dem besitzer und ich hoffe, dass morgen das projekt rumpf abgeschlossen ist.
Dafür habe ich heute schonmal alle neu abgebrannte farbe weggeflext, macht dreck. Der mindestlohndilettant kann dann mit schleifpapier und einer drahtbürste noch darüber gehen.
Der türrahmen zur achterkabine hat ein wenig epoxi-spachtel erhalten, er ist halbwegs aus dem zustand des zerbrechens heraus. Mein lieblings lavac hat eine entrostungskur bekommen. Mein zugeführtes essen war über die letzten jahre nicht so sehr eisenhaltig. Dennoch rosten die edelstahlschrauben der befestigung und das habe ich entfernt. Es sind jetzt die kleinen schritte, die die zusammensetzung des großen verbessern.

20200423 neue halterung

 

20200425 neues abwasserrohr

 

Ich muss vorsichtiger und nicht so vertrauensvoll mit den diesen leuten werden. Der manager ist ein entfernter teil der familie, die ansprechpartnerin ist mit dem schlaganfallgelähmten sohn des besitzers verheiratet. Das hier ist alles eine mischpoke.

Die arbeiten am slipway gehen auch nur schleppend voran. Die winde hat zusätzlich zum verschleiß einen getriebeschaden. Dafür ist die neue achse für die kabeltrommel fertig. Und weil der damm zum abhalten des flusses noch wasser durchlässt, wird an einigen stellen auf dem slipweg der beton entfernt. Dort sollen überfahrten der gleise für den gabelstabler neu gegossen werden. Sie werden das alles hinbekommen, nur wann.

Keep calm and build on. Die neue halterung wird von mir bald verbaut werden. Auf gesprächsdruck meinerseits hatten sie plötzlich keine zusage zum freien platz mehr gegeben, dann ist auch gerade die farbe ausgegangen. Und dann wurde ich doch sehr laut, nicht meine art. Der manager ist währenddessen vom grundstück gegangen.
Jetzt wird es spannend werden.

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Eingesperrt auf dem Slipyard

Refit teil zwo

Der slipyard ist fast zu und die restlichen schiffe, so auch ich, müssen mindestens einen monat warten. Das wusste ich vorher und es stört mich auch nicht. Dass auch gleichzeitig Thailand zu ist, stört mich ebenfalls nicht. Man kann das land verlassen, nur man kommt in kein anderes land hinein. Und alles weil ein paar leute etwas großes vorhaben. Wir werden sehen, Orwell 2.0.

Das austauschen der außenhaut am schiff geht voran, das dritte loch ist fast zu. Durch die schnelle hilfe von anderen, bauenden luftschiffbesitzern weiß ich jetzt auch, wie die reihenfolge der verschweißungen sein soll. Die farbe ist auch schon geordert und den preis für das sandstrahlen kenne ich. Es geht also weiter, nur heute ist wieder ein Freitag und das nimmt der schweißer wörtlich. Dafür werden sie nächste woche zu zweit arbeiten.

Inzwischen habe ich die windsteueranlage abgebaut, ich will ja nicht ganz untätig sein. Das zerlegen ging allerdings nach hinten los. Einige imbusschrauben sind so festgegammelt, dass ich sie aufbohren musste. Bei der letzten überholung in Argentinien haben sie geschlampt und die edelstahlschrauben direkt in das aluminium gedreht. Diese beiden materialien reagierten seitdem. Die lagerbuchsen werden fast alle ausgetauscht, das spiel des systems ist einfach überall zu groß, in der summe riesig. Der nächste ozean ist groß und die steuerung ist sehr wichtig dafür.

20200321 kranker patient

 

20200319 drittes loch platte eins

 

Das blech nummer sechs im loch nummer drei am schiff ist fast drin. Morgen wird es hoffentlich fertig geheftet sein und loch nummer vier wird offen sein. Ich gehe währenddessen immer zwischen der baustelle, den buchsen für die windsteuerung und dem schiff hin und her.

20200319 drittes loch platte zwei

 

20200321 buchsenherstellung

 

Aber heute ist Sonntag und ich hatte wieder den roller. Einmal zum großen supermarkt, der recht gut sortiert ist, danach zum hühnerfrittierladen kentuckyschreitficken. Das erste mal in meinem leben, mal etwas neues. Kurz vor dem rollerparkplatz noch vier neue t-shirts erstanden mit sinnfreien aufdrucken. Irgendwie zog es mich dann noch in den riesigen baumarkt. Dort habe ich das motoröl, das ich in Neukaledonien für sehr teures geld erworben hatte, wiedergefunden. Hier kostet der liter nur zwei euro dreißig, also ein viertel von dem goldöl.
Und weil heute sowieso nichts läuft, bin ich mal zum strand. Sie nennen es beach, ich eher küste. Kein richtiger sand und auf der anderen seite ist Langkawi in sichtweite. Auch habe ich die stelle wiedergefunden, an der ich mich festgefahren hatte. Nach fünf stunden auf dem roller bin ich dann wieder am schiff angekommen, der hintern tut weh vom sitzen.

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

20200322 sonntagsausflug

 

Am Montag war dann das loch nummer drei zu und das vierte wurde aufgetrennt. Diesmal nicht mit dem brenner, das war mir zu heikel im badbereich. Gleichzeitig sind weitere buchsen gedreht worden, es sieht gut aus. Noch zwei boote gehen ins wasser und keins mehr raus. Somit kehrt hier ein wenig ruhe ein. In diesen monat muss sich im schiff einiges bewegen, personal ist genug da und nur drei aktive boote.

20200324 freier blick

 

Es gibt hier keine kleinen t-eisen, nur die größe ab zehn zentimeter. Also fertigen die mitarbeiter hier die teile selbst. Wie schnell die eine schablone dafür gebaut haben, war erstaunlich. Sicherlich nicht das erste mal. Dann eine kurze heftung, ein flachstahl unten in der nut, eins senkrecht darauf. Einer heftet die teile zusammen, während der andere mit dem hammer die vorrichtung weitertreibt.
Der eine manager wollte dann die l-profile aus flachstahl biegen, das ist murks, wurde von mir abgelehnt. Der andere manager hatte vorher ein u-profil besorgt und es wurde eine seite abgeflext. Dann kam es zwischendrin zu einem kleinen eklat. Am ende siegte abflexen gegen biegen.

20200324 t-schinen schablone

 

20200324 t-schinen produktion

 

Das war gestern, und heute wird hier kräftig im schiff geschliffen und das ist wieder scheiße. Als abhilfe dient ein großes gebläse, das den staub aus dem schiff saugt, denn die stahlplatten haben noch den zunder drauf und sind nicht grundiert. Außen wird eh gesandstrahlt, aber warum haben die den dreck nicht vorher entfernt. Arbeitsreihenfolge und effizienz sind noch nicht bis hierher gedrungen.
Heute ist Mittwoch, der fünfundzwanzigste März. Die finanzindustrie hat längere arme und so gibt es ab heute eine quasi ausgangssperre, zumindest in Bangkok. Hier auf dem land gibt es schon mal zwei kontrollposten zum fiebermessen bis nach Satun. Diese vollpfosten machen jeden blödsinn mit. Die schulbildung ist schlecht und viele enden im mindestlohnbereich. Eine fremdsprache ist oft mangelware. Keine bildung, keine perspektive und kuschen. Die amerikaner haben im illegalen vietnamkrieg aus diesem land einen groß puff gemacht, und das ist er geblieben, frauen zählen nichts bis wenig. Muss ich mehr schreiben.

Auch hatte ich geschrieben, dass der slipyard geschlossen ist. Ja, nein, weiss nicht. Ein segler ist noch hier und geht sehr bald ins wasser. Nur es kommt keiner mehr heraus, oder fast keiner. Wenn es aber um den könig geht oder seine machterhaltenden instrumente, dann lutschen die menschen hier jeden drops. Das personal des schiffes wird intensiv und mit mehr demut gegrüßt. Heinrich Mann mit seinem untertan lässt grüßen, geht es noch ein wenig tiefer, die hier können das.

20200326 ausnahmen

 

Somit ist am Donnerstag der slipyard zu, quasi fast. Zwei weitere polizeiboote sind an land und wie flink sie arbeiten.
Dafür gibt es einen neuen schweißer am schiff, älter, ruhig und soll erfahren sein. Während er mal hier und dort ein stück zu schweißt, damit kein verzug entsteht, schleift ein jungsporn im schiff. Der dreck ist außerordentlich, für den zunder auf den platten benutzt er eine schrubbscheibe. Jetzt erstmal grob geschliffen, danach noch einmal fein, dilettanten mit dreifacher arbeit. Das gleiche schleifen mit den t-schienen, vor dem schweißen wäre es einfacher gewesen. Aber dann gleich farbe rübergüllen. Die brennt doch beim schweißen wieder ab.

