Zwischen Stop auf St.Helena

Die ankunft war schon leicht kritisch, der autopilot tat sein bestes, wie ein neuling am ruder. Das ganze war mehr glück und ein geeiere. Nachdem ich zur ruhe gekommen war, habe ich die erste liste erstellt, offene punkte, die ich in den nächsten tagen abarbeiten kann.
In der nacht mal einen blick aus der kajüte geworfen und nichts gesehen. Außer meinen schiffsnachbar, der sein positionslicht auf dem mast an hatte. Alle anderen schiffe in dieser bucht waren dunkel. Am ufer leichte straßenbeleuchtung, das war es. Also hier in der nacht anzukommen sollte man tunlichst vermeiden.

Am ersten morgen kam dann jemand vom hafenmeisterbüro vorbei und am Donnerstag kommt jemand für den covididiotentest vorbei. Zwanzig minuten später soll das ergebnis kommen und ich kann mich bewegen.
Die erste ernüchterung sind die preise für bier, der bedienstete vom hafenmeister würde es kaufen. Jedoch kostet ein kleines sixpack zehn pfund sterling. Somit warte ich auf mein gestern angesetztes ale, das in sechs tagen auf die flaschen gezogen werden kann und zu sylvester kann ich vielleicht das erste probieren, vielleicht.

Wifi kostet hier noch mehr als auf den Falklands. Auch eine möglichkeit, dass die menschen sich nicht informieren können und in ihrer vermeintlichen sicherheit und mit dem kontrollierten systemwissen leben zu müssen.

Ich habe mir hier die erste beste und freie mooring gegriffen, die ich erreichen konnte. Wer meine lieblingserie des schwarzen humors kennt, inside Nr9, der weiß, dass ich jetzt ein mulmiges gefühl entwickle.

20211221 mooring9

 

Und plötzlich ändert es hier täglich. Gestern noch hieß es noch: Donnerstag, und schon ist alles auf Dienstag vorverlegt. Das taxiboot kam morgens um zehn uhr mit einer im plastikanzug, plastikschuhüberziehern, op-haube und geschichtsschild und doppelten latexhandschuhen (ich weiß nitril) verkleideten frau zu meinem schiff. Ich durfte mir wenigstens das stäbchen selber in die nase rammen. Aber somit nur bis zum ersten grossen popel und nicht bis zum durchstoß der oberen nasenwand.
Zwei stunden später wurden wir dann abgeholt, eine weitere einhandseglerin aus der kalten heimat und ich. Hafenmeister und immigration, die wollte aber eine krankenversicherung mit einer haftungsgrenze von zweihunderttausend euro sehen. Nur in der brd gibt es keine obergrenze. Die beamtin will es aber sehen und so muss ich irgendwie liefern. Entweder meine versicherung erstellt ein dokument oder ich muss das machen, mal sehen.

Dann hat uns Steve, der freundliche hafenmeister noch den ort gezeigt, wo ist was, wo gibt es frisches brot (außer am wochenende), die bank, die kleinen supermärkte, und das wichtigste, das wifi. Acht euronen in der stunde, das toppt alles, obwohl es derselbe provider ist. Also die kosten für einen blogbericht bei schneller arbeit belaufen sich auf vier euronen.

Die lebensmittelläden sind alle in indischer hand, keine preisabsprachen, nur in jeden laden kostet es alles dasselbe. La Reunion war dagegen ein schnäppchenparadies.

Kommen wir mal zum positiven, ich wurde ja daran erinnert. Die informationen, die ich von Steve vorher erhalten habe, sagten etwas von neunzig euronen für den test. Aber gestern war alles umsonst, keine covididiotengebühr, sehr schön. Vom hafenmeister gab es dann auch noch eine schirmmütze der insel, als give away.
Die bank hat mir meine südafrikanischen rands abgenommen, meine restlichen besatzerdollars und ein paar euronen. Natürlich alles zu sehr schlechten konditionen, aber immerhin besser, als das zu kleine papier für den hintern zu benutzen und dabei braune finger zu bekommen.

20211222 muetze

 

Auch werde ich zukünftig sparsam mit dem diesel umgehen. Seit Capetown habe ich fünfundvierzig liter verbraucht, das meiste zum laden der batterien und für den kaltschrank. Ein liter hier kostet einen euro siebzig. In europa ist der saft auch so teuer, nur auf dem weltmarkt nicht, weit unter einem euro. Also halten viele ihre hand auf und kassieren ab. Daran sollten sich die masse erinnern, nur das kruzzeitgedächnis reicht höchsten bis zum nächten bildungstatort am Sonntag.
In diesen sinne:
lasst uns dieses land verenden“.

Wer den bearbock zum gärtner macht, sollte sich nicht wundern.

Und den zweiten bock haben wir im oberlügner und faktenerfinder, nur dass die faktenfinder nicht darauf reagieren. Das ist so krass, dass es Münchhausen in den schatten stellt, fachwissen mangelware, auch wenn er mal medizin studiert hat. Somit gibt er vorsätzliche wissentliche falschausagen von sich.
Ein landwirtschaftsminister, der vom hörensagen vielleicht selbst landarbeiter sein könnte, aber als atlantiker auf den posten kam. Und die krönung ist ein ehemaliger finanzminister, der untersuchungen der organisierten steuerhinterziehung im rahmen vom cum-ex geschäften nicht verfolgt und es verhindert hat. Bundesbockrepublik, na ja besetzt sind wir trotzdem noch. Also alles wie gehabt, nur noch weiter und tiefer in der scheiße.

Und noch etwas angenehmes, hier gibt es keine maskenpflicht und keiner trägt eine. Die gängelung durch abstand halten, entfällt auch, die menschen sind freundlich, lächeln und grüßen einander. Es könnte auf der welt so schön sein. Die deutsche Seglerin hier wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte, als der Hafenmeister ihr die Hand zur Begrüßung gab. Der antrainierte pawlowsche reflex der deutschen ist schon erschreckend, einen schritt rückwärts. Vielleicht lernen die deutschen auch auch wieder den arm zum gruß zu erheben, diesmal etwas anders, mit links, aber im gewohnten muster.

Ich möchte hier mal leserpost abdrucken, weil sie im spam aufgrund des ländercodes des servers gelandet ist und deshalb automatisch nach ein paar tagen gelöscht wird. Somit werde ich versuchen eine antwort hier zu geben, da ich ansonsten alle kommentare beantworte.

Autor: Christoph Haeuser

URL: 
Typ: Kommentar
Whois: xxx
Spamgrund: Ländercode

Ich hatte etwas Zeit und habe mich mal so quer durch Deinen Blog gelesen.
Wirklich ein tolles Unternehmen dafür hast Du meine absolute Hochachtung.
Vom selbst geleisteten Ausbau,  bis zum mehrtägigen treiben lassen irgendwo auf den weiten  eines Meeres. 
Was mir aber aufgefallen ist, .......... Du scheinst kaum schöne Momente auf der Reise zu erleben, oder kannst Du das nicht ausdrücken. In allen Ländern ist es irgendwie doof.  Du schreibst irgendwie immer nur über das Negative (Reparaturen mal ausgenommen das muss so sein),Verwaltungen ineffizient, Leute dämlich oder nicht willens. Gates kapert Deinen Rechner Du kommst nicht mehr an Deine Files.
China Ware, Du gibst dem Land noch fünf Jahre. 

Ich denke Du solltest mal etwas reflektieren, was Du für Möglichkeiten hast,........ heute,........ im hier................. und jetzt.

Denk nur zwei Generationen zurück und Du hättest ohne ein Empfehlungsschreiben eines Monarchen nicht einmal 1/3 der Strecke zurückgelegt.  Vor knapp 100 Jahren währen Dir Deine Segel schon nach der Hälfte der Reise zerbröselt. Mal ganz davon abgesehen das es vor knapp 100 Jahren kaum die technischen Möglichkeiten gab. 
Mann.... was ist das für eine Errungenschaft das es heute fast überall auf der Welt ein Immigration office gibt an das Du dich wenden kannst. Früher hätte man Dich erstmal so mitgenommen. Was ist das für eine Errungenschaft das Du heute fast überall auf der Welt Geldautomaten hast wo Du Dir Geld besorgen kannst. Natürlich Kostet das etwas  aber wie sähe eine Alternative aus.  
Du kaufts Dir eine Hose von H&M,, Du siehst das richtig, Kinderarbeit, Umweltsauereien. Warum machst Du das, ?? warum gehst Du nicht dahin wo die Einheimischen wohnen und läßt Dir eine Hose machen. Du kannst Dir den Schnitt aussuchen, Du kannst Dir die Farbe aussuchen und wenn Dir die Schneiderin zu jung ist gehst Du zu nächsten  bis Dir das Alter paßt.   Du machst es nicht.... Du kaufst bei
H& M und mit dem gleichen Atemzug weist Du darauf hin was das für eine miese Firma ist. Was soll das ..................... 
Na ja, ..........das ist mir so bei Deiner Schreiberei aufgefallen, sieh´s einfach mal etwas positiver macht Vieles einfacher und man kann mehr Spaß haben.
Man darf das Alles nicht so ernst nehmen,    lebend kommt man aus der Sache nicht raus.
Ansonsten wäre ich Dir, glaube ich, mal gerne begegnet,
Gute Reise

Christoph“

Also hier meine verspätete antwort:

Hallo Christoph,

ja ich sehe die welt mit meinen augen und versuche nicht zu sehen, was man uns gelehrt hat, wie die gesellschaft, die meinungsbildner, etwas für gut und alles andere für böse bewertet. Meine sicht ist natürlich subjektiv, halt aus der perspektive des betrachters. Ich bin vor ort, rede mit den menschen, soweit das möglich ist. Bei dem thema hasi und mausi habe ich meinen finger in die offene heuchlerische wunde des westens gelegt. Ich nehme mich dabei nicht aus, denn ich wurde in ihm sozialisiert. Aber ich lerne immer noch dazu und wir sind nicht die guten.

Du kannst vielleicht einen Rosamunde Pilcher roman querlesen, weil sowieso klar ist, wie er endet. Bei meinen berichten ist wichtig, was zwischen den zeilen steht. Du hast möglicherweise keine erfahrung mit ausnahmesituationen und kannst es dir mangels phantasie auch nicht vorstellen, dass so einiges richtig hart sein kann und es wirklich nicht einfach ist, sich auf fremdem terrain durchzubeißen. Dies ist ein erlebter reisebericht, keine abfotografieren von vollen tellern in einem fremden restaurant und wie lecker, wie billig. Bitte noch einen nachschlag und kotz.


Alles was ich erlebe und sehe ist nicht vom hörensagen, ich war dabei. Schönreden ist nicht mein ding, tacheles eher. Dass die texte nicht positiv klingen, heisst aber auch nicht, dass ich es nicht positiv sehe. Zudem habe ich ein optimierungsgen in mir. Ist etwas komplizierter als es muss, gehen meine alarmglocken an. Da muss ich durch und beschreibe die ineffizienz aus meiner logik heraus.
Zurück zur Hose, man geht nicht dorthin, wo die verarmte und ausgenutzte unterschicht der Gesellschaft lebt. Das weiß ich spätestens seitdem man mich in Argentinien niedergeschlagen und ausgeraubt hat. Alles im slum in er sichtweite zweier polizeistationen.

Ich könnte auch einen anderen reisebericht schreiben wie etwa über eine schöne zugreise. Über die schönen landschaften die am fenster des zuges vorbei ziehen, über die wundersame natur, kühe auf der weide, die bauern, die gerade ihre felder bestellen und der duft der nahen nadelwälder. Die schönheit der einfallenden lichtstrahlen im reiseabteil, in denen der staub auf und ab tanzt. Für die bahnfahrkarte hatte dieser reisende auch viel geld bezahlt und er sieht es alles positiv, wie sonst. Er musste seine wohnung verlassen, aber man gab ihm auch gleich eine neue zukunft an einem anderen ort. Nur er wusste nicht, dass er an der endhaltestelle noch nicht am ziel war. Das personal entschuldigte sich und die auch die anderen reisenden machten sich zu fuß für die letzten kilometer auf. Es war warm, aber trocken und ein leichter wind wehte, wie erfrischend. Was für ein schöner tag und das begleitende personal tröstete die reisegruppe, sie würden eine frische, warme und kostenlose dusche am ende erhalten. Da zog er noch einmal seine bahnfahrkarte aus seinem sonntagsanzug hervor. Die endhaltestelle hiess Ausschwitz-Birkenau.

Eine ansicht zu microschrott und billy boy kann ein leser beisteuern. Deren schnüffel- und gängelpraxis etwa so ist, als ob du im möbelhaus einen schrank gekauft hast und die möbelfuzzis anschließend täglich bei dir vorbeischauen um deinen schrank bei dir zu hause nach inhalt zu durchwühlen und zu filzen. Blue screen am arsch des propheten. Lass es dir mal auf der hirnrinde zergehen.

Ende meiner sichtweise.

Gestern war ich dann noch einmal bei der immigration den berg hinauf gelaufen. Meine versicherung ist schon im weihnachtsurlaub, also habe ich gehandelt. Eine fakemail ist schnell erstellt, dann das ganze in ein pdf kopiert und mit google translator übersetzt. Dazu auch die wichtigen passagen aus der versicherungspolice zur haftungsbegrenzung und zu den rücktransportkosten. Das wurde dann so akzeptiert und ich darf erst mal zwei monate bleiben. Eine verlängerung ist kein problem.

20211222 gasse

 
20211222 hauptstrasse

 

20211222 hauptstrasse

 

20211222 alte markthalle

 

20211222 parkverbot

 

Mit dem ferry transfer fahre jedes mal an dem wrack vorbei. Ein dampfschiff, das neunzehnhundertelf einen kohlebrand an bord hatte. Es schwamm noch einige zeit und heute schaut nur noch die ruderanlage heraus. Rechtwinklig unter wasser davon geht die schiffswelle in die tiefe. Ein weiteres schiff liegt weiter draußen, deutsche torpedo präzision mit vielen toten.

20211223 wrack

 

20211229 wrack papanui

 

Auf dem rückweg durchs dorf habe ich dann dieses auto mit dem hier gewöhnlichen nummernschild gesehen, es sind halt nur nummern. Da würden so einige vermeidliche gutmenschen in deutschland schnappatmung bekommen und die staatlich instrumentalisierte antifa würde mit knüppeln und steinen das fahrzeug verformen. Wenn es die fahrerin überleben sollte, so weiß sie dennoch nicht warum. Es sind halt doch alle nazis hier, alle ausser mutti.

20211222 nummernschild

 

Das fest habe ich gut und ruhig überlebt, mit einem frischen salat der insel und hühnerformfleisch. Am nächsten tag dann kartoffeln mit sauerkraut und lokalen schweinewürstchen. Die überlebten nicht einmal eine minute in der pfanne und platzten. Das grobe fleisch ging dank des senfes doch über die geschacksknospen in den magen.

Am boxing day habe ich wieder mails abgerufen und eine hat mich auf eine dumme idee gebracht. Vor ein paar tagen habe ich mit einem alten mann geplaudert, wir kamen auf die leiter zu sprechen und er wusste noch nicht einmal wie alt sie ist. Für ihn war sie schon immer da. Und heute bin ich dann darauf. Den rekord konnte ich nicht brechen, die erste pause nach hundert stufen. Diese sind nicht nach din-norm sonder ca. fünfundzwanzig zentimeter hoch. Später waren die pausen alle zwanzig stufen, mann bin ich aus der kondition. Aber es lockte mich ein restaurant oben.

20211226 ladder

 

20211226 ladder

 

20211226 ladder

 

20211226 ladder

 

20211229 ladder cablecars

 

Nur heute ist alle geschlossen, also den blick über den ort genießen und wieder runter laufen. Nach zwei dritteln bin ich rechts abgebogen und wieder ins dorf über die straße zurück. Der muskelkater wird richtig kräftig werden. Und durch einen schnack habe ich erfahren, dass ein besatzungsmitglied von der navi noch schneller oben war, halt eine richtige kampfsau. Nur wurde das nicht offiziell aufgezeichnet und ist somit kein rekord. Dafür habe ich ein ganzkörpermuskelkater, da meine arme mich auch nach oben gezogen haben.

20211226 themroc von oben

 

20211226 jamestown

 

20211226 jamestown

 

20211222 berghang sued

 

Und wenn man die augen aufmacht, dann gibt es hier viel geschichte. Nicht nur dass Napoleon vor zweihundert jahren den löffel hier abgegeben hat. Auf der bisherigen reise bin ich oft über Joshua Slocum gestolpert, so auch hier.

20211226 slogcum

 

Andere inseln, andere zeiten. Am Montag und Dienstag nach den tagen sind alle geschäfte geschlossen. Am Mittwoch sollen die supermärkte am vormittag geöffnet haben, so auch die bank. Dort muss ich geld kaufen gehen, es gibt hier keinen geldautomaten. Wenigstens habe ich jemanden gefunden, der den steuerzylinder reparieren kann und er war sich sicher, auch ein paar dichtungen dafür zu haben, mal sehen.
Dann will der hafenmeister noch die zweite hälfte der moorings überprüfen lassen. Das ferryboot hat mich dann am Dienstag zu einer neuen gezogen. Neuer platz, neue perspektive zur felswand.

Der schwell ist gerade richtig heftig, das aussteigen aus der fähre kann sehr nass werden. Mein erster gang war zur bank, wer ist das ende, danke und den ossi machen. Vor mir waren zwanzig personen, als ich an der reihe war, hatte sich nichts geändert. Ein monopol führt nicht zu verbesserungen, die gebühren sind optimal errechnet.
Danach in den supermarkt und in ein weiteres kleines geschäft, in dem ich noch nicht war. Ein grosses regal mit gewürzen und da musste ich mich auch schon bremsen. Viele currys, und weitere scharfe sachen, sah alles nach indischem einfluss aus. Und sie hatten auch majoran, wunderbar für die nächste erbsensuppe. Denn die trockenerbsen sind gerade sehr reduziert, zwanzig cent für ein halbes kilo.
Nächste station ist das hotel im dorf, schnell durch, es riecht nach geschichte. Die richtige habe ich danach im museum inhalliert, das erste mal. Denn es gibt hier nicht nur öffentliche toiletten an jeder großen ecke umsonst, sonder auch das museum. Der nächste besuch ist garantiert.

Die tage gehen dahin, das normale leben ist wieder auf der insel eingekehrt. Nur meine zeit läuft mir gerade davon. Es gibt gerade keine flüge von Südafrika, dafür aber von London aus, aber selten. Das dichtungsset, wenn der lokale bastler es nicht hinbekommt, muss irgendwo her. Somit bleibt das versorgungsschiff oder halt England.

20211222 blick hafenmole

 
In der letzten nacht war es an deck laut und ich dachte, ein vogel hatte eine bruchlandung. Dann zappelte es eine weile und mein schlaf wurde nahtlos fortgesetzt. Am morgen zum kaffee roch es schon heftig nach fisch und da lag er nun im süllrand. Ein über dreißig zentimeter langer fliegender fisch, der größte, der bei mir gelandet ist. Draußen ist zwar erheblicher schwell, aber keine wellen. Vom regen in die traufe und sein jäger ging leer aus.

Donnerstag und irgend etwas läuft aus dem ruder. Gestern nachmittag kam der hafenmeister mit der barkasse vorbei und sagte, dass ein katamaran von den vier booten positiv getestet wurde. Kann das sein nach über zehn tagen auf see? Nun denn, wenn ein test dazu geschaffen wurde, um möglichst viele falsch positive ergebnisse zu erzielen, dann hat es hier wieder funktioniert. Pech für die segler. Jedoch haben sie sich für das weitersegeln entschieden. Es ist halt eine sache der definition oder sie wurden, weil sie aus Südafrika kamen, per se als positiv eingeordnet.
Das macht dann wiederum auch sinn, denn die schwarzen dort wollen sich nicht impfen lassen und die pharmaindustrie wittert entgangene gewinne. So wird ein schuh daraus, oder warum starben plötzlich und unerwartet so viele präsidenten und minister aus afrika.

Auch mein rechner nummer eins ist letzte nacht gestorben. Die grafikkarte hat sich nun doch verabschiedet, nur das obere viertel des bildschirmes ist noch sichtbar. Eine weitere niederlage ist an der hydraulikfront, der erste bastler kann es nicht reparieren, somit kommt der nächste ins rennen. Mein zwischenstop wird zum dauerliegeplatz.

Es wird immer schlimmer, ich habe nur noch diesen einen rechner, auch mein notfall backup hat seinen dienst eingestellt. Somit müssen neue alte rechner her, bevor ich hier ablegen kann. Ich will nicht den Napoleon hier machen, der rekord für einen zwischenstop liegt bei zwei jahren.

Samstag und es ist mir gestern und heute gelungen, einen alten rechner zu klonen. Davor gab es immer blaue bildschirme, das nächste projekt zu hause wird linux heißen und dieses bastelbetriebssystem vom virusexperten fliegt raus.

Meine beliebteste gesprächsquelle ist das museum, zwei ältere menschen. Wie was warum und aktuelles. Es sterben hier gerade nicht mehr menschen, somit auch nicht an dem virus, warum auch. Aber es gibt einen geburtenrückgang, leider schon seit über zwanzig jahren. Dazu kommt, dass die jungen abwandern und sich einen job in UK suchen. Die überalterung ist nicht zu stoppen.

Wir haben viel über die leiter und die cablecars gesprochen. Danach war ich im hotel nummer eins am ort, dort gab es ein pint vom fass im wintergarten. Mir fielen die konstruktionen im ersten stockwerk auf, zugang zu den räumen über einen holzweg, der auf schienen ruhte. Meine idee war die schienen neben der leiter, aber gefehlt. Es gab hier ein kleines holzwurmproblem in der mitte des vorletzten jahrhunderts. Die häuser brauchten etwas stabiles und so wurden ein teil der ersten schienen der verbindung von London nach Bristol hier verbaut.

20211231 hotelgarten

 

20211231 gonesailing

 
Vielleicht hilft da ja global warming, um alles neu zu erklären, das inselparadies im südatlantik. 1878 im april gab es hier ein fettes hochwasser, global warming, natürlich. Seit der letzten eiszeit vor vierzigtausend jahren ist der meeresspiegel um hundertzwanzig meter angestiegen. Da haben wohl die neandertaler zu viel fleisch gegessen und kräftig gefurzt, währen der achtzylinder warm gelaufen ist.
Wir hinterfragen nicht mehr, lassen uns nur beschallen. Das ergebnis ist offensichtlich, halbwahrheiten auf allen seiten. Das hochwasser hier war ein eigentor, die holztore zum meer waren zu. Nun es regnete heftig und das wasser konnte nicht aus dem ort abfließen. Drei tage lang, danach konnte man wieder vom castle zur kirche laufen und sich die nächste portion glaubensscheiße abholen.

20220108 wassermarke

 

Es mangelt mir nicht an neuen erkenntnissen, aber erst mal ist hier schluss. Da ich viel zeit hier verbringen muss, gibt es bald eine fortsetzung. Cliffhanger ende.

Dieser bericht hat mich zwei stunden online gekostet, dreizehn pfund, weil die verbindung diesmal sauschlecht war. Und nein, dies ist kein aufruf zu spenden.

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Zurück in den Südatlantik

Die vorbereitungen für das slippen sind abgeschlossen und das andere schiff ist noch auf der rampe. Es wehen hier gerade um dreißig knoten und es ist eng im hafen. Vielleicht komme ich morgen heraus.

Somit habe ich mich noch einmal meiner steuerung gewidmet. Das war beim ersten mal nicht so recht, das ruder reagiert schlecht auf das steuerrad. Wenn das so ist, dann ist luft im system, also raus damit. Beim letzten mal vor ein paar jahren hat es auch funktioniert. Ein langer schlauch vom steuerzylinder zur steuerpumpe in der plicht. Ich bin um zwanzig mal die treppe runter und habe hier und da die entlüftungsventile bedient. Am ende scheint es sehr viel besser zu sein. Das nächste problemchen ist der süppende steuerzylinder, hält sich aber in grenzen.

Es ist so viel wind, dass ein hafenmanöver schnell ne menge geld kostet kann. Aber das schiff auf dem slip ist heraus und der hafenmeister kam vorbei, eine halbe stunde zeit. Ich hatte derweil die waschmaschine angeworfen und war beim zweiten spühlgang. Dann lief es noch schneller, Themroc lief auch, ich konnte steuern und wasser verwirbeln. Mit dem beiboot ging es auf den slipwagen und raus.
Während ich mit dem spachtel den rumpf abgetragen habe, arbeitete ein angestellter mit dem hochdruckreiniger. Der erste schritt ist getan, der schleim ist runter und auch die meisten seepocken und muscheln. Die schraube ist zugewachsen und auch die wassereinläufe. Somit ist klar, warum der motor qualmte. Das schwarze antifouling ist besser als das blaue.
Morgen geht es weiter, die anoden sind zugewachsen und der propeller braucht ein wenig sandpapier. Was ein wenig ekelig ist, sind die fünf zentimeter langen würmer oder nacktschnecken am rumpf. Da ich nicht überall unter den kiel komme, ist die frage, wie lange diese weiter überleben. Und ich kann mein ruder ein wenig bewegen, somit ist noch immer luft im system.

20211119 auf dem slip bewuchs

 

20211119 auf dem slip bewuchs

 

20211119 auf dem slip bewuchs

 

20211119 auf dem slip bewuchs20211119 auf dem slip bewuchs

 

Der tag fing kurz vor fünf uhr an, der windgenerator hatte sich losgerüttelt und lief. Raus, stoppen und wieder festbinden, nur da fing auch schon die dämmerung an. Aufstehen, kaffee kochen und nachrichten lesen. Ab sieben uhr habe ich angefangen, den rumpf zu bearbeiten, alles was geht. Der kielboden ist nur rudimentär zu erreichen, und alles, was abging an seepockenresten, wurde mit dem spachtel abgeschabt. Dann das unterwasserschiff mit verdünner abgerieben und zum schluss neues antifouling aufgetragen. Die schraube war zuerst dran, blank geschliffen und die schlechte farbe aus Thailand entfernt. Jetzt hat es drei schichten meiner lieblingsfarbe als grundierung plus antifouling. Morgen wird der rest verstrichen an den neuralgischen stellen. Nach elf stunden arbeit kann ich mir im stehen die schuhe zubinden.
Der seehund hatte mit sehr erschreckt, als ich mit der farbe hantierte. Ist aber friedlich und döst dann weiter auf der rampe.

20211121 auf dem slip

 

20211121 auf dem slip

 

20211121 auf dem slip seehund

 

20211121 auf dem slip seehund

Am So dann noch einmal in vier stunden die zweite schicht antifouling aufgetragen. Zwischendrin das windsteuerruder montiert und auch mit schwarz versehen. Der verdünner aus dem bestand ist aufgebraucht und das schiff ist unten herum wieder schwarz, blau passt besser zu grau, aber warum.
Dann kam einigermaßen pünktlich der schweißer vom gelände, um mit mir einkaufen zu fahren. Er ist dreiundvierzig jahre alt und hat weniger zähne im mund als ich. Seine schulbildung ist als kaum zu bezeichnen. Er musste früh arbeiten, die eltern und die geschwister unterstützen. Seine ausbildung zum schweißer dauerte zwei wochen und das ist zwanzig jahre her. Seit dreizehn jahren arbeitet er für den club und verdient nur sechstausend rand im monat. Achthundert davon muss er für das busticket im monat ausgeben. Für die einkaufstour mit seinem alten wagen haben wir siebenhundertfünfzig vereinbart, ich finde es fair.

Der nächste arbeiter ist hier sicherheitsfuzzi, security. Er ist mit dem job unterfordert, redet gern ist freundlich und erst sechsundzwanzig jahre alt. Seit fünf monaten arbeitet er hier schon und verdient fünftausendfünfhundert rand im monat. Auch er zahlt das busticket und seine wohnung kostet fünfhundert.

Sie sind froh einen job zu haben, nur das einkommen ist ein wenig über dreihundert euronen im monat. Somit ist das niveau auf der höhe von Thailand. Aber hier sind die nahrungsmittel teurer. Somit habe ich für meinen gekauften proviant gerade einen hiesigen monatslohn ausgegeben.