20200401 t-schinen im schiff

 

20200401 t-schinen im schiff

 

Am Freitag war dann die besatzung wieder kleiner und ich als feuerwehrinspekteur im schiff. Lebten die flammen zu lange, habe ich sie gelöscht. In Papeete habe ich gelernt, dass die isolierung auch brennen kann und das ist mist.

20200327 flammen im schiff

 

Sie haben wenig zu tun und deshalb wird das schiff schon mal eingetütet. Ich habe ihnen gesagt, dass das sandstrahlen erst erfolgt, nachdem ich neue halterungen für die küche eingeschweißt habe. Aber sie haben doch zeit.

Somit war am Sa großes aufgebot, außen hat zuerst der alte die nähte gezogen, der mit der flex hat die senkrechten nähte grob geschliffen. Innen war der standardschweißer aktiv, mit der flex und danach schweißend an den ersten innennähten. Bis jetzt sieht es gut aus, aber es war heiß im schiff. Ein paar kiloampere sind in wärme verwandelt worden.

Nachtrag zu den patroullienbooten, egal ob sie aus stahl sind oder aluminium. Das große erste boot hatte ein kleines loch im rumpf am bug. So floss dort über zwei tage landwasser heraus, nachdem das loch vergrößert wurde. Ich habe das auch mal abgeschmeckt, süsswasser. Dann stellte sich heraus, dass der wassertank ein leck hat. Was war das ergebnis, sie haben das loch im rumpf zugeschweißt. Der wassertank wurde nicht repariert, sechs opferanoden sind schon mindestens seit dem letzten anstrich nicht mehr vorhanden. Diese leute fahren das material auf verschleiß, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie keine bildung haben. Es ist keine frage ob, sondern nur wann das nächste loch durchgammelt. Bei den anderen schiffen sieht es ähnlich aus, dort hätte sogar ich schon die anoden getauscht. Überall auf der welt bei bildungsfernen gesellschaften ist es das gleiche. Ist irgend etwas kaputt, weil es nicht gewartet wurde, wollen sie einfach ein neues haben. Erfahrungen eines seglers während der reise.

20200328 ausnahmen

 

Am So war wieder ein ausflug angesagt, vorher noch in den großen supermarkt und danach wieder in den baumarkt. Dort habe ich zwei räder für meine sackkarre erstanden, die leider nicht passen, ein paar Liter motoröl und elektrokabel.
Um dort hinzukommen, gab es erstmal einmal fiebermessen am ortsausgang. Wie sinnfrei ist das, hätte ich fieber und vielleicht auch das virus, ist es eh zu spät, da ich es seit tagen schon verbreitet hätte. Nun egal, die menschen haben einen bezahlten job und das ist viel wert in diesen land.
Das nächste fiebermessen war unmittelbar in der tür zum supermarkt, mit strichen auf dem boden und dabei wichtig tun. Und auf dem weg dorthin hielt eine frau mit kind auf einem roller an der roten ampel neben mir an und gab mir einen mundschutz. Nett gemeint und danke, trotzdem sinnlos.
Zurück zum schiff, die waren abgeliefert und weiter geht die reise. Diesmal nicht in richtung meer, sonder immer links abbiegen, ich habe keine karte und muss mir den weg merken. Die landschaft ist recht flach, kleine steigungen mit ein paar hügeln. Diese sind von monokulturen bewachsen. Entweder es sind gummibäume mit ritzungen und auffangbehältern oder noch palmenplantagen. Wenn das gebiet tief und flach ist, findet man auch teiche für garnelen. Das ende der straße war am fluss, eine brücke, dann der weitere ort und ende. Dort beobachteten die menschen schon sehr interessiert mein verhalten. Umkehren und wieder zurückfahren.

Hierzu sollte es einige bilder geben, jedoch habe ich die kamera im roller gelassen und ein anderer konnte sie gut gebrauchen. Das geht auch als test durch, denn nur auf dem werftgelände hatten sie zugriff. Somit muss ich ein wenig mehr auf den inhalt des schiffes achten.
Nachtrag: gestern am Di abend habe ich die kamera wiederbekommen, jemand aus dem büro hat sie gerettet. Also gibt es doch wieder bilder.

20200329 gummibaumplantage

 

20200329 gummibaumplantage

 

20200329 palmenplantage

 

20200329 palmenplantage

 

20200329 garnelenteiche

 

20200329 garnelenteiche

 

Somit ist jetzt Mo und die woche fing nicht gut an. Der alte mann in der werkstatt, der wusste, wie vieles funktioniert, und der die manschaft koordiniert hat, ist tot. Er meinte, als siebzigjähriger müsse man arbeiten bist zur kiste, ist auf das dach seines hauses geklettert, um den wassertank zu reinigen. Der war fast leer, doch er musste sich an irgendwelchen stromleitungen festhalten. Die finger verbrannt und der austritt in der brust. Man fand ihn stunden später im tank, ein Darwin award kandidat oder man bucht ihn einfach auf den virus.
Das ist bitter für die familie und den rest im ort, jeder kennt alle und der größte arbeitgeber/nehmer ist diese werft hier. Somit ist der alte schweißer an meinem boot sein bruder, die verwandschaft in der werkstatt und alles steht still. Das nächste problem längerfristig ist das verlorene wissen.

Dem schweißer, der den rumpf stückweise ersetzt hat, habe ich verklickert, wie die t-eisen zu verschweißen sind, dass man dafür sinnigerweisse ein u-eisen werkzeug mit schraube benutzen kann, da es die arbeit beschleunigt und verbessert. Er hat es auch beherzigt und wendet es an, die qualität wird hoffentlich besser. Heute am Di sind schon die unteren beiden längsverstärkungen im schiff.
Heute kam zudem mein neues ankerwinschgetriebe. Natürlich kann es nicht beim ersten mal passen. Diesmal ist die welle vom motor zu klein oder der adapter zu groß. Kein problem, es wird etwas dazwischen gebaut, mal sehen.

Heute ist Fr der dritte april und die situation verschärft sich. Das große milgram experiment geht auch hier in die zweite phase. Zusammensitzen und essen geht vor dem kleinen laden innerhalb der werft nicht mehr. Man hat kurzerhand den shop zum restaurant definiert und aus der schmaus. Futter to go ist aber noch möglich.
Milgram wurde im jahr der ersten machtergreifung geboren und starb im orwellschen jahr, schon recht komisch.  Alle machen mit, denunzieren der nachbarn die nicht mitspielen läuft sehr gut. Ich warte nur noch auf den zeitpunkt, an dem man das coronapositivabzeichen, feindsenderseherabzeichen oder selbstständigdenkerabzeichen auf seine jacke nähen muss. Die obrigkeit hat schiss, zu recht und muss sich vor dem pöbel schützen. Wird dann aber nichts mehr nützen.

Heute sind drei wochen seit dem projektmeeting vergangen, das schiff ist noch immer offen und nicht fertig. Wenn sie wort halten, stehe ich hier ab morgen für umsonst.

 

 

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Wieder einmal Rast auf einem Schiffsfriedhof

Refit teil 1

Das slippen lief sehr entspannt ab, die leute kennen ihre bahn. Da es Sa war, blieb ich in der mitte stehen, am Mo räumt man den platz frei. Ein blick über das gelände, teilweise sehr müllig, aber sie räumen auf, jeden tag ein wenig. Ein paar schiffe stehen hier allerdings schon jahre und wohl für die ewigkeit bis zum schweißbrenner.

Das einklarieren hat nur eine stunde gedauert, der knabe von der immigration wunderte sich nur über die zehn tage seit Port Dickson. Nur hatte er keine ahnung, wie weit weg das ist. Ich bekomme als kapitän keinen stempel in den pass. Und auf einem anderen dokument ist auch kein ausreisedatum vermerkt. Somit könnte ich hier sehr lange bleiben, will ich aber nicht.

Tag 1 und 2

Nachdem das schiff nun endgültig steht, habe ich die segel abgeschlagen und vertütet. Mann ist das tuch schwer. Somit ist das deck frei und kann als lager für die teile des innenausbaus verwendet werden.
Angefangen habe ich beim bugschrank, der vollständig zerlegt wurde. Beim bau habe ich nicht mehr auf die modularisierung geachtet. Dann ging es an die vier meter küchenzeile mit dem schrank. Es sollte alles für die ewigkeit sein, diese dauerte sechs bis acht jahre.
Wichtig für alle, die noch bauen, verwendet keine spaxschrauben oder nur v2a. Die dinger rosten sonst im schiff, reißen ab oder der kopf wird rund und lässt sich nicht mehr schrauben. Was sich bewährt hat sind innenvielzahnschrauben. Mit dem richtigen bit lassen sie sich gut heraus schrauben.
Das ganze holz wird an deck gelagert, eine plane drüber, wenn der regen kommt.

20200303 rueckbau

 

20200303 rueckbau

 

20200304 kuechenecke

 

20200304 rueckbau

 

20200304 rueckbau

 

20200304 rueckbau

 

Tag 3

Die küche ist vollständig raus, gekocht wird im bug, im rest vom schrank. Eine spüle ist noch nicht vorhanden, solange das waschbecken im bad da ist. Nur ohne fließend wasser ist das alles nur halb brauchbar. Die wasserversorgung ist auch abgeklemmt und der abwasserschlauch hat sich natürlich im schiff entleert. Die schwarze brühe müffelt sehr.

Die ersten meter der isolierung sind auch schon ab. Dahinter war es feucht, ich hoffe, es ist durch die verformung entstanden. Ich habe mir damals jahrelang mühe gemacht, um das schiff zu isolieren, und in minuten ist das zeug mit viel kraft raus. Mal sehen, wie lange der küchenwiederaufbau dauert.

Das erste projekt ist auch fertig, das fahrrad ist repariert, das tretlager getauscht. Und das ganze für zwanzig euro, eine ölung gab’s dazu und die reifen wurden auch aufgepumpt, schön so. Am abend gab es dann von der werft eine pizza für jedes schiff. Und der name war auch drauf.

20200305 isolierungsfrei

 

20200305 isolierungsfrei

 

20200305 pizza tag

 

Tag 4

Weitere meter im schiff sind von der isolierung befreit, bis zum badbereich bin ich schon gekommen. Es zeigt sich, dort wo der rumpf beschädigt ist, ist feuchtigkeit unter die isolierung gekommen, und nicht wenig. Im bereich darüber hält der kleber besser als erwartet.
Ich musste sie ein wenig drängen, aber wir haben den rumpf mit kreidestrichen überzogen, alles was raus muss. Das ist mehr als gedacht und ich muss mich entscheiden. Es geht um dreißig zentimeter, die leicht verbeuelt blieben, oder ich muss den fäkalienschrank zerlegen. Das hätte auswirkungen bis in die achterkabine und ich will den müffelnden bereich lieber so belassen. Dies wird keine baustelle werden, das lasse ich lieber.
Das kleine nächste problem ist der stahl, in zoll maßen. Somit werden es null komma neun millimeter mehr rumpfstärke werden statt einen weniger. Morgen soll es schon ankommen und dann kann es losgehen mit dem aufschneiden. Ach ja, t-eisen gibt es hier auch keine, die werden dann hier aus flachstahl gefertigt.

20200306 isolierungsfrei

 

20200306 isolierungsfrei

 

Tag 5 bis 7

Die ganze backbordseite ist nun von der isolierung befreit, oder besser der bereich, der ausgetauscht werden soll. Die demontage verlief gut, bei ein paar elementen musste ich die schrauben herausreißen, da kam ich nicht hin. Anstatt alles sequentiell zu bauen, hätte es besser in abgeschlossenen modulen sein sollen. Beim nächsten schiff wird es so gemacht.
Während ein mitarbeiter der werft angefangen hat, den rumpf aufzuschneiden, habe ich die ankerwinsch ausgebaut. Enge arbeit und es ist nicht so richtig mit dem werkzeug an die muttern zu kommen. Dann zur werkstatt hin und der meister sollte es zerlegen. Nicht einmal vielzahnbits haben sie hier. So brachte ich mein werkzeug und es ging alles sehr einfach. Wie schon vermutet war wieder ein metallspänesalat im innern. Das zahnrad und die schnecke gehen nach Bangkok und werden neu gefertigt.
Nach drei stunden herumflexen mit einem kleinen spielzeug konnte ich die firma überzeugen, dass das große werkzeug ran muss. Eine flex mit einer zweihunderter trennscheibe. Meiner meinung nach ist der arbeiter ein wenig unbeholfen, ich gebe ihm tipps, wo ich kann. Als er die erste beule durchtrennnte hatte, diese ploppte auf, vibrierte das ganze schiff. Da ist eine menge von spannung im blech. Ein plasmaschneider ist auch nicht vorhanden, hier ticken die uhren anders.

20200307 erster schnitt

 

20200307 erster schnitt

 

20200307 erster schnitt

 

20200307 neues blech

 

20200309 lieblingswerkzeug

 

20200309 spielzeug

 

Das nächste kleine projekt ist auch abgeschlossen, der entfaltete und gerichtete propeller ist wieder zurück. Sieht gut aus, die können hier mehr als die leute in Neukaledonien.

20190817 propeller vorher

 

20200307 propeller nachher

 

20200307 propeller nachher

 

Es hat ganze vier tage gedauert, das erste große loch in den rumpf zu schneiden und wieder zu verschließen. Sie arbeiten hier im schneckentempo und das macht mich wahnsinnig. Bei dieser geschwindigkeit bin ich noch ein wenig länger hier.
Dafür war ich schon einmal in der stadt Satun mit dem motorroller. Dieser ort ist eine lange straße, an der alle geschäfte zu finden sind. Ein paar nebenstrassen und das war es, allerdings ist er auch zehn kilometer lang. Nur ein roller ist nicht so praktisch beim einkaufen. Der eine supermarkt ist nur mit dem auto zu gebrauchen, großgebinde verkauf. Fisch, obst und gemüse gibt es in kleinen mengen.
Dafür war der baumarkt riesig, alles was man so gebrauchen kann. Sogar einen motor für meinen stromgenerator würde ich dort bekommen.

Die tage vergehen und den dreizehnten habe ich auch gut überlebt, nur der schweißer war nicht da. Dann gab es ein projektmeeting und wir haben den rahmen abgesteckt. Der rumpf mit grundierung wird zu einem festpreis gemacht, brauchen sie länger als drei wochen, stehe ich hier umsonst.
Aber es war auch ein Freitag und so passierte doch etwas, mein schlüssel für die waschräume ist mir in den offenen abwasserkanal gefallen. Als ich das gitter angehoben habe, liftete ich auch das waschbecken, das nur in seine halterung eingesteckt wurde. Viele splitter, ein blutiger finger, aber den schlüssel habe ich zurückgefischt.

Heute am Samstag ist das nächste stück blech dran, das folgende ist in arbeit. Ich war währenddessen kopfüber im motorraum. Die bilgenpumpe sollte einen neuen platz erhalten, so weit so gut. Das ganze arbeiten ist nur sehr schwierig, es ist heiß und der schweiß läuft mir in kürzester zeit in die augen und tropft danach ab. Die pumpe wird es aufsaugen.
Inzwischen läuft die welt amok, eine grippe. Jeder schottet sich ab, auch die wahrscheinlichen verursacher machen ihr land dicht. Keiner stellt die frage, warum China und der Iran so viele tote hat, einfach mal nachdenken. Wem nützt es?

Ich habe es aufgegeben, die tage zu zählen, bleibe besser beim datum. Der arbeiter hat sich eingearbeitet, er weiß jetzt, wie das schiff tickt. Das beste resultat erzielt er, wenn zuerst das loch rausgebrannt wird. Zuerst ein kleines für den abzug der wärme, dann in zwei teilen der rest. Danach kommt die doppelte arbeit, denn jetzt nutzt er die flex für den rest. Das ist aber einfacher und sicherer. Während es im schiff brennt, bin ich dabei. Er hat zwar wasser, aber ein backup kann nicht schaden.

20200309 erstes loch

 

20200311 zwewites blech

 

20200312 zweiter schnitt

 

20200312 zweiter schnitt

 

20200315 erstes loch zu

 

Es ist noch ein kommen und gehen und dann bleibt der dreck liegen. Ich habe schon öfter behauptet, die fischer sind dreckschweine und ich bleibe dabei. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, landet hier auf dem boden und tritt sich fest. Altöl vermischt sich dann mit den sägespänen.

20200312 andere projekte

 

20200316 stellplatz

 

20200316 stellplatz

 

Und dann das zentrale thema des viruses. Von panik ist hier nichts zu spüren, nur es gibt ein problem. Malaysia hat auch seine grenzen geschlossen und viele segler hier haben das problem wohin. Sie sind glücklich, wenn sie eine verlängerung bekommen. Andere fliegen nach hause, wenn der flieger noch geht. Sechs verschiebungen sind normal, zwei tage auf den anschlussflug warten wohl auch. Ich sehe das jetzt noch ganz entspannt, solange das bedruckte papier aus dem automaten kommt und ich hier auch die rechnung bezahlen kann. Gibt es eine währungsreform oder enteignung, werde ich wohl auf dem landweg per anhalter zurückkommen.

20200316 zweites loch zu

 

20200317 drittes loch

 

20200317 drittes loch

 

Somit endet diese geschichte mit einen cliff hanger, ist auch nicht so schlimm.