Am Mo sollte es ins wasser gehen, aber es herrscht zu viel wind. Gestern abend hat dann noch ein katamaran am dieselsteg angelegt, hafenkino pur. Er konnte nicht gegen den wind anlegen, sie zogen dann an den seilen, bis sie endlich die winschen benutzt haben. Nur ich will da auch an den steg, zum tanken. So komme ich erst weg, wenn der neue katamaran ablegt.

Aber am Mo habe ich erstmal ausgecheckt, meine rechnungen dem zoll übergeben um die mehrwertsteuer zurück zu bekommen, dann noch den hafenmeister aufgesucht und die sachesache mit dem customs wird elektronisch abgewickelt. Nur wollen die auf den dokumenten eine unterschrift. Habe ich hier ein vollständiges büro an bord, drucker scanner und dann noch das ganze in pdf umwandeln? Take it as it is.

Als belohnung habe ich mir im brauhaus zwei pale ale gegönnt. Das ist mein bier, schmeckt ein wenig nach toastbrot, grüne wiese, ein wenig grapfruit, frisch und bitter oder einfach lecker. Dazu fish und chips, ging so.
Auf dem hinweg hatte ich rückenwind, ich musste kaum in die pedalen treten. Der rüchweg war so nicht machbar. Aber ich habe ja schon einmal die strecke das fahrrad geschoben. Mit vollen reifen geht es doch besser, gegen den wind zu fahren war nicht möglich. Somit habe ich mir ein andenken eingepackt, das schon beim letzten mal auf dem boden lag.

20211122 brauhausausblick

 

20211122 pale ale

 

20211122 schild


Dann ging es los. Tag1 auf see:
Ich bin um fünfuhrdreißig aufgestanden und um sieben uhr habe ich abgelegt. Lief alles prima, im hafenbecken dann die leine zusammengeräumt und die fender an die reling getüdelt.

Es gab das ganze wetterprogram sonne, bewölkt, regenschauer, blitze. Der wind war von fast null bis dreißig knoten. Der kurs ist direkt bis St.Helena dreihundertzehn grad, eine direkte linie. Das, was ich gefahren bin, war mal super oder mies.
Die probleme fingen bald an, die untere segellatte ist wieder raus, der unterliekstrecker hat sich vom segel gelöst und die leine vom ersten reff war fast durchgescheuert. Hätte ich mal vorher besser geschaut. Dann macht mir die steuerung probleme, an der steuersäule spritzt das öl heraus, und ich vermute, dass die ursache im steuerzylinder ist. Ich hatte ja bemerkt, dass dort öl ausgetreten war. Und ich vermute, dass dann dort luft hinein gelangt. Wenn der autopilot läuft, kommt das zu viele öl oben heraus. Das teakholz braucht für die nächsten jahre keine ölung mehr.
Zur nacht hatte ich das zweite reff im großsegel, die genua verkleinert und das schiff konnte allein hoch am wind laufen, nur der hat irgendwann gedreht.

Tag2 auf see
Es geht jetzt nur noch ein westkurs mit glück, frust macht sich schon mal breit. Doch dann immer weniger west, mehr ein südlicher kurs. Um vierzehn uhr gab es dann einen kurswechsel und richtung wurde norden. Aus der steuerpumpe in der plicht pisst jetzt das öl raus. Das ruder ist aktiv, zieht luft und drückt das öl nach oben. Am abend drehte der wind und der kurs wurde besser, fast gut.

Tag3 auf see
Dieser fing schon schlecht an. Das ruder hatte sich selbstständig in eine endposition gebracht. Der autopilot macht da auch nicht mit und somit habe ich das system ein weiteres mal entlüftet. Diesmal benutzte ich getriebeöl, das ist dicker und vielleicht hilft es ja. Nachdem ich wieder steuern konnte, gab es keine meldung vom rudersensor. Die achse auf dem hebelarm, an dem der steuerzylnder arbeitet, war locker. Danach war es wieder wie vorher, das ruder bewegt sich. Nicht schön, aber es geht. Ich werde wohl etwas länger auf St.Helena bleiben und mache hoffentlich nicht den Napoleon.
Alles, was an land funktioniert hatte, muss jetzt nicht mehr laufen. Dazu zählt die logge, ist schon wieder fest. Und auch mein ais-receiver will keine daten rausrücken. Bei der bergung der segellatte habe ich wohl auf das antennenkabel getreten.

Tag4 auf see
Fangen wir mit den schlechten nachrichten an. Das ruder bewegt den steuerzylinder und der zieht luft. Da sind wahrscheinlich die simmeringe nach fast zwanzig jahren fertig. Das ruder bewegt sich und ich kann es pfeifen hören. Bei überdruck schließen die dichtringe noch und pumpen das öl zurück, und oben an der steuersäule pisst es raus. Teilweise kommt ein strahl heraus, zwanzig zentimeter weit. Ich entlüfte jetzt täglich und fange das öl auf. Die idee, viel fett auf die hydraulikstempel zu schmieren und mit lappen zu fixieren, damit bei unterdruck das fett angesaugt wird, funktioniert auch nicht.
Nun die gute nachricht, das ais funktioniert wieder, oder öfters. Das problem ist der antennenstecker am gerät, problem ist in arbeit. Die logge funktioniert auch wieder, nachdem ich gestern mit dem motor über sechs knoten gefahren bin. Sie dreht sich wieder.
Am zweiten tag bin ich achtzig seemeilen gefahren und von gestern mittag bis heute mittag nur um sechzig, dafür netto. Um mitternacht fiel der wind aus und ich habe die segel geborgen. Davor waren es auch nur um drei knoten in der stunde, aber in die richtige richtung. Von Kapstadt bin ich direkt hundertachtzig meilen entfernt und es sind noch über fünfzehnhundert.
Das andere gute nachricht ist, dass meine zufuhr von einen gramm vitamin c seit einem tag vor der abfahrt bis gestern gut geholfen hat. Kein essensaussetzer und guter appetit und jetzt habe ich wieder seebeine.

Tag5 auf see
Der morgen fing mit zu wenig wind an, die ersten zwei stunden lief der motor, um die batterien wieder aufzuladen. In der plicht riecht es nach Landrover, zum glück mag ich getriebeöl schnuppern. Gestern war kein schiff in sicht, so konnte ich den neuen antennenstecker für das ais nicht überprüfen. Die nacht war ruhig nur einmal ein alarm einer gewitterwolke, die mich aber nicht erreicht hat.

Tag6 auf see
Morgens um zehn uhr am ersten Dezember kam der wind nach fünfunddreißig stunden zurück. Das barometer hat sich nicht verändert, angenehme fünfzehn knoten wind aus südwest. Das bedeutet halbwind und das kann das schiff nicht alleine. Somit habe ich die windsteuerung aktiviert, das erste mal seit der teuren überholung in Thailand. Danach musste ich den pfusch mehrfach überarbeiten, und nun scheint es, dass sie wieder funktioniert. Zumindest seit einer halben stunde.
Der monat November hat fast ganze dreihundertachtzig meilen gebracht, in fünf tagen.

Tag7 auf see
Gestern fing es so schön an, ein idealer segeltag. Zum abend hin nahm der wind zu, im dreißiger bereich. In der nacht drehte er dann noch und der kurs war nicht einmal mehr west, sondern mit südanteil. Am morgen habe ich dann das schiff gedreht, aber es will nicht norden, nur mit ostanteil. Auf dem wasser habe ich hundertdreißig meilen gefahren, bin aber nicht viel davon dem ziel näher gekommen.
Sonnenuntergang und es wird nicht besser. Ich wollte vor ein paar stunden das dritte reff ins großsegel ziehen. Dabei hat wieder einmal der selden-block die leine gefressen. Ich komme nur auf zehenspitzen an die rolle, keine befreiung möglich. Die wellen sind im fünfmeterbereich und das schiff bewegt sich dementsprechend. Bevor ich noch über bord gehe, habe ich das segel komplett auf den baum gebunden. Ankommen vor toter held. Somit ist nur noch die genua mit eineinhalb metern aktiv. Sie sorgt für einen stabilen kurs, der aber nicht optimal ist. Morgen ist ein neuer tag.

Tag8 auf see
Fing so an, wie er gestern aufgehört hat. Wind zwischen dreißig und vierzig knoten. Das großsegel ist noch nicht aktiv, ab und zu dreht der wind und ich kann sauber nach norden treiben. Auch gibt das radar fehlalarme, die sich als riesige wellen herausstellen. Sie kommen rechtwinklig, der aufprall ist laut, aber es kommt nicht zum querlegen.

Tag9 auf see
Der wind lässt nach, aber die dünung ist noch da. Eine heftige schaukelei, und seit heute morgen versuche ich wieder direkten kurs zum ziel zu fahren. Das alles mit einer kleinen genua, also alles nicht schnell. Die letzten beiden tage habe ich jeweils fast sechzig meilen gemacht. Mein plan war schneller zur insel zu kommen.
Aber ich habe ein neues problem. Ich turnte gestern auf der einen plichtseite herum, eine kräftige welle kam an, das gleichgewicht verschwand, ein tritt in die leere und der anschließende aufprall auf der anderen seite. Gedämpft wurde das durch meinem oberen brustkorb, gebrochen ist wohl nichts, aber es tut so schon genug weh. Schlafen geht einseitig, luftholen ist auch fast normal. Da habe ich mir eine ordentliche prellung abgeholt. Somit warte ich auch auf einen flacheren ozean, um das dritte reffseil aus der rolle zu bekommen.

Tag10 auf see
Das wetter hat sich wieder beruhigt, die nacht war gut. Am morgen habe ich es dann gewagt, die nötigen reparaturen am segel und am mast. Dort musste ich schon wieder drei nieten einer unteren stufen ersetzen. Sicherlich durch die gischt sind die aluminum nieten zur edelstahlstufe abgegammelt. Nieten habe ich genügend, nur die zange erfordert doch ganzen einsatz.
Danach habe ich die leine aus der rolle gefriemelt, eine alte neue rolle zusammengesetzt und eingeschäkelt. War wackelig, ging aber ohne stürze. Am ende lief schon wieder Mr.Perkins, um den stromabfluss zu ergänzen. So ein kühlschrank lutscht reichlich. In ein paar tagen sollte er aber auch leer sein. Zudem habe ich auch mal wieder geduscht, warmes wasser vom motor ist vorhanden und das meer einigermaßen ruhig.

Tag11 auf see
Es fing so gut an, kontrollierte geschwindigkeit und richtiger kurs. In der nacht gab es keine alarme, ruhiger schlaf. Am morgen wurde es lauter und der wind hatte gedreht. Und die windsteueranlage richtet sich nach dem wind, so war es am morgen ein südwestkurs. Also raus und wieder in richtung St.Helena bringen. Dann verklemmte sich die genuarollanlage, aber nach mehreren versuchen fahre ich wieder zum ziel.
Mein hämatom auf der linken brust ist deutlich zu erkennen und es schmerzt noch immer. Sogar ein husten tut weh. Wie schön, dass ich keine brustimplantate habe. Sie hätten den aufprall zwar abgefedert, wären vielleicht auch geplatzt und dann wäre richtige not am ort in der mitte von allem.
Mal ein fazit der letzten zehn tage: ich bin um achthundert seemeilen geschippert, bin aber erst sechshundert meilen von Cape Town entfernt. Das ist keine gute quote, aber noch kein fiasko. Die rote line sind die sechshundert und das blaue zickzack das gemachte. Die grüne strecke aktualisiere ich bei jeden wegepunkt und ist auf das ziel gerichtet. Es wird also länger dauern als meine optimistische prognose.

10tage sthelena


Tag12 auf see
Es war wieder ein guter tag, wie gestern über hundertundzehn seemeilen in die richtige richtung. Es läuft alles im rahmen, der energieverbrauch ist hoch und somit muss der motor für zwei stunden laufen, um die batterien wieder zu füllen. Heute ist es bewölkt, achterlicher wind, also kein windgenerator und wenig solarmoduleintrag. Aber ab heute ist die entfernung zum ziel nur noch dreistellig.
Meine beschwerden der brust wandern auch zu den seiten aus. Vorsichtiges bewegen vermindert den schmerz. Der kühlschrank wird leerer, gestern ging ein achthundert gramm block von käse über bord. Er schimmelte schon in der eingeschweißten verpackung. Dabei kann Südafrika gute agrarprodukte herstellen. Alles an obst und gemüse ist noch einwandfrei, nach über zwei wochen seit dem kauf.

Tag13 auf see
War gut. Der achterliche wind, den ich nicht mag, hat jeden tag über hundert meilen gebracht. Der motor muss fast jeden tag zwei stunden laufen, um den energiekonsum zu kompensieren. In ein paar tagen ist der kühlschrank leer und es beginnt die zeit der trockenen lebensmittel in kombination mit den konserven,
Die schmerzen in der brust und den rippen lassen nach, für mich ein gutes zeichen. Da ich außerhalb der schifffahrtsrouten bin, gibt es in der nacht auch keinen alarm. Die sonne scheint gerade und in der plicht ist es sich gut auszuhalten. Es könnte schlimmer sein.

Tag14 auf see
Alles wie gehabt. Die nacht war ohne störungen, der wind war seit vier tagen konstant. Die segel habe ich auch nicht in dieser zeit verändert. Heute hat der wind dann doch die richtung geändert, also zur anderen seite das tuch schifften und es geht weiter. Die letzten vier tage waren auch in den seemeilen, über vierhundert in die zielrichtung, großartig. Das wetter ist bedeckt, aber warm und noch trocken. Außerdem habe ich schon die hälfte der strecke gemacht, auch schön und gut.

Tag15 auf see
Es passiert sehr wenig. Der wind hat nachgelassen, bis heute waren es nur etwas über siebzig meilen. Ich will nicht jammern, alles nettomeilen. In der nacht bin ich nur einmal wachgeworden, draußen gab es zwei wellenrichtungen und im schiff klapperte das geschirr.
Die rippenproblematik zieht auch langsam ab, gut so. Aber als neuen spaß habe ich mir einen fetten sonnenbrand auf der unterlippe zugezogen. Das tut auch weh und ist zudem noch blutig, selbst schuld.

Tag16 auf see
Das gleiche wie gestern, ein drei meilen tag. Der unterschied zu heute, gestern war das wasser blauer, heute eher türkis. Auch kann ich heute keine zehntausende von quallen im wasser sehen. Die segelrichtung ist noch immer gut, das etmal nicht berauschend. Und meine lippe schmerzt, zwei brandblasen, die erstmal wieder zuheilen müssen. Morgen könnte es besser oder anders werden. Es sind unter siebenhundert seemeilen zum etappenziel.

Tag17 auf see
Es hat sich einiges verändert. Gestern nachmittag habe ich ins das erste reff im groß umgetüdelt. Der erfolg war frust, keine geschwindigkeitserhöhung, nur wellen und flappende segel. Dazu kam am abend etwas mehr wind und die segelsystemgeometrie war weg. Vorsegel, großsegel, windsteuereung, alles verändert und ein lables gleichgewicht hergestellt. Am morgen dann ein südwestkurs, wieder vieles verändert mit mäßigem erfolg. Der wind hat dazu noch leicht gedreht, zieht er an, so geht es nach norden, nun denn.
Gestern nachmittag habe ich auch den ersten fliegenden fisch gesehen und heute morgen der erste gast an deck, so schnell kann es gehen. Zudem habe ich auch den kühlschrank gelöscht, der rest wird heute und morgen verspeist. Der energieverbrauch hat sich um die hälfte reduziert.

Tag18 auf see
Veränderungen sind oft gut. Gestern abend habe ich wieder in das zweite reff des großsegels gewechselt. Der druck nach luv war zu stark für die windsteuerung. Die drei parameter genua, groß und windsteuerung sind zu variieren und sie sind aufeinander abstimmbar. Die vierte einheit, das hauptruder, um etwas gegensteuern zu können, ist ausgefallen. Ein sauberer kurs war nicht möglich. Und heute morgen war es noch besser, gewitter mit wind um dreißig knoten, es lief recht gut. Zur zeit kommen große wellen von achtern und das schiff hat eine idee vom surfen. Somit ist das etmal fast hundert meilen netto.
Mein hämatom hat sich von blau auf gelblich geändert, die heilung schreitet voran. Der heftige sonnenbrand vor fünf, sechs tagen hat mir zudem erstmals den namen Rudolf gegeben. Sie hat sich schon gehäutet, und da ich seit zwei tagen wundsalbe auf meine unterlippe schmiere, geht der rest an die nase, es wird schon.
Zwei drittel der distanz habe ich auch schon geschafft, fehlt nur noch einmal eine flaute, um das hydrauliksystem zu entlüften, kommt schon.

Tag19 auf see
Alles wieder beim alten. Ich habe noch nie so einen konstanten wind gehabt, außer bei der ersten atlantiküberquerung. Aber das ist ein passatwind. Es läuft um vier bis fünf knoten, zeitweise mit sonne. Und das erste mal seit langem, dass es über hundert meilen am tag sind, netto!
Da es gut läuft, werde ich das system noch nicht entlüften, geht ja auch so. Und bis jetzt keine weiteren ausfälle, kann ja noch kommen.
Ich musste heute auch meine zeilen für die berechnung der meilen erweitern. Hatte mal wieder zu optimistisch gedacht und es sind noch über vierhundert meilen oder fünf tage, wenn es so weiter läuft.

Tag20 auf see
Der wind ist konstant, hat aber seit zwei tagen leicht gedreht. Somit ist viel vom westkurs in der route, noch nicht dramatisch. Heute abend werden es unter dreihundert meilen bis St.Helena sein.
Die rippen melden sich nicht mehr, das ist gut und die lippe bessert sich auch. Einen heißen kaffee aus dem becher trinken, ist aber noch immer eine herausforderung.
Das schiff macht vier bis fünf knoten und daher will ich noch nicht entlüften. Dafür muss das großsegel herunter, und das geht besser, wenn man in den wind geht. Nur wie, das schiff kann keine wende ohne hauptruder, und das spielt gerade nicht mit. Nur wenn es nicht soll. Im gleichgewichtssystem der windsteueranlage mit dem ruder geht dieses leider oft nach luv. Daher auch der westliche kurs.

Tag21 auf see
Sechzehnter Dezember, jahrestag. Und der erste besucher kam schon um null uhr und sieben minuten. Radaralarm, aufstehen, rechner anschalten, ais aktivieren und staunen. Es machte mich sehr nachdenklich, ein mittleres containerschiffin sechs meilen entfernung und mit einer geschwindigkeit von siebzehneinhalb knoten. Sein kurs war wie meiner, es will nach norden. Die frachtraten liegen ja auch gerade sehr hoch, hebel auf den tisch. Nur wenn es frontal gekommen wäre, ich mit fünf knoten gegen an, hätte ich ein problem. Zweiundzwanzig knoten durch drei, wachphasen des radars, macht mehr als sieben. Mein alarmradius ist aber sieben. Somit hätte es gerade vor der alarmzone sein können und zwanzig minuten später wäre es schon an mir dran. Somit vergrößere ich die zone heute wieder.
In der zweiten nachthälfte änderte sich der wind, kurs südwest. Somit habe ich am morgen wieder die segel geschifftet und fahre nach dem neuen grünen kurs richtung insel. Heute nachmittag laufe ich in das hoheitsgebiet der Briten ein.
Und eigentlich lief es die letzten zehn tage recht gut. Gesegelt habe ich neunhundertfünfundsechzig meilen, das nettoergebnis der roten linie sind achthundertneunzig meilen, da kann ich nicht meckern.

20tage sthelena

 

Tag22 auf see
Das war seit langem der beste morgen. Das erste mal seit abfahrt wache ich auf und das schiff fährt exakt den richtigen kurs. Zwar nur für kurze zeit, da es um einen mittelkurs pendelt, aber gut. Die letzten tage wachte ich mit einer abweichung von bis zu siebzig grad auf. Dafür war die nacht schlechter, vier fehlalarme und die zeitumstellung zu GMT hatte auch ihre auswirkung.
An deck habe ich drei fliegende fische und einen kleinen tintenfisch gefunden, der größte fang seit Südafrika. Wenn es so weiter läuft, kann ich morgen am tage Jamestown anlaufen. Nur ich brauche eigentlich noch einmal flaute, um die steuerung zu entlüften. Wenn man wind braucht, ist keiner da oder umgekehrt.
Das etmal hat wieder über hundert seemeilen erbracht. In hundertdreißig meilen bin ich fast am ziel, könnte knapp werden.

Tag23 auf see
Morgens vor sechs uhr bin ich aufgewacht. Das schiff war schnell, für eine sehr kurze zeit. Die entfernung beträgt noch um achtzig meilen, also wird das heute nichts. Ich muss mir beim kaffee jetzt einen plan ausdenken.
Gestern hätte ich gern wenig wind gebraucht, um die steuerung zu entlüften. Es war anstrengend bei wind und welle. Danach gab es dann das gewünschte, zu spät. Mein neuer wunsch ging nicht so recht in erfüllung, sechs knoten bis zum ziel.
Jetzt am frühen nachmittag habe ich den kurs in richtung nordwest leicht verändert. Der wind kommt aus südost und am abend werde ich die segel einholen. Dann werde ich treiben, hoffentlich in dieselbe richtung. Wenn allerdings der vollmond die nacht zum tag macht und nicht durch wolken verdunkelt wird, geht es zu den moorings.

Tag24 auf see und ankunft
Ich wollte unten links herum um die insel, das schiff rechts herum. Um mitternacht nach der ersten schlafphase waren wir noch nicht weit gedriftet. Am morgen war es nicht besser, aber kaum noch wind. Rechtsherum war kürzer und Mr.Perkins musste sowieso die batterien laden. Der autopilot konnte gerade noch zum mooringfeld steuern, von außen sah man das geeiere. Um halbelf war ich an einer mooring fest und minuten später wurde ich erstmal auf deutsch angesprochen. Auch merkwürdig nach über drei wochen. Jetzt fehlt nur noch der covididiotentest, zoll, immigration, hafenmeister, aber nicht am wochenende und heute ist sonntag.

24tage sthelena

 

Fazit dieser reise: das abfahren ist spannend und es kann fast alles geplant werden. Auf see ist alles wieder neu, handgriffe müssen wieder aus der versenkung geholt werden.
Dann die zeit auf see ist sorglos, die natur ist nicht gefährlich, solange die küste fern ist. Andere schiffe sind zu meiden.
Am ende ist die ankunft. Es ist ungewiss und anstrengend. Wenn es keine punktlandung ist, wie in diesen fall, warte ich auf dem meer ab. Unbekanntes terrain begehe ich nur bei tageslicht.

Für die siebzehnhundert meilen habe ich knapp über zweitausend gefahren, das ist recht gut. Liegt aber auch am konstanten wind der letzten vierzehn tage. Die benötigte zeit ist aber zu lange. Nur wenn man mit kleiner besegelung fährt, damit die windsteueranlage bei nicht ausbalancierten segeln noch den kurs halten kann, ist das auch ok.

Erste eindrücke der insel:

2021219 hafen

2021219 mooringfeld

2021219 mooringfeld

2021219 st-helena

 

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Cape Town geht nicht weiter, weiter geht es

Ab jetzt wird es verschärft. Durch meinen rechnerabsturz mit blauem bildschirm, und zwar mehrfach, und nach der wiederherstellung durch meine backups laufen mein Word und Excel nicht mehr. Ich sollte alles wieder neu aktivieren. Nur es geht nicht online. Diese softwarebude hat ausgedient.

Diese einleitung ist am achten November geschrieben, nachdem ich über einen vollen tag mit der wiederherstellung meiner rechner gekämpft habe. Am ende laufen sie wieder, nur meine office programme nicht. Und nun sind auch noch meine dateien gesperrt. Dieses verfickte microsoft hat kein recht, meine rechner zu kontrollieren oder mein geistiges eigentum in form dieses blogs zu blockieren.

Was war vorher, warum das alles. Ich habe speicherchips und festplatten zwischen meinen rechnern getauscht und schon muckt die software. Die blauen bildschirme der letzten tage haben mich schon genug genervt. Der rechner wurde aus sicherheitsgründen heruntergefahren. Alles natürlich nur zu meinem besten.

Aber zurück zum aktuellen. Am Sonntag war ich einkaufen, es musste eine neue hose her. Im einkaufszentrum ist ein hasi und mausi laden. Mein neues beinkleid, von indischen kinderhänden zusammengenäht, gab es für zwanzig euronen. Die alte hose löst sich immer schneller auf und das tape hält auch nicht lange.

20211024 alte hose

 

20211024 neue hose

 

Wenigstens haben sich die hafenpförtner an mich erinnert, aber nur weil ich sie bei der ausfahrt extra darauf angesprochen hatte. Unterweg noch ein paar fotos vom alten hafen.

20211024 alter hafen

 

20211024 alter hafen

 

20211024 alter hafen

 

20211024 alter hafen

 

20211024 alter hafen

 

Am späten nachmittag dann plötzlich tausende vögel im anflug auf das hafenbecken. Das meiste waren kormorane und darunter hunderte von möven. Hitchcocks vögel sind dagegen eine lachnummer, und wenn sie wieder starten, nieselt es beim überfliegen des schiffes.

20211024 die voegel

 

20211024 die voegel

 

20211024 die voegel

 

Meine geliebte edelstahlankerkette aus deutscher produktion lag lange im salzwasser. Auf der letzten reise hierher kam sehr viel wasser aufs deck und somit auch in das ankerfass. Dreißig liter habe ich abgesaugt und dann die kette noch gesäubert. Was soll ich sagen, unten im fass waren drei kilogramm schlamm und die kette fängt an oberflächlich zu rosten. Die schrauben, die das fass halten, und der zusammengeschraubte holzboden sind aus minderwertigen inoxschrauben zusammengezimmert. Glücklicherweise habe ich keinen lochfraß feststellen können.

Der rigger kommt unangemeldet, das nervt mich. Aber der mast ist nun wieder sicher, die verstärkungsbleche sind vernietet. Jetzt fehlt nur noch die rodkickeraufnahme, den ersten versuch haben sie irgendwo verschlampt. Nach dem rigger kam auch der segelmacher noch vorbei, auch unangemeldet. Der dodger ist fertig, nicht wirklich schön, hoffentlich haltbar und dicht.

20211029 neue sprayhood

 

20211029 neue sprayhood

 

Es reißt nicht ab, ein stromleck im schiff, der eine fi-schalter geht aus. Schalte ich ihn wieder ein, geht der schalter auf dem steg aus. Ich weiß noch nicht, wo der fehler ist, kühlschrank und pc laufen erst mal über den inverter und das ladegerät funktioniert auch.

Beim letzten mal duschen ist unter der spühle der heißwasserschlauch geplatzt. Auch die armatur ist hinfällig, vergammelt und verrostet. Ich kam diesmal mit bordmitteln nicht weiter, also habe ich eine neue geordert. Dabei ist sie erst zweieinhalb jahre alt, in china gehen die uhren anders. Dafür habe ich meine steuerpumpe erhalten und wieder alles zusammengebaut. Wenn es windstill ist, werde das öl wieder auffüllen und ich bin einen schritt weiter in sachen mobilität.

Außerdem riecht es gerade wieder nach altem fisch. Der besucher liegt schon wieder vor meinem schiff und sonnt sich. Somit komme ich hier nicht weg.

20211029 alter besucher

 

Es wäre heute der richtige tag, um das öl aufzufüllen, aber die genua war wichtiger. Sie ist wieder an ort und stelle. Es wurden nicht alle stellen, die ich gesehen habe, genäht, aber dafür andere. Und sogar eine dauerbaustelle am unteren ende des keders. Dort gibt es jetzt eine verstärkung und die genua kann an den furler gebunden werden. Warum hat das kein segelmacher der letzten jahre vorher gemacht?

Das großsegel habe ich auch mal wieder hochgezogen. Ich hoffe auf einen anhaltenden regen auf dem meer. Es ist sehr dreckig durch den staub hier in der luft. Am ende habe ich es wieder ordentlich auf den baum gebunden und eingetütet. Dann musste ich wieder einkaufen fahren, denn morgen soll es regen mit viel wind geben.

Dann hat sich der stromfehler verpisst, alles funktioniert wieder. Es ist nicht gut, aber es gibt anderes zu tun. Ein weitere gute idee war, dass ich die duscharmatur abgeschraubt habe. Es gab kein warmes wasser in der dusche und das hatte einen grund. In der verschraubung sind je zwei kleine siebe und die waren durch schmutz zugesetzt. Außerdem werde ich mich nicht mehr an der duschstange hochziehen. Letzte woche hatte ich sie in der hand. Auch dieses selbstgemachte problem ist wieder behoben.