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Eine Schaufel Kohlen mehr nach Satun

Es hätte so schön sein können und auch teurer. Am vormittag bin ich in der marina in Nongsa angekommen, super anlegemanöver, keiner half, alles war vorbereitet. Im büro war der manager da, australier, freundlich und zeigte mir gleich alles wichtige. Waschmaschinen und trockner umsonst, den pub, das restaurant, wer den shuttlebus betreibt für die stadtfahrt und den swimmingpool. Der preis pro tag um fünfzig euronen. Das büro organisiert die formalitäten der immigration. Im shop gab es auch alkohol zu kaufen – liegt auch daran, dass es ein ressort ist. Das wlan reichte gut bis zum schiff.

Das dicke problem kam auf, als klar wurde: ich hätte mich ja schon aus Indonesien abgemeldet. Dann kam der habourmaster, der wollte mir zwei tage für die reparaturen geben. Nur dann meldete sich der agent, ich könne nicht wieder einklarieren. Dazu kommt eine heftige geldstrafe. Ja geht es noch? Die marina wollte auch keinen ärger, und so wäre es schön, wenn ich wieder abführe und draußen hinter einer insel ankere.
Immerhin konnte ich bis dahin meine mails abrufen, habe versucht, die homebase zu erreichen, eine waschmaschine voll gewaschen und getrocknet, eine kleine wartung durchgeführt, den müll entsorgt, das restliche geld ausgegeben und hatte angefangen, wasser aufzufüllen. Dann kam ein weiterer mitarbeiter der marina, sagte, er hätte gleich feierabend. Ich müsse jetzt ablegen, da er ein foto davon machen müsse, das zur immigration geht. Aus mit der freundlichkeit.
Also leinen los und raus. Ein stück weiter als die insel fiel wieder der anker. Es blieb mir keine zeit, den letzten bericht zu posten, das muss später erfolgen.

Dabei wäre eine mail sehr wichtig gewesen: die von meiner werft in Thailand. Es wäre gut, wenn ich vor mitte März dort wäre, denn die rampe zum slippen wird für einen monat lang gesperrt. Deshalb muss ich mich jetzt sehr beeilen, einen monat mehr verschenken ist nicht drin.

Am Freitag, den vierzehnten Januar ging es alles recht schnell. Den angedachten ankerplatz vor der überquerung des verkehrstrennungsgebietes gegenüber von Singapore habe ich nicht angelaufen. Es passte einfach alles, direkt hinter einem containerschiff die erste fahrbahn überquert. Auf der anderen seite wurde es ein wenig eng, den tanker noch vorbei gelassen und vor dem frachter rüber. War eng, ging aber, farbe ist noch dran.

20200214 ueberquerung

 

20200214 ueberquerung

 

20200214 ueberquerung

 

In Singpore angekommen lernte ich auch gleich die polizei kennen. Wohin ich wolle? Zu dem ankerplatz in zweihundert metern entfernung. Geht nicht, erst einklarieren, und sie wollen nach Malaysien, da links geht es lang, gute reise.
Somit war es nichts mit dem abwarten auf die richtige gezeit. Also musste Themroc durch ein feld voller öl- und gastanker in richtung norden. Dann kam später ein weiteres polizeiboot, ich habe kein ais und möge bitte weiter links fahren. Am hafen entlang, durch ein weiteres gebiet voller tanker und kein anhalten. Zum sonnenuntergang war die strömung schon wieder mit mir und so fiel der anker nach fünfundfünfzig meilen in den matsch. So gesehen war es gut, dass ich nicht in Singapore gewartet habe.

Ich wollte zum anfang noch die schiffe zählen, jedoch sind die ankerlieger schon über hundert. Der verkehr ist heftig, der süßliche abgasgeruch der schiffe hängt in der luft. In der Malakkastrasse sehe ich neben mir mehr schiffe als im Südchinesischen Meer am ganzen tag. Es ist auch erstaunlich, wie viele riesentanker hier umgeladen werden, entweder in etwas kleinere tanker oder in die kleinen, die dann den schiffstreibstoff zu anderen schiffen bringen. Meistens dürfte dies geklautes öl aus den illegalen kriegen sein.

Nach der ersten nacht vor anker ging es wieder früh los, vor der sonne. Mein tagessoll ist auf fünfzig erhöht, habe ich doch nur noch einen monat zeit bis zum rampenschluss. Es kann etwas dazwischenkommen und ein wenig luft ist immer gut.
Am Samstag den fünfzehnten bin ich das soll gesegelt. Bzw. motort, denn um elf uhr hörte der wind auf und der motor musste allein weiter schieben. Das ist ok, nur nach dem mittag fing der wind erneut an zu wehen, von links, da wo ich hin will. Das kenn ich auch schon, aber um drei uhr waren es schon vier windstärken, leider unbrauchbar. Dazu kam dann eine kurze steile welle, zu kurz. Nach drei wellen steht das schiff fast und es braucht seine zeit, um wieder in fahrt zu kommen. Mehr drehzahlen halfen auch nicht.
Dann gab es noch eine neuigkeit, die fischer haben hier feste installationen im zehnmeterbereich erstellt. Dauerfischanlagen, fünfzig meter lang aus bambusstangen, schlecht zu sehen, in der nacht ein risiko. Über zwei dutzend davon habe ich schon gezählt. Nach zwei stunden habe ich die bolzerei aufgegeben und zwischen den vielen anlagen geankert.

Am Sonntag wollte ich das letzte stück bis zur marina in Port Dickson schaffen. Es ging wieder früh los, dann gleich mit der genua und höherer drehzahl. Das lief gut bis kurz vor Malakka, wie gestern war der wind dann weg. Und ich hasse auch wettervorsagen, die eintreffen. Deshalb habe ich noch ein brikett dazugelegt und für noch mehr schub gesorgt. Bei der drehmomentspitze werden dann dreikomma liter vergurgelt. Zum glück war der wind am nachmittag von links nicht so kräftig und die wellen blieben klein. Zum sonnenuntergang war ich zufrieden vor der marina angekommen. Nur konnte ich die einfahrt nicht ausmachen. Eine nacht vor anker draußen erfreut auch den geldbeutel.

Am nächsten morgen ging es recht gut, bis in die mitte des anlegers. Ich habe die einfahrt zur marina gefunden, auf dem VHF kanal meldete sich keiner, also ein alleine-anlegemanöver. Als ich meinen ponton gefunden hatte, kam doch einer vom personal und half.
Wie gern lachen wir über skipper, die eine festmacherleine rüberwerfen und diese nicht am schiff festgebunden haben, sehr gern. Ich vermisse nun eine leine, es waren vier und jetzt nur noch drei. Eine hinten, mitte und vorn, aber nummer vier fehlt. Ich hatte dem marinaboy die mitte zugeworfen und ich war erstmal fest. Danach ging ich nach vorn und warf diese leine rüber. Nur es waren zwei und ich raffte es nicht. Die eine landete auf dem steg, die andere im wasser dahinter und sie kann leider nicht schwimmen. Bis ich die hintere leine fest hatte und den bootshaken bemühte, waren fünfzehn meter leine abgetaucht. Schon scheiße, ist passiert, und ich habe kein bock in der marinabrühe auf sechs meter zu tauchen, adieu meine gute treue leine.

Danach ins office, formalitäten und die einklarierung vorbereitet. Ich entschied mich für ein taxi in einer stunde. Dann ging es recht schnell, die vier kilometer in die stadt und zur immigration, gefühlte zwanzig minuten. Danach ortswechsel und habourmaster für zehn minuten. Nebenan war der customs und maximal zehn minuten. Alles ohne gebühr, das gefällt.
Auf dem rückweg an der geldmaschine gehalten und am supermarkt. Dieser war der größte am ort und alles war neu. Neue produkte, neue anordnung und zu wenig zeit. Nach gefühl alles eingekauft, mehr als ich brauche, und vieles, was ich seit langem nicht mehr hatte. Auch gab es hier bier im markt, in einer speziellen abteilung, non halal, aber ohne probleme. Es kann in einem islamischen staat also auch anders gehen. Zurück zur marina und um die zwanzig euronen für den taxifahrer abgedrückt. Mit dem bus wäre es billiger und stressiger gewesen.

Der Dienstag war dann ein regentag, der in der nacht anfing, ich wurde davon nass unter der luke geweckt. Es gibt genug zu erledigen, die rutscher für den segelkopf habe ich in den regenpausen angenäht. Dazwischen den dieselgrob- und den wasserfilter gereinigt. Was habe ich da nur für eine dreckbrühe in Kumai getankt. Glücklicherweise benutze ich einen fuel and water filter für das tanken und dieser war oft zu. Alles, was durchkam, hängt nun im filtersystem im motorraum. Diesen grobfilter habe ich heute gereinigt, wasser und dreck. Mal sehen, was es hier in Malysia zu tanken gibt.
Die nächste baustelle wurde durch intensive hilfe der homebase behoben. Ich kann wieder mails lesen und senden, nachdem web.de meinte, ein update ihrer homepage zu fahren. Das ergebnis für mich war, dass ich mich dort nicht mehr einloggen konnte, weil mein browser nur noch html dort lesen kann. Und ich müsste mich dort einloggen, weil sie einfach meine sendefunktion gesperrt haben. Damit es für mich noch ekliger wird, gleich auch für das gmx konto aus dem gleichen hause mit. Ein update ohne überprüfung der funktionalität, dilettanten!