Und zum abschluss konnte ich meine eingebaute notlösung in betrieb nehmen. Falls mein druckwassersystem nicht funktioniert, wie es jetzt der fall ist, kann ich durch zwei verschlusshähne auf meine fußpumpe umstellen. Sie ist im normalfall für salzwasser und nun pumpt sie süßwassser aus dem tank.

Ein kleiner gedankenausfluss von mir. In den vielen seemeilen, die ich hinter mich gebracht habe, setzt sich die erkenntnis durch, wer ist hilfreich und wer nicht. Hier in Südafrika haben mich zwei personen einmal mitgenommen zum supermarkt. Ich musste sie aber erst fragen. Die supermärkte sind von der marina in über vier kilometer entfernung pro strecke erreichbar. Entweder ich war nicht nett oder ich bin ein arschloch, kann ja auch sein.

Als ich in kleineren menschengruppen war, auf inseln, da war die hilfsbereitschaft deutlich größer. Diese menschen kennen einander oder glauben es. Neuseeland war sehr hilfsbereit oder ich habe nur die guten getroffen. Auf Neukaledonien oder auf Reunion war es dasselbe. Nur wenn man zum festland kommt, dann ändern sich die verhaltensweisen der bewohner.

Heute zum Fr kam wieder alles auf einmal. Ich war fast vorbereitet, um auf den mast zu steigen, und dann sollte mein schiff plötzlich umziehen. Kein motor, keine steuerung also mussten sie mich schleppen. Der neue platz hat zwei vorteile, zum einen kommen die arbeiter zum katamarane fertigstellen nicht mehr lautstark morgens um sieben – und der netzzugang ist besser.

20211024 tafelberg

 

Danach war ich dann zweimal auf dem mast, radarreflektoren wieder anbringen, das rigg checken und mein horn funktioniert auch nicht mehr. Warum erklärt das foto. Die neue ersatzhupe funktioniert, nur nicht am mast. Dann muss es erst mal ohne signal gehen. Dafür habe ich öl in die steuerung gefüllt, entlüftet und es sieht brauchbar aus. Nur jetzt ist wieder zu viel öl im system und dann kommt es oben an der steuersäule wieder heraus. Ich kenne das schon. Auch scheint der autopilot wieder dabei zu sein, nicht laut, recht so. Die liste wird kürzer. Aber ich habe auch nur noch zwei wochen zeit oder ich muss wieder zur immigration.

20211105 signalhorn

 

Ich weiß viel und ne menge. Jedoch ist das universum größer als mein kopf. So sehe ich auch kein land, weil ich nicht weiß, wo es ist. Ich führe mehrere logbücher, seemeilen, tanken, inspektionen, abfettungen etc. Diese technischen dokumente hatte die microsoftmafia auch gesperrt. Und nun die gute seite. Einfach mal jemanden fragen und siehe da, es gibt open office for free. Wusste ich nicht, das liegt hinter meinem horizont. Herunterladen, installieren und schon habe ich den zugang zu meinem geistigen eigentum wieder.
Aber durch die ganzen rechnerprobleme habe ich noch ein neues dazu bekommen. Irgendwo hat sich ein datum verändert und schon habe ich siebentausend emails der letzten vier jahre noch einmal erhalten. Meine lernkurve sagt mir, gleich nach einer lösung zu suchen, und ich habe ein add-on gefunden. Jetzt gehe ich mal meine mailordner durch, duplikate braucht man ja nicht wirklich.

In zehn tagen muss ich hier raus, und zum glück bin ich heute einen großen schritt weiter gekommen. Platz im schiff herstellen, den generator dort hinrollen, fußbodenbrett und ein wandbrett entfernen und einen querträger lösen. Erst dann komme ich vorn an den motor heran, indem ich dort herunter klettere. Die motorhalterung hatte sich vom bodenblech gelöst, daher war der motor bei schwerem wetter umgefallen. Meine anderen halterungen, die ich im konvolut gefunden hatte, passen nicht. Also alles mit verstärkungsblechen wieder verschraubt, auch auf der anderen seite. Nachdem ich alles wieder an ort und stelle installiert hatte, war mir warm.
Das nächste gute sind zwei neue impeller, die ankamen, und der rigger will morgen früh endlich den baum reparieren. Ein guter tag.

Es fing alles so gut an, trockenes wetter, wenig wind und der rigger kam früh. Die neue rodkickeraufnahme ist am baum, der kicker ist auch montiert, soweit gut. Die rechnung ist allerdings keine peanuts.

20211112 neue rodkickerhalterung


Dann habe ich die spayhood wieder montiert und drei vergessene clips gefunden. Einen konnte ich ersetzen, die anderen nicht.

Mein ziel heute war die immigration, sie haben mir zwei monate gegeben, normalerweise sind es drei. Somit wollte ich gern den vergessenen monat haben, aber sie sagten, dafür sind sie nicht zuständig und gaben mir eine andere adresse. Da wenn ich schon am hafenausgang war, bin ich auch gleich weiter zum einkaufen. Zuerst geld, denn mein cash ist aufgebraucht. Danach lebensmittel und schwerbeladen bin ich wieder bis zur hafeneinfahrt gekommen. Sie haben mich wieder erkannt und sogar die schranke geöffnet.
Nur danach lief es schlecht. Nach hundert metern machte mein hinterreifen schlapp. Also ein paar kilometer das fahrrad schieben, kein pick-up hielt an. Durchgeschwitzt zur mittagszeit erstmal eine kurze pause und dann ans fahrrad. Nur jetzt hatten beide reifen einen platten. Wenn ich viel druck in den schlauch bringe, kann ich es finden. In den mänteln habe ich nichts gefunden. Somit ist die frage nach einer stecknadelattacke offen, bei hohem druck, zwanzig kilogramm auf dem gepäckträger und mir entweicht die luft.
Natürlich habe ich ersatz, aber nur einen schlauch, denn zwei platte reifen sind nahe der unwahrscheinlichkeit. Nach dem WE kommt ersatz.

20211112 doppeltplatt

 

Never change a runnig system und ich habe es doch getan. Auf dem letzten stück nach Cape Town wurde mein auspuffsystem heiß, und erzeugte eine leichte wasserdampfwolke. Ich hasse es, den impeller zu wechseln, aber ich habe gerade zwei neue in einer volvo verpackung gekauft. Jeder kostet soviel wie drei no name produkte in europa. Wenn nicht genügend wasser kommt, könnte es eine ursache sein. Den wasserfilter hatte ich schon vor der hafeneinfahrt gesäubert. Ab heute kann ich den impeller auch blind tauschen. Der alte stammt noch aus Neukaledonien und ich habe mein stechbeitel benutzt, um ihn herauszubekommen. Ja ich weiß, spezialwerkzeug impeller-herauszieher.
Nur war das teil komplett, keine substanzverluste. Der neue bekam auch fett für die welle und damit er besser hineinschmatzt, ein gleitgel. Alles wieder an seinem platz, wasser im seewasserfilter aufgefüllt und den motor gestartet. Kein schlürfen des wassers, keine kühlung. Alles wieder ausgebaut, diesmal kein fett auf den impeller. Gleiche prozedur und kein ergebnis, keine pumpe. Am ende habe ich wieder den alten impeller, zwei jahre in benutzung, sieben jahre alt, eingebaut. Und alles beim alten, wasser fließt, kühlung vorhanden. Meine erkenntnis: wechselt eure teile dann, wenn sie defekt sind.

Es sieht so aus, als wenn ich nächste woche weiter segeln würde. Heute ist Mittwoch und das erste mal regnet es hier, den ganzen tag. In einer kurzen trockenen pause habe ich den wassertank und viele plastikflaschen befüllt. Die beiden reifen des fahrrads haben wieder einen neuen schlauch, und wenn es gut läuft, bin ich morgen bei der verlängerung des visums. Ansonsten geht planB, abreise von hier am Dienstag. Dazwischen wird es ein bißchen stressig, vielleicht am Freitag aus dem wasser und am Montag wieder rein.

Hmm, die haben es hier verbockt, anstatt drei monate gab es zwei monate visum. Eine verlängerung kann die immigration nicht ausstellen, dafür gibt es eine andere verwaltung. Nicht nur, dass die webseite scheiße ist. Es soll hundert euronen für drei monate kosten, ich brauche nur einen. Dann eine bankbestätigung für drei monate, warum ich verlängern will, ein rückflugticket – mein boot als handgepäck oder wie? Ein paar kopien und ein nachweis der unterkunft. Dann fehlt noch ein unsinnniger pcr-test. Sie wollen mein geld nicht und somit reise ich hier am Di ab, wenn das schiff fertig ist, oder ich bleibe solange, bis ich sicher reisen kann.

Morgen geht das schiff aus dem wasser, zwei tage stramme arbeit, einkaufen fahren und am Mo wieder ins nasse. Wenn der wind nicht so stark ist wie heute, geht es los. Nächster stop St.Helena. Werde dort vielleicht weihnachten verbringen, mal sehen.

Ich habe es satt. Das wichtigste, als ich heute versucht habe, mein visum zu verlängern, war das richtige tragen der maske. Nur hatte ich gerade Cape Town mit dem fahrrad erklommen und festgestellt, dass ich falsch war. Wieder bergab zur adresse, die mir die immgration gegeben hatte. Weil leider nicht aktuell, auch nicht die webseite. Vierhundert meter weiter dann das neue office. Nur ohne termin geht da wohl nichts, durchgeschwitzt und überhitzt habe ich den verein wieder verlassen. Ich gebe dem land noch fünf jahre.

 

P.S.

Ein persönlicher nachtrag als ungeimpfter

dieser artikel war in der entstehung wesentlich länger. Meine wortwahl bezüglich der machtgeilen frauen in der eu und in der brd in bezug zu billyboy gates, der die welt abspritzen und bereinigen möchte wurden zensiert.:frauenfeindlich

Dass dieser junge durch seine software auch meine rechner lahmgelegt hat, mein geistiges eigentum in wort und kalkulation blockiert hat, wurde zensiert.
Meine gossensprache in vielen bereichen dienen der aufrüttelung, ich möchte die leser zum nachdenken anregen. Ironie und zynismus reichen oft nicht mehr. Meine liebe lektorin sieht das anders und für den häuslichen frieden belasse ich es hiermit.

 

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Cape Town

Das war zu einfach, das dicke ende muss noch kommen. Der marina hafenmeister ist freundlich, die preise überraschend günstig im vergleich zu vorherigen destinationen. Morgen soll ich einen neuen platz bekommen, nun gut. Für den ersten sundowner bin ich in den club gegangen, der machte aber schon um sechs zu. Dann gab es da noch eine hürde zu nehmen, auf dem steg lag ein seelöwe und zeigte seine zähne mit geräuschen, als ich ihn beim schlafen störte. Nach gutem zureden und leichtem entgegengehen hat er sich auf einen nebensteg gerobbt. Die beiden biere auf der terasse nach achtundvierzig tagen waren fein und der preis war auch moderat. Könnte so weiter gehen. Die liegekosten sind zwei drittel von La Reunion und auch der slip ist akzeptabel bepreist.

Zwei tage habe ich auf den zoll gewartet und somit bin ich heute dorthin gelaufen. Gefühlte drei kilometer eine strecke, und dann wollte die immigation noch einen covid-idiotentest sehen. Das gebäude lag auf der anderen straßenseite, nur war ein zaun dazwischen, macht einen weiteren kilometer. Der blödsinn ging recht schnell und vor der ausreise muss ich das ganze wiederholen, mal sehen. Der preis beträgt je runde zwanzig euronen. Dann noch der zoll, war im gleichen raum und zurück. Nur wollte keiner der vorbeifahrenden fahrzeuge anhalten und mich mitnehmen, ein anderes land halt.
Den liegeplatz behalte ich vorerst auch, also geht es morgen an die reparaturliste. Heute kommt gleich noch der segelmacher, danach geht es zum einkaufen.

Ich war wieder etwas unvorsichtig.
Der segelmacher hat mich mitgenommen und an einer fußgängerbrücke rausgelassen, um über die schienen in den stadtteil Woodstock zu kommen. Nur die brücke war gesperrt und er war schon weitergefahren. Also bin ich zu fuß einen kilometer zum hafenausgang gelaufen, danach zwei kilomenter wieder in die andere richtung zum ziel, einem supermarkt. Und dabei bin ich durch eine no-go area gelaufen. In der straßenmitte war eine fahradstraße auf einer ehemaligen schienenanlage. Später konnte ich die zusammen gezimmertern hütten neben den aktiven schienen sehen. Duck and hide, bloß nicht auffallen. Der taxifahrer, der mich nach dem einkauf zurückgefahren hat, hat mir mir ein ernstes wort geredet, und ich solle so etwas nie, nie wieder tun.
Meine lernkurve muss hier neu kalibriert werden.

Am wochenende habe ich dann die steuerpumpe ausgebaut und keinen schaden erkennen können. Keine spähne oder ähnliches, also irgendwie mysteriös. Aber ich werde trotzdem eine neue pumpe kaufen, ist wohl besser.

20210926 aderlass steuerpumpe

 

Diese pumpe kostet ein vermögen, jetzt ist das teil so teuer, wie vor ein paar jahren mit motor. Also schön artig sein und schlucken. Der segelmacher will auch seinen teil vom kuchen und die restlchen ersatzteile sind ebenfalls nicht umsonst. Zu hause ist alles günstiger.
Aber ich war auch heute am Montag in downtown Cape Town mit dem fahrrad. Der erste eindruck war schlimm. Im zentrum gab es nur protzbauten aus den achtzigern, beton, unschön und hoch. Alles erbaut in der zeit, in der sie die schwarzen geknüppelt haben. Dennoch habe ich einige alte häuser aus der vorletzten jahrhundertwende gesehen, auch im angrenzenden zentrum. Aber alles etwas trostlos, halb fertig gestellte autobahnzubringer, auf denen nun obdachlose ihre hütten gebaut haben. Alles macht einen herunter gekommenen eindruck und mit dem rad muss ich aufpassen, um nicht zwischen zwei gehwegplatten zu versinken.

20210930 wolker uebern tafelberg

 

Die schlechten nachrichten reißen noch nicht ab. Oder vielleicht sind es ja auch gute. Mein rigg steht noch, die inspektion durch den rigger wird teuer. Alle unterwanten, ein mittelwant, ein achterstag und das vorstag müssen erneuert werden. Somit habe ich glück, dass der mast noch nicht gefallen ist. Heute nachmittag kommt der heftige kostenvoranschlag.

20210930 unterwant

 

20210930 unterwant

 

Wie schön, dass ich emails im sitzen empfangen kann und somit nicht umgekippt bin. Es gab zwei preisvorschläge, alle kaputten wanten zu ersetzen oder alles. Nun ich bin für gezielte reparatur, ich kann mein geld nicht drucken. Sie werden nächste woche anfangen und der spaß kostet mich eintausendfünfhundert euronen. Dabei ist das stehende gut erst sechs jahre alt, vielleicht ist da zu viel aus China im material.
Aller anfang ist schwer und meine liste ist lang. Aber heute lief es ein wenig an und dann kam der fund. In Thailand habe ich vier gebrauchte motorfundamente in meinen konvolut aufnehmen können. Andere haben diese weggeworfen und ich sammel so etwas ein. Daher kommt wohl auch das steigende gewicht des schiffes.
Die zerlegung der windsteueranlage lief heute auch noch gut. Die schrauben waren nicht zu angegammelt und die buchsen waren trotz der letzten reise nicht fest und stramm. Somit kommt als nächstes das aufsägen der backskiste. Die schrauben der steuerunghalterungen sind von innen gekontert, wenn ich mich recht erinnere. Darüber schön eine dicke isolierung, dampfsperre und danach habe ich die kiste eingebaut. Schnelle lösungen führen bei einer revision oft zu mehr aufwand. Aber ich hatte nie vor, diese halterungen zu entfernen.

Aufraffen ist ab nun das motto. Das nächste WoE ist vorbei, gestern hat mich jemand zum einkaufen mitgenommen. Heute habe ich die pumpe für den autopiloten geordert und schon mal vier neue löcher in die windsteuerung gebohrt und mit gewinde versehen. Diesmal starte ich mit M10, größer geht immer, kleiner in gussaluminium ist schlecht.
Auch geht die planung für die weiterreise voran, Martinique ist gestorben. Nur vollständig abgespritzte mit europäischer zulassung dürfen kommen. Das department ist somit nicht mehr interessant. Die weitere konsequenz ist, dass die karibik für die nächste zeit also auch zu ist. Hätte ich mal damals dort gestoppt, man, ich wusste es ja nicht.

Wieder ein warmer tag, kaum wind und der anfang der halterungen für die windsteuerung. Als ich mit dem refit vor über zehn jahren aktiv war, hätte ich gleich mehr schweißen sollen. Nur damals habe ich die schrauben durch den spiegel geschraubt und gekontert. Danach alles schön isoliert, in fünf zentimeter stärke. Noch eine dampfsperre darüber und diese noch mit sperrholz geschützt, danach kam die backskiste davor. Und heute habe ich die kiste aufgesägt, die sperrholzverkleidung und die muttern wieder freigelegt. Alles hockend in der backskiste, die kreissäge auf kopfhöhe und die wandverkleidung musste ich mit der bohrmaschine auffräsen. Ab und zu gab es einen krampf im bein, viel staub geschluckt, und wenn das wetter so bleibt, werde ich die bolzen diesmal einschweißen. Von innen und außen heften, sollte auch halten, sieht dann aber nicht mehr so schön aus. Egal, soll nur halten.
Und dann wird hier im hafen auch kohle verladen, allerdings nicht im geschlossenen system. Zuerst dachte ich, es sei mein holzofen, nur haben hier alle schiffe eine schwarze dreckschicht. Ärgerlich ist, dass mein segel nicht eingepackt war, auch schwarz.

Der nächste tag, die vier halterungen der windsteuerung abgeschraubt. Alles schön doppelt gesichert, ein feuchter wasserkontakt und ein taucher müsste für die teile kommen. Der gammel war schon recht groß und ich bin durch die farbhistorie des schiffes auf das fast blanke metall gekommen. Die alten bolzen waren verbogen, also neue, geheftet, verschweißt und alles grundiert. Dabei ist mir ein sprühdose mit einer zinkfarbe in der hand explodiert, war kalt und die farbe überall, nur nicht an den richtigen stellen. Danach habe ich eine epoxigrundierung angemischt und der becher aus Thailand hatte ein loch. Jetzt habe ich silberne hände mit rotbraunen flecken. Wenn alles gut läuft, ist die farbe morgen trocken. Diesmal habe ich die M10 bolzen von innen und außen verschweißt. Die kräfte auf diese stellen sind doch recht heftig.

Endlich geht es ein stück voran, die genua ist zurück und der batteriemonitor kam auch schon an. Das heck hat wieder graue farbe bekommen, nachdem gestern die stellen noch mit braunem primer überstrichen wurden. Die backskiste hat ein brett über das große loch bekommen und die windsteueranlage habe ich überarbeitet. Aller anfang ist schwer, morgen muss ich wieder einkaufen fahren und die halterungen der windfahne verschrauben. Geht doch auch.

Das WoE steht vor der tür, der kühlschrank ist leer und arbeiten sollte ich auch noch. Die halterungen waren so gut geplant, erste montage, positionen anzeichnen und klebeband ringum. Dann fett sikaflex in grau auftragen, wieder montieren und warten. Das war aber zu kurz, das tape wieder entfernt und die sauerei fing an. Soll ja auch nur halten und keinen schönheitspreis gewinnen.
Dann einmal in den aktuellen wetterbericht gesschaut, da der tafelberg in wolken ist. Heute geht noch, morgen regen und somit war dann auch heute der einkauf. Der gleiche laden in der nähe des alten hafens von Capetown. Mit dem rad auf dem fußweg war er gar nicht so weit entfernt. Dazu mitten im zentrum der touristen. Genervt haben mich nur die angehenden schwarzen mutties in der hafeneinfahrtskontrolle. Sie haben keine ahnung von den seglern, wenn sie hier leben, dass sie keine erlaubniskarte haben. Oder sie machen sich daraus einen spaß, den whity zu ärgern. Keine erinnerung an mich, vor einer stunde bin ich mit dem fahrrad raus und davon gibt es am tag nicht mehr als fünf.

Die tropfende heckluke ist hoffentlich seit heute auch dicht. Nach zwölf jahren hat das aluminium im rahmen schon recht viel von seiner substanz verlohren. Ich musste nur drei schrauben ausbohren, geht doch noch. Mal sehen, wie lange das wieder hält. Die sprayhood habe ich heute gelöst, der segelmacher will bald vorbei kommen. Und morgen früh am Di will der rigger anfangen, dann ist schon wieder ein punkt auf der liste abgehakt.
Diese liste ist eigentlich eine endlosrolle. Wie diese endloshandtücher auf einer rolle, die man früher als keilriemen bezeichnete, da sie selten gewechselt wurden und nach tausend händen in der disco immer dunkler wurden.

Beinahe hätte es mich erwischt. Beim abnehmen der unterwanten hat der eine boy risse entdeckt. Der andere boy hat ihn hochgezogen und der ist untergeordnet, auch hier eine saubere hackordnung. Der dicke weiße hat das ganze kontrolliert, er hat das ganze wissen. So wird gearbeitet, sonst geht gar nichts hier mit diesen arbeitskräften. Dann werden bis Fr zwei neue bleche angefertigt, die den bereich unterhalb der unteren saling verstärken, kostet natürlich ordentlich extra. Die halterung für den rodkicker muss nachgebessert werden, passt nicht. Anscheinend habe ich die wanten zu locker gefahren, aus der angst wieder die finger durch deck strecken zu können.
In der zwischenzeit war auch der segelmacher wieder da wegen eines angebots, um eine neue sprayhood zu erstellen. Sie nennen das hier dodger. Das wird allerdings nur rudimentär sein, kein schnickschnack wie fenster oder reißverschlüsse und das material wird pcv sein. Ist eh nur für den übergang bis europa, danach kommt da etwas festeres rauf. Aber wie weit und lange ist das noch.

20211012 bigwhity

 

20211012 deckboy

 

20211012 mastarbeiten

 

20211012 mastboy

 

20211012 mittelwant

 

20211012 unterwant

 

Mitte der woche, also in zwei tagen will der rigger wieder da sein. Somit war heute das entfernen des holzrahmens dran, auf dem das sprayhoodgestell aufgeschraubt ist. Gebaut hatte ich das vor fast zehn jahren, und ich dachte, es würde sehr viel länger halten. Auf beiden frontseiten sind die va-bleche stark angerostet, bzw. das dach vom pilothouse. Leichtes rostklopfen mit dem hammer und auf der backbordseite zeigen sich schon löcher durch das drei millimeter blech. An den längsseiten ist ringsum an den stehbolzen auch viel korrosion. Habe ich vielleicht die falsche farbe verwendet? Das ist ein job für den nächsten refit, aber es hat mich auch erschreckt. Wo im schiff sind denn noch schwarzweiß verbindungen und wie sieht es dort aus?

20211013 durchkorrodiert

 

20211013 sprayhoodrahmen

 

20211013 sprayhoodrahmen

 

Nach dem wieder faulen WoE habe ich endlich den neuen batteriemonitor installiert. Vielleicht war der alte noch ok, ein stromkabel im innern war durchgegammelt. Aber auch mit einer neuen stromversorgung wollte sich da nichts anschalten. Aber das neue system funktioniert mit dem alten datenkabel.
Dann noch ein paar kleinreparaturen, türverschluss, türgriffe und den defekten bodenheber. Bald muss ich in den motorraumkeller und davor drücke ich mich noch.
Der segelmacher hat noch einmal nachgebessert und für fünfhundert euronen gibt es nun eine neue sprayhood ohne fenster.
Was ekelig ist, meine webseite ist offline und ich weiß noch nicht warum, und das ganze schon drei tage lang. Einer hat mich wenigstens angeschrieben.

Das problem ist ein wenig größer. Mein domainverwalter hat meine domain einfach zur zentralen verwaltung zurückgegeben, dieses geldgierige blöde arschloch von jamatitec. In der vergangenheit hat er doppelt kassiert, kommunikationskanäle geschlossen, finger davon weg. Somit muss ich mir einen neuen verwalter suchen, der zentrale melden und und und.
Dafür habe ich dann heute noch das wackelproblem des windgenerators behoben. Die zentrale drehachse auf dem mast hat zwei schrauben verloren, und dann wurde das spiel im lager immer größer, istabreeze, auch davon finger weg. Zum glück habe ich ja mehrere defekte stromerzeuger, und so musste ich ein gehäuse zerstören und alles wieder mit einer reserve montieren. Die schrauben sind seit Thailand festgegammelt, acht monate. Somit, wenn auch nur wenig, reduziere ich das schiffsgewicht.

Mitte der woche und meine reparaturvorhaben wurden durchkreuzt. Zuerst kam in der früh der rigger und sie kontrollierten die passgenauigkeit der verstärkungsbleche für den mast. Passt soweit, kleine anpassungen und dann gehen die teile zu eloxieren. Der kragen für den rodkicker passte noch immer nicht, beim nächsten mal.
Und dann kam auch gleich der segelmacher für die neue sprayhood, also dodger. Klebestreifen hier und dort, plane rüber, anzeichnen und fertig. Das dauerte auch eine halbe bis stunde. Er hat beschlossen, dass doch fenster hineinkommen sollen, je eins links und rechts, in der mitte sehe ich eh nur den mast. Er gab mir auch den tipp, wo ich segelmachernähnadeln und mehr finden kann.
Zur mittagszeit bin ich losgeradelt, zu fuß meinte er zehn minuten, mit dem rad hat es eine viertelstunde gedauert. Und so einen laden, vor hundertfünfzig jahren gegründet, habe ich noch nicht gesehen. Alles, um leder zu verarbeiten, zebra, elefant oder krokodil und einfache kuhhäute. Das ganze für schuhe, hüte, sattel oder taschen. Kilometerweise reißverschlüsse, kiloweise nieten, tonnenweise verschiedenes leder und viel garn in allen farben. Der laden heisst Woodhead, die preise sind angenehm und das ganze kommt dann in eine papiertüte. Für hundert meter garn, zwei dicke nadeln und eine für den speedy sticher habe ich unter zehn euronen bezahlt. Nur heute gerade hatte ich den fotoapparat nicht dabei, schade.

20211021 woodheads

 

Und bevor der besuch kam, habe ich versucht, meine domain zu retten und sie umziehen lassen. Mal sehen, ob das diesmal besser läuft.

Zum WoE hin zeigt sich licht am horizont. Nach einer woche ist der blog wieder erreichbar. Zum einen danke ich meinen hoster, er ist günstig und zuverlässig (php-friends.de). Dann gibt es die zentrale verwaltung von domains, auch hier war der support gut. Und vor dem ende der neue domainverwalter (inwx.de) half mir auch. Natürlich hat mir meine homebase sehr geholfen.
Für leute wie mich muss ich den zusammenhang erklären, ich kannte ihn nicht. Es gibt eine zentrale stelle, an der die „.de“ domains registriert werden, so auch mein blog. Jetzt fängt das gelddrucken an. Ein domainverwalter registiert den namen bei der zentrale und der kunde, ich, zahlt soetwas von fünf euronen pro jahr dafür. Es geht auch teurer. Mein erster domainverwalter war nicht gut oder eher saumies. Keine reaktionen auf mails, keine reaktionen im kundenportal, überzahlungen wurden nicht zurück überwiesen (jamatitec.de). Aufgrund dieses verhaltens hat sich mein hoster von der firma separiert. Alles lief aber weiterhin, bis zum fünfzehnten oktober, da wurde meine domain einfach an die zentrale stelle zurückgegeben. Hätte der ehemalige domainverwalter mir eine mail gesendet, hätte ich reagieren können. Nein, er benutzte die briefpost und zwar an meine alte adresse in Berlin, das geht gar nicht. Der versuch, meine adresse im kundenportal zu ändern, war ist gescheitert, und ich konnte mich nicht einloggen. Ich bin irgendwo auf der welt, also eine email erreicht mich fast immer.
Jetzt zum neuen domainverwalter, nachdem ich das formular für den transfer der domain an die zentrale stelle gesendet hatte und dort eine nette frau noch einmal mein passwort geändert hatte, ging der transfer. Das ist ein einfaches protokoll, der domaininhaber, ich, erstelle ein passwort nach vielen kriterien und gebe es dem neuen verwalter. Eingetragen in eine order und nach zehn sekunden ist meine adresse woanders. Nur dann war es nicht vorbei, soetwas wie nameserver, DNS, und weitere parameter sind für mich neuland. Es brauchte weiter zwei tage, bis die einstellungen wieder so waren wie zuvor. Wenn ich meinen tagessatz von ein_k euro ansetze, wird es für den alten verwalter teuer, wenn er muckt. Also das betreiben eines blogs ist nicht umsonst, abgesehen von dieser dummen situation kostet es mich um dreißig euronen im jahr. Das ist kein aufruf für spenden, solange mein gedbeutel nicht leer ist, mache ich das hier, als therapie gegen das geldverdienen.
Am ende wurden die notwendigen daten über mich ausgetauscht, die domaineinträge wurden gesetzt und siche da, die seite ist wieder online. Nur nicht bei mir, denn ich habe leichtsinnigerweise den browser aufgeräumt und viele daten bereinigen lassen. Dann hat es micht einen weiteren tag gekostet, bis es wieder lief. Die browserdaten vom backuprechner haben mich gerettet.