Ein kleiner ausflug zu fuß und zu einigen schnellküchen. Am rande fand ich diesen abwasserkanal, der seine eingenen bewohner hat. Reinfallen kann doof sein.

20200219 abwasserkanal

 

20200219 abwasserkanal

 

Und noch eine neue kleine baustelle, mein kompass. Ich brauche ihn selten, außer wenn ich kardinalzeichen sehe. Es riecht in der plicht nach WD40, was aber nicht sein kann. Dem geruch auf der spur komme ich zur feuchten säule der steuersäule. Das ganze zeug kommt aus dem kompass, die luftblase wird jetzt sehr rasch immer größer, er läuft aus. In Thailand werde ich ihn wieder mit petroleum befüllen und die undichtigkeit beheben.

20200219 kompass leer

 

Heute war dann auch noch ein waschtag und ich habe mal den diesel aus Benoa umgefüllt. Morgen geht es wieder in diese immigrationsrunde, supermarkt und danach zur tankstelle. Die marina kann nicht liefern, ihre pumpe soll defekt sein.
Dann noch schnell den neuen klaren saft umfüllen, von der muschel-tanke erworben, und wieder ablegen. Draußen ankern und am nächsten morgen den letzten teil der reise anfangen.

Wieder einmal war ich vor der sonne wach, bin aber erst bei sicht losgefahren. Hier lagen auch viele tanker beider sorten. Danach ging es einfach nach norden. Am späten nachmittag das nächste ankergebiet durchfahren – schiffe, die für den hafen der hauptstadt warten. Dahinter um die ecke gebogen und wieder die andere welt der fischerboote. Wieder geankert am abend in freier wildbahn, das meer ist so schön ruhig und dafür bin ich dankbar.
Aber es gibt auch zwei ekelthemen. Mein abszess am rande der achselhöhle ist aufgegangen. Dieser war schon sehr lange dort, ab und zu mal vorsichtig von allen seiten sehr leicht gedrückt. Wochenlang passierte nichts und während ich in der marina war, hatte ich andere projekte. Nun hatte sich ein gelblicher kopf gebildet, leicht von der seite gedrückt und die substanz in der konsistenz von senf quoll heraus, und gar nicht mal so wenig. Eine körperbaustelle weniger, aber ich werde auch nicht jünger.

Am nächsten tag bin ich das ekelthema nummer zwei angegangen. Der fäkalientank ist voll, das klopfgeräusch sagt, er läuft gleich über. Aber er wollte sich partout nicht entleeren, ich weiß nicht wieso. Der versuch, luft hineinzupumpen und so vielleicht die brühe zum ausgang zu bewegen, brachte auch nichts. Wenigstens blubberte es im tank. Die notlösung, der nassauger, musste ran, ekelig und stinkig das ganze. Acht füllungen konnte ich bergen und über bord kippen. Das gute daran ist, dass ich den tank noch nie so abgesaugt habe und es funktioniert.
Das motorboot fahren ist so langweilig und ich werde krank. Mir ist leicht fiebrig, vielleicht war das streetfood nicht ok, muss häufig aufs klo. Wie schön, dass der tank leer ist. Vielleicht ist auch einer der über hundert mückenstiche von der marina die ursache.
Geankert habe ich auf neun meter im matsch und es sind noch hundertsiebzig seemeilen bis zur einfahrt in den fluss.

Die nacht war echt mies, nicht das ankern. Ich sage nur durchfall und um die zehnmal das klo bemüht. Mein mut mit dem streetfood hat seinen preis, wahrscheinlich. Die bratnudeln waren gut, vielleicht das wasser mit den eiswürfeln. Oder hinterher der fettriefende chickenburger am strassenrand. Ist auch egal, denn ich liege flach. Erst am nachmittag habe ich mich an meine reiseapotheke erinnert und das passende mittel eingeworfen.
Die lust zu essen ist nicht vorhanden, mit mühe habe ich eine hühnersuppe aus der tüte in meinen verdaungstrakt gebracht. Kekse gehen auch schlecht, dafür eine riesen cola für die flüssigkeit.
Deshalb habe ich heute auch nur zwanzig meilen geschafft bis in eine bucht auf der westseite der insel Pangkor motort. Nette bucht, leider zum meer hin offen. Und dann gibt es hier einen meerplastiksammelpunkt. Mit den gezeiten kommt und geht der müll und wird immer mehr.

Zuerst zwei müllbilder:

20200223 muell

 

20200223 müll

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

20200223 bucht

 

Es wären noch so etwas um hundertfünfzig meilen oder drei tage. Nur wenn ich angeschlagen bin, läuft diese rechnung nicht. Ein tag mehr genesen hilft sicherlich.

Und diesen tag habe ich mir auch genommen. Gestern war Sonntag und die bucht gut besucht mit tagesausflüglern. Hat mich aber auch nicht genervt, die jetskis sind entweder untermotorisiert oder gedrosselt. Nichts für jemanden, der auf dicke hose machen will. Heute ist hier kaum etwas los, vereinzelt mal ein kleines motorboot.
Dafür konnte ich heute morgen sehen, wie der dreck verschwand und jetzt am nachmittag wieder zurückkam. Es stört einfach niemanden, der strand sieht selbst durch das fernglas vermüllt aus.
Mir geht es etwas besser, das essen will aber nicht so richtig durch den schlund. Die medikamente helfen, jedoch sollte ich mal einen check-up machen lassen.
Mein fäkalientank will sich jetzt auch wieder entleeren, so wie er es soll. Da hatte sich wohl im schlauch sediment verklemmt. Das system bekam die heute die gleiche behandlung wie vor drei tagen und heute läuft es raus. Schön so, keine ekelbaustelle mehr.

Am fünfundzwanzigsten Februar ging es weiter, wieder fünfzig meilen richtung norden. Ich wollte ja Malaysien loben wegen des geringen plastikmülls im wasser. Aber seit dem ankerplatz ist es vorbei. Von dort bis vierzig meilen weiter war es so schlim, wie in der Javasee. Dazu kam ein wenig wohlstand, fastfoodverpackung. Entweder der burger, doppelte verpackungsgröße für bratnudeln oder der kleine topf nudelsuppe zum löffeln. Warum motoröldosen, isolierschaum und jede menge seile im wasser sind? Die fischer sind dreckschweine, auch hier. Dann passiert man zwischendurch richtige dreckzonen, lang und zweihundert meter breit. Das ganze mehrfach, durch die gezeiten sammelt sich alles. Und dann: keine fischer mehr, kein dreck mehr. Ein zusammenhang, vielleicht.
Ich ankere mal wieder im freien, bis zur küste bin ich nicht mehr gekommen. Der tag hat hier nur zwölf stunden am äquator, sonne weg und dunkel. Meine reststrecke könnte schon unter hundert meilen sein, es werden wohl wieder ein paar mehr. Da der wind nur morgens und abends da ist, wird eine weitere rast eingelegt.

Es waren viele fischer am morgen da, um die fünfzig, aber keiner am abend. Bevor sie mich mit netzen blockieren, erstmal anker hoch und weg. Meine ahnung ist schon seit tagen aktiv und sie hatte recht, die ankerwinsch ist schrott. Quick, ein spielzeug für plastikboote, nicht für eine ankerintensive weltumseglung. Von der ganzen umdrehung gehen noch fünfzig minuten, der rest wird mit der kurbel überbrückt. Ist anstrengend und schweißtreibend. Dabei ist es schon das zweite getriebe.

Der wind reichte bis zur insel Pinang in der mitte und dort gab es wieder wind von vorn. Ich entschied mich fürs segeln, nach einer stunde eine wende und dann ließ der wind rasch nach. Wieder motoren und am nachmittag ist der wind wieder da, wieder von nord. Erwartet hatte ich land und seewind, aber das ist wohl hier vorbei. Durch den umweg bin bis zu einer flachen stelle am rand in der nähe einer kleinen insel gefahren. Sparsam mit dem ankergeschirr, die kette muss auch wieder hoch. Geplant ist, noch einmal zu ankern vorm fluss, dann vor der werft, wenn es gut läuft. Der rest ist so um fünfundsechzig meilen, ohne weitere pannen.