Ich müsste bald fertig sein, aber zeit lasse ich mir schon. Der nächste part sind die abschlussarbeiten hier, viel essen kaufen und nach St.Helana ablegen.

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Von La Reunion bis St. Helena (fast)

Eigentlich wollte ich den bericht von St. Helena senden. Aber wie so oft kommt es ungeplant und ich muss es nehmen, wie es kommt. Und es kam heftig, noch nie war das meer so wild, aber lest selber.

Anfang August:

Auf La Reunion gibt es jetzt einen kleinen lockdown, bewegungsfreiheit im umkreis von zehn kilometern, aufgrund der tatsache, dass es hier keine covid fälle gibt. Ist doch logisch für den kleinen goldman und sachs rothschild banker Macron. Um es gemäßigt auszudrücken, mir geht das gewaltig auf den sack.
Mit meinem stegnachbarn ging es also am Mo zum großeinkauf. Nach einer stunde waren zwei rieseneinkaufswagen voll und ich wurde um zweihundert euronen erleichtert. Somit sollte genug essen für die nächsten fünf monate an bord sein, reicht auch bis europa.

Am Di intensiv nachrichten im netz konsumiert und ich bekomme tinnitus auf den augen, ich sehe nur noch pfeifen. Die politikdarsteller haben erfahrung der bretterpenne mit geschönten lebensläufen. Da ist nicht einer, der herausragt und etwas vorweisen könnte.
Gegen mittag dann ein tomatendosennachkauf von zwanzig stück, die im großen supermarkt nicht vorrätig waren. In zwei tagen geht es los.

Nächster tag im supermarkt, es gibt kein scharfes currypulver. Das, was ich habe, muss also reichen. Zum abend hin ein letzter schnack mit Jan in seinen vier-meter boot. Was bin ich langsam, er ist vor zwei jahren in der Bretagne gestartet. Er hatte essen für sechzig tage an bord, als er von Neukaledonien aufgebrochen ist, verrrry risky. Vielleicht sehen wir uns in Frankreich wieder.

Der abreisetag, morgens trinkwasser aufgefüllt, dann meinen staubsauger Robbi gereinigt, alles festgezurrt, letzte mails versendet, letztes wetterupdate geladen.
Um zwölf uhr ging es auf meer hinaus, groß gleich im ersten reff gesetzt und dann ging es los. Zuerst ein wenig zickzack, dann blieb der wind weg. Mit motor weiter und zum sonnenuntergang kam dann der wind wieder. Die genua war klein und das groß offen, da ich in dem wetter nicht reffen konnte. Ich hatte keine sicht, nur leichte regenbekleidung, und es wurde kalt. Ab und zu kam spritzwasser über und ein sehr lauter knall in der nacht. Am morgen dann erste schadensbegutachtung, der baumniederholer hatte sich aus der nut im großbaum gerissen.

20210807 baumnut rausreisser

 

20210807 baumnut

 

Tag2: Genozid Hiroshima ist vorbei und mit einhundertneunzehn meilen läuft es gut. Der wind schwankt zwischen fünfzehn und fünfunddreißig knoten. Dafür ist der kurs ok, wobei die see ungleichmäßig rau ist, viele verschiedene wellenrichtungen. Ich fühle mich noch immer plümerant, unpässlich, das geht in zwei tagen weg. Zu mir nehme ich viel vitamin c, denn das essen will ich noch nicht. Das tzatziki von gestern zieht weiter vor sich hin.
Diesmal werde ich die etmale von mittags bis mittags nehmen, in der nacht werde ich versuchen zu schlafen.
Zweite nacht und zweimal radaralarm, dann den computer und ais an. Checken und warten bis das schiff wieder außerhalb des radaralarms ist. Radar wieder anschalten, da ich den warnton nicht ausschalten kann, soll so sein. Lieber einmal häufiger fehlalarm als überlaufen zu werden. Das ganze passierte dann eine stunde später noch einmal, diesmal drei schiffe, ich habe den computer laufen lassen und die eieruhr gestellt, das macht müde. Die schiffe kommen vom kap und wollen nach asien oder umgekehrt.

Tag3: am morgen hat der wind etwas nachgelassen nur noch um zwanzig, die französische gastlandflagge hat es nicht überlebt. Dafür gab es schwarzbrot mit schinken, einer tomate und kaffee wie üblich. Das seeleben fängt wieder an. Eine schiffssichtung am tage und in der nacht bin ich außerhalb der route, alles gut.

20210807 frankreich ade

 

Tag4: Genoizid Nagasaki, in der nacht musste ich die segel schiften, der wind hatte gedreht. Nur nach süd wollte ich nicht und deshalb wieder in richtung wendepunkt im süden von Madagaskar. Am morgen den fünfundzwanzigsten breitengrad überschritten, es läuft langsam mit achterlichem wind. Weniger wind bedeutet hundert seemeilen seit gestern und nicht so stessig. Nach dem frühstück, zwei spiegeleier auf schwarzbrot mit schinken und die butter habe ich für die eier verwendet, zwei schiffssichtungen. Auch habe ich mir das erste mal seit abfahrt zwei neue kurbeln aus dem vorrat gegönnt.

20210807 neue kurbel

 

20210807 neue kurbel

 

Tag5: Seit gestern nachmittag kein wind mehr, also motoren für die batterien bis zum sonnenuntergang. Somit war die nacht ruhig, kein autopilot und treiben lassen. Das ergebnis des tages waren auch nur etwas unter fünfzig seemeilen und es wird bis morgen auch nicht besser werden. Die ruhige see habe ich für die abfettung der antriebswelle genutzt. Und dann war da noch der baumkicker, auch halbwegs geflickt. Eine neue niete, die andere seite ist ja abgerissen, und ein gurtband um den baum herum – das muss erstmal halten, denn es ist viel material von der führungsnut herausgebrochen.
Eine schiffssichtung am morgen.

Tag6 und die nacht waren auch ruhig, wie der vorherige tag. Ohne segel und mit der ankerlaterne durch die nacht driftend. Mit dem morgengrauen bin ich aufgewacht, noch kein wind, aber das erste schiff. Am vormittag dann leichtes segeln mit bis zu drei knoten und auf dem richtigen kurs. Gegen mittag dann drehender wind, und wenn es so weiter geht, fahre ich richtung eis. Das treibende etmal liegt bei dreißig meilen, es geht auch schlimmer. Insgesamt zwei schiffssichtungen.

Tag7: Die nacht wurde unruhiger, ich musste die genua sehr verkleinern. Am nachmittag bin ich gestern noch nach nordwest gesegelt und heute morgen war ich wieder auf der geplanten route. Der wind hat sich um hundert grad zu meinen gunsten gedreht. Aber eigentlich fing der tag mies an. Durch die schräglage konnte ich die wc-schüssel nicht mit genügend wasser füllen, sonst wäre die brühe übergelaufen. Mit jahrelanger erfahrung habe ich versucht, mit offenem deckel mein lavac zu leeren. Nach zweimal pumpen kamen feste teile aus der mitte heraus gehüpft und landeten auf der brille. Verdammte kacke. Alles wieder zurück, das gröbste gesäubert und deckel zu. Am nachmittag waren weniger wellen.
Jetzt am vormittag geht es mit dreißig knoten plus wind voran. Die see ist rau, aber es läuft mit fünf bis sechs knoten durchs wasser. Der baumniederholer hat leider nicht gehalten, nur der gurt ist noch stabil. Gegen mittag dann wieder das zweite reff reingezogen und dabei hat sich die leine in die vordere rolle hineingequetscht, neue reparatur. Die leine konnte ich wieder herauspulen, und bei einer sichtkontrolle den mast hinauf kam wind unter meine mütze. Sie wird erstmal eine zeitlang im südindischen ozean verweilen. Jetzt geht es nur noch bis fünf knoten voran, ankommen ist die devise. Ein überholer gegen mittag im großen abstand.

20210813 kochen im schiff

 

Tag8: Die nacht war ok, keine schiffe, jedoch nachreffen der genua. Am morgen der erste entgegenkommer, war deutlich näher. Der wind hat weiter gedreht und kommt fast achterlich, somit geht der kurs wieder südlicher. Die wellen sind wieder flacher und die letzte scheibe schwarzbrot ist mit einem großen rührei in der verwertung, war lecker. Am nachmittag die ersten fliegenden fische, seitdem ich La Reunion verlassen habe. Die ersten fliegenden landungen werden noch erwartet, was bis auf einen kleinen tintenfisch vor sechs tagen mal eine abwechslung wäre.

Woche1 gesamt:
Ich bin auf einundzwanzig grad südlicher breite und fünfundfünfzig grad östlicher länge gestartet. Der anfang war von null auf hundert recht heftig, mein körper muss sich auch erstmal wieder daran gewöhnen. Abgesehen von zwei tagen lief es recht gut und am ende der ersten woche sind es sechshundert meilen brutto, nur zehn prozent umweg. Bis hier habe ich auf dieser fahrt nur das ergebnis vom gps genommen. Bislang wurden über sechs breitengrade und sieben längengrade bewältigt. In hundert meilen entfernung ist der erste wegepunkt auf der route. Die hundertfünfzig meilen markierung ist aus der routenbibel für den abstand zu Madagaskar. Dann geht es direkt zum kap mit gebührendem abstand.

woche1

 

woche1sm

 

Tag9: Die nacht war ok, keine störungen nur einmal war ich an deck. Es klang nach etwas losem um den mast herum und es war nur ein brett klappernd mit dem rest der segellatte im schiff. Zum morgen hin kaum noch fahrt im schiff, segel neu justieren und am vormittag geht es mit fünf knoten voran. Leider noch nicht auf dem neuen wunschkurs zum kap.
Dann gab es einen arsch voll ab drei uhr zum tee. Vierzig bis fünfzig knoten wind und ich hatte einem gefühl folgend schonmal gerefft. Danach eine halse gefahren und der neue kurs ist nordwest. Kaum war damit fertig kam ein heftiges gewitter und so ging es in die nacht hinein.

Tag10: So ging es auch die nacht hindurch, ab und zu ein fehlalarm beim radar und viele brecher an das schiff und darüber. Durch die ritzen an der tür kam ein bißchen wasser auch hindurch. Das gute ist, dass der windgenerator bei diesen bedingungen die batterien voll geladen hat, geht doch. Am morgen während einer kurzen pause das deck gesichtet und alles noch da. Nur mein eimer aus Montevideo stand am heck ohne seine sicherheitsleine, adé. Außerdem wird es kälter, barfuß ist bald nicht mehr. Dieser tag ist für die rückfahrt zur route, von der ich schon vierzig meilen nach norden abgewichen bin.
Das ganze sehe ich als training, das kap ist noch vor mir.
Interessant ist das segelverhalten in einer windpause mit zwanzig knoten. Das schiff fährt erst nur mit zweieinhalb – kommt dann der wind nach einer leichten drehung und zehn knoten mehr zurück, sind es gleich fünf knoten fahrt. Ich habe mir gerade ein wenig den arsch draußen abgefroren und dachte an eine vergrößerung der genua, zum glück waren es nur gedanken. Was mich doch ein wenig beunruhigt, sind zehn hPa mehr auf dem barometer, das muss auch wieder abgebaut werden. Bei einer wellenhöhe von fünf metern wird es kein spaß werden.
Gegen mittag dann flaute und das schiff driftet nach norden mit sonnenschein. Es sieht aus, als ob ich im zentrum des sturmes wäre. Der motor ist leicht an, nur um die richtung vorzugeben. Gestern war Fr, der dreizehnte und er kostete mich die türsicherung zur plicht und die türhalterung der badtür, weil ich dagegen gefallen bin. Außerdem bin ich in die sprayhood gestolpert, rechts außen ist sie abgerissen. Und heute tropft es von der decke in der küche, entweder eine außenscheibe oder die genuaschiene wird kontrolliert undicht. Na mahlzeit.

20210814 barometer

 

Tag11: Um vier uhr dreißig radaralarm und um fünf uhr passierte das über zweihundertundzwanzig meter lange frachtschiff als entgegenkommer an meiner backbord seite. Das schiff Glyfada I aus Malta ist auf dem weg nach Singapore und hat erst im letzten augenblick seinen kurs um drei grad verändert. Vorher wurde bei mir der ais-alarm in metern angegeben, und so änderte ich fünfzehn minuten vorher meinen kurs um zehn grad. Besser früher als zu spät und in der summe kamen dann null komma zwei seemeilen als nächster abstand zu dem schiff heraus. Und dann zwei stunden später wieder alarm, diesmal war der abstand groß. Aber das kostete wieder schlaf, ich werde immer müder.
Am späten vormittag habe ich mal die handbremse gelöst und die genua wieder ausgerollt. Immerhin ein paar knoten mehr, auch mal fünf. Draußen ist es bewölkt, keine sonne und ich trage schon mal wollmütze. Die strümpfe ziehe ich auch nicht mehr aus.

Tag12 mit einer alarmfreien nacht, und die sonne kommt heraus. Somit muss ich heute keine mütze tragen. Das segeln oder treiben ist mühsam, knapp zwei – wenn es gut läuft, drei – knoten. Das barometer will noch immer nicht langsam fallen, dafür gibt es eine schöne langgezogene dünung mit hohen wellen. Wie schön wäre es jetzt, richtig zu segeln. Wenn gäste kommen, ist es immer auch schön, wenn sie wieder gehen. Hier ist der erste gebliebene.

20210816 plichtbesucher

 

Am nachmittag dann die erste portugisische galere, fünf zentimeter segel, aber hier in blau. Danach ein mahimahi, nicht an der angel, sondern zweimal springend neben meinem schiff. Warum? Keine ahnung, sicherlich wollte er nicht spielen. Und für die pfanne war er zu groß, um einen meter lang. Zum sonnenuntergang eine walsichtung hundert meter entfernt und der zweite querte fünfundzwanzig meter vor meinem bug. Ein naturtag mit wenig wind.

Tag13: Die nacht hatte nur einen fehlalarm, danach war ich weitere zwei stunden wach. Den schlaf habe ich im morgengrauen nachgeholt. Der wind hat gedreht und kommt achterlich, nicht mein ding. Das schiff wankt von links nach rechts und zurück, die genua ist hilflos. Dafür habe ich gegen mittag die route wieder errreicht und der dreißigste breitengrad war in der nacht überfahren. Ein trost: es ist sonnig, nur die alte welle kommt von links und die neue von hinten, mieses segeln. Die letzten drei tage habe ich jeweils nur siebzig seemeilen gemacht, immerhin in richtung kap.

Tag14 fängt bewölkt an, das meer ist in der wellenart freundlich, meist in eine richtung. Seit gestern lief es gut, in der nacht musste ich wieder die segel schiften und zurück zur route laufen. Das barometer ist inzwischen bei tausenddreiundzwanzig angekommen. Gestern abend nur ein schiff am horizont gesehen, sonst alles ruhig. Zwei neue besucher, ein fliegender fisch und ein fünfzehn zentimeter langer tintenfisch, beide durchgetrocknet. Später fand ich noch zwei weitere, kleinere tintenfische. Das etmal liegt wieder über hundert meilen, auch schön.
Am nachmittag kam die sonne heraus und der wind blieb weg. Eine gute gelegenheit, die batterien wieder zu laden, das letzte mal war vor zwei tagen. Das barometer macht mir wieder sorgen, jetzt sind es nur noch tausendachtzehn hpa, das fiel schnell ohne sturm.

Tag15: Wieder eine gute nacht, keine störungen. Jedoch das barometer fiel bis zum mittag wieder auf tausendzweiundzwanzig hpa und jetzt nimmt der wind auch zu, um fünfundzwanzig knoten. Die segel sind klein und es läuft mit sechs knoten noch recht gut. Den idealen kurs muss ich mit fünfzehn grad weniger fahren, dabei bin ich schon ein halbes etmal von der route entfernt.
Dann am nachmittag fing es an, nicht mehr so gut zu laufen. Das radar meldete ein kräftiges gewitter und als es da war, gab es auch noch blitze. Ich habe alles außer dem gps ausgeschaltet, dann kam der wind um vierzig und der regen. Danach war der kurs südsüdost und der änderte sich nicht. Nach einer weile halste ich und ging auf gegenkurs, westnordwest, na klasse. Zum anfang lief Mr. Perkins für den strom mit, obwohl es um fünfundzwanzig knoten wind waren. Morgen bin ich hoffentlich wieder auf mindestens westkurs.

Woche2 gesamt:
Und schon bin ich auf zweiunddreißig grad südlicher breite und neununddreißig grad östlicher länge. Die zweite woche lief besser als die erste, habe wieder seebeine. Ab und zu sehe ich mal ein schiff, teilweise waren es drei in der nacht, die dann nicht erholsam war. Keine weiteren schäden am schiff, die windsteueranlage fährt meistens mit, damit sie sich einarbeitet. Die lager sind zu stramm und müssen sich einschleifen, damit sie im atlantik hoffentlich funktionieren. So ist auch der stromverbrauch höher, obwohl der kühlschrank schon abgeschaltet ist. Bis auf drei tage lief es recht gut und am ende der zweiten woche sind es sechshundertzwanzig meilen brutto. Und immer noch auf dem weg zum kap, außerdem bin ich schon seit tagen südlicher als Durban.

woche2

 

woche2sm

 

Tag16 mit der miesesten nacht seit abfahrt. Bis fünf uhr morgens kaum schlaf gefunden, ständige fehlalarme durch vorbeiziehende gewitter und sehr dunkle wolken. Der kurs verlief bis mitternacht nach nordwest und dann drehte der wind endlich. Am morgen war ich wieder auf dem kurs der route. Das wetter macht hier gerade rekorde. Vor vierundzwanzig stunden war der luftdruck auf tausendzweiundzwanzig hpa, und nun sind wir inzwischen schon wieder auf tausenddreißig. Gestern am späten nachmittag waren es aber nur tausendundneun und der aktuelle wind ist nicht gerade wenig, fünfundzwanig bis dreißig. Das etmal liegt nur bei neunzig seemeilen, vielleicht auch besser diesmal. Ich segel den gleichen kurs nur heute auf dem steuerbordbug und vierzig meilen weiter nördlich.

Tag17: Den verlorenen schlaf habe ich in dieser nacht nachgeholt und bin erst um zehn uhr aufgestanden. In der nacht musste ich einmal die segel korrigieren, ansonsten keine fehlalarme. Es geht langsam voran, diesmal wieder nur siebzig meilen. Vielleicht auch wegen der gegenströmung, teilweise bis zu einem knoten. Dafür ist das wetter freundlich trocken, der luftdruck steigt noch immer, jetzt gerade auf tausendsechsundzwanzig hpa. Gerade wurde auch der dreiunddreißigste breitengrad überschritten, fehlen nur noch vier.
Der nachmittag mit achterlichem wind und ich habe noch einmal die segel geschiftet, der kurs ist wieder mehr westlich. Erschwerend fängt es an zu regnen und die temperatur fällt.

Tag18: Morgen werde ich wohl wieder schlaf nachholen. Gestern nacht war bis zwei uhr raue see, dann lief das boot mal sieben knoten im gewitter, danach drehte der wind wieder. Nachdem ich die segel neu eingestellt hatte, ging es, die fehlalarme waren auch vorbei. Das etmal liegt fast bei hundert guten meilen und jetzt zum mittag ist es sogar sonnig. Könnte alles schlechter laufen.
Ein paar stunden später: es läuft schlechter. Bei den sieben knoten speed im wellental bergab, ratterte die kardanwelle im motorraum wie eine alte achterbahn aus den sechzigern. Dort ist noch kein chaos, hingegen hat die windsteueranlage beide oberen bolzen verloren. Sie steckten gerade noch im material und wurden gerettet. Somit hat die anlage nur noch zwei bolzen und ist also out of order. Erstmal alles vertüdert, damit sie nicht stiften geht. Der kurs ist auch nicht mehr so schön, nur noch westen ist angesagt. Morgen ist auch noch ein sonnenaufgang.

Tag19 war nicht so gut. Die nacht war ok, aber es gab seit gestern abend kaum bis keinen wind. Somit war etwas treibenlassen angesagt, zur abwechslung habe ich die ankerlaterne angemacht. Das etmal beträgt auch nur fünfunddreißig meilen. Um sieben uhr gab es einen richtigen alarm, aber das schiff passierte in zwei meilen abstand. Aufstehen um halbzehn, kaffee kochen und richtig wach werden. Der wind frischte im unteren zweistelligen bereich auf und die idee, nicht mehr nach süden zu driften, gefiel. Also die genua vollständig ausgerollt und der kurs war schon besser. Nur jetzt wurde ich richtig wach, in der zweiten naht von oben klaffte ein riesiges loch im tuch.
Zum glück ist der wind nicht stark, ich bin wieder im hoch bei eintausendfünfundzwanzig hpa. Die genua geborgen, schaden begutachten und es sind nur die drei nähte. Nach der ersten naht von zwanzig zentimetern bin ich in die plicht umgezogen. Das reparaturprojekt dauert etwas länger. Bis zum sonnenuntergang genäht und fast zwei nähte sind fertig. Meine finger verkrampfen sich und meine beine werden vom sitzen weich. Morgen geht es weiter.

Tag20: In vier monaten ist schon wieder weihnachten. Die nacht hatte nur wenige fehlalarme, nachdem ich das meer auf rau und den regen auf achtzig prozent im radar definiert hatte, war es ruhig. Am morgen dann mehr wind als gestern, aber trocken. Nach dem kaffee ging es weiter ans nähen, nur heute mit mehr beineinsatz, da ich das segel doppelt festhalten musste. Gestern habe ich mir oft in den finger gestochen, heute dafür ins bein. Mit den drei nähten bin ich fast durch und arbeite schon mal mit dem speedy stitcher. Danke an meine freunde für das geschenk, jetzt kann ich es das erste mal richtig nutzen.
Es wäre gestern und heute so ein schönes segeln, ja wenn… Somit gab es nur dreißig meilen für das fortkommen. Am nachmittag zwei regenpausen und um fünf uhr war die genua wieder gesetzt. Zu meinem glück war es gerade wenig wind und als ich fertig war, ging es los, fünfundzwanzig bis dreißig knoten.

20210824 genua reparatur1

 

20210824 genua reparatur1

 

Tag21: Gestern noch zwei schiffssichtungen, die letzte mit radarintro. Der kurs in der nacht war nicht optimal, so etwas wie nordnordwest und dadurch war ich wieder über meiner route. Morgens um fünf dann mal eine halse probiert und die weiteren stunden kurs süd, teilweise mit ost. So komme ich hier nicht weg. Am morgen dann ein schauspiel, dass ich aus der Malakkastraße kannte, wenn die gezeitenströme wechseln. Das meer scheint zu kochen und nach ein paar minuten ist es wieder vorbei. Hier schenkt es mir dreißig grad weniger abdrift.
Die genua steht gut, ich hoffe mal, dass die über eintausendachthundert stiche der letzten beiden tage stabil sind. Das waren drei reihen zickzack nähte auf einmeterundsechzig. Meine finger und handgelenke müssen sich erholen.
Das ganze lief so nicht lange, dann kam der motor hinzu, um die batterien zu laden. Es war eine riesige schöne dünung mit langen und teilweise zehn meter hohen wellen. Achterbahn fahren nur der wind dafür fehlte und so war um halb fünf feierabend. Die segel geborgen, essen gemacht und in die landschaft geschaut. Morgen kommt bestimmt wind.

Tag22: Nein, er kam gestern abend um halb zehn, vor genau zwölf stunden. Die genua hatte ich nur bis zum ersten wollfaden aufgemacht, damit ich etwas vorankomme. Dann wurde der wind stärker und die wellen höher, schlafen war erst ab mitternacht drin. Inzwischen lief das schiff aber schon um siebeneinhalb knoten, die brecher kamen von der seite.
Um halbdrei gab es radaralarm, aber es war schon zu spät. Durch die hohe see konnte das radar sie nicht vorher sehen, drei größere fischerboote um mich herum. Glück gehabt und dann die genua gerefft auf einen meter. Die vierzig plus windknoten herrschen noch immer. Drei stunden später gab es einen meter genua mehr und das schiff fährt noch immer um fünf knoten. Ein harter ritt, wenigstens gibt es genug strom durch den windgenerator. Das erste mal seit langem über hundert meilen am tag.
Der pogo ging den ganzen tag weiter, ab und zu große brecher von der seite übers schiff. Zum sonnenuntergang lies der wind nach, die see blieb und das barometer fällt weiter. Zur zeit sind es tausendsieben hpa.

Woche3 gesamt:
Das war die erste woche mit schlechtem schlaf und einem ewigen hoch und runter des barometers. Zum anfang war ich froh, den dreiunddreißigsten breitengrad  überschritten zu haben. Diesen habe ich erst heute nacht wieder verlassen, nicht zuletzt durch die zwei tage segelreparatur. Und zum ende der woche will der wind alles wieder aufholen. Acht längengrade und zwei breitengrade waren das ergebnis mit vierhundertsiebenundneunzig seemeilen. Die windfahne ist unbrauchbar und noch mehr schäden brauche ich nicht.
woche3

 

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Tag23: Der frische wind in stärke neun bis zehn lies gestern abend nach und drehte in der nacht um hundertzwanzig grad. Am morgen war das barometer auf den tiefststand von tausenddrei hpa gefallen. Jetzt zum mittag wieder um fünf gestiegen. Also kommt das ganze zurück, nur von der anderen seite, das kenne ich schon. Das großsegel habe ich erstmal nicht gesetzt, die genua reicht. Zum glück konnte ich in der nacht schlafen, kein alarm. Der wind kam wieder und wurde zuerst nicht so heftig, es sah nach einem guten kurs aus. Bis zum sonnenuntergang gab es zwei schiffsalarme.

Tag24: Die brecher nahmen wie der wind in der nacht zu. Teilweise über fünfzig knoten und mit lautem knall ein kubikmeter wasser zentral aufs schiff. Die sprayhood leidet sehr und wird rissig. Was mich dabei mehr nervt sind kleine wassereinbrüche und eine leckende schraube der backbord genuaschiene. Ein schiffsalarm am abend und jetzt, morgens um acht, geht das frachtschiff aus Hongkong gerade hinter mir vorbei. Draußen ist es feucht frisch und innen beschlagen die fenster. Dazu kommt, dass ich wieder am dreiunddreißigsten breitengrad bin, den ganzen tag lang ging es richtung nordwest.
Das habe ich durch eine halse geändert und bin wieder auf dem gegenkurs. Es kommt weniger meerwasser übers schiff, aber so gewinne ich keine strecke. Irgendwann muss es ja mal aufhören. Der windgenerator kreischt bei fünfzig bis sechzig knoten wind.

Tag26: Die nacht war ruhig, nur zwei schiffsalarme und der wind nahm ab. Der morgen war sonnig und trocken, schön. Dann fing das aufräumen an. Die sprayhood hat risse und löcher, darüber kommt jetzt der blaue sonnenschutz. Dann klapperte die windsteueranlage, von den vier halterungen hielt noch eine. Also alles festtüdeln. Meine decksladung von dinghies hatte sich inzwischen auf dem vordeck verteilt. Alles neu festbinden, mal sehen wie lange. Meine roten kanister haben sich hingelegt, sind aber dicht geblieben. Dann wollte ich das groß fertig machen und vom kopf hat sich der obere rutscher getrennt, also kein groß vorerst. Nachdem ich soweit alles fertig hatte, wollte ich halsen, ein kurs nach nord ist nicht meine richtung. Nur da lächelte die sonne durch die genua, einmal quer durchgerissen. Und ein weiteres loch, handgroß. War wohl doch zu viel mit den sechzig knoten wind. Die nächsten zwei tage ist wieder der segelmacher aktiv, scheiße (sehr laut herausgebrüllt).

20210829 genuariss

 

Um ein uhr war das groß repariert und alle rutscher wieder eingeführt. Das segel war gesetzt und der kurs wurde erstmal mit Mr. Perkins angefahren. Alles war ok, bis auf dass zwei rutscher während des segelsetzens gebrochen sind. Da kein wind ist, wird das nachgeholt. Neunundsechzig seemeilen für’n arsch und erheblicher bruch dazu. Ich hätte mal auf die routenbibel hören sollen.
Und wer früher refft, muss weniger reparieren. Bis zum sonnenuntergang hatte ich einen passierer in zweihundert meter abstand. Der riss im bereich des shothorns ist genäht und geklebt. Morgen geht es an das große stück und das dauert. Ich werde durch die nacht treiben, das barometer zeigte tausenddreißig zum mittag an und hat schon wieder vier einheiten abgegeben. Nach dem sturm, ist vor dem sturm.

Tag27: Es gibt noch andere gründe, warum die nacht schlecht war. Kein segel oben, es schaukelt hin und her. Dabei hatte ich gestern abend noch die beiden rutscher getauscht, aber nicht wieder eingefädelt. Heute morgen dann fünfundzwanzig bis dreißig knoten wind, der windgenerator läuft. Ob er etwas produziert, kann ich auch nicht mehr sehen, der batteriemonitor ist tot. Somit habe ich nur noch ein analoges voltmeter. Wie war das noch, schlimmer geht immer. Und da es draußen spritzig feucht ist, habe ich den segelnähsalon ins schiff verlagert. Es ist anstrengend, jeder stich muss mit dem segelmacherhandschuh durchgestochen werden, mühselig und anstrengend.
Bis zum sonnenuntergang habe ich den großen riss quer über das segel, einmal hin genäht, um beide teile zu fixieren. Danach einmal wieder zurück zum sichern, ging schneller, als beim ersten mal.

20210830 genua im schiff

 

Tag28, der letzte im monat August. Die nacht war mal gut, und ich wurde in der dämmerung durch einen schiffsalarm geweckt, auch genehmigt. Ein neues problem, der schwarzwassertank ist voll und ich kann die brühe aus der schüssel nicht abpumpen. Eine stinkende, schwabbelnde sauererei, um an den schrank zu kommen, muss das segel erstmal wieder heraus. Meine näherei geht voran, ich bin zum mittag bei dem vierten patch über der doppelnaht von gestern. Das ist aber erst ein meter, also noch einiges zu tun. Der wind ist kräftig, der windgenerator springt an, also kein großsegel einfädeln.
Außerdem habe ich diesen monat mit den meilen abgeschlossen und die uhrzeit um zwei stunden zurückgestellt. Zum sonnenuntergang habe ich die arbeiten wieder eingestellt, mache ich zu viel, wird es schlecht. Ich habe schon zwei meter patches über der naht und verstärkungen an den außenseiten. Fehlen noch drei meter patches, alle sind dreißig mal fünf zentimeter gross. Dazu kommen noch ein paar meter vom sonnenschutz und ein paar gerissene stellen.

Tag29: Seit heute morgen um fünf uhr fünfundvierzig wird hier nicht zurückgeschossen. Es ist windig und kalt, vielleicht klappt es heute mit dem großsegel. Ich treibe langsam zurück und bin fast auf der stelle vor vier tagen. Das könnte man als schlecht bezeichnen, ich hingegen sehe das positiv. Als das segeldesaster anfing, war ich unter hundert meilen vor der südafrikanischen küste. Dann ist dort noch eine mega strömung und küstennähe ist nicht meine sicht auf sicherheit.
Die genua braucht noch zwei tage und dann brauch ich auch ruhigen wind. Nach zwei patches kleben und vernähen gab es eine frühstückspause. Zu meinem glück war der wind um zehn knoten. Zuerst habe ich die windsteuerung waagerecht ans heck gebunden. Den letzten bolzen konnte ich mit zwei fingern herausdrehen. Dann ging es an das großsegel, alle rutscher wieder im einsatz und eine segellatte wieder in der halterung. Danach erstmal mit motorunterstützung richtung route geschippert. Wenn das wetter so bleibt, kann ich heute endlich mal wieder duschen (hektisches schnüffeln).
Mit dem wind war nichts, duschwasser ist heiß, wellen zu hoch, weiter müffeln. Heute habe ich sechs patches verklebt und vernäht, macht ein meter achtzig. Dazu noch ein beidseitiger doppelpatch für einen riss, macht um fünfhundert stiche ins frische material.

Tag30: Die nacht war schaukelnd ok und es wird kälter. Der drift war diesmal in die richtige richtung und der standort ist wieder unterhalb der route. Das nähen geht nur langsam voran, ich bin in der segelmitte. Heute musste dazu noch die nadel abbrechen, an der richtigen stelle. Sie ist noch brauchbar, aber einen zentimeter kürzer. Wenn es gut geht, bin ich heute abend fertig. Pünktlich zum müsli gab es dann noch einen schiffsalarm, passierung in einer seemeile. Bis zur dämmerung bin ich fertig geworden, morgen bei licht noch eine erneute durchsicht. Segelmacher ist nicht mein priorisierter job.

Woche4 gesamt:
Diese sieben tage sind zum abhaken. Zum anfang viel wind und wasser übers schiff und danach das desaster, die gerissene genua. Einmal quer durch und weitere fünf stellen gerissen, sowie der lose sonnenschutz. Andere hätten schon lange den abschleppdienst gerufen, aber solange es mit bordmitteln zu reparieren ist, geht es weiter. Fünf tage waren umsonst, am ende der woche kreuze ich den alten track. Das wochenergebnis sind über dreihundert seemeilen im kreis.

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Tag31: Die nacht war laut, der windgenerator kreischte und der inhalt der schränke folgt im abgesperrten raum. Kein alarm und lange ausschlafen, mal wieder. Am segel habe ich noch eine größere stelle am shothorn gesichtet und die dauert. Einmal ringsum genäht bis zum mittag und danach noch einmal im inneren des flickens. Wenn das wetter so bleibt, kann ich am nachmittag das segel wieder eintüdeln.
Um zwei uhr war das segel wieder an seinem platz, danke an den wind, der danach wieder anfing. Das groß gesetzt, gleich im zweitem reff, und ein wenig die genua bis zu den wanten. Neues problem, der autopilot klingt scheußlich. Zum sonnenuntergang habe ich das groß geborgen und die genua noch einmal verkleinert. Und danach lies der wind nach, nur etwas um fünfundzwanzig.
Es hätte alles so schön sein können. Ich habe geduscht, lauwarm, aber das abwasser war deutlich verdunkelt. Dann wollte ich das radar einschalten, es will nicht mehr. Heute morgen ausgeschaltet und nun tot, mist. Somit hat der schutzengel wieder mehr zu tun, und ich werde nachts nicht mehr gestört. Dann wollte ich das gps ausrichten, kein signal mehr. Nachdem ich den stecker wieder geflickt hatte, ging es wieder. Ausfälle nerven mich sehr, eine heile welt ist beruhigung für mich und macht das segelreisen angenehmer.

Tag32: Eine ruhige nacht, keine schiffssirene. Nur der wind hat nachgelassen, treibend durch die nacht. Seit gestern morgen bin ich sechsunddreißig meilen im kreis gefahren. Heute morgen dann das erste aufräumen, den baumniederholer demontiert, bevor er das segel zerfleddert. Dann auf die suche nach dem batteriemonitordefekt.
Die nahrungsmittelsituation ist noch gut. Orangen, zitronen, äpfel, kartoffeln und zwiebeln sind noch vorhanden. Das letzte hühnerei ging bratend in den bauch und morgen ist auch das müsli alle. Ich muss dringend weiter fahren.

Tag33: Brauche ich ein radar in der zukunft? Ich bin mir nicht im klaren. Bis jetzt war es brauchbar, ohne muss aber auch gehen. Der wind fing gestern nachmittag an, leichte zehn plus knoten, also kein richtiges segeln. Drei knoten waren schon die spitzengeschwindigkeit. Für die nacht hatte ich den speedalarm auf fünfeinhalb gesetzt, ausgelöst und die genua reduziert. Danach war wieder ruhe und am morgen war nur noch treiben angesagt. Entweder hier kachelt es oder nichts, kein schönes segelrevier.
Um die mittagszeit treibe ich mit einen halben knoten richtung nordwest, mehr nord. Das schiff schaukelt von süllrand zu süllrand, ich lese unten auf dem fußboden ein buch. So sieht frust aus.
Dann um halbvier kam der wind, von fünf auf fünfunddreißig knoten in fünf minuten. Entweder, nach südost oder nordwest und das zweite wurde es dann doch. Um zwanzig knoten ging es in die nacht hinein, in der hoffnung auf drehenden wind in die gute richtung.

Tag34: Sie ist dann gestorben, bis zum morgengrauen keine drehung. Also wieder eine halse und richtung südost. In den nächsten beiden stunden drehte der wind dann doch. Vor dem mittag erneut halsen und nun war schon ein westkurs machbar, wind über fünfundzwanzig. Mal sehen wie es sich entwickelt. Bis zur roten linie sind es siebzig meilen, dahinter wird es flach, die hundert faden linie mit optionalen riesenwellen.

Tag35: Es lief sehr gut gestern nachmittag und bis tief in der nacht, nur dann war der wind wieder weg. Geschwindigkeit, kurs und wellen, alles war super, wenn da in der nacht nicht wer auf dem einseitigen bass gespielt hätte. Der traum war aus, die segel standen back und die genuashot spielte auf dem oberwant. Beim ersten mal habe ich es draußen geregelt, nach zwei stunden von innen.
Jetzt am morgen ist flaute, das barometer auf höchststand und ich lese im cockpit. Zwei wale sind seit einer stunde in schiffsnähe und tauchen immer wieder auf. Warten auf wind, treibend.

Tag36: Die nacht wird nicht besser, wenn man eine literflasche cola am abend trinkt. Der besuch der räumlichkeiten stört den schlaf mit den merkwürdigen träumen. Doch es lief gut in der nacht, mit dem autopiloten, dessen pumpe wieder normale geräusche macht. Ein großes stück weiter und in die genaue richtung. Am morgen drehte der wind noch ein wenig und für das nächste stück kann ich abfallen. Vor der küste kommt eine weite ausbuchtung und ich bevorzuge es, im tiefen zu bleiben.
Nach dem mittag drehte der wind schnell weiter, hätte ich vorher wissen sollen. Somit werde ich noch vor sonnenuntergang richtung süden segeln, wenn es gut läuft. Ich bin froh, wenn ich wieder im atlantik bin, obwohl das wetter dort auch nicht rosig ist.
Schon eine stunde bevor die sonne verschwunden ist, geht es nach süd mit ostanteil, mist.

Tag37: Der wind drehte weiter in der nacht. Zuerst konnte ich es durch leichtes anstellen des ruders korrigieren, danach ging es nach ost. Um zwei habe ich im stockdunkeln eine halse gefahren und gehofft, sie würde optimal sein. War es natürlich nicht, aber es ging wieder in richtung route. Am morgen ein erneuter versuch, leider mit rückenwind. Der autopilot war überfordert, das segel schiftete mehrfach und am ende rissen die ersten oberen vier segelrutscher ab. Nach der bergung der morgenkaffee, hätte ich mal die reihenfolge beachtet. Inzwischen macht die pumpe vom autopiloten wieder unschöne geräusche. Durch diesen zwangskurs schaukelt das schiff zu beiden seiten, und seit langer zeit ist mal wieder ein teller durch die luft geflogen, wieder einer weniger. Zum mittag hin habe ich erstmal aufgegeben. Der autopilot kann es nicht, der wind ist im dreißiger bereich und als lösung ist die genua klein. Sie wird von beiden seiten gehalten und das schiff treibt mit einem akzeptablen kurs.
Vorm sonnenuntergang habe ich die genua noch einmal verkleinert. Zum einen ist es gerade das einzige segel und dann frischte es noch einmal auf, vierzig bis fünfzig knoten. Strom wird gerade richtig produziert. Mal sehen wohin es geht, entweder nach westen oder südost.

Woche5 gesamt:
Die reparatur der genua war abgeschlossen, nur der wind kam nicht. Kleinere probleme sind gelöst, der batteriemonitor und das radar sind weiterhin tot, das nervt mich. Somit habe ich keine kontrolle über den stromverbrauch. In der zweiten hälfte der woche kam der wind zurück, wenn auch nicht so brauchbar. Ich habe meine ruhe wiedergefunden und nehme die natur wie sie kommt. Dabei ging es oft vorwärts und wieder zurück, an vielen punkten war ich mehrfach. Erst am ende der woche ging es nach plan. Somit habe ich nur vierhundertsiebzig seemeilen gefahren, zu wenig und viele davon rückwärts. Am letzten tag der woche noch eine fast volle drehung des windes und ein erneuter segelschaden, diesmal am groß.
Immerhin habe ich fünf längengrade geschafft und bin zweihundert meilen vor dem wendepunkt auf der grünen route. Danach geht es mit nördlichem kurs in richtung Cape Town vorbei.

woche5

 

woche5sm

 

Tag38 nach einer stürmischen nacht. Sie war laut, es klapperte die sprayhood, mein blauer sonnenschutz hat material gelassen. Jetzt am vormittag das grauen des segelns. Wenn das schiff keine fahrt macht, obwohl etwas um fünfzehn knoten wind wehen, driftet das schiff nach süden oder mit ostanteil. Die alte dünung ist gewaltig und ich befürchte eine strömung, die hier noch nicht sein sollte. Wenigstens bin ich in der nacht voran gekommen, nicht schnell, aber dort hin, wohin ich will. Das großsegel ist noch nicht repariert, zuviel wind und wellen.
Der wind heute will nicht so recht, böig und kräftig. Der windgenerator startet oft und das lässt mich die genua klein halten. Keine fahrt im schiff und der kurs ist saumies, entweder richtung hundertvierzig oder zwanzig. Da ich nicht in den strömungsabzweig richtung südmeer will, geht es richtung norden, zurück zur route.

20210907 decksladung

 

Tag39: Heute ist der zwanzigste jahrestag der sprengung dreier asbestverseuchter hochhäuser als großer versicherungsbetrug mit mininukes. Hier bei mir stimmt auch etwas gewaltig nicht. Es sind um fünfundzwanzig knoten wind, die genua ist recht groß und das schiff macht mit mühe drei knoten. Ich mag es nicht aussprechen, aber es kann sein, dass es zuwächst. Die logge zeigt seit gestern auch nichts mehr an, kein gutes zeichen. Außerdem ist der tag gestern umsonst gewesen, vierzig meilen im kreis. Ich bin heute wieder auf der gleichen position. Der versuch am gestrigen abend, nach norden zu segeln, endete um mitternacht.
Heute der gleiche wind und es fehlen fünfzig grad zum richtigen kurs. Noch über hundertzwanzig meilen zum südlichen wendepunkt. Eigentlich wollte ich dort schon vor zehn tagen sein, planung adé.

Tag40: Ich bin seit zwei tagen in einem spitzendreieck, zwanzig mal fünfzig meilen und komme nicht weiter. Der wind weht konstant aus der richtung, in die ich will. Dazu kommt die geschwindigkeit zwanzig bis vierzig knoten, alles nicht schön. Somit ist das groß auch noch nicht repariert. Es sind noch über hundert meilen bis zum wendepunkt, vielleicht klappt es ja heute mit einer winddrehung. Bis zum mittag habe ich es schon wieder zur route geschafft, danach wird wieder der südkurs probiert.

irweg woche6

 

Tag41: Der erste tag, an dem die orangen verbraucht sind, die letzte ging vergammelt über bord. Bleiben noch ein paar restäpfel. In der nacht bin ich mehrfach aufgewacht, um das ruder wieder in den wind zu richten. Dann stand das segel wieder für einige zeit. Heute morgen kam die sonne heraus, das barometer steigt und der optimale kurs ist noch nicht möglich. Seit einer stunde läuft der motor langsam mit, um eine stabile richtung zu ermöglichen. Leider geht der kurs innerhalb des roten bereiches, es ist der einzig brauchbare weg zur zeit.
Doch der wind hört nicht auf, gegen den uhrzeigersinn zu drehen. Dabei verliert er an kraft und das segel kann in der riesigen dünung nicht stehen. Immerhin geht es mit drei knoten strömung nach südsüdwest in die nacht hinein.

Tag42, die antwort auf die frage, ich weiß nicht. Gestern abend war ich verwirrt, das schiff fuhr richtung süden und links von mir ging die sonne unter, das passt nicht. Heute morgen habe ich den kompass aktiviert, nachdem er sich im sturm überschlagen hat. Dort scheint süden noch am richtigen ort zu sein. Bis zu südlichen wendepunkt werde ich es wohl nicht schaffen. Der wind hat sich wieder verändert und nun geht es nach westen mit nordanteil. Leider muss ich über die alguhasbank, kein guter gedanke, jedoch ist noch kein südsturm im anmarsch. In dreihundert meilen bin ich an Capetown vorbei und bis dahin kann noch viel passieren.
Um die mittagszeit habe ich das groß endlich repariert bekommen. Zwei neue plastikrutscher und die zwei aus aluminium für den kopf annähen. Das segelsetzen hat eine ewigkeit gedauert und nun kann wieder richtig gesegelt werden. Währenddessen kam ein seelöwe vorbei und die anzahl der seevögel erhöht sich täglich. Nur der aktuelle kurs ist grenzwertig.

Tag43: Ich will nicht merken, dass etwas kaputt ist, weil das schwerwiegende konsequenzen mit sich bringt. Gestern beim segelsetzen hat mich der autopilot zweimal verlassen. Aber das ganze ist schlimmer, die hydraulische steuerung ist nicht mehr voll einsatzfähig. Oder genauer, nur noch etwas, ich bin fast manivierunfähig. Somit habe ich beschlossen, südafrika doch anzulaufen. Hout Bay in hundertfünfzig meilen entfernung wird es sein, mal sehen, was die offiziellen dazu sagen. Die liste der defekte auf dieser strecke ist lang und sollte für eine notsituation ausreichen.
Am nachmittag wurde dann auch noch der wind abgeschaltet, dafür hörte der regen auf. Meine gedanken zu südafrika sind in der zwischenzeit überdacht worden, ich fahre nun direkt nach Cape Town. Kostet sicherlich mehr, ist aber im zentrum der reparatur und davon habe ich viel.

Tag44: Wieder eine langsame nacht, zum glück ist der strom mit mir. Morgens ist es schon saukalt, das wasser aus dem südmeer. Der wind hat wieder ein wenig gedreht und ich kann einen westkus segeln, mit zwei knoten. Ich werde drei kreuze machen, wenn ich wieder im hafen liege. Davor muss ich erstmal dort hinein kommen, mit einer defekten steuerung. Diese will sehr viel gekurbel am steuerrad, ehe sich das ruder bewegt. Nur suboptimal für eine marina, aber bis dahin sind es noch über hundert meilen und das dauert.
Eine gute nachricht des tages, das radar funktioniert wieder. Die stromverbindung lag in einer salzlache und die verbindung der kabel sind korrodiert. Die frage nach der herkunft des wassers stellt sich gerade nicht, sicherlich von dem heftigen wetter und damit aus dem ankerbereich.

Woche6 gesamt:
Diese sieben tage gingen so dahin. Am anfang wollte es nicht vorwärts gehen, nur auf und ab und zurück. Dann habe ich beschlossen, auf die Alguhas Bank zu fahren, im bewusstsein der möglichen hohen wellen. So ging es dann die zweite hälfte voran, aber nur langsam. Der rumpf muss zugewachsen sein, anders kann ich mir die geschwindigkeit nicht erklären. Auch mit dem reparierten groß lief es nicht besser. Der entschluss, nach Cape Town zu segeln, ist aufgrund des ausfalls der steuerung nicht abwendbar. Es gab zuviel bruch auf dieser strecke.

woche6

 

woche6sm

 

Tag45: Die erste nacht mit dem radar ging nach hinten los. Ungefähr sechs mal gab es alarm, oft mehrere schiffe. Außer der gefahrenzone zwar, nur zum schlafen kam ich kaum. Der wind hat wieder gedreht und ich komme von der küste weg, ist mir recht. Das schiff kann allein hoch am wind segeln, ebenso bei wind von achtern. Das zweite mache ich gerade, die genua ist ein kleines dreieck in der mitte und es geht ohne autopilot. Den spare ich mir für das letzte stück auf. Schnell geht hier nichts, zweieinhalb knoten mache ich gerade. Mit dem segel und autopilot sind es drei, das verkneife ich mir. Dass ich mir das hier anders vorgestellt habe, ist klar. Es sind noch neunzig meilen bis in den hafen.

Tag46: Die sonne scheint und in der ferne sehe ich den tafelberg, ist ja auch hoch genug. Die nacht hatte es wieder in sich, zu viel wind, teilweise sechzig plus, aber immer schön um fünfzig. Das hat mir meinen plan vermasselt, das schiff war zu schnell und ich bin weiter gekommen, als ich wollte. Der motor läuft am vormittag, um irgendwie richtung küste zu kommen, dort wo der wind herkommt. Diesmal hat das segel gehalten, und es gab wieder zig radaralarme, also schlechter schlaf mal wieder.
Zum mittag kamen zwei wale und machten radau in der nähe des schiffes. Mein plan ist es, mit motorunterstützung zur küste zu segeln und dort zu ankern. Einfach treiben lassen in der nacht ist mir zu riskant bei dem schiffsverkehr.

20210918 wal

 

20210918 wal

 

20210918 wal

 

20210918 wal

 

Tag47: Die letzten dreißig meilen bis vor die hafeneinfahrt habe ich bis halb zehn abends geschafft und ankere hier in zehn meter tiefe. Der wind ließ nach, die sonne kam heraus, und erst zum sonnenuntergang drehte der wind und kam aus der entgegengesetzten richtung. Treiben lassen wäre nach hinten losgegangen. Die freude auf eine heiße dusche endete heute morgen lauwarm bis kalt. Der regler mischt nicht mehr, in der küche ist das wasser heiß. Und das müsste es auch sein, denn aus dem auspuff kam gestern nach mehreren stunden fahrt wasserdampf. Impeller, filter einlauf oder ölfilter, die zu sind. Die liste wird länger, aber erst morgen. Heute will ich einfach mal nichts machen und das schiff vorbereiten.
Das fazit der nacht, endlich mal wieder durchgeschlafen und hinterher schlaf nachgeholt. Das schiff ist außen soweit vorbereitet, die windsteuerung ist komplett an deck, fender und seile am ort. Leider gibt es kein freies wifi. Da heute Sonntag ist werde ich morgen am vormittag mal in den royal cape yacht club tuckern, wenn die steuerung mitmacht.

Woche7 gesamt:
Lief langsam und doch am ende zu schnell. Das warten am ankerplatz war ok und ich war mal nicht ungeduldig. Wenigstens habe ich dies gelernt. Der autopilot hat mich mit letzter kraft in den hafen gebracht, fini. Und ich wollte ganz woanders sein.

woche7

 

woche7sm

 

Tag48: Montag der zwanzigste startete mit nebel, dann regen, also wieder hinlegen und einmummeln. Später klarte es auf, die sonne kam durch und dann kam der wind um fünfundzwanzig plus. In dem desolaten zustand des schiffes, steuerung und kühlung, werde ich weiter am ankerplatz abwarten. Denn bruch habe ich schon genug.

20210920 capetown wasserseite

 

20210920 capetown wasserseite

 

20210920 capetown wasserseite

 

20210920 capetown wasserseite

 

20210920 capetown wasserseite

 

Tag49: Am abend war der wind weg, aber zu spät. Somit bin ich nach zwei stunden warten am morgen endlich losgekommen. Die fahrt war in schlangenlinien, das ruder braucht viel gefühl. In der marina habe ich einen freien platz außen am ponton gefunden und morgen werde ich einen neuen platz erhalten. Somit bin ich angekommen und heil dazu. Jetzt kommt die reparatur arie.

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La Reunion ein weiterer letzter Monat

Neuer monat, neuer start und die brandneue dieselpumpe ist eingebaut. Vier schrauben und nur kurzer weg für das werkzeug. Dabei kräftig den arm zerkratzt und alles passte auf anhieb, auch die dichtung.
Dann kam der hafenmeister vorbei und sagte, dass vielleicht Mauritius bald wieder offen sei. Also recherche, eine mail nach Mauritius zum tourismusministerium, was sind die bedingungen. Es gibt einen sonderstatus für La Reunion und sie wollen in der mitte vom Juli aufmachen.

Vor dem probelauf von Mr Perkins wurden der vorfilter und wasserabscheider gereinigt. Mann war da schon wieder ein süff drinnen, sah von aussen aber noch gut aus. Motor läuft und alle anschlüsse sind dicht, ein sieg.
Dann ging es an die ursache, warum die dieselpumpe vergammelt war. Der seewasserbogen und abfluss in den krümmer zur kühlung leckte. Ausgebaut und die teile, schläuche und schellen in entroster gebadet. Damit alles fester sitzt, habe ich den schrumpfschlauch für eine verengung der anschlüsse aufgedampft. Eigentlich ist alles wieder dicht, nur das schnüffelventil oben am bogen lässt ab und zu einen tropfen raus, warum weiß ich noch nicht.

Mauritius ist weiterhin zu, informationen auf der offiziellen webseite waren nicht eindeutig. Menschen von La Reunion sollten einen sonderstatus haben, aber das gilt nicht für mich und nicht für die freizeitschifffahrt. Also große kreuzfahrtschiffe können ihre ladung abkippen, nach einer quarantänezeit. Für alle anderen gilt, sie dürfen kommen und in speziellen hotels vierzehn tage abhängen, das nennt man auch quarantäne. Diese insel benötigt also dringend geld, ist überschuldet und sie wollen meins nicht, soll so sein.

Die erste woche ist beendet. Meine hauptliste ist abgearbeitet, der motor läuft wieder und der dieseltank ist noch leer. Auch muss ich noch einmal auf den mast, eine riggsichtung ist mal wieder fällig. Im schiff ist noch chaos, hat aber noch zeit. Anfang August will ich nach Südafrika, obwohl es noch nicht die richtige jahreszeit ist. Oktober und November sind die monate nach der langfahrtbibel. Somit verplempere ich meinen aufenthalt mit surfen im netz, das lenkt auch ab.

Zum wochenende wollte ich mal wieder etwas leckeres kaufen, kleine getrocknete würstchen, in der richtung carbonossi, nur dünner. Die letzten male waren sie recht lecker und dann nahm die qualität ab, sie wurden fettiger. Nun gestern war es das letzte mal und mein versuch, sie im backofen zu reduzieren, misslang, danach ungenießbar. Zum glück gibt es hier in der marina zwei hunde – ein paar, das zusammen abhängt. Die vier euros für die würstchen wurden zu einem sehr guten tag für die beiden.

Schon sind zwei drittel vom monat Juli um, mal wieder eine gute gelegenheit, das schiff von außen zu säubern. Die große nummer mit dem kärcher. Das letzte mal war er auf der werft im einsatz, das ist auch schon wieder ein jahr lang her. Damals funktionierte er nicht recht, baute keinen druck auf und ging ständig an und aus. Heute war es das gleiche, somit ist es nicht die mangelnde wasserzufuhr. In der hauptdüse ist ein kleiner gummiring und diese dichtung ist gebrochen. Somit kein druckaufbau und das abspühlen des drecks auf dem deck wurde wieder eine schlaucharbeit.
Auf der suche nach gummiringen habe ich auch die haken für die persenning gefunden, nur keine dichtungsringe.
Dann habe ich seit gestern auch den plan nach Südafrika erstmal vertagt. Die bilder, die ich von Durban gesehen habe, sind wohl ein vorgeschmack auf das, was auf uns noch zukommen wird. Die dummen schwarzen plündern alles, legen dann noch feuer und zerstören die infrastuktur. Dann wird es in der nahen zukunft auch nichts mehr zum fressen für sie geben, idioten.