Viele unglücke entstehen durch faulheit und ignoranz. Ich gehöre nicht zu den fleißigen, bin eher effizient. Gestern ein wenig zu viel davon. Der wind war kräftig, die wellen vorhanden, aber moderat und die strömung wie gewohnt stark. So stand das schiff quer zum wind, die ketten war stramm und keine bewegung des schiffes mehr. Das blieb auch eine ganze zeit so, der wind nahm ab und der schlaf in der achterkabine vollzog sich angenehm. Irgendwann war der wind wieder kurz da, es ging auf und ab und wieder ruhe.
Am morgen war dann der blickwinkel zu den inselchen ein anderer und wir machten einen halben knoten fahrt. Es passiert mir nicht sehr oft, dass ich vertreibe, diesmal wieder und im resultat sechs meilen nach süden. Na klasse, muss alles wieder neu gefahren werden.
Dafür war der tag dann auch lang und ich habe Langkawi erreicht und dort vor der ostküste geankert. Unterwegs waren wieder diese stangen im meer und an recht vielen stellen. Nachts hier segeln ist ein risiko. Die stangen dienen dazu, die kleinen fische zu beherbergen, damit die größeren kommen, die wiederum von anglern abgegriffen werden sollen.

Nur noch zwanzig meilen bis zur werft, die gezeit passt und nur noch einmal ankern.

20200227 stangen

 

20200227 stangen

 

20200227 stangen

 

Am nächsten morgen wie gehabt, system hochfahren, kaffee kochen und anker auf. Jetzt sind es schon zwanzig minuten, die von einer umdrehung fehlen, das ganze für achtzehn meter plus fünfunddreißig kilogramm anker, schweißtreibend.

Das wetter war wieder gnädig, fast windfrei und leicht bewölkt. Das erste, das ich von Thailand mit dem wind gerochen habe, war jasmin, freundlich. Die fischer hatten diesmal die netze quer verlegt, was soll’s, egal. An der flussmündung wurde es flacher und ich hatte den tiefenalarm auf einen meter unter dem kiel positioniert.
Im fluss gab es neue fischfanginstallationen und ich entschied mich, diese links liegen zu lassen. Da habe ich mich das erste mal festgefahren. Wieder frei ging es weiter eine meile und wieder fest. Das dumme ist die tiefenalarmfunktion. Sie funktioniert, wenn sie richtig eingerichtet ist und kein meter fehlt. Bei einem meter und zehn laufe ich auf.
Nach zehn minuten war es wieder gut und ab der abzweigung zum nebenfluss war es wieder sehr tief.

20200228 fluss

 

20200228 fluss

 

 

Ich ankerte das letzte mal gegenüber der schiffswerft. Der manager kam, heute kein slippen mehr, aber morgen und ich könne langseits eines schiffes gehen.

Angekommen nach vielen tausend meilen und monaten. Jetzt muss es nur noch mit den handwerkern klappen und wieder los. Letzteres passiert frühestens in zwei monaten, wenn die rampe hier wieder hergestellt ist.

20200228 werft

 

20200228 werft

 

Dies das zuhause für die nächste zeit und danach geht es nach Langkawi, so die idee.

Noch einige zahlen der reise, die endete wie ein ausflug im winter in Königsberg, als die russen vor der stadt waren. Von Noumea über Darwin, Bali, Borneo, Indonesien und Westmalasien hoch ging die tour. Geplant waren fünftausendzweihundert seemeilen außen herum um Sumatra, rechts abbiegen und am ziel sein. Das wetter zur jahreszeit war nicht mit mir und so musste ich die route mehrfach ändern. Am ende sind es sechstausenddreihundert seemeilen geworden. Dafür habe ich neunzehn wochen gebraucht. Die längste pause von zwei wochen gab es in Darwin, ein paar tage in Benoa und in der mitte von Malaysien. Somit habe ich vier länder besucht und mehrere meere durchquert. Der wind fehlte oft, dafür gab es genügend gegenströmung und so musste der frisch aus der op entlassene Mr Perkins oft ran und das für fünfhundertachtzig stunden. Dabei hat er zwölfhundertundachtzig liter diesel oder ersatzstoff durchgezogen, verdammt gute reparatur.

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Ein Tausender Kampf von Borneo nach Batam

Der anker ging auch diesen morgen, am neunundzwanzigsten Januar, auf und es ging ab in richtung Kumai. Meine informationen in der karte waren dürftig und es war ein dreizehn meilen langer weg den fluss hinauf. Flüsse sind nicht die stärke meiner seekarten und so ging es in der realität streckenweise über land. Das kenne ich schon seit Portugal. Also flussmittig halten und in den kurven mehr nach außen. Zum glück lief vor mir ein kleinerer tanker den gleichen weg, und wo der kann, kann ich auch.
Am ende kam noch einmal fetter regen und so habe ich mein schiff mit dem wind und der strömung in die kaimauer vorm zoll gerammt. Die ankerhalterung ist völlig verbogen, musste wirklich nicht sein. Die leute vom customs haben mir beim festmachen geholfen, aber ich durfte dort nur zwei stunden liegen. Zwei fährschiffe werden kommen und am abend waren es drei, eine drehscheibe für den personentransport.

 

20200130 kumai

 

20200130 kumai

 

20200130 kumai

 

Ich wurde auch gleich von den geschäftstüchtigen abgefangen. Ein hotellier, der diesel für die yachten hier organisiert. Dann zum einkaufen die hauptstraße abgelaufen und im markt hat mich die nächste wegen des diesels gefragt. Es war seine frau, die haben das business im griff, der saft kostet hier auch deutlich mehr, ungefähr sechzig cent.
Mit den frischwaren zurück kam der dieselverkäufer mit mir mit und zeigte mir den ankerplatz im fluss gegenüber seines hotels und des zolls. Abgeholt wurden wir von einem mitarbeiter und ich konnte das wlan im hotel benutzen. Dazu gab es ein teures bier.
Wenn man als trockener alkoholiker nach Indonesien fährt, kann man seinen status gut halten. Nur auf Bali gab es alkohol, auf Masalembo nur in einem laden und nur kleine bierdosen. Hier in Kumai gibt es das zeugs nur im hotel und es wird auf dem schwarzmarkt verkauft. Zum einen finde ich es gut, wenn diese droge abgeschafft wird. Nur bestimmt hier die religion das handeln und das ist nicht mein ding. Letztendlich sollte jeder selbst bestimmen, womit er sich temporär aus dem leben nimmt.

Um zwölf uhr am nächsten tag kam dann der diesel verspätet zum schiff in kanistern. Das umfüllen der brühe dauerte etwa vier stunden und danach ging es wieder ins hotel. Noch einmal wetter, mail und blog. Vorsichtshalber habe ich noch mehr äpfel und eine weitere wassermelone erworben. Noch eine nacht muss ich hier am rande des mangrovenwaldes bei den moskitos ankern. Morgen zurück zur flusseinfahrt mit dem ablaufenden wasser und dann geht es weiter richtung Batam.

Ich hoffte auf ruhige nächte im fluss, das war eine wunschvorstellung. Abends kommen moskitos, dafür gibt es sprays und ich habe noch einiges davon an bord. Dann zum schlafen in die heckkabine, ein paar flieger töten und die tür zu. Nur dafür ist es zu heiß, kaum schlaf zu finden. In der nacht kühlt es ab, kurz an deck, luken auf, denn die mücken sind weg. Ein paar augen schlaf und schon fangen die vier imame um fünf uhr an. Das nervt so sehr, also luken wieder zu, decke über den kopf und noch eine runde im traumland. Durchschlafen ist etwas anderes und um halbacht ging der anker hoch und flussabwärts. Kein wind, aber genug diesel im tank, um abstand zur küste zu gewinnen und dem ziel ein stück näher zu kommen.

Einen fluss wieder hinunterzufahren, mit einem track, ist wesentlich entspannter, als rauf. Somit weiß man, wo es tief genug ist, zudem fährt schon wieder ein größeres schiff voraus. Der wind blieb aus, aber es ging weiter als gedacht und der ankerplatz war wieder im meer. In der nacht kam mal wind vorbei, aber auch dunkle wolken mit blitz und donner. Wieder einmal blieb ich trocken.
Am morgen dann die übliche routine und zuerst nur mit dem motor, dann auch mit der genua und am ende mit beiden segeln. Der motor konnte für zwei stunden aus, es war genug wind vorhanden. Nur waren die richtung und die stärke nicht wie vorhergesagt. Aber genau richtig für mein tagesziel. In vielen gebieten auf der welt stimmen die wetterdaten, hier ist das nicht einmal für den nächsten tag der fall.

Gestern das letzte mal in der Javasee geankert, ruhig, kein wind und matsch auf zehn metern. Der regen kam gerade, als ich den vorspann zu meinem traum hatte. Alles unter die sprayhood und ab nach unten ins sehr warme. Irgendwann habe ich doch schlaf gefunden, keinen entspannten.
Mein ziel seit Kumai ist es, vierzig meilen am tag zu schaffen. Das wird im Südchinesischen Meer schwieriger, wenn es keinen wind geben sollte. Denn die strömungen laut windy sind zwischen zwei und drei knoten nach ost. Somit versuche ich heute noch einmal nahe Borneo zu ankern und glaube mal an die windvorhersage, die bis jetzt nicht stimmt.