So langsam gehe ich in den beschaffungsmodus und kaufe verstärkt konserven und geld. Nächste woche geht es mit meinem stegnachbarn zum großeinkauf, werden sicherlich über weitere hundert kilogramm werden. Auch habe ich ein paar leckerlies für meine mitbewohner ersteigert. Sie sollten nicht allzu zahlreich werden.

20210719 leckerlie

 

Jetzt kommen wir zu weiteren enttäuschungen, Namibia ist offen, aber: Heute habe ich endlich eine antwort erhalten, unsinniger pcr test, liegen an der mooring, quarantäne und mein dingi muss funktionieren. Die preise sind moderat, aber der yachtclub meinte , dass sie gerade spitzenreiter auf der welt sind, um das virus zu generieren, vierzig prozent der tests sind positiv. Eine antwort von St.Helena ist noch offen. Aber wenn ich  dreitausendsiebenhundert meilen in sechzig tagen von Thailand aus kann, dann auch fünftausendfünfhundert in einem stück. Dafür muss ich nicht durch eine kalmenzone, eher durch das inverse gebiet. Vor fünf jahren war ich auf dem weg zu den Falklands und habe da schon einen bleibenden respektvollen eindruck erhalten.

Und nun was für die SF-pussies und K13, der schon seit jahren eine segeltour um England herum plant. Dieser Franzose hier ist in siebenundsiebzig tagen von Neukaledonien hierher gesegelt, nonstop. Das ganze in einer nussschale von vier metern, macht aber einen einigermaßen entspannten eindruck. Er hat an gewicht verloren und die besucher haben drei pizzas und ein sandwichcroque dagelassen. Inzwischen sind die vielen lokaljournalisten schon wieder abgezogen, und von mir hat er ein bier zum herunterspühlen der pizzas bekommen. Das ganze ist erstaunlich für ein boot seiner größe, immerhin sind es netto sechstausendachthundert seemeilen. Er meinte, hundert pro tag. Da frage ich mich, warum ich nicht schneller bin oder warum ich ein nervöses gefühl habe, nonstop nach St.Helena zu segeln.
Die offiziellen haben mir von dort auch schon geantwortet und es ist zur zeit möglich dort anzulanden. Und die geschichte von dem Franzosen hier gibt mir mut. Mein sichtcheck im rigg ist heute auch schon absolviert, die dirk ist ein wenig belastet gewesen und somit habe ich weitere fünfzig zentimeter am baum verarbeitet. Abschneiden will ich nicht, aber über die rollen in der mastspitze soll frische leine laufen.

20210723 reduziert

 

20210723 reduziert

 

Wieder ein weiterer Montag und ich wollte zur tankstelle fahren. Der sprit hier auf der insel hat überall denselben preis, vor einem monat war er aber fünf cent günstiger. Der motor sprang wie immer an, kurz den gang hineingelegt, das getriebe ist auch dabei. Dann die acht festmacher gelöst und rückwärts aus der box, die ich glücklicherweise allein nutze. Kein radeffekt, keine geschwindigkeit, auch nicht bei vollgas. Das gleiche habe ich vor einer woche gegenüber gesehen und sie sind dennoch aufs meer hinaus. Zwanzig meter vor und zurück, manivierunfähig. Nur ich habe gleich geschaltet und zurück in die box.
Ich werde alt und mag nicht mehr ins wasser und tauchen. Wenn es sehr arg kommt, muss ich zwangsweise. Nun versuche ich für ein kleines geld jemanden zu finden, der mir die schiffsschraube säubert.

Nächster tag, es ist ein Dienstag mit sehr viel glück für mich. Mein lieblingsstegnachbar hat sich kurz bereit erklärt zu tauchen, dabei hatte ich ihn nur nach einer information gefragt. Das war supernett, dauerte fünf minuten und der prop war wieder einsatzfähig. Gegen mittag bin ich dann zur tankstelle getuckert, drehte dort noch zehn minuten eine runde, bis der steg wieder frei war. Über dreihundert liter habe ich vertankt, alle roten kanister sind wieder voll und einen schwarzen kanister habe ich vergessen. Also morgen mit dem rad zur tankstelle, auf dem weg vom supermarkt.
Gestern war ich noch bei den häusern der ingenieure. Normalerweise sind sie verschlossen und mit bösem natodraht umgeben, doch ein tor war offen. Von den schönen häusern wurden vier stück vor hundertvierzig jahren gebaut. Dort wohnten und arbeiteten die bauleitung und die betreiber des hafens. Heute sind sie verweist und zugemauert, eines davon hätte ich gern und auf der oberen veranda einen sundowner mit nüsschen zu genießen. Vielleicht werden sie ja wieder zum leben erweckt werden. Leider konnte ich nur ein paar fotos machen, eigentor. Als ich die kamera in die hand nahm, ging das batteriefach auf und ich bemerkte die fallende speicherkarte nicht, mist. Somit war der interne speicher schnell voll.

20210726 haus der ingineure

 

20210726 haus der ingineure

 

20210726 haus der ingineure

 

20210726 haus der ingineure wilder garten

 

20210726 haus der ingineure wilder garten

 

20210726 ausblick haus der ingineure

 

20210731 haus der ingineure

 

20210731 grosse plaene

 

Heute zum ende des monats regnet es, das erste mal seit zwei monaten. Also war es heute ein feuchter einkauf, und an der tankstelle habe ich noch einmal zwanzig liter diesel gekauft. Den kanister hatte ich ja gestern beim tanken vergessen. Was man nicht im kopf hat, hat man in den beinen. Kurz noch bei den häusern angehalten, aber die speicherkarte ward nicht gefunden.
Die logge habe ich auch herausgeholt, ich hasse das. Es kommt immer ein schwell salzwasseer ins schiff, es rostet und der einbauort ist auch schlecht zugänglich. Dann das teil in essig gebadet und nach zwei stunden waren die seepocken aufgelöst. Dann wieder ein schwell und hinterher noch mit frischwasser nachgespühlt. Der rostkranz um das echolot macht mir sorgen, sollte doch alles dicht sein, ist ab sofort unter beobachtung.

Jetzt am ersten August fehlt nur noch der große einkauf. Dann werde ich am Mi oder Do hier ablegen. Da Südafrika ausfällt – die nächste verhandlung vom expräsidenten ist mitte August – bleibt vielleicht Namibia, aber wenn es gut laufen sollte geht es gleich nach St.Helena. Das dauert mindestens zwei monate für die fünftausend meilen, also erstmal ist hier funkstille.

Bleibt in freiheit und lasst euch nicht von den Dr Mengele abspritzen.

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La Reunion am Anfang der Warteschleife

Als ich auf Neukaledonien war, bat ich den gutachter des schadens, auch meine gasflasche neu zu befüllen, er kannte das verfahren. Was hat der arsch getan, er tauschte meine schöne eigene neue gasflasche und gab mir eine alte verbeulte zurück. Nur die alte gehörte mir und ich wollte diese in französisch Guyana zurückgeben. Natürlich habe ich ihm den tausch nicht vergütet. Das gute ist aber vor ein paar tagen passiert, die verbeulte flasche konnte ich hier aus La Reunion tauschen. Wenigstens etwas.

Die letzten drei tage habe dann die größten rostflecken um die achterkabine beseitigt. Insgesamt sind fünf farbschichten auf die wunden gekommen und das muss bis europa reichen. Das holz und die solarpanels blieben allerdings an ort und stelle. Wenn ich sie entferne, dann habe ich ein richtig großes projekt. Und der wettergott war gnädig, drei wochen kein regen, gestern war ich mit der farbe durch und heute regnet es.

Ein sehr aufmerksamer leser hat mich angeschrieben. In meinem bericht “Indischer Ozean …”, in der woche zwanzigster bis siebenundzwanzigster März in der routengrafik sind die längengrade abfallend, warum das? Bei zehntausend zugriffen pro monat ist nur ihm das aufgefallen. Ich habe dort manuell die längengerade eingetragen und unsauber gearbeitet, oder gebaerbockt. Und ich werde das auch nicht ändern, ist halt so, ein zeitzeugendokument. Trotzdem einen großen dank an monsieur P. Für so eine wochengrafik brauche ich zusammengenommen eine stunde, jeder wegepunkt will gesetzt sein, später noch einmal editiert werden, das kostet zeit.

Da bin ich über dreitausend meilen von Thailand entfernt und es holt mich schon wieder ein. Was kann das land, nun: es hat den reichsten könig der welt, jedoch jodelt er mit seinem haarem in der brd umher. Thailand ist der zweitgrößte reisexporteur der welt. Leider robbt und kriecht es schon innerhalb der beutel im supermarkt. Sie können landschaft, haben dafür aber nichts getan, vor allem aber können sie plastik in die flüsse und in die meere einbringen. Zusammen mit ihren fäkalien, in den meisten regionen ist ein klärsystem etwas von einem anderen stern. Aber vielleicht sind deshalb auch so viele fische vor deren küste.
Dafür gibt es seit fünf jahren einen antibiotikaresisten keim in der hauptstadt. Sie haben einen gesetzlichen mindestlohn von zehn euro, am tag. Gilt aber nicht für die kinderarbeit. Sie haben eine mäßige schulbildung, aber nur bis zum zehnten lebensjahr. Keine ausbildung und daher nur learning by doing, wenn die werkzeuge wenigstens gut wären. Sie können malen, aber die farben taugen nichts, auch wenn internationale brands auf den dosen kleben. Sie bauen motoren von honda und es ist einfach nur thaischrott.

Und jetzt bin beim thema angekommen. Viele habe mich sicherlich belächelt als ich ‘echo beach’ ins leben gerufen habe. Die thais, die ich gefunden hatte, konnten keinen motor reparieren, sie konnten kein dinghi reparieren, dafür konnten sie aber die hand aufhalten, vorher versteht sich.
Heute wollte ich den motor überholen, den longtail entrosten, es blätterte schon. Betriebsstunden unter zehn, zwei M8 schrauben sind beim lösungsversuch abgerissen. Der antriebsschaft ließ sich lösen und zerlegen. Ein halbes kilogramm, gefühlt, ist er jetzt leichter ohne den rost. Am ende habe ich dann den riss in der schraube entdeckt, die welle ist gerostet, hat sich ausgedehnt und der alumiumprop ist gerissen. Also keine farbe auf den schaft, alles verstaut und beizeiten kann die restaurierung beginnen, nach zehn stunden fahrt.

20210609 thailandmotor

 

20210609 thailandmotor

 

20210609 thailandmotor schraube

 

Mitte des monats Juni und mein paket ist angekommen. Eigentlich schon vor einer woche, nur das marinaoffice hat mich nicht informiert und die letzten tage war es geschlossen. Nun denn, jetzt gibt es keine entschuldigungen mehr. Eine neue dieselpunpe ist dabei, das display vom radar ist angeschlossen und funktioniert. Meinem hauptsponsor für schrauben, kameras, schon die zweite, spannungswandler, bildungsbücher gilt ein fettes doppel danke. Natürlich auch an meine homebase, die mehrfach zollzettel ausgefüllt und das paket gepackt hat.
Auf dem weg zum einkaufen habe ich mal ein paar neue bilder gemacht, wie die bebauung vor hundert jahren hier in Le Port ausgesehen hat.

20210614 alte bausubstanz

 

20210614 alte bausubstanz

 

20210614 alte bausubstanz

 

20210614 alte bausubstanz

 

20210614 altes kino

 

Viel wollte ich kaufen, zum beispiel ein paar led-leuchtmittel, da gestern die lampe über dem naviplatz adé gesagt hat. Mein bestand ist für diese einfache fassung leider aufgebraucht. Im größten zubehörladen für nautische artikel war man hilfsbereit, aber ohne erfolg. Andere lampen wären vorhanden gewesen, nur nicht die, die ich suche. Die anderen sollten aber um das zehnfache von den preisen in der bucht kosten, argument mit der insellage.
Danach zum segelmacher, der einzige, der segellatten vorrätig hat. Nach einer kurzen verhandlung konnte ich fünf meter kaufen und bekomme sechs. Für fünfzehn euronen  den meter.

Meine idee war, ich helfe mal. Wer in den letzten drei jahren hier im hafen war, weiß vielleicht, wovon ich rede. Am hafeneingang liegt ein großes schwarzes rettungsboot mit einem mast. Als ich das zuerst gesehen hatte, dachte ich an die begegnung mit dem australier, den ich in Uruguay kennengelernt hatte. Dieses boot sah nur ähnlich aus. Der mensch hier kommt ursprünglich aus Polen, hatte seine wehrmachtszeit zum selben zeitpunkt wie ich überlebt, und hat dann in den glorreichen westen rüber gemacht. Viele jahre hat er dort gearbeitet, dann lief was schief, er verlor alles und am ende hatte er sich das rettungsboot gekauft.
Vor drei jahren haben sie ihn hier vor der insel hopps genommen und seit dem liegt er hier an der betonwand ohne geld. Viele segler helfen mal aus und auch ich habe lebensmittel abgegeben. Dann habe ich meinen alten rechner aktiviert und wollte ihn abgeben. Nur er hat einen rechner und zwei linke hände, die zusammen gebunden sind für computer. Also ein nullchecker in sachen rechner.
Gestern habe ich dann mal gedacht, ich pimpe seinen rechner auf, den er von einem franzosen bekommen hatte. Er kann kein französisch und das windoof zehn ist in französisch. Es ist so etwas wie ein multimedia display mit eingebautem rechner. Um es kurz zu machen, er hat ein opencpn der neusten version bekommen, die ganze welt auf karte, das tiden programm und ein paar kleinigkeiten. Von meinen beiden mäusen mit kabel hat er eine bekommen. Leider erkennt der bildschirn keine gpsmouse, also für die navigation nicht brauchbar. Zum lernen sollte es reichen. Papierkarten gib es hier nicht mehr. Aber wenn man mit einem rettungsboot unterwegs ist, sollte es machbar und sicher sein.

Wenn menschen keine termine einhalten, werde ich fühnsch, ich mag das nicht. Der pole sollte in zwei tagen seinen rechner abholen und nach fünf habe ich ihn nochmals dazu aufgefordert. Das gleiche mit meiner segellatte, hatte der segelmacher vergessen, also vielleicht übermorgen.
In der zwischenzeit habe ich aus einem verdeckstoffrest eine neue cockpitplane genäht. Das ganze hat zwei tage gedauert und ich musste den oberfaden über fünfzigmal neu einfädeln. Der stoff hat nichts gekostet, der wurde in Thailand auf dem schiff vergessen. Sein erstes leben war eine stolze persenning, das zweite leben als abdeckplane bei der schiffsreparatur mit vielen farbblessuren. Jetzt kommt seine drittes leben, wieder als sonnen- und regenschutz. Außen pfui, sehe ich selten, innen blau. Ringösen habe ich noch genügend, dicke gummilitze ist auch vorhanden und passende haken, nur die finde ich nicht. Morgen kommen die löcher hinein und eine erste installation. Meine derzeitige lkwplane, die ich in Brasilien an einen nachmittag genäht habe, ist halbabgerockt. Sie muss noch für die dinghies dienen, der südatlantik ist ja nicht mehr so fern.

In sechs monaten ist schon wieder weihnachten und heute war es ein guter tag. Gestern habe ich eine neue brauung auf flaschen gezogen und mal wieder geduscht. Dabei habe ich die abwassersumpfpumpe überbeansprucht und gehimmelt, oder fast. Somit war auf der liste, diese auszutauschen. Ein griff in die ersatzteilkiste und es war recht schnell am morgen erledigt.
Die beleuchtung im bad war schon seit zwei monaten defekt, ich kenne die stelle schon. Im teilfeuchtbereich gammelt das kabel, neu abisolieren und schon ward es wieder licht, bis zum nächsten mal. Dann kam noch der segelmacher und brachte mir meine segellatte. Die ist dann morgen fällig, wenn kein wind weht. Und zu guter letzt habe ich acht ösen in den neue sonnenschutz eingearbeitet. Ein guter tag.

Dann komme ich zur schattenseite, die mir jetzt immer deutlicher wird, seitdem ich hier bin. Das internet ist super, der platz kostet ja auch zur genüge. Zum einen nervt mich die offensichtliche zensur während the great reset. Falls es ihr noch nicht gemerkt habt in dieser plandemie, die keine ist, dass viele alternative medien durch abschaltung mundtot gemacht werden. Wenn jemand so zensiert, hat er was zu verbergen. Der dreck und die scheiße müssten eigentlich schon über deren ohren stehen. Alle maßnahmen wurden durch falsche zahlen erlogen. Man stahl einfach mal so über ein jahr von den menschen. Und wenn diese vielleicht auch mal wieder aufwachen, werden sie feststellen, dass die schulden sich mehr als verdoppelt haben. Sie werden dafür zahlen müssen und bluten, wenn sie den gentest der impfung überleben.
Der zweite teil der zensur ist feiner und genauso schlimm. Je nachdem, womit ihr bei der suchmaschine einsteigt oder im videoportal, bekommt ihr weitere vorschläge. Themen mit dem inhalt autos, krieg, konsum, wetter oder andere banale anfragen werden mit weiteren themen dazu vorgeschlagen. Nur wenn ihr gegen die herrschende meinung anfangt, kommt man nichts mehr vorgeschlagen. Dann kommt man von kuchenbacken auf arschbacken. Das war noch vor zwei jahren anders, meinungen durften vertreten werden und damit ist jetzt schluss. Eine neue agenda wird schon angefahren, ich bekomme immer mehr wettervorhersagen mit extremen vorhersagen. Der klimalockdown wird hier schon mal angerührt. Gestern bemerkte ich, dass mir immer wieder videos aus thailand vorgeschlagen wurden. Der inhalt sind mir unbekannte staustufen in flüssen, durch die lastkähne mit untermotorisierung oder überbladung fahren und es nicht schaffen, kentern oder andere schiffe rammen. Früher gab es regelmäßig dashkameraaufnahmen aus russischen autos über sehr dummes verhalten. Gibt’s nicht mehr, russland bashing läuft heutzutage über die offiziellen lückenmedien. Selbst wenn ich nach russischen autounfällen suche, bekomme ich fast nichts, nur das wetter von vor fünf tagen.
Denk mal darüber nach, bald ist das auch verboten.

Wieder ein Montag und ich habe mir vorschläge durchgeträumt. Heute morgen war ich noch voller hoffnung, nach Mayotte zu segeln. Die insel liegt nordwestlich von Madagaskar. Tausend meilen umweg nach Südafrika, aber dort könnte ich ankern und das spart achthundert euronen im monat. Das essen ist hier schon teuer genug.
Nur hat Mayotte seit zwanzig tagen schon wieder einen covidblödsinn erarbeitet. Entweder geimpft oder mit einem triftigen grund darf man einreisen, und nur dort zu ankern ist keiner. Die hirne auf der welt schrumpfen täglich, neue böse variante aber keine zusätzlichen tote, wie geht das. Außerdem müssten sie ja das virus vollständig sequenzieren, bei allen vorkommen und das ist teuer und dauert. Dauert heißt fast eine woche und die kosten liegen um zweihundert euronen. Eine variante hat nur eine abweichung von null komma drei prozent, das ist auch bei vierzigtausend rna informationen nicht viel. Also um es kurz zu machen, die üblichen verdächtigen lügen auf teufel komm raus.
In meinem enthusiasmus heute morgen habe ich die neue selgellatte eingezogen und gekürzt, die baumpersenning richtig montiert und mein neues altes blaue cover festgetüdelt.

20210628 sonnenschutz

 

20210628 sonnenschutz

 

 

Bleibt in freiheit und lasst euch nicht totspritzen.

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La Reunion weiter reparieren

Das großsegel steht als nächstes auf der liste, die dritte latte muss wieder an ihren platz. Hätte ich richtig hingeschaut, hätte ich die lattenaufnahme nicht demontieren müssen. Die war nicht vorn durchstoßen worden, somit hatte sich die latte dort nur herausgemogelt. Doch bevor ich den mast ein wenig hinaufsteigen wollte, war die untere stufe abgegammelt. Von den sechs nieten war nur noch eine halbaktiv. Dabei sind sie erst sechs jahre alt.
Dann als nächstes das abschrauben der vorderen lattenaufnahme und der akt fing an. Die verwendung von linsenkopfschlitzschrauben ist mist. Ist der schlitz verknittelt, kann auch keine grippzange dort fassen. Am ende war das zusammenspiel des zweikilohammers mit dem schlagschrauber erfolgreich. Das hat stunden gedauert und hätte nicht sein müssen.

Nur seit zwei tagen weht es hier aus der falschen richtung, somit muss das segel noch warten. Ich habe ja zeit.

Der typ in Spanien mit seinem defekten radar ist dreist, es ist noch auf dem weg zu ihm und schon hat er es wieder identisch bei ebay eingestellt. Aber nun habe ich ein anderes in norddeutschland gekauft und hoffe, dass es hier auch funktioniert.
Das gibt wieder mut und so habe ich am Fr mich an das großsegel rangemacht. Die dritte segellatte ist wieder im slot, die erste reffleine ist erneuert und gleichzeitig habe ich es im baum mit dem dritten reff getauscht. Vorher hat das erste das dritte abgequetscht und das seil war nicht durchsetzbar. Von der arbeitsseite ein gutes ergebnis, aber ich muss noch die vierte latte besorgen.
Und dann ging es mit dem stegnachbarn und zwei weiteren personen auf seinem schiff hinauf aufs meer. Seit langem mal wieder segeln. Das war sehr sportlich, nass und ok bei fünfunddreißig knoten. Nur seinen plan, mit dem schiff um die welt zu segeln, habe ich ihm ausgeredet. Ein boot, das nasssegelt, ist hier um die insel brauchbar, nur im südatlantik hört der spaß auf und fängt das frieren an.

Das wochenende ist vorbei und ich habe gestern nach einem brett gesucht. Die europaletten hier haben in der mitte genau das richtige und einen haufen mit kaputten paletten habe ich auch eine gute gefunden. Dieses holzteil ist nicht mehr schön, die nägel darin sind abgerostet, dennoch reicht es für das grüne dinghi. Das plastikbrett hielt gerade mal von gestern bis vorgestern und das neue holz macht es hoffentlich länger.

20210512 beachrepair

 

Das leben geht hier weiter, ich habe heute mein altes display zurückbekommen. Das gute an dieser insel ist, dass sie quasi in Europa liegt, das departement neun sieben vier ist somit ein vorort von Paris. Aber so gelten auch hier ein paar richtlinien aus Brüssel. Mein radar fällt unter eine neue verordnung, so etwas wie krumme gurken geht auch nicht mehr. Hoffentlich geht mein neuerwerb eines alten systems aus norddeutschland, mal sehen.

Inzwischen habe ich auch die genua abgenommen und neue wollfäden angeklebt. Die alten fahren schon seit jahren mit, für mich die beste art, das segel zu trimmen. Aber das augenmerk ging auf die rollanlage, diese dreht nicht mehr so schön. Schwarze plastikteile habe ich nicht gefunden, aber das system mit viel wasser gespült. Leider keine veränderung, aber ohne seil dreht es gut. Somit müssten es beim aufrollen zu überläufern oder verklemmungen kommen.

Ein neuer ausflug, diesmal in den süden der insel. Eine stunde auf schnellstraßen und dann nur noch dreißig kilometer, hat auch eine stunde gedauert. Serpentinen rauf und runter, teilweise einspurig und durch drei meter hohe tunnel, auch einspurig. Gebaut wurde diese strasse nach Cilaos in den dreißiger jahren. Am ende waren wir in einem alten vulkantal. Ein kurzer abstecher zu einem wasserfall und ein blick durch ein loch in einer lavawand. Verdammt grün ist dieser teil der insel und schön, auch wenn die wolken über dem berg kamen.

20210519 cilaos kraterrand

 

20210519 cilaos kraterrand

 

20210519 cilaos kraterrand

 

20210519 cilaos kraterrand

 

20210519 cilaos ort

 

20210519 cilaos ort

 

20210519 cilaos ort

 

20210519 cilaos wasserfall

 

Zwei drittel vom mai sind um, es ist Sa und ich habe wieder gebastelt. Der zweite abschnitt der deckskosmetik war an der reihe. Als ich das deck mit farbe und sand vor zehn jahren gestrichen hatte, dachte ich, es hält für immer. Nun, heute ist nach immer. Ein kleiner schaden im lack, wasser dringt ein und der chemische prozess der eisenoxidation beginnt. Besonders gut ist es im bereich der schwarz-weiß stellen, wo der edelstahl mit dem deck verschweißt wurde. Ich war heute in der ersten runde mit hammer und meißel unterwegs und die schichten waren schwarz. Danach noch eine runde mit der flex, nicht so gründlich, wie es sein sollte.
Viele stellen hatte ich in Neuseeland und in Thailand auf der werft schon bearbeitet, das ergebnis ist enttäuschend. Entweder ich pfusche immer – oder die luftfeuchtigkeit war zu hoch, die farbschichtdicke zu gering oder, wen würde es wundern, Thailand kann auch keine farben. Das nächste mal ist einmal sandstrahlen fällig, richtiges, kein thailandnassstrahlen.

Die nächsten tage waren eher ruhig, fettwartung der wellen und kleinreparaturen. Das deck ist vom bug bis zum achterkabinenanfang überarbeitet. Der bereich des restes steht noch an. Das thema vierte segellatte ist so gut wie gelöst, nur ich will noch nicht. Verkaufen will der segelmacher nicht fünf meter, sondern die ganzen sechs meter, mal vierzehn euronen. Viel geld für ein wenig plastik, muss aber bald sein. Die zweite näharie der sprayhood wegen übersehener löcher erfolgt erst nach der ankunft meines paketes aus Europa. Dann kommt auch eine neue dieselförderpumpe und ein radardisplay. Soweit zur reparatur.

Dafür war ich vor zwei tagen in der hauptstadt der insel, St.Denis. Ich wurde am stadtpark abgesetzt und abends wieder eingeladen. Stadtpark klingt groß, ist es vielleicht für diese stadt auch, dreihundert mal dreihundert meter mit altem baumbestand, einem museum und künstliche teichanlagen.

20210527 st denis stadtpark

 

20210527 st denis stadtpark

 

Dahinter ging es in die stadt hinein durch die alte hauptstraße. Um die mitte des achtzehnten jahrhunderts konnte man offenbar richtig viel kohle mit sklaven und zucker machen. Die schönen villen, oft aus holz, die noch stehen, zeigen den ehemaligen reichtum. Was ich nicht gefunden habe, war ein supermarkt. An einem kiosk konnte ich ein wasser erstehen.
Aus der ferne habe ich die brauerrei vom lokalen bier Bourbon oder Dodo gesehen, heute in besitz von heiniken. Also: eine besichtigung wird nicht stattfinden, schlimmes industriebier.
Ich bin kreuz und quer gelaufen, das eine oder andere war nett, aber ich muss da nicht wieder hin. Und maske tragen im park, wie dumm. Aber wenn man sitzt darf man sie abnehmen, idiotisch.

20210527 st denis

 

20210527 st denis

 

20210527 st denis

 

20210527 st denis markthalle

 

20210527 st denis villa

 

20210527 st denis villa

 

20210527 st denis villa

 

20210527 st denis villa

 

20210527 st denis villa

 

Dann war da noch die idee, das schiff an land zu stellen. Auf den ersten blick verlockend, man spart sechzehn euro am tag. Nur der travellift kostet dreihundertfünfzig pro bewegung, aufgrund des gewichtes des schiffes. Das halte ich für keine geeignete bemessungsgrundlage, die arbeit ist die gleiche wie für ein leichtes schiff. Dann kommen noch die stützen für das schiff von einer externen firma hinzu, im monat zweihundert euros. Wasser und strom sind inklusive, nur wohin mit dem abwasser. Unterm strich ist ein breakeven ab dem dreiundsiebzigsten tag und somit ist die kröte geschluckt. Ich bleibe im wasser.

Meine doradelüfter sind auch zerlegt, die unteren rostigen teile sind abgeflext und die lufttrichter wandern in den ersatzteilpool. Am letzten tag im Mai ist nun auch mein ersatzteilpaket auf den weg gekommen. Mal sehen wie lange es braucht. Dann geht es mit größeren schritten weiter.

20210522 doradeluefter

 

Bleibt in freiheit und lasst euch nicht totspritzen.

 

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La Reunion, ankommen, erholen, reparieren

Nach den sechzig tagen auf see und ohne positiven kontakt zu anderen menschen muss ich mich erstmal wieder an diese spezies gewöhnen. Die segler hier sind nett und freuen sich, dass einige andere die insel im ozean auch finden.
Ich bin nun schon eine woche hier und fange mit dem beheben des ersten schadens an. Zwar habe ich festgestellt, dass ein törn von dreieinhalbtausend meilen ohne radar machbar ist, nur meine idee zur sicherheit ist eine andere. Also beheben.

Dann habe ich mir heute ein paar blaue flecken zugefügt. Ich musste mich mehrfach kneifen, ob ich nicht träume. Auf einer kleinen straßenkreuzung habe ich über einen euro in fünfundsiebzig münzen sowie einen halben franc gefunden. Ob das was besonderes auf sich hat, werde ich noch herausfinden.

Als ich vor einer woche in den hafen einlief, hatte ich super glück mit dem wetter. Gestern und heute rollen riesige wellen an das ufer und in den hafen. Für die ortsansässigen ist das normal, es gibt vorher eine wetterwarnung. Nur mein boot tanzt wie wild am steg, vorwärts, rückwärts und seitwärts. Dabei kann ich hier keine wellen sehen.

20210420 hafen

 

20210420 hafen

 

20210420 hafen

 

20210420 hafen

 

20210420 hafen

 

Es wird jedesmal anstrengender, wenn ich nach einem trip wieder ans festland komme. Diesmal hatte ich eine sehr lange zeit mit mir und nun bin ich im spiel zurück. Nur das ganze szenario auf der welt geht mir sehr auf den sack. Das internet hier ist sehr gut und mein hunger an neuem input riesig. Das neuste, was ich gefunden habe ist: ich mache da nicht mehr mit. Nur das ist mein thema, seit dem ich meinen job geschmissen habe und nicht mehr für die zinseszinsen anderer arbeite. Wie wird es weiter gehen, und da fällt mir nur ein, irgendwie.

Hier am schiff stagniert es allerdings, meine liste der arbeiten ist lang und das anfangen damit sehr schwer. So war es gestern besser, einen ausflug mit meinem stegnachbarn zu machen. Aufstehen um sechs und ab in den berg, für die menschen hier eine leichte anfängertour. Diese zwei stunden kurz rauf und runter bescherten mir heute einen fetten muskelkater, allerdings in den waden und nicht wie sonst im hintern. Die insel ist nicht so klein wie auf der landkarte. Man fährt und in kurzer zeit ist die landschaft wie auf Madeira und nach einem kilometer ist dann Südfrankreich feeling. Wenn da nicht der verkehrsstau zwischendurch wäre. Die fahrt rauf auf den anfang der kleinen route ist wie die überquerung der alpen auf den alten straßen mit kleinen mauern am rande. Halt die zeit vor der leitplanke.

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergtour

 

20210422 bergbewohner

 

20210422 bergversorgung

 

Mein radarsystem kann hier nicht repariert werden und es gibt es auch nicht mehr in europa wegen irgendwelcher eu-richtlinien. Der tipp war dann, ich möge auf der restlichen welt ausschau halten. Jetzt drei tage später wurde mir geholfen, ein dicker fetter dank dafür an Hans. In Spanien verkaufte einer das display und nun wird es bis nach Frankreich verschifft zu einem sehr hohen kurs, die kröte ist aber auch schon geschluckt.
Somit könnte ich ende April mal anfangen, meine liste anzugehen. Vielleicht morgen.

20210420 themroc

 

Das war ein eigentor zum ersten mai. Am Samstag wollte ich noch schnell einkaufen, aber die straßen waren leer, überall leere parkplätze. Alles war zu, auch der bäcker, nur der fish and chips laden war mit einer zehn meter warteschlange besucht. Das gute ist aber, dass heute am Sonntagmorgen die supermärkte offen sind. Allerdings war die schlange zwanzig meter lang und fünf beim bäcker.

Und somit habe ich am tag der arbeit mit der sprayhood angefangen. Viele flicken und die nähmaschine macht auch wieder mit. Der fehler lag nicht an der maschine, sondern an den materialien, die bei der produktion verwendet wurden. Teilweise wurde tape benutzt, um die einzelnen teile zu fixieren. Nach sieben jahren wird der kleber aber weich und die nadel sticht mit der schmiere in den stoff. Dabei bleibt der faden hängen und reißt. Mit einer stärkeren brille hätte ich es auch vor einem jahr sehen können.

Was schön ist, ich finde hier ein paar menschen, die deutsch sprechen. Nach einem jahr ist das recht gut, besonders wenn sie aufgeklärt sind und den coronamist nicht glauben. In Indien gibt es ab gestern ein redeverbot über dieses thema. Mal sehen, wann es in der agenda in der brd angekommen ist. Der beste ausspruch der letzten woche, “verzweifeln sie ruhig, aber zweifeln sie nicht”. Der shitstorm war gewaltig, von denen die denken lassen.

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Indischer Ozean zum Zweiten, Äquator zum Dritten

Zweiter Februar und ich bin noch nicht weg. Zum einen habe ich gestern wieder geld kaufen müssen, und da man pro transaktion mit einem fixum abgezogen wird, habe ich den vollen betrag von dreihundert euronen genommen. Das muss nun investiert werden.

Dazu kommt heute, dass ich zwei motoren wieder zum laufen gebracht habe. Gestern musste ich zwei drittel der strecke zum pier rudern und die ganze zurück. Nervend, schweißtreibend und mit unflätigen schreiattacken verbunden. Zündkerze funkt, also den vergaser abschrauben. Gereinigt, düsen mit einem draht gesäubert, und siehe da, Echo läuft wieder. Der zweite kandidat war der hilfsgenerator für den ernstfall. Wollte auch nicht, bezinfilter im tank zu, düsen verdreckt, aber nach einer weile lief auch er wieder. Nur mit der stromproduktion ist es schwer, da muss ich noch nachbessern.

Am achten tag des monats februar konnte ich mich aus der drecksbucht lösen. Das ziel war Patong Bay, der oberballermann und puff von Phuket. Der erste trip verlief recht unspektakulär, die genua konnte den motor unterstützen. Für ein paar minuten war auch ein reines segeln möglich, unkontinuierlich. Immerhin bin ich nach vier stunden hier angekommen, landgang ist morgen.
Nur hier ballert niemand mehr, die fünfzigtausend-betten bucht ist leer, die zwei prozent nutten laufen trocken. Wenn jemand hier gespartes geld hatte, so ist es aufgebraucht. Zur sylvesternacht liegen normalerweise zweihundert schiffe in der bucht, um das feuerwerk zu sehen. Heute sind es fünf, mit mir. Der strand ist leer, wie Travemünde bei regen im januar. Tote hose ist da noch geschönt.

20210207 patong bay

 

20210207 patong bay

 

20210207 patong bay

 

20210207 patong bay

 

20210207 patong bay

 

Etwas gutes hat die bucht, einen sichtbaren grund. Für mich ist das seit über einem jahr nicht gewesen. Auf der anderen seite im ort sind zig verlassene querstrassen, hunderte geschäfte sind zu. Tausend familien haben nichts zu beißen, eventuelle rücklagen sind aufgebraucht. Ab in die verschuldungsfalle.
Die vielen leeren einkaufspaläste wären ein guter platz für zombie filme. Somit kein gedränge an den kassen und im supermarkt noch immer volle regale. Aber nur ein paar geschäfte im erdgeschoss sind geöffnet.
Am abend dann noch ein erster strandspaziergang barfuß im sand nach jahren. Was habe ich in der letzten zeit nur getan.

20210208 patong stadt

 

20210208 patong stadt

 

20210208_patong_stadt3

 

Am nächsten morgen auf in richtung norden, um mich den inseln zu nähern. Leider nur ein unbestimmmter wind und der drehte x-mal. Das ausgeguckte ziel auf der karte war eine täuschung. Somit habe ich in strandnähe geankert und mit der aufgehenden sonne ging es weiter. Der direkte weg waren vierzig meilen. Wieder windstille und am abend habe ich mir eine mooring geangelt. Sah alles recht nett aus, schöne neue landschaft.

Aufwachen um zehn durch rufe, park rangers, acht leute in einem boot. Sie wollten mein ticket sehen oder ich müsse das gebiet verlassen, sofort. Es gab eine stunde aufschub. Sean hat das ganz anders beschrieben und ich wollte ihn hier treffen.
Auf der nächsten insel, selbes gebiet, gleiches spiel. Wenn ich ein ticket für dieses gebiet habe, kann ich bleiben, aber das gibt es nur auf dem festland. Die reise hierher hat mich vierzig liter gekostet, danke. Aber ich darf bis morgen früh hierbleiben und mein radar reparieren.

Mein großes problem, das radar hat seinen geist aufgegeben, gestern noch den begrüßungsbildschrim mit alles OK gesehen und dann zappenduster aus. Eine reparatur in diesem land ist ein doppel-minus-null spiel. Meine entscheidung ist also, ohne nachtaugen weiterzufahren und weit raus auf’s meer.

Dieses naturreservat ist eigentlich eine schöne alte landschaft. Das meer hat viele millionen von jahren dafür gebraucht. Der felsen am eingang sieht beim heranfahren aus wie eine schildkröte. Ansonsten geschliffene und gestapelte felsen. Was mich stört sind die ranger, die mit ihren sechzig ps zweitakt-motoren umherjuckeln. Dazu kommen noch speed-katamarane mit touristen. Warum müssen sie mit über zwanzig knoten in die bucht einfahren. Viel zu schnell für schildkröten, die hier geschützt werden sollen.

20210211 naturpark

 

20210211 naturpark

 

20210211 naturpark

 

20210211 naturpark

 

Ab jetzt beginnt der teil der ozeanreise. Also los, mein ziel ist La Reunion direkt. Das bedeutet, dass ich acht breitengrade nord, zwanzig breitengrade süd und dreiundvierzig längengerade bewältigen muss. Die distanz ist netto dreitausendzweihundert meilen, ungefähr. Die bruttoseemeilen werden mehr sein.

Tag 1 auf dem meer
Mooring fallen gelassen und pünktlich vor acht uhr raus, wie mit dem ranger vereinbart. Kaum wind, alles unter zehn knoten, da ich weg muss lief der motor oft. Wieder ein hoher verbrauch und es riecht nach diesel im motorraum. Zuerst dachte ich an eine kleine leckage, ein bißchen diesel in der motorwanne. Dann ein scharfblick in die schwabbende bilge, mist. Leichte panik auf den zweiten blick, alles trocken auf der einspritzseite. Nur die dieselförderpumpe hat eine salzkruste und nach einem wisch kam das gute teure nass.
Die erste nacht war schlafen mit der eieruhr und sie verlief unruhig mit wilden träumen. Von pumpen, diesel und meiner schusseligkeit.

Tag 2
Ein kaffee zum anfang und dann auf fehlersuche gehen. Der deckel von meiner dieselförderpumpe ist durchkorrodiert, reparatur schlecht machbar, alles vernietet. Also ausbau, säubern und mit dichtungsmasse und einer dicken pappdichtung von oben versiegelt. Zum festigen noch zwei kabelbinder herum.
Ich habe noch irgendwo eine ersatzpumpe, finde sie nur jetzt nicht. Dauer der reparatur vier stunden in zwangslage, diesmal zum glück kein wind.

Diese lösung hat keine fünf minuten unter belastung gehalten, der deckel ist der druckbereich. In einer halben stunde ein halber liter tropfend, ist auch nicht akzeptabel. Aber auf der suche nach der ersatzpumpe habe ich eine dieselleitung gefunden. Am einen ende die passende verschraubung und am langen anderen ende ein aufgelötetes röhrchen, bestens. Jetzt läuft der diesel durch meine filter und die neue dieselleitung ist direkt am motorfilter. Da ich einen tagestank habe, der über dem system sitzt, geht was mit der erdanziehungskraft, glück gehabt.

20210215 dieselnotloesung

 

Tag3
Die leichte brise fing in der nacht an, aber unbrauchbar. Dann am morgen start mit allen segeln und es fing an. Zwei, drei, vier knoten achterlicher wind pustete in die richtige richtung. Das brauche ich, in den kalmenbreiten wird es schwer werden.
Wie schon vor zwei tagen kamen delphine zum schiff. Das erste mal seit über einem jahr. Mein nächstes projekt ist leere plastikflaschen sammeln, irgendwohin muss die brühe aus der bilge. Meine idee in internationalen gewässern zu lenzen oder das zeug zu verklappen habe ich fallen gelassen.
Der letzte einkauf an frischen lebensmitteln war vor über zehn tagen. Es beginnt schon der rott im kühlschrank. Die nächsten tage heißt es, alles aus dem kühlschrank zu essen oder es über bord zu werfen.
Hätte ich man mal die windsteuerung vorher gecheckt, sie will nicht so recht. Das pendelruder ist verstellt und das gegengewicht nicht justiert. Wird auch in der kalmenzone geregelt.
Das gute an diesem tag, um sieben uhr abends habe ich das gebiet von Thailand verlassen. Wieder einmal habe ich mich verpisst und nicht ausklariert. Die strafe von dreihundert euro für das überschreiten der zollverlängerung ist für mich nicht einzusehen. Die erklärung ist kostenfrei und die strafe beträgt einen monatslohn eines thais.
Vor sonnenuntergang sehe ich noch eine ölplattform, vom regen in die traufe. Kein wind und somit treibe ich. Doch um vier uhr morgens höre ich ein lautes signalhorn. Es ist entweder von einer weiteren plattform oder von dem treibenden öltanker, den ich auf dem ais entdecke. Motor an und bis sonnenaufgang vorwärts getuckert.

Tag4
Morgens beim segelsetzen kamen die ersten fischer aus Indonesien, freundliches winken. Danach noch zwei rutscher am groß getauscht. Zu wenig wind kostet auch erheblich material. Dieser windhauch setzt sich fort, das schiff macht nur zwei bis drei knoten, zum glück gibt es keine wellen. Außerdem beginnt jetzt die fastenzeit, kein alkohol und fleisch mehr im proviant.

Tag5
Noch bin ich in der Andamansee und die ersten fliegenden fische fliehen vor Themrocs rumpf. Ab morgens um neun kommt der erste brauchbare luftzug, die geschwindigkeit steigt auf vier bis sechs knoten.
Ich mache gerade frühstück und der schwarze leutturm in der ferne erweist sich als kriegschiff. Kontaktaufnahme, mein VHF funktioniert wohl wieder. Wer woher wohin wie viele, herkunftshafen land. Danke für die kooperation.
Das radar war mal kurz da, wollte aber noch nicht so recht. Dann die erste etappe erreicht, der grosse kanal bei Sabang, das tor zum Indik. Diesen meerenge nehmen mit mir auch zwanzig andere große schiffe, teilweise ist es eng.
Der wind nahm weiter zu und ich war doppelt so schnell wie gedacht. Zum sonnenuntergang war im indischen ozean.

Tag6
Der nächste wegepunkt ist in fünfhundert meilen entfernung. Die letzte nacht war nicht gut, achterbahn fahren, viel wind und speed im boot. Das gute daran ist das etmal von hundertzweiundvierzig. Das ist, glaube ich, das beste auf der ganzen reise bisher. Der fünfte breitengrad nord ist auch schon passiert.
Die nacht fing noch einmal spannend an, drei schiffe in meine richtung, alle sollen mich mit einem abstand von unter einer seemeile passierren. Und am horizont bauen sich gewitterwolken auf. Als ich gerade den ersten schlaf um elf gefunden hatte, legte das schiff einen sprint hin. Ich konnte gerade noch die schlafutensilien nach unten retten und das gewitter brach los. Schnell die genua bergen, nasse sachen ausziehen und die eimer holen. Das ist das abschiedsgeschenk von Indonesien.

Tag7
Die ausbeute der nacht waren fünfunddreißig liter wasser in zehn minuten. Das nimmt ein wenig den druck, ohne wasser zu sein, wenn man den watermaker nicht unbedingt anschalten möchte. Das schlechte ist, dass der wind nun aber gegangen ist.
Gegen mittag habe ich den vierten breitengrad unterschritten und bin in internationalen gewässern. Der schlafrythmus der letzten nacht war ein fünfundvierzig minuten takt. Das passt gut, wenn ich das AIS nutze. Schiffe in sechzehn meilen entfernung werden registiert und das dauert eine stunde bis zu mir. Ich freunde mich gerade gemächlich mit dem system an. Hier draußen gibt es keine fischer mehr und nur noch große schiffe. Der nachteil des systems ist die errechnete angst. Je nach einstellung wird ein warnton als sirene ausgegeben, das holt einen sogar vom klo herunter. Und dann ist die naheste annäherung in einer viertelstunde mit einer meile abstand. Da muss ich noch nachjustieren.

Woche1
Was hat sie gebracht? Viel diesel verbraucht und vierhundertneunundsiebzig seemeilen gefahren. Aber das waren nur nettomeilen, da ich voll auf dem kurs war. Die woche zuvor, also in der woche 0, als ich Chalong Bay verlassen habe waren es neunzig, .

woche1 ind

 

woche1 ind meilen

 

Tag8
Die nacht war wiedermal schlecht. Am abend wollte noch einmal wind kommen, aber zu kurz. Vor mitternacht habe ich das zeug zusammengerollt und versucht, weiter zu schlafen. Die wellen rollten das schiff hin und her. Am morgen dann glattes wasser mit wellen.
Motor erstmal an und um zehn kam dann ein lüftchen, wurde später brauchbar.
Nur um fünf war schicht im schacht, zu wenig wind, zu hohe wellen, segel flappen dauernd, also bergen. Durch die nacht wird es wohl wieder treibend sein.

Tag9
Gerade als der wecker klingelte, fing der regen an, der zweite kräftige. Diesmal hatte ich keine eimer aufgestellt, würden bei der welle eh umfallen. Dafür gab es zum sonnenaufgang den dritten regen und wieder vierzig liter wasser für den tank. Ich habe die zeit für eine regendusche genutzt, nicht so ganz warm, aber es ging. Nur ich treibe im kreis, kaumst wind.
Um zehn kann dann wieder ein lufthauch, diesmal aus ost. Seit dem ersten großen regen ist der nordost monsum kaputt. Zuerst aus nord, nun aus ost und die wellen passen überhaupt nicht dazu. In der welle flappen die segel, das kostet.
Am nachmittag noch einmal regen, aber nicht so stark. Mit einer kleinen genua ging es in die nacht und die war für mich ausnahmsweise mal gut. Viel schlaf gefunden. Das reiseergebnis war untermies, schlimmer als der tag zuvor, nur sechsundzwanzig meilen, viel zu wenig.

Tag10
Wieder kaum wind, die segel stehen nicht, und so nutze ich nur die genua zu hundert prozent – und das ausgebaumt. Der sound von flappenden segeln, die knallend wieder aufgehen, schreckt mich jedesmal. Die geschwindigkeit ist, wenn es gut läuft, zwei knoten, zu wenig.
Dafür habe ich um ein uhr mittags den bereich des zweiten breitengrades nord erreicht.
Am nachmittag endlich wieder richtig segeln, mit beiden tüchern. Das groß bleibt im ersten reff und die genua ist auch nicht voll draußen, der kurs verbietet es. Aber immerhin um drei knoten.

Tag11
Nichts passiert, außer dem ersten toten und das schon vor tagen. Ein kleiner tintenfisch von vier zentimeter länge klebte an meinem mastfuß. Der muss die hunderfache länge seines körpers aus dem wasser gesprungen sein, und da ist er auch wieder hin.
Die letzten drei tage waren sehr anstrengend, im durchschnitt nur dreißig meilen, kräftezährend. Und der heutige tag wird nicht besser werden, es ist schon nachmittag.

Tag12
Es gab wieder regen in der nacht, also weiterschlafen unten auf dem fußboden. Am morgen dann ernüchterung, bleierne glatte see mit ein paar wellen darin. Der motor lief drei stunden um die batterien wieder zu verfüllen, und danach war wieder der zustand treibend angesagt. Da es noch immer wallungen im wasser gab, habe ich die bilge nicht ausgesaugt. Einmal geschwabbt und die sauerrei mit der brühe im schiff ist riesig. Gestern waren es achtunddreißig meilen, wenn das so weiter geht, dauert es noch sechzig tage bis zum ziel.
Kaum hatte ich dies geschrieben, kam der wind zuerst um fünfundzwanzig plus aus einer gewitterwolke. Alles super, fünf knoten nur mit der genua. Eine weitere halbe stunde später, wind aus der anderen richtung, dreißig plus. Auch alles super, nur danach kam der wind aus meiner zielrichtung. Ein herumgeeiere, egal was ich versuchte, entweder ging es nach osten oder nach nordwest. Meine richtung ist immernoch südwest. Am ende lief der motor mit, der wind war fast weg und die richtung konnte im ansatz verfolgt werden. Heute mal nicht nur netto meilen.
Zum sonnenuntergang war der wind wieder weg, das meer recht platt, aber es gab eine unschöne strömung. Diese wird wohl die früchte des tages wieder verzehren. Und etwas gutes passierte heute doch noch, meine logge funktioniert wieder, erstmals seit der abfahrt von Thailand.

Tag13
Nomen ist omen. Die schönen meilen von gestern sind in der nacht zusammengeschmolzen. Heute am morgen bin ich wieder an der position von gestern morgen. Die gegenströmung hat ganze arbeit geleistet. Jetzt ist motorsegeln angesagt, der wind ist nicht ausreichend, und das ziel sollte der bereich des ersten breitengrades sein. Erschwerend kommt hinzu, dass der hintere tank bereits leer ist und der weg noch sehr sehr weit.
High moon und ich bin dort, wo ich gestern zum sonnenuntergang war. Zum glück habe ich heute nicht noch einmal die große styroporbox gesehen, an der ich gestern dreimal vorbei gesegelt oder getrieben bin.

Tag14
Die letzten beiden tage waren ein kräftiger tritt in den arsch. Drei schritte vor und zwei zurück. Nach meiner information sollte es keine strömung aus der richtung geben, in die ich fahren will. Von den dreißig meilen sind am ende nur zehn netto übriggeblieben. Heute ist wieder schneckentempo an der tagesordnung, sei denn, eine dunkle regenwolke kommt daher. Dann ist innerhalb von zwanzig sekunden die geschwindigkeit von ein auf sechs knoten gestiegen, mit entsprechender schräglage. Eine viertelstunde später überholen mich die wasserschnecken schon wieder.
Der wind war mäßig und hielt an, halt nur nicht schnell. Dafür konnte ich die position innerhalb des ersten breitengrades nord halten. Fünfzig meilen weiter und der äquator rückt näher.

Woche2
Ich denke noch sehnsüchtig an die beiden tage mit über hundertundzehn meilen der ersten woche zurück. Die summe der beiden tage ist das ergebnis dieser woche. Davon muss man nur noch zwanzig prozent abziehen, damit die nettomeilen hervortreten. Die gegenströmung hat es in sich, nicht nett.
Und ich habe noch nie soviele schiffe auf dem ozean gesehen, seit ich in europa abgelegt habe. In zwei wochen mehr, als in den letzten sechs jahren zusammen. Ich befahre gerade die route asien-südafrika. Alle schiffe, die von oder nach europa und südamerika wollen und die zu groß für den kanal sind, kann man hier treffen.

woche2 ind

 

woche2 ind meilen

 

Tag15
Ein guter tagesanfang beim sonnenaufgang. Ein segelndes schiff, nicht flott, aber immerhin etwas, um drei knoten durchs wasser. Das ganze blieb bis zum sonnenuntergang, teilweise auch gute vier knoten, sonnenschein und ein paar wolken. Ein sehr guter tag. Am abend habe ich dann auch noch den ersten breitengrad nord unterschritten.

Tag16
Ich bin in der dämmerung aufgewacht und kurz darauf fuhr das schiff fünf knoten. Leider nur für kurze zeit. Etwas später hatte ich wieder zwei volle eimer in zehn minuten. Es ist auch die feuchsteste fahrt seit europa, aber ok, denn ich kann das wasser gebrauchen. Am späten vormittag kamen dann noch fischer vorbei oder holten mich ein. Etwas mulmig war mir schon, hier draußen. Sie fragten nach zigaretten und schnaps, beides nicht mehr in meinem bestand. So zogen sie aus Sri Lanka kommend weiter. Das beste ist, dass das meer nimmt und gibt. Die letzten tage hatte ich die gegenströmung von einem halben knoten, jetzt ist das vorzeichen positiv.
Meine frischen vorräte gehen zur neige, wie schon so oft. Heute gab es die letzte orange im müsli und die letzte möhre im dhal. Kartoffeln sind auch schon aus, nur noch zwiebeln und knoblauch ist reichlich vorhanden. Meine äpfel werden noch vierzehn tage reichen, wenn sie nicht vorher faulig werden.

Tag17
Die letzte nacht war schlimm, alle segel geborgen und eine unangenehme dünung. Das schiff wankte von der einen seite zur anderen, grundschlechter schlaf. Am morgen dann achterlicher wind, schwach aber nutzbar, mit zwei knoten fahrt. Um kurz vor mittag überquerte ich zum dritten mal mit dem boot den äquator. Bilder vom gps wird es auch diesmal nicht geben, das überlasse ich den aufregenden blogs mit ihren einzigartigen abenteuern und der beschreibung der spielenden delphine mit dem schiff, yo.

20210228 aequartor links

 

20210228 aequartor rechts

 

Die bilder zeigen die imaginäre line um die scheibe herum. Der nächste wegepunkt ist in siebenhundertfünfzig meilen, kurs zweihundertvierunddreißzig grad.

Tag18
Der gestriege äquatortag hatte es in sich. Drei mal fetter regen und nebenbei wieder zwanzig liter wasser gesammelt. Und am abend war flaute, also groß bergen und die genua so klein, dass sie die wanten nicht erreichen konnte. Das war verdammt gut, denn um halbneun fing das wetter an. Dreißig bis fünfzig knoten wind, meist um vierzig. Draußen war es stockfinster, das fischerboot weit hinter mir verschwand im dunklen nichts. Das boot segelte allein, und ich hoffte auf eine freie bahn, keine schiffe auf dem ais. Nach zwei stunden war es dann vorbei, wobei der kurs nur süd war, also weg von meiner route.
Heute morgen startete der tag mit regen regen und am vormittag geht es krampfartig richtung süden. Und der wind blieb stetig mit stärke um fünf bis sechs. Am nachmittag konnte ich schon fast den richtigen kurs segeln. Nur bin ich noch fünfzig meilen neben der route und mittags habe ich den ersten breitengrad süd überschritten.

Tag19
Der wind ward heute nicht gesehen und so ging der motor zur arbeit an. Motorsegeln bis zum mittag, danach resignation und warten auf Godot. Etwas wind kam, aber nicht genug für die segel, erst am späten nachmittag ging etwas. Zum sonnenuntergang war es dann wirklich vorbei, segel bergen und treiben. Dieser tag war aber dennoch was besonderes, ich habe kein schiff gesehen.

Tag20
Dieser tag fing anders an, ein tölpel diesmal mit roten füßen kam am ende der nacht und ruhte sich aus. Alle diese vögel haben dasselbe verhalten. Wenn sie landen drücken sie einen ab, und das gleiche, wenn sie wieder das schiff verlassen. Warum machen sie das nicht im landeanflug, um ihr gewicht zu reduzieren? Nach sonnenaufgang war das meer noch immer ölig, keine wellen, nur eine alte dünung. So musste wieder der motor ran um den verbrauchten strom wieder zu ergänzen. Außerdem hatte ich in der ferne ein objekt gesehen, das sich im nahen als rostiges ölfass entpuppte. Bis zum abend hin und in der nacht war bloßes treiben angesagt. Außer einer viertelstunde zum tee, da konnte ich kurz etwas segeln.