Immer noch der zweite Februar und schon wieder neue pläne. Ich ankere jetzt am ausgang des Südchinesischen Meeres zur Javasee. Das wasser ist hörbar und rauscht am rumpf vorbei, die ankerkette ist stramm. In den letzten stunden waren höchstens drei knoten mit dem motor bei tausend umdrehungen drin. Also geht hier auch ein strom von zwei knoten und mehr gegen an. Wenn der wind nicht kräftig genug ist, wird das nichts. Alternativ kann ich mich an Borneo hocharbeiten und später links abbiegen, mal sehen.

stroemung sued route

 

Einen tag später und der oberfrust hat sich festgesetzt. Ich bin mit fast vier knoten fahrt gestartet und habe mittags bei zwei aufgehört. Über die hälfte der energie geht in die strömung. Dann kam etwas schwacher wind auf, zwischen zehn und zwölf knoten. Ein testsegeln, wie das hier geht. Nach westen ging es auf einem zweihundertvierzig grad kurs hoch am wind mit etwas über vier knoten und motorunterstützung.
Somit habe ich mit einem nordkurs oder mit ostanteil für den gegenkurs gerechnet. Das beste waren aber nur siebzig grad und zwei knoten ebenfalls mit motor. Damit bin ich nicht einmal zum ausgangspunkt zurückgekommen. Das kann ja recht nervig werden ohne wind für die restlichen vierhundertvierzig meilen bis Nongsa.
Das einzig gute hier ist der ankergrund, matsch. Ich warte jetzt ab bis morgen auf zwölf meter. Nur die strömung ist so kräftig, dass die ankerwinde nicht genügend kette rauslaufen lassen kann. Am ende zog das schiff die kette und die ankerwinsch wollte nicht stoppen, sicherung sprang raus, leichte panik. Zusätzlich dreht mein propeller im stand, alles nicht lauschig hier.

Dienstag vierter Februar und er fängt gut an. Seit fast fünf stunden läuft der motor in verschiedenen drehzahlen, je nach wind. Der start war in richtung dreihundert grad, das sollte möglichst so bleiben für die nächsten dreihundertachtzig meilen, wunschdenken. Der anfängliche südwestwind drehte in den gewitterwolken mit viel regen auf nordost. Somit geht der kurs genau richtig weiter. Die geschwindigkeit ist lau, nur drei bis vier knoten, aber egal, der tag ist noch lang. Ab heute sind wir in der schiffahrtsroute, also mehr aufpassen als sonst.
Bis zum abend hin gab es zwei reine segelstunden ohne motor. Leider hat der wind auch wieder zurückgedreht und ab dem nachmittag war der super kurs nicht mehr möglich. Zum sonnenuntergang ging es dann auch nur noch richtung norden, aber segelnd. Mal sehen, was die nacht bringt.

Die nacht war um zehn bereits vorbei und der wind war aus. Zu dumm, war ich doch in der mitte der schiffahrtsroute. Somit habe ich den rest der nacht ankernd auf dem imaginären mittelstreifen verbracht. Dann am morgen lief es mittelmäßig. Der anker kam hoch und die boje hat sich am rumpf verfangen, kein vor oder zurück. Die gefährliche lösung war ein wenig fahren und schon war das seil gerissen. Diesmal hat sich der fender nicht in der schraube verklemmt, glück gehabt.
Der anfangskurs war zweihundertvierzig grad und es besserte sich schnell. Zum mittag waren es mal kurz zweihundertneunzig und ich machte schon gedankliche pläne bis zur gewitterwolke. Danach war ich wieder auf dem anfangskurs, mist. Einen ankerplatz habe ich außerhalb der schiffsroute bei einem leuchtfeuer auf einer insel gefunden. Fünfundzwanzig meter tief, vor einem riff und mit sehr hohem schwell. Kurz davor ist mir noch der hebel für die belegklemme der genuaschot gebrochen. Daneben ist noch ein unbenutzter slot. Und die genuaschot wollte sich in einer umlenkrolle zerfasern, gerade noch gemerkt.
Unterm strich bin ich auf der anderen seite, der wind weht unbrauchbar um zwanzig knoten. Habe lange darauf gewartet, nur hier geht es nicht weiter und so warte ich mal wieder auf die richtige richtung, vielleicht morgen.

Und dieses fahrwasser war nur ein vorgeschmack. Über zehn große schiffe waren heute in meiner nähe und keines hat mich angefunkt. Sollte der wind nicht drehen, arbeite ich mich an zwei inseln im westen hoch nach norden.

Der wind dreht ständig, und anstatt zu ankern, hätte ich mal gestern den gegenkurs segeln sollen. Jetzt heute auf diesen kurs bin ich schlauer. Am morgen ging es recht gut, der motor sprang an, der anker kam mit mühen hoch und danach ging es wieder raus auf’s meer. Draußen lief es gut, ein winddreher und die genua stand back. Diese chance habe ich für eine wende genutzt und danach ging es zum anfang dreihundert grad nach nordwesten, genau richtig. Aber nur kurz und am mittag habe ich mich für den anderen kurs entschieden, wieder über die fahrbahn nach nordosten, so gut es geht. Das heißt zur zeit dreißig bis vierzig grad ohne motor. Das schiff will trotz fetter vier winstärken nicht über drei knoten fahren. Also komme ich morgen auf der anderen seite an. Wenn der wind stabil ist.

Eine woche ist seit Kumai herum und ich bin im Südchinesischen Meer. Dorthin lief der motor, da kaum wind war. Geankert habe ich am abend, um nicht mit zwei knoten vertrieben zu werden. Am dritten Februar hatte ich einen segelversuch, der am nächsten tag noch einmal angegangen wurde. Am abend war der wind weg und ich habe im schiffahrtsweg geankert. Auf der anderen seite war es auch nicht viel besser und so versuche ich, höhe zu gewinnen, bin aber wieder zurückgesegelt.

woche 4

 

Auf der anderen seite war ich schon früher, ein paar meilen tiefer. Am ende ging es schneller und besser als gedacht, mit der strömung ist es einfacher. Aber dann noch im dunkeln, zwei dreher der genua, die dann back stand. Vielleicht ist es ein hinweis, also mal einen kurswechsel probieren. Ein super kurs in die andere richtung und guter wind. Bis zum heftigen gewitter lief es gut. Die genuaschot klemmte wieder, kaum gerefft, das groß war voll da und die böen kamen mit über fünfunddreißig knoten. Selbst schuld, wenn das system nicht funktioniert. Das schiff lag ziemlich schräg, der süllrand wurde überspült und unten im schiff liefen die waschbecken über, da ich den abwasserhahn nicht geschlossen hatte.

Danach ging es entlang der naturschutzinseln, und als der wind gerade mal schwach wurde, habe ich geankert. Die umlenkrolle und die genuaschot habe ich getauscht. Ich bin ein wenig sehr müde. Der wind kam wieder um die zwanzig plus und am mittag war ich um die insel herum, immerhin der wind lässt auch ein wenig nach. So ging es bis zum nächsten morgen quer über die schiffahrtsroute auf die andere seite. Am achten Februar habe ich nach zwei tagen neunzig meilen netto nach norden geschafft, nur fünfzig umsonst. Zur passage zwischen der insel Batam und Bintan sind es noch zweihundertvierzig meilen.

stroemung mitte route

 

Indonesien wird ein paar probleme in der zukunft bekommen. Zum einen ist da der dreck, besonders im wasser. Das problem in den griff zu bekommen, wird jahre dauern, denn die menschen denken nicht nach, vielleicht liegt es an der tradition und der religion.
Das zweite problem sind schwerhörige fischer durch die vielen auspufflosen schiffe, sowie handwerker ohne gehörschutz. Diese tragen zwar schon eine schutzbrille, der rest aber fehlt. Punkt drei sind lungenkrebsraten, die in die höhe gehen werden. Das rauchen hier ist ein statussymbol, je mehr desto toller. Überall wird gequalmt und dir werden gern glimmstengel angeboten. Und diese sind dann noch parfümiert, die kombination macht es schlimmer.
Das letzte wirklich große problem ist der zuckerkonsum. Die menschen sind nicht dick, aber alles ist gesüßt, fast auch das salz. Etwas saures zu finden, ist mir unmöglich. Alle getränke außer trinkwasser haben zucker. Diabetes wird sich hier schnell ausbreiten.