20210303 oelfass

 

Tag21
Am morgen war das wasser etwas kräuselig, vielleicht rückt ja noch wind an. Das vertreiben ging diesmal nach nordwest, also nicht gerade meine richtung. Zum mittag segelte das schiff etwas oder trieb durch die segel in richtung süd mit einem satten knoten. Was für ein anstrengender tag. Das gute an diesem tag war ein geburtstag von Mr Perkins. Er hatte seine dreitausendste betriebsstunde. Und in der nacht habe ich den zweiten breitengrad süd erreicht, fehlen noch achtzehn.

 

20210304 mr perkins geburtstag

 

Woche 3
Die woche drei war deprimierend, der wind war schwach und ich bin vom kurs abgekommen. Die linke blaue linie ist meine gedachte route. Es gab reichlich regen und als endergebnis nur dreihundertdreißig meilen brutto oder zweihundertsiebzig netto in richtung süden. Die entfernung zur geplanten strecke sind achtzig meilen. Diese sollte ich so schnell wie machbar wieder auf null bringen.

woche3 ind

 

woche3 ind meilen

 

Tag22
Der erste tote fliegende fisch am deck und das bei flachem, ruhigem wasser. In der nacht frischte es ein bißchen auf, von null auf fünf knoten. Also habe ich ein wenig mehr die genua ausgerollt, gerade so, dass sie stabil steht. Jetzt am vormittag ist alles tuch am werk und wenn es gut geht, dann machen wir zwei knoten fahrt. Mit schneckentempo ging es in die nacht hinein und am morgen war dann wieder einmal schluss.

Tag23
Es ist zum heulen, kaum wind. Wenn das schiff keine fahrt macht, treiben wir nach nordwest. Mit etwas fahrt sind wir auf dem richtigen kurs, nur die segel sind nicht stabil. So sehe ich mich gezwungen, mal wieder den motor zu benutzen, um gegen die strömung anzufahren. Der motor lief noch lange weiter, segel waren geborgen. Der dritte breitengrad war auch schon überschritten, wobei meine hoffnung ist, ihn nicht noch einmal zu überqueren. Mal sehen was die nacht und die strömung bringen.

Tag24
Mit dem sonnenaufgang ging das groß wieder an die arbeit, der wind war schwach, aber die segel standen. Und dann galt es noch einmal, über den dritten breitengrad zu kommen. Letzte nacht bin ich mit einem knoten pro stunde nach norden geschoben worden. Um kurz vor mittag war ich dann wieder im angestrebten bereich und musste unbedingt strecke machen. Oder morgen wiederholt sich das drama von neuem.
Der frische lebensmittelbestand neigt sich auch dem ende zu. Gestern gab es das letzte ei und die butter wird langsam ranzig, olfaktorisch jetzt schon grenzwertig.

Tag25
Nach dreißig stunden segeln war dann das aus. Der wind hat sich verspisst und der motor musste ran. Dabei war das ergebnis des letzten tages sehr gut, fünfzig nettomeilen. Nur heute wollte auch am abend kein lufthauch kommen, oder gerade so, dass ich nicht nach norden driftete. Erst am abend nach sonnenuntergang war dann wieder segelwind für die nacht. Und wieder ein tag ohne schiffssichtung.

Tag26
Fing im morgengrauen mit einer fetten flaute an, drift nach nord mit bis zu einem halben knoten. Um zehn uhr war es dann alles auf null. Das meer war glatt, kein wind und keine wellen. Endlich zeit, die bilge auszusaugen. Beim umfüllen hielt sich der auftrag auf dem boden in grenzen und zwölf liter einer mischung aus wasser, diesel, öl und rost gingen in acht flaschen hinein. Die aromen vom diesel sind schon seit über drei wochen verflogen.

Tag27
Am morgen war ich wieder an der position von gestern morgen, ein wiederkehrender alptraum. Der schöne diesel verpufft für einen status quo, nicht mehr. Aus den erfahrungen vor Bali vor einem jahr habe ich deshalb beschlossen, wieder ein wenig den motor anzuwerfen. Damals hatte ich zehn tage gewartet, vertane zeit. Heute habe ich den vierten breitengrad überquert, das wasser ist bewegungslos und der wind macht pause. Der letzte halbe apfel ist auch weg, die andere hälfte war fauliger matsch. Nur noch zwiebeln und knoblauch sind frischware. Für sprossen ist es noch zu heiß, die triebe vergammeln, bevor sie ausgewachsen sind. Die butter ist aufgebraucht und nudeln gibt es in zukunft nur noch in rot, rot-weiss mit parmesan ist seit heute auch aus.
Bis zum sonnenuntergang kam kein wind und die driftrichtung ist jetzt osten mit teilweise etwas süd. Also nur eine querbewegung und nicht rückwärts, ein schwacher trost.

Tag28
Der motor ging um neun uhr an und lief bis zum nachmittg. Zweimal habe ich den kurs auf mehr süd geändert, da auf dem routenkurs zweidrittel eines knoten verschluckt wurden. Je früher ich aus der strömung heraus bin, desto besser. Der wind ist auch heute nicht anwesend oder unbrauchbar wenig. ‘Motor an und los’ hätte es am anfang meiner reise nicht gegeben, aber ich habe dazugelernt. Heute zählt nur noch das weiterkommen, und irgendwann kommt der wind auch wieder zurück. Bis dahin muss ich durch diese flautenbreitengrade hindurch.

Woche 4
Die woche vier fing gut an und war zum ende hin enttäuschend. Bis zum zehnten März machte ich fünfzig meilen am tag und dann fingen die flauten tage an. Gewonnene strecken am tag zerschmolzen in der nacht. Der ursprüngliche kurs entfernte sich weiter. Meine frischwaren sind aufgebraucht und der kühlschrank ist ausgeschalte., der wind war schwach und ich bin vom kurs abgekommen. Als endergebnis kamen nur dreihundertzwanzig meilen brutto oder hundert weniger netto heraus. Die gegenströmung hier raubt einem die lust, wo ist der strick.

woche4 ind

 

woche4 ind meilen

 

Tag29
Letzte nacht hat es mich zehn meilen zurückgetrieben, ich bin genervt, sehr. Die strömung lief mit einem bis anderthalb knoten nach nordost. In der nacht kam ein wenig wind auf und mit der genua trieb ich dann nach südost. Also am morgen wieder motor an und die segel halfen ein wenig mit.
Währenddessen habe ich versucht, die seewasserfußpumpe zu reparieren. Aber die klebung hielt nicht und nach vier stunden habe ich dann die reservepumpe verbaut. Sie ist vom gleichen typ, nur waren die befestungspositionen natürlich verschieden. Egal, bohren, schrauben, drücken, es passt und funktioniert.
Der motor wurde am späten nachmittag abgeschaltet und ein leichter wind wehte. Das schiff fing nach tagen wieder an zu segeln, zwei knoten durchs wasser, einen über grund. Durch die nacht hindurch hielt sich das wetter.

Tag30
In der nacht habe ich den fünften breitengrad segelnderweise überschritten. Im laufe des nachmittags nahmder wind dann auch wieder ab. Mr Perkins kühlt somit nicht aus. Was mir nur probleme bereitet, ist diese verfluchte gegenströmung. Nach den pilotcharts sollte sie eigentlich seitlich und für mich arbeiten.
Um sieben uhr ging der motor in die nachtruhe und ich hatte die qual der wahl. Entweder nordnordwest mit zwei knoten segelnd, nordost driftend mit eineinhalb knoten oder ostsüdost mit zwei knoten segelnd und driftend. Da ich nicht zurück will, blieb alternative drei. Meine hoffnung ist, möglichst viel süd zu machen, um dann den passatwind nach westen nutzen zu können. Mal sehen, ob die rechnung aufgeht.

wind 0-10s 80-90e

 

Tag31
Der kurs in der nacht hatte sich sogar zum besseren geändert, südsüdost. Dann im dunkeln sah ich eine riesige dunkle wolke, reffte schnell und erwartete den sturm. Der blieb aus und das schiff fuhr den alten kurs weiter. Am morgen kam dann wind auf, fast ein kurs von süd. Der hörte dann am vormittag auch auf. Man kann sich hier auf nichts verlassen. Also muss ich warten, bis die windrichtung sich ändert.

Tag32
Noch keine änderung und es wird gegen mittag noch schlechter, südost. In der nacht für ein paar minuten einer regenwolke konnte ich den kurs der route fahren, vorbei. Man muss nehmen was geht, immerhin bin ich schon über den sechsten breitengrad hinaus. Aber auch ein gutes stück nach osten verschoben.
Es war selten und nun ist es wieder an der tagesordnung, keine schiffssichtung. Der derzeitige kurs ist über zweihundert meilen von der route entfernt und nur dort drängeln sie sich. Wer um das kap herum fährt und nach Asien will fädelt sich nördlich von Sumatra in die Malacastrasse ein oder südlich bei Jakarta.

Tag33
In der nacht kam drehender wind, oft die genua gewendet und dann wurde es feucht. Also das schlaflager nach unten verpflanzt und der wind hörte auch auf. Am morgen dann ein paar regenwolken mit wind und ein neuer kurs richtung ziel, zeitweilig. Den ganzen tag habe ich damit verbracht, die zurückgetriebenen meilen wieder zu erneuern. Das gelang und gleichzeitig bin ich weitere zwanzig meilen nach westen gekommen.

Tag34
Im dunkeln kam wieder regen, wieder kein wind und zwangsweise treiben lassen. Ging diesmal besser aus, als in der nacht zuvor. Am morgen kam dann guter wind, mit dem richtigen kurs. Wenn das doch nur so bleiben würde.
Blieb auch, für eine stunde. Danach schwachwindig und am nachmittag bin ich einer fetten regenwolke hinterher gefahren, um mitgezogen zu werden. Das ging dann irgendwann auch und natürlich wurde es richtig nass. Dabei habe ich den siebenten breitengrad überschritten. So triefend ging es in die nacht hinein.

Tag35
Die nacht blieb feucht, kein wind und ich wurde auf dem bodenbett hin und her geworfen. Ein miserabler schlaf. Am morgen dann segelversuche, mal in die eine und andere richtung. Wie schön war es doch gestern, mal kurz über fünf knoten gesegelt zu sein, allerdings nur sehr kurz.
Gegen späten vormittag nach ungefähr sechsmal wenden kam dann wind. Es reichte für ein paar stunden, um drei knoten mit sonnenschein. War endlich mal wieder schön, so sollte es sein und erstmal nicht enden. Das finish kam zum fünfuhrtee mit einer drift nach nord um einen knoten.

Woche5
Die fünfte woche ist vorüber und noch keine nennenswerten erfolge. Segeln am tag für zwei stunden, wenn es gut läuft. In dieser woche gab es oft regen in der nacht, die ich dann auf dem boden verbracht habe. Auch ist der richtige kurs oft nicht segelbar, zickzack ist das resultat. Nur zweihundertsiebzig bruttomeilen waren möglich, der motor wird nur noch in notfällen benutzt, die tanks sind fast leer. Zum ziel sind es noch achtzehnhundert meilen, ich habe noch nicht einmal die hälfte geschafft, hoffentlich aber das beschwerlichere stück.

woche5 ind

 

woche5 ind meilen

 

Tag36
Es fing freundlich an, mit passendem wind. Schlaftrunken habe ich das groß hochgezogen, kurs eingestellt und es ging um vier knoten voran. Endlich ist die strömung mal für mich und es kommt ein halber knoten dazu. Es war ein guter segeltag für zwölf stunden, dann wurde der wind abgestellt, ich barg die segel und das schiff fing an zu rollen. Um zwei uhr habe ich mich nach unten verzogen und den schlaf gesucht. Am nächsten morgen fing ein regenschauer an und ich bin liegen geblieben. Wieder ein schlechter schlaf auf dem meer. Dafür habe ich aber zweiundsechzig netto meilen heraus gesegelt, bei vier bis fünf knoten und das war gut.

Tag37
Am morgen ging noch etwas nur mit der genua, aber vorm mittag war auch hier mal wieder ende. Große wellen und kein wind, so bekommt man viele klein. Der trost ist die überschreitung des achten breitengrades, so langsam sollte sich der wind stabilisieren.
Zum mittag war der wind so schwach, dass ich alles geborgen habe und mich zu einem nickerchen nach unten gelegt habe. Am späten nachmittag war ich dann rechtzeitig wieder an deck. Von hinten kam eine fette gewitterwolke, die drei bis vier knoten ermöglichte. Allerdings mit regen. Danach war es wieder dunkel und ich trieb wieder durch die nacht. Das tagesergebnis war die hälfte vom vortag, ernüchternd

Tag38
Es ging so weiter wie in der nacht, treibend. Meine beiden haupttanks sind schon leer. Vier rote kanister habe ich jetzt umgefüllt und dann habe ich noch eine stille reserve von fünfzig liter. Dabei ist noch nicht einmal die hälfte geschafft. Am nachmittag eine regenwolke macht drei meilen, um fünf uhr eine zweite, macht sechs meilen, plus einmal der motor macht drei meilen. Das ergebnis plus ein wenig treibend macht nicht viel her. Schuld daran ist die dünung aus südost seit über einem tag und der wind will nicht dabei sein. Dafür kam die libelle mal wieder aus ihrem versteck, eine hungerkünstlerin.

So etwas wie halbzeit ist gerade. Noch sind es um siebzehnhundert seemeilen bis nach La Reunion, der direkte weg. Aber ich habe auch schon sechzehn breitengrade hinter mich gebracht und es liegen noch zwölf vor mir. Siebzehn längengrade habe ich schon, sechsundzwanzig sind noch vor mir. Also irgendwie in der mitte. Hoffentlich nicht in der mitte der zeit, es wird langsam nötig mal anzukommen.

Tag39
Fängt mit gutem wind an, habe mal länger geschlafen. Dann alles tuch hoch und das segeln um fünf knoten beginnt. Das erste mal seit tagen sehe ich ein schiff, passiert Themroc in einer stunde mit einer meile abstand. Es ist doch genug platz hier, nun denn. Der wind frischt auf und dreht auch dabei. Als das schiff auf höhe war, fällt meins ab und dann eine plötzliche drehung. Neuer kurs richtung süd für eine weitere stunde. Warum passiert so etwas immer in anstrengenden situationen, wobei der frachter eine meile entfernt war. Das segeln lief danach schön weiter in die nacht hinein. Das ergebnis sehe ich morgen.

Tag40
Den neunten breitengrad habe ich um zwei uhr überschritten. Zweimal habe ich auch die matratze nach unten geschafft, da es anfing zu regnen, nur kurz. Das tagesergebnis war knapp unter hundert meilen, recht gut also, mehr wäre schöner. Gegen mittag war dann wieder schluss und mit dem motor noch ein wenig hinaus gezögert. Der sonnenuntergang war dann schon im totalen treiben, somit ging es in die dunkle tageszeit.

Tag41
Tagelang kein schiff und nun schon das vierte vor mittag, es wurden fünf bis zum abend. Das erste sah ich morgens um halbvier, als ich die genua wieder ausgerollt habe. Seitdem segelt das schiff wieder, wenn auch nicht so schnell. Das letzte müsli ist gerade im schlund verschwunden und ich habe einen fehlkauf getätigt. Die gelben linsen stellen sich nun als sojabohnen dar, hätte ich mal auf das kleingedruckte geachtet. Einen tag lang einweichen und eine halbe stunde kochen lassen und immer noch aldente, mist. Am abend wieder segel bergen und treiben lassen, so komme ich nicht schnell weiter.

Tag42
Das ganze von vorn, segel hoch und ausrollen und langsam richtung ziel. Zwei knoten ist nicht der renner, besser als rückwärts treiben. Zum glück sind es nur noch unter fünfzehnhundert meilen.
Etwas vermisse ich auf dem ozean, einen klaren nachthimmel. Ich sehe zwar mehr als in einer europäischen metropole, aber es ist ein grauschleier am himmel. Irgend etwas stimmt nicht, auf dem atlantik oder pazifik war es nicht so.
Am nachmittag kam dann mehr wind, auch mal anders. Zudem habe ich gestern meine uhr um vier stunden zurück gestellt, auf die zielzeit. Jetzt ist es schon um sechs uhr dunkel, gewöhnungsbedürftig.

Woche6
Die woche sechs fing gut an und endete auch gut. Zumindest ist das ergebnis bisher brauchbar mit einer tagesleistung von fünfzig meilen. Die strömung ist nicht mehr gegen an und täglich ist auch wind. Es scheint, dass ich aus der kalmenzone heraus bin. Der diesel ist jetzt rationiert, wenigstens gedanklich. Noch vierzehnhundert meilen zum hafen.

woche6 ind

 

woche6 ind meilen

 

Tag43
Die nacht wurde hindurch gesegelt, wenn auch nicht schnell. Nur der zielkurs ist nicht machbar. Wieder nur nach westen oder mit nord. Die andere richtung ist nur südost. Am vormittag wenigstens den zehnten breitengrad überschritten. Der wind will nicht so recht aus der richtigen ecke kommen. So fahre ich eins sechs null plus minus zehn seit dem nachmittag und in die finsternis hinein.

Tag44
Um zwei uhr barg ich die segel wieder, der lärm verhinderte den weiteren schlaf. Mein gast war noch immer da, schlief mit einem langen hals auf dem solarpanel. Er landete zweimal, beim ersten mal rutschte er von der sonnenplane herunter, landete zwischen der reling und der plicht. Das war mir recht, gut zu säubern, doch er startete wieder. Bei zweiten mal landete er hinten auf der reling, der schnabel war auf der außerborderpinne, der hintern auf der reling und die beine zappelten in der mitte in der luft. Die richtige zeit für einen geflügelbraten, aber ich befreite ihn aus der misslichen situation. Zum dank plazierte er sich auf dem panel und putzte sich. Danach kamen mehrere darmentleerungen und er lag in der eigenen scheiße. Ich brauchte zehn minuten für die reinigung.
Der wind kam nicht richtig wieder, gegen mittag holte ich alle segel wieder herunter.

Tag45
Die meilen von gestern waren dieselmeilen und sieben davon bin ich in der nacht zurück getrieben worden. Ich brauchte heute drei stunden für die gleiche strecke, der wind ist sehr schwach. Außerdem hat er gedreht, um hundert grad und kommt fast von hinten. Wieder ein verplemperter tag. Ein paar meilen waren aber am ende doch auf der liste.

Tag46
Der gleiche anfang wie gestern, der gleiche wind und der gleiche schlechte schlaf. Gestern habe ich fast den elften breitengrad überschritten, fast. Das habe ich dann noch einmal am morgen probiert. Es fing mit motorsegeln an, dann nur genua, ab drei knoten kam das groß hinzu. Am abend kamen dann flotte fünf bis sechs knoten auf die logge. Ein schöner segeltag und so ging es in die nacht hinein.

Tag47
In der nacht sah es so aus, als sei es vorbei. Jedoch nur eine kleine winddrehung. Am morgen wachte ich mit sieben knoten auf, noch einmal etwas reffen. Der halbwind hält sich, so schell war ich seit Phuket nicht mehr unterwegs, auch ist das tagesergebnis dreistellig. Dann war da noch die überfahrt am morgen des zwölften beitengrades, geht jetzt schnell mit sechs knoten durchs wasser. Es hört nicht auf und so geht es in die nächste nacht hinein.

Tag48
Heute ist der erste April und ich bin wieder nicht zu hause, alles gute, ich denke an dich.
Gestern waren es schon wieder über hundertzehn meilen und jetzt am morgen geht es immer noch mit über sechs knoten mit gerefften segeln durchs wasser. Das gps zeigt einen knoten mehr an, auch gut. Ich habe beschlossen, Mauritius anzusteuern, liegt genau auf dem weg und jetzt gerade sind es noch unter tausend seemeilen.
Das essen fällt schwer, besonders die zubereitung. Alle trockenen sachen sind verzehrt und kochen auf dem hohen backbordbug ist gefährlich anstrengend. Aber suppen gehen, ein topf und vorsicht.

20210401 kochen

 

Die woche sieben startete besser, als die wochen zuvor, wenn auch nicht im ergebnis. Ich konnte häufiger segeln, der wind änderte sich ab breitengrad elf. Es stellte sich, so sieht es aus, der passatwind ein. In den letzen drei tagen segelte ich komplett durch und das ergebnis dieser zeit war mehr als so manche andere woche. Die strömung ist mit dem schiff, oft um einen knoten. Über fünfhundert meilen gesegelt und schon unter tausend bis zum hafen auf Mauritius.

woche7 ind

 

woche7 ind meilen

 

Tag49
Die letzte nacht war streckenweise heftig, besonders um elf uhr herum. Wäre ich drei minuten später aufs klo gegangen, würde ich mit schwung an der anderen wand kleben. Das schiff legte los und dann schräglage, zuviel segelfläche und ein ritt über acht knoten. Alles ist noch heil geblieben, aber seitdem regnet es. Das gute, es geht voran, der vierzehnte breitengrad ist überfahren und es sind noch um achthundert meilen zur insel. Nach dem regen eine durchsicht an deck und eine segellatte gerettet. Sie hatte sich nach vorn durchgearbeitet und hing auf halbacht.

Tag50
Der tag fängt so an, wie der letzte. Viel wind, geschwindigkeit über fünf knoten, segel gerefft, aber die wellen werden höher. Wenn ich oben bin auf dem hochplateau, sehe ich mehr horizont als sonst und viele schaumkronen, dann ist neben mir allerdings ein tiefer abgrund. Meine vermutung sind die acht bis zehn meter wellen, aber harmlos. Der fünfzehnte breitengrad ist bei sonnenaufgang übersegelt und heute komme ich unter siebenhundert meilen bis Port Louis. Mein neues problem sind die bösen geräusche von der hydraulikpumpe des autopiloten.

Tag51
Geweckt wurde ich mit dreißig knoten wind und schräglage. Um acht uhr waren es schon unter sechshundert seemeilen bis zum hafen und zwei stunden später wurde der sechzehnte breitengrad süd übersegelt. Es läuft gut, sehr gut.
Aber mit der dauer der tage komme ich immer tiefer in den essensvorräten und entdecke vergangene zeiten. Vieles von den Falklandinseln, aus Argentinien und gestern eine rarität, das letzte glas kichererbsen von Teneriffa. Da quatsche jemand etwas von mindesthaltbarkeitsdatum.
Die regenwolken kommen jetzt mit fünfunddreißig knoten daher, somit habe ich mal das zweite reff ins groß gezogen. Nach sechs tagen dauerwind endlich mal etwas erholung, geschwindigkeit ist kaum eingebüßt, aber alles ist etwas ruhiger. Hätte ich mal vorher schon machen sollen, es hätte vielleicht die sprayhood gerettet.

20210404 sprayhoodloch

 

Tag52
Eine bessere nacht, der autopilot war leise aufgrund des reffens, der speed war reduziert. Morgens dann eine schiffssichtung und nach einer stunde passierte das schiff. Nur dann waren plötzlich drei schiffe um mich herum. Mal ein paar tage keins und jetzt alle auf einmal. Der siebzehnte breitengrad ist hinter mir und noch vierhundertfünfzig meilen bis zur insel. Am nachmittag dann noch einmal zwei schiffe, wollen wohl auch in die gleiche richtung wie ich.

Tag53
Irgendwann hört eine serie auch mal auf, immerhin waren es sieben tage. Gestern noch den achtzehnten breitengrad überschritten, der wind war schon schwächer und heute hat er noch einmal gedreht mit abflauen. Es ist an der zeit, die ausgelutschten batterien zu füllen.
Ich weiß nicht, woher das wort „etmal“ stammt, ich kenne den begriff „etliche male“. Ganz schön für eine tagesleistung, dennoch ist es glück, und so schaffe ich mal den begriff „etwoche“. Diese liegt jetzt bei mir mit neunhundertundzwölf seemeilen. Ich habe den wegepunkt bei zwölf uhr genommen, also einhundertachtundsechzig stunden insgesamt. Das ist mein rekord auf der ganzen reise. Die zwei dutzend tote fliegende fische an deck sind normal. Am abend sind es unter dreihundert meilen zum ziel.

etwoche

 

Tag54
Gegen mittag habe ich das sechste schiff gesichtet, wenn ich die zwei in der nacht dazuzähle. Mal sehen, wie viele es noch werden. Auch kann ich sagen, dass sie nicht auf automatik fahren und sich schlafen legen. Heute nacht wurde aktiv in den kurs interveniert.
Vorhin kamen wieder delphine vorbei, diese waren gelb-grünlich mit einer kleinen rundlichen rückenflosse. Ein- und ausatmen nicht hörbar. Nach dem imbiss waren sie auch wieder lautlos verschwunden.
Der neunzehnte breitengrad ist am nachmittag überfahren und es sind unter zweihundert meilen bis in den hafen. Sieht soweit gut aus, nur ich bin langsam müde von der reise.
Das letzte schiff passierte hinter mir vor sonnenuntergang. Alle schiffe fahren wohl östlich und südlich um Mauritius herum, um zum kap zu kommen.

Tag55
Es geht dem ende zu, die nacht war ok, der wind unregelmäßig. Am morgen die bescherung, die erste reffleine aus dem groß ist aufgescheuert und gerissen. Somit ist jetzt das zweite reff wieder im einsatz. Sollte vielleicht so kommen, es erleichtert mir die entscheidung der ankunft. Es sind noch achtzig meilen bis zum leuchtturm und hundert bis zum hafen. Somit bei nur noch vier knoten passt es ja zur tagesankunft. In der nacht in einen unbekannten hafen einlaufen, ist nicht so mein ding. Habe ich schon häufiger gemacht, aber nicht prickelnd.

Woche8
Die woche acht war rasant und gut. Leider ging am ende das erste reff kaputt, somit ist das zweite dran, ist halt langsamer. Gegen ende der woche musste ich dazu noch mit rückenwind fahren, um Mauritius zu erreichen. Das ergebnis von achthundertfünfundvierzig meilen ist besonders gut und ich habe auch die etwoche definiert.

woche8 ind

 

woche8 ind meilen

 

Tag56
Alles passte so schön, in der nacht schlafen, dann viel wasser trinken, um den morgen nicht zu verpassen. Schön sauber um die westspitze von Mauritius herum und richtung hafen. Die offiziellen habe ich angerufen, auch die marina und keiner muckte. Somit wollte ich in den inneren hafen hinein, aber ein kleines coast guard boot stoppte mich. Um die geschichte kurz zu machen, der hafen ist seit einem monat wieder zu. Pech gehabt, sie gaben mir einen apfel und eine wasserflasche. Somit geht es weiter nach La Reunion, weitere hundertdreißig meilen. Das mach ich mit der linken backe.

20210409 mauritius

 

20210409 mauritius

 

20210409 mauritius

 

Tag57
Die backe schmerzt, das meer hat nur wellen und keinen wind, auch in der nacht. Ich bin unausgeschlafen, genervt und ich rege mich über die verblödete menschheit auf. Ändern kann ich daran nichts, ich bin nur ein betroffener.
Es sind jetzt am morgen noch sechzig meilen bis in den nächsten hafen, zu weit um zu motoren. Also werde ich mich so weit wie möglich an Reunion annähern und morgen in die marina fahren. Diesel, wasser und futter gehen zu ende, eine weiterfahrt ist nicht machbar.
Gegen mittag hieß es dann, land in sicht, soweit es die wolken erlaubten. Die küste ist noch zwanzig meilen entfernt, bis zum hafen ist es das doppelte und morgen ist Sonntag.

Tag58
In der nacht bin ich um Reunions westspitze gesegelt, langsam, denn ich wollte im hellen ankommen. Irgendwelche ankerplätze im dunkeln zu nutzen, fiel aus und auch den zielhafen im dunkeln ansteuern wollte ich nicht. Das war auch gut so, an vielen stellen und an der einfahrt wird gebaut, alles heikel. Um neun uhr habe ich dann an einem reservierten steg festgemacht. Eine halbe stunde später waren der zoll und immigration da und der rest wird morgen am Montag erledigt. Nur ich darf das schiff nicht verlassen.
Für die theoretischen dreitausendeinhundert meilen habe ich fünfhundert mehr gebraucht, das ist ein super wert. Ich war achtundfünfzig tage auf see. Durch die ekelige kalmenzone hat diese strecke nur einen zweieinhalb knoten durchschnitt.

woche9 ind

 

woche9 ind meilen

 

Und ich weiß schon, wann ich wieder hier verschwinden werde, in sechs monaten minus einem tag in richtung Südafrika, so stehts in meinem offiziösen zettel geschrieben.

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