Zurück zum krampf, heute ist der neunte Februar, und ich bin schon einen monat seit Bali unterwegs. Für diese kurze distanz von tausend meilen auf der landkarte ist das eine sehr lange zeit. Und ich habe noch etwas unter zweihundert vor mir, plus fünfzig für das letzte stück in der Singapore Strait.
Mein vorhaben gestern war es, an den inseln westlich von der schiffahrtsroute nach norden zu fahren. Das lief auch recht gut bis zum abendbrot, dann kamen sehr viele gewitterwolken. Bei der ersten hatte ich noch die genua gerefft, der wind blieb aus.
Was ich hier nicht vermutet hatte, waren viele große schiffe. Diese nutzen die abkürzung zwischen den inseln, um nach Jakarta zu kommen. Für mich ist das keine verbesserung der nacht. Die zweite wolke brachte wind und regen und bei der dritten bin ich richtung autobahn abgebogen. Das lief sehr gut und schnell. Zum anfang mit einem dreißiger kurs, der sich weiter reduzierte. Erstmal das radar an und ein nickerchen, in zwei stunden bin ich bei den schiffen.
Mein radar weckte mich pünktlich, doch ich konnte nur zwei fischerboote in der ferne ausmachen. Der eine wieder fett beleuchtet, der andere schmal. Noch einmal zwanzig minuten schlummern. Dann wurde ich aber sehr schnell wach, der eine fischer hatte sein boot, um hundert meter verlängert, auf dem bug aber keine leuchte angebracht. Der andere machte seinen tannenbaum an und sein suchscheinwerfer leuchtete in meine richtung. Langsam hasse ich diese schlepper mit barge. Motor an und in den wind und hinter der barge vorbei. Die nacht auf dem highway konnte beginnen.

Ich wurde sehr oft geweckt, musste das radar in stand-by schicken und die eieruhr für eine halbe stunde anwerfen. Dann waren die gefahren aus meinem radius verschwunden und das radar konnte wieder arbeiten. Der kurs wurde immer nördlicher und so ging es bis zum morgen mit schlafunterbrechungen. Nach sonnenaufgang waren dann auch schon drei schiffe um mich herum. Jeweils ein tanker links und rechts und schräg hinter mir eine art forschungsschiff. Als sie vorbei waren, musste auch der motor zur unterstützung arbeiten. Ich wollte die kapitäne nicht unnötig verärgern, hatten sie doch schon wegen mir den kurs geändert. Und das beste, ich bin aus dem starkströmungsbereich heraus.

Der wind hielt bis zur nacht, dann kam noch einmal eine gewitterwolke, aber fast ohne wind, nur regen. Sie hat dann auch den stecker gezogen, flaute. Die letzten paar meter ging es noch wieder über den äquator, das zweite mal für mich. Alles routine, keine stolpergefahr.
Heute ist der zehnte Februar und ich muss schon wieder quer über die schiffahrtsroute. Nur was ich sehe, ist das ende der ausbaustrecke, kein schiff will nach norden, nur die sehr großen mit viel tiefgang. Alle anderen, die ich in der ferne sehe, wollen wie ich auch zur Singapore Strait. Für mich heißt das einen westkurs, der durch den motor realisiert wird, bis zur mitte habe ich es schon geschafft. Die letzten hundertdreißig meilen und dann wird es noch einmal spannend.

Seit über dreißig stunden läuft Mr Perkins mit tausend umdrehungen ununterbrochen. Der tagestank wurde mehrfach nachgefüllt und einmal das öl kontrolliert. Seit der anderen seite der fahrbahn und seitdem ich wieder auf der nordhalbkugel bin, ist es sehr warm im schiff. Schön, dass es nachts nicht richtig regnet und ich nicht unter deck muss.
Das mit den schiffen war übertrieben, erst gestern abend habe ich dann doch noch fünf gesehen, von allem etwas. Ein container-, schüttgut-, tankschiff, eine barge mit schlepper und ein kreuzfahrer. Diesen hatte ich aber auch schon mehrfach in Noumea gesehen, kleine welt.
Die letzte nacht war trotzdem schlecht, immer war jemand im radaralarmbereich. Also eine eieruhrnacht auf jede halbe stunde. Nur ich bin etwas ungeübt und brauche zwanzig minuten, um einzuschlafen. Dementsprechend bin ich heute sehr müde.
Was mich tröstet, ist die geschwindigkeit, die sich um fast zwei knoten erhöht hat. Ich habe ein weiteres strömungsgebiet verlassen und die tide spielt auch eine rolle. Und darauf warte ich auch in der passage zur Malaka Strasse, das sind noch vierunddreißig meilen.

Am abend um sechs fiel der anker wieder in den matsch. Vierzig stunden dauermotoren macht müde und ich genieße die ruhe. Im bad war die motorwand ab, um schneller an die maschine zu kommen und damit Mr Perkins nicht anfängt zu schwitzen. Gleichzeitig ist auch die tür zum badbereich offen, wegen der hitze und auch weil die tür mittlerweile nicht mehr zugeht. Auch hier ist der rumpf eingedrückt.
Der ankerplatz ist am eingang zur Singapore Strait und dank des windes ab dem morgen bin ich schneller angekommen. Ein paar kommaknoten helfen auf den halben tag letztendlich doch. Nur was ich vermisse, sind die vielen schiffe, die hier angeblich durch sollen. Vielleicht ist dieser weg ja auch überholt und wird nicht mehr wirklich genutzt.

Das Südchinesische Meer aus meiner sicht: Zum einen ist es sehr sauber im vergleich zu den beiden anderen durchquerten gewässern. Mal plastik in form von flaschen und kleinere holzteile, aber kein großer dreck. Die strömung hat es in sich und das wetter ändert sich ab den naturschutzinseln im unteren bereich. Diese sind wetterscheiden, im norden weht es kräftiger. Die ränder und teilweise auch die mitte sind ankerbar, das hilft bei flaute. Am besten den gesamten bereich zur richtigen jahreszeit durchfahren, mit dem richtigen monsum.

stroemung nord _route

 

Noch eine anmerkung zu den strömungsbildern. Teilweise sind gebiete grün, die es nicht verdient hätten, und andere sind grau und dabei eher schwach. Dennoch stimmt das gesamtbild und gibt einen guten eindruck der situation.

Mit der sonne des zwölften ging es los nach Nongsa. Alles ruhig und die fischer arbeiteten in der fahrrinne. Immer noch keine schiffe und das blieb auch so bis zum ankerplatz an der westseite der insel Bintam nahe der raffinerie. Auf dem weg lagen ein paar bohrinseln vertäut, schwimmende fischerhütten und es gab viele inselchen auf dem weg.

20200212 bohrinsel

 

20200212 bohrinsel

 

20200212 fischerhuette

 

20200212  inseln singaporestrait

 

Bis dorthin ging es schnell mit dem auflaufenden wasser, welches dort aber drehte. Nach der letzten insel war das schiffsleben voll da. Über ein dutzend schiffe lagen vor reede und warteten auf öl oder wollten dieses in Tanjunguban abliefern.

20200212 ankerplatz reede bintan

 

Der ort, vor dem ich liege, Mentigi, hat sich seit dem kartenerstellungsdatum auch verändert. Auf der rechten seite liegt die marine mit vielen schiffen, dann kommen fischerhütten auf stelzen. Danach wieder ein wenig marine, wieder fischerhütten und danach werftbetriebe. Ein neuer fähranleger, ein alter, die küstenwache, noch einmal fischerhütten mit dorf. Der abschluss im norden ist die erste verladestation. Auf dem ankerplatz um mich herum warten kleinere tankschiffe und schlepper. Das finde ich viel spannender, als zwischen anderen yachten zu liegen. Morgen früh geht es auf die letzten zehn meilen zur marina.

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

20200212 ankerplatz bintan

 

Die woche fünf brachte den durchbruch in der reise. Am sechsten fing der wind an und war kräftig genug, um mich in drei tagen zum äquator zu pusten. Das sind immerhin zwei breitengrade. Auch hat er sich am ende zu meinen gunsten gedreht oder er machte pause, was gut war. Somit war die motorbootreise von vierzig stunden erträglich. Die braunen streifen im bild sind die fahrbahnbegrenzungen im abstand von vierzig meilen.

woche 5

 

Der letzte teil der reise von fünfhundert seemeilen bis ins südliche Thailand erfolgt dann nächste woche. Erstmal muss das groß neue rutscher für seinen kopf erhalten, eine runde motorpflege mit fett, ein wenig neuer diesel ist brauchbar und einkaufen ist mal wieder ein muss.

Eine weitere zusammenfassung dieser reise: Ich habe eintausendvierhundertundsechzig seemeilen für die neunhundertundfünfzig meilen laut routenbibel benötigt. Darin enthalten ist auch der abstecher nach Borneo. Der motor lief insgesamt zweihundertundvierzig stunden und hat dabei fünfhundertunddreißig liter verschnabbelt. Achtunddreißig tage dauerte die fahrt, drei tage war ich auf reede. Der bruch am schiff hält sich in grenzen.
Ich habe hundert graue haare mehr und ein paar kilos weniger. Und eine menge an erfahrungen mehr, die in keinem schlauen kurs erzählt werden. Ein tausender kampf.

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